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Full text of "Geschichte von Görlitz"

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von 


C  (0.  fl>.  Hrnntanii , 


SJtit  einer  «nfidji  unb  einem  6ituation«plane  ber  ©tobt. 


©  ö  t  l  i  fer 

3n  Gommiffan  ber  $f*n'fö™  93ud$aiiblung       91  cm  et), 

4850. 

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®tabt\>nothntttn  ju  ©orltfc 


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/!3AYeR!SCM£, 
STAATS- 
BIBLIOTHEK 

Iß  0  t  W  0  t  t 


auptfötoierigfrit  bei  Bearbeitung  biefer  Sdjrift  braute  bte 
S!bjiu)t  be$  93erfafM,  eine  ptagmattfdje  ©eföifye  *u  liefern, 
oh«  bie  «m  ©»qialgefäitye  nötigen  ginftetyrften  jti  *er> 
na^idfftgen,  unb  ba*  Streben  fold>e  in  Der  &rt  eta|ufle($ten,  baf 
bie  gülle  ber  Sinjelfjeitcn  nidjt  ben  inneren  3ufömmen^ang  ber 
3>arttettnng  serbunfein  fonnc  Um  nity  iäfttge  sIBieberf)olungen 
fcrbetauf&tyren,  fcbteti  fein  anberer  SluStoeg  offen,  afe  ben  ge* 
botenen  auäaebebnten  £toff  in  ©nippen  tu  bchanbeln,  n>elcf)e 
ftd)  an  bie  natürlichen  mit  ben  Verloben  ber  Öefdjidjte  ber 
Sed)$ftäbte  parallel  laufenben  @nttm<felung$*3eittäume  unferer 
Stobt  anlehnen.  $ief*  ®ruppirung  ergab  ftd?  balb  aW.ba$ 
3»«fmä0igfte,  obgleich  einzelne  Anomalieen  bamit  nity  ju  wr* 
meiben  traten,  fo  ba£  5ß.  bie  ©efdjidjtc  be$  grangidfaner^ 
Äom>ente$  erft  in  ber  brttteit  *ßertobe  mitgeteilt  ift,  n>äf)reiib 
ber  .ganzem  fdjon  in  ber  feiten  bei  ©eföicfyte  ber  fatfyo* 
ttfd>en  $arod)ie  jur  ßrtbäljming  fommen  muffte.  Auffallenber 
noO>  mirb  bem  Äitifer  ber  llmftanb  fein,  baf  föon  in  ber 
erpen  $ertobe  bie  Sr^Iung  *on  ben  batüityn*  Semafoing*' 
uab  Steuer  *  Angelegenheiten  bi6  auf  bie  neuefte  $t\t  fortge* 
fu^tt  tß,  obttoljl  biefe  $eripbe  felbft  nur  M6  auf  bie  ®rtitt* 

bung  be*  fe<$eftäbtifaen  «unbe*  ji<h  erftreeft.   2)iefe  Sertyei* 

■ 


DigitizecTC57  Cioogle 


VI 


lung  tt>at  in  bcm  9Bunfd)e  begrünbet,  bie  angeregten  gragen 
im  3Hfawmenfyange  $u  crlcbigen,  um  nity  metyr  auf  fte  $u* 
rücffommen  gu  muffen,  unb  fo  eine  ben  Ueberblitf  erföwerenbe 
3erfplftterung  $u  ttermefben.  3»d^^  war  ^öm^  ^3ort^d( 
t>erbunben  bem  2efer  bie  öafid  ber  inneren  (Sntwitfelung  tum 
Oärlifr,  bie  £ülf6qHeUen  anfdjaulid)  $u  ma^en,  welche  bem 
Statte  Seijtonb  gewährt  tyaben  bei  Ueberwinbung  ber  gefdjil* 
berten  weltlidjen  unb  geiß(i$en,  inneren  unb  äußeren  SBirren 
unb  3erwürfniffe,  $ur  (Sljre  unb  $um  SBotyle  be£  ($emeinbewefen$. 
S)a*  4—6.  Zapftet  beS  erften  Sfodieö  jmb  fyaitytfädjlidj  befHmmt 
biefem  3roetfe  ju  bienen.  SJttt  bem  brüten  $ud>e,  an  beffen 
(Spifre  ber  benfwürbige  qjönfaK  be*  3a^re6  1547  geflettt  ifl, 
fföxt  bie  eigfentfafce  poHtffdK  Sebeötuni]  ber  (Stobt  auf. 
bte  batyut  «iftofratifc^re^H^li^amf^  mwaftete  ©emelnbewefett 
erf^dnt  fetttw^fo  nur  Utotnb,  bta  <5tabt*0*uT«ränttät  tft  in 

V»  V     V»  f       *  *  »V  *•  I         W  &  »411»  l  V4  i     1%  Hl  rV^rj  •*     il  /^Br  M  ™      I        « J 

aticö  We  Sefjanblung  beö  4.  SBudK«.  Da  $tar  fttr  **n  bet  • 
(Stabt  ©*>rli$  bie  9tebe  fein  buvfte,  wenn  fid)  tiefe  6tabt^- 
fc^id^ie  ifityt  ummllfüTii^  $u  etiler  ®efd)id?te  be6  fedj$ftäbrtfdj*tt 
Siwbcd  ewwttetn  feilte,  tarnte*  leibet  bie  görlifcer  äriegäwt* 
f>äütri#*  tot  breifiörtÄfiiafe*^  fte&tflj<tytig«iti  unb  »efreiung^ 
ärieg*  mm  1813  nic^t  tu  innigeren  ^ufammenfjang  mil  jenen 
we*tf#orifcfwt  Gegebenheiten  gebraut  werben,  eine  Stuffaffung, 
welche  fftr  Ben  3Bcrfaffer  uno  ben  Sefer,  $Hr  1)arfitettung  ufib 
geftäre  Hngleiety  Idinenber  gewcfen  wäre,  afo*  bie  fyiet  a«$  bem 
5ßef*n  ber  ^>e§ialgevcbicf}te  von  fief&ffc  ficty  ergebenbe  ©efnnrt^ 
luttg.  Ueberbiel  hmnieh  bfo  etojelften  an  ftd?  ermtitenben 
©Regalitäten  rtidjt  fehlen  oljwe  ben  ^aMptgefrcfyttyunft 
etntrAtyigw.  »aii^e  werben  mit  bem  8#f.  fearüber  rec|kn, 
ba#  eine  foe$ieUe  «ngabe  ber  -Duellen  »ermtft  wirb.  Dk 
eiitaeldlate  fft*  fcW^i*  bet  K»un^(^dtni^  wegen  weflg* 
löffen,  |ra  ber  Äff.  bfe  Schrift  fttff  eigpene  dJefa^r  In  SDtutf 
gcien  önt»  ft^  ba^er  feinen  ^imlrt  anl»<?ttmen  mu$t«.  Bei 


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VH 


H  wl  l  VI  U  v  1  vi,     ^^vl»  I W  II  Vc     V 14  \  | 1  v     j  V  v"*4/     v      j  V  *  ^     |  Xmf  v  1 1     "vll    Ii "  V  4*  L  Vi  vH 

$eef}rten  firerartfcf^rTT  Jreunben  ^erÜA^tc  IWbelftant)  nwtyt  fo  fdjreff 
ttrbtfrtrcttn,  a(6  a«f  ben  erf*en3Micf  fd>cint  Sic  faft  aHfjebet 
€eite  angebogenen  Dofumente  fmb  fdmmtlid?  ber  fyanbfct)rift* 
Itd|en  ttrfn*beiif<rmmta«sf*)  bet  rf>er!«»f.  ©efellftfjaft  ber  ®if* 

K'tii'A  "rTf^tt    ^tthtnm nii1!)      titih    fitt    Ul  li  et  mj         ttt    Ispti   *\rtti    ls#t*  /tp** 

nannten  Äefcflfdjaf*  tjeraudgegebenen  beiben  33*nben :  $er}etc$ni$ 
Übetl.  Urfuuben,  $u  finben.  Sfco  anbtre  Urfunben  betrugt  fm&, 
ifr  bie  Duette  dtitt,  be$glct<fyen  bie  pt  fllatfye  $ejegenen  ©ä* 
djet  imb  Slbtyanblungen  i«U«t  bem  Xtttt  bet  betrefltnben 
mte(.  Die  tfielffld)  erw  Junten  ,£>affe'fd)eii  ?Katb(5annakn  werben 
tard  ben  unter  Der  treffe  befmMidjfn  ffi.SJanb  ber  Weiten  Script!, 
rer.  Lusaeic.  bem  gelehrten  ^nbfifum  balD  ^gängig  werben, 
lieber  We  9taft>ere<$mtn<fen  ifr  vom  (StaMraty  Ä^let 
^terfetbf*  im  feuert  fcttf.  aSag^n  3NHjfrg.  1B37  p.  210  ff. 
anäfüfyrltd)  $5erict)t  erftattet,  t>ci^  ältefte  ^tabtbnd)  aber  p.  29. 
btef.  @efty.  betrieben,  gür  bie  mannigfachen  9coti$cn  von 
einzelnen  (Skbäuben  uitb  9*äumlidjfeiten,  n>e(ct}<  befonberd  fm 
2.  Ä«r>.  be$  I.  ©ud>e4  niib  im  Anfange  wrfommen,  finb  auper 
eben  <jebad>tcn  Duellen  *om  mir  nactyfle^enbe  Drigtnale  extra* 
^itt  »Orbfrt:  1)  Uber  Vöcationum  prtwcripteruni  acticato- 
pym  obligacionom.  A.  primua,  1342.  106  531  fol.  (von  f.  72 
beginnt  ttttt  bem  3abre  1372  ein  $!$rbu4)),  ^ap.  in  wutm- 
ütyige*  ©djwetoafcber  geheftet  3m  9ef.  be*  ©labrratl)  Mfy 
kr  ^ierf.  2)  Uber  Voeatiönam  *e  Proscriptiontim  von  1465— 
1911  in  rbrtfe*  fcebet  gebnnben.  250  9C.  von  bem  bie 
legten  jwöCf  erma^  oermobert  91.  1  beginnt:  Inccptu^Anne 
(fomini  eCc  ti¥.  ÄdtÖ6fatl?lei  SRo.  110.  3)  Uber  prö$crip- 
tiomnit  et  eausanini  criminaiiimi,  in  rotten  <Bafji<m*£oty 
banb  mit  »ncfeln  unb  klammern.  (Der  Sanb  ifl  geheftet  in 


«uff.  ixm       JT^ler  im  91.  tauf.  *Rag«j.  1Ö35:  3öa« 
tt  Ii*  jf*t  für  bi«  Öefdjktjtfd^ithttf  *r  £>Ur\mifo  $tfätt)<%* 

I 

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VDI 


ein  ©tutf  eineö  ^falterö  (sec.  XIII.).  ©et  ißapterbanb  entölt 
136  Slatt,  t)on  Denen  nur  fol.  1  (1447)  —  f.  12,  f.  14b. 
<»on  1463  ab.)  bi*  f.  .17a,  f.  103a.  (1448)  bt6  fol-  103<L 
befdjrieben  finb.  Stattfandet  9to.  89.  4)  Uber  obligacionum 
et  censuum  iqceptus  anno  CCC°lxxxiv0.  1384—1409.  50  331. 
QJapier  (bie  legten  betben  91.  (eer)  in  etwa*  jerrijfeneä  ©cfywemä' 
Uber  geheftet,  im  93efi$  be*  ©tabtr.  Stotyet.  5)  Liber  acto- 
mm  (1432—1486),  uietft  geifHidje  ©a^en.  £ol$banb  mit 
5  SKefjtngbudeln  auf  jebem  2)e<fel.  140  ©I.  *ßaj>.  t>on  betten 
ba$  le&te  auf  berJteljrfeite  nicfyt  betrieben  iß.  $fof  bcn  5)c<felu 
ftefjen  Urfuuben,  auf  ber  »orberen  inneren  golie  eine  Dorn  *|}le* 
ban  $etru*  ©unjlin  au  greijfcbt,  auf  ber  Unteren  eine  Urtanbe, 
worin  SRifolauä  ©ifd)of  von  Berleburg  eine  9leformtrungb*6  £ety> 
jiger  Xfyomaä^ftonüenteä  anfünbigt.  6)  Liber  acticator.  inoeptus 
anno  cic.  M°CCCC°xni0.  215  »I.  $ap.  in  ©djweindleber  ge* 
heftet  1413  —  1422.  7)  Liber  resignacionum  anno  etc. 
M0CGCC0xxxu.0  (1432)  usque  ad  annum  quinquagesimum. 
168  8L  Rapier,  9latl>dfanjlei  «o.  106*  fol.,  ^alb  gebto^en 
in  ©cbroeinöleberbanb,  enthalt  Stterfäufe,  &dufe  unb  Stiftungen 
Bon  1432—1450.  *8om  3al)re  1433  ab  fmb  regelmäßig  bie 
tfürergebniffe  angezeigt.  8)  Liber  resignacionuni  1450—1470 
fol.,  gortfefcung  be*  vorigen,  53anb  IL,  189  SM;  Rapier,  t>ou 
benen  531.  160,  162  b. — 190  unbefdjrieben  ftnb;  auf  bem  in* 
neren  ^oljbetfel  fteljen  ©teilen  au*  ber  ®eneft$.  $luf  ieber 
©eite  be*  $iemlid>  ftarfen  Sanbe*  befinben  fty  fünf  SRefftng* 
budein.  3wei  klammern  preffen  bie  ©d>rift  jufammen.  9tafy** 
fandet  %o.  30.  J.  II.  —  $fuf?erbem  flanben  mir  jwei  neuere 
4>ant>fd)riften  ju  ©ebote,  welche  metyrfeitig  benufct  werben  fonn* 
ten  unb  ftd)  mefyr  ober  weniger  auf  bie  eben  angegebenen  Oru 
ginale  ftöften,  a)  Notizen  zur  Geschichte  von  Görlitz.  Alpha- 
bet, nach  den  Gegenständen  geordnet  von  Johann  Abraham 
Grudelius.  I.  93b.  137  81.,  IL  93.  134  91.  gr.  fol.  nur  tyeü* 
weife  betrieben,  fcfywara  «ngebunben  in  $appb.  mit  rotyem 


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K 


mt  0o(b<XM  mi.  ber  O&trf.  ®ff.  Lus.  I.  80.  $tt  f^tt 
bcflnbltc^eit  Sfotijen  ftnb  fämmtlidj  au$  bcnt  Stabtbudje  t»on 
1305,  fcfit  libr.  obligat,  censuum,  aclorum,  acticat.  proscrtpi. 
n.  vocat  fowie  ben  Gasrechnungen  utib  Sttemorialbücbern 
(im  fRath$fefftonö$immer)  gebogen.  Selber  ftnb  bic  benufrten 
»änbe  nic^t  citirt,  wäfjrenb  bie  ©teilen  bei  jebem  ©egenftonbe 
au6  bem  JDrigfnal  in  ber  betreffenben  ®prad>weife  auägefdjrfe* 
ben  ftnb.  Sine  Stargteicfyung  ber  Ortginare  beweif!  bie  große 
©enauigfeit  be£  wbierrftooHen  gorfdjerä  drubelfu*  bei  biefer 
Arbeit  b)  Unter  ber  Ueberförift:  Lmisitzische  Büchersamm- 
lung,  in  etwa«  abgeriebenen  £alb*gol.  gr$b.  gebunben,  beftfrt 
£r.  28.  Jammer  f>ierfe(6fl  ein  263  SM.  ftarfe*  OTfcpt.  be« 
SÖürgermeifter3  Steumann,  weld?e6  eine  Spenge  fdjäfcbarer  9lo* 
H§en  jht  ©efdjicfrte  eingelner  ©aubenfmäler,  £äufer,  ©äffen  k. 
t>on  ©orlifc  enthält.  VI  81.  mit  röni.  3tffern  ftgnirt,  bringen 
Zotigen  über  bie  geograpljffdje  Sage  bet  ©tabt,  bie  Sänge  ber 
©tabrmauern  ic.  81.  1  enthält  Wotijen  über  „baö  ©djlof} 
(am  grauent&ore),"  81.  182b.  iß  gegenwärtig  ba*  §ule$t  be* 
fd)riebeue  unb  tyanbelt  t>om:  „ßippel."  Slußer  ber  £anb  be$ 
8ürgermeifter  9ieumann  fjabeu  nod)  $wei  anbere,  nämlid)  a)  bie 
be$  £rn.  Jammer  sen.  unb  6)  be$  £rn.  Jammer  jun.  im 
9Rfcpt.  Röttgen  über  ÜBeränberungen  an  ©ebäuben  ?c.  feit  ben 
legten  30  Satyrn,  eingetragen.  Die  älteren  Stötten  frimmen 
meiften*  mit  benen  t>on  (SrubeltuS;  über  ba6  16.  3afjrf)unbert 
r)fnaud  jeboety  fdjeinen  fote^e  ben  UmgangSjetteln  tyieftger  Stix* 
djen  entnommen  ju  fein,  unb  ftnb  bafyer  wie  lefctere  nur  mit 
SBorftdjt  jh  wählen. 

Sfofjer  biefen  fpejietf  Gezeichneten  8änben  würben  bie  nn* 
enblidj  reiben  bie  größten  Spezialitäten  umfajfenben  ©amrn* 
(ungen  berftubrif:  Lusatica  auf  ber  8iMiotf)ef  ber%©efellfcbaft 
ber  SBiffenfdjaften,  bie  tum  ber  grau  Xtfdjoppe  erworbene 
(Snibeliuä'fche  Sammlung  unb  bie  treffliche  Golleftion  lauftyi* 
fd^er  Schriften,  welche  weilanb  £r.  Superintenbent  3am!c  ber 

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©efeüfcfyaft  iegtrtc,  cnbltct>  mehrere  (^Ueffoween  iwb  ftofcUe  mei* 
neö  (EdnDaaerd  beä  ©tabtratb  Äöbler  hierfelbft  benMfel  helfen  «e* 
nw  Äcuntwf  fyiejiger  $er&4tt»tfie  mir  f<$r  näfrlüfc  war. 
3xa$  qxofycx  Sorgfalt  in  fcen  Äweftnren  fyat  ein  -Drjuffetyler* 
wjeidjjiffi  fcigegeben  werben  müften.  3d)  t>tt|c  bafyer  bem 
®cbjcau4K  Serie*  bie  förgänflüHiften  nnt  %m%ti$u*m 
aeiättiaft.  nacbiufchen 

2U*f  bem  freigegebenen  ©knatiiwtytone  ber  $tabt  iß  ber 
5krfn<$  gemacht,  an  bie  ®egen$art  jiug(ei$  bie  8$etg(mgeiU)etl 
awtfnüpftn.  3>anf  ber  förgfWtige*  *rteit  jbe0  £it$ogrflj>f>en 
£errn  Sßeingärtiier  ifi  fyeitanft  fttnetwge  bie  3D«stü^Wt 
btd  Silbe*  Derminbert  »orben.  Die  gbtftät  bef  ßbermarfte* 
im  3.  1800  ifi  ber  »atfa'föea  ®wmto«ig  läufiger 
fixten  im  8frd>toe  *>er  Oberi.  ®efe«f<fr#ft  ber  IBiffenf^aften 
entlehnt. 

mWW  fage  id?  ho*  b*a  Herren  £tabtfefee*är  8B*r< 
»er  «nb  ätegiftauor  @r^nlid>,  beren  ©efWiigteit  i*  **ef)rfa<fc 
in  Slnfpru^  nehmen  mußte,  frwie  aVen  ben  geehrten  ©efyötben 
mib  $rtoateti,  n>el(^e  bei  feien  9loti$en  für  be»  SBegiretfcr  bnrdj 
©örfi»  mir  freunblty  SluSfenft  ert&dlt  fatert,  meinen  faralicfc 
jten  $anf. 

<£prlij>,  3.  «ugttji  1.850. 


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3  n  h  a  1 1 


Seite 

93orn>ort      ........  L 

Grftcö  »Ud). 

Qtxjie$  Kapitel.  9ÜUem.  Ueberblicf  bet  ganbedgefftidjte . Jftegente»  3 
3  to  e  1 1  c  6  a  vm  t  e  l.  '«aulidK  gnttpicfeluna,  bei  vgtabt  ®  ort*b  *  Q 
i>nttcg  JtaEitel.    llebergana,  aud  ber  iflurq  jur  sStabt.  jMoio> 

bing.   Wjjlgj  beg  Qkmeinbeleben*.   C*tnfühvuna,  befl  äRagbe- 

burget JXtüft*   .          .         .         .         .         .         .  3t 

Cierteii  .Kapitel.  $ie  ffenraltunaaformen  .  .  126 
fünfte«  ÄaiMteL  ^fflK  be*  '»teuenreftnd  in  OJörii^  i  40 
WtqTftt  Jtjpitel.    Ije  ^ripilegien  ber  3Mbt ,  tnäbefpnberc 

be*  JXarbrrf  unb  ber  ©efdjledjter         .  .  .         .  52 

Siebentes  .Kapitel.   I>ac  rWigiidje  <srt}effen;i&eria)t  p  @or* 

liß  unb  fein  3ßirfuna«frei« 


3toetteö  S«4. 

«•rfte*  Jtapitcl.    Xte  GHrünbttng  be*  Eunbea  ber  <3ed?*tfabte  in 

bet  Cberlaune  unb  btt*  iBerljaitutfc  ber  Stabt  ©drlifc  M  bcmfelben  105 

Streite?  Äapitel.  ^Beteiligung  ber  2tabt  bei  Berjtötung  von 
Saubfdjldftern  unb  ebben  ber  £anbedf}erren,  bia  auf  bie  Seit 
ber  $ufitenfrieae         ......  109 

jhrfttei  jjfcijtjC  ffle  bürgerlichen  Unrufren  in  (Sförltj  roäfrrenb 
be$  14.  nnb  15.  3cbrhun'berM.  SBeftrebungen  ber  ^anbiperrer 
um  igetheiUgung  au  ber  9tatr)6fur  unb  ben  übrigen  ^Hinlegten 
Sergej  flieq>ter         .        .        .        .      _  .        .  114 

giert«  .Kapitel.   3)ie  QkteaUtfyat  gegen  9teufran<.  fttinbel  mit 

ftünftet  Aapitel.  Wi>rlt£  unter  £erjoq,  3or)annc6.  Sebmgerirttt. 
ftebbe  bee  £er*ogd  mit  Dem  9.  ©iberftein  auf  fftieblanb.  33er* 
treibung  ber  Suben.    1376  — 1396  ,  .127 

€>ed)äte$  .Kapitel.  (Iryerbung  ber  ganbeaftone.  1440  .  .  153 
Siebentes  .Kapitel.    &e)d)id)te  ber  *£tabt  njähteub  bet  bufUt- 

fd)en,  tt?artemberaifd)en  unb pobiebrabiftfren  3eiten.  UU--1488  157 
nefrte«  .Kapitel.    r£te  £änbel  ber  Stabt  QJötlift  mit  rpejtptyäli» 
fflen  BBB  bft  ^e^"^:  3ofranu  y.  gurte  1426.  3obann 
amjicbe  1445.    Eeonfrarb  SRutfrer  1455.    9ima«  Heller  143Ö  207 


4 


YTT 

All 

0)  «  Ii  n  t  t  V           a  tt  f  t  a  1          W  1    i  1 1  .» »•  i       i.tlthAH      K  .»v      i^t.ihf      In  .1  n  "r.»  11  K      IS  *A 

JLtuwiic   jv  a  r  1 1  c  i .    jwcuwri    fNiMrin    rii    <>siiiri   i  v  a  p  1 1 1 1  r  rcp 

Willi 

•yiiHifniiu >('•■  nur  nun]  riiiiituiii  tu*  im  ru  nuiu  ^uidi^iiiuu 

reo  lo.  oanrounriny  ...... 

C  \  t 

lehnten  Haiutel     Bier  a ehre  mit  Zittau  1491 

t^J  VlfH-t-Vf      V»  U  m    *  %  V  1  •                   1  *  V  *  fj  Vif  VV      Ulli      t\J  *  I  IM               *  ^»  V  *                              •  • 

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(vfft#4  ff  n  \y  i  t  »*  1      (s'i'ifhirhf ■»    b>*r    f.ifhiil     *l?iiri>riui*      (Stroit  hta 

^iiiiiiiv  in 1 1  riii  n i ii ii^io i ii in  i l  i ii ci i Ii.    -cuiiuiu  iic  i> kh  u i . 

in  if  bi'ni  *Äiit!u' 

Ulli      l   llll      .'Ivlli'l  . 

O  w  VI  1  U  C    .'V  kl  1  1  1  (  l>             Ii    HHIlllUlu    -Ul  Ulli-     Hill     _  U  i  l  l  '  1 1  l  1  WH  I  ' 

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t.MT    tu     INiiiflitl    hlit    .TUT    h  1 1     Mi'  .■  f  i>  v  Ml  .1  f"  r  i  *  n 

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-viii^ii'iiii.*   i'i  u  i  hu.      <  1 1    .'.  1 1 1 1 1 » 1 1'  1 1  i 1  ii    i'iiu  • 

2711 
• 

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1  i  1  i  e  Ii  II  I  C  u    Hai  ,  i  1  1.     /UlTllUlluu   PC0    -Ol|Uyl'l8  Ol  1' ii  II  II  V.  VSltl}- 

nip  (\u  ä'.eipeu)  in  i»oru&  im  ^anre  l.r.'U 

ftunT^cnn  tc»?  .Kapitel.    v>mgang  rcr  Wetorinatiou.  ^oroegung 

hilf     kMltr  liTI  Hl  1  1 1     ,1  »»  1            >\  r*ll      *  V  1  r  Ii           LyP-  f  1  1  1  1 1  t  tt  >      h  »'  v      ^Hp\.\        tl  tt  1 
CiL     v  UuiuHlinil    m  m  Ul     tili     i/llll  U|       w  1 1 UU  Ulir     L  l  i       vHll  U[IUU| 

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i  u  i  ^  i'  ii  u  i'  .Hiiriiti.     -i.il   »  un<niuii<i  r  iiui  i  iiui  loct  , 

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«4  Ul  1  i  l  DU  1  l  V    ill  U  V  1  1  l  Ii         v'l  Hill!    «ill'lllll     />lll  lllillll        VUll    «t/l  11 11 1 1  II 

mi   ISS  i\rl  r  It    1  Y<S 

Ul    vT' l'l  Up    Ii'OO                                                      .                 .  . 

s). cun zehnte«  JCa V i t e (.    S)ic  altcücn  Statuten  von  ©orlip  ciie 

v'haraFtcrntit  tcr  StatfvU'lnMUd)*  tinb  ötttcn^e|d)iuile  nnf.  <ötabt 

307 

3toan  jigfiee  JCapittl.    ietbcüigung  ber  &uitt  bei  ben  Xurfen- 

317 

frieden  ....... 

Stiftes  ÜBueft. 

(?rfieö  Stapittl.   JDerbnnrlunijen  mit  bem  .<lOniv^t,  ;nv  Jvttvi'cn 
ÜiUnn^  für  ben  Ävieg  g.j^cn  Johann  Aricrrtd)  »un  vcacfcfen. 
Herrath  bei  Sanbfdfaft  an  ben  etäbten.  iU'nfaU.  ^cnurbtitn^ 
ber  fect>«ftartuuien  »iartit  bnvrti  lonfyttty*  CMewaltf^ruct)  1547  32< 

3 n? ei t e t  .Satutil     Ta^  görliijier  AViüi^iiifanerfUMier  bte-  ^tr  Muf* 

leinnq  bety. Konvente*  1563     .  .         .         .  340 

grittf»  iRtt<)itel.    >3inltetng  nnt>  ^afob  S56t>me  .  .  360 

iQtertctj  Kapitel.    (Morlip  währenb  ber  ^iUn  bet?  Avicbrid)  »on 

ber  ^TaU  nnb  ber  Xrie>uMinmhcn  bit5  auf  ben  Vrager  ftheben  3S? 

^nnftet?  .HaVitel.    j?ie  t^rblmlbi^nng   ber  Cberlanüs  an  ba^ 

iHurrtauo  £  gehen  in  C»orliK  IHM/       .  .  .  .  392 

Viertes  «ucfai 

«?rfte6  Jtapitel.  £ic  Belagerung  ber  Stabt  im  M\n<  l H 4 J  397 
^weiteet  Xapitel.    IMeirtiielite  ber  ftangelifel>cn  ^aroeb/ic.  A\\ 

nuMiorruung.  VÄenirentuuDtaner.  iHrftptocaluint^mue.  '4.uetu^uuci  412 
Dritte*  Xapitei.    I'ic  alte  heimle.  gorliper  i*)iimna- 

ftum  feit  1565^1  !  »t  Mwi}n#iV .  :ft^>^*%A4# 

^ierteg  .Hapitel.    Der  Celano,  in  (Morlift  ron  ber  alteften  big 

aiI^tt_n<?llc>u'  3e».    (Mefangbud)tr     .  .  .       ~T  468 

^ütiTtfv  JtayMtel.  0<eidiict)tc  ber  ^ndibtucferei  m  (^^tt^  .  47H 
^fd)^teg  .Kapitel.    Die  3dmu'ben  in  ber  VJantlft.   Karl  XII.  w 

v^orlip.  17Q6.  1707  .  .  .  .  .479 


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xm 


Seite 
482 


€>ic6entc<  StutittL   Dunftmätfcftt  nnb  Pjjt|ggflfg  iparjttnb 
ber  ffftUfrfctjen  jtnea^  1742.  1745      .  .  _„•....• 

| et? feg  gägtlet    >Scr)icf|'ale  bet  £tabt  rearjrenb  beg  fiebenjafrrü 

gen  «ftriea.eg      .         .         .         .         .  '  » 
Oieunteg  JC a ^ 1 1 c  1.    Xüe  milben  isttttuna,en  in  (jJörlifi  .  s 
3  e  h  n  1 1  e  JK  a r  1 1  c  1.    -Tie  legten  3ahre  bei  Stobt  unter  bem  faetys 

Äfcben  fteflimente  big  $um  ^efreiuna,sfriea.c  1810—1813  \  513 
(5 If t  es  .Kapitel.    Worlifc  vom  «uramic  teg  3abreg   1813  big 

;um  l*nre  beg  ^affenftillitanbeg.  lö'.  Vlu^uft  1M13      .  [  517 

3 tt> ö l t t e e  Jtapttel.    %3om  15.  yluautt  1813  btg  $ur  (£rbr?ulbu 

a,una,  an  ^reugen  1815  ....  529 


483 


«jgji  an  isteuEen  ipia  *  .      '         '  . 

Tteijehnteg  .Kapitel,    freier  ber  l»rbtnilbia,uua,  in  (jflötüfr  beim" 

Ueberflange  an  bie  preuRijct)e  Jtrone.  3.  Viugitit  1815  .  .  546 
rÖiet^et? nteg  JtatMtel.    dflottlcb  Eubwia,  Xeimaut  unb  bte  äett 

feiner  iüertoaltuna,        .  ■  .  .  .  ~  553 

ftunf jsebnteg  .Kapitel.    »Jieug^3<a,tunbuna,  einer  f atholifrt?cn  v^a- 

roertte.  1835      !  .         ]  ~.  .  .  576 

®ed)tehnteg  jfä^Ttet   Vit  ®tabt  von  Temiani'g  Xobe  big 

auf  unfere  Xage  .  .  ...  .  580 

Siebente*  jtapitel.  jBfljMHM  einer  cbriiHatfrpI.  C^rmeince.  1845  594 
?l  cf> t  jeljuteg  Äapitel.   @efd)td)te  ber  3nnuna,en  fotoic  ber  3n- 

buüric  unb  beg  £anbelg  in  CMbrli^     .  .  .  596 

I.  fferieicftnip  bet  jBfttgttmcjggrte   .  .  . 

II.  Ujerjeicftniji  r-er  Fonujlierten  Siebter         .         .         .  ~. 

III.  ^er^ei(T)nip  ber  evano,elifrf)en  (Meijllicrjen 


636 

"638 


II.  ^»LM'ritaler  ,unb  .Rranfenbaufer  . 

670 

IH    Schulen  ..... 

677 

IV.  t8täbtifrr)e  unb  fönujlidje  @ebäube  unb  Seljurben 

.  681 

V.  SilMtienfcrjaftltcbe  unb  anbere  Vereine 

.  701 

VI.  3Hbliotl)efen  unb  Sammlungen  .... 

706 

VII.  ^romenaben  unb  $eranüauna.gi>tiet 

710 

VIII.  ä^erfwürbia.feiten  unb  ^artieen  ber  Umg.ea.enb 

712 

IX.  Jmtan$iennoti$  für  1850  .... 

717 

A  £aa,egfalenber 

,  725 

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€r|ffs  |nrii. 


Soiit  ttrftiinitige  bft  ©tebt  M  auf  bte  ©tünbung  bed 
»unbeö  bet  ©etfejfräbte*  1346. 


1 


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■ 


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/yA  v  E  Wisch  fcS 

5VAATS- 
3inilOTHI:K 


allgemeiner  Ueberblirf  ber  Sanbetf  ge|'djid}t*- 

Regenten. 

Heber  bie  urfprünglictjen  6iiin>of>ner  ber  Oberlaufs  unb 
ber  Umgebung  unferer  £  tun  un*  weiter  auebreiten  ju  wollen, 
würbe  und  Don  ber  6peaal*®e|d)id)te,  bie  wir  tner  beginnen, 
\u  weit  abrühren.  £>ie  grage:  ob  ü)eutfd)e,  ob  Slawen  Urein* 
wobner  gewefen  fmb,  erfordert  bie  auägeber;ute|ten  gorfd)ungcn. 
-ßajtor  £  a\  in  in  Xjfdjedjeln  hui  bie  Bfung  verfugt  uub  glaubt 
auf  baä  urfpriinglicfre  Safein  t>on  beutfdjer  Söeoölferung  fd>lie 
fen  |it  muffen*). 

2Bir  erlauben  uu*  hin  nur  einige  $emerfungen,  bie  jid> 
auf  unfere  ©egenb  besiegen.  2Benn  bie  fcnnarjme  richtig  iß, 
bap  jene  uralten  Staffen,  Keffer,  ©erätfje  jc.  »on  (Stein  nity 
fla*ifd>en,  fonbern  germamfdjen  93er>ölferungen  angehören,  fo 
Ratten  wir  nur  (finen  Ueberreft  au$  jener  3eit.  3»  3arjre 
1838  würbe  auf  görlifrer  gelbern  ein  Jammer  t>on  ©riinftein 
aefunben,  weiden  bie  Mltertrjüraerfammlung  ber  oberlaufcfrer 
©efeflfetjaft  ber  Sinenfctyaften  aufbewahrt.  3»an  nennt  biefe 
Jammer  „XrjoKtyammer,"  unb  werben  foldje  fer>r  $ar;lreicfy  im 
ffanbinarittyen  Horben  aufgefunden.  —  #eibengräber  fuib,  fo- 
Diel  Mannt,  bei  ©orlifc  nie  entberft;  bie  früher  wfyanbencn 
baunad)  i.al)lrei<r)  bur$  bie  überr>anbnel>menbe  6ultur  jerftört 
worben.    3Ute  ©efdjje  t>on  grobförnigem  Ztyon  würben  unter 


*)  2 elvi*:  „ffiamt  geruianifty  ober  fiavif&c  $olf«  Urtinktur 
ber  baten  ganzen?"  eine  ^fronte  $ret6f(ferift.    91.  V.  2W.  XIX.  $anfr, 
225  —  259.    edjelfe:  Urfunblidje  <3>efcf>id)tc  b«t  Ober?  unb  Sfcifbft* 

t<ufMh  I  B*i  6.  2  f.  $<*tt«  lw. 


1* 

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■ 

4 


berförbe  in  ber  *ßlattnergaffe  gefunben;  fte  fdjetnen  jcbod}  nid)t 
in  bie  Älaffe  ber  ^obtenurnen  \\\  gehören.  Uralte  Erinne- 
rungen erwetfen  folgenbe  örtliche  tarnen: 

1)  Der  ^ainwalb.    Dcnft  man  ftd)  ben  aanjen  £ugel,  % 
wo  *ßeterefirdje  unb  Sur»)  erbaut  würben,  ttorper  mit  SMu* 
men  bewarfen,  fo  war  Die  oberfte  Spifcc  ein  geeigneter  s4*la$ 
jur  WufjiteUung  etneS  ©ö&enbilbcö.   Der  Sage  uad}  foll  ed  ein 
beutfdje*  3bol,  eine  &rt  3ft*  gewefen  fein. 

2)  Di«  »oa*  ober  ©o^-  (jefct  $orf  )  ©affe.  ©og,  $of>, 
ift  ©ott,  ein  ferbifdjer  ©o&e.  Diefe  ©äffe  liegt  w  bem  alten 
©örlifc,  welche*  frühere  Dorf  an  ber  Hnit  (gumja)  gebaut 
war.  $icx  ging  bie  ältefte  Straße,  welche  von  ber  Drütte  f>cr 
(wo  ein  Jfretfcfyam  war)  um  ben  «£>ainwalDberg,  fpäter  ber 
93erg  ber  ©urg  Drebnow,  enDlid)  ©örlifc  genannt,  Die  jefcige 
^>oti)ergaffe  (^utergaffe,  £utmad>erftraße)  Ijerum,  bie  S3og- 
ÖJajte  Ijeraud,  Den  Xeidjen  entlang  iljren  3«fl  naljm.  $uf  ber 
fjalben  ©erglef)ne,  vielleicht  bort  wo  jefct  Die  Mfolaifirdje  liegt, 
bereit  *ßtofr  ftc^er  aud)  mit  2Öalb  bewarfen  war,  ftanb  ein 
wenbtftycr  ©ö$e,  ©og  (ineüeidjt  ber  ©tele  ©og,  ber  weiße  ober 
gute  ©ott),  jur  Anbetung. 

3)  Die  Sdjäbelteidje.  ßntweDer  riityrt  Diefer  9t  ante  t>on 
einer  großen  Sd)lad)t  her,  nad)  welcher  man  Die  Xobten  in 
ben  Seid)  warf,  fo  baß  fpäter  ihre  ©ebeuic  bort  gefunben 
würben,  ober  e$  war  f>icv  ein  alter  germanifefter  ©egräbnißplafc 
mit  ©erippen  entberft  worben,  alä  man  Die  Xeidje  anlegte. 
6d}äDelteidje  finbet  man  aud)  an  aubern  £)rten.  ÜÄan  lieft 
in  Gljronifen  bie  Sage,  bie  Tonnen  hätten  i()re  Jtfnber  er* 
morbet  uub  in  Den  Sijhäbelteich  getragen.  %m  annehmbaren 
erfdjeint  allerbingS  bie  ^inweifung  auf  eine  große  Schlacht, 
©roße  uub  blutige  ©efedjte  finb  $wifd)en  Deumen  unb  5Ben* 
ben  (Serben)  in  unfein  ©egenben  gefdjlagen  worben;  einzelne 
Sagen  haben  bunfle  £inbeutungen  aufbewahrt.  So  erzählt 
mau  in  greiwalbe  (Jtrei*  Sagau),  an  ber  laujtyifcfyen  ©ren&e, 
baß  bort,  wo  je$t  ber  fogenanme  Jtirdjwiufel  tf*,  einfi  eine 
blutige  Schlacht  ftattgefunben  t)abe.  Oefter  fanb  man  bort 
Sßaffcn,  norh  1839  eine  Sanjenfpiue  von  ©ronce,  welche  \>on 
Der  oberlauftf er  ©efeüf^aft  ber  SBijfenfc^af ten  aufbewahrt  wirb. 
#önig$haiu  mit  feinen  jDpferftätten  unb  8fd)enurnen  war  jeben* 
fallä  einer  ber  lefrten  £alteplä$c  ber  Ijiqtyn  5Benben  gegen 
bie  Deutfd;etu  Der  Simatfberg,  xoo  ber  ^age  nad?  auf  fei* 


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« 


5 


nem  Schlöffe  ein  SBenbenfurft  Räufle,  war  ba*  Borwerf.  Born 
(EcMcfTe  famcn  vor  vier  fahren,  al$  ber  geld  nun  Baue  be* 
ftrffrtabuft*  abgebrochen  wart»,  viele  Ueberrefte  }H  £age.  $a* 
Schloß  tft  burd)  ÄCMer  jerftört  werben,  jebenfall*  nach  einer 
Crrtfürmung.  Die  SÖaffen  jebech  zeigen  von  feinem  hohen 
«tter  unb  Die  le$tc  Burg  war  beutfehen  iirfprnnaa.  Bielleicht 
häufte  auf  bem  flavifchen  Schlöffe  Der  «&er$og  2>erwan,  wel* 
$er,  altf  im  Kampfe  bei  bem  Schlöffe  Sogaft  im  3ahrc  7üO 
Mc  Deutfcfcen  von  ben  Söenben  befielt  würben,  ftd>  gäntfich 
t»cn  Den  Dcutfchen  loflfagte  unb  uim  großen  Slavenfürften 
Santo  hielt  Bogaft  ( Castrum)  fdjeint  zweifellos  Ufyvft  an 
rer  Spree  z»  fein.  Änf  ber  Spree  entfloh  ber  von  ben  Deut* 
fchen  gefdjlagene  ©enbenfurfit,  ben  bie  Sage  ^rzibi*lau$  nennt 
unb  von  bem  aud)  bie  £anbee*frone  zuerfil  befeftigt  werben  fein 
foll.  ffa£  jener  3eft  ftammen  wahrfcheinlich  auch  bic  menfd)- 
lieben  Ueberrefte,  welche  ben  Seichen  bie  Tanten  gegeben  fjaben, 
bie  fte  feit  3af)rf)unberten  fuhren.  3n  bemerfen  ift,  büß  in 
bemfelben  Ihale,  wo  fpäter  bie  Sdiäbelteiche  angelegt  würben, 
He  alte  Strafe  ging,  welche  s|*olen  unb  Serhenlanb  mit  mach- 
ten unb  granfen  verbanb.  2(uf  biefer  «Straße,  beren  3»g  8w 
qcriuS  in  feiner  noch  ungebrurften  (#efchichtc  ber  £>berlauftfc 
nachgewiefen  hat*),  zogen  felbft  römifche  ^aufteilte  von  9te- 
aeneburg  nach  bem  Cften.  Biele  (Mrabfteine,  gefunben  am 
Ähein  unb  fonft  in  Dcutfchlanb,  aeben  Vluofnnn,  baß  eö  vor 
Uiglich  eine  Art  ®vp$ftgurenr)cmbler  (nei:otiatores  artis  cre- 
tariae)  waren,  welche  (Mefcfyäfte  im  Cften  unb  Horben  betrieben; 
auch  fommen  Äleiberhctnbler,  @rz-  unb  (*ifcnr)dnbler  k.  vor. 
Sie  taufchten  von  ben  Serben  ^eluverf,  «öonig  unb  (betreibe 
ein.  *Kömifcr)e  sJÖcumen  fanb  man  bei  itefyfa,  worein  ber 
Straßeuutg  gegangen  fein  feü*.  Um  Dueiß  aber  neuerbingä 
ein  broiuenetf  Statuettchen  (Jupitor  lonans),  im  Befiö  be$ 
$räftoenten  greiherm  von  Secfenborf  in  (ftörlifc,  jebenfalle* 
romifchen  UrfprungS. 

Bei  Bolfenhain  finbet  ftch  bie  Bezeichnung  Sdjäbelböhe, 
weil  bort  ber  ieft  fluchtiger  lartarett  erfdjlagen  würbe.  1842 
fanb  man  bafelhft  mehrere  tartarifdje  $ufeifen.  Die  Bezeich- 
nung Schäbelteicr/,  Sdjäbelböhe,  Schäoelberg  u.  f.  w.  läßt 
immer  auf  ba  vorgefallene  blutige  kämpfe  fd)ließen. 


•)  Xibiiotbtt  ttx  cbtxl  ©ffellfdj.  Ux  SiMfanfaaftcn :  Lusatica  I.  l. 


I 


6 


Unter  ber  jefcigen  $ftof*erhdf>e  Stabt  fanb  man, 
weifen  3  gu£  tief,  j.  B.  in  bcr  ^eterögaffe  alte  £ufeifen,  in  ber 
£otf)ergaffe  alte  £au6fct;iüftel ;  nod)  tiefer,  wie  auf  bem  £anb* 
werfe,  gro0e  Stämme  verwitterter  l*id)en.  Die  $*ge(,  auf 
benen<5törli&  liegt,  waren  mit  Räumen  beftanben.  Wo*  fpät, 
al$  ba6  älofier  fdjon  gebaut  war,  jeood)  außerhalb  ber  Stabt* 
mauern,  ftanben  alte  Bäume,  unb  £äufer,  bie  an  beren  Stelle 
traten,  befamen  if>re  Tanten.  6ö  bie  „brei  dicken,"  baSSei* 
ber'fcbe  $au*  in  ber  Wonnengaffe.  3n  bcr  tfangengaffe  ver* 
ewtgt  ber  «anaer'f^e  Bierf>of  bagegen  „brei  Smben."  —  Dod> 
wir  wollen  Wer  abbrechen  mit  Diefen  Betrachtungen  unb  auf 
•  ba$  eigentliche  Xfyema  junteffemmen. 

3u  ber  3eit,  wo  ber  Warne  ©örlty  auftawbt,  war  bie 
Besölferung  jwelfello«  wenbifcb,  b.  !)•  flasifcb. 

Die  belüften  ßbromfien  nennen  bie  beutige  Dberlauftfc 
SKilccnia  (Wil«ca),  bie  (Stnwofmer  SWjener.  Die  Sorben* 
SBenben  felbft  f)aben  biefen  tarnen  ntdn,  wie  überbauet  feinen 
tarnen  für  ba«  Sanb,  weldje*  fte  bewohnen.  Sie  nennen 
fich  noef)  beute  einfach  Serben  (Serb)  ober  lauftfcer  Serben 
(lujicanffi  Serb),  womit  fte  Ober,  unb  Wiecerlauft&er  zugleich 
bezeichnen. 

Der  Warne  ?aufty  bezeichnet  übrigens  biö  an  bat*  (*nbe 
be$  14.  3abrl>unberta  immer  nur  bie  Wieberlauftfc;  bie  Ober* 
lauftfc  al6  feiere  fommt  unter  biefem  Warnen  erft  feit  fem  15. 
3ar>rl)unbcrt,  Hnter  bem  Warnen  Sauftfc  ein  Diflrift  berfelben 
im  3a^re  1390  vor. 

®ewöhnlid)  fagte  man  Dberlanb,  bie  oberen  ©egenben, 
ba$  Sanb  jenfeit  ber  Berge  (von  Böhmen  au*  geregnet),  bie 
Sechaftäbte  ober  Secb*lanfre,  womit  bie  Dberlauftfc;  unb  Wieber* 
lanb,  bie  niebern  ®egenben,  womit  bie  Wieberlauftfc  bezeichnet 
wirb. 

Die  Unterwerfung  ber  Bewohner  unferer  ©egenb  bt«  an 
ba6  Wiefengebirge  unb  bie  bör>mifc^eu  Höhenzüge,  berSWilzener 
ober  9Wiltfd)aner,  wie  fte  Sd)affarfd)if  *)  nennt,  gelang  ben 
Deutfc^en  erft  febr  fpät.  Die  guftjer  unb  OTftfäjaner  geborten 
$war  ebenfalls  in  ben  Bereich  ber  $?arf  be$  Itfarfgrafen  ©ero, 
bem  Äöniq  ^einrid)  I.  bie  Bezwingung  jener  öftlichen  Sänber* 
gebiete  jwtfdjeu  @lbe  unb  Ober  unb  bie  Befestigung  bei  beut. 


•)  €(a»ifd)e  IMtrrtfyiimer  (ber  teutfdien  IWberfffctmg)  $b.  II.,  ®.  530  f. 

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7 

fcfccn  Dberberrfcbaft  Darin  übergab,  aber  fte  qfitoffett  einer 
qrcßeren  $retl>eu  al$  ifyre  norblidjcti  märfifeben,  meflenburgi* 
ufren  unb  fdjle*wigfd)en  Btammeegenofjen. 

3m  3af)re  963  jebod)  brad)  3ttarfgraf  ©ero  mit  einem 
?on  SBidjmann  gebungeiteii  f  lamfdjim  £i(f*beere  in  t>ci  gauftft 
unt>  im  sIJWrfd)ancilaiibe  ein,  bereu  ©ewobuer  bamatö  teil 
Xrtbut  verweigern  meduen  unb  in  einem  Sünbrnffe  mit  Geleit 
getreten  tu  fein  febeinen.  Okro  fdjlua  Den  polnifdjen  Surften 
aRetfdjidlaro ,  unterwarf  Vufner  unb  vj)iiUfct>aiier  unb  nötbigte 
foqar  ben  Uolenfurften,  bad  Vano  |ttifdjfcn  s£ober  unb  s2ßartt)e 
^um  geben  anzunehmen.  -  Stil  3Warf  greif  Wero  *  Abgang 
unb  lebe  (965)  fd)einen  imwifd>en  neue  flufftänbe  bei  frei* 
beikMtebenben  iWiltfcf)aner  eingetreten  tu  fein,  benn  evft  im  3. 
1002  fonnten  fieb  joeutfebe  (ii)rettt)1ten  bamit  bcrübmeii,  ba£ 
bie  l\iltfd>aner  völlig  bedungen  unb  ber  üRarf  Siegelt  ein- 
verleibt feien. 

&aum  ivav  aber  ba$  gefd)el)cn,  al6  bei  9iad>bar  ber 
v)Mtfd)aner,  ber  Holenberg  Soleölaw,  beffen  (tyrenjeu  bi$  an 
ben  Dueifi  gingen,  am  (£iibe  be*  3af)reo  1002  fid)  in  Hn 
»eft*  thred  Üanbetf  fe&te,  $au&en  fl&ubiftn,  ^ubifftn)  in  feine 
Gewalt  bradjte  unb  felbft  bie  Burg  Vitien  §u  erlangen  be* 
mubt  war. 

(*$  tatfpanuen  ftdj  hierauf  $wifd)en  bem  .König  £>einrid)  II. 
unb  ben  %*okn  mehrjährige  kämpfe,  in  Denen  bie  sJJtiltfd)aner 
auf  leiten  be*  »oleeiaw  ftanbeu.  Xie  fdjon  im  3.  1004 
beabftdjtigte  &*ieberunteriod)Hiig  ber  SJtiltfcbaitcr  gelang  nicht, 
weil  ba$  Deurfebe  »beer  —  nad)  ttuofage  ber  (Irjronifteu  — 
burd)  §u  großen  g d)nee  gehemmt  würbe,  (*ttblid)  im  x>.  1018, 
im  grteben  *u  Rauben,  fam  ba$  fcanb  bei  $?iüfcr)aner  ganj 
an  ben  beutfdjcn  .Honig. 

93ole$law  braeb  J  024  ren  frieren  unb  ber  58eftfc  be« 
KiUfdHinerlanbe^  war  wieber  in  ^ra*je  geftellt,  biö  äaifer  „ 
Äonrab  HL,  welduu  $ele0law'd  £olm  ÜRie&o  längere  3eit  in 
Salinen  belagerte,  WUetoo  im  3-  J.032  bezwang,  unb  biefen 
Xiftrift  (begrenzt  von  ber  <£lbe,  ben  Twf)mifd)eit  Qren.tbergeit, 
Um  Dueif  unb  ber  Weberlau  mit  ben  Clauen  23ubifjin, 
%icjt$  unb  3<Wf*  unter  beut  Manien  Provincia  Mikienorum 
bem  8ad)fenlanbe  r)in$ufugte. 

2)ie  beut|"d)en  Könige  legten  fefte  Burgen  im  eroberten 
fcutöc  an,  teilten  e$  in  von  Vögten  verwaltete  Surgwarbe, 


8 


Wela)e  bem  Warfgrafen  von  Weißen  untergeben  waren,  unb 
wiefen  e*  in  fird)lid}er  Se$ief)ung  $um  Sprengel  be6  $i$fyum$ 
Weißen. 

Sir  wollen  fner  bie  tarnen  ber  Surften  unb  ttyctx  unter? 
gebeiwn  Warfgrafen  alöbalb  fnnpfugen,  ba  wir  auf  baä  HU- 
gemeine  foätcr  uia)t  mehr  jururffornmen. 

Unter  Jtönig  ^einrid)  L  war,  wie  fdjon  gefagt,  Warfgraf 
©ero  (t  965),  ebenfo wie  unter  Jtaifer  Otto  L  (936—973) 
£anbe6gebietiger.  Unter  Jtaifer  Otto  III.  (983—1002)  ber  im 
3.  1002  ermorbete  Warfpraf  Grfbarb  von  Zeigen.  Sdbrenb 
äönig  Jtonrab'ä  II.  9tegierunge$eit  faVint  Warfgraf  DittriA 
in  ber  Oßmarf  bie  Verwaltung  beö  tfanbeä  geführt  w  fyaben, 
nad)  welaVm  Warfgraf  (fefbarb  II.  von  Weißen  (t  1046)  ba$ 
Regiment  befaß.   3bm  folgte,  unter  flönig  £einria)  III.  (1039 

—  1056),  SBilbelm,  Warfgraf  von  Weißen,  welker  1062  fkrb 
unb  von  feinem  (1067  geftorbenen)  93ruber  Otto  v.  Orlamünbe 
erfefct  würbe.  Neffen  9?acbfolger  Stfbert  L  von  ®raunfa)weig 
ftarb  fdjon  im  3.  1068. 

3Bäf)rcnb  ber  ftegierungtyeriobe  Jtönig  #cinria)$  IV. 
(1056  —  1106)  befam  ben  $eft$  ber  Weißner  unb  Wilriener 
Warf  im  3-  1068  (Stfbert«  erft  fc<Wtyriger  6ofm  tfefbert  II. 
ober  3»«gere,  beffen  Xot>  1090  erfolgte. 

©Aon  im  3. 1076  r)a«e  Jtönig  fyinxiQ  IV.  bem£er<oge 
Söratiälaw  von  Böhmen  ba$  Warfgruftfjum  Weißen  $ü  Seljen 
gegeben,  womit  aud>  bie  Oberlaufifc  -  an  936f>men  fam.  K)ladf 
mebrjabrigen  kämpfen  mit  (Fcfbert  IL  fam  enblia)  eine  8M* 
gung  ba^in  *u  6tanbe,  baß  @tfbert  II.  bie  Oberlauf  unb  ben 
©au  Seifen  (um  Dreflben)  an  vBrati*law  abtrat,  welajcr  fogar 
bura)  £einria)  IV.  jum  tfönig  von  $öl)mcn  erhoben  würbe. 

SBrattelaw  ftarb  1093.  3ljm  folgte  fein  ©ofm  $r*eti<5* 
law  U.  im  (September  1093  unb  im  December  1100  SBoni* 
wo»?  II.,  welker  mefyrfaa>  8a)itffal$wed}fel  erfuhr  unb  burd> 
(gobieSlaw  I.  vom-  Sfjrone  geftoßen  würbe.  €ein  gotyn  war 
©labi*law  U.  (1140—1174),  an  ben  ftd)  £obie«law  II.  (1174 

—  1178),  griebrief)  (1178-1190),  (Fourab  (1190-1191), 
®en*el  I.  (1191),  £einricr;,  jugleto)  (Srjbifa>of  oon^rag  (1191 

—  1196)  unb  2Ölabi*law  IU.  anreihen. 

<pfa)emiel  Ottofar  I.  (feit  1198,  t  1230)  übergab  noaj 
bei  feinen  Sebjeiten  im  3^re  1226  ba*  <Reta)  feinem  ©obne 
SBenjel  II.  (Wonoculue,  Su*cu$,  Dtofar),  welcher  von  1226— 


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9 

* 

1253  regierenb,  im  3abrc  1250  bem  Warfgrafen  Ottol!l.#»cn 
Sranbenburg,  einem  Jcamofgenoffen  free  Äonig*  unb  oft  in 
per  SDberlauitfc  fowie  in(ik>rli$  antoefenb,  oie  Dberlauftfc  über- 
gab.  Crto  III.  batte  nämlicb  bie  6cbwefter  beö  tfonig*,  >\kin* 
wwnSratrir  von  Böhmen,  im  %  1244  gebeiratbet  unb  10,000 
Warf  foltten  ihm  al*  flutffiattung  überliefert  werben.  Dod) 
fonrite  ihr  trüber  biefe  Summe  nid>t  aufbringen  unb  oer* 
pfänbere  bafür  bie  Dberlauftfc,  weldje  1250  befutitiv  in  feinen 
#efi$  fam,  trenn  gleich  immer  nur  al$  t>cbnnfcf»c€*f  vom  beut* 
feben  Weiche  abhängige*  Sehen. 

(£6  gehörte  bemnad)  <Mörlifc  ungefähr  feit  1250  ben  Warf* 
grafen  Otto  III.  unb  3ob«nn  I.  i>on  ^ranoenburg.  Wad) 
ihrem  üobe  1267  erbielten  bei  ber  1268  erfolgten  Ibeifung  ber 
DberCawttö  ÜWet  £öbne,  bie  Warfgrafen  >bcmn,  JDttoV., 
&onxat>  unb  Ctto  VI.  bie  Warf  Wrlifc.  Otto  V.,  ber  Vange,  über- 
lebte aUe  feine  trüber  ttttfc'  war  forttoäbreno  in  bie  Kriege 
feinet  Cbeim*,  Äönig  s4wemfel  Cttofarä  II.  von  Bobinen, 
verflochten;  führte  auch,  nach  bem  $elfrentobe  äönig  Ottofarö 
in  ber  Schlacht  auf  bem  Warcbfelbe  gegen  ben  beutfeben  ßönig 
ftuoolpb  von  4?abe*burg  (1278),  bie  &ormunbfcf)aft  über  beffen 
uitmünbigen  ^Sofjn  $ßemel  II.  (1278  -1304)  bie  *um  3abre 
1283  unb  war  mebrfacb  in  ber  Oberlaufs,  namentlich  in 
®örli$  unb.  Vauban  anwefenb.  3bm  folgte  im  3-  1304  fein 
le$ter,  ihn  überlebenber  £of)n  Warf  graf  «^ermann  ber  Sange. 

(&x  ftanb  auch  unter  bem  neuen  Xtonige  i>on  Böhmen, 
©en*cl  III.  (1304,  ermorbet  1306),  im  freunblicbften  Verhält* 
ntffc  mit  Böhmen,  ftarb  jeboeb  fd)on  1308.  s)?adt  feinem 
Xofre  führte  Warfgraf  ©alPemar  ber  Wrofie  von  v$taubenburg 
rie  *Hormunbfdjaft  für  jofyann  V.,  ben  (^Hauchten,  Sohn  »^er- 
manne*  befl  fangen,  audj  in  unferer  (tycgenb  bi$  \\\m  3 1313, 
unb  übernahm  nach  3obannd  Xobe  im  3- 1317  bie  Regierung 
voUftänbig,  ftarb  aber  leiber  fdwn  im  3-1319.  &Ue  um- 
liegenben  dürften  griffen  nun  bafl  branbenbutgifdtc  (frbgebiet 
an.   €>o  gefdjab  e$  aua)  mit  @örlt&. 

Hm  26.  Huguft  1319  batte  ftcb  fflörlift  fdjon  einem 
tenbenten,  bem  ^erjoge  Heinrich  von  3«uer,  übergeben,  welchem 
Äöniq  3ohan»  von  Lohmen,  auä  bem  «£>aufe  Suremburg,  auch 
bie  $eft$ung  beftdtigte.  .Röntg  S^bann  erhielt  im  folgenben 
3abre  von  $aifer  Vubtoig  bem  Öaier  bie  £)berlauft$  $um 
größten  Steile  ate  Sehen  ^ugewiefen.   Der  Stabt  ©örlifc  lag 


10 

-  —  — 

jebo#  bauVtfäcbttdj  baran,  bem  5Reid>e  ©ofymen  einverleibt  *u 
werben,  um  bem  beftänbiqen  ftürftcnwedjfel,  ber  febr  foftfmeliq, 
war,  ein  (*nbc  \n  machen.  tfun,  im  3.  1328  jinben  wir 
qörli^er  ©efanbte  bei  bem  älteften  fehlte  jofyann'tf,  bem  nad>- 
maligen  #arl  IV.,  welche  ihn,  a($  ben  qefefclidjen  Arbeit  be$ 
böl?mifcben  fteidje*,  um  Sieberoereiniqunq  ihre*  C%biete*  mit 
Sehnten  baten.  Äarl  wwenbete  ftd>  bei  feinem  s43ater  unb 
ber  SSunfd)  fam  wr  Shitfubrunq:  .freneq  ^einrieb  wfaufte 
6tabt  unb  Sanb  au  tföniq  3^«nn"  unb  am  3.  ^ai  1329 
würbe  bie  llrfunbe  hierüber  aitö^erteUt. 

*Bon  nun  an  tbeilte  Wörlifc  bi*  tum  3.  1636  alle  Veiben 
unb  ftreuben  bei*  werf) fei nben  (Mefdnrfe  Pehmen*.  $ad)  tföntg 
3et)ann$  Sobe  in  ber  €cbladn  bei  Grect>  fiel  batf  (Gebiet  an 
feinen  Sohn  tfarl  IV.  (1347—1378),  ber  im  3  1377  feinen 
jünqften  6or)n  3obaime*  ;um  4>eqoq  von  ©örlift  ernannte 
unb  baö  Gebiet  von  (ftorlio  in  ein  gürftentbum  verwanbelre, 
weld)e$  aß  bebmifebe*  Unterlegen  verwaltet  warb,  bi$  e$  bnrd) 
ben  üob  3cfyann*  1396  wieber  an  Scbmen  wrürffiel. 

Die  folqenben  flieqenten  waren  »en*eUV.  (1396-  1419), 
Siqmunb  (1419— 1137),  2Ubrecr)t  Ii.  (1437— 1439),  Jtatidlait* 
'JJofthumu*,  bem  erft  1 4n3  qehulbiqt  würbe,  fatim  <wei  3abre 
Bor  feinem  lobe.  Die  faum  verfyarrfcbenben  2i>unben  ber 
^ufttenfrieqe  würben  burd)  bie  Stiabl  be*  $nftten  ©eorq  $0* 
biebrab  1458  für  bie  £ed)*ftäbte  unb  (Mörlifc  wieber  jiim 
fluten  qebraebt.  (Mörlifc  hutbiqte  auä  fatl)clifa)er  Öiqeteric 
erft  fpät,  fiel  aber  balD  mit  beit  cuttern  etäbten  wieber  ab 
unb  fam  in  bie  verwtcfeltften  {(ebben  bis  \n  ©eciqd  lobe 
1471.  Sa>n  feit  1468  führte  $iattbia*  1.  Coroinud  bie 
Oberberrfd>aft  in  ben  tfaufi&eit,  wa*  ^u  neuen  9}erwirfcluna,en 
mit  bem  Okgenfpuiqe  SBIabiälaw  3aqello  führte,  bifl  legerer 
enblid)  1490  $llleint)err  na«  SWattbia*  Sebe  war.  1516  ftarb 
2ßlabi$law,  auf  weldjen  bitf  jum  3.  1526  l'ubwiq,  töonia,  von 
Ungarn,  folqte,  weldjer  bei  Webau  qeqen  bie  dürfen  fiel. 
Sott  nun  an  felqte  bie  auf  ben  bret£i<iiähita,en  Aliieq  feine 
Unterbred}ttiiq  bei  ^anbedberren.  X)ie  fteifyenfelge  ift:  ger- 
btnaub  1.  (1526-1564),  SHarimilian  II.  (1564—1576), 
bolpb  II.  (1576—1611),  Mattbia*  II.  (1611  —  1619).  ger* 
btnanbll.  war  jwar  fdwn  1617  in  kauften  t>orlaufi^  aebulbiqt 
werben,  bod)  hielten  e£  bie  ced)6fitäbte  fowie  ®crli6  fe  lan#e 
mit  griebrid)  von  bei  s4*faü,  bie  bie  6a)lad)t  am  weisen  Serqe 


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11 


renen  Entthronung  tewirfte.  €<$on  1621  warb  Obeilaufte 
t>om  Aatfcr  an  JRurfürft  >hann  ©corg  L  »erpfänbct;  1635 
fam  Sc  «^an^  an  Sadjfen  im  »rager  Separatfrieden. 

Äurfürften  von  Sacbfen  unb  ^crren  Der  Oberlaufs  waren 
nnn:  3ohann  ©eorg  I.  (1635— 1657),  Johann  (*teorg  IL  (1657 
-1680),  Johann  Okorg  III.  (1680—1691),  Johann  ©eorg  IV. 
(1691  — 1694)r  Friedrich  fluguft  1.,  and)  Der  Starfe  genannt 
(1694  —  1733),  grtefttdj  Huguft  IL  (1733  biS5.£ftbr.  1763), 
griedrid»  Gljriftian  (5.  Cftbr.  1763  bi*  17.  Secember  1763), 
griebrid)  III.  (son  1763),  würbe  1806  ßonig  von  Saufen 
Hnb  mufjte  einen  Ibcil  bei  £)bedaufi$  nebft  ©örlifc  an  ^reiujen 
im  3.  1815  abtreten,  wo  ohcIj  bie  Huldigung  an  «ftöuigftrieb* 
rid>  Sttyelm  III.  (t  1840)  erfolgte,  beffeii  Sohn  griedii* 
mWm  Vi.  in  bei  ©egenwart  regiert. 


©aultcrje  Cntwitfefung  ber  Stabt  ©örlifc. 

ffuf  hügeligem  $\oben  unb  auf  rem  «$anqe  bee*  99erg* 
riirfen*,  weiter  auf  bem  Obermarfte  bereite  656  ftuß  r)och 
über  bem  -Jtteereäfpiegel  ber  9corbfee,  unter  51°  9'  8"  nörbl. 
breite  unb  32°  38'  42"  öftl.  l*änge,  von  ber  2ande$frone  nach 
cen  fteifen  Ufern  ber  läufiger  (bei  Welchenberg  in  Böhmen  ent* 
bringenden)  sJReißc  abfällt,  liegt  bie  je£t  ungefähr  19,000  Seelen 
wählende  Statt  TOrlifi.  $ln  beiben  Seiten  be*  hier  ferjr  ab* 
fchüfftgen  Steißen  fere  erheben  jtcfi  bebeutenbe  4pngel}iige,  weld>e 
bie  Stadt  völlig  beberrfdien. 

©örli§  war  urfprünq(id)  nur  ein  Dorf  *)  (93illa),  unb  ber 
ferbtfdje  9tame  „Sf^orelif"  (Sranbftätte)  bezeugt,  baß  Statten 
reffen  (Erbauer  gewefen  ftnb.  ^orf  lag  an  bei  9tya 

(^ei#e)  unb  Sunua,  etwa  auf  ber  Stelle,  wo  je&t  ba$  fo* 


yt\Mi%  Ui  35urgermeijier  ju  (fcrti*  (tMW  Jtd^ftt),  0tttt|  1839,"  freierer 
edmft  »tr,  vfTglicbcii  mit  ben  JVathörcrt^nunqon ,  3in**  unb  (9efd)ptf-- 
bwdiern  :c.  fctoebl  in  tiefem  al«  im  3.  &apitel  im  «efeiUUeben  gefolgt  firtfc. 


SmittS  tfetpttcl. 


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12 


genannte  „9tieber*fertel"  iß.  Der  ?(u*t>nicf  „  93111a  ©oreli*" 
rommt  in  einer  Urfunbe  vom  3  1071  sor,  worin  StM$$ä&* 
ria>  IV.  bem€tifte  *u  beißen  acht  fömgliche  £ufen  in(**oreli* 
^eignet,  welche  einem  gewiffen  JD^er  wegen  begangenen  Ver- 
brechend abgefprodkn  werben. 

Untere  Dörfer,  fpätcr  6 tabt; Vorwerfe,  welche  bei  ber 
jefeigen  6tabt  lagen,  unb  tbeüweife  ftitterftyf  waren,  wie  ver~ 
fct)ierene  9cad)richten  in  Den  alfen  Stabtbii ehern  beweifen,  ftnb: 
Jllepbetewalbc  (bie  ctufkre  9tr$wjfciM  iml»  He  bleichen,  tm* 
gefäbr  bte  *ur  alten  lanbaner  Strafte);  $ertf>olbc<borf,  von 
rem  früheren  Sefifcer,  Witter  Veitbolo,  fo  genannt  (rie  innere 
Sceifworftabt,  £bergaffe,  Töpferberg,  töabettgaffe,  faft  bi*  nadj 
9Wop$  hin);  @onrac$borf,  13().i  .ttunftinöborpb,  and)  tfunnen- 
borpf),  1309  (*onrat>eeborph  (bie  ^arfanla^en,  sAWtl)lweg,  tfohl* 
gaffe,  6ommergajfe,  £)bermül)le,  btd  an  bie9?ei£e);  @alman6« 
borf  unb  tfrewelöborf  (bie  3afob$gaffc,  $almhof*ftra|?e,  Heine 
unD  grofie  bieSni&er  ©äffe,  Salomonägaffe,  (froetegaffe,  tfuh' 
gaffe,  baufcner  ctrape,  6teinbrud),  bie  leiche,  grüne  Kraben, 
£of)egaffe,  fidl.  Okab^affe  nnb  bie  6$<utftM  umfattenb). 

Oberhalb  bem  Dorfe  Wötlifc,  auf  bem  [teilen  fteleabbange 
Ulm  Wcifmfer,  lag  oatnal*  eine  $urg,  gleidjfallo  flaoifchett 
Urfprung*,  Drebnow  genannt,  wahrfcheinlid?  ber  eine* 
weurifdKit  ^irfobeamten  ßupan  ober  €npan).  Dtefe  ©krj 
war  tmrd)  ftcuer  *erftört  worben,  nnb  bie  Vötjmen  bauten  im 
3. 1126  ungefähr  auf  berfelbcn  Stelle,  wo  ie&t  bie  ctrafanftalt 
fteht,  eine  neue  Sefeftigung ,  weld>e  ben  Hainen  be*  baruntcr 
liegenben  Dorfen  5)}orelif,  t>.  i.  Wörlifc,  annahm.  Die  93urg 
muß  halt»  wieber  renuduet  worben  fein,  benn  fcfyon  im  3.  1131 
begiüubete  fie  «£>enog  Sobiedlaw  ron  Böhmen  auf«  Weue. 

sMt  bei  Aunehmenbeii  ^nwlferung  tu  ber  33urg  mußte 
man  auf  Wuäoehnung  fmnen  unb  fdwtt  um  bie  Witte  bec*  12. 
3ahrhunt>ertä  mögen  ftd)  bie  dauern  ber  s£imj  um  bie  Straften 
erweitert  haben,  weld)e  jeßt  unter  ben  Wanten  j>iinwalb,  Äird>- 
berg,  Steipgaffe,  ^etertfgane,  Wifolaigaffe  unb  »ftarpfengrunb 
befannt  ftnb,  von  betten  ftd)  ber  ftubau  im  i'aufe  ber  folgenben 
3ahr\e()nte  um  oic  föofcugaffe,  3nbettgaffe  (wo  bie  3ubett 
wohnten),  beu  Jparingtfmarft  ober  llntermarft,  bie  ^ellegajTe*), 

*)  £ort  lammt  nud)  im  3.  1527  (6affr,  ©ort.  SRaHn<annalen  III. 
28.)  ein  5Merhau*  unter  ttm  Namen  „ric  ^elle"  O&ölle)  vor.  «Sctjen  febr 
ftnb  ift  toxt  ein  .ftvetfdjam  flewffcn.    Actor.  (1432)  üb,  p,  24. 

• 

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13 


*ie  ©rubergarTe  (feit  beut  Weiteten  beo  ÄlofterS  fo  genannt), 
ccbmaqegaffe,  fteDermarft  (gifdjmarft),  Barfergaffe,  Sebergaffe 
unb  £anbroerf  (au*  ©ewanbmadjergajfe,  weil  fid>  bort  vor* 
)ügüd>  bie  Söollenweber,  t>lamlänbifd>e»t  Xuc^madjcr  anfiebelten) 
unb  Die  Ärämelgaffe  aümäljlig  audbermte. 

bereit*  im  12. 3af>rf)unbcrt  muß  auf  Dem  Burgberge  eine 
Äapetle  ober  ein  Üirdjlein  erbaut  gewefen  fein,  tatiumj.  1225 
erfolgte  fd)on  ein  Umbau  ber  $eterofir*e. 

Burgberg  tyiet*  ber  gan$c  gelfeu,  auf  welkem  bie  $urg 
»iib  ^eteröfir^e  ftanb.  (*r  würbe  begreift  *on  ber  93urg* 
freibeit.  4pier  jianben  früher  Siebelrjofe,  eifce  ber  Stüter, 
roeldje  nid)t  unter  jtäbtifd?er  ©erid>tobarfeit  waren,  beren 
©rmibjrücfe  jebtrd}  feit  bem  14.  3al)rl)unberte,  wo  fte  ba$ 
gewaltig  aufblübenbc  93ürgertt)um  ju  meiben  begannen,  all- 
mälig  vorn  *Ratt)e  angefauft  würben.  Xiefer  wneljme  ^Be- 
ut! umfaßte  ^eteregaffe,  Wifolai gaffe,  ^eipgaffe  unb  .ftainwalb. 
Xie Käufer  mit$öfen  Dort  fmb  in  Derivat  meiften*  ©rauljöfe. 

Da*  jefcige  Eanbrjau*,  ober  £d)lötjd)en,  war  lange  $eit 
ein  cieDetyof.  3"  fpäterer  3eit  fommt  noct)  ein  s$ewol)ner 
^ef^elben  t>or,  bem  bie  6taDt  auänafjmäweifc  Den  ü*ßol)nfi$ 
bierfelbfi  gemattete,  oljue  Dai*  er  Bürger  werben  mu^te. 
»ar  Die©  ein  früherer  s|iräfeft  auf  bem  £)wbiu,  3afob  »on 
§••(),  fönigl.  Staft  unb  Äammerfefrctdr  in  oetylejien.  (£r 
^e  Den  Dienft  aufgegeben,  um  feine  le$tcu  läge  in  *Kur)e 
IV  verleben,  unb  erbat  fUb  im  3.  1563  ttom  Äaifer  bie  (£r* 
taHbiiifj,  Den  Söoigtdbof  (bie  jefcige  3trafanftalt)  einzunehmen 
Mb  300  Xljaler  barein  }H  oerbauen,  waö  il)m  geftattet  warb. 
$od)  warb  ifjm  ber  Äuöbau  biefes  großen  (Mebäubeä  |u  foft* 
Ipielig,  wetfljalb  er  mit  (Genehmigung  bee  Matltf  ba$  vEdjlöp- 
auebaute*).  ^act>  il)m  bewoljnte  bao  cdjlötidjen  ber 
weflenburger  bitter,  griebridj  cpätf),  in  äljnlidjer  2Beife. 

Vtm  Untermarft  wollen  wir  unfer  ^lugeninerf  nod;  auf 
e'n  ®ebäube  richten,  weldjeä  i>ermutl)lid)  mit  bem  fogenannten 
M^^önen  .jpofc,"  bem  sJ*atl)f)aufe  gegenüber,  jufammenbängt. 
$iefed  £auä,  ba$  ©rofmann'fcrje,  »on  bem  im  3-  1833,  al* 

umgebaut  würbe,  ber  (SM.  SBegweifer,  9Jo.  31.  eine  9lb* 
bil&ung  gebraut  ^atf  fyiep  in  alter  3«t  „ber  Xempel."  SBeit 

')  Ueber  Hefen  t>.  J&aafl  unb  feine  Dtieberlaffuna  f.  au«fttf>rl.  Äauf* 
1«'«  Cbetl.  ©efdj.  111.  334  (f.,  »gl.  0rofftr  1.  j>,  213.  ff. 

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u 

biefer  &uoDrucf  fdjon  im  3.  1309  vorfommt,  war  bie  Sage, 
eä  habe  bort  ein  (Grunbftütf  Deä  XemplerorDenä  gelegen.  Dod) 
ift  tiefe  Meinung  fd)on  voüftdnDig  widerlegt*). 

Vlio  Daä  gran^tofanerflofter  begrüubet  worben  mar,  ftant 
eä  außerhalb  ber  ÜKingmauern,  mtb  baö  nad)  ihm  f)iuruf)venbe 
Zi)ox  (vielleicht  am  Ausgange  Der  33rüDergaffe  \u  fud)eu?) 
würbe  bae  ©rüDerthor  genannt. 

Die  (friitnwljnenatjl  wud)S  rafd),  befonbeiö  Durd)  Den 
3ujiup  von  Vlamtänberu,  weldje  bae  £uchmad)ergewerf  hier* 
felbft  griinbeten,  feit  c.  1 1 50.  3)al)er  erfdH'en  eä  fd)on  im 
3.  1255  bem  SRarfgraf.eu  £>tto  von  Trauben tmrg  nothwenDig, 
bie  8tabt  ju  erweitern. 

(Sr  rip  bie  alten  eigenen  ^efeftignngen  nnb  dauern, 
weld>e  Die  Mtftabt  vom  Softer  trennten,  nieber,  unb  $og  bie 
neuen  9)Jaueru  unb  Ihnrme  vom  9Jifolaithor,  Idngä  beö  £alter* 
berget,  grünen  ©rabenä,  über  ben  jefrigen  9ta(>ml)of,  bie  an 
ben  Aufgang  ber  teteivanbmadjcrgaffe,  wo  bie  neuen  dauern 
mit  ben  friil)eren,  juni  9ietpthor  fid)  fenfenben,  verbunbeit 
wurDen.  $öo  jefct  Der  Ü)eratanipla$  ift,  inöbefonDere  in  ber 
9tdl)e  be$  3^"^-'  ober  grauenthoreö,  befanb  |td>  fumpjiged 
l'anb,  ku  beffen  9lu6fchüttung  unb  Auffüllung  ^erraägtniffe  in 
ben  ctabtbüchern  verleidetet  ftnb. 

Doppelte  (Kraben  mit  ^allifaDen  würben  um  biefe  %n* 
läge  geigen,  beren  äußerer  Umfrete  Die  £tabtfreihcit  genannt 
warb,  b,  h.,  ctf  Durften,  Dorf)  nur  mit  betonterer  (Genehmigung 
be$  Watt)*,  höhnte  £dufer  erbaut  werben,  um  bei  Der  ton* 
ndherung  De*  geinbe*  fofort  Durch  ©ranD  Der  Vernichtung  ge* 
weiht  werben  \u  fonuen. 

So  entftanb  bie  Weuftabt.  3«  Oft  Bereich  gehört  ber 
£>bermarft  (bie  tief  in**  16.  3ahrhunbert  „Sccumarft"  ge* 
nannt),  bie  Steingaffe  ( wahrfcheinlich ,  weil  fte  juerft  maf* 
ftv  gebaut  oDer  juerft  gepflafitert  war),  bie  ftonnengajfe  (ent* 
weber  von  Dem  beim  älojtar  befinblichen  £aufe  ber  graste* 
fanerfdjweftern  3.  Otegel  ober  einem  9fejiben$haufe  ber  $on* 
nen  au*  9)Jari*iithal  fo  getauft),  Jtloftergaffe,  ©reitegaffe, 
3ubenring,  gleifchergaffc,  ^lattnergaffe  (wo  metften*  ^armfcV 
oDer  s4>lattenfchmieDe  wohnten),  SBüttaergafK  unD  Sangengaffe. 


•)  mhtrd  iiUt  t>a4$a\i6  „bttXtmptl"  f.  <3ötl  Mc$tot tfcr  a.  a.  9. 
u.  3atyrgang  1838,  8.  392.  ff. 


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4  5 


Die  tarnen  ftnr  im  «aufc  ber  3cü  *idfart  abgeändert  Wor- 
ten unr  raber  fdjwer  Mi  beftimmen. 

Die  Käufer,  namentlid)  rer  Mtftart,  »arm  ramal*  fafl 
leriglid)  aus  bo\\,  ma6  gam  in  rer  Äälje  wud)S,  gewimmert*, 
fie  waren  mit  (liebeln  unr  ßrfern  serfeheu  unr  unterhalb, 
inäbefenrere  an  ren  SWarfrpläfcen,  fogenannie  l'äuben,  weldje 
na*  rem  Srante  reu  1525  gröfneutbeilfl  mafftt»  gebaut  unr 
mit  ©ölhungcn  verfemen  waren,  über  welken  tu  reit  Käufern 
3immer  angelegt  würben.  Namentlid)  rie  (Giebel  waren  bei 
ten  geuersbrünften  febr  gefäbrlid).  Die  (Srfabrung  mad)te 
aber  utdjt  Rüg.  1329  brannte  faft  rie  gante  Start  nieder; 
1331  mup  flUeS  febou  wierer  von  $oU  aufgeführt  gewefen 
fein  r  renn  eS  wirr  üon  einem  gleich  auSgerebntcn  $ranbe 
beinahe  in  rerfelben  Startgegenr  unter  riefein  3aln*e  berietet. 

Ceftcntlidje  (JJebäure  Meinen  feit  rem  14.  Jahrb.  mafjw 
gebaut  Worten  ut  fein.  Das  Älcfter  mag  aud)  grojiteutbeil* 
?on  früh  an  fteineru  gewefen  fein,  ra  es  niemals  abgebrannt 
ift  tre$  großer  geuersbrünfte  in  rer  Mä^ej  ebenfo  ifi  e$  mit 
rem  ttatbfcau*,  was  am  Anfange  re$  14.  Jafofy  erbaut  fein 
mag.  33iS  auf  ren  (Hrunr  fanu  es  niemals  abgebrannt  fein, 
M  l»ie  feit  rem  3abrc  1305  bort  aufbewahrten  ctartbfidjcr 
nicbtS  tavon  mciren.  Rur  ras  Dad)  war  mit  Schütteln  ge* 
redt  unr  brannte  einigemal,  wie  in  rer  befcittern  s£efdncibuug 
refelben  im  $(nbangc  mitgctbeilt  ift. 

3«nt  39au  mit  Steinen  mögen  aud^  rie  effentlidjeu  s3au 
'ten,  namentlid)  im  15.  nur  16.  3abrb.  angeregt  haben.  Seit 
rer  Gfrfhtfenng  res  Scbicfjpulr'erS,  was  freilid)  wabreitt  rer 
^ufiteiifriege  wegen  res  mangelhaften  OU*braud)cs  unr  rer 
.HenntnitHongfeit  rer  Sücbfeumeifter  (geuerwerfer)  mel)r  fd?a- 
rete  als  nü^te,  murren  rie  Xbürme,  Saßrien,  dauern  unb 
Sollwerte  mafffo  gebaut.  Seit  rem  16.  jaljrb.  erreichten  rie- 
felbeu  eine  unglaubltdje  Dtrfc.  9fad)  rem  großen  SJraitte  r>on 
1525  bauten  rie  Bürger  grcptcutbcils  von  Stein,  unr  rer  ra* 
mals  ausgebet djnete  ^ennersrerfer  Jtalf,  rer  forgfdltig  zube- 
reitet, rem  Hörtel  gleid)  war,  gab  ungemeine  Jpärte  unr 
gejtigfeit  ren  dauern. 

3m  3-  1329  brannte  wahrfduinlid)  aud)  rie  von  ü)?arf* 
graf  Otto  neu  angelegte  $urg  mit  ab;  mdtf  \\\  t»erwed)feln 
mit  rem  Sdjloffe;  legeres  naunte  man  im  3-  1376:  ra<5 
neue  £au$.    CSö  ging  vom  graueutlwrc  —  ber  grauentburm 

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IG 


war  ber  S<$(oßfyltrnt  —  (jerab  biö  auf  ben  gifdjmarft,  biä 
jum  gegenwärtigen  3nquifitoriat,  wo  bamaltf  bie  fyofyn* 
»efte,  baä  Stabigefänguip  war.  3ut  3.  1376  machte  man 
einen  Durchgang  burd)  batf  neue  $a\iü,  wa$  burdj  bie  (Er* 
nennung  t)eö  «öerjog  oofyauneö,  311m  «£>erJt0g  von  ©örlifj,  bef- 
fen  ^auptaufentfyaltäort  ©örü$  nunmehr  fein  follte,  widriger 
würbe.  ($3  war  aber  nod)  t>cr  Umftanb,  weiter  einen  9Reu* 
bau  erforberte,  bap  in  tiefer  3e**  &w  3ud)mad)cr  unb  ©c- 
werfe  feljr  aufrüfyrerifd)  gegen  ben  jRatl)  waren,  wegen  ber 
vielen  Soften,  weldje  bie  unten  erjagte  jerftörung  von  9ku* 
fyauä  verurfadjte.  iBarum  würbe  ber  SBeiterauäbau  befehlen, 
welcher  mehrere  3af)te  bauerte.  1380  mujjte  bie  Ringmauer 
beim  8d)loffe  gebeffert  werben.  9?od)  im  3.  1408  befat)  fidj 
^önig  9Ben^c(  bei  feiner  Slnwcfenljeit  in  ®orU|  bad  neue 

S'auä.     1474  erlaubte  ßönig  9)fattl)ia$  ben  Äbbrud)  Dee 
djloffeS,  ber  benn  aud)  ntcfyt  lange  nadjfyer  erfolgte. 

^011  ben  üfyürmeu  war  ber  merfwürbigfte  ber  im  3»  1836 
abgebrodjene  9?ci£tl)urm  *).  @r  tonnte  leictot  ber  ältefte  unter 
feinen  ehemaligen  ©efd) widern  fein  unb  ftaub  biö  gum  3. 1397 
an  ber  v£rütfe,  unter  il)m  burd)  führte  bie  Strafe.*  3ut  % 
1397  waren  bie  Letten  an  ber33rücfe  jerrijTen  unb  ber  übrigens 
hölzerne  Xburm  würbe  wieber  neu  gebaut.  66  war  ein  SBädjtcr 
oben,  welker  bao  «Jporn  Mied,  geueröbrünfte  unb  Traube  an* 
fagte;  aud)  fd)o£  mau  von  bort  mit  dfrmbruften.  14J5  baute 
man  ben  Xljurm  nodjmaltf  neu,  mit  füarfeu  (Sid)en  befeftigt, 
mit  eifernen  %£>afen  unb  Unfern  verbunbeu  unb  mit  ät^11 
geberft.  Seit  ber  3cit  biefj  er  „ber  neue  Xfjurm."  1426, 
nad)  bem  $krluft  ber  cd)lad)t  von  Mujjig,  würben  bie  dauern 
am  Ärifttfcurme  normale  mit  eifernen  jpafeit  verfdjränft,  ein 
neuer  ^öobeu  gebaut  unb  baö  £ad)  neu  mit  3ifgrl"  gebedt; 
ebenfo  würbe  bie  £altbarfcit  bee  XljurmbobenS  verftärft,  ba 


legte  ^einrid)  v.  3)ialtt$,  ein  bitter  ber  Weber  lauftfc,  an  ben 
dauern  unb  Ifyürmen  überljangenbe  2Bel)ren  au,  wa$  aud) 
beim  9ceiptt)unue  gefdjal).  sJHan  untermauerte  bamalä  aud) 
baS  9?eißufer  an  ber  Stelle,  wo  £f)or  unb  Sljurmbefeftigungeu 


•)  Aleiut  ßnrenif  t>e*  Oleiptfyurmd  (von  äöljler)  im  ©orl. 
toeifet  1836,  9to.  15,  16,  17,  18,  aud)  befonfcer*  mit  itoei  «bbifouna/n 
(ber  3>trm  15Ü5  u.  1836). 


1428 


"Digitized  by  Google 


\1 


muten.  $icfe  Befestigungen  betriff«!  fich  bei  mehrfad>er 
anwcfcnbdt  ber  £uftten  vor  ber  Stabt  fehr  äwecfmä£ig.  1438 
würbe  Die  Xreppe  auf  ben  Xfyurm  gebaut,  ebenfo  1455.  3m 
3. 1525  verbrannte  ber  Weipthurm  unb  würbe  erft  1539  wieber 
aufgebaut  1687  würbe  Die  Spifcc  beö  Zburmd  um  eine  l*Ue 
gefünt  vom  ^£>erfmeifxer  @cor<}  ^>eutfd)el.  Sei  ber  Belagerung 
1641  würbe  ber  Xrjunnfiiopr  ruinirt  unb  eift  1665  wieber 
bergefteüt.  J726  am  30.  Slpril  würbe  ber  Sl)urm  biö  auf 
bie  Stauern  niebergebrannt.  X>cr  Uuebau  im  3-  1737  foftete 
circa  1350  I^tr.  £ie  3»«nierarbeit  beforgte  bamalö  ©eorg 
£amann,  bie  Maurerarbeit  Samuel  Sucfert,  9fitfftc6t  hatte 
ber  Bauinfpcftor  Stabin  Dr.  ©e()(er  unb  ber  Baufchreibcr 
Benjamin  !)iegiu$.  ©Iqrfengießer  Benjamin  Jrörner  gofi  bie 
neue  ©locfe  unb  Xitbreat  feinde  fertigte  ben  großen  Änopf. 
1836  würbe  ber  Shurm,  weil  ei  bie  sJ?affage  am  sJceißti)ore 
verengte,  gan$  abgebrochen. 

3m  3.  1407  würbe  ba$  Saljhanö  auf  bem  Cbermarfte 
begonnen,  aber  erft  1470  vollenbct;  ebenfo  1190  ber  Jtaffertruft. 
(fr  bat  djjeüweife  febr  biefe  ÜRauern  (nact)  bem  I6pfertl)ove  *u 
7';2  (iüe),  jeboer)  ift  ber  obere  lljeil  nicht  gewölbt.  Xhnrme 
unb  Boüwerfe  biefer  9(rt,  wovon  uod)  einige  wenige  Bajteien 
ftd)  ci  halt  hl  Ijaben,  gab  eö  fel)r  viel.  Httf  einem  Bilbe  von 
@örli^  vom  Anfange  be$  vorigen  3ahr^unocrJÖ  JÄ^ten  wir 
noch  32  3  härme  unb  Xhürmdjen  ohne  bie  feften  ifjore,  ob* 
gleicl)  nad)  ber  Belagerung  von  1641  viele  fd;abbaft  gewor- 
bene  abgetragen  finb.  3"  ben  fefteften  gehörte  ein  ieefungö- 
werf  an  bem  9ieitwfcr  bei  ber  Briicfe,  bie  JDcbfenbaftet,  welche 
im  3.  1525  bei  bem  grojkn  Branbe  mit  nieberging  unb  biet 
1536  in  Zinnien  lag,  in  welchem  3 ahn*  fte  hoher  gebaut  unb 
mit  ©ervölbe  verfehen  würbe.  $)a3  Ü>acf/  war  von  gehauenen 
Steinen,  auf  weldje  Jialf  unb  bann  erft  Siegel  famen.  3)ort 
war  bie  3nfd)ttft:  Ci vitalem  melius  ainor  civium  quam 
alta  propu.qnacula  tutatur.  *)  3m  3-  1833  Würbe  ber  auf 
ben  Jlup  ui  liegenbe  $r)eil  biefer  Baftei  mit  großen  Schwierig* 
feiten  abgetragen,  auf  bie  man  fc^on  1823  beim  Abbruche  ber 
Baftei  jenfeit  ber  ^eipe,  welche  auf  ber  Stelle  ber  feftiaen 
Sauer'fchen  gabrif  ftanb,  geftopen  war.   9citht  weniger  feft 


')  „$it  Siebe  ber  «Bürget  fcefd)ü$t  eine  Statt  beffet  a(*  fteüe 
$<ftuuvi*tt>erfe.'' 

1*c dachte  von  0trlift.  2 

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18 


war  aud>  ba«  S3oüwerf  Sßagenfcroffel;  e$  wufbe  1429  ab* 
gebro^cn  unb  ftonb  beim  Äifolaitfyurm.  dbenfe  feft  war  bie 
alte  Pforte  (jefrfge  ©ebertljor),  abgebrochen  im  3..  1843,  bad 
grauentfjor  (abgebrochen  1846,  1847),  ba$  reidjenbaaVr  nnb 
Wfolaityor  (abgebrochen  1848). 

SBenn  man  im  14.  3atyrf)unbert  burdj  bie  finfterit  «nb 
engen  Xfyore  über  bie  3w9^riiden  unb  ©räben  au$  ber  6tabf 
gerommen  war,  war  man  nod)  nity  ganj  im  freien.  (5d 
ging  im  llmfreife  von  einer  falben  ©tunbe  ein  $a(Iifaben$aun 
um  bie  fi$mmt(ia)en  @tabtmauern,  unb  wieber  eine  SBiertelftunbe 
weiter,  foweit  ba$  ffieictybilb  ging,  ein  ©raben,  ber  fogenannte 
8tabtgraben.  3nnerf)alb  be$  genannten  *ßaUifabenjaune«  vor 
bem  Srauentfjore  war  ber  ftäbttfd)e  £)bjigarten.  <£ine  zottig  ver* 
fdjwunbene  Capelle  ober  Jtirctye  werbe  hier  noch  erwähnt,  bie  fo* 
genannte  @trot)fira)e,  welche  einfi  auf  bem  ©raben  an  ber 
i?unifc  ftanb.  3m  3- 1380  heißt  eä  in  ben  mehrfach  genannten 
Stabtbüchern,  baß  ber  3ai*n  M  ber  ©trowinfirc^e  gebejfert 
werben  \ft.  1386  von  Äenberung  ber  Umzäunung  unb  beS 
©rabenS  um  ben  Dbftaarten  (pomeriuiu)  unb  bie  <§lrobfira)e, 
ebenfo  1387  unb  1389.  3m  3.  1392  verfauft  man  $fft$le 
bei  ber  <£tro^fira)e.  1398  wirb  bie  3Rauer  bei  ber  6trof>* 
ftrdjc  gebaut.  3nt  3-  1434  l)ieß  noch  ein  ©runbfförf,  ein 
©arten  an  ber  8uni$,  <Strof)fira)e*).  9)?ehrere6  if?  über  biefeä 
©ebäube  nia>t  befannt,  welches,  wie  bie  Capelle  am  gujje  beä 
Sßeinbergeä  natt)  Sefa)wit  ju,  in  ben  Fricgertfdjen  ^dttn  wäh* 
renb  ber  Äufitenfriege  abaebrannt  worbeu  iji.  Severe  würbe 
1425  jerftort.  Um  biefelbe  3«t  mögen  aud)  bie  !Rebenpflan* 
jungen  auf  ben  fogenannten  SBeinbcrgen  wieber  eingegangen  fein. 

©a)on  1379  unb  bann  1420  ift  von  einem  Sßege  bei 
bem  SBeinberge  bie  9tebe,  welker  bamafö  auägebeffert  würbe. 
9Rod)  im  3. 1410  würbe  ber  SBerfud)  wiebcrljolt  gemalt,  SSBein» 
Pflanzungen  auf  jenen  $tyen,  beren  eine  ben  tarnen  6a)we^ 
benfa^anje  führt,  anzulegen,  unb  jwar  von  etfafftfa^em  SBeine, 
unb  bei  biefer  ©elegenljeit  vom  §fatl)e  ein  dffen  veranftoltet. 
£>ie  SBerfuche  mißlangen  aber. 

Die  $orjiabt  vor  bem  Äaifertrufce  burfte  früher  nur  von 


•)  Lib.  Resign.  I.  f.  37a.  ©trofirty  off  bemc  $rahin.  1434.  Ibid. 
$<ter  »nb  Sebbum  eiw  gorttn  (Slau*  jhitfned>tc  gen.  ftroöfitthe  bö  ber 
Unqc  erbitten,  f.  80b.  f.  65. 

♦ 

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1» 

£o(j  gebaut  fein  nrtb  jwar  unter  Der  Sebütgung,  bei  Vit* 
ndberung  bed  geinbeä  fofort  abgebrochen  ober  aftgejünbet  *u 
»erben,  £ange  $tit  ifl  biefe  wrjtabt,  welche  auf  feuchtem 
SXoorgrunbe  fleht,  einer  ber  ftaifte  in  bev  <Stabt  gewefen, 
100  man  oie  meiften  93efürcbtiingeii  vor  Skanb  hegte.  Ter 
Käme  war  bdmältf,  weil  faft  alle  $6ttfer,  wie  ein  Xbeil  noch 
je$t  mit  ©eiligen  unb  Väuben  verfeben  war,  9?abelduben,  ober 
ftabemarft;  bort  war  an  ben  SBällen  bic  alte  $rontenabe, 
&nben,  93udjen  nnb  Jfaftanienwälbcben  unt>  aud)  eine  Rappel« 
alle*.  Seit  ungefähr  15  Sauren  ifit  fo  viel  gebaut  worben, 
bat*  ber  völlig  nmgewanbelte  $la&  fänftit]  als  einer  ber  febön* 
ftert  <5tabttr)eile  prangen  wirb.  3«r  Erinnerung  an  ben  ver- 
cienjivoffen  Oberbiirgermeiftei  Xemiani  l)ar  man  ben  €tabt^ 
ttyeil  $emiani*la$  umgetauft. 

Die  meiften  baulichen  Seränberungen  finb  in  unferer 
etabt,  wie  febon  angebeutrt,  feit  ben  legten  jwanjig  fahren 
vorgefommen,  bebeutenber  al6  fte  ftd)  feit  Jafyrljunberten  er^ 
eignet  fyaben.  Denn  wenn  auch  bie  vielen  $3ränbe  im  3nnem 
ber  mm  (1329,  1331,  1456,  1506,  1525,  1537,  1633, 
1642,  1643,  1691,  1717  (wcflbalb  bie  ©ranbyvebigt  gehal- 
ten wirb),  1726,  1759,  1807,  1811,  1813  (12.  «tyril,  5. 
6e>t;  —  bie  «orftäbte  würben,  wie  j.  93.  1641,  mefyrmal* 
gan;  ange^ünbet)  bie  Strafjen  nnb  Jgjäuferlage  oft  wefentlid) 
wrrengeTt  ooer  Verbreitert  haben  mögen,  wobei  bie  Kamen  von 
ganzen  <Straj*en  vetfdjwunben  unb  von  ben  gegenwärtigen  ver* 
brängt  wotben  |lnb,  wie  ber  ftelfrermarft  je^t  gifdjmarft,  bie 
®ewanbmad)et(lraee  jefct  $Beberffra£e  (1331),  bie  folbifcer 
unb  ^gaffe  (1371),  bie  33üttnergajfe  (1378),  bie  Oe(fd>lä< 
gergaffe  ic,  ber  3ubenfir*f)of  (in  ber  flal)le?  1411);  fo  blieb 
Dod>  ber  »aum  in  ber  Stabt  immer  ber  gleite  unb  bie  2&!Ue 
mit  ben  Stürmen  unb  hafteten  bewahrten  baö  altertbüm* 
Ikhe  Profil.  Gbenfo  ftub  im  lieber  Viertel  meiere  neue 
tarnen,  wie  «eine  unb  große  Sranbgaffe,  6teinweg,  Ken- 
gaffe,  aufgefommen,  nur  bie  Kamen  ber  gunifc  nrtb  #og^ 
(9affe  finb  uralt. 

Seitbem  aber  bie  Sevölferung  ber  etabt  trilmer  mehr 
im  Saufen  aewefen  an*  namentlich  ba*  $rad>tfnf>fWerf  unb 
*ie  Sikgenpaffage  lebenbiger  geworben  ifl,  fo  baß  einige  €tef< 
len  lefXitfgefdfjrlid)  Würben,  toAr  man  fottbauerflb  foWoM 
auf  erweiterung  ber  6traßen  un*  Z^xplä^,  al*  a»d>  auf 

2*  £   c  , 

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20 


9(u$behnung  ber  Start  bebaut.  Damit  eine  gleichmäj&ige, 
elegante  Bauart  in  reu  neuen  ^(ubau  fomme,  hat  ber  93er- 
mejfungc*  'jRftifor  SBäge  im  Auftrage  beä  Sflagiftratö  Die 
ganje  ^sstabt  nebft  gelbmarf  ttermeffen,  unb  1849  einen  großen 
*pian  geliefert 

Älä  unn  befonberen  Neubau  beftimmt  faim  man  annef)* 
men  ben  6tabttheil  sor  bem  Jrauentfjore  nach  bem  ^Bahnhofe 
$u,  wo  fcf)on  jefct  in  §olge  eineä  neuen  »on  ber  fönigl.  9te* 
gierung  in  $iegnifc  unter  bem  24.  'December  1847  genehmig* 
ten  unb  am  6.  SÜMrj  1848  vom  5J?agiftrat  üeröffentlidjten 
Vauftatutö,  in  graben  Linien  gebaut  werben  muß.  3"  rcm 
neuen  Einbau  geboren  bic  Vahnhoföftraße ,  bie  Heine  bieänifcer 
(Straße  alo  Verlängerung  ber  Salomonögaffe  auf  ber  ^abn- 
hofsfrraße  auämünbenb,  unb  bic  im  3. 1848  »ollenbete  2Bebcr* 
thorffraße. 

Vluner  bem  oben  angeführten  Abbruch  toon  33afteien  unD 
Xljoren  fmb  in  neuefter  Seit,  im  3.  1848  unb  1849,  fcerfchie* 
bene  erweiternbe  Anlagen  aufgeführt  worben.  SENan  bat  ]\vi 
fdjen  bem  Jrauenthore  unb  ber  Saftet  „fchwebifdjer  gähnrid)" 
einen  (Kraben  vollgefüllt  unb  bie  <§tabtmauern  abgebrochen, 
fowie  ben  Verg  am  grünen  ©raben  etwaä  abgetragen,  woburch 
bie  Einfuhr  bafelbffc  erleichtert  unb  ber  fo  erweiterte  grüne 
©raben  für  fcf)öne  ^aufteilen  fehr  geeignet  wirb.  5)er  S)e* 
mianiplafc  ift  baburch  erweitert  worbeit,  baß  gleichfalls  ber 
Serg  vom  Xöpferthore  nach  *>em  reichenbacher  Xhore  faft  ganj 
abgegraben  ift.  Von  ber  baufcner  (Straße  fowof)l  als  von  ber 
heil,  ©rabögajfe  unb  bem  ^reujthore  h*r  fmb  bie  3^gÄnge  jur 
<5tabt  bamit  wefentlich  gebcjfert. 

Verbreiterungen  beä  2ßeged  fmb  in  neuefter  !$tit  noch 
Doraefommen  beim  (aubaner  I  bor  Durch  Abbruch  eineä  ©anged, 
fowte  einer  alten  ©artenmauer  hinter  ber  SBafferpforte  auf 
bem  9Bege  nach  ben  bleichen;  beim  -Kieberthore,  in  ber93ranb* 
aaffe;  beim  ^ifolaithore.  1  aburd),  baß  ber  9Äagiftrat  eine 
Spenge  fleiner  SauftcUen  auf  bent  5Riebert)iertel  unter  ber  93c; 
bingung  be$  fofortigen  S(nfbauec3  tjerauftionirte,  ift  bort  in  furjer 
3eit  ein  mafftoer,  faft  jierlich  $u  nennenber  Neubau  entftanben, 
namentlich  in  ber  £uni$  unb  ber  9ccugaffe.  —  Die  Arbeiten 
auf  bem  l)emiampla$e  unb  tu  ber  fübweftlichen  Vorftabt  wan 
bcln  baä  8leußere  ber  6tabt  bebeutenb  um,  weiche  feit  mehreren 
3ahren  uragepflaftert  unb  mit  Srottoird  verfemen  wirb. 


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21 


»ritte*  MapittL 

Ucbergang  au$  ber  93urg  <\ur  Stabt.  Soigtbing. 
SSilbung  be$  ©emeinbeleben*.   (Sinfüfyrung  beö 

magbcburger  $ecr)ta. 

2&enn  wir  im  vorigen  Jtapttet  von  bem  Dorfe  (93illa) 
unb  ber  ©Hrg  ©orelij  fprad)en  uttb  beren  aUmäfylige  bauliche 
StuSbefjnung  §u  fcrjilbern  verfucr/ten,  fo  war  mit  ber  erftenfttu 
läge  ber  Stauern  über  bie  53iirg  fjirtauä  nca)  feineöwegS  bic 
Statt  nadj  redjtlicfjent  begriffe  fertig;  efl  fehlte  ba$u  ba$ 
Stabrrcdjt. 

Um  bie  Sebenrfamfeit  biefe*  Sßorte*  flar  gu  madjen, 
muffen  wir  normal*  jur  $urg  unb  beren  3nf)abern  jurnrf- 
fefyren. 

Auf  ber  Surg  wohnten  bie  Beamten  be$  2anbe6herrn, 
ber  Snrggraf  (castellaitas,  burggravius),  an  bejfen  Stelle 
fpäter  ber  Sßoigt  (advocatüs)  trat.  Diefc  Burggrafen  waren 
bie  erften  ©ebietiger  im  £anbe  unb  ftanben  unmittelbar  unter 
bem  2anbe*fyerrn,  bem  fte  allein  verantwortlich  waren,  tarnen 
pon  Burggrafen  auf  ber  Burg  Srcbmw,  fpäter  ©orelu,  ftnb 
gar  niit)t  vorrjanben;  von  Vögten  nur  einige  wenige.  $Bann 
ber  tfame  biefer  Sßürbe  gewedelt  fjat,  ift  gleichfalls  nod)  nierjt 
fefeuftellen.  — 

3ur  Seit  be$  Warfgrafen  von  Branbenburg  fcf)eint  ber 
£anbvotgt  über  bie  ganje  JDberlauftfc  jugleid)  aud)  bie  ©eridjtä' 
barfett  in  ©örlifr  unb  bem  ganzen  görlifcer  ©au  gehabt  *u 
bjaben,  ber  bi*  *u  jener  $ät  nod)  unter  bem  »ejirf  «ubiffin 
ftanb. 

Die  gormel  bei  Wenden:  „3-  be£*)  wirb  als  £»bcrftcr 
in  Subifjtn  gefegt,  mit  ben  Dörfern,  welche  jefet  baju  gehören/' 
woju  bamale  ©örlijj  geregnet  werben  muß,  bürftc  fo  auSju* 
(egen  fein. 

3ur  3ett  #er*og  £einrid)*  von  3auer  fommt  fem  „$oigt" 
in  ©orlifr  mefyr  vor,  wolil  aber  ber  SluSbrurf:  advocatus, 
beffen  in  ber  emverfeibungSurfunbe  be$  Sanbe*  CHörft^  leitend 
»tfönigä  3ofjann  von  Boomen  im  %  1329  als  „advocatus 
Ciorlicensis"  unter  bem  Kamen  „3otyanne6"  gebaut  wirb. 

(Sntfpredjenb  feinem  Stange  fjattc  ber  Burggraf,  fpäter 

■J  Script,  rer.  German,  praec.  Saxon.  III.  2034. 


22 


SSoigt,  ba«  Statt,  über  bie  Untergebenen  ftedjt  s«  fprec^en, 
weldje*  ©eriebt  man  unter  bem  tarnen  „*Boigtbmg"  begreift. 
(50  erifttrt  fein  gefdwiebenet?  »cc^t  unter  tiefem  tarnen,  unb 
fd)eint  lebiglid)  feewol)nbeit$red)t  gewefen  gu  fein,  wenn  wir 
nid)t  annehmen  wollen,  baf*  ba$  ©örlifcer  £ebnrecf)t  bie  ©runb- 
Kiijc  ber  SciqtfyntdK  gewefen  fei. 

Dem  Zeigte  folgte  im  Wange  ber  fönifllidfc  3*id>teiv  beffen 
nur  unten  nod)  befonber*  gebeutelt. 

WS  ber  Dritte  auf  ber  Söurg  wirb  augefe&t:  ber 
berechtigte,  föniglid)e  ^Hcrtyeber  [telonarius);  a($  ber  Vierte: 
ber  Verwalter,  Weier,  ©üterinfveftor  (villicus),  welcher  fo  lange 
bie  Verwaltung  bc*  Dorfe*  CMorltfe  tyatte,  bi*  e*  $ur  Stabt 
würbe;  al*  günfter:  ber  ÜMirnjer  (moni'iarius .  3f)ncn  waren 
nod)  einige  Rubere  beigegeben. 

£ie  waren  fämmtüd»  Dienftmannen,  bitter  beä  Äonig*. 
3bnen  war  untergeben  bie  bewaffnete  Wacbt  berSurg,  womit 
ber  Burggraf,  ©urgvoigt  ober  (SaßcUan,  tfyeilä  bie  föniglidje 
Sitrg  vertfyeibigte,  tbcilä  bie  9teifjbrütfc  —  weldje  bie  uralte 
Vanbftraße  au£  ^oleu  nad>  8ad)fen  vermittelte  —  vor  feinb* 
litten  Maubfd)aaren  beefte,  unb  ben  be3sHkae$  gicfjenbcn  jtauf* 
leuteu  biö  jur  nädjften  foniglid)cn  33urg  Geleit  mitgab,  um 
fte  vor  SKchibem  unb  ißegelagercrn  ju  fd>itßcn. 

3n  baä  ^ereid)  ber  93urg  famen  aber  nod)  anbere  ?eute, 
welche  für  bie  ^ebürfniffc  ber  Beamten  unb  ifyrer  untergebenen 
Krieger  forgten,  ihnen  äleibuug  verfertigten,  fte  mit  3ßanjern 
unb  3Baffcu  vcrfal)en,  furji  —  ^anbwerfer.  Sic  waren  für 
ibre  fßtrfptt  nid)t  leibeigen,  —  wie  bie  Solbaten,  welche  mei? 
ften£  Anette  ber  bitter  waren,  —  biegen  „Surgfaffen"  unb 
ftanben  unter  bem  Sdjufce  ber  ^urg. 

?(u£  öurgfaffen,  ^urggefeffene,  3Jurginfaffcu  burgonses] 
wurbe  ba$  SBort  „Bürger."    Die  SJurg  würbe  &u  eng  unb 
'  muftte  autfgebebnt  werben  über  ba$  Dorf  unb  nod)  etwa$ 
weiter,  wojit  f^on  im  12.  3afyrf)unbert  ein  Umftaub  wefent- 
lid)  beitrug. 

Um  bafl  3af)r  JLiO,  wo  ba$  je&ige  Belgien  unb  «fwllanb 
febr  burd)  bie  einbredjenbe  s)torbfce  litt,  wauberten  viele  Jlam* 
länber,  &lämifd)e  auö  bem  Wiebcrlaube  au6  unb  famen  in 
bie  bamalä  nod)  flavifdjen  ^toviii^en  SJranbenbura,  Weißen, 
bie  Vauftfyen  unb  Sd)leften.  Sie  brauten  bie  lud)  *  ober 
Sollenweberei  in  ©örlifc  in  ttuffctyttung  unb  waren  jweifelloä 

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23 


bie  Veranlaffung,  baß  ungefähr  1255  bie  große  <5tabterweiterung 
vorgenommen  werben  mußte.  66  war  ein  fräfn'ger  Stfenföen* 
fctyag,  ber  bie  3been  beä  frriftnnigen  SBeflenö,  wo  bamal& 
febon  bie  fpäter  fo  berühmten  £anfeftäbte  emporbtöthen,  nach 
<**örli$  mpflanjte;  3been,  welct/e  manche  forgenoolle  €tunbe 
ben  Vätern  ber  €tabt  bie  tief  ine  16.  3abrf)ttnbert  bereiteten. 
Unfer  Volfäbialeft  hat  noch  einige  auf  ihre  Stärfe  unb  ©rob- 
heil  fyinbeutenbe Sluebrücfe,  wie:  ein  slämfcher  Jterl  =  trofciger 
Sflenfth;  ein  riämfcfa*  ©eftcht  machen,  ulämfcrjcn  =  zornig, 
erbittert  auäfe^u.,  /V  * vV/V  v^<<y.' 

lureb  ben  legten  3"fto§  im  13:  3ar;rhunbert  trat  am* 
bad  3nnungdwefen  in  ©örlift  in  ber  TOtte  beä  13.  Safyffyun- 
bertö  in*  Seben,  bem  wir  im  folgenben  ©ucfje  ein  bejonbereS 
c^arirti  wibmen. 

^D?it  Verfertigung  ber  SÖaare  fanb  ftch  ba«  Vebürfniß 
be$  tKbfafceä  ein.  (Sine  3dl  lang  benufcte  man*)  bie  otelen 
Jpetliacntaqe  ;u  Jabi märften,  unb  urfpninaiicb  mag  ber  $ain* 
walb  unb  Ätrctyberg,  al6  in  ber9?ctr;e  ber  ißeteräfirclje  gelegen, 
Verfaufdplat*  gewefen  fein,  ber  immer  befugter  würbe,  in  bem 
Varbältmffe,  wie  baä  £«tbentr)um  allmählig  au6  ber  ©egenb 
febwanb  unb  bem  @r)riftentr;Hme  SM  machte,  ©pater  würbe 
beim  ©eiterbau  ein  befonberer  ^la$  ba$H  freigehalten  unb 
Warft  ober  9fing  genannt.  6o  entftanb  ber  Vermag  jefct 
Untermarft,  befftn  tlrftmmg  in  ben  Anfang  bed  13.  3abrf)un* 
bert6  fdüt. 

*X)ie  6tabt  wirb  na*  bem  beulten  begriff  buret)  ba$ 
Warfrrecbt  unb  btc  Verleiijuna  beleihen  gebilbet.  (Sine  Ver- 
leihung be6  SWarfrrechreS  an  wrlij  ifl  fo  wenig  wie  an  bie 
anbern  oberlauft&ifcben  <Sccf?öftdbte  befannt.  Dad  $eburfniß 
febnf  ben  ©ebrauch  beffelben  unwförurlicr),  unb  au6  bem  jahre- 
langen ungeftörten  ©ebrauebe  würbe  ein  fRtdft. 

2tte  im  3-  1255  neue  slämifcbe  dHnwanberer  naef;  ©örlifc 
famen,  war  ba(3  ftäbtiferje  Sehen  fer/on  rege,  obwohl  bie  8b- 
fydngigfeit  von  ber  Vurg,  bie  fd)on  bamal6  vorn  »ornehmfiten 


*)  3u  btefem  €AIuffe  fdjeint  «ne<&age  iu  beredte«,  nadj  »eitler 
ttn  einem  ftenfier  in  ber  $  tttxtUtQt  na&>  ber  ©tabrmauer  gefagt  wirb, 
bie  b«rin  brnnrtirtun  toufartigen  erhaben  feien  §ur  (frinwning  an  ben 

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21 


93cwof)ner,  bem  ÜBoigte,  ben  Warnen  95oigtflr;ef  führen  mochte, 
nod)  nidjt  gan$  gebrochen  war. 

t>er  Dort  ftfcenbc  Voigt  machte  nod)  Slnfpriidje  an  bic 
^Bürger  geltcnb.  Sie  ftanten  nod)  unter  feiner  SotmafHgfeit; 
er  woHtc  über  fic  $tect)t  ft>rcd)en  —  ba$  Voigtbing  üben  — , 
unb  erfyob  Abgaben,  worin  btc  neuen  (iinwanberer,  rermutbltd} 
^unact)ft  au£  9tieber[ad)fen  unb  ber  Warf  fommenb,  eine  &n- 
mafhtng  erblitften,  fo  baß  arge  Streitigfeiten  mit  bem  Voigte 
ftd>  entsannen.  $)ie  neuen  $nfommtingc  fanuten  bafl  tnagbe- 
burgifd>e  Dtedjt  mit  feinen  Vorteilen;  fte  matten  für  ftd)  bic 
bort  au6gefprod}enen  Safcungeu  geltenb,  trjeüten  fte  ben  ein- 
gefeffenen  Stabtbewofynern  mit  unb  bewirften  baburd)  große 
Erbitterung  gegen  ben  Voigt,  beffen  (Siufliiß  im  Verfjältnifi 
jum  2ßad)$tl)um  ber  Vei^ölferung  unb  beren  Selbftconftituirung 
jum  ©emelnbeleben  beftänbig  im  ©infen  begriffen  war. 

Diefe  SUtgefejfencn,  wie  wir  fte  $ur  Untertreibung  von 
ben  sJ?eueingewanberten  nennen  wollen,  befianben  aber  ntc^t 
leDtg(ta)  auä  .^anbwerfern,  fonbern  eä  war  unter  ir)ncn  eine 
klaffe,  weltf/e  befonbere  Änfprüdje  unb  Vorzüge  vor  lederen 
behauptete.  lebten  in  ber  entfiefyenbeu  @emeinbe  eine 
Wenge  gewefener  föntq(tct>er  Beamter,  bitter  unb  Seute  auä  • 
ber  Stppftfjaft  ber  Wmifterialen,  wgleia)  $cft$er  ber  um* 
Itegenben  Vorwerfe  unb  Dörfer ,  bie  ncr)  etwaö  beffer  al$  bic 
^anbwerfer  bünften,  einen  befonberen  ©eridjtflftanb  in  ftnfprud) 
nafymen,  bie  @bel*  ober  ©icbelfyöfc  allein  bewohnten,  unb  |td} 
allmär/lig  ber  Verwaltung  ber  jungen  Stabt  unb  iljred  (Sigen- 
tfyumd  bemäd)tigten.  2)a  fte  ald  reia)e  begüterte  Seute  an- 
fdnglid)  bie  Verwaltung  umfonft  befergten,  wie  jebe$  begilt- 
nenbe  ©emeinbeleben  berarttge  99eifptelc  aufweifen  wirb,  leate 
tl^nen  9ctemanb  etwafl  in  ben  2Beg.  3)er  arme  ^anbwerrer 
mufrte  arbeiten  um  ;u  leben  5  er  r/atte  ntc^t  3ett,  ftcr)  um  ba3 
Allgemeine  \n  befümmern.  3o  würbe  au$  bem,  wad  erft  ge- 
hübet  werben  war,  eine  Veredjtigung,  unb  im  Saufe  ber  3^ 
ein  9ted)t.  2)fefe  ftäbtifd)en  Sewofyner  nannten  ftd),  jur  Unter- 
fdjeibung  von  ben  ^janbwerfern,  vorwgäweife  Sürger,  ©e- 
faMedjter,  $atricier.  Diefe  erften  Bürger  von  ©örli&  waren 
alfo  5lbeltnge;  fte  ftanben  über  bem,  wa$  jefct  Sürger  fjefjjt, 
unb  ledere  würben  Damals  „2lrme,  arme  Seilte,"  genannt,  welcher 
8u$bru(f  biö  m<3  16.  3af>rl)unbert  venugSweife  and)  für  bie 
dauern  auf  bem  Sanbe  im  Sraucfj  war. 

> 

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25 


95cm  ben  alten  ®efcr)le<htern  wellen  wir  nad>  äöhfer*) 
einige  anfuhren.  1308  fommt  ein  i\  OlerSborf  (bamal»5  ^Bot^t) 
r<er;  von  ?Rabeberg,  welche  eine  Witzle  am  9te$tbore,  bie 
Dörfer  9Hovd  unb  ^aufcbwafbc  bcfajjen,  baö  SMngrctftt  inn* 
harten  unb  feit  1316  (ich  auch  de  moneta  (auä  ber  SNflgt) 
nannten;  v.  ©al*a  (auf  ®ie*nt$  unb  Deutfcbofftg);  v.  Älten- 
barg;  t>.  £önig£bain;  v.  ($runa;  vom  Dorfe;  v.  SRonneberg, 
welchen  ba$  (jrbgut  in  £unfhn#borph  —  vielleicht  ba$  alte, 
1846  abgebrochene  @hit  auf  ber  n'ttauer  Strafe,  wo  jefct  Der 
Bahnhof  ijt?  —  geborte.  *Rod}  anbere  fommen  in  ben  <5tabt- 
büchern  vor:  v.  Scbönberg;  v.  $orftn>i(;  v.  ©ifdjofäroerber; 
v.  ber  Äue;  v.  Strumpfen  (1310);  v.  $ernharbe$borpr) ;  von 
ber  ^)orfa;  von  SBenbifcbefftg  (vorne  winbeffjen  O^ec);  ^on 
$iet*ni&;  v.  ¥ffd)wu);  v.  föengerflborf;  v.  l'ubwigäborf;  v. 
grieber^verf;  v.  *ßfaffenborf;  v.  $eopolb*hai»t;  D.  ©Mrtrwuij 
v.  £ö*li&  ic.  2Kan  ficht,  baß  ihr  9tame  hauptfächlich  vom 
$citfc  ber  Dörfer,  bie  nach  ihren»  erften  93efi&cr  genannt  wur^ 
ben,  herfommt. 

Diefc  ^bclinjc  befajjen  in  ber  Stabt  bie  Srauböfe,  bie 
Scbuh*,  $rot*  unb  Jlcifchbänfe,  bie  Äramgerecbtigfeüen,  bie 
Bühlen  (an  ber  9?eifjbrücfc,  in  JClephclöwalbe  [auf  ben  $(ei 
eben),  unb  ju  Äunfhnflborf  [bie  jefcige  Dbermühle]),  bte^abe- 
fhibcn  unb  &potr)efc,  unb  erhoben  für  bie  ^enuöung  ber  »ou 
.  ihnen  errichteten  (*)ebäube  3^d.  9(u6  ihnen  würben  bie  ©e 
ricfytafcfy  offen  gewählt,  wout  man,  ba  bie  s3Rengc  bc$  fogenannten 
gemeinen  $olfe  ihnen  fchon  bamalG  (im  12.  unb  13.  3abrb.) 
KU  ferjr  $1  Äopfe  flieg,  and)  noch  bie  Jtaufleute  *og.  3hne» 
lag  bie  (Stabtverwaltung  ob,  unb  nach  Cfinfütyrung  bed  magbc* 
burgifc^en  SRec^td  würbe  au*  ihrer  $?itte  lebigiidj  Der  9tath 
«nb  ber  Bürger meifter  gewählt. 

Da*  Schöffengericht,  bem,  wie  oben  gefagt,  ber  föniglictye 
Abrichter  beiwohnte,  war  urfprünglfch  vom  $$oigtc  pretnbirt, 
bei  bem  u<le$t  noch  ber  93lutbann,  bie  peinliche  (Berich fflbarfeit, 
auf  einige  3ahr$ehnte  blieb,  wübrenb  bie  übrige  (Wcrichttfbar* 
fett  bem  fonigiieben  l?rbricbter  unb  ben  Scfyöjfen  oblag.  Da6 


")  9L  a.  C.  €.  5,  &i*rbti  Jttofc,  ®ffd)icM*  ber  ?anf»o^tf  in 

ber  Cberlaufilj,  I.  $b.  SWfpt..  in  ber  $iblti>ti)ef  ber  «tftHf^aft  ber'Äincn; 
feftaften,  ein  uöerf,  Welc^e^  mit  bnrrfj  ben  atgenftittfacit  Stanb  ber  «fi?if; 
fmfd?aft  bebingten  $erid)tiflnngen  wUtfänbtg  btltffmtg  ift. 


26 


SBoigt*  ober  (Sd>ebing,  wie  gefagt,  fcfym  feit  3a^ren  wenig  ge* 
übt,  würbe  bem  Zeigte  befmitis  genommen  am  28.  Syrern ber 
1303  burd)  Warfgraf  $crmann  von  Sranbenburg,  welcher 
baS  vorher  fd)on  bräunliche  magbeburger  9ted)t  ber  6tabt 
gefefcmäpig  gab.  Uebrigen*  hatten  Die  ©ürger,  ba  bie  3at)l 
ber  Schöffen  and  ihnen  gewagt  war,  bei  btefem  ®erid)t  ftetö 
ba$  Ucbergewidjt  unb  überfUmmlcn  häufig  ben  SJoigt  unb  ben 
fümgüd)en  ^td)Uc,  welcher  einen  Xheil  ber  ©ertchtfgebühren 
erhielt,  währenb  t*m  Soiate  jwei  Xheile  jufitänbia  waren. 

flach  Hnttod*  be$  alten  ©tabtbuch*  von  1305,  welche« 
bie  su  Bericht  «Sifcenben  namentlich  aufführt,  ift  ber  Steigt 
bamal*  nur  fehr  feiten,  fpäter  gar  nidjt  mehr  zugegen  gewefen. 
211$  flnwefenbc  werben  (aujjer  bem  SBoigtc)  aufgeführt:  ber 
(Srbridtfcr  (fönigli^c  dichter),  ber  Unterrichter  (subjudex, 
Schultheis),  bie  Schöffen  (juweilen  fehlen  Einige),  mit  ihnen 
bie  ftathmänner  (consules),  bisweilen  auch  ber  ©Treiber. 


Sßterte«  mpittU  . 

Die  SBerwaltungSformcn. 

2)ie  oberfte  93ehörbe  war  ber  9tath,  unter  bejfen  Leitung 
bae  Stabiler  mögen  verwaltet  unb  von  bem  alle  9ßert)anblungen 
geführt  würben,  welche  baS  3ßi>hl  unt>  Sehe  ber  Stabt  be* 
trafen.  Der  9tatf)  würbe  nur  auö  ben  ©efchlechtern  gewählt, 
welche,  wie  gefagt,  fd>on  früh  bie  Jtaufleute  mit  hinzogen, 
enblid)  bind)  blutige  (Empörungen  ber  «£>anbwerfer  unb  fort* 
währenbe  innere  Unruhen  aenöthigt,  feit  1401  brei  au$  ben 
Urningen  ber  Xud)macher,  gleifcher  unb  *Kt>thgerber  $ur  iähr* 
(id)en  Mathewahl  (Mut)  anließen. 

DeriRuth  beftanb,  foweit  bie£  au$  bem  Stabtbuche  (von 
1305  begiunenb)  nad)gewiefen  werten  fann,  auä  22  ^erfonen, 
welche  in  folgenber  SReihe  am  9tatty$ti\it)t  fafkn:  J)  ber  Bürger- 
meffter;  2)  bie  Scabini  ober  Schoppen  ( ursprünglich  7,  bann 
wedjfelnb  jwifdjen  7  unb  8);  3)  bie  consales  ober  9fratb$- 
Herren,  auch  flelteßc  (seniores,  senatores)  genannt,  11  an  ber 


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27 


3a«;  4)  0er  €tabtfdnetbet  (protonoiarius);  5)  ber  Unter* 
Äanfcbreiber  subnokirius;;  6)  ber  dichter  (judex).  Einigemal 


X«ä  Siatbffollegium  fommt  fchou  früher  w  atö  bie 
5öurbe  0e6  ^üraermeifterä  (niHgisler  avium,  proconsul,  pro- 
toconsuJ .  ^ahrfcfceinlich  hatic  0amal*  immer  bei  äiteftc 
9latt)*l>crt  ( rahcu  proloooosul  \u  erflehen)  0en  löorftfc  unb 
mar  fo  0er  (Srfte  unter  ben  ©leidjett 

Xer  ertfe  Bürger nteifter  wirD  beim  3abre  1296  erwähnt 
imt>  beipt  Hlbredjt  flpej  *). 

Xer  SBürgermeifter,  Neffen  Stimme  ftetO  son  0er  größten 
Bedeutung  war,  0a  man  nur  bie  tvüt^tgften  ut  tiefem  Soften 
trrthlu'i  rhu  gieichfam  «ftcmig  auf  bem  motu  flehten  5 t a r t 
qrt-ictt- ,  un0  hatte  im  ßinfcerftänbmfj  mit  0em  jtoUegiutn  über 
gefammte  (ftgent()iim#  fowie  0ie  Stabtbörfer,  alfo  liegen0en 
wib  beweglichen  ®uter,  iit  t>erfü^cn.  &llc  Privilegien,  alle 
fenialicben  Veiorbuungen  gingen  an  „0en  Bürgermeifter  nur 
to<  Sathmanne  0er  £tabt  ©örlifc";  alle  Briefe  unb  UrfunDen 
ttaroen  aufgeteilt  mit  rem  flogen ,  melfagenben  Anfange: 
,Mx  Bürgermeister  un0  *Hathmanne  0er  ötabt  ic."  Xer 
Bürgerin  elfter  mit  Stoffen  unb  »Katbmännein  innren  0aher 
,Mt  Herren"  genannt.  Sie  betrachteten  fid)  alf  ^errfdjaft 
(domkuurnj  über  bie  r  mm  nur  Btaotbörfer  nur  trennten  jtch 
tonrn  aud0rüdlich  vorn  übrigen  Vanre  unb  0er  Äitterfchaft, 
»flcbe  mit  ihren  Untertanen  alf  „0ie  »ein  J£an0e,  0ie  2an0* 
!<haft"  0en  ©egenfafc  *ur  Stabt  bilbeten.  Xa*  VerbältmH? 
bet  £tabtoörfer  jur  Stabt,  welche  0er  Stobt  Serfdwf  ober 
®ff^p  aahltfN  H«b  wn  Ten  übrigen  lanbeeherrlichen  Steuern 
(frutbbebe)  aufgenommen  waren,  betätigte  aufbrittflich  «öerftog 
^einrieb  doii  3auer  bei  0er  Uebeniahme  0er  5koDin$  wrlifc 
iw  3. 1319,  wie  aud)  0er  Äönig  Johann  im  3. 1329,  alf  ftcf) 
^örlifc  freiwillig  in  0en  Schuft  0er  behmifeften  ütrone  begab. 

lieber  0ie  Verpflichtungen  0ef  Sürgeuneifterf  von  ®örlifc 
wWu  t>on  ber  «£>au0  0e$  $ürgermeifterf  gratienburg  eine 
Wefrerfcbrift  auf  0em  15.  3ahrNnbert**),  ber  wir  golgenbef 
«tmehmcit,  waf  natürlich  gleich  aud)  0ic  Verrichtungen 


•)  Tat  ®cr;ftd)nig  fret  ^ürflfrmeiftn:  M<*  auf  0ic  ntucfle  3eit  f.  in 
")  ««au^acbe»  »en  3an(fe  Im  ».  8.  iWaftajiii.  1846.  €.  1.  f. 


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M  «Ratf>«  überhaupt  mit  einfa>lte#.  Dem  93ürgermeiftcr  ff* 
bie*  befonber*  Migefd^ricben,  weil  er  in  allen  $erl)rtltniffen  ben 
^Borfife     fuhren  Ijatte. 

Der  $ürgermcifter  fett  fta)  fegleicf)  naa>  feiner  SBabl 
@otte6  ®nat>c  empfehlen,  (^tntafett  unter  bem  ftatbe  erhalten, 
Im  n&cnben  föatfye  31cr)tung  auf  bie  Älagen  fjaben,  bem  (Eliten 
milbe,  bem  Söfcn  fa)arf  begegnen  unb  forgfältig  auf  gute 
«Prüfung  aller  vorfommenben  föea)t$fäüe  galten.  (Sr  feil  be^ 
müfjt  fein,  mel)r  i'iebe  al$  gurcfyt  ju  erwetfen,  ®ercd)tta,fett 
mel)r  al*  @unft  anfetjen,  Wtcmanbcn  ohne  $crf)6r  verurtbeilcn, 
bem  Hrmcn  wie  bem  9*ei*en  gleidje*  *Rea>t  geben  unb  ftedjt^ 
fälle  fdjnell,  jebod)  er)nc  Ucbcreilung,  erlebigen,  üx  feil  eine 
würbige  Haltung  tyaben,  ftd}  nur  ehrbar  fleioen  unb  meiftciiS 
auf  bem  Mathhaufe  fein,  boa>  aud)  in  feiner  ffiohnung  Wie* 
manben  ofync  guten  föatb  von  fto)  weifen.  Den  CHctte^btenfl 
foll  er  forgfam  überwadjen,  ©etteSläftcrungcn  ftreng  ftrafett 
unb  barauf  halten,  bajj  ©orte*  (Gebote  nidjt  übertreten,  bic 
Sonntage  unb  geftc  or)ne  Störung  unb  würbig  begangen  unb 
ben  s^rteftern  ü)re  @f)re  ;n  übeil  werbe.  Die  Äira)en  unb 
Kapellen  jmb  fetner  befonberen  Ucbcrwadjung  anvertraut,  ftctä 
Im  befren  Staube  )n  halten  unb  auf  $oll*iebung  ber  $u  (*Hmftcu 
berfelben  gemachten  Stiftungen  unb  üeftamente  }H  ad)ten. 

3m  $oltttf$en  mufi  er  mit  (Mortis  SBeiftanb  ©ut  unb 
SMut  einfefcen  für  ber  Stabt  ^>errlia)feiten,  Privilegien  unb 
$egnabungen;  auf  alle^änbel  aa)ten  unb  fte  \\\  einem  guten 
(Snbe  ;u  rühren  fudjen;  bie  Innungen  im  ©cfyorfamc  b alten; 
nicht  obnes)cotb  neue  Steuern  auflegen;  bie  ftäbtifa)en  ©ebäuDc 
fn  Stanb  bringen  unb  verbeffern;  ber  Stabt  SoUwerfc  unb 
dauern  wehrhaft  madjen  unb  ftetfl  Kriegsmaterial  unb  sJ)Ju* 
nitton  bereit  haben;  bie  ^oltfuhrcn  regeln ;  feine  üppige  Kleiber* 
rraitn  auffommen  (äffen,  wie  überhaupt  üctd  bie  (£f)rbaifeit  in 
ber  Stabt  befeftigeu;  bic  Stabtbiener  in  *Hcfpeft  erhalten.  Da6 
2llle$  muß  von  ihm  aud>  in  93e*Hg  auf  ber  Stabt  Dörfer  ge~ 
fd>el)en.  ^or  allem  follen  Die  haften  nur  gleichmäßig  von  ihm 
aufgelegt  unb  vertheilt  werben. 

3Bie  wir  fcr)on  angegeben,  war  ehebem  von  1297  —  1405 
bie  itehl  ber  föatfjäpcrfoncn  circa  22 — 20,  weil  immer  ein 
Xheil  ber  sJDiitglieber  feierte,  b.  fy.  einige  3abre  lang  audge- 
faMoffen  blieb  unb  bann  erft  wieber  eintreten  burfte.  3m  3. 
1420  befttmmte  König  Sigmunb  bie  $abl  a«f  19,  unb  im  3. 


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29 


1737  eine  föniglidje  Äommifjion  auf  16,  nämlid>  2  Bürger* 
meifler,  \  Stabtridjter,  6  Sdjöfren  (Sfabiue),  4  Senatoren 
mit  3  9iatr)$verwanbte  au$  reu  oben  genannten  Innungen. 

Xie  dlteften  6—8  waren,  wie  fd)on  gejagt,  t>ie  &d)öppcn, 
treibe  mit  ben  übrigen  Dlatrjömitgliebern  in  bie  Angele- 
genheiten ber  «Stabt  teilten,  inöbefonbere  aber  beä  9tatl)$ 
@eridjt$barfeit  über  feine  Bürger  unb  Untertanen  aufregt 
erhielten  21  uf  ben  fo  genannten  4  kaufen  würben  alle  im 
görli^iid^en  $Beid)bilbe  t>orfommeitben  (£it>il  unb  Jtriminalfäüe 
perljanbelt,  wie  unten  folgt. 

xM  ir f  bem  s)v\ubt)viuK  war  aud)  unter  Mufftdjt  ber  2  d  offen 
..iii  Startmänner  ba$  €tabtbud>,  weldjeä  im  3  1305  ange* 
le^t  würbe,  hud  noer;  »orrjanben  ift.  ($6  ftnb  314  Statt 
Pergament,  bie  Seiten  gweifpalf  ia,  alleä  ift  linirt  unb  rnuli 
jdmtttltd)  28  ieiim  auf  ber  ^eite.  $a$  le&te  eingetragene 
iatjr  ift  1436.  Diefed  Stabtbud)  ift  eingebuuben  in  Jr>oU- 
bcdel  mit  rotr)em  Veberüberjuge  unb  jwei  klammern  verfemen, 
?en  benen  nur  eine  nodj  fafjt.  iu  Vhiruiuifi  lautet:  Actor. 
über.  1305.  1416.  9facf)bem  bie  iHid)ter  unb  bie  Schoppen 
angegeben,  beginnt  eö  nad)ftel)enb:  „1305.  (5$oll.  s)?ad)  ©oteä 
geburt  fcber  Xufent  jar  tmbe  brir)unbert  wibe  in  beme  fünften 
iahe"  je.  $\tx  finb  eingetragen  naefy  ben  3afjren:  bie 
Stoppen,  ein  Xfyeil  ihrer  Sprüdje,  Verlaufe  Don  Käufern 
in  Der  Stabt  unb  auf  ber  Stabt  Dörfern,  Scfyenfungen  unb 
$ermäd)tnifK;  Xeftamente,  (£utfct}eiDungen  in  allen  möglichen 
Streitigfeiten,  einzelne  ftltarftiftungen  k.  s2Baö  je&i  beim 
^e^tdanwalt  abgemacht  wirb,  mutne  bamald  Vilich  vor  ben 
-Wath  gebraut  werben.  Vlntut  biefem  ^auptbudje  fmb  nod} 
viele  anbere  in  ber  'Kathen  nUet  »orfyanben,  unter  beut  Tanten: 
Über  resignationum  OBerjidjtbud}),  über  censuum  Oindbudi), 
Über  obligationum  Oikrpfanbungöbud)),  Über  jutUcialis  (Q)e* 
ruttet'-ueb )  r  Uber  proseriptionum  ($ed}tungdbud)>  worin  bie 
Tanten  ber  au*  ber  Stabt  Sterwiefenen),  enblid)  nod)  viele 
unter  bem  tarnen:  Uber  aetorum  (^rorofollbudj),  barunter 
ein  Banb,  welker  eine  grojje  SRenge  fird)lid>er  Stiftungen 
erut)ält. 

Stnfier  ben  9latr)$perfonen  an  ftc§  ift  nod)  ber  Stabtfdjrei' 
kr  merfen.  <5r  mußte  ftetö  ein  befonber$  gelehrter  unb 
niebt  blod  im  beutfdjen  vHed)te,  fonbern  aud)  tm  römifdjen 
ftctye  bewanbert  fein.   (Sr  fyatte  bie  güljrung  ber  Stabtbndjer 


$n  tamfftoftatn  unb  fpdtet  lag  ibm  bie  amtlidie  (Stabtdjrom't 
ob.  SBlr  fyaoen  nod)  mehrere  foldje  &nua(en,  bdefift  fcfyctyen** 
wertfy  für  «ufere  @efcbiit>fe.  $er  Stabtfcfyrrifrer  würbe  vor* 
jugftweffe  von  Den  vielen  Seifen  unb  WedUSbänbeln  in  Slnfprudj 
genommen,  unb  war  baber  gewübnlid)  aud}  ein  böc^ft  feiner 
unb  biplomatifcber  Rann.  ^Bor  Äfffft  jtnb  al6  ftaat6flnge 
ehemalige  ©tabtfdjreiber  ait6  ber  ^dt,  al$  ©örlifc  nod)  eine 
bobe  poltttfd>c  Sebeutuitg  im  fecbsftclbtifdjen  ©uitbe  hatte,  ju 
nennen,  3o^ann  bereit!)  (von  3üterbogf),  3^)«»n  granenburq, 
9)(gr.  3ol)anne$  $affe  im  Anfange  be$  16.  3atyrl)unbert$,  granj 
8d)neiber  in  ber  SMitte  beffelben  yix  i<it  beä  $önfaH0.  99efoiu 
ber$  berühmt  in  Bejng  auf  politifd)  feine  nnb  glücflidK  Unter« 
banblungen  jum  SBoble  ber  €tabt  ift  audj  ber  vortreffliche  Senl* 
tehtfl,  beut  wir  im  3.  $5ud}e  ein  befonbered&apitel  gewibmet  fyaben. 

CDte  £aupterfolge  foldjer  SBerbaublungcn,  neben  vjüitft 
fünjHicfyen  SedjtSauflfübrungen  würben  gewöbnlfcb  an  bem 
ftetS  gelbbungrigen  boljmtfcfyen  $ofe,  mit  Seftedjungen  ober 
burefy  beftoc^ene  3wffd}euttager  erreicht. 

$)a  na<b  ben  {»tfttenfriegen  bie  biplomatifdjen  ^erfyanb* 
hingen  unb  !)led}te>bänbel  fowöfyl  ber  €tabt  ©örlifc  allein,  al$ 
in  s-üerbinbung  mit  bem  fecfyäfiftbtifcbeu  Staube  immer  verwitfeU 
ter  unb  weitläufiger  würben,  unb  efl  baranf  anfam,  ben  9Bort* 
laut  aller  5$erl)anblungeu  buebftetblid)  genau  *u  fennen,  fübrte 
man  ein  dFopialbncfy  aller  abgeljenben  Briefe  unb  Urfunben, 
3nfhruftionen  nnb  s$ertl)eibigung$fd)riften  ein,  welche  von  ceti 
3afyren  1491  —  1662  in  ber  gdrft^cr  *Ratf)^f anjlei ,  in  einer 
großen  Slnjabl  gebnnbener  Solianten  noeb  vorbanben,  leiber 
aber  ifyrem  3nbalte  naefy  noeb  nicfyt  völlig  regifhirt  jtnb. 
Sie  tragen  burdjfdniittlicb  auf  bem  fRüden  bie  tlirffcfyrift: 
liber  misstaarum  et  rosponsiuarum.  werben  in  ben  9tatb$* 
annalen  oft  audj  unter  bem  litel:  „$rieuebud>"  ritirt  unb 
enthalten  einen  gropen  8d)a(>  von  9cactyrid)ten  für  bie  <£pe* 
cialgefdjidjte  ber  £)berlauft$  unb  ber  äugrenKtiben  Üänber, 
jugleid)  ben  $ewci$,  ba£  ber  9tatl)  von  ©örlift  fafl  mit  allen 
beutfdjen  unb  polnifdjen  StäMen,  Surften  nnb  Herren  in 
Qeftyäft*  ;  Skrbiubung  ftanb. 

<Racb  biefer  Äbfcfyweifung  muffen  wir  nur  nodj>  bemerfen, 
bafi  bie  9tatf)0perfonett  in  Deputationen,  «tommifnonen,  wie 
fie  meifkn*  genannt  werben,  bie  ©trafenpelijei  unb  geuer* 
prbnung  ^anb^a&fen,  v*n  weiter  ber  Knfl$ug  a«6  ben  allen 


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31 


Statuten  im  2.  Buche  ein  ©Üb  geben  wirb.  Auch  mußten 
ue  ben  Aufwanb  bei  ^odwiten,  lauten  unb  Begräbmffcn 
anter  Dberaufftcht  in  ben  gehörigen  Scbranfen  halten. 

lie  Aufjubt  über  bie  bewaffnete  iVadu  führte  fpdter,  ba 
ber  fctoigt  Gtörlifc  nur  zeitweilig  Mint  Aufenthalte  nahm  unb 
na>  meinen*  am  «§ofe  bee  jtönig&  aufhielt,  ein  von  bem 
Xaibc  ermiifalter  ^auarnittim  von  4*örli&,  ein  Abeligcr,  ber 


Seit  oem  3ahre  1484)  tft  tiefe  BearitTung  tiebenFnäcT)juweifen. 

üx  orbnete,  nacb  Einwilligung  be6  BürgermetficrS  bie 
Sachen  an  ben  %  hören,  r ic  Spähe  auf  ben  Ihiirmcn  unb 
reit  33oUwerfcn  unb  erteilte  ?Katb  unb  Anschläge  uu  flärferett 
9cfejrigung  unb  i&tebrbaftmachuna  ber  &täbt,  auch  mürben 
unter  feiner  Oberaufftcht  bie  ^föaffenübungen  ber  jungen  Bur* 
gcr  unb  jungen  $Xannfcr/aft  au$  ben  jeclum  vorgenommen, 
ijn Äriegälanften  nntentn tuen  ihn  bte  gleichfalls  Waffen! ttnbigen 
Äatt)0berren  unb  Schöffen,  welche  über  einzelne  Abtbetlungen 
teit  Oberbefehl  uberfamen. 

Au$er  bieten  bewaffneten  gab  cd  noch  bte  fogenannten 
StaDtfnethtc,  bie  unmittelbaren  Unterbeamten  bee»  *Katb$,  welche 
ben  Dicnft  unferer  (ewigen  *Poli$ci*  Sergeanten  verfallen.  Sie 
hatten  auf  :)C ube  unb  Crbnung  in  ber  2  tabt,  bereit  orfent- 
liehen  Säften  unb  S tränen,  auf  Säuberung  unb  8 i Gerung 
berfclben,  auf  gehörige  Befolgung  ber  SÄarftpolijci,  fBer^itt* 
oeruna  bee  Schmuggels  mit  fremben  ©iere  ui  achten. 

jfyr  unmittelbarer  Auffebcr  war  ber  Jirfelmeiffcer.  CDer 
Stocfmetjter  hatte  bie  Äatbbauäwacbe  inne,  beforgte  bie  im  Stoff, 
b.  Ij.  iKatr^gefängntf  Verhafteten  unb  regelte  bie  Bebnrfniffe 
ber  (befangenen  in  ben  Xbürmen. 

(£ine  mi^Hge  *Rolfe  fpielte  ber  Scharfrichter,  ,,9)a<hrichter, 
&enger"  genannt,  bei  ben  zahlreichen  Enthauptungen  unb 
|>mrid)tungen,  welche  ber  uubeuafame  Sinn  ber  iVentdum 
jener  eifemen  $tit  unerbittlich  erbende.  . 

(frttrltch  ftnben  wir  noeb,  baf  bie  Stabt  einen  befonberen 
^üntraeifter  hielt,  welker  Diäten  unb  ^rojeitfe  vom  (Gewinne 
befant. 

Ü)icd  war  ungefähr  bao  $erwaltung*perfonal  für  bie 
Stabt;  ber  Stabt  Dörfer  Angetegenheiten  würben  bura)  Stonu 
minanen  bed  sJcathö  georbnet,  wela)e  bie  (jitenbammer  unb 
gifenfteinlagcr  infpicirten.   Auf  ba*  J&olj  warb  bamal*  faf»  g«r 


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32 


fein  2BertI)  gelegt  2ßar  bo$  im  3.  1720  nocfy  fo  viel  t>or* 
bauten,  rap  Die  (Smnafyntc  aud  bem.ftolie  ber  großen  görlifcer 
£aibe  auf  uid>t  mel)r  plö  circa  200Ü  £l)lr.  jäfjrlid)  gcfdjäfrt 
wart). 

ü)ie  Dörfer  mußten  mit  jur  6tabt  f$offen,  wofür  bie 
Dominien  gleite  Sintberte  im  £ol$  gcnoftcn,  augleid)  aber 
audj  bewaffnete  unb  ^ferbe  jum  ftäbtifdjeu  Kontingent  ber 
(sedjäftabt  $u  ftcüeu  Ratten. 

3m  17.  3a^rl)unbert  finbeu  wir  bie  ^erfonen$al)l,  iu$* 
befoubere  bei  beu  Unterbeamten,  vermehrt*). 

2Bir  finbeu  4  $3urgermeiftcr,  »on_benen  immer  )wej  bie 
Verwaltung  ujn  ba$  anbere  3al)r  wedjfclten,  unb  einer  6ev 
„regiercnbe  öürgermciftcr''  genannt  Würbe.  Sic  erhielten  @)e* 
balt  an  ®clo,  £ol$beputat  Hub  ®ctreioe.  2>aö  9)carftgelb 
be^og  ber  Stabtfctyrciber  (fdjon  bamal*  „6efretär"  genannt)  j 
®efyalte:  ber  Stabtricfytcr  (ein  foldjeä  Umt  entftanb  uad)  ?lb* 
§ang  ber  föniglid)en  ©eridjte),  6  £d)öppen,  4  ^euatoren,  ein 
^tynbifuä,  brei  9Ratl)männer  auö  ben  (bewerfen,  jwei  Notare, 
ber  boten  *  unb  ^arftafl  Verwalter,  jwei  ©erid)te^rofura* 
toren,  ein  6tabtwad)tmeiftcr,  ein  StabU3<>Ueinnei)mer,  ein 
3ollgegenfd)reiber,  ein  SBrücfenjöÜner,  ein  Seigermeifter  (er  be* 
tarn  eiu  Honorar  für  batf  Stellen  ber  Dtatfyeuljr,  in  ©örlifc 
„8eiger"  genannt),  ein  Strajmibcrciter  (für  bie  $eauffidtfigung 
ber  3oUftrapen),  ein  Süegemeifter  unb  feine  (SefeUen,  eine 
ffiefjefrau  Käuferin),  12  Diat^bicuer,  ctubenfjeijer,  >Bäd)ter 
auf  ben  Xfyürmen  unb  in  &>ad)t(hiben,  eiu  JHbfjrmeifter  (m 
Seauffutjtigung  ber  untcrirbif^eu  ^ugäfanälc  unb  Gaffer* 
röf)rleitungen),  4  $l)orl)ütcr,  ein  Stabtpfeifer  (welker  allein 
ba$  ^rimlegium  fyattc,  in  ber  £tabt  sJXu|lf  au  madjen,  ftd> 
sJOcufifanten  l)ielt  unb  gegen  eine  beftimmte  Summe  bei  feier* 
liefert  ©elegeufjeiten  fungtrte). 

gerner  ftubet  ftd>  nod)  ein  töronbote,  um  bie  (Steuern  mit 
*      einju^ieljen,  welche  an  beu  £anbe$l)crrn  famen;  ber  Sdjarf* 
ridjter;  enblid)  ber  6totfmeifter  unb  Sättel. 

Süperbem  gab  e$  einen  <Stabtf)auptmann  unb  $ur  gür* 
forge  für  franfe  #rme  würbe  ein  ?lrjt  bcfolbet,  ber  jene,  ot)ne 


•)  <SammInngert,  ©orllfr  fcettejfcnb,  IBtH.  Ux  obexl  @.  b«t  äö. 
Urtica  |(  07. 


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33 


Honorar  vi  nehmen,  $u  befugen  hatte,  im  17.  3ahrhunbert 
nod>  dnfad)  $!wfifu*,  foäter  ©tabtpfwftfu*  genannt. 

£>ie  X^orwac^en  waren  burdj  Die  ©tabtfolbaten  befe^r, 
welche  ungefähr  biefelben  2)ieufte  wie  bie  je&igeu  Steuer* 
fontroleure  an  ben  Igoren  \\\  beforgen  Ratten  unb  erfi  unter 
ber  preupifd)eu  SRegiemtfl  aufborten. 

$urd)  ein  9ieffri»t  vom  20.  $ecbr.  1800  WHrben  foge- 
nannte  Planten  and  ber  »ürgerfdjaft  eingeführt,  an  ber  3<W 
101  —  102. 

81$  $örlie  preupifch  geworben  war,  blieb  anfdttglid)  nod) 
bie  frühere  <*inrid)tung  ber  Beerben  befiehl.  3m  3.  1Ö17 
am  8.  SRai  ging  p(öfclid>  eine  Verovbnung  ber  tauglichen  Re* 
gie rung  in  £iegni$  eiu,  ber  «Jagifkat  folle  $ur  VenjoUftänbigung 
ber  fdMeftfaen  3nftan*ien*9lotift  ein  Verjeid>ni|j  ber  ftäbtifd)cn 
unb  föntalic^en  Beamten  unb  Sefyorben  k.  einfenben,  wad  t>on 
ba  an  aUjährlid)  gefä^en  mu(jte.  $>a$  betreffenbe  «ftenftütf 
Acta  Litt.  J.  ^o.  3  giebt  oom  3.  1817  ab  einen  regelmäßigen 
Inhalt  über  bie  3at>l  ber  Beamten,  bie  neuen  Kamen  ber 
Beerben  unb  gewährt  erft  fixere  Bufflärung  in  bie  Verwal- 
tung, beren  ©efcbidjte  früher  nur  auä  abgeriffenen  jerftreuten 
Stötten  jufammengeftellt  unb  nachgewiefen  werben  fann. 

mt  bem  1.  3uni  1820  trat,  jur  ©täbteorbmmg  über* 
ieüenb,  eine  neue  interimiftifdje  Verwaltung  für  bie  ©tabt 
(Hörlte  in*  l'eben  *). 

Vermittelt  fteffripl  vom  23.  $o»br.  1819  war  burd)  ba*  • 
^tmifterium  bee  3nnern  bem  sJ»agiftrate  ju  GJörlifc  empfohlen 
werben,  |td)  mit  ben  (£ommum9iepr<ifen  tauten  ber  ©tabt  über 
eine  benfelben  *u  bewtüigenbe  Anteilnahme  an  ber  Verwaltung 
bee  ©emeinwefenä  au  vereinigen,  wa$  beim  auch  nad)  beä* 
faltfigen  unterm  22.  gebruar  1820  ben  ftepräfentanten  ©eilend 
bee  sIRagiftrat$  gemalten  Eröffnungen  gefchah. 

3Äit  (Einführung  biefer  prot>ifori|^en  Verfaffung  hörte  ber 
Unterfctyeb  $wifchen  Äämmerei*  unb  Sürgerttermöaen  gänjlid) 
auf.  Veioee  gehörte  nun  mit  gleichem  $ed)te  ber  33ürgerfchaft. 

$>ie  ©orge  für  bie  h^ft  mögliche  Venufcung  be$  Jtäm* 
merei*  unb  Sürgen>ermögen$  unb  für  beffen  lebigüd)  gum 
Vorth«l  ber  ©tabt*  unb  Sürgergemeinbe  anjulegenbe  Verwen* 


*)  Urfuitben  bft  mit  bem  1.  3«ni  1820  in«  8eben  fletretenen  interi* 
nufUfdjen  iUettoaltung  ber  ©tabt  Qtorlifc.   ©dtlifc,  gebr.  bei  £ref  (er.  31  <S. 

»efdjidJte  pen  Okrlt*.  3 

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81 


bung,  war  ftwifctycn  SWagiftrat  unb'  Vürgerfchaft  bergeftaft  ^leicfy 
geseilt,  ba£  fein  Tl)eil  ofmc  bcn  anbcrn  für  biefen  ober  jenen 
3wecf  über  erfte*        lffcte*  J)infcrt  verfügen  durfte. 

Die  flu*füfnung  aller  vom  Wagifirate  unb  ber  Vürger* 
fdjaft  gefasert  Vefdjlüffe  blieb  von  ba  an  unter  fortwäbrcnber 
«ufftdjt  ber  Vürgerfdjaft  geftellt. 

Diefe  Hufftdjt  erftrecftc  ftd>  gleichfalls  über  bie  müben 
^tiftunqcu  unb  bereit  wfdpifttmäßige  Verroenbung,  unb 
mußten  fowoljl  biefc  al*  anbere  Rechnungen  ber  »erfrtjiebeueu 
Waffen  burd)  bie  $ürgerfd)aft  vor  Ertheiiiing  einer  Dmttuncj 
geprüft  werben. 

Da*  bi*herige  «ffia^re^t  be*  Wagitfrat*  blieb  einftweilett 
befte^en.  Diefer  sDJagiftrat  unb  bie  Tetanien  unb  DepuHrtm 
ber  Vürgerfdjaft  bilbeten  bie  6tabtbel>6rbe  unb  führten  btc 
Verwaltung.  Reue  9tfitglieber  in  ben  Stadtrat  tonnten  von 
1820  an  weber  in  ein  (Schaft  nod)  in  ein  fonfttqed  Dienftein* 
fommen  anber*  eingewiefen  werben,  al*  mit^uftimmHng  ber  Vür- 
gerfchaft.  Die  Einrichtung  ber  Ratböverwanbten  au*  ber 
macr/er*,  Roth-  unb  Lohgerber  *  unb  gleifcherjunft  würbe  auf- 
gehoben. @*  traten  bafür  bret  sJ)?itglteber  ber  bürgerfdjaft* 
liegen  Repräfentation  (bie*  war  ber  Rame  bic5  jum  3-  1833) 
mit  Vefolbung,  nach  ber  $Bal)l  ber  Repräfentanten,  in  ben 
3Ra  giftrat.   Diefe  UÖal)l  warb  jährlich  wieberholt. 

Den  von  ber  Vürgerfchaft  gewünfehten  Einfluß  auf  bie 
Vefefcung  ber  ftäbtifdjen  UuterbeamtenfteUen  räumte  ber  $Ra* 
gtftrat  bamal*  nicht  ein  Hnb  erft  bie  <5täbteorbnung  gewährte 
biefe*  Red)t  ber  ȟrgerfchaft. 

Da*  unterm  17.  Vlai  1820  von  ber  foniglichen  Regie- 
rung ju  l'iegni$  erlaffene  Dienftreglement  für  bie  ©tabt  ©orlifc 
beftimmt  im  SBefeutlichen  folgenbe*: 

Die  $auptverwaltung*jweige  werben  von  ba  an  ein- 
getf)eilt:  a)  in  bie  Äämmerei  mit  ihrem  3ubebör,  Defonomie-, 
ftorft-,  3^9eW;»  Äalfbruch',  9ftarftall*,  Voben -Verwaltung  ?e., 
fammt  ben  bie*fälligen  Waffen,  ©ie  flehen  bem  Kämmerer 
^mt  Verwaltung  ju.  b)  Die  (StabrjteHer  unb  übrigen  bürger- 
fchaftltchen  ftonb*  (Special-,  Servt**,  tfofal-,  Sranbf  äffen*, 
3Bachg<lber*Äaffe)  bem  (Styitbifu*,  ber  mit  feiner  rechtlichen  $e* 
gutadbtung  fowo!)l  bem  SRagiftrate,  al*  ber  Vürgerfchaft  an 
bie  $anb  geht  unb  bie  £aitbtag*fachen  bearbeitet,  c)  Die 
Verwaltung  be*  Äirchen*  unb  <Stiftung*t>ermögen*  tyat  vor* 


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« 

35 


.raqdwriic  ber  ©ürgeTtneijfcr  mit  allen  >patronatdangelegcnljeiten 
<u  i! bei  nehmen,  d)  Dem  befonberen  *4Mi'S«birigcnten,  bem  ba* 
matö  aua)  ba*  Kuratorium  über  bad  Wwmnaftum  juftanb, 
liegt  bic  allgemeine  unb  Ortdpoliaci  ob.  Die  übrigen  gäajcr, 
ba*  33auwefen,  bic  9fHf!ld>t  über  bic  (§lemcntarfd>ulcu,  bie 
Hrmenverforgung,  bie  sDiilitärfad)cn  (IfiuauartirungG  ,  Slrmcc, 
(frfa&wcfcn),  bie  (bewerbe  ,  9Ud)  unb  Sauljanbwcrfer^rüfungä* 
angelegentyciten  fmb  burdj  ben  ^Bürgermeister,  ber  bie  allgemeine 
Leitung  aller  &ngelegenl)ettcn  vertritt,  unter  bie  übrigen  3Wa- 
gifrratemitglieber  *u  verteilen.  Die  ftäbtifd;en  Subalternen 
werben  vom  3Äagiftrate  injrruirt  unb  bcaufftajtigt. 

tBöd^entlid)  zweimal  werben  alle  Slngclegcnrjeitcn  in  regele 
mäßigen  2  i jungen  bed  3)?agiftratdfolkgiuntd  erlebigt,  in  m ldum 
ber  $5ürgcrmeijter  ben  $$orfi&  füfyrt.  Die  bort  gefaxten  93e* 
fa)tüf|e  werben  ben  ^ürgerfdjaftdSceprfyentanteu  jur  (Menefymi? 
gung  vorgelegt.  Damit  Vetteren  flare  (£infid}t  in  bie  $kr* 
waltungdwcife  werbe,  muffen  fie  Deputationen  \u\  Begutachtung 
ber  SRagifrratdvorlagen  unter  beut  SBorftfce  eineö  ^agiftrato- 
mitgliebeä  biitxn. 

Diefe  Deputationen  werben  von  ben  Äcprafcntanten  ber 
$urgcrfd)aft,  auä  jta)  unb  ben  übrigen  bürgern  gewählt,  wo- 
bei  i)auptfäa>lid)  barauf  \\\  fe()en,  ba(*  bie  bürgerlichen  SWitglic* 
ber  berfelben  tedmifa)e  Sad)fciiutni|7c  befreit. 

Damalä  würbe  pgleia)  bem  3Ragifrrate  aufgegeben,  bad 
wenig  überftd>tlid)e  Kaffen-  unb  9ted)mmgdwefcn  \u  vereinfachen. 
(f$  würbe  beftimmt,  baf  bic  vcrfa)iebcncn  Kaffcu  auf  vier  ju* 
rürfjufüfyren  feien;  nämlia?:  a)  für  bie  Kämmerei  nad)  i In  cm 
ganzen  Umfange;  b)  für  bie  Stabtjieuerverwaltung;  c)  für 
ben  rein  bürgcrfd)aftlid>en  5Berfer)r  wegen  ber  ©tabtfcfyutben, 
bed  Scrvtfcä,  ber  2ofal*93ranbver|ia)erung  —  weldje  feitbem 
eingegangen  ift  — ,  bem  2i$aa)egelbe,  unb  d)  für  bie  milben 
Stiftungen.  3ebe  biefer  Kapell  foll  einen  Kurator  aud  bem 
^agiftratdfollcgium  erhalten,  welker  ber  au  bemfelben  3^erfe 
erwählten  Deputatton  au*  bürgern  vorfielt. 

Dad  SRedjnungdjatyr  fiel  feit  biefer  $eit  mit  bem  trittuv* 
iia)en  uifammen  unb  mußten  bemnaa)  bie  jRcd)nungdabfd)lüffe 
mit  3al)rcdfd)lujj  erfolgen, 

lieber  ben  @kfa)dft£gang  ber  bürgerten  «Repräsentation 
murbe  folgenbed  fcftgefefct: 

Die  £f)eilnatyme  ber  $ürgerfa)afi  fß  auf  bie  Verwaltung 

3? 

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3G 


beö  Vermögens  ber  Jfommun  unb  bcr  ftäbtifchen  müben  <5rifV 
tungen,  fo  wie  fonfl  alfcr,  bie  SÄedfte  unb  Ü8crbtnbUd)fcitm  Der 
6tabt  betreffenben,  Angelegenheiten  gerietet,  wobei  fte  md>t 
blofl  $ur  Sillenääufjerung  Darüber  fonbern  auch  &ur  $eauftlcf)~ 
tigung  ber  Ausführung  ihrer  ÜBefchlüjfe  befugt  ift. 

Der  ffitrt^fctjaftepfari  ber  <5tabt  ift  jebeS  3al)r  mit  ben 
föepräfentanten  $u  verabreden  r  welche  berechtigt  fmb  bie  (ftnftcfjt 
alter  utr  $3efd)einigung  unb  SJeurtheitung  ber  einzelnen  Vlnfane 
erfordernden  Aftcn,  Ütfunbett,  Rechnungen ,  fur^  ^Belege  aUer 
Vlrt  |M  verlangen.    Much  in  allen  gällen,  welche  nad)  gefl* 
ftellnng  de*  2i$trtf)|d)aft$pfand  im  Saufe  ber  3af)re$vermaltung 
vorfommen,  ftnb  bie  Iftepiafen  tauten  hmui  ni  Rieben ,  ohne 
iveldje  vom  s)Kagiftrate  überhaupt  nutuo  befd)loffeu  werben 
fann.   Namentlich  gehören  hierher  alle  ^erctufierungen ,  sl*er* 
Pachtungen,  Remifftoneu,  @hatififalionen  unb  ^erpfänbuugen 
ftäbtifdjer  ©tundftürfe;  bie  (*ntfiheibung  über  bie  Srage:  ob 
bie  eine  ober  bie  anbete  Art  ber  'öenufcung  beneloen  eintreten 
folle,  bie  (£Mfd)liefuing  über  bie  Huvorbcrgeiebeu  vor^unehmenben 
SBaue  ober  Reparaturen,  über  bie  beeljalb  unb  ju  anbern 
^werfen  abutfdjlieficitbcu  Jtontraftc  nnb  ^ttforbe,  über  Anleihen 
unD  anbete  von  bcr  Jcämmctet  unb  'öürgerfdjaft  einzugehende 
^ied)tovcrbinblichfeiteit,  über  ut  betvilligenbe  S3e|olbungen  und 
©cfolbungtfuilagcii,  unb  überhaupt  über  alle  Aufgaben,  welche 
triebt  im  (£tat  bereite*  genehmigt  fmb.    Die  Verwaltung  bcö 
Armcmvefene*  ift  genau  von  ber  Representation  gu  beauf* 
fichtigen. 

Der  sl'erfel)r  jwif^en  SWagiftrat  unb  Repräfentantcn  ift 
fd)riftlid>.    Vettere  treten  in  bei  Regel  zweimal  be$  Stoitatf  )H 
ihren  mit  Stimmenmehrheit  ut  faffeubeu  53efd)lüffen  jufammen. 
Der  Svubifuc<  ift  Der  beftdnbige  Red)ttianwalt  ber  Repräfen* 
tauten,  hat  jeboct)  nur  auf  befoubere  (£inlabung  in  ilnem  .Hol 
legitim  jtt  erfreuten  unb  nur  beratbeube,  nid)t  befchlicpenbe 
Stimme,    ju  einem  gültigen  ^efd)litffe  gehört,  baß  jwei 
Dritttbcile  M  tfollegiunttf  anwefend  ftnb;  bie  ohne  ($utfchuU 
biguug  AuäMeibeuben  verfallen  in  eine  ber  Armenfajfe  \u  im 
rechnenbe  GJeldftrafe  von  vier  ®rofd)en.    Die  $efd)lü|fe  fmb 
möglichft  jtt  be|d)leiintgen,  um  nidjt  einen  mit  bem  Start 
Wohle  unverträglidjen  fdjleppenben  ©ang  in  bie  ©efchdfte 
in  bringen.    Die  Repräfentanteu  hatten  il)rerfeit$  auch  ba$ 
$echt,  felbftftctubigc  Anträge  an  ben  Sttagiftrat  $u  bringen, 


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37 


treibe  ebenfafl*  *om  9Ragifrrate  fcrajam  erwogen  werben  muffen. 
Stemmt  in  einzelnen  gällen  feine  (Sinigung  ut  6tante,  fo  ift  t>tc 
caax  unter  Beifügung  ber  (irflärung  ber  Stepräfenkiiiten,  oom 
*Jcagitrrat  an  bie  fbnigliax  Regierung  jh  berieten.  Die  §&>U*ic 
bung  aller  $efd>lüffe  fteljt  Dem  s3Nagiftrare,  unter  beliebiger 
Jcomrole  ber  ftepräfentaitten,  au.  Diefe  .Hontrele  baruber  ift 
jeboa)  mctjt  bura)  Da*  %3iepiäfentanteiuÄeUeijium  im  0*am,en, 
fenberu  tnirdj  Deputationen  $u  betoerfftelligen.  gür  bie  Ädm- 
mereü,  Die  bürgerfdjaftlicben  unb  Die  milDen  Stiftung*  Jtaffen 
Änb  ^e\>ifion*'tfommiffioueu  ju  ernennen,  welche  biefc  Äaffe 
monatlich  ni  reoibiren  baben  unD  wantwortlid)  bafür  fuib, 
wenn  Dura)  i\)H  9ta$Ufttgfett  in  bei  ftufttebt  bie  Commune 
jh  €d?at>en  fommt. 

Die  jdfjrücrjen  !Kea)nungen  fmb  tont  sJ!)cagitkatc  beut 
Sicpräfentanten  Kollegium  oor*ulegcn,  weldje*  Tie  felbft  prüfen 
oDer  511  biefem  2kt)uf  einen,  nad)  Umjtänben  *u  fjonorirenben, 
geeigneten  Wann  beftimmen  fann.  3n  ftreitigen  gäUen  ent* 
fambet  immer  bie  «Regierung. 

3u  berartigen  Honoraren  wirb  im  jubilieren  (jftat  eine 
beftimntie  oon  ber  föniglia)en  Regierung  411  genefymigenbe 
£umme  ausgeworfen,  weldje  umgefebrt  and)  für  fdjleunige 
Ausgaben  be*  SRagiftrat*  oorrjanben  fein  muß. 

Die  3af)lung*orbre  erteilt  fttt*  ber  s))cagiftrat. 

Da*  3at)r  1833  braute  bie  pirußifdje  StäDreorDuung 
ton  1808  unb  mit  tf>r  bie  llmwanblung  Der  Deputation  au* 
ber  33ürgerfd>aft  in  ba*  StabtoerorDncrcnfoUegium  mit  40. 
$erfoiteu,  weldje,  al*  ©6rli$,  bura)  Se.  $Raj.  Den  Üönig  im 
3abre  1844  bei  (Gelegenheit  ber  2(nwefcur)eit  Deffelbcn,  *ur 
flrejkit  Stabt  erbeben,  im  3atyre  1847  wirfliu)  in  bie  NJfeif)e 
Der  großen  6täbte  trat,  auf  60  vermehrt  würben«  Die  beoor* 
ftefcenbe  (£inful)rung  ber  neuen  C^emeiitbeotDnnitg  wirb  aua) 
tyerin  wieoer  ^ciiDeruttgcn,  wabrfdjeiulia)  eine  ikrmiuDerung 
tiefer  iatji,  oeianlaffen. 

Die  Organisation  ber  ^ebörben  Ijat  in  beu  erfreu  3eiten 
ber  preufufdjen  Regierung  fta)  fern;  oerfd)ieben  geftaltet;  mana)c 
Stellen  mürben  oeraubert;  auf  ber  einen  Seite  trat  eine  sBcx- 
minberung,  auf  ber  anberen  Seite  eine  Vermehrung  Der  33e* 
amten  ein*,  ber  9camenwea)fel  für  bie  »erfdjiebenen  SBeamtungeit 
uno  Kollegien  tbut  aber  im  ^anjen  fo  wenig  *ur  Sadje,  baß 
toir  unferen  £efern  einen  Dienft  $u  efroeifen  glauben,  wenn 

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38 


wir  barauf  nidjt  fpcciclicr  eingeben,  fonbcrn  mit  Anfurjrung 
ber  gegenwärtigen  Beamtungen  tiefen  Xr)eil  beä  tfapitelö 
gefeit. 

Der  SWagiftrat  befiel}!  jefct  auä  16  ^erfonen,  einem  Ober* 
bürgermeifter,  einem  Bürgermetfier,  welker  jugleia)  6tmbifuö 
b.  i).  Beamter  für  bie  3uftt*fälle  ber  6tabt  unb  ber  fiäbtifd>e 
9tea)t$anwalt  ift ;  einem  Äämmerer,  für  bie  Jtaffen*  Angelegen* 
tyeiten  imb  bie  mistige  gorfroerwaltung;  einem  6tabtratf)  für 
bie  ^olijeifadjen,  welche  fowoljl  für  bie  Stabt  alö  beren 
Dörfer  iimädjft  an  ifpt  unb  bann  an  ben  föuiglidjen  ^olijeu 
anwaltgel)en;  einem  *öaurat!>,  bem  feit  1847  noel)  ein  Baumeifter, 
jur  Unterftü&ung  in  ben  Saufacfyeii  beigegeben  ift,  einem  <5tabt* 
ratf)  für  bie  äirdjen*,  6d)ttl  =  ic.  Angelegenheiten,  10  nu* 
ber  Bürgcrfdjaft  bura)  bie  Stabfrerorbneten  gewählten  unbe* 
folbeten  Stabträtljen,  wela>e  alö  magiftratualifdje  ilommiffarirti 
bei  ben  verfcfyiebeucn  Deputationen  jugleidj  mit  ben  fogenannten 
gelehrten  (b.  r).  ftubirten)  6tabträtfyen  fungiren. 

6tabroerorbnetc  futb  60.  Unter  biefer  3al)l  futb  begriffen 
ber  <Biufef)cr  unb  fein  etelluertreter,  ber  >ßrotofoüfül)rcr  nebft 
(Stelfoertreter.  3ur  (Stellvertretung  ber  6tabtverorbneteit  ftnl> 
nod>  20  t)ieftge  Bürger  gewählt. 

Deputationen  beftefyen  folgenbe  ad)tjel)tt,  regelmäßig  auö 
6  OTtgliebern,  gen>dr)it(ict>  betf  9Äagiftrattf  unb  ber  6tabti>er^ 
orbneten,  bodj  werben  auöuafymöweife  aud>  aubere,  namentlid) 
faa>erftänbigc  Bürger  unb  (£inwol)tter  baju  gewählt:  (*inc 
Äirdjeubeputation;  eine  6djulbeputation  (al$  faa>erftänbigc 
SHitglieber  ftnb  2  ©eiftlid)e  Hnb  ber  Bürgerfajul^Direftor  Ijüu 
jugejogen);  eine  *J$oli$ei; Deputation;  eine  6anität$<Deputa~ 
tion;  eine  Bau-' Deputation;  eine  Stabtrjauptfaneu*  Deputation; 
eine  (stabtfteuer* Deputation;  eine  $id)amt$; Deputation;  eine 
<5trafienbeleud)tung$;  Deputation  (7  9Xitg4teber) ,  eine  gorft- 
Deputation;  eine  Oefonomic  Deputation  (8  SJcitglieber);  eine 
Deputation  für  9km>al)rung  ber  tfämmerei^ntereffeu  im 
ftäbtifdjen  9krfer)r  (7  SRitglieber);  eine  Deputation  für  «er* 
fdjonerung  ber  6tabt  Httb  beren  Umgegenb;  eine  Deputation 
für  ba*  Militär *  (Servil  «nb  (Siuquartinmgawefen.  Die 
15.  Deputation  füf)rt  ben  Tanten:  Armen -Diireftiou  mit  9 
9)titgliebern,  &u  beneu  noa)  in  jebem  Be^irfe  ein  Armenpfleger 
gered)net  werben  muß.  Befolbet  ftnb  in  iljr  1  Armen  Abrni; 
nifrrator  unb  2  Armerwögte.   Die  16.  würbe  jur  gefifieflung 

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;*9 


ttx  6d)u(a,elber'(*rlaffe  auf  ber  Mmcn  $üra,erfd)itle,  JUaffe 
für  .Knaben;  eine  17.  jur  Aeftftelluna,  ber  ßwibefteiier  befrei 
imqen,  eine   IM.  jur  tJtoUjiefyung '  fcer  8riebrid}-Sil()elm'o 
ctiftuna,  ernannt. 

l>ie  £tabt  fclbft  ift  in  14  93ejirfe  getyeUt,  beren  jeber 
(rinen  2*qirföt>or|tefoer  tyat. 

£täbtifa)e  (bcfcloete)  Unterbcamtc  fmb  folgcnbc 
I.  a)  äanjlci« Seattle:  1  Stabt*6efretär,  I  iHeajftra 
tcr,  1  Äeajftratui  flffiftent,  2  JCaii^tftcii,  1  $otennteifbr,  3 
$oten;  b)  i  «Halfulatur  Beamter ;  c)  6tabtt)auptfaffen  Beamte: 
1  «jpauptrenbant;  1  4)auptfafftrcr,  7  93ud)l)alter,  I  JCafjircr« 
ty'Üjtait,  1  .Raffenbote,  1  lirefutor  für  bie  £tabt,  1  für  batf 
^anb;  d)  für  bie  ofoiunnifcfycu  Mutagen  unb  ^3caiifftd)tiquitc) 
bttfclbf n :   1  Defononiic^nfpeftor.    II.  $olMeii>rrtt>altuiig:  1 
ff>ii\d  ^efretär,   2   (*rpebienten,   1   Jblti^ltfl,   l  ^otijei; 
jni'peftor,  6  jßtUftei  Sergeanten,  1  Ißelijetoiener,  tex  jugleid} 
Äaftcllan  be*  4paufed  »ft,  1  ©efananiwärter.  SommiaC« 
IfoliKiwwalttiug  in  9iauf$a:  1  geiftpclijei  £efretär  unb 
1  sJ*oli$eit>ieaet.    III-  6cn>ie  Mint:   2  SMUctteurtf,   i  33etc. 
IV.  Süaifeufyautf:  1  Mbminiftratin ,  1  ,£>au$vater,  1  3i>aifeit; 
mmter.    V.  Jmaittfdarbeitöanftalt:  I  ,£>autfr>ater,  1  Wuf(et)er. 
VI  .  flimenbefa)äfti4una,tf  Mnftalt:  1  Stferffüorer.    VII.  #iuft 
mx  (Oberaufftdjt:  ber  8taNfämmerer):   1   ftorftmeifter  (in 
ftüufdja),  1  Dberfurfkr  (in  Aotyfurt).  —  Muf  jeDem  -Hcvier 
£aioe  ift  1  görfter  angefteUt,  nämlich  in  Äofalfttrt,  in 
9**m$  in  5i$albau,  in  Gielau,  in  Siefenruit,  in  Skaub,  in 
^aufa)a  (2),  in  l'auterbad),  in  Nc-ttyroafter,  in  ^euneroborf. 
Utuerförfter  ober  foa,euanntc  ^aibeläufer  befinbeu  ftd)  außer; 
&ent  nod):  2  in  Weul)ainmer,  1  in  lieber-  s|*enMa,l)ammer, 
1  in  Stotyraaffer,  1  in  fcamjenau,  1  ju  6tenfcr  nnb  1  in  Sranb. 
£o  viel  von  ber  a,ea,enn>ärtia,cn  $envaltunt}. 
Die  s«öel)i>rDen ,  wcldje  früher  $ur  £tat>t  geborten  unb 
W  foniaUa)  finb,  fommen  int  Mnfyange  *ur  Krwltyiuuig;  bie 
^eiftlidjfeit  unb  Die  *el)rerfoUeaün  bei  beu  betreffenbeu  Jcapi^ 
*k  Daö  6tabtpi)pfifat  beftel)t  *uui  Sffii^le  ber  tftmeu  nodj 
N>  für  ben  JCreid  ift  ein  befonberer  föitt«3Ucf>er  Spinal  ^ 
«uet  alö  JtreieMvfito*  angepeilt. 


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»unfte«  Ättpitcl- 

©efd)icr)te  be$  Steucrwefcnä  in  ©örlifc. 

©erjen  wir  von  ber  Verwaltung  bei  Stabt  (^örlifc  au 
bcn  Stenern  über,  fo  ftnbcn  wir  jwei  Birten  berfelben  $u  untere 
Reiben:  1)  lanbetfherrlid)e,  nnb  2)  ftäbtifdje. 

Unter  bcn  SRorfgrafen  von  SManbcnburg  führte  bic  gc~ 
wohnliche  Vaubetfabgabe  ben  Hainen  33cebc  O&ittc,  (Srbctence*), 
weil  biefc  Steuer  allemal  vom  ¥anbe$f)crrn  nadjgefudjt  mit» 
bnrd)  bic  Stäube  bewilligt  würbe. 

Diefen  tarnen  führte  unter  Jlönig  3c()ann  inbeg  nur 
bie  aufjerorbentlid)e  Steuer,  um  welche  bei  Krönung  beä  £ar^ 
beöberrn,  bei  Vcrhcimthung  feiner  Jiiubcr,  in  fdjwerer  ÄriegS^ 
jeit  befonbcr$  angehalten,  unb  bie  bann  and)  bewilligt  werben 
mußte.  Die  gewöhnliche  ober  orbentlid)c  Steuer  war  bie 
9Öcrna.  3n  33e*ug  auf  fte  würbe  von  ftoitfa  3ol)ann  beftimmt, 
baß  ber  görliflifdje  tfrei*  feit  bem  3a^re  1341  jäfnlid)  12  ®r. 
auf  beirWaufuet  (eine  gewiffe  glädjc  £anb,.  frätcr  bebeutet 
ba*  SBort  „einen  borgen'')  unb  2  Srfjcffel  Äorn  nebft  4 
Steffeln  £afcr  abgebe.  Äußerbcm  mußte  baö  Vanb  bic 
gurren  nun  Xicnfte  beä  $anbedf)crrii  (angaria  unb  perangaria) 
umfoufi  ftcllcn,  eine  Einrichtung,  bie  fet/on  unter  «£>er$og  Apcinrid} 
im  3-  1322  vorfommt. 

Seit  bem  16.  3al)rl)unbert  finbet  ftcr)  piwcilen  bie  gor^ 
berung  einer  Abgabe  auf  bafl  33ier,  ^ierfteuer  genannt, 
ferner  einer  flopffteucr,  „,£>auptgclb"  genannt. 

3n  bemfelben  3al)rl)unbertef  in  welkem  übrigens  fd)on 
bie  Sluflbrücfe  Senta  unb  Skebc  in  ber  allgemeinen  33e*cia> 
nung:  Steuer,  untergegangen  fmb,  warb  burd)  ben  ^rager 
Vertrag  von  1534  unb  bic  tfntfdjcibung  geibinanb'ä  I.  (Deci- 
sio  Ferdinandea)  von  1544,  nadjbem  eine  ^ommiffion  aue* 
tfanb  unb  € täbteu  ben  SBcrmögenfyuftanb  abgefdjäfct  hatte, 
folgenbc  Verabrebung  fcftgefcfct:  wenn  fünftig  eine  Steuer  au 
geben  fei,  foüe  bie  ganje  Summe  in  ad)t  «djtel  geseilt  wer- 
ben, vier  fld)tel  auf  baö  2anb,  vier  Heitel  auf  bie  Stäbte. 
Da  nun  bie  Stäbte  @örli&  nnb  Zittau  fcf)r  viel  ©üter  auf 
bem  *!anbe  befaßen,  unb  baburd)  bie  bort  Slnfäßigcn  vom 
?anbe  verhältnismäßig  t)ötyx  belaftet  gewefen  wären,  al*  bie 
Sanbfdjaft  in  ben  übrigen  fea)c3ftäbtifchen  Eanbfreifen,  fo  warb 


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41 


frefrimmt,  bafj  @6rli$  unb  Jittan  ;u  if>ren  *wet  9ld>teln  ned) 
fett  4.  Xheil  l>cr  ber  betreffenben  ¥anbfd}aft  jufiehenben  Steuer 
ih  geben  Ratten. 

Huf  bem  prager  ?anbtage  vom  3.  1567  fam  abermals 
rine  flcnberung  ber  ©teuer  auf.  5Bährenb  vorher  12  $rc%cnft 
gegeben  werben  waren,  fo  follte  jefct  eine  Steuer  auf  bie 
ftcuncr,  vielmehr  bie  9laiicbfänf)fr  gelegt  werben.  Obgleich  bie 
Starte  gegen  biefe  ftauchfteuer  proteffirten,  würbe  fte  ood) 
im  3.  1568  eingeführt. 

Hm  lf.  November  1581  errichteten  bie  StäDte,  um  eine 
£rbmutg  in  ba$  Steuerwcfen  ;u  bringen,  bie  fogenannte 
8tcuerguota  für  Xürfenfteuern,  wobei  auf  Oiörlifc  ba*  Reifte, 
312%  Sehorf  fam. 

£ie  Dfcaudjfteucr  ift  bie*  auf  bie  neuefte  3*"  geblieben, 
ra  bie  befonbere  Steucrverfaffung  ber  JDberlaufift  bi*  jefct  noch 
befteht.  ®cnli$  ift  mit  *wei  Stimmen  auf  bem  Äommuuat* 
jtanrtage  vertreten,  welcher  bitf  411m  3-  1B48  bie  Steuern 
immer  wie  feit  alter  §tit  bewilligt  hat.  3n  bei  Stabt  wirb 
cie  s)Jcabl  -  u»b  Schlachtftcucr,  in  bereu  Umgebung  unp  auf 
bem  ^anbe  bie  älaffcnfteuer  feit  Dem  3-  1820  erhoben,  2lujjer- 
bem  befteht  befanntlich  noch  bie  ©ewerbefteuer. 

So  viel  über  bie  tauglichen  Steuern;  nun  wollen  wir 
ju  fen  ftäotifihen  unä  wenben  unb  bereu  ©efchidrte  etwaö  fpe= 
«eüer,  wie  ftch*       gebührt,  in  Erwägung  Riehen. 

5Bährenb  in  ber  ©egenwart  bie  ^aupteinnahme  ber  ftäb* 
nfeben  Verwaltung  auö  bem  (*rlofc  betf  *öel}eo  in  ber  großen 
6taotbaibe,  ben  3iegelöfen,  Jtalföfen,  Verpachtung  ber  ftäbtifchen 
$orf;S>ontinien,  au*  bem  3ufchlage  jur  SSaty*  unb  Salach** 
(teuer  befteht,  war  bie$  früher  ber  ©efdjep,  eine  Abgabe, 
»eiche  *war  noch  befteht,  aber  in  einer  A>he,  bie  jur  früheren 
Deutung  biefer  tfemmunalfteuer  gar  fein  Verhältnis  bilbet. 
3n  jenen  unruhigen  Reiten,  wo  baö  tfigenthum  ber  StaDt 
au6er  ihren  3initen  unb  ÜÄauern,  alle  Sfugenblicfe  burch  ffiecjr* 
leerer  unb  ftreifcnbc  Mäuber  in  grage  geftellt  war;  wo  ferner 
ta*  §ol$  fchr  wenig  2ßerth  hatte,  Hnb  überbem  wenig  ver 
tauft  werben  fonnte,  weil  faft  *u  aUen  ©auten  in  ber  Stabr, 
ober  auf  ben  SRMrfbenf>ctt**  Dominien  batf  $cU  foftenfrei 
geliefert  werben  mußte:  blieb  ber  Stabt  au  ihrer  SelbfterhaU 
tong  nichts  übrig,  aß  eine  höh«  t>ircfte  Steuer  (®efeho(j  ober 


42 


SBerfcrjojj),  t>cn  ©urgent  unb  i'anbburgern  (in  Der  3)fttletbenf)etO 
auftufetycn. 

Tiefer  (Sefdyol  war  eine  birefte  Skrmögenefteuer,  n>ie 
auö  fotgenber  Stelle  Der  alten  Stabtftatutcn  vom  3.  1433 
fjersorgefyt:*) 

„139.  ^^ciii,  bafj  ein  jet>cr  (linwoljner  ber  «Statt  OJörlifc 
alle  feine  (5rbe  unb  ©üter,  fal)renbe  unb  nidjtfabrenbe 
jQdbc  in  ber  Statt,  fie  mag  fein,  wofyer  fie  wolle,  an 
liegenben  $rünben,  ftebenrem  (*rbc,  baarenl  ®e(be»  an 
auöftel>enben  Sifmlben,  an  (£rbunfen,  an  3uMen  auf 
SBtberfaitf  ober  Leibrente  nnb  an  allerlei  Stfaare,  Jtauf- 
mann$fd)a(,  unb  an  allerlei  ÜÄSaare  unb  6abe,  bie 
©clbeo  wertl)  ift,  allein  Älciber  nnb  ^auSgerätl)  auöge« 
nommen,  foll  bei  feinem  gefdjwornen  (*ibe,  and)  bte 
^)abe  feinet  5öeibe#  unb  feiner  Jiinber,  wenn  fte  nod) 
bei  ihm  leben,  getreulid)  nad)  ber  Stabt  3Billfür 
für  (Statuten)  ruTfdjoffen,  unb  wer  bawiber  Ijanbelt,  ober 
treulos  wiber  feinen  (*ib  feine  ©tttcr,  wie  oben  angegeben, 
nid)t  verfdwfjt,  ift  Dem  Watbe,  fei  er  reid)  ober  arm,  mit 
feinem  CMute  im  geben,  unb  ana)  wenn  er  nerftorben,  ba« 
für  verantwortlich  (b.  ().  ber  föatr;  wirb  fid>  felbft  nadj 
feinem  lobe,  ef)e  batf  (£rbred)t  ber  gamilie  beä  ^erfebic- 
benen  eintritt,  an  ber  tjiutertaffenen  ^abe  fe^ablo^  für 
ben  betrug  ber  Stabt  galten)." 

Tu  t£>ör;e  biefer  Steuer  laut  iut  mebt  genau  anheben, 
benn  au$  ben  @>efd)oßbüd)ern,  wo  bic  ^Betrage  tljeilweife  aufgc- 
fuf>rt  fmb,  ift  nidjt  augleid)  auefy  Daä  Vermögen  511  eiferen. 

Vluö  einer  sikrr;anDlung  in  «^affe'ä  töatf)$aiinalen**),  wo 
fid)  £>and  Srenjel,  weil  er  itic^t  genau  fein  järjilidjeö  CSiu 
fontmen,  bad  oft  über  7000  gl.  jäijrlid)  (Damals  eine  enorme 
Summe)  betrug,  alö  Kaufmann  fctyafcen  fonnte,  vom  ©efd)o(ie 
loä  faufte,  b.  t).  i()u  mit  einer  Summe  von  5000  gl.  auf  feine 
unb  feiner  ftinber  Veben^eit  ablöfce,  gebt  tymet,  bafi  im  3- 
1518  ber  Saft  5  ^ro^ent  vom  jäl)rlid)en  (Sinfommen  unb 
Vermögen  betrug. 

Sßeun  au(jerorbentlid)c  ScDürfniffe  eintraten,  würbe  aujier 
biefem  ©efdjoö  nod)  ein  au£erorDentlid)er  SHeljrberrag  erhoben, 


*)  Script,  rer.  Lusat.  N.  F.  1  p.  390. 
••)  fcaffr,  Äat^ajmaUn.   <Bfc.  0.  f.  97  b.  (f. 


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tra*  in  t>en  f>nfttifct>cn  Reiten  febr  oft  ber  JaU  gewefen  fein 
mag.  «116  der  3rit  be*  Tonfall*,  wo  bie  Stabt  furefrtbar 
bdaftet  war,  fjaben  wir  eine  Wert},  baji  bie  bamal*  auferlegte 
ainierorceiulidje  Steuer  bie  £6t)e  »on  5  ^ro^ent,  b.  f).  vom 
Rimbert:  fünf  Sdwd  betrug.  Diefc  ©teuer  führte  ben  Warnen: 
£a)a&gelb*). 

Won  bttfen  Steuern  wmben  fänrmtlidje  Soften  ber  $rr- 
n>almng  unb  aud)  bie  ;}ar)luug  ber  föniglid>en  Steuern  H* 
ttutten. 

Die  Sdjä&ung**)  ging  nad)  Schorfen  unb  9Rarf  bot)* 
mifdirr  2ßähr«iifl  <b.  b.  1  Schorf  Äreujer  4-3  ^f.  -=23g®r. 
4  ty.,  unb  1  Warf  48  jhrcii*«  ober  18  gftr.  8  ff.) 
$ie  Warf  machte  bie  Steuer  Gihfjeit  au*  unb  bie  Biliare  ge; 
föaf)  nad)  Pfennigen,  fo  ba|i  na*  bem  ^ebürfniffe  3  bief  1 1  $f, 
pro  Warf  jdtyrlidj  in  *wei  Terminen  erhoben  würben.  3)a$ 
Steuer ;  Anlage  $Hd)  vom  3.  t57ö  gebenft  be$  *u*brucf*: 
^aiiemaitn^cf^of.  WÜ  bera  (Hefdwfi  ift  bie  unter  bem  Sa* 
men:  £aue»mann*ge|'a)ofi  v<w  Unangefeffenen ,  mit  neuem  9JtV 
to*  bi*  i«m  ^ar)Ve  1820  beftaubene  lanbe*l)errlid)e  Steuer 
nia)t  \u  t>erwea)feln,  bie  mit  bem  3af)re  1820  auf  Ohuub  ber 
neuefteu  Steuerregulirung  naa)  I)öd)fler  tfntfdjcibung  in  2(uö- 

Sidniug  ber  lanbetfl)errlid)en  inbireften  Steuern  aufhörte,  ob--, 
on  aus  3nrtl)um,  ober  vermöge  ber  allgemeinen  Steuerte 
trrtaiig,  früher  mitunter  eine  Ausgleichung  beiber  Steuerarten 
flattgefunbeii  gu  t)aben  fa)emt,  wie  ber  Vermerf  im  4kfcfw^ 
ßnmbfatafter  vom  3-  1736  an  bie  .£>anb  giebt.  llcberljaupt 
ttarb  bie  ^eriobe  vom  3.  1730—1740,  welche  in  golge  ber 
mit  bem  3at)re  1730  in  ffifrffamfeit  getretenen  lanbc$t>errlia)en 
Äommifjion,  beu  .kommuualr)au6l)alt  ber  Stabt  ©örlifc  regu* 
forte,  ja  umgeftaltete,  namentlid)  bie  fcf>arfc  Xrennung  bed 
Äämmerei'  unb  beä  $ürgerwmögen$  feft(c|jte;  erftereö,  nad) 
**n  alten  Statuten  ber  felbjtftänbigen  Verwaltung  bed  Watt)*, 
liiere*  aber  ber  Verwaltung  ber  &nrgeT|'a)aft  unter  Äuffta>t 
w  *Ratl)ä  überwies,  aud)  für  baä  ®efa)ofj  baburd)  entfdjci- 


*)  ©.  meine  Scfjvift:  beitrage  *ur  @efct)id>t<  bc*  <S(f)iiiatfalpifdjrn 
*tie<»e«j  k.  1848.    <S.  129.  *Wr.  XLII  ber  bort  miifler&filtrn  «ftenfhufc. 

*')  Wariffolgcnbe  ift  bit<  auf  w>enia,e  9lbfüriuna,cn,  trörtlirf)  rat« 
wmtnen  bem  9foffa$f  f.  62.  br«  Hfreiifhirftö  Vol.  II  Acta  (ieneralia  lit. 
G.,  »o.  56,  ba  idj  eiue  beffete  Sluefü^mug  nity  tyatte  geben  tonnen. 

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 44 

benb,  baß  bic  Jtommtffton,  um  bie  (Sinnafymeu  ber  Kammern 
genau  fennen  )u  lernen,  allenthalben  unb  aud)  beim  OJefdjoß, 
tbeilS  ein  Verjeidmiß  bei  bamaligen  Abgaben*  $errägc  ber 
Kngefcffenen  unter  91nerfenntniß  ber  3«tereffentcn  aufnehmen 
lief,  tbeil*  bie  Abgaben  ber  9tid)t-$lngefeffenen  (fpateren  Sdju^ 
verwanbten)  a(#  @tatö-6oll,  beredwungSfäfyig  git  mact)eu 
ftrebte.  Diefc  reine  Verwaltungemaßregel  veranlagte  bie  ($ut- 
ftetjung  beä  (Mefdjoß  ®runb  äatafteitf  vom  %  1731  (  Vol.  I. 
Act.  G.  56.  f.  13  b.),  weldKö  lefctere  bie  jä^rlid)  in  glatt 
Terminen  juentridjteube  ®efct;oßa&g»be  naa)  6  klaffen  teilte, 
unb  ber 

1.  klaffe  ä  1  Xtyx.  bie  t%offofaufleute, 

2.  „    a  «/,    „    bie  2)etai  lüften  unb  Ürämer, 

3.  „     ä  Va    f,    bie  ^uoriftfrämer, 

4.  „    ä  V4    ff    bie  jntnjUet  unb  funftartigen  (bewerbe, 

5.  u.  6.  Älaffe  a  %  Xblr.  bie  junft*  unb  u^unftmäßiqen 

bewerbe  unb  bie  ^anbarbeiter  aller  «rt 
einverleibte,  harte  aber  aud)  gleichzeitig  bura)  biefe  gudfub* 
nmgäform  bie  widtfige  materielle  golge,  baß  ftd>  bie  (*Jefdwß* 
abgäbe:  a)  au*  einer  naa>  bem  äommunalbebürfniß  fteigenben 
unb  falleuben  in  eine  bem  jäl)rlid)cn  betrage  nad)  ftrirte  fM» 
gäbe  umwanbelte,  nidjt  minber  b)  nad)  Verwaltung**  unb 
&rbebung*art  feilte,  ben  ©efdwß  ber  Unangefeffeneu  von  bem 
ber  Bngefeffenen  trennte,  unb  in  eine  Diealgabc  vcrwanbelte. 
Die  ©runblage  war  unb  ift  bie  Aufnahme  in  ben  kommunal* 
Vcrbanb,  bie  kommunal  *^ngebbrigfeit,  berubenb  auf  ben  all- 
gemein  gefcfclid>en  s£eftimmungcn  ber  6elbftftunbigfeit,  reö 
sBobnfi&e*  unb  biö  *ur  neuefteu  3eit  in  Uebereinfrimmung 
mit  bem  «Hg.  S.  9t  Xty.  II.  Xit.  8.  $  1—5.  aufragt  in 
ber  ©eria)t*barfeir.  3n  biefem  Reifte  ift  bid  1846  bie  ©eferjoß* 
pflidjtigfeit  beurteilt  unb  gebanbtjabt  werben;  er  fanb  nod) 
im  %  1844  bei  ber  Verwaltung  beö  ^irtl)$s@efdwffeS,  b.  b. 
ber  ojigefeffcnen  kommungliebcr,  in  Belegung  ber  au*  kom- 
munal- in  ^rivateigentljum  Übergebenben  ÖJrunbftiirfe  mit  ©e* 
fa)oß,  in  Befreiung  ber  von  ber  kommun  erworbenen  ©rtmb- 
ftürfe  vom  t«efd)oß,  ingleid)en  bei  ber  Verwaltung  t>c*  £äu*- 
mann*gefdwffe*,  b.  f).  ber  unangefeffenen  kommunglieber,  in 
VollMel)ung  be*  gebauten  ^Regulativ*  vom  ß.  3auuar  1731, 
(weld)e*  nur  baburd)  eine  Slbänberung  erlitten  l>a(,  baß  bei 
ber  im  3.  1797  erfolgten  reeeßmäßigert  Verwenbuug  ber  $h* 

- 

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u 


bn>fram  ^oiMcffionen  in  erbtirfie  ©eredjthifeiten,  bie  3.  Ätaffe 
tu  Sfgftf  fam  unb  in  Betratet  be*  \\i  nafylenben  (£anon$ 
mit  ber  4.  Miafc  vereinigt  warb),  t>oHe  fcnwenbuitfl.  3tym 
gehört  ber  (%Hnbfa(>  an,  baö  bie  (£ntrid)tuiig  be*  SBtrtfyftge» 
fdjoffeS  von  brr  3a^un9  ^auämaniuige|d)ojfeä  befreit; 
ihm  ifl  bie  *i|}rartd  entfprungen,  baf*  bie  früher  von  ber  ftab- 
ufd)en  (9erid>t$barfeit  erimirten  ^erfoneu ,  in  fo  weit  fie  nid)t 
im  $ürgerred)te  ftanben,  al$  ?lbelia,e,  giterati,  Vanbe#berdid)e 
mir  lanbftänbifd)e  Beamte,  awdj  nietet  gefd)cth)flid)rig,  vielmehr 
von  reffen  (Surrt  d)  hing  befreit  waren. 

Viiub  in  niDlid),  um  ben  in  93e$ug  auf  bie  ©efdjofiab* 
gäbe  im  3-  1844  beftanbenen  6ad)ftanb  vollftänbig  $u  über* 
feben,  nid>t  unerwähnt  ui  (offen,  bajj  einzelne  Befreiungen  be* 
ftanben,  namentlich  nad)  einqefd)lid)enem,  gefdndjtlid)  leidjt 
erfennenbem  Brauche  für  bie  *J9titglieber  beö  Waqiftratä,  bie 
magiftratualifdien  Beamten,  bie  jäbrlid)en  (Ednifcenfönige,  bie 
Sleltejten  ber  $ud}mad)er  uub  für  bie  neuen  Bürger  auf  ein 
tyalbeS  3abr,  bie  ^gebrannten  auf  fed)3  Jabr,  bie  Wenan* 
bauer  auf  brei  3afyr,  früher,  bi£  511  ber  &nfbebung  burd)  &om* 
munalbefd)(uf?,  aud)  für  bie  Warf  er*  ober  :£ud)madjer*3ituuug. 
»nbere  Befreiungen  beftefyen  auf  (*)runb  beö  OJefefceä,  für  bie 
mit  3uvali&en*33egünftiguiig  eutlaffencn  Wilitärtf  (Ob.  &mtei* 
patent  vom  29.  3uui  1782.  Dberl.  6.  SB.  III.  847.  v.  &amv$, 
»nnaleu  1834.  9co.  HS.  p.  1834);  für  bie  (^eiftlidjen  unb 
@^uUer)rer  (v.  tfampfc  Bnnalen.  1831.  p.  109.  9to.  48); 
unb  bie  Militär*  (ÄabineW^Drbre  v.  29.  s)J?ai  1834.  ©ef.^ 
Samml.  1834.  6.  74.) 

(ftne  zweite  fyicrortö  beftebenbe  SCbqabe  ift  ber  fogenannte 
Servil,  (fr  verfiel  efyemalö  in  ben  3i$irtb$*£ervi#  uub  in 
beit  <$paH#maiiit^oervitf,  wetdje  jwar  einen  Tanten,  aber 
gan^  verfdjicbene  (9runblaqen,  bafyer  mdft$  mit  einanber  gemein 
haben  1111D  burd)  ben  ©ebraud)  nur  in  fo  weit  in  eine  2l$ed)fel* 
wtrfung  getreten  fiub,  al$  bie  3«l)l"»f?  &ee  @incn  von  ber 
iMinutwmu]  bee  »nbem  befreite. 

2i$aö  $uuäd)|t  ben  $öirtfy$'<Servid  anlangt,  fo  bitbete  ftdj 
berfelbe  in  ber  legten  <£>ä(fte  M  17.  3af)rt)unbertä,  wal)r* 
fdjeitüid)  mit'i  3ai)r  1680,  alfo  )U  ber  3^it  aud,  al$  ftefyenbeö 
s3Jnlitdr  eingeführt  würbe.  Wit  bem  ftcbeitbeu  $eere  traten 
beftänbiqe  Wüttdr - ©arttifoueit  in'ö  geben,  in  ifyrem  ©efolge 
eine  nene  3}ervfltd}tung  bei  Öarnifonovte  jwr  WatnralHSin* 


46 


quartierung  für  ben  qevcqeltcn  grieben$wftanb,  im  ©egenfafce 
jum  ungeregelten  Jrriegöjuftanbe,  weldje  unter  ben  mit  quartier* 
fähigem  <SiAentl>uni  »crfel>c«eii  (Sinwoljnern  eine  ^(u^^(eid>uttc| 
nner(df(f<$  notfywenbig  madjte,  juraat  balb  einzelne  (Harnijöii* 
»erl)äUni|Tef  juuadjft  weil  fee  einer  fteten  Vofatoeränberumj 
utc^t  unterworfen  werben  tonnten,  ober  fcofalitäten  eigentfntm- 
lieber  $lrt  forberten,  in  ®elbe  gewährt  werben  mußten,  <£iefe 
(5inquartierung0*33erpflid)tung  unb  bie  barautf  entfpringenbe 
s<Huegletd)ung  war  unb  ift  aud)  nod)  Ijeute  bie  alleinige  gefefr* 
lidje  ©runblage  beö  ffiirij>«*€mri|e*,  bie  fid)  im  fcaufe  ber 
3eit  unb  burd)  bie  ©efeJwebwig  mel)r  auägebilbet  unb  fd)ärfer 
begrenzt  l>at.  tiefer  Öhunblage  nad)  ift  ber  £en>id  redjt 
eigentlich  eine  €raatelaft  unb  würbe  al$  folctye  nid)t  uuter  ben 
eteuern  $la$  finben  tonnen,  weld)e  alo  ftäbtifdje  r>ier  beban* 
belt  werben,  wenn  er  nicfyt  burd)  bie  €tabt»erwaltung  einge* 
jogen  würbe.  £>iefe  (*iuquartieruug$laft  tfyetU  fid)  in  bie  nor- 
male (für  ben  griebeiu^uftanb)  unb  bie  aufiergewötmlidje  (für 
ben  Jtriegöjuftanb.) 

3m  itriegeauftanbe  tritt  il)re  9Jatur  al*  etaatelaft  befon< 
berö  Ijertwr,  inbem  if>r  uaef)  bem  "öebürfniji  alle  bequartier* 
faljige  Staatsbürger  unterworfen  ftnb,  gleidjsiel  ob  biefe  $e* 
quartierfät)igfeit  auf  bem  (*igentl)um  ooer  anbern  £*erl)ä  Uni  Ifen, 
j.  3Wierl)e  berul)t;  im  griebeiu^ufitanbe  bagegen  nimmt  jte 
au6fd)lie(Hid)  baä  pritt^ipialiter  »erpflidjtete  bequartierfäfyige 
(Sigentfyum,  b.  I).  bie  33eti&er  quartierfäl)iger  ^dufer  in  Um 
fpruc^  (S  14.  C.  H.  ber  Orbomtanj  v.  3-  1752.  £)b.  Vf.  Coli. 
20.  11.  p.  936,  v.  tfampfc.  K.  a.  a.  £>.),  unb  ift  bafjer  eilten 
feitd  eine  ©runblaft,  weil  bie  flnwenbung  ber  6taatelaf*  nid>t 
burd)  %hi\>ate  befdjräntt  werben  barf,  eine  t>eränberlid)e,  bie 
mit  ber  (SinquartierungSfäfngteit  entfielt,  fteigt,  fällt,  ober 
gan*  in  5ßegfaU  fommt,  baljer  aud)  bei  SMomembrationcn 
unberürffidjtigt  bleibeu,  utc^t  wie  anbere  (^runblafteu  pro  rata 
verteilt  werben  foll  (ganbefl  Kultur  -(*bift  vom  14.  £eptbr. 
1811,  §  3)  — ,  anbererfeitä  eine  ©orietätölajt,  b.  I).  auf  einen 
Xtyeil  ber  (Staatebürger  befdjränft.  3)iefe  beladete  6oeietät 
bilbeu  alle  im  s4$rwatbe)t$  beftnblid)e,  ber  bequartirten  ©e 
m  ei  übe  angefyörige  bequartierfäfyige  C%unbftücfe  ohne  xHuo 
nal>me  (S  58  ff.  ber  Stäbteorbnuug  t>on  1808),  woran*  von 
felbft  folgt,  bap  einerfeitd  bie  jeber$e-itige  Duartierfäljigfeit  unb 
ifyr  Söertjaltnip  unter  fitfy,  wie  jur  ©eiamm^DuartierfätyigfcÜ, 

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47 


bie  eimig  richtige  $orm  ber  Vertbeilunq  ifi,  antoereifeit^  biefer 
«ntheünarjme  alle  quartierfdbige  (*)runbftürfe,  gleichviel,  ob 
fie  fia)  militärtfdjer  Vorfdjriften  ;u  gol^e  ihrer  Vage  k.  baut 
eignen  ober  nic^i,  unterworfen  ftnb,  wie  5.  V.  hierorts  bie 
Hnwfa)loffenen  SirfMtte.  Der  9tn*brutf  biefer  anf  ben 
Ärietw?  wftanb,  b.  fy.  auf  permanente  unb  jeitweife,  §, 
femra)  llebnngen,  Äommanbo'*,  jKefrutitungen  veranlagte 
®armfort**3$erf>aitnijfe  befdjränften,  burrt  bie  müiiArijtye  <#efeft< 
qebung  geregelten  €orietät*lafi  ift  ber  (servil,  unb  jwar  allein 
nnt>  auefd>lie0licr)  ber  $eal*6er*t0,  hierorts  3ßirtt)0  eervid 
genannt,  mit  welkem  alfo  bie  6ervt*  Abgabe  ber  unangefef* 
jenen  (Sinworjner  nia)t$  gemein  tyat,  nid)t6  gemein  rwbenbarf. 
€0  tfl  benn  ber  bieftge  $ßirtr;$*6ervte  ber  von  ben  angrfef* 
jenen  Äommwnmügliebern,  welche  einen  Söirttj  für  ($inquar* 
rierung  abgeben  fönnen,  folglid)  bewohnbare  (^ebäube  beftfcen, 
ju  naj$lenbr  Militär -(^nquartierungö  Beitrag,  and)  ift  beffen 
tfaffenverwaltung,  weil  fie  gefefclia)  ber  Äufjtyl  ber  6tabt* 
Wbörbe  unterliegt,  ber  €tabt^auprfaffe#  jebod)  gemäf  ihre* 
tebarafterS  einer  6ocietät$  Angelegenheit,  nia)t  beir  Ableitung 
uir  &ämmerei,  n  nrern  ald  in  fia)  abgefdjlojfenetf  3nfiitut  mit 
fpeueller  Vertretung  ber  Bbtrjeilung  für  ftäbtifctye  3nftitHte  ein* 
verleibt  worben. 

Bnoerä  verhält  eö  fid)  mit  bem  hierorts,  wie  oben  ange* 
flefcen,  a,leid)fatld  befterjenben,  fogenannten  .&auemann^<Servi$, 
Mrä  aud)  feine  (Sntfterjung  unb  (*ntwt(felung  zweifelsfrei 
Partr>ut. 

Von  ben  frutyefien  Reiten  bis  zur  lanbe$r)errlid)en  Stom* 
mifjton,  im  %  1730,  war  ber  ©efammt  Äommunal^auer^alt 
unter  alleiniger  Verfügung  beS  SWagiftratS  in  ber  dämmeret 
fon^ntrirt.  3)iefe  äommiffton  befdjranfte  juerft  baS  magiftra* 
nialifd)e  VerfügungSredjt  auf  bie  bamalige  Äämmeret,  b.  f). 
auf  bie  irjr  bamalä  gewibmeten  @egenftänbe,  fefcte  tl>r  baS 
$ürgervermögen,  b.  t).  Dasjenige,  waS  bie  itommunglieber 
auper  ben  Veiträgen  zur  ^dmmerei  für  jtommunafzweefe  unter 
ftd)  aufzubringen  hatten,  entgegen,  überwies  ba$  5>i$pofttionö* 
ted>t  über  lefctereS  ber  Vtirgerfa)aft,  fdjuf  babura)  ein  ganj 
neneS  Clement  ber  Äemmunal*  Verwaltung  unb  trennte,  wie 
bereit«  oben  beim  ©efertofi  gebaut  worben  Ift,  dämmeret*  unb 
^ürgeroermögen  fowotjl  im  ^ßrinaty,  als  in  ber  Verwaltung«- 
form.  Wdjt  unwatyrfchetnlia)  gab  r>ierju  bie  mdji  lange  vorher 


^  )gle 


48 


entftanbcne  €en>id'Kafie,  weldje  bamalä  jebod)  nur  ben 
gBir$t'6cn>i0  in  ftcl>  faßte,  SBeranlaffung;  wenigftcnS  gcl)t 
fo  t>iel  auä  ben  vorbanbeuen  Segnungen  fetter,  baß  bamalä 
allein  bie  (gertttofaffe  al$  eine  bmgerfdjaftlidjc  angefefjen  warb 
unb  lange  3*i*  allein  baö  SnrgervermÄgctt  repräfentirte,  weil 
außer  bem  ©ennä  feine  twn  ber  Kämmerei  getrennte  bärger- 
fd>aftltd>c  ^Ib^abc  bejtanb  mib  nötljig  war.  (£rft  in  Solge  be$ 
fiebenjätjrigen  Kriegen  madjte  ftd)  ein  erstes  Bebürfniß  gel* 
tenb,  unb  jwar  bei  ber  Sed>i$faffe,  ju  beffen  Slbljulfe  eine 
Steuerung  ber  unangefejfcncn  (*inwol)ner  in  $orfd)lag  fam, 
genehmigt  warb  unb  vom  1.  3uli  1768  ab  unter  bem  tarnen 
,,#au$manu$'£en>i<V'  ine  ^ebeit  trat. 

$iefe  Abgabe  warb,  jhc  (£rf)ebung  nad)  bem  $ebarf, 
fclglid)  ganj  wie  urfprünglid)  baä  $efd)oß,  unfinrt  in  Kataftet* 
(form  »orgefdjlagen  unb  angenommen,  oljne  ^rinjipien  ber 
SBefteuerungö  Worm  au*bnidlid)  fefauftelien;  nid)te  befto  we- 
niger läßt  aber  eine  Prüfung  be$  Katafterä  unb  ber  bei  Hb* 
fd)d$ung  neu  eintretenber  Kontribuenten  gebilbete  unb  nod) 
befteljenbe  ®ebraud),  niajt  ben  geriugfteu  3wetfef  übrig, 
baß  biefe  Eefteueruug*  sJ(orm  eine  Klaffififation  unb  jwar 
biefelbe  ift,  weldje  gemäß  be&  Slegulattod  vom  9.  3anuar 
1731  beim  £audmann^  ©cfdjoß  jur  fluwenbung  fam.  ü$ 
würbe  nämlid),  wie  beim  _£auemann$*®efd)oß,  nad)  SBegfaü 
ber  uriprüugUcben  3.  Kla||e,  ber  ^auemaunö*  ©erste  nad)  5 
Klaffen  erhoben  unb  gehörten  ber 

1.  Klaffe  a  2   If)lr.  bie  ^erfonen  höheren  etanbc*,  ©roffo* 

faufleute  k., 

2.  „    a  1 V2   „    bie  Detaiüiften,  ^rofeffconiften,  $A$* 

ter  K.  mit  umfangreid)em  bewerbe, 

3.  „    a  1      „    bie  ©ewerbtreibenben  in  befdjränftem 

Umfange,  s}*äd)ter,  Künftler|jc, 

4.  „    a    V»   i,    bie    ©ewerbtreibenben,  3««ft'  »nb 

Unjunftmäßige,  ©elbft*  ober  Unfelbft- 
ftänbige  anbeter  Krt, 

5.  „  a  y,  „  bie  £anbarbeiter  unb  Sagelörjner, 
an.  3eber  3weifel,  baß  ba$  6flM^mannö*@efd)oß  mit  bem 
£auömann0;6en>iä  gleiten  Urfprung  tjabe,  ftnbet  barin  feine 
(Srlebigung,  baß  mit  all  ein  ige  in  Auöfdjluffe  ber  iuebmaduT 
Slelteften  bei  leftteren  wie  bei  erjicrn  äanj  gletd)e  Befreiungen 
hergebracht  waren,  jebod)  feit   1833  bie  SWitglieber  bed 

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49 


SRagijtratd  unb  ber  fiäbtiföen  Beamten  mit  (finfüfjrung  Der 
©täbte-JOrbnung,  auf  @runb  eine*  bei  tl>rer  Bnftellung  gemalten 
Vorbehalte*  8en>id  entrichteten,  unb  baf  ber  £au$raann** 
eerriö,  ebenfo  wie  ber  ©ef<ho£,  urfprüitglic^  nach  bem  Ve* 
bürfnip  brfnmntt  unb  erhoben  »erben  foütc,  fid}  aber  wie  biefer 
nadj  anb  naety  in  eine  firirtc  Abgabe  t>erwanbelt  l)at.  3icht 
man  ferner  in  Vetrad)t,  baß  jur  3eit  ber  Gntftebuna  beä 
£audmannd*©cn>ifee  fd)on  nach  fädwfcben  ©efefcen,  in  lieber* 
etnfhmmung  mit  ben  jefct  geltenben,  ber  ©ert>id  eine  ©runb* 
lafi,  folglidj  eine  VeitragSpflichtigfeit  ber  ilnangefefienen  un* 
richtig  war,  mitbin  gar  nidjt  t»orau$gefefrt  werben  Durfte:  fo 
pellt  fid)  in  Öemä^eit  ber  gefcbicbtlicben  (fntwicfeluug  hieftger 
fommanal*  Verwaltung  flar  heran*,  bap  ber  ,ftau*mann** 
£en?t*  mit  bem  ©efchop  ganj  gleite  gefcfclidje  Vegrimbung, 
gans  gleite  rechtliche  9tatur  habe,  ba|j  beiDe  $ur  Veflreitung 
allgemeiner  kommunal- Vebitrfniffe  beftimmte,  in  ganj  gleiten 
formen  ausgeprägte  Abgaben  ber  Äommunmitglieber  ftnb, 
unb  bap  ihre  Verfdjiebenheit  nad}  tarnen  unb  Verwaltung*- 
$ehörbe  ihren  ©runb  in  ber  anfälligen,  bamal*  beftehenoen 
Irennung  be*  Äämmerei*  unb  Vürger*  Vermögen*  hatte,  bap 
bamal*  £au*mann**6en>i*  nidjt*  Slnbere*  war,  als  eine  unter 
tiefem  tarnen  eingeführte  Erhöhung  be*  £au*mann*  -  ©e* 
fchone*.  £ierau*  folgt  gleichzeitig,  bat*  mit  ber  burd)  bie 
tmerimijttfdjk  Verfaffung  »om  3.  1820  utdu  nur  au*gefpro* 
enen,  fonbern  aud)  in  jeber  anbern  Begehung,  namentlich  in 
erreff  be*  ©tabtfchulbenwefen*  realiftrten,  fowie  burd)  (fin* 
fuhrung  ber  ©täbteorbnung  im  Jahre  1833  betätigten  Vluf 
hebuna  biefer  Trennung  be*  M  am  mei  ei  unb  Bürger -Vermox 
gen*  hiejtger  ©tabt  jeber  ©runb  jur  ©eparat*Verwaltung  be* 
£au*mann**©ennfe*  weggefallen,  vielmehr  beffen  &u*fcheiben 
aud  ber  ©ertü*fa|7e  unb  jur  Verfeinerung  mit  bem  «ftau** 
mann*  - ©efdjojj  gefefclich  notJjwenbig  geworben  ift.  tiefer 
©nmbfafc,  ba#  nur  allein  ber  $3irth**©erm*  ber  (Jinquartie* 
rung,  ber  f>au*mannd  *©ert>iä  aber  ben  allgemeinen  kommunal' 
Verpflichtungen  gewibmet  unb  angehörig,  ift  benn  auch  in  golge 
ber  mterimiftifchen  Verfaffung  vom  %  1820  tljatfädjlicb  geltenb 
gemacht  worben,  benn  auf  ihm  beruht  bie  Veftimmung  be*  ©  labt* 
|(bulben*$ilgung*-'9teglement*,  nad)  welker  bie  ©ervi*fajfe 
jährlich  jur  ©chulbentilgung  1000  Ztyx.  (al*  oergleic^weife* 
SUqutoalent  für  ben  fortbejogenen  £au*mann*'©ert>i*)  beitrug, 

0tf*t*tc  4 

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I 


50 


So  war  bie  ©abläge  tiefer  Steuer  -Angelegenheiten  bi£ 
in1*  3ahr  1844,  wo  t>er  t>erftorbene  Dberbürgermeifter  Demiant 
bie  Regelung  berfelben  übernahm,  un&  einen  auftfüfyrlicfycn 
Vertrag  barüber  aufarbeiten  ließ,  Den  wir,  wie  angegeben, 
^ier  benufct  fyaben.  Unter'm  16.  December  1844  fapte  bie 
Stabtverorbueten^erfammlung  beu  $efd)luß,  ba*  ^romemoria: 
„bie  l)ier  Ort*  unter  bem  Warnen  @ffd}o£  unb  Sen>i*  beftebenbe 
Abgabe  betreffen©",  einer  Deputation  auf  ihrer  sJ)(itte  gu  über- 
reifen. Diefe  Deputation,  beftehenb  au*  beu  «£>erren:  gerbi* 
nanb  Schmitt,  Robert  Dettel,  Jtelier,  ttöber,  Dienet,  Sättig, 
(Sonrab,  ®.  Jtraufe,  Naumann  unb  Drewer,  trat  am  31. 
Dezember  1844  &ufammen  unb  gab  eine  ßrflärung  über  bie 
$orfa)lägc  ab,  welche  bie  meiften  berfelben  genehmigte,  anoere 
ablehnte  unb  bafür  SKobiftfatioiicit  oorfd)lug.  Der  siKagiftrat, 
Referent  Dcraiaui,  gab  hierauf  am  24.  3uni  1845  (*rläu^ 
terungen  über  bie  ^orfa>läge,  welche  unterm  4.  3uli  1845 
bie  Genehmigung  ber  Stabtmorbneten^erfammlung  erhielten. 

Somit  trat  beim  mit  Dem  1.  Januar  1846  bie  SScr&u 
berung  in1*  l'eben  in  uaehfteheuber  Beife: 

Da*  Wättifi*@tfä*$,  b.  I).  bie  unter  biefem  Manien 
von  bewohnbaren  gkunoftöcten  erhobene  Abgabe,  trat  au  bie 
Stelle  be*  £au*mann*  ^e|d)o^  Servifed  unb  befreite  baher 
oon  ber  (£ntrid)tung  be*  lederen. 

Sonad)  war  nun  ba*  Birth*  ®efa)ot*  al*  perfönlidie 
Abgabe  ausuferen,  we*halb  a)  foldjc*  bei  ben  Diömembrationcn 
ungeteilt  unb  jwar  auf  bem  1845  bewoh»bareu  Iheil  be* 
©runbftücf*  ruhen  blieb  unb  fall*  bie  abgezweigten  ^arjcllen 
ober  bie  bamul*  unbewohnbaren  Grunbftücfe  in  bewohnbare 
uragewanbelt  werben,  eine  Belegung  berfelben  mit  Birth*- 
gefa)of$  nach  Analogie  ber  bafür  hergebrachten  Säje  in  ber 
VI«  N4$la&  anff,  baß  bei  lederen  ber  etwa  f(t>on  baranf  rubenbe 
(*>efa)oß  mit  in  Anrechnung  aebradjt  unb  einverleibt  würbe; 
b)  bie  ßrben,  fo  lange  ein  mit  Birth**  ®efd)o|?  belegte*  ©runb* 
ftücf  in  uugctyriücm  (Srbe  ftefyt,  naa)  ihren  perfönlichen  s^er* 
hältuiffen  £au*inaun*  (*)efa)o^-Servi*^pflichtig  bleiben.  8c 
freiuugen  finben  nach  $orfa)rift  ber  Stäbteorbimng  vom 
3.  1808  weber  beim  4)au*mann*  -  Gefcho^  Sen>i*,  noa)  beim 
Birth*  Gefd)o^  fiait,  jeboa)  fann  in  ©ejug  auf  lefrtcre*  auf 
GJrunb  eine*  tfommunalbefchlujfe*  Abgebrannten  im  galt  be* 
Söebarf*  eine  fea)*iahrige  Öefreiung  auf  Auirag  bewilligt  werben. 

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!il 


* 

Süe,  welche  in  J>iejtger  Statt  im  gefefclicben  eimie 
SDobnüe  »ebinen  ober  haben,  geboren  bem  .Kommunal  <  <Ber* 
banbe  an,  unb  haben  Die  b«8*bracbte  $au*inannd*@cftyoji* 
€ervid -Abgabe  ;u  entrichten,  fluefnabmen  von  biefer  Dtegel 
faben  nur  aiif  ©runb  auebrücfticber  gefe$li*er  gtorföri fl  jtart 
und  jwar  für  je$t  binftcbtlicb  a)  ber  fervio  berechtigten  unb  auf 
3aafttvität*  behalt  gefegten  Wtittärö  uuD  Militär  Beamten 
Ü  ©efefcf.  v.  3.  18:11,  p.  74);  b)  ber  approbirten  Hebammen 
(*iegn.  «egier. 'Amtsblatt  vom  3.  1817,  p.  113);  e)  ber  an* 
geseilten  ©eiftlicben,  ecbullebrer  unb  Äüfter  (v.  tfampfc 
nafen  1831,  p.  109.  9to.  48);  d)  ber  föniglicben  Straten  in 
ber  «rt,  bafi  eS  itirer  SSabl  überlaffcn  bleibt,  ob  fie  bem 
kommunal -Ukrbanb  beitreten  wollen  ober  nicht.  (StittfjL'Sl 
som  3.  1843.  p.  216.  $o.  277). 

$>er  £au$raann6*®efcbo|i;6ervi$  wiro  gewcbnbeitdgemäji 
auf  nun  Älanen  verteilt  unb  geboren  ber  1.:  tyerfonen  hö- 
heren (Stanbeä,  ©rojfofaufleute  u\,  fowie  höhere  ©eamte  unb 
Rentiere;  ber  2.:  gabrifbejtfcer,  Jtaufleute,  höhere  Ilmerbeamte, 
^rofeff  tont  fiten  unb  ^achter  mit  umfangreicherem  bewerbe; 
ber  3.:  äünftler,  (Hewerbtreibeube  unb  ^achter  mit  befebränf- 
terem  ©efebäftäberriebe,  fowie  Unterbeamte;  ber  4.:  'Jtarfonen, 
welche  ein  ©ewerbe  in  fehr  geringem  Umfange  ooer  nicht 
felbftftdnbig  betreiben,  unb  niebere  Unterbcamte;  rer5. :  Tage- 
löhner unb  £anbarbeiter  in  ber  &rr,  bap  bie  bezeichneten  \Lht 
bdltntffe  bie  9corm  abgeben,  mich  welcher  bie  nicht  namentlict) 
aufgeführten  flafftfMtrl  werben,  (seit  bem  .ftommunalbefcbluß 
vom  3.  3uli  1847  würben  Tagelöhner  unb  ^anbarbeiter  in 
ber  ^egel  ftatt  ber  5.,  ber  4.  itlaffe  jugefcfjrieben. 

Die  Abgabe  an  .£>au3mannd  (Gurion  cervie  verbleibt  in 
ibrer^öbe,  beträgt  labrlut)  in  ber  1.  Äfoff*  (1  i  Mr.  ©efebojj, 
2  lljlr.  6ervi$)  3  X^lr.;  in  ber  2.  älajfe  (%  Xblr.  ®e|d)o^, 
lV*X^r-  <5ervte)  2Zt)ix.  5  6gr.;  in  ber  3.  Älajfe  (l/4Iblr. 
©efd>of ,  1  Ztyt.  6ervi$)  1  Iblr.  7  6gr.  6  j|}f, ;  in  ber  4. 
Äla||c  (V»  X^lr.  ©efct)oß,  V*  3$b.  1  $f.  8ervie)  18  6gr. 
10  $f.;  in  ber  5.  Jtlaffe  ('/,  X()^  @e|<bo£,  %  Thir.  1  $f. 
6enriä)  11  ©gr.  4  sHf.,  unb  wirb  in  halbjährlichen,  3um 
2.  Januar  unb  1.  3u(t  gefälligen  *Katen  prcuiumeranbo  erhoben. 

3ur  voUftänbigen  ^uefübrung  biefer  3$orf<briften  ift  bie 
^itroirf uug  beö  9Nagtftraie,  ingleichen  ber  ^oliaei^eroaltmig, 
ber  6ervi$*2)eputarion,  welche  ftch  auch  von  ben  iBeihältmffeii 

4* 

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52 


bcr  SRietfjer  unb  iftfcn  9*aumlio)feitcn  in  fteter  tfcnntniß  gu 
erhalten  r>at,  fowie  bcr  ©taotrjauptfaffe  erfotberlia). 

Die  (Sinwotjner  unb  Bürger  ber  ©tabt  erhalten  ba*  £i>lj 
au*  ber  ftäbrifdjen  £aibe  $u  einem  billigeren  greife,  alä 
9tta)t*@inl)eimifa)c.  Die  3a$toJtg  obiger  fiäbtifajen  «bgabe  ift 
nun  mit  bem  £olaverfaufe  in  berartige  Verbinbung  gcbradjt 
worben,  baß  Wemanb  einen  £ol$jettel  auf  einen  ftäbtifa)en 
£oljf)of  erfjält,  ber  ftO)  nidjt  vorder  bura)  fein  ©ervi**©efd>ofj* 
bud)  über  bie  3a^"«9  ber  Vlbgabe  au*gcwiefen.  £ierburd> 
wirb  bie  befte  Vefajleuniaung  ber  ;}ar;luug  bewirft. 

»m  u/i8.  9»4rj  1848  befa)loffen  bie  ©tabtverorbncten, 
baß  benjenigen  (Srben,  welche  ein  9taa)laßgrunbftütf  befreit 
unb  verwalten,  ein  £ol$bua)  1.  Älafie  ol>nc  (*ntria)tung  be* 
£au*manu*;©efa)offeö  erteilt  werben  folle.' 

©o  viel  über  biefe  ©teuer.  2tußcrbem  beftef>en  nod)  8lb* 
gaben  für  bie  Leitung  be*  SÖajjer*  in  rie  £öfe,  ONöfyrwafierjin*), 
©tättegelb  bei  3afyrmärf  ten ,  (für  beu  9taum  eine*  laufcnben 
gußc*  2  ©gr.,  unwrfctylofjeneit  Verfauf*pfa$e*  1  ©gr.), 
$unbefteuer,  beren  Ertrag  jur  Regung  von  ©ramtylatten  in 
ber  ©tabt  verwcnbet  wirb;  enblia)  eine  SBilbvretfteuer,  ledere 
feit  bem  3ar,re  1848. 


®ed)ffc6  Äapttcl. 

Die  Privilegien  ber  ©tabt,  in*bcfonbere  be*  föatbe* 

unb  bcr  ©cfa)ledjter. 

SBir  (jaben  oben  vcrfudn,  eine  ($ntwitfelung*gcfd)ia)te  bcr 
ftäbtifdjen  $kr)örbcn  bi*  in  bie  neuefte  $tit  hinauf  ju  geben, 
unb  gcfeljen,  baß  bie  Verwaltung  eine  fetyr  verwitfelte  unb 
umfa||enbe  ift  unb  ftet*  war.  $öic  follte  e*  aua)  anber*  fein, 
ba  bie  &ommun  ©orlifc  ftd>  eine*  bebeutenben  ©runbeigen« 

Sum*  erfreut,  wa*  ofync  bie  ©ruubftütfe  |in  bcr  ©tabt  über  aa)t 
Millionen  Ityaler  beträgt.  2ßtr  haben  aua)  geferjen,  baß  in 
ben  erfiten  Venoben  unfercr  ©tabtgefa)id)te  ber  tftatl)  bie  SRtttd 
Sur  Verwaltung  unb  jur  Vefeftigung  bc*  ftäbtifa)cn  xHufc  lu-n^ 
au*  ber  Jiraft  unb  bem  Vermögen  ber  Bürger  al*  foldjer 
fajöpfte,  ba  bamal*  ber  ©runbbefty  ber  ©tabt  nidjt  ben  2Bcrtfy 
tyatte,  wie  ^eut  au  Xagc. 

■ 

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53 


Hegt  un$  nun  ob,  au  jetgen,  wo  in  jener  früheren 
3eit  bie  Duellen  be*  ®ol>lftanbe$  Der  $iirgerfd>aft  *u  fudjen  fmb. 

3?et  genauerer  39etrad}tung  ftnben  wir,  baß  fte  in  ber  ge* 
werblichen  Ifyätigfett  ber  3nfajfen  fowobl,  al$  in  ber  (Srmftg* 
fett  unb  ^eftrebfamfeif  rufyen,  mit  welker  ber  Watt)  ber  Stabt 
ftetö  Privilegien  *u  erwerben  bemüht  war,  imb  in  ber  feften 
Ausbauet,  bie  erworbenen  Deckte  $u  wahren. 

*£ie  3C^  *or  b<r  Deformation  ift  ber  gegenwärtigen  in 
ber  33e$ierjung  fcollftänbig  entgegengefeftt,  baß  bamalä  $ur  $e* 
ferbentng  befl  materiellen  5üol)le$  nad)  ®evorred)tung  geftrebt 
warb,  wäfjrenb  bie  neuejte  3^it  bemüht  ift,  alle  33eoorrecfytungen 
aufzubeben.  £amald  beförberte  oer  (Btaat,  wenn  man  biefen 
mcDfrnen  begriff  auf  ben  lofen  3ufamnt?nfyan9  äWifctyen  De* 
genien  unb  Degierten  im  Mittelalter  auwettben  barf,  ben  Selbft- 
sortiert  beä  (Einzelnen,  um  bason  9ßortf)eil  au  Riehen;  jeftt 
jrrebt  bie  ©efeftgebung  babin,  bem  allgemeinen  Duften  bad 
3ntereffe  beä  (Sinjelnen  unter^uorbnen,  unb  Hillen  t>or  bem  ©e* 
fe$e  gleite k Dedjte,  aber  auefy  gleite  *Pflid)ten  unb  Mafien  auf* 
iulegen. 

3n  ber  Xfyat  brausten  audj  bie<5täbte,  um  ftdj  in  jener 
3cit  in  bem  beftänbigen  ©etummel  oon  gelben  unb  wilben 
'Stretttgfeiten  aller  2(rt  gu  erhalten,  außerorbentlidjc  Untere 
früfriutg  unb  bie  ungebunbenfte  Bereinigung  ifyrer  Grifte,  um 
im  3nnern  il)rer  dauern  unb  Sßälle  ifjr  ©ewerbe  ungeftört 
*on  fctyäblidjen  äußeren  Ginflüifen  entfalten  ju  tonnen. 

Ü)a0  erfannten  bie  bamalä  nadj  größerer  ©ouverdnität 
frrebenben  Surften,  benen,  im  beftänbigen  Jtampfe  mit  bem  un* 
beugfamen  reifigen  Stbel,  bie  <5täbte  bie  -Wittel  an  bie  £anb 
gaben,  jene  wilben  ©efellen  *u  bänbigen,  abgefefjen  batwn,  baß 
bie  ftarfen  23otlwerfe  ber  6täbte  ben  dürften  erwunfdjte  Sin* 
f^altdpimfte  bei  ifyren  ÄriegSjügen.  gegen  ben  auf  feften  Scfolöffern 
(jorftenben  getnb  gewährten,  an  beffen  Unterbrürfung  gürften 
unb  ©table  baei  gemeinfame  3ntereffe  feffelte. 

*X>enn  wenn  ber  beftdnbige  33rucfy  beS  Sanbfriebend  unb 
bie  ntc^t  gefyinberten  raubenden  St  umritte  be$$(belä  eine$tf)eil$ 
baö  Mnfefyen  ber  £anbe$berren  brachen  unb  fdjwädjten,  anbern* 
ttyeilä  ber  baburefy  rjerbeigefufyrte  Mangel  an  Berfefyr  auf  ben 
£anbfftaßen  bie  (5innatymen  unb  ^6Üt  ber  gürften  verminberte, 
war  gerabe  Unterer,  ben  Slbfaft  ber  ftäbtifdjen  ^robufte  w 

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fjtubernber  Umftanb,  ©runb  jur  ©migung  ber  6t<ibte  mit  bcn 
£anbeSr)erreit. 

6d)on  bte  branbenburgtfcr/en  gürften,  mef)r.  aber  nocf;  Die 
£urcmburger,  unb  unter  ihnen  vorzugsweise  Jtaifer  Carl  IV., 
waren  beStyalb  bie  größten  s3eförberer  Der  6täbte,  inSbefonberc 
aud)  Der  6tabt  ®örlifc,  weldje,  wegen  irjreS  energifcfyen  <5in* 
fdjreitenS  gegen  alle  Unrurjftifter  im  tfanbe,  fowotjl  mit  als 
olme  beu  fcd)öftäbtifd>cn  9m* ,  tu  ber  l)6cr;ften  ®unft  am 
vrager  iwfc  ftaub,  uiid  biefe  ©ttuft  mr  (Erwerbung  von  guten 
unb  ^wertmäßigen  Privilegien  wol)l  auszubeuten  verftanb. 

Triefe  Privilegien  fmb,  mit  8uemat)me  verfjältnißmäßig 
weniger,  allein  beut  föatfye,  fomit  ben  ©efdjledjtern,  gegeben, 
unb  aud}  von  il)m  gegenüber  bem  tfanbeSljcrrn  unbeftritten 
ausgeübt  worbcu,  wäljrenb  bte  ^anbwerfer  gleichfalls  2(nfprüd)e 
an  bicfelben  geltenb  j;u  maetycn  verfugten,  mit  welkem  Erfolge, 
wirb  ber  Verlauf  biefer  ®c\d)i<btc  ergeben. 

SBtt  wollen  nun  m  beu  Privilegien  felbf!  übergeben. 

SBon  großer  Üöidjtigfcit  für  bie  innere  ©eftaltung  ber 
Stabt  war  baS  ÜRedjt,  iijrc  oberfte  33er>örbe  felbft  *u  wählen. 
fDiefeS  Privilegium,  welches  oljne  Söeftätigung  von  ben  @e- 
fcfyledjtetn  feit  gcfd)id)tlid)  mcf>t  beftimmt  nad)mweifenben  3eiten 
geübt  ift,  „bie  freie  ftattySfür",  würbe  erft  mm  ©efefc  erhoben 
bind)  Äaifer  Maxi  IV.  in  ben  3al)ren  1373  unb  1375,  unb 
von  ben  nadjfolgenben  ÜÄarfgrafen  ber  £>berlauftfc  betätigt. 
Die  jätyrlicfje  töatrjSfür*)  fan'b  bis  1475  am  Ausgange  beS 
€e»tember,  gu  3Beu$eSlauS  (28.)  ober  9J?id)ael  (29.),  bis  1520 
*tt  ©gib»?  (1.  6etotbr.),  bis  1563  am  l*nbe  beS  DftoberS,  bis 
1738  wiebet  ,w(£gibv  unb  feitbem  um  ben  1.  3uli  ftatt,  wenn 
nidjt  befenbete  ^inberniffe  eintraten. 

Normal*  wählten,  nad)  ^onig  (sigmnnbS  SBorfcfyiift  von 
1420,  alle  9Katf)Sglieber  9  fünftige  *Ratl)Sr;erren  unb  Sdjvffen, 
VoeW^e  !)ikf;|retrS  im  ^weiten  ©rabe  verwanbt  fein  burften,  unb 
biefe  nvim  Welten  fiety  aus  ben  juvor  im  Slatlje  gefeffenen 
Perfonen  neun  anbere  «Öulfe,  wobei  feiner  länger  als  3 
3afyrc  Ttadj  ein  cm  ber  im  ftätfye  fem  burfte,  bafyer  wenigstens 
ein  'Drittel  beS  JfoHegfuntS  fiii  3atrr,  ja  manchmal  mehrere 
Satyte  hinter  einanbet  feierte,  fc.  t}.  mdr>t  im  föatlje  faß.  3m 


ftt  Uz  €e$#aM  ^»e»r!r$  fett  5  3a^tmbfrte».    Qtttit  1801.  4.  <S.  3.  4. 

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55 


!6.  3abrf>unbcrte  feierten  in  jebem  3abre  ein  SSürgermeijrer, 
etn<Sd}öffe,  ein  föatbmann  unb  brei  ^anbwerftfälteften,  weldje 
bei  ber  folgenben  Äür  wieber  in  ben  Matl)  gebogen  unb  an 
beren  Stelle  wieber  6  perfonen  jum  geiem  beftimmt  würben. 
3m  Anfange  bed  19.  3abrl)unbert$  feierten  nur  bie  3  £anb- 
werföäiteften  mit  3  anbercn  tyrer  KUtel  in  jät)rlia)cr  3lb; 
wea)felimg. 

liefen  allgemeinen  Betrachtungen  fugen  wir  nod)  einige 
fperieüe  9toti*en  in  Bejug  auf  bie  töatböfür  binju.  6d)ön 
ehe  Da*  Privilegium  felbft  erteilt  war,  gab  etf,  feit  bem 
3abre  1347  eine  UrfunDe,  ba$  ftd)  KicmanS  Dem  föatr/e  unb 
bei»  0*efd)worenen  wiberfefcen  feile.  Dl«  Beftätigung  biefe* 
#riefeö  muffte,  wie  wir  unten  fernen,  oft  wieberfyolt  werben. 
3m  3al)re  1409  fam  eine  fömglidK  Äommiffton  an,  weld)c 
Kedmung  vom  Natbe  forberte;  Wfla*  Staren  würbe  if>m 
ramale  vorgefe&t.  141 2  betätigte  .Honig  ffienjel  aua>  mit 
anbeten  Privilegien  Die  Jtür.  1420  verbot  äaifer  Sig- 
munb,  naljc  vl<erwanDre  gemeinfam  in  ben  vJlatf)  *u  wählen. 
1476  Würbe  bie  !Ratb$wat)l  ptn  1.  3Me  am  läge  (*gibt> 
qebalten;  vorder  am  6t.  Üßenaelätage.  1477  wurre  21$en<el 
feraeTi*  gum  ftatfymanne  gewählt,  aber  nur  in  ben  3abien 
in  oen  *Ratf>  gebogen,  wo  fein  dritter  $eorg  @merid>  feierte. 
1486  würbe  Sürgermeifter  peter  Salbaw,  bamit  feine  harte 
Hu  ftd)  au^uorurfen  wnb  fein  benehmen  überhaupt  nid)t  Huf* 
rut»r  unb  3wtetrad)t  ueranlaffe,  von  ber  Siiix  autfgefdjloffen 
unD  bi*  an  feinen  Xob  al$  ein  ^eltefüer  angefebeu.  1491 
wiberfefcte  fid)  ber  föatbmann  4?an$  Hrt  öffentlid)  einem  in 
tirbfadjen  ihn  betrefenben  !ftatr;c<bef<hluffe,  wurre  nad)  £aufe 
xu  gerben  bereutet  unb  ferner  nierjt  mel)r  *ur  Slüx  bejanDt. 
1496  fd?lo$  man  Peter  ftren*el  wegen  (Sbebiuay*  autf  bem 
*atbe  au*,  unb  1498  Wifla*  Wring,  weil  er  ffet*  in  unb 
sor  bem  9i$etnfeller  gefeffen,  öffentlia)  getrunfen  unb  babei  über 
ben  ftatb  fpifrige  DieDen  geführt  batte.  1508  würbe,  weil  Die 
üXatb*glieber  bei  peft  wegen  nia>t  in  ©örlifc  waren,  bie  äür 
bid  *um  11.  Dcccmbcr  verfa>ben.  1521  unterblieb  fte  Derfel* 
ben  6eud>e  wegen  gan*.  1522  fjeiratljete  firan*  6d)neiber 
bee  €d)öffen  Bernbt  Xoa)ter,  unb  würbe  beSbalb  gebeten,  fta) 
be*  flatbe  *u  entäufern;  ebenfo  £)*walb  93tcifrer.  1547  wwbe, 
wegen  Änroefeiibeit  fatferlidjer  Äommiffarien  feine  Mv  atfyaU 
tat,  mtb  1548  am  14.  3«ni  von  benfelben  Der  !ftatb*ttul)l  mit 


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56 


anberen  fügfamcrcn  s#erfonen  befefct.  1549  gefdjaf)  am  4.  9to* 
vember  bie  Erneuerung  beä  Dtatbe  bHrd)  biefelben  Jtommijfa* 
rten  unb  ebenfo  in  ben  folgenben  3af)ren.  1557  unfc  1558 
burfte  ber  9iatl)  bie  Äür  jwar  galten  unb  bie  Remter  befefcen, 
mußte  aber  bie  2Bal)l  von  ber  Jtommiffton  beftätigen  lajfcn. 
1559  voü>g  ber  föatl)  bie  $Baf)l  ofyne  r?öt)ere  SBeftättgung, 
trie  vormale.  1560  wart*  ein  für  allemal  ber  1.  September 
ale  Jiürtag  angenommen.  1580  würbe  Jtaifer  Sigmunde 
Jturs^rit)iicgiuni  1)  am  Xagc  vor  ber  Jtür;  2)  bei  ber  Stur 
bee  $ürgcrmeifier£  uno  3)  bei  ber  Jtür  bee  9Rtd)tere,  vom 
33ürgermeifter  vorqelefen,  weil  befohlen  war,  baß  bie  #ür  vor 
wenigftene  300  sJßerfonen  vorjuner/men  fei.  Seit  bem  3afjre 
1623  finbet  man  im  tfnrtmdje  feine  feiernben  *Hatbei)erren 
mehr,  ale  bie  3nmmgoäIteften.  1630  im  November  fam 
wegen  bee  Sdjuloenwefene  eine  faiferlicfye  Äommiffion  nadj 
©thlifc.  1641  würbe  bie  Mm  wegen  ber  ^Belagerung  ber 
Stabt  aufgefajoben  unb  am  13.  3anuar  1642  gehalten.  Seit 
1672  wurrc  Der  Senator  Xobiae  Wupper  unb  fein  SBater 
gleidjee  9famene,  weiter  ale  lua)mad)crältefter  in  ber  9tatr;e-' 
ftube  faß,  mit  S3cibel)altung  feiner  93efolbung  ni$t  mef>r  in 
bie  Sifcungen  geforbert.  SBon  1680—1688  mußte,  mit  ben 
übrigen  Sedjeftäbten,  aud)  ber  föatf)  au  ®örli&  vor  ber  f  urfürftl. 
Äammer  ?Ked)nung  legen,  erhielt  aber  am  18.  Dftober  mit 
ben  übrigen  fünf  Stäbten  gegen  3ahlung  von  20,000  Ztyx, 
an  Se.  ©naben  unb  von  4196  £f)lr.  an  beren  SOrinifter 
einen  33erforg  über  fernere  Befreiung  von  biefer  iljm  lafrtgen, 
wkwoty  l)öd)jt  nötigen  ^ormunbfdjaft.  Slm  17.  3uni  1690 
famen  jebod}  unvermutet  furfürftlidje  Jiommiffarien  *ur  *ßrü* 
fung  bee  93erwaltHngewefcne  an.  £>ajfelbe  war  im  folgenben 
3abre  ber  goß,  wegen  Streitigfeiten,  welche  ftd>  *wifa)en  bem 
9tatl)e  unb  ber  93ürgerfd)aft  erhoben  fjatten.  1705  würbe  ber 
<$erberaltefte  Cfr)rtfttan  £ofmann  in  ben  föatf)  gebogen,  2  3abre 
lang  aber  nidft  $ur  Sifcung  geforbertr  weil  fein  Detter,  ber 
2ud)mad>eniltefte  ©ottfrieb  Sdjmiebt,  bereite  im  9?atr>e  faß. 
Seit  1709  befugten  S3eibe  2Boa)e  um  2Boa)e  abwe^felnb  bie 
Sifcung.  $ae  3abr  vorder  fanb  bie  Mx  aud  unbefannten 
Urfaajen  auenafymeweife  am  22.  Sluguft  fitatt.  1717  würbe 
£ofmann  aufgeforbert  fidj  ber  Sifcungen  \u  entfalten,  bie  bie 
llnorbnungen  im  ©efa)oß  befeitigt  feien.  3m  3-  1729  famen 
fönigl.  furfürftl.  tfemmiffarien  bae,  ungeachtet  ber  reiben  £ilfe* 


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57 


mittel,  bem  $anqueroute  nar)e *Berwaltung*wefen  $u  fontroliren, 
weshalb  man  *nr  Äbwenbung  ber  gefur*teten  Unterfu*ung 
1730:  30,000  Sblr.  bellte.  Dod>  ging  ttefdbe  fort;  1733 
verlangte  griebri*  fluguft  IL  50,000  gl.  Dabrun,  erhielt  au* 
42,000  gl. ,  unterfagte  aber  bie  Mx  bi*  na*  8eenbigung  ber 
UnrerfH*ung,  in  golge  Deren  ber  ©ürgermeifter  S*äfer  vom 
27.  augufit  1733  bi*  10.  «pril  1734  £au*arref*  befam.  Die 
fönigl  äommiftten  war  f*on unterm  l.3uli  1733  angefommen. 
6eit  bem  I.  3ult  1738  würbe  bie  Mx  wieberum,  na*  fönigl. 
BefiätigHng  be*  fommtffartfd)en  ^ie^lement*,  Debatten,  unb  bid 
uim  3. 1820,  wo  bie  interimiftif*e  Stabt^errbaltung  (wie  oben 
bereit*  mitgeteilt)  in*  geben  trat,  ferneren  ofyne  Störungen 
in  alter  Seife  begangen. 

Da*  Privilegium  wegen  ber  fönigl.  ©eri*te,  ift  fo  wid- 
rig, baß  wir  ibm  ein  befonbere*  Kapitel  wibmen,  ebenfo  wie 
bem  9Kün)rf*te,  unb  bem  *Re*te,  3ünfte  *n  tow  Statt  errie- 
ten *jti  bürfen. 

3Öenn  in  ben  eben  angegebenen  Privilegien  etn  bebeut- 
fame*  9te*t  ;m  ungefiörten  Selbftentwicfelung,  juglei*  mit 
einem  fönigl.  *Regal  gegeben  war*,  fo  gewann  ba*  materielle 
5ßor;l  ber  Stabt  bur*  na*fitef)enbe  Privilegien. 

93on  f>ö*fier  ©ebeutung  für  ©örfifc  war  e*,  baß  bie  Sanb* 
(traße  au*  Polen  unb  €*leuen  na*  Sa*fen  ©örlifc  beruhte, 
unb  baß  ifjr  ba*  *Re*t  juftanb,  anbere ^Begeben gufjrleuten  \n  ver* 
bieten.  Der  3ug  biefer  Äauptftraße  war  Arfurt,  M\>m,  Dre*ben, 
Äöniqdbritcf,  tarnen*,  ©örlifc.  «u*  unb  na*  $ör;men  mußte 
ba*  äaufmann*gut  feit  1378  über  ©örlty,  £)ftri&,  3*«au  unb 
von  ©örlt$  über  Sauban  ria*  <5*leften  gelten.  Die  (£rt>al* 
tun$  tiefe*  Privilegium*  verwtefelte  bie  Stabt  in  bie  mannig - 
faltigften  £änbel,  ni*t  blo*  mit  Zittau  «nb  £auban,  fonbern 
mit  anberen  Stäbten  unb  ben  £erren  vom  «bei.  ®ie  ba*  privi* 
le^ium  ©runb  u\  einer  ©ewafttfyat  gegen  bie  SBeftc  Neubau*,  ein 
(ftgentfyum  ber  £er§ogm  &gne*  v.  ©*weibni$,  gab,  werben 
wir  unten  au*füf)rlf*er  f*ilbern.  Die  Straße  von  Polen  na* 
6a*fen  muß  f*on  1314  fef>r  lebenbig  gewefen  fein,  weil  bamal* 
bur*  bie  von  Äamenj  an  £einri*  urib  ©unjelin  von  *Rabeberg 
ber  $o\l  fyo*  p  £etyen  gegeben  warb,  wel*e  Urfunbe  $Raxb 
graf  3obann  von  ©ranbenburg  unterm  4.  September  betätigte. 
Die  ©ebrüber  au*  ber  äRünje,  von  benen  biefer  S3rief  ijanbelr, 


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58 


finb  ndmlicb  mit  benen  von  9tabeberg  eine  ^erfon.  Möniq 
3ol)ann  befidticjte  baä  6trafjenj>riMlegium  am  I.  3hiu  1341, 
unb  t>erbi>tr  wie  1414  Äönig  Stengel,  1462  Äönig  ©eorge 
(im  Sntereffe  bec  £erjoge  von  6ad)fen),  1544  fterbinanb  I., 
1598  Äubolpf)  II.,  *u  ©un^en  ber  6tabt  ©örlifc,  bie  (strajie 
über  ©eibenberg,  6d)6nberg  unb  gwblanb  au  fal>ren.  ©örlifc 
bielt,  wie  fdjen  gefaxt,  forgfam  auf  biefe  6traße,  beren  l'eben* 
bigfeit  namentliit)  mit  bem  &uffd)wunge  fceipjigä  wud)4. 
1503  befahl  äenig  SMabiSlaw  ben  fcaubanern  bic  bobe  €trajje 
unb  fagte  wiebetfjolt  im  3.  1509  bem  £er*pge  ©eorg  au 
6ad)fen  6d)u$  gegen  2terfud)e,  anberweit  Straßen  in 
Vlufnaljme  $u  bringen.  £a0  3at)r  1512  brachte  ineue  Sto*  - 
runden  in  3tejug  auf  biefe  £tratiencinrid)tung  baburd),  bap 
Äöiiig  SBlabidlaw  ber  <5tabt  33rcölau  batf  6tapelred>t  »erlief, 
Wae  feine  Ginwirfung  auf  ben  4terfel)r  in  9Jiebcrfd?k(mi  unb 
ber  £>berlauft$  nicfyt  »erfetyltc. 

4ja(fe  in  feinen  $atl)öaunalcn  fdjilbert  mit  großer  Sßcit- 
fdjweiftgfcit  biefe  £dnbel. 

(Dem  Kaufmann  lag  ber  Steg  über  8agan  unb  ©legau 
nad)  s|*olen  ndljer,  wetffjalb  bie  <Strajk  über  2auban  nad) 
$redlau,  wo  ein  t>or>er  3oll  bejablt  werben  unb  bie  ©ütcr 
liegen  bleiben  mußten,  wöbete.  Rubere  äaufleute  wäblten 
ben  Steg  über  tforenjborf  nad)  SSunjlau,  ©prottau  unb  »on 
ba  nad)  ©logau,  weil  ber  SBerwcfer  be6  £enogtbum$  ©agan, 
\>.  ©d)lieben,  ben  3*11  in  £09™  erf)öl)te,|  al*  viel  ©üter 
burd)  bie  Stefte  ©agan  famen.  (Sr  fowofyl,  als  ber  £er$og 
t>on  Siegnifr  unb  bie  €tabt  ©reälau  traten  nun  nur  SSabwng 
tyrer  3nterejfen  gegen  ©örtifc  Hagbar  auf,  weldjer  6tabt  nad)- 
gefegt  warb,  fte  bejeierme  ben  Aaiftaiten  einen  beftimraten 
Steg,  um  bie  Äläger  in  6d)aben  au  bringen.  $ie  $re*lauer 
nabmen  fogar  görlifcer  ©ut  auf  bem  Stege  nad)  ©logau  auf, 
unb  gangen  bie  ftiirjrleute  nad)  Breslau  au  fommen  unb  ba* 
©ut  bort  ah  lagern.  ÜttKt  bem  £errn  von  ®d)lieben  einigte 
fi<f>  bie  <5tabt  balb;  er  erniebrigte  ben  3oÜ  unb  febann  mürben 
bie  grad>twagen  Hnter  görlifcer  Stebetfung  bi*  Sagan  geleitet. 
Da*  gab  nun  Dem  £ofrid)ter  in  $un*!au,  gr.  t>.  ©(bellen- 
borf,  ©clegenbeit,  gegen  ©örlifr  flagbar  4«  werben,  weld>et 
©trett  fdjliejjlid)  *u  ©unfien  ber  ©tabi  enrfd)ieben  würbe; 
wdfjrenb  ein  Sterglrid)  mit  ber  ©ed)*ftabt  2anban  au  ©tanbe 
fam,  welche  fid)  vorbem  auf  ben  6tdbtetagen  ^u  Üöba«  über 


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rut*  punripfnucuci>c  «ocncomen  rou  v^orii^  pejcowett  nam. 
^artnäcfiger  würbe  jebocb  ber  «öanbel  mit  9?re$lau. 

3ur  «mfajäbigung  für  Die  $re*lauer  Uebergriffe  hielt 
man  in  ©örlifc  brei  $&agen  mit  breölatier  .ftaufmannäaittern 
an  unb  jwang  Die  ftubrleute,  mehrere  SBoaVn  in  ©örlifc 
liefen  \h  bleiben;  aua)  würben  Die  ftubrteute  nur  frei  gegeben, 
als  bie  »reSlaner  fte  mit  baarem  Weibe  auflgelöf*  Ratten. 
Die  Sache  fam  bi0  w  ben  Jtdmg  unb  bie  behmifchen  €tänce, 
txmrtbfttten  enblieb,  ba  bie  ^öreolauer  in  mehreren  Terminen 
nicht  erschienen  waren,  bie  6tabt  Breslau  in  contumaciam, 
unc  fpradjen  <9örli$  »on  allem  3chabenerfa&  frei,  Hn  $retflau 
ging  ba$  Webet  ber  böl)mi|d)en  6tänbe,  bie  Sfieberlage  ein^u- 
jtellen,  obgleich  bie  $re*lauer  im  3.  1517  eine  foniglidje 
Äommiffwn  *u  ihren  Wnnften  erlangten,  wela)e  aber  ber  bo> 
mifchen  £anbe*orbnHng  sufolge  wirfungälo*  war,  ba  fie  unter 
ungarifchem  6iegel  unb  *on  ber  ungarifa>en  tfan$lei  au$ge- 
ftcilt  erfd>ien.  -  3m  3.  1528  gab  jebed)  ber  neue  äenig 
gerbinanb  ben  Söreölauern  ba*  etapelrecht  wieber  unb  alle 
wettern  5krbanblungen  wegen  3Hrncfnahme  beffelben  blie- 
ben frua)tlo$.  —  3n  ber  £uftten*eit  verfugte  ber  ^auf- 
mann  fta>  einen  anberen  Seg  gn  bahnen,  al$  ben  von  fceipjig 
über  £>re$ben  nach  Wörlifc,  unb  fuhr  baher  über  ^iebufl, 
6agan,  (Sprottau  unb  t*archwt$  nach  Breslau,  wogegen  unfere 
Stabt  ftch  naturlich  erheb.  Jtdnig  Wecrg  entfehieb  gegen 
Den  J^erjog  t>on  (Sagan,  welker  jene  (Errate  begunftigte, 
unb  Verbot  bie  fogenannte  „  ■Wieberftra^e"  über  Jtottbue, 
s#riebu6,  6agan  u.  f.  ro.  ©eorg  fowohl  als  SHMabttflaw 
haben  mehrmals  ben  £anb&ögten  auf  ber  «Strafe  s8efel)lc  ge- 
geben, über  ©örlt^  \u  fyaiUn.  (später  ftagte  £er*og  griebnd) 
feilhelm  t»on  <5ad)fen,  SJortnunb  ber  JÜnber  beö  jtnrfurften 
IMuntiait  I.,  1592  beim  ^atfer  föubolph,  über  ben  HM,  weiter 
nicht  forgfältig  bie  beöfallfigen  Meffripte.  ber  böfymrfchen  Röntge 
befolge  unb  überwache.  2lm  »ernunftgemäßejten  waren  baher 
Jtaifer  ftubolph'*  «nb  (5r>urfurft  ftriebrid)  Äuguft'0  9ccffriple, 
erftereä  von  1597,  ledere  ihm  1708  unb  1723.  <Siewerhen 
bie  (Straßen  in  guten  6tanb  \u  fefcen  unb  billige  WafthaHfer 
anzulegen,  fo  wttrbe  fteh  auch  ber  ÜJerfehr  aUmälig  etnfinben. 
<So  t>ie(  von  bem  Strafjenprimlegium  ber  <S>tabt  ®örli$. 

Jbtermit  tyängt  eng  fufammen  ba6  ^Ked)t,  eine  ^aib^ 
mererlage  jn  tyabtn.    ©örli^  fährte  ben  ®aib  ptn  Xud)- 


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färben  auä  Düringen,  namentlich  au$  (Srfurt  ein,  waä  feit 
ben  $t\Un  ber  93ranbenbHrger  auöfdjliejjlid)  Privilegium  biefer 
Stabt  blieb,  tfönig  3otyaim  betätigte  unterm  21.  »ai  1339 
biefeS  dit&ft  Hnb  befahl,  bafj  alle  tfaufleute  unb  gubrmanner, 
weldje  2ßait>  in  bie  Sanbe  kauften  ober  ©örlifc  führten,  fol- 
gen in  ©örlifc  aufjuftatoeln  l)ätten.  Den  übrigen  Sed)$ftäbten 
war  biefer  3wang,  woburd)  ifmen  ber  SBaib  viel  teurer  fam, 
alä  wenn  fte  ibn'auS  erfter  ,£>anb  erhalten  rotten,  unleiblid), 
Hnb  fic  machten  viel  93erfu$e,  baä  Privilegium  ju  Hingeben, 
«ftönig  3ol)ann  gab  Übrigend  einige  Monate  barauf,  al*  et 
i>er  etabt  Wörlt^  jene  Urfunbe  über  ben  2öaib  auegeftellt 
batte,  unterm  28.  3uli  eine  *8crorbnung,  wonadj  ben  ^ittauern 
ber  2öaib  von  ©örlifc  auä  au  i^rer  9cotbburft  jugefübrt  wer- 
ben follte.  Erfurter  ßaufleute  wollten  ben  SBaib  nadj  Bobinen 
fübren  unb  mit  Uebergebung  von  ©örlifc,  über  grieblanb, 
€eibenberg,  6cf>onberg  in'*  Sdjleftfcf)e  nnb  3ittaHt'fcbe  bringen. 
Diefe  Straße  warb  bat)er  von  tfönig  3of)ann  Hnterfagt  uno 
ber  9ßeg  über  Söaufcen  nad)  ©örlifc  wieberbolt  anbefoblen. 
Die  ^cqöge  von  <5ad)fen  legten  )nm  großen  Aerger  ber  ©ör- 
lifcer  in  ©rojjenfyavn  eine  2Baibnieberlage  an  unb  waren  auch 
trofc  aller  ©einüb/ungcn  Hnb  ©egenvcrfpredjungen  beä  ?flathe$ 
niebt  w  ©efeitigHng  biefer  Weberlage  \\\  bewegen.  Die  <Ber~ 
banblungen  hierüber  finben  fid)  in  Raffe'S  ftatfjeannalen, 
»anb  I.,  bei  ben  3abren  1513  unb  1514. 

Da$  Privilegium  be$  SalamarfteS  warb  ber  6tabt  im 
3.  130ß  burd)  SRarfgraf  ^ermann  ben  fangen  von  Sranben* 
bürg  verlieben  unb  bHrd}  Äonig  tfarl  fdwobl  im  3-  1347  alä 
1356  wieberbolt  betätigt.  3Rtt  bem  3abre  1308  fommt  ein 
9)cunimeijter  von  Salja  vor,  beffen  9tame  zweifelsohne  baher 
entftanb,  baß  tf>n  ber  Dtath  mit  bem  Saljverfauf  belehnte. 
3ur  Aufbewahrung  biefe*  febr  gefugten,  weil  unentbebrlidjen 
unb  baber  um  fo  gewinnbringenberen  Artifclä  würbe  in  ©örlifc 
eine  befonberc  Saltfammer,  ba£  Salband  genannt,  im  3. 
1407  erbaut.  Anfänglich  würbe  ed  mit  2  boben  ©ibeln  er* 
richtet  unb  überbautot  erft  im  %  1470  voüenbet.  3m  %  1453 
vom  10.  3anuar  ab  prebigte  von  berXrevpe,  welche  nach  ber 
93rübergaffe  \u  liegt,  ber  päbfHicbe  £egat  Gapiftrano  15  mal 
lateinifcb  pm  3$olfe,  unb  ber  SÄöncb  (Deorg  verbollmerfchte 
feine  5öorte.  3n  ben  unteren  Räumen  bewahrte  man  C£ifen-' 
vorrätig  auf.    3nt  3.  1536  würbe  in  biefem  ©ebäube  ein 


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neuer  Saittfaaf  ju  £odMeit*feiern  gcwöfmlicfter  Veute  ausgebaut 
unt>  Ute  genfter  vergrößert,  »ei  ^abrmärften  biente  Der  Saal 
jum  @ewanbnaufe.  1584  würbe  ein  (Stützen  eingebaut,  wo* 
felbf*  wäbrenb  berieft  von  1585  t>ie barbiere  wohnten.  1767 
würben  bie  baufälligen  ©tbel  btnuntergeworfen  nnb  regelmäßig 
vermauert,  aua)  ba*  ©ebäube  an  allen  vier  Seiten  abgepufct. 
jui  19.  3al)rl)unberte  würben  bie  oberen  Stäume  pm  ganb; 
webqeugbaufe,  ber  Saal  bei  3at)imärften  al$  Äauf  balle,  bei 
fa>lea)tem  Detter   als   SkrfammlungSort  jur  Carole  von 


1848  weggebroa)en.    Da«  CMebdube  felbft  foU  im  %  1850 
$ur  (£rwetterung  beä  Dbermarfteö  befeitigt  werben. 

Als  ©örlifc  preu^ifa)  würbe,  ging  ber  Saljverfauf  ald 
fteaal  an  bie  ärone  über. 

£erjog  3ol)anne0  verlief)  ber  Stabt  am  30.  Otto)  1384 
ba$  Privilegium  ber  Stabtwaaae,  wela>e  (Seretyigfeit  fyeute 
tioa)  ber  &tat>t  etgentfyümlid)  gebort  urtb  regelmäßig  verpaßtet 
wirb;  über  bie  £age  ber  3Baage  in  ber^ett  naa>  ber  Stiftung 
ut  ntdjtd  ^a^ered  befannt,  bod)  bürfte  man  wofyl  annehmen 
fort  neu,  baß  biefelbe  nidjt  weit  von  ber  je$igen  Stelle  entfernt 
gewefen  fei.  33ieUeid)t  war  anfätiglid}  bie  sißaage  im  Statt); 
rjairfe.  1398  tft  von  ber  SÖaage  Cammer  bie  ?Kebe.  1411 
fa)eint  bie  $Baage  fdwn  an  ber  jefyigen  Stelle  gewefen  \u  fein, 
benn  im  Stabtbua)e  ift  unter  biefem  Die  Siebe  von 

„gifdjel'ä  Aromen  bei  berSßogen."  1453  würbe  ba$3Öaage* 
baud  auf  bie  gegenwärtige  Stelle  gebaut.  1562  am  13.  ^Cprtl 
warb  ein  fteinerner  Steffel  an  bie*ÜBaage  gefegt.  1569  wut 
ben  bie  *§a(detfen  von  ber  2£aage  an  baö  ?Kathbauo  verfemt. 
Die  SBaage  geborte  nebft  bem  ^Katbbaufc  uub  ben  Xfyoren  ;u  * 
ben  Drteu,  wo  ber  rKatb  feine  Sefanntmadmngen  anheftete, 
f alfclKO  ©elb  pr  Tarnung  be#  s^ublifumd  aufteilte  ic,  würbe 
aber  aua)  von  Aufwieglern,  wenn  ftc  auf  baä  44$ublifum  wir* 
!en  wollten,  baju  gewählt f  ^lafate  unb  Sa)mäl)jetrel  \w  ver* 
öffentlichen.  1599  ben  10.  3hIi  befd)loß  Der  Stall),  bie  Stabt* 
waage  fammt  bem  näd)fteu  s£arbieit)aufe  auf  brei  Stocf  f)od) 
;n  bauen,  unb  würbe  bie  Vlnnutu  bem  ©artbolomäuö  Sculte* 
ilio  übertragen.  Den  9.  Auguft  warb  beö  ©arbierd  £auö 
niebergeriffen,  unb  am  18.  ÄHguft  ber  erfte  ©runbftein  $ur 
neuen  Sßaage  gelegt.    Anfänglich  ftaub  bae  ©ebäube  frei. 


Auf  einem  ea)lupfteme  be*  ©eroolbee  jtefyt;  1606.  B.  Sf 


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62 


(»artfjolomäu*  Seultetu*);  bie  3af>re*jaf>{  1610  über  einem 
ber  €teinbilber  an  Der  Hupenfeite.  —  1615  würbe  ein  fteiner* 
ncd  ©etreibemaa|j  außen  an  ber  $Öaage  angebracht,  wela)ed 
am  18.  Wai  1622  tu  €tiirfe  fprang,  aber  1693  mit  einem 
jteinernen  6a)effel  erneuert  würbe.  1823  würbe  ba*  erjte  unb 
britte  <5tocfwerf,  weldjeö  feit  (SinfürjrHng  ber  lanbcdfjerrlidjen 
$lecife  legerer  unb  bann  bem  6teueramte  eingeräumt  war,  ber 
Stabt  junirfgegeben.  1836  würben  bie  tfäben  von  betrage 
abgeritten  unb  bao  <*lebäube  frifd)  abgepu$t,  befleu  obere  Ucäume 
jefct  m«  Skrfammlungen  bee  ®ewerbcverciii6  benufct  werben. 
1840  tjielt  ber  ©ewerbeverein  feine  erfte  6ifrung  in  ben  «du* 
men,  bie  er  jefct  inne  fyat. 

@benfo  verbält  cd  ftd)  mit  bem  Monopol  be$  Sßein*  unb 
©ranutwcinvcrfaufö  unb  Sdjanfe*.*) 

Diefe*  Monopol  ift  ber  otabtfommun  ju  ©örlifc  erteilt 
burd)  «£>ewg  3ofyaune*  von  ©örlifc  am  19.  gebruar  1385 
unb  wieberl)oit  beftdtigt  im  3:  1394  bura)  benfetben  gantet* 
Gerrit.   ü)ie  5i$orte  lauten: 

„sBir  geben  vnb  vorleben  ewiglid)en  ben  obfdjriebenen 
bürget  meifteru,  töatfylewte  vnb  <*)efa)woriu  vnfer  ftat 
gu  ©orlifc;  bi  ba  uu  fein  abir  \u  jetten  werben,  biefelbe 
gnaben,  baö  nvmant  in  berfelben  ftat  qu  ©orli$  wein 
fa^enfen  fbolt,  funber  in  bem  gemeinen  SBrinfeUer,  ben 
bie  Satlcwte  bie  »cjunt  fein  aber  cjh  cjeiten  werben, 
in  irer  gewalt  fyaben  ffyoüen,  vnb  ben  gem^  in  ber 
ftat  budjfe  legen  t>nb  an  ber  ftat  nue$e  vnb  frommen 
fehren  vnb  legen," 
womit  baä  privileginm  »omSafyrc  1394  übereinfttmmt.  3)ad 
Privilegium  gebenft  bed  ^Branntweine,  ald  eined  bamatö  un* 
befannten  ©etrdnfeä,  nia)t.    (£r  ift  aber  ftetd  bem  2Beine 
g(eia)geaa>tet  unb  bieö  vielfaa)  bura)  (Sprud)  ber  £anbedrjerren, 
burd)  ununterbroa}eiie  ©ewof)nf)eit  unb  burd)  l$ntfd)etbung  bet 
©eridjte  contrabiftorifa)  betätigt  worben.    Seibe  Privilegien 
finb  ofjne  &ajfatiou,  otyne  iUaufel  unb  ohne  Vorbehalt  auäge* 
fteüt  worben. 

Vermöge  biefefl  $Ronopo(6,  welcbe^  ber  SRarij  naa>  unbe* 
fd)rdnfter  SBtUfür  gu  Setyen  gab,  refp.  verpachtete,  waren  bte 


*)  Acta  bie  refo.  Huflofung  k.  ber  flfertdjtitffeiun  Merfelt»|t  betr. 
litt.  G  Olr.  1573  f.  12  b  f. 

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Seiner  ber  8iaM  GJörlie,  incl.  ber  $orjtöMe,  verbunben 
unb  *war  binjidjtlicfy  be3  $rannrwriii*  ohne  irgenb  eine  flu** 
nomine,  binfttylia)  be*  Sßeinetf  aber  mit  alleinigem  gudityiiftc 
ber  bewein  fönigliajen,  lanDfiiinbiiajen  uub  ftaDtifajen  «cam* 
ten,  ifyren  ^eDarf  an  s3ttein  uni>  Branntwein  nirgenD*  an* 
ter*  al*  vom  ftäbtifajen  Äinfeller  |M  entnehmen.  XerSeftfc 
biefe*  <Kea)te*  verblieb  Der£taN  uugeftort  bi*  |«n  3al)ie  1845, 
bie  ;um  3tiälebentreten  ber  neuen  Öewerbeorbnung;  eö  warb 
ftetö  von  ben  l)öd)ften  Beworben  auerfannt,  aua)  von  allen 
&eria)tefieUen,  vor  wela)en  äoniraventionen  gegen  baffelbe  an* 
gängig  gemaa)t  würben,  al*  gültig  anerfanni  unD  Demgemäß 
bedangt.    (Sd  war  an  fein  befonbereä  fteale  gebunben,  viel* 
metjr  Eibele  e*  eine  befonDere  (#ered)tigfeit  im  ^eft^e  ber 
ctabt  al*  moralifa>er  Herfen  (§  3.  Iii.  23.  i.  L  N. 
*u  beifen  Jnbegriff  ein  (*JrunDftütf,  nämlia)  bie  ftäDtifd>e  Brannt* 
»einbrennet  De*  £ältergrunbftütfe*,  gehörte.   .£infia)ilia)  bed 
$caniitweinä  ift  ju  bemerfen,  baß  bem  Ijiejigen  apotljefer  ver* 
möge  fehlt*  Privilegium*  vom  27.  Huguft  lt»;>7  Da*  ftea)t 
MU}anb:  aquam  viUm,  foweit  e$  proprie  unb  inimediate  in 
Die  Slporl)efe  gehöret,  *u  Deftilltreit,  weldje  Skfugnijj  Dem  8po- 
tbefer  aud?  auf  4  Korten  Viqueure,  weldje  als  ttrjntt  betraf 
tet  wurDeu,  ,iugefprod>en  war.  Xer  slöertr>  beo  ^ouopolä  warb 
im  3.  1834  auf  48,675  Ityv.  Kapital  vcranfa>lagt. 

Xer  ü&emfeUer  ift  im  iRatbljauie  unter  bei  ehemaligen 
$run$e.  1433  wurDen  vor  bem  Heller  £i$bänfe  gemaa)t; 
1648  im  3uni  ließ  ber  JKatl)  bie  98etn^ube  im  Jtftfct  in  Den 
£tatib  fe$cu,  welker  Bau  vom  3uni  bis  in  Den  Vluguft  bauerte. 
S3iö  167b  war  bie  i£>auptwaa>e  jugleia)  tu  ber  $i>eiiifiube,  warb 
jebod)  in  biefem  3al)re  nad>  bem  Obermaifte  verlegt.  1695 
würbe  auf  ber  ittifen  £eite  De*  JicÜerö,  vom  (Eingänge  gc* 
rennet,  eine  neue  3ikinftube  angelegt.  1842  würbe  ber  $or> 
bau  vor  bem  iüeinfeller  abgebroajen. 

9Jia)t  unwichtig  war  Die  33egünjfigung  ber  >iinaiiat 
„für  alle  Mnb  einzelne  @)örlt$er  Bürger  Dura)  alle  fcänber  De$ 
jtönigreidje  Lohmen,  weldjeä  ©ut,  unb  wo  bin  fie  ed  aud} 
führen  ntödjten,  auf  ewige  Jeircn",  auägefieUt  bura)  «König 
3o^anu  am  22.  sMai  1329.  1  iefeä  wiajtige  töeajt,  wela)eä 
Die  naa)folgenben  sJJtarfgrafen  ber  £)berlauft&  fämmtlid)  beftä* 
tigten,  ging  im  pönfallc  verloren. 

Xaffelbe  war  aud;  Der  gali  mit  bem  9lea)te  bed  Äat^/ 


64 


ber  Bürger  Sanbgüter  ald  Vchcn  anzunehmen,  fo  baß  ber  iBer* 
fan f  berfelben  nia)t  vom  Könige,  fonberu  vom  'Käthe  all  an 
beftätigt  ;u  werben  brauste,  l  ic  ©ruublage  $ur  ^udbilbuna, 
biej'ed  Statte-  fcfyetnt  in  ber  burd)  Vv i  jog  ^emuch  vou  3auer, 
bei  Seftdtigung  aller  Privilegien  ber  3tart,  vom  6.  xHu^uft 
.1319  (Sonntag  nad)  fente  Sartholomdudtage)  aar  ahnen  (fr* 
laubniß  mi  liegen,  baß  ber  Stabl  £anbgüter  jHgleicfy  mit  ber 
6tabt  fd>offcrt  unb  feine  ganbbeebc  fahlen  burften.  3öeil  fte 
mitfefjofften,  b.  1).  mitwählten ,  unb  fo  mit  ber  Stabt  litten, 
nannte  man  biefe  tfanbgüter  $fttleibenfyeitd*ßmter.  8Ue  ©üter 
auf  betn  ttanbe  gingen  von  bem  Könige  \i\  8efyen,  b.  b-  er 
erteilte  bie  $ollmaa)t  bed  SBeftyeö,  baburd),  baß  er  Me  9c 
ji$er  beim  Söedjfel  bed  (Sigentfyumd  für  ftdj  in  fßjUctyt  nehmen 
ließ,  co  madtte  |td)  beim  and)  aud  jener  SBeebeubefreiung 
ber  görlifcer  NJHitlcibenr;eitdgüter  ber  93raud)  audgebilbet  haben, 
baß  Serfdttfe  von  i'anbgüterji  ber  Witleibenheit  von  ©örli$ 
nid)t  mehr  t>or  beu  Äönig  gebraut,  fonbern  allein  vom  fönig* 
liefen  ($rbrid)ter  im  jlfcenben  üRatfye  abgefdjlojfen,  genehmigt 
unb  fomit  £ehcndbrdud)e  geübt  rourben.  8ld  Jtaifer  tfarl  IV. 
unter  golbner  Sülle  ber  Stabt  Privilegien  beftdtigte  unb  von 
Beuern  unter'm  11.  9Wai  1356  verbriefte,  gab  er  btefem  SÖraud) 
ben  Stempel  bed  föedjted,  welcfyed,  fei  ed  audbrürflid),  fei  ed 
implieite  in  ben  nadjfolgenbcn  @eneralbeftdtigungen  aller  $ri* 
vtlegten,  bid  auf  bie  $cit  bed  pönfalled  fortbewilligt  würbe. 
3n  ber  $lnflagef<fyrift  bed  Äönigd  gerbiuanb  gegen  bie  Sechd* 
ftdbte,  würbe  ber  Stabt  ©örli$  bie  Sludübung  biefed  fönig* 
lidjen  <Borretyed  jum  s-8erbrec^en  gemacht*)  unb  fanb  in  ber 
$ertr;eibigungdfd>rift**)  audführlid)e  Überlegung,  aud  ber  ju 
aleidjer  3eit  bie  «Bebeutfamfeit  biefed  faifcrlidjen  ©efdjenfed 
für  bie  Äraftentwicfelung  ber  Stabt  flar  hervorgeht.  (£d  feien 
aud  guten  ©rimben  biefe  33clel)nungen  jugelaffen  worben, 
Ijeißt  ed  bort,  weil  eine  fo  große  tlnfidjerfyeit  aller  Sanbjtraßen 
im  ganjen  9Äarfgraftf)um  Dberlaujifc  gewefen,  bie  nur  burety 
bie  Xljatfraft  ber  Stdbte,  indbefonbere  von  ©orlifc  gehoben 
worben  wdre.  2>ie  (Sntwicfelung  fo  großer  tfraft  fei  nur  ba* 
burd}  möglich  gewefen,  baß  bie  Stabt  oft  vierzig  unb  metjr 
Seifige  bereit  gehalten  rjabe,  weldje  wieberum  nur  burdj  bad 


•)  <S.  t>ie  angeführte  Schrift:  Beiträge  K.  <S.  89  unten. 
Ibid.  @.  105. 

t 

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65 


^erhdliniß  ber  Sanbgüter  *ur  £tabt  berieten  gemacht  werben 
founten.     Diefe  grfläruitg  fruchtete  jebod)  niO)tä  unb  bad 

"Privilegium  fdjwaub  mit  Dem  Pönfalle. 

t*iii  Nety,  welche*  recht  eigeiitlia)  ben  (Beftfafycni  ber 
3raDc  ui  ©Ute  fam,  war  bad  Bierlirbar.  Daffelbe  ift  fa>n 
viel  früher  geübt  werten,  alo  bie  Skrbriefung  Dejfelbeu  burch 
Äaifer  Maxi  IV.  d.  d.  Breslau,  8.  Sluguft  1347  erfolgte.  3» 
Privilegium  ift  e*  gegeben  bem  mail>e  nnD  ber  GJefamrathcit 
ber  £tat>t  (consules  et  universalis  Gorlieensis  ,  unb  fvdter 
fortwdbrenb  bi*  auf  bie  neueften  Reiten  von  ben  jebeomaligen 
*anbeel)ttien  genehmigt  unb  bestätigt  worben,  wenn  gleich  fid) 
faion  im  Unpniiigd^rivilegiuni  bie  Älaufel:  „für  bie  gegen* 
wärtig  lefcenbeu  niir  bi*  \\\  unfern  ßurürfuahme  gültig" 
(prae«tentibus  tarnen  usque  ad  revocationem  nostrain  tan- 
tummodo  v.ilituris),  finbet.  $i$ie  gefair,  ber  s2i$iberriif  erfolgte 
nid>t,  vielmehr  beftdtigte  Äaifer  SHatttya*  in  einer  Ur* 

. funbe  d.  d.  £5fen,  ftreitag  vor  fcueia  (II.  Dqember)*)  1489, 
auäbrüdlid),  auf  eingetretenen  SÜiberfyrud)  ber  fcanbfaneu, 
„bap  Wemanbt  anberthatb  sJWevl  juring  um  C^drlt0  frembt 
Bier  verfd>eufeu  foll."  Der  Natt)  übertrug  baö  ?Wed)t  nun 
auf  bie  £äufer  in  ber  ctabt  gan*  nach  Sßillfür,  wobei  natür* 
lta)  »ieber  bie  ®efd)led)ter,  bie  Äiirfähigen,  bebaut  würben. 
3e  nad)bem  er  einem  gewia>tigeu  Bürger  gefällig  fein  wollte, 
erfolgte  an  biefen  bie  (frlatibnip,  vi  brauen.  Die  «Statuten 
t*r  Ätabt,  von  benen  wir  mehrere  nad)  bem  Bcbütfuijj  um* 
gednfcerte  Äuögaben  befi$en,  würben  nad)  altem  Brauche,  ber 
burdj  ein  Privilegium  be*  Äömg*  Sttattluad  vom  %  1471 
luin  9ced)te  erhoben  war,  vom  töathe  ohne  ßujiehung  bec 
©emeinbe  willfürlia)  gednbevt.  Der  Umftanb,  baß  In  ben 
mehrfachen  Bearbeitungen  ftd)  vertriebene  verdnberte  Beftim* 
mungen  über  ba$  Biei  brauen  beftnbeu,  inäbefonbere,  ba(j  ber 
Äath  ben  Bierhöfen  verfa>iebene  Biere  )uwjed,  einigen  mehr, 
anberen  weniger,  beweift  bie  völlige  freie  Verfügung  bed  *Ka* 
rhe*  über  biefeä  8ied)t.  Die  Bierhöfc  würben  von  Seit  \u 
3eit  vermehrt,  fo  bap  fid)  ie$t  94  Bierhöfe,  ober  branbereay 
tigte  Käufer  in  Oknlm  fiitbeu,  bereu  4üterth  natürlid)  ehemals 
burch  bae  barauf  ruhenbe  9ted)t  l>dt>ev  war,  al*  ber  anbetet 
£dufet,  bie  bajfelbe  entbehren  mußten.  <Säuimt(id?e  hüifidjtlid} 


•)  35a«  Saturn  bei  Äauffcr,  Cberl.  ©cfö-  IU.  £.322,  unrichtig. 
OK*»*"  tjoä  ©crli|.  •  5 

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66 


ber  Bierbrauerei  unb  ÄrugmlageS  beftehenben  Beftimmungen 
würben  in  eine  DrDnung  wfarameugefa|jt  unb  bmd)  laHbe$* 
herrliche*  fteffwvt  vom  16.  9»ai  1806  beftötiqt,  ohne  bie  Älaufel 
mit  aufzunehmen.  Bon  biefen  94  Bierhöfen  finb  88  baju 
berechtigt ,  neun  Biere,  fed)<3:  lieben  Biere  ju  brauen.  'Die 
Brauhofabeji&cr  brauten  jcbcxty  fcr)on  feit  langer  3eit  nicht  mehr 
alle,  ber  größte  Xfycü  überlief  Da*  Brauen  frei  ihm  jufte^ 
fünften  ©ebräube  gegen  eine  0etbentf#AI>fgHtig  au  Brauer 
von  $a<h. 

$)aä  ^ierau^  fliepenbe  (Siufommett  war  nun  fo  bebeutenb, 
baß  im  3.  1834,  al*  ber  tyefee  «iagiftrat  an  bie  föiugli^e  - 
Regierung  über  Die  in  ©örli>  vorhandenen  3wangögerechtig^ 
feiten  Beridjt  abftattete,  ber  ®ertf)  eine*  Wcrtpfr*,  welker  bad 
ftecht  t>at,  iaf>riic^  neun  Biere  }U  brauen,  aHf"  2343  %%lx.  22  8gr. 
6  unb  ber  eine*  ftebeubierigen  Brauhofe*  auf  jährlich 
ein  Kapital  von  1822  Xt>li.  27  Sar.  H  W.  mehr  verjinfenD, 
al(3  anbere  nicht  brauberechtigte  ©ebiiube,  gefegt  würbe.  3)ie 
(Einführung  ber  (Bewerbefreiheit  hat  biefe  itavitale  vlöfclich  ben 
bisherigen  (Sigenthümern  ebne  (SntfchäDigung  entzogen,  inbem 
feit  jener  3eit  bie  Bannmeile  ber  StaDt  unb  ihr  3wangöred)t 
auf  bie  Umgebung  von  1%  teilen  natürlich  von  felbft  auf*  / 
gehört  hat.  $>ie  Brau^orporatiou  war  N*  $um  3ahrc  (845 
in  bem  auöfchlieplidjen  Befifcc  ber  Brauhof^<*tered>tigfeit  und 
be*  Jfrug^Berlagöredjt*  im  Sinne  De*  %  59,  Sit.  23.  Bb.  L 
*.  8.4t  Der  Bejirf,  innerhalb  beffen  bie  @ered)tigfeit  aud* 
fcrjließlid)  geübt  wurDe,  beftano,  wie  er  im  §  3.  Sir IX.  ber 
lanbeäherrlid)  beftdtigteu  Brauorbnung  bezeichnet  würbe)  für 
ba$  2öeid>bilb  Der  Stabt  ©örlifc,  nämlich  a)  für  bie  ber 
etabt^ommun  gehörigen  $>orffchaften;  b)  Die  Bafaüen  ober 
fcanDfaffen*  ober  StabtmitleiDenl)eit^®üter  ber  Stabt  @örli$; 
c)  bie  in  ber  unten  gu  erlduternbeu  Bannmeile  ber  Stabt 
©örlin.  3n  ben  Älteren  3eiten  waren  nur  bie  ©eiftlichen  von 
biefem  3wange  frei,  ber  ju  vielfachen  tyodjjt  foftfvteltgen 
etreidgfeiten,  nicht  allein  mit  ben  ganbfajfen,  fonbern  auch 
mit  ben  ©eiftlichen  führte,  bie  oft  ihre  Befugniffe  unb  bie 
©renken  beä  Med)tä  unter  Dem  Schirm  Der  Butter  äird>e 
übermäßig  ju  erweitern  verfuchten.  sMx  foinmeu  auf  bie  wich* 
tigften  Derfelbeu  unten  jttrücf.  Später  traten  ^nahmen  ein 
für  Die  fogenannten  biftinguirten  ^erfonen,  worunter  bie  höheren 
föniglidjen,  ftäubifdjeii.  unD  ftdbttfchen  ^crjonat,  3lmea 


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67 


e$  stattet,  „$n  tyrm  1ifd>rrnnfe"  fid}  audj  fremben  93iere$ 
»u  bebienen;  bod)  tourftc  foktyed  ni^t  el>er  in  bie  vrtabt  gebracht 
»erben,  biä  bem  sA>fa^ifn af  VI  nnige  von  ber  eingeführten  Duan^ 
ntat  zugegangen  war.  £ie  ^3eftimniun^f  11  hierüber  würben  auf 
Antrag  ber  sJ3ered)tigten  in  einem  befenbereu  Ober  $fmt£  pa- 
tente vom  18.  November  1772  einaefebärft  $ie  ^raugered)- 
tigfi  h  umi  ,  wie  angegeben,  au  bie  9  4  ©raufjofe  gebunben 
und  im  £ttpotf)efenbua)e  eingetragen.  3"r  v£eanemlid)feH  ber 
entfernten  «£>aibebörfer  erbaute  bie  Korporation  ber  braubered)- 
tigteR  Bürger  mit  ©enerjraigung  im  3al>re  1814  ein  $rau 
baH#  in  9taufdja,  weld)ed  bie  Korporation  verpartnere,  fpdter 
aber  verfaHfte,  uub  baä  ®elb,  wela)ed  viel  ^wertmäßiger  $nr 
(frbanung  eine$  großen  gemeinfamen  33rauf)aufeö  in  ®orfitj 
verroenfret  worben  wäre,  unter  fid)  verteilte.  Vermöge  befon* 
berer  $$ergleid>e  war  ben  S)omMftl  breier  belafieren  X)örfer: 
Cber^ennborf,  9Jfarfcrtfborf  (8riftautr)eil),  Äönigebain,  von 
ber  braubered>tigten  $ärgerfd}aft  bie  ^efuvmiß  umi  eigenen 
33ierbraueu  gegen  (£ntrid)tung  efneä  jät)rlid)en  (sinono  von 
12  Xljiru.,  il  Ulm.  unb  2()  Styhrtt.  gewährt  worben.  3öir 
fürtreu  nod)  bie  Skaurjofe  uad)  ben  ^aM^numiuern  auf.  9tfüit 
Siere  burften  brauen  bie  folgenben:  9Jo.  1.  2.  4.  5.  (Unter- 
marft);  6.  7.  8.  9.  10.  13.  14.  17.  18.  (Brubergafie);  20. 
21.  22.  23.  24.  (Obermarft);  29.  (8teingaffe);  64.  (Sifa> 
warft);  66.  (unter'n  (*id>en);  77.  (Wonnengaffe);  87.  93. 
(Sfeingaffe);  94.  95.  105.  107.  124.  126.  128.  131.  133. 
134.  (Obermarft);  138.  139.  ($rubergaffe) ;  193.  197.  198. 
209.  (Sangengafie) ;  239.  (Oelfctylägergaffe) ;  254.  255.  256. 
(«ofengaffe);  257.  258.  (3übengaffe);  259.  260.  261.  262. 
263.  265.  266.  267.  (Untermarf t) ;  276.  277.  280.  281. 
Oßerertgaffe);  285.  287.  290.  292.  294.  (Wfolaigaffe);  305. 
313.  315.  316.  318.  319.  320.  321.  OJfctertfgaffe) ;  323. 
324.  (Untermarf  0;  328.  332.  343.  344.  348.  349.  350. 
351.  353.  354.  (Wetfgaffe);  382.  392.  395.  (auf  bem  £anb< 
werf);  405.  406.  (5Bebergaffe).  —  9?o.  125.  (Dbcrmarft)  ;  210., 
227.,  231.,  (Sangengaffe);  279.  CPeterSgaffe)  unb  331.  («elf* 
gaffe)  burften  nur  7  $iere  brauen. 

3m  93ürger$wauge  enblia)  ftanben  bie  Dörfer:  (Bx.  Stcfl* 
nift  ('/*  Weile),  JH.  &ie$ui&  (V*  ».),  Sfrfenladie  (3%3fc)# 
($o$ma  (1  91-.),  dunnerwifc  (*  $0/  (Sunnertborf  (1  38.), 
2>efdjfa  (1  W),  2>eutfa>offtg  (1  ».>,  GberSbadj  mit  (Sieben-- 

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68 


f;iifcn  (1  SR.),  (Sarlöborf  (I  9».),  griebcräboif  (1V2 
©irbiatfborf,  («fot&eiU  (V«SR.),  6erm*borf  (V»  SR.),  $>eiüqen: 
fee  (3%  SRJ,  <£wUeuborf  (Anteil)  (l.f),  Äoelifc 
Äofjlfurt  (3  SJW.),  9Mtttfl Langenau  (2  W.)t  Dbcr  Langenau 
(beeujl.)  &mtarbacr)  (1%  s3tt.),  l'eopolbotjain  (*/,  SR.),  8cfdj* 
wie  unb  ^ofotteuboif  ('/«  9K.),  ^t<^tcit6crg  (I  SJW.),  ttffa 
(1  sJ)c),  £>ber4uiMm>boif  (I  SJR.),  Riebci4'ubwiä*borf  (I  SR.), 
a»o^(V2a».),  ttartaftaf(llittt.)(J  SR.),  3)(ül)lbocf  (3  SR.), 
Reuljammer  (3  sJöf.),  Remtborf  an  ber  £aube#fnme  (1  SR.), 
»icbcr*8Ma  (2  SR.).  Rttrifd)  (t%  9R.),  Reufjau*  (4  !Öc.), 
£bei «Biela  (23».),  ^enjig  (l1/««.),  ^ia>immcr  (2  W.), 
Sßfaffcnborf  (Rieben  unbbbei)  (I SR.),  Raufd>walbc  (V2  SR.), 
Rabenau  (2  W.),  Raufdia  nebft  (WaOlniüe  (3  SR.),  Rotfc 
Waffer  (3  9Jc.),  £d)lauroÜ)  (%  SR.),  6d)neüföitl)cl  (3'/2  M.), 
@(Qnettfurt$  (3  SJR),  S(bönberg6anuner  (3  ')}(.),  (Stuften* 
^ain  (2  SJR.),  £cid)a  (l  £ol)ra  (I  W.)f  etangeubain 
(3/4  SR.),  £icnfer  (4  SR.),  Xiefeu|urtl)  (4  SR.),  Xrotoftcn* 
bolrf  (1  S.R.),  $aibc/3Ba(ban  (2  SDt.),  jeutenborf  (1  SJR), 
3obel  (1  SR.)   (60  jDrrfd)af(cn). — 

3u  bcii,  fn'er  aufpifü()r*ubeu  *ßri»i(cajcn  muffen  nur 
aud  t>tejeitt«)eit  red)iieu,  tveld>e  tfyeilä,  wie  baö  s£raured)t,  an 
beftimmte  (Mcbaube,  tbeiiö  at*  ttudita^me^ereduigfeiten  inner- 
l)alb  ber  ^ürgerfdjaft  an  fogeuannte  S3änfe,  aebunben  waren, 
ißeim  aud)  ledere  einen  wefeiitlidjen  Xljeil  beö  3itntingö* 
wefeuö  bübeteh,  unb  bort  31t  erwaljnen  fein  würben,  fo 
muffen  wir  biefelben  bed)  l)ier  aufführen,  weil  fie  urfpräuajid) 
fid)  im  s$e|ifce  ber  <$efd)(ed)ter  befanben,  unb  erft  in  fpaterer 
3eit  burd)  (Sxbpadft,  noa)  fpätci  burd)  Serfauf  freieö  (Sigeu- 
tfyuin  (Muu'inn  würben. 

3u  ben  an  ©ebaube,  refp.  ©runbftürfe  gebunbenen  ©creay 
tigfeiicu  gehörte  baö  SRafyliwana.^  unb  Statinwfyt.  Dajfeibc 
fyafiere: 

i)  9fuf  ber  Dreiraben  *SRuQte,  Ro.  709;i.  Raa)  einer 
Rottj  tu  eiuem  ($i>rli$er  fttmal,  weldje  aud)  in  cao  obcrlau* 
ftyer  Urfunben*$krjeid)nifj  übergegangen  ift,  füllen  circa  tm 
3af)re  1273  bie  SBürger  Schrieb  unb  kalter  |U  (9örlifo  biefc 
MUuhlc  beul  «£)0öp!taie  uun  fyciligeu  ®eifi  gefd)enft  haben. 
Urfunblia?e  $eftatigung  biefer  Radnictyt  föunen  wir  jebodj 
uid)t  nac^weifeii.  1230  fonunt  ber  $(Hdbrucf:  „in  ben  br^eti 
Raben",  1359.  1365:  ,,®petoU9R6l«",  1374  „bie bret)  Raben" 

■ 

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69 

vor.  1449  im  dtrefien  ^intfreijifrer  be$  9tri$otyHa(0  beißt 
fic:  „'@pitta(*9tffir.M  1450  verbaute  ba£  €vita(  50  6dwrf 
aufö  2Öcbr;  1452  wnrre  bie  Statter  um  tao  (Evital  a,ebef^ 
fert.  1556  fauften  oie  (Berber  ba*  (Edjleifwerf  in  biefer 
$Jtuble  ;u  einem  (remifd)  -  SB  äff  werf.  I5ü2  würbe  fte  rem 
Gaffer  weqaniffen  unb  neu  erbaut.  1583  würbe  bie  OTuf)!c 
au0  rem  (Mrunbe  neu  gebaut.  Hin  12.  Ofteber  1826  ajna, 
bie  2Rül)le  au^  bem  ftäbtifdjen  Seftfc,  fcurd)  tfauf,  in  ^rt- 
vatbänre  über. 

2)  Huf  ber  ^ienabeu^Jhlble  (Wo.  705.)  1320  befaß  bie 
WtUftt  an  rem  Wrffrtficre  21peq,  ber  SRänunctftar.  1398  beißt 
fte  auif)  neeb  „Wühle  vor  bem  Weißtbore".  1406:  „vn  vier 
flabett";  1413:  „'JMerracen  Wühle."  1 43 I  »frb  einer  Xarra* 
büd>fe,  bie  bei  ber  ^ierraben  Wüfyle  arnjebradtf  war,  a,ebad)t. 
1432,  am  €onntaa,e  *vor  Warie  Waqbalene  (20.  Juli)  ^el 
ein  fo  großer  Weqen,  baß  bie  $*ierrabenmüb(e  nebfl  bem  fort? 
pital  $ttm  heiligen  (Wft  ber  Weißbabeftube  unb  etliaVn  Käu- 
fern in  ber  ,£wtr;era,affe  von  ber  amjefchwoflenen  Weiße  weg- 
geführt  würben.  Die  Wüfyle  würbe  von  reu  Wüblherren  mit 
vielen  Soften  neu  (xbawt;  alkin  eine  große  ißafferrlutb  riß 
fte  1434  am  Tage  Hbbon  (30.  3nli)  wieber  ein.  t>a  bie 
Crtgenrhümcr  ber  Wühle  foldje  wieber  anzubauen  unvermö* 
geno  waren,  fo  unterjrü&te  ber  Watb  biefen  33au  buref;  guf)- 
ren  nnt>  £of},  übernahm  aud)  ben  $au  eine*  SBierteltf  von 
ber  Wühle,  weldjeä  Wiemanb  bauen  wollte.  9?a<b  beö  einen 
Wüblberren,  ^eter  Gunfce,  Ableben,  fanfte  ber  Statt)  baö  beut; 
fefben  uiftthtbig  gewefene  Giertet  um  200  Warf  <**rofd>en. 
1448  verfaufte  ber  lefcte  93eft$er:  Wifolau*  Hrnolb,  fein  ibm 
juffefyenbe*  Viertel  nm  230  Warf  gleitfjfallfl  an  ben  Rafy  * 
Die  Wübiherren  batten  ftd)  an  ber  Wühle,  wefdje  1441  aber- 
mals von  ben  38afferflutbert  ^evftort  ttnb  vernietet  worben 
warj,  ruinirt,  fo  baß  ber  Watb  bamale»  ein  anbereS  Giertet 
[übernehmen  mußte.  1531  würbe  ba*  (#runbwerf  $u  bauen 
begonnen  nnb  an  ber  $ßalfmüble  bie  €tirne  gebaut.  1561 
im  3uü'  fing  man  bie  Gatter  an  ber  5Merrabenmüble  $u  unter- 
fabren  an  unb  baute  biefelbe  gan^  neu.  Diefe  Arbeit  warb 
am  30.  £ept.  beffelben  3abre*  beenrtqt,  'wie  an  ber  Wühle 
gegen  bie  Weiße  gti  lefen.  1595,  ben  25.  3uni,  würbe  in  ber 
^terrabenmüble  ein  neuer  <8ua>tbaum  gelegt;  1613  würbe 
bie  ea)letf^üttc  unb  ^olir-- Wühle,  foviel  nod)  ftanb,  vom  , 


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70 


> 

großen  SBaffer  weggeriffen.  1615  braute  man  t>ie  beiben 
©iebel  ber  «Wühle  imter  ein  Dad).  Hm  20.  Dezember  1821 
ging  bie  $>ierrabenmühle  in  privatbefifc  über  unb  e$  wnrbe 
fpäter  eine  Xucbfabrif  in  ber  Stahe  ber  Stühle  angelegt.  1849 
würbe  tiefe  gabrif  abermald  um  2  £torf  erhöht  unb  gegen 
vJDiitteinad)t  ein  lf)ürmd)cn  angebradn. 

3)  Die  Dber^.Vühle,  and?  Kuu*enborfer  2Kül>U,  weil  ftc 
ju  KunftinoDorpl)  lag. 

1390  fommt  bei  Hiiöbrucf :  „«ufffe  mol",  1406  „SM  *w 
Kuncaeuboiph",  1449  im  älicften  Sineregifter  be3  Ijeü.  ©«fr 
%§otfpitai*  bei  Huobrucf:  „öbir  sJOcöle"  vor.  Dort  lag  früher 
aud)  ein  Kupferhammer,  ber  1555  vom  Scathc  verfauft  würbe. 
1534  «mibe  eine  Papiermühle  neben  bem  Kupferhammer  er* 
baut  1562  würbe  bie  gauje  $)lül)k  mit  ben  bewerfen  neu 
gegrünbet.  1581  würbe  ein  neneö  (^runbwerf  gelegt,  aud) 
bie  ^txnt  Statte  ber  ludjmadjcr  neu  aufgemauert.  1590 
in  ber  Stacht  vom  11.  $nm  12.  Hprtl  fam  in  ber  £d)leif* 
mül)lf  über  ber  £)bermül)le  geuer  anfl,  tfeldjeö  bie  $ud>* 
mad)er-Balfmüble  unb  ben  Kupferhammer  vermehrte,  l'efcterer 
würbe  im  X  J655  vom  9ceipftrome  weggeriffen.  Hm  28. 
3anuar  1804  verfaufte  ber  Statt)  bie  £>ber  ^üble  an  einen 
Privatmann.  1830,  ben  15.  flpril,  brannte  bie  «fühle  ab  unb 
wuroe  neu  unb  fd)ön  erbaut.  3e|t  bilbet  fic  mit  vielen  neuen 
$ud)fabrifgebaubcn  umgeben,  eine  malerifdje  Kolonie  an  ben 
Promenabeu. 

Huf  biefeu  brei  Bühlen  ruf>te  ber  sJ»tfahl$wang.  Die, 
Bühlen  erfreuten  fid>  jwar  feinef  fpejiellen  Privilegium^, 
jeboa)  grünbete  ftdj  ihr  Söannredjt  auf  alted,  feit  redjtäverjährter 
3eit  gegen  jeben  s2BiDerfprud)  behauptetet  ,&erfommcn,  weldjeö 
aud)  auf  erhobenen  Sßiberfpiud)  ber  93elafteten,  burch  £t>cr* 
Hmtö;patent  vom  22.  Dezember  1789,  aiö  befteljcnb  anep 
fannt  würbe.  9eaa)  uraltem  *raua)e  waren  bie  früheren  bie- 
ftgen  Dörfer  unb  pfefferfüdder  verpflichtet,  all'  ihr  ©etreibe 
in  ben  fogenannten  brei  6tabtmühlen  in  ber  Hrt  mahlen  *u 
laffen,  baß  bie  jcfyit  jüngften  sJDieifter  ber  entfernteren  £)ber* 
Wühlt,  bie  20  alteren  Itfeifier,  je  10,  ben  beiben  anbereu 
Bühlen  alö  $anubelaftete  jugewiefen  waren.  Die  übrigen 
Einwohner  waren  geldwert,  anbereö  sJ8cehl,  al$  au$  ben  brei 
Bühlen  *u  begehen.  —  Ciine  vierte  s^ühle,  bie  Seichmühle 
(feit  1516),  befaß  ba*  3wang*recht  nidjt,  würbe  in  eine 


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QJulvermiihle  umgewandelt  unb  fpdter  burdj  He  gabrifantert 
Bergmann  unb  &ranfe  m  einer  XuAfabrif  verwendet. 

(*ine  befonbere  OJercdjtigfeit  haftet  bis  freute  anf  bem 
(HnmbfKkcfc  9?o.  1003.,  ber  jefcigen  Sa)arfrid)terei.  —  1397 
würbe  an  ber  Sd)arfridjtcrei  in  ber  Stabt  gebaut.  1460  ver* 
laufte  man  bieä  1571  würbe  bem  (Bcf>arfrtd)tcr  fein 

,$aud  vor  ba$  gihfter-^bor  gebaut,  bod)  wg  er  1589  wieber 
in  bie  Stabt,  ba  jened  «frauä  bamal$  verfauft  w  fein  fer/eint. 
1601  fanfte  ber  ?Katr>  von  Wartin  ©urffyarb'S  (£rben  baö 
£au$  unb  (Kärtchen  vor  bem  ginftertlwre,  wo  bie  Scfjarf-- 
ri<bterei  jeftt  ifr. 

Der  feefl^er  Mefcä  (9runbftucfc6  bat  baä  9ted)t,  aUe6  in 
ber  Stabt  unb  aHf  ber  Stabt  Dorfern,  fowie  bereu  Straßen 
Hub  £anbflrafkn  gefallene  Wmbvterj  unb  *Pferbe  an  fid)  *u 
nebmen  unb  w  feinem  $*ortbeile  auszubeuten.  Da$  5Red)t 
grünbet  ftd)  urfbrunglid)  auf  aHeä  ,£erfommen  unb  ift  befjufS 
t>er  unterm  17.  ftebruar  1810  Seitend  ber  Stabt,  al$  bereu 
Dienftmann  ber  Scbarfridjter  früher  immer  fuitgirte,  erfolgten 
Veräußerung  ber  Sd)arfridtterei,  bureb  baö  *)teffript  vom 
2.  Dftotar  1809  laubeSberrlidj  anerfannt  unb  betätigt  worben.- 
Äud)  ifi  bie  $ed)t#gultigfeit  beffelben  in  nenefter  Seit  von  ber 
fömglid)en  Regierung  \i\  tfiegnifc  in  Den  ^Berorbnungen  vom 
6.  Wat  1832  unb  vom  23.  3uni  1839  anerfannt  unb  beu 
$annverpflicbtelen  eingefdjärft  worben.  Dafl  33annred)t  ift  mit 
r-em  ©mnbjtnrfe  zugleich  im  t£wpotbefenbuche  eingetragen  worben. 
Der  SBertf)  biefeö  $ea)te$  bürfte  bei  ehoa  erfolgeuber  $(ufl)e* 
bung,  weld)c  jerod)  (ba  hier  fanüdt^^oliJieHiefte  >Hucf fid?tcit  vor- 
herr|d»citb  fmb),  fdjwerlid)  bewirft  werben  bürfte,  mit  circa 
1700  X'>f.\  CutrfMIf  *u  berechnen  fein. 

H($  befonbere*  Privilegium,  weldie*  bie  ®efd)led>tcr  für 
fta>  irt  flnfprud)  nahmen,  muß  man  hier  bad  *Red)t  ber  9lpo* 
tbefe  nennen.*) 

Der  9tame  ber  ?lpothefe  fommt  fd)on  im  StabtbudK  von 
1305  vor;  rod>  fdnnen  wir  bie  erfic  ?age  nid)t  beflimmen.  , 
1353  wirb  ein  Hpotfyefer  Ramend:  ^etev  erwähnt.    3m  3. 
1441   finben  wir  ben  Dr.  med.  Sd)wofbctm  im  $efil)c  ber 
9lpotbefe,  fpäter  vom  3ar>re  1463  an  beffen  Sohn  ^eter,  uhd 


♦)  G*rifH««  Än<ra%,  M  «nWnfen  bem  *K>U)ef<r  in  tPMifr.  4. 


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72 


feit  1484  bellen  £obn  Sobanneö  ecbwofbeim.  3m  %  1505 
befaß  Oflwato  sA)<eijter  bte  «|>oti>cfe ,  von  Dem  fie  fpäter 
an  bejfen  Detter  «leranbet  $erub  überging,  welker  bie  Hpo* 
tl)efe  im  3-  156&  an  Dr.  paul  Siege mnnb,  feinen  6d)Wiegcr* 
foljn,  übergab.  3m  3-  1476  war  bie  «potf)efe  in  ber 
Sörübergaffe;  J567  unterm  Ratybaitff  im  gaben  be*  ©olb* 
fcfymiebö  l!ange.  Mn  beit  genfterlaben  fal)  man  bamal* 
bie  Silber  bec*  Ibeopbraftuö  paracelfuä  imb  be*  ©ruberä 
*Bafüiu$,  überbeut  eine  ^Jenge  lateinifcber  SprüdK  von 
fabaliflifdjem  3nbalte  Hub  verfd)iebene  f)leid)bebeutenbe  3«d)cn. 
Dr.  Siegemunbe  9iad>fol^er#  Paul  Xübler,  wenbete  Viel  auf 
bie  s4potb<*e ,  unb  erlangte  von  Jtatfer  IRubolpb  II.  nnter'm 
5.  3uni  1594  auf  bie  ftpotyefe,  weldje  bte  babin  ofyne  befonbere 
33egnabung  war,  baö  Privilegium,  zufolge  beffen:  1)  weber 
beimlid)  nod)  öffentlich  in  unb  außer  ber  StaDt  ©örlifc  eine 
5lpotJ>efc  fernerhin  eingerichtet,  foubern  alle  anberen  s2Öinfel*  unb 
fyeimlidjen  flpotfyefen  abgefdjafft  fein  follten;  2)  baß  ein  3*ber, 
ber  fia>  \\\  ©örlifc  furtren  (äffen  wolle,  feine  föejepte  allein  in 
biefe  orbentlicbe  Wpotrjcfe  fdnrfen  unt>  bafelbft  bie  iWebijin  be* 
reiten  (offen  folle;  3)  baß  weber  ber  beftellte  pr)vftfu$,  nod) 
barbier,  ober  wer  e$  fonf)  fein  möge,  Arzneien  bereiten  unb 
(Baaken,  bie  in  bie  Slpotljefe  geboren,  ;u  beftilliren  ober  ver* 
faufeu  befugt  fein  folie,  woburd)  if>m  ober  feinen  Nachfolgern 
(Eintrag-  gefd)el)en  fonne. 

Scad)  lübler'*  im  3-  1599  erfolgtem  »bieben  würbe  Dr. 
?(braf)am  6d)walbe,  €ofm  be$  üud)mad)er^elteften  gletd)c$ 
Hamerns,  SBeftfcer  beä  Privilegiums  burd)  Stauf  von  Sübler'S 
(Srben.  (fr  bejahte  5000  Warf  bafür.  Dr.  €d>walbe  ftarb 
am  8.  September  1606  411  3mt0*9uiujau  in  ©obmen,  auf 
einer  Oetoäfttoeife,  an  bei  pefL  6d)walbe'$  fdjon  1604  ver* 
ftorbeuer  ®ebülfe,  (Slia*  Süttiter,  erlangte  vom  tfaifer 'StuMtfl 
wegen  betf  3urfer-  unb  äonfeftbereitenS  ein  Privilegium. 

9cad)  6a)walbe'ö  Sobe  fam  bie  ©erecfjtigfeit  in  beu  Seile 
beä  gabian  9J?ul&e,  eined  geborenen  s$ör;men.  (fr  bewarb  ftcb 
bei  ßaifer  Sftubolpf)  um  neue  Segnabungen  unb  erhielt  eine 
fold)e  am  24.  September  1611  von  Breslau  au$  augefertigt, 
liefern  Privilegium  zufolge  würbe  ben  3Burjfrämern,  bie 
3abrmarft^eit  aufgenommen,  wieberf)olt  ber  Jpanbel  mit  Jtom 
feft  unb  äl)nlicben  Süßigfeiteu  verboten,  ^iulfce  verwenbete 
fcr/r  viel  auf  bie  SÄpotljefe,  fowofyl  wa*  bie  äußere  Einrichtung 


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73 


al$  Tie  ^Bermehrung  mit  neuen  Werifamenten  itttl>  foftfpieltgen 
2ir;eneteii  anbelangte.  3m  3.  1635  ftarb  Wülfte  imb  3 o bann 
Büttner  erlangte  bie  ^potbefe  tiircb  .Hanf.  Büttner  war  be- 
fenbers  ausgezeichnet  in  Der  Chemie  uufc  bofam  beohalb  and) 
am  5.  3«li  1H27  ein  Privilegium  von  <Haifer  jftetoinanb  II. 
3m  3-  1629  ftellte  er  bie,  erflc  flpolfjefer  lare  in  Otörlifc  auf, 
welche  1633  lanbeöberrlid)  genehmigt  würbe.  3m  %  1633 
bei  cer  Belagerung  erlitt  er  an  feinem  (*igent()nme  mrd) 
wiederholte  *lMünt>cntngen  großen  Sdtaben  unb  ftarb,  wäbrent) 
er  auf  ber  $Rtffe  mar,  am  26.  9Jovember  1634  \n  fceip^ig. 

3wei  3abre  nad>  Suttner'd  lobe  beiiathete  Neffen  üBittwe 
einen  weitgereififen  unt>  fehr  erfahrenen  Vlpotbefer,  3obann 
6trapl)inu$,  ber  erft  1687,  oen  28.  flpril  ftarb.  1687  fanfte 
rie  Äpetbefe  von  'Strapbin'c*  (£rben:  (*Jottfrieb  'Dietrich,  in 
bejfen  Familie  fte  forterbte,  bis  fie  an  bie  gtritve1 fd>e  ftamilie 
im  3-  1755  gelangte.  Seit  bem  3«bre  1773  beftnoet  fia)  biefe 
flpothefe  in  bem  ie&tgen  J£)aufe  am  Untermarfr. 

•3m  3-  1827  würbe  bura>  fönigl.  jKeffript  vom  9.  sIRärj 
bem  SSpotbefer  pape  bie  Anlage  einer  ^weiten  Hpotfyefe  in 
(#6rlifc  qeftartet,  unb  von  ibm  auf  ben  Obermarft  verlebt. 

Unter  ben  Sanfgeredjtigfriten  futb,  wie  naturlid),  bie  fro* 
heften  bie  ber  ©ärfer  unb  jleifdjer. 

£a£  ytedft,  mit  3Äel)l  unb  Sacfwaareu,  fowic  mit  g(eifd) 
;u  banbeln,  war  in  ben  ältejten  $t\ttn  fdjon  an  Saufe  ge- 
bunden, welcfje  tbeilfl  ber  Stabt,  tbeile*  milben  Stiftungen, 
tbeilö  Privatleuten  geborten  unb  ben  ©ädern  unb  gCeifcf^ern, 
bie  eine  rigentrmmlidje  Sanf  nicr?t  befaßen,  gegen  jährlichen 
3in*  verpaßtet  würben.  Diefe  Sänfe  Ratten  4l>ren  28ertl) 
eben  barin,  baß  bie  ßinwormer  *er  Stabt  i^ren  Sebarf  an 
Sacfwerf  unb  gleifd)  nirgenb  anbei**,  alc*  von  biefen  Saufen 
entnehmen,  unb  baß  binwieberum  gleifa)er  unb  Sä  der  nur 
auf  folgen  Saufen  verfaufen  burften.  3n  fernerer  3dt,  im 
%  1598,  gemattete  Jtaifer  Stubolpr;,  auf  »ntrag  ber  ©arm* 
Verpflichteten,  jeboeb  nur  auänafymäweife,  einen  freien  gleifa> 
unt>  Srobmarfr,  hat  aber  foleben  auf  geführte  Sefdjwerbe  unb 
naa>  erfolgtem  9caa)weife  ber  babura)  gefränften  ©ewerbe, 
fefcon  im  folgenben  iatyxt  wieber  aufgehoben,  mit  bem  Sfuf- 
trage  an  ben  föatf),  bie  alte  Drbnung  wieber  einzuführen.  3n 
bem  ©iebminfefcungS^effripte  erfanntc  ber  Äaifrr  auSbriirf* 
liü)  an,  baß  bie  von  feinen  Sorfarjren  ber  ©emeinbe  erteilten 


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74 


Privilegien  bem  fremben  %Uifä'  Hnb  93robmarftc  entgegen 
feien,  unb  erflärtc  fte  babei  fd)üfcen  w  wollen,  ebne  eined 
Vorbehaltet  \n  gebenfeit.  CDte  Urfunbe  hierüber  ift  iir(f)  vor* 
Rauben,  ^icmuf  fe(tfe  oer^Katb  im  Auftrage  be$  t'aubeä« 
l)errn  bie  beider  unb  ftleifdjer  in  ihr  altetf  Wecr/t  wieber  ein, 
inbem  er  ihnen  ihre  3»nuug$  ftrtifii  im  3.  1599  erneuerte. 

hiernach  haben  benn  bie  ^ätfer  mit  26  hänfen,  anf 
©nutD  bc$  lanbedr/errlicb  anerfannten  Privilegiums,  biefee  biö 
jur  @Jewerbeorbnnng  von  1845  gegen  jebe  befannt  geworbene 
Kontravention  aufredet  erhalten.    $>aä  tNeffrrvt  vom  4.  3<m. 
1599  fagt  ctuSbrüdlicr):  bafi  ber  *Watr/  bic  verbefferten  Ärtifel 
ihm,  bem  äaifer  iiberfdjirft  habe;  ftiigleid)  wirb  ber  ganzen 
©emeinbe  ju  ©örlifc  reren  Befolgung  anbefohlen,  wie  ber  3n* 
r)a(t  biefer  3nnungtfarrifel  aitäbnitflicr;  beseitigt.    'Die  93efug* 
ni£,  baö  Säcfergewerbe       treiben  unb  mit  SDiefn*,  93rob, 
Semmel  unb  33acfwaaren  *u  banbeht,  war  an  ben  93eft&  einer 
93anf  gefnüvft,  wie  bietf  bie  alteren  3'tnung6^rtife(  ber  Sbacfer, 
beftätigt  vom  hiejigen  föatbe,  ben  16.  2luguft  1575,  auäfprectyeu : . 
„SHknn  (*iner  baö  $Weifterred)t  *h  gewinnen  begehrt,  ber  fcü  jnver 
ein  9$a<fbäMtf  unt>  eine  93robbanf  traben. "   Tie  26  33robbanfe 
waren  erblich  unb  t>fniuf?eiltd>,  au  fein  <£)runbfttid  gebtiuben 
unb  mit  befouberen  gelieu  im  ^)vpetf)efenbud)e  eingetragen. 
Die  3nnung$*$(rtifel  vom  4.  gebruar  1599  festen  feft,  baft 
Mir  ($rleid)terung  ber  bebräugteu  $e\t  nod)  8  plaj*  ober 
9$robbctcfer,  2  bei  ber  6taot  nub  6  auf  bem  £ant>e  angefc$t 
werben  feilten,  welche  alle  Montage  nnb  greitage  93reb,  ntd)t 
aber  anbere  SBatfwaäreu  jur  &tit>t  briugen  burften.  Diefe 
33ergünftigung  war  jeboebj  rein  perfenlid),  oa  fte  mit  bem  Xebe 
befl  mit  biefem  ftectytc  93eliel)cneu  aufhören  mufite.  3)iefe- 
$anbbärfer  gingen  baher  in  ber  ftoiqt  wiener  ein  nito  e$  be* 
fianbeu  nur  nod)  bie  fogenannteu  piafcbäcfer,  weUbe  nur  alfettv 
SBreb,  unb  biefeS  aud)  nur  auf  ©eftellung  baden  burften. 
Dietf  verboten  bic  brei  SMrtifel  ber  93ätfer,  foufirmirt  vom 
9fcatr)e  unter'm  4.  Dftober  1614,  auäbriicftict).  j&ujkr  obiger 
perfenlichen  QkrgtinfHgHng  war  baä  ©inbringen  fremben  93rebeö, 
Kneten  nnb  anoerer  iöaefwaare  burd)  bie  fchon  genannten  %x* 
tifel  vom  4.  gebrnar  1599  gän^ltd)  verboten. 

Der  3ßertf)  be0  SBanurecfjtä  tfi  bem  tfrwerbungö  *  greife 
ber  9Öanf  gleich  *u  nehmen,  9cad)  bem  £wetr)ctenbiicf;e  be* 
trug  ber  l^d}ße  itaufprei*  760  Xljlr.,  ber  niebrigfte  400$rjlr. 


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__75 

1307  i>t  von  Den  33änfen  Der  Marler  Die  iReDe.  6ie 
waren  feit  1388  über  Den  Dramen,  in  Drei  !^eil>enf  unD 
ballen  mein  ere  (Eingänge  vom  ^ärtfi^omarftc  au*.  $om  3afyre 
144H  eriftirt  ein  $*erg(eid)  iibev  Den  $>au  Der  S3roDbaufe. 
SM  ältefte  3*»^re4|tffcr  Deä  ^eijj-  (|dt.  Weift-)  ,£o$pital$ 
nennt  aud)  Die  93ieDbäufe  beim  3-  1449.  3»  3-  1849  würbe 
Der  le&te  ?Keft  Der  SkoDbäufe,  Da  Dac*  vHreitfgerid>t  Diefeö  £efal 
brau  du  l  ,  auo  elfterem  (MebäuDe  in  Da*  ^Katbbauö,  uuD  ;n\u 
iu  einen  Der  VäDetr  nad)  Der  Srüoergaffe  }U,  gefegt. 

Xem  biefigen  gleifd)ennittel,  als  3nbaber  Der  60  33arrf* 
geredjtigf  eitert,  wuiDe  tu  Den  vom  hieftgeu  ?Hatbe,  im  Auftrage 
Der  £anDe-el>erut  Dem  Wittel  fonftuniiteu  Nrttfeln  vom  4.  ge* 
bruar  1599,  an  lürflidj  ;ugefagt,  Datr,  attfkr  8  i'anDfleifdjerir, 
tvelcbe  Der  Warf)  mit  per  jeulieber,  nad)  Dem  Xebe  De*  ^ntya* 
bete  erföfdjettDer  Jloii^cfftcn  verfemen  forme:  „Daö  i*infd) (eifert 
fremDeu  gleifdjeo  reit  Der  (^emetnbe  gänilia)  verbeten  fein, 
uuD  Derjenige,  fo  DawiDer  banDele,  auf  erlangten  ^ertd)t  von 
Dem  iKatfye  «^eftraft  werten  feile."  (*beitfe  würbe  Durd)  Die 
erneuerte  vom  Wattye  bicrfelbft  unterm  6.  ?(uguft  1793  fort* 
firmi uc  gletfdjeiJDrbiruug,  int  $  I9<\  beftimmt:  „e$  feli  fein 
grünes  gleifd)  von  auswärtigen  Orten  in  Die  ctabt  ePer  si*er* 
fiäDte  eingefd>levpt,  vielmehr  befdjeiDentlid)  angebalten,  für 
foufie^irt  erachtet  unD  Die  Xurbauten  beftraft  werten."  Vettere 
glrtifel  von  1793  enthalten  Den  ^orbebalt,  fclet>e  ah  miuDern 
uuD  i.u  mebren,  weldje*  jeDod>  mir  auf  Die  3unung$$>erfaf* 
fiiH«3 ,  nidH  auf  Deren  0)ered}tfame  belogen  werben  fann. 
UebrigenO  gilt  fyter  MUee»,  um*  bei  Den  Bädern  über  Die  (MüU 
figfeit  Der  fltitfel  vom  4.  gebruar  1599  unD  Deren  Segrün? 
Dung  bemerft  werben  nt;  nur  tritt  nod)  Daß  eine  lau* 

De6l)enlid)e  SBerortmtrrg  vom  '29.  1)ejember  1766  bad  ^ann* 
redn  Der  gleifdjer  jwa,r  moDifiurt,  DaDurd)  aber  aucf>  fofd>e6 
jugleiü)  anerfaunte  unD  von  Beuern  betätigte. 

3Üer  Daö  gleifa)erl)anDwerf  betreiben  wollte,  muffte  im 
Befttje  von  $wei  hänfen  fein.  Tarife  waren  60  an  Der 
3abt,  erblid)  unD  veräuperh'a),  mit  befotiDeren  golieu  int 
^vpotfyefenbudje  eingetragen,  £>ie  waren  an  fein  (Hrunb* 
frücf  gebuttben.  Die  Snmuifl  fjatte  Da*  *Hed)t,  Datf  Die  (Sin* 
wofyner  Der  Siabt  il)ren  &eDarf  an  gletfeb  mdjt  anbei  ö 
al$  bei  Den  Söanfberedjtigren  beliebigen  Durften,  wogegen 
Dem  SRttiel  Die  ^flia)t  juftaub,  Da*  $nblifnm  mit  gleiföe 

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r  • 

76 


jeber  ?lrt  \\\  verforgen.  Die  im  3  1599  auögefcfeten  Dorf-- 
*  fletfcf^cr  burfteii  nur  allein  €>onnabenb$  uir  StaM  fommen 
unb  Vormittags  3  (stnnben  fang  feil  haben.  15$  toirfteit 
btc  ßJaftwirtbe  unb  übrigen  Singer  nur  für  ibr  ^atid  eine 
beftimmte  MtnaM  $ieb  fc^fad)ten ,  weld)e  Vunabl  burd>  ein 
Defret  be#  ftatbd  vom  26.  gebruar  1732  feftgefe$t,  aber  erft 
am  29.  Dezember  1799  (anbeöbenlid)  beffätigt  werben  ijr. 
Die  Jtonjcffionctt  an  VanbfleifdKr,  weld>e  aufborten  h)  mit 
bem  lobe  beö  3nbabertf  unb  l>)  fobalb  berfelbe  ntm  Dritten 
sDcale  auf  bem  Warfte  auSbl/eb,  jinb  nad)  unb  nad)  erlofd>en. 
Die  Vattbfletfrfyer  würben  befonberö  in  (*ib  nnb  ^f!id>t  ge* 
nommen.  3«  bem  33annred)te  be$  $leifcbermtttelo  gehörte 
anef)  ba£  !Red)t:  ben  Dorffleifd)ern  bafl  $*er-  nnb  Wuffaufen 
be6  6a)lad)rviebeä  in  ben  Vorwerfen  nnb  £tabtgärten,  wie 
aud)  auf  ben  nir  <Etabt  geliörenben  Dorffdjaften  nad)  S  19.  . 
ber  gleifdjer  Crbnung  vom  6.  Muguft  1793  nt  oerbieten. 

Die  gleifd)bäufe  in  ihrer  feigen  Vage  fontmen  vor  beim 
3abre  1305  im  €tabtbud)e,  nnb  noar  3inö  auf  eine  gleifd)- 
banf  nt  ©nnften  Oer  6t.  ^eteröfirdje.  1568  am  3.  9Mr| 
riß  man  bie  alten  hölzernen  ftleifd)bänfe  ein.  Die  Sleifdjer 
mußten  einftroeilen  auf  bem  Obermarftc  feil  fyabeit.  Den 
12.  flprif  fing  man  bie  je|jigen  fteinernen  gleifdjbänfe  mit  großen 
Unfoften  ^u  mauern  an.  «i&ierju  gaben  bie  gleifd>er  300  Starf, 
batf  übrige  erlegte  ber  *Ratb.  Hin  14.  Wuguft  War  ber  San 
vollenbet.  3 11  neuefter  &it  ift  befa)loffeu  worben,  bie  ftleifd)* 
bänfe,  bie  inmitten  ber  etabt  eine  förmliaV  5Ruine  bilben,  ab- 
jubredjen,  11m  eine  neue  gabrftratfe  $wifd)en  ber  obern  Start 
unb  rem  9?ieberviertel  ui  eroffnen.  Da  aber  batf  gleifd)er< 
mittel  bitf  jefct  gn  l)obe  Sorberungen  aufteilt  !>at ,  ift  ba$  ^ro* 
jeft  einftweilcn  bei  Seite  gelegt. 

$Öie  baä  härter-  nnb  gleifcber- (bewerbe,  war  and)  ber 
betrieb  bei?  fattfmämttftyen  (*Jefd)äftS  an  OJereaMigfeiten  ge* 
fnüpft,  weldje  in  einem  befonber*  baui  errichteten  (Mebäubc, 
ben  Jtramen,  geübt  würben.  €eit  1320  ift  von  ben  «tfranten, 
and)  &auff)aitä,  ^auffammern,  bie  SRebe.  1327  beißt  e$  „bei 
ber  93ube  auflwetibig  ber  tframen."  1330  „$robbanf  bei  ben 
Dramen."  1351  war  bie  3<i$1  ber  ftramen:  acfjuerjn.  1432 
wnrbe  ben  Gramem  erlaubt,  ein  föobr  in  bie  9fbnid)t  (ui  führen 
unb  mit  ibrem  @5eftnbe  bei  9?ad)t  in  ben  Dramen,  ni  fdjlafen. 
Seit  1449  wirb  be$  3iirfe*  von  9  Heid)  Jlrämern  gebad)t; 


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77 


aud>  fommt  feit  bem  3abre  1163  ber  Hitfbrurf  „Sonnen*  . 
Ärämer"  vor,  bie  von  Drn  fteia>  ober  Neia)*  Trainern  unter* 
((hieben  werften.  1667  würben  bie  Seite«  Dramen  uad)  Dem 
Untermarfte  geöffnet.  1706  würbe  t>ad  alle  Jtaufbau*  einge* 
rine«  «»&  mafftv  gebaut.  3eit  ber  ^eit  1>c<hI  cd:  „baä  neue 
Äauf baut%  ©orfe,  Aommiffion^aii*."  1714  würben  über  bie 
öandtlmrc  Die  fteinerneu  Silber  tat  ftereduigfeit  unb  älug* 
beit  unb  baruuter  bie  Etappen  ber  vier  ^ürgermeifter  Wiäuö, 
Änorr  v.  iRofenrotl),  Möller  v.  Wollerfieiit  unb  %\au\i,  nebft 
ter  jnfeferift  aufgefegt.  17 17  vermietete  ber  9catl)  bie  grofie 
Stube  auf  3  3af)ve  an  bie  tfaufleute.  17*4  fam  bie  Wi< 
Ud>fd>e  Sibtiotyef  in  baä  obere,  €  torfwerf.  1824  mupte  bie 
SMbliotbef  wieber  weggebradu  unb  bad  ganjc  £auei,  mit  &uö* 
uHini  ber  SSrobbanf  unb  einiger  ©ewolbe,  bfm  föntglidjen 
Vanbgeridjte  überiaffen  werben.  1849  ben  1.  sH\mt  würbe  bie 
$rcbbanf,  wie  fäon  angegeben,  unter'ö  Hainau*  verlebt  unb 
bad  gau$e  ®ebäube  bem  neuen  .ttreiägeridjte  übergeben. 

Xie  Ärämer  würben  suleftt  eingeteilt  in  Sur,)*  unb 
Seibenfrämer  unb  Spi$-  unb  ^ubrifc Ukrainer. 

Xäe  9Bftr|<  unb  Seibenfrämer  Ratten  h)  ein  Privilegium  bed 
äaifer  föubolpf)  vom  28.  Dezember  1593;  k)  bedgl.  beö  äaifer 
3)taiti)ia*  vom  24.  November  1611.  $ie  iDritjinal  dlrfunbcn 
fcarüber  ftnb  betbe  im  X  1633  verbrannt,  ber  3nf»alt  aber 
WMrbe  aufgenommen  in  c)  bie  tfouftemattou  ber  flrtifel  bura) 
£er$og  3c^ann  (George  von  (Sadjfen,  ben  18.  3uni  1641, 
unb  tu  fold)er  neu  beftätigt.  3Betl  bie  3itnti!tg  bamate  mit 
ben  Spifc-  unb  pubriefrämern  (Sine  3ea>e  auömad)te,  finb  bie 
Slrtifei  augleia)  aua)  aHf  biefe  mitgerid)tet  unb  bie  obigen 
Privilegien  geuoffen  beibe  klaffen  von  Ärdmcrn  gemeinfdj'aftlicb. 
Die  äonjirmatiou  sub  c.  ift  oljne  tfaffationöJtlaufel,  viel* 
mefjr  entbält  fte  bie  S3eftimmung  „mit  biefer  Bewilligung,  baß 
bie  auägefefrte  «n^abl  ber  18  Ärdmer  binfürjrter  auf  26,  fo 
ifciger  3eit  befunben  werben,  enveitert  unb  verflanben  werben 
foli,  bei  welker  fln*af)l  e$  aita)  funftig  unveränbert  verbleiben 
foll."  l>ie  neuejte  SBeftatigung  ber  Innung*  »rttfel  ift  vom 
(«burfürften  griebrid)  ftuguß  von  Sadjfen,  d.  17.  3anuar 
1785,  wela)e  bie  Üreunung  beiber  Gramer  Innungen,  ber 
SBürv  »nb  6eibenrrämer  unb  6pifc  unb  ^ubrifcfrämer 
genebmiat,  unb  beftimmt  bie  Hrt  unb  9(n$ar)l  von  2Baaren, 
weldje  jebec  berfelben  $u  führen  verftatiet  fein  foll,  Sic 

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78 


.     gigentlnimer  bcr  9  2Bür$<  unb  ecibenfram  <®tvt$ti$U iUn 
(welche  mit  ben  17  @pi&-  unb  *ßubri(främerit  bie  gefd)loffene 
3a^I  »on  26  bübeten)  ftnb  im  ungeftörten  $eftt>c  i^rer  ©ere*- 
tigfeiten  unt>  beö  bamit  verbundenen  Unterfud)  ungedecktes,  bi$ 
in  ine  neuere«  Seiten  verblieben.    'Bei-  Umfang  ber  fechte, 
welche  ben  @igeiitl)ümern  jnjtanben,  wirb  auä  ber  3al)l  bev 
i()ueu  au*fd)liejjlicr)  wfttlH'ttbeu  haaren 'Kftif el  erficf;tlid>.  Die 
»Irtifel  waren  feftgeftellt  ptyt  am  17.  3awiar  1785  unb  »er« 
me^rt  burd)  baä  Slbfommen  vom  14.  Dftober  1790,  weldieä 
unter'm  21.  November  1791  beftätigt  warb..  Die  (9ered)tig* 
feit  war  an  Fein  Qrantjhiif  gebuuben.    Die  5öür^  unb 
6eibenfrämer  ^ered)ti^feiteu  waren  erblid)  unb  veränderlich, 
mit()iu  eigenthümlid),  unb  mit  befonberu  gofite  in'S  £wpo* 
thefenbuch  eingetragen.    Der  ungefähre  <K>erth  eine*  jol^ett 
2(uöual)mcrea)ted  betrug  gwtfcheu  2700  unb  1500  Xl^aler  vom 
hödtften  bi*  mebrigfren  6a(je.    Die^  gii6fchliep(id)feit  biefer 
6lered)tigfeiten  war  benfelben  auflbrütflid)  beigelegt  in  bem 
unter' in  18.  3uni  1641  bura)  £erjog  3ohann  George  von 
ead)fcu  gegebenen  Htttfd  8.:  „ed  foli  9fiemanb  in  bie  3ed)e 
aufgenommen  werben,  er  habe  beim  *uvor  einen  SBärgframeii." 
Äiic  audiiabmdweife  war  bcr  alten  6tabt'*fyothefe  hierfelbft 
ein  ftrtifef  jufolge  be*  «Privilegium*  vom  28.  Dejember  1593 
erlaubt,  neben  ben  Storp  uut>  Seibenfrämern  fünferlei  gejtopene 
©ewürje,  itdmlid)  6affran,  3ngwer,  »Vfefer,  9Jägeleiu  unb 
Kummet  $u  führen,  jeboch  nia>t  unter  bem  falben  Vctbc  ju 
verlaufen,  wa$  auch  in  ber  93eftätigung  vom  17.  Sanuar 
1785  im  Slrtifel  17.  wieberholt  worben  ift.   £iftorifch  *u  ver* 
merfen  ift,  baß  töramgerechtigfeiien,  anfänglich  18,  vom  iRathe 
audgefefct  unb  ben  Jtrainern  gu  Sehen  verreibt  würben,  wofür1 
ber  Jtram$in6  —  eine  SBierbung  —  V4  Warf,  entrichtet  werben 
mußte.    Die  dltefte  Urfunbc  über  bie  «toSjefrung  bei  18  Ära* 
men,  vom  3a^re  1351,  ift  ber  33eftdtigung  vom  18.  3«n» 
1641  einverieibt  worben.    Der  föatr)  beftimmt  barin:  „nun 
wollen  wir  6ie  carbe*)  ewiglid)  erhalten,  bafj  Wemanb  weber 
an  bem  Warlttage,  nod)  *u  feiner  anbern  <$e\t,  welcherlei 
(Kramerei  eä  fei,  foU  beim  ^fnnb,  nod)  unter'm  ^ßfunb  ver- 
laufen: ed  foü  aua)  9iiemanb  mit  ber  (Süe  fa)neiben  $an$tit, 
noch  anbere  SBaareti,  bie  jur  Sh'irjrVdmerei  gehören. 

Die  wnb  s#Hbri&främer  hatten  §ule$r  17  $anf* 

awchtigfeiten,   3hr*  Privilegien  Ratten  fte  gemein* 

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79 


fdKifrfid)  mit  ben  2öün*  unb  €eibenfrämeri!.  $et  ber  8on* 
berung  von  biefen  würben  il>nen  nod>  bcfotttare  Slrtifel,  worin 
ifjnen  nauientlia)  bie  tf>nen  t,ujtel)enbiu  haaren  jugewiefen 
werten,  gelben,  unb  »out  ffburfuvflen  griebrty  Muqujl  von 
€a^i>n  unter  m  17.  Januar  1787  beftutigr. 

^rivilegirt  bura)  Sanfgereajtigfeiten  waren  ferner  bie 
©aber,  voeldje  4  ®anfi|cred>ti«|reitejt  belügen  bura>  bae*  9ri* 
süegium  be*  Äaifer  fterbinanb  0.  vom  27.  3*ni  1629,  neu 
fenUrmirt  vom  (^nrrürft  ftriebria)  ^lii^uft  von  (Saufen  am 
11.  «vrtt  1707,  mit  bem  Vorbehalt:  „bie  «rtifef  bei  belegen* 
beu  ter  ;ieit  ju  minbern  ober  melden."  Die  ®ered)tigfeiten 
'  waren  erblid)  uub  veräußert idj,  fte  waren  mit  befouberen  golien 
iut  £vvott)efett6uaK  eingetragen.  Der  sBai\)  ber  1.  »auf 
betrug  im  3.  1802:  250  Ibliy  ber  2.  im  3-  1812:  175  $*r., 
öer  3.  im  3-  1807:  120011)11.,  ber  4.  im  3.  183*:  lOXtjlr. 
Die  üöabftubeti  finb  ebenfalls  vom  Watrje  ausgefegt  worben 
mit  bei  ^ejtimmuug,  baß  3eber,  ber  baä  3Weijterrea>  bei  ber 
3njuiug  gewinnen  wiü,  *uvor  eine  folan*  erlangt  haben  mußte; 
unb  bte  vom  Natrje  ber  3nnung  gegebeneu  «rtifel  vom 
24.3uli  «12  verorbnenauittnrücflia):  „baM^K  »abfhiben  auf 
eine  gewtffe  i&nyity  gebracht  werben  follen."  hiermit  fttmmt 
bad  Privilegium  be*  tfaifer  gerbiuanb  überein.  <$*  verorbnet 
auebritfluQ:  „e*  foUeit  bie  Wufätt  unb  (Sinläufer,  bie  ben 
armen  9Xeiftern  ba*  $3rob  vom  9Jtaule  wegfdnteiben,  von 
WemauD  \xid\t  geförbert,  viel  weniger  ihnen  eine  neue  offene 
SaDÜube  aufzulisten  gemattet  werben."  Die  (Sigentl)ümer 
ber  $abftuben  waren  im  3.  1834  noa>  in  bem  dejifte  be* 
ftecrjt*,  bie  Ausübung  be*  barbieren«  Sebent,  ber  eine  $ab* 
jtuben^)ered)tigfeit  niajt  befaß,  ju  unterfagen.  £inftd)tlid> 
oed  ebeufalle  an  ben  9eji$  einer  Sabftube  gebuubenen 
:Kea>te$  *u  äußeren  Äuren,  waren  jeboa)  fa>on  früher  bura> 
bie  allgemeinen  Wettynalftefcfte  Wobiftfationen  eingetreten: 
mbem  eineä  Ibfilö  ber  in  ben  Muffeln  bestimmte  (iramen  vor 
ben  ^iwelddltefien  ju  Erlangung  ber  $efugniß,  äntliaje 
•fturen  gu  verrieten,  md>t  tuei)r  genügte;  anberntlieüä  a«dj 
ben  vom  Staate  ernannten  vrafrtfdjeu  bersten  ba*  <Rea)t  |» 
äußeren  Äuren  beigelegt  ift.  Hua>  bie  33abftuben^)ere*tigfeit 
haftet  an  feinem  Ghrunbftnrfe.  Babjtuben  werten  in  ben 
etabtbüa>ern  mehrere  erwähnt.  (Sine  ber  größten  war  bie 
^eißbabftnbe.     1358  ift  von  ber  oberften  $abjt»be,  1489 


80 


von  ber  neuen  Sabftube  bie  9tebe.  1 386  wirb  bie  9i*ei(jbab~ 
fttibe  genannt,  1432  würbe  fte  vom  Gaffer  weggcriffen,  fpdttrr 
wiebcr  gebaut  nur  Ina  mite  1525  ab. 

Die  €d)ul)inad)ci  Ijatleu  44  Saufe,  zufolge  ifyrer  3u- 
itutta^avttfcl  vom  1.  November  17ö3,  erteilt  vom  Ijiefigett 
Oiattje,  mit  ber  Klattfel: 

„foldie  Slrtifel  naa)  Seftubeii  \n  äjtberu,  gu  be))erit  nur 
\\i  minbern,  ober  aua)  gar  wieberum  aufgeben." 

Dicfe  \)[)ü\d  würben  uvar  i\id)t  lanbe$f)errlid)  beftätigt, 
ftc  galten  aber,  vermöge  beef  Munt  erwähnten  Privilegium^  bed 
König  Duiifhiuo.  Tie  Saufgercdjtigfeit  gab  bereu  jnljabcm 
tao  Ütedjt,  jebem  Anbeten,  ber  uictjt  Seji&er  einer  Sauf  war, 
bie  gfuoübuug  beö  £ d> u l) mad) er- ®  ewerlxä  $u  verbieten,  wcld)cd 
9tca)t  bie  Korporation  biö  tu  bie  tteuefte  3eü  geübt  nub  be 
feffeu  hat.  -iMit  bem  Sejt$e  ber  (*k*rcd)tigfeit  war  baö  NKedu 
auf  eine  geilfteüe  im  od)ut)maa^eri)aufe  verbunbeu.  Sott  bett 
44  Saufen  tvaren:  17  (iigentfyum  ber  Konintuu,  uub  würben 
au  ^eifter,  bie  i'uh  eine  eigene  0)ered)tigfeit  nicht  faufen 
wollten  ober  fonnten,  gegen  ia In  liehen  v 1 1 1 o  alä  Venu  baute 
verliefen.  Die  übrigen  Saufe  tvaren  ßigemfyttm  ber  Sefifcer. 
Die  ®cred)tigfeitcu  tvaren,  tvie  bie  obigen,  erbltd)  uub  ver- 
äußer  Ii  d)  unb  mit  befonberen  gölten  im  ,£>vpotl)efeubud)e  ein 
getragen.  Der  $Öertty  beö  (Srfluftvumö  war  bem  ßrwerbungö' 
greife  ber  Sauf  gleia)  gu  redeten.  s)U\d)  3nf>a(t  ber  «£>t)po; 
tl)efenbüd)er  betrug  ber  t)öd)fte  Kaufpreis  im  X  1834: 
575  ütyaler,  ber  niebrigfte  aber  300  Xl)lr.  Dureb  bie  £d)ul)* 
tnadjer ;  &rtif  el  vom  1.  November  1783t  „(S*  muß  Derjenige, 
tveld)er  l)ierfelbft  SMctfter  tverben  um  Ii,  entweber  von  ben 
Kaufbanfen  eine  ober  eine  von  ben  Vchubauteu  eigentl)ümlia> 
befifyen",  tvar  bie  ($rf(uftveigeufd)aft  biefer  @)ered)ttgfeiteu  aud* 
gefprodjeu.  Die  Sanfgered)tigfett  tvar  nid)t  au  ein  (^mu 
ftürf  gebunben.  —  Die  v£d)ut)bänfe  befanben  jid)  urfprüng* 
lid)  unter  ben  Kramen  unb  würben  im  X  1383  für  bie 
8d)ur)maa)er  bort  (Gewölbe  eingebaut.  9Jad)  einem  Sergleidje 
befanben  ftc  fief)  mit  ben  Saderu  feit  1448  in  einem  ®ebäube. 
Später  tvurbe  ihnen  auf  bem  gifdjmarfte  e^t  neueö  £auö  ge 
bau),  welcfyeä  1834  abgebrochen  uub  an  beffen  3  teile  bte  neue 
sJDcabd)enfdjnle  erbaut  tft.    Die  6d)ur)tnad)er  wie*  man  ba* 

mal«  auf '6  r  al;han«. 

Die  ^fefferfn^ler  Ratten  4  Sänfe.^rc  3nuung$*8rttfe( 

« 

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81 


würben  lanbcöberrlia)  bejidtigt  vom  Crimen  faver,  als  ftb- 
minijtraior  von  €aa)fen,  ben  20.  3imi  1768,  mit  MrJHtttfef: 
„unb  obwobl  mir  4  £üd>lerti(d)e  Dermalen  in  ©orlifc  . 
befinblia),  tt>obei  e$  aud>  nod>  $ur  3eit  bcwenbet,  fo 
foll  bod)  Dem  Wagiftrate  M  CrteS  vorbehalten  fein 
unb  bleiben,  nad)  vorfommenDeu  Umftätwen,  wenn  ge- 
meiner £tabt  SBefteä  eine  ^ermefjrung  berfelben  etfbt« 
berte,  folcbe  iu  verftdrfen  unb  jti  vermehren." 
S)a*  ben  3nf>abem  biefer  ®ered>tigfeit  beiqcCrqre  Wertt 
(«rt.  I4>,  bat?  feinem  SÖeipbäcfer  ober  grembert  »entartet  ift, 
auper  ber  3abrmarftöjdt  pfeffcrfürtler  haaren  in  bie  3 MM 
tu  bringen,  fola)e  $u  verfaufen  unb  bewerbe  bamit  ju  be- 
treiben, Ijaben  biefetben  fortwäljrenb  unb  ungeftört  behauptet. 
$ic  nirtt  an  ein  ©nmbftücf  gebmibenen  (**ered)tigfeiten  waren 
erblid)  unb  veräujjerlid>,  unb  mit  befonberen  gölten  im  $M>i>< 
tbefenbudje  eingetragen.    Wit  ber  ©ered)tigfeit  war  eine  geil* 
fielle  auf  bem  Warfte  verbunben,  weldje  bie  beiben  banfberedv 
tigten  pfenerfücbler  noa>  inne  haben.  Der  Sßertl)  ber  1 .  «anf 
war  im  3  1828  itft.  £au*:  1400  Shlr.,  ber  2::  300  Sblr., 
ber  3.  in«,  £au$:  2000  Xblr.,  ber  4.  infl.  £an*:  1400  Sblr. 

81*  Littel  waren  bie  pfefferfud?ler  Der  jnnung  Der 
3Sei$bätfer  <ugewiefen. 

3«r  gorbermig  ber  9anfbered)tiaten  unb  überhaupt  aller 
bewerbe  wu^te  fta)  ber  9tath  ber  &ta*t  ein  (>öd>ft  bebeut- 
famed  Privilegium,  baö  fogenattnte  „Weilenrecbt",  ju  ver- 
fa)affen.  $>iefe*  Weilenredjt,  wela>e*  mit  all'  bieten  SIh*- 
natymerednen  gefallen  tfl,  ftanb  ber  £tabt  C^örlifc  at$  3nl)a*  • 
bertn  $u,  $um  grommen  ber  54  3nnungen  unb  Der  ehemaligen 
aajt  ftdbtifa}en  ©ajtyöfe.  m  war  bieä  9tea)t  bie  Sefuguiß 
ber  <Stabt- tfommun,  innerhalb  einer  Weile  im  Umfreife  bei- 
gabt, ben  Betrieb  aller  £anbwerfe,  für  welcbe  3miungen  be> 
Rauben,  unb  bie  Anlage  neuer  ©aftljöfe,  *u  unterfagen,  unb  be* 
ru^te  auf  befonberen  lanbeSberrliajen  Privilegien,  namentlid) 
auf  bem  bed  Jtönig*  3of)ann  vom  3.  1329,  Wontag  nad) 
(Santate  (22.  Wai),  unb  auf  bem  unter  golbener  S3ulle  gege* 
betten  Privilegium  be*  tfaifer  Äarl  vom  3-  1356.  3n  lefcte; 
rem  tf*  befonber*  gefagt:  „SBir  verbieten  and)  aUe  SBirty** 
bäufer  unb  aUe  unb  jebe  £anbwcrföarbeiten,  baß  fte  inner* 
tyalb  einer  Weile  um  bie  genannte  etabt  ©örlifc  irgenbwie 
gefjanbljabt  werben,  aufgenommen  ber  6a>mtebe,  wela)e  ba* 

&ci*i*ic  ?cn©prti|,  6  /-'- 

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©ifen  ber  pflüge  im  Staube  galten  unb  ber  Sa)uf)mad>er, 
ivelcfye  alte  Stiefeln  befehlen"  (qui  veleres  caieeos  solent 
reformare).  £iefed  Weilenredjt  mürbe  neu  bejtäti$t  in  bem 
fogeuannten  prager  .^ertrage  vom  J5.  September  1534*) 
in  beu  ©orten:  „£anb»verfer  foüen  in  ber  Weile  um  eine 
jeglicfye  ber  ScdjöftäNe  ni<t}t  geilten  nxrben,  awjierbalb  benen 
fo  über  verjährte  £tit  atibereit  in  ber  Weile  gewohnt;  aber 
Sdjmiebc,  Die  bie  $fUigfa)aar  fajärfen  unb  alt  (Stfen  baffen, 
aua>  Leinweber,  jebod),  baß  fie  bamit  nidjt  banbtfyiren,  bie 
mögen  in  ber  Weile  bleiben."  Da*  >Kea)t  ift  bü  in  bie  neuefte 
3eit  ausgeübt  unb  gcbanbljabt  worben.  3)ie  Commune  übte 
ba$  !fted)t  burd)  ibre  Bürger  auö,  ba  bie  Slufnafyme  in  eine 
SitiMitfl  von  (Srlangung  beä  Söürgcrredjtö  abhängig  *toar. 
3)a$  ?Kea)t  Ijatte  einen  bebeutenben  (ymfiint  auf  ben  bürger* 
lia)eu  s)tal)iung$jn>cig  ber  Start  unb  glid)  einem  £aptta( 
von  circa  25,0<K)  £l)lr.  ©i*  *ur  @inful?rung  ber  (bewerbe* 
orbmmg  von  1845  genoffeu  biefetf  Privilegium  bie  in  (Sörlift 
bcftel)enben  Innungen  ber:  £ud)maa)er,  $5äcfer  nebfi  Pfeffer 
fücbleru,  Sentier,  '$ötrd)er,  93ud>binber,  $Bürftcumad)er,  Mov* 
buancr,  $red)$ler,  geileutjauer,  gleifdjer,  ©olbarbeiter,  ©elb- 
gieper,  (Gürtler,  £uffd)imebe,  £utmad)cr,  £am  minorer,  Älempt- 
ncr,  M nopfmadjer,  Äürfdjuer,  Jtupferferjmiebe,  Mnweber,  Wau* 
rermeifter,  Wej|erfa>miebe,  Gabler,  9Jagelfd)micbe,  pofamen* 
tiver,  ^abemadjer,  9ciemer,  Dtotfygiejjer,  üHotljgerber,  Sartier, 
Schleifer,  Sdjneiber,  Sdjivarjfärber,  Sdjornfteinfeger,  ScjM- 
maa>er,  Scifenjicber,  Seiler,  Stellmacher,  Sirumpfwirfer, 
Xijäjler,  Töpfer,  Ul)rmad)cr,  $tfei|jgerber,  3i||*mermeifter, 
ßammfe&er,  3*»gfd?miebe,  @lafer,  Sdjleifer,  ^inngtejjer,  93aber, 
Lohgerber,  $ua)fa)eerer  unb  Sudjbereiter. 

£icrl)er  gehören  aud)  bie  Privilegien  ber  Safyrmärfie. 
3)aö  erfte  ift  batirt  ;u  Vamf  in  Oteuffei*  am  Sonntage  t>or 
U.  2.  grauen  ttid)tine|?  (31.  3att.)  1429  unb  ^aifer  Sigmuob 
gibt  in  bemfelben  ber  Stabt  ba$  9ied?t,  jvoei  3atyrmärfie  jäfyr- 
lia)  ui  galten,  ben  einen  vom  St.  dradmuötage  (3.  3unt), 
ben  auberu  vom  St.  Wartindtage  (11.  9tov.)  an,  betbe  8 
üage  tytntercinanber.  Unter  bem  25.  3uü  1655  gemittete 
tfurfürft  3ol)aun  ©eorge  l.  bie  Verlegung  berfelben  auf  ben 
Sonntag  vor  Simon  3uba  unb  Sonntag  uaa)  Warid  #immel* 


•)  Dbtxt.  Sttüdtionmtxt  II.  mt. 

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83 


jährt  nnb  gab  jugfeiefy  einen  brüten,  welrter  allemal  9ttontagd 
i\d(b  Dorothea  abgehalten  werben  foU. 

{§i  bleibt  un6  nur  nod)  übrig,  über  baö  Stabtwappen 
unb  befielt  (*nrj*ef>uitg  (*inigeä  ju  berieten.  3 n  bem  ältefteu 
Siegel  *on  ®örli$,  welcM  fta>  an  einer  branbenburgifeben 
Urfunre  befinbet,  ift  nidjt  ber  böbmtfaje  8öwe,  fouoern  ber 
branbenburgifaV  Slbler.  Der  btymifät  Hm  würbe  erft  feit 
1329  »teber  in  ben  £d)ilb  aufgenommen,  jtaffer  ©igmunb 
gab  ber  <Stabt  im  3-  1433,  am  29.  Huguft,  einen  ©appen* 
brief,  bem$ufolge  bao  Wappen  Dabin  verbeffert  warb:  baß  in 
einem  aetr>efltcu  6a>ilbe  rea)r*  ein  febwarjer  9lMer  im  gol* 
benen  €d>übe  unb  linfö  ein  weißer  ¥6we  mit  boppeltem  3agcl, 
golbener  Jerone  nnb  Mannt,  fbwie  blauer  3»nge,  barunter  ein 
weites  Shitf  unb  jwifdjen  Sfbler  unb  tföwen  eine  Äaifer* 
frone  fein  foll,  auf  bem  $elmc  mit  weiß  unb  rotten  Detfen 
<wei  rotfce  glügel  mit  golfreneu  glittern,  worin  ber  fcowe  wie 
im  eebtlbe.  Da*  Söappen  würbe  ber  €tabt  gegeben,  weil 
jie  fid}  im  erften  £ufüenfriege  febr  mannbaft  gehalten.*) 

tfaifer  Äarl  V.  gab  am  2.  Oft.  1536  ber  etabt  ein  neuc$ 
»Bappen:  einen  gemerteteu  (Sdnlb,  abwedjfelnb  in  golbenem 
gelbe  einen  jweiföpfigen  fdjwarje»  aufgehauen  #bler,  unb  in 
rolrjem  gelbe  ben  weißen  gefrönten  Soweit  mit  blauer  3unge 
unb  boppeltem  3«gel:  in  ber  Witte  be$  ScbflbeS  ba*  <5d>üt>* 
lein  beä  Jr>aufe$  £)efrerreid>,  eine  golbene  Äaiferfrone.  Huf 
bem  £d)i(t>e  einen  golbenen  £elm.  Die  ^elmbetfen  unb  ber 
»Herflug  bikbm  wie  im  alten  ®appen.  tfnfer  Situation«* 
<ßlan  gibt  bie  genaue  ©eftalt  biefeS  SBappeue. 


©lehnte«  Sapittl.  . 

Da*  fontgli^e  6d) öffen*©eria)t  tn@ärUft  unb  fein 

2Btrfung*freiS. 

ßbett  ifr  bereits  angegeben  worben,  baß  in  ben  älteften 

3eiten  in  ©tfrlrfc,  wie  überall,  ber  93urgooigt  bie  oberfte 

rid>rdbarfeit  übte,  waö  jebod)  gtmrintajfq  nur  jweü  ober  brei; 
maf  fm  3ar)re  $u  gewrjfcn  Reiten  gcfa>if). 


•)  Script  rer.  Lusat  N.  t.  f.  231  ff. 

Digitiz 


84 


ift  bort  fd)on  bcä  Privilegium^  gebaut,  welche* 
9)krfgraf  Hermann  von  ©ranbenburg  unterem  28.  November 
1303  ber  etatt  ©örlifc  vetlich,  jugleid)  aber  erwähnt,  ran 
mit  (£rlafj  biefer  Urfunbc  bie  bte^eri^e  ©eriajtäbarfett  fcc* 
föniglidjen  SBoigteS,  baä  SBoigtbing,  aufborte. 

Die  betreffenben  (Stellen  biefcö  wichtigen  Privilegiums 
lauten: 

„2Bir,  Hermann  von  ©otteä  (Knaben  ju  93ranben* 
bürg  unb  Saufty  9Warfgiaf,  £err  £enneberg,  be* 
funben  burd)  ben  Wortlaut  bed  (Gegenwärtigen  öffentlich, 
baß  wir  nun  allgemeinen  9Ju$en  unb  frommen  Unferer 
Stabt  ©örlifc,  Ünferen  getreuen  Bürgern  unb  bei- 
gaben Stabe,  au$  ®nabe  Unfereö  9BiUenä,  baä  9)?agbc* 
burger  9ted)t  geftatten,  unb  fdjenfeti,  folcfyeä  ab&u 
halten,  unb  klagen ,  Jlontrafte,  *Red)tefyänbel  auf  jete 
3Beife,  wie  c$  ben  bürgern  felbft  unb  ber  ©tabt  am 
heften  unb  vIn\niennteii  fdjeinen  wirb,  }u  verfyanbeln: 
ben  früheren  ©eridjtä*  ober  9iia)ter'$kaua)  jebodj, 
weldjer  s.8oigt*  ober  (Sebcbina  genannt  wirb,  wollen 
2ßtr  nidjt  im- in-  abgehalten  wijfen,  fonbern  3öir  wollen 
unb  fefcen  e$  bura)  biefen  Sefefyl  feft,  bafi  $u  gewiffen 
Stunbeu  unb  bem  ©eridjte  bequemen  Reiten,  auf  ben 
Sänfen  Unferer  Stabt  mit  Unfcrem  SBoigte,  Unfer 
"Kidua,  wer  ee*  nun  immer  fein  wirb,  in  eigener  *ßerfon 
jugeaen  fei,  beim  ©eriajte  oen  SBorfifc  füfrjre  unb  bort 
au  ©eridjtöftelle  unb  nid)t  auberäwo,  benebfi  Unfern 
anberu  bürgern,  auf  ben  kaufen,  in  @)eacuwart  ber 
6tabt  Sajöffen  vor  Uuferem  QJoigte,  über  »£>anblungen, 
klagen,  9ied)t$f)änbel,  bie  an  ben  genannten  9tta)ter 
gebraut,  ober  au  bringen  ftnb,  einem  3*ben  enblidjen 
Sefdjeib  erteile  unb  ba£  Unfer  SBoigt  von  ben  Sofien 
beö  ®erid)t$  ober  ber  ^ea)töftreitigfeiten,  jwei  Steile 
empfange,  Unfer  @rbria)ter  aber  ben  britten  Xljeil,  au$< 
genommen  bie  gdüe  von  9Äorb,  Staub,  33ranb,  $ieb* 
ftaf)l,  tförperverlefcung  unb  anbere  äl)nlta)e  auf  Unferem 
©ebiete  ober  bem  ©ebiete  von  ©örlifc  begangenen 
fdjwereren  5krgel)en.  Senn  folaje  üßergefyen  auf  ben 
vier  hänfen  ber  Stabt,  in  Gegenwart  ber  Sa>öffen, 
Unferer  Bürger  unb  niajt  anberöwo,  burd)  Unfern 
Söoigt  abgeurteilt  worben  ftnb,  wollen  2Bir  bie  (Sin* 


■ 


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85 


nahmen  bavon  für  Unferc  Cammer  jurütfbetyalten. 
s28tr  befehlen  bem  na  d)  Ällen  k." 

Diefe*  Privilegium  erf>trlt  eine  Erweiterung  burd>  bie 
Urfunbe  vom  21.  viftai  1329.  3"  berfelben  wirb  ber  <Stabt 
©orlifc  b«6  fRtdft  verliefen,  baß  bie  SMtrgfr  t>te  $ur  Dritter? 
(<baft  gehörigen  ober  berfelben  gleid^uaetytenben  Männer, 
hir$  alle  freien  fceute,  vor  bem  ^Boiate  ©örli$,  beren  Tawern 
aber,  vor  bem  (Jrbricfoter  unb  ben  vier  Öänfen  befangen  fönnen. 
3m  3.  1342  fugte  Äönig  3of)ann  bie  au$brü(f(id}e  ©efrim* 
muug  r)tn$u,  baß  jeber  au6  biefem  görftyer  ©eri(r;t6bejirf  in 
9nflagqttßanb  SBerfefcte,  nur  vor  feinem  orbentfiayn  ©eridjt, 
bem  Orrbridjter  unb  ben  vier  hänfen  \h  ©örlifc,  nirgenbd  an* 
ber$ivo  befangt  werben  bürfe. 

33efi4ttgt  ifl  biefe*  ©eridrt  burdj  Äerjog  Äeinria)  von 
3aner  unterem  26.  Xuguft  1319;  burdj  «König  3opann  bei  ber 
(Meneral  *  ©efiätiguug  alfer  gorltyer  Privilegien  im  3-  1329; 
bmd>  Äarf  IV.  unteVm  4.  September  1347  unb  in  ber  gof* 
c*nen  $ulle  vom  11.  3Rai  1356;  vom  «fterjog  3or;anne$  von 
(työtüfr  unter'm  27.  3amtar  1377;  von  Äönig  SBenjef  am  14. 
Äprtl  1381;  von  Jtönig  (Sigmnnb  am  29.  Sltigujt  1433;  von 
&öntg  93?attt)ia6  am  27.  (September  1474.  (später  würbe  e$ 
nid)t  mefyr  betätigt  unb  warb  im  ponfalfe  ber  <Stabt  endogen. 

3m  fcaufe  ber  ^tit  freUte  fia)  nun  ber  $rauä)  t;erau6, 
baß  ber  föiilg(ia)e  (Srbridjter  gu  @örli&,  in  bemfelben  SBerfjält* 
mffe,  al$  bie  Wadft  be6  33oigte6  fanf,  bie  bem  $oigte  eigent* 
lieb  luftefyenoe  *ftea)täbefugniß  über  bie  9tittermäßigen  an  ftd) 
40g,  w«$  Dann  $u  großen  (Streitigfeiten  mit  ber  Sanbfd>aft  be$ 
görttfter  ©eria)t$bejtrfe0  führte.  "Die  <5tabt  ging  immer  $u* 
le$t  au$  folgen  9iea)t$r/änbefn  ftegreia)  fyervor. 

^auptaninb  ju  berattigen  <Streitigfeiten  waren  bie  lieber- 

Sriffe  ber  9fttterf(r)aft,  weldje  in  ifyren  Patrimoniafgerictyten 
4  oftr  gegen  auäbrücffiaV  $egnabung  ber  «Stabt,  ben  93lut* 
bann  anmaßte.  —  Die  fiebert  (5a)öffen  mit  bem  roniglidjen 
Stifter  waren  gteid}fam  eine  befoubere  9fbtf}ei(ung  be$  9catr>e3, 
wefa>e,  bei  allen  3Berl)anbfungen  be3  9tatbe6  jugejogen,  für 
ftet)  ba3  ftedn  fceg  ©eria)tö  allein  fyatte. 

3Die  93efd)affenr;eit  bed  93erfaf)rend  war  im  $llf gemeinen 
folgenbe*).   „$>a$  ©eria>t  warb  gehegt  in  „ber  Dtngftatt." 


•)  edulfc,  @efd)i(^t<  k.  I.  6.  581  (f. 


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Sie  war  öffentlid)  juganglid) ,  aber  mit  bejonber*  abgeföloffe* 
nen  Si^eit  für  ftiditer  un&  Stoffen  verfemen.  ©lodengelaut 
verfammeltc  t>tc  ©emetnbe,  ber  9tid)ter  faß  unbewaffnet  mit 
ubereinaubergefdjlagenen  deinen  auf  einem  Stuljle,  mit  beberfv 
tem  Raupte  unb  nnigeb anfeuern  Hantel.  93or  ifym  auf  einem 
Xifdje  lag  ein  Stab  mit  abgefeilter  9^tut>e.  3«r  iKedjten 
Hub-  i'infeu  von  il>m  faßen  Die  Sdjöffen  ober  Dimjleute  aHf 
bei  Sdjöffenbanf,  o^ne  SBaffen  unb  darret,  aber  mit  SRün* 
Hin  verfefjen.  Ter  Eingang  in  biefe  SMngftatt  war  öftüdj, 
bei  Si&  beö  Midjterä  weftlid),  fo  baß  fein  ©efictyt  aegen 
JDftcit  gcridjtet  war.  9?ur  gwifctyen  bem  Aufgange  unb  Unter 
^an^e  bei  Sonne  burfte  ©ertc^t  gehalten  werben,  nidjt  früher, 
nidji  fpflrer  (?inauö;  bic  Eröffnung  burfte  nur  bei  ffeigenber 
Sonne,  b.  I).  S$orutittag$,  ftattjinben,  unb  fie  gefdjalj,  inbem 
ber  ffltcfytcr  mit  feinem  Stabe  auf  ben  $ifd>  fd)lHg  unb  hierauf 
Ginen  bei  Stoffen  fragte:  £>b  eö  XageS  fei,  baß  er  bao 
2)ing  eröffnen  fönne.  $>er  befragte  Stoffe  autwertete  im 
tarnen  ber  Ucbrigen,  weldje  310301  tfyre  SÖqaljHng  abgegeben 
Ratten:  baß  e*  Xageä  fei,  ünb  baß  er,  wenn  er  von  ®ott 
bie  ©nabe  unb  vom  gnäbigeu  £crrn  bie  SÄadjt  ^abc ,  ba* 
Ü)ing  eröffnen  fönne.  Sftit  erhobenem  Stabe  wanbte  ftd)  nun 
bei  Mcfyter  gegen  bie  Sonne  ünb  fprad):  „So  l)cge  id)  bertn 
l)ier  ein  red)t  ©ebiug  von  unfereä  lieben  £«rrn  ©ott6  wegen, 
von  wegen  unfereö  gnäbigften  ^errn  SHarfgrafen  unb  aud) 
von  @)erid)t$wcgen.  3d)  »erbiete  alle*,  wad  id)  verbieten  foU, 
unb  erlaube  alle*,  wa$  id)  erlauben  feil".  3<t)  verbiete  uujiem* 
lidje  Söorte  unb  iiberflüffige  ?Kebe,  unb  jeige  ben  Sdjöffeji  an, 
baß  id>  bieä  verboten  Ijabe.  3d>  frage,  ob  id)  bie*  ®ebiug 
fo  gel)eget  tyabe,  baß  id)  hu$  einen  grieben  wirfen  mag?"  11. 
So  folgten  nod)  eiue  Selige  gragen,  weldjc  bei  allerlei  mög* 
Uc^eu  Unfällen  3.  Ü8.  wenn  ein  ©ewirter  auftöge  ober  eine 
gcuer*brunft  auebrädje/ bie  ©iltigfeit  be$  ©eridjte*  im  $or* 
au*  feftfteüeu  feilten.  Sarauf  tonnten  bie  Älagen  angebracht 
werben,  waö  gewöljnlid)  burd)  einen  SBorfprud)  ober  Anwalt 
in  (Gegenwart  be*  Kläger*  gefdjalj.  ©laubte  man  ber  Zt)üU 
fadje  gewiß  jit  fein,  fo  faßte  ber  Deister  ben  Xfjatbeftanb  |u* 
fammen,  legte  il)n  ben  Stoffen  vor  unb  fragte,  waö  barum 
föedjt  fei?  Die  Schöffen  legten  nun  it)re  Mäntel  ab,  befpta* 
djen  fief)  untereinanber  unb  Fountcn  aud)  ben  „Umfxanb,"  b.  f). 
bie  umtyerftefjenben  geute,  befonber*  alte  ^erfoueu,  befwgen; 


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hin  aHf  alle  Söeife  üd>  bemühen,  rao  NKeebt  ju  nitre n.  (Sin 
Schöffe  fprad)  enrlteh  im  tarnen  ber  übrigen  ba$  jRed^t  an* 
unk  ber  9cia>ter  wfünbete  baä  Urtbeil  mit  benfelben  Korten 
ben  Parteien  nur  Mm  „Umftanoe".  51$i<  mübfelig  aüd)  biefe 
IRecrttöfinbung  fein  mußte,  fo  war  bod)  baö  gefprocfyene  Urtbeil 
unantaßbar  utib  unerfebütterlid] >,  unb  felbfi  ber  Vanreoben 
rennte  Daran  itnlu  rao  ÜDtinbefte  aitbern.  @)efd)lorKn  würbe 
mc  ^tnnna,  mit  ähnlichen  a  cimlich  feiten,  wie  fte  eröffnet  wor* 
ben  war." 

Dieä  war  im  8Ugemeiuen  ber  93ra"ua)  bei  tiefen  6t$uu' 
gen.  3n  wie  weit  ber  OWn  icbteUuancb  in  (Morlifc  in  ben  älteften 
feilen  mit  jr)m  übereinftimmte  unb  ob  9lbweid>ungen  vorfa- 
inen,  fann  nicht  benimmt  werben. 

Bt  viel  ftefyt  fett,  baß  bie  Dingflatt  in  ®örli$  rao  9iatr)* 
band  war.  ^af)rfa)ei u(id>  hatte  ba$  ältefte  sUutbban*  Vanben, 
mir  unter  ihnen  würben  Die  (%rid)tefi$mtgcu  abgehalten.  C5' i f t 
fpärer  verlegte  man  ben  <*)erid)tejtfc,  ber  nach  magbeburger  ftecfjt 
u nter  (Mottet  freiem  ^immcl  abgehalten  werben  mußte,  in'6  Watt) 
band  in  ein  Limmer.  1  lc  £anbedr)erren  pflegten  bei  ir)rer 
flnwefenbeir,  wenn  fte  W  euch  t  abhielten,  auf  ber  ^athbaneMveppe 
;u  jtfcen  unb  9tea)t  \n  tprechen.  ^weifelioo  war  bie*  fdwn 
ber  *ali  uir  Mt  .Haner  M ail'o  IV.,  wenn  er  in  ©örltft  weilte. 
58on  .Honig  ^Uen§el  tft  bie  3  tyatfaerje  bejannt,  baf  er  im  3. 
1408  bei  feiner  £nwefenr)ett  in  ©örlifc  von  ber  ?Katr)r;auä< 
treppe  ben  sKath  unb  bie  Suractfcfyaft  anfjörte,  bie  bamalä,  ut 
ihrem  £eile,  bie  gegenfeitige  ^ufvierenheit  auäfpradjen. 

Die  9ratr)mäuner  rtdjteten  über  ^oli^eivergerjen  nad)  bem 
magbeburger  iRectyt«;  bie  (Srbridjtcr  über  bie  übrigen  $er* 
geben  mir  ütftruirteu  bie  ^rogejje  in  (Sivilfaa)en. 

3n  fdjwierigen  gdllen  wanbten  fte  fia>  an  bie  6cr)öffen 
in  SRagbebura,  nnb  holten  fid)  bei  ihnen  9catr)  ein. 

Daä  magbeburger  6d}bffengericr)t  ftanb  für  ba6  görlifcer 
nicht  in  einem  öerfyältniffe  wie  ein  @ericr;t  2.  3"ftan$  rjeutigen 
Xaged  ;n  einem  ®eriä)t  1.  3n itanv,  fonbern  man  verfa>affte  fta) 
bort  nur  iRatl},  ber  nun  narr)  belieben  benufct,  angenommen 
ofcer  bei  *5eite  gehoben  werben  fonnte  unt)  burdjauö  feine 
unbebingte,  unumttößlia)e  @ültigfeit  hatte  .*m  befteu  glauben 
wir  ba$  gan$e  *8erfar)ren  t>erbeutlier)en  ju  fönnen,  wenn  wir 
einen  folgen  Stoffen  <9te$t*fal(  r>ter  mittt)eiien.  Der  gall 
betrifft  bie  gorlifrer  £aibe  unb  ift  ber  aat>lrei<t>ett  <5prua> 


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Sammlung  auf  biengem  iKatbbaufe  entnommen.    Söir  qcben 
Dae  ©an;e  tu  heurigen  3praa)gebraud>  übertragen.  Ba> 
banolung  CJceajenberger  £aiDe;  #o.  9.  1499),  wie  folgt: 
„Untere  willigen  Dienfte  uitwr.    ßbrfame,  weife,  be* 
fonDere  günftige  grcuuDe  unD  görDerer.    (£*  ift  gefdje^en  vor 
ungefähr  anDertbalb  hundert  jähren,  Daß  ein  äönig  ;u  93öf)* 
men,  jorjannce  Der  Flinte  genannt,  etlichen  (SDellenren,  f&t* 
bruDern  von  ^eujig,  nacbfolgenDe  £tucfe:  Dürre  £öl$er,  fierienb 
ober  liegenD,  Die  tiefte  Der  abgehauenen  Zäunte;  Die  Haftung, 
mit  Söiefen,  Gaffer,  einer  l'acbe,  „Der  Noblen"  genannt,  miD 
Den  Dritten  übeil  De*  (Sinfommen*  von  Den  «erfefn  auf  Der 
ganzen  görlifcer  £aite,  welche  £aiDe  mit  allen  ©enüffen  feiner 
föniglidjen  iWajeftät  a(0  einem  £erjog  ;u  ©örli*  erNttt)  §h* 
geftanDen,  $u  erblia)em  Sellen  gegeben  bat;  unb  Daß  über  viel 
3at>re  Darnach  ein  anDerer  Jeimann,  Wiefel  v.  Siedenberg 
auf  Jilitfdjborf,  feine  £aiDe,  Jammer  nnb  ©üter  an  Der 
obgemelDten  gorlifcer  £>aiDe  gelegen,  von  Warfgraf  Johann, 
.  alo  «Jperjog  }ii  Ö>örli$  erworben ]  unD  erlangt:  Daß  it)m  feine 
fürftlia)e  $naDe  ein  €türf  Derfelben  gorlifcer  $atoe,  von  Der 
großen  Ü>fd>irnc  bi*  an  Den  <£id)clbcrg,  fo  viel  feiner  fürftli- 
a)en  ®naDen  Slntbeil  Daran  betrug,  für  100  6a)orf  böt)mifa>er 
©rofehen  pfanbweife  verfefct  unD  vcrfcrjrieben  fflL    ®*  m 
nun  nadjmal*  Derfclbe  Wiefel  0.  Siedenberg  ober  feine  ©rben 
Denen  0.  ^enjig  ifne  obengefdjricbene  ©eredjtigfeit  auf  Dem* 
felben  Stüde  Der  gbrlifcer  £aiDe  erblid)  abgefauft,  fo  Daß 
Derfclbe  Scilla*  0.  Siedjenberg   unD  v  feine  ^aa)fommen  im 
(Srblebn,  bie  auf  JtaSpar  0.  Siedenberg,  Der  beut  $u  läge 
noa>  lebet,  auf  angezeigte  ihre  SHbfunft  Da«  angegebene  6tücf 
Der  görlifccr  £>atbe,  unvcrfürjt  unb  obne  (Sinfpruirj,  gebraust 
unD  genoffen  Ijabcn.    $lber  vor  neben  3al)ren  bat  Der  geftrenge 
(Sbrtftopl)  0.  lalfenberg  im  Tanten  unD  al*  ^rofurator  De* 
jetzigen  Jtönig*  $cajeftät,  waJ  offenfunDig  ift,  £an*  0.  Sie* 
erjenberg  De*  genannten  Äaopar'ö  angeborenen  Oettern  ju  ®utc, 
Da*  vorberübrte"  Stüde  Der  görlifter  |>aibe  —  mit  100  Scbotf 
©rofa)en  von  gebautem  äa*par  v.  Siedenberg  ju  löfen  begehrt; 
fo  er  it)m  aber  Die  (*tnlöfung  nia>t  t)at  gönnen  woüen,  au*  Dem 
GJrunbe,  Daß  ifjm  äonig  s2Jiattf)ia*  löblichen  «nbenfen*  Daf* 
fclbe  Stürf  görlifcer  £aiDe,  von  Beuern  erblid)  verlieben  batte, 
ftnb  beiDe  Parteien  auf  befonberen  33efebl  fontgltcfjer  Vkatf* 
vor  Dem  (öniglia)en  Anwalt,  Mannen  unb  6tdDten  Der^alb 


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§u  Otecbte  gefommen  unb  haben  beiberfeitä  tf>re  Schelfe  unb 
Sfaäwetfe  fdwifttich  \n  Werirtu  eingebracht ,  uitb  bamit  ttcf>  bei 
fem  gliche  Anwalt  ^Rannen  unb  Stäbte,  gcaen  beibe  Iheilt 
bor  SMUigfeit  nach  wußten  halten,  ^aben  ne  alle  ber  Par- 
teien eingebrachte  ©erecfjtigfeit,  an  (£uer  \5  In  tarn  feiten  gelangen 
lanen,  worauf  3br  benn  mit  nachfolgenden  2Borten  )u  Oiedn 
erfannt  unb  audgefproeften  habt:  „Da  fetnedwegfl  r urd>  foldje 
3krreicfuing  unb  33elebnung  bie  <9erea)uqfett  beä  SÖiberfaufö 
erfefeben  ober  verloren  ift,  foubern  bie  SBieberlöfung  nod)  bei 
ber  Ärone  §n  Böhmen  fleht,  fo  muffen  aud)  bte  von  SKecben' 
bera  folche  «£>aibe  ber  föniglid)en  ^Wajeftät  ;n  Lohmen  um 
wiche  b unbert  echod,  al$  ui  ber  Mw  ber  SBerreicrmnü  mit 
derlei bit n g  gäng  unb  gäbe  geweft,  wiebereinjulöfen  geftatten 
unb  vergönnen  ic."  ftuf  folgen  ergangenen  Wecbtotpruct)  unb 
gethane  (frinweifung  bat  ber  föuig(id)e  Anwalt  btefer  tfanbe, 
auf  Biatf)  von  Scannen  unb  Stätten,  genannten  (Sbriftoph 
tj.  Battenberg  au5  föntglia)en  ^rofurator  in  ba$  vorberübrte 
Stücf  ber  gorlifcer  £aibe  unb  §roei  bortiae  Jammer  einweifen 
(äffen,  fo  baß  ibm  auch  bte  bort  wohnhaften  Veute  get)u(bigt 
haben,  roaö  genannter  @bnfiopb  v.  Hechenberg  bat  gefayfyen 
laden.  (£6  hat  aber  genannter  tfhrittovb  v.  Battenberg  auf 
?old>  ergangenen  Wcebwfpruch  unb  gethane  <§tnweifung ,  bte 
erbliche  (^ereeinigfeit ,  bie.  Jtactyar  Hechenberg'^  dltern  unb 
»Borfabren  von  betten  v.  ^engtg  erblich  gefauft  unb  welche  in 
bed  genannten  «jjerjog'ä  $an$  pfanbfefcung  unb  üßerfdweibung 
ni<bt  begriffen  tft,  miteingewgen  haben  wollen,  unb  barüber 
and)  anbere  jwei  ^ämmer,  nicht  weit  von  ben  erften  gelegen, 
ein?  ic  heu  wollen  aud  rem  angeblichen  ©t  nur  e,  äadpar  v.  9te« 
Osenberg  fei  burd)  Hejefi  verpflichtet,  alle  feine  ©eredjtigf  eit, 
burd)  welche  er  bie  „ftrettiae  4?aibe"  erblich  ju  erlangen 
vermeinte,  auf  einen  namhaften  Xag  einzubringen  bei  93crfuft 
ber  Sachen,  fo  er  aber  nun  biefe  ober  anbere  feinen  ©naben 
wich  wiegen  unb  nicht  eingebracht  habe,  follc  er  aud)  ber* 
felben  verluftig  fein,  Caspar  v.  Hechenberg  aber  hat  fol<he* 
nicht  wollen  bewilligen,  noch  julaffen,  weil  feine  15 Item  unb 
Vorfahren  erft  naci)  ber  angezeigten  *ßfaubfe&ung  unb  Qkr* 
fdweibung,  ihnen  von  £erjog  3ot)ann  gethan,  bie  obbenannten 
Stüde  unb  33ehörunge  von  benen  v.  ^enjig  erblich  gefauft 
hätten,  unb  bewies,  wie  ftch'ö  vor  ©ertcht  gebührt,  baf  bie 
v.  ^Penug  länger  benn  50  3afw  juvor,  biefelbe  ©erechtigfeit 


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bort  tfönig  Johann  bcö  genannten  A>er;oaÄ  Johann  ©rofroater, 
erblid)  erlangt  nnb  befommen  hatten,  fo  baß  and)  genannter 

J^og  Johannes,  unb  nad)  ifym  alle  feine  WacMonnncn, 
önige  ui  Lohmen  unb  ^er^öge  \u  (S)örli$,  bie  angezeigten 
(&cred?ttgfetten  nie  gehabt  nod)  in  $fanb  gegeben  hatten;  aud> 
barum,  baß  bie  an  rem  jwei  Jammer  nidn  auf  ber  görlifyer 
«ha irc,  bie  er  in  Titian  gehabt,  fonbern  auf  „Sommerifdjer 
.paibe"  gelegen  hatten,  weldje  £aibe  unb  Jammer  feine  (Altern 
unb  SBerfabren  mand)e£  ,\ahr  Hnb  lange  $eil  vcv  angezeigter 
^fanbfe^ung  alä  erblidjeö  Vebn  gehabt,  unb  auf  ihn  werbt 
unb  gebracht  hatten,  llnb  wiewol  er  obgebacfyt  mit  Megefj 
t>erfer>eu  war,  weil  (Sfyriftepl)  Xalfenberg'd  Jtlage  fid)  nid>t 
Weiter  erftrerfte,  a(6  auf  bie  «£>aibe  unb  Rehorn ngen,  weld>e 
£erjeg  $an$  einfit  9citfel  t>.  SRedjenberg  feinem  8elter*5$ater 
verfemt  unb  auf  ^Bieberabfofung  oerfdjrieben  hatte  unb  er  foldje 
au6  M raft  ber  s«Berleir)ung  oen  Jtönig  9Rattt)ia6,  Iöb(id)e6  ®e* 
bdctytntfj,  erblidj  ut  haben  »ermeinte,  fo  hatte  er  benned?  and? 
bie  anberen  erblichen  <$ered}tigfeiten ,  wegen  welcher  er  niemals 
oerf  (a$t,  beten  aud)  in  (Merid)ttM>änreln  unb  ergangenem 
sKed>t(Mvind)e  nie  gebaut  war,  nid)t  verfdjwiegen  haben  tollen. 
Tenn  genannter  bbtittoyh  t>.  Xalfenberg  hat  burdj  ©efannt* 
fd)aft  eine  föniglidje  Jtommifjten  aufgebracht,  weburefy  er  trofc 
obiger  Umftdnbe  in  alle  bie  twrberübrten  Jammer  unb  23et>o> 
rungen  fttll  eingewtefen  würbe.  (§$  hat  aud)  ber  fönigltctye 
Anwalt  biefer  Sanbe,  wiewohl  ohne  Riffen  unb  23et>orwortung 
ber  Wannen  unb  *6täbte,  ihn  bie  ($i*weifung  thnn  unb  ra*u 
verhelfen  laffen.  60  aber  Jtaepar  0.  !fted)enberg  beulte,  ihm 
gefeberie  hiev  SBerhtrjung,  unb  ba  er  twm  föniglicfcen  Anwalt 
nittyt  erlangen  rennte,  ba0  be6t)al6  ihm  unb  feinem  38u 
bevpavt  ein  <$ertd)t<3tag  angefefet  unb  ;n  SRedjt  mbolfcn 
Würbe,  hat  er  bie  £aire  unb  bie  Jammer  wieberum  einge- 
nommen unb  bie  Vente  jur  ^ulbigiiug  gezwungen,  nidn  um 
etwaä,  baö  ihm  bind)  ren NedueM'prud)  aberfannt  war,  ni  behalten, 
fonbern  allein  barum,  raji  er  von  bem  föniglicben  Anwalt 
(fcanbooigt)  biefer  Vance,  Xagfa&ung  unb  gejiemenbc  Wedi  tobnlfe 
erlange,  unb  mit  feinem  iötberpart  ni  iKednöverbör  fomme, 
in  bem  sJWaa&e  unb  wie  er  felcbe*  vor  bem  fönig(id)en  Anwalt 
biefer  Vanbe  Wannen  unb  Stäbten,  öffentlich  gefprodjen  unb 
audgefagt  habe.  C>o  haben  aber  bie  gemelbeten  O'tyriftopb 
ren  Xalfenberg,  unb  «£>an$  unb  Wfolanö  Keyenberg  mit 


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91 

\%xtw  geifern,  au$  eigener  Waa)rooUfommenr;eit,  ebne  ffiijfen 
uur  Befehl  itönigltd}er  Wajeftat  uud  ber  Jerone  \\\  Böhmen 
ein  rdftged  $olf  oerfammeü,  mit  ^eeredfraft  ausgeflogen  unb 
bie  befagte  «öaibe  unb  Jammer  eingenommen,  Darauf  einen 
Xabor*)  unb  neue  ©efeftigitug,  ebenfalls  wiber  tiefet  £anbe 
unb  c  tä  r  >te  $rioilegta,  gemalt,  Hnb  Diefen  neugebauteit  1  aber, 
mit  einigem  Üriegdoolfe,  worunter  aua)  oiel  offenfunbige  unb 
»eitberudutgte  Strafieuplacfer  gewefen  ftnb,  befefct  (5c  haben 
ferner  Einige  tum  bem  Xabor,  Dem  genannten  äao>ar  fliegen* 
berg  an  feinen  Gütern  unb  beuten,  bie  in  biefen  gcridulidum 
Äneg  nidjt  gehörten,  großen  Schaben  uigefügt,  barurd\  Dafj 
jie  ihm  feine  äeietye  abgestochen  unb  gefttdu  f>aben,  aud>  rap 
fte  feinen  beuten  in  feinen  (Gütern  unb  ©erid)ten  einen  £Bageu 
mtt  £>eti  oerbrannt,  brei  Ddneu  genommen,  auf  ben  l\ibor 
getrieben,  bort  gefa)lae)tet  unb  t>er$er>rt  fyaben.  ftnb  über* 
Die*  (Einige  barunter  vom  laber  gegangen,  unb  haben  bie 
fentglicheii  €>tra(?en  merflid)  beraubt  unb  be/d)äbtgt.  S55ie  nun 
foleb  Ibun  an  beä  tfonig*  Wajeftät,  unfern  aUergnäbigften 
£errn  gelangt  ift,  bat  2e.  Wajeftät  ben  föntglia)en  Anwalt 
Diefet  Sanbe,  beägletajen  Wannen  unb  oiäbten  ernftlid)  ©efef)l 
gegeben,  äadpar  Diedenberg  unb  Gegner  auf  au;  ine  neu  rem 
*Red)tötage  über  alle  ihre  @)ebrea)en  leieehl  auf  bie  Jjpaupt 
fad>e  ald  and>  auf  bie  angezeigten  jufäUe  unb  «öuurei  bejüg* 
lieb,  ut  verhören  unb  ohne  öerjug  redHlid)  ra  nie  er  \\x  er* 
tarnen.  „®ir  verfebeu  tnw  au<t),  ran  £oldu\  benen  thie 
3&aare  unb  .ftaufmannäguter  auf  fouigliduu  (Strafe  genom* 
men  ift  roorben,  auf  angelegten  (Mendnotag  femmen  unb 
auf  (frfenntnip  beö  toniglictyen  Anwälte  Wannen  unb  6täbtett, 
fe&cn  werben,  ob  nidu  Diejenigen,  weUtye  ihnen  ihre  ffiaarc 
und  ÄaufmaunSgut  auf  ofener  fonigliduT  Straße  genommen, 
bie  vom  laber  gefommen  unb  naa)  ber  ihat  wieber  Dorthin 
juruef  gefehlt  ftnb,  feien  fte  nun  in  eigener  $erfon  ober  bura) 
ihre  Dam  »erorbneteti  Untertbanen,  mit  gewaltiger  unb  gewapp* 
neter  «£anb  an  benfetben  Ort  gebogen,  folgen  laber  ebne 
Riffen  unb  Befehl  föniglia)er  Wajeftät  unb  wiber  biefer  fcanbe 
Privilegien  gebauet,  ober  folgen  ©au  ui  tr)un  mit  ©ewalt 
gefordert  fjaben,  naa)  iXea)t  oerpflidjtet  unb  fdjulbig  fmb,  ben 


•)  Xabot,  eilt  j«r  £itfiten$eU  in  9§i>f>men  enlftanbfüft  ff  fr«  Drit 


r 

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92 


gemalten  6a)aben  $u  benötigen  imb  *u  bejahen."  <5o  wir 
nun  gern  fäfyen,  ba|j  unfere  greunbe,  bie  auf  angezeigtem 
©eriebtötaa  neben  bem  tonigücben  Anwalt  Mannen  unb 
6täbten,  im  föecfjt  ftfcen  follen,  ©rünbe  hätten  unb  wüßten, 
wa$  fie  in  biefem  galle  für  9fcect)t  erfennen  follen,  fo  ifi 
unfere  fleißige  unb  freunb(ta)e  33ttte,  3br  wollet  biefe  uitfere 
©djrift,  bie  wir  eilig  f)abeu  abfaften  laffen,  burebgefyen,  unb 
und  burd)  (Suren  gefcrjriebenen  *ReO)t$fprua)  *u  erfennen 
geben:  1)  ob  ftd)  itadpar  Siedenberg  Üraft  be$  verpönten 
WejeffeS,  feiner  (5Jered*tigfeit,  bie  feine  (SUern  unb  95orfar)ren 
erblia)  getauft,  unb  mit  Skrfafc  ber  «£>aibe  nicfyt  verjährte, 
begeben  fyabe  unb  berfelben  r)infort  verluftig  fein  foU,  ober 
weil  feineö  ©egnerä  Älage  unb  alle  ©eridjtäfyänbel  ftd*  nur 
auf  bie  verpfändete  £aibe  unb  ©eredjtigfeit  erfrrerfen,  ob  er 
burcr)  ben  ergangenen  *Recr)täfprucr)  an  feiner  ©ereajtigfeit,  bie 
feine  Altern  unb  <ßorfar)ren,  vor  SBerpfänbung  ber  <$erecr)tig* 
feit,  auf  berfelben  $aibe  erblich  gefauft  unb  alfo  an  fta>  ge*  • 
braa)t  fyaben,  ungefäbrbet  fein  foll?  2)  ob  er  nidjt  nadj 
6  ad)  läge  bie  ,,<Sommer'fa)*  $aibe"  nebft  ben  beiben  jammern 
baraHf,  al$  erb(id)e6  2ef)n  unb  ®ut,  ba$  feine  Altern  unb  • 
9$orfar)ren,  vor  vielbertifyrter  *ßfanbgebung  gehabt  nno  alfo 
auf  ir)n  gebracht  baben,  im  *Reebt  vertreten  unb  verantworten 
möge,  naher  unb  eher,  als  baß  ihn  ber  ergangene  Mcduofvrucb 
baran  binbere?  3)  ob  bie  (£inweifung,  fo  ber  fönig(ia)e  Anwalt, 
auf  föniglid^er  äommiffton  unb  bei*  gartet  Unterweifuna  er 
gangen,  obifc  SBijfen  unb  93evorwortung  08olwort)  von  Wan* 
nen  unb  Stäbten,  bie  boa)  nacr)  biefer  £anbe$orbnuhg  neben 
feiner  ©naben  in  biefer  <Sa«V  \n  <&erid)t  gefeffen  unb  erfannt 
hohen,  gerb  an  hat,  jtt  sKeclu  beftehc,  unb  ba  er  alle  bie  an« 
geieiaten  «£>aibe,  Jammer  unb  ©erea)rigfeit  wieber  mit  eigener 
vRaty  eingenommen  r)at,  ob  unb  wafl  il*m  fold^ed  vor  Qkxity 
f (baren  fann,  ober,  weil  bte  (Sinweifung  nidu  nad)  rechter 
Orbnung  unb  Vütberfcanmcn  biefer  8anbe,  unb  vielleicht  über 
ben  ©prudj  hinauf  gefrf)ef)en  ijt,  ob  ihm  fokr/e  (Sinweifnug 
ba  er  bie  «ftaibe  unb  Jammer  fd^ließlia)  wieber  eingenommen 
r)at,  *u  wrfyör  unb  ?Recf;t$erfenntnij?  fommen  mödjte,  nid)t 
barum  weil  er  etwas  ba6*  ifjm  nad)  9iea)t  abgefproa)en  war, 
behalten  wollte,  nidjt  in  93etraa}t  *u  jiefm  fein  burfte?  4)  ob 
(Fbriftüvh  t*.  Callenberg,  unb  §an$,  fowie  Wiefel  v.  9ferfum 
berg  mit  anbern  ir)ren  geifern  nad)  9lea)t  pflia)tig  unb  fa)uU 

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93 


big  flnb,  Äaäpar  v.  iKed>euberg  unb  feine  Verne,  bie  in  biefen 
@)erid}tdfrieg  nicht  gehören ,  reu  &ugefügteu  5$aben  an  gifd)en, 
CcHcu,  6eu  unb  SBagen  nad>  sii>erth  mtb  rerhdui-  Xare 
um  et  er  ;u  entarten  unb  in  wie  weit  biefelben  fi>ld>er  grevelti)aten 
für  ichuiDiq  uj  erachten  ftnb?  5)  ba  einige  auf  bem  Xabor 
gelegen  unb  von  bort  au6  bie  freie  fonicjiidje  Straße,  forme 
reu  .Raup  unb  jubrnuinii  befctyäbigt  uttb  beraubt  haben,  unb 
nach  (ölet)  er  Xbat  wieoer  ton  hm  cjcfo  muten  ftnb,  ob  uuht  - 
(ihruteph  v.  Battenberg,  £an$  unb  Wiefel  v.  Diedenberg  unb 
alle  ihre  Reifer,  bie  in  eigener  sJkrfou  ober  tuid)  ihre  baju 
-er in mete ii  Untertanen,  mit  gewalttätiger  unb  gewappneter 
jSanc  foldwu  Xabor  ohne  Riffen  unb  Befehl  föniglid^r  s»ta 
leitat  unb  wirer  tiefer  Vante  Privilegien  gebaut,  ober  jene 
£eute  &u  tiefem  Thun  mit  Gewalt  geförbert  haben,  nad}  vKcdit 
rcrprlielHct  unb  |'d)ulbig  ftnb  ben  $efd)dbigten  iiuen  erlittenen 
■Schaben  naef)  ^OBcrtt)  unb  nötiger  Xare  \n  eiferen  uno  vi 
befahlen,  ober  waä  hierin  töecht  fei?  I  an  3hr  (Sud)  tiefe 
SRüfye  nicht  verbriefen  laft,  wollen  wir  um  Onei  (ffyrfamfeit 
mit  unfrem  freunblid;em  I)ienfte  willig  unb  gern  verbienen. 
begeben  unter  unterer  3 tan  Siegel,  am  Montage  nad)  Van 
retuii  im  3af)re  be*  £errn  1499"*). 

„hierauf  fprcdwn  wir  3 d) offen  &u  9Ragbeburg  Btedjt. 
©o  <£fyriftiau  v.  Battenberg  vormatö  mit  «Kaspar  t>.  Dieken*  • 
berg,  über  bie  $aibe,  welche  £ert.og  Johann  ben  Äedjenb er- 
lern mit  100  3d)od  wietei ablösbar,  vertrieben  hatte,  allein 
im  9ied)t6friege  gegangen,  alfo,  baß  Srjriftopt)  t>.  Battenberg, 
bemelbteu  «Kaopar  v.  Diedenberg  nur  wegen  ftblöfuna  berfelben 
£aibe  allein  angefdjulbigt  ha<,  bort  aber  wohl  beraelbter  Stai* 
pax  v.  SRedjenbera  mit  bem  s2t*ietertbeii  alfo  burd)  Diejefj  ge* 
bunten  war,  alle  feine  <&ered)tigfeüen  ju  übergeben,  bei  &erluft 
rer  3ad>e,  werbe  er  bennodj  feiner  anbern  ©ere<t)ttgfeit,  bie 
er  an  ber  anbern,  von  feineu  Voreltern  vormald  von  ben 
$en$igern  au  ftch  gebrauten  <£>aibe,  benen  fte  von  Jlönia 
Johann  bem  Klinten  tnn fchn eben  gewefen  ift,  wenn  er  aud) 
feine  @ered>tigfeit  auf  biefelbe  £ait>e  iüd>i  mit  übergeben  fyat, 


').  €>o  »reit  fleht  bie  ©cfctjidjttUqahluu^ ,  $eü>ei*aufnaf)uie  unb 
ftragefteUung  ber  görlifcer  ©djöjfen,  meldje  in  ©örlifc  gefdjrieben  ifl  am 
12.  8iiguR.  ^«Rfölflt  ber  (Sprudj  ber  SHaabeburaa,  unmittelbar  untet 

« 

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I 


9  t 


nacr)  Hech*  uicr)t  fällig.  9iach  ©erlauf  beS  ergangenen  Hecf/t$* 
fprucf/a  if*  ihm  aud)  an  berfelben  £aibe,  bteweif  joldjer  ©pntcf;, 
auf  bie  aubcre  von  ^erjog  >hanne$  verfcf/riebene  Jftaibe  ftttx 
begeht,  fein  (graben  anzufügen,  fonbern,  ba  ber  obgeuannre 
Jtönig  Johanne^,  ben  Reinigern  mib  ihren  (£fben  erblich  ver* 
trieben  ^at:  bie  bürren  £öljer,  jteljenb  ober  liegenb,  Sfefte 
ober  abgehauene  Bäume,  Wafhmg  mit  Buffett ©ewäifern, 
Sachen  uub  bem  brifrcit  Xheile  beä  (finfommenä  von  ben 
Werfern  auf  ber  ganzen  görli^er  öaibe  aW  erblid>e  Sehen  ;u  . 
beftfren,  bie  Hechenberg  aber  bie*  in  berfelben  5öeife  von 
ben  *)3enäigcrn  an  fid)  gebracht  ^aben,  unb  biefer  (Berechtigfeit 
über  bie  vorerwähnte  £aibe  in  ben  früheren  $änbeln  fowoftl, 
alö  in  btm  ergangenen  (Sprudle  niemals  gebadrt  ifl  worben, 
fo  hätte  aud>  ber  fonigliche  ftnwaft  ber  Sanbe  bemelbten  @r)rifroph 
v.  Callenberg  in  bie  oberroä()nte  ^aibe  unb  Jammer  nicht 


feinem  @rbfaufe,  bei  welchem  biefe  £aibe  mit  ber  ^erfajfung 
unb  ben  barauf  rubenben  Hechten  nicbt  inbegriffen  nod)  Qitt» 
jugejogen  war,  fjinberücf;  unb  fchäblid)  fein  utufjte;  unb  ba 
Hed)enberg  biefe  feine  J^aibe  unb  Jammer  überbieä  wieber 
eingenommen,  in  ber  $(rt,  bafj  er  \\\  Reiher  unb  Hebräer* 
fenutmß  barüber  fommen  will,  fo  ift  er  beöl)a(b  Hiemanbem 
verfallen.  Gbriftopl)  Xalfenberg  aber,  welcher  bre  $ctit>t 
unb  bie  ^ämmer  barauf  mit  gewaffneter  .haut  wiebtr  einge- 
nommen, einen  %abox  bafelbft  gebaut,  uub  bamit  £errn 
ÄaSpar  v.  Hedienberg  fein  (figentrjum  unb  erbliche  ©ereebtig* 
feit  wibcrred>tlicri  genommen  bar,  mujj  bem  bemelbten  uaöpar 
v.  Hechenberg,  bie  (Dcwähr  berfelben  «£aibe  fammt  ben  4?äm* 
mern  unb  allen  3ubehörungen,  mit  95>ette  unb  Süße,  wiebet 
abtreten  unb  einräumen,  aud)  uberbieä  ben  gebauten  $abor 
wieber  abbrechen,  unb  fieb  bann  mit  bem  bemelbten  ,$a$par 
v.  Hechenberg,  wenn  er  an  berfelben  £atbe  einige  (Berechtig* 
feit  unb  Änfprudje  \u  baben  vermeint,  auf  Älage  unb  Änt* 
wort  befcheibeu  unb  richten  (äffen.    SBon  Hed)t$  Wegen. 

gerner  fpred)en  wir,  €>cr/öffen  jh  SWagbeburg  in  ber 
Sache  weiter  Hed)t.  Da  (Mniftoph  *>•  Battenberg,  auch  Sja\\# 
unb  Hirtel  v.  Hechenberg  mit  anbeut  geifern  ju  unb  von  bem 
obgenannten  $abor,  bemelbtem  Jtaäpar  v.  Hechenberg  unb 
feinen  beuten,  an  %i\d)m,  Cd) feit,  £vu  unb  3ßagen,  (Schaben 
zugefügt  ^a6enj  femer,  ba  etliche  von  benen  bie  auf  bem 


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» 


95 


%*bm  gelegen,  wn  bort  aud  bie  fon14l.dK  (Strafe,  fowte 
Den  Äüur  nur  gubrmann  befdjabigt  nub  beraubt  haben,  unb 
na*  Oer  Srjat  wieber  borten  aefommen  ftnb,  l>at  Gl>r#o*b 
t>.  Callenberg,  wenn  er  mit  »edjt  beffeu  befd>ulbigt  ijk,  e* 
ewgeftebt  rnib  fidi  ba*u  befennt  ober  beften  nueb  bic  9öe* 
fAtoi^tcn,  rote  Mctycn*,  überführt  (obirwtmnen)  wirb,  einem 
3eben  feinen  erlittenen  ecfyaben,  nad>  bet  JHägcr  3d>aeuug 
ober  best  lieber  fen  läge  reo  @erid)tö,  911  Labien  unb  wieberju 
ermatten;  biejenigen  aber  wcl^e  ben  Xabor  haben  Reifen  bauen 
aber  aufridjten,  »erben  foldjed  H)un*  falben,  wauägefefrt 
ba*  fte  bei  bem  €trat*itraube  (nc^me)  nidjt  zugegen  gewefen, 
mcb(  für  fd^ulbig  erfaunt  (iitc^t  t>orfaUcn).  «011  »edjtewegen. 
^erftegelt  mit  1111  feiern  3nficgel" 

3n  ber  9ia^e  ber  2>ingjiait,  im  Kaftfyaufc  befanb  fid> 
•  bie  „Solterfantnicr,  SKarterjiufrf."   3»  fie  würbe  ber  3*qitireni 
gebraut,  wenn  er  „in  ber  ecrjArfV  befragt  werben  foüte,  wad 
ter  gaü  war,  wenn  er  nid)t  „in  ber  Öhite"  gejiaiib. 

taö  magbeburger  ttedu,  nadi  weldjent  in  Worliö  fett 
bem  ,\abre  1305  mit  (Srlaubniß  beä  tfanbedberrn,  bem  s^rand>e 
nnb  ber  Oteirobnheu  nad)  aber  unzweifelhaft  fd>on  vor  btefem 
3abrc,  geridjtet  Würbe,  ift  enthalten  in  bem  $ed)t*bud?e,  wclcbeö 
bic  ctart  ®ortift  im  3.  1304  von  ben  sdjöffen  w  9»agbe* 
bnra  erhielt  unb  wcidjeä  no<r>  benre  auf  bem  JXatbfjaufe  vor* 
b an  reu  ift.*) 

3>*r  3nfralt  biefer  @efe$fammlnng  unb  »ecfjteorbnung  iffc 
auer u brlid)  angegeben  bei  £ d>et$.  **) 

*Mr  befrfnaitfen  und  bin-  nur  auf  eine  fur$e  lletarftcbt 
ber  9iecr?r6föüef  welche  oor  bad  ecr>öffeitgcricr;r  gehörten. 

abgeurtbeitt  würben  bort:  Jtdrpcn>erlc$ungrn,  9Rorb, 
Xiebftabl,  ?Kaub,  wirerred>tlid)e  unb  unbcredjtigie  93erf)aftung, 
SXorbbrennerci,  »ranbftifrung,  »otl)jud>t,  $macft,  gäl|d>ung, 
Unglauben,  3aa*crri,  «ergiflung ,  6elbfrmorb,  $riebbrud>, 
6lr  apenraub,  9krle$ung  bc*  £au$recrjtei,  unerlaubte  gcfjbc, 
U lun dn  unb  Unfeufdjljeit  überrjaupr,  «Uineib,  Äortbelfcu  ®* 
ddueter,  (Sntfufjrung  au*  bem  ©ericr/l  unb  gewaltfame  8e* 
freiung  befangener,  »efjerbcrgung  beamteter,  iBerfpotfung  be* 
ttatlp*  unb  ber  ©Höffen,  Scrjmäfcreben  auf  bie  Dbrigfcit, 


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96 


aufrufe,  Verläumbung  u.  f.  w.,  fon>re  über  alle  Sflle  ber  &iv>iU 
©eridjtdbarfeit  unb  reo  bürgerten  VerfefjrS.  3nt  Statte 
würben  wn  ber  Sd&öffen*$btf)eilHitg  bie  9ted)tef)änbel  fämmtlidj 
erlebigt.  »eru^gte  fi*  3<manb  beim  @»rud)e  ber  Stoffen 
nidjt,  fo  würbe  nadj  sJÖtagbeburg  an  Die  Stoffen  ober  an  ben 
Jtonig  getrieben,  welche  ©eitläujtgfeiten  freiließ  bie  tfofteu 
ber  ^rojeffc  fel>r  ersten. 

Stuf  ben  mä\tm  ber  oben  genannten  Verbredjen  ftanb  ber 
$ob,  auf  welken  man  aud)  gewöfynlid),  wenn  man  bed  Xl)ä* 
terä  t)abr)aft  werben  fonnte,  erfannte,  unb  ber  burd)  ben  Strang 
ober  baä  Sd>wert  vollzogen  würbe,  ^inridjtungcn  mit  bem 
Schwerte  WMrben  gewöf)iilid>  auf  einem  ber  tyitye  ber  Stabt,  . 
auf  bem  «£>ering$marfte,  ferner  in  ber  ©egenb  ber  Söaagc,  vor 
bem  ^Kathbaufc  unb  auf  bem  Untermarfte  »otogen.  3ur  ^ 
\dnc(t[uu]  für  bie  übrigen  rief  ein  ?Katboherr  ba$  llrtel  auf 
ber  «Ridjtjtätte  mit  ben  ©rünben  beö  (Srfenntnijfed  au*.  £in* 
ridjtung  mit  bem  Strange  erfolgte  am  ©algen. 

3)er  ©algen  war  int  Selbe  auf  Subwigöborf  ju.  1432 
ftanb  ber  ©algen  unten  an  ber  Steiße,  in  ber  9iäf)e  ber  ©olb* 
grübe.  (Sr  würbe  in  biefem  3al)re  vom  großen  Gaffer  weg* 
griffen,  wa$  1442  abermals  geföah.  darauf  ließ  ber  $atf) 
einen  ftetnernen  ©algen  auf  3afob  ^üttner'S  ©runbftütfe  an 
ber  ^obe  erbauen.  31) in  würbe  bafür  vom  "Mathe  ber  $\n& 
erlafjen  bis  auf  eine  £ufe  l'aureo.  .  3afob  $üttner'd  9tad) 
folger,  Martin  Sdjlrife,  t heilte  ba$  ©runbftürf  in  19  ©arten, 
wonadj  nur  ber  ©arten,  auf  wcld)em  ber  ©algen  ftanb,  ge* 
fdjoßfrei  blieb.  1710,  ben  1.  Dftober,  würbe  ber  ©algen,  an 
weldjem  56  3af>r  9ciemanb  gegangen  l)atte,  wieber  in  Staut) 
gefefrt  Die  Straße  na<$  ^ubwtgdborf  führte  früher  ben 
warnen:  ©aigengaffe,  welker  Äame  juerft  im  3.  1432  vor* 
fommt,  unb  tyeißt  feit  bem  3af)re  1849:  iÄotfyenburger  Straße. 

£nbere  Strafen  waren  Ääbern,  Verbrennen  unb  Menbig* 
begraben,  boeb  ftnben  fut  wenig  Änbeutungeu ,  baß  folcfye  ge* 
übt  worben  feien.  8ud}  baä  Vierteilen,  bei  Stabtverrätfyern, 
fam  vor  unb  würben  bann  jur  Sfbfdjrerfung  bie  vier  Stüde 
be$  getdjnamö  an  ben  £aupt*Stabttljoreu  §ur  Sdjau  geftellt. 

3n  allen  benjenigen  fdjweren  Sailen,  wo  man  De*  Verbre- 
djerd  mdu  habhaft  werben  fonnte  unb  bei  leidueieu  Vergeben, 
wie  lingual,  betrug,  falfdjer  Angabe  beä  Vermögend  u.  f.  w., 
trat  bie  »etyung  ein.  2>ieje  Beßtung  ober  »d>t  bejtanb  bann, 

.  •'  -  ♦  •  *.  / 

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97 


U$  ber  (Beamtete  au*  ber  Stabt  unb  ihrem  ©ebiete  gewiefen 
nuD  bei  Obre  oerluftia  ging,  Bürger  Don  ©örlifc  <u  fein. 
Urfpränglidy  hatte  bie  «eebtung  feine  grojie  Iffitrfung,  benn  ein 
p  Utrufc  @eäa)teter  tonnte  ft*,  o()iie  baß  bie  Stabt  etwad 
jagen  burfte,  l  58.  in  fcauban  anhalten.  Da  bie  SBirfung 
neier  (Siujel;&a>t  nun  aar  niajt  ben  erwünfdtfen  (Srfola  hatte, 
trat  im  3-  1339  056rCt$  mit  ben  Stäbten  $re*(au,  Slogan, 
Seuaarft,  $au$en,  Samens,  l*öbau,  Streben  unb  Chlau  in 
einen  »unb,  wonach  ein  in  einer  biefer  Stäbte  ©eäajteter  and) 
in  allen  ben  genannten  Stäbten  unb  ihrem  2Beia)bilbe  fia) 
nidn  nieberlajfen  Durfte.  lOiit  ber  Stlbung  De*  fed^ftaDtiidum 
SunbeS  im  3-  1346  trat  baffeibe  <tterf)äUmj?  für  alle  Sea> 
u arte  ein.  Barett  8ua,ri|fe  auf  ben  $unb  al*  folgen  ge* 
fa)el)eu,  fo  «erhängte  btefer  unter  feinem  Warnen  Die  Vi  du; 
unb  ee  Inejj  bann:  „er  ift  in  ber  8ea)öfiäbte  sMn."  3m 
3.  1355  »erorbnete  Jtönig  Äarl  IV.,  bap  Der  SeajSftäbte  S(a)t, 
gleidjbebeutenb  ber  von  ihm  felbjt  audgefproa^enen,  „be<3  Mo 
uig4  ?ldu"  fein  foUe,  wa*  bem  SSunbe  mein  SBebeutung  gab. 

(ya  fommen  SBcifptclc  »or,  ba?  bie  Ka>i  nur  angebroljt 
wurbf,  gälle,  baß,  nad*  einigen  3af)ren  Stabtserweifung,  gegen 
eine  ©clDbufe  bie  9tücffcfyr  geplattet  warb;  gewöbniid)  aber 
war  bte  iHdu  auf  Sebenejcit  aHägefproajen,  unD  nur  wenn  ber 
Siebter  im  ©efolge  bee  Jtonigt  in  Die  Stobt  r)eimfel)ren 
tonnte,  würbe  er  wieber  als  Bürger  angenommen. 

2öer  iu  be*  Äönigd  unb  ber  Sca)$ftäbte  &dj)t  fam,  »er* 
Ipr  alle  feine  ©üter;  waren  e*  gehen,  jog  ber  Äönig  fte  ein; 
hatte  er  @rb'<£igentl)um/  sog  ed  ber  Statt)  ein. 

©urbe  über  einen,  ber  in  ber  (Uewalt  bed  Natbcö  war, 
bie  Bajt  audgefprodjen,  fo  mufjte  berfeibe  erft  „ürfehbc  fa)wö* 
ren,"  b.  h-  geloben,  ba^  er  ftd)  wegen  erlittener  (Strafe  nta)t 
rächen  wolle,  unb  Dann  wurDe  er  auö  ber  Stabt  biä  an  bie 
(M ren;e  beS  3öcta)bübe$ ,  Dura)  ben  genfer  geführt.  tHu t< ei- 
tern SCudDrucf:  „bie  Stabt  Derfagen,"  „bie  Stabt  ocrfdjwöreu," 
fommt  lateinifch  bad  ©ort:  „proscribere"  oor.  s3)*an  fa>ricb 
über  foldjc  gälte  wenig  nieber. 

liefen  Strafen  ftauben  nadj  bie  Strafen  vi  $aut  unb 
£aar.  6(3  fonnte  bie  £anb,  ein  gütjjer,  häufig  ber  Baumen, 
bie  Dljren,  abgefdjnitten  werben.  23ct  33ranbmarf ung  würben 
bie  £aare  abgefdjnitten,  wag  als  aroje  Sa)anbc  galt,  ebenfo 
bie  öffentliche  3w*«gung  m$ ^B^^  ^  **W*m  <™ 

9cfdi  tdjt«  wen  9örli|.  STAADS"*  * 

3IBUOYHBK 


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98 


£al$eifen,  welo>*  bi«  1569  an  ber  Söaage,  feitbem  amSa4f>* 
häufe  angebradjt  war. 

3n  vielen  gälten  würbe  ©elbftrafe:  ,»n$t"  befahlt. 

Stußer  biefem  fönigliO)en  ©eridjte,  beftanben  auf  jcbcm 
Dorfe  @erid>te,  welche  aber  nur  Heinere,  niemals  &<fpital*8äUe 
abzuurteilen  hatten :  Sanbgericfyte  OPatrimonial  *  ©eria>te), 
,,9tügegeria)te''  genannt. 

Die  ©rbnung  be*  ftngegertd)t$  *u  ©örlifc,  Dom  3.  1418, 
weift  naa),  baß  von  jebem  ber  ba$u  gehörigen,  naajftef^enb 
angeführten  Dörfer  ber  ftidjter  unb  $wei  6a)öffen,  in  i$x* 
mcingelMng  eine*  sJNd)terö  bic  älteftcn  dauern,  aUemal  am 
(Sonntag  tfätare  in  bie  6tabt  fommen,  bie  ihnen  befannren 
©efcfrüberfdjreitungen  anmelden  („rügen'')  unb  vor  ben  fönig* 
lidjen  ftid)ter  bringen  mußten. 

Diefe*  ©erid)t  ging  ein  mit  bem  3af)re  1562,  al*  ber 
^önig  bie  Ober*  ©erid>töbai  feit  ber  8tabt  entzog. 

SBelrtje  HuebeljnHng  ba$  Bericht  f)atte,  mib  wie  groß 
fein  Bejirf  war,  ergibt  folgenbeS  ^erjeidjniß  ber  Drtfcr;aften, 
Grubeliu**)  a.  a.  £>.,  6.  69  ff.: 

&rn$borf;  %[%  Sernöborf  (Sernbarb** 
Söalbramdborf  (ob.  SeUmann**       borff ;) 

borf);  ^ernftabt  ($ern$borff); 

SBarutr; ;  £>ber  $ertbel<ftorf  ($ertot*borff 
33ar*borf;  sup.  Beinamen:  Ungetreue, 

DeutfaV  (Dber )  Gielau  (Bela       aufm  «gen,  alben,  #er* 

Teutonica) ;  telSborff); 

lieber  Gielau  (Bela  slavica):  $ieftg  (93efag,  SBefaf); 

üBityain  ($el>ai>n);  ©roß*  unb  Jfrein*»ie*nie; 

SefamiSborf  (lag  am  3aner*  $ifd)borf  (93ifd>offeborff  mit 

nirfer  $erge  unb  ift  1429       bem  3ufa$e:  cirea  Keiften* 

von  ben  4>uftten  ber  (frbe  hart); 

gleia>  gemaa)t,  nie  wieber  $orberg  ($ode$berge) ; 

aufgebaut  worben);  9iieba  ($oran  bei  &eba); 

»ei»i|;  ^rießnifc,  Sriftg  (Srefewicj); 

Berna  (Bernau);  $röfa  (33riftn); 


*)  KftffM  in  ber  laufi&ifaftt  SWonatafdjrift,  <8anb  f.  6.  342  ff. 
"  U  f.  85  ff. 


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»0 


SraHdfe  (BruScfe); 
Sremerttjain  (Bromiiennain) ; 
$udn*ato; 

Suba  bei  älein^Jcabmerifc; 
(Sana; 

Glitten,  Glitten  (Gfetin); 
Stelm  (Golmen,  SXoima,  Äo(- 
nron); 

Äwibcrf  (Gotirabi*borff, 
GonräDorff,  Gunrtfborff,  mit 
bem  93eifa$c:  6dbenberij) ; 

Ämincrdborf  (vorige  tarnen 
mit  bem  ^eifafce  tixca  <&v 
benhubea); 

tfortmy, 

Goftaia; 

äoberdborff  (Goffir*borff) ; 
Ären^eldDorf  (Grinfleteborff) ; 
GromelSborf; 
Ärif  cr>a ; 

©ro^Äraufctye  (Croschin  an- 

tiqua,  magna); 
Äletn  *  ÄraufdK  [Cruschin 

parva) ; 
Grobnifr  (Gröbern*) ; 
Greba; 

Guna  (Äunaro,  ÄHne); 
Gunnerroie; 
Äi^er  (Guwfera, 

Gopfer,  JtoMer)? 
3obel  (Gjobel); 
DaHbty  (Daupj, 

Dato*,  Ducj); 
Defctyfa; 
D'cterabacr) ; 
Dittmaröborf;  . 
Doberö  (Dobra,  Dobirrodä, 

Doberroies); 
Döbfcr/ü$ ; 
Dotyenrifc; 


Giipra, 


£f)omfj  (Dornig,  Dome); 

DornrjennerSborf; 

Drena,  bei  @ro0rabif(r)  (Dre- 

naro) ; 
Dürnbach 
Diebfa ; 
Gberäbad} ; 

$Uilf)dmfneittf>al  |(Gfe(*bergH 
Grid)*borf  (ftef>t  in  ben  Re- 

gistris  villarum  immer  *>in* 

ter  Gber*bad>); 
grieberäborf; 

Rlordborf  (giorö;,  glorin**, 
gloren#borff,  mit  bem  S3ei* 
liamcnsuperior  et  inferior) ; 

9*tfo*  (Sorfricbeu,  and) 
Älein- Sorten); 

«Bogtäborf  (gowtfborf); 

©ebd^  (©ewdcjia,); 

©efjege; 

©ernneSborf; 

©erdborf  ; 

©eibdborf  (©e^bicjOborf); 
©erlad^ljdm ; 
©lehrte; 

©loffen;  *  ' 

©nrig  (©orf,  ©orifl); 
©robi$  (©robiö,  ©rabf*); 
©runa   (bei  <£d)reiber«borf, 

prope  Scribersdorf) ; 
©mna  bei  6d)önfelb; 
©utte  (©utttn  ober  ©orra); 
©o^voifc  bei  ®<fröp$  (@nfta* 

totq); 
©ünrtjerSborf; 

talbau; 
albenborf  bei  6d>önberg; 
»ammerftabt; 
Ktltgenfee ; 

lermerSborf  (£dwri<^iorf); 


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400 


>rf  (£erman$torf)> 
lerbigdborf  bei  Söban; 
>eiber$borf  (£e9biurid)$torf)  j 
indjen  (£et?nid>in); 
>über$borf  (^püberdtorf, 
serStorf ;  «ftübewigStorf) ; 
£oltenborf  (Volenti  uborf, 
latinborfl,  £otientorf); 
>orfa; 

>aug$borf  (£ugi$borf); 
i  ab  m  cn ; 
3änfenborf; 
3auernirf; 

Jteule  (Stank)  bei  9)iuöfau; 
Äemnifc  ($empmcj) ; 
Jtiediingäroalbej 
^idlingSborf; 

£>ber*  unb  lieber *$ieäborf ; 

tfirdtftabt  bei  etenfer; 

äittlifc; 

ßlingcwalbe; 

^oberöl)a\)itj 

©oföüfr  («ftoföicj); 

tfofel; 

ÄbSlifc; 

tfottmaräborf  (JlofcmerSborf, 
JtoSmarätorff); 

tfömgdtyain  (oft  mit  beut  3«? 
fa$:  auf  bem  ©ebirge); 

Gtafdjel   (Jtofdjeü  .    au$  $0* 

fdjcle  bt>  beu  #ctin); 
tfortennq; 
.faupe; 
.ärifdja; 
Jtreba; 

SRieberfyalbenborf  bei  6d)6nberg 
(Jtttqal,aud;  iturfraget); 


Jhmborf; 
Langenau ; 

Scuba  (Sawbc,  Sube,  fietvbe); 
Sautty; 

SewtolSfyatyn)  j 
geilen  j 
Seippa; 

Senifö  ®M* 

Semifdjaw); 
Sefdjroifc  (£ed)ett>iq)k'; 
Siebffein ; 

Sinba  (aud)  Xüia); 
Sickenberg; 

Sifja  (Seffe,  Seffm  circa  $eucf, 

Scqin); 
Siebein  (Sobelin); 
Stltin  *  Siebein   (itlein  *  Sobi* 

*in); 
Sobe  (Sfllobe); 
Somnifc  (Somaq); 
Subwigflborf; 
l'auterbad); 

9Raff$Wi$  (Walef^eiDics); 

^eHfd)tt>i$  p3Raufd)enicj, 

9Rawcjcniq,  SNuffcniq, 

5Dicfd>n>kj) ; 
9Reufc(iM$  (Ilttt>fefo>tq,  3Rh* 

fdjelroiq,  SRujtfwiq,  3Wi$; 

lan>icO ; 
9)carfer$borf  CäJtarquarSborff, 

9){  areferö ;  3Jcargwar^borff) ; 
«cengelöborf  (SÄengeröiorff) 

bei  9teid)enbad); 
9)celaune  (3Neran>); 
§o$tiTd)  (9Kelin*iorff,  3Reli$* 

torff,  ^elanätorff;) 
Wilde  CJHicfaw); 
«Ritylrofc  (SRilraföj 


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101 


^)lü(f  enbamt ; 

*Jcublbc(f; 

Imfas; 

#00$  (9fan>$,  Siatris,  9fe? 

bi$); 
Wccfca  (9ted>au); 
Bieter-  9?eimborf  (Sterrnbprf 

circa  Rotenburg); 
Ober  ^eunberf(^en>nbcrfrirca 

G$cbcl) ; 
&lri!t'9iftinbcrf  (-tfenmborf 

circa  fcanbtecrcn) ; 
Sterrmrorf  circa  (Bruna  ($0<$* 

ftreft) ; 
9teu'äretfctyam; 
9ceunammcr; 
$ifla$borf; 

fliefrifö  (Wcfero«,  XMMI); 
9cecr)ten  (Wcltbin); 

Neubau«  (mwen  bwje) ; 
i?rcrni$  (Dbfrnfq,  Drern); 
älein-Dctenifc  (Osin  parva, 

erer  rcentgin  £>.); 
©ternaifc  (Olff  b^  bemGolme); 
Defffä  (Cleuljtn); 
Oppeln; 

UWmann^orf  (Ofmborff); 
SBeRMMirffig  (Ossec  slavica); 
DcurfcbeiTtg(Ossectcutonir.i  ; 

Cttencorf : 
<l<aul*borf; 
^ecfjern; 

^emiijbammer; 
^etereijatn, 

^faffenborf  bei  gauban  ($faf* 


fenborf  circa  ©Dönberg,  bty 
ben  Suban); 

fem^faffenborf  (b»  ber  San* 

bf  6cronj ; 
*ßorbe  bei  *Rcia)cnbad)  (<ßerrob, 

gerrere); 
^efettrnborf  (*ßofenan>,  *Pofe* 

ntq); 

«ßrtbu«  ($rebec*,  $rieb*); 
$rad>cnau ; 

*Hpberofa)e  (*ßonbercfe); 
$obli(f; 

Onifcborf  (Onirtenberff,  Ouifc' 

borf  bx>  ber  Defe); 
Duoteborf  (Jtol6*,  Äofenborff, 

Quolinäborff); 
$acr)enau;' 

ftabifa)  (ftabeSc^attO; 
9tieberf)eltenborf  am  $erge 

(»Habeberg  1390); 
fRabmerifc  (@ke$*9tabniene, 

magna    by  der  Nysse); 

jUein*Wabmeri&,  parva  by 

Glossin;) 
ftaufaja  CJtatr^fa); 
fteninie  (ftarctbenifc,  Wufyc* 

nicO; 
RetyeittaA ; 

Weber  *  fteitfjenbacr)  (fteieben* 

baa)6borf); 
<Reid>n>a(be; 
föengerflborf; 

ftenneräborf  bei  3i«au  (ften** 
torff); 

9Hrtf4eit  (Wtftyci,  9Wfa)iit, 
«Rotenburg; 

£ber*  h.  Wteber'ftubeftborf; 
ftaHfdpalbe    ( 9*ua)em*a(be, 
«Ruftymralbe); 


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10* 


9tupper$to>rf  (muppred>töborf) ; 
lieber  -  $eid)manneborf ; 
©alomonSborf    bei  ©örlifc; 
(Särgen; 

.©djeiba;  (©djibe); 
©djönberg; 

Ober-    Hiib   lieber ;©d)ön* 

brunn  (©dwitborn)*, 
©cbönfelb;  ©<rni&enr>aw 
©ee; 
©ererje} 

9Ut*©eit>enberg  (©.  alte); 
©eibenberg-, 

©icbenfjufeii  bei  ^unnerdborf; 
©eiferöborf  (©tjfcreborf  vor 

ber  «£>et>be); 
©cfylaurotr;  (©lawrotr;,  ©(a* 

©d)tieüeRfnrrr); 
©clatib; 

Ober*  unb  lieber* ©ofyre; 

©onrteiftg 

©pree; 

©preewifc  bei  ©ee; 

©tangenbain; 

©launcrpifcr); 

©reinbadj  (©tingbad));  . 

©toljenberg ; 

<stoUenhawi ; 

©obernifc  (©uberntq,  ©on>* 
berniq)  bei  @)ebel&ig; 

©rrawalbe  (bei  ^errnbutlj); 

Xaudjrifc  CXauct)eri$,  XljaH* 
roS,  Sparte); 

Xiclty  (Xelcj,  Seite*); 

Xetta  (£ettan>,  Xett,  Jcleitt* 
2f>ece); 


Xbiemenbarf; 
£eict)a; 

3>efd)fa  (Xcfdjfaw); 
XcrmerSborf  (XormelSDcrff 

bei  9totf)enburg ;) 
Xrebiiä  (Xrebiä,  Xreb^c^); 
XraMau  (Xrappte(att>,  Xrap* 

(enarc); 

Xroirftfyettborf  ( Xrorfdjenborf, 
£>rofd)eniorf,  Xrawfdjen* 

borf); 
Xcrge  (Xurgaw); 
Uftyß  (Ugeftin  circa  ©robe*, 

Dp*,  Ugidf); 
£>ber4lUeröborf; 
$ierei$en ; 

SBar$a;  siBeiftenbcrgi  SBcrtoa; 
müh   (Söelcfaw,  S^ldo», 

2BcUtfan>); 
SBanifdje  OBenfcrmn),  SÖeirr* 

feftaro,    2ßenif(r)o,  Statt' 

fd)an>) ; 

ü&eigerdborf  (Sßigcfoborf,  2öi* 
ginäborf)  bei  ©rofj'jKabifcr) ; 
Söiefa  (2Öife,  2ße$e); 
3entenbor(; 

3*>blt^  (3obo(H$f,  Gjobilifcbd, 
(pöbelte  mir  berr  3Hfä&en 
circa  *Reid)enbad) .  u.  circa 
tfittlifc,  circa  2obe);  . 

3obel; 

3oberniJ; 

3wefa  (3wefaw,  &Mfau, 

(S^tvicfau,  (^weefau); 
3ef)rbeurel    (^erbeucel)  bei 

3ibeüe  ((^ebelle)  bei  SRuSfau. 


1 


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» 


^weites  Juri). 


Seit  »tgrünonng  tt*  f«*8jWbttf*en  »nn*e*  6i$  o«f 
bot  «pönfnff  (»on  1346—1547). 


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• 


t 

(?rflfö  Äopitr l. 

Ü>ie  (Drunbung  beö  93unbe$  ber  3ed>6jtäbte  in  ber 
Dberlaufifr  unb  ba6  $erl)ältni#  ver  6tabt  (Uärlifc 

ju  bemfelben.  *) 

Siefen  93unb  fa?(offen  bie  (Etäbte  kauften  (93ubifjin), 
@örli&,  3*^U/  fcöbau,  tfauban  unb  Jtamenj.  93aH$en  ifr 
tebcnfallä  bie  ältefle  Stabt  in  ber  Dberlattftfe;  eS  war  fd)on 
©tabt  ;ii  üietmarfl  von  $Xerfeburg  3e*t*nr  ber  fie  tn  feiner 
befannten  (Sfyroncf  immer  fo  nennt,  2$on  ihr  erhielt  baä  £atib 
bie  fJejeidjnung:  SRarf  Subifftn,  bi$  1268  bei  ber  Tbeilung 
ber  Sfame:  Sanb  Snbtffin,  8anb  ©drli$,  üblid)  würbe.  £öbun 
feil  jwar  ber  <Sage  nacr)  bie  ä(tefte  ber  £5ed>6ftäbte  fein,  wirb 
aber  rrft  1259  alä  <5tabt  erwähnt,  tarnen)  war  lange  ein 
mittelbarer  Ort  unb  geirrte  ben  in  bcr  <Mren$itrfunbe  von 
1213  juerft  erwähnten  Herren  von  Äamenj;  bie  <Stabt  ift 
bureb  $Rarfgraf  3Öalbemar  von  SBranbenburg  am  Anfange  beö 
14.  jaf)rf)unbert6  M)ren  bisherigen  93e|t$ern  abgefauft  unb  ba- 
burdj  felbftftänbtg  unb  unmittelbar  geworben.  Zittau  gehörte 
bis  1253  bem  böbmifdjen  £errengefcbled)t  von  ber  ?eipe  unb 
erhielt  in  biefem  Ijahre  von  jtömg  $fcr)emi$l  Ortofar  11.  von 
53öt)men  ba$  <5tabtrecr)t.  VanKm  fdjeint  immer  ber  €>i$  eined 
flavifdjen  Supanä  in  alter  3e*t  gewefen  ju  fein ;  über  bie  (5r* 
langttng  bc6  <5tabtred>t0  if*  nia)t$  befannt,  wie  überhaupt 
3ittau  bie  einzige  <Sed)$frabt  fft,  von  ber  wir  bie  SBewibmung 
bamit  fennen. 


•)  OJeral.  4?erina,  »on  bcr  ©erbtnbung  ber  <gec$*ftäbte.  3n  ber 
Jauftftifd>en  WonaMfchrifi  »on  1793,  I  S.  273,  321.  II.  <£.  1  ff.  Äcfjler, 
ber  «Bttnb  ber  @ed>«päbte  m  ber  überlauft^  eine  3ubelfcf>rift.  ©örli*  1846. 


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106 


2öie  ber  3)rang  ber  llmftänbe,  bie  9(otf)wenbigfeit  einr/eü* 
lidjen  $anbe(n0  in  ben  friegerifdjen,  anard)ifd>en  $tittn  beö 
gauftredjte},  in  aubcreit  OJegenben  M  reutfd)en  9Baterlaube$ 
bie  StäDte,  welche  ber  einige  Sifc  beö  ^anbefö  unb  ber  ©e* 
werbe  waren,  *tim  3nfammenl)alten  $wang  (1250  ber  breifaa)er 
StäbtebuiW,  1253  oei  weftpbälifdje,  fpdter  ber  grope  rrjeinifcfje, 
1321  rer  marfifdje,  1331  Oer  fd)wäbi|d)c  Stäbtebunb  ie.),  war 
bietf  um  fo  mel)r  ber  Sali  bei  Den  obengenannten  fec^ö  Stäbten, 
bie,  inmitten  eineä  räuberifa)en  21bel$,  an  ber  ©renjc  beö 
berg-  nnD  burgeureid)eu  93öbmen$  gelegen,  nur  erft  fpät  w>n 
s4$rag  r)cr  £ilfc  erwarten  fonnten.  SSubiffiu  unb  ©örlifc,  bie 
beiben  größten  Starte,  wela)e  bauptfadjlid)  bura)  ben  beftäH- 
bigen  £anbe6r;errenwed)fel  ui  leiben  hatten,  fa>loffen  im  3.  1329 
ein  $5üntmip,  bei  Strafe  von  2000  9ftarf  Silberä  an'  ber 
Ärone  9ör)men  )u  galten. 

Äönig  3ol>ann  oou  Böhmen,  ber  ftets  mit  ber  9fittecfd?aft 
feines  Vaubeö,  wie  überall  in  ganj  i)eutfd)lanb  Die  £anpe$; 
fyerreu,  um  bie  Souveränität  im  Streite  lag,  bereit  8lu$übuna, 
jene  hemmen  unb  unterbrürfen  wollten,  eifaunte  fern  fdjlau 
baä  Stäbteleben  alö  einen  $wetf  mäßigen  ©egenfafc  ber  un^ 
mäßigen  ^lufprüdje  bec3  2foelö  an.  <£r  unterftüfcte  feine  Staate 
beäbalb  burd)  bie  oben  angeführten  oortreffricr/'eu  ^rioilegien, 
bie  fte  bem  geibfyungrigen  Surften  immer  gut  bejahen 
mußten,  auf  bie  naa)örüdlia)fte  s2i*eife.  ®r  fteütc  baö  93er- 
bjUtttij  Der  töitterfajaft  \\i  ben  Stäbten  feft  unb  verfprad},  bie 
Dberlaufife  niemals  mel)r  wt  Böhmen  ju  trennen. 

Doa)  hinberte  ber  gefürd)tete  Scame  be$  ritterlichen  äoiiig* 
mcr)t,  bap  eine  Sttenge  Vanbeäbefctjäbiger,  ftd>,  wie  a.efagt,  im 
Bereiche  ber  Oberlaufs  unb  beä  benachbarten  böljimfcrjen  @e- 
birg£ftrid)ed  feftfefcten,  welche  bie  fabjrenben  £eute,  bie  Äauf- 
leute  uno  Bürger  ber  Stäbte,  auf  ber  fcanbftrape  überfielen, 
beraubten  unb  branbjtfjafcten.  £a$  töed)tfprechen  Der  Sa)bffcn 
in  ben  Stäbten  allein  geuügte  natürlid)  nia)t.  3>er  Sprua) 
mußte  nachbrürflicf)  unterfrüfct  werben.  Daw  brauste  man 
jeoed),  ba  bie  Si$e  unb  Sa)lupfwinfel  ber  SanbeSbefcMbiger,  bie 
93urgen,  oft  fcf>v  groß  uno  ftarf  waren  ,  SJfatht,  uut>  triefe  fam 
aue*  Bereinigung.  Hud)  anbere  Umflänbe  zwangen  §ü  einer 
foldjen. 

2>ie  inneren  Unruhen  in  ben  (gtäbtert,  ber  üampf  mü 
ben  ratl)*befäl)igten  ®efcr>led)terii  um  Hntr,eil  an  ber  SlabU 


* 


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407 

Verwaltung,  veranlagten  bie  t*erfd)iebeuen  ftätfye  ber  fed>6 
Stätte  fid)  enaer  ju  serbinben ,  ein  cd)«^  unb  Irufybünbiuti, 
jbwer>l  nad)  innen  a(£  nad)  außen  einjugefyen;  rie  t> d n fi f| 
jahrelange  Slbwefenrjeit  3cf)«nn^,  ber  immer  JUiegen  unb 
Zurnieren  nad)jagte,  au$  feinem  &eiiigieid)e,  brängten  raeljr  unb 
me^r  ba$u.  Die  flbwefeuljeit  beö  Jtönigo  in  bem  franjöftfaV 
engludu-n  Kriege,  (wo  er  1346  am  2u,  *Hug.  bei  (Srect)  ben 
^elDcntcD  ftaib),  unb  bie  s3efiird)tHug ,  es  utod)ten  au*  ber 
ISarf  ober  burd)  Jteuig  JCaßmir  oon  ^olen  fetnblidjf  xMn.u  inc 
auf  bie  gatt)ifc  erfolgen,  befa)leunigten  ben  tHbfdjluß  beä  öüno 
niftcd,  ui  weld)em  ber  bamalige  i'anbooigt  .hauo  >v  2Berga* 
noirifc  i'elbjt  rieft),  in  erfolgte  am  Montage  nad)  Marien 
>Sttr$*2ßeir)e,  alfo  am  21.  Vluquft  1346,  in  ber  6tabt  göbau. 

Die  ^erbinbttitq^urftiitbf  würbe  \>on  jeber  6tabt  für  bie 
duberen  fünf  (rtäbte,  alfo  in  breißig  (fremelaren  abgefaßt. 
5tenig  £arl  lcijte  biefem  ^ünbntß,  weldjetf  am  flnbreatfabenbe 
1350  in  £öbau  nodjmatö  feierlidtfi  erneuert  würbe,  uid)t£  in 
ben  *Beg;  er  begünftigte  e*  vielmehr  unb  gab  im  3.  1355 
einen  (Irrlaß ,  weuad)  bem  fed)*ftäbtifd>en  93uube  bie  $ollmad)t 
ertheilt  würbe  alte  fa>äbiia>en  ^Hrgen  tu  ^erftören,  ferner  titelt  iu 
mi  Ire  Ii,  baß  cftne  bes  Äenigä  tfrlaubniß  neue  <5d)(öffer  erbaut 
würben;  enblien,  wie  febon  angegeben,  baß  3*ber,  ber  juwiber*  • 
hanbeln  würbe,  in  bei  £ed)*ffäbte  flty  fein  feile. 

Söpn  ba  an  würbe  bie  8d)t,  eher  —  wie  öfter  oorfommt  — 
bie  Skbme  ber  £ed)öftäbte,  ber  Sd)rerfen  aller  Raubritter  in 
ber  Dberlaiiftfc  unb  ben  aiigreu^enben  2anbeötl)eilen.  4piernad) 
atte  ber  93uub  eine  rid)ter(td)e  Gewalt,  bie  nod)  babura)  oer> 
ärft  würbe,  baß  biefem  eft'entlidjeu  —  iud)t  fjeimlidjen  93e** 
fahren,  wie  iu  SBcftpfyalcn  —  £eute  rem  5Mbel,  ftepräfentauten 
be$  2anbeä  beiwofyuten. 

Die  Soften  $u  biefen  mannigfad)en  ^eereöfafyrten,  wie 
Der  ?luöbrnrf  war,  würben  cteraeinfam  aufgebracht  unb  jwar 
nad)  folgenber  Duete:  (Hörlifc  bezahlte  brei  Xfyeüe,  $nbifjtn 
mir  Saubau,  erftereö  2,  Iciueu-o  1  1  heil ,  alfo  *ufammen  brei 
il'^ik;  ,\[tt an  unb  Flamen;,  wovon  Sittau  2  unb  -Humen;  1, 
alfo  jufammen  ebenfalls  brei  Trjeile,  fo  baß  auf  <§wrlt&  ftetä 
V»  ^er  fämmtlier)en  Soften  unb  3Xannfd)afteu  §n  geben  fam. 
€;o  trat  mithin  eine-  6te«ert>erbinbung  bqüglid)  ber  allgemein 
nen  9Suube$foften  ein.   3»  bemfelben  Serriältniffe  war  autt) 


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108 


bif  3ar)l  bef  $u  fktfenben  jtrieg$manfd)aften.  £öbau,  al$  ju 
mittellos,  bejahte,  waä  e$  aufbringen  fonnte. 

$)a$  £anb  war  »ertreten  burd?  bie  alteften  bitter;  bei 
gemeinfamen  Angelegenheiten,  oerfyanbelten  bie  Vertreter  von 
vanb  unb  Stäbten  gemeinfam.  3eber  Xr)ei(  hatte  1  trimme, 
fo  baß  feine  Webrl)eit£befd)lüffe,  fonbern  nur  (Einigungen  vor* 
famen.  Sßährenb  be$  14.  3abrr;unbert$  war  ba$  Verhältnis 
jwifcfyen  ?anb  unb  Stäbten  fehr  gefpannr.  ©runb  $n  biefer 
(Spannung  gaben  bie  liefen  Sd)löjferjerftörungen  Seitens  ber 
Stäfcte,  unb  bie  itnermüblicfje  3agb  auf  (Straßenräuber.  $ic 
plagen  beä  $11 fiten friegec*  führten  *u  größerer  (Einigung,  aber 
im  16.  3ar)rr)unbert  würbe  ber  93rud>  jiwifdjen  Sanb  unb 
(Statten  immer  großer  unb  jeigt  ficf>  am  fchmählichften  beim 
*ßönfaü  1547,  in  bem  bie  <Stät>te  von  ber  iRitterfdjaft  verra* 
tr)en  würben.  (£$  famen  jwar  3  fügten  ber  Stäbte,  inäbe* 
fonbere  mit  Sittan,  welche  (Stabt  immer  eine  etwaä  abge* 
fonbertei  Stellung  einnahm,  vor,  lotterten  ben  Sunb  ein 
wenig,  führten  jebod)  beffen  ?fuflöfung  uid)t  fyerbei:  im  ©egen- 
tt)eil  warb  berfelbc  im  3-  1547  bei  gemeinfamen  Unglücf  in? 
niger,  wenngleich  niemals  mehr  fo  mädjtig,  wie  früher. 

Unter  ber  Regierung  Jtatfer  ^.Äarimilianc*  erholten  ftdj 
bie  Starte  wieber.  3hr  unmittelbares  £>berr)aupt,  burcr)  weld}e£ 
fte  an  bie  Jhone  ju  gerjen  Ratten,  war  ber  in  Siibtffm  reftoirenbe 
£anbvoigt  ber  Dberiaufift. 

5Öie  fchon  aud  ber  Duote  hervorgeht,  war  ©örlife  unter 
ben  Secfyäfiäbten  bie  reichte  unb  mädnigfte,  beflhalb  aber  auch 
bie  übermüthigfte;  biefer  Uebermiitb  würbe  felbfi  gegen  bie 
verbunbenen  Schwefterftäbte  geübt  unb  führte  |M  mehreren  un- 
angenehmen Verwitfelungen.  3fyr  Vlnfer/en  erregte  ben  9teib 
fowor)(  einjelnef  Stäbte,  al6  ber  ganzen  SRitterfdjaft,  von  wel* 
djer  nur  bie  SBeftfcer  beä  Scfjloffeä  Tjfdjocha  e$  immer  mit 
ber  <3tabt  gehalten  haben.  $ie  &itterfdjaft  jürnte  ber  Stabt, 
namentlich  wegen  ihrer  unerbittlichen  Strenge  gegen  alle  $el* 
ben  vom  Stegreif. 

Dbwofyl  ber  Jtonig  gerbinanb  im  Tonfall  bie  ^flacht  ber 
Sedjdftäbte  von  ©runb  au$  gebrochen,  fo  hatte  et  ihnen  bod) 
ir)re  Stimme  auf  ben  ganbtagen  unb  iljre  Teilnahme  an  ber 
nbifchen  Verwaltung  ber  Ißrovinj  nicht  genommen.  211$ 
eile  ber  Stänoe  be<3  bötjmifdjen  *Reich<3  waren  £anb  unb 
Stäbte  ber  Oberlauf  berechtigt,  auf  bem  allgemeinen  Saubtage 


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109 


in  $raqmitjutagen;  bie  $rovin*ial<  Angelegenheiten  beforgte 
ber  in  9nbifjtn  abgehaltene  eberlau ffyif&e  $roviiijial(anbtag, 
wo  freiltdj  gewöfmlid)  bie  €tanbedr>men,  bie  ^rälaten  (bad 
DömfHft  in  eubifjtn  fowie  bie  vertriebenen  älöjtcr),  nnb  bie 
'Jcmcrfcbaft,  gegen  bie  6ed)3ftäbte  jHm inten.  Severe  gelten 
ihre  Befreiungen  jur  Süerjiänbigung  unter  einanber  anf  bcn 
8täbtetagcn  in  Söbau. 


3m\tc*  täapittL 

Beteiligung  ber  Stabt  bei  ßerftörung  von  fflaub* 
f^löffern  unb  #er)ben  ber  £anbc$r;erren,   bi$  auf 

bie  3eit  ber  £ufitenfriege. 

2öir  l>aben  im  vorigen  Äapttel  bereite  gcfetyen,  wie  notty* 
wenbig  ber  6d)lufj  eine«  Sd)u&-  unb  $ru$bünbnifje$  für  bie 
6ed>gftäbte  war.  3e$t  wollen  wir  verfugen,  bie  rerfdncbenen 
gebben  «nb  Äricgfyügc  berfelbcn  unb  bie  Betrjciligung  ber 
Stabt  @örli$  babei  näher  ;u  betrauten,  hierbei  muß  freilich 
von  abfoluter  Btflfl&nbigfett  abgefehen  werben,  ba  indbefon* 
bm  in  ben  älteften  3eiten  bie  £tabt*  unb  ®crid)t*büd)er  fo 
für;  geführt  würben,  baß  man  eben  nur  ben  tarnen  unb  bie 
Strafen  lieft,  aber  niebtd  über  bie  Verbrechen  felbft,  welche 
für*  gricbcnSbrud),  ^of)mc  ((Straßenraub) ,  $Rorb  auf 
bed  itönigS  2anbftra$e,  Auaritte  ftum  ®egelagent)  bejeid)*  - 
iKt  werben.  3öir  erferjen  jeboch  au$  bcr  nadjfolgenben  3«# 
famraenftellung  ber  fechäftabtifchen  unb  görlifcifchen  Jfriegdjüge, 
tan  raiiuilo  bie  Wlafy  fdwn  ungemein  gewachfen  war. 

2ßir  werben  un6  hierüber  für?  faffen,  ba  eine  fpe&tette 
6d)ilberung  ber  fafi  unzähligen  gebben  unb  Au$jügc  ber  @ör* 
lifcer  unfere  Sefer  langweilen  würbe,  weil  bie  Art  unb  2Beife 
£rieg  ju  führen  in  jenen  Otiten  bis  in  ba$  16.  3al)rr)unbert 
mit  wenigen  Abweisungen  biefeibe  blieb. 

Staat  jog  gewollter;  in  baö  (Gebiet  beä  ©egnerS,  (engte 
unb  brannte  bie  ©fiter  feiner  Bauern  unb  ber  ihm  gefjörenben 
Dörfer  nieber  unb  fam  vcrhältnijjmäjHg  feiten  in'6  £anbge* 
menge  mit  ihm,  außer  wenn  Hinterhalte  gelegt  worben  waren 

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410 


ober  9taubfd>loffer  mit  6mrm  genommen  würben.  SBar  ber 
gcinb  ftdrfer,  fo  jog  man  fid)  tu  bie  feftett  dauern  unb  93oU* 
werfe  Juirutf,  aHd  benen  feiten  ein  Kiiftfaü  gemadjt  würbe, 
angriffe  auf  bie  otäbte  ftub  vor  ben  £uftrenfriegen  nidjt  vor* 
gefommen.  93ei  ^erftorurtij  von  widrigeren  Burgen  ober  9fud* 
aiigen  auf  Jial>lretd>ere  Waubfdjaaren  betbriltgte  fid)  gewöbnlid) 
ber  ^anbvoigt  unb  übernahm  ben  Oberbefehl  ber  Gruppen;  fonft 
würben  fte  von  bem  betreffenben  fiäbtifa)en  ober  fbntgltd>eii 
auptmann  ober  von  einem  befreunt*teu  (Jeimann,  ben  bie 
dtl)e  barum  angingen,  befehligt.  SBenn  man  nidjt  wußte, 
wor)in  ber  geiub  fid)  wenben  würbe,  be^og  man  l'äger,  tu 
welche  auä  ben  £täbteu  rtnD  von  ben  Sdrfern  bie  Vebetismittel 
gebrad)t  würben. 

Der  gewöl)ttlid>e  ^uSbrucf  in  alter  3***  für  1  gepaiiA«r* 
ten  Leiter  unb  3  ober  4  mit  £ellebarben  unb  6piepeii  bewaff* 
nete  äned)te  war  (*Hcfe  ober  (*Hewe.  3n  ber  erften  3eit 
flogen  bie  Bürger  mit  auä;  bie  junungeu  mußten  ir>rcn  bc^ 
betrimmten  Sbeil  bewaffnen  unb  auf  ibre  Soften  erhalten-, 
ebenfo  war  auf  bie  Dörfer  (fintrjeilung  abtroffen,  baß  fte 
fo  unb  fo  viel  Leiter  ober  gupfnedjre,  je  nad)  il)rer  <**röße 
unb  9(uebef)nuug,  ?u  fteüeu  bitten.  sMe  bie  große  3)tenge 
ber  s)]&itlribenrjeitö  Dörfer  t&  ber  £tabt  ttur  möglid)  mad)te, 
bem  fönigtidjeti  $ertd)te  ftete  Leiter  *ur  Verfolgung  ber  84* 
beöbefdjäbiger  unb  6traßenräuber  jur  £anb  \\\  halten,  fo 
waren  aud)  bie  Dörfer  eine  ^auprquelle  ber  ftdbtifa>en  Kriegs- 
mannfd)aften.  (Sä  faitb  rjieritt  eine  Slblöfung  ber  Dörfer  in 
regelmäßigem  Xumue  ftatt.  Der  -Natt)  ftellte  einen  Heil  ber 
^ferbe  auä  bem  Üftarftalfe.  Urfpriinglid)  war  ber  <DiarjtaU 
in  ber  $angengaffe  unb  ift  baä  erfiemal  im  3.  1379  bie  *Kebe 
bavon.  1385  ftnbet  fid)  tu  ben  9tatl)$red)nuugen  ber  &uö 
brud:  „neiier  Stfarftali".  1398  wirb  zweier  sJÖ?arfräüe  ge- 
badjt.  1399  werben  bie  s}]ferbe  in  ben  SHarftäUeu  erwähnt. 
1476  würbe  ben  ^Wöndjen  über  bem  nun  in  ber  s)tonnengaffe 
befinblidjen  9)farftalle  ein  beimlidjeä  @emad)  gebaut.  1752 
Würbe  baä  gegenwärtige  ■JJfarftaÜgebäube  errid)tet. 

Die  Munition  würbe  auf  Ü&agen  nadjgefübrt;  ald  bie 
großen  $ud)f*n  (Kanonen)  auffaineu,  würben  fte,  gebetft  burd) 
$Wannfa)aft,  auf  jtarfen  Sttagen  fortgefdjleppt.  iMan  brauste 
ba$u  mandjmal  12  bte  18  $ferbe. 

3*or  <&rfinbung  beö  ^ctyießpulverö  waren  nur  <£c|werterf 


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4M 


£ellebarben  unb  ürmbrü^r  im  GMraudje;  fte  würben  aber 
noch  Cait^e  nacr/(>er  vonugetweife  benufrt,,  ba  t>ie  fdjwerfälHgen 
unb  piumven  fauergeweljre  au$  Unfeiiuinij»  ber  ^ulverroir 
hing,  nen  $cft*<rn  anfänglicr;  *»«f>r  fcrjabeten  al*  tiü^teu. 
$tan  übcrtub  bie  ©ewebre  mir  ar^en  $üd>fen  fo,  bap  fte 
oft  auf  ben  ^weiten  ober  britrcn  edyufi  <erforangen.  6old*r 
freigntfit  wirb  verfehiebene  sDtale  gebaut.  -  Da«  ^ulver 
würbe  auf  ber  ^ulvermüble  am  Kraben  enengt,  wcfcfce  jeftt, 
wie  bie  $citytmr)le,  ein  Sabrifaebänbe  ift.*>  1 

9*ad>  riefen  allgemeinen  tJetradmmgen  wollen  wir  w 
Darftellung  ber  gelben  biö  $um  erften  ^ufitenf liege  übergeben, 
unb  bfefelben  fonberu:  1)  in  *u<Müge  gegen  Waubnejter  unb 
errapenbef*dbiger;  unb  2)  in  Äricgäjuge,  für  weldje  bie  £tabt 
(Hörii$  ihr  Kontingent  £eere  bee*  Vanbesberren  attfkrbalb 
ber  3ed>elanbe  fenben  mupte. 

(5in  befonber*  widriger  ^unft  für  Wegelagerer  war  bie 
auf  einem  fc&malen  ÄHdldufer  b«d  lannenbergetf  unfern  ®eor 
gentiml  liegenbe  $urg  Soüenfteiu,  benn  bort  $og  fieb  bie  AaHbr  (** 
niraße  auä  ber  £5berlanjt$  uad)  Wobmen  vorbei.  $on  fn'er 
au$  gefdmr)  nodi  vi  tfönig  >bann'$  Seiten  ben  oberlaufim* 
fdjen  £iäfcten  großer  Schaben.  Sie  rütften  baber  im  3  1337 
auf  Sdifforbernng  m  £erjog  ^einridj  von  Gatter  vor  biefe* 
&<bh%  unb  erfrürmten  eö  nad)  barter  (Gegenwehr.  (Sförlifter 
flriegflvolf  war  audj  bei  biefem  ö«ge.**) 

3m  3  1343,  am  8.  Dezember  in  ber  $ad)t,  bemädK 
ttgte  ftd)  ein  bobmiferjer  £err  v.  9Kid>el*bad>  be$  $ergefl 
£>»büi,  ber  bantal*  im  ^eftfc'  be&  .Honigs,  iebod>,  unter  einem 
folgte,  nur  föwad)  Defekt  war,  nnb  begann  von  bort  au$  bie 
aanK  ©egenb  unjtdjer  ]\i  maduu.  Die  3$urg,  vor  wel(be 
.König  Maxi  felbfr  im  3.  1349  mir  einer,  voqfiglty  burdj  bie 
oberiaujt&cr  £e<f>Sjiäbte,  verwarten  9Äad?t  riirfie,  würbe  nad) 
hartem  Süiberfitanbe  genommen.***)  —  9tid>t  minber  waren 
bie  OJörlieer  beteiligt  bei  Serfförung  beö  in  ber  9Mr>e  von 


•)  £«ruadj  iil  bie  »ertoedjfetuna,,  oben  <3.  71,  ald  ob  Setymifff 
unb  $ufo<rmül}ie  ritt  unb  biefelbe  attoefen,  tu  berid)tt^en. 

Johann  de  tiubin.  N.  S.  H.  L.  1.  7.  Carpz.  Analec.  Fast. 
Zill  V.  c  f.  €.  310.  ^ffeberf1*  <*»<fd>.  von  3tttau  II.  4*»0.  Weuea 
Sauf,  »laoa*.  1837.  @.  107  f. 

•••)  Johann  de  Gubin  a.a.O.  I.  <£.  10.  $<fd>ed  a.  a.  O.  ff.  492. 


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112 


£>t)6in  lieaenben  Xaubfälof*  Jtorfte,  weldje  am  i.  9toobr. 
1352  erfolgte. 

Die  UnftduThcit  im  Sanbe  würbe  fyierburd}  nodj  nidu 
gehoben.  6onnabenbd  na$  Wid)aeliö  (3.  Oftober)  1355, 
befahl  bahei  Maxi  IV.,  alle  feften  ©urgen  tu  jerftdren  unb 
mit  ©ewalt  au  brechen  *,  wa$  nun  »on  ben  Stäbteu  mit  (Sifer 
betrieben  würbe. 

Die  ©örlifcer  inSbefonbcre  waren  beteiligt  bei  ^herer 
brennuua  von  (Sdjönfelber'ö  £of  §«  ^onigöbrürf  *),  weiche  ^T^at 
Äönig  Jfarl  bei  feiner  balb  Darauf  erfolgenben  Änfunft  »oll* 
fommen  billigte. 

3m  3.  1396  ^atte  ftd)  SÖJarfgraf  3*bof  von  3)^är>reii 
mit  feiuem  93ruber,  Köllig  2Benjel,  wrfeinbet;  er  machte  &n* 
fvvuctu'  auf  r ic  Vam^en,  fiel  mit  einer  bewaffneten  Scfoaar 
in>  8anb  uub  fefcte  fid)  auf  Der  gwiförn  £irfd)fclbe  uub 
£>ftri$  im  sJteißetluil  gelegenen  93urg  9iofmau  feft,  von  wo 
auö  ber  fedfte  uub  meDrigfte  Straßenraub  ausgeübt  würbe. 
VU3  biefe  9Rad)rid)ten  ui  ben  Chren  beä  Äönigd  28enael  fa* 
men,  erfolgte  oom  Schlöffe  ^Bettlern  in  SBörjmen  auö,  am 
11.  9toiumbcr  1396,  ber  SBefefyl,  biefem  Unwefen  ein  (£nbe  \u 
machen,  unb  bemiuidjft  würbe  ber  ^anbvoigt  «^ettirtc^  $ßug 
befehligt,  mit  bem  jfricgäoolfe  ber  6ed)öftäbte  gur  &uöfiif)* 
rung  ^n  fd) reiten.  Docfj  würbe,  well  ei  du  nad?  nu$lofer  93e* 
lagerung  bei  großer  geftigfeit  M  3d)(ojfed,  Der  $efef)(  ba* 
malä  nod)  nidjt  ausgeführt,  fo  baß  ber  iäuberifcf;e  sJHarfgraf 
jwei  3a^r  lang  ber  6<bretfen  Der  ©egenb  war.  $11«  jebodj 
wäl)renb  ber  itrantyeit  SBeuaefö,  im.  3.  1398,  ber  Sruber 
be$  Skgelagererö,  Warfgraf  ^rofop  t>ou  Währen  jum  ober* 
ften  Sanbedr*auptmann  in  Lohmen  ernannt  war,  erfolgte  wie* 
r erholt,  \uim  am  23.  Dezember  1398,  ber  Befehl,  ba$  6d>lof 
au  aerftören.  Diesmal  würbe  riefer  gluweifung  uad>gefommen. 
Die  ^itiaua  erfd)ienen  fogleid),  unb  Die  übrigen  Stäbte, 
barunter  namentlid)  (Dörlifc,  waren  mdu  minber  ti)ätig  bei 
^erniir/tuiig  beä  6d)loffe$.  Die  ß^f^rung  gefcfyai)  im  3ft5 
im  av  1399  uub  awar  fo  ttoüftänbig,  baß  an  VI  nf  hau  nid)t 
mefyr  au  benfen  war.**)  ($ö  entfpanneu  ftdj  über  biefe  3erfiorung, 

*)  Johann  de  Gubin  a.  a.  D.  I.  10. 
••)  Ääuffer,  Cbcrl.  @efd>.  L  6.  354-363.  Älof,  ®cf$.  ber  *anb; 
*ödt<.  Mst  ü.  <S.  42b  ff.    VefffttcT«  »im  Zittau  U.  £.  494  ff. 

«auf.  SRagaj.  1Ö37,  <S.  114  ff. 


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welche  ben  Äomg  nachträglich  reute,  a(d  er  ftd>  mit  Warfgraf 
3obof  verfolgt  tyatte,  mcl)rmouatlidje  ^erfyanblungen. 

Sir  nehmen  l)ier  gleid)  alte  jerftörungen  von  odjlöffern, 
bei  reuen  bie  ®örli$er  bie  an  ba*  (*nbe  tiefer  ^eriobe  be* 
(heiligt  waren,  Durd) 

3m  3.  1442  hatte  mh  auf  Dem  ed)lojte  $a(bau  ein 
Sanbedbefdjäbiger  feftge|"e$t.  Die  (Dortiger  jogen  am  4.  Wärj 
l)in,  unb  brauen  ba*  Sdjloj*  nieber.*) 

3u  bemfriben  3af)re  waren  bie  (iJörli&er  gleidjfallä  babet, 
al*  burd)  ben  Warfgrafeir  von  Weißen  bao  jwei  Weilen  t>ou 
äuwg  gelegene  6d?lo|j  SManfenftein  eingenommen  unb  jer* 
frort  wurte>) 

3ur  Eroberung  bee  ScMojfe*  .$ammerftein,  im  3-  1445, 
btirdj  ben  £>errn  von  iBiberfiein  ausgeführt,  fanbten  Die  Wr* 
ii^er  tyr  gupvolf.***)  i$iiu<)e  3al)re  barauf  würbe  fcae 
8a)lo(j  Satfenftetn  bei  lieber- Dittersbach ,  unweit  bör>mtfc^ 
Äamnifc,  fowie  bie  <£d)löffer  galfenburg  unb  Gfcafenffein  von 
ben  eed?eftabtifd)en  eingenommen,  t) 

Die  €ed)$ft<ibte,  al*  einverleibte  Steile  bes  böfjmi* 
fdjen  iteuK\  unrben  einige  Wal  veranlagt,  Kontingente  w 
auswärtigen  Achten  be$  böfymifcfyen  Äöniae  §«  ftellen.  DaS 
rcar  btr  gaü,  als  im  3.  1360  Äaifer  &arl  IV.  gegen  beu 
©rafen  von  3öürtemberg  30g.  Die  £)berlaufi$er  mußten  ihre 
Gruppen  *um  Jg>ecrc  bcS  3binfo  von  §afcnburg  ftofieu 

lajfen.  @ie  waren  bamal*  aa)t  sü>od)en  and  unb  fochten  bei 
Mdtng  urt>  6<^ornborf.t*)  Der  &ufbrud>  erfolgte  am  10. 
Hugujt. 

33ei  Eroberung  ber  Warf  SBranbenburg  buref»  Karl  IV. 
in  ben  3afcrcn  1370,  unb  fpdter  1373,  waren  regelmäßig  bie 
Dberlaufi&er  jugegen.f**) 

Die  gef)be  beä  £erjogd  3ol)anne$  von  ©örlifc  mit  bem 
£er$oge  von  ©agan  wirb  unten  erjagt  werben. 


•)  ÄatMrcdjnttngen. 
••)  $cljcl  u.  5)obxoto*ty,  script  rer.  Boh.  III.  pag.  45. 
***)  Scatf^redjnungcn  beim  3-  1445. 
t)  9L  *auf.  ma^in  1837.  ©.  131—133. 
f )  Johann  de  Gubin  a.  a.  D.  ©.  11. 
f  •)  Drrfelbt  6.  53.  »ergt.  6.  165.  166.  »enefdj  v.  ®<ümil  bei 
$cljcl  ic.  €L  415. 


I 

114 


dritte*  ®a)iUl 

Die  bürgerlidjen  Unruhen  tu  @)ör(t(  wär)renb  bed 
14.  unb  15.  3«^v^uitDevt0.    itteftrebungen  ber  4c>anb* 
werfet  um  ©etbeiligung  an  ber  Dtathäfür  unb  ben 
übrigen"  ^Privilegien  Der  ®efd)ledMer.*) 

(Sä  ift  oben  .bereite  angegeben,  wie  fid)  in  unfern*  <Stabt 
v>erfd)iebeue  &laffeu  bei*  (viuwohnerfdjaft  im  £aufe  ber  erjien 
3al)ri)unberte  audbübeteit  3«  mehr  uuu  bie  sAVvubt  mit  bent 
*uuenm.eut>en  ftetdpthum  ber  ctabt  wuajö,  um  fo  greüer  würbe 
ber  Unteifd)ieb  )wifd>en  bürgern  ((Mefebled)teru)  mtb  ,£>aub* 
werferu,  uitb  bie  @rbittcruug  ber  i'e&terea  gegen  (Sifteie  war 
beftänbig  im  Steigen,  Da  bie  materiellen  Kragen  uunmebr  in 
beu  s^orbergrunb  traten.  Denn  ee  banbelte  fta)  fd)on  feit 
bem  (£ube  bed  13.  jabvbuiiterto  bei  ber  NK  ai h^sfür  nicht  mehr 
um  bie  bloße  ß lue,  an  ber  ctabtverwaltung  ^ mbeil  ui  haben, 
fonberu  biefe  Xbeünabme  bradjte  bie  beu  bürgern  obeu  ange- 
gegebeneu  großen  $>ortheile,  auf  weldje  bie  ^anbwerfer  mit 
"iWißguuft  unb  Jieib  faljeu,  fo  baß  bie  ^aubwerfer  fid)  in  bem* 
felbeu  vJMajje  gebrürft  füllten,  a(ö  Die  prioilegirten  Bürger  ir>ve 
Rauptet  ftolj  emporhoben. 

Xad  ^auptgewerbe  in  allen  3ea)eftäbten,  namentlich  iu 
Ü)ör(ii.v  war  bie  Xudjmad)erei.  Iu'  lua)mad)er  (ääoUeu* 
webet,  tovtoros)**)  fanteu,  wie  gefagt  im  3-  1 1 50,  unb  feit 
1250  aus*  ber  Warf  jat)lreid)er  uad}  6)orli$  unb  fiebelten  fid; 
auf  bem  £>ant>wcrfe  unb  ber  ^liebergaffe  (aud)  (^ewaubmadKr* 
gaffe)  au.  jroifchen  1 150  unb  1250  mag  fid)  wol)l  fctyou  eine' 
3uuft  auögebilbet  haben;  jebenfallä  würbe  fte  naa)  beut  3dhre 
125.')  eingerichtet,  alä  bie  jweite  <3tabterweiterung  eingetreten 
war,  unb  ber  größere  Umfang  ber  3  um  mau  cm  mel>r  Ukr- 
tt)eibiger  ed)eifd)te.  Damals  hat  bie  <Stabtoerwaltuitg  fta)erl ia> 
bie  noet)  nicr)t  künftigen  einzelnen  Arbeiter  in  bie  ,Vif)l  ber 
künftigen  eingereiht,  um  eine  beftintmte,  für  bad  gehbe*  unb 
s^ertl)eibigungöwefen  bringenb  noihwenbige,  @irunb(age  §«r 
Söefdjaffuitg  wehrhafter  Wdnner  ju  tyabm.  Die  fünfte  hatten 


*)  .§ani>KnieUeit  tiefer  TartfeUuna  ftnb  bie  älteften  9lefyuna«luid>er, 
nebfi  ben  9iatf)*red}nuiia,en  nur  wenige  Urfunben  auf  bem  Watftfyaufe. 
6.  £d)el$  a.  a.  C.  1  o.  547  ff. 


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M3 


•- 

ifjre  eigenen  Statuten  #  Denen  zufolge  btc  2lufnar)me  in  eine 
Jnnung  juateid)  Die  ^ehrpfliduigfeit  im  l)mi\tt  Der  €tabt 
beDingte.  4>te  2telteften  hatten  Die  Sfufjtcbt  über  Die  3nmtng; 
fie  bilteten  Die  ShbörDe,  burd)  meiere  Der  Matt)  feine 
|d>lüffe  au  Die  Innungen  braute;  fie  waren  Dem  föatlje  ver* 
antworttid)  für  Me«,  wa«  in  Den  $krfammlimgen  Der 
mingen  gefprodjen  oDer  befdüojfen  würbe  unD  befonber«  buref) 
eiblktyf«.  (^elöbmu"  Dem  Mathe  jum  Gfcborfam  verpflichtet 
^oriiigiid)  ftreng  war  Da«  Verbot  von  $>erfamm(ungen,  in 
Denen  fidi  Die  Innungen  411  gemeinfamen  $efd)lüffen  verein 
nigten.  jebe  Innung  follte  ftet«  allein  für  ftd>  nur  über  ihre 
eigenen  3ntere|fen,  niemal«  aber  über  Die  Verwaltung  Der 
Btatt  berathen.  3m  (Hewarjijam  Der  Slelteften  würben  bi« 
jum  %  1372  Die  £arnifd)e,  Lüftungen  unD  Waffen  Der 
»ungen  aufbewahrt.  Wad>  Dem  ;\abrc  1372  mußten  alle 
©äffen  auf  Da«  Mathfyau«  abgegeben  werben. 

3n  (*J6rli()  mußten  Die  »erfd)ieoeneu  Innungen,  je  nad> 
Dem  es  nöthig  war,  mehr  oDer  weniger  bewaffnete  Warm* 
fctyaft  fiellen,  weldje  fid)  bei  Den  ttelteßen  freiwillig  $u  melDen 
hatte.  ©efdjal)  l'efctere«  ni(f»t,  fo  fomiteu  Die  Sielteften  eine 
«««bfbung  au«  Den  (^efellen  veranftalten.  Vor  Der  Einfiel* 
King  fieberte  nur  Die  $>anDerung  au«  Vr  Stabt.  ^e^tere 
würbe  häufiger,  wenn  eö  ftdj  um  Stellung  für  eine  unbeliebte 
politifdje  Sache  hanDelre,  wie  wir  Die«  beifpiel«halber  au« 
ter  ^eit  De«  frbmalfalDifdKn  Kriege«  erfahren  *) 

1>ie  3<d>c  mußte  atid)  Die  (Erhaltung  Der  von  ihr  gesellten 
)Jiannfd>aft  unD  Deren  @olb  au«  Der  3mtung«faffc  befreiten. 
Die  meiften  Jiuedue  hatte  immer  Die  ^Hdjmadjer^unung,  al« 
bte  }af>lreicr)j*e,  Mi  ftellen.  <3)ie  Innungen  führten  im  15.  unb 
16.  3af)rlmnDfrte  felbft  tfanoueu.  (£«  wirb  einmal  ber 
„großen  33üd)fe"  Der  Xuchmadjer  gcDad)t. 

Wod*  Den  Iud)mad>ern  waren  in  <#örlift  Die  vornehmften 
Innungen:  Die  gleifctyer,  ÜKotbgerber,  Sdjmiebe,  Söärfer, 
Sdjneiber,  Sdjnbmadjer,  Ziemer ,  $Wäl$er,  Büttner,  Särber. 
£eirer  jtnb  von  Den  äiteften  Innung«  'ttrtifeln  gar  feine  merjr 
erkalten.  $)ie  Statuten  Der  Böttcher  (*3ütfner)  vom  3«hre 
1493  fmb  überhangt  bie  dlteften  Innung«  ^rtifel,  meldte  auf 
UM)  gefommeit  fmb. 

•)  £.  i>ie  fdjön  attgef.  $<ftta$c  jut  ©cfdj.  Dicfeö  fitityS,  <S.  105. 

6* 

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116 

• 


Mc  3nnungen  mußten  jur  Sät  bed  *gdnfa(fd  if>re 
tifel  abliefern,  unb  ftnto  biefelben  wafyrfcfyeiulid)  nod)  in  irgenb 
einem  #rd)ive  ju  *l<rag  ober  sBien  oorl)anben.    lieber  bie  3ä* 
uungeii  feit  ber  Witte  beä  16.  3al>rl)uubert0  fott  im  vierten 
Söudje  biefer  ®ffdjid)te  auäfütyrlidj  getyaubelt  werben. 

(Eeitbem  bie  fünfte  inniger  verbunben,  an  fräftiger 
unb  ftärfer,  an  Wittein  woblljabenber  geworben  waren,  regte 
fid)  aud)  if>r  @f>rgei|.  $>ie  £tabtverwaltuiig,  auf  weld)e  fie 
früljer  iüd>t  fonberlia)  geadjtet  hatten,  begann  um  fo  mel>r  if)re 
iljeilnaljme  \u  feffeln,  alä  fie  für  bie  6tabt  jaulen  unD 
5ßaf[enbienfte  (eifteu  mußten.  Vit  3miutigeu,  iuäbefonbere  bie 
3  ud)mad)ei ,  bereu  eingewanderte  keltern  von  ber  33ebeutuita, 
ber  Jpaubwerfe  in  ^Umlanb  erjagten,  begannen  iuImu  futylen 
unb  eö  auffalteub  ju  fiubeu,  baß  nur  eine  gewiffe  klaffe  von 
Wenfdjen  bad  SJorredjt  fyaben  foüe,  im  rKathc  unb  ju  ©erid)t 
ui  ft$en.  Wan  bemühte  fid)  fottbauernb,  biefed  f>öcf>ftc 
5Ked)t  im  ©emeutbeverbanbe  \\i  erringen.  S)iefer  &ampf  \wv 
fd)en  itürfäfyigen  unb  «^anbwerferu,  ber  feit  ber  Witte  Oed  14. 
3at)rt)unbcrt$  im  ganzen  beutfd)cn  ^aterlanbe  auf  baö  hef 
rigfte  entbrannte,  jicht  fid).  in  einer  'Weibe  von  uierei  holten 
2(uffä$ig fei ten  gegen  ben  Sflath  unb  feine  vUeehte  burd)  rag 
flanke  14  unb  beu  ^nfam;  reo  J5.  ^ahihuuteuo.  (iinge* 
fd)lafert  wäljrenb  ber  gemeiufameu  ©efabren  ber  ^ufttenfriege 
uub  ber  fvateren  .£>änbel  mit  Äonig  ^obtebrab,  geigen  fid) 
fdjon  neue  Spuren  am  ©übe  be$  15.  3at)rl)unbert$,  bis.  bie 
gewaltigftc  ($rvloftoii  am  (Eingänge  ber  j?ird)eureformation  in 
©örlifc  fid)  vorbereitete  unb  nad)  bereu  3)urd)füfyrung  erfolgte. 

Wir  bem  Anfange  bed  14.  3abrbuubertö  tauchen  bie  erftett 
^iadu leinen  htewon  auf  unb  ftnb  mit  Urfuubeu  &u  belegen, 
wenn  aud)  weitere  Einzelheiten  fehlen  <&d)on  im  3-  l3(X) 
ftritten  ftd)  Die  3ßeber  unb  Xud)inad)er  (texlores)  mit  ben 
bürgern  (cives  communes)  wegen  be&4)ewanbfd)iiitted,  worauf 
ber  Damalige  vanbeötjerr,  Warfgraf  ^ermann  von  SBranben- 
bürg,  unterm  3.  Januar  1301  bestimmte,  baß  ber  2ud)verfauf 
nid)t  ben  Xud)webern  in  ihren  Käufern,  fonbern  nur  ben  3n* 
babern  Oed  ©ewanbfd)tiittred)t$  in  bem  Uaurhaufe  gekartet 
fein  folle.  6d)on  retinale*  erlaubte  ber  Warfgraf,  baß  &ranu 
laben  für  bie '  Jtaiifteute  (institores)  erbaut  werben  tonnten, 
waö  bamate  gefdjefjeu  ift,  fo  jwar,  baß  1351  fd)on  18  beftanben. 

3m  3-  1347  war  ber  Äat$  wieber  gezwungen,  fid}  wegen 


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117 


innerer  Unruhen  an  ben  Sanbeäberrn,  bamal*  äönig  flarl  IV., 
m  wenben.  Sfcberlid)  hatte  man  ben  lob  be*  Jtönig*  Johann 
unb  He  ganje  3w»Hh™Kit,  ehe  tieft  feineä  «Sohne*  .Harle*  IV. 
^Regierung  befeftigen  fonnte,  baut  benufct,  ben  iRatb  um  Hue- 
cehnung  ber  Jtürfähigfeit  anzugehen,  flm  14.  Septbr.  1347 
erlfcp  baber  Äarl  IV.  ein  ernftlicbeö  Schreiben  an  bie  gorlifccr 
Stabtgemeine,  bie  Aufwiegelei  gegen  ben  Watb  $u  unterlagen. 
<l*  heipt  bann:  „28eil  Etliche  au*  <*u<b  in  Gurer  (Gemeinbe 
fidj  ben  gefahrenen  Wathmannen  Unferer  Stabt  tro^tiilicf) 
wtbfrfefcen  Hnb  benfelbigen  ftathmanuen  billigen  (Geborfam  m 
arteigen  bisher  nicht  geachtet  haben:  barum  wellen  wir,  ben 
(Gefahren  unb  ©cbäoen,  bie  au*  folgern  Ungeborfam  Unc*  unb 
Unferer  Sta  Dt  in  ftinftiger  3eit  entftehen  meßten,  r>ct(fam  m 
begegnen,  (fuch  unb  3*gli<bem  autf  tfueb,  ernftlicr)  uuo  gänjlid) 
;n  enthalten  gebieten,  bei  sJßön  (Strafe)  unb  Beraubung  Veibeö 
unb  dtateä,  baß  uno  binführo  3h*  ben  gefahrenen  *Katl)' 
mannen  Unferer  Stabt  untertänigen  unb  oerpflidjteten  @e- 
borfam  unb  Ehrerbietung  olme  alled  5iMoerftrebcn  eneigen 
follet;  unb  bie  bawiber  tl)itn,  follen  wiffen,  ta$  fte  in  bie  $on 
be*  5*er(Hjte$  geibee*,  geben*  unb  Ohite*,  ohne  alle  (*rlaffung, 
fallen  »erben/' 

Sic  anberwärtä,  nament(id)  in  kauften  unb  3ittau,  liegen 
jeboct)  bie  ^anbwerfer  nicht  ab,  nad)  ber  Xheilnahme  an  ber 
»Jtatrjflhir  unb  ben  Vorrechten  ber  @efd)Ied)ter  )H  ftreben. 
Sdfyon  bie  £änbe(  mitWeufyauä  unb  bereu  Soften  brachten  im 
3.  1369  neue  Unorbnungen  unb  Unatufriebenbeit,  beim  am  28. 
gebraar  1370  folgte  ein  SSefebl,  bajj  bie  ©emeiue  fta)  nicht 
bem  ftatbe  wiberfefcen  folle.  3m  3.  1372  muß  ein  9uffiaiil> 
mit  bewaffneter  £anD  gefcbefjen  fein,  bei  welcher  (Gelegenheit 
ein  SRatbmann,  gren^el  (Sifenfwt,  bura)  einen  gleifd>er,  ^ent- 
fa)el  Äluge,  auf  bem'  Schlöffe  be$  Jlatfcrö  am  grauentbore 
emiorbet,  unb  felbiger,  fowie  £ein$e  ©ö$e,  ber  gange  genannt, 

trinke,  genannt  mit  bem  ©arte,  £an$  ftaöpenau  mit  pei 
öffnen,  £an$  Äluge'ö  Solm  unb  beffen  Sdjwiegerfobn  £ein** 
borf,  ^eter  äönigehain ,  $aul  TOffcner,  £entfcbel  &elroig, 
£obetg,  Wfolau*  «Kenftiel,  ^eter  9J?en$el,  £an*  ©lud  Der  Keffer* 
fchmibt,  ein  gewiffer  ©omelin  unb  ©premberger  in  bie  &d)t  ge* 
tf>an  würben.  $er,äaifer#arl  fanbtebeöhalb  folgenbe* Schreiben: 
„2Bir,  Äarl  von  ®otte$  ©nabeit  römifef/er  Jtaifer,  $u 
allen  3eiten  iWefyrer  beS  9fceidj$  unb  tfönig  in  ©ötjmen,  ge* 

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118 

biete»  bem  ©ürgermeifier  unb  *Hatbleuten  Der  Stabt  (Hörlifc 
ernften,  lieben,  getreuen,  llnfere  ümate  mit)  allee*  ©nie.  2&ir 
gebieten  eud)  ernftlid)  bei  Unfern  $nit>,  bajj  ihr  bei  Veit»  unt 
®ut  gebieten  laßt,  bajj  alle  £ud>macber  unb  .£>anbwecfet  Der 
Statt  ©in Ii U  alle  il)re  %V>arntf«t>c  auf  bao  9iathl)aue  in  eure 
(Mewalt  jw  St  mibe  überantworten,  unb  fie  feiere  fürban  ntdtf 
für  ftd)  behalten.  Denn  2Bir  meinen  eö  für  jetyt  baö  s^efte, 
bau*  fein  Ürieg  ober  ISut^veiiui^  fürber  in  ber  Statt  }ti 
Ufc  entftebe.  Sollte  aber  ^eniano  gegen  Dice  ilufcr  (Mebot 
ungeljorfam  fein  ober  ftd)  fonft  unter  (£ud)  mit  ten  Watt) 
freventlid)  tefcen,  fo  wollen  Wir  lf)n  Darum  au  i'eib  unt  @Htt 
ftrafen.  (begeben  w  sJJcul)lberg,  am  St.  Xfyomaötage  (21.  ^)e- 
jember)  Umcieö  *)icicf>6  im  26.  unt  teö  Jtaifertbume  im  18. 
3alne  (1372)".  - 

Damalö  wauberten  eine  *Weuge  ^^»btoerfer  unt  'Xucb- 
macber  aus,  von  tenen  ter  .Hauptmann  \\\  w£aufcen  ^enefd) 
v.  ber  £uba  150  Scbjorf  CMrofdjen  Strafe  auf  betf  tfaiferö 
Sefcrjl  einrieben  mußte. 

9tufjer  ben  oben  genannten  würben  wegen  potitif&et  Uiu 
rufyen  im  3-  1 372  noa)  geädrtet:  Würfel  Selge,  ©rvfer,  -W- 
flao  Solf,  9KHa*  v.  Refnertfborf,  ^aul  au$  Wabmert&, 
nebft  feinem  ®efelleu  $enfel,  WU\$  (*K>gelaw  unt  iWfta* 
Öteinolb. 

StodJ  im  3at)re  1373  erlaubte  ber  Äaifer,  von  prftot* 
walbe  au»?,  bem  Diattye  gu  ©örlio,  jeten  SÜitetfe&tgen  in  ter 
(Gemeine  nad)  tem  Stattred)te  p  ftrafen.  £>er  Brief  ifit 
audgejfellt  9Kittwod)  nad)  grauen  Sa>ibuug  (17.  fluguft)  1373: 

3m  3-  1380  witerfefcte  ftd)  bie  ©ürgcrfdmft ,  trofc  aller 
33erfud)e  reo  iKatbo  tie  flhigelegenriciten  frktlid)  beizulegen, 
abermalö  fo  fyartnatfig,  tafi  wiederum  ^Jtetyrere  geädHet  wur* 
ten,  tarunter:  £ano  £aut>eufdMlt ,  ®erbarb  Sdjmitt,  Äifo* 
laö  ;)tymmergefi&e  auö  Siegerotorf,  Sbernbart  StreHenwalt 
weil  er  ben  ikid)ier  sJtiflaä  *Notbe  ermorbet  tyatte,  tQanü  9?aft, 
£ano  S3efmt,  ^cter  Xreppel,  Wiflaä  ^>orlemann  unb  $anö 
ö.  Älfir,-  ber  fia)  gewaffnet  gegen  ten  fbnig(id)en  $oigt  |ttr 
älkfyr  gefegt  Ijatte.  Damals  befahl  ber  SSoigt  SBenefd)  von 
ber  Ü3uba  bem  9iatr>c  tie  Stattmauern  ju  beffern,  wie  aud) 
taö  Sd)lo(j  fd)on  feit  mehreren  3abren  fyatte  muffen  in  Staub 
gefegt  werben. 


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119 


$te  Bewegungen  in  ber  ©ürgerfcbaft  hatten  im  14.  3ahr* 
bunbert  vornehmlich  ben  $wcd,  vom  !Katbe  ba$  freie  53ier* 
brauen  unr  ben  Söeinfduinf  \\i  ergingen.  l£ö  begannen  ba* 
mal$  Mehrere  ebne  (£rlaubniß  *u  brauen  unb  2Bein  ?u  fchenfen, 
iratf  unterm  Sonntage  3nvofavit  (19.  gebr.)  1385  vom  <£>er* 
*og  3ohanneö  verbeten  unb  erflart  würbe,  baß  bie6  *um  Ge- 
meinwohl auöMibeuteiibe  stecht  nur  bem  *Katbe  juftebe.  Damalä 
famen  ^>an$  oer  6ebn  beo  sJ$eter  v.  Jialtwaffer  nnb  Vanbgcn* 
fdjeer,  im  3-  1386  Bieter  föetbe  in  Die  9ld>t. 

3m  3abre  1388  muß  ein  offener  Sluöbruch  erfolgt  fein, 
turne  Jcwfil ,  Ätfftrt  ^iromerroann  unD  (Sdwrlinrf  würben  in 
Die  Siebt  gethau,  weil  fie  in  Der  ^eteretfirebe  $$erfammlungen 
reranftalret,  Aufläufe  »eranlaßt  unb  2Kortthaten  verurfaebt 
hatten  „bovon  groä  ungemach  gefd)een  ift."  slKit  tiefen  1  ba- 
ten fdjeinen  Die  Slcbtöerflärungen  gegen:  *l*cter  fcange,  üonia*, 
5itfla$  gifeber  unb  Befage,  welche  ber  ^enog  3ol)auneö  ju- 
tücfnahm,  in  ^erbinbuna  geftanben  $u  haben. 

3wet  3ahre  Darauf  finben  wir  ähnliche  §dnbel.  iflein* 
harb  v.  grieberöborf  unb  9Wla£  Staftt  mußten  wegen  Stuf* 
ruljrd  geächtet  werben.  9foch  in  bemfelben  3abre,  1390,  gebet 
unterm  beil.  @hrifttage,  Jtonig  5Ben$el  ber  (Gemeine  ju  Gör* 
li$  bem  'Käthe  geborfam  $u  fein,  unb  «£>er$og  3obanne$  vergab 
ben  Gebern  unb  einigen  anberen  «Jjjanbwerfern  bie  Stuffct^igfcit 
gegen  ben  iKatb,  mit  Dein  8cfc$(,  fernerhin  Gehorfam  $u  leiften 
(5$  mußte  bem  {'anbetffurften  von  2Öidjtigfeit  fein,  baß  bie 
9Mjtca  in  ben  3nnungeu  rem  Dtatbe  ausgewählt  würben 
unb  ihm  ergebene  £eute  waren,  £er$og  3ohann  gab  Deshalb 
am  r)eil.  (S^riftabenbe  1391  bem  Sethe  *u  Görlife,  unter  an* 
beren  greiheiten,  auch  ba$  Privilegium,  sJKeifter  in  bie  £anb- 
werfdinnungen  eittjufefteu  unb  flu  vereiben. 

3m  felgenben  3ah«  1392  mußte  Serena  SBogt  in  bie 
Steht  gethan  werben,  weil  er  in  ba$  «Qauä  von  Georg  Döring 
gebrungen,  ihm  ein  SBiergla*  am  Stopf  $erfchlagen,Fmit  ge$üd* 
tem  Keffer  öffentlich  herumgelaufen  war,  unb  Stuflauf  gegen 
ben  ?Xatb  erregt  hatte,  gerner  famen  gleichfalls  in  bie  Sicht: 
3ohann-  unb  9ttfla6,  weil  fte  |lch  legten  angefdjloffrn  hatten. 
$ei  biefer  Gelegenheit  hatte  «Bogt  noch  einem  gewiffen  Georg 
Xcttfud  eine  SEBunbe  beigebracht.  3»  bemfelben  unb  bem  fei* 
3abre  theilten  baffelbe  ©cfnrffal  mit  ben  Vorigen:  3efel 
r  unb  äalbcnburg,  weil  fte  einen  Wann  mit  Steinen 


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120 


warfen  unb  wüfteä  ©efcf)rei  erregten;  ebenfo  3ofoff  ©Hubert 
oon  üemnifc,  weil  er  einen  £)bermeifter  granfe  mit  einem 
Keffer  burd)  ben  Sinn  ftad>;  enbli#  Die  Bürger  ^iperlein, 
£an$  <5ugftymibt,  weil  fte  bie  Sürgerfdjaft  ;u  oerberbeu  be* 
müfyt  waren.  —  Die*  Aergernit*  ging  für  ben  ftatf)  in  ben 
neunziger  3af)ren  faft  unaitfgefefct  fort,  wenn  fidj  aud)  in 
ben  Slcfjtbücbern  oor  bem  3af)re  1401  feine  Männer  mefyr 
aufgejagt  fmben,  weld>e  bie  6tabt  beuten  meiben  muffen.  Db* 
wofyl  nun  feit  bem  3af)re  1401  Ättfllt&et  au$  ben  Innungen, 
itämlicr)  ber  Sudfmadjer:  ^eter  Düster  (1401),  ber  gleifdjer: 
«Peter  Drfele»  (1401)  unb  Diotbgerber:  Jpenfel  granfe  (1401) 
im  *Ratf)e  befanben:  mußten  bodj  in  jenem  3afjre  unb  bem 
folgenben,  auf  ®rnnb  oon  Drehungen  gegen  ben  9iarf> 
unb  3*td)ter,  £ofm,  ©dnmpfreben  u.  I  w.  auögewiefen 
werben:  ßorenj  S3eier  von  9)Jarfer$borf,  $an$  £trofe  oon 
Ullereborf,  1405  ©ofcfdje  oom  <£ee,  $eter  6d)mibt  »om  6ee, 
Glofel  9to$tufcf;er  unb  3oft,  Leinweber.  Diefe  fielen  «uöweifun* 
gen  unb  wabrfd)einlid)  anberweitige  AuSwanberungen  mußten 
ber  6tabt  einen  bebeutenben  Ausfall  an  ben  einnahmen  broben; 
unb  23iele  auöwanbern,  oljne  ityre  rutfftänbigen  Abgaben  \n  be* 
jaulen.  X)eöf>atb  befafjl  ber  äönig  SBenjel  im  3-  1402,  am 
@t.  Slntonientage  (13.  3uni)  bem  ftatbe,  feinen  Bürger  jober 
Bürgerin  aud  ber  6tabt  gießen  \\\  laffen,.  wenn  nid)t  vorder 
an  i^ren  ©ütern  baö  t£igentbum  ber  Commune  ftc^er  ge- 
bellt fei. 

6cr;on  im  3-  1394  rjatte  fict>  öerjog  3obanne0,  von 
Wildau  au$,  am  6t.  SufaStaae  (18.  £>ft.)  oeranlaßt  gefeiert, 
feine  «Berorbuung  wm  3.  1391,  bejuglidj  be$  2Beinfcr;enfen$ 
6eitenö  ber  SBürgerfdjaft,  *u  wieberfyolen ,  ba  man  für;  nicfyt 
in  ber  ©emeiue  baran  gefeljrt  fjatte;  im  %  1405  führte  eine 
äbnli^e  Angelegenheit  ju-  neuen  aufftänbiferjen  Bewegungen. 
Damals  war  c$  weniger  ber  2Brinfd)anf  alä  bie  Bierfutyre  — 
nur  ber  Pfarrer  mit  feinen  Jiaplänen  burfte  audlänbifctjeS  b.  f). 
nid?tgorli$er  S3ier  trinfen,  —  unb  ba«  SMerbrauen,  welche* 
bie  Seranlaffung  gab. 

Die  SJJipfttmmung  in  ber  ©emeine  mochte  fdjon  lange 
bemerfbar  gewefen  fein;  bie  gleichzeitigen  Tumulte  unb  bie 
SBeftfcnafyme  ber  £)rtenburg  in  Baumen,  ebenfalls  burd)  %uty 
madjer  oeranlagt,  mochten  bie  ©örlifccr  ju  ctynlidjem  Skrljal* 

ten  anfpornen.   «Racfjbem  fdjon  mehrmals  ber  ^allifabenjauu 

•  < 


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121 


um  He  ändere  glurgreiw  ber  Stabt  angejunbet,  aber  immer 
nod)  )u  regier  3***  aclöfc^t  roorben  war,  fc^etnt  tun  Anfang 
3u!i  He  Aufregung  einen  hohen  @)rab  angenommen  ju  haben, 
benn  am  2.  3uli  fchicfte  ber  9tath  an  ben  £anbvoigt  unb  bat 
ihn  nach  ©brli&  £U  fommen:  „weil  eä  gmifcfyett  bem  iHathe  unb 
ber  (Gemeine  wunberlich  fhinbe."  93alb  barauf  ging  ein  $3cte 
an  Tineen)  feiler  unb  Martin  Stöger,  wahrfcheinffch  bie 
g*rlt$er  apauptleute,  mit  ber  S^^berung  ab,  Jlnechte  gu 
mtethen,  weil  bie  Xuchmacber  aufgeftanben  feien.  Sediere 
verfugten  unter  anberem  and)  an  mehreren  (Stellen  bie  ©tabt* 
mauern  $h  bemoliren.  Die  ftnfunft  £eller'$  mit  mehreren 
^ neckten  mar  jebod)  noch  nicht  f)inreid>ent>  um  bem  Dtathe 
(Mewalt  ju  geben;  ed  fdjetnt  ein  Angriff  auf  ihn  ftattgefunben 
\u  tyaben,  ba  in  ben  Gasrechnungen  bavon  bie  Siebe  ift, 
ba£  J&eller  gegen  bie  „3Beber"  im  Beritt fte  gewefen  fei.  (£rft 
He  Unterftü^uug  befreunbeter  (ibelleute/ bed  Hauptmann'* 
v.  <&aaan,  bed  £ug  v.  ber  Mx>nt,  SBillrid»  v.  ©u$f  unb  berer 
£afenborn  unterbräche  ben  Shifruhn 
Da  in  ber  ©emeine  bie  föebe  ging,  fte  wollten  9lbgeorb^ 
nete  nach  %irag  an  ben  Äönig  fenben  um  ben  9iatf)  bort  $u 
«erf  lagen,  würbe  JUauä  fetter  nach  *ßraa  gefenbet,  bem  Jlö* 
nige  He  betreffenben  ÄRtttbeüuHgen  machen,  mit  bem  Neben* 
aweefe  bie  anfommeuben  Gefeiten  gleich  gefänglich  einziehen. 
(£d  ging  auc^  .in  ber  ILtyat  ein  gewiffer  ©tachfeft  gu  biefem  3w>ccfe 
mit  mehreren  ©f feiten  auf  bie  SReife,  würbe  jebod)  am 
22.  $ugtiß  in  3ütau  vom  bereite*  benachrichtigten  Nathe  auf« 
gefangen,  fpäter  nach  ®örU$  geholt  unb  mit  ben  ©enoffen  burch 
bad  Schwert  vom  ^eben  511m  Xobc  gebradjt.  Die  ftnfunft  ber 
oben  genannten  5?lbligen  mit  ihren  Änecbten  machte  eä  möglich, 
bafj  unter  ihrer  Decfung  mehrere  33efeftigung$bauten  an  ben 
Xhürmen  unb  hafteten  vorgenommen,  bie  <5tabtmauern  wieber 
audgebeffert  unb  Begleich  bte  3Bad)e  ftorf  befefct  werben 
fonnte,  wofür  man  bie  ©ölbner  unb  ihre  güfyrer  freihielt. 

&önig  SBenset  hatte  fowohl  über  bie  bauftner  al$  görlifecr 
(Sxeignijfe  genaue  Nachrichten  befommen.   5Äm  (Sonnabenbc 
vor  @i.  gorengtage  y\  iÄuguft)*)  1405  melbete  er  bem  üRathe 
©örlifc,  bafj  er  ben  $Rarfgraf  3obft  von  Fähren  ju  ihm 
f chief e,  um  bie  Errungen  in  bet  ©emeine  beizulegen.  $lm 


")  Tu  Angabe  bei  flauet  Eberl.  ®effy  t.  <5.  374.  tjl  unric^ti^. 


- 


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122 


15.  (September  fam  ein  jweiteö  (Schreiben  mit  bem  Befehl 
an  t>ic  ©ärger,  r>om  «farlöftein  auö  erlaffen,  ficf>  ruhig  jtt 
oerr)alten.  man  foUe  *wei  oom  9iat!>e  ii  rtt>  ^n>ci  ron  ber 
©enteilte  au3  betio((mäd)Hgt ,  411  ifjm  fenben,  bamit  er  ben 
^)anbe(  unterfud>en  Hnb  beit  3£irren  ein  (*nbe  maduMi  fönne. 

,9fad>bem  Warfgraf  3obft,  weldjer  bei  feiner  tftnfttnft  in 
3ittau  bereits  bind)  eine  Deputation  be$  görlifcer  9iatbee,  an 
bereit  Spi^e  ber  ©tabtfdjreiber  (taub,  begrübt  werben  war, 
ba$  *on  ben  aufftänbifaSeu  ,£>anbwerfern  befefcte  8d)lo|?  Dr- 
tenburg  mit  gewaffneter  J&anb  lieber  eingenommen  nnb  ?Hufyc 
bafelbft  gegiftet  hatte,  feint  er  am  25.  September*)  mit  bem 
£anbr>oigte  «£ert,og  33olfo  *>.  Wünfterberg  (ber  bem  görliacr 
*Ratbe  fefyr  gnäbig  war,  weil  er  t>ie(  ©efdjenfe  i>on  Jenem 
erhielt)  nnb  bem  fönigltcben  Jtämmerer  Jtonrab  nad)  ©orlifc; 

fattben  ftch  bort,  tt)eil0  berufen,  tljeilö  freiwillig,  um  bem 
Warfgrafen  ben  .£>of  $u  mad)en,  noch  ein:  bie  (jblen  Söerfe 
t>.  ber  Duba  nnb  r>.  SBtberftcnt  mit  tljrejt  ^öfyneit,  Dito 
r>.  Jfcittlifc,  bie  0.  Surgau  unb  Dieburg,  5ßeujel  t).  Dom?n, 
ber  (£ble  t>.  Cottbus,  l'abac*  t>.  b.  @tabe(,  ^etei  unb  Ulrid) 
t>.  ©u$f,  enblid)  Wfla6  von  ber  Sofyrc.  Der  Warfgraf, 
weldjer  gleichwie  alle  genannten  fcon  ber  etabt  beherbergt 
nnb  auf  Jlommun'Unfopen  verpflegt  nnb  bewirket  würbe, 
fcblicrttete  bort  mehrere  attbere  ^iänbel,  j.  SB.  mit  t>em 
t».  ^afenborn,  beffen  Jtnedjte  beö  Stratknraubcö  bcfchulbtgt 
waren,  unb  bewirfte  feinen  Auftrag  ohne  93ltttgericht.  Denn 
er  legte  bie  €>tr,eitigfciten  jwifcfyen  bem  *Ratt)c  Mttb  ber  93ür* 
gerfdjaft  glucflith  burd)  einen  Vergleich  bei.  Dap  ftd)  i'efctere 
fo  willig  gab,  mochte  wofyl  in  bem  (schreiten  sor  ben  legten 
.ftiitrictytungeit  WachfefTä  unb  feiner  ®enoffen  begrüubet  fein, 
deiner  mochte  öffentlich  auftreten  gegen  ben  *Kat(),  weif  ifym 
fein  Äopf  *u  lieb  war. 

Der  2lH$faU  ber  Untcrfudnmg  »or  bem  Jtdnige  war,  wie 
ftch'tf  vorangehen  ließ,  aud)  gimfttg  für  ben  fftatf). 

Der  Äönig  fpvac^  ftch  gegen  bie  ^örlifcer  ?Katr)^  -  5(bac- 
orbneten  fehr  wohlgefällig  au$,  ba#  ber  Statt)  fo  euergifdj  euu 
gefcfyritten  fei  unb  bie  ©cfellen*®efanbtfdjaft  au  ihn  r)abe 


*)  3n  b(1t  SRatljtfrecfjnungen,  neben  ben  Urfnnben  fafl  bie  einige 
Cnelle,  fielet:  Sal>alho  post  Maurieii.  Jtäuffet  n.  a.  JD.  375.  f>a* 
ben  Saturn,  22.  @efctembet,  nnridjtig  angegeben. 


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hinrichten  lajfen.  (Fr  erlief  überDieÖ  von  Schloß  Bettlern, 
Mittwoch  vor  St.  ©aüi  (14.  Oft.)»  1405  einen  SefeM  an 
Tie  (Gemeine  unD  alle  ,£>anDwcrfer,  inebefonDere  Die  Sollen- 
rvetrer  cXiichmadjer).  ftd)  nicht  fürDer  wiDer  Den  JiRath  \u  fc&eu, 
fonDern  Der  früheren  3$erorDnutni.en,  iiwbefouDere  Derer  jtaifet 
äarl'd  unD  reo  .§m<nV*  ^obanne^  eingeben!  *,u  fein. 

Xer  Aufruhr  war  im  3-  1405  noch  nid^t  völlig  unter- 
Dnicft  Xao  Aeuer  qlcmm  in  Den  ^3 ccboftvittcii  in  aller 
Frille  fort,  9tamentlid>  in  Sanften  fant  ec*  wieber  ju  einem 
Sluebniche,  bei  welchem  man  Den  ?Nath  abfeftte  unD  einen 
neuen  wählte.  &cnu\  Geniel  bereifte  Deshalb  im  'X  1408 
fcibjt  Die  Vattft^,  um  Die  ^erhältuiffe  ber  sHnwiiM  in  Reifen 
fennen  41t  leinen.  (*r  hielt  in  Sanften  ($eridH  tttiD  ließ  vom 
neuen  Statbe  14  ^erfoneu  auf  öffentlichem  SWarfte  enthaupten; 
100  8nDere,  welche  gleichfalls  inm  loDe  serurtheilt  waren, 
würben  Durch  Die  ftürtpradie  Der  iHoniqtn  3opbie,  befreit  unD 
in  Die  ?ldH  gefchirft.  \n  (*wrli$  würbe  mau  Durch  Diefe 
'Sd)redcnefunDe  fing,  (yhe  Der  ,Uöniq  Dorthin  fam,  t>cr*^lict> 
nd)  Der  *Kath  auf  qutltchrm  3ikcie  mit  Der  6urger?chaft,  wo- 
Durch  Dae  Ungemad)  serfdnncht  wurDe,  ntmat  Die  StaDt  Dem 
gelDhnngrigen  &enige  eine  Summe  borgte. 

l^an  emfefinq  ihn,  bei  feiner,  Witte  Oftoberfl  erfolgenDcn, 
Slnfunft  am  3  bore,  unD  friedete  tt^tt  nach  Dem  Sdwnhofe,  wo 
ein  Duartier  bereitet  war.  Um  anDeru  Sage  ließ  er  fid>  auf 
Dem  Stuhle  De$  $3urgermcifter$  uieDer,  um  Die  klagen  jjh 
vernehmen,  hörte  aber,  nadt  ^erabrebnng,  von  betben  Parteien 
Die  größte  ^urrreDeutjeit  äußern  unD  war  Deshalb  fehr  guäbtg. 
X>ic  freie  $atb$fnr  wurDe  jebeety  biö  jmm  1412  twrent* 
halten,  wo  fte  wieDer  writefgegeben  warD. 

<5ett  Diefer  $tit  finDen  wir  feine  befonDeren  Unruhen 
mehr  in  (*wrlifc,  waö  jweifelloö  ber  gemeinfamen  Gefahr, 
welche  ffcetö  Durd)  Die  Jpuftten  Droste  unD  Den  flnftrenguugen, 
welche  ^ener  ?Kaub*üge  Der  ganzen  sbürgerfdjaft  vernrfad)ten, 
«uinfchretbeu  tfr,  weniger  Der  Uebencuguug,  Daß  Der  *Katf)  in 
feinem  fechte  fei.  Xocfy  nehmen  wir  Den  Webefleifchfcben 
flnfchlag  an6,  weldjer  bei  (Gelegenheit  Der  pobiebrabifdien  Un- 
ruhen er*äl)lt  werben  feil. 


.  124 

»terte*  SSapittl. 

3)ie  ©ewalttfjat  gegen  9teub<iH*.   #änbel  mit 

Dftri&*)  1368. 

Ungefähr  7  @tunben  von  @orlt$  in  ber  ^a<^c  nach 
6agan  $u,  liegt  ein  Dörgen  9ieuhau6,  gegenwärtig  tigern 
thum  Der  (Stabt,  welche*  im  3at>re  1368  bem  $erjoge  9$olfo 
von  <Sa)meibm$,  einem  bei  Jtaifer  $arl  IV.  fefyr  angefehenen 
nnb  ihm  felbft  nahe  »erwanbfen  Surften,  geborte.  &er$og 
93olfo  ^atte  bort  an  ber  X$f<birne  ein  <5tdbtd)en  unb  Schloß 
gebaut,  in  golge  beffen  bie  2Baiowagen,  6al$wagen  unb  an« 
bereö  gubrwerf  bie  frühere  (Strafe  $u  meiben  begannen,  nnb 
ben  2Öeg  über  9ieuhau0  nahmen.  'bie  Söerobung  ber  früheren 
Strafe  erbitterte  bie  ©örlifcer  attßerorbentlich  ;  jie  befchlotTc" 
ba6  ihnen  (Affige  <5chlo$  fo  wie  fämmtUaVn  neuen  Anbau  in 
9?eufyau0  )u  befeitigen,  wagten  jebod)  bei  Eebjeften  be$  ^er^ 
gogä  fein  foldjetf  Unternehmen,  kaum  war  aber,  am  28.  Juli 
1368,  ber  £er$og  gefrorben,  alä  ©örlife  ben  übrigen  @ea)$* 
ftäbteu  jümuthete,  gen  $euhan$  $u  $iec)en  nnb  baä  Schloß 
niebergu  brechen,  bei  weitem  Antrage  man  vorgab,  92euh<uid 
fei  ein  <Sd)(upfwtnfel  für  (Strafjenräuber  unb  bitter  vom 
Stegreife.  6d  warb  noa)  hinzugefügt,  biefe  Angelegenheit 
werbe  ben  (Becbsftäbten  feinen  <S<hat>en  bringen,  bd  bte  »er? 
wtrrwete  ^ergogtn  Agttet*  von  (Schweibnifc  bei  Äaifcr  ^tar( 
nia)t  in  fo  tyobtm  Mnfefyen,  wie  ihr  verdorbener  ©emahl  flehen 
foüe.  3)ie  (5täbte  weigerten  ftd)  jeboa),  bem  Anfinnen  gu 
willfahren;  fie  lehnten  ed  ein  $weite$*,  ja  ein  britte^mal  ent* 
fdwDen  ab. 

x  $)a  nahmen  bie  (Dortiger  it)re  3uflud}t  ju  einer  £itl 
Sie  fct)tcften,  ungefähr  fechä  2ßod)en  nach  ber  lefrren  $wriid; 
weifung,  ihren  Stabtfchreiber  gu  jeber  ©labt  unb  baten  um 
£tlfe  su  einem  3U9*  gegen  ©traßenrduber:  „wohin  fte  $ier)en 
wollten,  fonnten  fte  aber  nicht  fagen,  weil  fonß  bie  erfrrrbte 
Ueberrafchung  $u  Richte  gemacht  würbe;  übrt^enä  verlangten 
(te  nur  wenig  SHamifchaften,  ba  ©örltfc  bie  $aupt&ah(  ber 


*)  -fcanptqiifUe  3of)aim  &on  ®uMn.  (N.  Script,  rcr.  Lus.  I.  34  f.) 
»ergl.  jtaufar'«  Cfrftl  @ffd>.  I.  SS54  ff.  <gd>eifr,  ©efammt ;  ©efdjtdjte  btt 
Dbet--  «.  «Rieb« *8aum>.  I.  447  ff. 


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125 

i   

Kne$te  (teilen  würbe."  Waty  einigem  93ebenfen  faaten  bie 
(Staate  $u,  jebod)  mit  rem  Vorbehalte,  tat?  <&örfi(  alle 
3krantwortlid)feit  traaen  muffe,  Statürlid)  übernahm  ber  üftige 
<8iabtfa)reiber  riefe  £$erbittblia)feit. 

lemnad)  famen  in  rev  ftbenbbäntmeiuug  gegen  $Beif); 
na d) reu  tote  Kontingente  von  kauften,  Zittau  unb  fcöbau  tiad> 
CVe i  Ii 6 ,  unb  würben  um  3Ritternad)t  von  ben  (Borgern  nad) 
bei  4£>aibe  geführt,  100  baä  ben  lieb  vi  gen  u  11  Mannte  Schloß 
unb  r  tartehen  ^enhane,  nebfit  jwei  l>  nVitbantmcrii  ohne  Sfttei* 
tcree  von  ihnen  niebergebranut  würbe.  Wart)  biefer  3"  tun 
wollten  bie  6täbtifd)en  naa)  3  agan  ai  einem,  angelegten  I  er* 
mine  reiten.  Die  (Dorumer  jebod)  ritten  ohne  2öiffen  ber 
übrigeu  Stäbre  weg,  überfielen  gufyrleute  ber  .<öeno  gin  &gne$ 
von  <8d>roeibni$  auf  ber  S troße  bei  s.Venhauö,  banben  unb 
foppelten-  bie  armen  Vente  unb  führten  ftc  gwangöweife  fammt 
^ageu  unb  ©ütern  nad)  ©öriift.  $wtd  riefer  abermals  ge* 
fe&wibiigen  ^anblung  war,  bie  gubrleHte,  welche  bie  Strafe 
über  ^ienhano  einklagen  wollten,  in  dauerte  11  311  fefcen,  ra* 
mit  fle  wieber  bie  alte  Straße  wählten. 

Xiefe  Uebereiluug  (eilte  ben  (Morü&ern  großen  Kummer 
beretteu.  Kai  (er  Karl  IV.  war  bamald  außer  i'anbeö  unb  hatte 
bie  DbeHBerwaltuug  iBöhmenö  mit  ben  jugefyörenben  Krön« 
lanben  bem  6rgbifd)ofe  Johann  von  $rag  übergeben.  I  ie 
£erjiogin  befdureue  fid)  bittex  über  bie  $9el)anbiung,  weld)e 
ünem  3täbtd)en  unb  ihren  Untertanen  rind)  bie  übermü* 
tbigen  Sedjdftäbte  zugefügt  worben  fei  unb  bat,  fte,  bie 
SBirtwe,  bei  ihrem  9ted)te  51t  fd)ü$en.  I  >ie  golge  bavon  war 
eine  Station  ber  (5ed>dftäbte  umt  faifer(id)en  ctattbalter  nad) 
$rag.  Jjpier  erinnerte  ftd)  ber  grgbifcbof  baran,  baß  bie 
6ed)dftäbte  i'id)  fdjon  früher  über  bie  6rraße  von  9teut)auö  bc* 
febwert,  unb  er  Abhülfe  in  biefer  Angelegenheit  unb  ^efdjwerbe 
bie  nad)  Wüdfebr  be3  Kaiferö  jugejtdjert  hatte.  (£r  madjte 
bie  Stäbte  auf  riefen  <&vrucr)  aufmerffam,  fuhr  fte  heftig  an 
unb  fagte  ihnen,  baß  fowofyl  ber  König  von  sj*olen,  alö  ber 
König  von  Ungarn  heftig  erzürnt  wegen  biefer  grevelthat  feien. 
(5o  fönne  fogar  ber  «fter^ogin  f dienten,  al6  wäre  bie  Untbat 

auf  reo  (ynbtfdjof*  ^at,)  uut>  utUer  fc*ner  SWirwijfenfdjaft  ge ■■■ 
hinten,  wäfyrenb  er  bod)  ber  gürftiu  $(Ued  ai  ©efallen  ge 
than  hatte  unb  ftettf  ihr  Scfyufcberr  fein  würbe.    Dbworjl  bie 
übrigen  6täbte  mit  <Rea)t  bie  Sa)ulb  auf  ©örüfr  allein  fa)o* 


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Ich,  würben  bie  flbgeorbneten  alter  6  table,  nicht  MoS  bie 
von  OJörlife,  auf  Dem  dcatbfyaufe  ut  *J$rag  üt  ©erwal)rung  ge* 
galten.  Die  (Erbitterung  beo  lvi*bi|ct)ofe  mar  noch  baburd) 
firfteiftert  werben,  bap  er  tu  (mmIhuii>i  brad)te,  bie  OKuImut 
hätten  vor  ihrer  &breife  nach  ^rag  reu  ©cfebl  ertbeüt,  bie. 
noch  übrigen  Irihumer  von  Kctt^ane  ttMWtfd)cn  bet  (Srbe 
gleid)  ku  madjeit. 

$cad)bera  bie  ftabtifd)eu  ?(bgeorbneten  einige  $age  in  OJe- 
faugenfchafl  gewefen,  würbe  euDltd?  tut  $tkge  inüiibücher  ^er* 
hatiDdtngeu  benimmt,  wenn  bie  c  table  bei  Der  «frerwgin 
(Mnobe  erlangt  uub  bie  ^er^ogm  ben  terjbtfdwf  um  ^ci^cihttH^ 
für  bie  <Bed)*ftäbte  angegangen  fei,  er  ihnen  ben  «£>anbel 
gnäbiglid)  vergeben  wolle,  £lm  21.  Jaituor  1369,  aljo  am 
läge  Der  heiligen  tfgncd,  —  matt  ftebl,  wie  polirifd)  fein  bie 
<sed)$ftäbte  gerabe  ben  Namenstag  ber  ^erjogiit  su  t()rem 
OhtabengefudK  ausgewählt  hatten  —  famen  Die  8taDte  nad) 
8d)weiDnt&,  ttnb  erreichten  ben  Jwerf  ihrer  Beübung.  Demi 
fte  würben  |ttr  Sühne  wgelaffen,  nad)  ^itofiellung  eilten  Sie* 
verfed,  „Dan  fte  feine  Strafie  hittberu  molUen,  bie  aus  ober 
nad)  bem  Vattbe  bei  ,£>erwgin  führe,  überhaupt  nicht  eher,  altf 
4  lochen,  nad)  erfolgter  ?titjeige;  ferner,  ban*  fte  batf  8  t  vi  Dt 
d)en  s)(enhatti5  au  ber  :J^fd)irne  gerabe  fo,  wie  eö  vor  ber 
3crftörung  gewefen,  wieber  aufbauten;  enblidi,  bap  ber  ©au 
am  Sonntage  ^nvofavit  mit  ben  beiDen  ^öirtbobäuferu  \\\  bt* 
ginnen  habe."  —  Der  @ri,bifcbof  liej?  biefe  ^unfdqe  (Melegeu- 
heil,  (*telD  von  Den  Stäbten  ut  erpreffett,  nicht  vorüber  gehen. 
(£r  vcrurlhctlte  bie  £täbte  *u  1600  Schorf  böl)in.  (#rofcheu 
StrafgelD.  Die  übrigen  StäDte  wollten  fid)  $ur  Zahlung  biefeö 
OielDeö  tüd)t  verfteheu;  etf  veranlagte  Diefe  ^Angelegenheit 
mehrfache  ^Keifen  unD  uuenDlidie  Sdrreiberei,  bid  euDlid)  (Mörii^ 
vnti^  erlegte,  uub  am  8t.  Jiafobotage  1369  bad  StrafgelD 
berichtigte.  Jur  Aufbringung  bee  (*klbeä  mußte  bie  Srabt 
eitt  aufjerorbentlid)ee»  Sd>afrgelD  auflegen,  watf  gro|ie  Xufrc 
guiig  uub  bie  oben  angeführten  Unruhen  veranlagte. 

Der  ©au  felbft  bereitete  ber  8tabt  auHerbeut  noch  grofte 
Sdjwiciigfeiten.  Demi  ber  «fterjog  Sagau  wollte  fol* 
d)en,  ald  auf  feinem  (^riiub  uub  ©oben,  nidjt  Dulbeit,  wed* 
halb  Die  Maurer  ttnb  ^immcrlcute  mehrfach  von  ihm  $ur 
(£htweidmitg  von  -Neubauo  gezwungen  witrDen.  2(uf  Der  aiu 
bem  Seite  Droste  Die  ^er^ogin  v.  Scbweibnty,  wegen  $ichtau& 


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füfyrumi  übernommener  Verbinblicbfeireu ,  rn  rurr  ©örlf$ 
mit  üjrcm  >iue,  wenn  Neubau ^  m.M  balt  fertig  gebaut 
werte.  Xafjer  mußten  von  Öorlifc  auo  Unterbaut  ler  balt 
nad>  £  a ^ a n ,  balt  uad)  Sdjtveitnift,  balt  nad)  sJJrag  reiten, 
fo  fcap  Die  .Hoftcu  in  tiefer  oadje  fcfyr  bebeutenb  anwürfen. 
Xer  $au  tonnte  erft  un^eftört  betrieben  werten,  ale  bie  3tabt 
uad>  Sieuf^au*  eine  $kfa&ung  von  40  sJLVauii  gelegt  batte. 

Xer  Streit  würbe  taturd)  beigelegt,  baß  entließ  ©brlifc 
im  3.  1377  bae  Stau  dum  v)Jeul)auo  taufte.  Xaß  bicrauf  mit 
fofortigem  viihucbe  nidu  gefäumt  wmte,  ift  natürlid}. 

tao  ialjr  131>S  fällt  uod)  bie  Aeboe  gegeu  C>ftrifc>*) 
Xiefce  aufblühende  3ta*td)eu  maßte  fub  uämlid)  unter  beut 
Sd>u$e  Der  ftcbtifttu  iMgneo  I.  0.  $rißlau  slHaricntl)al 
Stattrccbte  an,  braute  s£ier  nur  vcrfubr  baffelbe  in  bie  Um 
gegenr,  ja,  mau  baute  fogar  eiu  ftatybautf.  JJpierburd)  wart 
Der  t>cr  Stätte,  inöbefoutere  Jittau'd,   erregt.  Xie 

Scdjeftabie,  baruuter  40  ©leren  (circa  200  sÄanu)  von  (#öcli$, 
jogeit  am  12.  Xcjember  l.'Jtitf  uad)  Ctinn  uut  brachen  taö 
neue  Dtathbauö  ab,  obgleid)  fid)  bie  vu  im  im  mit  reu  Colinen 
von  s3Warientl)al  uuter  ba*  Waihbaud  gefegt  haru-  Vlmb  bie 
Statrmaucen  nnirten  ber  (5rte  gleich  gcutacfyt.  Xaß  tiefe 
neue  (Mewaltti  n(  ten  Unwillen  am  Präger  4)ofe  gegeu  bie 
z  tat  il  nietyt  verminterte,  laßt  fid)  wobl  benfen. 


£>örlifc  unter  £eriog  3obanncä.  «Pcfjmgertdjt.  Jebbe 
ted  jgfefjogd  mit  tem  v.  $iberftein  auf  grieblanb. 
Vertreibung  ber  3uben,    1376  —  1396. 

i&ine  auöfübi ii die  (.sumind>re  bed  merfwurbtgen  ^hriiuen, 
ehieo  ter  ^enigeu  beö  Uu^b^gUd^CU  ^aujeä,  von  bem  nod> 
feiue  Special * SBiogravbuT  erfSicneu  ift,  (int  wir  in  ter  %i* 
ulmlm-  von  oun  im  111  du  im  r.  raube  \\\  geben.  Xie  ^ebeu- 
tung  biefee  Surften  reicht  weit  über  bie  ©renken  wifered  SkMf* 


•)  MMflfbei*«  Okfa.  w.  ÜÄaritn^al,  <g.  72.    Johann  t>e  (Mnbin, 


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bilbeä  hinaus,  unb  ld.ua  eö  fann  hier  all  ein  von  unö  in  $e? 
tradjt  gejogen  werben.  s)tur  fo  viel  glauben  wir  fageu  gu 
muffen,  bafi  ber  .  Jfreriofl  von  ®6rlift"  feine*  wegä  ben  trau- 
rigen Stuf  verbient,  mit  welchem  bie  anwi jfenheit  leiduf  eiliger 
©efd)id}tfdjreiber  feine  ^irffamfeit  um  bullt  bat;  baß  er  freilich 
in  golge  feinet  Xoreo  im  jugenbalter  ben  Wubm  fid)  nicfyt 
bat  erwerben  tonnen,  welken  fd)on  feine  5  baten  alo  jüugling 
bereinft  vom  reifen  tarnte  erwarten  liefen,  üffiie  fd)on  gefagt, 
ift  feine  $ßirffamfeit  eine  mel)r  univerfeUe,  nur  barjer  in  &ejug 
auf  unfere  8  tarr  nicht  von  ber  $kbeutfamfeit  ui  welker  ber 
$itel:  gfjjgjgfl  ttffl  «ßlorlift"  hm»diHgt  &ber  aud)  in  bem, 
wad  bie  6)efrt)id)t*queUeii  von  ©orlifc  jur  Hufflärung  bieten, 
futben  wir  in  ihm  ffctti  ritu&  tragen  ^i>olliiftlingo,  einen 
jüngling,  ben  von  bei  fiubcftcu  $tii  an,  wo  er  uiredmungd* 
fähig  wirb,  bie  fffytttrjta  Sorge«  beä  4perrfd}crfyaufc*  bc* 
angingen;  beffen  furjeo  Veben  et  füllt  ift  von  Unruhe,  top  uub 
üäufduing;  ber,  —  ein  gürft  — ,  oft  felbft  bunt  bittere  2ti 
mutl)  bebnitft  wirb.  (>iibIoö  ^jn*  mW  fyergetrieben  von  bm 
verwirfelten  $krbaüniffcn,  bie  fein  jabrbunbcit  uub  rao  v£taatä« 
leben  jeneö  ßritalterd  überhaupt  bewegten,  febeu  wir  ihn  dürften 
mit  ihren  Golfern  wieber  vereinigen,  feinen  unglüdlidjen  trüber 
BBengeJ  retten,  ja  bie  bobmifdK  trotte  audfefyfagen,  welche 
er  bei  ber  allgemeinen  iMbutauug  gegeu  .Honig  sIi>euul  uu 
behinbertjuiMeui  foauvt  t)ättf  pfr»»  fr?'MiX"  Jit  vfct* 
wirf e  1 1  f t  e  tt  juftätibcu  tyarrt  er  au$ unbo  e  ft  c  h  t  mannhaft. 
£>ffenfunbig  leuchten  feine  ^Bemühungen,  bie  l  littet  t  ha  neu  ;u 
beilüden;  gütig  uub  milbe  gegen  biefelben,  befolg!  für  ü)re 
Wohlfahrt  in  einem  Älter,  wo  8ohne  uuferer  jjeil  faum  ;um 
crftenmal  frei  in*  Vebeu  treten,  würbe  er  fidmlid)  im  reifen 
Hilter,  feinet  Urgrojwaterfl,  St aifer  ^einrid)^  VII.  glorwurbigen 
Änbenfeuö,  nur  feinet  unenmlbltchen  5>au"ro\  JfarVö  IL,  nid?t 
nnwürbig  gewefen  fein.  Slber  fein  guter  OJeniu*  verfapt  ihn; 
ein  buufleä  ^erhäugiiifi,  ffiflrbig  ber  $Bethe  beg  Dnunaftferg, 
verfd)lingt  ihn,  uub,  bind)  unergrüublid>e  Sohauhbat  fein  for 
geuvoUeä  Vebeu  in  einem  Hilter  von  noef)  nicht  fcjftÄ  uub 
iwaniig  jähren  enbenb,  verfdjwinbel  er  plofttity  vom  cebau 
jiTaJeber  2ÖeitgejdjuJ>rr,  in  ben  morbbefledteiiSÄguumciucd 

johauueo,  £erjog  von  (Morlitj,  iufel  reo  itttcilicbcu  Mc 
nigtf  Johann  v.  Rohmen,  aud  bem  #aufc  l'uremburg,  war 


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ber  frriO£  5ofrn  j&iiia-Jtol^Vv  <weua,t  mit  reffen  vierter 
Öema^TiriTTfnjaFe^  Xodjter  £er}oa,  Sooftta*'*  V.  t>ou  Bom- 
mern, einer  "iamOveldje  bei  auca.eL1«d)netei  Ätiipexiö)iMil)e^ 
fo  ungewö>iiüa)e  £tärfe  bei'ap,  bap  fie  äudjeumenYt  wie  Ra- 
pier jufammenbnidte,  £«feifen  mit  ben  Rauben  jerbrad)  unb  1 
aauje  ^angcr;  wie  ^ei«ewan^^'amnieurji>Ute»). 

Gr  warT^eboreii  auf  Dem  faiferli(f>eu  ^TffJfoMc  ^u  ©rag, 
am  22.  3nni  1370,  «beiib*  10  Ur)r,  unb  biete*  (Sreiqnip 
aldbalb  überall  Inn  flentelbet,  unter  anberem  bureb  einen  sBnef 
an  ben  ftarl)  ui  ©rrajibHra,,  welche*  Schreiben  nod>  vor* 
banben  ifi~).  «eine  laufe  i)efcf>at>  am  24.  3hm,  beut  3o* 
baimtetage.  Die  (*rjiebuna,  beo  ^rinjen  fiibrte  anfänaNd? 
ber  93ifd>of  von  geHbu^nnter  ben  3(uqen  betf  ^atferö,  ber  \\i 
im  ^clcTTTUfiiH  gfuftenjeiner  3eit  gebort***),  welcber  $ifd)of 
jebodj  bei  3ofjann  unb  beffen  älterem  ©ruber  Sifltmmb,  int 
3.  1374  )u  Xangermünbe  jurürfbliebt),  all  ber  Äaifer  bem 
Aelr;ua  gegen  Warfgraf  Otto  v.  ©ranbenbunj  bein>of)ntef*). 

»ei  ber  «Rücffel)r  be$  tfaiferS  nad)  ^rag,  bereitete  ihn 
feine  gamilie,  barunter  audj  ^rip4^^ol;auuci< , _jvc(d>en  bej: 
St a  tfa ^mi^-~Um,^uucii . . £M))iuub. „4«jn  Warf graf eV /  Yuu 
^r^iuJutt^.  ejaiajmte.  £>er  äaifer  liefi  tajon'TNtmat*  unter 
Johann*  tarnen  ttfityrere  Verträge,  babei  auä>  bte  (£rbreini* 
gung  ber  Warf  mit  Dem  tö&nigreia)e  ©öffnen  r>oÜije()cnf**). 

3n  ber  erften  tyit  feincä  bebend  füljit  3ofyaniie4  ftetä 
ben  Xitel  eines  Warfgrafen  von  Söraubenburg;  bod)  gehört 
ber  weitere  3u|animen^an^  unb  baä  ÜBerfyältnij?,  in  wc(d)cm 


•)  Benesch  de  Weitmil  ehron.  üb.  IV.  b.  Saljre  1371.  (SS.  rer. 
Boh  D.  409.)   Sfabad),  ©efd).  Äaifer  Sigmund  l  5.  u.  a. 
••)  SÖenrfer,  collect,  archiv.  i>.  Ii6.  u.  a.  a.  O. 
••")  @.  meine  abljanblung:  Ueber  JTaifer  Äarl  IV.  al«  SdjriftjteUer: 
SRaaaj.  3abrgati3  1849.  6.  I  ff. 
t)  Catal.  abbat.  Saganeus.  bei  Stemel.  SS.  rer.  Silesiac.  ©.  199. 
t")  »iebel,  cod.  diplom.  Brandehurg.  Slbtb.  II.  ätot  3.  6.  51. 
Urfnnbe  \Uo.  1168. 

«m  17.  SWai  1374,  am  18.  1374.  (d.d.  $rcm*lai»).  «Riebet, 
a.  a.  JD.  e.  31.  32.;  am  28.  SWai  1374  (d,  d.  ©üben)  ebenb.  6.  39; 
am  5.  3uli  1374.  (d.  d.  Xangermünbe)  ebenb.  ©.  47  ff.  in  i»ei 
fumenten  u.  a.  a.  JD.  Äönig  2öen}el  befolgte  gleid^faUd  ben  »rauet) 
feine*  »ater*  bei  «uoferttgnng  braubenburgifd)er  Urfunbeit.  Rirtel 
a.  a.  D.  ©.  90.  93. 

9ef^ia>t<  »on  «crm.     ^  9 

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er  anr  SÄarf  roäf)renb  feinet  tfebenö  ftanb,  nid>t  in  unfere 
6tabtgefd>id>te. 

$11^  Jtaifer  Äad  im  3.  1376  baä  (£nbe  feiued  Vebeno 
bei  immer  abneljmenben  &räften  vorauefab,  orbnete  er  baä 
(£rb|cfoaftdverl)ältniti  fetner  9?ad)fommlinge.  33ei  biefer  ®elc 
qenbeit  befam  ber  tjeJ^jatyi#ir>^o^  bie  92eumarf,  bie 
9tieberlauft0  unb  außerbem  bic^^TSTürli^  mit  bej^Mad 
gjorj^  —  Die  übrigen  ^cd^|Y^r  Wr^^'tef  löc b men . 
ncbii^ciiö  ift  ee*  uocf>  uubejttmmt,  ob  Mc  Stall  Vauban  mit 
ilucni  SBejirf  ^ um  numnerjrigeu  gürftenrr/um  (Dör(t$  gefdjlagen 
innre.  Vaubau  tventgfteiiö  wirb  in  jener  >u  aio  unter  bc 
fenberer  böfjmifdjer  ^>errfd) au   ftefyenb,   nnlu  mit  erwähnt, 

wenn  von  j^HlKJuJiiibÄ^rt11.^  HUl>  $8$Jßi  ~^iJH^JiJ^ 
Sine  befonbere  Urfttnbe  libfi*     ^fifTiTufl  fcicjcd  n^ni  güijTciu 

tfyumo  ift  tue  je$t  nidu  aufgefunbett,  nur  fo  viel  wiffen  wir, 

bafj  mit  bem  (>inmtt  bed  neuen  3alne$  J 377  Maijev  Maxi  IV. 

von  $rag  auö  au  beu  Warb  ui  ©örlifc  bie  33euacrnid)tiguug 

eil  ich,  ,,t-afj  cv  feineu  jüugfieu  Selm  jobaune*  ^um  $er&ege 

von  @ör(i$  verorbnet  unb  bafelbft  ein  fonberlicfyeö  guiften- 

tbum  eingefefct  kibe,  welcf/eö  vou  bem  Könige  unb  Der  Jtrone 

Söbmen  ju  Seijen  gcfyen  foü."    $ier  ijx  bie  erftc  9facf; riefet 

vou  ChmiL img  bee  ^ iu ftciithnmö  (5örü$. 

3n  fjleidjer  3^t t  würbe  befohlen,  baß  s.Bter  auö  bem 

9tatl)e,  SBter  auö  Den  Vleltefteu  unb  3wei  auä  ber  übrigen 

©emeine  auf  näd)ftfommenben  Dienftag  nad)  6t.  *Pauli  voe* 

fefjrung  (27.  3anuar  1377*),  nad)  ^rag  fomraen  unb  bem 

£erjoge  ljulbigen  folltcn.    Die  10  ^erfonen,  an  ber  8pi$e 

ber  Söürgermeifter  3ofcflÄÄ~ iwiJ)ieid>enbad)  nebjt  bem  borgte, 

fuhren  bafnn  in  $ßagen,  wel<f/e  baju7  nadjpben  Iftatfjöred)' 

mtnaen,  Hm  24  ®rof(6en  angefertigt  worbeu  waren.  Die 

«Reife  foftete  ber  6tabt  44  Schorf  ©roföen.    Den  Xag  nad) 


•)  $ie  Urfunben  ftnb  in  bem  Dberl.  Urfunbcuüerjeidju.  nadNufcben. 
3u  x>crgl.  tfi  Älof; :  ©effy  b«f  $erjog<J  Spanne*  wu  ©örlifr,  »on  beffen  v 
£bfd).  auf  ber  Äatb«bHjlioü)ef  .Rödler  im  ®i>rl.  3öegtt>.,  3al>rgang  1839, 
einen  Xbbrud  beforgt  unb  mit  mertbvolten  (Srlänterungen  verfeben  bat. 
CDiefe,  »orjjüglidj  auf  bie  mit  bem  3aljre  1376  beatnnenbeti  gört,  Math»*; 
redjnungeu  gejtü&te  ©efdjifye,  n't  bi«  vorjageiotife  im  Butfjuae  n>ieber= 
gegeben  unb  babei  ramal#  nodf  unbefannte  Duellen,  wie  9tiebel'6 
Cod.  dipl.  Brandcb  ,  bie  «b^anbL  ber  fönigL  böbm.  ©efeUf^.  ber 
in  ^Jrag  je,  gu  OiaU)e  gejegen  toorben. 


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ber  ^Hlbignng  erhielten  bie  »bgefanbteii  bie  $eftdtiaung  ber 
Privilegien  von  bei«  neue»  #erjoge,  beffen  Siegel  mit  ber 
Umfdutft:  „Jobannes  dei  gr.  roarchio  brandenburgens.  et 
dtix  gorlicens.44  an  ber  Urfunbe  Mng. 

Die  Stellung  von  ©örli$  ui  ben  <5ca>dftäbten  nnirbe 
bierburcty  md)t  veränbert;  bie  <Stabt  behielt  im  93unbe  tr)re 
'»fechte  unb  SBerbflidHungen  uub  übte  fte  ftetä. 

«te  ^erjog  *u  ®örli$  ftanben  bem  SWarfgrafen  Johannes 
im  qörlifcer  Ui eife,  ber  Stabt  (Morlin  unb  ben  baui  gehörigen 
@tät>td>en,  £errfa>aften  unb  Dörfern,  alle  ©eredjtfame  eineö 
fcanoe^errn  $u.  ör  erteilte  unb  veibefferte  bie  Privilegien 
ber  6tabt  unb  9citterfcf;aft,  übte  baS  $elehnung3^Jiea)t,  bie 
ÖejieUting  ber  Saubeäämter  «nb  bie  oberfte  ®eria)t$barfeit, 
be;og  öjfentlia)e  (Sinfüufte,  bot  bie  Untertanen  \u  Äriegäjügen 
auf,  mutlte  aber  babei  alö  börjmijdjea    Untnlctu-iKShcrr  r<a 

4ci*  Mwattom  bie  bireftc .  &xx\Ml 

<ug7immr 

Da  3o^ann  im  Anfange  feine«  Regiment*  nod)  immun 
big  «nb  Äönig  äüenjel  fern  Dbersormunb  war,  fernen  roir 
Vetteren  aud)  or>ne  >naun*  Unterfd?rift  ober  9?amt)aftma(bung 
oberherrliaje  ©eredjtfamc  ausüben,  '©äfyrenb  t»iefer  3cü  fianD 
®örli$  mit  ben  übrigen  6ed)öfräbtcn  unter  bem  fcanbvoigte 
be*  ÄönigS.  3n  einigen  gällen  behielt  ftd)  aud>  ber  &onig 
bie  Seftdttgung  ber  von  £er*og  3obann  verliehenen  pri^ 
vüegien  vor;  er  bot  bie  Untertanen  3oi)ann'$  m  Kriegen  auf; 
lief  jtdj  von  ihnen  (Steuern  bemblcu  unb  alle  £anbe$gefeöe 
für  33ö()men  unb  bie  einverleibten  Sanbe  galten  aud)  für  ba$ 
fiurjtentbum  ©örlifr. 

3n  geijtlid^en  Angelegenheiten  blieb  (Moriin  unter  bem 
Eiflthum  deinen;  bie  Vlbfidu  be*  £er$og6,  in  (Morltn  ein 
tyfimsAtayitii  für  baft  ftürftenthum  ^u^td(fyt$n  unb  Demgemäß 
au3*ufitatten,  ift  burO)  ben  fruTjen-^oB  beä  jugcnblia^en  {Jürgen 
mit  U4  (Mrabe  getragen  tvorben. 

Jtaifer  Äarl  unternahm  in  ber  gaften^eit,  im  .  3.  1377, 
mit  ber  tfaiferin  unb  bem  Öerjog  3ohanne$  eine  Steife  nad) 
ber  SWarf  SBranbenburg.  Den  4.  s3ttärj  1377  trafen  fie  in 
C^orlin  ein.  <>■&  würben  bamate  beim  Empfange  ausgegeben 
für  ben  £ofjiaat  be*  Äaiferö  3  Sa)otf  12  (Shr.,  für  gtfa)e  unb 
$rob,  für  Söein  unb  33ter  8  6d)orf  18  ©rofaW 
ferin  reia)te  man  al*  ^xtn^mt  10  @a)od,  8  £if<htöaw 

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5  ,£>anbrüd)er  unb  8  6tüef  Semewanb  für  if)re  &leiberfammer, 
bie  °  auf  2V2  <2d)orf  angefe$t  fiub.  $>em  «Öerjog  Jobartnees 
mehrte  man  "20  Sa)orf,  feinem  Jöofmeifter  2  6d)ocf,  feinem 
«frömmerer  l  (5d)orf,  «Ipcinfo  v.  $)?evenwalb,  bem  Jtangler  ber 
itaiferin  §«  Kleibern :  3  Sajoef  20  ©rofdjen.  £)ie  itödje  unb 
3$ratcnwenber  nebft  ben  übrigen  Jtämmerern  erhielten  für 
2  ©dwrf  12  ©r.  iud)  gcfa)enft. 

$)cr  ÄcUfer  blieb  je&t  mit  feiner  gamilie  nur  für  je  ^txt 
ba,  unb  ret^e  $unäd)fl  biä  Sauden  unb  von  ba  nad>  ©üben, 
in  $kgleituu$  beä  53ürgermeifter$  von  ©örli($;  bie  Iföatfyäberren 
Sodann  (Srmelreia)  unb  ^eter  $on)e  nebft  bem  s4$oigte  folgten 
bem  Äaifer  nad)  Xangermünbe,  wohin  er  ftd)  von  ©üben 
über  Berlin  beacben  fyatte.  £)ort  erlangten  jie  bie  (grflärung, 
ba£  naa>  bem  Xobe  ber  ^erjogin  94gneS  (f.  $a».  IV.),  ber 
©tabt  ba$  IfRec^t  wegen  ber  ©träfe  naa)  6a)leften  wieber  gu* 
fallen  folle;  aud)  bie  Jtaiferin  erlief  hierüber,  am  1.  3um 
1377,  von  Xangermünbe  auö,  an  ben  (Srgbifdjof  Johann  von 
*ßrag  ein  6d)reibeu.  ber  Äaifer  im  «£>erbfte  na*  9361)* 
men  uirücfging,  fenbete  er  ben  £>erwg  .Jpanä  na*  ©örli$; 
gefcterer  weilte  von  Anfang  November  biö  um  3Beil)naa)ten 
1377  in  feiner  üteßbeit),  bi$  u)n  bie  äaiferin  uaa>  *ßrag  abholte. 

3m  folgenben  3ar>re  1378  blieb  ber  ^erjog  fortwäljrenb 
in  *ßrag,  unb  ftanb  am  Sterbelager  feines  33aterd,  am 
29.  November  1378.  (Sin  33ote  beä  Sanbvoigte*,  $enefd) 
von  ber  2)uba,  benadjridjtigte  ben  görlifcer  töatl)  vom  Xobe 
ßaifer  StaxV& ,  ni  bereit  Veidjenbegänguif  in  *l*rag  aud)  tlb- 
georbnete  von  ©örlifc  gingen.  Mm  21.  Dezember  (6t.  Xfyo* 
ma$)  würben  bie  (Sreguien  fyiefelbft  begangen,  wie  eö  fätint, 
fei)t  feiernd),  ba  aud)  bie  Sa  nbgeiftlia)eu  ba  waren.  s$lm 
fajatfte  bamate  ein  Zud)  von  ©oibbtofat  für  11  <Scfwcf  an, 
bejahte  für  SBadjö  5  6a>rf,  ben  ^n  ea)ten,  welche  bie  «fernen 
unb  £id)ter  bei  ber  ^rojeffton  trugen  27  ©r.,  für  ^falter- 
£efen  Vi  Sttarf,  ben  5Wönd)en  unb  ^rieftern  vom  Sanbe  pro 
€a)maufe.6  <5a)otf.  —  geiber  jtarb  aud)  ba'b  nad)  bem 
tfatfer  ber  einflußreiche  unb  weife  fatferltc^e  9tatfy:  <Srs6tfd>of 
3of)ann  voir$rag. 


ber  9cicberlaufth  unb  Weumarf  in  93efi&,  jebo  d)  fo,  baf  Jtonig 
^cn^el  unb  bie  Jtatferin  <*ltfabetl>  wä{>renb  feiner  ättinber; 
iä^rigfeit  bie  StegierungSgefd^äfte  ausübten,    ^arürlta)  gingen 


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au*  fämmtüay  unter  «§>erjoa,  3efyanneS  tarnen  au^ßffteirtcn 
Urfunben  in  jener  $crfofce  feinet  i'ebenS  von  28en*el  urtb  (5ft* 
fabetb  aus. 

Die  (Sinfünfte  t»ed  $ergoa0  beftanben  im  gürftentfjum' 
©orlifc,  wie  im  ganzen  ßentgreid)  Böhmen  üblidj,  aus  zweierlei 
Abgaben.  Die  feftgefefcten  beiden  fernen,  Vofunaen, 'Kenten, 
Steuern,  3mfen>  bie  nidrt  feftgefcfcten  mußten  bewilligt  werben, 
unb  beftanben,  wie  febeu  im  1.  üöuebe,  Sta\>.  5.  angegeben, 
unter  bem  tarnen:  Beben.  Die  erftere  2lrt  von  Abgaben 
war  im  3.  1356  vom  Jtaifer  &arl  an  ibimo  t>.  itolbifc  »er- 
pfänbet  worden,  wofür  Ibimo  bie  Abgaben  an  beS  Vanbeä-  • 
berrett  Statt  in  ©örlifc  erbeb,  was  ihm  Jtönia,  ^Öetnel  be* 
frärigte.  Den  Ueberfa)uß  ber  Steuern  zahlte  bie  Stabt  an 
ben  «J£)er^og.  DieS  betrug  im  %  J379  jweibunbert  unb  vier- 
;m  Stbotf.  &tt  Stelle  btefeS  StabtgefcboffeS  jablten  bie  (£in* 
meiner  ber  görlifcer  gürjtentbumS4'anbfcf;aft  in  bleibe  (^fen- 
ntgen)  ober  betreibe  ibren  £anogefcboß.  Untere  Abgaben  be- 
fam  Der  ^>eqog  gelegentlid),  wie  audj  (tyefdjenfe  an  ben  geften, 
au  Djtoru,  ^fingfien  unb  3ßei()nad}ten.  3um  £5fterfefte  erhielt 
er  gewöhnlich  6,  jur  $ßei()nad)tsfeier  10  Sdjorf  böfym.  ©reffen. 

3m  3anuar  1379  verließ  «£>erjog  ^>an6  *ßrag  unb  fam 
über  3fr*au  u,lt)  $trfd)felbe,  wojclbft  er  nird>  bie  9iatf)6f}trren 
.  empfangen  warb,  nach  (*)örli$.  (£r  traf  am  Sonntag  omnis 
terra  (vom  Anfange  beS  lat.  ^falm'S  fo  genannt),  b.  b.  am 
16.  3anuar  1379  in  ©örlifc  ein  unb  würbe  mit  SBilb,  ÜBein 
unb  5Mer  für  ttd)  unb  fein  ©efolge  befebenft;  au  gaftnacfyten 
lieg  ihm  bie  Stabt  geftlid)feiten  bereiten,  wobei  munter  gerecht 
unb  viel  mujqirt  würbe,  was  bem  neunjährigen  J&erjcge  viel 
greube  madjen  mochte.  9J?an  finbet  in  ben  föathSredmungen 
angemerft:  baS  geft  fei  auf  feinen  üöillen  abgebalten  Werbern 
Sein  bamaliger  4?efmeifier,  Hlbrecfjt  von  ©rtfftett,  ließ  fiel) 
gleichfalls  gern  befebenfen,  ebenfo  ber  fcanbvoigt.  3"  biefer 
Seatetjung  waren  bie  ©örlifcer  übrigens  niemals  farg,  ba  fte 
bie  großen  Herren  oft  braud)ten  unb  wohl  wußten, "  welchen 
(Sinfiuß  bie  Umgebung  auf  ben  SÖunfd)  beS  £anbe$berrn  aus- 
übt —  Seine  ttefwen*  war  baS  auf  Jtaifer  tfarl'S  IV.  Be- 
fehl  feit  bem  %  1369  erbaute  Schloß  am  grauentbore,  beffen 
Ueberreft  ber  grauenthurm,  frut>cr  Sdjfoßtlumn  beute  nod) 
fter)t.  9ttan  muß  niebt  wie  fließ  u.  8.,  baS  Schloß  mit 
ber  «Burg  bei  ber  $eterSfird)e,  bem  foäteren  «BoigtShefe ,  »er* 


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wedjfeln.  gelterer  würbe  bem  &önig  3o^onn  im  3-  1319, 
ale»  er  bie  <Stabt  überfiel  f  übergeben  unb  auf  ben  Söotgtdfjof 
ift  bie  23e$eia)nuiig:  £er$ogä  £of,  b.  1).  £er$og  Reinritt)'« 
3auer  «£>of,  beuten. 

3m  folgeuben  3afyre,  1380,  mar  ber  £er*og  qroßfentr>eil« 
mit  feinem  £ofmeifter  2llbied)t  Qhiffftett  in  ©örli$.  8m 
Sonntag  Dteminiöcere  (19.  gebruar)  reifte  er  nad)  %kik  in 
bie  9iieberlauft$,  weljin  if)n  ber  Stabt  Sagen  führten  uno 
erft  um  3ubilate  (16.  Äpril)  fcon  bort  wieber  abholten.  Jtonig 
Sßeitftel  erljob  in  btefem  3abrc  vorn  gürftentbume  CMovlie  eine 
bebeutenbe  Steuer,  \n  welcher  bie  ©tabt  am  6.  Bpril:  627 
Sftarf  t  €a>o(f  be&ablen  mu£te.  (£r  fcf>Itd>tele  noer;  am 
13.  3uli  1380  einen  6treit  wifätn  ©örlifc  uno  Zittau  wege* 
be*  Söaibö.  Die  Bäuerin  (Slifabetb,  wela)e  unterm  16.  3uni 
1380  bem  9*atr;e  ber  6tabt  empfohlen  batte,  bie  Steuer  an 
£euog  £an$  richtig  au  jafylen,  befugte  ifyren  <Sol)n  im  Sep* 
tember,  bei  wela)er  ©elegenljeit  ein  furnier  t»eranftaltet  würbe. 
@$  erfreuen  r>iet  polnifcr)e  (wol)l  meiftend  fa>Iefifa}e)  uno  meip- 
nifcl)e  ftttter.  Ueberljaupt  fanben  mehrere  gefte  ber  m  in 
tiefem  3a()re  ftatt:  in  ber  Sßorfje  naa)  (Spipf)ania$  (zweite 
5öoa)e  be$  3amiar),  am  3pf)anni$tage ;  an  ber  JUrmefl.  33et 
legerem  Xurniere  mar  unter  glnberen  ber  $er$og  »on  fünfter* 
berg  zugegen.  , 

Der  £eraog  erlaubte  im  3.  1380  ber  ©tabt  ©örlt©, 
einigen  3»^  unD  Untertanen  in  ÜWodö  *u  faufen,  wofür  fte 
bem  ^llbrecbt  *.  ©riffftett  ein  (Srföenf  »on  40  «carf  gab; 
aud)  belehnte  er  Sutfjer  unb  £etnje  ».  ©eräborf  mit  ftetcr)™* 
bad),  sJIÄengelcborf  Hub  ©olanb. 

mx  12.  TOars  1381  erlaubte  tfönig  Söenjel  ben  6e<$$* 
ftäbten  baei  «el)maerid>t,  gegen  Räuber  Hnb  Uebelfyäter  aUer 
8rt  gan$  in  oerfelben  Sökife  ausüben,  wie  e«  ui  feine«  Ra- 
rere Reiten  beftanoen  babe  <B0  war  bie6  fein  geheime«, 
fonfrern  ein  öffentliche*  ©ertetjt,  bei  bem  ftetd  ein  erwählter 
ber  Scitterfajaft:  *Hia>ter,  unb  bie  ©tröffen  auö  ben  €ed^ 
ftäotett  gewallt  waren.  SBenn  biefe*  ©erity,  welche*  ben 
33lutbann  unverfürit  aueübte,  eine«  Uebelt^äter$  unb  SBerur* 
Petiten  ni<f>t  fab^t  weroen  fonnte,  fo  fam  er  in  be$  2?er>m* 
gerid)t6  «djt;  er  war  bann  im  Verriet)  ber  <5ed)dftäDte,  unb 
wo  man  feiner  \)abt)aft  werben  tonnte,  t»ogelfrei.  «ufjerbem 
beftätigte  fBcnjel,  bee».^>erjog«  babei  gebenfenb,  bie  ^Privilegien 


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ber  6rabt  unb  befahl  ben  Jauern  bie  ©ere*tfame  bet 
Untertanen  be*  £erjogö  nid)t  \u  fränfen;  mar  aua> 

am  *robnleia)nam*fefte  (am  13.  3hoj)  1381,  perfönlia)  in 

3m  ^efolfje  be*  tfönig*  befaitben  fta)  ber  l*r*bifa>f 
r.  Stfagbebnrg,  ber  33if<focf  oon  fcüberf  u.  —  3n  biefem 
3<>hre  Würben  nod)  *wei  <$ren}frreitigfeiten  mit  bem  £er*oge 
von  <§agan,  unt>  bem  Marfgrafen  t>.  ÜÄeifjen  mit  ber  itroiie 
Pehmen  gefd)lia>tet;  lefrtere  tn  ^ulöni^.  Balb  nadjfjer  warb 
in  <$örli$  wieber  ein  furnier  abgehalten,  bei  bem  fta)  viele 
bitter  verfammelten.  —  fluf  bem  €a>loffe  be$  £er$ogä  würbe 
Oie  Skrraäblung  ber  ^imeffm  «nna  mit  Mnia  9cicbarb  II. 
tv  linglano  bedangen,  am  25.  sDcai  (Sonntage  #raubi).  Die 
Stabt  bat  hierbei  feine  Bnogaben  gehabt,  außer,  ba()  fte  ben 
Ömm*!L  l*migegjjt  SBetn  unb  ©iere  gab.  3m  Sluguft  be* 
(traue  teiT^Pfffg  fem  ©ruber  SÄarfgraf  Sigmunb,  in  beffen 
(befolge  bie  6er$oge  t>.  €(hn?eibnih  unb  Oppeln,  fowie  ein 
StfAef  and  Ungarn  waren. 

3n  ben  Sahren  1382  nnb  1383  flnb  bie  Gasrechnungen 
verloren,  and)  feine  Urfunben  oorbanben.  (*ine  einzige  b.  b. 
93ubweiö  am  Jfatharinentage  (25.  9?oo.)  1383,  oon  ^erjog 
3ofyanne6  mit  feinen  übrigen  ©rübern  jugleidj  auSgeftellt,  be* 
weift,  baß  er  bamalö  in  ©ubwete  war. 

1384  war  £er§og  £an$  wenig  ober  gar  nidjt  in  ©orlifc, 
fonbern,  wie  e$  fd)eint,  metjten*  in  ^rag.  2lm  7.  SRta 
1384  belehnte  er  ben  görlifcer  ©üraw  3afob  eieiffe  mit  6 
Schorf  auf  bad  <&ut  Äödlifc,  bie  biefer  oon  £anö  Ulmann 
erlauft  hatte;  ferner  9Jitfa)  an  ber  (£rfe  mit  6  Sdjod 
auf  ÄöSlifc  unt>  unterem  30.  SRärs  1384  ein  6a>ocf  8  ©r. 
auf  Da*  Dorf  ^ennerdborf,  bemfelben  oon  Margaretha  6teüi* 
Werfet  oerfauft.  $on  bemfelben  Xage  ift  aua)  t>aö  oben 
angegebene  ikioilegium  ber  £tabtwaaße  au$geftellt.  3m 
6patherbjte  (1.  November)  fa)lta)tetc  ber  ^eqog  einen  Streit 
ber  <Stabt  mit  bem  (Selen  Ottoo.  ©eräborf,  welker  auf  feinen 
©ütern  fid)  unterfitanben  tyaitt,  Dber^eridjtfbarfett  aufyu* 
üben,  weshalb  er  in  be$  £er$ogd  Äa)t  gerietb  unb  bann  naa> 
gab.  $on  <4$rag  au6  legten  ber  fombDoigt  ©euefd)  t>.  ber 
Duba  unb  be$  £er$ogd  £ofmeifter  (mayzoge)  einen  Streit 
jwifoien  ber  ©tabt  unb  bem  Stabtpfarrer  3ohatmeö  (o.  Sutifc) 


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136 


bei,  welcher  über  gewiffe  £eicf)entücber  entftanben  war  unb  ;u 
(fünften  ber  £tabt  emfd)iebeu  würbe. 

3n  biefem  3af>re  folltc  ein  äriegfljug  gegen  3obann 
v.  93iberftein  auf  'Sorau  unternommen  werben.  >hann 
$iberftcin  harte  nämlid)  beim  lobe  feineö  <5d)wiegervaier*, 
Weinbarb  v.  £treel,  im  Samen  feiner  ©emablin  ftfaMf, 
<gireei'6  ®üter,  $eeefow  unb  Storfcw  eingebogen,  wät>renb 
^önig  Senkel  felbige-alö  fönigltd)e  tfehen  für  fieb  in  Hnfvrud) 
nahm,  «m  22.  3uli  1384  follte  nun  ber  tfanbvoigt  J^eneßL 
von  ber  Duba  mit  einem  Speere,  $u  welkem  aua>  bie  6ed^* 
lanbe  ihr  Kontingent  ftellen  follten,  in  bacJ  $iberfteinfd)e  Qk* 
biet  einfallen;  boa)  ftnbet  fia)  über  bie  Ausführung  btefe*  *JJla* 
neä  uid}t*  vor*). 

@$  würbe  im  3  138  t  wieber  ein  $au  auf  bem  6<$loffe 
in  ©örlifc  vorgenommen,  unb  bei  biefer  Gelegenheit  bie  im 

3.  1838  abgerufenen  dauern  unb  Irep^en  auf  bem  grauen* 
ttnirme  angebracht. 

9?od)  beim  beginn  be*  3«l)reS  1385  war  4jer$og  ^>an« 
in  SJfrag  bei  feinem  trüber,  bod)  fd)on  nad)  Dpern  fam  er 
auf  feiner  «Reife  in  ber  Warf  in  ©örli$  an,  wo  er  hafte  3eit 
verweilte. 

sEor  feiner  «nfuuft  beftärfgte  er  au«  Prag,  unter' m 

4.  3auuar,  bem  Dtaibe  §m  ©örlifc  bie  angefallenen  ©üter  \\\ 
£enneröborf,  16  Warf  ©elbe*  unb  ba$  flird>ler)en  bafelbft, 
welcbe  $enefa)  v.  b.  Duba  verfauft  batte;  ntd)t  minber  am 
19.  gebmar  ba*  Privilegium  be*  Seinfdjanfe«.  3m  No- 
vember war  «£>er$og  £an*  in  Sauten  unb  am  25.  beffelben 
Wonat*  ging  Oer  £tabtfa)reiber  bafyin,  ibm  einige  angelegen* 
beiten  wegen  ber  3uben  unb  ber  6tabt  3ittau  vorzutragen, 
ttäbere*  baritber  ift  nid)t  befannt.  ©örlt^  mugte  bem  £er* 
joge  biefeö  3al>r  1200  Warf  bejablen,  wa brfcbetnlia)  wegen 
ber  langen  Weife.  Die  <5tabt  fa>enfte  tym  jwei  vom  £anb- 
voigte  beforgte  galfen;  feinrti  gorfiern  aber  %  6a)orf  ®rofd)en 
m  Xudje. 

1386  fam  ber  «^erjog  im  3anuar,  wie  auSbrütflid)  ge- 
fagt  wirb,  naa>  langer  JÄbwefenbett,  baä  erftemal  wieber  naa) 
©örlifc,  unb  mar  auä  ber  Warf,  nebft  SBolfram,  feinem 
^anjler  unb  2llbred)t  von  ®riffftett.    Wan  fdjenfte  ir;m  20 


•)  »ritt,  @efd>.  ».  <Scxan  unb  Griebel.    6.  26.  27. 


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137 


Scrmrf  Hnb  verfrfncbene  Herten  feiner  unb  gewöhnlicher  ©eine. 
Und}  fein  (befolge  warb  mehr  ober  weniger  befdjenft,  unb 
viele  9bg,eorbnete  anberer  Siäbte  freu  nb  (ich  bewirket.  Da* 
matö  beftäH^te  er  bie  Stiftung  ber  Capelle  auf  bem  Sfatb 
häufe  in  Wrlifc,  am  6.  Februar.  (*r  verweilte  wieberum  nMt 
fmr$e  3*tt  unb  ging  von  hier  nad)  *J*rag,  webin  irjm  jwei 
Dem  Statte,  fowie  ber  Stabtfct)reiber  folgten  unb  bie  SÖitte  ge- 
wahrt erhielten,  baß  wäbrenb  feiner  9(bwefenbeit  ber  Äan^ler 
^ernrict)  <5d>epfe  bie  ©eredrtfame  ber  <Stabt  wahrzunehmen 
befäme.    $$on  *ßrag  au«  reifte  ber  £er*og  naa)  £uremburg. 

lieber  be*  £erjogö  «nrecr;t  auf  Suremburg  ftnben  fid) 
feine  beftimmten  Hnbeutnngen.  Seit  Dem  3.  1390  fütyrt  er 
and»  ben  "Xitel:  „fierjog  v.  SurembHrg."  Won  8uremburg  au$ 
belehnte  er  am  3of)armi*tage  feinen  SJafallen  unb  „SBor- 
fd>neiber,"  £and  v.  ^enjig,  nebfi  beffen  trübem,  mit  einem 
SebemJmannc  „Caurrntiit*"  \u  ftottywaffer,  jugleia)  mit  feinen 
©arten  unb  £onig  Verrat!). 

Um  SWicfyaeli*  war  er  lieber  In  ©öhmen.  Da  neue 
6treirtgfriten  mit  ber  £er&ogln  8ane*  von  Sdjweibnifr  wegen 
ber  Straße  vorgefallen  waren,  jebitfte  ber  *Ratf)  ben  6tabt* 
fajreiber  $u  irjm  na*  $urgelin,  bei  welcher  Gelegenheit  über 
ben  3rotft  be*  Stabrpfarrer*  mit  ben  granatefanern  verhanbelt 
rcurbe. 

9<tach  bem  1.  November  reifle  ber  «£>enog  mit  ber  $atfe* 
rht  (Sltfabetb,  tn  Begleitung  be*  ganzen  i)offraate$,  burd) 
@)örlt$  nad}  ber  Sfteberlaujty,  fam  and)  fväter  auf  ber  9tüd* 
reife,  begleitet  vom  Stabtfdyrelber  ^einrid),  burd)  unfere  Stabt, 
aber  um  folche  fofort  wieber  gn  verlaffen  unb  fta)  nad}  s4$rag 
ja  begeben.  SBenn  bei  biefem  3ar)re  von  einer  „Ducissa  de 
Gorelitz"  bte  Siebe  tft,  fo  fann  barunter  bie  <£>er)ogin 
v.  Scbwetbnifc  verftanben  fein.  33err)etratr)et  war  ber  $erjog 
bamald  noä)  nict)t. 

Da*  3a^r  J387  wirb  mit  $er>be  eröffnet*).  6cr)on  am 
(?nbe  be6  3<tr)w$  1386  r)atte*  3o^ann  v.  SMberfrein  auf 
©orau  >c.  neue  «^änbel  befommen  mit  Äönig  5Öenjel,  wa$ 
ifm  veranlagte  ba$  £anb  beä  «£>erjog$  «£>an3  v.  ©örli$  ald 
Serjendträger  M  Äönig6  mit  geljbe  $u  übersehen,  ©iberjtein 


•)  «attülifdjrt  Wogajin  1777.  ®.  371  ff.  ©orb«  a.  a.  O.  ©.  2». 

- 

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138 


*og  raher  nicfyt  allein  feine  mhl  reichen  Natalien  &ufammen,  fon- 
rem  t'chlon  aud)  eine  (£inigung  mit  feinem  ©ruber  Ulrid)  ».  93i 
berfrein,  $an*  v.  Cottbus,  gbtnfo  Burggraf  v.  $>obna  it.  A. 
2)af)er  begannen  mit  9ceitjar)r  1387  btc  gewöhnlichen,  Damale 
bei  Sehren  unerläßlichen  £Raub$üge,  ^iebbiebftähle  unb  3)orf* 
verwüftungen  burd)  ©ranb.  3b?nfo  Burggraf  v.  3)ohna  greifte 
von  grteblanb  ans  ino  f|drlt^tf cf>e  ©ebiet,  überfiel  §auban  unb 
bebrohte  felbft  ®w&V_j^r^  £anä  übertrug  von  präg  au$ 
feinem  Sanbvoigte  yvlpnvber  X>uba  bie  9$eftrafung  unb  befahl 
ben  Wannen  unb  Starten  bem  Vanbvoigte  ihr  Kontingent  |h 
ftellen.  Allein  e$  äußerten  ftcf>  ©ebenfltchfeiten  wegen  ber 
aufoubringenben  getjbe ;  Uufofleu ;  man  wollte  ftd)  nicht  cr>er 
jum  3ugc  oerfteben,  biö  <£>er$oa  JjpanS  wegen  foldjer  Unfcften 
bie  in  ben  Privilegien  für  jtrtegägüge  außer  £anbe8  feftge- 
festen  (Sntfdjärigungen  von  Stenern  verbrieft  bätte.  <Ta  nun 
ber  «£>erjog  ben  gewünfdjten  93rief  erft  (£nbe  3anuar  ausfer- 
tigen fonnte,  verjog  ftdj  biefe  Angelegenheit. 

Anfang  gebruar  ftellten  enrlicb  £attb  unb  6täbte .  if>r 
Kontingent  unb  febieften  baffelbe  nad)  kauften.  3Son  Q6fft| 
ging  ab  3ofoff  6leiffe  unb  SBittcfce JD.  Jtottwift  mit  10  liefen 
ober  ©piejfen  (40  Wann),  fo  bat?  jufammen  gegen  80  Wann 
mit  40  Pferbeu  abmarfd)irten.  Anger  jenem  Äoitwifc  waren 
£ane  v.  Polen*  unb  (*tner  v.  i>anreefron  im  3uge.  * 

Wan  wanbte  ftd)  von  Sauden  au6  ntdjt  unmittelbar 
gegen  3o^ann  v.  ©iberftein  felbft,  welker  mit  feiner  6cbaar 
bamale  in  ber  ^ieberlauö$,  in  ber  ©egenb  um  ©orait  unb 
ÄottbuS  ftanb,  fonbern  jog  vor  1>a*,  je  3  Weilen  von  ©örlifc 
unb  Sittan  gelegene,  6d)(oji  grteblanb  im  blutsauer  Greife.  $>er 
Warfd)  gtna  über  ©örlrfc,  wo  8  liefen  ober  c.  32  Wann 
Seifige  $erßä>fung  .unter  ben  föath$berren  SStnceua  (Sgü  unb 
WH.  Sd)eerenfd>miot  jur  £eerfal)rt  fließen ,  bie  Jüauban,  Hnb 
ned)  an  bemfelben  Dorotheentage  (6.  gebr.)  von  bort  bis 
grteblanb.  (S*  iji  faum  gläubig,  baß  biefer  Warf*,  wie 
angegeben  wirb,  an  einem  Sage  $urürfgelegt  würbe,  ba  bie 
©ebarnifcfjten  mit  tr?ren  Stoffen  il)tt  fchwerlid)  ausfuhren  fonn* 
ten.  —  3ßir  wollen  bie  2Bal)rhcit  biefer  Angabe  auf  ftd)  be- 
ruhen laffen. 

Stuxn  unb  gut  im  £aufe  biefer  gebruarwocfje  würbe  Schloß 
grieblanb,  trofc  feiner  vortrefflidjen  ^ert^eibigungSlage  erftürmt 


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439 


uub  bietf  fcfort  bem  ^erjage  $an$  v.  (#<>rli$  nart>  *ßrafl  mit 
cer  Anfrage  gemelbet,  wie  man  m1>  rem  er  hm  gegen  £>au4 
t>.  ©iberftrin  verhalten  folle?  v.  93iberfteiu  ging  einen  3ßaf* 
uuuiih'taur  ein.,  welcher  baä  Sdjlofi  Artcrianr  wieber  in  feine 
-\Sanr  braute,  jugleid)  aber  a»d>  bie  in  jenen  Reiten  unver 
metMid^e  $clge  fyatte,  «baß  jia>  wabrenb  ber  fea)d  2Bca)en 
Waffenruhe  baä  laui'trwictu'  &riea,dvolf  lieber  wftreutt.  ^and 
r.  SBiberftein  trollte ,  Meten  llmuaitr  beuuueur,  bie  Seinbjelig 
fetten  gegen  bae  fd)u$lcfe  ftürftentbum  (^orlifc  von  Beuern 
beginnen,  alä  fia)  «£>er*cg  ^remidlaw  v.  lefdjen  in6  Wittel 
fdjlug  unb  bie  ۟ljne  vermittelte. 

Die  Steuer  von  ^H>  3cbocf,  trolle  .&eneg  ,&an$  von 
ber  (rtart  verlangte,  innre  rurrb  Bemühungen  be*  Vänbvcigt*, 
ren  man  mit  3*  Warf  beitaa),  bio  auf  08  Warf  ermafugt. 
£fr;oa  3*f)<ni!i  Wox  ran  i ininer  in  lohnten  ober  Ungarn, 
nur  auf  furjt  einmal  in  Worlifc,  nnihrfduiulicr)  um 
rtele  99efd>werben  an  Ort  unb  Stette  ui  unterfudu-n.  T^amald 
belehnte  er  £utbern  v.  (MerSborf  mit  rem  halben  Mut  heil  ber 
bmcgltdum  rteuern,  welche  auf  Ten  Wutern  Weid)enbad\ 
IVengeleborf,  (Moofohvifc  nur  Solanb  erhoben  würben.  Neffen 
Sfyefrau  Margaretha  warb  fcfwn  unterm  I.  Otteta  1387  mit 
einem  tteibgebinge  auf  riefe  (bitter  belehnt.  3m  VV  1387 
mupte  bie  Wente  De$  £>enog$,  120  rdjeef,  an  ben  (£blen 
,HclPi$  gezahlt  rrerben. 

lac*  J._J£8£Uft  fcetfhalb  wid)tig,  weil  £erjoa  $an* 
ud>  antJlQ.  jjebmai  vermahlte  unD  avar  mit  einer  ^rinjefftn 
u  S^wcben.  J  oduei  jenes  .fcerjogö  2llb.red)l  u.  Weflenburg, 
oeld>er  in  erfter  txtye  vermähl  mu  Sla^arbifl,  üoduer  re^ 
(trafen  v.  Severin,  am  30.  November  1363  in  Stocffyclm 
mm  .Honig  v.  3  darneben  ertvdhlt  würbe.  Die  ^dt  tiefer 
^enuahlmu]  ift  erft  neuerbinge  fonftatirt  werben,  Vurd)  eine 
Bermel,  worin  ber  ^erjog  befreunbeten  (5belleuten  feine  Ver- 
mählung anzeigt*). 

Der  «£>er$og  eneugte  mit  tiefer  (Gemahlin  Widnubiä,  eine 


•)  $ala<ft>,  über  ftotmelbüd>et. 
b^m.  @efeUfd>.  ber  in  $tag. 

rerijl.  Äof»Ur,  über  bie  ^er^ogin  reu 
Hebet  beten  Xodjtet  (5ltfab<5l> :  ö»ot(. 


2.  liefet,  in  ben  Äbljanbt.  bet  Jtonigl. 
©.  «2.  »t.  85.    $tag  1848.  4. 
(Mütlifc.    ».  8.  SR.  (1849)  <5.  300. 
«njeiflet  1814.  <S.  4. 


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110 


Xodfttx:  (ffffctbcty,  n>efd)e  foäter  al*  „$erjogin  von  (Dörlty" 
vorfommt*). 

UebrigenG  war  ber  «£)erjog  «£>an6  im  3.  1388  tvieberum 
arc^cittf>eit0  außer  Sanbeä  unb  befcbäftigte  fid>  mit  allgemeinen 
fragen,  treidle  ba6  ganje  (uremburgifebe  tfönig^bauS  in  93db- 
men  anbetrafen,  mehr,  ald  4nit  feinem  Surftentbum,  in  weitem 
ber  gefährliche  <$eift  ^ufrubrg  (|in^gjy^fleTvann,  unge- 
rennet  ben  Umftaiic,  tafe  mu  ^rapenraiibtrtt-uitfe  J^^di»*-- 
gerern  viele  ©rreitiafeiteu  entjtanbeu.  2lutf  *J$rag  verreiste 
er  (25.  fteliruatr'tSöS  an  3faTW  ünT  \£errmann  Slenfe  nnb 
bie  ©ebruber  tyii,  9$ürger  ju  (Uörlifc,  22  Warf  auf  ba$ 
Dorf  Dfjtg  (ob  $>enrftt>  ober  ©enbifdj £>f?tg  ifit  nidjt  ange* 
geben),  »riebe  fte  von  ftlbrecbt  v.  Xifcftirnbauien  getauft  bat- 
ten;  aud)  nabm  er  einen  «pammermeifter,  Wiefel  35offe,  in 
feinen  <Sd)u$**)j  in  einer  britten  Urfunbe  vom  Sonnabejtb 
nad}  &Uerf)eiligen  (7.  9lov.)  befaf>(  er  bem  *Ratfye  $u  ®ör(i(/ 
an  Änfelm  v.  dtobnau,  *8oigt  ®ör!i^f  alle  Rechnungen 
unb  ftegifter  bed  Sanbeä  autyubänbigen.  (Einige  Soeben 
barauf,  am  27.  November,  fam  er  nadj  ÖJörlifc,  unb  bejog 
bad  <5d)loß  mit  bem  ganzen  «ftofiiaate.  l*r  wollte  jroar  in 
<$ör(i$  ein  große£  Xurnier  abgalten,  ging  aber  felbft  nod)  im 
2>ejember  nad)  ber  9iieber(auft$  unb  sJwarf  3draubenbura ,  be-  . 
gleitet  von  ben  görli&er  föatbäljerren :  <w  ber  (Sae***), 

&ad  unb  bem  Stabtfcbreiber.  (Fr  blieb  lange  $<it  in  ber 
9heberlaufty  unb  Wenmarf.  $er  ftatb  fd)irfte  in  jener  3C^ 
ben  wieber  jtrürfgefebrten  Stabtfcbretber  nadj  Dreyen,  Sßein 
einjufaufen. 

Witte  Sanitär«  1389  fenbete  ber  ftatfy  eine  ©efebtverbe 
über  einen  Straßenraub  von  Warquarb  von  Sffiartemberg  nacb 
ber  Weberlaufifc.    £)b  bei  bed  #erjog$  ftücffunft  um  8idjt* 


•)  ttlbrety,  £eriog  bon  SJWlcnfrurq ,  .ftentg  ».  (Styrcbtn,  t  1412; 
txjtt  ©rmablin:  jKiftflrbitf,  Xodjter  ktt  (fttafrnt^  (Sdytotrin,  j  1380; 

unb  ?uremburg. 
**)  Cb«t  Urf tmbeu*93 etjridnt.  I.  @.  127. 

•••)  ffialjrfrfKinlid}  tm  £a«fe  Wo.  I.,  wai  normal*,  au<$  fpäter  mit 
bft  9Bf jeidjnung :  „an  ber  <?dc,"  crtoäfpnt  toirb. 


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U1 


mdß  ba$  furnier,  ;u  welkem  oiele  .heuen  uub  bitter  in  bie 
^tafct  ^u  gereift  waren ,  abgehalten  irinrr  tft  ungewiß;  gewiß 
aber,  rap  ihm  bei  feiner  xUnfunft  von  ber  £tabt  ©örlifc  bie 
£erna  mit  300  Z  dunt  gezahlt  warb.  Cir  beteiligte  für  biefe 
$unftlid)feit  uub  „wegen  mandjertyaub  getreuer  nur  nü$lid)er 
1  untre,  }u  33efferung  unb  Juuabmc  ced  ftäDttfct>en  28efen6", 
ben  Muuh  nnb  bie  (Gemeine  am  2.  gebinar  13b9  mit  ber  in 
LmtMiit?,  3inä  auter  int  betrage  von  jat>i iiU>  160  £a)otf  tu  er- 
werbe» nnb  nad)  ber  6 tan  *Red)te  ju  beftfceu.  Unter  riefen 
©ütern  finb  bie  sJ)fitleibenl)eitägüter  &u  uetftetyeu. 

•  rt^  nJttff  itit  ^^y»"'"  and)  £eijeg  £ai»tj  ber  gtabt 
enuge  ^a^uJ^ej^Uiai  ^mu^<4vaft  frtefelhe-    rcino&Ui^..  übernahm, 

IT  hm  *T  sJDfar$  1389  ftuben  wir  ben  $eqog  in  ^rag,  oon 
welchem  Orte  auö  baö  Privilegium  über  Ober;  unb  Untcrge 
hebte  erneuert  unb  ber  ^feunigt.in$  auf  bem  Vaube  fortge* 
ftattet  warb,  gegen  bie  Verpflia)tnug,  brei  (Miefen  (brei  Spiele 
mit  3Rannfctyafi)  $u  galten.  (Einige  >it  vorder,  ei)e  Äöuig 
<6tgmuub  alle  Untertanen  reo  &omgreid)d  Söfynun  auf  ben 
Sali,  baß  Mein,]  $ßeit}el  zeitig  mit  lobe  abgiuge,  twn  ben 
ihm  geleifteteu  (£ibeu  entbunbeu  uub  biefe  auf  ben  «&crjog 
jp.iuo  von  ©örli$  übertragen  rjattc,  gewährte  er  ber  6tabt 
rao  *ßrioilegium  wegen  giuöweifung  ber  3ubeu.  \ 
i-'« .fed)on  im  3-  1349  baue  Marl  IV.  bie  3ubenfd)nle  mit 
allen  3Mbel)ortmgen  in  ber  3übengajfe>  nad)  ben  ~  sJ$ili,läubeu 
bin,  einem  Bürger  Qoitrab,  ^potbefer  ber  €>tabt,  oerefyrt,  unb 
|u  einer  $£ofynung  übergeben.  (£d  fd)eint,  ald  wäre  bamit 
eine  (Entfernung  ber  3ubeu  verbuuben  gewefen.  Dodj  jinb 
fortwährend  3uben  in  ber  2 tan  geblieben,  biä  auf  baö  x\atn 
1389.  vEtc  bauen  mebt  altein  bie  jetzige  N\üDengaffe,  von  un- 
ten hinauf,  fonbern  audj  ben  3übenring  uub  in  ber  Mahle  oor 
bem  Xfyorc  einen  (harten,  worin' fie  it>re  lobten  begruben,  im 
93eft$.  (sie  befapen  früher  aud)  eine  Stmagoae,  beren  im 
3.  1338  jnerft,  fodter  1349  gebaut  warb.  3m  3.  1388 
noa>  gab  <Sara  ibv  ^>aud  bem  £ag  ju  einer  <Sd)ule  erblia). 
t$om  3-  1385  an  begann  fdwn  bie  Verfolgung.  Damalö 
verfaufte  3Kana)er  in  ber  stille  fein^auö,  #rged  twraudfefyenb; 
oier  3al)r  barauf,  1389,  erfolgte  bie  erfte  große  Vertreibung. 
Die  *Nitterfd)aft  ndmlid),  ber  ftatl)  unb  bie  $ürgcrfd)aft  au 
®örli$,  befdjwcrten  ftO)  beim  ^erjoge  $au#,  bafj  burd)  bie 
3nben  ben  übrigen  (Sinwoljnern  großer  €a)aben  unb  8bbrudj 


r 

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U2 


im  SBerbienfce  gefcf^ebe,  unb  baten  ir)n,  wenn  er  nid>t  wolle, 
baß  fie  verarmen  joüten,  beren  Entfernung  ju  beerten, 
hierauf  erfolgte  nad^efyenber  ($riaß: 

„SBir,  3of>anned  von  ©otted  (Knaben,  ^arfaraf  ju 
Brandenburg  unb  ju  $aufi(  »nb  f>er$og  ju  ©örlifc, 
tr)ttrt  funb  öffentlich  mit  biefem  Briefe  HUen,  bie  ifyn 
[eben  ober  boren  lefen,  baß  vor  Und  gefommen  finb 
bitter  unb  Änedjte,  Unfere  lieben  (betreuen  unb  aud) 
Unfere  Bürger  ju  ©orlifc  unb  ber  genieine  9tatf)  ba* 
felbft  nnb  fyaben  Und  vorgelegt  unb  gänj(id)  nad^ge- 
tviefen  große  €?d><iben,  bie  fie  in  benfelbett  £anben  von 
Unfern  3uben  merfficfy  gehabt  tyaben,  mt>  Und  bernu? 
tfn'glicr)  gebeten,  baß  9ötr  aud  fcnberlid>er  @nabe  unb 
angeborener  (Mtr  fie  furber  in  fünftiger  $eit  von  allen 
3uben  befreien,  alfo  baß  fie  furber  feine  2Bor)itung 
mer>r  in  biefen  Unferen  $anben  nnb  Unferer  <5tabt  jm 
($örfi$  fjaben  möchten.  Qedfyafb  traben  SÖir,  angefetyen 
ir)rcr  bemütfyigcu  unb  getreuen  Dienf^  oie  fte  und  lange 
3eit  oft  unb  fefjr  getreu  unb  willig  gettyan  fyaben  unb  nocb 
tr)uen  mögen  unb  foden  in  fünftigtn  3^ten,  mit  tvobl- 
bebautem  Wutfye  unb  mit  Statte  Unferer  betreuen  fte 
gnäbigtid}  erhört  unb  fonberfid}  begnabet,  alfo,  baß 
von  jefct  in  fünftigen  Reiten  fein  3ube,  nod}  jubin  in 
ben  vorgenannten  Unferen  Sanben  unb  in  Unferer 
<5tabt  ju  ©orlifc  anfäßrq  fein,  nod)  9Bof)iiHng  tjaben 
feilen  in  iraenb  einer  Sßeife.  Mit  Urfunbe  biefcd 
33riefed,  verftegelt  mit  Unferm  ftirftttcfyen  anfangenden 
3ngeftegef,  ber  gegeben  ifl  gu  ^rag  im  3abre  nad) 
(£r)rijfri  ©eburt,  a(d  man  fdpreibt  5)rei£efmiiunbert  unb 
neun  unb  ad}tgig,  am  näcf/ften  @onnabenbe  nadj  bcm 
A^rifigtfjum*). 

8hif  $kfeh(  bed  ^crrn  £erjogd  u.  f.  ro. 
SBolfram  von  $rag  unb  JDImöf, 
Jtan§fer. " 

ftrofjloctenb  b aruber  fenbete  ÜRitterfdjaft  unb  6tabt  bcm 
£er$oge  einen  ffiagen  mit  ©ier,  jirm  93emeid  ityrer  $anfbarfeit 
nad)  $raa,  »eictyed  ©efdjenf  fer)r  fyulbrrid)  aufgenommen 
»urbe;  bie  6tabf  fcfyicfte  überbied  ald  Sütcrfennung  bem 


•)  30.  Xpxil  1389. 


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U3 


Äoasler  für  Hudfertigung  biefrd  Briefe*  15  €^orf.  Do<$ 
»urten  nod>  mehrere  $efd)icfungen  wegen  ber  3uben,  bie  ftd> 
ipabrfd>eiulid>  febr  ftrctuben  unb  in  anderen  £  töbten  anjtebeln 
motten,  notrjwenbig.  Hm  24.  3uü  1389  gin^  SBofdKS  in 
gadjen  ber  3ubcn  nad>  9au$cn;  am  14.  fCit^ufl  ber  Stirgcr* 
mtijttt  Winten^  @gil  unb  ber  <5iabtfd>reiber  wegen  beä  p.  <£>afen< 
boru  unb  ber  3«ben  nach  $dj  unb  ©üben;  einige  3eit  barauf 
3Heifter  $eter  unb  ber  Stotar  nad)  sJJrag  mm  £er$oge  wegen 
benen  p.  ^afenborn  unb  p.  $iberftein,  bei  tiapettc  unb  „fd^raaefj* 
polten  3uben";  am  17.  September  wnvbe  wegen  ber  3»ben 
naety  Sd>wctoni$  gefebteft;  am  9.  Oftober  wieberum  *um£er* 
joge  gen  i*rag;  am  31.  Ofteber  wegen  3ubrit'%crr>ä(iniffen 
nad)  $au$cir,  am  12.  Dezember  jtacfy  Söwenberg  wegen  93arudj 
unb  ber  3uben  u.  f.  f.  in  ben  folgenben  3ofttfc  —  1389 
erhielte«  vier  $erfonen  $BoUmacf;t,  bie  ©üter  ber  3uben  ein* 
:i:;u-hüi;  pon  ifjnen  wirb  genannt  ber  (Jeimann  ^efcfjil 
<£d>ofl  unb  Xifce  pon  6or>re.  Dil  Sepoliractdjtigten  (anraten 
md)t,  ben  früheren  flXiteinwofynern  bie  ^äufer  m  ((blieben  unb 
warfen  fogar  sDeand)en  in*  0cfängnip.  Da  nahmen  beim 
aud?  bie  ®eängftigten  ityre  3«P»d)t  §*M  £eqoge,  allein  eine 
Deputation,  welche  pon  ityreu  Gegnern  abgefenbet  warb,  arbei* 
tete  ifyntit  fo  entgegen,  baß  bie  fetyon  einmal  gegebene  Urlaub* . 
niß  auf*  Steue  erteilt  würbe. 

Damals  würbe  ihre  Synagoge  in  eine  djriftlicfye  Capelle 
„m  (Sbreu  beö  VctclMuim*?  unfereä  ,hcnn"  mit  jwei  Altären 
perwanbeü  unb  ber  Segräbnißplafc  tn  ber  Jtafylc  mm  heften 
biefer  Capelle  perfauft  Dort)  blieben  uod)  immer  einige  3uben 
in  @örli$  bi*  mm  3-  1395,  wo  am  21.  September  ein  per* 
ftt>ärfted  ®ebot  bed  ^erjogd  erfdjicn,  waö  ifyre  poflfitdnbige 
(Entfernung  mr  golge  rjatte.  3«  biefer  SBerorbuung  bebingte 
jid>  ber  £er$ogjioct;  ein  Äbmgflgelb  au$. 

9tact/  biefer  91bfcf;weifung  getyen  wir  wieber  auf  ba*  3afyr 
1389  mrütf.  Hm  28.  »Hgii|i  fam  ber  £er*og  £an$  auf  ber 
Durchreife  in  bie  3)earf  mit  bem  SBifdjof  p.  £übetf  naef)  ®or* 
ton.  Docfj  fann  er  ftd)  in  ber  SWarr  nur  furje  3***  anfj$erjal* 
ten  haben,  ba  ihm  am  28.  (September  pou  ber  2tabt  19  <s ctu>cf 
©rofdjen  nad)  Im  gefenbet  würben.  Won  bort  auo  erließ 
er  ein  Schreiben  mit  ber  Hnjeige,  baß  POn  ihm  in  *Prag  ein 
HUar  geftiftet  unb  taui  25  5d)ütf  auf  bie  6ed}ö(anbe  ange* 
wiefen  feien.   3n  bemfelben  3atyre  mußte  ftd>  bie  pon  tyw 


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1*4 


serpf  Anbete  (gtabt  ©örlifc  mit  311  3Rarf  13  ©rofd>en  au6* 
löfen.  —  $)afj  ber  «&erjog  im  November  in  ©orlifc  aewefen 
fei,  fdjeint  auä  ben  &uegaben  für  ben  fyerjoglidjeu  ilüdjen* 
meiner  9tymecfo  unb  feine  ©enoffen,  bie  |td)  umerni  18.  9io* 
sember  in  ben  9latf)$red}nungen  eingetragen  finben,  J)en>or$u- 
gefyen. 

3um  9teujal)r  1390  fam  ber  Äcrjog  nad)  ©örlifc  .unb 
würben  ifym  20  <Sd)ocf ,  fowie  ein  Sßagen  mit  altem  mär« 
fifcfyem  93iere  überreizt;  in  feinem  ©efotge  war  ber  (Sble 
».  £afenborn  unb  £)tto  t>.  <ftiuii&.  (£r  tyielt  fid>  bamalä,  mit 
5Mu#rtaf)mc  eineä  furjen  33efud)ed  in  ©üben,  einige  Monate 
in  ©orlifc  auf.  ^fm  5.  gebruar  reifte  ber  <Stabtfd}reiber 
^peinrid)  wegen  einer  £d)ulb  beä  <£>er$cg£  nadj  $rag;  er  er« 
bielt  in  biefem  3a(>re  eine  Seriia  von  400  fedjetf.  £m 
26.  gebruar  bewirtete  man  bie  ftitter  auö  Greußen,  weld)e 
gum  93efud)e  ba  waren*).  —  9Äit  $rag,  wofyin  ber  <£>er£og 
Anfang  jurürffefjrte,  war  im  3.  1390  «Seiten*  ber  6tabt 
viel  5fcrfcl)r.  $lm  2.  Stpril  ging  ber  6tabtfdjreiber  bortfytu; 
am  17.  Sfpril  3faaf  Stuj,  $eter  ©djöufyeity,  £empel  6tengel, 
SRartin  Jfrobuo*,  eublid)  ber  ©tabtfdjreiber,  unb  fie  mußten 
i()m  meljrmalö  nad)  SÖcrba,  *pirna,  Jlarföftcin  unb  93rur  nadj* 
reifen;  ebenfo  am  8.  9Äai,  am  4.  3uni,  am  11.  unb  18.  3uni. 
&m  20.  3um  erlaubte  ber  £erjog  ben  ©urgent  unb  ber  6tabt 
ju  ©örlifr  für  bie  if)\n  gegebenen  unb  für  iljn  geliehenen 
1300  ec^orf  ©rofdjeu,  bie  »ebe  auf  bem  Sanbe  in  Pfennigen 
unb  ©etraibe  aufju&eben  unb  näd>  belieben  fo  lange  ©efdjoji 
gu  ergeben,  bi$  bie  1300  6d>ocf  gebeeft  feien. 

5)en  21.  3uli  traf  ber  £erjog  £an*  wieber  in  feiner 
Oteftbenj  in  Begleitung  ber  »erwittweten  tfaiferin,  feiner  3Äut* 
ter,  ein.  (Sr  fdjloß  am  29.  3uli  einen  SBergleidj  swifd)en*bem 
ttatfje  uitb  ber  $ürgerfd>aft,  bei  welker  ©elegentjeit  au* 
greuben  für  2  6d>©cf  ©r.  $ier  wtrunfen  würben.  3n  biefer 
3eit  befugten  it)u  audj  ber  £erjog  unb  bie  «öerjogin  &ou 
6$weibni&.  2Öäf>renb  biefe*  faft  jweimonatlid>en  «nfentyal* 
#te*  fefcte  ber  £er$og  £an$  am  31.  5Äuguft  einen  Saubfrieben 
feji,  auc^  war  er  am  20.  September  mit  £einje  ».  tfittlifc 


*)  \Ubtx  bie  93erljäUntffe  be«  #erjogd  §an6  jum  bcutfdjeit  Crben 
in  ^rcujkn,  bereit  ©d)Übenina  ntd>t  Werbet  aehört,  f.  ©piat,  ©efdjidjtc 
$renfeit*  V.  <S.  569  ff.  609  f.  619,  636. 


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auf  Dein  »Jtatbbaufe  bei  Der  9tat(>*för  ^uqegctt.  ^3a(b  nadiber 
jinfcen  wir  ihn  wieber  in  $rag.  $lm  20.  Offober  würbe 
w»ca,eu  einer  jübiii  bortbin  9ctfd>aft  gefenbet.  Ueberbattpt 
war  Der  6tabtf<hreiber  £eiurich  beftänbig  auf  Weifen  jwifchen 
^rag  unD  (Mörlifc,  fo  am  29.  £}ftobcr,  am  5.  November,  am 
1*2.  November.  Damals  mujjten  Die  Sachen  mtt>  ftäftang** 
ftuefe  De*  £er$oge  auf  Dem  £d>loffe  in  ®örli&  $ufammenge* 
parft  HnD  Dura)  einen  gufyrmaiin  nach  ber  böhmifchen  äaupt' 
ftal>t  gefenbet  werDen;  au*  lief*  ftd)  bic  tfaiferin  (Slifabetfy 
füT  2  8d)ocf  gorlifcer  Suche  fd)itfen.  Die  £erjogin  «RicharDi*, 
n>eicbe  um  Die  3eit  De*  2tf.  November  £ea)$wöd>neriu  war, 
alfe  Witte  Dftober*  bie  ^rlnjefftn  (Slifabeth  geboren  hatte, 
würbe  mit  görlifcer  $ier  befdtenft.  Arn  heiligen  Ghriftabenb 
treiben  Jahre*  erliep  ber  £erjoa  Den  oben  erwähnten  $efer>f 
an  bie  £anbwerfer  unb  bie  \n  ©örlifc,  Dem  ftatbe  geborfam 
ui  fein. 

Ott  5.  3Rär<  1391  würbe  Die  Hiifitnft  De*  £erjog6  von 
3iuau  au*  gemelbet  unD  er  fem  audj  einige  Xage  nachher  in 
Begleitung  De*  $ifd>of*  von  Vebu*  an*),   Um  25.  War* 
machte  er  eine  Wallfahrt  gum  heiligen  <Blute,  war  aber  bereit«  / 
am  9.  Slpril  wieDer  in  *j*rag.   $on  bort  au*  forberte  er  200  / 
eeborf  ©rofdjen,  welche  ihm  gewahrt  würben  unD  ui  Deren  / 
Aufbringung  unterm  7.  3Rai  1891  ber  €tabt  bie  Aufnahme 
eine*  Kapital«  geftattet  warb.    Einige  mit  Ungarn  verfehrcnDc 
Äaufleute  waren  unterwegs  beraubt  werben;  Der£erjeg  fpract) 
für  fte  bei  feinem  Sruber  unD  SigmunD  genehmigte  auch,  Dag  T" 
in  Der  penjiger  $aibe  auf  Räuber  gefaf}UDet  werDe.  3ßittd>o 
von  Mettwty,  «ineenj  6|U,  SJitfche  an  Der  <S<fe,  3afob  6leiffe, 
Älau*  gelier  unD  Der  6taDtfd)reiber  'jogen  in  jolge  biefer  <£r*  \ 
laubniß  tu  Die  £aibe  tmD  waren  in  ihren  9tad)forfd)U!tgen 
glürflich,  fpM^jieun  fof^i^um  in  GJörH>  gelangt  werben  / 
iomueij^  Die|e*  3ahre*  brauste  Der  £er<og  1 

<ibermW~©elD.  (**  würben  Den  23.  September  700  Sdwcf 
@efd)o#  unb  am  10.  November  120  Schorf  Nente  naa)  «Prag 
geliefert.  —  Der  £er$og  weilte  in  Diefem  Jahre  vom  19.  9fo* 
vember  an  in  feinem  ftürftenthum  ©örlifc,  reifte  jeboch  bereit« 
am  24.  November  weiter  naa)  ©üben,    $on  Dort  naf)in  er 


•)  Tiefer  «Bifdjof  »on  tfebua  i(l  mit  bcJ  ^erjütjtf  @*ji«l?<r,  Ux  fdjon 
im  3.  1376  naxb,  nt^t  ju  wtoedjfeln. 

&cftt<*tc  Ben  ©crli*.  10 

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146 


im  3)ejember  Den  iRütfweg  über  6premberg  ittit>  ©agan  un* 
verjüglid)  na  vi)  präg.  <Sdwn  am  15.  £ejember  würbe  von 
rjier  a ho  Dem  Math  ui  Wo  vi  tu  aufgetragen,  ©efanbte  aud 
prenjien  in  ber  lÄrt  )u  empfangen,  wie  eö  fein  Liener  Wurfe 
angeben  werbe.  Vim  25.  Qe^ember  ftelite  er  rnih  auf  6d)loß 
^Bettlern  bad  erft  jciu  von  ihm  anerfaitnte  Privilegium  aiu\ 
ba0  ^ürgermeifter,  6d)6ppeu  nur  ?<eltefte  nuiu  bloö  tut  felber, 
fonberu  aud)  bie  Jnnuugdälteften  uad)  freier  9öal)l  befteüen 
bürfteu;  ein  Reiter  93rief,  ber  von  präg,  wotyiu  er  im  i'aufe 
beö  Xageo  von  8d)loji  Heitlern  wrücfgeferjrt  war,  auägeftetlt 
in,  crtljeill  wegen  slkrfa$  be£  ^anbgejdjoffeä  bem  9tatl)e  ui 
<#örli$  rao  äterfpredjen ,  auf  brei  3fll)re  von  jeglicher  $ib#Qbc 
befreit  gu  fein.  XiefeS  *8erfpred)eu  blieb  jebodj  eitle  itfer* 
bcifunu],  beim  fdwn  im  3.  1392  mußte  bie  6tabt  verfdnebene 
alte  6d)ulben  be*  £erjog$  bejafjlen.  (Sr  felbjit  ging  am  10. 
Wärj  burd)  ©örli$  uad)  ber  Warf,  fam  von  bort  am  30. Wcuj 
unb  ging  am  20.  &pril  über  grieblanb  unb  Zittau  uad)  präg 
jurüd,  wohin  ihm  am  18.  Wai  Warmbier  getieft  würbe. 
,$ro&  ber  &bgabeufreil)eit  auf  brei  3al)re  mu^te  fid;  bie  2  labt 
wegen  Lieferung  von  200  Sdjotf  auf  verfefcteo  ,£>olj  am  2.  3nni 
in  (Einvernehmen  fe&en.  (Er  giug  am  13.  3uli  mit  großein 
(befolge  uad)  ber  Vierer  lauft  13,  wo  er  fdjon  am  26.  3uli  war 
unb  gegen  ben  15.  Vi  na.  nü  ben  ^ürgermeifter  nebft  mehreren 
SRatfjäljerren  unb  13  Seifigen  mit  Jiricgöfnedjten  ju  iut>  ent* 
bot.  9hn  7.  September  fam  er  au©  ber  Warf  jurürf  unb 
licn  iut)  eine  ©erna  von  300  £  djod  begaben,  ja  am  28.  Oftbr. 
erfolgte  eine  neue  @elblieferung  uad)  präg  von  200  Warf 
©rofdjen.  Damals  trat  er  bie  Äetfe  nad)  Ungarn  an  unb  ift 
über  jwei  3al)re  nut>t  in  feiner  iRefioenj  gewefen. 

3m  Anfange  beä  3anuar  1393  war  rei  bet  um  tu  Ungarn 
bei  feinem  trüber  Zottig  (Sigmuub.  Der  sNath  fct>tcftc  ihm 
ben  6tabtfd)reiber^einrid)  naib  Ofen  nad),  um  mit  ihm  wegen 
Slbbrud)  eineö  ^an^aufe^  ju  verl)anbeln,  weldjeä  bem  <£>eqogc 
jur  33eluftigung  gebaut,  aber  fo  feuergefäfjrlicb  war,  bap  man 
bie  93efeitigung  bringenb  wünfcfyen  mußte.  (£r  gemattete  Med 
unter  bem  21.  War*  1393.  —  3m  ifuguft  war  er  wieber 
nac^  93öl)men  ^urürfgefeljrt  unb  verfemte  am  4.  b.  W.  ben 
©ebrüber  Wiefel  unb  (9üntf)er  v.  *Ked)enberg  ju  Älitfdjborf  für 
100  £d)ocf  dn  6rü(f  von  ber  görli{jer«£>aibe  gwifdjen  £oldte$ 
uub  6d)remniq  bei  ©djnellenfurtf).   ($r  tyatte  balb  nad;  feiner 


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U7 


«örffefjr  au*  Ungarn  von  Der  6tabt  ©örlifc  300  eajorf  ge= 
fordert,  Die  fie  ihm  au*  gab,  unD  Daruber  m  £tolpen,  wo 
fi*  Der  £ergog  am  2«.  Huguft  befanb,  eine  3a)ulD»erfd)reibung 
erteil. 

3m  3.  1394  tonnte  £enog  3of)anne*  fid)  beinahe  aar 
ui*t  um  fein  gürftentbum  befümmern,  weil  er  in  Den  atlge* 
meinen  Angelegenheiten  Lohmen*  ein  2L*ort  ruitfpredKn  unb 
(einem  ©ruber  $ßen*el  ju  £ilfe  eilen  mußte.  (£r  verfeme 
Diefer  tfrpeDition  an  Metel  *.  Hechenberg  Die  goilifcer  £aiDe 
son  £d)nellenfurtf)  bi*  an  Da*  ftelD  bei  Dem  (vicbelberge  um 
100  Sdjocf  *).  $ei  Der  Befreiung  feine*  SruDer*  iei^tc  jia) 
3obann  al*  Der  fromme  unD  ehrbare  »JJrinj,  wie  i(>n  2ßinDetf 
im  fceben  SigmunM  **)  nennt,  unD  wir  flehten  Die  Srftctylung 
Diefer  Befreiung,  welaje  eigentlfa)  nidjt  fpeciell  in  eine  @e* 
fa>id)te  *on  ©örlifc  gehört,  Deöljalb  hier  mit  ein,  weil  Da* 
Durd)  fein  tfbarafter  in  einem  loldjen  Sidjte  fta)  jeigt,  Dag 
£rjdf>lungen  wie  bei  ^ajfe,  9Jtanliu*,  (Droffer  unD  Garp- 
low***),  ohne  Dap  irgenD  eine  $cotij  in  g  leid)  jeiti  gen  görlifcer 
&efa)id>t*quellen  ftd>  fänDe,  Durajau*  unglaublich  ftnD.  mix 
teilen  Diefe  £d)iloerung  nad>  Den  Soffen  eine*  bewährten 
^iftoriferd  mit.  9iaa)Dem  ftftbadp  im  lieben  Jtonig  Sigmunb* 
Die  Durdj  feinet  BruDer*  £igmunD*  unD  Ctyeimö  3obft  Don 
Fähren  »eranlatite  ©efangennabme  Stonjelcs  gefdjilbert,  fäljrt 
er  f)  folgeuDermapen  fort: 

„Ungeachtet  man  fo  t>iel  erlangt  harte,  gab  man  SBen^ef 
bod>  nia>t  frei;  ja  e*  ifit  waf)rfcr/einlich,  Dap  er  Die  greiheit 
obne  Da*  fräftige  <Sinfd>reiten  feine*  Bruber*  3ohann  von 
&orü$  nicht  würDe  erlangt  haben.  Dfme  ^erjug  fammeltc 
Diefer  £rieg*t>olf  unD  eilte  Damit  »or^rag,  feinem  gefangenen 
BmDer  $n  £üfe.  ^ob)t  unD  Die  bb^mifd)en  £erren,  nicht  fo 
fer)r  gerüfiet,  eine  Belagerung  au*balten  $u  tonnen,  brauten 


*)  SBeral.  baa  €d)öfenutt6eil  vom  J3.  1499,  €.  88  b.  3B.  9Wan 
fremerfc  cm  Ä ti fldp u hmhiu^  tteldjen  bie  «Schöffen  begingen,  baf  fi*  Stoni$ 
Johann  uub  alle  feine  9iaet)fc»l^er  fction  „.jperjotje  von  ÖoruV'  nennen, 
»ä^«nb  biefer  Xitel  erf*  »om  3.  1376  batirt. 
••)  <S.  107»  fcei  »tenrfen. 
•••)  «fcaffe  DI.,  76. b.  ^oflmann,  Script,  rcr.  lus.  I.  327.  Öroffer, 
Uufie.  SWerfw.  I.  99.    G>artyow  Anal.  II.  181. 

t)  $b.  I.  S.  62  f.,  uergl.  auef)  Catal.  Abb.  Saganens.  tet  (Stengel 
a.  a.  C.  6.  216. 

10* 


148 


ben  Jiontg  in  ber  9fad)t  von  ^rag  nach  bem  rofenbergifdjen 
6d)loffe  $r.uebfm$  an  ber  2u$nirje,  vou  l)ier  nad)  tfrummau, 
unb  ba  man  ihn  aud)  hier  nod)  nidjt  fidler  genug  im  s#e\ 
waljr  glaubte,  nad)  £>eftcrreid)  auf  batf  6d)lop  SÖiltberg,  »cU 
d)ed  tm  Herren  von  €>tal)remberg  borte.  @o  fä(>rle  man 
ityn  von  £d)loß  *u  6d)lop,  fo  baß  er  felbft  nid)t  wufjte,  wo 
er  ftd>  befaub. 

Dem  «Jperjoge  3of)anu  v.  ©örltft  würben  olme  Biber« 
ftanb  Die  Xfoore  prag'ö  geöffnet.  «Jefct  erfl  erfuhr  man  hn 
pausen  Vattbe,  baß  Jtönig  Skujel  gefangen  war.  Die  €tabt 
*j$rag  leiftete  fogleid)  >f)anu  ben  (jib,  it>n  für  ifyren  red)tmä* 
fjigen  «£>erren  unb  Statthalter  im  Jl6iu^veid>e  einziehen,  fo 
lange  Kernel  in  (tyefangeufcfyaft  fei,  unb  ihn  nad)  treffen  lobe 
aio  ihren  Jlonig  aiuuerfennen*).  Dagegen  verfprad)  3obann 
(29.  juni),  bie  Stabt  ^u  fdutyen  unb  fie  in  allen  ü)rcu  9ted)* 
teil  unb  Privilegien  ju  belaffen. 

Kobalt»  ber  Jr>enog  von  @knli$  fid>  bei  4?auptjiabt  ver* 
fidjert  unb  ftd)  aud)  6)elb  verfdjafift  Ijatte,  fo  baß  er  fein 
tfriegevolf  vermehren  unb  bei  gutem  Milien  er  halten  tonnte, 
venud)te  er  in  ^erbinbung  mit  feinem  $etrer  profop,  ber  mit 
feinem  trüber  3obft  bamalS  in  großer  $einbfd)aft  lebte,  bie 
$ktfd)Worenen  }U  befrieden  unb  bie  rebellifdjeii  Vanbberren 
burd)  $Berf)eerungen  iljrer  (Mter  unb  Onnnahme  ihrer  6d)löffer 
jur  Auflieferung  Stattete  ju  bewegen.  Awtx^t  würben  bie 
©üter  ber  jamilic  v.  Holenberg  in  ber  Umgegenb  von  ^ub- 
weiä  verheert  unb  ungeadHet  ber  ^er^og  Ali>red)t  von  Oefter* 
reid)  eine  $iffc  von  oOÜ  3Waun  fdurfte,  um  verljeerenb  in 
93öl)men  einjubredjen  unb  beu  bbljmifdjen  £anbeöberreu  gegen 
3ot)ann  beijufteben,  fo  bemäd)tiate  jtd)  nein  bod)  fd)on  am 
20.  3uli  ber  Stabt  SBubweiö.  Da  unterbeffen  aud)  bie  beut* 
fdjen  Weidjtffürfien  auf  bie  9tad>rid)t  vou  beä  römifdjen  Äö- 
nigö  ©efangenfdjaft  ftd)  in  granffHrt  verfammelt  unb  ben 
fdfluß  gefaxt  Ratten,  eine  (Hefanbtfdjaft  nad)  Böhmen  ju  ben 
rebellifdjen  £anbl)erren  ju  Riefen  unb  iljnen  mit  einem  Ürieg 
ju  broljen,  wenn  bie  floälaffung  be$  Jtöuigö  nid)t  |ogleid)  er- 
folgte unb  wirflid)  einige  beutfdje  3Wannfd)aft  unter  *)iupred)t 
von  ber  *pfaM  im  tfager  bef*Äitti<|*  Sobann  eintraf;  fo  zeigten 
bie  böljmifdjen  £erren  ftd)  enblid)  bereitwillig,  mit  ^orjann 


*)  6,  obtn  6,  128. 


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149 


wegen  ber  Sreilaffung  &ten$ei'$  in  Unterr)anblung  w  treten. 
3nbem  man  ftcf>  wegen  ber  näheren  Beringungen  nid>t  ver* 
ftänrigen  tonnte  unb  einigemal  vergeblia)  wfammeitgefommen 
war,  würben  }u  gletd>er  3eit  von  >bann,  ber  iinterbeffen 
^llbrec^t  von  Oefterreicb  gewonnen  hatte,  heimlich  ben  Stalj* 
rembergern,  auf  rereit  Sdjloji  ©iltberg  rrr  Äönig  noa)  ge- 
fangen fafi,  ^Ciiträcjc  gemadu;  welche  nidn  jogerten,  barattf 
einzugeben.  I>enn  ba  #erj#g  Hlbredjt  von  Oefterreid)  plöfclich 
feine  flnftdrt  anreite,  über  bie  (%fangeul)altung  be$  böbmifdjen 
&onig*  fem  SHififaüen  änderte,  nnb  3<>h«nn  unb  Söenjel  nicht 
nur  wegen  ber  (Mefangenbaltung  jeber  -föadje  feierlidjft  tnU 
tagten,  fonbcrn  auch  bie  Stabremberger  af<  Befreier  *u  be- 
lohnen verfpradjen,  fo  liefen  biefe  ohne  $*orwiffen  ber  böbnu 
fdjen  ^errcn  ben  ttönig  tot*  unb  brachten  tt>it  felbft  naa> 
Bubweie  ju  £er$og  3of>ann  (ben  2.  auguf*  1394),  nacbrem 
er  beinahe  brei  Monate  (88  läge)  ber  ftretyeit  beraubt  gc^ 
wefen  war."  —  $on  bem  auf  fola>c  Seife  vielfeitig  in  an* 
fprud)  genommenen  Johann,  welcher  im  Oftober  1394  ben 
Bifdwf  von  Sfleifieti  befudjte,  |la>  mit  ftai  wegen  eine*  in 
®örli$  w  erriditenben  I)omfapitel$  )U  befpredyen,  unb  hierauf 
über  Barutb  nad>  ber  9Jieberlaufi$  ging,  würben  am  20.  Of- 
tober in  Be$ug  auf  (Morlifc  bie  Briefe,  betreffenb:  „Die  (*in= 
fd)drfung  beö  verbotenen  eUcnweifen  üudjverfaufö  außer  bcm 
(ffcwanbbaufe,  bie  Beftätiguna,  be*  sBeinfd)aitf$ ,  enblid)  bie 
Genehmigung,  ba&  ein  Süar  tu  ber  sJ*eter6fird>e  gegiftet  wer- 
ben fomte,"  unterjeidjnet. 

Hin  rj.  November,  jur  $tit  ber  ftnwefenheit  bed  «£>er$og£ 
in  (Gliben,  bewiüigten  görlifeer  $eputirtc  t(>m  200  Schorf  (Mr. 

3m  folgenben  3ahrc  1395  wollte  ber  £er$og  bie  Stabt 
©örltö  für  ;MX)  €a>cf  verpfänben.  !£etfhalb  gingen  ge* 
gen  (Snbe  3anuar  att  Wbgcorbnete  beö  iRat^  \u  iljm: 
3ohann  Sitfer,  ^eter  Sleumaifter,  sJ*eter  Ma)ter,  sJiifla$  Werfer 
unb  ber  Stabtfchreiber  mit  4  Sdnt&en,  Sagen  unb  ^ferben; 
fte  zahlten  1000  6d)orf,  um  bie  SBerpfänbnna,  abuiwenben. 
(ir  tarn  circa  ben  15.  September  nad)  ©örlifc;  bie  Stabt 
mujitc  ftd)  abermalö  \u  3<rf>lu"8™  verfteben  unb  380  €d)ocf 
geben.  Stetige  läge  barauf  erfolgte  von  Steubnifr  am  24.  6epr. 
ba*  oben  angeführte  Gbift  bejüglid)  ber  3nben.  «m  7.  Oft. 
war  er  in  s^rag  unb  begnabete  feinen  ftleifdjfcfyneibei  Wirfei 
v.  ^enjtg  mit  300  Sa>rf  ®rofd>en  gegen  Berpfänbung  ber 


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150 


görlifcer  £atbc  bieffeitd  ber  H.  Ijfdjirne.  9cod)  vor  Gtttyfgf 
biefeö  3«pred  brechen  (eifert  feie  gdr(.  ftatbdrecfynttngen  auf 
ein  3abr  ab,  fo  baß  über  bie  legten  Reifen  beä  #er*oge* 
,£>anö  fein  VhiruMui?  gegeben  werben  fann. 

Jöajjrf^eiiilid)  ift  er  CSnbe  1395  ober  Anfang  1396  m>d>* 
malö  auf  ber  lohten  pfeife  nad)  ber  9iteber(atifi$  in  ®örli| 
gewefen.  3)a£  ikrrjälrnip  mit  feinem  fönigl.  trüber  $Ben$ef 
muß  in  ber  lernen  ,  Vit  fettted  Vebenä  ungetrübt  gewefen  fein, 
ba  fict>  nod)  jwei  Wormeln  auä  bem  3.  1396  sorgefunben 
haben,  worin  bie  böbmifd)en  Marone  aufgeforbett  werben,  ben 
^erjog  jot^ann  t>.  (^örlifc  alö  Statthalter  im  Jtönigreidje  $tt 
uttterfrüfren. 

$>er  <£>er$og  weilte  im  SBorfrübling  1396  in  ber  lieber- 
lauft n  unb  ftarb  plöfclid)  am  1.  ÜDfärj  im  JUofter  9f  ereile*). 

So  enbete  ber  ritterlidje  «£>cr*og  im  Sllter  t»on  noa)  nidjt 
üollig  26  fahren  fein  bewegtes,  forgenoolle^  £eben  burd)  eine 
Untljat**),  bie  nod)  einer  fdjarfen  Uuterfua)ung  bebarf.  3Bir 
vermögen  ben  Soleier  biefe*  gcaufenfyaften  JHätbfele  ntd^t  gu 


•)  Cat.  Abb.  Sapaiien*.  a.  a.  D.  217.  218.  «fdjbacu,  ßonia,  ©ig.- 
munb.   [.  67. 

••)  Tie  von  bem  «Berfaffcr  be*  ©erfed:  „$a*  furfllicbc  Stift  unb 
Älojler  9teu;eUc,*'  (  6.  62  d.)  citirten  Stellen  beweifen  burenau*  niebre» 
qea,en  bic  9i*afnMt  ber  $ucrft  vorn  ajeidueitia,  leberiben  ffiinferf  anfgc; 
(teilten  ^i-haiiiMun^ :  Jjeqcq  «£>anö  fei  an  ©ift  geworben.  3ener  namen; 
lefe  U^crf affer  tannte  fiitjerlidj  bic  Stelle  aue  bem  gleichzeitigen  j£atalog 
ber  faganer  Vlcbte,  treibe  ben  3weifcl  bc*  lobctuute'e  bebt.  Sein  $ud) 
erfdiien  1840,  <sten*cr*  Script,  irr.  Silcsiacarum  fcfcen  1835 ;  unb  c# 
tfi  ;um  minbejicn  bodnt  anffallent»  unb  nacfylafftg  von  bem  offenbar  gut 
unterrichteten  (Sdjriftttellcr,  bafi  er  nietyt  birfe  fo  nahe  liegenbe  Ottelle  be- 
nufcte.  Obct  fannte  er  fit  unb  wellte  fit  abjtetytlid)  überfefteu;  ja  vicl= 
leicht  wnfctc  er  meljr  alo  wir  an*  incllcidjt  nod)  unvcitilqten  Älofierbus 
ctjern  «K  cujellc'ö ! 

Deshalb  würbe  bem  Slbte  ^einrieb  nod)  mein  bie  $Mutfd)ulb  auf 
gebürbet  »erben  tonnen ,  ba  wobl  anzunehmen  wäre,  baft  ein  anberer 
äHond)  bem  jungen  lebcnetfräftigcu  Staim  ein  ^ülvercbcn  IM  bie  £um 
gerührt  fmtte. 

üftar  nid)t  ?oIjanned  Urgrojfrater  an  (Mift  geftorben*  £at;man 
nidjt  in  Italien  mit  geiftlidjer  £ilfe  .*arl  IV.,  Sofann'*  JBatet,  *u  *tu 
giften  geflieht? 

SÜaren  bie  WiMtctje  iii  9leuje((e  erwiefen  nur  lauter  $na,el,  wab; 
renb  im  ganzen  rbmifdien  !T?eid)e  grabe  bie  gri^ten  9lnnän$er  bei  Äirdje 
bie  Verworfenheit  unb  eittcnloftgfcit  bee  bamaltaen  Jtlentö  auf  ba«  9c« 
naueflc  fdjiltern? 


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151 


entfallen,    ftimmen   aber   »ollftanbig   ben   SBorten  2lfc^ 
bad)'ö*)  bei : 

,M&  i\t  nid)t  unwafnfdjeinlid),  bap,  wie  ber  tfebenäbe* 
Treiber  oigmunb'*,  (gberfjarb  Söinbetf,  er^lt:  Der  £erj*og 
*on  J*fnrli$,  da  guter,  frommer  unb  geregter  £err,  iti  trrt — • 

©lutye  feiner  3al)re  (er  war  erft  25  3af)re  alt)  qn_  jgjiß  

ftar^jvel^edibm  unb  bie  iiiäbrtfcfien  WarFgraien 

3o^TlmF  ^rofor  .  £a| 

gesell  ijn  erfüllt  wmv  MMft  ^rl^ir  Ui  ihren  tyabfü$tigeri~ 
^eftrebuiujen  auf  tue  Ärone  ©itymea  im  SBege  flau*." 

55>d!)renFTTr?f^bcfcnbeit  be*  $cricgd "im  J.  1389  blieb 
feine  (Semafjlin  ftidjarbi***)  in  ber  ctaDt  iurürf,  wie  au$ 
mehreren  GJefdjenfen  an  fie  aue  ben  föatböredmungen  p  fd>iie^ 
pen  ift.  3m  folgenben  3abre  tjielt  ftc  il)r  SHodjenbette  in 
,!£>orfewi$;  bie  <Stabt  fenbete  it)r  görli&er  ©ier  jur  6tärfung 
borthin.  ©ei  ber  €enbung,  welche  unter  m  24.  November 
1390  in  ben  Olatfyerefyiungen  eingetragen,  fteljt  auöbriirflid) : 
„mit  bper  onftt  frawen  ber  b<t$ogine  in  be  fed)$wucfyen." 

Der  4£>erjogin  wirb  im  X  1395,  Dann  aber  nicfyt  mel)r 
gebaebt  unb  fann  bal)er  über  ihre  weitern  (scfyicffale  md)t$ 
mitgetbeilt  werben. 

3t>rc  Xodjter  (*lifabetl)***)  ftanb  M  ju  iljrer  ©erljeira* 
tlwng  unter  ber  ©ormunbjtyaft  beä  «ftönigä  iffienjel  oon  ©öl)* 
men,  welcher  fte,  am  3.  3anuar  1397,  mithin  alä  ftebenjälj* 
rigeä  Äinb,  griebrtdi  Warfgraf  t>.  Steifen,  jur  Verlobten  ge- 
geben halte.  £>od)  *erfd)lug  ftd)  biefc  i*t)e,  fowie  eiu  anbercr 
U$(an,  wonach  (*ltfabett)  einen  6olm  beä  SKuprecfyt  t>on  ber 
^fal*  betraten  foüte.  3m  Anfange  be$  3ab«d  1408  fenbete 
ber  «£>er$og  Änton  ».  ©rabaut  feinen  geheimen  iKatt),  bitter 
deiner  -!ßcr  an  ben  prager  «£>of,  mit  bem  Auftrage,  um  bic 
£anb  ber  $tr§0gtn  @üfabetf)  }u  werben.  Jtönig  ffienjel  ging 
auf  biefen  Äntraq  ein.  3)ie  Xombmtu  uub  ber  Stüter 
grteDricb  £raa  fdüojfen  am  20.  3uli  1 408  @ent  ben  (Sf)e* 
vertrag  ab.  2>er  ©ertrag  fe&te  feft,  baß  «£>er*og  Litton  ba$ 
*>on  äöiüg  SBenjel  nad)  beffen  Xobe  an  bie  $er$ogin  (*ltfa* 
beth  \u  sererbenbe  ,£>erjogtf)um  2uremburg,  erhalten,  wenn  je* 


•)  o.  a.  C.  S.  67. 

9t.  «.  9».  1849.  @.  300. 
'*)  ©ort.  Vlnv  1844.  €.  4  jf. 


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152 


Doch  kernig  Sigmunb  ober  3Jtarfgraf  3obft  von  SRäbreit  bieS 
Einbetten,  baö  ^enogtbum  ©örlifc  unt>  bie  StieDerlaufib,  aufjer 
bem  20,000  (Bulben  Witgift  erhalten  follc.  Ueberbieä  ;c* 
(Mattete  SBemel  Dem  «£>er$ogc  2tnton  bic  ViuMöfuug  l>eö  an 
9)?arfgraf  3obft  fammt  Der  ©eaffdfoft  (Sbinv  unb  Der  tfaitD* 
vogtei  (Slfaji  vervfanDeten  ^enogtbumd  l'uremburg.  Der  am 
27.  Slpril  1409  erweiterte  l*bevertrag  befrimmte  Dem  ^er^og 
Vlnton,  Vuremburg  erHieb,  wogegen  vom  «£>er}ogc  feiner  Braut 
(flifabetb  bie  <^raffct>aft  (Sbim?  auflgefefct  warb. 

Die  ^er$oam  ßlifabetb  verlor  ihren  ©emabl  febon  im 
3-  1415.    (*r  fiel  in  Der  Sdjlacbt  bei  gf$iucourt  unD  wurDe 
Citren  neben  feiner  erften  ou-mahlm  3obauna  beftattet. 

(£lifabcth  gebar  ihrem  (Gemahl  einen  Sohn,  Sßilbelm, 
welcher  aber  febon  am  10.  3uli  1410  ftarb  unb  in  Der  $ar~ 
meliterftrctye  &u  Druffel  beerbigt  ift. 

Watt)  bem  lobe  ihres  @cnta^tt  führte  Die  ^erjogin  al- 
lein bic  Berwaltuug  Deä  £enogtbumtf  Vuremburg.  Die 
£urembnrger  empörten  ftcf>  im  3.  1418  gegen  fte;  fie  war  ge* 
nötbigt,  ibten  Schwager,  3ol)ann  von  BurgunD,  ,*u  .fiilfe  ju 
rufen,  unter  Deffen  Beiftanb  bie  Bewältigung  Deö  $hifftanDe$ 
möglich  würbe.  Jm  3.  1418  vermählte  ftcb  Die  «frenogin 
von  Beuern,  unD  *war  mit  Dem,  unter  Bewilligung  Detf  s|lap? 
fteö,  auö  bem  geiftlicfjen  StanDe  gefd)iebenen,  ehemaligen  Bi* 
fdjofc  3obiiun  v.  i'üttid),  welcher  fid)  altf  weltlicher  Surft  auf 
feinen  Siegeln:  ,4*faUgraf  v.  Wbein,  .£>er$og  v.  Baiern,  (Draf 
v.  ȣ>enneberg,  &otfanD  unD  Seelanb"  nannte.  Sic  felbft 
nannte  ftch:  „(Slifabctb  von  (Hörli$,  ^>enogin  von  fcuremburg, 
v.  Trabant  unb  Himburg,  (Gräfin  von  6-hinw." 

Diefcn  ^weiten  ©emabl,  3obann  v.  Baiern,  verlor  bie 
^er^ogin  (5lifabetb  in  berfelben  Öteifc,  wie  ihren  Bater  3o- 
bannet.  3obann  v.  Baiern  ftarb  am  6.  Sanitär  1424  an 
©ift,  wela>ec3  ihm  burch  3ol)ann  v.  Bliet  beigebracht  war; 
fein«  Seidje  ruht  im  Dominifancrfloftcr  *u  $aag. 

(Slifabetl)  verließ  Jgwllanb  unb  febrte  nad)  tturemburg  $u* 
rücf,  wofelbft  fte  Drürfenber  ©elDmangel,  Der  ftete  Kummer  beä 
guremburger  «£>aufc$,  jwang,  briirfenbe  Steuern  aufzulegen, 
welche  Unruhen  im  ,£>er*ogtbum  herbeiführten. 

Der  tut  3.  1437  erfolgte  2oD  ihre*  faiferlichen  Ohm* 
Sigmunb,  ftürjte  bie  «£>enogm  von  ®öili$  in  neue  Sirren. 
^önig  Sllbrcty,  vermählt  mit  SigmunD*  3,oä)tcr  Glifabetb, 


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153 


trollte  Da$  an  (Slifabetrj  von  $örlifc  nur  verpfdubete  «£>er$cg* s 
tfmm  £nremburg  Durd>  3flMwng  Der  ^fanbfumme  auetöfen. 
Jtenig  ftlbred>t*  früher  XoD,  im  3.  1439,  weit  entfernt,  Der 
Apewgin  ?Rut)e  ;u  verfetjaffeu,  gab  $$eranlaffung  )u  einer 
ffehDe  mit  »öerjog  Wilhelm  v.  ®a<bfen,  Dem  6d)wiegerfobne 
Der  itönt^iu  <&lifabetf). ,  ^ei^og  Wilhelm  begehrte  gegen  Die 
üöeftimmuna,  ber  tfönigin  (flifabetf),  Daß  ttureinburg  wdbrenb 
Der  VebenoKit  ber  öerjegin  von  $örlifc  in  Deren  $3eft&  bleiben 
feile,  Die  $efe6uttg"  De*  ^erjogtf)uin4.  3m  3-  1 44Ü  famen 
unter  $ür)rung  teö  (trafen  v.  ©leiden  800  6 ad) feit  nad> 
^urembura.,  vereinigten  fid)  mit  Den  rebellifd>en  llnterthanen 
Der  £enogin,  nahmen  ftiremburg  ein  unr  vertrieben  Die  Herrin 
au*  ifyrcm  Sdplojfe.  Der  Steffe  ber  ȣcnogin,  $l)ilipp  ber 
<**ntige  v.  $urgunb,  jog  im  3.  1443  bei  Dijon  ein  ^ecr  ju< 
fammeit,  unb  Johann  v.  Virneburg  eroberte  nod>  in  bemfelben 
3abre  mit  biefen  @ölbnern  bae  ganje  «£>erjogtr;uin,  welcbed 
Der  «öerjogin  von  (Mörlift  von  Beuern  bHlDtgen  mußte. 

£>ie  rranfe  Dame  *og  ftd)  im  3-  1449  jebod)  wegen 
^fränflicrjfeü  unb  ^ebeneü  verbat  $  von  ber  ^Regierung  jurikf, 
am  trat  biefelbe,  gegen  ein  3abrgelD  von  8000  (Multen,  an 
'iUülipp  93uvgunb,  ab.  Styre  legten  läge  verlebte  ftc  411 
Xrier,  wofclbft  im  3.  1451  irjr  %ct>  erfolgte.  3l)r  £>cnfmal 
ijt  bitf  heutigen  Xag  in  Der  ijefuitcrfirdie  w  ürier  w  fefyen. 

3n  Den  legten  3al)ren  lautete  if>r  Sütel:  „(Slifabetr)  von 
<9örli$,  $er*cqtii  au  toemburg,  ©rafin  $u  ($Wmj,  grau  *u 
$orne  unD  tfrcfel."*) 


®e<frfleS  ShpittL 

Erwerbung  ber  ?anbetffrone  1440. 

2öir  haben  bereite  auä  bem  SBorfyergefjenben,  tn$befonbere 
an*  bem  ©ewaltftreidje  gegen  Neubau*  gefer/en,  baß  ber  vstabt 
CMörlifc  aUe  Bürgen  unb  £d>löffer  in  tr>rev  Umgegenb  ein 
Dorn  im  Sluge  waren.   9*un  ftanb  auf  bem  1V2  6tunbe  im 


•)  Tie  t»rftfn  Wadjridjttn  $ut  GlffAidjtf  tyrf«  branctfntreirffcn  be- 
bend f.  bei  Bcrtbolct,  histoire  de  Luxemburg,  t.  VII. 


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M54 


©üDwefien  ber  ©tabt  cjclegenen  SBerge,  $anbe£frone,  ein 
Schloß,  it)dd?c6  prafjlcrtfd)  mit  feinen  Rinnen  bte  ©cgenb 
überfdjaute  unD  fortwährenb  ben  ©örlifrem  im  ^fngefief^tc  war. 

$luf  bem  SBcrge  waren  feit  bem  13.  3af)r^nnbert  Herren 
von  SanDcäfrone  anfäfjtg,  welche  mit  bemfelbcn  im  X  1268 
bei  Xbciluiig  ber  ÜÜtarf  Sauden  in  $wei  Xr>eite#  jur  Warf 
®brli$  gewtefen  würben.  3Rlt  biefen  sperren  lebte  Die  Stabt 
immer  in  grieben  unb  fdjeint  bie  ganje  gamilie  überhaupt 
ein  frommeö,  gotte6fürchtige6  ©cfchlecbt  gewefen  31t  fein,  ba 
mehrfadf  Scheufungen  berfelben  an  ßlöfter  unb  milbc  Stifter 
erwähnt  werben. 

3m  3- 1357  ftanb  ber  93erg  bem  Jiontg  v.  Böhmen  ald  $e* 
hen  411;  ob  93erg  unD  Schloß  in  ben  93cjt$  &arl'6  IV.  Durch 
Äauf  ober  anbere  Erwerbung  fameu,  bleibt  bunfcl.  60  viel 
tft  gewiß,  baß  bie  ganbeefrone  ihm  bamalä  *ur  unbebingten 
Verfügung  ftanbf  fonft  hätte  er  Wcmanb  Damit  belehnen 
fönnen. 

3m  genannten  3at)re  belehnte  nämlich  äaifer  Äarl  IV. 
ben  Witter  griebrich  v.  ^iberftein  auf  grieblanb,  Sorau  jc. 
mit  ber  gefte  ^anbeäfrone,  unter  ber  33ervflidttung,  Söibcrftctn 
möge  fcd>  nicht  vom  töaifer  Reiben,  fonbern  3bm  getreulich 
wiber  jeber  9Rann  Dienen,  helfen  unb  aufwarten. 

grieDrich  von  3Mbcrftein,  ein  feljr  reicher  Wann,  unD  &u* 
gleich  beim  Jtaifcr  fcl>r  angefehen,  war  Den  ©örlifceru  ald 
^iadjbar  feiueöweg*  genehm. 

-Sic  lagen  nämlich  feit  bem  3-  1349  mit  33iberftctn  tit 
geljbe.  (Sin  s^afall  beftelbeu,  ein  gewiffer  Wtfcbc  v.  3iadwi£, 
hatte  Damald  Den  C^orli^eru  Den  Sanbfrieben  aufgcfünDigt ;  fte 
hatten  Den  jKarfwifc  bi$  nach  gricDlanD,  auf  Daö  (£igcnthum 
SMbcrfitein'ä  verfolgt,  währenb  ein  anberer  Übeil  nach  iauchrifc, 
wo  bamalö  33iberftein  fleh  gerabe  aufhielt,  um  mit  ihm  ju 
unterhauDeln,  geritten  war.  Der  anDere  ityii  war  noch  in 
gricblanD.  $11$  3Mberftcin  von  Saucbrift  heimf ehrte,  erzürnte 
ben  großen  Herren  bie  Äunbe  biefer  il>atfad>c  fo,  Daß  er  bie 
gbrlii&er  Waunfd)aften  angreifen  ließ,  in  golge  beffen  $wct 
(Dorumer  auf  Dem  ^la$c  erfchlagen,  bie  übrigen  flüchtig 
würben.  $ei  ber  Verfolgung  auf  feinem  ©ebiete  verloren  Die 
StäDtifd)cn  nodj  fünf  ihrer  Seute.  Die  ©örlifer  rächten  ftd) 
wiebetHm,  fielen  in  feine  Dörfer,  vlünDerten  unD  nedten  ihn 
Dermaßen,  Daß  er  Damals  auf  einen  Sergletch  antrug  unb 


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15» 


200  e<M  ®rbfd>en  bellte,  welche  beim  Beginn  be*  Baue* 
ber  ftrauenfirdje  verwcnbet  würben. 

Daß  feine  <*)eftnnung  gegen  bie  <£tabt  im  3*  1357  beut- 
nad>  bie  befte  ttif^t  fein  mochte,  fann  man  ri<f>  crf lären ;  ebenfo 
bie  lleberrafcbung  bei  (**örli{lcr,  al6  fie  ihren  vormaligen 
mächtigen  getnb  von  ber  fallen  Sanbeäfrone  Bejty  nehmen 
faben. ' 

(f*Ui<t(i<herweife  flarb  Biberffcein  im  3.  1360.  <5r  hinter- 
tie#  *wei  <£ji>bne:  $>anö  unb  Ullrich,  (von  benen  (öfterer  ben 
Ruberen  uberlebte)  nnb  feine  Bedungen  fingen  auf  fie  über. 

«Öan*  v.  Biberjlein,  n>eld)er  batf  ftürjtentfyum  Ötörlifc,  wie 
wir  oben  erzählt,  im  3.  1387  befehlet  uuD  wabrfdjeinlid)  von 
ber  £ant>e$frone  viel  6<l)aben  getban  hatte,  belehnte  im  3. 
1397  ben  Burggrafen  (Sanbcr  v.  Hohberg,  biefer  wieber  einen 
£errn  v.  <$er<jborf  mit  bem  Berge,  welker  feine  Vlnf>röc^c 
an  einen  hierin  v.  Pottwifc  veifaufte,  itaefr  beffen  $obe  bie 
Vanreefrone  Bincctu  geller  auf  Scrdja  eine  3***  lang  h*fap> 
aUe  biteben  jeboch  linterlebend träger  bei  Blberfteine,  nnb  jwar 
nach  bem  im  3.  1419  erfolgten  »bieben  be*  $errn  £aw$ 
t>.  Biberftetn,  von  beffen  (söhnen  «£an0,  UUri<t>  unb  griebrich. 

Die  gütjrung  ber  Biberjiein'fd)cn  VebeneUeute  auf  bem 
Berge  fd?eint  titelt  befriebigeub  gewefen  Mi  fein.  Sic  muffen 
ben  Straßenraub  geübt  unb  bie  (Sinwobner  von  (Dörlifc  beun- 
ruhigt tyaben.  3cbenfa(ld  fann  tro$  ber  fturdn  vor  ben  £u* 
fiten,  ivetc^e  bamaltf  ?anb  unb  Stäbtc  utebr  einigte  al$  jemals 
bat»  Berbältnjj*  ber  Schloßbewobnci  auf  bei  fcanbedfrone  w 
Stabt  Wörlifc  fein  gute*  gewefen  fein,  benn  1433  Ratten  Die 
Slelteften  uno  ®cfdjworeneii  in  ber  Stabt  eine  Unterrebung,  „ob 
eä  nid)t  gut  fei,  ber  5ffio^lfal)rt  ber  Stabt  wegen,  bie  i'anbeö- 
frone  *n  faufen." 

lieber  ben  ftudfall  biefer  Unterrebung  wijfen  wir  nidjte; 
nur  fo  viel  fitety  feft,  *wifd)cn  1433  unb  143d  ift  bae*  Sd^ 
auf  bem  Berge  von  ber  Stabt  befefct  worben;  nod)  im 
3.  1435  hatten  unter  3erufalem  Bedjcrer  ftäbtifche  Sbloner 
bic  Burg  Sanbeöfronc  befefrt.  &t  würbe  um  SWartini  1435 
laut  matlwe^nungeit  bi*  Martini  143ti  an  bie  Seute  auf 
bem  Berge  Selb  ausgebt)!*. 

3m  3-  1437  verfauften  bic  Bibcrfteine  bie  ?anbe*froue 
an  £ein$cn  v.  s4$romm&,  ber  nach  wenigen  Sagen  fie  an  feinen 
Selmbenen,  ben  £cr*og  $and  v.  Sagan,  veräußerte,  burd) 


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156 


bcn  btc  9Rannfd)aft  ber  (Dörltfcer  mit  Gewalt  »erjagt  unb  auf 
biefe  SBcifc  ber  (8eft&  betf  $erged  gewonnen  warb.  Wittbci* 
lung  von  tiefem  Ucbcrfaü*  würbe  fofort  burd)  eineit  $3otcn 
(ber  laut  $Ratb$rcd)nungen  4  ©r.  befam)  oon  ©örlifc  auä 
bem  ^uitbc  \w  33au(en  gcmelbet. 

^rjog  war  faum  in  ben  Seftfc  ber  beiben  Schlöffer*) 
gelangt,  alö  er  Huftalt  traf,  btc  baulichen  löerfc  in  ben  feftejten 
2 taut  w  fcfccn  unb  $runb  für  mehrere  neue  Xbürmc  mauern 
lief?.  'Die  9ta(fyrid)t  hiervon  beunruhigte  bie  ©dritter  um  fo 
mehr,  alö  man  behauptete,  ber  «£>er$og  beabftdjtige  ba$  £d)le& 
au  6igmunb  i\  2i>artemberg,  ben  größten  Jeinb  ber  £tabt, 
wie  unten  erfubtlid),  *ur  ^älfte  vi  überlaffen.  <rte  verwet* 
gerten  beöfyalb  bem  c$cr$oge  «£>anö  bie  3ufubr  von  ¥cbcnä* 
mittein  auf  ben  33erg,  waö  \u  ©treitigfeiteu  mit  ben  Surg* 
leuten  uub  p  *J3lünberuiigen  ftäMifc^cr  Dörfer  burdj  biefetben 
ÜBeranlaffung  gab. 

Segen  btefer  Girren  fdjrieb  ber  $atr)  an  ben  &aifer, 
unterem  H.  November  1437,  unb  bat  ihn,  ba  jj  £erjog  griebrid) 
$u  (sadjfen,  ben  Vau u  130111  fowobl,  al$  benen  im  gürftentbum 
S(r)wcibni&  unb  Jaucr  Befehl  gebe,  ber  ©tabt  ©örlifc  beim 
Angriffe  auf  batf  £d>lojj  ^ilfe  ;u  leiften.  Der  töaifct  erließ 
an  ben  Verflog  bie  $ufforberuna,  mit  bem  Saue  innezuhalten. 

Der  &erftog  ^aud  bat  mftänbigft  bcn  £aifer,  ihn  in 
feinem  Vorhaben  nid)t  ;u  ftören,  äuglcid)  febrieb  er  aud)  am 
6.  Dejember  1437,  au  ben  ^Katb.ju  ©örlty,  burd)  Sittich 
v.  Selhofe,  baf?  bie  2anbec3frone  ihm  allem  gehöre  unb  3Bar« 
temberg  feinen  Einheit  an  ihr  habe;  er  weite  ihr  Jrcunb  fein, 
uc  möchten  feinem  Hauptmann  i\  9tid)terwi$  feine  9totbburft 
uub  Nahrung  Aufommen  laffen.  Diefelbe  (Srflärung  würbe  von 
ihm  am  ^homa6tage  wiebcrholt.  Dod)  gab  ihm  ber  üRath 
eine  nid)täfagenbe  Antwort,  ohne  feinem  £Bunfd)e  ©cr)ör  \\i 
geben.  Die  Mannen  beö  ^jer^ogä  mögen  wiebcrholt  am  flu* 
lauf  von  £cbcudmitteln  gebmbert  worben  fein,  benn  cd  ftnben 
ftd)  ©puren  einer  Jehbe,  bie  erfl  burdj  ben  1439  erfolgten 
Xob  beä  $eriog$  ihre  Seenbiguna  fanb.  3m  3.  1440, 
9Jcittwocb$  vor  Xiburciud  (10.  5Äucjutt),  verfauften  be$  .£>er*ogfl 
6öfmc  33altl)afar  unb  *Kubolph  Mc  &inbcäfronc  nebft  JMetn* 
$ic$uifc,  (gmutewift  unb  9teunborf,  um  600  «Warf  böbmifebe 


•)  *nf  jebem  ©ivffl  ftanb  ein  Eumcerf. 


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157 


©rofchen  an  bie  <£tabt.  «lebalb  ging  auch  bic  €tabt  au  ben 
Abbruch  bed  f)efäl>rii€f)en  edjloffeä,  wofür  Um  in  «tlern 
31  ed>o(f  6  GJrofchen  befahlt  würbe.  £er  Weierhof  W  ber 
Vertiefung  jwifchen  beiben  93ergfpi$en  blieb  bamalS  noch  freien. 


®tfc$id>t«  ber  6  tabt  währenbber  hufitifchen,  martern' 
b er gt| d>en  unb  pobiebrabtfdun  3eiteu*),  1414 — 14B8. 

bereit*  oben  ift  ein  Xbeil  ber  jhriegfyüge  unb  gefjben 
ber  ©örlifcer  beleuchtet.  Die  nun  folgenbeu  £änbel  ftct>cn  in 
unzertrennbarem  3Hffl"»nwibange  nnb  haben  eine  bei  Sßeitem 
größere  Xbeiluahme,  alä  bie  früher  erjäblten,  wegen  ihrer 
weltgeschichtlichen  SSebeurung  in  Slnfprud)  ui  nehmen.  <£>ier 
wie  bort  war  ©örli$  gewöhnlich  mit  ben  fech*ftäbtifchen 
€d>weflern  »ereinigt;  biefer  Äbfchnitt  vornam lieh  wirb  bie  innere 
Äraft,  fowie  bie  Wannhaftigfeit  ber  görlifcer  ^ürgerfchaft  be* 
weifen,  greilid)  ift  auch  hier  meiftenä  nur  von  mittelmäßig 
geleiteten  Umhtvjägcn  gu  berichten  unb  bie  (Srfotge  ber  9cii* 
ttungen  ftanben  feiueflwegö  mit  bereu  Umfange  im  Skrhctltniß. 
£>ie  £täote,  welche  eä  mit  friegägeublen,  mit  guten  Rubrem 
oerfeheneu,  politifd)  unb  religiös  fanatifuteu  Sd>aaren  \\\  thuit 
hatten,  größtentheilä  allein  auf  fid)  angewiefen,  waren  alä 
einfache  SBertbeibiger  iljreä  £eerbed  beut  (Gegner  im  freien 
gelbe  feiten  gewachfen.  s)?ur  gegen  Heinere  Abheilungen 
fonnten  fte  fid)  fchlagen;  wenn  bie  großen  ^eereefäulen  ber 
jünger  von  anfamen,  mußten  ftd>  bie  cedjdftäblifchen 
in  ihre  feft  »erfd^anjteu  dauern  jinriicf^eben,  bie  unglütflidjen 
©aueru  bem  sDforb,  ber  ^ranbftiftuug ,  ber  ^lünbcruug  wehr* 
loö  anheim  gebenb.  1  affelbe  gilt  auch  von  ben  fpätem  93er- 
hältnijfen  wähvcnb  ber  ^ebeüton  unter  ^obiebrab  unb  ben 
folgenben  Reiten. 


*)  ©gl.  jllüji:  CMefdj.  bed  §ufuenlrieged  in  ber  Cbetlaufift.  SWanu* 
ffript  auf  bem  »Jtatybaufe  in  Gtorlifc,  »erat,  mit  ber  £berl.  Ürrunben* 
fammlung  in  ben  gleichzeitigen  görlifcer  Scatyflrefymngen.  • 

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158 


(5d  erfdjemt  wunbcrbar,  baji  bie  ©ed)$ftäbre  nid)t  vom 
f)itftttfd)eit  Grifte  angefteeft  warben,  ba  fic  fortwdbrenb  mit 
SBöbmen  in  fo  inniaem  Unfeine  ftanben  unb  man  benfen 
tonnte,  baf  ber  unruhige  Gk'ift  in  ber  sBüra,erfct)aft  unb  beren 
(Streben  nad)  gleidier  ^rwaltuna>s£etl)eilia,una,  mit  ben  (Me- 
fdjledjteru  bie  $uftten*eit  jur  <£r$wina,una,  ber  verfaßten 
red)tiauncjen  benufct  babeu  würbe.  Dod)  war  bem  feineeweejä 
fo.  Der  3wift  in  bei  Gemeine  ajng  mir  baä  materielle  3nter< 
effe,  feinetfweaö  bao  fird>ltc(>e  an.  3"  legerem  war  qerabe 
in  jener  Seit  bie  (Mlanjperiobe  beä  äatMiiitfmnö  in  @iörli6*, 
e$  fmb  auperorbentlid)  viel  <8rifluna,en  für  Midien  nub  adjit* 
tid)e  3werfe  au*  bem  15.  3al)rbunbert  ut  metoen,  wie  bie 
verfdjiebenen  gleidneiticjen  Stabtbüdjer  beweifen.  Die  Dbcv 
lauft&er,  in  fird>lid)er  SBetfehuna,  nid)t  unter  ^raq,  fonbern 
unter  Weisen  fteljenb,  betrachteten  bae*  ^ufitentbum,  wie  alle 
firenajlaub,ia,en  #atl)olifen  alä  Üefcerei  unb  aud)  bie  (*)örlifter 
verfolgten  mit  bem  großen  3ntereffe  bie  Skrbanblungen  ber 
jürd)euverfammlnni)  gu  JConßan*  (1414—1418).  Dort  fanbeu 
ftd)  fowol)l  £erren  vou  ber  oberlau|l&ifd)eu  Mtter|d)aft,  alä 
von  ben  6tdbteu  ein.  Vliuh  <5Jorli&  hatte  bort  $lbi)efanbte, 
welche  im  JDftobcr  1414,  mit  ber  übrigen  fatboIifd)en  3Selt, 
ben  $apft  3o^ann  XXIII.  anerfaunten.  Die|"e  Slnerfennuna, 
war  iljnen  fel>r  liü^iid)  bei  einem  qeijtlidKU  »fwnbel,  welcher 
bei  Gelegenheit  ber  ©efd)id>te  ber  fatl)olifd)en  ^arod)ie  er* 
wähnt  weroett  foll. 

Weitläufiger  war  ein  anberer  £anbel,  welcher,  obgleich 
feineöwegä  geiftlid)er  51  rt,  merfwürbiger  Weife  vor  ba$  Äon- 
Sil  fam. 

(Siuige  fttlmbad)'fche  ^ichhänbler  hatten  im  3.  1416  eine 
&n}al)l  Dd)fen  burd)  r>en  baufcner  in  bie  görlifcer  unb  jittauer 
Äreife  treiben  laßen;  ber  bamalige  £anbvoigt  «jpinfo  üöerfa 
v.  b.  Duba  ^attc  biefen  ^iebhänblern  burd)  feinen  ^erwefer 
grtebrid)  Micbenmeifter,  freieö  Geleit  erteilen,  unb  jugleid) 
ben  öauvlleuten  von  53au$en  unb  (#örli$,  £cinrid)  v.  Ued)tri$ 
unb  griebrid)  v.  Jft>au  befehlen  laffen,  tfe  nu  fd)üfcen.  Die« 
war  nia)t  geliehen.  Die  Öd)fen  würben  burd)  6trapenrduber 
weggenommen  unb  biefe  ganje  „Wobme"  ben  Arabien  (Atorlifr 
unb  3ittau  $nr  s£efd)werbe  gemacht.  Den  Vanbvoigt  befa>ul- 
bieten  bie  beraubten,  baj?  er  9lutl)eil  am  töaube  habe;  bie 
Stäbte,  baß  felbige  nid)t  ftytfctl  genug  ben  Säubern  nachge* 

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•  4  59 


eüt  feien.  Sie  hielten  fiefy  (>auptfäd>(id>  an  Die  beiben  r  tarte 
unD  braa)ten  Den  «£>anbel,  warum?  iß  miliar,  au  Daä  &0113Ü, 
weid)ee  Die  Unterftidjnng  rieter  tttnqclc^citheit  nirtu  jm ütfwieö, 
1  en Dein  im  3-  1418  anhängig  imuhte. 

Der  Jtaifer  nahm  fta>  Der  Statte  an,  fcl>rieb  an  3of)ann, 
Burggrafen  ;n  Dürnberg,  er  teile  Die  ,Kiilmbad>er  tur  %Kuhr 
»erroeifen,  n>etl  er  —  ^igmuuD  —  im  ($inperftänbnif)  mit 
&önig  3Ben^e(  ».  Lohmen,  Die  $efd>werDc  erleDtqeu  wolle; 
Dod)  ^alf  Diefe  (*inmifa)ung  nidjtö;  Die  &nlmba<r/er  jogen  Die 
Älage  nidft  \uxüd  unb  Die  Öörlifcer  fenDeten  alä  93er*oUmäaV 
rieten  für  fid)  einen  Slltarißen,  -  Johann  Sabernator,  naa) 

Die|"er,  ein  gewiegter  nnD  poütifd)  fd)lancr  Wann,  nahm 
gran*  t>.  3tegaü*ia,  Pfarrer  51t  ^a$fau,  uim  VetßaitDe,  sDtgr. 
tftfolaud  .hot.uniplen,  Domherr  ano  ©reälau,  nun  l eüicitator 
unD  SÄgr.  3o^ann  ©raun  ($raun,  tyrun),  alö  >Jkofurator 
beim  payß!id)en  £ofe,  alö  VlDoefnien  Äfttyar  De  Rannte  an; 
jugleid)  wufjte  er  Dura)  £anö  t>.  ®eröDorf  Den  .£>er$og  £uD> 
»ig  ©rieg  ui  gewinnen.  Die  $$erfammlnng  war  in  Diefem 
J^anDel  günftig  für  ÖJörlifc  geftimmt,  wurDc  ieDoa)  >>or  Dem 
6prud>e  im  3.  1418  gefa)lo|Ten  unD  Die  gan^e  Angelegenheit 
an  Den  päpßlidpn  £of  gewiefen.  Dbgletd)  Dort  Der  £anDel 
in  einem  Dura)  ©rnn'e  Bemühung,  im  X  1418  ju  v3)fantHa 
errotrften  Grfenntnip,  günßig  für  Die  StaDt  anäße! ,  war  boa) 
Der  «uägang  im  3.  1420,  bei  (£utfd)eiDnng  Der  päpßlia>en 
Äammer,  *um  sJtad)t()eil  Der  StäDte,  wela)e  enorme  ßoßen  Da* 
von  hatten.  —  Hin  Streit  mit  Dem  £enog  t>.  SNünßerberg, 
welker  al(e  £ea)*ßäbte  betraf,  wurDe  erft  nad)  Dem  <Sd)luffe 
De*  Äontfte  beenDigt.  Die  nod)  sorhanDenen  ©riefe  laber* 
nater'd  r*on  Jfonßanj  nad)  ©örlie  ftnD  nia)t  nnintereffant  unD 
beleua)ten  melfaa)  Die  3uftänDe  bes  tfonuliumä. 

(£e  iß  Mannt,  Daß  Die  huumdum  Unruhen  ba!D  nad) 
Dem  geuertobe  be$  Sofyann  £ud,  noa)  $nr  *>er  Regierung 
Äönig  ÜBennerd,  im  3.  1415  begannen,  aber  Die  ö)renjen 
Böhmen*  nidjt  überfdjritten.  Demungeaa>tet  war  nia)t  Stühe 
unD  grieDe  im  £anbe.  Die  Stabt  voar  fortwähren*  Dura) 
£änbe!  unD  gehDen  $u  Aue^ügeu  gegen  Strajjenräuber  genö* 
t^igt,  Deren  8(uf$ählung  Die  ^efer  ermitbeu  würbe,  um  fo 
me^r,  alö  fie  ohne  jeDe  weitere  BeDeutung  ftnD.  6ie  ftanben 
tu  feinem  erweislichen  3ufammeuhange  mit  Den  bofjmifctyeii 


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160 


Unruhen;  man  mliptc  benn  foldjen  in  ber  burd)  jene  $uf* 
ftänbe  gefc^wäc^reit  sJD?acht  beo  vanbeeberreu  3i$eiMel  fucheii. 

©rft  ber  lob  M  gefrieren  führte  einen  offenen  Irlich 
mit  ber  Jüberlauftfr  nnb  ben  Böhmen  herbei.  Datf  un&wetfel« 
hafte  Stety  Jtatfer  cigmunb*  auf  bie  böhmifdK  Jerone,  ver- 
anlagte bie  £>berlaH|ifrer  $u  bem  (Sntfdrfujfe,  jenen  alö  ihren 
Sanoeeherm  anzunehmen,  wedhalb  33evol(mäd)tigtc  mit  bem 
Erbieten  ihrer  Unterwerfung  an  ihn  gefeubet  würben.  9tod> 
im  September  fam  eine  ®efanbtfd>afl  beä  Jlaiferd  an  bie 
obeilaufifrifdjen  Stäube,  um  ihnen  bie  gnäbigen  OJeftnnungen 
Sigmunbä  au^ubrüden.  3"  biefer  $3cfenbuug  fam  im  £)f* 
tober  1419  noch  eine  jweite  ber  fatbolifd)  gefilmten  Böhmen, 
auögebenb  von  $ane  v.  sJ)fid>elc3berg  auf  pöfig  ($e*becg), 
Otto  v.  Berge,  bem  Bifdjof  v.  Dlmüfr,  weldjc  von  Hutten* 
berg  autf,  bei  tfanb  unb  8täbten,  «£>üfc  gegen  bie  Bunbbrüber 
in  ^fafpmd)  nahmen.  Die  l)ienäd)ft  erfolgenbe  Beitiitteerflä* 
rung  ber  Dberlaufifrcr  war  baö  Scidjtn  jum  Brudje  mit  ben 
«£>ujlten. 

3m  3.  1420  fam  ber  tfaifer  6igmuub  nach  Breslau, 
betätigte  untcr'm  17.  Januar  bie  Privilegien  ber  €td)dftäDte, 
befahl  aber  auch,  nnter'm  20.  gebruar  1420,  ben  6ed)ö* 
ftäDteit,  ihm  mit  $olf  unb  ihren  großen  Büdjfen  bei  bem  be* 
vorftchenben  gelbjuge  ;.n  $tffie  au  fommen. 

Die  oberlanftfrer  s))tanufd)aft  vereinigte  fid)  bei  6d>wetb* 
nifr  in  6d)leften  mit  ber  faiferlidjeu  Slrmee  unb  rüdte  fobann 
mit  berfelben  über  äönigingräfr,  3eblifr  unb  töönigefaal  gen 
präg.  £ier  lief*  fid)  £igmunb  frönen,  war  aber  nicht  mach* 
tig  genug,  bie  ganje  «Btabt  $u  befefren,  wa*  jur  golge  hatte, 
baß  bie  «£>ilf$truppen  tbeilweife  fid)  jerftreuteu.  Die  £>ber* 
läufiger  waren  fd)on  im  &uguji  wieber  \u  «£>aufe  angelangt. 
*8on  ©örlifr  waren  babei  fed)$$ehn  6pieße,  jeber  £piep  $u 
vier  pferben  mit  Begleitung  gerechnet.  Der  Jtaifer  blieb  bei 
Rudenberg  ftebeir,  baher  halten  bie  £ufiten  freieä  «Spiel  unb 
ftreiften  in  einzelnen  Raufen  biö  3ittau.  (**  gingen  beöbalb 
tu  tiefen  3ahre  von  ©örlifr  auö  mehrmal*  Gewappnete  unb 
Schüben  unb  anbere  aerüftete  Banner,  julefrt  ^ermann  6d)uU 
ted  mit  15  liefen,  20  Sd)üfren  unb  18  feagen  na*  3ittau. 
6ie  machten  einen  Einfall  in  ba$  Sanb  jenfeit  ber  (Slbe. 
Dort  fam  ihnen  £info  v.  pobiebrab  entgegen  unb  fdjlug  fie 
am  25.9iovbr.  1420  bei  bem  Dorfe  gotha.  Den  ©efangenen 


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161 


würben  btc  £äube  unb  Wa\t  abgefa>itten  unb  bie  ^erftüm* 
melten  iiao?  Butan  8*f<Wt 

3e  großer  im  3-  1421  für  bie  DbeTlaiifteer  bie  ©efahr 
würbe,  nadjbem  ber  tfönig  naa)  Ungarn  abgegangen  war, 
ohne  bat?  er  ein  f<r/irmenbe$  £eer  in  ©otjmen  jurrtdgelaffcn 
r/ätte;  um  fo  fräftiger  rüfteten  fte  ftcfy  u»r  ©egenwebr.  Der 
neue  Sanbvoigt  £erwg  £einrid>  von  Liegau  förberte  biefeö 
Beginnen.  Baumen  würbe  ungemein  bcfejtigt.  (fbenfo  ver- 
färben jid)  bie  anbem  6täbte,  namentlich  ©örlifc,  mit  ©eferjüfr. 
Die  „93unbbruber"  fanbten  vom  Sanbtage  ju  (SjaSlau  (6.  3uli) 
9lbgefanbte  in  bie  Dberlauftfc,  ein  Sünbni^  gegen  Äönig 
^igmunb  anzufragen;  im  ©egentbeil  breiten  fie  mit  $er* 
wüftung  be$  SanbeS.  Doa)  fdjretfte  Hefe  9?aa>ricbt  bie 
JDberlautlfcer  nietjt.  6ie  fcfjloffen  bemungeadjtet  mit  ben  fyuft* 
rtfeben  geinben,  Jperwg  griebria)  bem  Streitbaren  unb  me^ 
reren  anberen  NJWarfgrafen,  ju  Zeigen  ein  €a)ufc'  unb  Tru^ 
bünbnijj  auf  5  3afyre.  9tad)bem  ber  ,f  önig  ben  Cberlauftfcern 
ben  $kfef)l  ertheift  hatte,  naa)  Wöhren  311  fommen  unb  ber 
9ted)t3  Sfnipel,  unbefd)abet  tr)rer  Privilegien  —  nur  innerhalb 
be$  Äönigretd)*  Böhmen  ju  fechten  —  gehoben  war,  gingen 
tiefe  Gruppen  nach  Fähren  ab;  von  ©örlij  auä  126  Wann 
5»  *Pferbe,  mit  16  Sßagen.  Doa)  blieb  biefer  gelbjug  wieberum 
erfolglos  unb  bie  Dbei läufiger  f  ehrten  (£ube  beö  3ahre$  $u* 
rücf,  ba  ein  £ujiteneinfaU  in  bie  $!aiift($  befürchtet  warb. 

3u  Anfang  bed  3al>re$  1422  jtanb  ber  Äaifer  noch  bei 
Äuttenberg,  würbe  aber  von  3i$fa  bermajjen  gefd)lagen,  bap 
jid)  faft  bie  ganje  Armee  aujlöfte.  Da  ber  Sanbvoigt  «£>erjog 
^einrich  im  ©efolge  beä  Jtaiferd  war,  führte  beffen  trüber, 
£er*og  Heinrich  ber  ältere,  ba*  Regiment  in  ber  Dberlaujty. 
Unter  feiner  Verwaltung  legten  auch  bie  ©orlifcer  ben  neuen 
*Religü>n6eib,  worin  „ber  römifdjen  tfirche  unb  bem  ^avfte  in 
®laubendfaa>en  ui  gehorchen,  unb  bie  fogeuannteu  Äe&er  mit 
aller  9Raa)t  \u  vertilgen"  gelobt  würbe,  vor  bem  Dedjant  unb 
Dfftjial  v.  Baufce» ,  <£f)rifto»l)  v.  ©eräborf  auf  Baruth  unb 
Dijetjarb  v.  ^annewift  abj  für  fie  ein  folgenreicr/ed  ©e* 
lobtüfc!  Der  wia)tigfte  tfueg$hanbel  in  biefem  3ahre  war 
eine  Heerfahrt  naa)  &ittM,  woburch  bie  in  ber  9cahe  lagembe 
£ujttenabtheilung  jum  Dtocfjuge  veranlag  warb.  s:öcehrmald 
würben  «Haftungen  unternommen,  befonber*  als  ber  Seinb  in 

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162 


bte  SHefeertauftfr  unb  ba$  S3ranbenburgifa>e  eingefallen  war; 
boa>  fam  e3  nid)t  junt  eigentlichen  3ufammenfto|*. 

3m  fo(geiit»ett  3al>re,  1423,  fam  man  wieberum  mit  Der 
2lngft  baoou,  waö  um  fo  oorttyeiltyafter  für  Die  Oberlaufi$cr 
war,  ald  im  £anbe  bura>  Den  Abgang  £erwg  4pciitrid>'*  beö 
älteren  Don  (Slogan  *om  mt>iforifd}en  i'anbooigtäamte,  unb 
ben  £ob  beä  wiiflia)en  tfanbvoigt*  £er$og  £einria)  eine  ge- 
fäf)ilid)e  3wifa>en$eit  eintrat,  in  weiter  jeoe  militärifa)e  Dber* 
leitung  fehlte.  £efyr  nafce  war  bie  GJefarjr  im  sDtonat  3uni, 
alö  3iefa  um  Gwlbftein  unb  tfeitmcrifc  feine  6a)uaren  }am= 
melte.  (£tf  gingen  beoljalb,  naa>em  fdwn  im  9Ronat  sD?ai 
^ermann  6d)ulte*,  «öeinria)  Dtto,  Hirtel  Pommer  unb  (&v 
orge  ÄaniS  mit  32  Siefen,  24  6a)üeen  unb  32  ©ewaw* 
neten  gen  3ittau  aufgebroa)en,  jeboa)  ol)ne  3ufammenftofj 
mit  bem  geinbe  wieber  auflief  geferjrt  waren,  im  3uni  von 
Steuern  £and  (ßlqil,  $eter  Siple  unb  Afjaöoer  Sauterbaa)  mit 
6  (Siefen  unb  18  6a)üeen  naa)  3»"«"- 

3n  biefem  3al)re  war  baä  wia)tigfte  (Sreignip:  ber  lieber- 
tritt  ber  mächtigen  borjmifdjen  £erren  o.  Söartemberg ,  welcbe 
bieder  mit  ber  Oberlauf  in  greunb|a>aft  gelebt  Ratten,  m  ben 
^ujiten. 

mt  bem  3-  1424  begannen  bie  (Sinfätte  ber  Junten  in 
ba*  fea>dftdbti|d)e  Gebiet  unb  l>te  wirflid>en  geinbieligfeiten. 
Daß  in  biefen  Angelegenheiten  Ijäufig  3ufammenrunfte  *on 
ftäbtifdjen  Abgeorbneten  unb  Vanbtage  waren,  brausen  wir 
nttt)t  erft  anjufubren.  Statt  berief  uoa)  über  einem  33ünb- 
ni0  mit  griebria)  bem  Streitbaren,  tfurfurften  \\\  Saasen, 
al*  bie  £iobtyoft  anfant:  ber  §H\it  %\^to  ».  ^obtebrab  fei 
am  25.  3attuar  mit  8000  Warnt  ju  gu£  unb  700  Leitern 
bi*  an  ba*  ©abelgebirge  wrgebnmgen  nnb  tyabe  bie  3ittauer 
beim  €*lo£  äarlöfrtebe  gefälagen.  rürfte  *or  3fttau 

unb  brannte  all*  Dörfer  tu  ber  Umgegenb  nieber,  ba  er  bie 
€tabt  felbft  nia>t  erobern  fonnte.  Die  €täbte  rufteten  fia?; 
leibtr  ju  foäf.  (**  eilten  »ou  Gförlifr  auö:  Sigmimb  9»en§tl; 
nebft  «nbrcaä  Gugelrjarb  mit  24  ^ferben  unb  einer  «n^abl 
Sttagen  ©ewawneter,  fttfter  #and  Doberwifr  mit  40  *gferben 
unb  100  €a)ufcen  3fttau  ju  £ilfe,  fanben  aber  ben  geinb 
nid>t  mefjr.  3nt  SBieberoergeitnng  würbe  im  gebruar  ein 
<*infafl  in  Sötymctt  gemacht  unb  bort  rtiiftt  weniger  graufam 
gekauft,  al*  bie*  Seiten«  ber  £uftteu  im  3irt<wifa)en  gef^n 


uign 


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463 


war.  Die  ffiaf)(  beä  £errn  *.  Noblen*  *um  Sanbtwgte  war 
für  Die  görberung  ber  jtriegöanaelegcnbetteii  fcftr  erfprie(jlid). 
t>.  $of>leu*  dnberte  ba*  gan*e  2krtbeibigung*|pftero.  (Sr  ge* 
Mete  nic^t  rae^r  bic  ßmlaffuiig  ber  üRanufaajt  naef)  «bjug 
bed  gciuDe«,  fottbem  orouete  fortgefetfe  ^Bewaffnung  unb  @ar* 
ntfonen  an  ber  ©renje  au,  fe$te  ft<$  aud>  mit  ber  oberlauftfter 
ftttterföaft  in  gute*  $ernel)men,  fo  ba£  jene  »on  nun  an  beu 
Stabteii  treulid)  Die  £anb  bot. 

3m  Sttonat  3um  näherte  ftd>  3t*fa  beu  ©renjen.  <£* 
gingen  in  biefem  SKonatc  gegen  200  6d)ü$en  »o*  ®örli& 
»ad?  3ittau;  am  5.  3uli  wieber  36  Uferte  unb  100  ©ewapp* 
nete  auf  $Bagen;  am  22.  3ult  *on  Beuern  »f)a*oeru$  Sau* 
terba*  unb  grenjel  ^nc  mit  10  6pic|jen  (ä  3— 5  üWann), 
10  Söagen  mit  gewappneten  eölbuern  unb  gegen  90  gewapp* 
nete  £anbwerfcr.  Da  fid)  3i$fa  wieber  in'ä  3nnere  aurürf* 
jpg,  ging  biefed  3a^r  1424  of>ne  weitere  Unruhe  ab. 

Da*  3a^r  1425  lie«  U  *on  vorn  Ijerein  fe^r  ängftfidj 
an.  Die  Äadjrityen  eine*  beabjidjtigten  Xaboriten  *  (Sinfall* 
mürben  fefjr  bräugenb,  we$fyalb  wfdjiebenc  3ufam*tcn  fünfte 
in  ©ortt*  unb  Baufcen  umer  Dem  $rAfU>imn  be*  #an*  ». 
*Ml*nj  abgehalten,  unb  baju,  auper  ben  ®e^$fiäbteu,  aud)  bie 
fteincren  2anbfitäbtd)en  emgelaben  würben.  Die  ©efa^r  war 
in  ber  £bat  nid)t  unbebeutenb.  Denn  cS  burd^ogen  plüiu 
bernbe  Gruppen  ben  fubö jtüdjen  Zfyii  bei  Dberiauft*  \  an  ben 
Weinbergen  bei  ©örlifc  warb,  unter  anbern  greoeln,  oon  einer 
od>aar  bic  bort  fktyenbc  Capelle  ruinirt.  ©egeu  (labe  3anuar 
1425  aber  gingen  bie  bufttifdjen  Gruppe  an  ber  ©renjc,  weiter 
in*  fcanb  jururf. 

9fad)  D£er«  warb  ber  bdfymifrfje  ©renjabei,  »ornefymucfy 
bie  abtrünnigen  ffiartcmfcerge  unrul)ig;  fie  fteleu  *om  ®#loffe 
Xoümfttin  tf*  jittauif^e  Sßeid)büb,  ftreiften  bi*  ptt  JUofter 
«arkntljal  unb  fügten  Wiefel  *.  ^onirfau,  bamattgen  £aupt* 
mann  t>on  $iUau,  welker  bei  einem  9tu*faUe  üt  tyre  ©ewalt 
geriet^,  gefangen  in  ba*  ©urgwlief  Mit  SoUejtftein.  Ski 
ben  Untcrfjanblungcn  um  feine  eublid)  erwirftc  greüafiung  be- 
tbeiügten  fid)  aud>  bie  ©örlifcer.  Die  ijcrrfdjenbe  USerwirrung 
warb  gemehrt  burd)  ^wifti gleiten,  in  weidje  bie  oem  Jtaifer 
bewirlte  <£infefrung  eine*  aeueu  Sonbwigta,  in  frer  $er* 
fon  M  mbvety  wit  itolbifr,  ben  beengen  $ermefer  ber 
SbcrUmft,  £eüirid>  o.  $o&lena,  oerwirfelte.    «euerer,  beut 

Ii? 

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164 


unleugbare  Verbienfte  um  ba$  gefä^rbete  ?anb  nicfyt  ab- 
$ufpredjen  ftnb,  beanfpru  d)te  jene  äöürbe  felbft,  wollte  aud> 
nidjt  von  bem  rurjmlid)  verwalteten  Soften  (Reiben,  fo  baß 
bie  Verwaltung  burd)  biefe  fdjwanfenben  Verbältniffc  \\\m 
Schaben  be*  £anbeö  gän$lid)  gelähmt  war.  £änbel,  welche 
ber  angefefyene  fcanovotgt  früher  ofyne  Blutvergießen  fd)lid)tete, 
würben  jefct  burdj  bac  6 d) wert  entheben;  3eber  fud)te  ftdj 
cigeumädjhg  fein  Äedjt.  Die  golge  biefer  inneren  3erfiüftung 
war  sJWad)tlojtgfeit  nadj  Stoßen. 

Dem  am  25.  3uti  tu  s-iöai$en  jwifctyen  Äatfer  §igmuub, 
.^urfiirft  griebrid)  m  6ad)fen  unb  ^erjog  fllbredjt  v.  £)efter* 
retd)  gegen  bie  Quitten  gefd)lo|Teneu  Vunbniffe  traten  bie 
6ed)6jtäbte,  mithin  aucr;  t*Jörli$,  bei.  Die*  brachte  ifyien 
leiber  wegen  ber  SHactylojtgfeit  be*  Äaifer*  mefjr  edjaben  al* 
sJtu$en. 

3m  Sfoguft  1425  rücfien  18,000  £uftten  vor  i'öbau;  ba 
irjr  (Stürmen  jeood)  frudjrlo«  war,  goqeu  fte  wieber  ab,  ofyne 
(työrlifc  i)etm^iifuc^cn;  bort  vcrboppelte  man  bie  38ad)en,  warb 
Stffcttet  unb  fefcte  alle  geftungäwerfe  in  ben  beflten  Vertbei* 
bigungfyuftanb.  Actum  war  ba$  6täbtdjen  von  biefem  grittbe 
befreit,  al*  2öilr;elm  v.  Soltow  auf  tfeipe  unb  6tgmunb 
v.  3öartemberg  auf  Xetfdjen,  göbau  von  Beuern  bebro^ten; 
we$f)alb  am  2.  Dftober  3obann  Ulricbäborf  unb  Johann 
dotier  von  ©örlifc  mit  einer  Schaar  (Bdjitfceu  unb  Vewaff* 
neten  jutn  6d)Hfce  autogen,  um  eine  Mit  lang  tu  Söbau 
alä  ©arnifou  ju  bleiben.  Um  eben  biefe  3eit  wuirbe  von  ben 
vereinigten  <5täbtett  ui  VernSborf  in  ber  9fäbe  von  Vernjiabt 
ein  Vager  aufgefdjlagen,  bamtt  man  jeber  3«*  bereit  fei.  Von 
@örli$  au«  gingen  bafjtn  £an6  v.  Volbert*,  Hauptmann, 
£antf  ©eiber,  Wiefel  Süeitfd^reiber,  aud)  anbere  £erren  beo 
$atb$  mit  einer  <Sd)aar  Gewappneter  unb  blieben  biö  gegen 
Witte  JDftoberd.  Die  Vagerbefafcung  ^atte  jeood)  fo  fölcdjte 
flunbfdjafter,  baß  trofc  aller  Söadjt  fübue  Räuber  bie  ©egenb 
um  fcöbau  zeitweilig  auöplunbern  fountett,  olme  überragt  \n 
werben.  —  8(*  nadj  ©eibnadjten  bie  $a#rifty  einlief,  ber 
gemb  zeige  ftdj  abermal«  bei  bo&mifö  &ipa,  brauen  auf 
Vefel)l  be*  «anbvoigtö,  von  ©orlifc  r,er  am  26.  Dejember  60 
3ßappner  unb  12  SBagen  nad>  3tttau  aHf,  famen  jebodj  fdjon 
am  29.  Dezember  «benb*  wieber  juriirf.  Da  Blbrecfjt  v.  Üol^ 
bi&  gegen  (Snbe  be*  3af>ree  bie  «anbvoigtSwürbe,  aUfeifig  an* 


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165 


erfannt,  behauptete,  trat  mer?r  (*inbeit  im  Banteln  ber  ©ectyJ; 
»tarmeben  ein. 

9Äit  bem  Anfange  bed  3abre$  1426  verlangte  Xlaifer 
©igmunb:  Vanr  mm  <5täbte  ber  Oberlaufs  feilten  lÜOO^ferbe 
roirer  bie  Junten  ruften.  3ur  Abwehr  biefer  Wa^re^el  gfng 
eine  T crntiitton  an  ben  Kaifer;  gleichzeitig  aber  mit  bem  VI n 
erbieten  eine*  S3ünbntffed  lamme  *.  bertfberf  an  ben  Kur* 
fürjten  ftriebrid}  ju  Sadjfen. 

Slacb  Detern  seranlajjte  ba£  ©erüdjt,  ba(i  bie  geinbe  bei 
Sebmtfcty  -  £eipe  ftünben,  bie  6tabt  ©orlifc,  if)r  «Reutin* 
gent  au^urujten ,  veel$e0  rom  29.  flpril  bie*  jum  4.  9Wai 
1426  unter  bem  Jtommanbo  be$  «£>anfl  i\  &olbi$  im  foqc- 
nannten  nicuhoU  ein  £aaer  inne  batte,  am  5.  iHai  biä  mu1> 
Effylegel,  nur  am  26.  i&toi  nact)  Draufenborf  bei  3ilta" 
rüefte.  SBon  Schlegel  autf  ging  eine  größere  ?(btbei(ung,  rav 
unter  23  görli$er  (ccbüfcen  (KX)  blieben  in  ber  Stabt  3tttau) 
unb  eine  gdrlifcer  Shicfofe  biä  itac^  SBartemberg,  roojelbf*  bie 
ttngc  •äWannfcbaft  son  ben  füllten  tfyeilS  gefangen,  trjeilö  jer- 
tprnigt  WHrbe.  Da«  Sefegelb  für  biefe  befangenen  fojitete  ber 
€tabt  börlifc  43  6<t}o(f. 

<Benn  feben  bte  mcbn ahnten  Jfciegdruftungen  unb  bamit 
serbwtDenen  »Heften  ber  £urt  borli$  ungemein  ftf)reet  fielen, 
waren  bie  tBerliifte  ber  (*inroor;nerfcr;aft  bei  ber  <Scblad)t  wm 
flufftg*),  am  26.  Juni  1426,  geeignet,  bie  33ürgerfd)aft  *ur 
$$er$reeiflung  $u  bringen.  Auf  ftufforberting  ber  Jturfiirftiii 
.Uatbaitna  von  Sad)fen  hauen  aud)  bie  <Bed)6fiäDte  unter  bem 
SDbcrbefebl  be$  £an$  d.  Jtolbifc  ein  Kontingent  jum  fädjfifcben 
$unbe$f>eere  fiepen  laffen.  i*on  ®örli$  gingen  l)in  250 
*ßferbe,  unter  reellen  36  blefen  a  3  ^ferben  ©elbner;  über- 
rtee*  viel  gufwoll  au$  ber  ©urgerfdjaft,  mit  £anbbüd)fen, 
Slrmbrujten  unb  ^ferben  reebl  auflgeftattet ;  ein  Suc^fenmeifier, 
Steiner,  mit  einer  großen  t»on  fünf  s$ferben  gelegenen  33ücr;fe 
unb  12  SÖagen.  Som  9Jatf>e  waren  im  3«9«:  Wfolau* 
i^artenam,  ©eorg  fiantn,  Johann  9toner,  SHjatoer  SaHtcr* 
badj,  Wiefel  5Beitfd)reiber,  9?ifolau$  Weumann  unb  3afob 
feiger.  (Sin  ©eiftlidjer,  tarnen«  sJÄai,  ging  aß  gelbyrebtger 
unb  Wtifttx  «Stefan  alö  Bunbarjt  mit.  $en  ben  250  Sei- 
figen ber  ®&rli$er  retteten  fid)  auä  ber  Weberlage  eine  geringe 


•)  Sgl.  «fdjtacfc,  **mg  6igmunb  III.  6.  244  ff. 

» 

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166 


ghtgahl.  Die  große  $ü<hfe  nebft  allen  3elten,  Söagen  ?c.  ging 
oerloren  unb  äußerft  wenige  aud  ber  $ürgerfchaft  famen  j«* 
ruef,  unter  i^nen  George  Äanifr  unb  9Wotau6  9teumann,  fpäter 
auch  Wfolau*  Warienam,  weiter,  ferner  oerwunbet,  oiele 
SÖodjett  in  DrcSben  franf  lag.  Der  Ä  aplan  Wai  ^atte  feine 
(Dewdnber  ncbft  Dem  Weßbuche,  »Itarfteine,  einem  GHätfchen 
Mnb  jwei  Ampeln  vom  WeßgercUh*  auf  ber  gluckt  verloren. 
Der  93üd)fenmeifier  ijarte  ftch  gleichfalls  gerettet  unb  ber 
ffiunbarjt  braute  bem  9tatr>c  22  (Schorf  ber  gdrli$er  Jfriegd* 
faffe  jurürf.  Hl*  man  im  September  ©ewißheit  hatte,  wer 
noch  am  Men  fei,  mürbe  ben  Gebliebenen  ein  große*  Seichen 
btgängniß  gehalten  unb  noch  viel  3ahrc  barauf  Steffen  ft* 
ihr  (Seelenheil  gelefen. 

Die  ©tabt  würbe  fer>r  forgfdltig  bewacht.  Damals 
einigte  man  ftch  mit  bem  Jlaifer  über  bestimmte  oon  ben 
6täbten  &u  befolbenbc  ,£>aHptleute;  für  unfere  6taH  erhielt 
biefe  Vollmacht:  Xbwo  o.  Jtolbifr.  3"  flcgcnfrittflcr  £>ilfelei* 
ftung  fdjloß  man  am  3.  3uli  in  tföwenberg  mit  ben  Surften* 
thömern  ©chweibnift  wnb  3auer  ein  Schuf*  unb  Xrufcbünb? 
niß.  Witte  3uli  fiel  3an  t>.  Söartemberg  bei  3irtau  in*6 
*anb,  wobei  e*  vor&üglich  auf  ben  ©iehraub  abgesehen  war  ; 
er  wnrbe  jeboeb  in  einem  Hinterhalte  beim  fogenannten  €pit- 
telholje  bermaßen  oon  ben  3*«*«*™  gefchlagen,  baß  fein 
3HHth  auf  mehrere  $atyt  gebeugt  war. 

3m  3.  1427  warb  bie  ©efahr  größer;  bie  ©tobte  legten 
baher  Anfang  gebntar  auf  SRelbung  be$  o.  SMichelflberg  auf 
^ofig:  ber  unter  SBelif  Aaubelinf  bei  Wacfjob,  Jttttigingräb 
nnb  Xrautettait  flebenbe  $eere*theil  beabsichtige  einen  iSmbrnd), 
100  Seifige  nach  3tttau.  Der  Sanbooigt  fetbft  begab  ftch 
borthin;  er  »erfngte  unter  anberent,  baß  bie  e^Uffcc  Tö- 
nungen, galfenberg  unb  Neubau*  ftarf  befefHgt  werben  fo0ten. 
$alb  borauf  famen  ben  ©täbte«  preußifche  ftitter  be*  beut* 
f<hen  Orben*  w  #ilfe,  unb  ber  Äurftirft  *on  Skanbenburg, 
ber  bamal$  ein  £eer  gegen  bie  £uftten  auäniftete,  fagte  feine 
UnterftüOung  91.  Die  foorlifcer  brachten  gegen  1900  Wann 
ftufammen  unb  fenbetcu  felbige  am  9.  «Btot  unter  Unführuitg 
ber  9rath<3berien  Wathiaö  Jiefer,  £an«  Ulrtch*borf  unb  <Paul 
Scinftngießer  nach  $ttan,  wofelbft  bie  geinbe  in  ben  erften  SKau 
tagen  unter  bem  großen  unb  f leinen  ^rofop  eine  14  Xage 
bauernbe  nufclofe  Belagerung  begönne«  tßttm.   3n  ber  Koche 


1 


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167 


*pr  (Santate  (18.  2Äai)  bracb  ba$  ^eer  Der  ^ufttcn  auf  unb 
l'cfMen  auf  ®örli&  $bjia)ten  \u  haben.  1  a  Jeinfc  plünderte 
ba$  4?(ofrer  Marien tbal ,  legte  bte  3  tat i djen  -t>u fcf>felDe  unb 
Cm  in  in  flidu',  wanbte  ud>  aber  bann  von  brr  Straße 
nadj  Oknlifc,  welche  £tabt  burd)  reu  £aubabe(  ber  Umaegenb 
unb  einen  großen  Ibeil  ber  ftäbtifa)en  dauern  wobl  »er- 
tfyeibigt  war,  auf  Vauhut  ju.  Vhn  15.  sJttai  fam  ber  gciul) 
t?or  l'auban.  I  ort  friste  matt  benfelbeu  unglucttidjerweife  *u 
fd)u>aa};  ein  fluöfall  uad^  bem  »ftapellenberge  unter  bec*  röntg- 
lieben  ^auptmannd  v.  3^tb(er  &nfül)rung,  lief  fo  unglücf  lidj 
ab,  >ai<  ber  »erfolgenbe  $einb  jugleid)  mit  ben  flierjenben 
Surgent,  weldn-  ba*  Ifyot  ut  belegen  »ergeffen  hatten,  ein- 
brang.  Quid)  Dforb  unb  Sranb  würbe  bie  ganje  3tabt  t>er- 
wüftet.  $m  17.  9Rai  brachen  bie  füllten  auf,  gingen  weiter 
»ach  £ chictien  unb  würben  reu  ben  oberlauji&er  üruppen  btd 
fcöwenberg,  jebod)  olme  bafj  fte  eine  6d)laa>t  annahmen ,  ver- 
folgt. 3m  3uni  ging  eine  Partei  ravon  bura)  bte  £)berlaufty 
ninirf  nur  eroberte  bei  biefer  Gelegenheit  baö  Schloß 
tbenburg  an  ber  9cet|je.  lamalö  legte  ber  ¥anbooigt  feine 
i  teile  nieber  unb  ^and  v.  $or)lenj  übernahm  auf  allgemeine^ 
©Ilten  von  Steuern  baä  8tott  cme$  $$erwefer$.  teilte  8teU 
lung  würbe  in  Solge  ber  9ii  er  et  lagen  ber  $ewb$armee  am 
21.  Juli  unb  11.  21uguft  1427,  eine  f)öd)ft  wichtige,  ^ucjletcfy 
aber  an d>  hodjft  fdnvienge.  Seine  etite  (Sorge  war  eine  ftär* 
fere  OJarnifon  fcer  Stobt  $ittm.  QSon  ©öcltö  gingen,  außer 
reu  3Raiutfd}aften,  weli^e  ftd)  iohmi  autf  owüö  in  Jittau  be 
ranreu,  40  Seifige  unb  52  8  ibutjeu  rahtn  ab.  £au$  v.  *ßol)* 
len;,  oer  ud)  felbtt:  „Skrwefer  ber  *Rcia)6laujDe  nur  Stäbte 
unter  bie  .Hefter"  nannte,  übernahm  rao  Äominanbo. 

Äufier  biefer  Veifmug  vermehrte  unfere  Stabt  ihre 
fagung.    £tcc  Hieb  eilt  niererlaunner  Kitter,  ^eturid)  v.  iVial 
rtfc,  umirf,  bem  oer  9iuf  voranging,  er  bcftfce  viel  «ftunbe  im 
AeKun^öbau.    Stuf  feinen  ?Katl)  beulte |i  man,  alle  bei  einer 
Belagerung  gefährlichen  (*)ebäube  ahjubiedum ;  biefed  <&<\)idjal 
traf  baü  ^genannte  Sltoenfyaud,  eine  verbäd)tige  Pforte  in  ber 
$)egenb  De*  j ewigen  Sa^iet^wiitgcr*,  jwei  Vorwerfe  in  ber 
Server ftaw  unb  einen  l  huim.    ;Hn  ber  SBebcrgaffe  baute 
mau  Dagegen  eine  neue  Pforte  unb  legte  beim  ^oigt^ofe  wiid 
au  rei  sj)ejfe  jwei  neue  33  oll  werfe  an.   $3ei  lammtltdu  h  Oum 
bauten,  nicfyt  tnjubex  am  SReipttyurme,  warb  bie  neite  (^rftnbuug 


V 


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168 


ber  Überhängenben  ©ehren  angewenbet.  3«  km  fteben  großen 
Steinbüd^ftn  würbe  eine  achte,  ferner  $wei  Heineren  Kaliber* 
unb  eine  3Jcenge  £anfcbüd)fen  gegoffen,  außerbem  kugeln, 
3ßulver,  93lei  unb  anfcereö  Kriegsmaterial  aufgehäuft. 

33efartMlid)  geigten  im  3-  1428  bie  £uftten  Neigung  $um 
grieben^fdjluffe  unt>  traten  mit  Kaifer  Sigmunb  in  Unterbanblun* 
gen,weldje  ben  <5ed)$ftäbten3*it  ju  befferer9$efefrigung  gewährten. 

Die  400  3Rann  in  Zittau  Würben  auf  gemeinfa)aftltd)e 
Kojten  befolbet.  lieber  bie  Aufbringung  Dicfer  ©etoer  ent- 
ftanb  3wift,  inbem  bie  Diitterfdjaft  nur  ben  4.  Pfennig  bot, 
wäbrenb  bie  StäMe  ben  3.  Pfennig  von  tl>r  verlangten.  Da 
fta)  bie  Parteien  nid)t  einigen  fonnten,  mürben  jene  400  SÄann 
entlaffen,  bei  welker  (Gelegenheit  leiber  auch  ^ohlenj  au*  ^fm 
Dienfie  ber  €ed)6(anbe  fajieb.  Dfefer  Streit  war  jeboa)  nia)t 
vereinzelt.  Da  ©örlifc  anfänglich  fid)  weigerte,  bie  vom  betitfä)en 
fteid^tage  aufgelegte  fogenannte  „Kefcerjieuer''  }u  jablen,  fam 
e6  in  ben  SBaun,  ivrictyer,  nad^em  bie  Stabt  jur  jafhiiM  ber 
fälligen  142  Sd>ocf  ftd)  bereit  erflärt,  wieber  aufgehoben 
warb.  Die  llnterhanblungen  mit  bem  Kaifer  jerfchlugen  fta); 
bagegen  war  bie  von  Beuern  brohenbe  Kriegsgefahr  eine  93er* 
anlaffung  baju,  baß  ftd}  ber  Abel  beS  görlifcer  Kreifeä  unterm 
28.  Augufi  J428  mit  bnr  Stabt  ui  gegenfeitiger  ^ilfeleiftung 
einte,  unb  wabrlid),  bie  ($inigfeit  war  fehr  nothwenbig!  Die 
»$ufiten  ftanben  im  November  in  ber  ©egenb  von  gneblanb 
unb  fdjienen  efl  auf  ©örlifc  abgefebeit  $u  haben. 

Dort  war  man  im  3.  1428.  nicht  müßig  aeWefen,  fon; 
bern  tyattt,  wie  1427  gefa)ehen,  ben  9$au  ber  ftefhingäwerfe 
fortgebt.  9Jtan  j^atte  bie  Überhängenben  3Öebren  vermehrt, 
ben  3nDenfira>hof  in  ber  Kahle ,  mehrere  £äufer  auf  ber 
thergaffe,  fowie  bei  bem  Kuttelbofe  (Sa)laa)thofe)  abgebrodjen, 
bie  dauern  verftärft  unb  bie  Wallgräben  vertieft.  Drei 
SüO)fenmeifter  jur  33eforgung  be$  ©efdnifceä  würben  befolbet 
unb  mehrere  neue  Such  fett  gegoffen.  Da6  grauentbor  warb 
gan^  neu  gebaut  unb  mit  befjeren  (Gewölben  verfefjen,  vor  bem 
.hofhnthiuc  ein  neuer  IbHrm  angelegt,  ba6  *<po6pitat  nun 
heil,  ©eift  ganj  abgetragen,  nicht  minber  bad  äußere  9?eiß* 
bnicfcnthor.  Da  man  ben  grinb  bei  grieblanb  wußte,  fuhr 
man  bad  ©efdjüfc  auf  bie  dauern  unb  Sollwerte  unb  ru 
ftete  fünfzehn  große  Söraupfannen  mit  80  Stein  t*ed>  \\\,  ba* 
mit  e$  flebenb  bem  ftürmenben  geinbe  beim  Angriffe  auf  ben 


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169 


geib  gegeffen  werben  Wtine.  Die  33efa$ung  ber  (Stabt  war 
r)tnrei$enb  verfWrft.  $et  Sanbvoigt  Älbrecrjt  v.  tfolbifr  weilte 
mit  feinem  oofme  Xnvmo  felbft  in  ber  €tabt,  bei  ihm  $er$og 
^>ane  v.  Sagan  unb  S tfmafgorfd)  auf  bem  ©reifenflein,  nebfit 
fielen  fd)leftf$en  mir  läufiger  9?tttem.  I  er  ganbvoigt  hatte 
bem  Stifter  ^anö  v.  £oberg  am  Wfolaitbore,  Vitther  v.  ®er$- 
borf  am  benahm',  .vSctnu'  o.  »Uotrwis  am  grauentbore  unb 
gran$  iRoberid)  v.  jtonrab$walbe  am  rricfjenbadjer  X^ore  Die 
4fafftd>t  anvertraut. 

"Die  füllten  griffen  bie  Stabt  nicr/l  an.  (Sie  jogen  über 
SBern&borf  tn'$  fobaufcfye  (Gebiet,  worauf  ber  Itanbvoigt  mit 
einem  Iheil  ber  bitter  nnb  gbrli$er  ÜERannfcfyaft,  babei  bie 
sKatbeherreu  *ßaul  Ninfengiefer,  Reuige  3  auermcht  unb  9ftfo* 
tau0  Pommer,  aufbradj,  ben  geinb  hto  hinter  Zittau  verfolgte, 
am  16.  November  in  feinem  Va^cv  bei  Jtrafcau  angriff  unb 
ttegreid)  }im  SÖetdjen  braute.  Diefer  ©ieq  war  feit  3afyren  ber 
erfte  größere  ^orthetl  eine?  f atholncbcn  ,£>cere$  über  bie  jtefcer. 

3m  fotgenben  3a()re  würbe  ein  neuro  ^üuNitf?  mit  ben 
$fteißnern  unb  8  dienern  abgesoffen,  unb  eine  ^forrhrenner 
banbe  jerftreut,  welche  ud>  aleid?  Anfang  Januar  in  ben 
6täbten  bemerfü*  mad)te.  5mn  1.  Januar  1429  war  Ourd) 
jte  bie  ©tabt  Vobau  auf  Antrieb  ber  Junten  in  Tratte  gefteeft 
worben.  Die  (Morluu'r  fingen  ben  tbdter  unb  verbrannten 
ihn  im  SWonat  3nli.  fönige  anbere  et  et  er  <Sippfcr/aft  WHrben  in 
^er^ort  rnidKheiii;e  lanerntdu  unr^etnrid)  (£bert)arb,  gefan* 
gen,  unb  nad)  funem  üßrojefj,  eine  $3eute  bed  görlifyer  (balgend. 

Um  biefe  ^tit  war  ber  ©tabtfcfyreiber  von  ©örlifc  beim 
jtaifer  in  Ungarn,  ber  unter  anbertt  ben  wichtigen  Befehl  et* 
geben  ließ,  wenn  ber  geinb  anrüde,  feilten  fämmt(td)e  $$or* 
ftäbte  jur  Sidjernng  ber  gefiungäwerfe  abgebrochen  werbeu. 
Anfang  3«ni  ftreiften  bie  pufften  wieber  burd)  bafl  $anb, 
gingen  aber  regelmäßig  um  @örli$  herum.  ($in  bdbmtfd)er 
(f beimann,  Mtffty  $HUt§tf  auf  grebewalbe,  welcher  im  3- 
1428  ju  ben  £täbten  gehalten  batte,  mad)te  im'3«ü  1429 
bie  Straßen  unfid)er,  inbem  er  eine  ftorberung  ;u  fyaben  ver* 
meinte.  9Ran  fanb  ben  -Kittet  mit  <$elb  ab,  unb  e6  zahlte 
©örli$  60  <5cr;orf,  „um  größeren  <5<fyat>en,  Worb  unb  39ranb 
\n  vergüten".  $)a  mehrere  folefoe  gelben  bie  Dberlaujtfcer  be- 
ängftijjten,  befabl  ber  tfaifer  bem  fcanbvoigt,  biefelben  auf  bte 

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(Snbe  September  mar  unter  3an  tfolud)  unb  3an  v.  ffiar* 
temberg  (9tal$fy)  ein  &or)>6  önftten  im  £anbe,  berannte ,  je* 
fr  od)  fruchtlos,  am  28.  September,  ba6  Softer  Cr  bin,  unb 
ftanb  plofclich,  am  3.  Oftober  vor  @orli&,  wo  man  wobige? 
ruftet  tr>ar  unb  allein  gegen  200  SReiftge  m  Verfügung  hatte. 
'Die  J£)uftten  waren  um  fo  geregter,  al$  fie  alle  Dörfer  leer 
fanben,  benn  bie  dauern  hatten  ftcl>  mit  ihrem  $ieh  unb  tt>rer 
^g>abe  nach  (Mo die  geflüchtet,  fo  bat*  nur  bie  leeren  glitten 
eine  Saite  tr>re6  3orne6  werben  tonnten. 

SÖd  ber  9nfuttft  vor  ber  Stabt,  fehieften  bie  Quitten 
(Finige  hinein,  welche  bie  Stäbter  ba$H  aufforberten:  „bei auä 
ftutommen  unb  ein  I reffen  mit  ihnen  einwogen",  worauf  bie 
Antwort  erfolgte:  „Sie  gebauten  ihrer  lieber  in  ber  Stabt  &u 
warten,  benn  fie  vermochten  ud>  auf  biefeä  3Hal  nicht  \n  ihnen 
heraus  ui  begeben,  weil  ihnen  bie  «£>arnifd)e  fehlten".  Die 
fteinbe  brannten,  ba  if)u  Vlbftdnen  vereitelt,  bie  ©ollwerfe  ;um 
Sturme  aber  \u  ftarf  waren,  bie  ^Borfräbte  ab  unb  gogen  in 
ben  bau&ner  Ärciä.  Sie  puinberten  auf  btefem  3uge  ba* 
Älofter  9Raricnftern,  nahmen  bie  Stabt  Tanten;  ein,  verbrann* 
ten  auch  äSttfichenau.  SaHfcen  würbe  von  ihnen  hart  bela 
gert  unb  raupte  ücb  mit  einer  Summe  OUMoee  loefaufen. 
km  18.  Oftober  fam  ^rofop  ber  Weitere  mit  noch  5000  SHann 
pr  ilnterftü$ung  biefe$  «^eerbaufenä  unb  rürfte  mit  ben  vei 
einigten  Sdjaaren,  feinen  ^fab  burch  bie  gräfHidiften  äkrwü« 
frungen  begeichnenb,  in  bie  ^tieoerlauufc.  Tic  Annäherung 
M  Jfcurfürften  von  tkanbenburg  mit  einem  mächtigen  $ctxt 
Awang  $roifop,  aud  ber  9iieberlaujt$  \\i  weiden.  3)aber  er* 
fetoenen  bie  ^uftten  am  4.  November  *um  ^weiten  sl^?al  vor 
©öriiö. 

«grier  ha*t<  man  ud>  auf  ihre  Änfunft  vorbereitet  unb 
wohl  mit  SMbnern  verfehen. 

Die  y^u fiten  fangen  vor  ber  Stabt  jwei  Säger  auf  unb 
[durften  einen  Parlamentär  mit  ber  ftufforberuiig  in  biefelbe, 
fta>  $u  ergehen  ober  eine  9ranbfcha&ung  §n  letften.  $eibe$ 
würbe  abgelehnt;  im  (^eaaitbeil  verlebte  man  ba$  QJolfetrecht, 
ftedte  ben  Äbgeorbneten  auf  ofener  ©in de,  im  Angefleht  ber 
Aetnre  in  einen  Sarf,  unb  ttin  ;tc  ihn  in  bie  Wcipe.  pvofop'o 
in  ber  erften  (Erbitterung  gefaxter  ©ei"d>lu|i,  bie  Stttt  ui  ftnr 
men,  würbe  burdj  bie  Auna&igfeit  ber  hutitii"d)en  Schaarcn  ver- 
eitelt, benn  fie  wollten  gegen  bie  fciifrn  SRauern  unb  Z^mm 


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171 


feinen  Zulauf  nehmen.  "Die*  veranlagte  ben  Hbuwg  ber  getnbe, 
naefybem  ned)  bie  wieber  im  $an  begriffenen  ^änfer  ber  Wer* 
jtäbte  von  Beuern  in  ©ranb  aefteeft  werten  waren.  21m 
13. November  betraten  biefe  £uttten*6djaaren  ben  böfytnifajen 
Beben.  —  (Snbe  be*  3af)re*  Ratten  bie  §tabtc  nod>  eine 
gebbe  mit  33althafar  v.  5Bnnfd)  auf  galfenberg  ui  beftetyen, 
welcher  ihnen  Dienfite  geleitet  nnb  feiner  Anficht  nach  nid»t 
genüg  ^ahlnnq  hefommen  hatte,  SHan  fanb  ihn  fd)lte#ltcf) 
mit  ©etb  ab,  wovon  ©örlift  am  27.  November  1429:  59 
ed)ocf  @rcftt)en  nnb  am  21.  3>e$ewber  noch  19  6a>tf  13 
<**rofd)en  bejabüe. 

3m  folgenben  3a^e  bi$  Anfang  1431  famen  bie  4?n* 
fiten  fünfmal  in'ä  l'anb,  Xob  nnb  ^erwüfhtng  in  tyrem  hu 
leit.  Sei  Wöilie  brannten  fie  auf  ber  sKii(ffebr  au*  ber  Wie* 
beriaitftft  bie  ^orfitabt  nieber,  nnb  werben  dienten*  von  ber  £o» 
nnb  $if.  V.  Dachau  in  heilerer  im  .'al*  Damalige  ftührer 
von  Sölbnern  www  3chut.u  ber  6tabt  genannt. 

ftitfet  blod  btira>  bie  9taub;ttge  ber  «fruftten,  fonbern  auch 
bnrtb  anbere  6tra£en!pla<fer  würben  bie  ©cwofmer  ber  8ed)ö* 
lanbc  in  jenem  ftimntfchcn  ^ahvhnnret  t  geängfittgt.  ^ter  ift 
be$  Sritfdjc  @rabi3  gv  gebenfen,  ber  vorneijmlia)  feine  (SdMupf* 
würfet  fyatte:  ju  k4kterdt)atn ;  ui  Drebfau,  bei  Äirfel  v.  Äocfrin 
nnb  £>an6  v.  IRafow  (antt)  rKatci  genannt);  $u  Jtofel  bei 
®a(tf>afar  von  ber  6e^ba;  }H  fcobenan  ($obc)  beim  Pfarrer 
Zimmermann;  §m  Xormerflborf  bei  (George  v.  9Äaren;  *u 
l£ifenborf  bei  6an0  Äalow;  &u  Mechern  bei'm  fogenatmte* 
fdjielenDen  v.  Äefcrab;  \\\  Äotfyenbnrg  bei  ^anä  tfuabe;  p 
^«äfau  bei  ^aad  v.  "ikn\u)  nnb  betten  V.  Rabenau;  w\ 
©rot*  ^effan  bei  «&an*  v.  Äottwifc.  5Me  tarnen  nannte 
$ritfa)e,  fem  lange,  Zeit  vergeblia)  nachgejagt  würbe,  fammtit rf> 
anf  ber  Sotter.  Da  gritfdje*  SluJfage  t>ic  frühere  eine*  ge* 
wiffen  Mflaö  UterfdjHl)  beftätigee,  warben  fammtliebe  (**e< 
nannte  bura)  bab*  föniglia>e  ©erietjt  ;n  (Störlifc  in  bie  Ädjt  ge* 
tban,  nnb  bwften  fia>  bi6  auf  £a«$  *.  ^Jeujtg,  bem  wegen 
erzeigter  ©efäüigfeiten  ber  Äatfy  ver&ief),  nia)t  mehr  im  fea)ä> 
ftamifchen  ©ebtete  fehen  (äffen,  gritfehe  ©rabiö  fiel  Dienftag 
nadj  WaTia  Serfnnbignng,  mittyn  ben  28.  Ään,  1430  in 
bie  ©ewalt  ber  görüber  l'anDreiter  nnb  e*  wnrbe  fein  langer 
$ro)e^  mit  ifym  gemaa)t,  benn  noa)  vor  Dflern  (im  3.  1430 
am  16.  a»ril)  wirb  gemeibet,   rap  er  gelangt  worben 


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172 


fei  *)  UebrigenS  war  Srirfd^c  ntd)t  ber  15'iinige.  Sfugcr  tf)m  maaV 
ien  bie  Strafen  unftdjer:  Wiefel  o.  ©cröborf  auf  l*ot;fa,  Wiefel 
2Mo$borf,  3ofyn  Stltbte,  ©eib  t>.  SWefcenrobe  unb  sBaft^afar 
v.  9Refcenrobe.  Vettere  würben  am  5.  ■äÄat  1430  in  bie  ^f<t>t 
getrjan,  ba  fie  gödifcer  ^auflente  auf  offener  €trafje  geplün= 
bert  galten. 

'Kicfyt  minber  gefäbrlid)  trat  eine  33anbe  auf,  bereu  Rubrer 
93altbafar  t>.  @amen(  war.  —  Xro$bem  bie  «hnriten  bamalä 
in  -Weinen,  (Sdjlefien  unb  Währen  fyauften,  war  mau  in 
@örli$  nicht  forgloä,  fonbern  fetue  ftd)  in  SBertbeibigungtyu- 
ftanb  unb  mauerte  neue  ^eU werfe  bei  ben  Xboren  unb  £f)th> 
men.  —  3m  November  fingen  bie  3ittaucr  einen  ^rief  *ßro* 
fop'ä  an$  Scfyleften  an  bie  an  ber  oberlauftyifd)  bohmi fehen 
@renje  ftefyenben  Üßaifen  auf,  auä  welchem  f)eroor.ging ,  ba0 
ber  £)ber(auft$  ein  neuer  SBefua)  ;ugebaa>t  fei.  Daher  neue 
Lüftungen,  neue  Werbungen ,  umial  jene  ©renjfcbaar  unt 
weifen  bie  natje  an  ©örlifc  ftreifte.  &m  25.  November  warb 
HU  OkuIÜ3  befannt,  baß  bie  böfymifa)en  unb  fctylejtfctyen  Rinnen 
Bereinigung  beabfiebtigten.  Sufolge  6täbtebefd)luffc$  famen 
naa)  Zittau  200  Keifige  jum  «djufce,  wovon  ©örlifc  allein 
50  ftellte. 

2lm  elften  3&eibnaa)t6feiertage  lagerten  bie  ^eerhanren 
ber  Junten  in  33ernjtat>t ;  fte  plünberten  baä  Stäbta)en  unb 
legten  ed  ganjlta)  in  Vl(du\ 

3n  ben  erften  Xagen  be$  folgenben  vsabrec  1431  §ogen 
fte  unter  gwfyrung  ®enje(  Sibacf  $,  ungefähr  8000  Wann  ftarf 
vor  tteiduMibadv  Die  :Neirhenbaa>er  ergaben  fta)  jeboaj  wiber 
(Erwarten  nidjt;  fte  tiefen  bie  <5tabt  im  @tia>e  unb  verfdvm; 
ten  ftd)  du  ab  viel  hunrert  dauern  fräfrig  nnterftrim,  auf  bem 
&ird)f)of.  Dort  würben  fte  mit  Wadn  angegriffen  unb  nn-hv 
ten  ftd}  tapfer  biä  $um  10.  Januar ,  an  welchem  $age  bie 
geinbe,  ohne  ihren  ^nn'rf  erreidn  ui  haben,  bei' m  3 eherne  ber 
flammen  reö  angejtinbeten  Stäbta>enä  abzogen.  OMeid^ettiq 
beftanb  *£>ein$e  o.  (Stofct)  unb  ©otfdje  £>dn>ff  bei  £orfa  ein 
©efea)t  mit  ftreifenben  .Junten,  in  golge  bejfen  Stofd)  fdjwer 
oerwunbet,  im  Uebrtgen  aber  viel  befangene  naa)  ®örli$  ein- 
gebracht würben.  Der  Vlbjug  anö  Weichcnbad)  fer/eint  theii  ■ 
weife  bura)  biefc*  (Defekt,  inflbefonbere  aber  burdj  bie  genieß 


•)  ®ört.  Scgweifer  1838.  €.  70  f.  €.  105  ff. 

» 

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473 


bete  3fitfimft  von  fd;lefif*en  unb  meipnifcfjen  $üfttruM>en 
veranlag  worben  311  fein. 

2>er  Jtaifer,  Anfang  1431  p  Dürnberg  angelangt,  enu 
pfuig  bort  eine  5)e}>utatioit  ber  Dberlauftfcer ,  bei  welker  ber 
fcanbvoigt  «Ibredjt  von  Jlolbifc  unb  Der  görlifter  etabtfdjreiber 
waren.  2>er  wieberMte  ©nfall  be*  geinbed  im  Wonat  ge* 
bmar  bewürfte,  ba|?  von  ©örli&  nod)  ein  gewiffer  ^anfratiuö 
nadj  Dürnberg  ging,  um  fd>leunige  ^Kcid>e^ttfe  \n  erlangen. 

$ie  £uftteit  werteten  jt*  von  Ncidjenbad)  aHf  iittan 
w,  wo  fie  ftdj  in  brei  Xfyeile  trennten,  bereu  erfter  HMer^ro* 
top  nad)  e^leften  auf  #irfd)berg  marfd>irte;  ber  jweite  na* 
Söfpnen  auf  $rür  jog;  ber  britte  enblidj  bie  ©egenb  um 
iittau  l>eimfud>te.  &m  19.  gebruar  erfd>ie»  ein  £aufe 
Xaboriten  unb  gBaifen  um  SubwigSborf  bei  CMörlie,  welche 
ctaM  rooty  ijerüftet  war.  £>er  Damalige  <8ürgermeifter  $aul 
ftinefengieper  Ijatte  nämli*  bie  $efeftigunqdarbeiten  unait$ge; 
K$t  betreiben,  ancl>  nod)  metyr  ©ölbner  werben  lauen.  £)er 
Kanbvotgt  fam  eiliqft  von  33au$en  Hnb  übernahm  ba*  Stabf* 
fommanbo.  $ie  $ertf)eibigung^Hftanb  von  ®örli$  blieb  bem 
geinbe  nidjt  unbefannt;  er  »erweilte  nur  einen  Sag  jtt  £ub* 
wigöborf,  unb  bradj  bann  über  5krutf>  na*  93aufcen  auf, 
»eld>e  otabt  beftig,  aber  frudjtloö,  von  tym  berannt  würbe; 
£öbau  jebo*,  wofjin  ber  Warf*  von  Staufen  au*  ging,  würbe 
bamal*  vom  geinbe  erftürmt  unb  mit  400  Wann  befefct;  eine 
£d>aar,  weldje  ringsum  bie  ©egenb  branbfdja&te  unb  ver* 
beerte.  Um  biefe  3ett  fenbeten  bie  ©orlifrer  bem  tfaifer  fol* 
geuben  Hilferuf: 

„«Uerburdjlaufyigfter  gürfi!  ©ro0mä*tigfter  Jtonig!  ic 
Site  Hütt  äönigl.  Knaben  treue  unb  untertänige  «Wannen, 
$ürgermcifter,  Äat^manne,  arm  unb  reid)  <£uer  ©naben  <5tabt 
unb  ¥anb  \h  ©örlifc,  (*uer  (Dnaben  ndd)ft  tyaben  (äffen  fla* 
gen,  münblt*  unb  brieflich  fol*e  gro^e  Skrberbniffe  <£.  ®. 
*anb  unb  @tabt  in  Ueberjügen  ber  verbammten  äefcer,  näm- 
Ud)  alt?  nur  ein  3a*K  vergangen,  \u  fünfmalen  gefdpfyen,  bar* 
innen  fie  viel  Äirdjen  aufgebrannt  fabelt,  ba*  wertbe  ©afra- 
mem  «nfer*  £errn  3efu  (Sr;rifii  geläftert,  mit  Seffern  jer* 
Ijauen,  mit  güjjeit  getreten,  Jungfrauen  unb  grauen  befdjämet, 
arme  fceute  gemorbet,  gefangen  weggeführt  unb  gebranbfdjafct, 
aUe  Stttterftfce  (£.  ©.  Wanne  aufgebrannt,  bamit  G.  ©.  Sanb 
fo  gräplidj  verwüttet,  ba£  bie  ©auern  tynen  i^re  ^infen  nimmer 


474 


Ijaben  ju  geben.  <£inb  nun  &  ®.  SRanne  in  (F.  ©.  @tabt 
gerurft,  allba  Reifen  m  wahren  mit  ui  fdjü&en.  Neffen  ($.  OJ. 
getreue  ©tirgermeifter  unb  Mathmanne  vor  (£.  0.  fleijnglid) 
'lauf  fagen.  Slllergnäbigfter  Heber  J£>err,  atö  fte  renn  aud) 
bie  $k>rttabt  ($.  ©.  rtan  m  (Druiibe  aufgebrannt  fjaben; 
mit)  <S.  <8.  getreue  Bürger  (S.  ©.  ©labt  grop  ftdj  tyaben 
befeftigt  unb  gebauet,  $üdifen  unb  anber  ^ehruuiq  getieft 
unb  vom  *nt)eben  foldjer  «Re&erei  G  (9.  $u  Dienfte  uad)  s.Wah 
reu,  voi  $rag  willig  gefolget  unb  allem  von  ber  6tabt  fte? 
geh  bei  1000  Wann  nad)  (*  @.  €tabt  3itta«  gefanbt  hatten,  alö 
leioer  Van  hau  verloren  unb  aufgebrannt  worben,  batiad) 
<£.      <£tabt  mit  ifcren  <56lbnern  £üfc  m  fdwfcen  k., 

unb  auf  gorberung  ber  totgeborenen  Surften  ^erlögen  \i\ 
6ad)fen  vor  Kußig,  ba  fte  an  reifigem  3?uge  mehr  benn 
250  ^ferbe  hatten,  unb  wenig  leiber  tmeber  baoon  fomraen, 
unb  nun  nad}  (fw>.  fönigl.  @.  ©ebot  unb  Verfügung  200 
^ferbe  gen  ber  Zittau  mit  ihren  (Sölbnern  beftellt  hatten ,  t>t* 
reit  0.  oi.  g  tan  ©öru>  allem  56  ailba  gehabt  unb  vier 
gan$e  38od)en  allba  liegen  l äffen,  ba  bod)  von  ben  anbern 
vanteu  unb  (Stäbten  rahm  SRiemanb  gelegt  unb  gefd)irft  war. 
Unb  ate  bann  foldjer  ^uq  vi  hie  M  ^eiligen  C>hi iftenqlan 
bend  in  (§.  ©.  tfaitb  gefdjeljen  ijl,  al$  fte  vor  ber  Äird^e  \u 
"Keidumbad)  lagen,  r-anelbe  ourd)  6ranb  gräfjlid)  »erberbt  ha 
ben,  bafj  nur  auf  8.  ©.  ein  93erl)offen  geblieben,  Stlfo  IIa* 
gen  fte  bem  aüinädtftgen  @ott,  ber  £immeleföwgut  SRaria, 
unb  <£.  (9.  al*  ifyrem  angeborenen,  narurlidjen  ßrtyerren,  ba$ 
fte  nun  anbertveit  am  Montage  nad)  Älier  Wannen  Jajtnacbt 
mit  beiben  £eeren  ber  Xabortten  tmb  Raiten  aud  (S. 
fcanbe  ber  ©tieften  in  (£.  @.  tfanb  m  GJdrlifc  gogen,  inb 
nid)t  auf  eine  Hertel  «teile  von  G.  ©.  6tabt  \u  ©orli*  fid) 
gelagert  hatten,  banad)  vor  <£.  ©.  Stabt  $ubiffut  ritrften  unb 
am  Montage  nad>  bem  (Sonntage  Äeminiöcere  ba  aufbrad)en 
unb  vor  (£.  ®.  6tabt  tföoau  sogen,  bie  in  SHitte  <£.  ®. 
etdbte  ©orlifc  Stebifjm  unb  Zittau  gelegen  ifi;  bie  fte  leiber 
eingenommen  unb  mit  400  reifigen  ^ferbeu  unb  400  Traban- 
ten befe&t  unb  bem  Äorbacty  eingegeben  ^attnt.  Unb  von  ban- 
nen oor  €.  ©.  €tabt  Zittau  gejogen  ftnb,  bie  (te  meinten  ui 
aen>inuen  nnb  mit  bem  ©egeuge  unb  ^üvtten  unb  anbern 
«Berten  <£.  ®.  ©tabt  ®örli$  »ieber  ^u  beiagern,  baf  öH)tt 
^eufd)ftt  gebe,  bie  ju  ftürnieu,  mit  folgern  (^e^euge  ju  ar 


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175 


bellen  unb  tyaben  jfc  barauä  gejagt,  fle  p  genrinnen  ic,  we$* 
t>alb  fle  von  (£.  ©.  getreuem  £errn  and  Dem  $anbe 
nun,  £errn  3an  v.  löhctyeleberg,  4perrn  £)tto  v.  $rrgau, 
£errn  Dupt&fw  Brütern,  £errn  iafujfeu  v.  ^irfeuftem,  von 
teilen  t»n  ber  unt>  anberer  merfltdjeu  $otfd)aft  von 

33öt)iuen,  unb  ir)ren  Spähern,  bie  fie  in  Speere  ber  tfefrer  l>a> 
ben,  täglid}  gewarnet  werben.  $Utergndt>ig|ter  Äönig,  al$  fie 
Denn  nun  (E.  ©.  ©labt  Söbau  eingenommen  unb  befc^t,  unb 
in  6.  Q).  fcanbe  lagen,  mit  folget  3Jiad)t,  fo  meinen  fie  aud? 
gauban  nnb  i3un$lau  &  @.  ötdbte  einjumijinea  unb  gu  be* 
feneii.  tllfo  tft  &  ©.  ©tobt  ©örlifc  bereite  umgeben,  baji 
and  (£.  ö).  Rauben  ber  Scbleiim  fein  betreibe  gugeben  fann; 
bedgteiiben  aue  bem  Sanbe  fciufib  unb  deinen ,  weber  au« 
ber  3Rarf  sh$eW,  6alj,  Sifdje,  nodp  einigerlet  Kaufmann^ 
fd^aft  jufommen  k.  <5o  bie  6 tobt  ©örltfr  verloren  würbe,  fo 
rotten  ftd)  anbere  (S.  <9.  umltegenbe  ganbe  unb  ©t&bte  ^untat 
ferner  ju  erhalten.  Unb  barum  rufen  fie  an,  (f.  @).  au* 
geborene  i&üte,  a(6  tyren  natürlichen  angeborenen  (trbtyerren, 
tuio  bitten  mit  bemütyger  Untertyäuigfett,  ba£  «.  ©.  4Bür> 
bigfett  gerufen  anjufelpn,  fold>e  Xreue  unb  ©etyorfam,  ben 
Iii:  nod>  urititg  ßnb  *u  tfyun  ic. 

©egeben  1431  im  9Rartio." 


$ßie  früber  in  Vöbau,  fugten  aud)  je*!  bie  gufuen  au* 
«o0i)rit  bttret)  geuertbtünjie  in  ber  ©tabt  ©orlty  Unzeit  Ipr* 
vorzurufen;  ber  Vnfctyag  warb  jebod>  etitbetft,  fed>*  fold)e 
flRorbbrenner  gefangen,  gefoltert  unb  tn  ber  2Bodje  nad>  sltfife* 
ricotbia*  Domint  (14.  äprit)  entl^a^tet. 

Die  geinbe  waren  um  biefe  Seit  vor  i'auban  gebogen, 
wofeibfi,  fowie  in  «torfltjfa,  bie  graten  ©raufamfeitm  ver* 
nbt  n>urben. 

#ei  ben  Jtfbaner  Junten  jtonb  &tgmmtb  v.  Sarremberg 
auf  $etfcr)en;  *h  feiner  ©eobadmmg,  ba  er  mit  einem  £em 
batifen  i>on  l'öbau  and  bie  ©egenb  um  Dftritj  beimfudjte,  leg* 
teit  bie  «<*)örli*er  eine  *n§afn*  gu^olf  uad>  Wenbifdwfftg. 

Die  anftopigen  ^ten-€rreifewien  bewogen  bte  ©orlibet, 
$um  «ugrife  auf  £öbau  sw  fdjreiteit.  <Se  *ogen  im  Vereine 
mit  ber  <anbf^aft  eine  fWeuge  Gkwowneter  von  ©orttb  au^; 

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476 


ftießen  bei  2  änifc  auf  ben  grinb,  fc^fu^en  ihn  um  3ubilate 
(22.  Äpril)  in  bie  glud>t  unb  matten  gegen  20  (befangene, 
weldje  ifu i L o  biiigenittet,  tbctlo  ui  ©örlifc  in  reu  Stürmen 
eingebogen  gehalten  würben.  9tacr;  vielfachem  (Betreiben  unb 
Reifen  fam  ed  an  ^fingften  1431  \u  einer  gemeiufamen  £eer* 
fahrt  gen  Voban,  iubeffeu  fonute  fein  Angriff  verfuebt  werben, 
ba  bie  böfymifdjen  ^uftten  mit  großer  9)t%ad)l  ßöbau  gu  £tlfe 
eilten.  $)ie  Änfunft  ber  £ufiten  veranlage  in  @örlifc  neue 
Werbungen. 

l£ine  Partie  ber  anrücfenbeu  geinbe  ftanb  am  3.  3Rat  bei 
UUereborf  in  ber  9iäl)e  von  ®örli$,  *og  über  £ubwigö* 
berf  an  beu  äußeren  SBorftäbten  vorbei,  bei  wcld>er  (biegen- 
bat  einige  ^äufer  in  Sranb  gefterft  würben,  wagte  je* 
bed)  feinen  t&turm,  fonbern  ging  ber  <£>au)>tarmee  welctye 
einige  läge  v^tttau  umlagert  gehalten  baue,  nad)  Sd)le)ien 
nadj.  Anfang  juli  warb  eine  neue  $eerfal)rt  gen  Vobau  be 
rebet,  Sftitte  3nli  unternommen,  nur  mit  gutem  (Erfolge 
gefrönt  $on  ®örli$  waren  viel  ^fannfdjaftcn  babei,  unter 
anberen  Wiefel  9teumann,  6tu$mann,  ^eter  £mue  unb  9iknjel 
äßeitfdjreiber  £erren  bed  9tatl)eä. 

3m  Oftober  fdjien  ber  öorijont  wieber  trüber  \u  werben, 
we^balb  ©örlifc  von  Beuern  Werbungen  vornahm,  aud)  auä 
17  (Zentner  Tupfer  eine  neue  $9üd?fe  gießen  ließ. 

3n  ber  2Bod)e  nad)  Jlarrjarma  <15.  9Jov.)  ftreiften  bie 
auf  bem  ©rafenjfcin  liegenben  $uftten  bid  nafye  an  ©örlifc, 
§ünbeten  einige  Rainer  in  8efd>wi&,  9Wopä  unb  tfö*lig  au, 
würben  aber  bei  ^aultfDorf  von  £einje  v.  ^ottivitj  mit  gor* 
li$er  SWannfdjaft  angegriffen  unb  in  bie  gludjt  gcfdjlagen. 

9ttd)t  genug,  baß  man  ftd)  mit  ben  .frufiten  I)erumfd>lagen 
mußte,  e3  gab  aud}  nod>  anberweitige  Serben.  Gin  j$xin\i 
mit  bem  Jim  [unten  von  (Eacbfen  würbe  baib  beigelegt;  ntcl>r 
Störung  mad)te  bie  gel)bc  mit  ©eorge  von  Webern  auf  ßun* 
jenborf,  welker  feiner  ^nfid)t  nad)  für  geleiftete  $>ienfte  rjö< 
Ijere  »nforberungen  an  bic  ©örlifter,  al*  fte  ibm  gewähren 
wollten,  ftelite  unb  beäljalb  vor  Dftent  auf  görlifcer  äauf 
mann$gut  im  Sarin  mit  ßljriftopl)  v.  Wolzenburg  wegela* 
gerte.  $ie  Sadje  würbe  ungeachtet  vtelfeitiger  Ukmu  Innigen 
bed  Äbetö,  grieben  \u  ftirten,  ntc^t  völlig  beigelegt,  fonbern 
bauerte  uod)  über  bad  2m  1431  l)inauö.  MUfd'0  v.  ©er** 
borf*  auf  Sotfa  3«#  mit  ber  ©tabi,  tiu  golge  beffen  er  ben 


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477 


pörlifcer  Saubfaffen  ^ui)  raubte,  würbe  burdj  ben  Sanbvoigt 
im  Saufe  reo  JDftobermonatd  vermittelt. 

Unternebuiuuqölufttq,  unb  trofc  ber  großen  Hriegäbrang* 
fale  ungebeugten  Wui^ee»,  forderte  bie  etaU  3tttau  <£nbe 
be*?  oabu'ö  1431  bie  <Stäbte  ;u  einem  3uae  *<>n 
Jpuftten  befefrteu  £d)loffe  galfett#ctti  auf.  Won  Görlifc  ging 
am  6.  3anuar  1432  ber  ftatf^err  Sigmunb  ©ten&el  mit  8 
M< fei rui  nur  4  3Gagcn  Gewappneter  nad>  Zittau;  bod)  würbe 
nickte  auä  ber  &ecrfafyrt,  weil  bie  anbern  £  table  feine  £ilfe 
(etfteten.  Ü)a$  (£rgebnifj  mehrerer  3uMiroenfünfte  waren  bie 
33e|'d>lü»7e:  na$  Jittau  unb  Söbau  meljr  $efa$ung  m  legen; 
in  Jolge  beren  von  Gorlifc  6ölbner  unb  £anbwerfer  in  jene 

f  vi  0  f  i  ^ d Hl 1 1 1 . 

OTtrrc  3)idrj  jogen  bie  £ufiten  über  grieblanb,  bei  Görlifc 
vorbei,  gen  Sauban  unb  weiter  uad)  6d)leften;  fte  febrten  \v 
bod)  gegen  (£nbe  beö  9Ronat3  nadj  Sauban  juriitf,  fetten  bort 
Safttag  unb  fähigen  plö^(id>  am  2.  9lpril  1432  bei  ^ermd* 
borf  ein  Sager  auf;  ed  festen  bie  Slbftdjt  vorzuwalten,  Görlifc  ju 
belagern.  Die  um  Uuterftüfyung  auägefenbeten  93oten  famen 
auä  Zittau  unb  Sauden  mit  ber  9tad)rid)t  juritcf,  man  r>abe 
befd>lojfen,  mit  bem  geinbe  \\\  unterl)ant ein,  ba  auf  bie  Sänge 
fein  SBiberfknb  möglich  fei.  Docfc  Görlifc  befcfylofi,  fo(d)en 
auf  eigene  £anb  fortjufejjen.  §luf  bem  Xöpferberg  vor  ber 
^Reipbrücfe  würbe  jur  Beobachtung  beä  geinbeS  *ße$  &rnolb 
poftirt;  er  fonnte  jeboefy  nid)t  fyiiibern,  ba|i  einige  Käufer  in  ben 
IBorftäbten,  namentlich  bie  ©arten  ber  Salomondgafje  unb  ber 
Jtummerau  in  Sffäe  gelegt  würben.  3$on  «ftermäborf  über* 
idtfxitt  bie  Jjjauptmadjt  ben  9tei(jeflutJ  unterhalb  Görlifc,  blieb 
einen  $ag  bei  (SberSbad)  fteljen,  unb  brad)  von  bort  in  bie 
9Barf  ©ranbenburg  auf.  ü)ie  verzweifelte  (Sinjelftellung  ber 
Stabt  Görlty  bei  biefer  Äriegc3gcfal)r  veranlagte  ben  (Sntwurf 
nadjftefyenber  93ertbefbigungc3  -  Crbnung : 

,#ad>  (it)rifti  Geburt  1432  bei  Georg  Suv\m  be*  öür* 
germ eiftero  Otiten  unb  fce*  ftfrenben  JKaibee  bei  ihm,  ftnb  bie 
nad}gefd?riebenen  Gebote  mit  Btatl)  ber  äUeften  Gcfdjiöorenen 
beffelben  3afyred  gemalt  unb  gefegt,  Unferm  allergnäbigfteu 
Äerrn,  bem  römifd)en  ic.  Jtönig  \\\  ^  bven,  arm  unb  reid)  &u 
(Öute,  unb  um  ber  ©tabt  heften  willen,  unferd  allerguäbigften 
£errn  bt*  römtfäen  tföm'gS  Stabt  vor  ben  äe&ern  in  foldjer 

9ef«i*tc  »<m  «*Tli|.  12 

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©efafw  unb  Abenteuer,  mit  (Srmafmung  ber  (£ibe  unb  Strafe 
babei,  ald  fjier  getrieben  ftefyt: 

„„Sieben  greunbe,  ald  3f)r  benn  wißt  unb  gefefjen  babt, 
10 1  d>  ^udreiten  unb  Bildläufen  \u  gelbe  auf  ben  bergen  unb 
vor  ber  Stabt,  fo  bie  #e$er  vor  unferd  aliergnäbigftcn  Gerrit 
bed  itöniad  ©tabt  fommen  unb  ihr  gager  haben,  bavon  großer 
Unratfy,  (sscfyabe  unb  <Scf;anbe  lynch  unb  und  &Ueu  befommen 
mödjte,  wint  3 in*  wol)l,  wie  ein  ^ebermann  eüten  (Sib  getrau 
unb  gefdjworen  f)at,  unferm  allergnäbigften  £>errn,  bem  romi* 
feben  ic.  Röntge,  getreu  unb  gut  vi  fein  unb  bem  iKatbe  ge* 
bor M m.  9tun  ift  (£ud)  ein  folebed  bin  geboten  unb  3b* 
feib  bod)   ;n  feft,  mit  Ungef)orfam  unfern  idlergnäbigjien 


iljre  ßibe  brechen,  fmb  meine  £errn  bei  Bürgel meifter  mit 
bem  ftfcenben  Satfye,  SÄelteftcn  unb  ©efdjworenen  über  biefe 
nad)gefd)riebenen  (Gebote  unb  ©e|e$e  föatbd  warben  unb  ge* 
bieten  (Sud)  Stilen  unb  einem  3eben,  befonberd  von  unferd 
allergnäbigften  £errn  bed  römifdjen  ic.  Jtönigd  wegen,  von 
bed  Otatljcd,  von  -Heid)  unb  Mrai  wegen,  unb  vermahnen  (§ud) 
bei  (Suren  (£ibeu,  bie  3^r  feinet  föniglidjen  (Knaben  unb  bem 
Watbe  gefdjworen  fyabt,  biefe  nadjgefdjriebenen  ©ebote  bei  ber 
angelegten  8uf e  unb  ^ein  *u  Raiten: 

3um  ffrßen,  wenn  bie  Äefcer  in  biefe  Saube  fommen  unb 
um  und  liegen  auf  eine  Meile  ober  näfrjer,  ober  wenn  |lc  if>reit 
3ug  vor  uiie  fyaben,  foll  fein  Mitbürger  ober  Mitbürgerin  in 
ber  Stabt  ^titforl  obne  (£rlaubui|j  ober  ©ebeiji  bed  Sur- 
germeifterd  unb  ber  ^auptleute,  bie  ifjneu  gefegt  fmb,  vor  bie 
6tabt  ;n  gelbe  unb  auf  bie  s3erge  weber  reiten,  nod)  gel)en, 
noer;  laufen.  3Ber  babei  ergriffen  wirb,  ben  foll  man  von  £tabt 
wegen  ald  einen  Meineiber  mit  feinem  SBeibe  uno  Jlinbern 
aud  ber  6iabt  vertreiben  von  feinem  (Srbe  unb  ©üteru  ewig- 
lich, auf  9cimmerwieberfer;r. 

3tem  foll  ein  jeber  Mitbürger  in  ber  Stabt  unb  vor  ber 
(Statt  fein  ©eftnbe  unb  feine  ©elfte,  bie  bei  ibm  tu  ber  4r>er; 
berge  liegen,  bagu  anhalten  Hnb  mit  i^nen  fo  befreiten,  baß 
fte  folgern  abgetriebenen  ©ebote  aud}  geborfam  ftnb  unb  vor 
bie  6tabt  or)ne  Urlaub  ober  ©ebeijj  bed  33ürgermeifterd  ober 
ber  ^auptleute,  bie  von  il)m  gefefrt  ftnb,  itidjt  reiten,  laufen, 
nodf  geben;  uno  barf  er  SJiemanben  belaufen  nod}  beherbevaen, 
er  woöe  ed  benn  verantworten,   ttfarb  ber  SBirtlj  foldjen  Un* 


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orfam  feine*  ©eftnbe*,  feiner  ©äfte  ober  ber  Bauern,  bie 
tfym  liegen,  »erfdjweigen,  fo  will  man  ben  äöirtl),  wo  er 
(einen  £icnjt  ober  feine  Verberge  f>at,  betrafen  unb  bic  ®äfte, 
dauern  unb  ©eftnbe  fofdp*  Uugefjorfam*  wegen  aud  ber  etabt 
weifen. 

3tem,  wer  wel)rbar  ift  von  lebigen  ©efeüen  unb  £anb- 
werfdf netten,  ber  foll  mit  feinem  "Birth  unb  Weijter  *u  ber 
&kf)re  gefjen,  an  weiche  er  gewiefen  ift.    ülßer  beim  ®egen 
ttjeil  begriffeit  wirb,  ber  wirb  au*  ber  6tabt  getrieben  unb 
barf  nie  meljr  bort  wohnen. 

3tem,  bajj  ein  jeber  Sßirtf)  in  feinem  £aufe  befteüen  foll 
mit  feinem  ©eftnbe,  weldjee  baljeim  bleibt,  bap  man  ftd)  l)üte 
unb  bewahre  t>or  geuerenotf)  bei  fceib  unb  ©ut,  unb  wenn, 
wad  ©ort  vergüte,  geuer  audfäme,  fott  ein  3ebermann  bei 
Seib  unb  ©ut,  bei  feiner  2öel)r  bleiben,  e$  fei  benn,  bap  er 
von  beu  oberften  £auptleuteu  fortgefdjicft  unb  gefaubt  werbe. 

3tem,  fo  bie  Jtefcer  im  tfanbe  finb,  foü  fein  Mitbürger 
fyier  *u  ©örlifr  t>on  ber  6tabt  weg^ief^en,  er  tljue  cd  benn  mit 
be*  Bürgermeifterö  unb  Dtatye*  Hillen. 

3tem,  bajj  deiner  au*  einer  Büdtfe  fdjiepe,  bei  Jage  ober 
bei  9<ad>t,  ed  fei  benn  im  9*otf)faü\  ofjne  ber  £auptleute  ©e* 
'  r>ci^  unb  ©iffen.   ©irb  3emanb  babei  gefehlt  unb  ergriffen, 
ben  will  man  (trafen  nad>  be$  Diatfjed  ftatfje. 

3tem,  in  allen  Dingen  ben  £auptleuten  geborfam  au  fein 
unb  über  bie  SBebren  nid)t  ui  fefcen,  ofme  ©efjeip  ber  £aupt* 
leute.  Söirb  3emanb  babei  gefefjen  unb  ergriffen,  beu  witt 
man  frrafen  naety  be*  Diatbe*  Oiatl).  £ier$u  foll  ein  jeber 
^Btrtf>  fein  ©efmbe,  ©äfte  unb  dauern,  bie  bei  tym  auf  ber 
Verberge  liegen,  bei  ber  oben  getriebenen  ©ujje  anbalten. 

3tcm,  bap  ein  jeber  äÖirrt)  in  feinem  £aufe,  eine,  jwei 
ober  brei  Büd)fen,  wie  ü>m  aufgegeben,  galten  foU,  unb  ju  jeber 
53ü(t)fe  1  Scfyocf  Äugeln  unb  ^uloer  nebft  3ubet>ör  ober  eine 
gute  Hrmbruji  bei  ber  feftgefefrten  Buße. 

3tem  foU  eine  jebe  ©ittwe,  nad)  ifjrem  (Srbe,  einen,  jwei 
ober  brei  2ßef)rf>afte  in  tyrem  £aufe  jtet*  fjaben.  Da*  foUen 
weber  Bauern,  nod)  Mitbürger  fein,  unb  folien  ityre  Büdjfen, 
«rmbruft  unb  £arnifcf»e  ^aben,  wie  ü)r  befohlen  ift.  2Beld>e 
hierin  anberS  fjanbelt,  unb  barin  ungeljorfam  gefunben  wirb, 
bie  foU  nad>  be*  Katyrt  9*aü)e  barum  büßen,  ober  ber  9taty 
wirb  tyr  2Bcr>rr)aftc  Riefen. 

12* 

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180 


Stern,  baff  efn  jeber  vererbter  Mann  uitb  ein  jeber  Mit- 
bürger unb  £au3genojfe  in  ber  @tabt  an  feine  SBe^r  geben 
foU,  mit  air  benen,  bre  $u  ber  ©ehr  tangen  im»  bei  ihnen  im 
£aufe  ftnb,  trenn  man  lauter,  eä  fei  bei  läge  ober  bei  flacht, 
aöen  man  bort  nict)t  pnben  wirb  an  feiner  51k ()r,  *u  wdct)cv 
er  gefct)i<ft  ifr,  ben  rrtU  man  mit  feinem  Söeibe  uwb  tfinbecn 
nm  bed  Ungehorfam*  mitten  ai$  einen  9Reineiber  von  ber 
©rabt  vertreiben  unb  auswerfen  von  feinem  (£rbe  mib  ©ütern, 
unb  er  barf  nimmer  mehr  l^neinfommen. 

3tem,  falte  bie  Äefcer  vor  und  jogen  unb  man  bie  Statt)*; 
glocfe  läuten  würbe,  fo  foU  man  fein  ©eföäff  forrfefcen,  Stiemanb 
fein  £anbwerf  fortführen,  weber  großen  nod)  f leinen  £anbel 
treiben,  Sßer  babei  gefeljen  ober  ergriffen  wirb,  ben  will  man 
nad)  be*  *Katf>eö  3iatt)e  and)  barum  büßen  laffen*). 

3tem,  baß  ein  jeber  vererbter  Bürger  t)ier  in  (Mörlty  fi<h 
Äorn  unb  Speife  auf  ein  3ar)r  anfdjaffeu  unb  haben  foU  \xoi* 
fcfyen  ^er  unb  SBalpurgid,  unb  jid)  nid>t  Damit  begnügeu, 
wenn  (betreibe  bei  ihm  eingeteilt  wäre,  fonberu  fein  eigen 
»Horn  unb  Spcifc  haben  bei  brei  3d)od  (9rofct)eu  Strafe. 

3tcm,  baß  alle  Mitbürger,  bie  nicht  vererbt  jeub  unb  alle 
^>au*genof[en,  bie  bei  per  £tabt  bleiben  unb  hier  wohnen 
wollen,  auch  tf>r  Äorn  unb  Speife  leiden  bei  3  6chocf  ©rofehen. 

3tem,  baß  ein  jeber  vererbter  SHaun,  ber  $au*ieute  bei 
ftch  r)<H  ftinem  «fraufc,  bie  nicht  $ur  2Behr  rangen,  unb  be* 
nen  er  nicht  bie  &o\t  gibt  ober  Wotbburft  geben  wiö,  folchc 
jwifchen  t>ier  unb  JOfüern  weggehen  lajfen  foü.  ©er  ba*  fre- 
ventlich unterläßt,  foll  mit  ^audgenofjen  unb  Stilen  weggehen. 

Stern,  baß  bie  SBorfiäbter,  wer  e*  vermag,  ihre  @eftettten 
auch  mit  Jtorn  unb  «Steife  befänden  fotten,  auf  ein  3ahr;unb 
wa*  fie  ©eräth  t>abcn:  follen  jie  bei  $eittn  tyneinfehiefen. 

3tem,  fott  ein  jeber  ©ärtner  feinen  Stainjaun,  wie  vor 
Hilter*,  gegen  Oftern  einjännen;  bei  Strafe  von  6  <5dr)ocf 
©rof<hen. 

3tem,  e*  wirb  ber  Start)  in  jturjem  einen  Unigang  Bül- 
ten laffen.  93ei  wem  man  tforn,  <5peife  unb  >Baffe  niety  fin* 
bet  unb  ihn  al$  ungehorfam  gegen  bie  ®ebote  erfennt,  ber 


•)  $ie  folgenden  Strtifel  famen  im  3.  4433  Ijiitjo;  Xoix  geben  fle 
Wx  gleidf  mit. 

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foll  4  <gdff>d  tahkn  unb  wirb  außerdem  geftrafr  »erben  naa) 
meiner  Herren  be$  ^Ratt>e6  $atr)e."" 

Dem  vom  sJJ?arfgrafen  von  Brandenburg  angetragenen 
Biutdniffe  formte  ©brüß  bura)  Xruppenfenbuitg  nicf>t  beitreten, 
weit  bie  von  3enem  bei  $ranffurt  gefangenen  £u  fiten  SRüte 
IKai  wieber  in  ben  görli$er  ÄreiS  tarnen  unb  jwifcfyen  Bern* 
flabt  unb  Dftrtfc  ein  Sager  belogen. 

3n  ©örlifc  mujjtc  sJWctfter  Wfla$  abermals  eine  6  (£tr. 
13  *Pfd.  fetywere  große  Büa)fe  gießen,  welche  ben  tarnen: 
„Äeppe"  erhielt;  man  warb  wieder  fcfyleunigft  äriegdmann* 
'  fc^arten,  welche  eben  fo  rafd)  entlaffen  mürben,  alö  biefc  $uft* 
tenfebaar,  n  ad)  dem  fte  $oöma  verbrannt,  naer)  €d)lejten  ab* 
geigen  war.  3m  taufe  be$  3ar;red  1432  würben  31t  ©örlifc 
allein  Ii  «fmftten  unb  ^ufitinnen  Eingerichtet. 

9luf  bem  ©rafenftein  lag  ein  gewijfer  &eufcr)berg  mit 
einer  ^tttttenfcr)aar,  welcher  bie  oberen  ©egenben  bte  ©örlife 
bin  biircbftreifte.  9faa)  bem  Xrinitatiefefre  (SRitte  3»ni)  mel* 
bete  plö&lfd)  3erufa(em  ©euerer  auf  *Reiberöborf,  jteufebberg 
wolle  wiebernm  autyieben,  um  fta)  ber  $anbe$frone  $11  be- 
mächtigen. 3Ran  fcf>tcfte  Boten  um  £ilfe  au6  unb  gewann 
ben  9?tfo(  v.  6alja  auf  Xaua)ri$,  $ranj  9.  £augäborf  aud 
gaufean  mit  24  9)lann  u.  a.  &m  27. 3uni  erfdjien  v.  v<teufcf}* 
berg,  wie  gemeldet,  vor  ber  6tabt,  in  ber  Meinung,  foldje  gu 
überrafetyen,  beftanb  mit  ber  gbrlifeer  slKann|'a)aft  vor  ben 
Thoren  ein  ©efedjt  unb  mußte  unverria)tetcr  <&ad)e  wieber 
abMerten.  Anfang  September  fam  eine  andere  <&cr)aar  von 
9teicbenberg  aufl  in  ben  görliber  ÄreiS.  !0?an  rüftete  jicr)  beä* 
.Ijalb  bort  wieber  unb  naljm  Söldner  an.  £)bwof)(  ba*  ©c* 
ruebt  ging,  ber  geinb  wolle  bie  Sanbeefrone  mit  Gewalt  ner)* 
inen,  würbe  bap  bod)  fein  Berfud}  gemacht,  dergleichen  auef) 
fein  Angriff  auf  ßöbau  unternommen,  worein  die  ©örtifyer  jur 
£ecfung  biefe*  wi(f)tigen  *ßunfte$  gegen  1(X)  5Rann  gelegt 
Ratten. 

Beim  flonjil  Bafel  würbe  ©örlifc  bura)  SWolau* 
3cifelmei#cr,  ^robfi  $u  Breslau  unb  Watt^iaö,  3Winifter 
de$  granfttöfanrrorben*  in  ber  fädjf.  £)rbendprovi»ty,  vertreten. 
—  £ie  oben  erwähnte  gefyde  mit  bem  bitter  ©eorg  ».  3fte* 
der*,  (gegen  tyn  jogen  3)obufa)  v.  3)oberwi&,  ^ermann  (Ejert* 
la&,  Unterfyauptmaim  *u  ®a)weibnib,  lllria)  ö.  Biberftem 
ttuf  <Soww,  ©orfa)e  Ccboff  auf  ©reifenftein  u.  a.,  au*)  würbe 


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182 


erft  im  3-  1433  glürflia)  beigelegt,  «inertem  fjatte  bie  Stabt 
fett  linbe  be$  3at>re*  1431  einen  heftigen  3wtjt  mit  Senget, 
Burggraf  v.  Domm  auf  ©rafenftein. 

SMefe  privat-gelben  vermehrten  bie  fdjon  im  frtnbe  burdj 
bte  ^ujlten  binlänglid)  genarrte  $lnardjie  ttnb  veranlagten 
fortwäfyrenbe  Bilbung  von  ftäuberbanben,  fe  baf?  bie  (bewaff- 
neten in  ben  Stäbten  nie  if)ren  ^armfrfj  ablegen  tonnten,  fenbern 
immer  auf  bei  £utr)  unb  im  gelbe  fein  mußten. 

Unter  folgen  ^ufpieiett  unb  wed>felnbcn  @reigniffen  fam 
baä  3al)r  1433  heran.  Anfang  be$  3anuar  $ogen  unter  bem 
Befehl  ber  ftath%rren :  SRattyia*  *|?Hl0nt$,  £an*  Proben, 

tanö  2lrnelb  unb  Wfol  v.  (2alja  eine  9J?enge  gewaffneter 
örlifcer  aiiö,  legten  jtd)  bei  grieblanb  in  einen  Hinterhalt 
unb  überfielen,  in  @emetnfd)aft  mit  bem  v.  Biberftein  aHf 
grieblanb  unb  ©otfdje  Scheff  auf  ©reifenjtein,  eine  Sdjaar 
©rafenftetner  Junten,  welaV  vermaltet  warb,  (£$  würben 
ihrer  HO  erfdjlagen,  9  f>art  verwunbet  unb  nebjt  ben  14  übrigen 
gefangen.  Sie  waren  reu  tfeufdjberg'o"  2eMen,  welker 
burd)  ^eiratf)  einer  :Xed)ter '  be$  Burggrafen  von  Domm 
Äraeau  befommen,  jnm  Danf  bafur  aber  feinen  Schwieger- 
vater vom  ©rafenftein  verjagt  unb  ftd)  bort  feftgefefct  hatte, 
tiefer  Sieg  ermutigte  bie  ©örlifcer  bifl  naa)  ßrafcau  ju 
j|ier)en,  bie  bortigen  Bertheibfgungflwerfe  nach  r)artem  (Gefechte 
flu  ^erfroren  unb  bafl  Stäbtchen  in  Branb  |«  ftetfen.  Die  bei 
grieblanb  unb  Jirafcau  gefangenen  ^uftten  würben,  ber  bar- 
barif(t)en  Sitte  jener  3eit  gemäß,  faft  fämmtlicb  in  ®örli$ 
enthauptet  ober  gegangen. 

Der  grieblänber  (teilte,  gegen  4  Warf  Solb  bie  5Bocbe, 
ber  Stabt  ©örlifc  J4  feiner  Bafallen. 

3m  gebruar  famen  bie  füllten  unter  (£$apfo  mit  400 
*ßferben  nad)  bem  Dberlanbe,  unb  nahmen  bat*  Schloß  Jammer* 
ftein  ein,  wela)eö  (Sreigniß  ©orlifc  ju  neuen  SBetbungen  nötigte. 

Seil  befonberä  i'öbau  bebrofjt  fernen,  würben  am  25.  Styril 
15  Solbner  von  (9örlifc  borten  gefdjitft.  Der  geinb  ging 
jeboa)  nad)  grieblanb,  nal)in  biefen  Drt  ein,  verbrannte  Sei- 
benberg,  ging  bei  ber  Stabt  ©örlifc,  wofelbft  inäbefonbere  ber 
Xöpferberg,  ber  Storfberg  unb  ba*  6t.  3afobd^©terteC  wof)l 
bcfe&t  waren,  vorbei  unb  über  fieitftfg  in  bie  9ttebcrlauft&. 
SÖäbrenb  biefer  3cit  ruhte  bie  gebbe  mit  ®eorg  v.  Re< 
bem  nict)t,  würbe  jeboa)  burd?  bie  Bemühungen  be*  I^wmo 


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183 


t>.  Jcelbtfc  enblid)  beigelegt,  (c  bafj  nun  Sanb  unb  Stabt  bi$ 
in  Den  September  bie  fo  nötige  *Ruf)e  genoffen. 

?lufierbalb  i>cd  i*anbed  machten  bie  £edj£ftäbte  einen  von 
*Ral0fo  v.  3ßartemberg  auflgebenben  Vlitfd>lag  auf  baä  ^cfylcfj 
^mfenftein,  fielen  aber  in  golge  beffen  getäufd}t,  in  einen 
{unterhalt.  Xie  3i^auer  befamen  ben  £eimtütfi((r)cu  fpäter 
gefangen  unb  ließen  ihn  am  21.  Xejcmber  t>tertl>etlen.  Db 
bie  OJörlifcer  Ukrluft  bei  jenem  Ueberfaüe  gehabt  fyaben,  ift 
ungewiß.    9Bir  fiuben  feine  9cad)rid)tcn  bavon. 

fluper  Heineren  .§ufttenftrcifereien  im  Anfang  Oftober  tfl 
§u  merfen,  baß  im  November  9ÜM  v.  tfeufebberg  mit 
circa  100  berittenen  Junten  au$  ben  böbmifdjen  $ergfd)löf* 
fern  ftd)  in  ber  v)täf)c  von  (Mörlifc  an  bie  Straße  nad)  $au$en 
poftirte,  um  auf  görlifcer  (Mut  $u  wcgelageru.  I  te  görli&er 
3Rannfd)aft  ging  ihm  von  Weid)eubad)  autf  entgegen,  Jteufay 
berg  fam  bei  (£bcr£bad)  bind)  jene  rcid)enbad?er  Sdjaar  unb 
bie  au$  ©örlifc  auSgerütften  sJÄannfd?aften  hart  in'ö  ©ebränge, 
fterftc  jeneö  Xorf  an,  unb  roanbte  ftd)  $ur  i$lua)t.  Ilm  bie 
Verfolger  abzuwehren,  hielten  bie  Quitten  bei  £irfa)felbe  Stanb; 
uc  würben  naa)  hartnädigem  Kampfe  überwältigt,  10  ber* 
felben  erfdjlagen,  11  3Wann  mit  30  ^ferben  gefangen  unb 
$*iele  fdjwer  verwunbet.  £>ic  (Mörli&er  }ät)(ten  nid)t  wenig 
^erwunbetc  unb  *wei  Xobte,  nämlid)  s^cter  Simon  unb  ben 
^ned)t  beö  Wiefel  grauenftein. 

Seit  bem  3afyre  1434  überfdmtten  nidjt  mefyr  gcfdjleffene 
eere  ber  {mitten  bie  GJren^en  ber  £>berlauft$,  fonbern  nur  fede 
aubrirterbanben,  »erlaufene  Jtned)te,  welaje  ftd)  an  ben  ärieaft* 
lärm  gewöhnt  unb  ttidjt  mef)r  tur  Arbeit  jurürffei)rcn,  unb  mit 
*ßlünbcrung  fta)  erhalten  wollten.  (Sube  gebruar  erfdjien  eine 
foldje  <2a)aar  unter  (Sjerne  von  ber  £eipe,  berannte  unvermu- 
thet  ba$  Sanofi  Xjfdjodja,  unb  nafym  e$  ein. 

Sigmunb  v.  Üßartembcrg  auf  Xctfd)ctt,  SSerwanbter  beä  in 
3ittau  am  21.  $>e$ember  1433  geviertelten  föaldfo,  ber  aud 
föadje  (£nbe  biefeä  s3)conatö  bei  Zittau  einige  Vorwerfe  ange- 
untrer  hatte,  $og  faft  gleid^eitig  mit  jenem  lieber  fall  von 
X*fdwd)a  vor  3ütaw;  richtete  aber  nid)t$  att$.  Ü>iefc  Um- 
ftänbe  nötigten  &u  neuen  Lüftungen  in  (Dörlty,  unb  bie  Strei* 
fereien  bed  v.  SBartemberg  unb  be$  v.  $eufd)berg,  zwangen 
bie  <Stabt,  immerfort  $iannfa)aften  unter  ben  2ßaffen  51t  galten. 
3njwifd)en  fam  ber  (Sigentfyümer  v.  £$fdwd?a/  Wartung  v.  Älür, 


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18* 


<w$  Safel  aurücf  unb  eroberte  mit  £ilfe  ber  ©örlifcer  fem 
6d)lbfi  wieber,  wobei  bte  bort  abgefefmittenen  ^uflreit  fämmt* 
lief)  erfcf/lagen  würben.  ßeufcf*berg  hatte  fte  im  (Stiche  (äffen 
müften,  ba  feine  Schaar  wegen  ber  unter  ben  ^Böhmen  felbfl 
angebrochenen  Unruhen  gut  Unterftüfcung  ber  ^ßrofope  nach 
?ßrag  gebogen  war. 

Die  (Hörli&cr  befamen  buref;  einen  nach  *ßrag  gefenbeten 
Spion  sJta  er;  richten  Neroon. 

Söenn  gleich  in  *ßrag  ba6  Schicffal  93öhmen$  entfehieben 
unb  ber  eigentliche  ^ufttenfrieg  beendigt  war,  fügten  bie  tyax* 
teien  bod)  fortwäbrenb  ber  2auftfc  Schaben  $u,  ftreiften  in'ä 
£anb,  ftahlen  ^Bief>  uno  erfchlugen  sJ)?annfcr/afteii.  Umgefehrt 
gefefjah  baffelbe  Seitenö  ber  Dberlauftyer. 

?fuj?erbem  beflanben  fte  gelben  mit  ben  ©ebrüberu  t>on 
Battenberg  bei  Sowenberg  unb  anberen  Herren.  Diefe  gelben 
ftnb  unten  aefebilbert. 

3m  folgenben  3a^ie  famen  bie  böhmifchen  ©ren*hufiten 
felbfit  in  Streit,  Sigmunb  t>.  SBartemberg  »ertrug  jt<h  mit 
ben  Dberlauftfc ern ,  jog  gegen  ben  tfeufchberg  unb  nahm 
ihn  gefangen.  Stuf  bem  ©rafenflein  faß  $eufd}berg'$  Wann, 
Stephan  ftlad),  welker  fortwäfyrcnb  baä  £anb  beunruhigte; 
bie  Stäbte  fcfjloffen  bed^cilb  mit  $Üartemberg  auf  beffen  Än* 
fudjen  ein  93ünbnlß  unb  nahmen  ben  @rafenftein  ein.  3e$t 
enrftanb  aber  neuer  greift  mit  2öartembetg  über  bie  $3efe$tmg 
be$  Schlofiefl;  er  fagte  ben  Saufifcern  ab,  überfiel  ba6  ©ebiet 
be6  ®otfd)e  Scf/off  auf  (Ureifenfiein  ic.  unb  machte  bie  ®egenb 
fo  unfreier,  baß  mit  (Einwilligung  beä  Ulrich  t>.  ^iberftetn  auf 
ftrieblanb  bie  £anbe$frone  wieber  befefct  würbe.  Da  bie  große 
®efaf)r  t>or  ben  ^ujtten  befeitigt  war,  würbe  and)  ber  ober* 
läufiger  x>i  d c l  wieber  unruhig  unb  trieb  Straßenraub  T  u* 
fem  eblen  ©ewerbe  lagtn  befonberd  ob:  .Wi  ficht  ^anfcer, 
9J?icbael  t>.  (%r$borf  auf  SRengerflborf  unb  «Heinrich  t>.  Sil* 
benftetn.  —  3m  Dftober  erfdjien  uummn  thet  *.  SBartemberg  mit 
200  s^ferben  vor  ber  Stabt  ©örlifc  unb  fengte  in  ben  SBer* 
ftctbten.  Die  Streifereien  würben  nicr/t  fo  gefahrloö  burety  ben 
t>.  SBartemberg  haben  ^ur  Ausführung  gebracht  werben  fönnen, 
wenn  nicht  ber  Abel  ber  r berlauftQ  mit  ihm  hinter  bem  Surfen 

Sjemeinfame  Sache  gemacht  unb  bie  6tabt_  vercätrjerifcf;  bHnh 
alfcfje  Nachrichten  hintergaitgen  hätte. 

3m  3.  1436  fefcte  Sigmunb  t>.  SBartemberg  feine  Unter* 

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185 


nebmnngen  in  $erbinbung  mit  bem  bitter  auf  böbmifch 
Seipe  fort.  Die  6chlöjfer  'Setfctyen,  (^reifenftein  imt>  Seipe 
waren  bie  $eerbe  unb  6a)(upfwinfel  red  frecbften  Üiäuberge* 
fimbel*.  3m  jfrbruar  fhreifte  <5tgmunb  biö  nad)  9Bittia>enau 
unb  bebrobte  auf  t>em  :Kmf ;iuie  tföbau;  tiefer  €>tabt  eil- 
ten 50  gorlifcer  Seifige  *u  £ilfe.  (Jbrifioph  v.  Rothenburg 
befebbete  bie  6tabt  längere  $tit,  bi$  ^erjog  Heinrich  v.  @Ho* 
gau  ben  3roift  beilegte. 

3m  ^(((gemeinen  begann  ftd)  bie  Stabt  in  biefem  unb 
ben  folgenben  Jahren  aUmälig  wieber  \u  erholen,  wenn  aua> 
bie  8chulben  febr  brutfenb  geworben  waren.  Die  (Stnfunt'te 
ber  <£tabt  warben  natürlid)  baburd)  gefchmälert,  bafj  bie  groß* 
tentbeiltf  verwitweten  unb  eingeäfa)erten  ^itleibenbeitöbörfer 
niebt*  $ablen  tonnten.  Daber  mufitc  ber  *Rath  (summen  über 
Summen  borgen ,  um  ben  c tabtha abhält,  wenn  auch  immer 
flimmernd),  fortzuführen.  Die  *Httterfct>aft  ber  gauftfc  unb  beä 
angrenjenben  $&bmen$  fa)lo0  mit  ben  ©täbten  eine  (limgung, 
furcer  mit  ben  $efebbnngen  aufzuboren. 

Sfrir  ber  von  5öartemberg  aab  fta)  niebt  $ur  Stühe;  über* 
fiel  wäbrenb  be6  (Bommert*  l437  bie  fecbdßäbtifcben  Jtauf* 
mannägnter,  unb  unternahm  mit  Senefd)  Sirfa  v.  ®ilbenftein 
einen  6treifwg  nad)  6tt)ieften,  fo  bafj  (Dörlifc  aerüftet  blieb 
unb  febr  waebfam  fein  mußte.  Webt  weniger  hinten  bie  3$er* 
hanblungen  über  ben  fa>on  erwälmten  Änfauf  ber  fcanbtäfrone 
in  (Spannung. 

3m  3-  1437  ftarb  ber  tfaifer  (Sigmunb,  unb  fein  (Sibam 
J&erjog  fllbrcdu  von  Cefterreid)  bewarb  jtd)  um  bie  böhmifa>c 
Ärone.  Die  oberlaufifcer  Stänbe  ^teilen  gegen  ^almarum 
(6.  SÄarj)  1438  einen  üag  $n  Saufen  ab,  auf  welchem  fte 
jtd)  für  <£>erjog  Wibrecht  entfchieben. 

3m  ftebruar  beraubte  (Sigmttnb  v.  SBartemberg  von 
^fciiem  bie  Straffen;  Deshalb  machten  bie  ©orlifcer  neue 
Werbungen,  ©egen  SWitte  beä  3a^re6  hörten  bie  *ßlacfereicn 
etwa«  auf,  ba  Sigmunb  v.  SBartemberg  mit  bem  £eere  beä 
Jtonige  vor  %afhx  lag,  unb  bort,  wegen  angeblichen  53er* 
ratr)e$  verhaftet,  im  ©efängnijfe  ftarb. 

3m  JDftober  fam  ber  Jtönig,  na  et)  Unterbruefuna  ber 
bohmiffhen  (Empörung,  in  «ßerfon  nach  ber  ©berlaufty.  ^öamit 
er  ficher  burd)  ba6  (Gebirge  reifen  fönne,  gingen  ihm  3  Herren 
U*  gorltyer  »athe«  mit  40  gerben,  eben  fo  viel  «Sagen  ®e* 


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186 


fyarmfdjter  unb  300  Trabanten  entgegen.  SMefe  Stannföafi 
gefettete  ihn  fpäter  aucfy  von  Zittau  nacb  ©örlifc. 

91m  28.  Dftober  erfolgte  ber  feierliche  (£in$ug  in  feie 
(Start.  I  er  Math  empfing  Den  äonig  gebüfyrenb  unD  räumte 
9?ifolauö  £elaw'$  6ob&  für  ifyn  uno  fein  ©efolge  ein. 

2lm  1.  November  OMerfyciligentage)  fano  Die  feierliche 
^pulbigung  ju  ©örlifc  ftott,  bei  welcher  Der  (Stabt  alle  tyxiou 
(egien  beftätigt  unb  beifiglicr)  ber  jtrieg6fcr)ufren  halber  ein 
Moratorium  auf  4  3afjre  bewilligt  warb.  &ud)  ein  3wift 
mit  ber  *Nitterfcr)aft  ift  Damals  beigelegt  werben.  $>ie  Soften 
biefeä  vteiwöcr/entlicfyen  Sbifemfyalte*  betrugen  nur  134  Sdjocf 
JO  ©r.! 

33alb  na  d>  ber  VI  breite  reo  «föontgö  begannen  bte  Söhne 
«£>errn  Sigmnnbfl,  ^einria)  unb  3ol)n,  ©ebruber  v.  ^ßartem- 
berg,  bie  $ebbe  gegen  bie  Secfyäftäbtc  von  Beuern.  Um  ^fingften 
raubten  fie  &ici)  in  üroitfcfceuborf,  weldjeö  ifynen  bie  ©örlifcer 
naa)  einem  glücflid)eu  @eftd)te  beim  Sd)loffe  ©rafenftein  wie; 
ber  abnahmen.  £>ie  fortgefefcten  Streifereien  gangen  bie 
©örltfccr,  raut  Wattn  fet>afteit  narf)  diottyenburg ,  Seibenberg 
unb  SBernftabt  ui  legen.  SBon  großer  ftrategifctyer  2&id)tigfett 
war  ber  (Sntfdjlup  bc$  SEBentfcb  Burggraf  v.  £>orma  auf  ©ra* 
fenftein,  ben  OberlaHft^ern  biefeä  Schloß  ^ur  $efe$ung  $u  ge* 
fiatten.  Unter  Slrnolb  unb  (Slupriö  gingen  von  ©örlifc  10  ^ferbe 
unb  20  Xrabanten  borten  ab. 

$)er  vlöi3liet>e  Xob  töönig  2llbrcd)f$  brachte  neue  Ver- 
wirrung in  alle  Verfyältniffc  Söhnten'*  unb  ber  einverleibten 
Vaitbc.  Tie  ©eburt  beö  VaMölau«  (sJ*oftl)umu0)  veranlagte 
en riefe  Verwitfclungeu.  S eine  9)Jutter,  bie  Königin  Mnabeih, 
fetyrteb  mefyrmalö  an  bie  DberlaHttyer,  um  fta)  Deren  ©ttnft 
\u  fiebern. 

3njwifa)en  famen  bie  ©renslanbe  and)  m  Skjinnung. 
Die  Streitigfetten  wegen  beö  3nterregttuinä  unb  ber  UmftanD, 
bafj  nun  *ßrag  ber  Littel» im ft  ber  Siüafjlagitarton  würbe,  be- 
wogen ben  böf)mifa)en  $lbel  fta)  am  25.  3uli  1440  ju  fteubnifc 
bei  Veitmeriu,  wegen  eince  £anbfriebenö  ui  einigen  ,  in  welchen 
bte  Oberlauft&cr,  wenn  aua)  einige  $eit  fpäter,  gleidjfallä  auf* 
genommen  würben. 

3m  gebruar  biefed  3afyre6  würbe  in  ber  görlifcei  £aibe 
%  freier  Straßenraub  von  £albau  au6  begangen,  baß  Urban 
Nutria)  mit  42  «Pferben  borten  aufbraa),  weldje  ßrpebttton 


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187 


im  Vaufe  be$  3afytc*  wieberholt  werben  ntHfite.  Um  ^fingften 
fiel  ber  v.  $Bartemberg  »ieber  in'*  $*anb  unb  plünberte  Arn- 
nerSborf  au$.  Die  ©crlifrer  fd>tcftcn  60  *Reiftge  unb  300  Xra- 
bauten  unter  Urban  (*mmeria>  unb  Wiefel  ^crfd^el'd  ©efcl>l 
au£;  tiefe  verfolgten  ihn  biö  böbmifcb  Finnin  unb  erfiürmten 
biefen  Crt  niebt  ohne  $*etluft.  $lm  30.  November  fam  e* 
mit  3öartemberg  |i  einem  2Baffeufti(lftanbe.  (*r  warb  buret) 
SRattlje*  Quirns,  tfaSpar  von  ber  Velpe,  Urban  6evfrieb 
unb  ben  6tabtfd>reiber  v.  (*)örli$  abgefetyloffen. 

Anfang  be$  3af>K*  1441  mupte  abermalft  ber  gor* 
lifcifdje  Hauptmann  fyimt  v.  töottwifc  in  bie  £aibe  auSretten. 

3Äit  bem  $i$artemberg  fam  audj  bie6  3afyr  ein  ©äffen* 
fhflftanb  unb  enblid)  ein  griebe  *u  Stanbe. 

Der  Vanbfriebe  warb  in  ber  £>berlauftfc  ebenfo  gehalten, 
wie  'Xfyeobalb  über  ben  böf)mifa)en  Sanbfrieben  ftd)  auöbrücft: 
wie  bie  gajten  von  ben  &uuben.  Die  gefjben  bauerten  trotj 
be£  Vanbfrieben*  fort.  £ie  Jerftörung  von  ^albau  im  3- 
1442  verwicfelte  bie  Stabt  in  eine  gefybe  mit  $<in\<  v.  Äott- 
wifc,  welche  ^enog  $an6  v.  (Bagan  beilegte.  Die  €tabt 
war  genötigt  an  bie  verfdjiebenen  £>rte  ^annfaSaften  $u  ütuden, 
um  ber  $lnara)ie  ;u  jteuern.  SefonDerö  zwangen  bie  (Einfalle 
ber  ©ebrüber  93erfa  auf  tfttilbenftein  unb  ©rafenftein  *u  Stüfhin* 
gen  unb  Heerfahrten. 

3n  ber  £>fterwod)e  1443  würben  abermald  Äiiftungen 
gegen  bie  böfjmifcben  Raubritter  norfywenbig,  welche  ba$  Vano 
yi  überfallen  brofyten.  Die  ©achfamfett  ber  ftäbtifa)en  $e* 
fa$ung  fann  nia)t  fonberlid)  gewefen  fein,  ba  ungeachtet  ber  auö- 
geseilten  ®aa)en  sDtovö  unb  2öenbifa}of|lg  von  ettapenplacfern 
ange^ünbet  werben  fo  unten. 

Da$  Satyr  1444  ift  baburd)  befonberä  wichtig,  ba£  @eorg 
v.  *Pobiebrab  oberfter  Hauptmann  in  Söhnten  würbe.  Der 
3uftanb  be$  SanbeS  blieb  in  biefer  fonigdlofen  $tit  berfelbe: 
überall  Unfrieben,  überall  gefybe.  (Sine  foldje  mit  bem  $errn 
v.  S3iberfiein  auf  grieblanb,  welche  ftd?  gegen  (Snbe  be6  3af)^ 
red  1444  entfponnen  Ijatte,  würbe  bura?  $fypmo  v.  Jlolbifc, 
ißerwefer  bec3  Vanbeä,  betgelegt.  Um  ^fingfxen  na^m  bie  6tabt 
an  ber  großen  ^eerfa^rt  gegen  bie  ©artemberge  Xr)eil.  Da* 
mald  *ogcn  9000  $Rann  feberlauftfcer  auc3.  Die  ©örlifcer 
waren  f)ler  fetyr  ausgezeichnet  unb  hatten  viele  ^Hannen  gewor* 
ben.   Damals  würben  eine  SRenge  SKaubnefter,  vornehmlich 


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188 


Xetfchen,  ^erflört.  $eter  v.  ©crSborf  auf  9Ru*fau  madjte  ftd> 
um  bie  (Statt  wäfyrenb  biefer  ganzen  3«t  fer)r  verbient,  unb 
würbe  reidtfid)  befd)enft.  3m  Cftober  beftanben  bic  gorlifcet 
•ftnerbte  einen  ©traufj  mit  bör)mifa)en  Zaubern  bei  sJDfaa)erd* 
borf  in  ber  $errfd)aft  ©rafenftein.  $)ic  bort  gefangenen  bei* 
beu  Eitler  unb  21  gußgänger  würben  am  II.  Öftober  <n 
©örlifc  geftenft. 

4  Sei  ber  Eroberung  Oed  Xolknftcin'S  im  3-  1445  waren 
ebenfalls  ©örlifcer;  bie  Girren  ber  6täbte  mit  ®otfa>  6d)off 
auf  ©reifenftein  legte  ©örlift  bei.  $ttx  £eerfar)rt  auf  ben 
Sirfftein  in  «Böhmen  im  Dftcber  1445  ftellte  bie  Stabt  auper 
gupgängern  unb  einigen  93üd>fen,  36  Seifige. 

3m  3-  1448  bemädjtigte  fta)  ©eorg  v.  *Pobtebrab  he* 
fanntlid)  mit  ©ewalt  ber  böfpntfcfyen  «öauptftabt.  SÖäfyrenb 
biefer  Unruhen  in  Böhmen  erhoben  bie  SEBartemberge  wieberum 


©rafenftein,  raubte  in  ber  Dberlaujty.  $on  ©örlt$  fa)lojj  eine 
6*aar  fta)  beut  oberlauftfcer  tforpä  an,  welajeä  ©rafenftein 
eroberte. 

Derfelbe  berrenlofe  SttfhnA  erhielt  fid)  in  ben  folgenben 
3a^ren.  1450  würbe  beäfjalb  eine  3eit  lang  jwifa)en  6a)ön* 
berg  unb  6eibenberg  von  &örli$ern  ein  gager  belogen,  bie 
©egenb  $u  fa)ü$en. 

1452  ftanben  wieber  Trabanten  in  £>ftri$  unb  Reiben* 
berg,  weil  man  in  ©drlifc  Ueberfälle  bc6  börjmifdjen  8bel6 
befürdjtete,  welker  ftd>  einige  3a^rc  rufug  vergalten  Ijatte. 
Die  Stabt  felbft  würbe  wieber  befeftigt  unb  namentlid)  vor 
ber  9?et0bräcfe  beim  r).  ®ciftr>o^)Htal  unb  am  9Wolaitf)ore 
neue  Saftionen  gebaut,  an  ben  (Stadtmauern  JHkrjren  ange* 
braajt,  unb  neue  93üd>fen  gegoffen.  3m  £erbft  nötigten  nie* 
berlaufifcifdje  Wegelagerer  bie  Stabt,  Wartin  €d)lteffe  mit  60 
$ferben  nad)  2Bitti$enau  ui  legen. 

3u  Anfange  beä  Saferes  1453  fam  al*  apoftolifa^er  9tun* 
tiu$  ber  $ernl)arbinermöna)  3o^anne6  Gapiffrano  nad)  ®ör* 
lifc.  $>ie  (Sinwo^nerfdjaft  §og  ifent  in  großer  $roaefjfam  ctrt* 
gegen;  er  naljm  feine  Normung  im  granjtdfanerflofrtr.  6a* 
»iftrano  prebigte  von  ber  €aljr)au$treppe,  auf  weldjer  ifem 
ein  «Prebigtftutjl  errietet  war,  15  SRal  ptn  SBolfe.  $er  3»' 
tjalt  feiner  6trafvrebigten  bejog  jty  ffauvtfädjlid)  auf  bie 
Äleiberpra*t,  laugen  €a)näbelfa>*i^e,  waöcuben  £aare  unb 


Vl(brea)t  Serfa  vom  Xollenftein,  bamalä  auf 


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189 


allen  überflüfftgen  Xanb.  —  »ei  ber  £>ulbiguug  be$  jungen 
Äonig*  SabiSlau*  in  ^rag  erf*ienen  bie  ®orli$er  gleicbfalie-, 
fie  befd>enften  ben  Äönig  Hiib  ben  ©ubernator  von  $öbmen, 
®corg  v.  >t>biebrab,  retct>licl?. 

$a«  3«^r  1454  braute  ©treitigfeit  mit  ber  tattttafr 
über  welche  auf  jenem  läge  \u  $au$en  Einigung  erfolgte. 
3n  biefer  3«*  befaßte  ber  üditig  SabieHan*  anf  ber  Durcrr 
reife  nad>  6d)leften  aud>  ©örlifc,  wofelbft  er  am  29.  November 
unter  bem  häuten  ber  (Dorfen,  mit  einem  befolge  von  1000 
mann  feinen  teinjng  rjielt.  Mi*  er  §nm  graneritfjore  einjog, 
tyatre  Oer  bamal*  Hjäijrige  Äönig  auf  feinen  blonben  Dorfen 
einen  Äran*  von  Dtingelrofen.  @r  febrte  in  bem  €d)6nr;ofe 
(bamald  ein  ©aftfjof)  ein;  fein  ©efolge  errichtete  3elte  auf 
oem  fogenannten  $ran  beim  retd>enba^er  Xbore.  Mm  30.  s3t> 
vember  hulbigten  bie  6ecf;*ftäbte  bem  jugenbltcben  Surften  auf 
bem  görlifrer  ftatybaiife.  lag?  barauf  erl)ob  |ld>  Oer  Jtömg 
weiter  nadf  Sauban.  Sir  füftren  f>ter  bie  «umgaben  an, 
weldje  bie  €taDt  bei  biefer  Gelegenheit  r>atte  unp  fpejialifiren 
folaje  Oer  SXerfwürbigfeit  wegen. 

I.  3«  SMn  «üb  Bier  für  ben  foniglichen  JCeller  53  €d>ocf 
12  <Br.;  *u  ®ewüa  Pfeffer,  3ngwer,  ?Koftnen  je.  17  <Sd>od 
1  ®r.;  ju  ©raupen,  äraut,  SÄilcr;  unb  (Siern  4  6c^od  19  ©r.; 
\n  Sdjmals,  Oel,  €ai$  unb  (Sfftg  8  €d>o<f  16  ®r.;  für 
gifc^e,  #ed>te,  Karpfen,  ^erfdje,  Neunaugen  unb  €*mcrlen: 
46  ©chorf  18  @r.;  »u  gleifd),  iKinbern,  edwptf,  9Öilb  unb 
Sögeln  28  €ct)ocf  16  <*Jr.;  3n«gemetn:  Si*t  k.  12  edjorf; 
£eu,  £afer,  (Strol)  20  ©djotf;  Joggen  unb  ©ai^enbrob 
14  <5a)od  4  ©r.  5>ad  ^ofgeftnbe  »er^rte  35  (5d>otf  14  ©r. 
Mtt  ber  Äönig  aufbrach,  würbe  bem  genteinen  $ofgeftnbe: 
Jtüchcnmeijter,  Höchen  unb  Jtüchenfdjreiber,  Xrorapeteru  unb 
Pfeifern,  Käufern  unb  Hofnarren,  £erolben  k.  }um  Sertrin* 
fen:  21  <&a)od  20  @r.,  bem  ^ofmeitter  unb  Dbermarfdjaü 
9  e%*d,  bem  Äämmerer  ein  fdjoneS  $ud>,  wa$  13  e^orf 
Werth  war,  gefdjenft.  Wit  einigen  aitberen  betrugen  bie  MuS* 
gaben  359  <5a><f  12  ©r.  ungefähr  62  Ibaler  nach  gütigem 
®elce.    3m  (*imelnen  warb  geliefert  für  reit  äöntg: 

1.  Mn  gleifd):  2  Dchfen,  26  Stopfe,  4  Äälber,  2  £pecf< 
feiten,  12  junge  Jöaljne,  2  ©chorf  üfytm,  2  ©chwetne, 
eine  £irfdffoh,  4  £aafen.  2.  Mn  giften:  3  Sdfod  £ecr/te, 
8  &^od  Jtorpfen,  2  ®d>od  »euua«gen,  3  Makauptn,  2  6^orf 

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190 


bürre  gorellen,  1  Sonne  £ed)te,  8  ©djotf  §t ringe.  3.  S(n 
©ewur*:  1  Stein  Pfeffer,  6  $fb.  3immt,  6  $fa.  SNnefaren, 
II  $fb.  3ngn>er,  4  $fb.  helfen,  2  ^fl>.  Safran,  3  £>üte 
^urfer,  44  $fD.  ^aubcln,  40  $fb.  Soften,  44  $fb.  ^Ket0. 

4.  5Än  ©emüfe:  4  Striae  @rbfen,<2  <5trid)e  (»raupen,  4  Son* 
neu  Jtrautföpfe;  £ol)(,  ^eterftlie  mit  (Uruneä  fomel  *u  haben 
war;  2  errief  Söaijenmel)!,  2  eidc^  <*Jrie*,  2  <5trid>  »epfel, 
1  Strich  kirnen,  1  Stridj  welfdje  Kliffe,  2  Strid)  3">iebeln. 

5.  $er|d)iebene$:  '/4  Sonne  $onfg,  16  NJJfb.  Baumöl,  1  Sonne 
Untrer,  1  Sonne  «ipanföl,  1  Sonne  sIRüd),  100  Scfyocf  (£ier, 
1  öd)orf  böfjmifrfjen  JTäfe,  2  Stridj  Sali,  1  gaj?  (frfjig. 

II.  £em  Dberften  in  Söfymen,  ®eorg  o.  NJ>obiebrab: 

1.  fln  gleifd):  1  £)d))en,  8  Sdjöpfe,  I  Sdjorf  kühner. 
2.  8n  giften:  3  £d>orf  Äarpfen,  Vi  Sdjorf  lebenbe  £cd)te, 
Vf  Sdjocf  tobte  ^ecfyte,  Vi  £d)üd  Neunaugen,  4  Sdjorf  geringe, 
1  ©djotf  gorellen.  3.  Ito  Sranf:  I  Sage  *Kbeimoein,  2  Vier- 
tel SBefn,  %  alte*  »ter ;  %  2tfaijenbier.  4.  *u  gntter:  80 
Striae  £afer,  be$gleia)en  £eu  unb  Stroty. 

III.  £errn  lllrid)  (Sntjinger:  1  £>d)fen,  4  Stopfe,  12  ^üb- 
ner,  1  Sage  töbeinwein,  1  Viertel  anberer  ilßein,  1  Viertel 
SBeißbier,  8  4>edjte,  ein  €d)orf  Jtarpfen,  1  £d)ocf  Neunaugen, 
uub  gutter  für  24  Werbe. 

IV.  Ü)eitt  Jtantfer  ^rofop  von  Otabenftein:  1  £)d)t"en, 
4  6d>öpfe,  12  £ül>ner,  1  Sage  9tyeiim>ein,  1  derlei  Wein, 
1  Viertel  Sßeipbter,  1  Sdjotf  Neunaugen,  10  lebenbe  £ed>te, 
20  Karpfen,  30  Strich  ^afer. 

V.  £err  ©eimeifd):  l  Dd)fen,  6  6d>opt>/  20  £ül>ner, 
1  Sage  >RI)rinwein,  1  Viertel  ©ein,  1  Viertel  Weißbier, 
20  Neunaugen,  J£>afer  für  24  ^ferbe. 

VI.  £err  Ifd)ibig:  1  Dd)fen,  6  Stopfe,  20  £übner, 
1  Sage  M)eiim>ein,  2  Viertel  *ßein,  1  Viertel  2ßei|>bter,  8  £ed>te, 
1  6d)ocf  Karpfen,  20  Neunaugen,  gntrer  anf  40  tyerbe. 

VII.  £einrid>  b.  fcofenberg:  1  £5<^en,  6  Stopfe,  20  §üfy 
ner,  1  Sage  ^einwein,  1  Viertel  Sßein,  2  Viertel  Sßeipbier, 
10  £e$te,  1  Sdjocf  Wennaugen,  I  6d)orf  tfarpfen,  40  Striae 
Äafer. 

VIII.  £err  ».  Relsberg:  1  Dc^fe,  6  Stopfe,  12  £üb* 
ner,  1  Sage  W)eiim>ein,  1  Viertel  mein,  2  Viertel  2I*ei|jbter, 
8  £ed)te,  1  e^orf  Jtarpfen,  20  Neunaugen,  40  Stridje  ^afer. 

IX.  $errn  $ro*ig:  1  Ocfy'e,  3  6d)öpfe,  1  Sage  St^eui« 


191 


mein,  1  Viertel  ©ein,  1  Viertel  SBeifcbier,  8  £eo)te,  1  ©djorf 
Karpfen,  20  Neunaugen,  gutter  auf  24  tyjatic. 

Sluper  tiefen  £erren  wurden  täglid)  1000  Erfüllen  auf 
Stabtfoften  gefpeift. 

3m  folgenbeu  „\ahre  dauerte  bie  Uneiuigfeit  mnulKti  <StaDt 
unb  fcanb  Öörlifc  fort;  aud)  unter  Den  £täDten  trat  $tvw 
fpalt  ein,  unD  Kautel  mit  Vaubau  tvegeu  Der  KanDfirape  von 
$unjlau  rourDeu  erft  am  legten  3al)rcstage  1455  gefa)lia)tet. 
3fuperDem  ift  nur  uod)  \\\  melben,  Daß  Der  we|"tphäli|d)e  grci> 
graf  >  hautt  Aiintami  Die  BUDi  ®örli&  toegeu  einer  3a>ulD 
forDerung  >baun  töutl)er'S  m  Dürnberg  vor  Den  greiftuljl 
beS  geheimen  (*eri(t)tS  vi  $öf)mi)aufen  cilirte.  hiervon  wirD 
unten  ausführlicher  gefyanDelt. 

3m  3.  1456  braa)  eine  gefybe  jroifcfteu  Dem  &önig  von 
Pehmen  unD  Dem  «£>erjog  grieDrid)  $u  6ad)fen  aus,  weSljalb 
man  von  Ouuür,  aus  Die  KanbeSfrone  mit  SolDnern  befehle. 
3n  golge  eines  ©ranbes  in  Der  c  tan  rourDeu  Damals  Die 
Roheit  Stämme  auf  Dem  93erge  gefällt,  ber  feit  jener  U'it  nie 
mehr  <£>o<t)bejtanb  gehabt  hat.  —  (£iuc  ilnetuigfeit  wegen  Der 
(etrape  mit  <£>ergog  4j>anS  von  6agan,  nxld)e  fc^ort  im  3. 
1456  begann,  fpann  tuh  mehrere  ja  lue  hmnndv  1457  rourDe 
ein  Xürfen  kreii\jug  Dura)  tkrnr)arDütermönd)e,  welche  Die 
©labt  bei  ihrer  Änroefenrjeit  neu  f leiben  liep,  gepreDigt,  fanD 
jtDod)  wenig  £nfiang;  aud)  Die  Xürfenfteuer  ivarD  nia)t  qe 
sahlt.  Der  plö$lia)e  XoD  DeS  «Honigs  Vanolauo  ertverfte 
befouDerS  bei  Der  @)eiftlia)feit  Den  s.Berbact)t,  (*Jeorg  v.  *ßoDie* 
braD  habe  feine  JpanD  Dabei  im  spiele  gebäht;  jie  freuten 
ftd)  nidjt,  offen  von  Der  Äanjel  l)erab  Dem  ®uberuator  Den 
XoD  DeS  Königs  uiv  fcaft  \u  legen. 

Diefer  XoDcSfall  verroidelte  Die  ©öili&er  in  roeitfajidjtige 
Kautel,  weil  fta)  ihr  fatr)otifd)eS  @efüt)l  Dagegen  fträubte,  Den 
von  Der  hinuiuheu  gartet  in  'Böhmen  *um  Könige  gewählten 
GJeorg  v.  ^oDiebraD  anwerfen  neu,  unD  Die  Weift  InMcu  rao 
31)rige  that,  von  ber  Jean unD  Dem  $eid)tfiut)(e  aus  Die 
Wemuther  ui  fanatifiren.    sMan  rüftete  fid)  Daher  jur  Saften 
jeit  145b  unn  £Biberftaube  unD  bereitete  viel  Kriegsmaterial 
§u.  —  Die  Stäbte  famen  in  golge  eines  föniglid)en  cdna 
benS  \u  einem  Xage  ^ufammen,  Deffen  iftefultat  Die  6itte  um 
eine  griff  nur,  voeldje  itönig  ©eorg  bis  in'S  Saty  1459  au 6 
Dehnte.    3n  biefem  3at)re  erfannten  Die  Stäbte  nact)  langen 


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192 


unb  weitfdjweifigen  llntei hauMun^eti  enblid)  ®eorg  ».  *l$obie* 
brab  an,  unb  hulrigtru  ihm  ;u  3auer  am  21.  Zeptern  ber. 
©örlifc  fjulbigte  mit  ber  9titterf(tyaft  beä  Greife«  erjt  am  (Snbe 
beä  3al)re$  |n*$rag. 

1460  finben  |td)  vor  £>ftern  Angaben,  bajj  uad;  £äfyud)en 
auf  Befehl  reo  Üoiug^  eine  3$cc\ tahi l  ftattgefuuben  habe.  (£ä 
mochte  bort  ein  £anbeebefd)ät>igcr  jtety  feftgefe^l  haben.  Der 
(Streit  mit  <&er£og  £an$  ».  Z agan  würbe  tu  biefem  Jahre 
mit  größtem  Ohler  geführt.  3m  &uguft  1461  fam  eo  fogar 
ju  einem  Angriffe  auf  baö  bamal*  in  ben  Jpaiireu  reo  ,£ki 
jog  ©alttyafai  befiUDlicfye  Sd)lo|j  nur  Stdotctyen  Zag  an.  Die 
CberlauuhuT  entminten  baffelbe  auf  Befehl  reo  äönigl 
Zpater  mußten  bie  (Moilifcer  an  einer  Heerfahrt  nadj  $tottbu$ 
Tfyeü  nehmen.  Horn  iNatbe  waren  zugegen:  Zeifrieo 
win  mit  2  $f  erben,  Joh.  bereit h  ebenfo,  $artl)olomäuö 
£irfd)felb,  9tifolauä  (im in ertet)  unb  fein  Zehn,  ber  jüngere 
Urban  Uhu  nierieb,  15  Sd)üfcen  511  Kop  mit  Ärmbrüften ,  10 
Ztartr ieuer,  in  (Summa  142  sJRann.  83  Wringe  innre  11  be- 
folbet;  150  Xra  bauten  in  unten  bie  grojje  Südjfe  begleiten,  20 
Partner  jum  <Sd)an$en  mit  Warfen  unb  Sdjaufeln  Dem  3uge 
folgen. 

Vllo  ber  &önig  im  %  1462  bie  Oberlaufs  rurdneifte, 
fam  er  am  11.  3Rat  aud>  nadj  OUnlie-  unb  ging  t>on  bort 
nad)  <$uben  unb  (Miogau,  wofelbft  er  ben  (Streit  ber  <£tato 
mit  bem  <£>er£Og  von  eagan  entfdjieb.  91  uf  ber  tKücf reife  würbe 
ber  ^oiug  nocfymalä  in  (Morl in  beumrhef ;  er  legte  ben  Z  tven 
reo  ganbe*  mit  ber  Ztan,  weiter  neb  auf  bie  ftäbtifctyeu  Pri- 
vilegien reo  SBierfcfyaufefl  unb  ZaUutarfto,  Joil,  9Bottmarft, 
Aufhebung  ber  ÜBerunalürften  unb  bte  Cbeigeridnobarfeir  ber 
(Berdborf  auf  Xaucpri^  erftretft  fyatte,  au  (äJunjten  ber  Stabt 
@dr(t$  bei. 

JDbg(eid)  im  3.  1463  ber  Streit  reo  ^apüeo  mit  Äonig 
©eorg  auobrad>  unb  Ve^terer  unter  in  16.  S))U\\  1463  von  bem 
papftiteben  Legaten  ^ieromjmuä  )u  öreälau  für  einen  üefter 
erfldrt  war,  Hieb  bie  Zrart  bennod)  auf  reo  Jtönigä  Zeite 
unb  nahm  an  bem  im  Juli  abgehaltenen  $age  ber  Ztaure 
^ohnteuö  511  ®rünn  $beil.  Zelbft  im  Ja  In  e  1467,  bio  uuu 
sBanufprud)e  s|urpft  $aul  n.  über  ft  0  n i g  ©eorg  blieb  bie  Ober 
läufig  Hur  ®drli$  fdjeinbar  bem  Äönige  getreu. 

Der    onig  feibft  bewies  ftd)  gegen  bie  Sedtfftäbte  unb 

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493 


befonberd  ©örüfc  burd)  Serleifyung  unb  $eftarigung  von  v$rt* 
Plegien,  febr  gudbig,  aud)  war  ber  neue  Vaubvoigt  ©enefa) 
t>.  ßolowrat  fortwäbrenb  bemüht,  ben  Anhang  beä  Königs 
ju  vermehren.  5.  3uni  erlief?  ber  ^egat  ^WiiDclpb,  Stfdjof 
r.  Vavant,  ein  iRHnbfd>reiben  ait  Die  Cberlaufifcer  bei  «Strafe 
Dcö  Tarmed  gegen  Hie  bem  fefeerifd)eu  vHonige  wiberfefcigen 
%3reelauer  uiit>td  }u  tbuu.  Da*  vom  ^apfte  gefd)ürte  Jeuer 
begann  in  Böhmen  unb  _Sd)le|ien  au^ubreeben.  (*iue  Vtn*>ir;l 
(frpeüeute  erhärten  jid)  offen  gegen  ben  Jtönig  unb  beunruhigten 
bie  6rra0en.  3n  @)öi(i$  arbeitete  man  an  beit  ^gbrüden, 
befferte  bie  Schläge  an  ben  $f)oren,  fdjaffte  ^ulvervorrärtje  an, 
fefcte  bie  Donnerbüajfen  in  Stanb.  sJJtan  grub  aud)  einen 
Brunnen,  um  baä  s4fiaffer  aud  ber  s)teifie  in  bie  Stabt  leiten 
\n  tonnen.  Diefe  Maßregeln  gefdmben  nidjt  blod  ber  Stra* 
fjenplarfer  wegen,  fonbern  falben  in  bem  Umftanbe  ir>rc  (*r- 
flärung,  oafj  bie  Stimmung  ber  Stabt  immer  mehr  gegen  ben 
fe&erifd)en  Äönig  aufgeregt  würbe.  Üer  l*anbvoigt  benahm 
fiaS  l)ierbei  fern*  unflug  unb  braute  burd)  fein  33enef)men  bie 
»KebeÜiou  jum  Sludbrud).  (*r  fe^te  gegen  (Ihtbe  bed  3af)red 
ben  abgefegten  dichter  $Jtel)eflei  fd)  wieber  ein.  Seine  lieber* 
einfeftung  erbitterte  ben  N)Jatb  gegen  ben  fcanbvoigt,  l)ing  aber 
Seitend  bed  Vetteren  mit  einem  grauenhaften  tyime  ftufammeit. 

3)er  !!Kid)ter  benufete  bie  aufgeregte  Stimmung  einiger 
Bürger,  beuen  vom  Watbe  llnred)t  gefd)et)en  war,  \um  $$er* 
berben  ber  Stabt.  Diefe  $*erräil)er  waren:  sJWartin  lauter* 
bad),  Wortin  Sleijfe  unb  9Jifol  <£>orfd)e(.  Benigna,  !Xod)ter 
bed  Vctuaat  war  aujkrerjelid)  von  bem  befanuteu  (Meorg  (5m* 
merid)  Butter  geworben;  GJcorg  (£mmerid)  weigerte  ftd),  bie 
(*Jefd)änbere  \n  fyeiratfyen,  wollte  aud)  feine  ($ntfd)dbigung  ge- 
wahren.  Statutengemäß  t)dtte  ber  OHati)  ben  reidjen  sJÜcauu 
aud  ber  Stabt  weifen  muffen.  Um  fein  ©elb  ber  Stabt  flu 
erhalten,  fprad)  jebod)  ber  fKatl)  bie  Verbannung  nid)t  aud, 
fonbern  veranlagte  ©eorg  (£mmerid),  jur  Sut)ne  biefed  %ei)U 
rrittd  eine  s2BaUfal)rt  jum  Ijeiligen  ©rabe  nad)  3erufalem  an* 
jutreten.  Hld  nun  ber  tfanbvoigt  im  ^erbfte  1465  in  ©örlift 
war,  gingen  bie  genannten  Bürger  uint  föuigl.  (£rbrid)ter  unb 
baten,  tl)nen  311  einer  Unterrebung  ,mit  Sr.  ©ejh  engen  bem 
Sanbvoigt,  bei  wela)er  jie  aud)  sJtifol  v.  *ßaunewi$  unb  sJRarrin 
v.  klaren,  ben  görlifter  Hauptmann  3U,gegen  wünfdjten,  be* 
fjulflia)  ui  fein.    3He^ef(eifa)  ging  auf  biefen  ^orfa)lag  ein 


unb  ber  SBoigt  gewann  burch  feine  (£vflärung:  er  »erbe,  ihnen 
ditdft  verfd)affen,  bie  «£>eqen  ber  ©enanuteii  völlig  für  ftd).  ■ 

3m  3-  1465  befdjlofj  ber  tfanbvoigt,  Hin  bie  mädjtige 
6tabt  bei  bem  eorauäftd>tlici)en  SÄufftanbe  unfdjäblid)  *u  im- 
a  l  11 ,  <3oxiu\  an^ünben  ui  Caffeit«  nnb  wäfyreiib  beä  $ranbe$ 
mit  feinen  beuten  jtfty  ber  jeftungöwerfe  unb  ©affeiworräthe 
51t  bemächtigen. 

Diefer  abfdjeuliche  $lufd)lag  foli  aud)  vom  Könige  ge* 
nehmet  werben  fein;  fe  viel  ift  gewip,  ba|?  ein  gewiffer  Bieter 
v.  Dolwifc,  ein  Bobine,  uim  Reifer  auäerfeben  war.  iXVit 
Elfteren  (^ebanfen  f  ehrte  ber  \tanbeoigt  im  Januar  1466  nach 
®6rlifc  uirürf  nnb  uiebte  fid)  ber  mifwergnügteu  Bürger  unb 
betf  ?Nid)ter$  sJDiefyefleifd)  ju  »er|ld)ern.  X»ied  gelang  ihm 
auöerbem  noch  mit  brei  auberen  s4$erfonen:  bem  Shfol  fearlo* 
wi$,  (s  hi  ifcopf)  Drtomar  (aud)  lUtmann  genannt)  nur  (irmeU 
rid).  2im  16»  gebruar  famen  oiefe  feiten  unter  bem  Dache 
bes  3$oigtel)ofed  ui  einer  s^eratl)fd)(aguitg  jufaminen.  Jpicr- 
auf  jogen  jene  9hf.  sDM)efkifd)  bei  Seite  unb  ermahnten  ifnt, 
beu  £anbDoigt  heimlich  aufouforberii,  er  möchte  ilnn  in  $rag 
beim  &cuige  eingebeuf  fein,  bamit  ihnen  wiber  ben  :)iatb  ae- 
Reifen  werbe.  Hn  9.  s3)car$  rief  ber  Vaubvoigt  ben  Stetye« 
jleifd)  ui  ftd)  unb  fprad)  heimlich  mit  ir>m.  (fr  begrüßte  ben 
9Jict>ter  fel)r  frcuitMul>f  erinnerte  ihn  an  feinen  Dem  Jtonig  ge* 
fchworenen  (Sib  unb  bat  ihn,  bei  feinen  (freffuungen  treu  unb 
tterfdjwiegen  \u  fein*).  Die  QJörlifcer  wellten  ihm  \u  Raupte 
wad)fen  unb  reo  halb  welle  er  fie  hart  ('trafen,  gröber,  alet  er 
ed  mit  ben  (£amemeiu  gemalt  habe,  hierauf  fam  ber 
9Rerbbreiuten>orfd)lag  $u  iage;  bie  6tabt  feile  an  brei  v£tel* 
len  jugleid)  angeniuoet  werbeu;  fein  Diener  tfeutholb  werbe 
ihnen  baä  Material  befergen,  übrigen*  brause  'AUebefieneh 
nid)t  felbft  £anb  anzulegen,  feubern  feile  nur  bie  Witteläper- 
fen  abgeben.  Der  tfaMwoigt  fügte  hinju,  bafi  er  am  anbern 
bergen  jur  grühftüd^eit  mit  min  reiten*  100  Seifigen  am 
5  bei e  feiu  werbe.  'AVehifiemh  ging  auf  VlUeo  ein,  worauf  er 
vetn  i'anbveigte  in  einem  leberneu  6acfe  eine  $)teuge  mit 
^uloer  gefüllter  tyetax reu  erhielt. 

Doch  war  ber  $nfd)lag  bamal*  nicht  aufzuführen,  ber 
2anbt>oigt  fe&te  ihn  ba(>er  auf  brei  ober  vier  sffiochen  nach 


•)  «Rad)  ben  %htn  Ut  *to|tfff«,  **W  uod>  »orf>anb*u  ftnb. 


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*PSnqften,  <wifrf>en  bem  12.  unt>  22.  Juni  1466  feft,  in  we(* 
d)er  Jett  er  1600  Staun  bereit  halten  wollte. 

(*e  war  beftimmt,  baß  ba*  geuer  bei  Dittri*  auf  ben 
'M)en  Muben  angelegt  werben  foüfe,  femer  bei  Sfcter  J>aupt 
unter  bem  Ibore  in  ba*  4>eu,  enblicf)  bei  einer  grau  Xtfdja* 
fdjel  im  $fert*fa«e  ihre«  J^ofce*.  Webefleifd)  faqte  in  feinem 
«efennrnif?  v™  HO.  ^itt^tift  1467  nod)  au*,  bei  #oigt  bellte 
jwei  feiner  Diener,  €evnirfe  unb  beffen  trüber  tflau$  ald 
Äaufleute  verf  leibet  uad)  (Mörli*  gefd)irft,  bie  ftd?  bei  il>m  ge* 
meldet  unb  von  ttim  in  £orfd)el'ö  £aufe  1  €djotf  @rofd)en 
befwnmen  hätten.  $>er  (*ine  fei  bei  Wattbdu*  «rt,  ber  an* 
bere  bei  £an0  Büttner  verborgen  gewefen.  ,  31>nen  war  ber 
»uftrag  geworben,  8  läge  auf  ben  Voigt  nu  warten.  ,  Diefer 
bewarb  ftd>  uuterbeffen  burd)  bie  iljm  ergebenen  bitter  v.  <£tb* 
maunWorf  unb  fteWof  v.  Vöben  um  600  Seifige  unb  1000 
Srabamen,  bie  ftd)  jur  s)k(^tjeit  vor  bem  reidjenbadjer  Xfjore 
einfinben  follten.  1>od)  fam  glüdlid)crweife  and)  bumal*  ber 
^ilan  nidjt  *ur  Volleubitng.  S)er  Sanbvoigt  fdjrieb  ab,  weil 
er  bie  Wannfdjaften  nid)t  lufammen  bradjte.  9?ad>  Dem  $(ane 
felbft  würbe  ber  Vanbvolgt  mit  feinen  100  Meinsen  bur*  bie 
6tabt  gefprengt  fein,  um  wäfjreub  be*  Vranbe*  bie  Verwir- 
rung \\\  mehren;  feine  £eute  follten  injwifcfjen  batf  reid>eit- 
badjer  Tf)or  mit  Herten  anfragen  unb  ben  dnbrinaenben 
Vollmern  öffnen,  weldje  bie  bem  tfönig  feinblid)  (Hefinnten, 
wie  überhaupt  dlle  angefefjenen  sBnrger  nieberniad)eu  unb  bie 
(Etabt  plünbern  follten,  wobei  ftd)  fowoljl  bei  Voigt,  al«  ber 
görli&er  Hauptmann,  Wartin  v.  Waren,  ein  fd)öne6  @utnm* 
d)en  Jtt  erwerben  verfprad>eii.  Dod)  würbe  biefer  Hnfdjlag, 
fowie  ber  eined  gewiffen  <£&el,  auf  Worbbrennerei,  ferner  aud) 
ber  Welduor'ä  v.  Söben,  auf  Vefefcnng  ber  tfanbedfrone,  burd) 
*n*eige  eine*  Sbeilnefjmer*  vereitelt.  Webeflrifd)  würbe  mit 
feinem  Anfange  eingebogen  unb  ü)nen  ber  gemad)t;  fte 

Ratten  fid>  im  $tfaf)ne,  ber  Jtomg  würbe  nad)  @5ÖrU$  fommen,  mebt 
geflüdUet.  Hm  22.  unb  23.  Vdiguft  1467  würben  verhaftet: 
Stf.  WelKfleifd),  Warttn  Vauterbad),  Warrln  @letffe,  «mbro* 
fm*  Vrenbel,  Wifol  Garlowifc,  Warthe*  €eit>elmann,  George 
*auterbad>  unb  mt  ßmiefrid).  £ie  würben  fämmtlid)  im 
.  3.  1468  gerietet,  Wefcefleifd)  aber  geviert()eilt,  unb  fomit 
biefen  Vmätfjern  ein  verbiette*  (Sube  bereitet. 

9U4bt<ferabf4weifung  ifxauf  ba*3af)r  1466  jumdaugeljeu, 

13» 

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196 


Der  Segat  $ifa>of  9iuDolf  ».  Savant  ui  S3re$lau  fa)irfte 
unter'm  4.  Wärj  tiefet  3al)reö  an  Die  ©eiftlidjfeit  in  Den 
(gedjeftäDten  ein  jRunDfdjreiben,  in  weitem  er  jwar  anzeigte, 
Daß  Die  &udfprea)ung  Deö  5tenne$  über  l>en  Äönig  nod>  einige 
3eit  aufgefa)oben  wertet*  folle,  *ugleid>  aber  Dem  «Klerus  an- 
empfahl, Die  ®emütber  für  Die  einfrtge  ^inhiiin  Der  $3aniibuUe 
vorzubereiten.  Die  Dberlauft&er  von  l'anD  unD  £täDtcn  maa>- 
ten  frud)tloä  beim  Segalen  hiergegen  ^orfteÜHitgen  unD  wei* 
gerten  ftd)  namentlia),  Den  %how  Deö  ^apfled  gegen  Den 
nig  unter  Dem  gemeiuen  ^Belfe  befanni  ju  maa)eu.  Äua)  an  Den 
^onig  wanbten  fie  fia)  unD  befamen  gnäDigeu  $kfa>eiD  von  if)m. 

Der  l'egat,  um  Gtörlifc  für  fta)  \u  gewinnen,  fd)enfte  Der 
6t  $eorgenfapelle  unter  Der  s^eterdfirä)e  eineu  Sblap  von 
40  lagen. 

Uebrigenö  Dauerten  im  3.  1466  Die  angefangenen  9iü* 
ftungen  unD  Äriegdvorbereitungen,  fowie  Die  ^efefiigunaear* 
betten  in  ®orlifc  um  fo  mel)r  fort,  alä  wahrfdjeinlid)  ju  $olge 
Ded  sJWeheflcifd)'fd)en  #ufd>lag$  Der  Mttf  ging:  .König  (*Jeorg 
Motte  fia>  Der  etaDt  mit  (Gewalt  bemächtigen.  Die  Darauf 
erwachfenbe  Unruhe  unD  Nngß  eutfremDete  Die  ©emütber  Dem 
Äöuige  immer  met)r,  unD  bereitete  piglrid)  Den  entfa)ieDenen 
Sluöbrua?  Der  iRcbellioti  im  3-  1467  vor. 

Der  fd>oti  am  23.  Dezember  1466  von  ^apft  ^aul  II. 
gegen  itönig  ®eorg  v.  Böhmen  autfgefprodjene  üöaun  raupte 
nach  einer  pdpftlid>en  sBulle  vom  I.  Januar  1467  ab  im  böb* 
mifd)en  >Keid)e,  mithin  aud>  in  Der  Dberlaufts  verfunDigt 
werten. 

Der  $if$of  ^ubolph  v.  Savant  ;u  Breslau  fdmeb  ald* 
balb  aud>,  am  19.  3anuar,  an  Die  (ÄJeiftliajfeit  ju  Otiti), 
mit  Der  Mahnung,  ferner  Dem  Könige  nia)t  mehr  gehorfam. 
ju  fein  unD  Den  aufjtanD  gegen  ihn  $u  preDigen.  Die  $cr* 
fünDiguug  fanD  um  fo  mehr  Eingang  in  ®örli&,  ale  Damals 
Der  £auDvoigt  vBenefa>  v.  teolowrat  mit  Der  Drohung  au3 
$rag  jurürfgefommeu  war,  Der  Jtonig  wolle  felbtt  naa>  $örli& 
fominen  unD  frrengeä  ©ericht  ballen.  Deshalb  fe$te  man  jia) 
in  Den  äuperjiten  $ertbeiDigunge$uftanD,  befeftigte  Die  Parteien 
unD  fam  in  immer  feinbfeligere  cttmniuug  gegen  Den  **anD< 
Voigt,  woju  ein  anDerer  Vorfall  nicht  wenig  beitrug,  ütfebe* 
fleifch,  Der  erwähnte  fönigl.  dichter,  raupte  Dem  Otathe  $ür* 
gen  ftetten.   Sßarum?  ift  Dunfel.    Der  l'anDveigt  i^xitb  De** 


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197 


halb  febr  hart  au$  kauften  an  ben  fKalt?  unb  breite  noaV 
mal$  mit  bem  ioxm  betf  Äönigfl.  (Snblicf)  fam  ^Jccbefleifcb 
t>on  feinem  iNicbteramte  unb  an  feine  Stelle  warb  (*Jcorg 
SSetiM  gefefct;  ^efcteren  wollte  man  gar  nietet  in  t>ie  6tabt 
laffen  imb  rerfcblojl  itym  bei  feiner  Snrunft  t>on  ©aufcen,  in 
weiter  Statt  SBeitM  ben  9iatb  beim  l>anbt>oigte  verflogt 
hatte,  t»tc  Xtwre.  Xer  ©oigt  ©enefa)  >\  (Solowrat  fefcte  einen 
neuen  Siebter/  9*amen$  Wfolau^  ein,  bei  welkem  fta)  ber 
?Ratt>  |«  (Dörlifc  beruhigte. 

Xer  ftatb  fam  Dura)  ben  Äuflfprucb  be*  ©anneä  über 
ben  flonig  in  eine  febr  üble  i'age  unb  würbe  bureb  bie  Unu 
ftänDc  genötigt,  gartet  \u  nehmen,  Söäbrenb  eincrfeitS  ber 
tföntg  am  Jl.  $ebruar  1467  ben  Warf)  ermahnte,  ifjm  treu 
ui  bleiben,  ba  er  benfe,  ben  mit  bem  Zapfte  beizulegen, 
fennte  von  ihm  nicht  versilbert  werben,  bap  bie  ©eijxlicgett 
*u  (Merli&  auf*  £eftigftc  gegen  ben  Jtönig  eiferten,  bie  (Ste 
meinte  aufregten,  unb  im  Salle  man  bem  Üönig  fernerhin 
Oc^orfam  leiften  würbe,  ber  Stabt  bie  Segnungen  unb  Ire- 
frungen  ber  Religion  entziehen  breiten.  Xer  £cgat  freute 
feine  ©riefe,  um  bem  ©anne  be$  $apjte$  9?aa>brurf  ju  geben 
unb  war  bamatö  bemüht,  ben  Saamen  ber  (Empörung  aua) 
unter  ber  oberlaufttjifcben  Ütitterfffyaft  autfjuftreuen,  welches 
Streben  nicfyt  erfolglos  blieb.  Xie  föitterfcbaft  trat  mit  bem 
Legaten  in  ©erbinbung,  ber  ihnen  einen  fluffebub  von  12 
lagen  bewilligte,  nach  beren  Verlaufe  ber  ©ann  öffentlich 
abgefünbigt  werben  feilte. 

3mwtfcfyfn  fänmte  aua)  ber  Sanbvoigt  nia)t,  feine  ©orte 
gur  ©ahrheit  *u  machen;  er  fchlofj  mit  £er$og  ^)an6  von  6a* 
gan  ein  ©ünbnif?  gegen  bie  Stabt  unb  beauftragte  9Welcf)ior 
v.  £öben  mit  ©efefcung  ber  £anbe$frone.  3$oti  beibem  erhielt 
bie  Stabt  zeitig  genug  Wactyricbt,  war  auf  ffyrer  «guttb  unb  be- 
fefcte  bie  Sanbeetfrone  mit  Sölbnern  unb  Attesten;  bie  6tabt 
©reelau  fehiefte  nach  Oftcrn  200  Wann  #ilftftruppcn.  Urban 
Sa)ellner,  ein  *Ratb$bcrf,  befehligte  auf  bem  ©ereje  unb  be- 
fefHgte  fta)  mit  großer  ©erficht.  Xie  ©efafrang  auf  bem  ©erge 
blieb  währenb  beö  Tahiti  1467  unb  1468  eben,  fo  baß  jeber 
feinbliche  ftnföfag  vereitelt  würbe.  —  Xiefe  ©eftrebungen  unb 
bat*  gegen  ihn  berrfebeube  Mißtrauen,  wabrfcl)emlia>  auch  bie 
gurcht,  man  werbe  ihn  in  einer  ber  6ed)$ftäbte  gefangen 
nebmen,  veranlagte  ben  ©eigt  ©enefa)  v.  ßolowrat,  bieJDoer* 


DigitizecHbr^OOgle 


198 


faufifc  *u  meibeit.  Um  ein  öaupt  \\\  baben,  wählten  bie 
Stänbe  berfelben  erft  am  8.  Juni  gemeinfcrjaftlid)  mit  bat 
übrigen  Stäbten  unb  benen  vom  2anbc  ftdj  einen  neuen  Vanb* 
Voigt  in  ber  *ßerfon  betf  Jaroälaw  v.  Sternberg,  cined  eif* 
tigen  (#egner$  bee<  $enig$.  Stadlern  nene  päpftlicbe  Fullen 
befannt  unb  bie  $$erfünbiguitg  beö  ^auneö  feicrlidjft  von  beut 
9feid)#iage  \\\  Dürnberg  ausgebrochen  war,  würbe  bem  ftft* 
ntg  ber  C^eborfam  aufgefünbigt.  'Der  ganatiämuc*  würbe 
nod)  meljr  angeregt  bnrd)  befonbere  vom  Legaten  au^gefenbetc 
otetftlirfn*,  melcbe  einen  förmlichen  ärntuitg  gegen  Jtönig 
©eorg  v.  ^obiebrab  an^iifac^en  ftc^  bemühten  mib  aud)  eine 
SÄengc  *Per[onen  gur  ^Bewaffnung  veranlagten. 

9m  8.  3»li  famen  8anb  unb  Stäbte  in  (Herlifc  jufam* 
mcn.  Sie  einigten  ftd)  bort  über  eine  Heerfahrt  nad)  Böh- 
men r  $u  weiter  bie  Lüftungen  um  fo  crnftlidjcr  betrieben 
würben,  alfl  in  r>emfelben  Senate  Xrupven  bc*  Äönig'd  ©eorfl 
in1*  ?anb  brangen.  lieber  biefe  (Sreigniffe  finbet  ftd)  nid)t$  weiter 
augegeben,  altf  bafj  ben  ©brlifcern  bet  rug  100Sd)orf2K%. 
foftete.  CDie  Dberlauft&er  bebten  einige  botymifdie  Scblöffer, 
nid>t  minber,  wie  fdjon  angegeben,  bie  tfaubeöfrone;  Ratten 
audj  eine  Vfn^ar>l  fogenaimter  Jlreu^iger  in  ifyrem  Solbe. 

3m  9luguft  fiel  Djerba  v.  ll$f  mit  pobiebrabifeften  Sd)aa* 
ren  in  bie  Dberlauftfc.  2lm  29.  2lnguft  fyatte  ber  l'anbvoigt 
3aro$law  v.  Steruberg  gegen  4000  s3)Jann  beifammc»,  mit 
we(d>en  er  bie  böt)mifd)en  Öuei^lanbe  verwüftete.  3)ie$  ver* 
anlaste  ben  Senkel  Djerba  v.  ll$f,  gelir  v.  Sfafl,  5kuefd) 
v.  (Setowrat  (früheren  l'anbvoigt),  (iinen  v.  SWidjelöberg, 
^ctnri$  unb  3droölaw  von  ber  £uba  $u  einer  (hwieberung. 
Sie  rücfteu  am  8.  September  aHf  bic  jittau'fcfyen  3>örfer  unb 
verbrannten  mebrere  berfclbeu.  i>ie  in  ÖJörlitj  faum  cntlajfe* 
neu  Sölbuer  unb  Seifigen  würben  batyet  eiligst  wieber  ange- 
worben. 

S)ie  :Kitteriduut  im  baufctter  Jfcreife  blieb  anfänglich  bem 
Könige  treu,  unb  beffen  beftcr  Slnbänger,  9tteldjior  v.  gdben, 
r)ielt  bad  SdjJtojj  ,£>over$werba  befe$t.  $or  btefec*  <5ctylo0 
jog  ber  ganbvoigt,  alö  im  September  bie  Böhmen  au0  bem 
Vvinbc  gefcfylagen  waren.  Tic  Wannt clmft  ber  Start  Ölprlifc 
führte  'Öartbolomäutf  §irfd)berg  al#  Dberfler  mib  3 o  bann 
Stereitfy  begleitete  tfjn.    Sc^on  am  20.  (Sept.  lag  man  vor 


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199 

Deut  ScMeffe,  wa$  ebeufo  tapfer  vertbeibigt,  ald  mit  großem 
^erlufte  vergeblia>  beftürmt  würbe. 

i>üß  bic  (Eroberung  bamald  nid)t  bewerfßetttgt  werben 
fonnte,  glitte  feinen  @*runb  in  einem  neuen  Einfall  ber  fönig* 
liefen  Gruppen,  welcher  bie  Dberlauftyei  jwang,  einen  großen 
Ztytii  ber  vor  Dem  ©d>loffe  liegenben  s)Wannfd)aft,  *um  ©d)u&e 
be$  £aubeei  von  ^operdnuuta  weguniefjen,  unb  fo  bie  Sela- 
gerung  in  eine  einfache  (£infdjltefmtig  \\\  verwanbeln.  Sei 
ftnfunft  ber  i'oinn.uT  jog  litt)  ber  geinb  wteber  utrücf;  jene 
Drangen  ihm  aber  jtaa)  unb  eroberten  $abe(.  (Sine  neue 
böbmifaV  vH\i;;ta  im  Neonate  November  wurDe  bmd)  bie  3tt* 
tauer  allein  geradjt.  ©it  fonnten  feine  Unterftüfcung  erbalten, 
weil  Die  anberen  ©täbte  ben  «£>er$og  von  ©agau  befrtegten; 
verfolgten  baber  bie  Setnbe,  benen  fte  gewadjfen  waren,  legten 
jid>  in  einen  £interbalt,  erfaMugen  150  SMann  ber  ©egner, 
ltitD  nahmen  ihnen  ben  ganzen  mawb  wieber  ab. 

«£>er$og  £anfl  v.  ©agan  war  ein  gremtb  befl  J*önig0; 
er  fa)irfte  ber  bau fener  Gittert  d^aft  ^tlförruppen  nad)  Jg>ot?ev6- 
werDa,  wedtyalb  il)m  grieDvid>  i\  Siberftetn  auf  gorfle  ab- 
fagte  unb  in  bafl  ©aganer  (Gebiet  jog.  -öerjog  <£>and  antwor- 
tete baburd),  baß  er  fowobl  an  tbn,  ald  an  beffen  Sunbeäge* 
noffen,  bie  Dberlaufrner,  ben  geboebrief  erließ.  Xeöfyalb  jogen 
Die  Dberlauft^er  $Witte  November  1467  mit  4peere0maa)t  vor 
©agan  unb  nötigten  am  18.  November  ben  £er$og  ^an(? 
fict>  m  ergeben. 

Um  19.  November  fam  Dura)  ^ermittelung  be$  jtonfgt 
von  %hkn  ein  Waffen  fh  Uftanb  jwifdjen  Äönig  ©eorg  unb 
ben  Nebelten  \\\  ©tanDe,  weldjer  bie»  $um  25.  3«nuar  1468 
auegeDehnt  warb. 

Km  ©cblujTe  be*  3abiea  ernannte  ber  päpftlid?e  öegat 
Sifajof  ^Kubolpb  von  £avant,  ber  fta)  in  Ermangelung  an* 
berer  Sluftorifäten  al$  ^)ctrfa)er  ber  l'auftfc  betrachtete ,  ben 
3aro6law  v.  ©ternberg  Definitiv  $um:  „SanDvoigte". 

Slucfj  int  3.  1468  blieb  ber  *papfi  geinb  DeS  Jföntg* 
®eorg;  fomit  audi  Die  fatbolifa)  geftnnten  Dberlaufifcer. 
©ie  Weinten  ftd)  in  <$örli&  mit  ben  ©djlefiern  ui  einem 
©d)u£=  unb  $m$bfinbniß.  Eine  gemetnfaine  ^eerfatyrt  nad) 
Seemen,  wofelbjt  man  bis  Xurnau  vorritefte,  lief  jebodj  ungfäcf; 
litt)  ab;  ein  itorpä  ber  Skrbünbetcn  warb  von  ben  Söhnten  an 
ber  3fot  gcfdjlagen  unb  wetyrenb  eine«  vom  Soigte  3<w$law 


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200 


v.  ©ternberg  abgefcMoffeuen  SBaffcnfti H fta nbed  jerftreute  ftd) 
ba$  Jqccx,  bei  weldjem  250  görlt&cr  ftuttfnedjtc  unb  eine  an- 
gemeftene  6d)aar  Leiter  qeftanteti  hatten. 

1468  tarn  «fiönig  s2)(\ittl)iao  von  Ungarn  nactj  £dn*eften; 
er  trat  in  Unterhandlungen  mit  ben  c täuben  £d>lefteu$  unb 
ber  Dberlauftfc,  unb  machte  feine  9Infprii<f>c  auf  bie  böhmifd)c 
Jtrone  geltenb.  3l'f)^^  Ücp  Wattbiac*  ein  »£>eer  in  fahren 
cinrürfen,  weldjeö  vor  DUmüfc  jog  nnb  ben  Äonig  Georg 
von  ^obiebrab  fo  befebäftigte,  baß  er  alle  feine  «£>rif6vö(fer 
vereinigen  mußte;  biefer  llmftanb  gemährte  ben  £>berlauft&ern 
*Dhiße  *ur  Chreberung  befl  ©cbloffeä  «öoveröwerba ,  befl  legten 


v.  Söartcmberg  auf  letfdjen  im  Anfang  ?(itguft  battc  man 
nid)t  beachtet;  fiel  aber  nunmehr,  burd)  fwveröwerba'6  <Stlt* 
nafjme  wefentlicb  freier  in  ben  Bewegungen,  in  baä  ©artein 
berger  (Gebiet,  unb  rid)tetc  bafelbft  viele  $$erwüftungen  an. 
Milien  balb  abgefd)lo|7enen  2L*affenftülftanb  fünbigten  bie  von 
5£artemberg  im  Januar  1469  wieber,  um  it)rerfeiteJ  biegebbe 
fortüufe^en. 

Ifttf  bem  ftitrftentage  flu  tfieguifc,  1469,  waren  ascb  bie 
©örlifcer  vertreten.  6ie  befdjloffen  bie  sltertbetbigung$anjta((en 
unb  Lüftungen  triebt  flu  vernadjläfftgeu.  Die  £anbe$frone  blieb 
befent  ;  aud)  frifcfye  ©ölbner  würben  angenommen. 

Watt)  ben  görlifcer  !)tatl)$ied?nungeit  muß  am  1.  SDtai 
1469  ein  3«8  na(*)  8öl)meit  ftattgefunbeu  l)aben;  bod)  ift 
nur  riefe  einzige  dloth  befattut. 

Befaimtlicb  WHrbc  in  biefem  3al)re  von  (Meerg'S  Gegen- 
partei Zeitig  Watthiao  von  Ungarn  jutn  böfymifcfyen  Könige 
gewählt;  er  ging  nad}  33reölau,  um  ftd)  von  ben  fd)leftfd)en 
Stäuben  ljulbigen  ju  (äffen  unb  berief  bortfyin  aud)  bie  £%r* 
lauft&er,  weld)c  nacb  einigen  cebwierigfeiten  ben  «Ijpulbtgungä 
eib  am  1.  s))lai  1469  ablegten. 

Die  8tabt  Görlifc  war  alö  ber  fejtcfte  ^utift  in  bei 
£)berlauftfc  bem  Äontg  Georg  von  großer  3Bid}ttgfeit;  bat)er 
bie  vielfachen  9tnfc^läge  feinet  «£>ofe6,  biefelbe  burdt)  33ranb  ui 
verberben.  (Sin  neuer  s£erfud)  würbe  am  1.  ftuguft  1469 
bur(t)  ben  gorlifcer  6tabtfcbreiber  M.  3ob.  grauenbiirg,  von 
£iegni$  aus  enttedt  unb  bem  iRatfyc  ju  Görlife  gemclbet,  ber 
feine  <Sicberbeittfmaßregeln  traf. 

Der  9lnfd}lag  folltc  in  Ütobinbung  ftefycn  mit  einem  Gin- 


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201 


falle  DeS  ^erjcq  Heinrich  r.  Sttünfterberg,  6ehn  De*  tfönig* 
©ecrg,  in  Die  Ctofattfa  Der  im  ttngiift  1469  gefcbal).  Km 
31.  Suiguft  ftanD  Der  !$c\\q<\  bei  Zittau,  unD  nahm  feinen 
2Beg  ren  Dort  über  £fm£,  £eiDenberg,  £dn>nberg,  n>eld)c 
£ertcf)en  verbrannt  wurDen,  nad>  Vauban.  Tiefer  JÖrt  warb, 
glürfüchenoeife  ebne  tfrfcfg,  mit  ^ranDpfeilen  befdjcjfen,  3» 
Der  9fad)t  fielen  Die  Vaufi$er  au*,  überrafd)ten  Den  bei  Der 
6chreibcr;$Jcur;le  gelagerten  in  £id)erbeit  gewiegten  8Wnb  unD 
feblugen  ihn  in  Die  gludn.  $)er  »öer;og  nahm  feinen  ?lb;itg 
nach  ^HnUan,  fo  Dap  (Merlifc  nidrt  "von  "  ü)m  beunruhigt  warD. 

Tic  gortfebritte,  wcld)e  im  3.  1470  Da*  £eer  De* 
mg*  SWartbia*  gegen  (Mecrg  i\  ^oDiebrab*  Truppen  machte, 
liepen  Die  Sabrfd)einlid>feit  nidu  ui  fern  liegen,  Die  über- 
laaftfc  fönne  Der  .tfriegefcbauplafc  werben.  Teoljalb  warb  in 
©cilie,  weld>e*  ohnehin  Truppen  nacb  8a)lefien  feuDeu  mupte, 
eine  neue  ^rtbeibigung*orDnung  errid)tet. 

I.  9lnf  Dem  9iif clatatertel 

„Älif  Dem  Thurm  ftebet  eine  Jarra6büd)fe,  eine  Stein*  • 
büchfe,  jwei  ga|?  $ufocr,  2  93ücbfen  nnD  2  halbe  9ucbfcn, 
nebft  13  9)fann.  —  Sil  Dem  Tbore  ift  tforenj  ÖolDfchmiDt 
Hauptmann.  l*r  bat  bei  fty  2  .£>ufrei&en  (Kanonen),  1  gafi 
^ulrer;  auf  Dem  Tbore  eine  halbe  93üd)fe  unD  2  $anft' 
büchfen,  2  33iid)fenmeifter  nnD  6  Wann,  Darunter  Dr.  *tfin* 
rentiu*.  —  Auf  Der  neuen  Skfiei  in  Der  £uni&  ift  ^aul  Jei- 
mann ■Weiftep  bei  ihm  ftebt  1  Süchfenmeifter,  2  ,£>ufrei&en, 
2  gaj?  ^utoer,  1  £cbreiubucr/fe  (fleht  ©efdnifc),  2  fruit* 
büchfen,  fowie  9  Wann.  —  Kit  Dem  3<June  unter  Der  &aftei 
ftebt  al*  Hauptmann:  s^eter  ©ottfcrmlgf  nebft  7  Wann.  — 
3n>if<hen  9?aftei,  Der  Teicbmüble  nnD  Dem  Tfyorc  ftcf>t 
®en*<l  tfonrftD  nebft  11  Wann.  —  Sluf  Der  $aftci  hinter 
Der  Teid)müble  tft  Wartiu  Trogfcfyeerer  Hauptmann.  (*r  !>at 
bei  ftd)  10  Wann,  1  #üc$fenmeifier,  1  £ufrei&,  1  8<tf  %}nU 
per,  1  6d)retnbtichfe  unD  2  ,£>anbbndjfen.  —  &n  Der  Pforte 
hinter  Dem  £ofe*):  Weifter  3ofoff  C%lDfcbmiDt  al*  Hauptmann 
mit  10  'Jlerjenen.  —  Äuf  Der  SBaftei  hinter  Dem  ^efc  }tt< 
ndchft  Der  ^otrjergaffe:  2lnbrea*  görfter  nebft  l  3$ttcbfenmeifter, 
9  Wann,  1  £ufreifc,  1  gafi  $ufoer,  1  €cr;reinbüd)fe  unb 
2  £anDbüchfen. 


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♦ 


202 


II.  Stuf  bem  ftetfit>iertel. 

Huf  bem  SRciftbuimc:  13*Jkrfonen  unb  1  $ud?fenmeifter, 
nebft  jn>ei  8d>retnbud)fen  uub  einer  falben  (Ecfyreinbücbfe.  — 
Hm  Xbore:  ^eter  ^ermann  afä -Hauptmann  nebft  14  Wann. 
Huf  ber  Erliefe  unb  bei  ber  Sabcftubc:  sJ*eter  «£>ent  nebf*  11 
Wann,  welche  2  4jufrei($  unb  auf  ber  29abcftube  eine  fyalbe 
(scbreinbücbfe  bei  ?td)  fjaben.  —  Huf  ber  'öaftei  vor  ber 
Wühle:  Wfolaufl  £d)ulj  nebft  7  Staun,  1  8üa)fenmciftcr,  1 
%a$  $ufoer.  —  Huf  ber  tfirtfjc  uub  bem £o£pital :  ber 
Äürfdjner  3twr,  Hauptmann,  nebft  9  Wann.  —  Auf  ber 
nädjften  öaftei  bei  bem  ßatylnjor:  Senjel  Staronann  nebft 
7  Wann,  einem  Säätfeitmrifter,  1  $ufrei$,  1  gaß  ^ufoer, 

I  e^irmbitcftfc  unb  2  £anbbürtfen.  -  Huf  ber  #afki,  bie 
oben  mit  $cluwrf  aufyefcbroten  ift:  Wtfel  Äretfcbmar  nebfi 

II  Wann,  1  s£ücbfenmeifter,  1  €d)trmbiid)fe  unb  2v$anfc* 
bud)fett  —  Huf  ber  f leinen  haftet  wnäebft  ber  großen,  voo 
ftd)  ba$  Xeiffrtertd  voenbet:  ^etcr  Wnbner  mit  7  Wann,  1 
£ufrei$,  1  €djirmb«d)fe  unb  2  ^anbbücbfen. 

III.  Unferer  lieben  Stauen -Viertel. 

Huf  bem  2()urm:  18  *Perfonen,  1  Iborbücbfe,  1  £ufrei$, 
jwet  gafc  ^Uitoer,  2  6d>rcinbüd)frn,  l  £anbbwd>fe.  Hm 
ifyore:  Skltbafar  l'anbretter  nebfit  2  ^wbfenmeiftern  unb  18 
Wann,  2  Jjjufrttyen,  8  gaß  ^utoer;  auf  bem  Xbiore:  1  £iif* 
reifc,  1  6d)reinbüa)fe  unb  2  4?anbbüd)fen.  3w»fdj*n  bem , 
Sbjcre  unb  ber  rotben  Saftei :  3of)ann  Snttner  nebft  10  Wann. 
Huf  ber  rotben  sBajtei:  9tif.  £d)oU  mit  8  Wann,  1  Surfen* 
meifter,  1  ^ufreuj,  1  gaß  $ufoer,  1  6(^rcinbiid)fe  unb  2 
£anbbüa)fcn.  Huf  bem  Salle  tieft**  ber  Pforte:  Hnbrea* 
tfunfce  nebft  8  Wann.  —  Huf  ber  haftet  wnädjjt  ber  Pforte: 
Wicbael  ^dnifflev  unb  10  Wann,  1  £ufrei6,  1  ga*  $ul*er, 
1  6d)reinbüd)fe  unb  2  6anbbüa>fcn.  —  Huf  ber  näd)ffrn 
öaftei  barnaa):  Stephan  Welver  nebft  9  Wann,  1  £ufreie, 
1  gaß  Pulver,  1  e*retnbüd>fe  unb  2  £anbbüd>fen.  —  Huf 
ber  großen  haftet  mit  ber  flehten  (Pforte):  £an$  Jftrebbof 
unb  11  Wann,  1  $üd)fenmetftcr,  !  Sarradbüdjfe,  2  $nf* 
reiben,  3  goß  itafoer,  2  cd)retnbüd)fen  unb  2  $aubb«4feu; 
auf  ber  flcttteti  haftet  baneben  2  6d)reinbüd)fciL  —  3KrifdKtt 
bem  grauentbjore  unb  ber  3Mftatt:  <8tetmer  mit  8  Wann.  — 
Huf  ber  haftet  auf  ber  3ielftatt:  3ecuff  3*uigeKi<fel  uitb  10 


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203 


Wann.  —  3tvifc6en  ber  3friftatt,  haftet  unb  bem  reiben* 
baa)er  Ihcre:  €welltge  nebft  9  Wann. 

IV.  fteid>enbad>cr  Viertel, 
gnf  bem  Sburme:  13  Wann,  1  Xarraflbücbfe,  2  ftaf? 
Pulver,  4  tscftreinbficbfeit  Hitb  I  £ufrei&.  —  $lm  Ibcre: 
^iflafl  $igmaiiit  mit  pt*i  $ucr»fenmciftern  unb  9  Wann; 
an?  bem  Sljor:  2  ^ufrei&en,  2  6<breinbüd>fen  nnb  2  £anb> 
biicbicn.  —  Huf  bem  Safe  innädjft  bem  Ibore:  i&eorg  $re* 
nMg  nnb  13  Wann.  —  3unäd>ft  Weifter  $an*  JTanneqiefrcr* 
£aufe:  Wartin  ftitttbel  nebfit  10  Wann.  —  «uf  ber  «einen 
Satfei  ^Hnäcfifl  ber  großen:  Simon  gtfbart  nebfr  10  Wann, 
I  €$reinbüd>fe  Hnb  2  £aiibbüa)fen.  —  «uf  ber  großen  nenen 
»aflei:  i<etru*  6dm>ofbeim  nnb  10  Wann,  1  tarraöbudM'e, 

I  $aü  ^utver,  2  £nfrei*en  mit  2  gap  Pulver,  3  €d>rein* 
buchten  nnb  2  £aifbbüa>fen.  —  Auf  ber  Keinen  haftet  vr*i: 
fdKii  oer  großen  $aftei  unb  ber  (irbwebr  (ba*  jefcige  £en* 
magern  auf  bem  grünen  Giraten):  Widjael  Weumanit  mit 

II  Wann,  1  €d)reinbucbfe  unb  2  £anbbüd)fen.  -  3wifa)eu 
ber  $ajiei  iunad>ft  ber  £rbwel)r:  Wncentiuö  Sdmmann,  1 
8üdN«tmeij!er  uno  H  Wann.  -  «uf  ber  haftet  *nncicr;ft  ber 
(Sroioebr:  $aul  (%od>  unb  8  Wann.  —  «nf  ber  leftteu  »a* 
ftelam  3aune;  Wattige«  Pfeffer,  I  Sücbfenmeifter  nnb  8  Wann, 
1  ^ufreifc,  1  gaß  $utoer,  2  ecbreinbudifen  unb  2  &anb* 
büebfen.  —  Die  übrigen  £auotleute  waten:  $eter  Wann, 
bem  7,  Wide!  Stifter,  bem  9,  £an*  Sift,  bem  5,  unb  ^etcr 
^e&olb,  wm  8  Wann  \\\  lebete  ftanben." 

Xic  ctabt  war  fonadj  im  %  147«  gefaxt  burd)  21 
Safteten  nnb  Sbürme,  mit  einer  täglichen  SHacbe  oon  355 
Wann,  unter  33  £auptleuten,  Denen  17  $ücf)fenmetfter,  33 
&anbbüa)fen  umv68  £twf  größere*  unt>  Heinere*  <*tcfd)üft  ui 
Gebote  ftanben. 

(*in  3wift  ber  Statt  mit  ber  görü*er  toeitfritterfebaft 
warb  in  gütlicher  SBeife  beigelegt. 

3m  3.  1471  ftarb  jwar  flönkj  Georg,  unb  b&te  biefer 
S^bfifafl  bie  Unruhe  beilegen  ftmncn,  wenn  ber  anbang  «*ö* 
nig  fleorg'*  bie  ®at)l  be*  Wartbiad  anerfannt  bjätte;  bie* 
qejebab  jebod>  nicht;  welmeljr  tvihftc  bie  bufttffa)  gefmnte 
Partei:  ©fabi$lan>,  Sohn  Äbma  eaftmir*  s.  $p(en. 

önig  Wattbta*  fe^te  ben  $oigt,  3aro*law  o.  6terftberg, 
ab  unb  bejtimmtc  jum  neuen  fcmbvoigte  £er§og  griebria> 


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204 


t>.  Stegnifr,  welcher  trofc  anfänglichen  SBiberftrebenS  bcr  ©er- 
Itfeer  am  14.  gebruar  1471  |ii  3kufcen  tnftaUtrt  warb.  Der 
£egat  Bifchof  Ötubolph  t?.  £a»ant  hatte  auch  bei  biefer  Ange- 
legenheit feine  £anb  im  spiele. 

Die  ©örli^er  blieben  mit  Den  anbern  £l>erlanftfcerii  bem 
Jtönige  »atthia*  aud)  nach,  bei  5^ahC  be$  MabiSlaud  ;u 
*lkag  treu,  unb  ftellten  bem  äenige  »annfehaften  *u  feinem 
£eere  in  8d?Iefien.  Daä  fcanb  mürbe  im  3-  1472  wieber 
ernftlich  beläjtigt. 

3m  3.  1468  war  nämlid)  Urban  ßmmetich,  ein  görltfcer 
Bürger,  oonbem  o.  hartem  berg  gefangen,  aberburch^ermtttelung 
be6  tyckr  t>.  ©eräborf  auf  Äamnifc  gegen  eine  ^3ürgfd>aft  »on 
300  6d>orf  eutlaffen  werben.  Da  (Smmerid)  nia)t  jahlte, 
mußte  s#ttcx  ©ertfborf  bafür  auffommen,  welctter  (öfteren 
öfter  gemannt,  aber  nia)ttf  erhalten  hatte,  weshalb  er  mit  X\u 
beren  oom  «bei  ber  £tabt  gehbebriefe  fd)irftc.  Dod)  ehe  ed 
Uim  tfoöfchlagen  fam,  manlaßte  ber  Rath  ju  @*örli&  ben  Ur* 
ban  (Emmerich       3«hlung,  woburd)  sMc*  beteiligt  warb. 

mit  benen  w  ^artemberg  warb  am  11.  Ȋr?  1472  ein 
griebe  abgesoffen. 

3n  biefe*  3ahv  fällt  auch  ber  Raubzug  eines  gewiffen 
Smtrftfcft)  ober  6chmirft$  in  bie  Cberlauftfc,  weldjer  tfornehm* 
lid)  ben  Dorf ern  ber  6tabt  ©örlifc  großen  Radtfheil  bereitete. 

Die  fdbon  im  £erbft  be*  3a^rcö  1472  wieber  aufgenom- 
menen griebentf unterhanblnngen,  würben  1473  auf  ben  lagen 
&u  Reiße  unb  Dppau  fortgelegt,  gewährten  aber  feine  (Erho- 
lung, ba  tu*wifd)en  bie  nun  müßigen  Reiftgen  mit  ben  66lb- 
nern  im  *!anbe  umherzogen,  bafelbft  branbfd>afcten  unb  plün* 
berten,  um  ftd)  auf  ben  gall,  baß  wieber  eine  einheitliche, 
mächtige  (Gewalt  im  Sanbc  auffäme,  fomit  eine  georbnete  Re- 
gierung gebilbet  würbe,  cie  Saften  ju  fUcnJ 

«ud)  ©wlffc  würbe  burd)  folche  Veutc  nicht  wenig  beliv 
ftigt,  unb  inflbefonbere  oon  Böhmen,  bem  beftänbigen  (%en^- 
heerbe  ber  Unorbnung,  Hnter  ben  ^Baffen  gehalten.  Die  Räuber 
fanben  bei  Heinrich  <5a)of  ju  €cr/loß  Sfal,  bei  benen  r>.  9Bar< 
temberg  auf  Setfdien,  bem  Burggrafen  t>.  Dohna  *h  (Streifen* 
ftein  unt>  ben  Strien  *>.  Duba  *u  Mpt  gute  3uflucht. 
WS  ihre  greunbc  werben  befonbere*  bie  6traßcnplacfer  Rifol 
unb  ®eorg  („bie  tfitfeher")  genannt,  »an  mußte  auf  £er* 
*og  griebner?'*  *.  ftegntfc  »efe^l,  wieber  bie  Sanbetfrone  \>v 

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205 


fe&cn.  —  3m  £erbfte  wirb  barüber  geflagt,  baß  viele  ^larfer 
im  ©ebiet  berer  v.  SBiberftein  gebulbet  würben. 

1474  fuct>te  man  fia)  in  ©örlift  gegen  mutwillige  $ranb* 
ftiftungen  f)erumfd)weifenbcr  3knben  bind)  große  (Gräben  unb 
mäajtige  ^Uifabenjänne  um  bic  Statt  $a  fdni&en.  41  5>otf* 
fdiaften  würben  von  ber  <Stabt  ba*u  aufgeboten  unb  l)abcn 
3742  dauern,  340  ©ärtner,  unb  794  Jr>a uenrirtbe  ber  6tabt 
baran  gearbeitet  3)iefe  SÄajjregel  erwies  fia)  alä  fel)r  jwerf* 
mäßig,  ba  ein  Äorptf  Ungarn,  vom  Äönig  Watihiao  bei  IV 
ginn  biefeö  Äriegefl  in  £d)lefteu  wiber  i;>er$og  $Ubrea)t  ge? 
fdjitft,  bie  Dberlaufifc  burdjjog.  2)iefe  Leiter  werben  Weisen 
ober  Strien  in  ben  bamaligeu  3al)rbüd)ern  genannt,  lieber- 
biee  ruhten  aud)  bie  böl>mifd)en  l'anbefbefdjabiger  nta)t  unb 
burdMtt tifieu  merjrfad)  bie  Dberlaufifc. 

1)a$  3abr  1475  braute  einen  neuen  8anbvoigt,  Stephan 
v.  3aPl>^a/  ©rafeu  3»P^/  a^er  feine  sJtuf)e;  beim  fo* 
wol)l  fdjleftfdje  alä  böfymifdte  Näuberbanben  machten  fia)  be* 
merflid).  3m  3.  1 1Tti  mad)te  ftd>  befouberä  unuity:  £anä 
v.  Clöui$  auf  Hemberg  in  Böhmen.  (5t  jog  mit  5  ©efellen 
feineä  ©elid)tertf,  angeblid),  weil  il)m  Äöuig  sJOtattfyia0  nodjj 
©elb  fcfyulbig  fei,  in  bie  Oberlaufs,  unb  plünberte  befonberä 
Crtfdjaften  beä  görlijjer  Greifes,  wie:  Jtüppcr,  Seibenbeig, 
Cber  föubelöborf,  ^eubnifc.  3w  «jpalbcuborf  erfdjlugen  tiefe  ©e* 
feilen  ben  !Rid>ter :  3afob  ©olbbaa).  €päter  trat,  ba  Difc 
ni$  einen  Zugriff  ber  ftd)  rüftenben  Oberlautf&er  auf  fein 
6d)loß  Hemberg  befürdjtete,  ein  SBaffenfHillftanb  ein,  weldjer 
fia)  enblia)  in  grieben  verwaubelte. 

2(utf  einem  3uge  in  bie  s)tieberlauft&,  ju  weidjem  bie 
6ed>öftäbte  burd)  ben  bortigeu  Vaubvoigt  v.  fcöbeu  aufgefor* 
bert  waren,  würbe  im  3-  1477  nidjttf,  weil  man  v)cad)ria)ten 
batte,  baß  ber  vom  tfaifer  anerfannte  Äönig  Sülabielauä,  ftd) 
rufte,  bie  6ea>3fiabte  jum  ©efyorfam  §n  jwingen.  £eiu  ©e* 
neral,  4>einrid)  v.  emirfi&fy,  beffen  oben  fa)on  einmal  gebaut 
würbe,  fam  in  ber  Sftat  mit  3000  ^aun  in  bie  Dberlauftfc, 
belagerte  fcöbau  frua)tlo$,  verwüstete  Den  bau&ner  Jtieiä  unb 
erfaßten  am  3.  3uni  vor  ©örlifr;  bort  verlangte  er  ein 
Sdjafcgelb  von  6000  ©ulbeu,  weldje  Summe  ii)m  bie  \x>o\)U 
bewehrte  trofcige  £tabt  abfdjlug.  Dafür  Raufte  er  graufam 
auf  ben  ötabtgütern.    m*  tynen  Äönig  ^att^iao  bie  (ix> 


üigitiz 


206 

laubniß  erteilt,  mit  ben  »tymeii      J«  »ertragen,  traten  fie 
tem  Vertrage      Braunau  bei. 

Die  wecbfelnbe  ^olitif  beä  fdjwadjeu  iratjerö,  gnebricf;  III., 
scrwirfelte  bie  BuftäuDe  von  Beuern.  Säbrenb  er  furje  3eit 
»orber  äönig  ^labtelau*  mit  Lohmen  belehnt  hatte,  über* 
trua  er  biefe,  Jironc  wieber  an  9)taül)iaö,  unb  äöntg  Diablo* 
lau*  aerietb'mit  feinen  Anhängern  im  3-  1478  in  ben  »ann. 

(iHütflicherweife  fam  am  23.  »Ära  1478  jwiföen  tfonig 
Sölabielauä  unb  Matthias  ein  griebeu  ui  ©taube,  woburd)  aud) 
Die  $crfaABfeific  in  ber  Oberlaufifc  properen  ^eftanb  gewannen. 

$alb  beim  anfange  beä  3abreö  1478  famen  bie  (Dor* 
Ü&er  in  einen  Streit  mit  einem  fd)lcjifd)en  bitter  ».  fernen, 
ber  fte  befeuere  nnb  fdrtttfHiife  -  fcurd>  £inteil>alt  in  ihre 
Gewalt  geriet!).  $ie  '®t«M  ließ  ben|elben  erft  im  3-  1480 
nad)  weitläufigen  Unterhanbluugen  loö. 

Som  3  1478  bis  1490  waren  bie  überlaufner  Uutcrtba* 
ntn  be*  ftoitfa«  sWattl)ia^.  (Srft  1490  ging  bie^uwim  wie; 
ber  an  SMtynen  über.  Der  Straßenraub  ließ  nach,  je  mel)r 
fid)  unter  bem  tfaubüoigtc  ©eoTfl  vom  Stein  bie  Regierung 
befeftiate  (Siiijelue  gälle  von  Uebergriffcn  fehlten  md)t.  Süir 
befd)lieuen  biefeu  flbfd)iiitt,  beffen  gewifte  (Filiform igfeit  fid)  bei 
biefer  Smialgefchtd)te,  wenn  ein  getreue*  93ilb  ber  l)uftti|d>en 
Sirieu  unb  Unruhen  geboten  werben  follte,  nidn  oermeiben 
lieft,  mit  bem  genüge,  ben  bie  Stabt  CWrlifc  mit  ben  an* 
bereu  Sed)Sftabten  gegen  ben  £er$og  ^aiitf  ».  OJlogau  auf 
«Befehl  beä  tfönigö  ftatftift«  im  3.  1488  fuhren  muute*). 

$cm  «öerjog  £anä  in  ©logau  war  uämlid)  bind)  Ver- 
trag baS  güiftenthum  ©logau  nur  auf  fcebenojeit  uigefid)ert 
worben;  bemungeafyet  war  ber  £er*og  im  3.  1488  bemüht, 
baä  gürftentbum  an  feine  Xod)ter  *u  bringen,  unb  wollte  fcanb 
unb  Stabt  ©logau  zwingen,  feinen  Sd>wiegerföl)iien,  ben  brei 
Söhnen  be*  .öerjog*  £au$  v.  SRünfiterberg  ui  hulbigeu.  T>a* 
gab  *ie  tfofung  utr  gehbe  mit  bem  Könige  9)iattl)iatf,  welcher 
ein  Ärieg^aufgebot  in  bie  Dberlaufu)  ergehen  liefe,  in  golge 
beffen  WrliJ  bem  £erjoge  Ärieg  aufünbigte.  Die  »erbün* 
beten  £enöge  eröffneten  herauf  bie  geljbe  bannt,  baß  ne  al** 
balb  über  gorlifcer  ßaufmanuägut  auf  ben  Vaubftra|*en  I>ev* 
fielen  unb  fid)  beffelbeu  bemächtigten,  woburd)  bie  Stabt 

•)  Script,  rer.  Iiis.  N.  F.  H.  52  ff. 

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207 


großen  Schaben  fyattt,  bt*  bie  ^eerfa^rt  ;u  6tanbe  gefommen 
mar.  .König  SLUaciölau*  von  lohnten  unterjtüjjte  reit  ^ei- 
jog  Jg>aud  nur  ließ  ein  Jiorp*  von  3000  llNann  t»urct>  bie 
JOberlaiififc  gefyen,  roeld>eä  bei  SBunjlau  gefdUageu,  auf  bem 
iHiithvege  bad  tfanb  iehr  beunruhigte.  Der  Jtrieg  enbigte  mit 
tu  (Eroberung  von  ©logau  am  17.  November  1488. 

Vi iifuu  ©logau  wuroe  bamal*  greijtart,  £prottau,  Omni 
berq,  Siöartemberg  unb  6d)tviebu$  eingenommen,  tväbrcnb  ber 
Äönig  Martina*  baö  gürftenttjum  Wünfterberg  eroberte. 

/ 

Siebtes  SUpiUl. 

» 

Die  .fränbel  ber  6tabt  @örü$  mit  tveftpbälifctyen 
greiftüblen  ber  ^ebme.    Johann  v.  £une,  1428.  3o* 
Ijanu  «rnfitebe,  1445.    fceonljarb  Nutzer,  1455. 
Wiflad  Heller,  1490.*) 

Die  roe{tpf)älifd)en  greiftütyle  ber  s$ef)me  begannen,  feit 
bem  15.  3a l)ri) nubert,  mefyrfad),  S&erfudje  il>reu  (£influfl  über 
ben  ©oben  v3Beftpl)alenä  binaue,  ju  verbreiten.  Dlefe  S-Ber- 
jud>e  venoicfelten  Die  6ed)ö|*täDte,  inöbefonbere  ©örttj  in  weit* 
laufige  £äubel. 

Die  ältefte  (Spur  eineä  folgen  ($ingri|T$  in  bie  9ied)te 
unb  Privilegien  Der  6tabt  ©örlifr,  jinbet  ftd)  in  ben  töattyö 
redjnungeu  beim  iatyre  142b. 

Damale  Uib  ©raf  ^einfe  ober  ^cinvid)  t>e  (Bade,  bie 
8tabt  ©örli$  mit  ben  anberen  @tät>ten,  vor  Daä  l>eimlid)e 
©eridjt,  ;nm  Donnerstage  vor  Jlaibarina  (18.  November),  auf 
#nfud}en  beä  >baint  von  Vinn  ju  Jlöln,  per  an  bie*  £tÄDte 
wegen  ^einrieb*  von  Duba  auf  ^o^eräiveroa,  £(nfprüd)e  ut 
tyaben  behauptete.  Diefe  ^abuug  veranlagte,  ungead)tet  ber 
no heuten  .vnimeiigefafyr,  wiederholte  £täbtetage  jir  VoKni. 
Die  9iad)ri(öten  über  ben  weiteren  Verlauf  fcerfelben  (inb  bunfel*, 


•)  (Jrubcfiutf:  „*Bo\i  bem  ©crirfft^roangf  bfr  ft>etfH>älifd)en  fyrim* 
Hcfrfn  grttvjVrirfjtc"  ic.  «B<i  Dr.  *.  »nton,  biplmnali^e  «Beiträgf.  JfvJt 
1777.  p.  118. 


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208 


nur  fo  viel  ficht  feft,  bafj  mehrjährige  93erf)anbfungen  gepflo^ 
gen  fein  muffen,  ba  erft  am  19.  April  1433  $ernnarb  Dobe* 
fd)ii$  in  "Begleitung  einiger  Ruberer  nach  2hen*berg  gefd)icft 
würbe,  um  bic  Stäble  vor  bem  heimlichen  (iJeridjte  g«  ver- 
antworten, wae  um  fo  bringender  erfüllen,  alä  bereit  (Hirarb 
v.  Sure  eine  weite  Horlabung  erlaffcn  hatte.  (£iu  ^ibimuei  bc$ 
Äapitelö  vi  kauften  gibt  barüber  Aiiffchfatf,  bat*  bie  Stabtc  \ia) 
anberwärtä  *Red)t  gefud)t  hatten,  fomit  feineöwegä  bem  2fuä* 
fprudie  beö  heimlichen  (Bericht*  unbebingte  ®ültigfeit  juerfann 
ten.  Solche  Schreiben  gingen  aud>  bem  Äurfürftcn  ju  Äöln, 
fowie  ben  greigrafen  ju  Dortmunb  unb  Bremsberg  ju.  Die 
Senbuug  beä  Dobcfd)ü&  unb  (#euoffcn  fdjeint  übrigens  mehr 
bie  Grfuubigung  nad)  rem  eigentlichen  S&irfcn  beä  hcimlidjen 
(Mcrid)tö,  alä  Ancrfennung  beffelben,  be$wecft  ju  haben;  bod> 
erreid)te  Dobefchüfc  ebenfowenig  biete  Abficht,  alö  eine  anbere 
Senbuug  nad)  Söeftpbalen  unb  eine  britte  au  ba6  ^oflager 
]u  Weisen  genügende  Auffchlüffe  gewährte. 

3m  X  1445  lub  ein  gewiffer  Nonhoff,  greigraf  ber 
(Mraffd)aft  SiJalrecf,  bie  (*J6rli$cr  vor  fein  greigeridjt,  „unter 
ben  Viuben  ju  Saffenhaufen",  wegen  eined  gewiffen  Johann 
Arnftcbc.  Da  bie  Stadt  Arfurt  jenem  greiftuhle  näher  lag 
als  (Mortis  fdjrieb  ber  görlifccr  Dlatl)  an  ben  erfurter,  um  (Sr* 
funbigungeu  über  bie  Gewalt  unb  ben  (Sinfluff  einzuholen, 
mit  einer  Aufrage,  wie  fid)  bie  Stabt  Qjöilifc  am  heften  hierin 
verhalten  möchte.  Die  Antwort  beö  erfurter  !Natf)e*  vom 
18.  gebruar  1446  befagte:  „bafj  aud>  Arfurt  fd)ou  vielfach 
Durch  bie  heimlichen  greiftuhle  mit  s^orlabuugeu  geplagt  nnb 
in  enblofe  £änbel  verwirfelt  werben  fei.  (Sr|l,  nad)bem  |lc^ 
bie  Stadt  energifch  |ttr  sBel)r  gefefct  unb  biefen  heimlichen 
Stiftern  mit  (Sifer  unb  aller  9Äad)t  nachgefpürt  hätte,  habe 
man  9cuhc  vor  benfelben  gehabt.  Süaä  bie  beibeif  genannten 
s^erfonen  übrigenä  anbelange,  folle  bic  Stadt  unbeforgt  fein; 
beibe  waren  ganj  verworfene,  fdjledtfc  CMefeUen  unb  mit  ihrer 
angeblichen  "i)cad)t  fei  ee  nicht  weit  her.  Die  Stabt  (Arfurt 
würbe  baä  3hnge  thun,  um  Äeiber  Aufenthalt  ju  erftiuben. 
Sielen  fie  in  ihre  Gewalt,  fo  würben:  „genannter  Nonhoff 
unb  3ol)önn  Aruftebe  neun  güjje  l>öl>cr  beim  anbere  offen* 
bare  Diebe  hängen!"  Uebrigen  bäten  fie  bie  Stabt  (SJörlifc 
jur  eublidnMi  (Srreid)u::  j  oiefe$  um  ihren  Skiftanb."  ©in 
äßeitereö  finbet  ftd)  über  biefen  gaü  nicht  vor.    Die  3to<hfor; 


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209 


fd^ungen  (Srfurfä  muffen  erfolglos  gewefen  fein,  ba  Wonl)off 
alo  greigraf  nod)  im  3-  1 457  qebad?t  wirb. 

3ehn  3^ve  nad)  ber  leftten  3iorlabnng  vor  ein  l>eim* 
lid)ec  $eiid)t,  finbet  jld)  Der  Dritte  äbnlid)<  gall.  l'conbarb 
»Huihcr,  ein  nürnberger  Bürger,  f>arre  eine  ödjulbforberung  von 
300  ©ulben  an  3ofojf  i'ange,  Sürger  ;u  ©orlifc,  unb  ver> 
langte  von  fcefctereui  tu-  Gablung  ber  2  dwlb  nebtt  ben  3infen 
nur  @eri(bt0foften.  fieonharb  Wutha,  n> a I> r fcf ) e 1 1 1 1 i cf^  in  per 
Minium  befangen ,  burd)  5>orlabmig  eineö  $kbnn  ia)terd  werbe 
er  et) er  ;u  feinem  GJelbe  fommen,  wanMe  fid)  an  Johann  amc 
mann,  ber  fiO)  einen  „greigrafen  in  ber  frummen  <*)raffd)aft" 
nannte,  unb  Sefcterer  erlief  5)onnerftag6  vor  $?ariä  Reinigung 
(30.  3ömiar)  1455  an  ben  Wall)  ;u  (ftörltfe  eine  Babtmg,  worin 
er  bie  JahUin^  jener  <Eumme  an  $hit()er,  im  Weigerungen 
falle  aber  bie  ®efteüung  vor  feinen  greiftubl  $um  24,  April 
1455  verlangte.  3)iefeö  8 abreiben  beroirfte  einen  53rief  an 
ben  ÜRatf)  ju  Dürnberg,  in  welchem  ber  fHatl)  \i\  ©örlifc  an 
geigte,  ba£  wenn  (ta>  Wutha  au  ihn,  al£  bie  oi reniiiau-  £bxuy 
feit,  gewenbet  hätte,  bie  Angelegenheit  fa)on  längt*  befeitigt  fem 
würbe;  ber  iHatr>  \\\  Dürnberg  möge  batyer  feinen  Bürger  ver- 
anlaffen,  bie  (Sntfdieibung  ber  «Sache  in  @örli$  u\  fticfyeit,  in* 
t>em  ber  iRath  gu  ©brlifc  fta)  nid>t  baju  verfielen  tonne,  baß 
feine  Bürger  von  fremben  (Berichten  beunruhigt  würben. 

ÜBeranfaffttng  ju  bem  verwirfeltften  üRea>tel;anbel  biefer  tlrt 
gab  9Mlaö  Heller,  Bürger  <u  ©örli$. 

9tifla$  StteUer  war  angefd>ulbigt,  im  3ahrc  1 485  in 
feüfajaft  feiner  grau  unb  SNutter,  unter  3»Meh««g  *wt$  alten 
fcanbmamtd,  ftrafbare  3auberei  getrieben  ju  tyaben.  6r  würbe  tut* 
ter  Anflöge  gcjreüt,  ein  vor  ber  Haufe  geftorbeneS  Jiinb  a\\$* 
gegraben,  aue  bejfen  Armedf)öl)le,  inbem  er  felbigc  mit  2Bad*£ 
einer  Ofterferje  unb  äßeihraua)  füllte,  ein  £id)t  zubereitet,  foldjctf 
angejünbet  unb  bamit  vUubaa  geübt  }u  haben*).  Heller, 
längere  Seit  gefangen  gehalten,  geftanb  enblia)  im  £aufe  ber 
Unierfudmug,  wa$  (eine  &erurtheilung  jum  Hobe  $ur  golge  hatte. 

Auf  Antrag  beö  bamaligen  £anbvoigt$,  ©eorg  v.  (Stein, 
lie£  jid>  ber  9tath  ju  ©örlifr  bewegen,  ba$  Urtel  nicht  voll* 
jieben;  bcjrrafte  Stiflaö  Seiler  aber  mit  ber  Ad)t  unb  diujie^ 
bung  fämmtlidjer  ©üter.  • 


•)  N.  S.  r.  Lus.  II.  p.  361 
®<f*i4tc  »on  0srli|.    ,  14 


240 


JffieUer  begab  nd>  na*  93redlau,  erlangte  bort  bie  gtm 
tpradje  be*  9?atf>cd  Breslau  unb  ©iföof*  3or,ann  ».  ffiara* 
beui,  unb  glaubte  burdj  beffen  Skrwenbung  wieber  in  feine 
fled)te  unb  ©üter  altf  gödifter  Bürger  eingefefrt  werben  in 
fönnen.  Da  jebod)  fowoljl  ber  9tatl>*)  a(*  ber  Sifdjof  ».  $re$* 
lau  tu  golge  t>on  Sena^ridjtigungen  be*  gorlifcer  Äatheö 
über  bie  £ör;e  jene*  Steden*,  tljren  btdr>crtgcn  ©djüfclinq 
abtüteten,  gma  SBellcr  unmittelbar  au  ben  tafien  aetfUt(ben 
55^tJwJ  3nnoceng  ben  Vitt  Unter  ben  Grünten 
biefe*  ©efuctje*  führte  Heller  an,  baß  eö  if>m  nity  möglich 
fei,  un  ©ereile  ber  ee*«ftäbte  »ety  ju  erlangen,  nähern  er 
tu  einer  ber  ^ec^öftäbte  geästet  worben.  Der  $apfi  warb 
l)ierburd>  jum  (Srlajj  einer  $ulle,  d.  d.  Non.  Junii  (3.  3uni) 

1487  bewogen,  welche  bem  M.  Sodann  Gebiet  unb  beut  Sta* 
nonifu*  Dr.  ftifolau*  Saudjan  anbefahl: 

„bajj  fie  jene  Seute,  unter  bereu  ©eridjt  bie  Eeleibiger  (ber 
Saft  au  ©örlifc)  ftanbeu,  eifrig  ermahnen  moebten,  bem 
»Mau«  (Qßeller)  ©eretfrigfeit  wieberfaljren  ;u  laffen. 
Die  beiben  genannten  £errn  ^rieben  unterm  14.  «pril 

1488  an  ben  Sanbsoigt  ber  Oberlauf  mit  ber  Bufforberung, 
«Settern  pm  Gibe  be$  ©erbaut*  jujulaffen  unb  tym  fobann 
binnen  OTona^frift  *u  feinem  Üiedjte  ju  Reifen,  wibrigen* 
faife  He  bem  papftfi^rn  Befehle  gemäß,  fettfi  ba$u  gelungen 
fem  rourben.  D 

v  «  SfirÜ?  I^W™  Untergang  ergab  ft*  jebodj, 

bag  Sifla«  ffleUer  burd,  jene«  «erge&en  «  jty  fein  im 
faulte  ber  tfirdje  fei,  t>or  beffen  »ufbebung  jene  ^erren  in  feiner 
£ad)e  etwa*  ;u  t^un  außer  etanbe  waren.  Die  £o$ft>r*d)ung 
fonnte  aüein  burdj  ben  ^eiligen  «Bater  gegeben.  Detter  war 
beö^alb  t>on  Beuern  gezwungen,  fuf>  nad>  »om  an  ben  pcMt, 
toben  StuM \m  wenben,  wofelbft  er  au*  bur*  Ermittelung 
3uliar i«,  Sif^ofd  »on  £>jüat  munblid)  »on  bem  ^apfte  bie 
^ebung  be*  jpäpftli^en  Banne*  erlangte.  3ugleid)  trug 
ber  $atf  bem  ÄWof  3o$ann  »on  »redlau  bie  weitere  £2 
orberung  ber  tteller'fflen  Angelegenheit  auf.  Dem  £at$e  ,u 
«orli*  würbe  burd?  Dr.  Bifolauö  Zan^an  ber  nunmehrige 
6tanb  Hefe*  £anbel*  mitgeteilt  unb  berfelbe  na*  «Breslau 
twrgelaben, 

*)  N.  Rer.  Scr.  Lus.  II.  £.  20.  ftaf  @djwi*<n  ift  vom  17.  3uli  i486. 


< 


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£11 


Dodj  aud)  bie  tfommijfarien  Cießen  Beiert  ©adje  ganj 
faCTeu,  al*  Der  ^Watf>  }u  ©örlifc  fein  Skrfafyren  gerechtfertigt 
harte.  <£orcof)l  Die  päpfUt#en  Äommiffarien,  ale  Der  $ifd)of 
ui  ©reölau  unD  Der  SanDvoigt  ©eorge  v.  6tein  triefen  2Öel* 
lern  fo  beftimmt  ab,  Daj?  er  verjrceiflungävoll  fld)  an  Die  fyeim- 
lia)en  ©eridjte  ivenbete. 

2öeller'$  ffial^l  traf  Den  greiftuM  Bratfei  bei  Dortmund 
welken  3oI)ann  von  £ulfd>ebe,  Der  fta)  von  faiferliefcer  ©e* 
roalt  einen  gefyulbigten  greigrafen  Der  greigraffajaft  unD  De* 
greienftublä  )u  $ratfel  bei  Der  6raDt  DortmunD  nannte,  inne 
atte.  Der  greigraf  machte  Die  Saaje  anhängig  nnD  am 
.  Wai  1490  fano  man  ju  SuDivigtfborf  bei  2Öenael  @mme* 
ridj'S  Vorwerfe  Die  SBorlabung  am  äaune  ftetfen.  6ie 
lautete*). 

„SKjfet  ©eorg  (Smmeria),  ßanS  Jhia)el,  Ääffeler,  SaU 
tt>afar  Jtird)()of,  für  fämmtlid)c  Smgermeifter,  fnait),  «eltefte, 
©efdjroorene  nnD  ©emeine,  alle  (Simvoljner  unD  Bürger  mann* 
liefen  ®efd)led>td  über  afyjefjn  3af)r  alt  Der  etabt  ©örlifc, 
Dap  iefc,  3af)n  v.  £ulfa)eDe,  von  faiferlidjer  ®en?alt  ein  fttaV 
ter  unD  gefyulDigter  greigraf  Der  faiferlidjen  greigraffdjaftunDgrei* 
{tafcft  $rarfel  bei  Der  £tabtDortmunb,  auf  Ijeute,  am  Datum 
biefe*  Briefes  benfelben  greiftu^lju  Brarfel  befleibenb  unb  befi&enb 
mit  Urtel  unb  9*ea)i  auf  auSgefpannter  Bauf  naa)  altem  £erfom* 
men  unb  <£a$ung  beä  großen  ^eiligen  Äaiferä  Äarl  unb  Der  grei* 

Senate  9*ea)te,  wie  mir  juftefjet:  Dag  vor  mir  unD  bem  grei- 
uf)le  crfdjienen  ift  ber  befaeibene  Stiefel  ©eller,  ein  äa)ter 
greifdjöffe  be$  ^eiligen  KeiefyS  unb  fdjroer  über  (Sud)  ge- 
flaget,  n>a$  (Suren  2eib  unb  (5r)re  fefjr  l)od>  betrifft,  beSIjalb, 
weil  3fyr  tyu  innerhalb  (Surer  6tabt  ungebüfjrlia)  roiber 
*Recty6form  unb  ofync  irgenb  eine  <£et)ulb,  ergriffen,  in'$  ©e- 

Engnip  gefegt,  gentiftyanDclt,  böfe  angefdjulbigt,  über  tyn  ge- 
gen unb  einen  Ungläubigen  gefdjolten  fyabt,  ber  9(rifta)t,  i()n 
baburd)  um  feinen  #al6,  Öfyre  unb  guten  Warnen  $u  bringen. 

gerner,  baß  31?r  biejenigen,  bie  einen  folgen  ungläubig 
gefdjolten,  über  iijn  böfe  ^nfdjnlbigunaen  erbietet  unb  gelogen 
Ijaben,  wtewofyl  er  all'  ber  Dinge  nidft  fdjulbig  ift,  ungeftraft 
geladen,  t^n  überbie$  famint  Söeib  unb  Jtiubern  vertrieben,  il)r 
gefammte*  ©ut,  £au$,  £of,  9Jhif)le,  ©ärten  an  (Sud)  genom* 


N.  S.  r.  las.  II.  Seite  363. 

14* 

Digilif 


212 


mcn,  verfauft  uub  gefa>lo|7cn,  nad)  (£urem  uub  wiber  feinen 
3ßiUen,  weber  feinem  $cvoümäd)tia,teu  ot>er  fonft  3emaitbem 
Wtdjt  tyieriu  geben  wollt,  alfeö  wiber  ®ott,  (>brc  unt>  iXedrt; 
bat  berfelbc  Stöger  mit  weitern  (Sforen  vora,ebrad>t,  unb  ijt 
tiefe  Älage  bann  von  mir  mit  Uttel  unb  töed)t  für  ve&mge* 
eignet  unb  fdjicflia)  an  einem  greiftubl  rieten,  erfannt 
SJemnad}  fyat  berfelbe  Kläger  von  mir  ilrtcl  unb  9icd)t  ge= 
fud)t  (abegewonneu),  bap  id)  (5ud>  fämmtlia)  unb  (Sin&eht  vor 
®ericf)t  forbern  folle,  wie  föedjt  ift.  Deofyalb  gebiete  id>  CSua) 
vou  faiferticfyer  uut>  WnigUAet  (Gewalt  unt>  Wac^t  meinet 
Hinte«  unb  ber  greigeridjte,  in  Äraft  biefe*  ©riefe*,  bat*  3br 
fouttnt  unb  in  ^erfon  mit  (5urem  eigenen  fceibe  aebül)dia> 
lum  ©eridjt  uub  9iid>ter(>rud)  ber  Veute  beffelben  §rciftut>id 
$u  ©rarfei,  unb  |tt>ar  Wontag  nad)  5t.  ^ctri  tfettenfeier  nad) 
bem  Saturn  biefeä  33riefed,  (Sua)  &u  verantworten  mit  teurem 
Veib  unb  Safer  Qfijxt  vor  mir  unb  bem  greiftuble  gegen  ben* 
felben  Äläa,er  uub  feinen  bevoÜmäd)tigten  ^rofurator.  Soll- 
tet J>br  baö  nidjt  thun  uub  meine  fai|*erlia)e  (Gebote  veralten, 
mit  uWrfd>mäl)ung  ber  greigrritye,  uub  gebäcbte  bann  ber  Äla- 
ger  fernerhin  feine  Sadje  gerid)tlid)  $11  verfolgen,  fo  müßte  id) 
ober  ein  anberer  grct*jraf  in  meiner  6taot  über  (Sud)  ridrteu, 
wa$  Dtedjtene  wäre,  wonad)  jl)r  (£ua)  wetöfid)  *u  rieten 
fyabt.  begeben  unter  meinem  Siegel  auf  Montag  nad)  beä 
^eiligen  Jheujeä;2luffiubuug,  im  3al)rc  be*  £>errn  1490. 

3obann  v.  *£)uifd)ebe,  vou  faiferlidjer  ©cwalt  ge- 
billigter greigraf  ber  greigraffdjaft  unb  beö  faifer- 
Mmx  greiflup  i«  33ratfe(,  bei  Der  Stabt  £ort^ 
muub  gelegen. 

%n  (*teorg  Canmerid),  ^ane*  Jfud)cl,  33alt(jafar  JliraV 
bof,  8l6re4)t  Sporn  unb  eimon  ^poefeuer,  für  fämmtlidje 
Bürger,  9tatb,  Heltejte,  ßkfdjworcne  unb  gemeine  (Sin* 
woljner  uub  Bürger,  alle  weltlidje  ^unetyerfonrn  ber 
i£taM,  bie  über  aa)nef)u  3a|re  alt  ftub,  *iWiemaub  auc$- 
genommen,  bie  greifdjöffeu  uub,  meine  gHteu  greunbe, 
fo  ü  biefer  Sörief. 

Der  9tatl)  ju  ©örlifc  berichtete  biefen  Vorfall  an  ben 
2anbc$f)errn  Aonig  SBiabieUaw  von^öfymen  uub  bat  ilm,  bie 
Stabt  *u  unterteil  in  Skjug  auf  iljre  an  ben  greigrafen 
gegangene  $ücfäu|krung,  bau*  fte  jld)  vor  ein  auäfänbifdjeä 
CMeridjt  ntd)t  fteüeu  werbe,  ba  bic6  gäujlid)  wiber  ber  Stobt 


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213 


^Privilegien  unb  33egnabung  fein  würbe.  Died  gefdutf),  beer) 
ber  wcftyl)älifd)e  grctftHrjl  ju  33rarfcl,  beffen  ehemaliger  3n? 
[jaber  gefterbeu  unb  bind)  ©eorge  ^aefenberg  v.  Selmftein 
erfefct  werben  war,  lief*  fowofyl  «König  alä  6tabt  ohne  Antwort. 

Der  gerlificr  fUatt)  erfdn'cn  narürlid)  nirfjt  in  Srarfef, 
imb  Wtfcl  Seiler  erfjob  bafelbft  feine  tölage.  (£r  flagte  burd) 
feinen  SSorfprcdjcr  ben  föatfj  ui  ©örlifc  be6  llnger/orfamtf 
qegen  baä  it>eftp^cilifcf>c  ©eridn  an,  ftcllte  ba$  @efuct),  ben 
ftatrj  in  bic  (McriajtSpön,  $u  (Frftattung  ber  Unfoften  unb  betf 
Stabend  ut  verurtbeilcn ,  babei  nm  (yrlaubniji  bittenb,  feine 
Alagc  fortfefcen  $u  bürfen.  9iad)bcm  biefc  3Jorverr)anblung 
gefdjloffen,  wieberboltc  Seiler  feine  Älage,  unb  ftellte  ben  An- 
trag: baf?  itym  für  feine  bitter  erlittene  6d)maa),  Stäben 
unb  Sofien,  außer  bem  ^auptgutc,  5ÖO  Bulben  vom  ftatfyc 
tu  ©örlifc  vergütet  werben  foüien. 

Seiler  mußte  hierauf  entblößten  £aupte$  nieberfuien 
unb  einen  Gib  leifkn,  baß  er  mit  völligem  *Red)te  biefc 
Sortierung  an  bic  etabt  Wrli($  gcmad)t,  weisen  @ib  bie 
beiben  greifd>effcn  ifyrcrfcit*  a(e  einen  reinen  ßib  befebwu- 
reit,  unb  fomit  bcfrafttcjtctt.  £tcrauf  erfolgte  bic  $crurtl)eilung 
ber  ^orgeforberteu  von  OJörltfe  jum  (Srfa&c  be$  «jpauptguteö 
fcwerjl  al$  be?  ganjen  8d)aDcnö.  Dem  Urtcl  war  nod)  bie 
ttnrrefyunt)  beigefügt:  „wofern  3emanb  ben  Piflas  Seiler  tu 
£rftrebuug  feinet  tl>m  ;ucrfanntcn  Dtedüö  rjinbern  ober  gar 
SBioerftanb  leiftcu  würbe,  ber  feile  ebenfalls  in  bc$  i>cil. 
>Ncid>3  fd)were  Ungnabe,  be$  greigertebtö  ut  Üörarfcl  s^en  unb 
Skucrj,  bem  Mager  felbft  aber  ium  tfrfafce  feiner  Unfoften 
unb  Stäben  über  bie  gewonnene  Älagc  verfallen  fein."  Die- 
fer  <Rcd>t<M>rucr;  erging  unterm  2.  flnguft  1490,  tu  einer  Wx- 
funbe  mit  mehreren  Siegeln. 

51m  16.  Sluguft  citirtc  genannter  ^arfenberg,  jefct  im 
Siaraeu  bc$  3reiftul)lo  gum  s^olmftein,  bie  @örli&er  auf  5)ükm 
tag  nadj  ber  Dftave  illlerbciligen,  mit  ber  &nbrol)ung  auf 
ben  Sali  abermaligen  9iid)terfd)ciuenö*); 

„fte  auö  bem  gefpanbeu  greigend)te  unb  I>ctmüd>er  be* 
fdjlojfcner  §(d)t  $u  (reden  (au^ufct)ltcfien)  unb  gewin- 
nen, unb  über  ibren  l'eib,  geben  unb  (Styre  ba*  ftrengftc 


•)  N.  S.  r,  L.  II.  366. 


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2U 


Urtel  unb  $ollgerid)t,  welches  ihm  f<h»et  falle,  au«* 
fp recfyen  muffen." 

Diefer  Brief  würbe  in  ber  $reifaltigfett*fir<he  bei  ben 
©rü^len  ber  SWönche  auf  ber  (Srbe  gefunbeu. 

S)ie  ungewöhnliche  Mit  ber  Sabung  hielt  ben  sJtath  mein 
ab,  fofort  an  ben  &urfür|1en  ;u  Jiöln  nur  an  ben  gebauten 
gretgrafen  }u  fctyreiben,  unb  unter  Bezugnahme  auf  ber  3  tan 
5Begnabungen  um  (Enthebung  von  biefem  9ied)t$fianbe  nachju  - 
fuc^en.  3)er  Äurfiirfi  verfprach  in  feiner  Antwort,  ftch  ber 
Billtgfeit  nach  galten  ui  wollen,  fobalb  ihm  genügenber  VI  in 
fehl ii H  vom  greiftufjle  gu  Bolmjiein  zugegangen  wäre,  ifi 
greigraf  ließ  biefed  aweite  6 treiben  beö  görli&er  9tatbe$  wie 
baä  erfte,  ohne  Antwort,  obgleich  bajfelbe  nod)  vor  Ablauf  ber 
gefteüten  grift,  am  8.  JOftober  1490  aud  ©örlifc  abgefenbet 
war.  ?lm  14.  November  jeboch,  beffelben  3a^re6,  erfolgte  bie 
?(ecf)tung  ber  (stäbte  ©örlifc  unb  Breslau*),  ein  gn  intet* 
effattte*  Sftenjiäcf,  al$  baß  ec3  f>ier  »ermißt  werben  bürfte. 

Daffelbc  lautet**): 

„stielt  gürften,  Herren,  ©rafen,  ßnecr/ten,  Amtleuten  unb 
(Einwohnern  beä  freien  9ieich$  unb  anberer  Stäbte,  fortfl  in$* 
gemein  allen  d)rijtlid)en  9)?ännern,  von  welkem  ©tanbe  ober 
*Berhaltnijfe  fee  immer  fein  mögen,  tljue  ich,  ©eorg  Jadeit* 
berg,  ein  bewährter  dichter  unb  gehulbtgter  greigraf  be*  bei* 
ligen  Dteichä  mit  gejiemenber  (£rbictung  unb  ©ruß  \n  wijfen, 
baß  (Siuer,  genannt  Wiefel  Sffieller,  ein  achter  greifdjöffe  betf 
Äeicrjö,  vorgelaben  vor  mir  mit  bem  heimlichen  greigericht 
vor  ben  faiferlict)eu  greiftuM  $u  Bratfei  bei  ber  Stabt  IDori* 
munb  gelegen,  wegen  einer  ftraffälligen  (wanbelbaren),  burd} 
feinen  (Sib  nach  >Ked)t  beglaubigten  &lage,  Burgermetfter,  fltath, 
Sleltefle,  ©efcfjworene,  Bürger  ber  ©täbte  ©redlau  unb  ©ör* 
liu,  überhaupt  fämmtliche  männliche  (Anwohner  berfelben  über 
18  3abr  alt,  wer  nic^t  greifchöffe,  cirirr,  unb  ba  fte  auä 
53eracr)tung  unb  Berfcr)mäbuug  ber  freien  Gerichte  nicht  er- 
fd)ienen  fiitD:  verflagt,  verfolgt,  überwunben  unb  in  feinem 
föedjtöfprucbc  Jtofien  unb  <sd)abenerfa$  von  ihnen  gewonnen 
hat,  vollfommen  nach  ber  greigerfcfjte  fechte,  3nhalt*  einiget 

•)  ©««lau  fear  audj  »en  9lifla*  ©eller  in  jene  tflage  gqogcn 
treiben,  weil  btffc  etabt  iljm  ben  Schüfe  »erfagt  tyatte. 
M)  N.  S.  r.  L.  II.  367. 


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215 


Urtetebrtefe  «nb  anbetet  $to$e£  aften,  n>ei<^e  bei«  Äläger  f>ier^ 
übet  verfiegelt  mitgetbeilr  worben  finb.  Da  nun  bte  votge* 
nannten  von  $tedlau  unb  ©örlifc  ben  (Geboten  bc$  faiferlichen 
greigericht*  überall  ungehorfam  gewefen  mir  in  lehren  unb 
ftedn  nicht  geantwortet  haben,  bar  mich  bet  vorgenannte  JUä- 
get  angetufen  unb  gebeten,  einen  ferneren  ftachbruef  von 
ncfctätvegen  )u  geben;  ba  ferner  oaä  xRecbt  erbeifdu,  baf  man 
mit  Denen,  welche  t)artnä(fig  ftcf>  weigern,  in  ßtyten  bä$  ftedu 
ut  pflegen,  feine  @emanf<haft  haben  foll,  fo  gebiete  ich  (Such 
Min mt  ttno  fonber* f  vor  faifcrlicber  ©ewalt  von  Wecbt«  unb 
meine*  Vlmtö  wegen,  bie  vorgenannten  verhärteten  Ungehoi  - 
famen  von  $red(au  uno  (Dörlifc  nicht  ut  bc  häufen,  beherbergen, 
tut  er  \\\  geleiten,  |U  befebtrmen,  ui  befchüfcen,  ntdu  mit  ihnen 
ni  efen  nnb  \\i  trinfen,  ihnen  nichtä  abkaufen,  nod>  ui  vei 
laufen,  unb  über  ha  not  fo  lange  im  £anbel  unb  2Banbel  mit 
ihnen  ©emeinfehaft  ;u  meiben,  biö  fte  bem  heimlichen  (Meridn 
wegen  bet  auferlegten  Strafe  unb  bem  Kläger  wegen  feinet 
etfranbenen  rKcduo  ÖHntugthuung  gegeben  haben,  unb  nicht 
hiergegen  beim  bochfteu  ©ebote  unb  Wedue  ut  hanteln,  e6 
wäre  Venn,  ran  fte  binnen  bet  ^eu  gebuhreurc  ©tünbe  vor- 
brächten,  weshalb  fte  bad  faiferliche  (Meridu  verachtet  haben. 
SoÜtet  3hr  batauf  hören,  fo  würbe  ich  obet  ein  anberet 
greigraf,  bei  welchem  eine  Jtlage  anhängig  gemacht  würbe, 
über  <iud>  richten  muffen  nach  Areutnhl*  sKedu,  wa£  fchwer 
anfommen  würbe.  Urfunblich  unter  meinem  unten  beigebruef? 
ten  Siegel,  gegeben  im  3ahre  be$  £errn  1490,  am  vierten 
läge  nach  Martin  bem  SMfcrjofe. 

ffiit  mit  tarnen  Heinrich  SReffenfchloer,  «ftanö  v'.  (ScfelS* 
heim  unb  3ohann  3«be  von  Jtaffel,  färnrntlicp  ächte,  rechte 
greifcrjöffen  be*  hcüigen  dteich^,  befennen  vor  allen  ächten, 
red) ten  ^reifeb  offen,  bafj  riefe  Äbfchrift  wörtlich  übereinftimmt 
mit  bem  $auptbriefe  unb  tyabm  be|j  *n  wahrem  Sefenntnif* 
unfete  Siegel  unten  aufgebrüett." 

s3iiflaö  2Beller  fctjlug  biefen  $ld>tbrief  auf  ber  leipziger 
v)}<etfe  öffentlich  an;  görli|er  Lutger  wuften  oenfelben  jeboch 
fctyleunigft  in  ihre  $anb  $u  befommen,  fo  bafi  alle  möglichen 
Scachtbeile  bei  Otiten  von  ber  ©tabt  abgeweubet  werben  fonnten. 

Sticht«  beftoweniger  verutfachte  btefe*  feefe  Verfahren  be6 
greigrafen  grojkä  ftuffeben. 

$eibe  Stäbte  hielten  in  Siegnty  eine  »erathung  unb  famen 

*  • 


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216 


fd)lieftfid)  bal)tn  überetn,  eine  $ertl)eibigung6fd)rift  anzufertigen 
mir  folcfoe  [oroofjl  in  Seipjig  mit»  ^refliau,  al6  in  andern 
Drten,  mit  betten  fte  im  «£>anbel$i>erfebre  ftanben,  öffentttet^ 
anfragen  unb  befannt  machen  \u  (äffen,  genier  befdjroerten 
fic  fl$,  in  $bwefen6eii  be6  tfönig*  iSBlabiSlaro,  bei  ben  böf> 
mifc^en  6ränben  in  $rag,  Hnb  crfudjten  ben  «ftttrfürftcn  von 
Äöln  nnb  ben'fcanbgraf  \u  Reffen,  gegen  teiutf  greigeridjt 
einjinfcfyrritcn. 

Söcller  rufyte  ingtolfc^rn  aud)  nidjt.  l*r  bemühte  fidi, 
fein  erlangtes  9tccr)t  auf  anberc  iMrt'geltenb  I*  madjen,  unb 
begab  ftd>  nadj  £aitt  an  ber  Glbe,  mit  ber  Slbfkfy,  burdj 
lleberfall  ber  görlifcer  unb  breälauer  tfaufleute  unb  guhrmän- 
ner  Sdjabenerfafc  ju  erlangen.  Die  Stäbte,  meiere  t>on  fei* 
nem  SBorfyaben  itunbe  erhielten,  mirfren  ftd)  bei  *£er*og  O^ecrcj 
bon  (Saufen  <8d)u§  unb  (Geleit  gegen  Detter  unb  feine  @t= 
feilen  auä.  Da  and)  btefeä  $orrjaben  2Beller'$  vereitelt 
war,  wanbte  er  fhfi  au  Den  aud  ben  Weberlanben  uuml 
feljrenben  «£>er$og  ?llbred)t,  welcher  in  ber  Xfyat  aud)  an  ben 
bamaligen  tfanbwigt  (BigntHttb  t>.  Söartemberg  fdtrieb.  9ta<fy 
erfolgtem  &uffd)(uß  würbe  Seiler  aud)  t>on  £er$og  Hlbredjt 
abgenriefen. 

Durd)  giirfprarfje  if?re$  ÄönigS,  SBlabfelarb  i\  lohnten, 
erlangten  bie  §täbtc  enblid)  ;u  £in*,  ben  11.  Dezember  t491, 
ein  9Hanbat  Jtaifer  griebridj  HI.,  n>onad>  fein  Umcrtban  bed 
heiligen  romifd)eti  9teid)ö  bie  bon  weftpfyälifdnrit  gretae* 
rieten  gegen  8ngef)örigc  ber  bötymifdjcu  .(trotte  gefällten  Uv 
tfjeile  für  giltig  erachten  unb  allen  böfymifcrten  U  uteri  ha  neu  in 
feigem  %aUe  gegen  btc  fjeimlidjeu  (9eridjte  Unterfinning  g« 
reiben  angewiefen  würben. 

Die  <5räbte  Söreälau  unb  0drtt|  liefen  eine  &bfd)rift 
biefefl  SÄanbatS  bem  *Katf)e  ber  (grabt  Dortmunb  unb  bem 
greiftuljle  $u  $racfel  mittbeileti  nnb  erhielten  fowohl  bou  ber 
6tabt  Dortmunb,  alö  bem  greifafyle  $u  ^öratfel  bae  $ioimu$ 
jugefretit. 

9tad)  SBeller'ä  Xobe  $og  beffen  ©ol)n,  5Bo(fgang  Rödler, 
unb  fein  ©djwiegerform,  Urban  ©djwcrbtner,  bie  Sache  wieber 
vor  Hub  reaten  im  3.  1502  bie  bäterlidjen  flnfort>crungen  an 
bie  6tabt  öförlffc  bon  steuern  an.  Sie  fugten  bie  Angelegen- 
heit unter  Übermittelung  betf  Orafeit  ßrnfi  be6  Weiteren  t>oit 
^enfteitt,  fowte  beö  mtl)&  §u  ^Ulenburg  3«  fwljwn.  Der 


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Hl 


föatr)  t>cn  ©örltfc  eröffnete  bemnächfl  ben  9lnfragenben,  baß 
wenn  Die  Gefchwifter  Heller  etwas  in  ($orli$  ju  erlangen  ge* 
bächten,  fcafl  fdniglicbe  Gericht  Hefe  €treitigfett  anhängig  ma* 
eben  werbe.  ^ieraMf  ruhte  ber  ^anbel  wieber  bi$  jnm  3. 
1512,  in  welchem  Bell  \>.  Xaubenheim  mit  Georg  t>.  Sa)lie* 
ben,  Sauprmann  \\\  Scrau  unb  3  agan  al0  8üi irrster  ber 
wellerfchen  $amüie  auftraten  unb  wahrfebeinlich  ana>  eine 
gütliche  Beilegung  |m  <5tanbe  brachten.  3«  wie  weit  bieä  ge* 
i'cbeben,  fä#t  jich  jebod)  nicht  gefd)id>tlicr)  feftftellen,  ba  weitere 
^ofitmente  fehlen. 


kleinere  gebben  ber  8tabt  währenb  be*  $%nuri* 
frtege*  unb  narf)  bemfelben  bi*  in  bie  erften  3aty^ 
zehnte  becj  16.  3ahvbunbertcJ. 

(5*  ifü  bei  Gelegenheit  ber  fyttffttftytn  Unruhe«/  welche 
bte  geängftigten  6täbte  fertwärtrenb  ijiir  Bewaffnung  zwangen, 
Hm  nur  einigermaßen  gegen  etwaige  Ueberfälle  gefa)u$t  w 
fein,  fehen  be$  Umftanbe*  gebaut  worben,  baß  Gorlifc  ba* 
mal«  t?iele  Kampfe  mit  <Strafjenrfitibern  unb  £anbe$befcf)äbi* 


[dachte  unerläßliche  ^ollftänfcigfeit  nia?t  sermiffe,  fcheint  ^icr 
ber  Drt  fein,  auf  jene  £>ä*nbel  ^Hrücfjufommen,  um  fo 
mehr,  als  bie  ftrc^(fd>ctt  ^BerhctUniffe,  überleiteub  auf  bie  3^ 
formaticmdbejtrebHngen,  halb  ati$fcr;Ueßlich  ba$  3ntereffe  unfercr 
fcefer  trt  ftnfprnch  nehmen  werben. 

$et!truh  Genfer*)  hatte  bao  Sctylef?  Ttfcriodja  an  ftdj  ge- 
bracht, tiefer  ^einrich  Genfer  fam  wegen  einer  <Scf)ulbfor* 
berung  in  ©treittgfeiten  mit  bem  <£>info  &erfa  t>on  ber  5)nba 
auf  Jg>or)enftetn ,  fanbte  ihm  einen  Sfbfagebrief;  fiel  in  golge 
beffen,  unterftüfct  t>on  §eime  t>on  Gebern  mit  125  Zeitigen, 
am  £in6tage  t>er  s4*ftngfien  (30.  ffcai)  1419  auf  ba«  Gebiet 
be$  *on  ber  1)uba  ein,  nnb  verlebte  bei  biefer  Gelegenheit 
bnra>  *ßüinberimg  ber  Dörfer  Gering$w«lbe,  ftupperSborf  unb 


•)  N.  B.  R.  L,  I.  6.  HO-112.   ^ö>fd  a.  a.  O.  II.  484  f. 


Damit  man  bie  in  einer  vSpetfal-Ge* 


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218 


Vöfen*ber*berf,  fedjdfitäbttfdje*  (Sigenthum.  Der  Sanbvoigt, 
ein  anberer  Verfa  rcn  bet  Tuba,  war  fd) nell  genug  gur  £anb, 
unb  jog  in  Zittau  15  Seifige  unb  30  Sdjüfcen  an  fia\  mü  benen 
er  jur  Verfolgung  auf brach,  wäfyrenb  nad>  böiüfc  ®otcn  gut* 
gen,  weldje  511m  bewaffneten  3«5Mg  nid^t  erfolglos  aufforberten. 
Denn  um  ©trafjenräuber  unb  l*anbc$befdiäbiger  511  fangen, 
mar  man  manchmal,  felbfl  auf  Soften  ber  Ueberlcgung,  wie 
unten  ein  anberer  Raubet  geigen  wirb,  ftetd  bei  ber  f>anb. 
Die  kutaner  trafen  bie  :Kcuf a  h1k  Sippfdjaft  §uerfe  in  Slum* 
berg,  nafye  beim  marientfyaler  älojlerborfe  Seiferflborf.  Sil* 
jene  ben  Voigt  fafyen,  wanote  ftd)  ein  1  heil  §ur  Muebt  unb 
fprengte  burdj  bie  9?cij?e,  wobei  10  berfelben  ben  börlifcern  in 
bie  ^anb  fielen.  Die  übrigen  wehrten  ftd),  bi$  baä  Volf  be* 
Sanbvoigtä  burd)  neuen  Juuu]  auö  ßittau  unb  bie  Bnfunft 
ber  barlifcer  verwarft,  bie  JDbmadjt  befam;  Stenfer  unb  mefyr 
ald  vierzig  feiner  @ettoffen  fielen  in  bie  £änbe  ber  Sieger. 
Der  Voigt  führte  bie  befangenen  nadj  Dftrifc,  wo  man  foldje 
bi*  s3)tittwod),  ben  31.  Sttai,  fcftyielt.  9tadjrid>ten  au$  Vre«* 
(au,  bafi  in  ber  bortigen  beaenb  bei  92eumarft  eben  foldje 
Vantreiter  bie  Strafen  beunruhigten,  entfd)ieben  oad  ©djidfal 
ber  befangenen  balb.  £anä  v.  &ittii%  mit  nod)  fünf  Zubern 
wmben  naefc  Verlauf  von  14  Sagen  auf  bem  sÄarfte  ui  3ittau 
enthauptet;  $einrid)  genfer  unb  Drei  feiner  benoffen  traf  bied 
8006  vor  ber  r r a 1 1 ;  bie  übrigen  würben  gegangen,  au  einem 
Xage  achnebn,  fo  bafi  im  Itaufe  von  circa  vier  V3od)cn  ein* 
unbvier^ig  btttgertc^tet  würben.  Den  befangenen  in  börlift 
ging  eö  nicht  beffer.  21  du  nntrrcu  gegangen;  ber  neunte,  <^ein* 
rid}  Domntf,  weldjer  überwiefen  war,  beim  staube  in  %eu* 
marft  2 heil  genommen  $u  haben,  enthauptet;  ber  ^ehutc  aber, 
ein  Jtnctfyt  Hnbreö  ÜJtufjlbotf ,  weil  er  bie  8nbern  beim  9(u$* 
$uge  nach  Dem  balgen  geftärft,  ihnen  bebete  vorgefagt  nnb 
tfirdjenlieDcr  vorgefungen  fjatte,  auf  Vorbitten  ber  Änwefcnben 
begnadigt. 

1425  verwitfeltc  t>a6  Privilegium  be$  ©traficnjugeS  bie 
6tabt  in  eine  gefybc  mit  botfdje  ©djof  (©djaafgoti'dj)  ui 
breifenftein.  Tic  börüfcer  ftatten  nämlid}  unter  oem.Vor* 
wanbe  ber  fycrgebradjtcn  6trafkngered)tigfeit  einige  auf  Sieben* 
Sßegen  betroffene  Untertanen  be$  bretfenftetnerä  gefänglich 
eingebogen.  9lm  7.  3uli  fc^iefte  Scner  ben  ftbfagcbricf  unb 
vmu|  ben  börli&crn  viel  Stäben  get^an  fyabeu,  ba  er  allein 


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219 


800  ©efangene,  13  ^ferbe  unb  13  $anjer  bei  ber  naa^er 
erfelgenben  dintgung  auslieferte.  Unfcr  ihnen  befanb  ftd>  ber 
Hauptmann  ,$an$  t>.  $elberij*). 

«m  öftliajen  (Snbe  bed  5)orfe6  2öetter*borf  bei  Söwcn* 
berg  liegen  awf  einer  Hnfydbe  einige  unter  bem  tarnen  „BaU 
fenbäufer"  befannte  @ebäube.  Huf  Diefrr  6teÜe  befanb  ficf> 
im  Mittelalter  ein  feffc*  ©d)lo$,  ber  ©age  na*  im  3.  1207 
begrünbet,  beffen  3nf)aber  bie  (*blen  Battenberg  ton  halfen* 
ftefn  waren.  (Sin  Slbförnmling  biefe*  ©efchledu«,  C5f>riftopJ> 
».  Battenberg,  würbe  in  ben  hufttifaVn  Girren  unb  ben 
fehbungen  ber  Anhänger  be6  Aönig*  ©eorge  *ßobiebrab,  bc* 
fonber«  al$  Wegelagerer,  beriiajtigt  unb  war  in  ben  angren* 
§enben  (&egenben  6a>leftenö  unb  ber  Sauftfc  allgemein  gefürdj* 
tet.  (Styriftobh  t>.  Battenberg  war  in  ber  Bhat  niajt«  al$  ein 
fdjmufciger  Räuber,  wela>r  ben  8u$wurf  be$  Sanbeä,  !3D?örber 
unb  flechter  au«  ben  istäbten  bei  (ta)  beherbergte,  mit  fetten  au« 
€a>lupfwinfeln  unb  Hinterhalten  ben  wer)rlofen  Kaufmann 
unb  Reifenben  überfiel,  unb  ringsum  bie  (Srnten  unb  baö 
(Stgentbum  ber  tfanbleute  plünbertc  unb  beftaf)(. 

Unter  ber  Regierung  be6  Jtonigft  ^obiebrab  fyattt  ber 
vom  Balfeuftein  noa)  ben  befenberen  Sorwanb,  al6  ein  Rädjer 
be$  Jtönig«  gegen  Die  abtrünnigen  Stäbte  aufzutreten.  3m 
herein  mit  bem  fpgenamtten  fdjweibnifcer  Sunbe,  feit  bem  3- 
1468,  unter  ben  «£>erren  t>.  gürfknfteiu,  gcfynfyau*  nnb  Wim* 
merfatt  mit  Anhange  jufammengetreten,  wagte  er  e6  fogar, 
bem  Herzoge  von  €aa)fen  ben  gefybebrief  jujufchirfen,  in  geige 
beffen  aläbalb  bie  faubern  ®efellen  alle  äaufmannSgüter  auf 
Den  bortigen  Sanbftrafjen  anhielten  unb  auf  ihre  Burgen  führ- 
ten. 3m  3.  1474  na^m  fta>  enblia>  Äönig  ^atttuae*  ber  ge- 
ängfhgten  6täbte,  weldu*  mit  btefem  33unbe  nid)t  allein  fertig 
waren  tonnten,  an,  unb  veranstaltete  einen  Jtriegfyua,  an 
we(a)em  au*  bie  ©örlijer  mbft  ben  übrigen  6ed)«|tdbten 
Bh«l  nahmen.  2)fe  Huäführung  beä  53etnid>tung0fd)lage$ 
gegen  biefe  Raubritter  hemmte  jebod)  ber  bamal$  au6gebro- 
aSene  Arieg  mit  $o(en.  Ratt)bem  ber  griebe  gef*loffcn  war, 
ging  man  an  bie  33dnbigung  beä  fdjweibnifcer  95unbe$.  (>  brifterb 
».  Battenberg  Ifattt  ba6  wüfic  Breiben  aufgegeben  unb  war  an 


•)  <0ro§cr,  «.  Werf».  1.  €.  112  f.  «auf.  ^rovin^ialbl.  1.  »b.  1782. 
8.  m.  453. 


220 


ben  Äcf  beS  ÄönigS  gegangen,  wo  er  balo  p  (?tyren  fam; 
fein  trüber  93ernr»arb  Dagegen,  obwofyf  in  fortwäf>ienber  ftHrdjt 
vor  bem  l'anbeSbauptmann,  fonnte  baS  Rauben  nid>t  unter* 
laffen  ttnb  war  in  ber  Hdft  Der  SecftSftäbte.  3Rat$ia#  beer* 
berte  Sölbner  gegen  ben  Xalfenftein,  mit  benen  fid>  bie  $ur* 


3ng  mit  ©elb  nnb  Lebensmitteln  unterftüöten  unb  enblirfc  t>en 
Xaftenftein  eroberten.  Der  Santwoigt  ©eorg  v.  Stein  führte 
dm  15.  3unf  1479  ben  $efcf)l  beS  Äonig*,  baS  ittaubneft  *u 
fdjfeifen,  glittflid)  auS*). 

Sitfel  XtfdrtrnbauS**)  unb  Sriebrid)  v.  <ffiicbeba$  Ratten 
ber  (StviM  unb  ifjren  bürgern  bebeutenben  Sdjaben  burd) 
Straßenraub  getfjan.  DeStyalb  trottete  ber  föatr)  banad),  fte 
in  feine  ©ewalt  ;u  befemmen.  39eibe  Welten  fhfe  gewofmlid) 
in  Seitenberg  auf,  weld>cS  Stäbtdjen  in  ben  ©eridUSbeMrf 
nad)  ftrieblaub  vor  ben  £errn  i\  ^iberftein  geborte  Der 
fRatb  fefyrte  jtd)  nid)t  baran,  fonbern  bemäd)tigte  ftcf>  ifyrer 
mit  8fr  <5r  fd)irfte  $wei  s3ttann  mit  einem  großen  «£>ed)te 
nad)  Scioenberg,  weldje  vorgaben,  nad)  Kälbern  ausgegangen 
Hit  fein  unb  unterwegs  ben  <£>ed>t  einem  "öauer  abgefauft  gu 
fjaben.  SllS  bie  beioen  £jfd>trnl)auS  unt>  t>.  üffiiebebad)  fte  ge* 
wahrten,  matten  fte  nad)  33eftd)tigung  res  £ed)teS  ben  s3$or* 
fdjlag,  mit  il)nen  ju  effen  unb  \vl  tf>eiieii.  Sie  gingen  barauf 
ein,  unb  ber  eine  &unbfd)after  übernahm  bie  3ubercitnng,  1 
wäbrenb  •  bet  ttnbere  ft<ft  fjeimlid)  entfernte  unr  nad)  (96rli$ 
fprengte.  Dbgleid)  bie  ^ubereitang  ben  (Sbelleuten  verbädjtig 
lange  bajierte,  würben  fic  bod)  fo  lange  Eingehalten,  bis  t>ie 
®6rli0er  in'S  Stäbtdjett  fielen.  Da  fdjwaugen  ftd>  bie  be; 
brol)ten  bitter  auf  ifjre  *Pferbe  unb  fprengten  aus  ber  Stabt, 
würben  aber  gefangen  genommen,  nad»  ®örlift  geführt  unt> 
beS  folgenben  XageS  gegangen.  Das  gefd)al)  am  6.  Dejbr. 
1482.  Der  trüber  beS  «fttngeridjteten,  Sttidmel  t>.  $M<Wfn* 
bauS,  fd)idte  am  grünen  Donner  (tage  (27.  $JJ<irj)  1483  biefer 
(Srefution  wegen  ber  Stabt  einen  $ef)bebrief.  gabtan  t>.  XjfdMrn* 


•)  Cnrpz.  «.  a.  lib.  V.  I.  p.  210  ff.  SDhiUer'ö  \>at( rldnHfdje  »übet, 
(Wogau  1837.  ß.  ZTi.  (feine  Slnqabe  ift  ungenau.)  ©ort.  Üüeatoeifer 
1839.  <S.  145.  181.  ff.  320. 

®üxI  Wat^annalen  f.  N.  S.  R.  L.  II.  €.  37  ic.  8.  407  f. 
Cafe,  ®orl.  Slnnal,  III.  f.  107-110. 


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tyaHä  aber  verflagte  ftc  beim  Könige.  Ungeachtet  biefer  Unter* 
hanblungen  in  $rag  begann  bie  gehbe.  3m  3.  1490  fam 
Michael  Xgf<tym$iuf  in  Die  $lcht  ber  Sechäftäbte;  bemun- 
aeadjtet  fiel  er  in  ba$  Dorf  ?inba  ein  nnb  lief)  jid)  burch  bie 
dauern  hulbigen.  Schließlich  legte  ber  *<anbvoigt  biefe 
«EBincn  bei. 

Slbam  Schwöb,  einer  vom  £ofgefinbe  be*  äurfürften  3** 
tjaqn  v.  SBranbcnburg,  glaubte  gorbcumgeu  an  bie  Stabt 
Gtörüfc  ju  haben  nnb  wanbte  jtd>  um  gürfprad)e  an  feinen 
$mn,  welker  am  SonnabenD  nach  Margaretha*)  (15.  3uli) 
1486,  von  (Syburg  au$  in  biefer  Angelegenheit  an  ben  Rath 
von  ©drlifc  fchrieb.  2)er  $at(  antwortete,  er  glaube  nicht, 
baß  Slbant  Schwöb  ober  £anö  Sbraunfdjweig,  für  welchen 
Slbaiit  Schwöb  eigentlich  auftrete,  etwaä  von  ber  Stabt  }u 
forbern  habe,  fei  jebod)  ju  einer  ibefpredjung  über  biefen  @e* 
genftanb  nicht  abgeneigt.  £ieran$  fdjeint  nidnä  geworben  ju 
fein,  beim  am  28.  Mai  1488  fam  Slbam  Sdjwob  mir  400 
Dtajigeu,  worunter  DlSnifc,  Maren,  3>idmi&  unb  <&errnborf, 
in  bae  görlifcer  Ükbiet,  }og  jwifchen  ^eopolbeljatyn  unb  ber 
Stabt  vorüber  unb  verbrannte  9llbred)t  Spornt  si$orwerf  in 
ber  Siafje  be$  Söpferberged,  fowie  einige  ©ebäube  $u  £en* 
neräborf.  'Huf  bem  Sßeiterjuge  burch  bie  görti$er  £aibc  gen 
Sprottau  tyn,  würben  in  ben  Stabtbörferu  nod)  mehr  ©ewalt; 
thätiafeiten  ausgeübt.  Die  Öörlifcer  trieben  nadj  3ittau 
unb  kauften  mit  ber  Sfai ff orber ung,  |id>  einem  *Kad)ejuge  nach 
Sprottau  anjufchliefjen;  melbeten  bie*  auch  bem  baufrner 
Hauptmann,  Wibrecht  v.  Schreiberäborf,  befamen  aber  feine 
iattmt.  3a  auf  einem  £agc  <u  tföbau  nötigte  jie  ber 
fcanbvoigt,  Sigmunb  von  Xetfdjen,  baju  9(bam  S$wob 
einen  freien  ©eleitäbrier  auöiufteUen.  Slbam  Sdjwob  hatte 
großen  Anhang  bei  ber  9titterfchaft.  Diefer  llmftanb  unb  bie 
llnterfhifrung,  welche  Schwöb  bei  bem  bamaligen  Sanbvoigt, 
Sigmunb  v.  Setfchen  faub,  veranlagte  ben  #atl)  im  3.  1490, 
ihm  feine  vielfachen  Räubereien  311  verleihen,  ohne  ba£  ihm 
etwa*  3Öefentlicheö  gefcheheu  wäre**). 

Montag  nach  Ubalrici  (8.  3uli)  1510  würbe  bem  »athe 


•)  ©ort.  9tatb*annalcn.  N.  S.  R.  L.  II  21.  22.,  *ö  ber  SBrwf* 
4  ©eifert  ftd}  btftneit. 

»)  ®örl.  »at^anual.  a.  a.  C.  8.  54.  383.  384.  385. 


gemelbet,  Heinrich  Äraren*),  ein  berüchtigter  Straßenräuber, 
fei  in  UÜeräborf  (in  Söhnten)  gefe^ett  Worten,  mfyaib  als- 
balb  unter  gübrung  Sal&er  JlirchhofS,  noch  7  Uhr  $benb$, 
10  föeiftge  mit  30  Trabanten  auägefdjicft  würben,  um  auf 
ßragen  ju  fahnben  unl)  bei  biefer  (Gelegenheit  feinen  gebier, 
Äaöpar  v.  Äottwifc,  mit  einziehen.  Uebrigenö  war  ber  3UG 
nicht  ganj  vergeblich;  e$  würbe  eingebracht  nach  ©örlifc:  Jtaäpar 
5>Üer,  bei  bem  fragen  in  ber  Scheune  aefchlafen  fyattc  wnb 
£and  ÄnbreaS,  beibe  Unterfaffen  beä  liefet  v.  Dohna  auf 
bem  ©rafenftein;  ein  Diener  von  Äottwifc,  Simon.  3n  ^3ul- 
lenborf,  wohin  juh  bie  görlifcer  Jtnedjte  begaben,  ba  Jtottwifc 
felbft  nicht  bat)etm  war,  fingen  fte  nod)  ©eorg  v.  ©eräborf, 
Wiefel  v.  ©eigäborf,  JtaSpar  v.  JTottwifc  unb  Martin  tfefer, 
beit  Diener  Heinrich  Jcragen'6.  9tüe  würben  nach  ©örlifc  ge* 
führt,  von  wo  jur  felben  3e^  anberer  Xrupp  unter  Si< 
mon  Jpocfener  mit  40  gußfnechten  aufbrach  unb  ^I>riftopI> 
v.  Jftottwifc  verhaftete.  Heinrich  fragen  unb  bie  genannten 
dbelleute  waren  nämlich  berüchtigt,  an  einem  jüngfl  bei  Sir* 
fenbrücf  vorgefallenen  Straf enraube  %tycil  genommen  ju  haben. 

$fl$  man  fte  in  ©örlifc  gefangen  fefcte,  war  gerabe  ber 
Surggraf  Stiefel  v.  Dohna  auf  ©rafenftein,  ©eorg  v.  Schelk 
lenberg,  fowie  3biälaw  Serfa  v.  b.  Duba  auf  Seipe  bort  an- 
wefenb  unb  (irrerer  begehrte,  man  möge  ihm  bie  Verhafteten 
überantworten,  ba  fie  in  jenfeitigem  ©ericht$be$irf  eingesogen 
feien  unb  bemnad)  in  Söhnten  gerichtet  werben  müßten.  Der 
SRath  jeboch,  weldjer  froh  war,  bie  Wegelagerer  in  feiner 
£anb  ut  Ijabtn,  ging  auf  bac3  geredete  Segehren  Dohnas 
nid)t  ein,  ba$  Privilegium  Jtönig  Jtarl'fl  IV.,  über  ba6  (*in* 
fchreiten  gegen  £anbe$befchäbiger  vorfchü^enb  unb  am  SOtar* 
garethen  Äbenb  bejfelben  3ahred,  ben  13.  3uli,  würben  Jta^par 
unb  (Ihriftoph  Äottwifc  auf  bem  föabcmarfte  in  ©örlifc, 
ba  ihnen  nachg^wiefen  war,  baß  fte  bie  Käuber  von  Sirfem 
brücf  beherbergt  Ratten,  enthauptet. 

Jfaf  Sorbitten  bed  Burggrafen  v.  Dohna  unb  Stiefel 
v.  ©eräborf  auf  £enner$borf  würben  Wiefel  v.  SBeigeborf  unb 
©eorg  von  ©erSborf  ber  £aft  entlaffeu;  ebenfo  einige  Seit 
baraüf  bie  anbern  ©efangenen,  worunter  ÄaSpar  Xeller  von 


*)  $affe,  •fori,  »nnal.  I.  fol.  46.  29.  87.  23.  30-42/58.  6t.  40t. 
408b.  447.  428.  429.  453.    93dl.  Sauftet'«  Ctcrl.  Ofcfö.  <S.  72  ff 


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223 


UllerSborf.  I  ie  Unteren  würben  fretgelaffrn  gegen  bad  5Ber* 
fpredjen  be$  Burggrafen  v.  Dohna,  Der  <Etabt  ben  in  fein 
Gericht  gefcfyehenen  Uebera,riff  ju  verleihen. 

3ebo4j  würbe,  gweifellod  auf  3Beranlajfung  ber  zornigen 
dtttterfihaft,  biefe  Angelegenheit  vom  $anbwigte  (Sigmunbvon 
$ßartemberg  weiter  in  bie  £anb  genommen,  unter furtu  unb 
laMteplid^  vor  ben  Äönig  gebraut.  I  er  wirf(ia)e  C^ei tct>t^htii 
über  ben  ®runb  unb  hobelt,  welchen  bie  Qtörliger  verlebt  bau 
tenf  war  Ulrid>  iv  öiberjtein  auf  Jrieblanb.  Crv  fam  nun 
mit  einem  Schreiben  au  ben  görltyer  sKatl\  in  welchem  er 
verlangte,  ber  Wath  folle  Slbgeorbnete  ;u  ihm  fenben,  ba  er 
geneigt  fei,  ben  tlebergriff  auf  feinem  Geridjtdfreife  mit  einer 
&u£e  3eiteuo  ber  Stabt  ausgleichen.  ($r  verlangte  ur* 
fprünglich  10,000  <sd)ocf  ©ufje,  begnügte  jich  jeboch  enblich 
mit  ber  Summe  von  2000  3 dunf ,  welche  ihm  bie  <Stabt  lieh, 
mit  bem  93emerfen,  er  möge  baö  ®elb  aufborgeu,  wo  er  wolle, 
fte  würben  bie  3infen  bejahen;  JreitagS  nad)  Dorothea 
(7.  gebruar)  15t  1  würbe  biefe  Convention  abgefd)loffeu.  la 
bie  Bad»«  auet)  vor  ben  Jtönig  gebraut  unb  met)rfeitig  and- 
gefd>mücft  worben  war,  fo  ba(i  ein  ungünjhger  r  pmd)  \u  er« 
warten  fdjien,  wanbten  ftd)  bie  ©dritter  an  Äönia  «Sigiämunb 
v.  $o(en,  ber  jid>  berfelben  bei  feinem  ©ruber  5Blabi0law  au- 
nahm  unb  verfctjiebeneinale  an  ihn  fctjrieb.  Der  &önig  von 
*l*olen  idmtte  fogar  feinen  Seftetär,  $aul  Xomifcfy,  an  Jtönig 
2ß(abid(cjw,  alo  ber  Äönig  nad)  Breslau  fam;  unb  unterm 
5.  9Wai  1511  melbete  ber  Sefretär  fowohl,  ald  äönia  ©ig* 
munb:  bie  Sache  wäre  beigelegt,  wad  $weijfello$  nidu  ohne 
©elbopfer  Seiten*  ber  Stabt  bewerf  ftelligt  worben  ift. 

Jpeiurid)  fragen  war  fred)  genug,  von  ber  Stabt  ©or* 
(i(  200  Sdjocf  als  (fntfa)äbigung  für  bie  3$erlufte  auf 
feiner  a  In  du  ju  forbern.  ©erüdjte,  bajj  ^einria)  fragen  mit 
feinem  Anhange  eine  gehbe  vorbereite,  veranlagte  bie  Stabt 
®örli&,  ud^  §u  nuten.  Sei  btefer  Gelegenheit  wollen  wir  bad 
Kontingent  ber  Dörfer  mujiern,  weldje  görlifrer  Sürger  im 
3.  1510  befafjen. 

Dem  $eter  (£mmericr)  gehörte  $ot>t\,  we(d)e$  40  Warf 
unb  Siffa,  welche*  18  9)carf  liefern  mufHe,  fowie  jwei  *ßferbe 
unb  einen  Weiter  \u  fteüen  hatte,  §anö  Cmmerich'*  Dörfer: 
Sor)re,  9teunborf,  glorSberf,  hatten  jufammen  60  Warf  ju 
jaulen,  be*gleiayn  jwei  ^ferbe  unb  einen  »uffefter  ju  ffellen. 


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- 

.H Laues  vU ölcr  befaß  ^ermäborf,  welct)e$  Dorf  26  Warf,  ebenfalls 
\ i r t t  Uferte  unb  eine»  9luffe$er  fd)kfte.  Dem  Urban  (£mme* 
viit)  ackerte  mit  Dera  $3rut>er  wammen  ?ubwigeborf ;  eö  ;.ahite 
28  -Warf  unb  lieferte  ein  k}>ferb  nebft  Sfuffc^cr.  $aul  6m* 
merifty'ö  Dorf  £eiberöborf  gab  36  Warf,  jwei  $ferbe,  einen 
9u|fe|er.  Deutfdjofftg ,  wad  >}>eter  greujel'S  Äinberu  eigen* 
tlMimii^  war,  labltc  20  Warf  unb  fteilte  ein  ^ferb.  Partei 
(Smmericr;  ber  Jüngere  gab  für  cerdja  9,  für  9acferifd)  18 
Warf.  Viuna,  (§mmerid)'ä  Xcdjter,  gab  für  «Jpalbeuborf  unb 
8  Dönberg  51,  für  fyalb  gefdjwifc  7  Warf;  ihr  lag  mit  sroei 
>i  intern  &ufammen  ob:  brei  ^ferbe  uub  einen  Leiter  $u  febirfen. 
£antf  grenjcl  jafylte  für  (^irbiaeborf  20,  für  8riet>cr$borf  40 
Warf  uub  fteilte  brei  ^ferbe,  [owie  jwei  jftuffefcer;  &ifaö£on* 
rab  für  Ijalb  ^efdjwifc  11  Warf,  unb  gab  ein  Werb,  fowte 
einen  ^ferbef  nedjt ;  tforenj  ^ermann  für  £  a^noeiil>aiu  9. 
Warf  unb  ein  s4>fero;  9öeiber  für  ©irbigdberf  10  Warf; 
Steinberg  für  einen  aubern  lr)eil  von  ©irbigöborf  11  Warf, 
für  Sd)6pö  7  Warf  unb  für  $oüeuborf  3  Warf  nebft  einem 
sJßferbe.  £icentiat  @lett  auf  ^enneröborf  war  mit  36  Warf 
uub  einem  *ßferbe  beftcuert;  cd)ü^  in  Jeopolbäfjatyn  mit  30 
Warf,  einem  ^ferbe  unb  einem  ^(uffefyer;  (Deorge  9ttd}ter  eub* 
in!)  tu  ciMauroib  mit  12  Warf.  Die*  madn  21  ^ferbe, 
8  Leiter  uub  1  $ned)t  auf  biefe  Dörfer,  wobei  nod)  fein 
ftäbtifd)e$  ®ut  aufgellt  unb  noct)  lange  t>on  ben  SBorrätbtn 
beS  Warftallö  feine  iXebe  ift.  Die  Summe  betrug  495  Warf. 
Daher  faut  eö  ber  Stabt  Wörlifc  nid)t  iiberrafd)eub,  aU  bie 
^\id)iid)(  anfam,  rap  fc$6ßdbtff$< ,  aud  granffurt  au  ber 
£>ber  fommeube  $ud)mad)er  r>on  fycinxid}  m  ragen  nebft  Spieß* 
gefeUen  bei  gorfte  überfallen  unb  tiner  SBaare  beraubt  worben 
feien  unb  ut  gleicher  3^t  ein  9lbfagebrtef  Jpeiurid)  Jfragen'ö 
uub  y>M\*  r>.  Waren'*  einging. 

$(uf  einem  Xage  würbe  mit  bem  £anb\>oigt  unb  ber  sM\t 
terfd>afi  nodj  »err)anbelt.    Sie  fteeften  jweifelloä  im  (£tnr>er* 
jitänbniß  mit  ben  Straßeurdubern,  ba  jie  ftd)  ©ebenfjeit  au3 
baten  unb  bie  Lüftung  aufhoben,  von  ber  jtd)  -Jittau  auö- 
fdjliepcn  wollte,  weil  ed  ni<r)t  in  ürageu'd  gefybebriefe  auf 
geführt  fei,  eublid)  aber  beitrat.   Huf  bem  Sage  ju  ©an$en, 
Donnerftag  nad)  Donati  (5.  War;)  1511  gab  ber  gebrängte 
fcanbvotgt  bie  (Srflärung,  bap  er  mit  9iatl)  unb  Ifyat  bei* 
flehen  wolle. 


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225 


Die  6tdDte  festen  auf  ben  gang  bc*  ^einricfr  Äragen 
unb  £an*  SRareu  300  gl. 

ftuf  alle  Dörfer  würben  von  ®örli$  auo  bewaffnete  ge- 
legt. Donnerftag  nad)  erteil  igen  (5.  sJlov.)  1511  verfugte 
Jiragen  Da*  Dorf  £äbnd)en  mit  c.  14  Zeitigen  )u  überfallen 
unb  in  branD  *u  ftecfcn,  wurDe  aber  Dura)  Die  bort  üegenoen 
20  gupfuectyte  abgefd)rerft.  hierauf  tt>anDtcu  fid)  t>ie  ?anbeö* 
befcfyäbtger  geu  Jtamenj,  um  Die  £taDt*  Vorwerfe  yi  vliinDern 
unb  \n  ruiuiren;  weil  aber  bie  mannhafte  fameiner  ^Bürger- 
fdmft  fte  barau  IjinDerte,  verbrannten  fte  auf  Der  gludjt  jwei 
Dorfer  bei  Jlameni..  Die  baufcener  famen,  unter  beö  jungen 
Stofenbavn  frltyrung,  oen  tfaumneru  wi  £ülfe,  verfolgten 
fragen*  SanDe  an  fed)ö  teilen  weit,  erfdjlugen  SJtcfc 
rere  miD  retteten  ein  grop  11) eil  beö  famenudjeu  Statt*.  — 
Spater  Marten  mehrere  üöürger  von  .Hamen}  in  Per  9(äbe  von 
ÄunnercDorf  burd)  Die  Raubritter  überfallen  uttD  rl>eilei  gefan- 
gen, tbeiltf  erfunden.  Diefe  fielwc  Dauerte  über  fünf  iabre, 
wätyrenb  welker  ^eit  in  0*6rli&  Iteto  70  Meifige  bereit  gefcal* 
ten  würben.  Da  ging  ^einvid)  .kragen,  Der  mehrmals  in  (*)e* 
fahr  fam,  gefangen  genommen  }u  werben,  uuD  Die  9iacfyfteUuii* 
gen  furdjtete,  aüfjer  fcanbee,  au  Den  £of  be*  ^erjogd  von 
Lüneburg.  J^auo  von  Waren  jebod)  trieb  fein  Uuwrfcu  fort, 
biä  ibn  fein  Sdndjal  erreichte  uuD  er  mit  3ofoff  von  tföcfrifc 
im  bejirfe  bee  Sifdjof*  von  Weisen  im3al)re  1515  gefangen 
würbe.  9Xan  führte  ihn  nach  Dreebeu  unb  von  Dort  uad) 
@tödi&.  ^Had)Dem  er  auf  Der  Roller  viele*  geftanben,  würbe 
Sparen  mit  Dem  Sdjtverte  hingerietet,  Montag  nad)  tyaui 
Eefehrung  (28.  3an.)  1516. 


3ef)itfc*  JfaptteL 

$ierfel)be  mit  3ttrait *).  1491. 

■ 

(£*  ift  bereit«  oben  angebeutet,  bajj  bie  ©örli&er,  wegen 
fyfre  Uebermutbes,  mehrmals  £änbel  mit  Den  anDern  6ed)ö* 
jtäDten  befamen.    6ie  wurDen  fowol)l  auf  Den  6täDtetagen 


*)  übnr  biefat  3lvift  ©öd.  9taU)öannalfn  (Script,  ror.  Las. 
X.  F.  II  203  ff.  V2V  ff.  Mjann  toonöuben.  ibid.  I.  ©.103.  ©.112  f.) 

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in  mau  al*  burd)  beu  tfanbvoigt  gefdjlidjtet,  ofyne  Xf>ätltdp 
feiten  nad)  ftd)  ju  ^te^eu.  £e$tere6  war  jebodj  in  bem  $ier- 
ftreite  mit  3ittau  md>t  ber  gaU.  $a6  $ier  war  für  ©örlifr 
einer  ber  gewidjtigften  unb  gewinnbringenbfiren  £anbel^8rttfel. 

waren  fdjon  viel  3«infereien  wegen  lleberfctyreitungen  bed 
SHeilenredjtS  vorgefallen;  bie  3tttaucr  aUein  fonnten  nidjt  baran 
gewöhnt  werben,  in  ben  (Sdjranfen  tl>rer  Bannmeile  §u  bleiben. 
^d)on  im  3.  1490  führten  fte  il>r  $ier  über  görlifter  ©ebiet, 
worauf  von  ®örli$  ©riefe  mit  Tarnungen  nadj  iittan  gin^ 
gen,  um  von  bort  au*  mit  Drohungen  beantwortet  *u  werben.. 
m&  gütliche  Söerfjanblungen  nifytä  fruchteten,  paßten  bie  ©örlifcer 
auf,  gelten  flauer  Eier  auf  görlifrer  ©ebiet  an,  gerfdjlugen  bie 
Raffer  unb  itcfeil  ba*  ©ier  auslaufen.  s3*on  einer  fol*en 
3J?at  heijjt  nod>  Ijeure  eine  Stelle  bei  £>flhri$:  bie  ©ierpfa&e. 

Die  3fttaner  nahmen  fold>e$  ^erfafcren  fefyr  übel.  £ie 
rüfieten  fid>  unb  (^rieben  an  mehrere  (£belleute,  unter  anberen 
an  <£l)riftopf)  Kaltenberg  auf  Düben,  ttiffa*  von  Dofyna  auf 
©rafenjlein,  ©otfdje  (gdjaafgotfdj)  auf  töimaft  unb  ©reiften- 
fteiu,  bie  (fblen  von  Xv"d)irni)auö  u.  a.,  fte  fonnten  görlifcer 
£ab  unb  ©ut  nehmen,  wo  fte  e*  fänben,  unb  möd;ten  t^nett 
in  biefer  gefybe  bebilflid)  fein,  ©inen  gewifien  JTrebä,  einen 
fleineit  Wann,  fenbeten  fte  nad?  ©örlifc  mit  folgenbem 
(sdjreibeu: 

„$öir  ©ärger  meiner,  *Ratl)mcinner  unb  gange  ©emeinbe 
ber  Stabt  Titian  tfyun  funb  unb  ju  wiffen,  (£«d}  ©ärger- 
meifter,  9tatf)  unb  ganger  ©emeinbe  ber  ©tabt  ©örlifc  unb 
allen  (§Hd)  Angehörigen.  9?ad)bem  3^r  über  ©ebot  unb 
Verbot  Aönigl.  sJDiaj.  unferer  allergndtngften  ^perrfebaft,  roiber 
verfdjiebcne  Änerbietungen  unferer  6eitä,  nnfer  gebraute*  ©icr, 
ohne  Dtidjterfprud) ,  auä  eigener  Sillfür,  mit  freiwilliger  ge- 
wappneter £anb,  uetymt  unb  mefyrmalä  willfürlid)  genommen 
f)abt,  erfläreu  wir  @ud),  wegen  feldje*  liebelet  nnb  böfen 
sJJ(utf)willen$  wie  vorfyer  getrieben,  ba  wir  fein  Äecfyt  erlangen 
fönnen  unb  efyrloä  bafteficn,  in  (Erwägung  beffeu,  waä  unä  von 
(£ud)  gefd^efyen  tft,  für  (Suren  8einb,  obgleid)  und  ein  Vertrag 
lieber  gewefeu  wäre,  unb  werben  nun,  wo  wir  wiffen,  fönnen  unb 
mögen,  bei  lag  unb  9tad)t,  Sud;  unb  allen  Rurigen  an  tfeib 
unb  (Mut  Sdjaben  wieberum  jufügen.  Söoüen  wir  unfere 
Gljre  bamit  vor  unfern  geifern  unb  ^elfer^^elfern,  wie  nöttyig 
ift,  vollfommen  gewahrt  Ijaben. 


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mt  Urfonb  biefe*  SriefeS  unb  wiegelt  mit  unfwm 

(begeben,  3ittaw#  $ienftagd  nacr)  Xrimtati**)  1491. 
Sürgermeifter  unb  iKatljmänner  ber  <Stabt  3tliau" 

(*be  nod)  Der  Sotc  au$  ber  Sorjtabt  unb  bcu  ÖJarten^äu* 
neu  berfelben  geritten  war,  fam  fd)on  ein  Sauer  au*  üß$enbifd)> 
ofng  mü  ber  Wadmdjt,  Die  ßittauer  hätten  bort  Da$  £*iefy  ge- 
nommen. £ie  waren  alfo  eingefallen  wiber  allen  Sraud),  ehe , 
nixfy  Der  Slbfagebrief  in  ©örlifc  fein  fontite.  2>ort  prügelten 
fte  bie  Sauern,  plünDerten  bie  Käufer  unb  führten  25  junge 
nnD  alte  *ßferbe,  für  3  £d>od  1  Gkofcbeu  StiuDer  unb  für  16 
Sd)otf  £d)weiue,  außer  anberen  Diugeu  unb  baarem  ©elbe,  weg, 

Daä  war  nicr/t  bie  einzige  Unbill  in  biefer  geljDe.  9tad) 
brei  Xagcn  famen  bie  3<^auer  \>on  Söfymen  l)er  btö  £eiDeiö* 
bi>rf,  raubku  ebenfalle  alle  Jlülje  unb  führten  foldje  nad} 
3i«au,  fo  baß  ber  Schabe  auf  (>70  Ifyaler  gefdjct&t  warb, 
(£d  würben  2—3  lobte  in  einem  @e!,wlje  gefunben. 

«Sofort  uad)  2tiifiinft  bed  wenDi|d}o|jtget  Sauerä  würbe 
iu  ©örlifc  bie  Sturmglorfc  geläutet,  bie  waffenfähigen  Sürger 
uub  bie  SblDner  bewaffneten  fid)  unb  nogeu  »ad)  SFßenbifcb* 
offtg,  wofclbft  fie  baö  9teft  jeDod)  leer  fanbeu  unb  bie  bei)* 
ni|d>e  Stebe  ber  3^«^  ^«getragen  erhielten:  „Die  ©örlifter 
möditen  fid)  il)rc  »Hübe  in  $ittm  auf  beut  Warfte  holen." 
sJWan  befe&te  jefct  äöälifc  unb  bie  Seinberge  bei  ©orlifr  ju* 
fammen  mit  2000  Wann.  $er  ^atl)  aber  befdjloß,  obwohl 
Die  Stabt  mäd)tig  genug  war,  um  vor  Zittau  \\i  jieljen,  nid)t 
(Mewalttfyat  mit  (Mewalttljat  *u  vergelten,  (ürr  fdjrieb  an  ben 
Hauptmann  nach  Sanken  unb  an  Signiunb  t>.  SÖartemberg 
auf  letfd)cn,  ben  fcanbuoigt  ber  JDberlaujty,  mit  ber  Sitte  um 
Sdjufc.  «SigmunD  Sartemberg  erließ  einen  frfyr  gnäbigen 
Srief  am  6.  Xage  nad)  gro^nleidynamöfeft  (8.  3»ni),  wonn 
er  ben  iNatl)  am  2.  läge  Darauf  (10.  juni)  nad)  Sauden 
beftellte.  ber  Sricf  Deö  Soigtä  augefommen  war,  jog 
fcic  ©labt  tyre  2000  Wann  nebji  bem  auf  400  Sagen  lie* 
aenben  ÄriegSjcuge,  Surfen,  Kanonen  n.  in  bie  Stabt  aurücf. 
3n  Sauften  erließ  ber  ^oigt  einen  Sprudj,  wonach  bie  (9ör* 
lifecr  Siemaubcm  bte  Sierfuhre  wehren  feilten  ^  wo  fold)e 
früher  Angegangen  fei}  bie  3ittauer  aber  fiety  furber  jeber 


•)  $en  7.  3unü 


15* 

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228 


geinjDfeligfeit  enthalten,  allen  Schaben  erfefreu,  unb  Die  ©efan* 
genen  ohne  ^ofeqefb  loälajfen  \oilten.  SBemt  bie$  uid)t  qefd>ef>ef 
würben  fie  ein  (fetrafgelo  *>on  6000  ungarifchen  ©ulben,  bereit 
eine  «£>älfic  in  bie  fouigl.  Cammer,  bie  anbre  bem  beledigten 
Steile  wallen  foüte,  jatylen  muffen. 

entfpann  ftd)  nun,  bei  beioe  üheile  ihre  Sad)e  in  <^rag 
führten,  ein  weitläufiger  ^ro^efj,  unb  warb  biefe  Angelegen* 

!»eit  erft  im  X  1497  vom  Könige  enrfd^iebeu.  oaä  (Sr* 
enntmt?,  nach  weUhem  bie  3ftt<*uer  gu  fdjleuniger  Erlegung 
einer  feine^wegä  uubebeutenben  ÖMbftrafe  »erurtt>etlt  waren, 
in  ^rag  erlaffen  war,  würben  bie  jittauer  Dtatb^Äbgefanbten 
fofort  in  ben  Thurm  gefänglich  eingebogen;  eine  Nachricht, 
weldje  in  ©ör(it)  fyüdjlidje  greube  erregte. 

ü>ie  3t^»fr  wollten  in  goige  biefe*  gefpannten  v$er* 
hältniffeä  and  bem  Bunbe  fdjeiben.  $ec3balb  bradjten  bie 
anberen  Stäbte,  uad)bem  lange  $ur  ^erföhmuig  gefpredKtt 
war,  oaö  Strafgeld  auf,  womit  bie  Stabt  ©örlifc  ben  $oigt  be* 
fdjenftc.  Obgleich  auf  foldje  Söeife  ber  Streit  gefd)lid)tet  war, 
hatte  ftd)  bochein  uNifjtou  in  oaä  ^ßevf>dltni0  beioer  Stäbte,  beren 
^ürgerfdjaft  einanber  mit  Spottliebern  eingefd)lid)en, 
unb  erft  baö  geineinfame  (£(enb  beö  Tonfalles  von  1547  t>er* 
modjte  bie  frühere  £enlid}Feit  in  bati  93unbeäi>erhältnif?  jurücf 


©efchidjte  ber  fatfcoUfdjen  ^arodjie.    Streit  be3 
Pfarrer*  mit  ben  granjiöfanerbrübern.  Söierfireit 
beä  ^farrere  mit  bem  ÜRatt)e. 

©örlifc  gehörte  mit  ber  ganzen  Oberlaufs  in  fird>ficf>er 
Beziehung  }ttm  SMäthum  beißen.  *Bon  bort  au*  erfolgten 
alle  befehle  unb  Betätigungen,  bie  ben  Dfeligiondfultud  an^ 
betrafen;  borthin  mufite  ber  Sebent  entrichtet  werben. 

Unter  ben  (Srjprieftcrftuhfen  ber  £)ber(auft$  war  ber  (*r&* 
priefterftuftf  ©örli$  ber  bejtauägeftattete  unb  baher  bei  einer 
(£rlebigwtg  fehr  umworben. 


ju  bringen. 


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229 


Stadj  bei  meißner  Vt6tbum$*TOarrWel#)  ftatit>cn  unmit- 
telbar unter  bem  Pfarrei  \n  (9örli&  bie  Jtircfyfpiele :  @Jörli$, 
^ermflrerf,  £eopolbc*bayn,  «£)eimer$Dorf,  £iffa,  ^enjig,  Sofyre, 
Langenau,  3WengelöDorf,  Äiefllingdwalbe,  (#rUna,  Lichtenberg, 
Vfaffenbcrf,  SBellmannäoorf,  ScbönbrHuu,  SWeba,  $aud)ri£, 
Deutfctyefftg,  3^wcrntff  ¥efd}wt9,  l*ber$bad),  <£wrfa,  SBenbifd)* 
offtg,  SRengerSborf,  3°w^  8»b»ltt#borfi  SRotbenbura,  (Ed?cn- 
berg,  Xroitfd)enborf,  £euba,  Äanfdja,  üMmSborf  (sAelaunc?), 
^arjncben,  über  Gielau. 

Die  Öeiftlidjen  tiefer  JUrcbfpiele,  bei  ben  Heineren  Jta* 
pellen  ineijtend  Äapläue,  ftanben  unter  ber  3ufpefticn  be$ 
(£r$prierterö  51t  0>övli^ ;  fte  erhielten  burdj  ifjn  alle  Verfügun- 
gen bee  Vifdjoffl  von  beißen,  ber  foldje  juerfi  an  batf  2>em* 
fapitel  in  Jaunen  gelangen  ließ,  unb  wanbten  ftcf>  in  ber 
Siegel  burd)  Vermittelung  betf  görlifcer  (Sr^pvicftcrö  unb  beä 
baufcner  Aapitelä  an  ba$  Viötrjum.  $>od)  ift  biefer  3nftan- 
genjuft  nicht  immer  aeuau  befolgt  Horben. 

£>ie  jpejicUe  Xfyätigfeit  beö  (Sr&priefter*  tu  (Morlifc,  glcid)* 
wie  ber  übrigen  ISrjprieftcr  ber  Cberlaufifc  war  wie  folgt: 

„$iefe  grfrriefiter**)  hatten  btc  8uf  ficht  uiebt  nur  über  bie, 
an  reu  in  ihrem  Sprengel  beßnblidjcn  Jtivdjeu,  ftefyenbeu  Pfarrer, 
fonbern  auch  über  bie  ju  bemfelbeu  gefycreuben  ^rebiger,  Sla- 
plane,  flltarificn,  ÖHöcfner  unb  «ftntter.  Sic  forbeitcu  baä 
Cathodratieum  unb  Charitritivum  (Abgaben)  für  ben  SMfcbof 
ein;  wohnten  ben  Svnoben  ju  ^Reißen  bei;  (um r igten  Die  auf 
Denselben  gefaßten  Vefdjlüffe  iljren  ^riefierit  ein,  unb  gelten 
mit  bieten  and)  felbft  begleichen  3ufammcuruufte.  ftuf  biefen 
WHroe  vor^üglid}  Die  SKecrjnuug  betf  Jtalenberä,  wegen  ber  vor* 
failenben  8w  vorgenommen,  unb  mau  nannte  be6r)alb  eine 
joldje  Svnobe  einen  Aatanb.  Jn  Kirchen-  unb  (Mewiffenö- 
fachen  würben  biefe  ßrjpriefter  um  jRatl)  gefragt,  unb  bebend 
liebe  gä(le  mußten  fte  an  ben  Vifcbof  berichten.  2lud)  fouuten 
fie  in  ben  .Ututcn  unb  Capellen,  in  welchen  etwas  Unfyeiligeä 
vorgefallen  war,  bie  göttlichen  ^lernten  3Xeffe,  Veidtfe,  lau- 
fen, Xrauungen,  *Jko$efitoueu  verbieten,  unb  ein  foldjed  Verbot 
behielt  fo  lange  feine  Jtraft,  bi$  e$  ber  ©ifdjof  wieber  aufljub. 


•)  Scfjctfc  0.  a.  £.  e.  612. 

••)  aWüUer,  *ö<rf.  eiu«  obttlauf.  Dc«fütmation^ffd)id)tf,  ©örlifr  1801. 
<5.  15  |f. 


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830 

yiod)  weiter  wohnten  fic  in  ben  ihnen  untergeorbneten  *Paro* 
dn'een  Den  .ftird)euredmungen  bei,  uitD  nahmen  and)  He  aber- 
tircnbcn  96ciber  in'e  ®erbör,  nm  aue'ftnbtg  *u  machen,  ob 
eine  foldje  gchlgcburt  burd)  Der  IVutter  £dnilt>  erfolgt  fei,  ober 
nid)t.  $aa)  Dem  s#eftnbcu  Der  Utnftänbe  belegten  ftc  biefclben 
mit  einer  ßirchenbuftc. 

Sin  bem  Orte  i t>i geifttid)eu  Stuhle*  waren  biefe  I5r^ 
priefter  ^it^lotd)  Pfarrer,  ^lebane,  *J3arod)i  (rt'ctorrs  divino- 
rurn  ofHciorum).  2)iefe  Wanten  führten  and)  Diejenigen  (Weift- 
ItaVn,  welche  an  bie  ihrer  9lüffid)t  anvertraute  Jtird>e  berufen 
waren.  3n  Den  älteren  Reiten  prebigten  fte  felbft;  ba  fieb 
aber  ihre  ®efd)äfte  vermehrten,  wohl  auch  ihre  (Hemäcbltdtfeit 
annahm,  fo  legten  fte  Mefen  $hfH  ^uer  s4*flid}ten  auf  anbere; 
fte  nahmen  ^rebiger  ober  ^räbifanten  an.  9Äan  finbet  tiefet 
im  14.  3flhrhttnbertc  atterft  gebadu,  »üb  wenigffcenä  in  Den 
6ed)e*ftäbten  würben  fte  allgemein.  3br  Mint  beftanD  vor$g* 
lid)  tamx,  baf*  fie  an  Den  Sonn*  nnb  ftefttagen  prebigten  unb 
nebenbei  ein  Seelcmegifter  führen  mußten.  86  war  bic$  ein 
93ttch,  in  weldjeö  biejenigen  s^eiftorbenen  cittgcfcbricbcit  Würben, 
bereit  liinterlaffene  gremibe  cd  oerlangten.  3brc  Tanten  wnr« 
Den  bieranf  unter,  ober  nach  bei  ^reDigt  oerlefcn,  unb  bamtt 
fo  lange  fortgefahren,  al$  mau  ftd>  il)rc  Seelen  noch  int  geg* 
fetter  backte.  würbe  an  bie  oerfammelte  (Memetnbc 

eine  (hmafmung  getban,  Hejim  Beelen  mit  Webet,  Neffen 
tttiD  anbent  oerbtenftlid)ett  guten  Herfen  jit  .£ilfc  ut  fomnten. 
SBebttrfte  cö  mehr,  um  ben  ^interlaffeueu  ba$  (*infd>reibeu  in 
biefeö  Scelenregtftcr  jur  heiligen  *Pflid>t  |H  mac"bcn? 

•Sowie  fta)  bie  Pfarrer  bcrglcicbcit  ^rebiger  auf  ihre 
eigenen  Soften  hielten,  ftc  nad)  ihrem  (Gefallen  annahmen  nnb 
oerabfdn'ebeten,  fo  war  bieS  auch  Der  ftau  mit  ben  Jcaplänen, 
bereu  fte  in  ben  SechSftäbtcu  biä  fedje  befolbeten  unb  mit 
Wohnung,  oerforgten.  3hlc  Vlmteoerridtfungcn  beftauben  in 
^effelefen,  laufen,  Statten,  in  ber  (*rtbeilung  ber  legten 
Delung  unb  überhaupt  in  bei  Verwaltung  ber  Safratnente, 
aufgenommen  bie  girmttug,  weldjc  nur  vom  ®tfd}of  oou>* 
gen  werben  Fonnte.  UeberDte«  hatten  fic  ihre  £orae  §u  fingen, 
3ahre6gcDäd)tniffc,  33egräbniffe  ic.  $tt  beforgen.  ?lua)  auf  Dem 
^anbe  gelten  jtd)  mehrere  Pfarrer  einen,  $wei  ober  mehrere 
Äapläne,  je  nadjbcm  mehrere  Capellen  in  ihrer  *ßarod)ie  bc* 
ftnblid)  waren.  £>iefe  Capellen  würben  au  folcfjen  Drten  erbaut 


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231 


weldje  von  ihrer  ^farrfirc^c  entlegen  waren;  ed  burfte  aber 
barm  kbiglid)  TOfffe  gelefen,  gebetet  unb  gefungen  werben. 

lleberbauvt  würbe  bie  Steife  für  ba*  wid)tigfte  Stüd  be« 
©otteätienfie*  angefeben  unb  ihre  <Rotl)Wenbigfeit  für  Sehen- 
bige  unb  $obte  bem  $olfe  auf  ba*  9*ad)brüdlid)f*e  auge^ 
priefen,  benn  eä  brad)te  @lelb.  Dura)  biefe  flnweifungen 
würben  benn  auä)  viele  bewogen,  äird)en,  Capellen,  unb  in 
ben  bereite  vorljanbenen  ,f  ird>eu  Altäre  au  ftiften,  in  ber  Wti* 
mmg,  baß  tyren  unb  ber  3brigen  Beelen  baburd)  am  beflen 
Geholfen  fei;  benn  man  glaubte,  baß  bie  ^eiligen,  benen  *u 
(froren  biefe  Stiftungen  gefa)af)e«,  ihren  Stiftern  unb  9iad); 
fommen  in  auffteigenber  Sinie,  mit  i^ren  ^crbienfHen  unb  mit 
ben  babura)  beförberten  guten  Herfen,  im  SHkrfe  tl>rer  Selig; 
feit  ;u  flotten  fämen. 

diejenigen  nun,  weldje  einen  8(tar  fHfteten,  mußten  baju 
9Neßbüd>er,  Jtekbe,  ^atenen,  tfeudjter,  Siebter,  sIReßgcwanbc 
antdjaffen,  aua)  ein  Kapital  auflfefcen,  von  beffen  3infen  ein 
SWeßvriefter  erhalten  werben  Fonnte.  $a$  v|*atronatred)t  über 
foldje  «Itärc,  womit  bie  Äirä)en  $um  $f)eil  fetyr  überlaben 
waren,  geborte  ben  Stiftern  berfelben,  unb  mia)  ihrem  «bieben 
benen,  weld)e  fie  in  bem  Stiftungebriefe  baju  beftimmt  fyattcii. 
Die  von  ihnen  ba$u  erwarten  SNeßvrtefter  mußten  bem  Df* 
faial  bed  S)om»robfte$  kauften  vorgeftellt  unb  von  il?m  in 
ihre  flemter  eingewiefen  werben.  £iefc  $Heßvriefter,  über 
weldje  ber  *ßarodwe  eine*  jeben  Orte*  bloö  bie  flufftd)t  führte, 
ohne  fonft  etwa*  mit  tyneu  )u  tfjuu  ;u  traben,  gießen  aud) 
Hltarifien,  unb  mußten  alle  7  Seiten  von  bem  $ifd?ofe  er; 
halten  baben.  <*in  3ebcr  von  il>nen  mußte  an  bem  tym  an* 
vertrauten  flltare  wöa)entlid)  wti,  brei  bi$  vier  sJHeffen  lefeir, 
bann  aber  hatte  er  aua)  alle  feine  9eraf*pfltd)ten  erfüüt,  e* 
wäre  benn,  baß  nod)  außeibem  in  gewiffen  galten  Steffen  bei 
ihnen  beftellt  worben  wären.  ($6  fonnte  aud)  ein  Hltarift 
mit  jwei  Hitären  belebut  fein,  weun  nur  bie  SReffat  berfelben 
nid>t  auf  einen  lag  fielen;  benn  mefyr  al*  eine  SWeffe  burfte 
deiner  in  einem  £age  lefen.  Hud)  war  e$  erlaubt,  baß  ein 
$ltarift  an  einem  anbern  £>rte  tfanonifer,  Pfarrer  ober  £a; 
plan  fein  burfte;  mir  mußte  er  ftd)  an  bem  «Itare,  von  wel* 
a)em  er  abwefenb  war,  einen  $ifar,  wela)er  aud)  'JJrofurator 
ober  Scrwefer  genannt  würbe,  galten,  welches  aud)  bie  Pfarrer 
in  ifyrer  Hbwefenfjeit  traten.   Dergleichen  »Itariflen  ober  foge* 


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232 


nannte  *ßriefUr  gab  e$  in  ben  €ed)6jtäbten  20  bitf  40  (in 
©örli£  le&tere  »njabl);  Denn  bie  $egierbe,  (Stifter  eine*  XU 
tarä  }n  fem,  war  nicfn  wenig  tf>älig,\tnb  *a  cnblid)  f>ie  unb 
ba  in  ben  Jiirdjeu  fein  $(a(  mcb'r  ju  ftnben  war,  fo  gab 
ber  93ifd)of  bic  (Srtaubniß  baju,  ba(?  bei  ben  bereits  vcrhaiu 
benen  Altären  nod)  ein  ©epifl  für  einen  anbem  ^eiligen  er* 
riebtet  werben  burfte." 

©otdjc  Doppelftiftungcn  gab  e$  in  (Worlifc  mehrfache. 

$öie  bic  Ur|"prung<tyefd)id)tc  ber  älteften  f)ieftgett  JUrdjcn, 
ber  Nifelat',  6anft*95€ter*  unb  ^autefirebe,  ber  heiligen  @*eift* 
unb  <St.  Safotofapelie,  ift  aud)  bic  frübefte  (**cf4nd}te  ber 
$arod)iaf;(9eift(id)fcit  in  unburcbbringlicrjeä  Dunfcl  gehüllt. 
3m  Anfange  beö  14.  3abrl)unbert$,  *u  welker  3«it  bic  eiffen 
tarnen  von  Pfarrern  auftaudjen,  waren  bie  finfy(td>cn  Wer? 
bältuiffe  ber  6tubt  C5örli&  Ivxngft  georbnet  unb  bem  allgemein 
nen  $raucf)c  ber  fatl)oltfd>en  SBelt  gemäjj  geregelt. 

Die  Pfarrer  batten  ein  befonbcreS  (Betäube >  ben  $fatt» 
bof  beim  9WclaifirdU)ofe  inne,  unb  geborten  *u  bemfclben  eine 
große  sIWenge  Werfer  biö  nad)  (Sbcrebad)  bin,  weld)e  einen 
reicblidjcn  Ertrag  brad)tcn.  Der  Pfarrer  Martin  £d)mibt 
(gaber)  öerfaufte  im  3-  1508  um  2H  «Warf  iäbrlidjen  3inftf 
bem  ftatfjc  bad  ^farrgrunbftürf.  3m  3-  1530  ließ  ber  dlaty 
ben  *Pfarrt)of  bei  ber  Wfolaifircbc  abbreeben  unb  baute  bae 
neue  ^rebtgcrfyauci  9fo.  308.  bei  bei  ^etcrefirdie. 

Die  ©efdjidHe  ber  fatfjcüfditit  ^aroebie  ftebt  tu  ber  eng? 
flen  *8crbmbiing  mit  ber  ^erfen  ber  betreffenben  Pfarrer.  Die 
S(nftd)ten  biefer  Seilte  waren  ftettf  majjgebcnb  für  baö  geifc 
(itibe  £ebcn  in  ©örlifc.  Der  ffiatl)  battc  aud)  bebeutenbe  unb 
foftfpiclige  $änM  mit  fold)en  Pfarrern  burdnufübren,  welche, 
pod)enb  auf  bie  allgemeine  ^brerbietung,  bic  man  ibneu  wegen 
ibreS  Amteö  joüte/ifjrc  ^cfHgniffe  Übertritten,  unb  Eingriffe 
in  weltlid)e  Angelegenheiten  fid)  erlaubten. 

lieber  ben  älteft  befaunten  Pfarrer  \\i  (Mörlifc*)  fiubet  ndtf 
merfwürbigerweifc  in  Öörlty  felbft  nid)t*  vor.  Deffclbeu  wirb 
gebadjt  als  eine*  "Begleiters  befl  sIRarfgrafen  \\i  33ranben* 
bürg.  Diefer  Pfarrer  hieß  3obaune0  unb  fdjeint  weuigftem5 
in  ben  3af)ren  1315—1317  fid)  nur  am  marfgräfltd)en  £ofe 


4 

•)  l*tn>aö  von  bem  älteften  oefannten  Pfarrer  in  ( 

$to»in$ialHätter  5.  6tä4  e.  65  ff. 


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aufgehalten,  feine  Pfarre  aber,  wie  wir  bicä  bänftg  fmren, 
butrf)  befoloete  s}rer>iger  befprejt  ;u  haben,  Jofyaimed,  ^ieban 
von  ®örlifc,  war  am  8.  Juli  1315  bei  teilt  9hutf)rafrn  3** 
bann  v.  iBranbenbma,  in  ber  StaDt  £cltwerel  anwefenb,  alä 
jener  ba$  Dorf  £>anem  rem  .ftlofter  X)tftorf  rerfauftc;  er 
fduieb  bte  Urfunbe  mit  eigener  •gjaut»  iiieber,  al£  SRarfgraf 
3ohamt  ;n  cpattbau  am  3.  9cot>ember  1315  ber  etabt  93ran* 
benburg  Den  6d>öffenftubl  unb  bic  £>bergeria)te  burd)  bie 
game  sJWarf  verlieb.  Jn  biefer  Urfunbe  wirb  er  Kaplan  bc6 
twarfgrafen  genannt.  Jn  ähnlicher  2i>eifc  fommt  fein  Warne 
vor  beim  22.  JhU  1315,  21.  «pril  (Wittwod)  itad>  ber 
Dfter^Oftave)  131H,  ferner  8.  jHni  in  Gegenwart  bc6  Warf* 
grafen  2ßalbemar  von  $ranbenburg.  Johanne*,  Pfarrer  &u 
ÜJörlifl,  in  (Memetnfcbaft  mit  (Shriflian  OterGborf  ((^erfyarb; 
ftorf),  rerabrebete  am  1.  Januar  IM  17  ut  SHkipenfctö,  bie 
(£heftiftung  ^wtfdjen  ber  £dwefter  betf  ^Jiarf  grafen  |ti  $ran* 
benburg  nnb  bem  Warfgrafen  ftriefrrid)  bem  Jüngeren  pou 
Weiften*).  3um  legten  Wale  wirD  feiner  gebadu  am  21.  6ept. 
1317,  an  weld>ent  läge  er  in  <Spaubau  Stu^t  war,  alt*  ber 
Staffgraf  Johann  ber  £tabt  SSeerwatoe  ben  »See  03orc<  unb 
andere  Wtter  reif  au  ftc.  Tie  «frupotrjcfe  bc*  M.  .ftlet?**),  ba& 
er  fty  nad»  bem  Tobe  be$  Warfgrafen  SBalbemar  mid)  (Mövlifc 
begeben  uno  fein  8mt  verwaltet  habe,  fdjeint  nidjt  unwahr* 
fa)et;iltrf). 

Srfl  im  J.  1364  findet  ftd)  wieber  ein  Pfarrer  ut  (9or* 
Uft,  beffen  Warne  geontyarb  war.  (*i  war  and)  .ftanontfud  in 
$rünn  unb  febetnt  ein  frommer  ^>err  gewefen  ftu  fein,  ba 
mehrerer  Stiftungen  buraS  ihn  gebaebt  wirb.  @r  ftiftete  im  J. 
I3ti4  ein  Jafyreegtbäcbtiriri  fiir  fia)  unb  feine  (Altern  unb  im 
3.  1374  in  ber  et.  9cifolaifirche  ein  $Utar  \\i  (Ffyren  ber  hei- 
ligen Dorothea.  Jm  J.  1374  erfolgte  fein  Tob.  lieber  einen 
Pfarrer  Johann  d.  Äotelify,  welcher  im  J.  1381  ftarb,  finoet 
ftd)  nta>W  ScäljereS***). 

2L*ann  ber  Wirrer  Johann  v.  i'utifc  ba$  görlitjer  sßfarr- 
lehn  überfommen  habe,  läßt  ftd>  nidjt  nadjweifcn.  ^eim  J. 
1384,  unter  bem  27.  November,  fommt  fein  9came  baä  erfte- 


")  Ri«*dol,  codex  diplom.  Brandenburg.  II.  £aupttl).  I.  ©.  p  396. 

•)  a.  a.  O.  €.  59. 

•)  Utfttnbcn»frjetrt)ni^  I.  111. 


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23i 


mal  t>or,  unb  &war  bei  (Uelegenbeit  einer  Streitigfeit  über 
VcidHiimctHT.  €d)on  r vi nuilc  niedre  eo  9raud)  fein,  rat;  bie 
2  labt  ut  33eftattungen  gegen  eine  ($ntfdiäbigung  Vcid^cuiudnu 
verlief.  Der  Pfarrer  fc^etttt  biefeä  ®elb  für  fid)  in  ftnfprud) 
genommen,  ber  fRatf)  biefetf  &njtnnen  jebod)  abgelehnt  ut  ha 
ben,  tveobalb  ein  ^tvift  entftanb,  weldjer  bem  <£>erjoge  \\n 
$ntfd)eibung  überwiefen  warb.  Der  (5ntfd)eib  erfolgte  am 
genannten  Jage  bafyüt,  bap  beut  Pfarrer  jeber  Änfprud)  an 
bie  über  bie  3  obren  ui  legetiben  I  iidu*r  abgefprod)en  würbe. 
3m  3-  1385  überwies  berjelbe  Pfarrer  bie  lafelaelber,  weldje 
bei  geidtenbegängitijfeu  für  bie  helfen  auf  ben  ftltartifd)  ge- 
opfert würben,  bem  Wathe  gu  ©örlifc,  unter  ber  ©ebingung, 
bafe  foldje  für  bie  6t.  ^eter*  mir  €t.  :Wifolainrd)e  unb  beren 
Erneuerung  unb  3$efferung  verwenbet  würben.  Daö  9tota* 
riatdinftrument  ift  vom  27.  3uli  1385. 

Johann  v.  Vntin  gerietl)  mit  ben  aörlifrer  gran$i$fanern 
in  einen  3wift*),  ben  wir  hier  auäfufyrlidjer  bebanbeln  mütTeu. 
($6  huren  fid)  nod)  auf  bem  *Kathhanfe  Diele  Dofumente  über 
biefe  «ödnfcel,  weld>e  julefct  für  bie  3Rönd)c  traurig  enbeten. 

Die  Äuäübung  ber  »Seclforge  (officia  divina)  war  ber 
©egenftanb  oeä  3anfed. 

Die  9Wönd)e  matten  fid)  bie  Seelfergc  über  bie  6tabt£c 
meinbe  an,  unb  ber  Pfarrer,  welker  tiefen  bebeuteuben  6ui* 
griff  in  feine  *Red)te  nid>t  leiben  wollte  unb  fonnte,  wiberfefcte 
Jid)  biefem  treiben  ber  granjiefaner  feit  bem  3flfae  1386. 

Der  fftath  warb  baburd)  veranlaßt,  fid)  an  ben  4)er$og 
3ol>anne$  nad)  ^rag  \u  wenbeu,  wrid)er  nad>  ben  *Kathorert> 
nungen  jtd>  auf  niduo  Weitere*  einlief?,  fenbern  nur  im  8U* 
gemeinen  beibe  3  heile  \m  ?Knhe  ermahnte. 

Die  9Jcond>e  jebod)  festen  bie  getftlid?en  ^anbluuaen,  ;n 
benen  ihnen  alle  3kfugniß  mangelte,  fort,  prebigten  mit  cd^ma- 
fjungen  gegen  ben  Stabtpfarrer  unc  wiegelten  im  93ci(t>tjtuf)lc 
ba*  sl*olf  gegen  ihn  auf.  Sie  gewannen  ben  Demanten  p 
3ei&,  «£>eiitrtdr>  von  l^Uiloron",  unb  biefer  ibat  ben  Pfarrer  in 
ben  ®änn.  iBenngleid)  ber  $ann  wtrfung6lo$  war,  weil 
©örlifc  nia)t  §ur  Didiefc  3ei$  gehörte,  machte  biefe  Sadje  bod) 


*)  Tic  aftenmägigt  3>arftettunq  Nefe*  Streite«  f.  in  btn  flnmn 
fangen  jutn  gerlifcet  $ran$i*fanct  ;Iofrt<nbu4)t:  N.  Script  rcr.  hin.  I. 
P  322  ff. 


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235 

bem  Johann  fron  Surift  viel  $erbruß  unD  einen  tfofilenaufwanb 
freu  3UO  (Wnlrcn.  Cr  verflagte  hierauf  Da*  Älofter  bei  ^apft 
Urban  VL,  von  welchem  Die  Itntrrfuchung  Dem  *l$eter  v.  £uppa 
übertrafen  warb,  ^nre  1  heile  nutzten  ftd>  einen  bcvoUmädV 
rigten  *ßrofnrator  in  »Horn  erwählen;  Der  Pfarrer  3obann  v. 
Vutifc  ernannte  Dam  einen  gewtffen  >haint  (Matthew,  Da$ 
.ftlofter  unD  Der  Decbant  von  3*i&:  3ofob  v.  Subntajo.  Der 
Nachfolger  Detf  im  1389  geworbenen  ^apfled  Urban  VI., 
*Papft  Sfoitifaj  VIII.  überwies  Den  *ßrr*eß  einem  anderen  £om* 
mifjartitf,  welcher  Die  Parteien  nad)  iKom  InD.  Die  Stditcfyc 
blieben  au6  unD  beachteten  Den  Dermin  nia)t,  Der  dichter  aber 
erfannte  gegen  |te,  verurtfyeilte  jtc  aud)  $u  8a)aDen>  unb  Äo* 
fteuerfa^  air  Den  Pfarrer.  Da  fie  gegen  Diefe  EntfcheiDung 
Appellation  einlegten,  würbe  Der  $ro$e|?  einem  Dritten  ÄuDitor, 
•Uetrnö  von  Sloreit},  übergeben.  Much  Diefer  verurteilte  Da6 
graiuiäfanerflofter,  mit  Der  Drohung,  ecJ  werDe  in  Den  Saun 
getrau  werben,  wenn  etf  ftcb  noch  ntd>t  fügen  wolle.  Die 
i&uofübrung  Der  Gntfd)eiMiug  befahl  ber  $apft  Dura)  feine 
Statte  d.  d.  töom  vom  5.  sJföai  1391  Den  Drei  ©etfUicbcu: 
33ifd)of  IQ  üuben,  Dem  *Prior  auf  Dem  Ctybin  unD  Dem  6rc6* 
lauer  Dffcitfl:  @eorge  8uUfd)üffel.  9?od>mald  ermahnte  Der 
55ifa}of  v.  Xuben  Die  ^Äöncbe,  ftch  Der  (SntfcheiDung  fügen. 

Da  auch  Diefe  Slnfpradjc  Den  Xrofc  Der  äKönd^e  nicht 
beugte,  warb  auf  fie  d.  d.  $re*lati,  21.  fluguft  1391,  Die 
Sannbitfle  gefcbleuDert.  3ie  ift  abgeDrucft  in  Den  fdjon  er- 
wähnten Erläuterungen.  Wachem  Die  (*)efd>ichte  De*  sl<ro*effe6 
erzählt,  Die  Sutlc  De*  i>eil.  Rarere*  vom  5.  2)tai  1391  wört* 
lieh  mitgeteilt,  folgen  Darin  Die  gUd)Woite,  weldje  aUen  ÖJeift* 
lia)en  unD  Weltlichen  $ur  ftrengen  $aa)achtung  anbefohlen 
werben.  &h  btefer  merfwürbigen,  noch  heute  im  görli&er  Ar- 
chive befinblicben  Urfunbe  bangen  53  Wad)ofiege(,  von  Den 
verfd)ieDenen  jcuaeti  unD  ^ßodftredern  &ux  Beglaubigung  De* 
Baut*  au  Da*  Pergament  angeheftet. 

Doch  Die  SBirfung  De6  Sannes  fonnte  fehon  Damals  in 
ber  öffentltdjen  Meinung  nicht  mehr  fo  fchrerflid)  fein,  als  in 
frühem  3<*hrhuttberren.  Die  2>täbter  brachen  trofc  beä  San- 
nes Den  geiftlid)en  $erfebr  mit  Den  $Rpitd}tn  nicht  ab,  fo  Daß 
Voiuac  feinen  ($nmb  fanben,  um  ftbfoiHtton  \\\  bitten,  unD 
noch  im  3.  1393  im  Sanne  lagen.    Der  Pfarrer  Johann 


d  b^l^igle 


2S6 


».  ?Hti$  war  baljer  feiuerfeitä  *u  sJRa|jregeln  genötigt,  welche 
nunmehr  bie  gauje  £tabtgemeinbc  betrafen. 

(?r  fprad)  Den  Sann  über  bic  gan^e  ©tabt  and  mit  ber 
(frrfltirung:  fo  lange  bie  im  Sann  lebenben  s)Wtmd)e  in  ber 
£tabt  gebulbet  würben,  fönnc  er  weber  SÄcjfe  lefen,  noch 
ben  Sterbenbcn  bie  üröftnngen  be6  heiligen  (Eaframented  ge* 
währen,  nod)  lobte  beerbigen. 

Um  ben  Sann  redrt  fühlbar  ju  machen,  wählte  Johann 
v.  üutifc  Mim  flu*fpnid)c  bcffelben  bie  3^*  »or  Cftcrn  nuD 
ließ  bie  Verfügung  um  ?atarc  befannt  machen.  Ter  :Tlath 
wenbete  jich  an  ben  Sifchof  &u  ÜReipcn  na*  Steifen  unb  bat 
um  ^baltungöanweifung,  erhielt  jebod)  feinen  günftigen  Se- 
fdn'ib.  (*rft  nadjbem  ber  !Ratb  ftch  baju  bereit  erficht  hatte,  • 
bie  ÜSftöncbe  nöthigenfall^  mit  ©cwalt  au<3  ber  Stabt  \u  ent- 
fernen, fam  bie  (frlaubniß  inr  Secrbigung  ber  Seidjen,  benen 
wochenlang  ba$  Segräbnip  verweigert  worben  war.  Der 
SRatfj  fette  fein  s3krfprcd)en  ine*  SBcrf.  3»  ben  ?Hath$rech' 
nungen  fiuben  ftd)  jwet  3checf  (Mrefdjcu  aufgeführt,  nad)  be- 
reu Empfange  bie  sJWond)e  aus  ber  (Btabt  weggefallen  würben, 
hierauf  befenten  bie  (Etabtfnedne  baö  .^lofter  unb  bewad>rcn 
ed.  DicfecJ  cuergifd)c  tfinfchrcitcu  brachte  bic  9Rönd)c ,  über 
beren  Aufenthalt  nad)  ihrer  Stabtverweifung  nidne  befannt 
ift,  gm  Wadjgiebigfcit.  Wach  wenigen  Senaten,  gegen  dnbc 
3uli  1393,  laugte  ein  päpftliche«  Steve  von  föom  an,  wel- 
d)ecj  bem  Sifchof  vi  beißen  anbefahl,  bic  granjtcManermöndje 
jim  ©örlifc  auc3  bem  Sanne  \\\  befreien. 

Died  gefchah  unb  bie  SRdnchc  jogen,  nach  erfolgter  (Eini- 
gung mit  bem  Pfarrer,  wieber  in  ihr  itioßer.  hiermit  wa- 
ren bie  Solgen  biefetf  Serfahrenä  noer)  nicht  beenbet.  «£>eneg 
3ohann  von  Wörlift  war  empört  über  ba$  gewaltfame  SBer* 
fahren  be$  *l*farrer<3  gegen  bie  gran^tefanerbrüber.  ($r  for* 
berte  baher  3obann  v.  i'utifc  auf,  ftd)  in  sJ*rag,  am  böhmi- 
fdjen  $ofc,  vor  ihm  $u  rechtfertigen.  Der  Pfarrer  fewobl, 
altf  ber  SRath  fürd)tctcn,  baß  man  fid?  an  bem  ^orgelabeneu 
tbatfächtich  vergreifen  würbe.  Daher  fdnefte  ber  iKatb  wer 
(Hcfanbtc  gen  ^rag,  um  bem  Pfarrer  jtchereä  ©eleit  auSju- 
wirf cu.  Diefc  ©efanbtfchaft  mu^te  wiel>erboU  werben,  unb 
baten  bie  ftbgeorbneten  be6  jRatheä  ben  <£>erjeg  au(3brücttich, 
ftd?  nicht  an  bem  ^farrherrn  ju  vergreifen.    2Baä  in  ^rag 

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237 


^uKib,  tft  und  unbefannt.  ler  Streit  hatte  übrigen*  fefyi 
Demoralijtrenb  auf  ben  Älerue  Der  dJegeub  bewirft. 

SÖtan  fttti)  Dainalö  in  <$örli$  einen  (Öeiftlicben,  welcher 
geftoljlen  hatte  iiitt>  in  ben  eteef  fam.  9)?an  überwiee  ihn  Dem 
SMfchofe  ;u  deinen,  welker  ihn  lange  jeit  auf  beut  8tolpcn 
gefangen  bied,  bann  aber  nach  GJörlifc  unücffeubete.  £ier 
warb  er  Durch  ben  genfer  gebranbmarft  unb  foDauu  mit  Dem 
Schwerte  vom  ^eben  *um  $obe  gebraut. 

3m  3.  1406  würbe  ein  JUerifer  Koren)  (Klünenberg,  laut 
ften  9iatherechuuugeu,  gleichfalls  in'ö  @)efängiutj  gefegt  unb  in 
rem  leihen  3al)re  etned  gewiffen  »£>orn,  alö  ^f^^rer  $u  ®örli$, 
geDacf)t.  2&aun  £orn  Die  i*fauc  iiberfoinmeu,  tft  nicfyt  nach* 
wweifen ;  er  fcheiut  neben  Johann  0.  Vutifc  vielleicht  als  53ifar 
gewirft  ;u  tyaben,  Da  Diefer  erft  im  3-  1408  an  Der  $efi  ftarb. 

3m  3.  1409  wirb  ^einrieb  iftoii*)  ein  Pfarrer  ui  Öörlifc 
genannt  (£r  war  früher  Äaplau  Deä  ,$tönigd  $i$eii)el.  3« 
feiner  $tit  warb  Da*  £orf  Ober- Gielau  auf  Die  $eteröfir$e 
angewiefen,  nur  bie  (Siufuufte  411  einer  gruf>meffc  Leu  11131. 
8ud  biefer  Jrühmeffe  ifr,  nach  Der  fattyolifdjeu  3eit;  Die  grub* 
prebiejt  geworben,  £ein  Nachfolger  fcheiut  Johann  v.  Jtittlifc 
gewejen  $u  fein,  welken  in  Der  fcfyweren  ^nfttenjeit  viel  Reiben 
trafen.  8 eine  ^farrfelber  würben  mehrfach  verwüftet  unb 
baber  feine  (Einnahmen  fetyr  gefd)mälert.  (Einige  $cit  vor  bem 
Sluobructye  ber  Unruhen  ober  vielmehr  vor  beu  &$irfuttgeu  Der* 
felbeu  auf  bie  JDberlaufty,  fdjrieb  Der  $Mfchcf  WuDolf  v.  Zeigen 
an  ben  ^(eban  \\i  ©örlifc,  bie  9{achläffigfeit  ber  ^Itaiiften 
nidtft  ferner  \u  DulDcn  unb  bebrohte  folctye  mit  Dem  öanne* 

3n  ber  £>uftten$ett  fanb  ein  ehemaliger  ^rebiger  \u  ©ör* 
li$,  welcher  in  SBünfcfyelburg  i.  6.  Pfarrer  geworben  war, 
bafelbjt  ein  enrfe&lidjed  (Inbe.  Martin  von  s3olfenbam  er* 
jäfjlt  Diefe  $f)atfache**). 

Nachbem  bie  $ujttett  im  3-  1425  2öünfd)elburg  eingenom* 
men  unD  in  $ranD~  gefteeft  hatten,  bei  welket  Gelegenheit  bie 
in  ben  Vellern  verborgenen  3ungfrauen  erftieften  unb  bie 

1  

*)  Qiefer  Warnt  nt  urfunblidj  brgrünbet.    Stotfte  in  feinen  Um* 
natietteln  tu  St.  'Jtifolai  vom  3a(jre  1773  nennt  ihn  $etnrid)  ftoU)t. 

.  Wbl  ber  C'bcrL  ©ef.  ber  Sö.  20.  L.  IV.  20. 
••)  93on  ben  £ujit<nfri<gen  in  <£d)lejieu  unb  ben  ?auftfcen.  N.  Script 
rer.  Ins.  I.  p.  3öö,  366. 


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238 


Leiber  mit  Dcit  ^tttbrrn  Den  bem  Reinbe  entladen  weiten 
waren,  blieb  julefct,  in  $olge  ber  ©innafyme  beä  <Sd>lo)7ed 
fsteinhawz)  ned}  ber  Pfarrer  9Reger(in  mit  (ebigen  ©efcUen 
mrüd.  (£r  ermahnte  fte  *uut  fyeftigften  ^Btl>crftant>c:  „hieben 
©efellen!  wehret  eud)  beute  eurer  «ipälfe  uul>  ))el)t  feftj  wenn 
ihr  eud)  gefangen  gebt,  werben  fie  cu<ty  quälen,  martern  unb 
peinigen!"  &ufaug0  befolgten  fie  feinen  *)iatr),  Da  fte  aber 
fafyen,  baß  ftd)  t>tt  bürget  alle  ergeben  batten,  gerieten  jie.in 
fturdjt,  ließen  nad)  unb  uberlieferten  enblia)  baä  <5a)lop  bem 
Seinbe.  9iur  3Negerlin  unb  ein  alter  iDorfpfarrcr  blieben 
rürf,  würben  von  ben  4puftteu  l?erabgefyolt  nnb  unter  bad  £eer 
geführt,  ^eifter  ftmbrojtuo,  ein  größer  «£>nfue,  rebete  bier 
ben  Pfarrer  latetnifd)  an  unb  berfpradj  tt>m  bae  ¥eben,  wenn 
er  wiberrufen  wolle,  watf  er  geprebigt  babe;  im  C*)egentl)eüe 
würbe  ifym  ber  S^uevtol)  angebn>r)t.  £od)  SMegerliu  fpraa): 
„£>a$  wolle  ©ott  ui$t,  baß  ia)  wtberrufen  follte  bie  äßatyr* 
beit  unferd  ^eiligen  (£l)riftenglaubene ,  um  biefer  furjeu  ^ein 
willen.  Ja)  fyabe  gelehrt  bie  Safnbejt  ju  *J>rag,  &M  ®*>r* 
(i$,  *u  (#ra&,  unb  weif)  aud>  um  berfelbeu  willen  &u  fter* 
ben!"  $>iefe  fyeroifd>en  $i>orte  rührten  ben  wütl)enbeu  §einb 
jeboeb  nid)t.  (Sin  pullte  braute  eine  3d)ütte  ctrob.  8ie  ban* 
ben  unb  gürteten  e$  ibut  um  ben  $eib  uub  liefen  ben  Unglüdli* 
a)en,  naetybem  bad  £trol)  angejünbet  worben,  fo  lauge  fprin* 
gen,  biö  er  bura)  ben  Ofaita)  betäubt,  $u  ^öoben  fanf.  iaun 
warfen  fte  ihn  in  eine  Sraupfanne  \>oll  jlebenben  SBafferä, 
nnb  ließen  ben  alten  Dorfgeiftlidjen  gleid)falle  biefeä  entfe$lia)e 
£a>irffal  tbeüen,  btö  $eibe  ben  @eift  aufgegeben  Ratten. 

s)tad)  biefer  Abweichung  weubeu  wir  un6  *u  beu  görltber 
^farrexn  jurürf  unb  fugen  nur  in  $egug  auf  Jebanu  i\  .Hill* 
u>  nod>  t)inftu,  baS  wäbreub  feine*  &ben*  bie  6tabt  zweimal 
in  beu  Samt  gerietb. 

äkraiüaffung  ba&u  gab  bie  Weigerung  ber  etabt,  bie  fo- 
genannte  Äe$erfteuer  ju  entrichten,  weü  fte  ^iulaualid)  Soften 
ber  Hefter  wegen  gehabt  fyabe  unb  nod)  tyabe.  &od)  mupte 
bie  Stabt  aal)len  unb  würbe  erft  uad)  ber  3af)(ung,  unterm 
IG.  9Rärj  1431,  auö  bem  tarnte  entlaffen.  3wei  Sa^re 
barauf  fprad)  ber  ftelfoerlretenbe  Äommiffar  be$  &idrl)umd 
beißen  ben  Stenn  über  bie  ©tabt  and  in  äbnlid)cr  Angelegen« 
heit.  (Sie  fyatte  ndmlid)  trofc  t)telfact)er  Erinnerungen  ben  bt> 
fa)öfli(^en  3w*  oon  70  ©eragenen  nia)t  entria)tet   Äm  14. 


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239 


Dftober  bejfelben  3abre*,  1433,  warb  tiefer  Baun  anheben, 
»ad)bcni  Die  Vorüber  ben  $mbor  befriebigt  baitru. 

> banne*  von  Äirtüfc  bewilligte  ain  9.  September  1435 
^ctt  35au  eine*  #aufes  beim  Utfmyfi  uebjt  Sobnung  für  ben 
Slltarifteu  >bann  3mrw,  beim  6t.  Äatl^arinenaltar  in  ber 
6t  Wfolatftrdje;  er  Ktgte  jtcb  enblid)  bem  »Xatlje  baburety  ge* 
fällig,  rat;  er  bie  ßrflärung  abgab,  »eU(id)e  Eadjen  follten  niebt 
vor  ba*  geijrlidje  Qkxi^t  geigen  werten.  (Sm  16. 3wni  1437). 

(fr  jiarb  alt  unb  lebenemübe  im  3abre  J438. 

lieber  feinen  9tad)folger  >|teter  Jtaloe  ift  wenig  befannt. 
(£r  war  unter  bem  vorigen  ^rebiger  feit  1430.  Jtalbe  ßanb 
in  großem  flmeben  am  faiferücfyeu  £ofe  jriebrid}'*  III.,  unb 
war  am  18.  SRärj  1452  bei  beffen  ÄaiferfröiiHng  in  Born 
zugegen. 

Äußer  Dem  $farrlebn  ;u  CHcrlt^,  befaß  er  nod>  al*  jülid)* 
fttyer  ^robft  411  ^torbbaufen  ^frttnben  unb  war  Domfycrr  beim 
beil.  .Urem  ui  Äcfen;  war  übrigen*  feiten  in  &drlift  unb  ließ 
fein  Ämt  meift  bnrd>  Slnbere  verwalten.  3Wit  bem  Squteifta 
geriet^  er  1445  in  einen  ^wift,  welker  1446  beigelegt  WMrbe. 

Hud  ber  befreffenben  llifnnbe  gel)t  beroor,  baß  nd)  tytttx 
tfalbe  weigerte,  wie  #raud>,  bem  6<bulmeifter  M.  Waxtin 

Juffener,  freien  Xtfd^  auf  bem  ^farrljofe  ui  geben,  tiefer 
raneb  bing  Mammen  mit  ber  Stiftung  ber  Üöieffe  auf  Ober* 
Gielau  beim  (*Jefrifte  unferer  grauen  in  ber  et.  ^üuiMfi. 
%itx  battc  ber  Sdjulmeifter  mit  feinen  8*ülern  bie  Stcjjc  für 
ten  ^farrer  ju  beforgen,  wofür  tym  freier  $ifd>  utnacbft  bem 
^rebiger,  auf  bem  ^farrbofe,  unb  ben  6d)ülern  einige  ©rofeben 
jäbrlid)  angeliefert  waren.  $*r  Pfarrer  \n  fcöba«  3o^ann 
(frrmelreidj  legte  tiefen  ivoiH  im  herein  mit  anberen  Männern 
oaljin  ibet,  baß  ber  görliber  ^fareer  für  bie  X teufte,  wdebe 
it>nt  ber  6d>ulmeificr  fcfyulbig  $u  tfun  and?  feine  ©erbinblid)* 
feiten  ;u  loicit  Ijabe.  VI  in  16.  Df  tober  1454  gab  ^eter 
Äalbe  fein  Pfarramt  auf  unb  ift  fpäter  ju  Ärfen  geftorben. 

Unter  £einrfd>  Steube,  weiter  1454  bae  gdrlifcer  H*farr< 
amt  befant,  finb  einige  merfwüroige  dreigniffe  ui  erwähnen, 
bie  für  ba$  religiofe  geben  in  ©drlifc  von  großer  "öebeutung 
waren.  (Stenbe  felbp  war  iDedjant  unb  Äanonifud  ;u  3«$ 
unb  lebte  mit  bem  SRatbe  in  gutem  (£im>ernef>men ,  wa* 
fdjon  fein  $$erfpredjen,  baß  wäfyrenb  feiner  Äbwefentyeit  Um 
frembe*  »ier  auf  bem  ^farrljofe  an  ©orüb  gefdjenft  werben 


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2(0 


folte,  beweijt.  Die  beiben  gebadtfen  (Sreiguifje  fint>  bic  Stif* 
tinig  beö  Scelfyaufeö  ititt>  bie  &$eibe  Der  reftaurirten  'HJeterdfirdje. 

Jtatfyarina  §eurigüt  fdjcnfte  udmltd)  tt>r  £an0  (tfrebd* 
qaffc  9to.  304.)  uir  tfrridjrung  citicd  ^capitata.  DU  6ttf* 
tnugöwortc  finb  nod)  auf  und  gefommen  unb  lauten*): 

„^errjafob  ÜBeiffag  ju  faitb  3afob  i>nb  Wartiuu*  l'awter* 
badj,  alfo  gelwartin  etwenn  Äatbeiiua  gewriginn,  bei*  got 
gnabe,  fyabiu  Der  gnantin  äatberina  4pawd  in  Der  ßiebdgaffe 
gelegiu,  gote  ;u  lobe,  ir  *eln  *u  trofte,  *u  ewnem  ewigi*  $e* 
jtament  vnb  gebedtfniffe  »orfdjicft,  vnb  gegebin  mit  beä  Sur* 
germeifiterö  rmb  9tatiö  wültn  alfo  georbent,  baö  man  Doruimen 
eueteube  (elenbe)  fraugfe  pilgrim  fa(  l)erbergwmt,  bie  ui$t  favber 
fernen  mögen,  Mb  von  bem  ftlmofen,  batf  gute,  frome,  innige 
perfon  boreju  gebin  abir  |d)irfen,  fpeifeu,  fo  lange  biß  bie  au 
treffen  fönten  unb  furbae  gewanbern  mögen;  fuft  anbei  eneleubc 
pilgrim,  bte  iucf>t  fvang  fein,  mögen  ernten  tag  imb  c^txut  nad)t, 
»IT  Da$  lengifte,  boiMtnen  berbergin.  shknn  aud)  arme  fdjuler 
3u  ber  fdjuleu  hang  würben  t>nb  fuft  arme  gebied)lid)e  crangfe 
nienfcfyeti,  fo  euelenbe  wereit  tmb  »emanbie  bettin,  mag  man 
oud>  tion^it  uemen,  itod)bcme  etliche  gute  Iutl>e  ir  $Ümofen 
borcjH  gegebin  fabelt,  Da*  mau  i$  '  bat  mocfyt  buwen  »nb 
t>frtci>tiiir  »nb  fnrfcer  burd)  fuldjer  guter  wergf  wille,  anber 
lutl)e  bifte  geneiaeter  borest  würben,  mib  ir  milbeä  almofeu 
boreju  gebin,  fo  tyat  ber  Dtatf)  baffelbe  £awö  in  ebnen  füllen 

gemein  ^oöpital   befteriget.  II.  fer.  post  grobnleidjnam 

(29.  Mai)  1456." 

5)iefe$  Seelljauä  mürbe  buret)  bie  SÖegbinen  ober  Seel* 
weiber  beforgt  unb  bte  tfranfett  gepflegt,  lieber  fee  wirb  baä 
fotgenbe  Kapitel  Sluffcfylujj  geben.  S)ae  ScclbauS  würbe  feit 
bem  3al)re  1478  meljrmald  befdjenft.  1480  ^ci#t  Wiefel  6wob, 
SBerwefer  bed  Seelfyattfeä  in  ber  Jtrebflgaffe.  1481  fomtte  ba* 
4j>o$pita(  fdjon  Kapitalien  ausborgen.  1537  ging  batf  £au$ 
au  bad  grauenboäpital  über  unb  würbe  im  3abre  1555  |ur 
Äintäwoljiiuug  für  ©eiftlidje  eingeridjtet. 

Da«  aweite  wichtige  (^retgniß,  weldjeö  oben  fd>on  berührt 
ift,  war  bie  (£ütwetl)ung  ber  St.  H*eter*fird}e  burd»  ben  Bifdjof 
ju  beißen,  Jtaopar  ».  6d)önberg,  am  10.  Dezember  1457. 
Sttann  ^einrit^  Steube  fein  $tmt  nieberlcgte  ober  geworben  ift, 


•)  Lib.  Resign.  II.  36  b. 


Digitiz'ed  by  Go 


2il 


fann  nic^t  ermittelt  werben.  28at>rfd>etnlid)  W*  «  J«  @nbe 
be*  3ar;red  1459  ober  Anfang  1460  au*  bem  «mte. 

Da*  3ar>r  1460  tft  barum  nodj  betonter*  |u  erwähnen, 
cap  in  bemfelben  fie  ^ret>iqermönd)e  au  »umlau  tyre  Serminei 
in  oer  tfrefctyaffe  (So.  303.)  am  10.  3auuar  bem  9tatr;e  p 
(*>örli&  überliefen*) ,  jebod)  mit  bem  $egel)r,  tynen  ferneren 
baö  «Imofeu  bitten  in  ©örli$  $u  ^eftatteu.  $a*  Älofter  *u 
»unUau  hatte  feit  bem  3abre  1379  bie  (SrlanbniS  gehabt  in 
Dem  genannten  $anfc,  weldje*  „^ofefitatt"  genannt  wirb  *u 
prebiqen  unb  »cidjte  ;u  fjoren,  aud)  Mmofen  ju  erbitten. 
Diefe  Umgänge  frember  ©töncfyc  waren  fowotyl  ben  görlifcer 
»ettelmöndjen,  al*  ber  $arod)ia(gei|tlid)feit  ein  Dorn  im 
Äuge,  ba  tynen  baburd)  Slbbrud)  an  milbeu  (Sparten  gefdjürj. 
«lo  nun  im  3.  1456,  ben  18.  3uni,  it>rc  9tcfti>en)  abbrannte, 
uno  in  ü>örli&  Weinanb  jum  Aufbau  etwa*  tr,un  wollte,  ba« 
Alojter  \w  »un$lau  felbft  jebod)  feine  Littel  baju  befafc  t>er* 
duperte  ber  Äom>ent  ba*  (^runbftmf  an  ben  Dtatf)  $u  ©örlib; 
baffelbe  gcftah  1461  mit  ben  flnfprücben,  weldje  ber  ^rebiger* 
consent  auf  bie  Weip  »abeftnbe  p  <*>örli$  rjatte.  9Bit  biefen 
Ueberweifungen  war  aud>  ber  <$inßup  ber  s4Jrfbigermön(tye  in 
®örli&  gebro^en.  m*  ber  »JMor  be*  JDrbend  pm  Ijeil.  jfreuje 
in  6d)weibni$,  3of)aun  s4^truö,  bie  alte  ©eredjtigfeit  in  ®or* 
l  u\  wieber  bcworfu d)te ,  würbe  if)m  nicfyt  gewillfahrt,  felbft 
als  ftubolf  »iföof  *u  »redlau  unb  Segat  be*  päpftlid)en 
eni^le*  1476  auöbrücflicr;  ben  ftatrj  \u  ©oilifr  anwies,  bicfe 
Dominifaner  uugeftört  il)r  2ßefen  treiben  §u  laffen.  3m  3. 
1491  \>crfud)ten  abermald  jwei  bun*lauer  Dominifancrmöndje 
*ou  ben  «elteften  oa*  Ferteln  in  ®örli&  genehmigt  ju  erhalten; 
fte  überreizten  bamal*  wieber  ben  »rief  *om  3.  1379.  2)od> 
bie  tfelteftem  fdjlugen  tynen  ba*  »egerjren  ab,  weil  bie  2>o< 
minifanermöncbe  lange  nitf/t  mebr  in  ®orli&  geprebigt  f)ätten, 
überbie*  im  Älofter  Örüber  lebten,  wel^e  bie  @rabt  $u  ert>a^ 
ten  babe,  enblicfy,  weil  bie  Äirc^en  nodb  unt>oUenbet  unb  twr 
beren  »oüenbung  t>om  Äatfje  befdjloffen  fei,  feine  frembe 
Bettelei  in  ©örlifc  $u  gefiatten*).   2)ie  frühere  £>ominifancr* 


r)  Arbeiten  e.  verein.  ©ffettfA.  in  ber  fjbttL  1750.  II.  S.  420. 
SNüller'*  <Kefi)rmation<!,}efd>.  <S.  64.  ^efaeef  *  %)ret^fct>rifi.  «R.  *.  SWagaj. 
1Ö48.  @.  34. 

••)  N.  S.  R.  S.  IL  6.  349. 

Digitiz 


212 


Sermtnei  ftanfa  auf  berfelben  ©teile,  wo  fid>  jefct  bie  »mW* 
wobnung  be$  9feMfitii6  ber  £t.  petcrSfircbe  befindet. 

3m  3  1460  erWelt  petcr  <öartbolümäna,  efti  6of)n  be* 
Statinem!  peter,  ber  ju  gleicher  ^eit  (*rbberr  auf  $ermöborf 
war,  bie  görli&er  Pfarre.  Unter  tynt  brad)  bic  Rebellion  gegen 
Jftjnig  @eorg  pobiebrab  aux?.  Der  $uf  jtanft  würbe  vorzugsweise 
burd)  bie  0rfft(i$feit  gefcfyürr,  beren  6d)mäbprebigten  von  Den 
Aaitfttfn  nodi  vor  bem  Vlncsfprud>e  be*  Samtefl  ein  fjödtf  ge^ 
fpannteä  sBerljältnip  ber  6tabt  mit  ber  Jerone  bewhrftcn.  Der 
Aufgang  biefer  £änbel  ift  jeboeb  fdjon  oben*)  auöfül)rUd> 
genug  erwäbnt  worben,  fo  bajj  l)iev  nur  barauf  verwiefen  |M 
werten  brauet.  (Sr  fammelte  eine  Äollefte  bamit  bie  bölwrnt 
Capelle  be$  beil.  tfreHjeö  beim  t)eil.  (Mrabe**)  fteinern  gebaut 
werben  fonne,  bat  jebod)  bie  Hrtfftfpititfl  biefed  ffittnfcftc*  (1480) 
nid)t  erlebt,  guf  fein  Anbringen  enblid>  würben  im  %  1472 
.brei  OHocfeit,  eine  von  108  dm.,  bie  zweite  von  19  8m.  unb 
bie  britte  von  1  \/2  tfta.  für  bie  8t.  $eterfftafte  gegoffen  unb 
eine  neue  Drgel  gebaut. 

Die  @inmütl)igfeit,  weldje  im  Allgemeinen  bi*  bafnn 
jwtfdjen  bem  INatfye  unb  ben  Pfarrern  gefyerrfdjt  batte,  rjörte 
auf  al$  s3Wgr.  ^ieronvmu^  ©djwoffbeim,  ein  geborener  i'iegni^er, 
ber  bereite  im  3.  1462  fteftor  sJ!)tagnificu*  ;u  i'eiptfg  gewefen 
war,  1474  ba*  Pfarramt  antrat.  sMt  tym  tyebf  jtd>  ber 
berüchtigte  ©ierftreit  an,  weiter  t>a*  $*erbältni$  be*  ^farrerö 
pm  Matlje  trübte,  enblofe  9$erwirfelungen,  foftfpielige  8ri4tt< 
teruugeu  veranlagte,  enblid)  burd)  bie  £eftigfett  unb  maplofc 
*eibenfd>afili<bfeit,  bie  9teben*Umftänt>e  welche  bei  biefer  ©e~ 
legendi!  *ur  gragc  unb  an  bie  Dejfentlidjfeit  famen,  bie  Acfotung 
vor  bem  JUeruä  in  ber  (^emeinbe  fdjwädjte,  fo  baf*  bie  ^etyren 
ber  Reformatoren  einen  ergiebigen  $oben  finben  fonnteii. 

Slflt.  6d}Wofff)eim  war  faum  im  Amte,  als  er  bie  SBe- 
fugniffe  ber  («eiftlidjfeit,  nur  für  ftd>  unl>  iljre  älerifer  frembes 
55ier  auf  bem  pfarrbofe  ju  fyalteu,  überfdjritt,  inbem  er  auf 
bem  ^farrbofe  fonnlid)  um  ®elb  frembeö^ier  verfebenfte,  woge- 
gen bie  ©rauljofäbeftyer  ber  6tabt,  ftd}  auf  il)re  Privilegien***) 


•)  f.  e.  193.  196.  197.  199. 

*")  Unter  ibnt  ftiftete  im  %  1471  bie  mÜM>äti;je  Sl^ne*  3»w9erin, 
fra*  fc^enannte  Slgnetenbrob,  für  dieifenbe  nur  etarfuug. 
•••)  f.  e.  65  oben  ff. 


243 


ftöfrenb,  beim  ftatfje  tflage  erhoben.  S)er  <Katb  Schwerte  fief^ 
beim  Äonige  unb  am  16.  3)eeember  1474  erfolgte  ein  Wanbat 
be*  Jtönigä  Wattlnaä  an  ben  Pfarrer  6djwoffbeim,  mit 
ber  Slnweifung,  ftcr;  tu  ©ejug  auf  bad  frembe  Sier  in  ben 
ihm  angewtefenen  6d)ranfeu  jn  galten.  2)er  Streit,  welker 
buref;  6d)wofTl)euu$  Berufung  ale  Dffaial  nacb  ©aufcen,  1476 
uutcrbrodjeu  worben  war,  wart  fortgefefct  von  beffen  9tad>* 
folger,  3ofyaune3  ©eljem,  Sotyu  eined  gorlifrer  £udjmad)er,$ 
uitD  tietntiat  m  fanomföen  fted)t$. 

Die  9tad)rid)t  baf  93el)em  ba(b  n$<b  feinem  Amtsantritte 
im  3.  1474  auf  Steifen  aing,  fdjeint  fyüwibeuten  auf  bie  al$* 
balbige  flufnafjme  M  93ierftreto*  Seiten*  be*  neuen  Pfarrer*. 
(*rft  im  %  1489  febrte  er  guräcf  unb  von  biefem  3al>ie  batirt 
ftd>  bie  gortfefcung  be$  befd)werlid)en  3wifte$  in  vorfjer  unge* 
fannter  unb  ungeahnter  £eftigfeit. 

3unä^ft*)  bewerte  fld>  ber  «Pfarrer  über  ben  föatl)  beim 
©tfdjofe  ju  Weifen,  welker  bie  Parteien  auf  ben  23.  Wärj 
1489  in  ftdj  gen  Stolpen  lub.  5)ie  klagen  be*  *Pfarrer$ 
berührten  nietyt,  blöd  bie  Sierangelegenfyeit  fonbern  erfirerften 
fid)  aud)  wie  fjier  folgen  wirb,  auf  anbere,  unb  jwar  geiftlicr/e 
©er$äitniffe.  ©ei  ber  »Sertyantlmtg  waren  außer  bem  ©ifdjofe 
3o^ann  ».  Weifen  unb  bem  Kläger  Pfarrer  3ol)annc$  «Bel)em, 
zugegen:  £anä  v.  <$d)önberg,  Dr.  WarfuS  <5fultetu$  (Seouls), 
Dr.  ©igiSmunb  tyfiug,  $oml)err  ju  Weifen  unb  ber  £>ffoiaf 
Dr.  3*>bann  laubenbeim. 

Der  Pfarrer  bradjte  mehrere  ßlagepunfte  an,  nämlicr): 
„ber  SKatf)  r>abc  bem  Sdjulmeifiter  verboten,  nur  (Sfyorftfe  nidjt 
^mnen  »nb  fünfUicf>c  ©efänge  *u  fingen,  welche  boeb  jur 
(£rr>öbung  ber  Jlircbeufefte  viel  beitrugen;  ber  ftatfy  babe  ofyne 
fein  flMfiett  eine  Orgel  *£)rbnun$  entworfen,  in  welker  ber 
*Pret$  für  baö  Orgelf&iel  erl)öl)t  fei,  woburd)  bie  ßapläne  unb 
Jtircfyenbiener,  jumal  ba*  Sautegelb  ber  &ioden  ebenfalls  erlebt 
wäre,  $u  (graben  fämen;  ferner  fefre  ber  !Ratr>  ofyne  be$ 
»Pfarrei*  Äenntnif  unb  (Genehmigung  bie  ©lötfner  ein;  laffe 
o^ne  fein  SBiffen  burd>  bie  Sfelteften  £ird>enbauten  ausführen, 
au*  ihm  für  foletye  burdj  bie  Jrircbetwäter,  wie  ftdj'ä  gejieme, 
feine  *Recr)nung  legen;  bad  ©elb  wa$  für  bie  Jtreujfapeue  beim 
beiligen  ®rabe  gebammelt  fei,  babe  er  nid^t  erbalten,  audj  bie 


•)  N.  S.  r.  L.  n.  215  ff. 

16« 


244 


93efugnij*  ba$  ©elb  für  jene  Spelle  \n  verwenbejt,  überfchrit- 
ten,  ba  er  bod)  folct)e  ^rtaubiiiß  nur  auf  nva  3al>rc  unb 
nidjt  weiter  ^emäl>rt  habe,  deinen  Äuf  habe  ber  3ftath  ba- 
burd)  bcflecft,  bajj  mau  iijm  uaa)fagc,  er  pflege  verbotenen 
Umgang  mit  grauen  auf  bem  s$farrl)ofe,  woran  bod),  bei  @>ott, 
fein  wahreä  3ßort  fei;  nid)t  minber  habe  ber  Statt)  ber  55ür- 
gerfdjaft  verboten  auf  ben  ^farr^of  jii  geben,  währeub  gerabe 
ihm  ald  Scelforger  bic  3krpflid)tung  obliege,  fte  im  (sUauben 
gu  beftärfen  unb  aufjuflären;  aud)  fpüre  man  tfym  nach 
burd)  befonfcerä  aufgehellte  c  im  ber,  gleich  einem  $krbrea)er. 
(Snblid)  l)abe  man  il)m  ba$  Ginführen  fremben  Siereö  verfagt, 
waä  bod}  ben  Vorfahren  unbenommen  gewefen;  mau  hatte  ben 
s4$rieftern  nicht  uur  bie  ^ierfannen  auf  bem  Jlird)l)ofe  weg- 
nehmen lajfcu,  fonbem  fei  fogar  in  bereu  3Bohnungen  gebrun^ 
gen,  ^abe  baä  @)e|lnbc  auo  bereit  Kammern  in  ben  8torf  ge 
bradjt  unb  ^au^fud)ung  bei  ihnen  gehalten;  fa)lie^(id)  fei  ben 
^Heftern,  welche  bie  erfte  ÜJfejfcn  gelefen,  baö  bei  biefer  (belegen* 
heit  gewöhnlidje  ©aftmahl  verboten  worbeu." 

*Bon  Den  2lbgefanbten  be$  görlifter  9totl)eö,  ergriff  hierauf 
ber  6tabtfä)reiber  sJJtgr.  «Rourab  9tyffmanu  baö  2Üort. 

2Baö  ben  erfteu  ^mift  anbelange,  fo  fei  ro  rid)tig,  bafi 
ber  Diatl)  bem  £d)ulmeifier  verboten  habe,  füuftlid)e  Qkfänge 
mit  feinen  ^Beübungen  anjuftimmen;  bie  Hebung  in  fold)en  c  ing 
weifen  raube  ben  €>d)ülem  $u  viel  3fi*  unb  halte  fie  vom 
übrigen  fernen  ab;  bie  (£r)orale  Vorfahren  wirften  mehr 
auf  bad  ©emüth  unb  bie  Erhebung  $ur  Vlnra^t  alö  bie  neu 
aufgefommenen  ÖJefaiig^fünfteleicu.  llcbrigenä  Ijabc  ber  $arh 
ein  Vicd  in  neuer  2Betfc  für  r>ofec  Sefttage  nid)t  verboten. 
£>afj  er  aber  bem  ®d>ulmeifter  ohne  beii  Pfarrer  ai  fragen, 
Slnwcifuiigen  gebe,  ha&e  feinen  (Brunb  in  ber  (linfefcung  bee 
6a)ulmeifter$  burd)  ben  Oiath,  woju  lefrterer  feine  33eftätigung 
beä  *Pfarrerö  brauche. 

©erabe  fo  verhalte  jict)  eö  mit  ber  £)rgel  Drbnung,  |a 
nicht  bie  Kirche,  fonbern  ber  Üfath  bie  £)rgel  angefdjafft  unb 
im  Staube  gehalten  habe,  auch  ben  Drgamften  einfefce.  1  an 
ber  *ßrei$  für  ©elätt  unb  ßrgelfpiel  erhöht,  finbe  feinen 
@runb  in  ber  ^b)ta)t  fictd  Littel  ut  befifcen  um  Drgel  unb 
(Dioden  im  (Staube  ui  erhalten.  3Ba$  bie  Jtirchenbauten  au 
betreffe,  habe  man  niaM  geglaubt,  bajj  bem  Pfarrer  burd)  ,v>imu 
Siehung  $u  benfelben  irgenb  ein  ©efalle  gefdjelje,  ba  er  bod) 


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245 


bura)  ferne  getfilieben  ^fflifyen  fefjr  befd)äftigt  unb  in  »nfpru^ 
aenemmen  fei.  Die  M tra)enred>nung  fei  bem  9tatt)e  fdwn  von 
Älter«  her  allein  anvertraut  unb  ihm  von  ben  $ifa)öfen  $u 
9Rn#eti  ftet«  3utrauen  gefd)enft  gewefen.  Da«  ©elb  au«  ben 
€totfen  für  bie  f)eil.  Jtremfapeilc  fei  aua)  ganj  aUein  giim 
gremmeu  berfelben  verwenbet  worben.  Der  9tal^  f)ätte  ben 
ÜPfanm  niemal«  in  üblen  SRuf  gefegt;  ob  ber  Pfarrer  grauen 
auf  ben  ^farrfwf  geigen,  unb  ju  welkem  3werfc,  werbe 
jener  felbft  am  beften  wiffen.  Wur  in  betreff  be«  93iertrtufen« 
unb  €piel«  fei  ben  Mitbürgern  ber  Sefud)  be«  ^farrrwfe« 
verboten  werben;  23efud>e  um  geifilia)er  3»e(fe  willen,  fyabc 
Wemanb  unterfaßt. 

Da«  SMertrinfen  fei  ben  ®eiftlia)en  nieftt  verwehrt,  wc-W 
aber  ba«  $ierfcf/enfen,  womit  ftc  bie  armen  Mitbürger  in  ber 
£tabt  an  ir>rer  9*af)rung  frdnften;  ber  ^farr!)of  folle  fein 
93ierf)au«  unb  Taberne  fein.  (Snblia)  feien  nid>t  ben  Sßriejtcrn, 
fonbern  weltlid)en  $erfonen  auf  bem  ^farrfwfc  Äannen  mit 
fremdem  $ier  weggenommen  worben.  Sßenn  ber  3$or|tef)er 
(tyttener  ol)ne  ©efeljl  auf  ben  $farrr>of  gebrungen  unb  burä) 
ihn  bie  eine  Xbür  aufgestoßen,  auä)  ein  bort  vorgefunbene« 
Maoa>en  verhaftet  worben  fei,  habe  Steuer  bie«  oljne  ffiif* 
fett  be«  «Hailje«  getrau  unb  be«f>alb  bereit«  bie  Strafe  ber 
HmtSentfefcung  erlitten.  Daß  man  in  Sejug  auf  bie  erjte 
Meffe  ben  ^rieftern  feine  (Srlaubniß  *u  (Safrmäfjlern  in  ber 
6tabt  gebe,  liege  in  ber  sÄiUfür,  weiter  fieb  aüc  Bürger  ber 
6tabt  unterwerfen  müßten  unb  wovon  \u  ©unften  ber  ^Jrie» 
ften'dwft,  wenn  fte  in  ber  6tabt  $ereta)  fei,  feine  «u«nal>me 
qemaa)t  werben  fönne.  Uebrigen«  ebre  in  (9örlt$  3ebermann 
bie  Ö)eiftlid)feit ,  wenn  fte  jtd>  banad)  betrage.  Daß  aber 
näd)tlid)e  odjwärmereieu  unb  $efua)e  in  rerbäa)tigen  Käufern 
Seiten«  ber  ^riefter  nidft  geeignet  feien,  bereu  «nfe^en  *u 
heben  unb  ifne  5la)tung  in  ber  (Demeinbe  $u  -beförbern,  liege 
auf  ber  £anb. 

Der  $ifd)of  gab  feinen  <£nttyc\t>  ba^in,  e«  foüe  verbiet* 
ben,  wie"  e«  vor  JMlter«  gewefen  fei,  in  £e$ug  auf  ®efang 
unb  Drgelfptel;  über  Äird)enbauten  foße  ber  tfatr;  bem  ^far* 
rer  $enad)ria)rtaHng  wfommen  lajfen,  bie  ,fttrd)enrecr>nung 
jeboa?  of)ne  be«  Pfarrer«  3utfnm  abnehmen.  3$on  bem  ®clbe 
für  bie  i)dl  Äreutfapelle  gebühre  ein  Drittel  tym  bem  9ifä)ofr, 
ba«  jweite  bem  Pfarrer,  ba«  brrtte  ber  JtapeUe.   3rt  SBejug 

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246 


auf  bad  SBier  möge  man  fhb  vor  9Jcijjbranch  unb  (sfanbal 
hüten;  namentlich  auch  bie  Dorfpfarrer  baju  anhalten,  nHt 
für  ihren  getb  frembeS  53tcr  $u  begießen. 

Diefer  @ntfcheib  be«*  SBifdjofS  wirfte  jebod)  ntd)t  fenbccOA. 

Die  Unordnungen  Korten  nicht  auf.  Die  ^rebiger  fer/mdb- 
ten  ben  föath  öffentlich  von  ber  Jranjel,  befdjulbigten  ihn  beä 
Sßucfjerd  unb  ^etrugeö  unb  wiegelten  bie  ©emeinbe  gegen  ihn 
auf.  Der  fßfantyof  würbe  ein  wahrer  ©afi^of,  wofelbft  frem* 
beä  Sier  getrunfen  unb  allerlei  spiele  getrieben  würben,  Die 
fct)on  ben  l'aien  auf's  6a)ärfftc  verboten  waren,  vielmehr  noch 
ben  Jtlerifern.  Die  ßapldne  unb  Slltarificn  aber,  trieben  ftdV, 
mit  geringen  Huiita^men,  nach  wie  vor  in  ben  Zxint,  (spiel 
unb  freien  grauenhäufern  ber  StaDt  untrer,  beunruhigten  bmd) 
ndchtlia>en  6trapenunfug  bie  Vnrgerfchaft  unb  gaben  fogar 
gu  bem  6fanbale  3!eran(aj|uitg,  ba0  fte  au6  Xrinfc  unb  811M-- 
hdufern  mit  ©cwalt  entfernt  werben  mußten.  3n  einem  (Sdjreu 
ben  »om  11.  Ü)cdr$  1494  bcflagt  ftd)  Her  Diatb  beim  Sifa)of 
von  Steifen  barüber,  bap  feit  einiger  ich  ber  3irfelmeiftcr 
mit  feinen  Dienern  burd)  einen  „wilbcu  fßriefta,"  Kamend: 
hiebet  SJfönd)  beunruhigt  werbe,  welcher  in  einem  offenen 
6d)enfhaufe,  nicht  in  geiftlicher  fonbern  in  weltlicher  Mcibttttg 
aefunben  unb  barum  anfänglich  nicht  erfannt  worben  fei.  Da 
thm  ber  3irfelmeifrer,  weil  Die  beftimmte  9cad;tftunbe,  in  wcl- 
d)er  gerecht  werben  fonnte,  vorüber  war,  anbefahl  fortzugehen, 
würbe  ber  verfappte  ^riefter  fef)r  auffällig,  bie  Unechte  gingen 
auf  ihn  ein,  erfannten  ihn  aber  bei  ber  Verhaftung  noch  bei 
3eiten,  um  ihn  weiter  unbeläfttgt  nach  $aufe  gu  entlaffen. 

9Bic  befannt  bieö  treiben  Der  ©eiftltcr/en  ben  oberen  tfir* 
chenbeamten  war,  unb  wie  feljr  fte  ftch,  311  ihrer  <£hrc,  be* 
muthen,  Dem  abzuhelfen,  baS  beweift  baä  Schreiben  bc$  baufe* 
ner  DefanS  3ohann  *ßfoel,  an  bie  bauftner  @eift(id)fe{t*). 

Da*  unorbentliche  geben  ber  ©eifHicrjen  jwang  ben  Diatr) 
ihnen  anzubefehlen,  ©tuDcntcnfappen  gn  tragen,  Damit  nicht 
Schdnbuna  tr>rcr  SlmtSwürDe  burd)  unmittelbares  Vergreifen 
an  ihrer  $erfon  vorfommen  tonne.  (SS  würbe  zu  weitläufig 
fein,  wenn  tyet  fdmmtltche  Verhanblungen  fo  ausführlich,  wie 
in  biefer  »Sadje  begonnen  worben,  fortgefefct  würben.  Die 
Magen  beS  Pfarrers  gegen  ben  töatf)  unb  umgefeh«  be*  iRatheS 


•)  C&erl.  Urfunbenfamml.  tom.  Vitt  fol  9lr.  1400. 

»- 

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247 


über  ben  Pfarrer  beim  Offaiaf  in  Sau&en  unb  3Mfd?efe  in 
Weiften,  bauerten*  bad  ganje  3af?r  1489  fort  Der  Pfarrer, 
auf  beffen  i'eute  aufgepaßt '  unb  bem  mel?rmal$  frembeä  5Mer 
an  ben  leeren  weggenommen  würbe,  wiegelte  bie  fceute  gegen 
ben  ftatl?  auf  unb  befonberä  war  ein  gewiffer  3jtd)mad?er  5o- 
hanned  fermelreid?  Witfdjulbiger.  3ol?flnne6  drmfheid?,  wei- 
ther ben  Pfarrer  auf  einer  SBefdnverbereife  uad?  ^Batt^en  jum 
Dffijial  bereitet  baue,  würbe  be$f?alb  aue*  ber  €tabt  verwie- 
fen,  aud?  biefed  (£rfenntnift  ber  cdjöffen  trof>  ber  Sitten  beö 
Pfarrer*,  nicht  ^miefgenommen.  Jof?aime$  Sebent  blieb  bei 
ben  klagen  nid?t  jtel?en;  er  verbot  feinen  OJeiftlia?en  fogar  bie 
«v>erren  beä  ftatbed  im  Seidjtftuble  \n  hören  unb  fte  311  abfel 
viren.  9lni  2.  War*  erflärte  ber  ^tiefter  Otfwalb  fteid?nauer 
bem  <8d?öffcn  $an$  3d>mibt,  in  ber  *l$erer#fird?e  im  Ange- 
nähte alleö  Golfes*:  „(*r  entbinbe  t^ti  ntd?t,  benu  er  wäre  (£iner 
aud  bem  JHatf?e,  bie  bem  Pfarrer  unb  ber  priejierfd?aft  bie 
Privilegien  unb  9led?tc  fd?mälerten,  unb  beäbalb  im  $5anne 
feien"*).  'Dem  6d?öffen  £tei>l?an  cebinfe  fagte  ber  priejier 
3ofeff  3ungnitfel  auöbriicflid?,  baö  £lbfolviren  ber  ftatbtfuiit 
glieber  fei  ber  C*Jeifitlid?feit  verbeten. 

€o(a)er  93eifviele  werben  in  ben  gebadjten  föatl?3aniialen 
mehrere  aufgeführt,  mgleid?  aber  "erwähnt,  baft  bie  granjiofa* 
nermönd?e  baö  Hnjtnncu  be$  Pfarrer*,  bie  !)tatf?mämier  uicf)t 
in  abfelviren,  ablehnten.  Diefe  Verweigerung  ber  Stbfolution 
war  bem  SMfdwfe  *u  Weiften  befannt  werben,  we$l?alb  ftrenge 
befehle  an  bie  pfarrgciftlidjfeit  ergingen  unb  biefe  fiel?  auä 
<$urd?t  vor  bem  $ifd?ofe  *um  99eia)tebören  verftet?en  muftte. 

2lm  19.  3uli  1490  fanb  nod?  eine  £*ert)anb(ung  in  Ge- 
genwart bee  Wgr.  @Jeorg  9Jot?t,  $anö  3)? et?  unb  Wgr.  Men- 
Mb  yi\)\\mann  Stabtfd?reiber#  ju  Öirlifc  mit  bem  Pfarrer  vor 
bem  $ifd>ofe  in  3telpeu  ]tatt,  weld?e  jebod?  of)ne  £üf?ne  $u 
erretten,  aufgehoben  würbe.  $8äl?renb  nod?  ber  *Ratr?  be-- 
mut?t  war  bei  berühmten  *Red?t$feuuern  fid)  Urtr?ei(e  cin^u- 
l?olen,  geriet!?  Joannes  Lehern  mit  bem  99ifd?ofc  ju  Weiften 


•)  T>tr  $ann  fcarb  fräter,  am  14.  Eejember  1491,  über  bie  £tabt 
^«•rbaitßt,  ebenfo  ober  Vauban,  JKeidjenbad)  mit  fc&bau.  <5>runD  bagu  hwr 
bie  ©rmerbuiuj  b*6  Pfarrer*  von  (Jberdbadj  im  Äteife.  3nbc§  iimrte 
fäon  Anfang*  *e*  3al>re$  1492  bie  10t a Bretel  jururfgenommen. 


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248 


Wegen  ®elbangelegenr)etten  in  3roifl,  »erlief  fftimiiib  bie  Sraw, 
Hüb  jog  über  ©aufcen  unb  Dreyen  nadj  9tem,  um  cen  ©i- 
fa>ef  von  SWetjjen  vor  bem  ^abjle  ;n  verHagen. 

Km  12.  «pril  1491  erfebten  Xbema*  $edfo,  ber  Gonven* 
tor  vor  bem  ftatbe  mit  bem  öffentlichen  9fotar  3o(>ann  ^>eiit^ 
rf$  unb  anberen  3«wn*  und  übergab  bem  9tatb;e  ein  6d>rei' 
beit  be*  Pfarrer«  d.  d.  *Rom,  wonach  Dr.  3Rarienam,  Dfftftial 
in  Skufcen,  angewiesen  war,  mit  bem  9iatbe  $u  ©erlitt,  faH0 
Jefcterer  fi<t>  uir  Sühne  veTftänbe,  ;u  unterfyanbeln,  im  (Segen* 
thetl  aber  ber  $atf)  am  60.  läge  nad)  ber  Gärung,  in  ?Rom  vor  bem 
|>dpfl[t€^cn  Jtommiffar  3or)ann  v.  £eretano,  Siftyof  von  State 
rtnum  erfd>einen  feilte.  Jn  Uebereinftünmung  mit  bem  Siföofe 
ju  $teipen  febitfte  ber  5Hatt>  in  golge  tiefer  Gitation  ben  Df< 
fijial  Dr.  3ehann  laubenljeim  gen  *Kom;  er  erhielt  200  un- 
garifdje  gloren  3^K""3  unb  :*  Seifige  SBebccfung.  Dem  Dr. 
ilattbenr/eim  mit  feinem  Knfyange  in  ftom  gelang  eö  aud)  ein 
päpftlidjeö  $reve  anzubringen,  roerin  vom  Sifdwfe  von  9tci« 
j?en  über  Die  Sachlage  biefec*  £anbel$  ftuftfunft  geforbert  warb. 
3n  Gegenwart  mehrerer  «frerrn  vom  Watlje,  ftetteftat,  (**e- 
fdjworencn,  aua)  SJfitgliebern  ber  @Jemeinbe  nnb^  befreunbrten 
©eiftlict/en  ber  Umgegenb  von  ©brliß  fapte  man  511  Stolpen 
beim  Stfcbofe  bie  Antwort  ab. 

3o^anne6  93el)em  hatte  faum  ^aanidjt  von  biefem  33c* 
richte  erhalten,  als  er,  begünftigt  burd)  bie  fflicrdftyväcbe  nub 
ärantycit  be*  $abjie6,  bie  Berlage  bed  $eiicr)te*  ju  verein* 
bern  unb  eine  neue  Gitation  auf  ben  25.  Sluguft  1492  gen 
9tom  SU  erlangen  wufjte.  Der  ftatl),  welcher  buret)  biefe  Än* 
gelegenl)eit  in  gretie  tlnfoften  verfefct  warb,  hatte  ftd)  *war 
nacr)  ber  erften  Sabuna  unmittelbar  an  ben  äöuig  gewenbet, 
audr  am  31.  3Rai  1491  von  Äönig  SSlabtölaro  an  ben  $er* 
tvefer  ber  Pfarre  gu  ©örlifc  ein  Schreiben  empfangen,  worin 
bem  Pfarrer  unb  ber  ^riefterfchaft  verlöten  warb  feine  Unter* 
tränen  bura)  gorberungen  nad)  $om  ju  bebrängen,  ebenfo 
wenta,  auf  ber  Pfarre  $ier  ju  fcrjcnfen:  füllte  fta>  aber  bem 
getftlta)en  2Befen  gegenüber  l)ierbura)  nid>t  gejicrjert,  unb  be* 
vollmäcrjtiate  feine  *4kofuratoren  in  $om  ebenfo  eifrig,  ald  vor 
bem  Fönigt.  (*rlafi,  am  väbftlia)en  €tut)le  für  ber  Stabt  ^ri* 
vilegten  ju  roirfen. 

Pfarrer  ©er)em  braute  ein  fogenannted  Executorium 
au*,  woburd)  ber  ^robft  3otjanned  S)örfflinger  unb  ber  6(^0^ 


> 


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Ia«HcH«  Wgr.  <5ra«mu«  ;u  Siegnifc  augewiefen  würben,  in 
biefer  Sadje  3t\u)cn  \u  vernehmen.  Der  ftatf)  bejtritt  He 
Jfrmptteitji  De«  iirebfte«  ;u  ^tegnto,  weil  Die  i'abung  in  ber 
3eit  be«  «bieben«  be«  ^apft  Snnocem  gefdjehen  war,  mtb  ging 
ni($t  nad)  fctegnie.  Da  ber  Pfarrer  >hanne«  Sebent,  weU 
eher  eine  ^frünbe  auf  bem  Derne  gu  $re«lau  befaji,  ftd)  von 
9fom  mittler  3*t*  $re«lau  begeben  Ijatte,  fdjrieb  rcr 
Rath,  wiewrl  evfelgle«,  an  Den  SMfcrjof  )u  $re«lau,  während 
Jtontg  2Blabi«law  burdj  feinen  ©efanbten  am  päpftlicben  £ofe 
im  jnteteffe  Der  Stabt  wirfte,  unb  in  biefem  Streben  burd) 
ben  bem  bre«lauer  $ifcfyef  feinblid)en  bredlauer  Domherrn  D** 
walb  Srraubinger,  ber  bamal«  gu  ?Kom  weilte,  uuterftüfct  warb. 

3m  Jahre  1495  erlangte  ber  Watt)  bttreh  finge  Unter- 
hanblungen  ein  fdnigl.  Sdjreiben,  wonach  er  an  Stelle  be« 
ihm  feinblichen  ßenventor'«  unb  etitftwciligen  ^f^vroerivefcrd 
Ütjoma«  Ulbert,  einen  ir>m  willigen  sJWann  tfaöpar  ^au«la 
anführen  bnrfte.  Da«  gefebah  am  4.  3uli  1495,  inbem  ber 
«Rat!)  bie  Slbwefenbeit  ber  (fteiftltcbcu  auf  bem  Warrhofe  be> 
nufcte,  unb  ben  tfa«par  <pauOla,  mit  btfc^dflic^er  ©enehmi* 
gnng  bort  einführte,  aud)  jiir  Sicherheit  be«  ^Warnte«  8  £ra* 
banten  bei  ben  Ikoven  be«  ^jarrhofe«  aufteilte. 

SRatt  fann  fid>  ben  Jörn  be«  (£cui>eutor«  unb  feiner  @*e* 
neffen  benfeu,  al«  (tc  biefen  unlicbfamen  CMaft  auf  bem  $farr* 
tiefe  fanbeu. 

Sie  erheben  grojjc«  ©ef^rei  vor  bem  ^farrr>ofc.  Sil« 
fie  aber  fallen  bafj  ber  Äatf)  feft  blieb,  ging  ber  Genventer 
mit  feinen  ßapläuen  in  einen  ®aftt)of  ftum  ll^ahle;  ber  *J$re* 
biger  Wgr.  ^eter  Sdjeit  jeboch  trat  auf  Seiten  be«  ÜRathe«. 
Die  Anhänger  be«  3ohanne«  Sebent  freuten  |icf>  nidjt,  in 
ber  £ird>e  felbft  llnerbnungen  jh  veranlagen  unb  wiberfe&ten 
ftd)  fe  lange  ben  SÄnoibnungen  be«  neuen  *Bfarr*erwefer«  unb 
ttathe«,  bi«  ber  «Ratc>  tynen  anzeigte:  „in  ber  £ird>e  feien  fie 
fteber,  bie  Sicherheit  aber,  ba  fte  ben  befehlen  be«  Zeitig« 
Btbtrfitanb  leiteten,  werbe  aufhören,  febalb  fte  bie  flirdje 

Diefe  Drehung  —  unb  fte  wußten  rec^t  gut  wa«  bei 
tbem  bamaligen  ffiathe  eine  feiere  Drehung  $u  fagett  hatte  — , 


jte  gtelten  nod)  einige  Sage  neben  bem  neuen  *ßfanrv«rwefer 
au«,  Hm  bann  plöfclidj  bie  Stabt  ju  verlaffen,  wetyrenb  bie 


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250 


übrigen  Äapldne  bem  ?Pfarrverwefcr  *pau*la  ©ehorfam  jm 
galten  verfpraef/en. 

Alä  ber  SBifdjof  von  Weißen  von  biefer  £anblung$weife 
beö  ßonventer'ä  unb  feiner  Anhänger  tfeuMiiife  erhielt,  befahl 
er  ihm  bie  ^riefter  auf  ben  Stolpen  $u  fenben,  bamit  er  fie 
^Hr  UnterfuchHng  jiefjen  fönne.  Died  veranlagte  bie  3crtntrf(h* 
ten  ben  föatl)  um  ÜBerjeihung  anzugehen,  welche  von  ihm  ge- 
währt waro.  Auf  Anfuchen  bcö  Wathetf  vergeh  ber  SBifdfof 
ben  Weiften.  (£iniiic  mußten  jeboefe  auf  bem  Stetpen  im  ©e^ 
fängniffe  tt>r  nngeiftlid)etf  benehmen  bef tagen.  3ohanne$  Se- 
hern, welchen  ber  frühere  (&>nvcntor  Xbomatf  Ulbert  in  33re$= 
(au  auffu<htc,  fenbete  foldjeu  mit  feinem  s.lkebiger  nach  Ofen 
jum  Jtbnige  älHabiälaw.  Der  (irfolg  biefer  !3Mifjton  war  je^ 
bort)  für  3t>ha,u,c*  33ebcm  ein  fet)r  benübenber:  ber  Äönig 
ließ  bie  Kläger  nid)t  vor  fiel);  ja  ber  Jtanjlcr  wollte  fie  mit 
Jtntttedi  fragen,  unb  erlangten  fie  nichts  weiter,  alä  baß  fte 
vom  ^farrverwefer  ju  (9örli$  ihr  verftegelteS  (*igentl;um  auö- 
geliefert  befamen. 

Auf  biefe  Üöetfe  l)atte  ftd>  ber  Math  wol>l  im  eigenen 
£aufe  9&uhe  verfdjafft;  leiber  war  aber  baburcl)  riefer  »£>anbel 
ni<bt  abgesoffen. 

Am  9.  3uli  1495*)  melbete  ber  9tatl>  bie  3nveftitur  be£ 
neuen  ^farrvenveferä  Dem  SMfctyofe  gu  beißen,  Gilberte  bie 
babei  ftattgefunbenen  (Sreigniffe  unb  bat  um  33efet)l  an  bie 
-$rießer,  ft<h  bem  neuen  Pfarrer  $u  fügen,  waä  altfbalb  ge- 
fdjah-  3n  Sejug  auf  bie.  golgen  feiner  rafcüen  ^anblungä- 
weife  war  e$  nun  bie  erfte  Sorge,  fid)  ju  ftdjern. 

Am  17. 3uli  erließ  ber  *Katb  ein  Schreiben  an  M#r.  3o^ann 
Seher  $u  Sntflau,  mit  ber  Sitte,  ihm  9fad>rid)ten  über  et- 
waige tyiam  3o^anne6  Sehemö  unb  j'einer  Gönner  au  geben, 
naetybem  wenige  Xage  $uvor,  am  14.  3ult,  au  Dr.  Scrnbait) 
ScultetuS,  nad)  £Rom  gefdjricben  unb  bie  äüßerfte  görberuug 
biefer  Angelegenheit  anempfohlen  worben  war. 

Schon  am  18. 3uli  1495  ging  ein  anberer  Srtef  in  berfelben 
Angelegenheit  an  Dr.  Däwalb  Straubinger.  @eorg  Gmniericfy, 
SBerfajfer  beffelben,  fagt  barin:  „3ch  geftebe,  wir  höben  einen 
gewichtigen,  f)öd)ft  fchwierigen,  biß  je&t  in  foldjer  Art  uner- 
hörten £anb*l  angefangen.   Aber  e$  tft  -unverhohlen,  wie  fred> 


•)  N.  S.  r.  lus.  a.  0.  £.  p.  439  ff. 


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251 


jener  alte  <Prebiger  war,  welker  nid)t  nur  bie  9tatf>f<b(<ige 
auter  greunre,  fonbern  aud)  bie  Wanbate  be$  flönigö  gering* 
fdnl&te.  (Sö  ift  aber  febr  ju  befurdjten,  baß  Der  von  feiner 
(Stelle  Serbrängte  nunmehr  alle*  aufbieten  wirb,  um  bem 
9KaÜ)e  Sd)aben  zufügen.  ,$artbe(n  ($w.  2öei$f)rit  fräftig  *u 
unferm  9tu$en,  }um  JBohle  te$  Xatyrt  unb  ber  ©emeinbe 
unb  jum  Sdjaben  iljrer  flbgonter!"  Äiif  Anregen  bed  ?Ka- 
tbe£,  lub  ber  Sifdjof  ju  Weißen  Johanne*  Sefjem  vor  ftd). 
Sebent  erfcf»ien,  wie  vorawMHfeljcn,  nidjt  unb  betrieb  bie  Sache 
weiter  $u  9tom.  «m  24.  Wai  149«  fdpieb  beöfjalb  ber  ftatb 
an  ben  Domherrn  Dr.  laubeulmm,  unb  bef tagte  ftd)  bitter 
über  bie  frfjweren  Äeften  biefed  mißlirtKtt  £anbelö.  Die  Seit* 
bung  be$  Stabtfdjreiber*  tfonrab  Kttjfntaitn,  an  ben  päpfHi* 
d>en  Stul)l  war  erfolglos. 

9iadt  mehreren  anberenSenbungen  genfRont  unb  großen  Un* 
fofieit  fam  enblid?  im  3.  1498  ein  Sergleid)  jtwifdjen  ber  Stabt 
unb  bem  Pfarrer  &u  Stanbe.  Wirte  tiefe*  3af>re*  nafym  3of)anne* 
Sebent  burd?  einen  Altariften  wioer  Seftfc  von  feiner  Pfarre. 

Ungeachtet  man  benfen  feilte,  baß  nun  griebe  jwifctyen 
beiben  Parteien  qewefen  fei,  war  bie*  bod)  feine*weg*  ber 
gall,  wie  eine  Älage  ergibt,  welche  ber  «Ratfj  beim  Könige 
gegen  ben  Pfarrer  anhängig  machte,  tfönig  2Blabi*law  be* 
fa^l  bem  Pfarrer,  ber  ben  Satf)  fmwifcfyeu  wieber  wegen  fetner 
gorberungen  au  bie  Ctyferftode  beim  heiligen  ©rabc  gequält 
hatte,  in  s#erfon  vor  irjm  &u  erfcfyeinen,  um  fiel)  bariiber  *u 
verantworten,  baß  er  feine  lieben  Diener,  bie  Sürger  ber 
6tabt  ©brlt$,  an  ben  £of  nad)  föom  gelaben,  feinen  von 
tf)m  präfentirten  Altarifkn  flnbrea*  Simon  in  große  Sofien 
verfefct  unb  gegen  feine,  be*  Jtönig*  befehle,  mit  großem 
Wuti)willen  ftcfy  aufgelehnt  habe.  Der  Sorlabung  war  bie 
Drohung  betgefügt,  falle  er  nfcfyt  erfebiene,  folle  er  aller  gel- 
ben, bie  ihm  von  ber  Ärone  Söhnten  eigen,  verluftig  werben. 
Diefe*  Schreiben  bewog  ben  Spanne*  Sebent,  ftd»  mit  bem 
ftattje  $u  vertragen,  in  golge  beffen  bie  Anflagefcbrift  unb  aud» 
bie  tontglidje  Station  ^urücföenomnten  WHrbe.  3cbanneö 
Sehern  ging  auf  ben  Antrag  bc*  9^att?ed  ein,  vertaufebte  feine 
Pfarre  $u  ©örlifr  mit  ben  ^frimbeit  be*  Warttn  ©djmibt 
(gaber)  Domherrn  *u  Sre*tan,  ©logau  unb  Sauden1,  unb 
verließ  feine  Sater ftabt  ©örlifc.  Am  5.  September  1501 
würbe  ber  neue  Pfarrer  Wartin  Sd^mtbt  feierlich  invefttrt. 

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858 


Martin  €d)mibt  aud  äennerdborf  war  im  3.  1468  al* 
<Pricf*er  geweiht  werten.  (fr  lebte  bt*  auf  einige  Heine  ^än^ 
Del  mit  Dem  föathc  in  grieben.  Arn  26.  fluguflt  lf>07  etflaite 
t)er  »fäof  3ol)ann  ;u  deinen,  ba0  Der  Natt)  )n  ®örii*  fty 
über  ba$  f>eil.  ©rab  unb  Die  SBafferleitung  nach  Dem  $farr* 
hefe  »ertragen  habe,  welken  Vergleich  ein  Schreiben  beö  $a- 
tt>ed  ju  ©örlifc  *om  3.  1508  befräftigt.  Tie  Hnorbnang  De* 
Pfarrer*,  Dafj  nach  ber  *ßrebigt  ein  Seelenregifkr  mit  gürbitte 
twgelefen  werbe,  genehmigte  Der  Sifchof  am  24.  9f wember 
1507.  Waxtin  Sdjraibt  aU  Pfarrer  erlebte  Den  Anfang  Der 
fird)lid)en  Bewegung  unb  war  ber  lefcte  Der  fatholifcfcen  Seift- 
lid>en  in  @Jörli$,  welche  am  (Glauben  ber  Vergangenheit  feft? 
gelten.  Dem  im  3.  1509  auSgefprodKncn  ffiunfdje  Deö  »t 
fdjofs  ju  sJÄei(?en;  „ber  föatl)  möge  ben  ttlrartjfcn  SBein  unb 
33ier  jh  eigenem  ©ebrauche  eiuführen  *u  (äffen/1  ftyefoi  ohne 
befonbere  Weiterungen  ©enüge  gefc^eljen  \u  fein. 

SöährenD  feiner  ?cbenö*eit  erlangte  ber  $atb  enblicf)  ba* 
Won  längjr  aewnnf^te  unabhängige  patronatrecr)t,  unb  Da* 
«Rcd)t,  einen  Pfarrer  nad>  m  töatheä  Willen  einjufe&cn*). 

ilrfprünglich  hatte  ber  £anbe$herr  in  ©crlifc  bie  pfarr* 
befefcung,  ba  er  bie  Shtrg  erbaut  unb  wa  hrfcheinlich  aud)  bie 
ttfte  Capelle  gegrünbet,  minbeftai*  ben  93au  einer  folgen  auf 
feinem  Sanb  unb  Robert,  als  Dberlehenoherr,  geftattet  harte. 
3>urtr?  biefc  (Stnridjhing  famen  jroljc  unb  übermüthige  ©eitf; 
liebe  nad)  ©örlifc,  mit  welken  ber  föatt)  nicht  aufyufommen 
roufcte.  Hm  6.  3uH  1397  fommt  ber  erfte  Sali  »or,  ba^  ein 
Sanbetfherr,  Äönig  Wentel,  beut  görlifrer  töathe  geftattete, 
eine  geeignete  Herfen  für  bie  *JJarodnalfird)e  twrjufchlagen. 
(Ed)on  beim  3.  1400  ift  triebet  bie  «Hebe  Davon,  bafj  Jtonig 
Wentel  benen  t>.  Douijn  baä  »ßfarrlebeti  $u  ©orltfr  übertragen 
habe.  1457,  1474,  1486  unb  1491  gematteten  bie  Könige 
fcaDiölaw,  Matthias  unb  SÖlaDtelaw  bie  eigene  ^rdfentation 
eine*  «Pfarrer«.  3m  3-  1491  warb  bie  (Srlaubmt?  auf  rtcr 
mal  gegeben,  unb  weil  im  3-  1495  ein  gewiffer  «nbreaö 
mon  vom  Könige  präfentirt  warb,  au6brürflich  Dabei  gejagt, 
baß  biefer  gall  baö  früher  gewährte  Privilegium  ber  ©orlifcer 
nidjt  »erleben  folle.  (Snblici),  im  3.  1502,  am  «Raiirietitttage, 
erlangte  Die  €taDt  *tm  Jtönig  ffllabiSlaw  Da*  ftccfct  Der  uV 


*)  $«f<V<*r  $rei«färift  a.  a.  D.  6.  91  ff. 


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883 


brfdjf anfielt  $farrwahl,  bem  jebec^  nach  längeren  Siebenten 
erft  am  20.  3uni  1510  ber  5)ifa)of  *u  s)Xeipen  beihat*).  — 
s)iid)t  mitil)cr,  wie  nad)  biefem  ^rfoücgium,  hatte  aud)  ber 
Math  banad)  qeftrebt,  bie  l^farrwiebeutut  in  feine  £anb  ui  be< 
fommen,  wmutl)lidj,  um  babura)  bie  Umtriebe  mit  93iere  ju 
verhindern  unb  ben  Pfarrer  auf  bem  $farrl)ofe  mit  feinen 
®eiftlid)en  beffer  überwachen  ju  fonnen.  2)ie  $farrwiebemut 
hatte  ben  Umfang  eine*  nid)t  unbebeuteuben  Jttttterguted  unb 
reifte,  wie  fajon  oben  angegeben**),  bfe)  nach  (Iberöbaa)  f)in. 
£amit  fid)  unferc  8efer  einen  beffem  begriff  von  ber  Huöbel)- 
nuna.  biefeä  ®ruubftücfe$,  feinen  (Erträgen  nnb  bem  Umfange 
bed  alten  ^farrbofeä  maa)en  fonnen,  teilen  wir  liier  bic  SBer= 
binblidjfciten,  welche  ber  görli^er  Jßfarrer  $u  erfüllen  hatte, 
wie  fola>e  au$  bem  Vertrage  *wifd)en  Johannes  Lehern  unb 
bem  Pfarrer  Martin  Schmitt  im  3.  1501,  hervorgehen,  mit***). 

£em  Pfarrer  lag  ob:  einen  ^rebiger  $u  erhalten,  weld)er 
nebft  einem  Jtncf^te  freie  äBohmmg,  Speife,  2ranf,  33e^ci< 
uina.  unb  (behalt  befam;  ber  S$tümeifier  mußte,  bedgleiajeu  5 
Äaplane,  tägltd)  frei  gefpeift  werben,  lefctereu,  bie  ihren  £ohn 
»cm  Pfarrer  erhielten,  war  ein  Äned}t  $u  ftelien  unb  bie  ©tu* 


•)  £ier  fd>eint  e*  notfjwenbtg,  audj  ba*  fogenaunte  jus  primarium 
preeum  (be*  erflen  3iorfd>laged)  ju  berühren,  weldje«  bie  ©ifdjöfe  von 
Wethen  für  fid)  in  Stnfprnd)  nabuien.  Sie  wünfetyten  uämlid)  bao  Äectjt 
ober  bie  $$ergünjtigung ,  wenn  fie  ben  bifcbeflid)eii  Stttfcl  eingenommen, 
an  jebem  Crte  bie  $uerji  erlebigte  aeifllidje  Stelle  ;u  befefeen.  Soljann, 
9ifd}of  $u  *Weipen,  nahm  biefe*  wfedjt  im  3.  151M  $uer|t  in  9ln|>rud) 
nnb  fefcte  baburd)  ben  göriifcer  fXatb  wegen  ber  ^fanjtelle  in  nicht  geringe 
Verlegenheit.  2)a  bamalö  ber  Pfarrer  fdjon  fel>c  alt  war,  befürchtete  bot 
9iat$,  ber  93ijd}of  tonne  baju  fommen,  $u  biefer  crjien  gorli|er  Stelle 
einen  Pfarrer  einiufefcen.  sDeofjalb  bewog  man  einen  9lltari|ten  9Bolf; 
gang  \ux  5$er$td)tleijhing  auf  fein  XUarlelpen,  fo  bafj  biefe  Stelle,  bie  erfle 
erlebigte,  unb  fomtt  burd»  ben  43ifdjof  befefct  würbe,  weither  ba*  fcltar* 
le^en  feinem  9cotar  Solf  übergab.  $er  JMatl»  ju  Wörlifr  »erwarte  fiä 
übrigen*  beiläifig  gegen  weitere  Äonfeguenjcn  biefer  9tnjtellunq  unb  aab 
beut  "Bifdjof  $u  veitfeljen,  bajj  man  bie  fBefebung  meljr  au*  $Jefalligfcit, 
aü  weil  man  eine  Berechtigung  bagu  anerfenue,  angegeben  r)abe.  3m  3. 
1538  wieberijoltc  ber  Sifdjof  >iumu  o.  SWaltifc  ju  Weifen  ben  SJerfndj, 
ba#  SRedjt  ber  Primarien  ju  beanfprndjen,  warb  aber  oom  a,örlifrer  Statte, 
ber  bamaU  gröftent^eil*  fd)on  lut^erifd)  gefinnt  war,  tyojlia)  abgewiefen. 
(#tn  gweiter  SJerfud)  be*  SBifdjof*  im  3.  1545  Ijatte  ntcr>t  mehr  Erfolg, 
al«  ber  erfie.  ^efdjecf  a.  a.  £>.  <S.  88,  89. 
**)  ©  232 

•*•)  N."  S.  r.  Lu».  IL  p.  442. 


Digiti 


254 


ben  in  ber  Stobt  mit  $olj  *u  verforgen.  Die  übrigen  Unter- 
beamten  Der  Äircfcc:  ^acealaurceu,  waten,  £>rganiften  unD 
<*M6dfaer  mußten  jäl)r(id)  beim  Pfarrer  gweiunDfünftigmal  ge- 
fpeift  werben.  1)ac»  gum  sl*farrl)ofe  gehörige  Starwerf  erfor- 
derte 08m  minbeften  4  Jtnedjte  unb  4  ÜRäabe ;  ebenfo  minbe* 
fteuä  5  »Jlferbe  nnb  <ntfpred)enbeö  SKinbvief).  2)a$  jäfyrlidje 
©efinbeloljn  warb  auf  24  9Äarf  gefd)ä$t.  Slußerbem  fonnte 
ber  Pfarrer  ofyne  einen  Sdjaffuer  mit  $kbienung,  eine  itöcbiu 
mit  Äiid)enjungen  nicht  befteben.  ?llle  biefe  £eutc  mußten  vom 
Pfarrer  mit  freiem  ,$ol$e  verforgt  werben.  Rur  *wei  Altäre 
;u  fteninty  unb  Ü)redben  waten  ihm  noch  ftiftungömäßig  etwa 
40  (Bulben  rf)ein.  jährlid)  ju  jaljlen.  (fnbltd)  ijatte  er  auch 
bie  SftrrgeMnbc  im  baulichen  Staube  $u  galten. 

iie  bebeutenben  Einnahmen,  weldje  Die  ^farrwiebemut 
biernad)  waHäfefren  laßt,  trat  Martin  Sd)tnibt  am  16.  sJ»ai 
I50B  bem  9tatbt  *u  Wörlifc  um  ein  jätjriidK*  <M)alt  von 
2ti  SÄarf  ab.  jn  Dem  ^erfaufainftrHmente*)  ftel)t  auebrürf* 
(ich  baß  ber  Pfarrer  ba$  ®runbftürf  aufgebe  wegen  ber  Un* 
ruhe,  weldu*  bie  weltlichen  (Steftyäfte  ber  (^ntdverwaltong  ihm 
bereiteten,  aud)  weit  er  nid)t  im  Staube  fei  bad  (SJefiiibe  in 
einer  SM  \n  übmvaücn,  woturd)  Unglürf  mit  geueröbrunjt 
vergütet  werben  fönne.  9tur  ein  Heine*  ®artengrunbftürf  blieb 
bamalc*  beim  *Pfarrbofe,  ift  jebod)  feit  bem  3.  1532,  in  wel- 
chem ber  Natt)  ben  ^farrbof  gan*  abbrach  unb  baö  ÜJtaebiger* 
I>au€if  an  ber  ^eterflfirdje  Wo.  308,  baute,  aud)  Stabteigenthum 
geworben.  9cod)  ift  gu  bemerfen,  bafj  in  bemfelben  3af)re,  in 
weitem  bie  s4Jfarrwtebemut  verfauft  warb,  ber  berüchtigte  2>o* 
minifaner  $e&cl  feine  Hitlmtft  in  @örli$  anmelbete.  £>a*  be* 
treffenbe  Schreiben  war  vom  13.  Deeember  1508  aud  Sauden 
batirt,  unb  metbete  fidj  $e$el  bariu  guin  ^omadabenb,  Den 
21.  Dccember  an.  Die  (Srnpfanaobefcheinigung  be$  Schreibend 
erfolgte  Deu  lag  Darauf,  am  14.  December.  Vit  bem  genan- 
ten Sage  fam  $e$el  nad)  ©örli&  unb  trieb  fein  Unwcfen  mit 
folgern  (Srfolge,  baji  btd  um  Wartini  beä  3atm'd  1509,  gegen 
2400  9Rarf  in  ben  eifernen  ®ctteefafteu  ftd)  eingelegt  fanben, 
welcher  in  ber  N4taterdfirche,  UnH  beim  Gingange  burd)  bad 
große  portal,  nod)  heute  gu  fel>en  ift.  Sefcel  gab  beim  Slblaß* 
prebigen  nod)  3  Söodjen  tu,  fo  bafj  von  bem  (Srtrage  biefer 


#)  Script,  r.  1.  Ii.  p.  443. 

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255 


brciwödjentlichen  Sammlung  bic  $eteräfira>e  mit  Jlupfer  qebecft 
werben  fonntc.  Unterm  8.  3anuar  1510  melbete  befrei  bem 
ÜXatfye  mi  ©örlifc,  baß  bat  goloenc  3ubrljal>r  bafelbft  nod)  bid 
auf  ben  8.  lag  nach  Ojtaru  gelte.  Xe&efö  Auftreten  in  ®öi 
lifc  war  voüftänbig  geeignet,  bie  Artung  welche  btc  beftehenbe 
Xixdkfe  no<b  beim  SBolfe  genoß,  —  unb  wer  moajte  läugnen, 
baß  ber  ©ierftrett  nia)t  alle  ©runbpfciler  berfelbcu  l)dtte  unter- 
graben muffen!  —  völlig  *u  verniete».  %ot)omtt  «£>ajfe*), 
ein  guter  rcdjtgläubiger  Jtatbolif,  weldjem  bie  Neuerungen  ein 
Kreuel  waren,  fdjilberte  üe&el'S  Auftreten  folgenbermaßen: 
8v  war  von  ¥eibe*geftalt  ein  großer  ytarfer  Wann,  in  ber 
2prad)e  berebt  unb  fetjr  feef,  ^iemlid)  gelehrt,  aber  von  leidjt* 
fertigem  i'ebenäwanbel  (vnb  fetneö  &cbcn*  alfo  hvn).  @r  pre* 
bigie  $ehufd  bed  Ablaffc*  unverzagt:  er  fei  mel)r  beim  bic 
Sfttttcr  ©otteä  $n  Vergebung  unb  }u  93ewaf)rung  ber  guitben. 
6obalb  ber  ^fennifi  in'ä  Herfen  geworfen  Hänge,  fdme  bic 
cecle,  für  wela)e  foldjer  eingelegt,  in  ben  $immcl.  (£r  fei 
ein  tfefccrmeifter;  Allen,  wela>e  wiber  feine  5>rebigt  unb  ben 
Ablaß  rebeten,  benen  wolle  er  ben  Jlopf  abreißen  laffeu,  unb 
fie  blutig  in  bie  Jpolle  verftoßen;  er  wolle  bie  Jtefrer  brennen 
lajfen,  baß  ber  SKaua)  über  il)ren  Kröpfen  auffdjlage  jc."  £affe 
nennt  biefe*  treiben  unb  ^rebigen  mit  iHedjt  ein  uucftnftlic^eö. 
s3tan  fagte  il>m  fogar  nad),  le$el  t)abe  baä  eingelegte  ©clb 
im  ©eefeu  tycilwcife  für  fia)  unb  feinen  fccib  verwenbet,  unb  ber 
Ginbrucf  bcö  ganzen  Ablaßverfaufe3,  ju  welchem  meiften*  bie 
alten  Leiber  it)re  legten  geller  gefdjleppt,  fei  ein  fehr  betrüb 
benber  unb  bemoraliftrenber  gewefen.  (fr  l)abe  fogar  mit  fid) 
hanbcln  lajfen  unb  vor  feiner  Abreife  bie  (Knaben briefe,  weldjc 
anfänglich  ba*  etürf  einen  Bulben  gefoftet,  billiger  verfauft. 

5>ie  berrübeuben  Erfahrungen,  welche  bic  oberften  tfirajen* 
beworben  täglidj  Gelegenheit  l)atten  in  33e$ug  auf  bie  sj)tora* 
Utät  ihrer  Untergebenen  ;u  mad>en,  veranlaßten  fie  ju  großer 
Aufmcrffamfett.  Am  22.  September  1508  erlaubte  ber  $»fd»of 
Jobann  v.  Weißen  bem  »Katfye  ui  ©övlify  einen  gewifftn  auä 
bem  ^tabtgefdngniffe  aufgebrochenen  Runter,  wenn  er  fid) 
wieber  auf  bem  <Stabtgebiete  fel)e»  lajfe,  fofort  ju  verhaften 
unb  würbe  burd)  biefeu  ©rief  bie  ^erftcherung  waljr  gemalt, 
welche  berfelbe  ©tfdjof  fa>n  am  19.  Auguft  bejfelben  3al)re$ 


•)  *Ratlj*annakn,  III.  f.  4. a.b.  « 

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256 


bem  $tatf>e  unb  ber  3Namif$aft  beö  qorlt^er  2Beid)bilbe$  ge* 
geben  hatte,  er  fei  bereit  fogleich  ctii^ufcbreitcu,  wenn  irgenb 
ein  ^riefter  fid>  ein  Unrecht  ui  £  dm  Iren  fommen  liepe. 

Der  Pfarrer  Martin  £d)mibt  feierte,  in  ber  betten  (Sin*- 
tradtf  mit  beut  Mathe,  ben  11.  %ril  1518  fein  50jährige$ 
^riefterjubildnm*).  (*r  ftarb  ben  10.  Stpril  1520.  (Sein 
Vermögen,  über  tiOOO**)  ungarifebe  (Bulben,  vermachte  er  *u 
milben  (Stiftungen,  kragte  feine  leiblichen  trüber  gar  nid)t, 
he»?  uod)  bei  fernen  ^ebjeiten  baö  portal  ber  Mifolatftrcbe  auf 
feine  Äojten  bauen  unb  venu  trete,  baß  mau  iijn  unmittelbar 
vor  baffe! be  inmitten  bed  $ßege$  beerbige,  rannt  jeber  l£iu* 
trerenbe  über  feine  fterblicheu  Ueberreftc  \\n  febreiteu  habe.  Der 
gang  verwitterte  unb  halb  vertretene  C%abftein  liegt  heute  nod) 
vor  bem  portale  ber  <ct.  9tifolaifirche. 

Dbfchon  biefer  Xobeäfall  nid)t  uuvermutbet  fommen  fonnte, 
gerietl)  ber  Diatl)  in  grojje  $krlegenbeitt,  wem  er  in  biefer 
gefäbrlidjeu  $eit,  wo  fo  viele  ©eiftliche  ben  teilaubeu  wedjfel* 
teu,  bic  Pfarre  anvertrauen  folle. 

Dil  2öahl  war  um  fo  fchwieriger,  altf,  wie  «£>affe  fagt***), 
„viel  anlaufend  burd)  fein ientliche  unb  nnmtiuK  Werbung  von 
Jtöu.  .IVajenat,  gürften  unb  £ern,  für  doctores,  probift,  ma- 
iristros  etc."  gefdjal).  I  och  wollte  man  nid)t  auf  ben  Q)rab 
ber  ©elehrfamfeit  fehen,  foubern  einen  Wann  haben,  mit  bem 
ber  Math  grieb  unb  ($iuigfeit  genießen  forme,  unb  welcher  bem 
gemeinen  $$olfe  in  guten,  lieben  unb  pnei'revhchen  <&itttn  vor- 
anginge. 9(ad)bem  fte  vier  ÜÜodjen  gezögert,  befdjlojfeu  fie 
enblid),  rannt  ihnen  Mein  itteiu  etwa  bura)  eigenmächtige 
33efefeung  in  ben  Üßkg  fommen  föune,  M.  Aiam  Rotbart, 
bamalö  ui  3 piottau  ^rebiger,  ;nm  ©eiftlichen  \n  wählen. 
Aiam  Motbart  nahm  ben  ihm  mich  UnterftartMu eiber  >  bann 
ftrnolb  gebrachten  Antrag  an,  fam,  wie  <Sittc,  beim  Mathe 
um  bie  2  teile  ein,  unb  würbe  am  «Sonntage  3ubilate,  ben 
29.  §tyrü  1520,  auf  bem  ^ifarr^ofe  eingewiefeiu  3Bir  ver* 
(äffen  ihn  hiev  unb  fommen  unten  auf  Pfarrer  Motbart  &ui tut . 

Urfprimglid)  war  bie  Mifolaiftrd>e  $arod)ialfwhe ,  wie 
benn  auch  ber  ^fetrrhof,  wie  gefagt,  auf  bem  SRteberviertel  , 


•)  £affe  a.  a.  C.  II  f.  92, 
°)  Ibidem  II.  446b. 
•)  $affe  ibid.  IL  f.  MX 


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257 


ftonb,  fpäter,  unb  ed  ift  nidjt  genaH  erweidlicb,  wann?  trat  bie 
größere  unb  fdpnere  St.  ^eterdfir^e  an  t^rc  etelle.  (Snbe  beä 
15.  unb  «nfang  beä  16.  3abrbuttberttf  führen  beibe  Kirnen  ben 
tarnen:  ^arodjiaifircbe.  Die  auägebebnten  Vränbe,  weldjebie 
et.  KIMaitfafre  mefyrmal*  betroffen,  mebnuaid  jahrelang  für 
Den  Qebraud)  unanwenbbar  gemadM  Ijaben,  mögen  au<b  all- 
mäiig  ben  (kaufen  fefigefeftt  babeu,  Die  8t.  *Peter*fircbe  a!6 
bebre*,  fernere*  ©otte^auc*  jur  £anptfird)e  ergebe«. 
€eit  per  WeformationSjrit  wirb  aueb  nur  bie  6t.  s4*eter$f  irdje : 
*4tarocf)ia(ftrcbe  genannt. 

$eibe  Kirdjen,  bereit  fpe^cUe  ©efd)id}te,  mit  ben  übrigen 
Capellen,  ber  Änbang  bringen  wirb,  \ta\\Un  junäcbft  unter 
per  Obhut  bed  ^farrerö.  (£twaö  unabhängiger  alä  bie  «pre* 
biger,  Äapläne  unb  «Itariften  ber  et.  Nifelat  *  unb  6t.  $c 
terefirdK,  ftanben  bie  Kapläne  ber:  $o*pitalfapeUe  jum  b*il. 
©eift,  ber  eied)bauöfapelle  ju  et.  3afob,  ber  grauenfapelle, 
ber  [).  Kreutfapelle,  ber  et.  »nnenfircr/e. 

Die  Warnen  ber  betreffenben  Sütarijien,  foweit  fie  ber  ®e* 
[(feierte  aufbewahrt  ftnb,  fowie  bie  Skjeidjnung  fcimmtlicber  frü* 
bereu  SUtäre  werben  im  9lnl)ange  bei  ber  (£injelgefcbicbte  ber 
m  1 1  vtuMi  erwdl)nt  werben. 

Die  Kirnen  unb  Altäre  mit  ü)rem  edjmncf,  wie  bie  mei* 
ften  3nftrumente  würben  aHö  ben  müben  etiftungen  erbalten, 
unb  auo  ben  Kapitalien,  wetebe  bie  ^Itariften  gebammelt  unb 
bei  ibrem  SUtar  bureb  Verlegung  auf  fiebere  §*>potl)efen  in 
(grbginfen,  gewöbnlid):  „$fttffen$infen"  genannt,  angelegt  fyat* 
ten.  2öar  ein  »Itar  nid?t  geborig  mit  Kapital  begrünbet  wor* 
ben,  fo  ba£  bie  (Spaltung  einee  befonoeren  Slltavijten  ju  fofc 
fpteltg  warb,  fud)te  man  «blafj  *on  einigen  [Soeben,  refp. 
Sagen  ju  erbalten.  Dann  famen  bie  ©laubigen,  um  ber 
Vergebung  ber  6ünben  tl)eill)aftig  m  »erben,  reebt  jablreict) 
SU  bem  SUtare  beten,  unb  in  furjer  $cit  waren  auä  ben  auf- 
gelegten Dpfergelbern  bie  (5infunfte  beö  Slltariften  gefiebert. 
Damit  bie  fo  angelegten  ©elber  niebt  verfd>wenbet  unb  über* 
baupt  $u  feinem  anberen  ^werfe  al*  ber  Dotirung  beo*  ®e- 
ftiftd  oerwenbet  werben  fonnten,  waren  mit  ber  Verwaltung 
anbere  $erfonen  beauftragt,  bie  aud)  weltlicben  6tanbe$  )eiu 
fonnten.  Diefe  fübrten  ben  Warnen:  „Verwefer."  »etwefer 
ber  Stixdfc  unb  tbreä  ganjeu  Vermögend  waren:  „bie  Kirchen* 
oäter."    ete  beforgten,  unter  £)beraufftcbt  be*  Watbe*,  bie 

«<f<*id)tC  cen  «tili*.  17 

Digitiz 


258 


weltlichen  ©efdjäfte,  gelten  bie  ©ebäube  im  Stanbe,  formten 
für  bie  ©locfen,  Drgeln,  bie  9ted>t$ftreitigfeiteu  über  bad  &r* 
djenvermögen  unb  nahmen  überhaupt  bie  Stelle  ein,  weldje 
bie  fogenannten  €aa)walter  ber  Üirdje  (advocati  ecclesiae, 
in  bem  römtf^en  Äirdjemvefen  inne  Ratten. 

Die  Aixtyn  Ratten  mancherlei  Abgaben  an  ir)re  geifc 
liefen  Oberen.  £ier()er  gehören  bie  fogenannten:  9ifd>of** 
Sinfcit,  an  ben  93ifd>of  von  9Wei|ien,  welche  buref;  ben  *Katr) 
aHdgejar)lt  würben.  28enn  (Baumfeliqfeit  in  betreff  t>er  3a*V 
lung  eintrat,  wurtx  bie  6toW  mit  bem  33anne  betrogt.  (£3 
ift  einigemal  vorgefommen,  bafi  e*  *um  93anne  fam,  wie  fetyon 
oben  gezeigt  ift.  Unter'm  17.  Äuguft  1445  fdjrieb  grrebrid),  ^Bifat 
beä  $ifcr;of$  $u  Reifen,  an  bie  oberften  ®eiftltd)en  in  ©örlifc, 
unb  befahl  ir)nen,  Den  Matt)  von  ber  Jtanjel  herab  an  bie  (Er- 
wartung ber  Sifchoffyinfen  $u  erinnern.  8uch  in  Skjug  auf 
bie  9Wün§forte,  in  melier  bie  3o^"n9  5»  erfolgen  batte,  wa* 
ren  bie  33ifd)öfe  fet)r  gewählt.  5Äm  30.  fRai  1454  begehrte  Äaä* 
var,  $ifa)of  $h  9)tet|ien,  ber  görlifcer  9tatb  foüe  bie  3a^un9  *n 
©olb  unb  6ilber,  nid)t,  wie  er  bie  ®cwor)nr)eit  habe,  in  *ßfen* 
nigen  leiften.  2Öie  .fönig  «Senkel  im  3.  1411  baju  fam,  bie 
53ifd>ofdginfen  aufzuheben  unb  foldje  auf  bie  föniqlia)e  »flammer 
anjuweifen,  bleibt  bunfel.  Der  SMfdjof  von  Wtfym  fc^einl 
bamale,  um  burd)  biefen  fönialicheu  ^achrfvruch  nicht  in  ber 
golge  feinen  (Schafe  ju  gefaljrben,  bie  an  ifyn  $u  jablenbe 
<£umme  bem  Könige  überliefert  unb  auf  bie  Srabt  ®örli& 
vervfänbet  ;u  t)aben.  €o  laßt  tld>  wenigftenä  baä  €d)  reiben 
beä  tfönigö  Stabiälaw  vom  lll&prü  1456,  in  welchem  er  jüa) 
auf  eine  33erpfdnbung  ber  (stabt  ©örlifc  mit  geifHia)em  3to*# 
bejiet)t,  einigermaßen  erflären.  Die  £auptabgabe  ber  5ßelt* 
lict)en  an  beu  $}ifa>f  war  ber  „Deeem,"  b.  t).  ber  jet>nte 
$rjeil  beä  Gtetreibeertrageä,  auch  in  £aibegegenben  von  £o- 
mg.  Die  €tabt  hatte  biefen  Deeem  auf  ben  SÄttleibenrieitf; 
börfern  einjufafftren,  wie  überhaupt  alle  abgaben  burd)  fte  ein- 
getrieben unb  an  bie  betreffenben  Staffen  abgeführt  würben. 
Die  Bltäre  hatten  ebenfalls  »ifer/ofainfen  $h  entrichten.  Da* 
Cathedraticum  (<£rjftuhlgelb)  ber  ^farrgeiftlidjen  betrug  jär)r* 
lid>  jwamal  2  (Dolbfolibi. 

Sßenn  ba6  Wmhn  m  viel  9u6gabcn  hatte,  verlangte  man  ba* 
fogenannte:  subsidium  charitativum,  b.().  9lnr)(inglia>feit^3w? 
ftufc  als  auSerorbentliaje  Abgabe,  wela>e  viel  3ßiber|>rua)  erfuhr. 


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O'nMid)  nahmen  btc  9tfd)öfe  für  if)re  3Beif)reifen  beton- 
bere  ©elDer  in  Slnfprud),  welctye  and)  bei  &ifttattonen  Der 
Mixdftn  unb  3)töcefen  unier  Dem  tarnen:  procuratio  ui  jotylen 
waren. 

^1  u  -3  Der  ob  in  unterhalten  $uägabenüberftd}t  bee*  gor 
liBer  ^leban'ä  gef)t  benuu ,  baß  in  ($örli$  Die  (^eiftlidu-n  tei>r 
gut  botirt  unD  vvaclnv oll  audgeftattet  worDen  waren.  9)tan 
fann  |ld)  einen  begriff  von  Dem  Umfange  Dc£  fatf)oli|d)en 
Seiend  bierfclbft  machen,  wenn  man  erfährt,  Daß  allein  an 
Der  St.  ^ereeMiube  nebft  Der  St.  Ofcorgenfapelle  40  gut  Dü- 
nne ftltäre  waren ,  Elitäre,  an  Denen  mefyrfad}  jwei  ctitntn 
gen,  alfo  Doppelte  ^ueftattung  beftanb.  ,ut  Den  übrigen 
jtirdjen:  St.  Di  Mai,  U.  I.  grauen,  St.  SÄnna,  Den  Capellen 
jum  beil  (Ueifl  beim  Deißfyoepital,  $u  St.  3afob  beim  c  ied) 
bano  gleichen  Ramend  unD  unn  beil.  Jtreuj  ober  Der  i).  Ohabo 
fapeüe,  finDeii  ud>  ebenfalls  mehrere  Altäre.  Dutt  weniger 
bebaute  Die  grbmmigfeit  Der  bieiiqen  (fmworjnerfdjaft  unb  Der 
umwotynenben  93evdlferung  Die  grangidfauerf  treibe  nn  beil. 
I reif  a  Uta,  feit,  wie  Der  betreffeube  Vlbj'dmut  Diefer  (^eubid^te  er« 
geben  wirb.  X  abei  ftanD  OWn  im  biä  auf  Die  Deformation  im 
Dufe  einer  febi  frommen  £tabt,  unD  attt  fmbinbai  gefte 
nun  rat  bier|elbft  mit  großem  s4$ompe  begangen ,  woju  Die 
enorme  9Kenge  von  (9ei|ütlidjeu,  itaplänen  unD  ftltariften  nnbt 
wenig  beitrug.  2Öir  tbeilen  eine  Ueber|lcr;t  Der  merfwürbigen, 
metjr  oDer  weniger  auf  Die  Sinnlicfyfeit  berechneten  ft>mbolifd>eu 
(MebiandK  an  Den  getragen,  wie  foldje  biä  auf  Die  Deforma- 
tion beftanben  baben,  mit. 

2Ul|onntäglidj  würbe  eine  große  s4ko$effion  in  Der  ^eterä* 
ftubc  mit  gafynen,  Jcer^en  u.  f.  w.  abgehalten,  Umgang  (cir- 
cuitus)  genannt,  tiefer  cireuitus  fctyloß  regelmäßig  Die  bobe 
WeiTe.  Der  Pfarrer  ging  voran  mit  Dem  ftllerheiltgjten,  ibm 
folgten  Die  ^tebtger  mit  5  ßaplänen,  42  VII tauften  »üb  allerlei 
&ird)enbebienten,  in  3Heßgewänbern  von  ber  garbe  uad>  Der 
3at)redjeit.  Jn  Der  gaftenjeit  trugen  bie  ^lieftcr  unb  Sin 
plane  befonberc  (Glorien  unD  große  Wappen.  Vhn  <)k(mfonn? 
tage  würben  Die  $dnt$weige  vor  Der  St.  ^eteräfircfye  feter* 
lieb  einreibt  Vitt  bemjelben  Xage  führte  mau  ben  fogenannten 
^alm  (£fel,  auf  bem  ein  boUenieo  (£f)riftuobtlb  in  einem  iaiu 
aen  Dorfe  ritt,  bind)  bie  Straßen  unb  SRärfte  ber  Stabr. 
2)ie  Läuferreihen,  welche  ber  3ug  beruhte,  waren  mit  Zu* 

17* 


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260 


djern  unb  leppictyen  bedangen,  mit  Juanen  gefdjmücft.  5)ie 
Vornehm fteu  unb  folc^e r  welche  jtcfy  bie  grömmj'ten  bünften, 
erfauften  jicfy  bie  (Sljre,  ben  (Sfel  giefyen  ju  bärfeit.  —  S(m 
grünen  Ü>onnerßage  würben  bie  circa  70  Altäre  in  ber  Stabt 
abgeräumt  unb  mit  SBaffer,  2Bein  unb  Salbeiblättcrn  abge* 
lieben;  t>on  t>iefem  läge  bis  tum  erflen  Oftei  Aeic  nage  fdnvie- 
gen  bie  ©locfen,  unb  bie  Jltrc^^ättger  würben  in  biefer  1  rauei -■ 
periobe  burdj  ülappen  jttr  Sttfle,  Vesper  uttt>  Salve  Waria 
einberufen.  —  $fm  (Sljarfreitage  trug  mau  bie  Jpoftie  feierlich 
umher,  ebenfo  fährten  bie  ^riefter  einen  fyöfyernen  mit  einer 
rotten  Jlapfcl  bebeeften  Veuttumi,  um  baS  .§)od)altar  ber 
6t.  *J$eterSfirctye.  Sic  Ijoben  naefy  biefent  Umgänge  baS  hol 
jerne  33i(b  auf  einen  ausgebreiteten  1  eppidj,  wobei  baS  SÖoli 
auf  ben  Änieen  betete.  £ ann  warb  Das  53üt>  unter  &ortra- 
gung  bcS  ÄreiijcS  unb  ©efang  iit  baS  baju  aufgebaute  ©rab 

gelegt,  bei  weichem  bie  Wenge  mit  Vidmun,  $ag  unb  Wadu, 
iS  tum  &uferftel)uugSmorgcii  wachte.  —  SCnt  ftilleit  Sonn* 
abenbe  warb  baS  geuer  geweift,  welkes  man  burd)  itiefel« 
fiteine  neu  anfcfylug,  nacfybem  an  liefern  Xage  alle  l'iduev  unb 
Stityh  vor  ben  Altären  ausgelöst  worbeu  waren.  $ln  btefem 
Sage  bereitete  man  bie  große  Dftcrfene,  weihte  fic  unter 
SBofalmuftf,  unb  eutbanitte  (eroreijirte)  bas  Xattfwaffer,  wor* 
auf  eine  *ßrojeffton  mit  Std)tem,  Jtrcujen,  3a()tteuf  Salben  utto 
jDel  neunmal  um  ben  Xaufftein  jog,  unter  ©cfang  ber  heiligen 
Litanei.  9tad)  93ecubigung  berfelben  vollzog  ber  Pfarrer  bie  2Baf* 
ferwcifye.  —  3n  ber  Oftcrnadjt  fanb  mit  bent  Djhrrbilbe,  welcfyeS 
bie  Siegesfahne  in  ber  <£>anb  hielt,  unter  s^ortragung  bed  M  i  eu 
jeS,  eine  ^rojefftoit  um  baS  Sal$l)auS  (Saljfammer)  auf  bem 
Dbcrntarfte,  um  Mitternacht  aber  in  ber  ^cterSftrdjc  rie  fo* 
genannte  ^oltermejfe  jiatt.  9Jad)  ©eeubiguna  Der  Witter 
itad)tSmcffe  uämlict),  fam  ein  verfaßter  trieft  er  mit  einem 
J?reu$e  aus  einem  5ßinfcl  hervor  unb  fticfj  bamit  an  bie  2  af nftei* 
thure,  wcldje  vcrfdjlotfen  gehalten  warb,  Äacf)  (Eröffnung  Der 
3  hure  ging  ber  ^riefter  in  biefelbe  unb  braute  einige  bofe 
mit  Letten  belabeue  ©eiftet  nebft  einigen  erloften  mit  weisen 
^emben  befleibeteu  Seelen  heraus,  welche  Xrauerlieber  fangen. 
—  $lm  elften  Dfterf eiertage  war  feierlicher  Umgang  ber  fäinnit* 
Ii  dum  ©eiftlichfeit,  welche  an  biefem  Xage  mit  weißen  ©e* 
wdnbern  befleibet  war,  unter  ©efang  mit  Jterjcn,  M t eitlen  unt> 
galten;  bei  biefer  ©elegen^eit  braute  bie  (£inwohnerfchaft 


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861 


pfeifen  unb  CBetränfe  $um  <?infegnen  in  bie  Jttr*en*orl)aUe. 
3n  Der  £immelfarjrt$wod}e  jofjcn  bie  *ßriefier  täglidj  mit  bem 
^reu^e  unb  Äir<$cnfafmen,  nadj  bcr  £auptmeffe  unter  ©efang 
ber  ^eiligen  Litanei  in  bie  anberen  flirren ;  am  £immelfaf)rt$< 
tage  felbft  würbe  ba$  2MID  be*  Hitferftanbcnen  in  einer  ©lorie 
unb  mit  ber  6iegc6faf)ne,  wie  foldjefl  feit  ber  Dfternadjt  auf 
bem  $0<tyaltarc  ber  *ßeter0firct)e  gefianben,  9tad)mittaa$  unter 
©efang  einiger  $mnnen,  von  ben  ^deftern  mit  (Seilen  über 
ba*  ©ewöfbi  ber  Jttrc^e  gejegen,  unb  bei  biefer  Gelegenheit 
ein  brennenbeä  $ilr,  ben  Xeufel  vorfiteUenb,  f>erabgeworfen 
unb  von  ben  Jtnaben  griffen.  —  £>a$  gro^ilei^namdfeft 
würbe  mit  greger  *Pradjt  gefeiert.  33ei  ber  großen  $rofteffton 
burd)  bie  ©äffen  unb  über  bie  Warftpläftr,  auf  welken  «Itäre 
erbaut  waren,  an  benen  gehalten,  gefungen  unb  gebeten  würbe, 
trug  ber  Pfarrer,  ober  ein  $rälat,  wenn  fold)er  anwefenb  war, 
unter  einem  feiDcjien  Iragljimmel  ba$  Sdler^eiligfte  in  einer 
vrädjtigen  9Honfrran3  ergaben,  wobei  jwei  ber  älteften  tttty* 
Herren  feine  Hrme  untersten.  Sllle  ©eiftlictyen,  bie  gran* 
jidfauermön^e,  ber  £(fyulmeifter  mit  ben  (Edjülern,  folgten  im 
größten  Ornate,  fangen  unb  mutierten.  S)ie  Wenge  fteUte 
allerlei  heilige  vor,  wie  ben  €t.  ©eorg  al$  3)rad)entöbter, 
ben  St!  Ktjriftopl),  einen  Knaben  auf  ber  «c$fel  tragenb, 
6t  ^at^arina  mit  einem  Schwerte  u.  f.  w.  Dajwifdjen  trug 
man  viel  galten,  ^reu^e,  Äerjcn,  ^idjter  unb  Jteldje,  beren 
bie  et.  Meters*  unb  Jtlofterfirdje  über  fünfzig  6tücf  befaßen, 
unb  julefct  folgten  bie  fünfte  mit  tyren  Bannern  unb  viel 
$olf.  Der  3Beg  war  gefdjmüdt,  bie  Käufer  mit  Slumenge* 
winben  unb  frönen  ücppidjen  bedangen,  bie  Strafen  mit 
Blumen  betreut,  3Bäf)renb  ber  ißrojeftion  ertönten  fämmtlidje 
©locfen  ber  <5tabt  unb  Wuftfdjöre  ließen  Choräle  unb  anbere 
Äircbcnweifen  erhallen,  ^rojeffionen  to  folgern  Umfange 
fanben  nur  no(fy  bei  außerorbentlidjen  Gelegenheiten,  $.  9. 
wenn  ein  3ubelja^r  begangen  warb,  wie  1490*)  ftatt  3)a$ 
3ubeljafyr,  weldjed  im  3-  1490  nur  adjt  läge  bauerte,  braute 
bennocl)  an  Cpfergeloe  eine  Einnahme  von  141  9fetd)$gulben 
unb  30  ©rofetyen.  (5d)ließlid)  ifj  nod>  ju  bemerfen,  baß  ein 
Slfvlrecbt  in  fo  weit  umfaffenber  Sebeutung  wie  anberwärtS, 
in  görlifcer  Jtirdjen,  wie  überhaupt  in  beneedjflftäbten  niüft 


•)  N.  Script.  r«r.  lus.  II.  p.  325,  326. 


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262 


aalt,  ba  Jtarl  IV.,  am*  22.  9Rär&  1360,  auäbrürflicf;  erflärt 
fyattc,  Wiffct^ater  feien  tn  «tirdjen  unb  jUöfiern  ntdjt  t>or 
33er$aftuug  ftcfcer.  ©ei  anberen  gälten,  al$  ©erbrcd)en,  fommt 
jebod)  twr,  bafi  Verfolgte  ftc^  burd}  ftlud)t  in  ben  6d>oofj  ber 
@etfflia)feit  retteten.*) 


« 

Die  gcf ftCtcf) cn   trüber-'  unb  Sdjwefterfdjaften  in 
©örlifc  bis  auf  bic  Deformation.**) 

Hußer  ben  Äleftern  würben  nod)  Vereine  *n  geifHtdjcn 
3wetfen  gefiiftet,  in  benen  man  ftd>  wpfjictjtcte,  mcr)r  alö  an* 
bere  teilte  $ur  (*rjre  ©otteö  unb  jur  ©eförberung  beä  eigenen 
€eelenf)eil6  ;u  trjun.  6rld}e  Dreine  entfüanbcn  im  15.  3af)r* 
bunbert  unb  ronrben  nod)  im  16.  fcfyr  begünftigt,  weil  man 
fia)  beliebte,  bafl  burd)  bic  Deformation  binfäUig  werbenbe 
Tattyolifdje  SBcfcu  babnrd)  ju  förbern  unb  in  neue  55lurt)c  ui 
bringen.  'Wan  badete  in  foldjeu  Vereinen  bie  d)riftlid)en 
*ßflia)teit  beffer  al$  attbere  im  tljun.  Diefe  ©ruber-  unb 
(Sdjwefierfdjafteu  ftifteten  befoncere  Altäre  tu  ben  Jtira)en  unb 
übernahmen  befonbere  *ßflid)ten  in  ©etrcff  be$  tfirdjengefange«*, 
geier  gewifler  Sage,  9)?effenbefud)ä,  ©egiäbnifjfolge.  gaben 
fid)  felbft  gan$e  3unungen  in  biefe  ©rüberfdjaften  unb  wir  l)a* 
ben  biä  !>ent  $u  Xagc  noa)  in  ©orlifc  einen  Uebevreft  baren 
tu  ber  Xud)maa)erfraternitat  ober  ©egräbnifjfaffe  bierfclbft. 
3n  früherer  JJeit  war  nun  bie  religiöfe  Didjtung  t>orwiegenb 
über  baä  ©egräbnißwefen,  obwotyl  baffelbe  bamit  »erbunpen 
war.  Sit  ben  ^anbwer^briefen  finben  fict>  Strafen  tterjeier)' 
net,  i  ©.  Lieferung  »oll  $Öaa>etferjen.  Die  Aufnahme  würbe 
fer>r  feierlid)  betrieben  unb  war  von  religiöfeit  (Meniütrmn  fel)r 
gefudjt,  weil  fte  bann  nad)  tljrem  $obe  auf  ©eelcnmeffen  ju 
rennen  rjarten.   3«r  Leitung  ber  ©egräbniffe  waren  befonbere 


*)  N.  Script,  rer.  Ins.  III.  p.  il.  (beim  3aljte  1510.) 

DucUen:  feftfjeA  *•  3N«9«A;  9^  XXV.  <B.  W  f.  unb 
bort  angeführte  Triften  »on  Ääuffer  (SDberl.  Gkfd).)  II.  Dbcrt.  9tr; 
beiteu  $*.  III.   Wmt't  Hcfc>rniatüm«9cft.,  fotoie  bic  <&Ubtbud)er. 


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263 


«erfteher  (provisores)  vorbanben,  welcf>c  bic  auf  ®runbftüden 
l>afteiit>cn  3tn|"en  einzutreiben  unb  \u  verwalten  Ratten. 

$>iefc  trüber*  unb  Schweflerfcbaften  l)atten  tbetlS  einen 
privaten  Startfter,  wie  in  ©örliö  bie  Srnberfcbaft  6t.  «n* 
tonii,  8t.  Jafobi,  Die  Brüberfdjaft  Der  ^rtefter,  Die-  «rubere 
fd>aft  unterer  lieben  grauen  ober  ber  $ürger*$rüberfchaft,  unb 
bie  Brüberfchaft  et.  granetia,  ober  einen  öffentlichen  Gtyarafter, 
wie  bie  Scbweflterfcbaft  ber  granjiöfaner  unb  bie  Bereinigung 
ber  Seltnen,  ober  Seelweiber. 

Söenn  ber  tfharaftcr  privat  war,  ftanb  bie  Oberleü 
tung  bem  Stalle  *u.  Doch  übte  Daneben  (gleichwie  über  bie 
a.eiftlia>eu  Reinigungen)  ber  $ifd)of  *u  Weisen  bie  Ober* 
aufftcht.  IS*  bietet  nch  hier  Gelegenheit,  au4  einer  llrfunbe 
fcer  jittauer  grauen  »rüberfchaft  eine  a)arafterifti|a)e  Stelle 
aufbeben,  welche  Darauf  binbeutet,  bajj  ba*  adfülicr)e  SBefen 
bei  bieten  trüber *  nur  Scbwefterfcbaften  ntcf>t  ber  alleinige 
©runb  bed  3ufantnientrtü0  war,  fonbem  ba$  viele  ber  Unterbai* 
tung  wegen  eintraten,  wie  ja  aua)  noch  ^eute  an  Singvereinen  ic. 
manche  ^erfenen  nicht  bloe*  bed  Gkfangetf  wegen  X^eil  nefj* 
men.    3n  biefer  Urfunbe  vom  3«l)re  1469  f>ei0t  e*  nämlich: 

„3uni  Secbften:  baß  bie  Obengenannten  alle  SBocfyen 
frühe  in  bem  Hoven*  $u  bem  Rogate  corli  de  super  etc. 
fommen  foUen  unb  barju  verharren  bis  \u  öube.  dergleichen 
an  bem  beil.  <%ifttage  $u  bem  jubila  nnima,  |n  ber  SHeffe: 
cor  fuipcbit,  ilem  ui  allen  gropen  geften  unfer*  £errn,  alä: 
Circumcisionis,  Trium  regum.  Resurrectionis,  Ascensionis, 
Pentccostis,  Trinitatis  nuD  Corporis  Christi  (grobnleicfmant), 
Johannis  Bapiistae,  Dedicalionis  ecelesiae.  and)  alle  anberen 
Unfrer  lieben  grauen  geiertage,  alä:  Concepcionis.  Annuntia- 
tionis,  Visitationis,  Nivis,  Assunitionis,  Nativilatis,  Purifica- 
tionis,  unb  an  ber  gaftnadjt,  unb  alle  anbern  gefte,  Aposto* 
lorum.  Martvrum,  Confessorum  et  virginum.  3«  bell  vier 
Neffen  foUen  fte  fommen  unb  bie  mit  Hnbacbt  fäuberlicb  unb 
einftimmiglich  ohne  3"*™n^  ober  ^efdjwerniffe  fingen.  Hber 
bie  tfaienbrüber  unb  2i$eib$per|onen ,  bie  nicht  fingen  fönnen, 
bie  foUen  ihr  innige«  ©ebet  tlnm,  al*  ihnen  von  ®ott 
verliehen  rft  Item,  bie  obgenannten  trüber  foUen  alle  Don- 
nerflage  über,  ba*  ganje  3a$r  von  Tonnen  Hnb  grauen,  bie 
literaten  mit  ben  Schülern  mit  ihren  brennenben  Jlerjen  fem* 
berlich  unb  orbentlich  in  ber  Vrojeftion  gehen,  nach  Sefehlung 


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2(>4 


unferS  Gerrit,  be£  Legaten,  unb  bie  Ungelernten  fyernact).  3tem, 
alle  anberc  ir)re  geroöl)nlid)e  «Singe jetten  ,  alö  batf  Salve  Re- 
gina iu  bcr  Saßen,  bie  Vesperas,  bie  ftnfleren  Letten,  bic 
.UJeffe:  infra  oclavas  assumptionis  Mariae  ; u  Unfct  lieben 
Srauen  braußen,  unb  anbere  Annata  feilen  fie  nidjt  laffcn  ab^ 
gefyen,  fonbern  bie  S^en*)  fleißig  vollbringen,  tauber  lief)  Hnb 
einträdjtiglicf),  auf  baß  batf  gemeine  sl*olf  baran  ntc^t  $terger- 
niß  netyhte,  nnb  (Spötterei  baraud  entfpringe.  —  —  3)od) 
2lUe$  in  einem  folgen  Unterfcfjieb,  baß  bie  obgenannten  trüber 
feilen  ben  (£apituln  unb  (Balingen  in  ber  33ul(e  unb  allster 

tdnflid)en  verpflichtet,  unb  von  (%tt  verbunben  fein,  ift  unfere 
Meinung,  liefet  fo  e$  irmen  eine  große  $5efd)roerung  roürbe 
unb  mit  ui(f)ten  veränbem  fönnten,  fonbern  allein  ;n  ben  gro* 
ßen  Äfften  unferä  <£>errn  obgenannt,  unb  ;n  bem  2(bvent  nun 
Rorate,  unb  in  allen  unfern  lieben  Frauentag  *  fa\tcn  obge- 
nannt, baju  $igilien  unb  requiem,  unb  aud)  jur  ^Begleitung 
jeglicfjen  tobten  s$ruber$  $u  bem  9?egräbniß,  unb  feinem  £ei* 
cfyenjeicfjen  follcn  fie  von  bc$  OicdjteS  roegen  unb  bei  ein*r 
s4*ön  verpflichtet  fein.  —  3tem  bie  3nbu(geutieu,  gegeben  von 
unferm  ^errn  bem  Legaten  in  ber  Fullen)  follen  fie  aud) 
auf  alle  quatuor  lempora  (Q-uatember)  mit  einem  ^Jrebiger 
beftellen,  baß  fie  bem  $$olfe  fürbaß  verfitnbigt  werben.  3tem, 
auf  baä  lefcte  befehlen  2Bir  irmen  von  *Rea>töwegen  ernftlicben, 
„„baß  fie  e$  fürbaß  auf  bem  Gabore  bei  ber  Neffen,  ober  fonft 
in  aubern  ?(nuaten  orbentlid),  jüd)tiglidj,  fäuberlid)  unb  be* 
quemltctyen  halten  follen,  allee*  unnü$e  ©eläHffe,  6pafcierunge, 
(Wefcbrei,  (Driftetet,  ^fünftem  unb  ^anblung  follen  abgetban 
fein,  unb  alle  bei  einanber  in  einem  Raufen  für  ben  SBücjjern 
fteben  ?c."" 

*Bon  ben  93rüberfd>aften  et.  3afobi,  ©t.  3(ntonii  unb 
(5t.  Sraneiflei  ijt  nid)t6  9tätyereö  auftufinben  geroefen.  (§6 
bleibt  une»  bemnad)  nur  bie  ^Örüberfdjaft  ber  ^rtefrer  unb  bie 
33rüberfa)aft  unfern  lieben  grauen  ober  bie  93ürger*93rübcrfd)aft. 

53et  Weitem  bie  meiften  s)iad)rid)ten  ftnb  un6  von  ber 
©rüberfct)aft  ber  ^riefter  erhalten,  obroor)l  aua)  biefe  ntdjt 
ein  vollftänbigcöj  5Mlb  gewähren  fönnen,  roe$l)alb  man  nur 
mit  9?oiMen  ftd)  begnügen  muß. 

Die  erfte  (Irroäfmung  gefdjiefjt  von  berfelben  am  12.  6ept. 


•)  faiertage. 


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1424,  bei  Gtelcflenfirit  ber  flufritftung  eine*  neuen  %\tax$  in  ber 
6t.  9tifolaifir<rje,  »nb  am  29.  Januar  1440,  unter  welkem  läge 
Heter  Swertfeger  für  3  9Rarf  geliehene*  Kapital,  btefer  3}rü* 
berfäaft  1  Rirbung  0>rofd)en  jäVlidjen  3in*  *erfpri*t*). 
qemetn  wirb  riefer  &rüt>erf(r/aft  aufjerbem  noa)  gebaut  in  ben 
3at)ren  1442,  1444,  1448,  1451,  1452,  1*52,  1456,  1460, 
1464,  1468,  1500,  1503,  1504,  1506,  1517.  6ie  befap 
mehrere  9Utäre.  Der  im  3.1422  in  ber  Warrfircbe  su<5t.9ii; 
folai  aeftiftete  Hltar  war  geweibt  bem  dvanaelifien  Joannes 
unb  anbcreit  .^eiligen,  weldie  «Stiftung  im  3-  1450  erneuert 
warb;  1457  wirb  ein  jweiteö  ©eftlft  bem  ^eiligen  $Bolfgang 
gewebt,  utib  1477  ein  Hltar  ber  93rüberta)aft  in  ber  grauen» 
fird>e  ifyr  dtyentbum  genannt.  SBeirn  3.  1499  ff*  t?on 
jwei  Altären  bte  *Rebe,  nämlia)  fcon  einem  HUar  beS  beüigen 
3obanne$  unb  $¥attbtad,  unb  von  bem  ^weiten,  wetyer  bem 
fettigen  3obanne*  unb  SÖoIfgang  geweift  war. 

S$on  ben  ^orftebern,  ober  wie  ber  offtyetle  9u3brucf  ift 
„SSerwefern"  biefer  »rüberfdjaft  «nb  if)re6  «ermdgen*  fehlen 
Die  metfien  tarnen,    $efannt  ftnb  nur  folgenbe: 

1446  :  3obann  greiberg. 

1460:  *l?aul  Dciibiger  «nb  $aul  ärobenofc. 

1464:  3or>ann  ©ottaw  unb  Martina*  GJrauppe,  1465. 

1466:  $an(  ftübiger  unb  3oad)im  ^efcolb. 

1467:  Wflaö  Sragfcbeerer. 

1471:  3ol;ann  ©ottaw  Hnb  M.  ©regor  Hermann. 

1472:  tfadpar  Seliger  unb  $eter  Äertwta.. 

1474:  ^eter  6(t)eibt  unb  3orjann  Sreitmtajel. 

1480:  Söenjel  6a>uffe(  unb  Sodann  Detentor,  fpätcr 
3or)aun  ^enricu^. 

1481:  *peter  ®<r;eibt. 

1482:  9Jtottr;e*  6tarfe. 

1493:  Xboma$  ftaffe  unb  Slnbrea*  Wonbefajetn. 
1497  :  3ofyann  9ÄoIgrcber  unb  *ßeter  «öermann. 
1499:  3of>ann  sJ»olgreber  unb  3ecoff  (Spaltew^nbt, 

fpdter,  im  3-  1499,  wie  aua) 
1500:  3of)ann  Hermann  unb  ®eorg  3ße^mann  t>on 

1500  bi* 

1501:  3or)amt  ^ermann  unb  3o^ann  Breitmfdjel. 


•)  Actorum,  (4431)  üb.  p.  20. 


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266 


1504:  ©regoriitfl  9tobar  unb  Wattbenö  £o(mtann. 
1506:  Johann  $?otgreber  unb  Watt  heue*  £ofjmann. 
1510:  Watthiaö  6walme  unb  Statin  3Harienam. 
1512  unb  1513:  3o^ann  93reitmid)cl  unb  £eonl)arb 
Wolter. 

1514:  3ol)ann  $reitmid)el  unb  %kttt  ^ermann. 

1516:  Widuicl  ttctiftof  unb  ©eorge  Jjpöf. 

1518:  ^etcr  Hermann  unb  9Jmbro|tu$  Äod). 

1520:  tytttx  «^ermann  unb  @e#rg  «£>öt>e. 

1524  :  3ol)ann  93reitmtd)el. 
9Rftn  faitn  tnerauä  fdjliefjen,  ba0  alle  3afyrc  bie  93or* 
ftefyerfcfyaft  nu-dMcltc  unb  eine  s)feuwal)l  eintrat,  wobei  jebod) 
ber  frühere  5krwefer  wieber  erwäljlt  werben  fonnte.  3o^ann 
33reitmid)e(,  welcher  fdjon  im  3-  1474  einmal  vorfommt, 
fd)ctnt  in  einen  jüngeren  uuD  altereu  gefd)ieKn  werben  ju 
muffen  unb  fann  fcfywerlid)  ein  unb  biefelbe  H$erfon  fein.  vUn  c 
tarnen  fe muten  Ijauptfäcfjlid)  bei  ®elbver(etf)ungen  vor.  (5o 
waren  meiftenö  &(tariften,  weldje  bei  gut  botirten  Elitären  ©elb 
jurürflegeu  fouuten.  Die  $infcn  beö  gebot gten  .Kapitale  war* 
ben  ftet$  bem  Verwalter  ober  VUtariften  be$  betreffenben  flltarö 
be$al)lt,  wenn  ber  wirfüdje  ?fu£leil)er  aud)  längft  verstorben 
war.  Dad  3iwred)t  cvbte  auf  bem  Altäre  fort  unter  ben  fol* 
genben  SUtarifteit. 

3uwei(en  fonnten  bie  geliehenen  Summen  wieber  $urütf* 
gejault  werben  unb  bann  famen  fte  an  bie  neuen  33efi&er,  l)ier 
au  bie  jebeämalige  Verwaltung  ber  5öriiberfd)aft,  uumt,  weldje 
biefelbcn  von  Steuern  auffiel).  ©ewöfyiilid)  aber  würbe  baö 
Kapital  nidn  iiu  in  jut ürfgejaljlt,  bte  Verjinfung  batterte  jebod) 
fort  unb  würbe  von  jebem  folgenbeu  Käufer  beä  mit  3i"$  be- 
laftcten  ©runbfturfeS  übernommen.  5?act)  ber  Deformation 
famen  bie  @elber  an  bie  Jtirdjfaffe,  fpäter  an  bie  ©tabtfjauvt* 
faffe,  immer  unter  bem  alten  tarnen  ,,  Pfaffen  Ritten",  wobei 
freilid)  bie  fpätereu  (Sigcntfyümer  von  Örunbftitcfen  mdu  nu  In 
wiffen  fonnten,  baß  biefe  l'aft  auf  bie  geredjteftc  Seife  von  ber 
Söklt  auf  ityrem  (Stgentfyume  rulje. 

(Sbenfo  war  ed  nun  aud*  mit  ber  Bürger  '93rüberfd)aft, 
ober  $ierbürgers$rüberfct/aft,  ober  ber  ©enoffenfefjaft  $u  Unfern 
lieben  Stauen.  $ölr  ftnben  fte  auetft  erwäbnt  im  3. 1447  unb 
weiter  1452,  J453,  1456,  1463,  1479,  1482,  1483,  1487, 
1514.    Sie  mochte  nidjt  geringer  alö  bte  vorige  fein  unb 


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267 


befaß  ba$£od>altar  in  ber  graue nfirdje  (146a,  1514),  geweibt 
$nr  Gtyre  ber  ^eiligen  $>reifalrigfeit,  3Naria  unb  8nna;  fowie 
ein  anbereö  ebeitbafelbft,  $ur  (Sbre  ber  Jungfrau  3Raria.  ^eibe 
?tlräre  fommen  in  3in6urfunben  nebeneinander  t>or.  8ud)  in 
ber  6t  s|$eter$firctye  war  ein  „SRarienaltar"  (Sigentyuro  ber 
$ruberfd)aft.  3m  3.  1447  wirb  Wfolau*  Sangefritfae  Hltarifi 
be$  itjx  geborigen  Wtareö  „Unfeter  lieben  grauen"  bafelbß  gc* 
nannt;  1456  3obann  ©ottaro  ein  SBerwefer  bed  Altäre« 
„U.  grau"  in  ber  grauenfird>e.  3m  3.  1483  waren  bie 
^erwefer  ber  $riiberfd>aft:  3^ann  äid)el  unbfM.  3oi>ann 
6d>eftmoüer. 

$eim  3-  1482  wirb  ein  Sütarifr  3ebanne6  ttoßwein  bei 
einem  ton  ber  föeid)d'Äramcr'3nnumj  (institores)  im  3  1474 
geftifteteu  %itax  in  ber  t*cter$fird)e  erwähnt. 

s)iid)t  allein  unter  fidj,  fonbern  aud}  mit  aeiftlicr^cn  Q)c* 
noffen  trat  man  in  be«  ©ruoerfdjafttoerbanb.  So  im  3.  1475 
am  25.  gebruar  bie  6djneibergefeUcu  $u  ©örlifc  mit  ben  grau* 
gtöfanermonctyen  bafelbft  *). 

m&  biefe  Erüberfdjaften  in  ber  Witte  bc6  15.  Safjrfyun* 
bertd  bebeutenb  in  Aufnahme  famen,  begann  man  folct)c  mit 
<*>efd)enfen  unb  (£rbfcr)aften  fo  reidjlidj  ju  bebenfen,  baß  Ädnig 
Sabielaw  unterm  14.  üpxii  1457  bemfRatlje  *u  Wörltft  befabi, 
er  möge  ftd)  vorfer)en,  baß  ntct>t  Aänfer,  (Härten  uno  Sflerfer 
„unter  bem  Soroanbe  einer  $niberfaaft''  bem  (befanntlid)  &on 
weltlichen  Abgaben  freien)  fllcm*  jinflbar  würben,  unb  baburcr) 
bem  ©emeinbewefen  großer  6djaben,  ber  (frinn>er;nerfd)aft  aber 
übermäßige  Kbgabenlaft  erwacfyfe. 

bleiben  nur  nod)  einige  SBorte  von  ben  9iegelfd)üxftern 
6t  granjiöa  unb  ben  SEkgfyinen  au  fagen. 

2)er  granjidfanerorben  jerficl  in  bret  Älaffen  (Regulae): 
bie  fratres  minores,  bie  JHarifferinnen ,  enblid}  bie  Terliariae 
(ordo  teiiius  de  poenitcnlia).  3)iefe  brüte  Alaffe  roofmie 
nidjt  im  JUofter,  fonbern  biloete  gleidjfam  bie  9icbenf(affe  beä 
DrbenS.   6ie  Ijatte  in  ©örlifc  ein  befonbered  £auö,  nadj 


•)  9t.  *.  aWogaj.  1849  (XXVI.  Sanb).  82 ,  wofrlbjl  bic  mtxb 
»ürbtae  ^Befdjeiniaung  bca  bomalijjtn  ©unrbiaiK  2J<U  .Ronia,  (ßimeff)  ab; 
gebntät  ifr. 


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268 


welchem  bie  9fonnengaffe  fljren  tarnen  empfangen  fyabtn  foll.*) 
Die  $otfteberin  biefeö  Kaufes  I>te#  procuratrix  (^orforgerin). 
Mit  bem  $obtcttbud)e  Der  gran^iSfaner  gu  ©örlifc  finb  Wenige 
9tamefl  folct/er  6d}wefiern  aMf  und  gefommen.  (Sft  färben 
al$  procuratrix:  1502:  jtatyarina;  1508:  Barbara  ©riß- 
lertn;  J510:  Dorothea  SRadjemvfftn;  al6  6d)wefrern  unb 
Xbeilbabertnnen  an  ^räbenben  im  Sdjwefternl)aufe:  1346: 
lela  $elingeringe;  1371:  3utta;  1376:  Gltfabrty  gefetoattttne; 
1402:  Xda  *Keber\mgen)nne  unb  9Äargaretl)a  9tad)nawrmnc; 
1483:  Urfula  ftamenfttu;  1485:  «nna  Botin;  1496:  »nna 
9Raqin;  1500:  (Sbriflina  <Sd)eumam?nnc  unb  SWargaret^a  fyrixi* 
cefynnej  1512:  fertftina  6d)eunermt}  1518:  Tlaw  €cben- 
jetynne;  1524:  Äatljarina  ffityaanbmtne;  enblid)  (Slara  £)t 
martynne,  beren  lobefljabr  unbefannt  ift 

Die  Segfyitten  **)  ober  (teelweiber  gehörten  \u  ben  freu 
wittigen  Orben$gefeflfduiften,  weld)e  au$  Dummheit  ober53o£* 
beit  verfahrt  een  waren,  obgleich  fte  ni<f)t$  als  2Bobltf)ätigfett 
unb  SJfenfdjenliebe  *u  ihrem  eblen  $mdc  Ratten.  Stifterin 
biefer  @d>wefterfd)aft  foü  ber  6age  naa)  bie  beilige  93egga, 
eine  Xodjter  bed  elften  ^er^cgö  ^ipin  von  Trabant,  gewefen 
fein.  Rubere  fd)rciben  ben  Urfprung  ber  9$egf)inen  einem 
frommen  ^rtefter,  Lambert  93egiu$,  ju,  weldjer  im  3.  1170 
ui  ^üftid)  gelebt  fjabe.  Dem  mag  fein,  wie  irjm  wolle,  bie 
93egt)inen  würben  niemals  ;u  ben  regulären  JDrben  geregnet; 
fte  würben  vielmebr,  ba  fte  von  ben  ©efefcen  ber  berrfa)enben 
ßircfye  in  einigen  Stütfen  abwidjen,  von  ber  ©eiftlidjfeit  aufö 
beftigfte  verfolgt.  6te  Ratten  weber  ba$  ©efübbe  be6  ©e* 
borfamä,  nod)  ber  ftrmutb,  wobura)  jic  fta)  von  ben  geweiften 
barmfjer^taen  S(f)weflern  uuterfa)icben.  Daß  fte  ein  ©elübbe 
ber  Äeufct)l)eit  wd^renb  iljrer  Srjätigfcit  alö  33cgl)tnen  batten, 
ift  anjunetymen,  obgleich)  nid)t  bewiefen.  (£$  fonnten  in  tbre 
©efellfdjaft  nt<bt  nur  3ungfrauen,  fonbern  aua>  Sittwen  treten. 
&ud)  nahmen  fte  unmünbige  Jfinbcr  bei  ftd}  auf.  SÖar  e* 
ttjnen  gefäUig,  fta)     verheiraten,  blieb  tbnen  biefe  greift 


*)  Toti)  fann  aud)  biefe  Strafst  tbmi  9tamen  »on  ben  Tonnen  an* 
©t.  SRarientfyal  tragen,  treibe  in  berfelben  für  jetttoetligen  &nfenrt)aU  in 
öJorlifc  traljrfdjeinluty  ein  9teftbeint>au*  Ratten.  @.  oben  @.  14  unb  9t. 
2.  äBagai.  1849  (XXVI.  *8anb),  @.  288. 

••)  IJefdjerf,  «auf.  3Wönat*färift,  1791.   <S.  176  ff. 


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2G9 


unbenommen.  9Ran  bietete  itynen  allerlei  jrrtlnimer  an,  int* 
befonbere  bie  r>on  ben  ^äpften  infpirirten  Sa)riftjteUer,  für 
wdty  e$  einmal  in  ber  Jlira)e  feine  gültige  ©emeinfdjaft  gab, 
wenn  fie  nidn  in  eine  ber  gewö>ilid)en  £)rbeuduniformen  ein* 
gezwängt  war.  Ü)ie  freifinnigen  ©djriftfteller,  weld)e  bie  (£fyre  . 
ber  $egfyincn  retten  wollten,  (abrieben  beufelben  folgenbe  t>on 
ber  fatboluduMt  Äira)e  abweidjenbe  Veluiarse  \u  :  I)  ber  Glaube 
in  ber  fyerrfdjenben  Äirdje  fei  größtenteils  irrig  unb  rüfjre 
»om  Teufel  ^cr;  2)  alle  religio,  b.  fy.  sJDtönd)*regel,  fei  feine 
Religion;  3)  ber  $apfi  fönne  ftd)  irren  (fei  faüibel);  4)  bie 
$obteuopfer  feien  unnü&.  Se^alb  erlief  $apft  (Siemen*  V. 
eine  tfonftitution  gegen  fie,  worin  er  ben  (^laubigen  allen  Um* 
gang  mit  ben  Beginnen  »erbot. 

2öir  wollen  bie  religiöfcn  ©laubenöfäfce  ber  Beginnen 
baljingeftellt  fein  (äffen.  :>uu  fo  viel  ift  gewiß,  raf«  jic  fia) 
in  ben  ^flidweu  ber  Sugenb  ohne  £eudjelei  übten.  Sie  gingen 
in  nur  ad)  er  äleibung,  befleißigten  fia)  nad)  ihren  privat* 
gelübben  ohne  3wang  ber  sJDJdßigfeit  unb  Einfalt  unb  lafen 
befonberä  fleißig  bie  l)eilige  6a)rift.  3imdd)ft  unterrid)teten 
bie  älteren  unb  .wftaubigen  Beginnen  bie  jüngeren  unb  un- 
wijfenben  im  (Sbriftentfyume  unb  gulen  eilten.  Sie  waren 
gegen  ftdj  fo  ftreng  in  ber  Sittlidjfeit,  wie  gegen  bie  Ruberen. 
6ine  iljre  £aupfrerridjtungeu  war,  baß  fie  franfe  Pilger  unb 
anbere  arme  elenbe  ^frfouen  in  il>re  $Bol)uuugen  aufnahmen, 
pflegten  unb  mit  bem  :Iroftc  ber  Religion  erquuften.  3)afyer, 
n>eil  fte  jid)  zuweilen  mit  bem  Seelenauftanbe  ber  Jtranfen, 
Seibenben  ober  Verirrten  befd)äftigten,  fommt  aud)  bie  ^e- 
geidjnung  „Seelweiber."  3«  ®örli&  wirfieu  fic  in  biefer  (Sigen* 
fd>aft  in  bem  bura)  Äattjariua  geurigin  im  #  1456  geftifteten 
Seetyaufe  in  ber    rebägajfc  *). 

£>iefe  $egl)iueii  waren  nia>t  »erbunben,  ftd)  in  iljreSÖofy* 
nung  etnjufdjließen;  fie  gingen  öftero*  auö,  trugen  ben  Xrofc 
reo  (Glaubend  unter  bie  ^eibetiben  im  öffent(id)en  ?eben,  nah- 
men freiwillige  SClmofen  Jlnberer  an  unb  wwenbeten  foldje 
fluni  heften  iljrer  jeweiligen  ^ftegebefoljlenen  unb  Sdjüfrlinge. 
3fyre  Xradjt  war  bie  einfache  bc$  gewöljnlidjen  gebend  unb 
geigte  feine  Spur  son  JDrbenäinftgnien.  Sie  würben  außer* 
orbentlid}  geartet  wegen  i&rer  milben,  weitumfaffenben  Sßirf* 


*)  6.  240. 

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270 


fiim feit;  Ätnber  unb  junge  Verne  fanben  fu1>  oft  bafelbft  ein, 
unb  ber  Reformator  von  ®örli$,  Pfarrer  Rotbart  ober  S*» 
pertuä,  (oll  ihnen  bie  Bufflärung  feine*  Weifte*  *h  verbaufen 
qebabt  haben,  ba  er  al*  ^dinlfnabe  oft  von  ihnen  Unter 
weifung  erhielt. 

Mit  ber  Deformation  91119  jeboa)  and)  tiefe  woljltfjätige 
Sdmufterfdjaft  in  ©örli$  ein.  In  baä  Hlmojengeben  mau 
mehr  al$ ^flia)t  befonberä  geprebigt  würbe,  Irrten  bie  meinen 
(spenben  auf,  ein  SBeweiä,  wie  wenig  bie  frühere  $reigebigfeit 
ber  Vente  Dem  eigentlichen  (^efnble  für  ^armheniajeit  )ugc 
fa)rteben  roerbett  fantt.  Tie  93egt)iiien  erhielten  fid)  mübfam 
bt*  uuu  vuihre  1530,  in  meinem  oahre  bie  jweite  \]\ n$weifung 
beä  Pfarrer  ÜHotbart,  ber  ihr  befonberer  (Mönner  geblieben  war, 
erfolgte.  Dann  aber  mittue  ihie  sltarbiubung  and  Jniereffe 
lojigfeit  ber  (£inwotmerfd>aft  aufgegeben  werben. 

5)a$  4r>aud  würbe  im  3.  1537  nebft  beu  wenigen  (Mb 
unfen  beut  ftrauenbo*pitale  jugewiefeu,  unb  ift  feit  bem  vuibre 
1555  $hnt$wol)nuug  beö  9febiiuu6  ber  <5t.  ^eteräfiraV. 


Die  Wünjwirren*)  1516  ff. 

Daä  9Nünjrea)t  hat  bie  (Stabt  (skulin  feit  nnbefannter 
3eit.  Heber  bie  erfte  (£rlaubnifj  uim  ÜXänaen  iji  feine  Urfnnbe 
vorfyanben.  3«  einer  Urfnnbe  bes  «£>erjog$  ^emneb  von  3auer 
vom  3.  9tpril  1322,  in  weichem  er  bem  Stamnunb  v.  9teueä* 
fyoven  ra*  ÜRed)t  eine*  s)iiduer*  in  ©örlifc  erblid)  ui  befttjen, 
gewährt,  wirb  von  (^örli^er  S)fam$e  (Gorlicensis  monete)  ge- 
fprodjen.  3m  3. 1330  fa)enfte  ber  Äönig  >bann  am  13.  8pril 
(VI.  fer.  infra  oclavam  Paschae)  voll  Vuremlmrq  auä,  ber 
c  rart  ba*  Wiinuedu,  weil  fie  ihm  bie  jähr  Ii  du-  €  teuer  auf 
brei  3al)rc  vorausbezahlt  habe.  liefe*  ?Kedw  betätigte  ihr 
&önig  itarl  IV.  bei  ber  großen  $kjtätigung  aller  ^n^ilegten 
am  14.  @ept.  1347,  fowie  unterm  15.  SWai  1356.  (£benfo 


•)  $affc.  «at^annalm.  I.  471  h.  II  f.  4—80.  III.  f.  2  ff.  »gt. 
mit  ber  Eberl.  Urfunbtnf.  a.  m.  O. 


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271 


bie  folgenben  Könige.  <B  ift  in  feinem  Dofumente  angegeben, 
wie  weit  ftd)  ba*  Nedjt  erftrcdte,  ob  nur  ۟bermun*en,  ober 
ob  aud}  ©olomüiuen  gefd)lagen  werben  fonnren.  Dod)  ifit  e$ 
gewip,  bap  ber  #a^  ju  &orliö  niemalö  Ghitoen  unb  ©rofdjen 
fonbent  nur  Pfennige  gemimjt  l)at.  Diefe  Pfennige,  weld)e 
fefjr  häufig  gefunben  werben,  Ijaben  bie  ®röpe  eined  falben 
<8ilbergrofd)entf,  finb  aber  biinner,  »on  Silber  nnb  tragen  auf 
ber  £auptfeite  bie  3nförift:  gor  (gorlitz \  umgeben  von  einem 
(Sirfel  in  einem  SEKererf;  auf  ber  tfeljrfeite  befinbet  fidj  eine 
Ärone.  Die  ©örlifcer  prägten  in  früherer  3eit  Derbältnijj* 
inäpig  nur  wenig.  Die  unter  ©regor  Selige  bem  Bürger* 
meifter  (f.  1438  ff.)  gefcfylageuen  Pfennige  würben  (Tregor 
Selige  Pfennige  genannt;  eö  gingen  7  auf  einen  3^igrofd?en 
nnb  28,  fpäter  34,  auf  einen  ungarifdjen  (Bulben.  Die  ©ör* 
li$er  famen  über  bie  Ännabme  ber  sDtuit$e  in  Streit  mit  ben 
übrigen  Sttoten  unb  benen  Dom  Öanbe,  weiden  3wift  eitblidj 
Jtönig  ©eorg  ^obiebrab  bat>tn  entfdjieb,  bap  bie  görltpct 
Pfennige  von  alten  eedtfftäbteit  unb  bem  &bel  genommen 
werben  foüten.  Dod>  blieb  bie  s))tünje  nid)t  bloö  in  ben  6ed^ 
lauben,  fonbern  war  in  ganj  Btymrn  unb  Sdjleften  im  Um- 
lauf. 3ur  3eit  bed  «ürgermeifter*  ©eorg  <£mmeri<$  (1483. 
1488)  f^lug  man  Pfennige,  7  auf  einen  ©rotten,  aber  48  auf 
einen  ©ulben:  fie  waren  aifo  leidjter  wie  bie  früheren.  $eben 
biefen  lief  er  aber  aud)  nod)  beffere  fd>lageit,  fo  bap  7  aör* 
lifcer  Pfennige  gleid)  waren  8  W1>mifd>en  unb  auf  bie  3Karf 
72  gingen.  Ife  würben  von  ber  fdpereren  Sorte  aber  nur 
wenige  gefdjlagen.  3m  3-  1506  u.  f.  3cif>re  fanben  fid)  jebod) 
plö^ltd)  polnif^e  ©rofdjen  tu  ungeheurer  Ueberjafyl  ein,  nrity» 
renb  görlifcer  Pfennige  »erfdjwunbcn  wareu.  <$$  trat  ein 
groper  Langel  an  Sdjeibemünje  ein  nnb  bie  sJ0fttiue  polnifdjer 
>ißär)rtmg  fiel,  bie  Lebensmittel  aber  würben  rl)eurer,  sumal 
9tiemanb  roed)feln  fonnte.  Da  ber  ^erfHd}  eine*  Verbots  ber 
polnifdjen  ©rofdjen  nid)tö  fruchtete  mtb  überbie*  bie  "öreolauer 
eine  neue  Art  fd)lejifd)er  gelier  im  X  1471  *u  fdjlagen  an* 
fingen,  befdjlof  ber  flatf)  $u  ©örlifr  jid>  feiued  SHünjred^ 
wieoer  ju  bebienen  Hnb  münjte  Dorn  3-  1510—1515  ununter* 
brodjen,  fo  bafi  in  biefen  3afyren  einige  tyunbcrttanfcnb  Sd>od 
görli&er  Pfennige  in  Umlauf  famen.  Seit  bem  %  1510, 
nodj  mel)r  aber  feit  [1516  famen  plöfrlidj  eine  SRenge  fd)le<^ 
ter  fupferner,  felbft  eiferner  ÜÄunjen,  mit  ber  Ärone  unb 


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272 


auf  ber  äehrfeite  bic  ©ucbfitaben:  „got"  in  £ur*,  woburd>  t>tc 
neue»  gdrlt^er  Pfennige,  $umal  fie  fd>(ed>t  geprägt  waren,  in 
folgen  3Xipfrebit  gerieten,  ba0  foldje  fogar  in  Böhmen  ver- 
boten würben.  Sin  ©raf  im  §ar\c  war  ber  galfchmünjer 
unb  Verbreiter  ber  falfc^en  görlifcer  Pfennige.  £)bwol)l  nun 
ber  ^Hatl>  überall  in  ben  6ldbten  vor  bem  falfcfyen  ©clbe 
warnte,  in  ©örli$  öffentlich  bie  vergebenen  Korten  falfche 
sJWün*c  an  ber  SiJaage  aushängen  ließ  unb  enblid)  benen  mit 
Jtonficifarioii  be$  Ötelbcö,  ja  mit  ©efängniji  brohte,  welche 
baä  falfche  @klb  annehmen  ober  auegeben  würben,  fyatf  bodj 
fllleö  nichts,  ßm  (fnbe  famen  görlii&er  Pfennige,  äd)te  unb 
unddjte  &u  Xaufenben  nad)  ©örtifr  ^uruef.  4)aburd)  fam 
Raubet  unb  Sanbel  mit  bem  9(uölanbe,  befonberä  mit  s^olen  unb 
Böhmen  In*  6totfen;  benn  Sfiemanb  wollte  görlifcer  SWünje 
nehmen,  unb  e*  waren  fd)liefitid)  in  (*)örli&  unb  ben  8e<h$ftdbten 
faft  nur  görlt^cr  Pfennige  im  tfurä;  weil  ^ermann  bad 
nldjtgörlifrer  ©elb,  *ur  ©enu&ung  nach  außerhalb,  jururfl)ielr, 
ober  verwenbete. 

Diefe  Angelegenheit  würbe  in  fcöbau  auf  ben  fcchöftäbtifcheii 
lagen,  in  ^rag  auf  ben  böhmifdjen  l'anbtagcn  mehrmal*  ver* 
banbelt  unb  veranlagte  uneiiblicr)e  Schreibereien,  Grfläruugen, 
^rotefte,  Erläuterungen,  ßwiftigfeiten  jwtfdjen  Sanb  unb  £täb< 
ten,  bie*  ber  Katy  allmäljg  &um  großen  Schaben  beä  &om- 
munverbanbed  fo  tfemlid)  alle  falfdjeu  Pfennige  einfielen 
uub  vernietet  hatte.  Seit  bem  3.  1530  ff.  würben  bie  *j*fen* 
nige  wieber  angefehener,  weif  ba$  fd)led)te  OJelb  verfchrounben 
war;  bod)  mußte  bie  6tabt  noch  im  3.  1527  fty  vor  bem  Könige 
gerbinanb  wegen  ber  sJWüiijwirren  ober  be$  „Wuii^rt^unib'd" 
gegen  bie  Antdjulbigung  Oer  9iitterfd)aft,  fie  habe  baä  tfanb 
beti ugen  wollen,  weitläufig  vertheibigen.  Diefe  Angelegenheit, 
bei  welcher  ßinjetne  ber  ©ürgerfchaft,  intfbefonbere  aber  bie 
Tudjmacher  wefentlid)  in  ihren  Skrhältniffen  geftört  unb  ge* 
fränft  worben  waren,  nährte  ben  feimenben  @eift  be*  Unfrie» 
benä  unb  Unwillen*  iu  ber  6tabt  (*iörli&  gegen  ben  Nach, 
obwohl  ?e$terer,  außer  ber  Unbefonnenheit,  folche  Waffen 
Pfennige  vlöfclid)  in  ben  Skrfehr  au  werfen,  natürlich  für  Die 
batf  görlifcer  (*Jelb  entwerthenbe  galfchmünjerei,  nicht  einftehen 
fonnte.  Seim  ^önfall  würbe  vom  Könige  ber  Stabt  auch 
bad  SRün^rivilegium  entzogen. 


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273 


Aufenthalt  beä  ©ifcrjofö  3of>ann  v.  ©let>ni&  (*u 
Wcipcn)  in  ©örlifc  im  3-  1520*). 

(§3  würbe  befannt,  baß  ber  33ifd)of  von  Weißen  in  Sauden 
bie  Älofterfirdje  weisen  werbe,  unb  bann  bie  §lbftd?t  habe  tm 
SBeubenlanbe  «£>od)amt  ju  haitat,  um  bort  baef  6aframent 
ber  girmung  $u  fpenben,  $u  weldjem  3*t>erfe  er  btö  (Sberäbadj, 
ftengereborf,  Otot(>enburg  sc.  fommen  werbe.  Da"  nun  in  ©ör* 
im  aud)  mehrereö  ju  weisen  war,  (Riefte  ber  9tath,  befonberS 
in  ber  XMbudM,  ben  in  93e$ug  auf  ben  fatbol if djen  Glauben  fdjon 
wanfenb  werbenben  ©emüthern  burd)  bie.  geierlidjfeiten  bei 
biefer  Gelegenheit  einen  neuen  $ttiffc^n>ung  ju  geben,  ben- Sur* 
germetfter  4paj[e  nad)  ©aufcen.  3hw  erteilte  ber  ©ifdjof  bie 
3ufage,  er  werbe  ©öilifc  befugen.  Der  9tath  erfuhr  feine 
ftnfuuft  brei  Xagc  juvor,  empftng  ben  von  SÄothenbujg  fom- 
menben  geiftlidjen  gürften  bei  Subwigäborf,  unb  getötete  t^tt 
über  bie  gelber  burdj  bie  2unifc  uub  fcen  ©raBeii  nad)  bem 
reidjenbadjer  $hore,  bamit  ihm  uicht  auf  ber  ©algcqgaffe  ba* 
^oc^gevtd)t  einen  Xnftoß  gebe.  Diefe*  (pinjug  gcjdjah  am 
Stbenbc  vor  bem  grohnleichnamätage  (6.  3um).  9lm  reichen* 
badjer  Zfyoxt  empfing  ihn  bie  ©eijHi<hfeit,  ber  Pfarrer  unb 
bie  Äapläne  in  ihren  beften  @l)orgewänbern,  bie  gran$iäfaner* 
mondje  mit  Äerjeu  unb  ben  fonft  nur  an  fyofyen  gefttagen  bei 
ben  Umjügeu  benutzten  äirdjenfafynen,  welche  bei  biefer  ©ele- 
genheit  von  befonberä  ©efteüten  au$  ben  Innungen  gerragen 
würben.  Der  Pfarrer  rebete  ben  33ifd)of  bei  bem  ©djlage  im 
innern  9*aume  ber  großen  ©aftei  (be$  Jtatfcrtruje«)  an,  unb 
braute  ihm  ben  ©ruß  ber  ©eiftlid)feit.  211$  nun  ber  Ätrctyen* 
fürft  unter  ben  beim  reidjenbadjer  Xl)urme  gehaltenen  Ztyon* 
himmel  getreten  war,  begrüßte  il)n  am  innern  reid)enbad)er 
%tyxt  ber  Statty,  mit  einer  ^lnfprac^c  beö  bamaligen  £>ber* 
ftabrfd)reiberö  £affe,  welker  in  feiner  Diebe  bie  (Stabt  wegen 
ber  \\)x  jefct  ju  Ztyil  werbenben  (fr>rc  glüdlid)  prieö.  Der  ©if#of 
antwortete:  „bie  Qfjxc,  fo  mir  geflieht,  wollen  wir  Alle  ©ott 
jumeffen!"  Unter  großem  ^olf^ulauf  ging  nun  ber  3ug  nach 
ber  *i$eterdfirche,  wofelbft  bei  bem  ©raufen  ber  fdjweUenbett 


•)  Sctylterang  in  $aff<'ö  «Rat^nnakn  t.  II.  f,  442b.  443.  4  44. 


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274 


£)rgelf lange  mehrere  Sieber,  unter  anbeten  aud>  Da«  „£err 
®ott  bid)  loben  wir  (Te  deum)"  gefunden  würben,  nad)  beren 
Skenbigung  ber  ©ürgermeifier  mit  bem  9iatbe  Se.  (Knaben 
in  bie  bem  93tfdjof  au6gewäfjlte  SBorjtiung  —  ©ernrjarb  ©ernf* 
iQanü  —  geleitete. 

flm  folgernden  Sage,  bem  beil.  $eid>nam0fefite,  fyirtt  ber 
Sifcfyof  baö  Jpodjamt  in  ber  St.  ^etereftre^t  ab  unb  tmg  bei 
ber  'Jfrogefitou  ba*  Slflerfyeiligfte;  bte  SRöndje,  weldje  früher 
au$  ber  JUofterftrdjc  einen  Umgang  mit  ifjretn  Saframettt 
auf  bem  Obermarfte  gu  galten  pflegten,  fallen  aber  fc^ou  mety* 
rere  3afyre  abgestellt  Ratten,  gogen  bicftmal,  be£  33ifd>ofö  fal- 
ber, naefj  ber  ^eterdfirefte,  brauten  tt>r  Saframettt  tu  bie  Sa? 
frtftet  unb  fdjlojfen  ftd)  ber  großen  $ronefjiott  in  ber  iiirdpe  an. 

9lad)mtttagS  weitete  ber  53ifd>of  bie  60  (Zentner  fernere 
IMlocfe:  „Huna";  unb  vollzog  barauf  in  ber  St.  ©eorgenfa* 
pelle  bte  girmung. 

&m  ftreitag  weitete  ber  33ifc^of  bie  bamaltf  erweiterte 
9cifolaifird}e  itebfi  bem  Äird^of,  unb  würbe  am  Sd)luffe  bie* 
fer  geierlidjfeit  mit  10  Seifigen  über  SBenbffdwfftg,  Qeutfcfy* 
offig,  Ätttlifc,  bis  nad)  üöbau  geleitet. 

2>ie  fteftlicfjfeitett  bei  Gelegenheit  biefeS  btfdjöflid^en  9Be? 
fudjeö  waren,  fo  $u  fagen,  bafl  lefcte  §hif  fiatfern  be$  jfatfyolt' 
ci6mu$  in  ©örlt$.  <Sr  war,  wie  ba$  golgeube  ergeben  wirb, 
bamit  feierlich  ju  ®rabe  getragen  worben. 


8tonf$e$ttte$  föiptttl, 

(Eingang  ber  Deformation.   Bewegung  ber  99urger* 
fdjaft  gegen  ben  JRatl).    Stillftanb  ber  Bewegung  in 
jolge  beä  großen  ©ranbeS.   1521  — 1525. 

2)ie  großen  (Sretguiffe,  weldje  in  golge  ber  lut^erifc^en 
Jtirdjenreformation  gauj  £)eutfd)lanb  erfdjütterten,  unb  ber  Vht 

waren,  wie  ein  3«^den°ffc*)  fa9*;  *H*  Ännalien, 

S  Grifte  unb  ©ebädjtnufj  uuferer  SBorfafyren  fcfjwerer  unb  ge- 


*)  £afff  a.  a.  £).  Ilf.  1  f.  Differ  gange  SBanb  ifl  $auW4Utne.  $ilf*; 
miüci:  ^Dif^manll,^  $riefUrf$aft  bft  Dbfrlaiifo.  KüHet'«  ÄeformaHon«« 
gefetzte  ber  Ofectfalfty. 

- 

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275 


9 

fcfmunrer  nidu  oertoeifcn,  nod)  benen  gleid)  geachtet  mir  ab- 
rechnet mögen  werben,  Die  untere  Beelen,  O'bt i\  (Mut,  gemeiner 
vrtart  Eingang  unb  (%ten  betroffen  haben,"  verfehlten  ui  du 
auf  bie  6ed)0ftabte  ber  Ooerlauftfy,  inöbefonbcre  ©orlifc,  über 
r aufteilt'  uftiteli  ciuumurfeu.  Umwälzungen  auf  tem  Webiete 
be$  üultuei  haben  aber  ;u  allen  Jetten  politifdu  Bewegungen, 
wenn  fee  md)t  von  Anfang  an  mit  ihnen  oerfdjmoljen  mären, 
im  ©efolge  nadjjuweifen.  @o  and)  beim  (Eingänge  ber  De- 
formation in  unferer  <Stabt. 

Die  neue  Eefyre,  burd)  oiele  Xraftate,  welche  bie  in  3öit* 
tenberg  unb  £eip$ig  fhibirenbeu  Oberlaujtyer  in  bie  Jpeimatl) 
gefenbet  hatten,  oerbreitet,  mußte  in  (Berlin  einen  guten  33oben 
'  ftnben.  ÜÄan  hatte  ben  ffantalretduMt  93ierjtreit  mit  bem 
Pfarrer  Sobanneä  Sehern  nod)  im  ©ebädjtniffe,  bad  wüftc 
unb  leichtfertige  I  reiben  ber  2Utariften  nur  Äap  laue  taqlutj 
vor  Äugen.  3Ru$ten  nidn  Vuthero  6djriften,  welche  gegen 
bie  Sittenlojtgfeit  uub  3$erberbtfyeit  beö  Damaligen  ÄleruS  auf 
\>a&  «Viernau e  eifern,  gerabe  hier  großen  Wnflang  ftnben Y  Wau 
hatte  fo  oft  baö  fdjamlofe  benehmen  fceo  ^rebigermönchea 
Xetui,  reffen  Untugenben  mctnuiglid)  befanut  Ovaren,  mit  Wiji- 
fallen  bewerft  uub  taut  getabelt.  $Wu£ten  nidu  taher  Vutbei> 
geuerworte  gegen  ben  ftolaßfrämer  gerabe  in  ©örlifc  um  fo 
mehr  Beifall  erlangen,  wo  mb  lefcel  fo  oft  in  feinem  geiftli 
dum  Dünfel  gefpreigt,  fo  mancher  Herfen  ben  lefueu  «heller: 
„ber  Vergebung  ber  6ünben  wegen"  au$  ber  Xafdje  gelocft 
hatte? 

3»  unferer  @tabt  fam  ju  biefer  religiöfen  Aufregung  ned> 
eine  $Rißftimmung  gegen  ben  Watt),  rveldu-,  in  bem  ununter' 
brocken  lebenbtgen  unb  im  Stillen  feit  3af>r!>unberten  fort* 
wuchernbeu  ©ebaufen,  einer  33eti)etligung  ber  Innungen  an  ben 
<ßrtoilegieu  ber  furf4r)igeu  ©efdjlechter,  ihre  (£entraltfation,  in 
ber  3)ftmjoerwirrung ,  bei  bereu  Verlauf  gerabe  bie  ärmften 
(yimpcbuer  großen  (Schaben  \u  beftagen  hatten,  enblid)  in  ber 
fchmcihlkhen  gluckt  ber  GJefchlechter,  als  wiii)renb  ber  ^eft  *ou 
1521  ber  Aufenthalt  i«  ber  ©tabt  gefahrbringenb  war,  iljre 
Anfnüpfungöpunfte  fanb.  9Äau  Khob  rao  ganje  (Slenb  jener 
brangfalreicheu  3«*  ben  Dlatl),  ber,  fiete  im  ßknuffe  ber 
materiellen  2$ortt)ei(e  be$  bamaligen  patrijifchen  ©emeinbe? 
lebend,  bie  nid)t  prhnlegirten  ©emeinbegliebcr,  aerabe  alä  ^>ilfe 
am  nott)toenbigfien  war,  ohne  oorbeugenbe  ÜatfyfäläQc  unb 

'  18* 

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276 


• 

rettenbe  Unterfhifcung  v erließ.  Der  ttufftymung,  welken  bic 
(SJemütfjer  burdj  bic  neu  fyereiitbrca)enben  religtöfen  3bccn  gc* 
wannen,  gab  ir)nen  euergifeben  süßillen,  fta)  aud)  an  bic  Ser- 
waftung  ber  Srabt  $u  wagen,  um  fo  mehr,  als  bereit  fftepxfc 
fentanten,  and  natürlichem  fonfervativen  3"tereffc,  nid)t  in  bic 
allgemeine  Segclfiterung  einftimmten,  fonbem  ber  fyereinbredjen' 
ben  neuen  fcit  «neu  ijemmenben  iamm  entgegeuaufefcen  be- 
müht waren.  SBie  bei  ben  Bewegungen  bee*  14.  unb  15. 
Sabrfyunbertö,  war  baä  $al)lreid)e,  in  feiner  lUWefyrfycit  ditmü- 
tr)ige,  unb  bafjcr  im  vollen  Selbfibewu$tfcin  feiner  Jtraft  mäaV 
rige  (Bewerbe  ber  Xudjmacfyer,  aud)  bei  ben  nun  |u  fdjtlbcrnben 
Scfrrebungen  an  ber  €:ptfcc. 

Die  Sauet  nunrufjen  in  Deutfd)lanb  matten  |ld)  eben- 
falls in  ber  £>berlaujt(j  fühlbar.  Die  oberlauftfcer  Saubleute 
fdjmacbteten  itklu  weniger  alä  il)re  fdjwäbifdjen,  fränfifdjen 
unb  tbüringifd)cn  (SJenoffeu  unter  bem  Drude  ber  Seibeigen' 
fdjaft;  waren  in  nidjt  geringerem  IVaßc  alo  jene  ben  SNifj 
fyanblungen  eine*  rohen  unb  übermütigen  3unfertl)umd  aue 
gefegt*),  in  ber  llmgegenb  von  ©orlifc  fagten  bie  Sanblcute, 
alä  bie  Sauernaufftänbe  im  Meidjc  befannt  würben:  „Sollte 
(*)ott,  baj*  bie  aufgeftanbenen  Säuern  aud)  ju  uns*  fämen;  ftc 
folltcn  uufere  Metter  fein!"  (£in  Bauer  von  Xroitfdjenborf 
würbe*  wegen  foldjei  ^euperung  aue*  bem  l'anbe  gewiefen. 
Uebrigcnä  behielt  est  iüd)t  allein  beim  Sieben  fein  Scwcnben. 
Die  Sauern  gingen  $ur  Xfyat  über,  ^tele  Dorffdjaften  fean- 
ben  gegen  ihre  (£bclleute  auf  unb  vertrieben  fte  von  ifyren 
Mitterreit.  €>o  gefdjat)  cd  in  Meict)wa(be,  wofelbft  ber  £err  jur 
glucfyt  «mwungen  warb;  fo  tu  Mengereborf,  befreit  £crrfdjafi, 
eine  2Btttfratt,  cntwtd),  unb  beim  Äatt)e  £ilfe  fudjen  mußte. 

5Muf  Sitte  ber  (£beüeutc  würbe  Seiten*  bc#  Matfye*  \u 
©örli|j  gegen  bie  $ufrüf)rer  auögejogen,  unb  bie  Xbürme  unb 
(^efdngnijfc  Oer  6tabt,  mit  ben  9nftfftern  unb  Äufwteglern 
gefällt,  wovon  übrigen*  ber  Math  nidjt  allein  ben  (5  r eil  euren, 
fonbem  aud)  ftet)  fclbft  ben  metfien  Kiefen  verfprad).  Die 
|tal)lreid)en  (Sinferferungen  waren  vorjüglid)  in  ber  3bce  be* 
görltfcer  Matfje*  begrünbet,  bic  (§inwoi)ncrfd)aft  ber  <5tabt, 
wcldje  begann  unruhig  $u  werben,  eü^ufa)üci)tcrn. 


•)  (*in  »eifpiel  foltyr  tto^eit  f.  N.  S.  r.  L.  III.  p.  47.  Seiten* 
eituö  3unfcr*,  SBaltfyafar  t>.  ©erttorf  auf  Xaudjnfc. 


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9 


277 


©erabe  jur  itxt  ber  *ßefc  alö  bcr  9iat£>  flüchtig  geworben 
war,  begann  ber  im  3.  1520  eingewiefenc  Pfarrer  Rotbart 
feine  ^rebigten  im  luiherifdjen  ©eifte.  @r  würbe  in  feinem 
Vornehmen  wefentltd)  unterftü&t  burd)  ben  im  3.  1491  $u  ' 
9io<hli$  geborenen,  nnb  1515  von  SMfdjof  Johann  (v.  Sal* 
Raufen)  }«  Weißen  ^um  ^riefter  geweiften  M.  SBencbift  gifcher, 
ber  fdjon  feit  bem  3.  1516  in  ©örlifc  wirfte,  ein1  aufgeflärter 
Wann  war  unb  in  großem  2lnfet)en  bei  ber  ©emeinbe  ftanb. 
Bciber  Männer  s4*rebigten,  inäbefonberc  baö  X^ema,  bic  SRecht* 
fertigung  eines  Sünbertf  burd)  tfbriftum,  behanbelub,  wirften 
um  fo  mächtiger  auf  ba$  gemeine  $olf,  al£  bie  täglichen 
Sterbefalle  bie  Wenge  au  bie  moglicherweife  balb  einrretcnbc 
lobeäftuube  mahnten;  alcJ  bie  fctfyrc  ihrer  s4*rebiger  ftc  barauf 
aufmerffam  machte,  wie  nicht  bie  religiöfen  gönnen  unb  beren 
$eobad)tung  ben  Wenfdjen  von  Sünbe  reinige,  fonbern  nur 
bie  (Srfenntniß  ber  Schulb,  unb  ber  eigene  ifeille  ber  93effe* 
rung  bie  Hoffnung  auf  ba$  ewige  £eben  *u  fidjern  vermöge. 
Söenn  man  ben  ^Borten  ^affe'ö  (a.  a.  £>.)  trauen  ODarf,  $xt* 
btgten  bie  beiben  ©eifilictjen  auch  von  ber  StafytU  alle  Remter 
unb  beren  SBcfepung  müßten  bem  gemeinen  Wanne  Aufteheu; 
burd)  ihn  feien  'öürgermeifter,  JJiat^männei  unb  s^rebiger  &u 
berufen;  bem  sßrebiger  gebühre  efl  auet),  $efd)eib  §n  geben  in 
Bachen,  bie  bie  ©emeinbe,  bae  weltliche  Regiment  beträfen; 
er  l)abe  bie  ^>anbl)abung  ber  ftäbrifdjen  ©efefte,  ber  Stabt 
3BiUfür,  gleichfalls  \\i  beaufftdjttgen.  ^affe  fcfct  an  biefen 
Stellen  Imiku:  eigentlich  hätte  wofyl  ber  gieriger  in  feinen 
fteben  baä  nicht  auSbrürflicb  fo  gefagt,  bod)  fei  bie  gaffung 
ber  Slrt  gewefen,  baß  ber  gemeine  Wann  allein  obgebadjten 
Sinn  barauS  gefogen  habe;  33ewciö  genug,  wie  fel)r  in 
ber  Wenge  jene  ©runbfäfcc  pm  3$ewußtfein  gefommen  waren. 

1>iefe  ^rebigten  würben  weit  unb  breit  rudjbar  unb  zahl- 
reich von  £tabt  unb  2anb  befud)t.  ü)od)  würbe  fchwerlich  ber 
9tatb,  wie  bod)  er  auch  baö  baburch  bereitete  Wergcrniß  an- 
fd?lug,  \u  ©ewaltmaßregeln  feine  Suf1"^  genommen  fyaben, 
wenn  er  nid)t  von  anberer  Seite  befiänbig  ju  bergleidjeu  an- 
geregt worben  wäre,  *$aul  Fachmann,  8bt  p  2tft  3c\lc,  ein 
letbenf^aftlic^er  Siberfac^cr  fcuthcr'ä*),  fenbete  feine  $ahlreid)en 


•)  (fine  fejner  @d>rift<n  (som  3<u)re  1524)  fü^rt  ben  Sitel:  «iber 
bat  wüb  9f»ffernb  (Sberfötoem  Lutherum. 


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278 


etrettföriftcn  regelmäßig  an  ben  ftatl?  ju  ©ortift,  mit  bcr 
^  «Rainung,  in  wtlitfM  £ntfyertyum  nid)t  auffommcn  ui  laf* 
fen,  fonbern  ba*  Unfraut  ausrotten,  weil  e$  noch  3*"  feu 
'Da  biefe  (Srinnerungen  wicberholt  famen,  ermannte  ftd>  enb- 
lid)  ber  föatlj.  Gr  fcnbete  eine  Deputation  au*  fetner  SRitte 
an  ben  «Pfarrer  M.  $r.  Rotbart,  unb  brang  in  ben  ©eiftli<hen, 
von  ber  neuen  Se^re  abjulaffeu,  unb  ben  Safcungett  ber  fa- 
tholifdien  flirre  gcmclp  *n  prebigen.  Daffelbe  tHnfudjen  braute 
bie  Deputatton  an  ben  ^rebiqer  M.  gtfd>cr.  Seibe  erflärten, 
wiber  ir>re  Ucberjcugung  nid)t  reben  ju  fönnen  unb  legten 
ihre  Remter  nieber,  ja  M.  ftifcher  würbe  buref)  t>en  s43ifcr;of  ;u 
Vitien  auf  Antrag  beö  ftatheö  förmlid)  eutfe&t.  »n  be* 
^c&tercn  ©reut  fenbete  ber  $ifd>of  feineu  £offaplan,  M.  m*V 
dfiot  Siübet,  nad)  ©örlifc,  wofclbft  er  am  16.  *sau|t  1523 
feine  $n*ugöprebigt  hielt.  Dod)  erlangte  ^übel  feinen  ©n* 
flu0  auf  bie  ©emetnbe.  Die  Deformation  trotte  fd>on  ju  tiefe 
^ßur^eln  in  ben  ©cimithcru  gefapt,  unb  feine  ^rebigten  waren 
$u  leibenfehaftlich  unb  gegen  bie  Reformatoren  heftig,  alö  baji 
fte  trgcnbwtc  ber  (Sache  bc6  itatholicidmuä  hatten  bienen 
fönnen.  Vielmehr  $og  er  ftct>  ben  Unwillen  ber  ©emeinbe  im 
rjöcfjftcn  ©rabe  nt,  unb  wliet?,  wabrfcr/cinlich  aut*  gurd)t  nor 
S^tttAfefcteit,  im  3.  1524  bie  Stak  6ein.  Nachfolger  So< 
l)ann  *l$re|},  wich  ebenfalls  fogleicb,  ale*  er  bei  einer  *Pro$efjion 
nur  burd)  baä  @tnfc^retten  ber  6tabtfned)te  wr  StiftycraMmir 
gen  gefehlt  worben  war.  Da£  eine  foldjc  Skradjtung  bcr 
römifa*tatf)oUfd&en  Zeremonien  in  bie  Stetige  gebrungen  war, 
hatte  feinen  ©runb  in  ben  veformatorifer/en  ©eftrebungeti, 
welche  dou  bem,  au*  £of  im  SBotgtlanbe  gebürtigen,  M.  9?ifo; 
lau*  3eibler,  ben  ber  ftatr;  nod)  nir  3eit  ber  Sfowefenhcit 
be*  Pfarrers  föotbart  berufen  f>attc,  ausgingen. 

Der  ftan)  hatte  Hefen  M.  3eibler  hauptfätyich  aud  bem 
©runbe  t>on  $reölau  nad>  ®drlifc  emgelaben,  weit  er  in  Breeu 
lau  wegen  feine*  ßifer*  für  ba*  fßapflt^itm  affgemein  ver- 
halt war.  Der  berufene  gab  auch  bei  feiner  Slnhinft  in  ©örlifc 
bem  ftarfye  baö  ^erfpredjen,  ftd)  aller  ©ebühr  nad>  bem  alten 
©lauben  galten  ni  wollen.  Dod)  reifte  M.  3eibler,  vor  51m 
tritt  feine*  9lmte*,  auf  Sefud)  nach  granfen  in  feine  £eimath, 
unb  würbe  bort  aum  lut^erifchcn  ©lauben  befcfjrt,  al*er  ben  @e* 
fang  beurjcfjer  Äirdjenlieber  au«  bem  SRunfce  eine*  SRäbchenö 
t>ernahm,  welche«  auf  einet  ffikfe  ©ra*  metyete.  er^ 

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■ 


279 

<  —————— 

f a mm  barauo,"  erflärtc  er  nachmals  bem  9fcathe  auf  befjen  33e* 
fragen  über  feine  crftaunenSwerthe  @Hauben$änbcrung,  „baß 
auch  bic  armen  $)ienftmäbd)cn  batf  Evangelium  empfangen, 
wüfjte  and)  jetu  nidtf  mein  bavon  ähnlichen.  3d)  fann  ici.u 
Oii cum  ab  mehr  &u  St.  9iifolaud  ober  St.  äacf/auiia,  foubern 
allein  \u  @hnfto  weifen!"  —  2ßic  eben  gefagt,  bei  ber  %\v 
trittöprebigt  bed  neuen  *ßfanerd,  nach  feiner  SRüdfe^r  auö 
granfen,  hörte  ber  eifa^roefcne  fltath,  buva)  ben  neuen  ©ciji* 
liehen  bem  Ü^olfe  bie  lutrjerifche  l'erjrc  nod)  t>icl  überjeugenber, 
wie  Pfarrer  Rotbart  pflegte,  Ott  batf  red;te  Evangelium  an* 
preifen,  Dagegen  ben  ^apft,  ben  Alcruä,  bie  «ftivdjenorbnuna., 
bie  gurbitte  \\\  ben  «heiligen  auf  ba3  £eftigfte  fdjmä()en.  S)ie 
Abmahnungen  bee*  Dfat(>c^  wirften  bei  bem  feurigen  Wanne 
nicfcttf.  Seine  föeben  begeifrerten  batf  $$olf,  uub  würben  bem 
iRaihe  um  fo  gefährlicher,  je  mel)r  er  bem  Pfarrer  ÜBiberfianb 
;n  leiften  verfner/te,  unb  je  verbreiteter  bie  Slnftdjt  warb,  ber 
SKatl)  fei  ber  $emmfd)uh  bc$  geiftigen  gortfehrittä.  Wau  be- 
achtete ben  ?7lath  nid)t;  wich  feinen  TOItgdebern  uub  ben  jßrie* 
Item  bei  *Pro$ef|ioueu,  fogar  bem  33ilbc  betf  ©efreujigten  nidrt 
mehr  auö,  unb  c£  eutftanb  felbft  in  ber  Äirebe  beim  Slnblirfe 
von  9iathömirgliebern  eine  fola)e  Unruhe,  baf*  fich  bie  SBäter  ber 
Stabt  auch  im  ©ottcetyaiife  uid)t  mein  fichcr  fühlten.  iJer  uitheug* 
fame  M.  $etMef  fuhr  in  feineu  «rebigtett  uuaufhaftfam  fort. 
Er  eiferte  über  bic  Zeremonien,  bic  ^riefterfchaft  unbWönche, 
bic  JDbrenbeichte  unb  SBinfelmcffeu,  baö  ffieihwaffer  unb  föäu- 
dKrwerf,  fowie  bie  »ergebenen  Safeungen  ber  römifdjeit 
Äirdjc,  unb  gebaute  aud)  (waö  ihm  ber  $ath  nicht  verleiben 
wollte)  oft  bce  abgegangenen  Pfarrer*.  M.  Rotbart  fei  ein 
achter  «ftirt  unb  Seelenwärtcr  gewefen,  um  baä  5ßolf,  feine 
Schaf  lein,  auf  bem  ftttger  betf  Evangeliums  \u  weiben;  weil 
ihn  nun  ber  töatf)  beä  Evangeliums  wegen  aud  ber  Stabt 
unb  au*  feinem  s2ßirfungdfreiö  getrieben  habe,  fo  fette  mau 
©ort  um  feine  ÜBicberfchr  inbrünftig  bitten,  ber  £öchfte  würbe 
biefe  (Mebetc  ud)erlid)  erhören. 

5>er  Dtath  fajrieb  wieberholt  an  ben  5Bifa)of  ju  Weisen 
um  gute  ^rebiger,  ba  er:  „von  wegen  gemeiner  Stab  fich 
nicht  gerne  fo  balbe  in  biefe  newifeit  cinlaffeu,  abtr  viellicber 
ber  alben  <hriftli<hen  Religion,  fo  möglich,  halben  wölbe," 
aber  auch  wm  Wethen  fam  feine  £ilfe,  ba  e*  bort  ebenfo  wie 
anberoärtf  an  gewanbten  unb  geiftreia>en  ©ciftlichcn  man* 


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280 

gelte,  wäbjrcnb  btc  ©ferer  für  ba$  £utf>ertfmm  mciftenö  burd) 
ÖJele^rfamfcit  ftd)  aufydcbneten. 

3eibler  würbe  auf  bem  *Pfarrf)ofc  fcfyr  bäuftg  von  ben 
(SJemeinbcglicbcrn  befugt  unb  fcfcte  bore  bic  Vefebrung  ber 
©entütrjer  im  5$rivatfreife  fort,  wo  er  awcifello*  feine  Sebren  . 
noefj  grünblicber  erläuterte  uub  vcrftanbc$mäßiger  entwicfclte, 
ald  bieä  im  I>omileiifd>cii  ©ewanbe  von  ber  ^anjel  gefd)cl)cn 
tonnte.  Sein  (Smfluß  mar  in  bcmfelben  3Rajie  in  ber  @c~ 
meinbe  im  28acf;*tbum,  M  bic  Adjtung  unb  gurdjt  vor  bem 
Ratfyc  im  Sutten  begriffen  voar. 

Senn  fiaff*  er*äf)lt,  eö  fei  ein  foldjer  3ulauf  auf  ber 
Pfarre  gewefen,  baß  tu  einem  3abr  bort  über  200  Viertel 
frembeö,  aljo  verbotene«  Vier,  tjetrunfen  worben  wären,  mag 
ber  roaefere  Styromft  wo!)!  etwa«  &u  fdjwarj  gefeben  fyaben. 

Sßie  eö  in  fold)eu  3fit™  Äu  gcfd>el)cn  pflegt,  mad)tc  fid> 
bic  berrfcfyenbe  Aufregung  aud)  in  perfcnlicfyen  Sd)ntat)ungcn, 
in  Drobbriefcn  unb  aufrübrerifeben  Waueranfcbläaen  Suft. 
$>robbriefe  würben  in  bem  ftatfyägcftüfyle  bei  s4ktcrönrd)e,  auf 
•  Straßen  uub  öffcntlid)cn  *piäfecn,  in  ben  Käufern,  aud)  an 
ben  «£>au$tl)üren  ber  Vctbciligtcn  angefdjlagen  gefunben.  Am 
i\.  September  1522  ließ  ftd)  ein  Vlafat  am  Pfeiler  bc3 
R[au$  Jfoeleffdjcn  <£>attfcd  in  cei  ^etetofiid)e/  über  baö  Regi- 
ment bcö  9tatl>€d  im  Allgemeinen  auö,  mit  bem  fhiumfcben 
Serlangen  einer  Acnberung  ber  btäfyerigen  Verwaltung  uno 
ber  Rürfberufung  bce  Pfarrer«  Rotbart/ 

1)iefe  anbaltenbe  Unruhe  in  ber  ©emetnbe  bereitete  na- 
türlid)  bem  Ratlje  große  Sorgen,  jumal  aud)  in  feiner  Witte 
eine  Spaltung  ber  Anfügten  eintrat.  Einige  Ratf)$verwaubten 
meinten:  mau  folle  bod)  ben  Pfarrer  Rotbart,  beffen  Rücffetjr 
am  einmütbigften  geforbert  waro,  um  ben  ®ntnb  ber  Aufre* 
gung  |n  beseitigen,  in  fein  Amt  wiebrr  einfeften;  wäbrcnb  bte 
Uebrigen  bebaupteten,  gerabe  wegen  ber  auSgcfprengten  £>ro* 
bungen  fei  ein  foldjcr  Stritt  nid?t  rtjunlid),  Da  burd)  biefe 
Maßregel  ber  Ratf)  feine  Dbnntadjt  ober  guretjt  befunben 
werbe.  Sd)ließlid)  fam  man  überein,  bie  3nnmtgen  auf  trjten 
Verbergen  mit  Ratböverwanbten  befdjirfen,  bort  bat*  lln- 
wefen  ber  Sd)mäbbriefe  anzeigen,  mit  ber  (Srmafmung,  bte 
Anstifter  bem  Ratbe  atuumclben,  bamit  er  foldje  frrafe  an 
Seib,  (^t?rc  unb  @kt,  unb  sugletd)  mit  ber  Reifung,  ftd)  trat 


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281 


ben  *Pfarrftut)l  ittc^t  ;u  befümmern,  ba  ber  9iatr;  wof>l  wiffe, 
mb  in  riefer  ^euebnng  41t  »erhalten. 

Um  28.  «September  lief»  Der  Dtatl)  burd)  je  jwei  ober  brei 
an*  ben  Dünungen,  welche  auf  baä  Miatbhautf  entboten  worben 
waren  ,  ben  (£ntfd)lu|j  befannt  maaVn,  bie  3nnung$gliebcr 
motten  gur  $lbenbjeit  auf  ihren  Verbergen  fcin>  0CM 

Hillen  beö  $atf)3  &u  vernehmen. 

Vliie  3unuugen  nahmen  bie  Purere  ber  <Mbge|eubeten  au$ 
bem  iKatbe  rul)ig  fyin,  nur  in  reo  hielte  tun  ber  £ud)mad)er, 
Senkel  2Bawmann$  £aufe  auf  bem  £anbwcrfe,  jeigte  ftd) 
ein  anberer  ©eijl. 

Xortfyin  waren:  Jranj  Scbueiber,  (*korg  JKöeler,  beibc 
ehemalige  Bürgel  meijicr,  unb  ,\ebann  Äomerftäbt  abgeorbnet. 
3bu  Mieren  würben  nid)t  [tili  unb  fcfyweigenb,  wie  ein malä, 
angehört;  fonbern  eä  erfyob  jid)  unter  ben  iftnwefenben  ein  ver* 
bädnitjeö  OJemurmel  unb  bie  ©cfellen  riefen  ben  Äelteften  ju: 
mau  |cUe  bie  Antwort  ad)t  Xage  auftrieben,  ba  fte  ftd)  vor* 
ber  befpredjen  müßten.  Unter  ben  (Edjreiem  waren  befonberä 
bemerflid):  Sfyomad  99cper,  9iifla$  Serber,  33enebift  Völler 
unb  Vllerauber  $3olje.  Tie  9iatr)3abgefanbten  mufiten  $üen*el 
ÜBavmann'ä  ,£>auä  verlaffcn,  ofme  ifyren  3werf  erreicht  &u  l)a- 
ben,  Da  fte  in  ber  wüften  3$erfamnt(ung,  in  welcr/er  viele  ®rup* 
pen  wilb  bura)  einanber  fprad)en,  verladet  unb  verfpottet 
würben,  rtud)  mit  6a)mer^  einfallen,  baf*  ber  #eltef!e  nia\t 
(£influ£  genug  beftfte,  bie  gebüljrenbe  Drbnung  fyerjuftellen. 

9iad)  (Entfernung  b3r  $ati)fli>erwaiibten  befpradjen  fte  fid), 
wie  bem  i&tabtfdnreiber  nod)  an  bemfelben  Slbenbc  burd>  9iifla# 
$Bercer,  welker  einer  @inlabung  ^affe'ö  gefolgt  war,  anae* 
fagt  warb,  über  bie  bem  9iatl)e  ju  ertljeilenbe  Antwort,  ijä 
famen  mandjerlei  3)inge  $ur  6prad)c,  beren  wefeniitd)ße  wa* 
ren:  bie  Indnnacber  wollten  wiffen,  wie  eä  um  beö  9tatl)$ 
ßinfommen  ftünbe;  fte  wollten  flrtifel  aufjeictjnen,  wie  ftd> 
fernerhin  ber  9tatt)  in  93e$ug  auf  Abgaben  unb  ©efeftojj,  Iftecfjt 
nnb  Strafen  gegen  bie  (£inwof)ner  *u  halten  babe;  fie  wollten 
über  bie  Privilegien,  tnSbefonbere  ba$  ber  9latf)$für,  unb  wie 
rannt  ferner  bin  ui  verfahren,  Vi nf  ich  Inn  haben;  enblid)  folle 
bie  lutfyerifdje  Seigre  frei  geprebigt  unb  ber  Pfarrer  Rotbart  in 
bie  Stabt  gttrürfberufen  werben.  Ueberbieö  rjörte  £affe  nodj, 
ed  fei  im  2öerfe  gewefen,  einen  ©efeüen  mit  einer  ^aufe  auf 
ben  9Barft  jh  fenben,  um  bort  anzurufen,  bie  Hn^änger  be$ 


282 


@vanqeliumd  möcr/ten  fid}  um  bie  3nnung  fcrjaarcn,  Denn  fte 
hätte  im  (Sinne,  mit  Dem  dtatbe  ein  SBort  Aber  ba$  jtirchen? 
wefen  au  rcben.  @Wicflicherweife  war  biefer  ^(an  hintertrieben 
roorben,  2>ajj  9iif(ad  JBerber  aber  feine  Unwahrheit  berichtet 
^attef  erfah  ber  Stabtftfcreiber  ^affe  au$  ben  nach  8  Xageu 
bem  Äathe  übergebetten  Slrtifeln,  wela)e  in  ber  %t)*t  jene  gor* 
berungen  enthielten. 

$>ie  etnciefc^üc^terte  Partei  im  Statte  fam  ben  aufgeregten 
3nnungen  burch  ihre  $efcr)lüffe  weiter  entgegen,  Sie  fefcte  e* 
burch,  baß  oem  ftathe  ben  3H"»"g«t  befohlen  warb,  ihre 
©ebrechen  aufzeichnen,  wobei  freilich  nur  oon  ben  ©ebreetjen 
ber  einzelnen  Innungen,  nid)t  aber  t>on  allgemeinen  3ntere||en 
bie  $ebe  war.  3Bie  bie  besonnenere  Partei  im  Wathe  »orauö- 
gefefjen,  führte  biefer  Befehl  W  feinem  anbern  (£nbe,  alö  bap 
bie  unruhigen  tföpfe  ermnthigt  würben.  Sßährenb  bie  übrigen 
3nnungen  fid)  tu  ben  gezogenen  Schranfen  tytlkn,  ftellten  bie 
Buchmacher  in  ihrer  ^weiten  <$rflärung  noch  mehr  allgemeine 
Sa>e  hin,  wie  in  ihrer  erjten  Eingabe. 

Serhanbfungen ,  welche  ber  föath  ju  (Sörlifc  mit  anberen 
in  berfclbeu  $ebrängniß  fdjwebenben  Käthen  angefmipft  hatte, 
(^affe  gebenft  unter  anbern  einer  folchen  $u  Sieanifc)  führten 
$u  feinem  jRefultate  unb  änberten  auch  bie  Sachlage  in  (j*or* 
Ufr  nicht. 

heimlich  unb  öffentlich  würben  Serfammlungen  gehalten 
unb  ber  töatl)  burch  bie  Sfelteftcn  mit  ben  gefaßten  Sefchlüffen, 
bereu  fofortige  ttudfährung  verlangt  würbe,  befannt  gemacht 

$iefc  Spannung  ber  ©emittier  hielt  mehrere  3ahre  an, 
bid  enblich  im  iHathe  bie  Partei  Durchgang,  welche  burch  bie 
3urücfberufung  beä  Pfarrer*  ber  Unruhe  ben  fjauplgrunb  au 
nehmen  bacf)te.  M.  ^aul  Äucfjler,  Xect/aut  &u  Ißaujjeu,  über- 
nahm auf  ba$  Anbringen  mehrerer  *ßeifonen  baö  ©efchäft  ber 
Sermittelung. 

Sei  ber  Unterrebung  mit  M.  &ud)ler  fuüpftc  M.  ÜKotbart 
folgenbe  Sebingungen*)  an  feine  iKucffetyr: 

1)  Sofern  ihm  oergünfriget  würbe,  baö  (Evangelium  frei 
ju  prebigeu,  fo  lange  er  bad  &h  thuii  im  Vermögen;  fo  er  aber 
fein  Unvermögen  fühlen  werbe,  baß  ihm  ein  Gehilfe,  ben  er 


•1  D(ftmunn'6  i>rwrt<rfd>aft  6   14?  f 


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283 


anzeigen  würbe,  jugegeben  werbe,  bamit  er  bi6weilen  im 
*4*tebigen  abgelöft  werben  fönne; 

2)  bajj  er  eine  neue  Präsentation  unb  $elel>nung  nefj* 
men  folle,  büufe  tftm  unnotljig  ui  fein; 

3)  wa*  bie  W^brdud>c  ober  Zeremonien  beträfe,  wolle 
er  Da*u  «war  Untcrweifung  geben,  aber  folaje,  nur  mit  »rffen 
M  Datlje*,  unb  ofme  £aft,  befeitigen; 

4)  man  bürfe  md>t  beforgen,  baß  er  bie  Weffe  unb  Vetyer 
gam  verwerfen  werbe.  «Sollte  aber  barm  unt>  in  ber  laufe 
nebft  ben  anbern  Zeremonien,  uad)  Zrforbern  ber  <Sa)rift  unb  be$ 
(#ewif|en*  eine  tfotommg  eintreten,  wolle  er  foldje  mit  (fteneb* 
mtgung  beä  Datbeä,  obne  Sturm  unb  UnwiUen  vornehmen*, 

5)  follten  bem  Dative  biefe  flrrifel  belieben,  wünfdje  er 
eine  Zkgenäujkrung  beffelben;  in  biefem  galle  wolle  er  bie 
Pfarre  naa)  fcdtare  bestehen; 

6)  bäte  er  barum,  ju  bebenfen,  wie  bie  tfapläne  erhalten 
werben  foUten,  für  wcla)e  er  fürber  ntd)t  mehr  *u  fergen  t»er* 
möge,  ba  beren  Zinfommen  gefuufen  unb  and)  bie  Zhmafjmen 
ber  Pfarre  rerminbert  wären. 

3Nit  Hituafjme  biefer  «rttfel,  namentlid)  beä  erften,  frradj 
Der  Darf)  feine  I>ulbung  ber  Deformation  in  ber  Stabt 
au*.  Vi*  auf  ben  aweiten  flrrifel,  würben  alle  $ebingungen 
genehmigt,  Pfarrer  Rotbart,  welker  im  grübjabre  1525  naaj 
&örli$  fam,  fa)eint  Hnfangö,  ebenfo  wie  ber  ftaty  auf  ber 
Verweigerung,  feft  auf  ber  (*)enef>migung  beffelben  befyarrt  \\i 
rjaben,  benit  er  wohnte  eine  Jeitlang  bei  feiner  Sdjwefter, 
einer  gewiffen  Leiber,  auf  bem  Deumarfie  (Dbcrmarfte).  (£nb* 
(id)  \&>tintn  feine  Hnl)änger  ihn  bewogen  au  fjaben,  ben  Darf) 
formell  um  bie  Pfarre  anjugefyen,  in  weldje  er  bann  einge- 
wiefen  warb. 

$ie  Düdfefcr  bc6  Pfarrer*  Rotbart,  weld)er  im  Vereine 
mit  3«bler  baS  *ntf)ertf)um  prebigte,  änberte  nid)W  in  ben 
uftänoen  ber  Staot;  Die  Deformation,  wenn  aua)  nod)  nidjt 
rmell,  burd)  offizielle  $efeirrgung  ber  fatf)olifd)en  ©ebräuefoe, 
«eben  getreten,  war  bod>  tbatfäd?lid>  fa>n  bewirft.  2)cr 
größte  X^eil  ber  (finwo^terfd)aft  unterlief  bie  Zeremonien, 
bie  Verfügungen  beS  »ifdjof*  3otyann  v.  Reifen  vom  1.  Oftober 
1524  mtb  be$  Äonig*  Subwig  »om  4.  Oftober  beffelben  3af)< 
red,  wibet  bie  Verbreitung  ber  neuen  ?eln*e,  ma)t  bea*tenb. 
sJttan  genoß  oljne  Zrlaubnifr  in  ber  gaftenjett  gleifa),  feierte  bie 


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28t 


^eiligen  tage  nid>t,  unb  befugte  feine  Weffe,  woburd)  bic  %U 
tare  immer  armer  würben. 

3n  ©ejug  anf  r aö  weltliche  ^Regiment  beö  'h\niu-o  rauer* 
teit  bic  Sefpredjungen  ber  j£>anbn>erfe,  inflbefonbere  ber  %wfy 
madjer,  fort.  'Die  Tnd)mad>er  verbanbeu  fid)  immer  inniger 
unb  t>ur^egeit  meiffcnö  in  gefd)lo|Tencn  Reiben  bie  Straßen 
ber  Stabt,  weldje  (£rfd)cimtng  ben  >KatI>  vcranlaßte,  baä 
iKatbbflnö  unb  bic  ffiadje,  fowic  ben  3Mgaug  3Hr  Xfyurmglodc 
wohl  befe^t  $u  galten,  bamit  er  nia)t  unverfefjeuS  vom  *uf- 
rutyr  überrafdjt  werbe. 

Die  Aufregung  fyattc  am  12.  3nni  1525  einen  fyobcn 
(Miab  erreicht,  unb  ba$  (Dcrüdjt  verbreitete  bie  Jtunbe,  in  ber 
9iad)t  vom  12.  jum  13.  3uni  feile  ber  3tufftanb  gegen  ben 
iRair;  au$bred)en,  al$  ein  fürd>terlia)c$  $aturercigniß  ben  ©e* 
banfen  ber  (£inwof)ner|d)aft  eine  anbere  SKidjtung  gab. 

(£in  großer  Xfyeil  ber  Stabt  rourbc  nämlia)  aij  bcmfclben 
»benbe  burd>  eine  geueröbrunft  verheert,  roeldje  bei  ber  Sau* 
art  ber  Käufer  unb  bereu  meift  fernem  Material  eine  große 
8u$bef)nung  gewann.  Dafl  fteucr  brad)  Vtbenbö  gegen  7  Ufjr 
bei  einem  Sätfer  in  ber  9teißga(fe  aue\  legte  bie  9ieißgaffe, 
ben  halben  ^eringämarft,  bafl  ^anbroerf,  ben  fogenannten 
r#3w*'/'  ton  gifcfymarft,  bic  Jtrifd)elgaffe,  Säcfergaffe,  ba$ 
9?cißtbor  nebfit  liuum  unb  Sabeftube,  bie  9tcißbrücfc,  ben 
Xöpferberg  unb  bic  9tabengaffe  bi$  auf  bie  Vorwerfe,  in  58fa>. 
$a$  lefctc  «£>au$,  waä  abbrannte,  gehörte  bem  9totl)gerber 
$an$  $ie*ling.  Som  *Ratt)baufc  ftürjte  bamalö  ba$  $£ürm* 
*en  herab.  3m  Anfange  bc$  Sranbcö  fpottete  ein  großer 
Ibril  ber  (Simvohncr  über  ben,  ängftlid)  £ilfe  beaufpruehenben, 
9iatl),  unb  fragte  itm  fyofynift,  ob  ber  föatf)  jc&t  bie  Bürger 
brause?  Sil*  aber  bie  ©cfabr  aud)  für  bie  <Peteröfird)e  n>ua>*, 
halfen  Alle  lofdjen,  nnb  bie  aufgebotenen  Bauern  ber  Stabt* 
borffdjaften  gerodeten  in  tiefer  9iotl)  ertvünfdjtcn  Seiftanb. 
Untcrfrü&ung  fam  von  allen  Seiten,  naraentlid)  aud>  in  2c*  . 
benämitteln  unb  JUcibung6frürfen,  reidjlicr;  von  Sauften. 

$d  brannten  über  70  luchmaa>cr  bei  biefer  geueräbrunft 
ab.  Die  babet  erlittenen  Serlufte  unb  ber  Neubau  ber  Käu- 
fer gab  bem  ftathe  auf  einige  3eit  $ur>c.  „Sie  hatten  mit 
ftd)  felbft  genug  tbun,"  bemerft  £at|e,  „unb  vergaßen  baber 
auf  eine  Zeitlang  be*  sJiatf)e«  unb  teineö  «Regimentes!" 


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28:i 


^rtefterfonvent  in  ®örüfc.    Durdjfüfyrung  Der  9te* 

formatton.  1525*). 

€d)on  feit  3af)rf)unDerteu  f)ie(t  t>er  Pfarrer  $u  ©örlifr 
aüjäf)rlia)  *wei  3ufammenfünfte  mit  Der  ©eiftlia)fett  Der  Qbc^ 
priefterjTÜr)le  ©örlifr,  (seiDenberg  unD  9tetd)enbaa),  in  ©örlie 
vib.  Skranlaffung  war  urftminglid)  Die  flbfta)t,  für  Die  Bee- 
len Der  abgefa)teDenen  SanDetffjerren  aemeinfdjaftlid}  ein  See* 
lenamt  ju  begeben.  Da  nun  Die  $riejfcr  Diefe  Verrichtung 
al$  ein  gutes  :2ßer(  für  Die  (Srlöfung  Der  im  gegefeuer  fdjmaaV 
tenDen  Seelen  Der  verdorbenen  Surften,  Den  lebenDen  SanDeö* 
Gerrit  befonberä  angreifen  wußten,  erhielten  fte  von  Jtönig 
3of)ann,  tfaifer  Äarl  IV..  SaDielaw  «ßoftbumu*,  9Rattf)i«a 
unD  ®laDi6law  befonDere  greifjeiten  unD  Privilegien  für  fty 
unD  il)re  Genfer.  8fn  $rief,  welker  hierüber  fluffa)lu$  gibt, 
ifi  in  einem  StoimuS  De*  93ifd)ofö  3ol)ann  \u  «Weifen  vom 
3at)re  1522  nodj  vorljanDen.  3m  SlUgemeiuen  Darf  man  an* 
nehmen,  Daß  Diefe  Konvente  fefcon  feit  tfönig  3of>ann'*  Seb* 
weiten,  mit  wenig  «utotafjmen,  regelmäßig  abgehalten  wnrDen. 
Die  Verfammlungen  fauDen  flatt  in  Der  Sttccfye  nad>  JDfiern 
unD  in  Der  SÖodje  naa)  sJ)tia>aeli$  unD  jwar  in  Der  $farr* 
fird>e  )u  6t.  Wfolai,  Die  le&te  unD  wiajtigfte  aber,  welche 
^ter  aHöfüi)rli(^er  beljanDelt  werDen  foU,  in  Der  $eterdfira>. 

Die  ÄirdjgemeinDen,  welche  jum  görlifeer  ^farrfprengel 
gehörten,  ftnD  fdjon  oben*)  angegeben  worDen.  1g*  bleibt  f)ier 
uo<$  übrig ,  Die  Dorffdjafteu  Der  <Srtf>riefterftüf)le  <Setbenberg 
unD  9fteid)enbaa)  aufwallen. 

9taa)  SciDenberg  gehörten  Die  Jtirdjen  $u:  grteDeberg  a.  D., 
grieDlanD,  SeiDenberg,  9Biefa  bei  SeiDenberg,  6a)werta, 
eajömvalbe,  ^efferdDorf,  ©erlad^eim,  «Rabenau,  Ulier«* 
Dorf  in  ©dornen,  ÄunnerSDorf,  SÖeigöDorf,  £enuer*Dorf  in 
$öl)men,  Sttefe  oDer  ©iefe  bei  ©reifenberg,  ©ullenDorf  in  93., 


•)  Änautfje:  *Rad)ri<fjt  *on  ?em  Äonvent  ber  ^riefter  gu  ©ortifc, 
1525,  in  »eltr/em  fte  urb  von  ber  aeitrlidjcn  (AJeri<r/t*barfeit  be*  »ifäofc 
lotgemactyt.    Änautlje,  Mspte.  tom.  V.  p.  202. 

*•)  @.  229.  Dort  iff  bei  bem  Dorfe:  3Walm*borf  ba*  in  Älammer 
gefefcte  ©ort:  (SRelaun<!)  alt  irrtljüinlidj  gu  frreitfjen.  Die  tyet  ge< 
nannten  Dörfer  jlnb  berfelben  aWatrifel  entnommen,  wie  Dir  gbrlifrcr, 


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286 


Küpper,  föengereborf,  2(rn6borf,  «öermSborf,  23ertbel$borf;  tu 
föeicfyenbadj  aber:  Oietd^eiibac^,  3warferöborf,  ®er$borf,  gric- 
beräborf,  ©ertöborf,  Schönau  (auf  bem  (Siaen),  93erneborf 
(93crnftabt),  3)itter$ba<fy,  Äemnift,  SBertfjelöborf  (bei  £errnfyut), 
Dieniteräborf,  fäcifäa  mit  bem  gilial  Xetta,  93ifd)borf,  Sol)* 
lanb  (am  töotljftem),  SBeijjenberg,  ©ebeljtg,  Mabifduiu,  (Sollm, 
See,  3änfenborf,  $)iebfa,  Seiferäborf,  Ärneborf,  Jtönigdfyain, 
SBeufelwifc  mit  SDfelaune. 

SBenn  man  bie  SMcnge  äopldne  unb  Vi  Ua  vi  neu,  welche 
au  riefen  ÜDorfrfarreien  gehörten,  bebenft,  wirb  einleudjtcnb, 
baß  biefe  *Hriefierfonoente  in  ©örlifr  fcfjr  glänienb  gewefen 
fein  mü||en. 

sMx  gefeit  nun  auf  baä  Sefen  biefer  ^rieftcr'likrfamm* 
(ungen  näfyer  ein,  inbem  mir  au  bie  betreffenbe  ürhtnbe  einige 
fpejiellere  Erläuterungen  über  ben  fatljolifdjen  diituü  fnüpfen. 

2)aä  Dofumcm  gibt  barüber  Huffctyuft  waä  bie  $riejtar 
in  biefen  SBerfammlungen  überhaupt  vornahmen.  (Sä  fyeift 
barin:  „Dieweil  aüe  Pfarrer  obgenannter  cm  hie  jäljrltd) 
jwier  (zweimal)  in  ber  *J3farrfircfye  Unfer  Stabt  ©öriifc  vec* 
fammlet,  vor  aller  verdorbenen  Könige,  gurften  unb  £errn 
gu  936ljeimb,  fammt  allen  gläubigen  Beelen,  mit  33igilien, 
SDJejfen  unb  aubereu  guten  SBerfen,  <#cbäd)tni£  ju  galten  nnb 
el)vlid)  ui  beforgen  pflegen."  Sitte  hiev  genannten  (Sererooiufn 
werben  unter  bem  9Borte:  „Seelenamt"  begriffen,  »eil  biefe 
f ivd^itdK  ^anblung  ben  armen,  im  gegefeuer  ud)  bejuibenbcn 
Seelen  ba&u  bienen  foüte,  entweber  bie  .(£rlöfung  aud  bem 
gegefeuer  ehei  a($  e$  bie  ^bbüftting  ihrer  Sünben  erforberte, 
ober  minbeftenö  eine  ginberuug  ber  bort  aufyuftebenben  Sdjmer* 
$en  ju  erlangen.  Ü)ie  fyit,  wo  man  foldje  Seelcnämter  fyielt, 
nannte  man  3tof)re$gebäd}Miffe  (anniversaria),  weil  man  in 
ben  angefefcten  Stunben  ber  abgelebten  Seelen  geoadjte  unb 
ihnen  mit  geijtlidjer  £>ilfc  (suffrapium)  beifprang.  5öie  ber 
Vlu^bvurf :  „unb  aubern  guten  Säerfen,  fammt  allen  gläubigen 
Seelen,"  anbeutet,  fcfyeint  nicfjt  allein  ba$  ©ebäd)tni|j  abge* 
fdjiebener  Könige,  fonberu  audj  anberer  *ßerfonen  bei  biefen 
Konventen  begangen  worben  &u  fein.  SSRan  mag  bei  biefer 
Gelegenheit  jugleidj  Satyreägebäcfytmffe  ber  verborgenen  Pfarrer, 
9tatl)#verwanbtcn  unb  anberer  angefe^enen  Seute  gefeiert  Ijaben. 

^igilien  (%irf)twad)en),  waren  bei  ben  erften  (Styrijtai 
gcwöl)nitd;,  welche  ilne  ^Berfammlungen  tyauptfädjlidj,  um  vor 

> 

# 


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287 


Verfolgungen  qefdm$t  ui  fein,  jur  MnAwit  abhielten;  fväter 
bereitete  man  fia)  runi>  nadutidu4  lebete  an  ben  Altären  auf 
tie  hoben  Sefrtage  rev  Jtiret^c  vor.  Diefe  ^Btqtlten  waren  gut, 
fo  lange  tie  Verfolgungen  Dauerten;  wurden  aber  fväter  c\a\v, 
lid)  abgefc^afft,  weil  fte  Gelegenheit  ui  ben  größten  gefa)ted)t< 
lutu'ii  9uSfa)wetfungen  unb  äntwrityung  ber  Jtirdjen  gaben. 
Vlnftatt  Meier  9$igilien  würben  von  ber  &ira)e,  ben  £ag  vor 
Den  gefttagcu,  ftafttn  angefefct,  fo  baf  bie  33tgilieu  fpdterbin 
uidu  ben  mütbeften  jnfanunenbana,  mehr  mit  ifyrem  tarnen 
hat  tetr  &uS  beut  ®efagteu  ergiebt  jta),  M$  bie  trieft  er,  ber 
brei  3)iöcefeu  ben  Xag  vor  btefen  betreu  gorlifcer  Konventen 
gefaftet,  b.  h  fein  Alemb  gegeben  haben. 

I  aS  anbere  genannte  Hilfsmittel  war  rie  ^ejfe.  <Soldje 
würbe  von  ber  römifd}  fathelitdien  ,Uud>e  für  bae  vornefymjte 
Nüttel  gehalten,  ben  Seelen  and  beut  Segefeuer  gu  verhelfen. 

Die  Verfammlung ,  wclaje  bie  anbere  $ßod)e  uad>  JDftern, 
Donnerstag  nad)  Duafimobogemti  (27.  Stprü)  1525  eröffnet 
tvurbe,  follte  eine  ganj  anbere  gefa)id>tli$e  Söebeutung  trlan* 
gen,  als  bie  ruberen  *4$riejfcrfonvente  ber  brei  (iapriefterftnble. 

9liö  bie  CMciftlidjeu  jMfammenfamen*),  offenbarte  fta),  aua) 
unter  ben  Njsri eftern  vom  gaube,  ber  Weift  ber  Deformation, 
roela)er  in  ben  €>ea)Sftäbten  fefte  2ttur&el  gefaxt  unb  wie  oben 
erzählt,  in  ©orli$  bereits  eine  ÜReifye  vou  Verwirfelungeu  fyer* 
beigefügt  hatte. 

Ü)aS  Oiefultat  biefeS  ÄonventeS  war  für;,  ba£  man  be* 
fdjlofi  nd)  von  ber  (Gewalt  beS  Sifttyof*  von  Reifen  lo^ui 
faqeu;  bie  9ted)tfertigung  eiueS  armen  6ünberS  vor  ©ort, 
allein  im  ©lauben  b'hrtiti  \u  prebigen;  enblia)  alle  ©ebräudje 
ab$ufä»affen,  welcfye  lefcterem  fünfte  wieber|präd)en.  Xieie 
brei  fünfte  ftnb  fo  wichtig,  bafc  jeber  eine  genauere  (Srwägung 
er^eifa>t. 

hätten  bie  Pfarrer  fernerhin  ben  $ifa>f  tu  deinen  für 
ihren  qeiftlid)en  €  bereu  erfannt,  Wäre  eS  nidu  möglia)  qeive- 
fen,  erwaS  in  ben  Jiivcl>cii^cbräiid>o»  ;n  änberu.  Ter  $ifa)of 
l>dtte  fola>e  SÄenberungen  nimmermehr  ftugelajfeu,  fonbern  würbe 
um  fo  mefyr  mit  bem  Sanne  unb  geiftlidjen  Strafen  a*geu 


•)  $te  betreffenben  (stefien  üb«  tiefen  Jtouttttt  finb:  Manlius  1.  I. 
c.  25  §.  3  (Hoffmann,  Script,  rcr.  Lus.  I.  p.  433)  Meisler  (ibid.  I 
part.  tt.  p.  26,);  Abraii.  Heultet,  Annal  I.  p.  «88. 


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288 


bie  Weift  Ii  dum  eingefchrirten  fein,  alo  gerabe  ber  r  antat  o  regte* 
teure  £err,  >bami  VII.  (von  2  levnifc),  ein  gefcbworener  geinb 
VutkTo  war.  (Sä  mar  Die  fcoäfagung  vom  Sifctyofe  für  bie 
Damalige  (Meiitltitfcir  ein  böiMt  bebeutfamed  mir  gefährltdjeä 
Unternehmen,  wenn  man  erwägt:  ran  alle  Ätrchen  tiefer 
©eiftlichen  vom  Anfange  ber  SBenbenbefchrung  an  beim  $id* 
ihn  in  Üftcijjcn  geftanben  hatten;  bap  ber  Sifa)of  nidu  blod  bic 
fanouifche,  fonbern  auch  bic  (mihi  unb  .Kriminal  0>eri du *> bai- 
feit über  bie  Pfarrer,  unb  über  alle  bei  ben  Jeu  dum  angeftell* 
ten  ^riefter,  Äebituen,  &uftoben  unb  i4ebrcr  jeberuu  gehabt 
unb  biefe  lerne  in  ihren  Würben  vi  betätigen  baue;  bat*  bie 
»Könige  von  Böhmen  ihn  bei  feinem  bifchöjiicbcn  :Kcduc  utumum, 
geinbe  be$  neuen  (*)(auben0befeunrnified  waren,  unb  biefe  Oh 
fmnung  ramalo  fcfcon  hinlänglich  fonjtatirt  hatten;  bap  bie 
Pfarrer  feinen  anberen  £chu$  alö  bie  öffentliche  Meinung  für 
fid?  b na hc  11,  unb  ^rebiger  bed  toitbenbumo  idum  bamald 
,juiut"  genannt  würben;  enblia),  ran  jtc  ihrer  reichen  ^frün- 
ben  unb  Pfarren  alle  Xage  bura>  gewaltfamed  ($tnfa)reiten 
ber  93ebörben  beraubt  iverben  fonnten.  S)och  fd)ritteu  bie 
Pfarrer  in  ihrem  'Beginnen  nicht  mit  [Übereilung,  vielmehr 
auf  bie  äraft  ber  u  b  er  um  a.  euren  Wahrheit  antuet,  vor.  3hr 
©ewijfen  lieji  ihnen  uulu  \\\,  bie  evangelifebe  lehre  fernerhin 
ju  verleugnen  unb  ben  befehlen  beS  ^ifchofO  *u  gehorfamen. 

,  Schon  im  3.  1520  erhielten  bie  (&)eiftlid>en  im  Deitmer 
s£iotluuu  ein  Schreiben  beä  Sifcfcofc*,  d.  d.  Stolpen  24.  i& 
nuar*),  in  welchem  angeführt  wirb,  bap  imbci  1519:  „etuen 
Sermon  vom  hi>a>würbigen  Saframent  reo  wahren  Iculutamo 
@hntti,"  herausgegeben  habe,  welker  ben  befehlen  reo  latera 
ucuüutum  vUcmulo  guwiber,  im  Öiötbum  beißen  verfauft 
werbe."  Obwohl  nun  bann  im  hei  nur  gewännt ,  ran  bad 
heilige  VibeurmaM  in  beiberlei  @eftalt  gefpenbet,  unb  bad 
ir  irrige  Verbot  aufgehoben  werben  möchte,  fo  fei  ed  boefy  an 
rem,  raf;  biejentgen,  weiche  fola>cö  bisher  unter  einer  ®eftalt 
genojfen,  (eicht  geärgert  unb  ihnen  (*>ewiifenc3ffrupel  berettet 
werben  fonnten,  utmal  ba  feine  Oun'tlidum  unb  bereit  Jftrcb 
finber  mit  bem  vom  a)ufttiomuc<  angeftedften  Böhmen  $rem 
nachbaut  feien.    taber  gebot  er  ihnen  Alraft  reo  ihm  fchul- 
bigen  ©ehorfamtf  unb  bei  ben  fa)werften  Jiircfcenjrrafen,  allen 

•)  einher*  5djn|tfn  tom.  IX.  kl  88  fret  StUttrotogfr  ftutgat«. 


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289 


feinen  @eiftlicheu  unb  aud)  ben  Äirdjfinbern,  alle  gebrucften 
iReben  unb  (Sermone  £uti)er'd  bis  auf  weitere  Verorbnung  ;it 
fonfiäciren,  and)  bie  «Uirdnanter  Darüber  )u  belehren,  baß  ba$ 
Saframent  beö  beiluden  Abenbmahlä  nur  unter  einer  ®eftalt, 
ba  in  je*  leb  er  ber  ganje  O'hriftuc*  vorbanreu  fei,  genoffen  wer- 
ben bürfe.  51m  15.  3uni  1523  publieirte  er  i>on  Stolpen 
au«?  für  feinen  Sprengel  ein  neues  patent ,  worin  fein  Saliner  3 
funb  wirb,  über  bie  Nachrichten:  ran  in  feiner  DiöceS  bie 
Jtncbeu  entweiht,  bie  Saframente,  bie  hergebrachte  ©otteäfeier 
unb  bie  Verehrung  ber  Jpeiligen  unterlaufen  mürben;  ba$ 
Viele,  bie  jmxu  Weh  ort  am  geleiftet,  ftd)  ui  fallen  Vehren 
wenbeten,  gegen  bie  $rälaten  wiberfpenftig  feien,  ben  Sef< 
rirern  anfingen  unb  f)eionifd)  würben.  (§r  bittet  Daher,  feft* 
;nbalteu  am  (Stauben  ber  Leiter,  reu  reuigen  Sd)aafen  feiner 
^eerbe  Vergebung  »erfprea)eub,  wenn  fie  ben  fallen  jßfafe 
verliefen;  unb  befiehlt  ihnen  uMufUieb:  alle  Scbcinber  ber 
.Uir dum,  Gerächter  ber  heiligen  Saframente,  Mxciwc  unb  <£>ei* 
(igenbilber,  wenn  fte  nicht  ihre  Sünbe  burch  ©upe  bereuten, 
in  ben  Vann  \n  thuu,  welcher  in  biefem  lofnmente  über  bie 
Abgefallenen  wirflicf)  üu$gefprocr)en  wirb.  3)iefed  patent  follte 
alle  Sonntage  in  ben  .ttinben  öffentlich  »erfünbict  werben.  — 

$>ie  nächfite  %oi$t  biefeS  Abfallet  t?om  Sifa)ofe  war  bie 
Verweigerung  be$  ihm  bidber  auö  ben  d?rjpriefterfd)aften  ©ör* 
Im,  Seibenberg  unb  :K  ei  ehe  üb  ad)  zugegangenen  Bifchofäjinfeä, 
fowie  aller  anberen  orbentlia)en  unb  aufjerorbentlichen  Abgaben. 

3)er  Drucf  biefer  Steuern  war  in  ben  erjten  Jahrzehnten 
bed  fednehuten  ^ahrhuut?ertd  für  bie  oberlauftfcer  ©eiftlichfeit 
faft  unerfchwinglich  geworben. 

Söifchof  3«>hann  V.  (*.  Sttfenbadh),  im  3-  i486  jum 
33iatf>ume  SReifien  gelangt,  führte  einen  partlichen  £of,  baute 
rac<  Schloß  ber  bifebofluteu  dteftben)  auf  Stolpen  unb  brauchte 
baher  fo  siel  <$elb,  baf  bie  (§rträ<je  ber  ihm  gehörigen  SBerg*  - 
werte  *©ruben  unb  ber  Verfauf  vieler  Stiftägüter  feine  9(u$* 
gaben  nicht  ju  beefen  sermodjten.  93ei  feinem  Xobe  im  % 
1488  {unterlief  er  21,000  «Rh-  ®uiUn  Sdjulbcn.  3hm  folgte 
Johann  yi.  (»on  Salhaufen).  Diefer  33ifchof  war  ein  guter 
£>auö balter,  unb  lebte  währenb  feiner  föeaierungfyeit  bi6  jum 
3ahre  1518  fo  wirthfdjaftlid),  bafj  er  fämmtüche  Scr)ulben 
abzahlte,  bie  üerfauften  ober  fcerpfänbeten  Stifts  -  ©ütcr  wieber 
erwarb  ober  einlöfte,  bie  verfallenen  Stifte -©runbftücfe  in 

©cfd)id)tc  «011  Q)6t(i|.  19 

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290 


fluten  Sianb  fe$tc,  baö  Schloß  y\  ^ur^en  baute  unb  außer* 
bem  noch,  auf  vielerlei  anbere  Dinge  ®t0>  *u  venvenben  im 
Stanbe  war.  Die  ©elbmittcl  ju  biefer  materiellen  Reftaura* 
tton  beä  3Metbumc*  würben  au*  ben  Säcfeln  feiner  Dideefanen 
aufgebracht.  (Sr  erhöhte  ben  ttaien  ben  gewöhnlichen  tyxciü 
für  JfiraKnweibe,  Sinnungc*  unb  ähnliche  religiöfe  Jpanblun- 
<jen;  ben  $ieiftlief)cn  forberte  er  ein  böbereä  cathedraticuiii, 
charitativuiii  unb  procuralio*)  ab,  ale  bisher.  Da  bie 
oberlaufi&cr  (#eiftlid)feit  in  ihrer  Verweigerung  ber  erbebten 
Steuern  burtf)  bie  Könige  von  ^Böhmen,  ald  Dberlcbenöberrcn, 
unterftü$t  warb,  gebieb  ber  auögebredpene  Streit  bid  vor  ben 
j>äpftlia)en  Stuhl  unb  bie  lefcte  (SntfdVibung  lautete  rahm, 
ba£  bie  oberlauftfccr  ßJeiftltcbfeit  ben  ftorberuugen  beö  33ifa>of£ 
von  9)feißcn  nadHufommen  habe.  Somit  rourben  aue*  bie%r 
außer orbentlidjen  Abgaben,  bem  subsklium  charitativiim  unb 
ber  procuralio,  regelmäßige  Steuern,  ^terburet)  war  eine  folebe 
3Rißftimmung  unter  ben  ©eiftlidn'ii  entftanben,  baß  alle  gern 
bem  53efc^luffe  bc$  ilonvent*  ui  (Cöllns  beitraten:  bem  93i 
fajofe  Weber  bie  eine  noch  bie  anbere  ber  genannten  Abgaben 
fernerhin  ;u  fahlen,  fonbern  einftimmig  $u  verweigern. 

Der  anbere  ^mift  war  rein  fira)lia)er  9iatur.  Der  ^rie- 
fiterfonvent  faßte  ben  33efä)luß,  fernerhin  feine  Vigütcn  unb 
Seelmcjfen  in  ben  brei  (Sr^riejterbiöcefen  ju  begehen,  viel* 
mehr  biefelben  völlig  ab^ufüeUen. 

s2Öie  fd)en  erwähnt,  waren  bie  Rigiden  unb  Seelmeffen 
raui  beftimmt,  ber  $3erfrf)iebenen  Seelen  auä  bem  Segefeuer  $u 
eil oku.  9Rit  ber  ^iit'ubr  ber  versammelten  Pfarrer  über  ben 
Sfrtifel  von  ber  Rechtfertigung  einee»  armen  Siinberd  vor  ©Ott 
burd)  (>hrifti  Reiben  unb  Xob,  fonntc  bad  Fegefeuer ,  weldjeä 
biefer  Vi  hu  offenbar  wiberfprid)t,  nicht  hefteten.  (£brifhiö 
hat  ben  SÄenfcben  vollfommen  erlöfet,  unb  alfo  bad  f$on  gc* 
than,  waä  ber  sDJvtbu#  vom  Fegefeuer  behauptet.  Da  nun 
bie  Sigjlieti  unb  ©eclenmeften  ald  gute  2$erfe  bie  ^rlöfung 
aud  bem  gegefeuer  vorbereiten  foliten,  mußten  fte  u  aa>  Aufgabe 
ber  fanonifeben  Safcung  vom  Fegefeuer  gfciajfaüd  aufgegeben 
werben.  Die  versammelten  Pfarre*  hielten  behalt)  (a)on 
toärjrenb  be$  Konventes  vom  27.  iHpvil  1525  feine  3Mgilicn 
unb  Seelenmeffen  mehr  ab.    Diefe  abfdjaffung  erflrecfte  fiff 

* 

*)  e.  oben  e.  229  u.  259. 

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291 


min  ntctyt  blofl  auf  bie  SKgilien  mit»  Seelenmeffen  ber  böbmi* 
fdu'jt  Könige,  fonbern  auch  auf  bie  anbern  SJigilien  nnb  See* 
lenmeffen  in  ihren  ^aroajialfirdjen  überhaupt,  unb  war  be$* 
halb  eine  3Ra(?reae(  Don  Heferfajütternber  Söirfung  unb  uiebt 
m  beredjnenber  Tragweite.  Inm  ba  bad  SBoU  nidu  mehr 
©elegenfjeit  hatte,  ftünblia)  einer  3Rejfe  beizuwohnen ,  wie  vor 
ber  !Äbfa)atfung  genannter  äirdjenaebräudje,  wirfte  fdjon  bie 
tMnrpbnbeit  Dabin,  ben  fd)li$ten  9Kann  auf  bie  Deformation 
vorzubereiten,  jur  Deformation  überzuleiten,  3n  ©drttfc  hatte 
Pfarrer  Rotbart  bie  SBigilien  nnb  ©eelenmeffen,  beren  faft 
;abUoie  in  fammtlidum  Äirajen  unb  Jlapellen  tägltd}  ebemaltf 
begangen  worben  waren,  fdwn  vor  rem  bedfallftgen  Sefdjlnffe 
be*  äonvettfö,  unter  nt  21.  Hpril  1525  befeirigt.  Uebrigend 
barf  man  nidu  annehmen,  ran  bie  golgeu  biefeä  S9efa>luffeä 
fofort  fid)  auf  alle  $aroa)iall irdjen  in  gleid)  auo jerebuter  SÖeife, 
wie  tn  ©örli(  gefa)al),  erftrerft  hatten;  vielmehr  aing  bie 
^bfdnijfmii]  nur  naeh  unb  naaj  oon  et  arten,  thetle,  »eil 
bie  Jtirdjenpa trotte  unb  Älöfier  alle  mogli^e,  Sorgfalt  \u  re 
ren  (Spaltung  aufwenbeten,  tl>eüö  weil  bie  materielle  (irbal- 
tung  ber  Pfarrer  bura)  bie  xHbhalttin^  ber  heften  unb  bie  ba* 
bei  genoffene  Einnahme  aus  ben  Jöpferfilörfen  bebingt  mar. 
Die  GHeiajgültigfeit  ber  3Kenge,  welche  ba$  ^Reijopfer  naa) 
unb  nad)  geringfdjäbeu  lernte,  that  hierin  mehr  alö  alle  vtf  e 
fa)(üffe,  ©ebote  unb  Verbote. 

&n  bie  8  teile  ber  SBigüien  uub  Seelcnmeffen  festen  bie 
Pfarrer  bad  fogenannte  Requiem  (Erinnerung  an  bie  lobten) 
unb  eine  treffe  über  bie  ^eilige  Dreteinrgfeii. 

Unter  bem  Dequtem,  wie  foldjeä  ber  Äonoent  einführte, 
barf  man  jebod)  nidjt  ba$  frühere  fatbolifdjc  »Requiem ,  einen 
3  heil  ber  ÜXeft*  verfteben,  ba  fonft  bie  Aufhebung  ber  SReffe 
aid  reine  3Üujton  erfdjeinen  möa)te.  Der  8u$brucf:  lobten* 
fejt  wirb  hier  am  beutfidjften  ben  Untertrieb  bejeia>nen.  (£ie 
festen  ein  Xobtrnfeft  utr  (Erinnerung  an  bif  verdorbenen  beb- 
nufa)en  Könige. in  bemfelben  Sinne  ein,  wie  je&t  noa)  in  ber 
ettangelifdjen  tfirdje  jahr(id)  einmal  ba$  lobtenfefi,  am  legten 
Sonntage  vor  ber  $6t>enlperiobe,  begangen  wirb,  utr  Erinne- 
rung an  bie  lobten  überhaupt. 

Die  eingelegte  Stteffe  ju  (ffyren  ber  ^eiligen  Dreieinigfeü 
ij*  äfjnlidj  aufjufaffen.  Der  Aonunt  fcfyaffte  alle  SStniel^SKef' 
fen  ab,  mir  bie  »teffe  am  £oa)altar,  al*  tte^ßtfer  für 

19»  ^ 

j0  )gle 


in 

<£t>riftu$  Seligmacher  ber  SKenf(^l)eitf  lieg  er  freien. 
2)iefe  Steffe'mdr  nicht*  alö  feie  geier  be*  heiligen  äbcnbmahl*. 
9)tan  lieg  fllleä  barin  weg,  wa*  ber  heil.  Sdrnft  wiberfprad). 
ü)ie  geier  ber  Äommunion  begann  mit  einem  SRorgenliebe, 
bann  folgte  ba$  Jtyrie  (Srletfon,  ba*  (Gloria,  baö:  ber  £err 
fei  mit  <£uO),  bie  tfollefte,  bie  üBerlefung  ber  <£»fj)el  unb  bed 
(fvanaelium*,  ber  (glaube,  bie  ^rebigt,  bie  allgemeine  ©eichte, 
ba$  Äira)engebet  unb  Verbitten  an  Stelle  beö  Jlanonö,  bad 
SSaterunfer,  baä  £cilig,  bie  2öeihe  unb  ba*  ftbeubmahl.  £>en 
Sd)lu6  machte  bie  ÄoUefte  unb  ber  Segen. 

9Hit  ber  2tbfa)affung  ber  Stgtlie«  unb  Steffen  fielen  au* 
in  ©örlifc  alle  bie  oben*)  angeführten  ©ebräud)e  bei  ben  ge- 
nannten gefttagen.  ?ln  ihre  Stelle  trat  einfach  bie  ^rebigt. 
2)ie  33ruberfa)aften  unb  Sa)mefterfa)aften  in  ©örlifc  gingen 
mit  bem  3al)rc  1528  ein.  Xrofc  bctf  großen  2(nbange6  In  ber 
S3ürgerfa)aft  fonnte  Pfarrer  Rotbart  fta)  in  ©örlifc  auf  bie 
Dauer  nicht  halten.  Seine  geinbe  bewirf ten  im  %atyxt  1528 
eine  Drbonnanj  be$  Jcönigö  gerbinanb  von  Söhnten,  welche 
fetoe  (£ntlaffung  anbefahl.  Doa)  fam  biefe  Maßregel  erft  jur 
$tutffül)rung,  alö  ber  Pfarrer  ben  (£ntfa)lutj  faßte,  ftch  $u  ver* 
ef)lia)en.  2)er  föath  gab  bem  Pfarrer  }u  verftehen,  bag  er 
im  galle  ber  Ausführung  biefer  &6fta)t,  bie  Pfarre  aufgeben 
muffe,  ba  ber  fRatl)  bieei  vor  bem  fonigl.  £ofe  }u  $rag  triebt 
ju  verantworten  wiffe.  Demungeacbtet  heiratbete  Rotbart  am 
29.  Stuguf*  1530,  Anna,  Softer  m  Sürger'ä  Simon  ffiolf, 
auf  bem  ^farrhofe,  unb  verließ  bann  (ftörlifc,  jum  ^weitcnmalc 
au$  feiner  USaterftabt  verbannt.  (£r  begab  fia>  von  hier  ju> 
nädjjit  naa)  Sßittenbera.,  würbe  im  3ahre  1532  naa)  SBunjlau 
ald  $rebtger  berufen,  tm  3ahrc  1540  nach  greiftabt,  unb  fehrte 
im  3fthre  1542  wieber  naa)  ©unjlau  gurücf,  wofelbft  er  biö 
jum  3ahre  1567  hö<hft  fegend reia>  wirfte.  3m  gebauten  %a\)xc 
legte  er  fein  Amt  wegen  Alterebefchwerben  nieber,  unb  ftarb 
am  29.  gebruar  1570  ;u  Sun^lau  im  neunzigsten  3«h«  i& 
ne$  bebend,  tiefbetrauert  von  feinen  zahlreichen  Anhängern  unb 
greunben. 

9toa)  vor  feinem  Abfa)iebe  auö  ®örlt|j  fajrieb  ber  föath 
an  Dr.  Bugenhagen  naa)  Wittenberg,  um  einen  neuen  Pfarrer**): 


•)  259  ff. 

•)  WütLn'*,  obcxl  9cefi>rmation$gcfö.  8.346.  $)ie  JNntfcott  ebetifraf. 


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293 


„Unfere  freuublieben  Dienfte  $ut>or.  ^odigefaftter,  adjt* 
barer,  rourtt^er  £err,  befonberö  gunftiger  guter  greunb.  Site 
fid)  unfer  ^farr,  M.  granaefuö  «Kotbart  er;elid)  betreibet,  wie; 
roobl  wir  il>u  frurd)  viele  gütliche  9iebe  vermahnet,  ba*  (Snbc 
je&igen  9teta)etagee  \w  erwarten,  fei  unö  von  fönigl.  9Wajeftät 
*u  jipungarn  unb  Stobmen  unfero  allcrgnäbigften  «£>errn,  fdjwere 
Jtommijfton  au  §anben  geftellt,  wie  gerinnen  *it  galten,  bar* 
aue  wir  und  gemelteö  unfere  Pfarrer©  fyaben  entäußern  muf- 
fen, unD  alfo  eince»  Pfarrers  unb  ^rebigerS  mangeln,  barura 
aud)  3«<ieru  btefeö,  unfern  ^tabtfcfyreibern,  an  (£w.  9la)tbaren 
gefertiget,  freunblidjen  gleiß  bittenb,  giinftlid)  $u  verhelfen,  ba* 
mit  wir  mit  einem  guten  tarnte,  $um  ©orte  tauglia),  ver* 
[eben  möd)ten  werben,  *foll  einem  wieberum  *u  Unterhaltung 
feiner  ^Öiüt>c  baä  gefdjeben,  baran  er  (Gefallen  tragen  foll. 
(lud)  um  bee  SBorte  uno  unferer  SMtte  willen  förberlia)  be* 
weifen,  ate  wir  benn  $u  tbun  fdjulbig,  wollen  wir  jeber  &\t 
bereit  fein."    begeben  am  15.  £>f  tober  1530. 

Dr.  33ugenr;agen  fd)ricb  nid)t  felbft,  fonbern  ubergab  biefe 
£ad)e  an  Dr.  *Pilipp  ?Jieland)tbon,  welker  in  einem  ©djret* 
ben  d.  d.  Wittenberg,  21.  Df tober  1530  ifmen  SBolfgang 
£  anfiel  (6ufteliu$),  auö  ^affau  geburtig,  empfahl.  <Sa)t>ftel 
bejog  nidjt  mebr  ben  ^farrbof,  fonbern  eine  Ämtäworjuuug 
innerbalb  ber  £tabt,  unb  bielt  feine  Vlutritteprebigt  am  28. 
Df tober  1530.  2Bie  lange  er  in  ©örlifc  gewirft  l)at,  ift  ungewiß. 

2Bir  verlafjen  bie  nunmebr  evangelifdjen  ©eiftliefien  f)ier, 
um  auf  biefelben  weiter  unten  in  ber  ©efdjldjte  ber  evangelu 
fdjen  (^eiftlid)feit  auefubrlicber  lurürf^ufommen. 

9iadi  reu  SefcMüjjen  beö  ^riefterfonventeö  vom  %al)xt 
1525  war  e$  natürlid),  baß  bie  ©eiftlidjen  in  äonfWt  mit 
bem  SMfAofe  fommen  mußten.  Dod)  verfugte  berfelbe  ver; 
geblid)  feinen  früheren  Einfluß  wieber  in  ber  Dberlaufifc  &u 
erlangen.  Die  ®etftlid)en  nahmen  vom  93tfa>fe  ju  beißen 
feine  93efeble  unb  «Berorbnungen  fernerhin  an;  eö  ftetite  ftet) 
deiner  auf  bie  bifd)öflicben  ßitationen;  ben  angebrofyten  33ann 
veraltete  mau;  bie  geiftlid>en  Auflagen  unb  (Steuern  blieben 
orme  $erürffid)tigung.  3Benn  bie  äirdjen,  nad)  ben  fanoni* 
fd>en  (safcungen,  entweiht  waren,  ging  Wemanb  ben  93ifd>of 
um  Erneuerung  ber  ®etbe  an.  sJieue  Pfarrer  unb  ^rebtger 
würben  burd)  bie  Jtirdjenvatrone  eingefefct,  ol)ne  baß  biefelben ' 
bie  ehemals  erforberlidje  ©enerjmigung  bunty  ^Präsentation  naaV 


Digiti^ 


294 


gefugt,  noch  weniger  um  Snftatfation  gewe  Ratten.  3m 
3ahre  1534  würben  btc  flirren  gu  ©ertbor,  Sohlanb  unb 
äanni}  erbrochen  itnb  beraubt,  ber  ©oiteGbienft  barin  jebodj 
fortgefefct,  währenb  fbnß  in  biefem  galle  ber  Sann  über  ben 
JDrt  aHtaefprochen,  imb  eine  Staiweifye  erforberlid)  gewefen 
wäre.  2>te  weltliche  JDbrigfeit  benähte  ben  Ümftanb  ber  Sod- 
faaung  von  ber  bifchöflichcu  ©erichtöbarfeit,  Seiten*  ber  ©eifc 
Itajfcir.  Sie  bewies  ferneren  ihre  ©ewalt  über  bie  ©eiftlichen, 
währenb  *ormal$  biefclben  bei  ber  f^oc^ften  Strafe  be6  Banneä 
von  ben  weltlichen  ©ehörbeu  iu  fold)er  $ejier)ung  niemals  be* 
unruhig*  werben  burften.  5>ic  fönigl.  ©ertöte  in  ©örlifc  befyn* 
teil  fofort  ihre  ©efugnißaud)  auf  bie  ©eifttidjen  au*,  unb  jo* 
gen  biefeiben  unejefcheut  $ur  Untermietung. 

Schließlich  ifl  noch  $u  bemerfen,  um  ^ißwftänbniffe  jn 
vermeiben,  baß  nichtj  fämmtliche  oberlauft|er  ©eiftliche,  fon- 
bern  nur  bie  i)iöceten  ber  Sßarochicn  ©örlffr,  Seibenberg  nnb 
SReichenbach  bamal*  fid}  vom  93idtl>ume  au  SRetpen  lo$fagten. 

llebrtgcnd  hatte  bad  (Snbe  ber  SBigilien  unb  Seelenmejfen, 
wie  oben  fchon  bewerft,  für  bie  Pfarrer  unb  ©ertlichen  bie 
Söirfung,  baß  it)re  bauptfäcf>lid>ftcn  (tinnahmen  aOfmäüg  fdjwan* 
ben,  ba  nach  Aufhebung  ber  Neffen  aud)  feine  9)Jepgelber  ge* 
opfert  warben. 


2>er  Suchmacheraufruhr.  1527*). 

Ungefähr  jwei  3a^re  nach  bem  Sranbe  ^ören  wir  nidjt* 
von  Unruhen,  obwohl  bie  &njt<hten  fortwdhrenb  unter  ber 
Stenge  ftch  geltenb  matten,  baß  e*  ber  ©emeinbc  aebühte, 
bie  Serwatrun^  ju  überwachen ,  baß  namentlich  in  fingen, 
welche  betf  Wext,  ben  ©eifi,  ben  ©lauben  anbeträfen,  bie 
Obrigfcit  <hwn  Unterbauen  nicht*  au  gebieten  unb  man  ba* 
bin  abjielenben  Sefd}(üffeii  unb  Befehlen  feine  golge  *u  leiftrn 
habe.  $to*  geuer  be*  Aufruhr*  jjlomm  unter  ber  »fche  fort, 
unb  vorjüglid)  waren  e*  bie  Suchntadjer,  welche  al*  bie  »n* 


#)         »^annale*  III.  f.  JI-89. 


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295 

ftifter  unb  labtet  be$  ®eifte6  ber  sJKif?ftimmung  angefeljen 
werben  muffen.  (£in  $um  l*utbertbum  übergegangener  Pfaffe, 
Ramend  3afob  $afe,  nahm  regen  &ntl)eil  an  Verbreitung 
ber  Dem  iHatrje  jcbäblidjen  Unflaten  unb  ©erücbte.  Diefer 
,£)afe  l)attc  ftd)  ui  £orau  t>er!>eiratr)et „  unb  wollte,  weil  ff)m 
jeoe  *Snöjtcbt  auf  ein  geifilidjeä  Stmt  benommen  war,  %ufy 
macber  werben.  Da  nun  Der  JRatb  ben  2lelteften  bie  Aufnahme 
biefeö  9Wanneö  in  bie  Innung  unterfaßte,  l>egte  er  einen  riefen 
C%ott  gram  bie  Verwaltungsbeborre  ber  Stabt  unb  war  auf 
jebe  5i$eife  bemüht,  bem  Dtatbe  $u  febaben. 

^tnt  1.  September  1527  waren  bie  älteften  ^erren,  (*)eorg 
*Röeler,  Viirgermeifter  §ratu  <ScbneiDer,  *ßeter  Ttyiele,  3obann 
$lrnolb  unb  M.  Jqü))c  auf  bem  iHatt)baufc  perfammelt,  um  ftd) 
wegen  ber  am  foigenben  Xage  atyubaltenren  Katböfür  $u  be- 
fpredjen,  al$  ibnen  burrf)  Partei,  ben  Xtjorfte^er,  gemelbet 
würbe,  alle  3nnungen  -lögen  in  bie  sJkter$fird)e  ;u  einer  Volte- 
t>erfanrmlung.  Vier  auegefenbete  (Etaotbiener  melbeten,  baß 
Diefe  Xbatfacbe  richtig,  alle  Zvjoxc  ber  &ird)e  mit  34id)mad)eni 
befe$t,  unb  innerhalb  berfelben  3(leranber  Vol^c,  nmgeben  pon 
$u(bmad)er*&elteften,  lebhaft  $u  ben  3nnungcu  fpräcbe.  Der 
Natb  fettbete  bie  Stabtbiener  nod)tnalö  $ur  Jiircbe.  Sie  tra- 
ten unter  bie  9Äenge  mit  ber  Votfcbaft:  „Der  sJtatb  unb  bie 
Herren  lajfen  (Sud)  befehlen,  bei  (£uren  (Siben  unb  $fltd)ten, 
unb  bem  ©eborfam,  ben  3^r  gelobt  habt  bem  itfrnigc  *u 
23öt)men  unb  bem  iHattje  biefer  <5tabt,  i>on  biefem  Vegmnen 
abjufteben,  unb  fd)leuntgfl  auf'ö  Dtatbbauö  $u  fommen!"  Die* 
fer  93efebl  braebte  große  Bewegung  unter  bie  aufgeregte  5Renge; 
tnbeß  befebloß  man  ®eborfam  \u  leiten.  Die  3nnung$*2tel- 
teften  gingen  auf  ba$  9^atr)l>aii6  r  wäbrenb  bie  nod)  feblenben 
iRatbömitglieber  Dtatbä-Sleltcfteit  unb  6d)öffen,  etleub$  burd) 
bie  6tabtbiener  $u  einer  Sifcung  berufen  würben.  Vor  bem 
ftatbbaufc  flber  fammelte  ftd)  ein  großer  fiaffe  Volfö,  um  ben 
Erfolg  ber  Beübung  abzuwarten;  unter  19111  9lleranber  SÖolje 
mit  feinem  &nf)ange. 

211$  bie  <Selteficn  ber  Innungen  eintraten,  ftanb  ber  Dtatf) 
mtbt,  wie  fonft  bräud)ltd)(  auf,  öermutf)lid)  um  feinen  Unwü* 
len  gegen  bie  $klteften  burd)  biefe  9u6na^me  von  ber  Siegel 
ui  be  weifen;  ber  Vürgermetfiter  aber  befahl  ben  Getieften  ftd) 
*u  fefcen.  Vi$  auf  ungefähr  fed)6  ^erfonen,  nämlid):  ^aul 
S^ame,  @eorg  Vierte  unb  nod)  einen  Xudjmacber,  einen  glet* 


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296 


t  i 

föer,  ben  ©dder  SRartin  ©ottener  unb  einen  ©tbubmadjer 
geborgten  Hlle  biefer  Slufforberuiig.  2)ie  ßrwäbnten  jebo* 
blieben  fteben,  wie  ftd^d  fpäter  bei  ber  Unterfucbung  eraab, 
au*  bem  Ärunbe,  weil  ein  fiebenber  sJRann  mei>r  sJDtutb  babe 
unb  jum  reben  beberjter  fei,  ald  ein  Sifcenber.  Sie  blieben 
trofc  wieberbolter  (Srmabnung  be$  SürgermdfttTtf,  welker  ver* 

Seblidj  nadj  bem  ©rnnbe  ttcfcd  auffallenben  SenefymenS  fragte, 
eben. 

$)er  93ürgermeifter  fagte  ibnen  tytxauf  9Jad)ftebenbe$ : 
3>er  *Rall)  bätte  gehofft,  |te  feien  eingebenf  ibrer  ©elübbe, 
(Jibe  unb  33erpfii(btnngen,  bie  fic  beim  (smpfanae  bee  Surger* 
red>id  ber  äönigf.  SRajeftäi  *u  Söfmten,  al$  it)rem  (Srbberm 
unb  Könige,  bann  aber  ittfon&erfyeic  Dem  ^Hat^e  gelobet,  treu 
unb  bieber  ju  fein,  ba$  Sefte  ber  ©tabt  gu  beförbern,  baä 
6<bäblid)e  &u  unterlajfen  unt>  bavon  Slnjeige  &u  machen.  3*&t 
febe  er  »er  Äugen,  wie  fic  biefe  ©elübbe  gelten.  ©ie  bätten 
jicb  obne  SSerwiffen  beä  üRartjeä  in  ber  Jtirdjc  verfammelt,  unb 
wiber  be$  DtatbeS  Regiment  r)cimlid)e  55efprecbungen  abgebal* 
ten,  weldje  bod)  in  ber  ©tabt  SBillfür  verboten  wären.  Dem 
Olatt)c  fei  biefe  traurige  (5rfal)rung  um  fo  fdjmerjlidjer,  alä  er 
ftcr)  von  ibnen  allen  eine*  folgen  unbebäct)tigeu  unb  unüber* 
legten  ©ebabrenä  nidjt  verfeben  r>abe.  2Benn  fte  ©ebredjen 
£u  verbeffern  wünfdjten,  motten  fte  fol$e  auf  t>erfüdnbige 
^eife,  nid)t  fo  pflidjt*  unb  cbrvergciTen  überlegen,  an  anberem 
Drte,  unb  eine  jebe  3nnung  für  ftcb,  wie  ci  ber  ©tabt  ©e* 
wobnbeit  erfordere.  2Beü  aber  feld)e$  SBorbaben,  ben  SRatb 
unb  fein  Regiment  $u  unterbrürfen,  ber  ©tabt  jum  SBerberben 
gereidjen  muffe,  fönne  ber  9tatb,  welkem  bie  ©tabt  burdj 
ben  ^önig  *u  93öbmeu  anvertraut,  biefeS  93ebaben  triebt  ferner 
bulben,  müjfe  e$  viclmebr  naety  ber  Strenge  ber  ibm  jufitlben« 
ben  üKedjte  beftrafen.  3e$t  motten  fte  berieten,  auf  weffen 
Änorbnung  fte  in  bie  tfirebe  gegangen,  unb  wa$  bort  verbau? 
belt  worben  wäre. 

9cad)  einigen  Sluöwcidjuncren  braute  ©eorg  ißterle  bie 
93ef<blüffe  in  ber  «ßeterdfirebe  jur  ßenntniß  be6  SRatbeä.  2)a 
jc^fc  gerabe  9fatb$rur  bevorftebe,  erfuebe  man  ben  SRatb,  bie 
tfür  aufjufd)ieben,  bis  auf  ben  folgenben  £a<j.  !Die  3nnun* 
gen  bitten  vorber  nod)  (SinigeS  vorzutragen,  tiiäbefonbere  über 
bie  £ärte  ber  ©trafen  unb  bafj  man  ben  £anbwerfern,  wie 
in  anbern  ©täbten,  aud)  ba6  $raured)t  gewdbren  folle.  2)er 


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297 


tanptwunfd)  aber  war,  ber  $atb  möge  noefc  jwei  au*  beit 
anbwerfen,  nämlid)  einen  Dörfer  unb  einen  Scr?ut)mad)er 
jur  Mx  hinziehen,  beim  in  Der  ©egenwart  Ijätten  bie  8fir> 
'  aer      viel  (Stimmen,  wa$  $ur  golge  l>abe,  baß  im  Dtatfye  bie 
ixatt)$verwanbten  au*  ben  3nnungen  meijten$  übernimmt 
würben. 

$acf)  biefem  ©efenntniß  Ijielt  ber  ftatf)  eine  geheime 
Si&ung,  beren  (Srgebniß  war,  baß  ber  ©ürgermeifter  ben  wie* 
ber  in  ba$  Oratorium  berufenen  3nnungd *#eltefxen  funb  tfyat: 
„Der  9iaty  fei  fct>r  befümmert  über  bie  unter  ben  3nnungen 
eimjefdjlidjencu  ©eftrebungen  unb  baß  fte  über  Dinge  ratl)* 
fragten,  weldje  wiber  ir/re  Söefugniffe  feien.  Der  ftatf)  babe 
bie  9iart)$für  nicfjt  von  i^iten,  fonbern  von  ber  Dbrigfeit,  von 
Äaifern  unb  Äonigen  ju  ©öfymen;  er  fyabe  befctyloffen  baran 
feftjuf)alten  unb  werbe  eö  abwarten,  ob  3emanb  wagen  würbe, 
biefeS  Privilegium  an^itaften.  Der  Dtatb  warne  wof)lmeincnb 
3eben,  (id>  um  fein  Regiment  nidjt  $u  befümmern,  fofern  tr)m 
fein  Mb,  feine  @l)re  unb  feine  £abc  etwa*  mxfy  fei.  dr 
werbe  bie  tHnftifter  \u  erfahren  unb  ben  bewiefenen  Unge^or- 
fam  au  ftrafen  wiffen!" 

9tit  biefer  Bnfpracfee  würben  bie  Heltefien  entlajfen,  unb 
bereit  23erid>t  von  bem  unten  verfammelten  $olfe  in  großem 
Unwillen  angehört,  3Bäf)renb  (Simqe  meinten:  nun  fei  2lUe$ 
au$,  ba  ftd>  ber  $atf>  ein  £erj  gefaßt  f)abe,~  erflärte  Martin 
Stoltenberg  auf  offener  (Straße:  man  müffe  bem  9tatf)e  ba$ 
Regiment  nehmen,  er  folie  Rechnung  legen,  bie  £anbwerfer 
müßten  mit  ben  bürgern  gleiten  Sifc  unb  Stimme  im  ÜRatfye 
fyaben,  ein  3afn*  um'0  aiibere  ein  Xucbmadjer  ©ürgermeijter 
fein,  bie  £anbwerfer  ba$  Braurecht  erhalten,  unb  überhaupt 
bie  ganje  gegenwartige  $ßillfür  umgeftoßen  werben,  bann  erfl 
würbe  eS  in  ©örlifc  gut  werben. 

Der  Vlati)  nafjm  am  beftimmten  Sage,  obwohl  mit  gro* 
ßer  2lngft,  in  gewohnter  SBeife,  bie  Mx  vor.  Einige  läge 
barauf  aber  würbe  Martin  Stoljenberg,  al$  ein  £auptauf* 
wiegler,  plöfclicfy  jur  £aft  geführt  unb  im  ©uten  fowofjl  al$ 
mit  ber  golter  jum  Sprechen  gebraut.  Stoltenberg'*  ©efennt* 
niß  gab  Hufföluß  über  bie  kleine  ber  *Berföwörer  unb  bie 
£auptleiter  ber  beabfutytigten  Unternehmungen,  ^aul  Xbame 
warb  verhaftet;  Äleranber  $ol$e  aber  unb  ber  Pfaffe  £afe 
entgingen  burd)  bie  gluckt  bem  ibnen  jugebac^ten  ©efängniffe. 

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298 

.  —    -    . 


£afe  wanbte  ftd>  mit  einem  gewiffen  $offelt  nad)  ffiit* 
tenberg;  erlieft  aber  von  Dr.  Martin  £utt)er,  bei  bem  fid> 
93eibe  tRatbö  erholen  wollten,  in  feiner  Seife,  gebüf>renbe 
Antwort,  wie  er  nidjt  erwartet  t>atrc.  Luther  fagte  näm* 
lief):  „(Sr  wäre  ein  Stifter,  in  ber  VefdjwernlJ  ber  ©ewiffen 
9tat^  unb  Urteil  $u  geben,  nia)t  gu  weltlid)eu  6aa)en.  2l>ie 
er'S  verftünbe,  fei  in  biefer  Angelegenheit  fein  Diatf),  als  nur 
ber  %ct>,  eS  wollten  beim  bie  Herren  von  ©örlifc  an  it)iien 
Barmherjigfeit  üben.   Sie  hätten  übel  gehanbelt  unb  Pfaffe 

tafe,  wenn  fiays  fo  »erhielte,  wie  fte  erjagten,  fid>  in  ber 
Seife  eine*  ScbalfS,  Verrather'S  unb  Vöfewiay  S  benommen." 
3u  @orli&  faxten  bie  ^auptbettjeiligten  ben  $efd)lu£ 
Hanl  Shame  unb  Martin  Stoljenberg,  fowic  anoere  in  biefen 
Sagen  Verhaftete,  ju  befreien,  ba  fte  mit  >J*ed)t  befürchten 
mußten,  jene  würben  in  il)ren  AuSfagen  aud)  bie  übrigen  8Wt* 
fa)ulbfgen  bloSftellen. 

Sie  l)eimtid)en  Vefpredmngen  fanben  perft  in  bem  £aufe 
„in  ben  brei  (Sidjen,"  hinter  bem  älofiter,  fpäter  aber  bei  s4>eter 
fciebig,  einem  Xud)mad)er,  Sangengajfe  Wo.  162.  wohnhaft, 
ftatt.  5)cr  erfte  Anfcrjlag,  auf  baS  StatbbauS  }u  gehen,  ben 
ftath  böflid)  um  greilaffung  ber  Verhafteten  anzugehen,  wenn 
aber,  wie  vorausgehen,  foldje  nid>t  genehmigt  werben  würbe, 
auf  bie  ftathSverwanbten  brein*ufd)lagen,  biefelben  in  bie 
Xfnirmc  }u  fe$en,  unb  bann  bie  (befangenen  freizugeben,  tarn 
am  3.  September  nid)t  $ur  Ausführung,  weil  Der  Statt)  ab- 
fällig früher  als  fonft,  bie  Sifcung  t>crlie#.  (SS  warb  nun 
von  ben  Verfdjworenen  bie  Ausführung  il)reS  planes  auf 
greitag  barauf,  ben  5.  (September,  feftgefefct,  unb  beftimmt: 
man  folle  fid)  mit  Sßaffen  wol)l  verfemen,  in  fciebig'S  £aufe 
verfammcln,  9tad)mittagS,  wenn  ber  Dtatt)  in  ber  Stabtfaffe 
bie  £öf)tte  auS$al)le,  auf's  9cathhaHS  ziehen,  unb  bie  beabfid)- 
tigte  Verhaftung  ber  ftathSmttglieber  mit  ©ewatt  bewürfen. 

Diefer  ^tan  würbe  ebenfalls  baburd)  vereitelt,  bajj  ein 
Bürger,  ein  Sa)neibermeifter  WamenS:  s4*aul  SdmuptS,  ben 
Anfd)lag  bem  M.  £affe  DonnerStag'S  vorher  anzeigte.  Der 
©ürgermeifter  beorberte  nun  am  folgenben  &age,  eine  Stunbe 
vor  ber  angefefcten  VerfammlungSjeit,  9taa)mittagS  2  tttyr, 
bie  Stabtfnedjte  nad>  ^eter  Siebig'S  £aufe.  $J<eter  Siebig 
würbe  fdjleunig  verhaftet,  unb  bei  ber  ^auSfud>ting  in  einem 
©ew*ü*:  Vüa)fcn,  Säbel,  Spiele,  ^anjerjhirfe,  Streitbarn* 


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299 


mcr  ncbfl  vielem  Staffen-  unb  Otüfocug  gefunben,  aud)  bic 
Staffen  auf  ba$  *Ratr;l)aH$  gebradjt. 

hierauf  befahl  ber  <Rat^  bcn  3nnungcn  auf  bem  ftatr;* 
r)aufe  unter  bic  SBafftn  jh  treten.  33i$  au?  viele  $ud>ma(r;er, 
meiere  eilen**  entwichen,  geborgten  sMt  biefem  Vefefjlc. 

^atürlidj  würben  nun  eine  SRenge  Verhaftungen  vorge- 
nommen unb  e*  entfpann  ftd>  eine  viele  2Bod)en  baucrubc 
Untcrfudjung,  beren  (frgebnif  auflfür/rlid)  in  £affe'6  Statt)** 
annalen  nieber^eleiit  ift. 

Der  9iat$,  wm  bic  etwa  nod)  verborgenen  Unrurjfrifter 
|«  erfetyretfen,  befdjloß,  an  ben  Jjpauptangef tagten  bie  Strafe 
balbtgfi,  unb  auf  redjt  rjcrvorftcdjcnbe  Äeffe,  vollftrerfen  ju 
laffen.  Siebig  unb  «Stoltenberg  würben  bafjer  am  26.  Scp* 
tember  1527  auf  folgenbe  ÜBcife  vom  Seben  annt  lobe  gebracht. 

Sobalb  bie  Verurteilten  bHrd)  ben  Sdjarfricfjter  biä  an 
bie  (£tfc  ber  8tabtroad)e  geführt  waren,  mußten  fte  bie  ©e* 
rjarnifebten  in  ber  Lüftung  vom  rKathlunifc  fteigen  feljen. 
i)er  ^ottenmeifter  ging  voran,  fyinter  ifym  10  Kotten  Sölbner, 
hierauf  ein  £err  beä  iftatrjeä,  bem  ein  ftnabc  mit  bem  enblo> 
ten  Schwerte  folgte.  Sölbner  fd)lo||cn  ben  3«9f  neben  wel- 
kem ber  föniglidje  ?Kid)tcr  unb  ein  9iatr)$mitgtieb  ritten.  Der 
9tatl)C%rr  rief  barauf  (bcfdjrie)  öffenrfid)  bie  ®riinbe  be$  So; 
bedurtljeild,  wie  folgt  auö: 

„$eter  Stoljenberg  foll  barum  leiben,  weil  er  eib-  unb 
pfUdjtwibrig,  wiber  ben  Jronig  ju  Völjmeu,  feinen  (£rbl)erren 
unb  ben  $att),  ba$  8ergfic  im  Sinne  gehegt  unb  Untreue 
anftatt  $reue  bewiefen  fyat; 

<£r  fyat  Seute  belaufen  ju  heimlichen  Verätzungen,  wlbcr 
ben  Äatf)  nnb  gemeiner  Stabt  loblidje  SBillrur; 

l§r  tyat  fjelfen  unb  förbern  auf  ben  $atf)  $u  fafynben, 
tyn  feiner  faifcrlicften,  föniglidjen  unb  fnrfrlidjeu  Privilegien 
;u  berauben; 

Ott  t)at  bamit  lirfad}*  gegeben  $u  5fufruf>r;  ift  anwefenb 
gewefen  bei  Sage  unb  jur  9?acf;Meit  in  Verfammlungcn,  wo 
man  ftd)  berictr),  ben  *Ratr)  mit  SRorbgewefn*  ju  überfallen;  er 
bar  auf  biefe  VI rt  ben  d}riftlid)eu  unb  büraerlidjen  ^rieben  ge* 
brodln,  unb  Uneinig  feit  unter  bie  (Stnwofyner  gefd)leubert; 

(fr  bat  ben  fdniglidjen  Anwalt  unb  Sanbvoigt  nicht  we- 
niger a(6  ben  ehrbaren  Statt),  mit  fd)mäl)licf;en  unb  abferjeu* 
liefen  Korten  geläjlert,  unb  unter  Änberem  gefagt,  ber  JRatr; 


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300 

I>te(te  bie  Jtür  $ur  9tad)tjeit,  feine  SÄitglieber  fliegen  auf* 
Stallau*  wie  X>iebe  unb  Lotterbuben; 

Unb  roeü  er  2(üe$  folct)ed  mib  meljr,  n>tDer  ben  ©etyor- 
fam  unb  d)riftlid)en  grieben,  al$  ein  uugetreHer  Bürger  getljan, 
unb  t>em  iRatfje  t?on  tiefen  heimlichen  planen  feine  Geltung 
gemalt,  wollen  if)n  bie  fönigltc^eu  ®eria)tc  unb  ein  ehrbarer 
Kail),  and  sJDcilbe  jeboch  nur  mit  bem  Sehweite,  richten  unb 
ftrafen  laffen!"   gerner  warb  gerufen: 

„^eter  tfiebig  foll,  wie  Stoltenberg  barum  leiben,  bafi 
er  gebanbelt  wiber  feine  Schwüre  unb  Verpflichtungen.  Gr 
r>at  Sag  unb  9tad)t  Seute  in  fein  §aud  gerufen  unb  f)eimlia>e 
SBcratbungen  mit  ihnen  gehalten,  wiber  ben  töatf),  wiber  ber 
©tabt  löbliche  SBillfur; 

(Sr  f)at  in  feinem  £auf*  gemattet  unb  mit  baju  Iftath  ge-- 
geben,  wie  man  in  ber  Aontgl.  Wajeftat  Obergerichte  greifen 
unb  bie  (befangenen  befreien  wolle; 

@r  hat  helfen  ratheu  wiber  beevftatheä  faiferlidje,  fomg- 
lidje  unb  für)ilia)e  ^«^üfgien,  bem  3Hatl>e  mit  gewappneter 
£anb  unb  mörberifchen  Sßaffen,  nahertreten,  ibn  $u  entfern 
unb  in*  ©efängnifj  $u  werfen; 

(Sr  hat  ber  Stabt  Liener  überfallen  wollen; 

(Sr  l)at  Aufruhr  fliften  wollen,  burd)  welchen  bie  Stabt* 
gemeinbe  in  Ängft,  9toth  unb  ewiged  SBerberbeu  geftürjt, 
littittwen  unb  SBatfen  geworbeu  wären,  unb  t)at  baburd)  ben 
a)ri|clia)eu  bürgerlichen  grieben  gebrochen; 

t£r  l>at  |ia>  ju  ©ewaltmajkegeln  oerftanben,  benn  bie 
9Rorbgewel)ie,  bie  Süa)feu,  Keffer,  ©treithämmer,  ©piepe 
unb  ^arni|0)e  fmb  in  feinem  £aufe  gefuuben  unb  erft  t>on 
bort  aufd  jKatl)hau$  getragen  worben; 

Unb  bieweil  ^«ter  £iebig,  al$  ein  untreuer  Bürger,  folche3 
2Ule$  wiber  ©ott  unb  feinen  9Md)ftcn,  wiber  @^re,  ©leid}' 
f>eit  unb  SRedjt,  unb  wiber  ben  a)rijtlid)en  gritben  gettjan, 
wollen  il)n  bie  föiiiglidjen  ©crichte  unb  ein  ehrbarer  9Rath, 
ald  einen  meineibigen  üBerratber  ftrafen,  unb  in  wer  Stüde 
teilen  laffen!" 

9tad)bem  biefe  (Sifenntniffe  aufgerufen  worben,  führte 
man  bie  SScfdjriecuen  vor,  unb  sJWartin  Stoltenberg  warb  mit* 
ten  auf  bem  ^lafre  enthauptet,  ^eter  Siebig  aber  unter  bem 
Oranger  burch  ben  »ad>rid>ter  in  vier  ©rüde  gehauen,  welch« 


301 

ber  9iatf>  an  vier  <ßfäf)!e  an  jeber  Seite  beö  9*atf)f)aufe*  jur 
ffiarnunij  anheften  ließ. 

Die  fdjmale  ©äffe  aber,  bnrd)  weldje  bie  SBerfdjworenen 
penntttelft  einer  Seiteupforte  in  Siebig'ä  «£>auä  gelangt  waren, 
erhielt  ben  tarnen:  „^errat^ergaffe /'  nnb  bei  biefer  Pforte, 
auf  bie  Sangengajfe  ju,  ließ  ber  9Ratf)  bie  93ud)ftaben:  „D.  V.  R.  T. 
(ber  oerrätberifd)en  Spotte  Il)ür)  1527",  in  bie  3Rauer  einbauen, 
wo  fte  nod)  feilte  ju  fetycn  finb. 

Der  $atf)  begnügte  ftd)  nid>t  mit  biefen  £inrid)tungen. 
Mutier  Siebig  unb  Stoltenberg  würben  enthauptet:  am  28.  Sept. 
1527:  $f)oma$  löctyer  unb  Martin  Dfyneforge;  am  10.  3anuar 
1528:  mtott$  Deutfdjmann  unb  9H$e(  Entmann;  enblid) 
am  10.  DftPber  1528:  gabian  Seiler,  ber,  juerft  glütflid) 
emfommen,  bie  Uiworfidjtigfeit  begangen  fyatte,  tyeimlidj  in  fein 
£au0  juriirf$ufef)ren. 

granj  giebler,  gen.  Sdjweinebrätlein,  unb  ^eter  Schwelm, 
weldje  ftd)  nad)  Breslau  begeben  fyatten,  würben  auf  be$  gor* 
lifcer  StatfyeS  Wnfuctyen  bort  wljaftet,  unb  im  Spätfjcrbft  1527 
in  33red(au  l)iugerid)tct. 

£>ie  übrigen  ^Beteiligten  waren  entflogen;  &nbere,  min* 
ber  fdjwer  33erwirfelte,  würben  in  ©elbftrafc  genommen,  unb 
ft  war  biefer  üufftanb,  welker  ber  Stabt  fein*  gefäfyrlid)  wer? 
ben  fonnte,  befeitigt.  (Einige  glüdjtlinge  famen  im  3.  1538, 
im  ©eleite  beä  Könige,  in  il)re  £eimatf)  jururfj  erhielten  and), 
nad)  bed  .u önigä  Milien,  wegen  biefcä  Umftanbeä  oom  sKuthe  bie 
(irlaubntjj,  fernerhin  ungefäfyrbet  iljre  ^OaterftaDt  ui  bewohnen 

2ßäl)renb  ber  Abgaben  unb  Saften,  weldjc  burd)  ben  s^ön. 
fall  erwudjfen,  taudjteii  jwar  im  Dftober  1547  wieberum  auf-- 
rüfjrerifdje  Umtriebe  auf,  fanben  jebodj  ntd)t  bie  <Sinmütl)igfei 
Hnb  ben  umfajfenben  &nflang,  wie  in  ber  Weformationöperiobe* 


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302 


Befudj  itöntq  gerbtnanb*  von  Böhmen  "in 

©örlifc*).  1*38. 


tdj  vor  einigen  3afyren  in*  *JJrag  war,  ging  eine 


(JJerüdrt  beweg  ben  $atl),  baß  er  ftcr;  jur  2lufnaf)mc  be$  Stö* 
nigö  getieft  machte.  Damals  fam  er  jebodj  nid>t,  unb  bie 
©tabt  haue  nmfonjt  eine  ©umme  von  1U00  Oml  Den  ftum 
Empfange  verwenbet.  hierauf  bat  aber  ber  bamaüge  Vaut> 
Voigt,  Berfa  von  ber  Tuba,  ben  Jtönig,  er  möge  frech  beit 
SaufuKui  bie  @r;re  feinet  Befudjeä  vergönnen*,  unb  af*  ul) 
nad)  ber  &\t  einmal  vor  bem  Äönigc  war,  ba  muh  bic  von 
tarnen)  unb  Vohau  bafun  gefd)irft  Ratten ,  fagte  er  mir  feine 
Vlnfmm  )U.  Bei  ber  langen  Hubienj  vor  ihm,  fragte  er  mich 
viel  über  ba6  SBefen  in  unferer  ©tabt,  bic  tontglictyen  (% 
richte,  Die  9ted)töfprüd>e  unb  fragte  aud),  welche  <£>anbiverfe 
befonberö  bei  und  im  Crange  wären?  unb  antwortete:  bie 
Bierbrauer  unb  Xudjmacber.  2)a  fing  ©e.  sJO?aj.  au  ju  fra- 
gen: wie  viel  Buchmacher  tu  öunlm  wären,  unb  wo  fte  bie 
SBolle  her  befämen?  (£r  fagte  babet,  baß  aud}  er  $8iüenä  ge* 
wefen  fei,  tu  feinen  ©täbten  Xud)mad}er$ünfte  einzuführen,  bie 
i'eute  hatten  ftd)  aber  darein  nid>t  fdntfen  wollen,  obgleich  um 
eine  feiner  ©täbte  eine  fo  gute  ©<fyafweit>e  wäre,  baß  ed  an 
Sßoüe  nid^t  mangeln  tonnte.  5)ie3  wteberfyolten  3()re  9ftaj. 
etlichemal.  Darauf  unterrid)tete  id>  ben  Jtöntg:  e$  feien  in 
©örlifc  mehr  al$  200  1  uchmachcr,  ihre  SBofle  fauften  fte  auf 
bem  ßanbe  unb  aHf  ben  SWärften.  3<fy  fragte  tf>nf  welche 
©tabt  e6  wäre,  wo  bie  gute  ©djafweibc  wäre?  Darauf  am 
wortete  er:  $u  ^euftabt  in  Deften eicfv  (fr  eruihlte  mir,  in  fei* 
nem  ©panteu  wären  Bauern,  SBicljf^rrengenanitt,  bereit  (£iner 
über  10,000  ©djafe  mit  ber  feinften  SBolle,  bavon  feined 
Xucr),  bte  (Süc  «u  5  unb  6  Tufaten  gemacht  würbe ,  befäße. 
ein  folcfyer  Bauer  gebe  feiner  Xotykx  bie  10,000  £>ufaten 
Mitgift  unb  eö  habe  ihm  unlängft  fein  geliebter  Srnber,  itaifer 
Äarl  V.,  gefdjrieben,  baß  neulid}  ein  foldjer  Bauer  brei  Xöcbter 


' )  STOit  einigen  Stbfnrjungen  in  betr  eigenen  Söorten  beö  Bürger; 
meijler  £affe.   9taü)öannalen  tom.  III.  f.  183— 1 89. 


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30.1 




r>erl>eirarf)et  unb  jeber  2l,OÜG  Dufuten  9Hitgtft  gegeben  f>abe(?). 
£)rme't>iefe  reichen  dauern  wäre  eä  bem  Jtatfrr  nid)t  möglid), 
fo  lange  Kriege  mit  ben  Xürfeu  unD  grausen  $u  flirren. 

9?ad)  foUf>en  u\\t>  andern  Sieben  bat  id)  ben  ^önig  um 
(Sntlaffung.  Seim  &bfd)iebe  fagte  ei,  er  mürbe  in  wenig  3  a 
gen  nad)  Der  häufig  fommen  unb  ^flied  befd>auen.  Unb  riay 
rig,  IV ontagä  nad)  @antate  (20.  9Xai)  traf  er  fdwn  in  Sauften 
an  £>ier  nahm  man  ihn  (Main  auf.  Ob  fte  bied  au£ 
Kargheit,  Unwiffenrjeit  ober  ^ocbmutr;  tbaten,  weiß  ta>  indu. 
(£rft  hatten  fte  verfprodjen,  fte  wollten  für  t>e$  Jtönigä  Jtudjc 
unb  heiler  forgen;  al$  er  aber  angekommen  war,  weigerten  fic 
fid>.  Sie  traten  weiter  nid>tö,  ale  baß  fte  bem  Röntge  mit 
einigem  gußvolfc  entgegettftogen,  unb  ihm  bie  Stabtfdjlüffel  in 
einem  Beutel  von  &tlaä  überreizten.  3d)  felbft  war  mit  in 
Sauften,  unb  fyabe  nid>t  gefefyen,  baß  fonft  etwad  gefctjefyeu  wäre. 

Der  falte  Empfang  in  Sauften  mochte  ben  Jtömg  ba$u 
bewegen,  aucr;  in  ÖJörlift  nur  eine  9cad)t  bleiben  ju  wollen. 
Da  ia>  bieö  työrte,  fiel  id)  £ r.  3Raj.  ui  Süßen  unb  bat  eemu 
tbig,  er  foüe  ftays  nur  2  £age  bort  gefallen  lajfcn.  sJ}tein 
Sitten  half  änfaugö  9?id)td,  obwohl  viel  &ätf)e  ein  gut  2Öort 
einlegten,  bid  enfclid)  auf  bie  leftt,  ba  id)  vornweg  natr)  ©öi 
U t >  jieljeu  wollte,  er  mir  jufagte,  jwei  9läd)te  au  bleiben.  3dj 
verordnete  hierauf  fogleid),  baß  von  (Sörlift  aue  auf  bie 
jtger  i>aibe  gefäidt  würbe,  um  $üleä  juu  jagb  bereit  $u  ma 
djeti.    3Z  entfdjulbigte  mid)  beim  Äönig,  oaß  jwar  in  ber 
^aibe  wenig  $Bilb  wäre,  baß  bagegen  bie  Siabtgräben  in 
(*)ör(i$  voller  $trfd)e  unb  Siebe  feien,  worauf,  er  antwortete, 
baß  e£  ihm  niaSt  um  baä  itMlrpiet  ;u  tbun  fei. 

Den  25.  9J?ai  jog  jhve  SiÄaj.  von  Sauften  au£  naa> 
©örltft  ju.  Sei  sJRarferdborf  empfingen  ihn  Drei  Sfatrjäperfonett 
im  tarnen  ber  Stabt,  wobei  id?  aud)  zugegen  war.  Da  e6 
nun  Sitte  utr  baß  wenn  ein  Äönig  in  bie  Stabt  nnucbr,  alle 
von  ber  Statt  verbannten  unb  jlücbtigen  lUtffetbater  uuge* 
mau  mit  einfließen  bürfen,  ließ  id)  obre  sSraj.  angeben,  baß 
id)  ihm  bie  Sitte  vortragen  bürfte,  ben  @iit£ug  ©eädjteter  nidjt 
jujugeben.  &ld  ber  £anbvoigt  bteä  bem  Jtöntg  anzeigte,  fpre* 
cfjenb:  ©näbiger  $err,  ber  i>err  SÄagifter*)  ijl  ba  mit  ber 
unb  ber  Sitte,  wenbete  jia)  Sc.  Mai.  gegen  mid>,  unb  fagte; 


*")  eo  tonrbc  «öatte  actüübnlidj  aenannt. 


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304 


„„9ieitt?  ba$  ifl  unfere  fürftlidje  Jreirjeit,  bie  wir  md)t  abtljun 
wollen!""  Hub  fo  famett  aucfy  wirflid}  viele  Verbannte,  g.  93. 
ber  abtrünnige  Xucfymadjer  Jtlein'SÄärten,  ein  Töpfer  &Sftner 
unb  Sfnbere  mit  in  bie  €>tabt. 

hierauf  famen  bem  Könige  bei  SJfarferäborf  100  -Reiter 
and  ber  Stabt,  weldjc  alle  in  rotfye,  mit  weisen  3$änbern 
burcr^ogene  $eibrÖ(fe  cjeflctbct  waren,  entgegen;  ferner  ein 
riabiüem  Jtnedjte,  ebenfalls  rotf)  unb  weiß,  mit  langen  <Spie* 
ßen  unb  halben  Jpafenbücf)feii,  aud  ber  Statt,  bie  gar  luftig 
auäfafyen  unb  bem  Könige  wof)l  gefielen.  Darauf  folgten  42 
©lieber  93üebfeit'Sd)ü$en,  24  ©lieber  mit  (Spießen,  3  ©lieber 
mit  ^ellebarben,  2  ©lieber  mit  <S>d)la<t>tfc!) wettern,  ein  ©lieb 
mit  ber  großen  $abne  ber  Stabt  ©ör(i(,  bann  wieber  4  ©lie* 
ber  mit  ^ellebarbeit  unb  26  ©lieber  mit  langen  Spießen. 
9lUe$  war  sJWannfcr)aft  ber  Stabt.  Sülle  gingen  tn  gam  neuen 
SLMmfen,  weiß  unb  rotten  ^ofen  unb  eben  folgen  Dorfen. 
3f)nen  folgten  bie  Sänfte,  60  £u<fcmad)er,  25  gleifäer,  30 
©erber,  25  €>(fymiebe,  30  Säcfer,  25  6d)netber  unb  8  Xijty 
(er.  Vornweg  trug  man  ein  fcfyöned,  mit  ©olb  aufgelegte* 
Sdjwerr,  ©efirjenf  für  ben  #önig. 

tiefer  lange  3"ö  begleitete  ben  Jfcömg  nad>  ber  Stabt. 
2113  man  vor  bie  Stabt  fam,  ftanbeu  bort  30  Stütf  grobe« 
©ef$ü$,  bie  würben  loägebrannt,  auef)  fefyoß  man  von  ber 
ganbeöfrone,  unb  fo,  unter  bem  Donner  ber  $üd)fen  unb  Ka- 
nonen, i>ielt  ^onig  gerbinanb  feinen  (Sinjug  in  bie  Stabt 
Bei  bem  $f)ore  empfing  tf>rt  ber  fämmtlidje  *Ratf),  fcfywarg 
gcfleibet,  unb  übergab  bie  6d)lüflel  unb  Siegel  ber  Stab*  in 
einem  geseilten  ^äftlein,  baä  mit  rotten  unb  weißen  Herfen*) 
bedangen  war.  Der  «ftönig  gab  aber  bie  Scftlüjfel  jurürf  unb 
fagte  Dabei:  „„man  forte  nur  aucf>  fernerhin  wie  biöfter,  auf  bte 
©tabt  unb  tyre  Sachen  gute  gcr/tung  traben.''"  Die  Bürger 
Ratten  fi$  vom  $f)ore  an  bis  nacfj.ber  ^eterflfirdje  in  gwei 
Steigen  aufgeteilt  unb  ließen  ben  tfonig  fo  jwifdjen  ftd>  fyer* 
eingießen.  Dabei  würbe  von  ben  Stürmen  unb  Safteten  luftig 
gesoffen  mit  £afenbüdjfen  unb  galfonetten.  ®om  Xrjore  au« 
gingen  bie  s3)*oncr;c  unb  Pfaffen  mit  bem  Äreuje  unb  bren* 
nenben  &er$en  bem  Äönige  voran,  unb  biefen  fcrjloffcn  bte 
Sdjulmeifter  mit  ben  edjülerit,  an  300  ftc^  an,  weld)e  Ctyor* 


•)  «tfaniiMdj  if*  totfj  unfr  mif  *ie  flMifrct  aDawenfar&e. 


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305 


find  anhatten  unb  ein  Aabulmi  trugen.  Der  3»g  ging  ge- 
rate ua a>  ber  *J}eteröfirdje,  wobei  bie  Sdjüler  fangen:  „Accipe 
re\  *  (empfange  o  Honig  k.),  waö  beut  Könige  fo  wof)l  ge< 
fiel,  ba|j  er  laut  fagte:  ,,„3l)r  feib  alle  meine  lieben  Äinber!"" 
VUtf  ber  3ug  wor  ber  $eterdfira>e  anlangte,  ftieg  ber 
.Honig  i>om  Uferte  uub  ging  in  bie  &irdje  9Äan  harte  fei* 
neu  Seg  mit  leppidjen  belegt  unb  SUleä  auf«?  2  djöufte  auö 
gegiert.  Vi  n  ih  bie  9tatur  tl)at  baä  iljrige,  um  beu  fronen 
Viuhluf,  UH-Uium  biefe  luTrliaV  töirdje  gewährt,  noa)  $u  er; 
ho  in- u,  benn  ed  fdjien  bamald  gerabe  bie  Sonne  auf  6  ^ellfte 
burdj  bie  fyofyen  geimei  unb  ber  Jiönig  war  ftd)t(id)  erfreut 
über  unfer  ©Ottenaus.  Ü)ie  Altäre  tyatte  man  veidjlid)  ge- 
giert, alieo  rein  gefefjrt  unb  obwohl  bamalä  fa^on  bie  lutbe 
rifdje  £ef)re  Eingang  gefunben  hatte,  waren  bennoa)  bie  Won 
ftranjen  mit  bem  Seelenamte  aufgeftellt  worben.  Dieä  hatte 
bie  bei  bem  itönige  beftnblidje  ©eiftlidjfeit  fafl  übel  gebeuter, 
gleid)fam,  alo  ob  bie  Vutbmuhen  nia)t  gefd)idt  jum  confc>- 
criren,  tote  ia)*)  benn  noa)  immer  bed  frommen  Glaubend 
bin:  quod  sub  specie  panis  et  vini  (ba(j  unter  bem  Bilbe 
bed  Broteä  unb  3Beines)  ein  redjt  lebenbiger  geib  (£f)rijti  fei. 
tu-  .Uonig  fniete  vor  einem  Altäre  nteber  unb  tljat  fein  ®e* 
bet,  worauf  er  wieber  auf  fein  töofj  flieg  ull°  ^or'3  athl>au^ 
ritt,  in  weld)em  ihm  fein  Duartier  bereitet  war.  <£>ier  gefiel 
eä  ihm  root)(  unb  id),  M.  .§>affe,  unb  Aium  Sdjneiber  gingen 
Vlbeuoo  \u  ihm  in  fein  Limmer,  bamit  wir  erführen,  wa$  er 
auf  morgen  in  ber  Stabt  \u  befreiten  habe  uub  in  weiter 
.Hu  die  er  SRejfe  houai  wolle.  (£r  fagte:  „„beute  bin  ia)  in 
eurer  *J3farrfira)e  gewefen,  morgen  wtU  id)  ju  ben  Britbern 
tn'd  Softer  gerjn."  Der  anbere  lag  war  Sonntag  unb 
3l)re  9#aj.  Rotten  eine  ÜWeft'e  im  Älofter,  welche  ber  Sßater 
*ßromni(  lad.  x'lld  er  barauf  tn'd  Watbbam?  jurütfgefeljrt 
war,  ließ  er  Supplikanten  vor  unb  fd)lid)tete  einige  «£>änbel. 
Sobann  ging  er  in  Begleitung  von  jwei  feiner  sperren  au$ 
unb  befaf)  jta)  bie  Stabt,  beftieg  alle  ibuvme  unb  ließ  (id) 
VlUed  jeigen.  &uf  bem  WatluMhuuue  bemerfte  er  mit  Unwil- 
len, bafi  bie  Stabt  ringä  mit  Bergen  umgeben  fei,  ja  er  foll 
babei  geflutt  Ijaben,  wad  man  fonft  bei  il)m  nie  gehört. 


*)  $afte  trat  mental*  $w  lutfjerifdjen  Jtird>e  über  uub  blieb  bt* 
an  fein  am  10.  Styrll  1544  erfolgte«  C*nb«  ÄatljcUf. 

«c.v  .1  t<  »on  ®erU|.  20 

1  Digr 


306 


<$ie$  gefajal)  vleUeidjt  barum,  Werl  er  meinte,  bie  Serge  feien 
ber  Stabt  in  ßriegdnötbctt  gefäfyrltd).  —  $ad)  bem  Slbenb* 
effen  ftieg  er  wieber  auf  fein  9toß  unb  ritt  in  meiner  unt> 
granj  Sdjnciber'S  Segleitung  in  ber  6tabt  untrer,  um  Med 
in  beftdjtigen,  wobei  er  angab,  wie  bie  fürjlid)  niebergebrann- 
ten  Käufer  lieber  errietet  werben  fottten.  2Bir  $rigten  ibm 
aud)  nodj,  wo  bie  9feißbrucfe  txbaut  werben  follte.  9(n 
bicfem  Tage  fyat  <Sc.  9)?aj.  ftc^  an  bem  genfter  gezeigt  unb 
hinunter  gerufen:  „„ob  3emanb  etwa**  bei  if)m  vorzubringen 
r)abe,  er  wolle  il)n  gern  r)ören!"" 

?(ucr/  fcfccnfte  ifjm  ber  SHatl)  etlidje  äleinobien,  fonberlid) 
ein  fleiueö  fünfUicfyed  ed)iff,  nad)  Skiffe*  flu  unb  fo  gebaut, 
baß  man  au  bemfelbeu  8Ued  fe{>cn  tonnte,  waö  ju  einem  gro 
ßen  s3Reerfd)iffe  gehört.  Dajfelbe  war  gar  fiinftlid)  unb  fofc 
lia)  gearbeitet,  fo  baß  ber  Äönig  ed  mit  großen  ©naben  unt> 
fonberlid)em  Gefallen  aufgenommen  l)at.  3ur  feierlidjeu  Se 
gel)ung  ber  Slnwefenr;eit  beä  JiöuigS  ließ  ber  9?atf)  aua)  alle 
bie,  weld)e  ben  äönig  begleitet  litten,  frei  galten  unb  butfte 
Deö  Jtönigö  ©efolge  nirgenbä  etwatf  besaiten. 

Montage,  früt>  um  6  llfyr,  ijlt  ber  tfönig,  nadjbem  er 
jwet  Xage  in  ÖJörlifc  verblieben,  weiter  gen  Suujlau  gejogen 
nnb  von  ba  nad)  Sretflau.  (Sr  f>at  fia)  in  (*)örli$  gegen  ben 
sjtatfy  unb  3ebermanu  fefyr  freunblidj  bewiefen  unb  tyat  man 
and)  feine  Soften  gefpart,  il)m  feinen  Aufenthalt  red)t  ange- 
nehm ju  madjen.  finb  bei  feiner  Anwefenfyeit  von  ifyin 
unb  feinem  ©efolge  ver$ef)rt  worben:  fünf  unb  jwanjig  Arten 
Söein:  sJRu$fateller,  SWalvafier,  Ungar,  Meißner,  $ran$,  mar) 
rifdjer,  bor)mifa)er,  croffeuer,  -  gubener,  fenftcnberger  u.  f.  w. 
3tem  camenjer  unb  jittauer  Weißbier  ift  aua)  ju  befommen 
gewefen. 

3r>re  SNaj.  befahlen  bei  ifjrem  Sfbfdjiebe,  bie  <ßeter$firdje 
abmalen  ju  laffen,  waä  jtd;  aber  hemaa)  ver$og.  Älä  id) 
nad)  einem  3ar;re  wieber  vor  ben  Jtönig  fam,  war  ed  feine 
evfte  grage:  ob  id}  bie  Äirdje  abgemalet  mitbräd>te?  3d)  ent 
fd)ulbigte  micf),  baß  ber  9latf)  jn  ©örlrfc  feine  SRaler  ba§u 
hätte  befommen  fönnen,  verfprad)  aber,  baß  eö  nun  bafb  gc 
fd>el)en  foüe,  worauf  it)in  benn  audj  baö  Silb  ber  ÄirO)e  auf  $ 
fauberfte  gemalt  jugefdnrft  worben  ift. 

$ßeü  eö  nun  bei  bem  (*injuge  be$  Äonigä  in  ®örli$ 


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30? 


alfo  hmli($  angegangen,  hat  9».  Scfjmibt  (gaber),  ©ifäof  ui 
iffiien,  ben  (Smpfang  befdmeben,  um  ü>n  brutfen  ju  laffen,  wa* 
aber  unterblieben  ift. « 


'Die  älteren  Statuten  \>on  ©örlifr  ald  (Strafte* 
rifHf  ber  Stabtgebräudje  unb  Sittengefajicfyte 

unferer  Stabt*). 

mt  bem  «Poufall,  ben  wir  im  Kujone*  be*  britten  ©u^ 
d>e6  fa)ilbern  werben,  enbtgt  bie  eigentliche  yolitifa)e  #ebeu- 
tung  ber  Stabt  ©drlifc,  wä^renb  bie  Äommun  früher  al* 
mithanbelnb  auf  ber  »ü^ne  ber  $ßeltgefa)id)te  auftritt  unb 
mebrfaa)  ttyätig  in  ben  @ang  ber  (Sreigniffe  eingreift,  erfcfceint 
fie  ^infort,  if)rer  $Üf*queUen  unb  ^ertljeibigungeinittel  beraubt, 
nur  leibenb.  <£cfyaib  eraa)ten  wir  e*  für  eine  $0i$tf  un« 
fern  £efern  ein  $ilb  ber  Stabtgebraud)e  unb  Malen  C^iwric^^ 
tungen  tyeRact  Stabt  311  geben,  wie  fte  im  Allgemeinen  wä> 
renb  beö  Mittelalter*  in  ber  3eit  ber  Stabtfouueranitdt  bt* 
ftanben  t}*ben.  ©ir  feilen  beö^alb  bie  bid  jkftt  aufgefunbenen 
dlteften  Stabtftatuten  im  9fu*ju<je  mit,  wobei  wir  bem  Sefer 
überlaffen,  auä  ben  Verboten  unb  gebotenen  SBeftimmungen 
berfelben  einen  KMftyKttj  auf  bie  Urfahr»  }U  machen.  (Sine 
grofe  Menge  berfelben  fmb  eigentlia)  polijeüic^er  9fatur.  Die 
ut  3eiten  auffaüenbe  Strenge  ber  Strafen  entfpria>t  bem  6()a- 
rafter  ber  ftohbeit  jener  (Generationen. 

Sieben  ben  allgemeinen  «Redjtögebrauajen  entwirfelte  fid> 
in  @örli$,  wie  in  allen  übrigen  Stäbten,  jeitig  bie  fogenannte 
„Stabtwillfür",  ober  lofale  ÜBefttmmungeu:  „Statuten"  ge- 
nannt. Diefe  Statuten  betätigte  tfarl  IV.  ber  Stabt  unter 
golbener  $ulle  unb  äaifer  Sigmunb  wieber^olte  foltt)e  im 
3.  1433.  Hufgeaeicfmet  f^einen  bie  Statuten  erft  nad)  ber 
$ejiätigung  Sigmunbö  gu  fein;  e$  ift  wenigftenS  eine  ältere 
J5anbfa)rift  al«  bie  t>on  florier  herausgegebene  nia)t  $u  ftnben, 


#)  3Me  ältefleit  Statuten  oon  (iJörlifc,  fyerauaaetjeben  von  Rof)Ux, 
im  i.  fcanbe  Ux  N.  Script,  r.  Jus.  4839,  @.  384  f. 

20* 


308 


aucr)  nicht  ju  vermuten,  baf*  ein  fo  widjttgeö  Aftcnftücf  ver- 
loren gegangen  fei,  ba  in  teJörlifc  feit  bem  3.  1305,  mit  we^ 
nig  Aufnahmen,  bie  alten  Stabtbüdjer  ftch  noch  vorfjnben. 
Die  Anfammlung  ber  älteren  unt>  fpäteren  ®ebräud)e  fcheiut 
inixAnfangc  beä  15.  3al)rl)unbert$  uiiD  sn>ar  im  %  1434  ge- 
fdjeljen  ju  fein,  nach  fcer  Auffdjcift  eines  (Sremplarä  ju  fd)üe- 
jjeu.  (sie  würben  im  Saufe  ber  j$tit,  namentlich  feit  Im  X 
1471,  wo  ber  Jtönig  Stattyiaft  ein  für  allemal  bem  Dtathe 
Die  (*rlaubnifj  gab,  willfürlidje  Abäuberungeu  anzubringen, 
vielfad)  veränbert.  9?ad)  Dem  Tonfall  würben  fte,  ben  neuen 
<Berhältniffeu  angemeffen,  geltet  unb  von  Jtaifer  Warimilian  II./ 
d.d.  3öien,  20.  Auguft  1565,  mit  Wamen*iinterfd>rift  beftätigt. 
Die  etatuten  l)abeu  im  Süefentlidjen  bis  auf  bie  neuefte  3eit 
beftanben,  wo  bie  allgemeinen  Sanbeögefefce  bie  abfladjenbe 
Gleichheit  für  alle,  3 table  gebraut  unb  biefe  lofaleu  Seftim* 
mungen  verbrangt  fyabcu. 

Der  3nfjalt  biefer  »Statuten  ift  im  Allgemeinen  folgenber: 
An  ber  Spifce  berfelben  ftef)t  bie  Sicherheit  ber  tyerfon 
unb  bie  ftrenae  SBafyrung  be$  $auörcchte$,  wie  folcheS  im 
magbeburger  &ed)t  auögefprodjen  ift.  Stiemanb  barf  ben  An- 
bem  l)eimfud)en  in  feinen  vier  pfählen,  weber  am  SÖege  auf 
ihn  lauem,  nod)  auf  ber  Strafe  überfallen,  enblid)  be$  Anbe; 
ren  grau,  äinber  ober  9)cägbe  ftetftytto  mijjbraudjen.  Diefe 
brei  ©efitmmungen  wirb  ber  IKath  aufregt  \u  erhalten  unb 
nach  bem  griebeuöbrudje  ju  beftrafen  wiffen.  Stuf  bem  8anbe 
fteht  bem  fönigl.  folgte  bie  Gewalt  in  tiefen  fünften  |tt. 

3n  93ejug  auf  bie  £>rbnung  in  ber  Stabt  war  feftgefefjt: 
»iemanb  foll  ju  einem  Auflaufe  gehen,  wenn  il)it  nicht  bie 
Pflicht,  ober  baö  Gcridjt,  bie  Schöffen  unb  ÜKathmänner  ba$u 
rufen.  SBäfyrenb  ber  ^Hatr>dfür  bürfen  feine  Skrfammlungen 
abgehalten,  ober  gar  Aufläufe  veranftaltet  werben.  3ßer  bei 
einer  folgen  Gelegenheit  ba6  Keffer  jum  Wachtheile  eineö 
Anberen  jieht,  muf  6  Grofd)en  Strafe  jar/len*).  9cicmanb 
barf  verborgene  SDteffer  ober  Dolche  in  ben  Mänteln  unb 
Aermelu  tragen;  ebenfo  ftnb  9)corbfeulen  unb  Sdjwcrter  ver 
boten.  Wemaub  barf  jwei  Keffer,  ein  langet  unb  fur$eä,  füh- 
ren.   9iad)  10  Uhr  Abenbä  foll  Kiemanb  auf  ber  €tra{je 


*)  3n  b(x  altejteu  3«it  flanb ,  wie  tu  %d)tbüd}a  ergeben,  auf  freu 
mei|len  (jier  angejogentn  ftäUen  bie  Strafe  ber  ^tafrtverroeifung. 

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309 


ohne  £icf)t  gehen,  unb  0eftfaet  mad)en:  3eber  babet  Betroffene 
wirb,  faUÖ  ftd>  nietet  ein  9rath$verwanbtcr  für  ir)n  verbürgt, 
in  ben  Stocf  geführt.  (Snrfteht  ein  (Streit  in  einem  2Birth$* 
häufe,  ift  3^bcr  ^ur  Beilegung  beffclben,  unb,  follten  berartige 
Bemühungen  frud)tloö  bleiben,  \um  0 in ulucucn  gegen  ben 
Urheber  verpflid)tet,  auf  er  eö  wären  Stactfnecrjte  zugegen. 
3ebe£  Spiet  mit  3Öürfe(n,  harten  ober  Kotten*)  ift  verboten; 
wer  be$  ©ewinnä  halber  fpielt,  muß  10  sDcqrf  ©rofeben  Strafe 
fahlen,  ober  bis  ;u  Erlegung  biefer  Buße  bie  Stabt  metben,  wer 
aber  au$  bem  Spiel  ein  ©cfdjäft  mad)t,  foll  für  immer  geästet 
fein.  5l$eiß  ber  ^öirth  um  bad  Spiel,  fo  wirb  ihn  ber  9Rath 
nod)  befonberä  in  Strafe  nehmen.  Jtein  SÖirtf)  foll  nach  10 
Uhr  5flbenb$  ben  ©äften  Bier  einfdjenfen,  bei  Strafe  von 
6  ©rofcr)en;  8ngefeffene,  welche  nach  10  Uhr  in  einem  Biep 
häufe  getroffen  werben,  müffen  6  ©rofehen  Buße  erlegen; 
9ftchtangefeffcne  fommen  in  ben  Stocf.  Der  Üffiirtl)  faitti  3e- 
ben,  welcher  fortgeht,  ohne  *u  befahlen,  fo  lange  in  ben  Stocf 
führen  laffen,  biö  er  ju  feinem  ©elbc  gefommen  ift.  sJtic- 
manb  foll,  ohne  (Srlaubniß,  bei  Berfammlungen  ober  Xanj 
Bier  verfaufen,  weber  $öirtf)  nod)  (Haft  werben  in  biefem 
Salle  von  Strafe  frei  bleiben. 

heimliche  Befprecr/ungeu  unb  Berathungen  fmb  überhaupt 
verboten. 

2Ber  in  ber  Stabt  weilen  unb  ^anbel  treiben  will,  muß 
bad  Bürgerrecht  nadjfudjen.    ^eimathlofe  foll  9?iemanb  be^ 
herbergen,  wenn  er  nid)t  für  fte  bürgen  will;  ber  Stabt  2(cd) 
ter  überhaupt  nid)t,  bei  Strafe  ber  eigenen  ^iechtung. 

3eber  foll  ben  jRatr)  unb  bie  Schöffen  allein  als  feine 
oroentlichen  dichter  ehren;  wer  ftd)  an  ein  geiftlichc$  Bericht 
in  ber  Stabt  ober  auf  bem  ^anbe  wenbet,  falte  er  ntd)t  vom 
ffiathe  an  baffelbe  gewiefen,  ift  baher  bem  föathe  mit  10 
SHarf  verfallen.  2Ber  etwas  tauft #  ober  verfauft,  ober  ein 
(£rbe  übernimmt,  muß  bieä  binnen  3  Sagen  vor  ber  Schöffen^ 
banf  angeben;  ebenfo  barf  9ciemanb  (SrbiinS  einridjten,  wo 
folcher  nicht  fchon  war,  unb  ©elb  auf  Jtauf  ober  Sßieberfauf 
nehmen,  wenn  md)t  ber  JRath  feine  ©enebmigung  ertheilt  bat. 
UebrigenS  hat  fah  3*bermann  vor  ber  Schöffen  banf  mit  Be 
fd)eibenheit  |ii  benehmen. 

•)  «Hur  auf  »icr  Seiten  bezeichnete  ffiürfcl. 


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310 


Stuf  Sftteineib  fleht  bie  Hedjtung  auf  SebenSjetr,  eb«u 
fo  auf  offen ilicbcn  ©cbmäbrcben  ^egea  Mitbürger,  wenn 
jefyn  fjeugen  »erlauben  ftnb,  wöbet  fem  Unterfaßtet)  bed  @e- 
febfeebtee  gilt. 

3eber  fott  auf  feinen  ©ürgereib  jur  ©eranfaßtagung  be$ 
©efdjoffcS  feine  fabrenbe  uno  (iegenbe  faabt  genau  angeben*). 

3n  ber  ,ftitd)e  foll  ficf>  3eber  rulng  verhalten ,  nid)t  her- 
umgehen, (Kiffern  unb  f<hwa$cn,  wenn  ber  sJ$rebiger  fpri<ht. 

Scientanb  barf  auf  Die  ©tabtfreihett  (Die  näajfite  Umge- 
bung «ttflerhaJb  ber  Dfingmauern)  bauen  ober  3<*unc  fefcen, 
bei  ©träfe  von  6  <#rofa)en,  faflö  nia)t  ber  fofortige  Vlbbrucb 
auf  feine  Jtoffcn  erfolgt.  3Öeoer  in  nod)  vor  ber  €>tabt  bür* 
fen  Abtritte  ober  Stbjücbte  auf  bie  ©ajfc  hinauf  an$dtqt  wer* 
ben.  Ungewöhnliche  3Bcge  über  dauern,  Saune  unb  Äerfer 
finb  »erboten,  ebenfo  bie  3öegführHng  »on  %£>olj  «Hb  Brettern 
and  ben  ^areben**). 

3nr  ©erbütmtg  von  geueränotb  barf  unb  ©trob 
nur  an  maßt  feuergefährlichen  Drten  aufbewahrt  werben. 
2Öer  barren  wiW,  foli  ba$  ftettcr  an$ünben  }m  3ubenfteit***), 
unb  anelöfiben  ftbenbä  9  Uf?v.  3eber  ftauewirtb  mujp  einen 
geuereimer  auf  bem  ©oben  unb  bei  ber  $audtf)ür  ftehen  Im 
ben;  befonberS  werben  bie  ©öttaßcr  unb  ©aber  baranf  aHf- 
merffam  gemacht,  fein  ^o()  unb  ©trof)  auf  ben  ©oben  ;n 
febaffen,  wad  übrigens  3ebermann  unterlagt  ift.  ©ei  6  ©r. 
©träfe  burfen  ©abeftuben  unb  ©arföfen  nur  $n  ebener  (Srbe 
eingerichtet  werben,  uut>  bamit  eine  Vtunuti  be£  Jeuerfl  wegen 
in  <Jkit>atw  Innungen  fei,  barf  biffe  ©abeftuben  nur  bie  Fa- 
milie tmb  ba$  ©eftnbe  benttfcen.  3n  ©ejug  auf  bic  fixere 
Aufbewahrung  von  .höh  unb  ©trof)  ift  Jebcanaun  angewie 
fen,  feine  nad)ften  ^Ktuditaaßparn  ui  n benreuten.  ©eint 
©raun?  unb  ©rirnfärben  fofl  man  ftd)  wr  Unglücf  mit  geiier 
befotrberä  hüten,  getterinaucrn  muffen  überall  gebaut  werben, 
©obalb  geuer  audfommt,  muß  bei  harter  ©träfe  fofortige 
Änjeige  erfolgen.  1  ann  bat  jeber  £au$wirth  einen  Wann 
mit  Sirt,  geuereimetn  unb  geuermaterial  überhaupt  jtir  ©raub- 

•)  «Bat.  oben  ©.  42,  wo  ber  frrtreffenbe  «rtiffi  toörtlidj  angeführt  ift. 
$te  6tabtgrafcen. 

•*•)  $ie  <5tiinbe  Äbenb*,  uon  toeldjer  an  fid)  bte  3ub«i  nid)t  mefjr 
auf  ber  §ttafct  fefjcn  laffen  burftett. 


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3H 


Hatte  ;u  fenben;  rieht  baö  geuer  weiter  um  fid)  ;u  greifen,  ift 
jeoei  .^.iiioiviuh  ;  11  in  Mbbecfen  fctncö  Jjpaufeä  wpflid)tet;  bie 
stabl  Oedt  tue  hteiauo  erwacfyfenben  Jtoftcn.  Damit  immer 
SBaffer  vonätbig  ift,  parf  baö  3Bajfer  auä  ben  3^öl;ibüttcti 
nur  }um  Jtodjen,  nia)t  jum  SBafcfyen,  verwenbet  werben,  ©eim 
ftuobrudje  be$  Sranbeö  fyat  ftd)  l'eber  9iöl)rmeiftcr  mit  beit 
jugewiefenen  beuten  an  ben  feiner  fluni  du  ubergebenen  Brun- 
nen iu  begeben.  Die  Jimmcrleure,  Trauer  unb  33aber  ftub 
nod)  befonberfl  pm  Soften  serpflic&tet.  Scr  ol)iie  Settungd-- 
material  $um  geuer  fornutt,  wirb  fortgcfd>tcft. 

lieber  bic  ,£u>d)jeiten,  Üobedf»iUe  unb  Grbredjt  ftnb 
auoruiulidn  Öeftimmungen  Vorlauben,  welche  V(uffd;luß  geben 
über  eine  sDteuge  merfwürbitjer  ©ebräudje. 

3unaa)jl  burfte  ftd)  $'iemanb  mit  einer  Jungfrau  ver 
toben,  bei  Strafe  einjähriger  fld)t,  wtber  2Bi(lcn  bei  (Altern 
ober  näcfyjien  $krwanbten.  Die  ^elferflfyelfer,  sJftanu  ober 
grau,  würben  noch  harter  beftraft.  Die  weitereu  Seftimmuu; 
gen  im  Sali  ber  ©enetymigung  einer  (£r)e  unb  ber  •.!  ••.  i: 
feter  ftnb:  2$or  ber  <&od}£eit  fotlen  \üd)t  mehr  als  je  10  per- 
lenen, nämlid)  10  Männer  unb  10  3ungfrauen*),  bie  &u 
Sermäfyleuben  in'ö  53ab  geleiten.  S3ei  ber  ^od)^cit  felbft  bür- 
feu  nid)t  t>erfd)iebene  iärten  oon  füttern  fein,  unb  nur  SBer* 
nninbte  unb  greunbe  $u  ÖJafte  eiugelabeu  werben,  and)  93e 
fynfö  ber  Ginlabung  Uitit  grau  Don  ,£>au$  $u  «£>aufc  gefeit, 
wenn  ftc  nid)t  autf  ber  vgtabt  gejagt  fein  will.  3"m  Srei- 
effen  oor  bem  ^tfd^eitdtage  buifeti  nur  &wci  greunbe  Kommen, 
unb  überhaupt  uid)t  mcfyr  alö  24  ^erfoneu  an  jwei  Üifdjen 
fpeifen**).  Xin  flbenbe,  wenn  bie  Statt  ftu  s3ette  geführt 
wirb,  follen  um  ^wölf  ißerfonen  ©aft  fein,  unb  nid)t  me()r  alä 
vier  ©ertaste  aufgetifdjt  werben.  Der  Unfug  mit  bem  Sioiu 
\tlu  uno  3ucfen>erftreucn  beim  3u(>cüfuf)rcu  ber  3kaut  wirb 
Titeln  mein  gebulbet.  ($'l)cgelb  \w  aatylcu  am  Sratitabcnbe  ift 
bem  Bräutigam  »erboten.  Der  ©ebraud)  be$  93rautr)itl)n$ 
oor  bem  üircfygauge  am  »£>od)$citötagc  foll  aufhören.  SBclm 


••)  spater  würben  beim  3kbe  je  jwulf  ^erfonen,  nämlid}  *roölf 
«Wanner  ober  Sunggefellen  bem  23räutiaam,  unb  jto&lf  Brauen  ob«  Jung- 
frauen ber  93raut  $ugelaffen. 

*•)  (*in  fväterer  3ufa|  genehmigt  für  bie  24  ^evfonen  fed)«  ©e; 
ridjte  mit  ber  ©eftimmuna,,  ba§  nur  4  $ebientc  juigcgcn  fein  follen.  Teu 
»irb  aud)  ein  britter  Xifit)  für'bie  «JCinbet  unb  iienerfdjaft  fleftattet. 


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312 




gcjte  fclbft  fallen  feine  febwereu  auälönbifdjen  5Öeine  ober 
frembeä  93ier  gereicht  werben.  (Sin  9(ad)tifd)  am  SBrautabenbe 
ift  ntdjt  gemattet,  $ad)'  bem  33abe  barf  fein  3unggefeüe  in 
einer  SBabefappe  tanken,  fonbern  3eber  foU  anftänbig  mit 
©amm^  unb  £ofe  befleibet  fein,  Sur  ben  £ocr/}eit6fd)mauf? 
biirfen  nict)t  mefyr  Stcd)c,  tfödjinnen,  3»"^«  «•  f-  <w 
nur  ein  Jtod)  ober  »ftörfjin  mit  einem  3ur^d)er  °^er  ^ncr  3u- 
reid>erin  fein.  bem  £pcf)jeit$f)aufe  foll  weber  Speife  noefy 
£ranf  verfd)itft  werben.  Sollte  3emnnb  au$  einer  fremben 
Stabt  freien,  fo  föunen  ben  fremben  ©äften  )H  (Sr)ren  »icr 
Xifdje  unb  am  Sage  nad)  bei  ^>o(^jctt  nodj  jwei  üifd)e  auf 
geftellt  werben,  eö  t>arf  jebod)  am  9?ad$od}$eit6tage  fein  ®dx- 
lifcer  zugegen  fein.  s!Öer  «£>od)$eit  machen  will  ober  gemacht 
bat,  barf  einen  3Rcnat  vor  unb  einen  Wonat  nad)  ber  «ftod>- 
jeit  feine  ©äfte  bei  ftd)  beherbergen.  3öenn  eine  «£>od)jeit  ge- 
feiert worben  ift,  foll  ber  ftudricfyter  berfelben  anf  ba$  5Ratl>- 
f>au$  fommen  unb  fdjworen,  bafj  9llleö  vorfdjrtftSmäjjig  gewe- 
fen.  Damit  ftd)  übrigen«*  9ticmaitto  in  biefen  93eftimmungen 
mit  Unferintniß  entfcf)ulbigen  fonne,  wirb  ber  *Ratl)  vor  jeber 
£od)jeit  $wei  fRattydverwanbte  in  ba$  ^o^eitöf)ait6  fc^iefen 
unb  bie  Öerorbnungen  befannt  matten  lajfen. 

Jtehte  Sed)$wbd)nerin  in  ober  vor  ber  Stabt  burfte,  bei 
Strafe,  ein  (Sjfen  vcranjtalten.  Der  bie6  geftattenbe  ^au*- 
vater  r)atte  10  Sdjod  ©rofdjen  33uße  5«  *af)len.  SKerfamm- 
hingen  bei  Sed)$w6d)ncrinnen  waren  überhaupt  nid)t  gemattet*), 
©efdjenfe  unb  ^Hilbringen  von  Sarfwerf  ober  Jtonfeft  für  bie 
SedjSwödjnerin  waren  verboten,  erftereS  bei  6  ©r.,  lefctere^ 
bei  10  Sdjorf  ©rofdjeu  Strafe. 

lieber  Xobeflfälle  unb  bie  (*rbfd)aft6regulirung  finbet  ftd> 
9?ad)ftel)eubeö  bemerft: 

Stirbt  ein  9Wann  unb  hinterlaßt  unmünbige  Jtfnber,  fo 
follen  ftd)  bie  .Schwager  berfelben  bi$  jum  30.  ttafyre  anneh- 
men, unb  gut  bafür  forgen,  baß  ifyr  (£rbc  unb  ©iiter  forgfdl= 
tig  bewahrt  unb  n\d)t  verfdjleubert  werben.  Sinb  feine  Scfywä* 
ger  vorfyanben>  ubernimmt  Der  föatf)  Diefe  s|^lid)t.  ^eiratbet 
bie  SBittwe  wieber,  fo  bleibt  baS  ©ut  ben  Jtinbern  beä  erften 
9Ranne6,  e$  fei  beim,  baß  fte  ftd)  juvor,  unter  ©enefymigung 


*)  @ratcr  fomiten  ^ödjften*  ad)t  Tratten  ober  Sungfraitcn  rine 
<Sfcf)*tood)nm'n  befucfyfn. 


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313 

bei  ftatM,  mit  ben  Jtinbern  ^ceini^t  hatte  ©owofjf  in  bei- 
gabt alä  in  beren  $orfiäbten  foll  beim  Xobeäfalle  ber  grau 
in  allen  $eftfcungen  bcö  verdorbenen  Wanne*,  wenn  tt>r  ber 
Wann  fein  terbe  au*qefefct  tjat,  ba*  »£au$gcrätf)  jnftef^en. 
3ft  itjr  ein  Qxbt  au$gcfe$t,  foll  fte,  angenommen  wollene  unb 
leinene  tfleiber,  treibe  ber  grau  allein  wftänbig,  mit  ben  ubri 
aen  Arbeit  ba*  (Merätfje  tr>et(eit.  Stirbt  bie  grau  bem  Wanne, 
fo  foll  er  vor  SUlem  ein  voUjränbige*  $ette  mit  bem  nötigen 
3nbebör  babcii.  £at  bie  grau  feine  9taa)laßbeftimmimgen 
getroffen,  fo  credit  ber  Wann  alle«  (bereif)  unb  $€11$,  wa$ 
Tie  wänrenb  ber  tffjc  angefeijafft  bat.  3ft  iebod)  ber  iWadjlaß 
georbnet,  unb  bem  Wanne  ityr  $fftfctfyum  ^igefcbrieben,  foU 
bie  Raffte  betf  Wcrätrje*  unb  <*tewanbe$  an  bie  ictytx  fom 
men,  unb  fo  fort  naa)  bem  <%abe  an  bie  (fnfelin,  Stfyroieger* 
mutter,  Schwägerin.  5Benn  äcine  von  ifmen  am  Seben  ifi, 
barf  ei  WM  behalten,  (*bcnfo  wirb  c$  mit  bem  9?ad)laffc 
einer  ®tttwe  gehalten.  Stirbt  eine  3ungfrau,  fo  behält  beren 
Wuttcr  if>r  ganje$  Gkrätr;;  ift  biefe  tobt  bic  Scfjwcfrer,  wän* 
renb  bie  £eincwanb  ben  näd#en  SBerwaubten  anl)eim  fällt. 
Äommt  ba*  (Herätf)  an  nnniunbige  äinber,  foll  ed  in'$  Stabt* 
bna)  vcrjeidjnet,  unb  bann  bt6  *nr  Wünbigfeft  im  30.  3<tf)re, 
ober  biä  ^ur  $$erfjeiratr)uug  aufbewahrt  werben.  3ebe  *ßcr- 
fon,  welche  Hurea)t  auf  ba<*  Oerätri  befifct,  fann  folc^e*  vor 
ber  Verwahrung  in  flugenferjein  nehmen. 

Dienfiboten  muffen  tr>re  3eit  abbienen.    Qkben  fte  felbft 
ben  Dienf!  auf,  werben  fte  feinen  fcofjn  befomnten  unb  in  bie 
fem  galle  auf  ein  3«hr  bic  ctabt  vcrlaffen,  e6  geigte  fid) 
benn,  baß  fte  ein  $ed)t  ju  93efcf)werben  gehabt  hätten.  3f* 
festerer  gall  nicht  vorhanben,  r)aben  fte  fein  stecht,  von  ber 

Sierrfchaft  Sor)n  $u  forbern.    Dlcnftbotcn  follen  nicht  in  Bier- 
üben  ober  auf  Xanjböben  geben.    DienfHeute  foll  9tiemanb 
bem  Änbcrn  abfvenftig  machen. 

Da  im  3  1440  bem  Stathe  ber  Äufwanb  in  «fflcibung*- 
ftücfen  $u  auffallen*  würbe,  unb  er  au*  biefer  Sßerfdjwenbung 
@efaf)r  für  bie  Woralität  unb  ^rbarfeit  ber  Einwohner  be* 
forjte,  würben  eine  föeifye  Verorbnungen  gegen  ben  Surud  er 
(äffen,  welche  am  heften  Sluffchluß  barüoer  bieten.  3"  ber 
Einleitung  ber  Statuten  über  biefen  ©egenftanb  f>ei0t  e$  uh$- 
brücfiich,  baß  bie  «£>offart  in  ben  JMctbern  bereite  |u  vielem 
Hergcrniß  unb  großer  Sittenloftgfcit  gefuhrt  ^abe. 


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3U 


66  foü  9iiemanb  Verbrämungen  nur  Ver&ierungen  über 
eine  ,hanr  breit  an  reu  äleibern  tragen ,  ebenfo  an  Wanteln, 
Rauben  nur  Gürteln,  Wentano  barf  über  feinen  <5tanb  unb 
feine  Wittel  ^eljvei  Im  am  unweit  anlegen.  Jungfrauen  unb 
grauen  bürfen  fernerhin  iticf^i  mein  hohe,  mit  perlen,  @tolb 
mir  (§bel)teinen  gezierte  Rauben  auffegen;  Die  grauen  tt)re 
jtinber  !Üd)t  mit  feibenen  Wntun  bef  leiben,  unb  nur  fttberne 
Gürtel  anlegeH,  tveUte  uicfyt  fernerer  ald  1 1 .2  Warf  (Silber* 
nur.  Wanner,  grauen  unb  Jungfrauen,  ohne  Untendncc  ob 
jte  au*  ©örltfc  über  von  außerhalb  nur,  bürfen  feine  Sd)ttä 
bclutnibc  anlegen.  Tic  llebenvürfe  ber  ffieiber  foUen  nur  von 
geinewanb,  itid)l  vou  ©eibe  unb  nnanrobn  ludern  cdnntte  fein; 
ebenferoenig  bürfen  fte  in  außergeivöfynlidieu  Rauben,  mit 
Aalten,  Verzierungen,  f)erabl)äitgeubeii  Räubern  Hnb  ^aarge- 
fd>  m  ei  De,  welche  ben  .Uovrrim  überlaben  unb  ut  fein*  erhohen, 
ftd>  fehen  (äffen.  Die  Jungfrauen  fyaben  ba*  Anlegen  von 
Vänbem  mit  goloenen  Winnen  \n  unterlaffen,  aud)  foUen  bie 
Wantel  unb  JKocfc  ber  Skiber  nur  fc  lang  fein,  bat?  fte  eine 
£aub  breit  von  ber  Srbe  ahfteben.  Die  Kleiber  ber  grauen 
unb  Jungfrauen  foflen  ftugefyäfelt  unb  am  £a(fe  niemals  offen, 
bie  Bermel  ihrer  @Jeivänber  nia)t  länger,  alö  eine  Wie  fein. 
Da*  8u*gef)e«  ber  grauen  unb  Jungfrauen  mit  entblößten 
Ernten  in  verboten.  Ueberhanvt  haben  fon>of)l  grauen  al* 
Wanner  ftd)  ungewöhnlicher  unb  neuer  Xradjteu  ;u  einhalten  ; 
and)  bie  Wanna  hinfort  anftatt  ber  feibenen  Voller  mit 
Schnüren,  «infame  £einwanbfad)cn  anzulegen.  9iad)  fed>*  ll!u 
ftbenb*  barf  fein  Wann  eine  grau  ober  Jungfrau  auf  bem 
©dritten  fahren.  $öer  wiber  biefe  Gebote  ver&6£t,  fei'* 
Wann,  grau  ober  Jungfrau  foU  8  ©djotf  ©rofe^en  Vupe 

2öer  feinen  Vierljof  befifrt,  barf  fein  Vier  fdjenfen,  na- 
mentlich iflt  bei  Verluft  be*  ©eträufe*  unb  fernerer  ©elbfmflc 
ber  »u*fd>aiif  fremben  Viere*  unb  Seine*  verboten.  Der 
Vörtcher,  welcher  anbere  als  vorfchriftfmäjjigc  Keifen  um  bic 
gäffer  legt,  foU  ba*  Bürgerrecht  von  Oörltft  verlieren.  Dr>nc 
„  (Srlaubnip  be*  ftathe*  barf  frembe*  Walj  nicht  in  bie  ©tobt 
fommen.  SRieutanb  foll  an  ©onn-  ober  gefttagen  Vormit- 
tag* dJäfte  bei  fia)  fehen,  unb  überhaupt  ein  Vierfachen  au* 
fteefeu,  aufgenommen  man  finge  an  heiligen  iagen  auf  ber 
©träfe.   Jefcer  fotf  fein  ^anbwerf  allein  handhaben  unb  nicht 


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315 


üebergriffe  in  anbere  $anbwerfe  machen.  Äur  nad)  bcr  Brau* 
orbmmg  imb  nia>t  über  bie  Safcung  barf  Biet  gebraut  wer* 
ben.  Xränfebter  barf  nur  bi6  ftum  I.  Wai,  nachher  nie  mei)r 
al*  A»ci  Waag  OTar^  -  ober  grifd)bier  «erreicht  werben. 
$opfcn  ober  betreibe  barf  Wiemanb  auf  bem  £alme  laufen, 
unb  !>aben  fia)  bie  Biereigner  bei  (Strafe  ben  gefcfcmäjngen 
Berotfcnungen  ui  fwgen.  2ßer  Bier  gefauft  fyat,  Darf  eS  nur 
in  bem  «£>aufe  oerfdjenfen ,  wo  folcf>ed  gefauft  i#.  S)tc  Brauet 
haben  itnwanbelbar  an  tfyren  ©ebräudjen  \\\  galten.  Huf 
©er#enmal$  fotten  nia)t  mehr  al$  vier  kalter  ©erfte  gesof- 
fen werben,  auf  ein  tteijj  Wal*  nur  *wei  Walter  SSaisen. 
Die  Wälder  fotten  mit  bem  gener  vorftdjtig  umgeben,  foldjeä 
nie  ohne  flufjid)t  laffeu,  niemals  mit  6päl)uen  leudjten  unb 
baraiff  galten,  baj?  ba$  Walj  nidjt  verborrc.  $fc  Trauer 
haben  *ur  angefefcten  3eit  m  brennen,  unb  wenn  fte  ©erften; 
hier  brauen,  vor  12  lUjr  Wittag*  bie  Pfanne  nia>t  weg$u- 
febaffen.  3cber  barf  feine  Warmbiere  auf  feinem  #ofe  felbfi 
brauen,  »ei  »erltifi  beä  Biere*  foUen  *u  einem  Warmbiere 
nid>t  mehr  al*  fcd)$  halbe  Ruber  genommen  werben;  fonft  fjat 
ber  Bicreigner  fea>*,  ber  Brauer  awolf  <*Jrofd)en  Strafe,  ab* 
gefehen  von  ber  ÄonftSfation  be*  Bieren,  *u  *af)ieu.  l«f 
ein  Xtanfbier  fetten  uid)t  mef>r  als  16  State!  fommen. 
ßbeirfe  bürfeu  auf  ein  SSei^roer  von  16  Viertel  nur  *wet 
£ampc(*)r  bei  SSerUtft  be$  Biere*  unb  C^elDftrafe  r  fommen. 
©er  fcd)$  Sranfbiere  braut,  fann  nod)  brei  ©elften  -  »nb  brei 
SBetfiHere  brauen  laffeu.  «3er  fünf  Biere  hat,  fann  brei 
Werften •  unb  ^wei  Stfelfcbiere  brauen,  wer  vier  Biere:  t>alb 
fterfien;  l)dfb  3öeiHbter;  wem  brei  ober  *wei  Biere  auflegen, 
fanu  nad)  belieben  9öei|j;  ober  ©erftenbicr  brauen.  2öer  bad 
©ai^enbier  verdünnt,  bem  wirb  ba$  $cd)t  genommen,  fallet 
ihm  ber  SRatf),  gegen  Bujie,  nicht  ver$eil>t;  cbenfo  wer  Betrug 
beim  Bierfchanf  fibt,  unb  juugeö  für  alte*,  fowie  umgefeljrt, 
»erlauft,  «Riemanb  foll  Warmbier  anber$,  al$  nad)  bem  be* 
frimmten  Waage,  bei  ©träfe  von  6  ©rofdjen,  oerfaufen. 
3um  Bortl>«ile  für  bie  Trinen  f ollen  von  bem  Samuel,  bei 
©träfe  von  G  ©rofehen  gwet  Wag  nur  fo  viel,  wie  ein*  von 
bem  guten  Biere  toften.   $>ie  Brauer  bttrfen  ba$  Braubau* 


•)  Der  9lad>qn6,  freier  tetma  Straft  ffat,  gegenwärtig  in  ©örlt& 
getrc^nlidj:  „"Sintfcl},"  frirtjer  audf  „€ang*tt*Ue"  genannt. 


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3lß 


nidjt  oerlaffen,  bevor  fie  ben  Sampel  unb  baä  SRärJsbitnnbier 
bu*d?einanber  geg  offen  fyaben.  Der  Üßrete  beä  SBiertelS  ©er* 
ftenbier  ift  35  uttb  be$  SBetßbierd  36  ®r.  ein  für  allemal. 
3ur  Suäfufyr  auf  bad  Sanb  foflen  bie  33iereigner  ba$  ©etränf 
in  Viertel  Riegen.  5Beiftbier  barf  nur  bi$  3or;aniii,  von  ba 
an  nur  9Rärj)bter  gefdjeuft  werben. 

Die  3$efrimmungen  über  bie  $al)l  ter  einem  93ierr)ofe 
äuftebenben  SMere  unb  ber  SMerforten  wedelten  mcfyrfacfj.  (£$ 
finbet  jicr)  unter  anbereu  in  ber  SBiUrur,  ba(j  bie  mit  12  Bie- 
ren Sewibmeten  jwei  SBeißbiere  verloren,  unb  ein  foldjer  8 
sJWäqbiere,  3  SÖcijjbiere  unb  ein  $räiifebier;  ber  mit  10 
Bieren  ^Berfe^ene:  1  Xränfebier,  2  Weißbiere  unb  7  ^Rärv 
biere  brauen  fonnte.  Den  £öfen  mit  8  Bieren  ftanbcn  4 
TDMrA*,  1  Xranf*  unb  3  Söeißbiere  $u,  ben  mit  6  Bieren: 
3  9Rär$*,  1  $ranf-  unb  jwei  äBeifibiere;  ben  vierbierigen: 
2  9Rär)*,  1  £ranf?  unb  1  Setßbier.  d$  war  nur  geftattet, 
biä  vierzehn  £age  vor  bem  Ofterfefte  $u  brauen. 

3m  3-  1 466  würbe  feftgefefct,  ba|?,  we(d>er  $of  6  ober 
5  9Rär$biere  fyatte,  baju  nad)  ©utbunfen  4  Xranf*  ot>er  3Beig- 
biere  brauen  burfte;  ber  £of  mit  4  ober  3  sJHärjbieren,  fonnte 
2  SBeijM  ober  Iranf  biere,  ber  mit  2  Bieren,  beliebig  $ranf* 
ober  SBetjjbier  brauen.  3m  3-  1467  würbe  beftiinmt,  bap 
bie  SMerfyöfe,  weldje  bafl  9led)t:  5  ober  6  9)car*biere  *h  brauen 
Ratten,  baju  nod)  gwet  Sränfebierc  unb  nad)  Sßiüfür  3Bai&en* 
bier  brauen  burften. 

"Sei  Aufhebung  ber  SMraugerecbtigfeiten  gab  e$  in  ©övlifc 
nur  53rauböfe  mit  neun  unb  fteben  Bieren,  wie  oben*)  erwähnt. 

3n  $ejug  auf  bm  £anbel#betrieb  Ijeipt  e*  in  biefer  593ittfür: 

Sin  ^eiligeutageu  foll  •Wiemano,  namentlid)  33ormittagd, 
betreibe  ober  <£>oij  verfaufen;  6onntagd  bürfcn  vor  ben 
j?ircr)en,  nodj  weniger  an  <£>eiligentagen,  feine  8d)Weine  verfauft 
werben.  «£>ot>fen  barf  nur  mit  bem  beftimmten  sJttaa£e  gemef* 
fen  werben.  8r*mbe3  betreibe  ift  nur  am  ©etreibemarfte  *n 
taufen  geftattet;  frembe  Käufer  muffen  ba6  gefaufte  betreibe 
aläbalb  »erlaben,  ofm*  eä  in  ber  <5tabt  aufhätten  &u  laffen. 

9lur  6old)e,  benen  ed  vom  ÜHatb/e  geftattet  ift,  bürfen 
ben  Äleinfjaubel**)  betreiben.  Jtein  £öfe  bgrf  gifdje  in  gäffern 


•)  @.  67. 

•)  JDet  9lu0biud  in  Un  Statuten  ift:  £0cfentt>erf,  $efcn. 


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317 


unb  ©efdßen,  Söilb,  Ädfe,  (Sier  uitb  fold)erlei  $Baare  verfau* 
fen,  wenn  nidtt  ber  3uftänbige  fein  3Rarftred)t  anfqegeben 
fyat.  3eber  gifc^er  foll  feine  $8aare  einzeln,  nia>t  in  ©emein* 
fdjaft  mit  einem  $nberen,  auf  ben  SRarft  bringen.  s)lm  %i)d)t 
unb  öäringe  barf  eigentlich  ber  Aöfe  SBormitiagd  feil  galten; 
vor  ftadjmittagd  wo  ber  Warft  gefa)iojfeu  wirb,  ufi  ifym 
niit)t  gemattet:  Sßilb,  (£ier,  Butter,  Stoffe,  <£>ül)ner  gu  faufen. 
SBringt  ein  (ftroßfyänbler  foldje  töSaare  erft  sJtad)mittagd,  ift 
ihnen  ber  (£nperb  berfelben  erft  am  auberti  borgen  erlaubt. 
Die  ^>öfen  haben  beim  gehalten  ftetd  ba$  richtige  ©tabt* 
tnaaß  411  gebrauchen-,  batf  Bürgerredjt  muß  von  ihnen  eben? 
fall*  erworben,  unb  wöa>entlia)  ein  ©rofd&en  ©teuer  bejaht 
werben. 

($nbUd}  iß  nodj  eine  Im  ciliare  Berorbuung  &u  bewerfen, 
wonach  3eber,  befonberö  auf  ben  itfrdjgängen  unb  3Rarftftra* 
|ien,  jur  angelegten  3^*  feinen  Junger  vor  bem  <£>aufe  weg« 
fahren  mußte.  Da$  Verbot  für  bie  Bäder,  ben  ©djweine- 
bünger  nia)t  vor  bie  Xhüre  ju  werfen,  aud)  nia)t  bie  ©djweine 
auf  ber  ©äffe  in  ber  Qhrbe  wühlen  (äffen,,  gibt  fein  befon* 
bere*  Bilb  von  großer  ÜRetnüdjfeit  in  VUt*®örli$.  Die  ©anwehte 
mußten  vor  bie  ©tabt,  jeboa)  fetneöwegö  in  ben  ©tabtgraben 
geführt  werben. 


Beteiligung  ber  ©tabt  bei  ben  Surfenfriegen. 

Die  Oberlauf^,  als  bem  böl)mifa>en  9teid)e  einverleibtet 
$anb,  mußte  in  ben  Otiten,  wo  bie  6jterreia)ifa)en  (Srblanbe 
unb  indbefonbere  Ungarn  bura)  bie  (Sinfdlle  ber  Xürfen  fehr 
ijcfä^rbet  waren,  nia)t  bloä  ©elbmittel  jur  Anwerbung  von 
tfrfegäfölbnern,  fonbern  and)  Äriegäfölbner  felbfl  gum  ^eere 
beä  JTönigä  ftoßen  laffen.  Da  biefe  Kriege  nicht  auf  fedjd^ 
ftdbrifa>em  (Gebiete  geführt  würben,  fann  ed  nid)t  f>ier  Abfidu 
fein,  weiter  alö  auf  eine  3ufawimenfieüung  ber  %al)vtr  in 
weiden  bie  ©tabt  (Dörlifc  mit  ir>reit  fea)öftdbtifa)en  ©a)wejfcrn 
jur  Beihilfe  aufgeforbert  würbe,  einzugehen. 

Da*  erfte  in  foldjer  Angelegenheit  war  bad  ©abreiben 

♦ . 

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be6  #önig$  $Blabiolaw  vom  $fmgftmittwod}  1496,  nun  in  er 
bie  ©ecfcölanbe  auffotberre,  rem  Röntge  von  *ßolen  wiber  bie 
1  mfcii  ^tlfe  ui  letflfn.  —  Süd  (Sultan  §u(eiman  im  3. 
1521  in  Ungarn  ei  ng  errungen  war,  forberte  Jtöittg  Vubwiq 
von  ben  6ea)$jtäbten  $war  Gruppen,  begnügte  fiel)  aber 
fdjließlich  mit  ber  3a^(ung  von  4000  (Bulben;  1522  bor  %ut>- 
wig  abermal*  auf  unb  erlangte  1524  von  ben  ober(auftyifd)en 
©tänben  eine  befonbere  (Steuer  bewiüigt.  1528  unb  1529 
mußten  fiel)  bie  Jtaujtyer  wegen  ber  dürfen,  weldje  befanntlia) 
in  legerem  Jahre  9ii$ien  belagerten,  bebeutenb  vüjtm.  3m  % 
1532  gefdiah  ein  neuer  (Einfall  ber  Surfen  in  Ungarn,  wes- 
halb von  <§)ör(i(  100  9Waun  rotl)  unb  weiß  gefl  eioete  £nea)te 
unter  ©eorg  :Kotbe\?  Leitung  nach  Ofen  Stögen.  (Steuern 
waren  ber  dürfen  wegen,  wieberholt,  in  ben  Jahren  1535, 
1538,  1542  ju  ;nMfii ;  1543  mußten  bie  6ed)£ftdbt«  I  nippen 
unb  ©efa)ü$  uaa)  Ungarn  abfenben,  ja  1546  eine  12proceutige 
Xürfenßeuer  jaulen. 

Ü>a  im  3-  1566  bie  ©efafyr  ber  dürfen  wegen  wud)6, 
würbe  wie  in  ben  tnerjiger  3af)ren  baä  abgefteüte  ©ebet  um 
Vlbwcbv  ber  Surfen  in  ber  ^eretofnebe  wieber  eingeführt. 
Vim  22.  3«li  b.  3-  (fielt  ber  Virei  \\\  ®örli$  auf  bem  (sal$- 
r;aufe  einen  Stanbfag  unb  befdjloß  bem  tfaifer  260  Seifige  ui 
fteUen,  über  weldbe  fpäter  ^Kufterung  auf  ber  33ier)weibe  ab- 
gehalten warb.  Xn'e  6täbte  Ratten  bae*  *Ked)t  erhalten,  nicht 
ferner  mef)r  SDJannfdjaften,  fonberu  nur  ©elb  ju  beren  ©efoU 
bung  $u  ftellen.  6ie  zahlten  bamal*  genteiufa)aftltO}  9000  (Bul- 
ben. 3m  3-  1572  mußten  fte  wieberum  wegen  Xürfengefabr 
für  ben  Äaifer  mit  72,000  (Bulben  Bürgfchaft  leiften,  ba  bie 
Stäbte,  noa)  fajwer  gebrüdt  von  ben  golgen  be$  ^önfaUeö, 
mein  im  (Stanbe  waren,  baareä  ($e(b  aufzubringen.  $$om 
ftäbtifdjen  viril  $ogen  bamald  Mehrere  $u  Selbe;  von  ($örli$ 
wirb  in  gleichzeitiger  (£f)ronif  Wemanb  genannt.  —  3m  3- 
1594  mußten  bie  6ed)dfitäbte  wieber  Xruppen  fteUen  nnb  hat- 
ten befonberä  fciel  burdj  geworbene  iBölbuer  m  leiben,  wela)e 
bura)  bie  6täbte  marfa)irten.  SBom  5.  sU?är$  1594  an  begann 
nen  bie  Inulmunube  bura)  ©örlifc.  1595  unb  1596  hatten  bie 
6ea)dftäbte  nach  Ungarn  ein  Söhnlein  tfnedUe  $u  fteUen, 
wobei  von  (Sörlifc  75  sJÄann  aufjubringen  waren. 


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Irittfs  lud). 


Som  ^onfaBe  biö  jut  Sefi^na^me  bct  Stabt  barc^ 

*ttt«©a#fen.   1547— 1636. 


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@rf*e«  Äopttcl. 

/ 

VerhanDlungen  mit  Ädnig  gerDinanD  von  Söhnten 
Sur  Iruppenftellnng  für  Den  tfrieg  gegen  3oj>ann 
grieDria)  v.  ©aajfen.  Herrath  Der  SanDfcfjaft  an  Den 
©täDten.  ^önfall.  Vernichtung  Der  fecr/*ftäDtifchen 
sJWad)t  DMrd)  föniglidjen  ©ewaltfprua).  1547.*) 

Wir  haben  in  Dem  vorigen  Buche  gefehen,  roeldje  SeDeu* 
hing  Die  ©taDt  im  15.  unD  im  Anfange  De*  16.  3ahrr)nnDert* 
f^atte.  $ei  Dem  beginn  Dt*  nun  ju  fd)ilDernDen  3eitrauine* 
fitanD  Die  ©taDt  auf  Dem  ©ipfd  if)rer  ©röfje;  aber  im  £aufe 
Deffelben  wurDe  fie  Dura)  unerhörte  Waa)rjprü<he  gu  9$oDen  ge- 
treten,  wichtiger  Privilegien  beraubt  unD  in  eine  große  <Bd}uU 
oenlaft  vermittelt,  weiche  allein  in  neuerer  3eit,  Dürer;  Die  Stei- 
gerung De*  ©runDe*  unD  93oDen*  paratyfm  worDen  ij*.  $>iefe 
betrübenDen  (Sreigniffe  ftef)en  übrigen«  nidjt  abgefchloffen,  verein* 
jelt  Da;  fte  finD  im  ®egentl)eil  auf*  3nnigfte  vcrbunDeu  mit  einem 
(*reigni<j  von  europätfer/er  Sßichtigfeit,  Dem  fdjmaifalDifcf/en 
Äriege. 

£>ie  ©ech*ftctt>te,  eingeDenf  Der  Eeftimmung  if>re6  ©un* 
De«,  gelten  von  Anfang  an  in  Der  Bezwingung  Der  föaub- 
fd)(öffer  unD  Vertilgung  Der  Strafenräuber  innia  jufammen. 
3m  ganzen  14.,  in  Der  Witte  De*  15.  unD  16.  3ar;rhunbert* 
hatten  fte  beftänDig  mit  ©trafjenplacfern  unD  Gittern  vom  ©teg* 
reife  ju  thun  unD  waren  unermüD(ia)  in  Dicfen  Befrrebungen, 

 7  

*)  ffletflf.  9tid)ter,  @efd).  be*  ^önfall«  ber  oferrl.  <Sectjöfi5bte.  9f. 
S*.  8R.  1835.  '9leumann,  ^Beiträgt  juv  @efdj.  brt  fdjmalfaibifdjen  Ärte- 
a*«,  bei  bö^m.  <Sntf»&rung  unb  bea  ^anfalle  im  9t.  SR.  1847.  audj 
Sefonbft«,  @örli*  1848. 

0ef<6i*te  ton  «örli*.  21 

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Huf  bcr  ©egenfeite  f>in^j  wieberum  ber  Abel  tf)eil$  wegen  all- 
gemeiner  3ntereffen,  trjcilä  wegen  weitverzweigter  Verwanbt 
j'chaftflbanbe  einig,  auf  bafl  (Sngfle  Mammen.  9Ba$  Den 
(Sincn  traf,  ba$  nahm  ftcf>  jeber  Rubere  au.  Die  Jpdrte  ber 
fönigl.  Scripte  unb  6d)öffen  in  ben  Statten,  weldjc  mancher 
3unfer  fenneu  gelernt  l;attef  erbitterte  bie  ilebrigen.  «Ütit 
(Gewalt  fonnten  fte  gegen  bie  ftet*  fampfgerüfteten  Stäbte 
nichts  ausrichten  unb  bei  Gewalttaten  gegen  bie  Dörfer 
mußten  fte  fdjließlid)  immer  ben  Schaben  crfe&en:  baljer  wdt)l* 
ten  fte  jur  Sdjwddjung  ihrer  gembe  ein  anbereS  Littel.  Sie 
quälten  bie  SWbte  auf  bie  manntgfaltigfte  SBeffe  burd)  De 
nundationen  von  angeblichen  Uebergriffen,  llngeredjtigfeiten, 
©efefcwibrigfeiten  fowol)l  beim  £anbv>oigt  ale*  bei  ben  Königen 
von  Böhmen,  il)xc\x  Banbcö^erren.  Namentlich  gefd;at>  bied 
feit  bem  Anfange  beä  16.  3a{)ri?uubertö,  unb  famen  baburdj 
bie  ohnehin  ben  gürfteu  ju  mächtigen  ©täbte  immer  mehr  in« 
fdjwarje  ©ud>  bei  #ofe.  SSBenn  aud)  gewöhulid)  alle  9lnfed)- 
tungen  ber  Stäbte  au  bereu  älughdt  unb  iljren  reichlid)  ge- 
fpeubcteu  ©elDmittclu  feheiterten,  hatten  bod)  bie  boc*^aften  bitter 
unb  £crren  vom  Saube  greube  barüber,  baß  ftdbtif^e  ftommif« 
farieu  unb  Deputirte  fortwährenb  auf  Reifen  fein  unb  bie  »er* 
haßten  9iäthe  unaufhörlich  SBerthcibigungen  liefern  mußten. 
Soldje  größere  SProjeffe  ftnb  in  ben  (5l)ronifcn  ber  Stabt  i>er* 
zeichnet  beim  3-  1489  (über  bie  »erfuhr);  im  3.  1508  (über 
bie  Steuer),  1511  u.  1518  (sJ)tünj|e).  2lm  meifteu  würben 
Übrigend  bie  ©tdbte  bei  ©elegeuheit  ber  Xhronbefteigung 
Köllig  gerbinaub'ä  von  ber  üanbfchaft  angefdjwärjt  unt> 
mußten  ftd)  bamulä  weitläufig  rechtfertigen.*)  Die  9techtfcr* 
tiguug  war  fcfjon  bamalö  fel)r  verwirfclt  unb  fet)  Wieda,  weil 
bie  Diitterfdjaft  feljr  fd)lau  bie  Sereitwiüigfcit  für  bie  «Kirchen- 
änberung  uud  beu  raffen  Hingang  ber  Deformation  in  Den 
Sed)$ftäbten  iu  bie  &nflagc  $u  verflechten  wußte.  Obwohl 
nun  ^önig  gerbinaub  uact)  langem  Srageu  unb  luclfeitigen 
Verantwortungen  Seitens  ber  Stcibte,  il;neu  bamalä  bie  tyxM* 


•)  £affe.  III.  f.  63  b  -  f.  433  b.  $iefe  «erfanblung  ifi  Mf)a\1> 
fetjr  nierffoürbia,,  weit  im  Saufe  ber  (frjtylinQ  eine  ^an^c  Steide  bipor. 
'Ibarfarijen  refiUutulirt  werben,  ftreilid»  unb  mdyt  aüe  Stnaaben  ridjtig, 
ba  verriebene  a,erabe;u  ben  Uvfunben  hnberfvrecfyen.  Qetfyalb  fearf  ba# 
bort  aufgekaufte  SWaterial  nur  mit  ^Drftdjt  beuu^t  werben. 

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323 


legten  wiederum  genehmigt,  ftd)  aud),  wie  wir  gefebtn  faben, 
bei  feinem  t3ef*d)e  in  ®örli$  im  3-  1538  fef>r  gnädig  gezeigt 
hatte:  war  dodj  der  Saame  bcd  SRijjtrauenö  in  feiner  »ruf* 
äitrürfgebliejben.  Die  unau$gefe$ten  VerbätyigMngen  der  Sanb* 
fc^aft  erweiterten  ben  vorhandenen  bi*  $ur  Jrfufü  und  da* 
aHerding*  zweideutige  (^ebalyreu  ber  Oberlaufs  vor  bem  fämal* 
faWfäen  JTrkge  werfte  im  tföuig  gerdinand  be«  (Sntfd^luß, 
fobald  olö  möghd)  beH  Uebermutl)  biefer  Untertanen  \u  brechen, 
wcl*e  fid>,  wenn  e3  |ti  Seiftungen  und  3al)iungen  fam,  bie 
Steuern  ftetS  abzwingen  ließen  unb  in  EewiUigungeii  un* 
gemein  fvrobe  waren. 

£>aj*  bie$  vor  bem  fdjmalfaldifdjen  Kriege  ebenfalls 
gefdjal),  war  ber  <*>rund  de*  Tonfälle*  von  1547. 

Seiend  ber  testen  breiiger  nnb  vierziger  3af)re  r>atte 
bie  Deformation  immer  mel^r  Eingang  in  ben  Sed)$ftädteu 
gefunden.  3nr  $€\t  de*  ^dufalle*  gab  e*  nur  no<f>  wenig 
Jtattyolifen  in  ben  Städten.  9tatf>  unb  Gemeinde  geborten 
bem  aug*burijifa>en  ©laubendbefenntniffe  an.  Dafyer  fanben 
aua>  bie  Vefard)tungen  für  ben  (Glauben,  wie  im  ganjen 
prot*jtantifa)en  Denrfctylanb,  befonder*  feit  bem  Äeligionöge* 
foräa)  jm  Degentfburg  in  ben  Sea)*ftäbfen  Verbreitung  unb 
förderten  da*  sJ0ci|jrrauen  gegen  ben  fatl)olifa)en  tfönrg,  ben 
Verwandten  Äaffer  tfarl'*  V.  9cid>t  miuber  war  da*  in 
bem  damal*  fer)r  reformirten  Vörjmen  ber  gaU.  Darjer  würbe 
bie  Stellung  ber  bötymifdjen  nnb  laufi&ifd)en  Stänbe  nad)  bem 
flu*fvrua>e  ber  9teid>*ad)t  über  Jturfiirfl  Johann  griebrid)  von 
Sadjfen  eine  fefjr  fdjwierige.  Die  läufiger  Sed)*ftäbte  fa)lu* 
gen  mit  ber  £anbfd>aft  ben  gefäljrlidjen  2tteg  ein,  jwifajen 
ben  93ö!)inen  unb  bem  Könige  au  ftetyen  unb  nnterfjandelten 
mit  beiden  Parteien,  wa*  $um  Verberben  der  Städte  um  fo 
merjr  Mite,  al*  die  bitter  an  tynen  ju  Verrätern  wurden. 

Sa>on  im  3  1546  forderte  Äönig  gerdinand  die  lau* 
ft$ifa)en  Stände  auf,  «fannfd>aften  *um  Kriege  gegen  So^atm 
griedrid)  ju  fteüen.  Die  Verhandlungen  gingen  fort,  bi* 
plöfclidj  ber  (Einfall  be*  Wann  griebrid)  in  bie  Weberiaufa 
im  3anuar  1547,  bei  welker  Gelegenheit  Dobrilugf  geylun* 
bert  unb  bie  Städte  ginfterwalbe  unb  Sonnewalbe  eingenom* 
mett  wurden,  ben  £önig  311  bem  Vefel)l  veranlage,  die  Städte 
foUten  mit  denen  vom  l'ande  in  die  Wedeilauftfc  jieljen,  um  die 
geinde  von  dort  ju  vertreiben.   Diefem  $efel)l  warb  nid)t 

21* 

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32  i 


©efyorfam  getriftet,  n>eil  man  —  wie  bie  ©orlifcer  in  ifyrer 
£krtl)eibigung£fa)rift  fagen,  —  Die  £täbte  nid>t  entblöße» 
wollte,  3n  Der  3wifd)cnjeit  war  in  33öl>men  ber  $(ufftanD 
auägebrodjen.  Jiöitig  gerbinanb  fyatte  ofync  ^3cn>tUt^uiif)  ber 
6tänbe  auä  eigener  sJWaa)tvoUfommenl)cit  ein  Aufgebot  von 
&riegdmannfa)aft  verlangt  nnb  auegefd)rieben.  $)ie  prager 
(Stäbte  wiber|prad>en  &uerft,  bei  welcher  Gelegenheit  ber  König 
feinen  Unwillen  gegen  fie  Äußerte.  $ie  ©emeinben  ber 
Wltftabt  unb  9teuftabt  <|}rag  unterftüfcten  ir>rc  Diatfye,  ja  fie 
erf (arten  auefüfyrlia) ,  baß  fte  ^öt)men  nidjt  mlajfen  unb 
nimmermehr  gegen  il)re  9teligiou6genoffen  in  Sadjfen  wtytn 
mürben.  3n  i?eitmeri$  fyatte  jid)  eine  Qkrfammlung  von 
(Stäbten  unb  Gittern  vereinigt,  weldje  beidjloß,  mit  bem  Kö- 
nige, jebod)  nur  gunt  leiblidjeu  (&d)u$e  beffelben,  in'ä  Selb  gu 
Siefen.  CDtc  93efd)luffe  fanten  übrigen^  wegen  ber  (£reigniffe  in 
s4>rag  nid)t  jur  Sluäfütyrung.  Mm  J3.  gebruar  traten  nämlia) 
bie  prager  otäbte  uodjmalä  mit  bem  $bel  au6  neun  Greifen 
Mammen,  verlangten  von  bem  .Könige  auf  gaftnadjt  einen 
l'aubtag  unb  vereinigten  ftd>  am  25.  gebruar  m  einem  <$cfyn$- 
unb  £ru&bnnbniß  wiber  3ebeu,  ber  bem  föntgl.  93efeble  vom 
12.  3anuar  gel)ord)eu  würbe;  bao  3Bid)tigfte  aber  war,  baß 
fte  unter  Kaspar  $fiug  v.  fliabeiifteiu  ein  Seobaajtungdforpd 
auffteüten.*) 

£>ie  läufiger  Stäube  errichteten  in  biefer  ich  &u  Sauden 
einen  2fu0fdjHß,  weldjer  bie  ^erfyaublungen  leiten  mußte  unb 
im  eugfteu  3iMammenl)ange  mit  Xeputirten  von  ber  ^Ritter- 
fa)aft  unb  ben  5täbten  ftanb,  bie  nad)  »^rag  au  ben  £of, 
jebeufalte  jur  $eobad)tung  beö  Königö  unb  Der  l'aubeäftim; 
mung,  gefdn'tft  worbeu  waren.  ßbglcid)  ityneu  nun  bie  ^or 
fälle  in  Böhmen  nid)t  unbefanut  blieben  >  rüfteten  fie  bod)  i(>r 
Kontingent,  freilid)  laugfain  unb  nadj  vielen  bitten  unb  Dro- 
hungen Oed  Damaligen  *?anbvoigt$,  3bi*la  93erfa  v.  b.  Duba, 
aud.  3)ie  Dfitterfdjaft  brad)  mit  i()reu  auf  gwei  sJKonate  be- 
willigten 11)00  Leitern  fdjon  im  3anuar,  bie  <Stäbte  aber  erft 
am  25.  gebruar  mit  ben  ebenfalls  nur  auf  jwei  Monate  $u* 
gefagten  500  2Rann  gußvolf  auf. 

Um  12.  3anuar'  1547  entwarfen  bie  ©örlifcer  erft  ba$ 
s^erjeid>niß  ber  3)iannf(fyafteu.    Darauf  ift  Die  3al)i  ber  ba* 


•)  $r(|fl,  OJcfdndjtf  »pit  Etilen  II.  €.  547-507. 

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325 

malä  uir  Statt  gehörigen  Dörfer  erftd>tlid).  ,(5*  ftno  fol- 
qente:*)  Xroitfdjenborf,  <Stangenf)ain,  ©enbifdjoffig,  $eubni$, 
fceuba,  9hfiatt>orf,  s)?icber-,£>«lhenborf,  ^oltenborf,  harter*' 
borf,  (#irbig$borf,  sl$faffenborf,  Jtumierroty,  Steunborf,  Sticiiu 
39iec)iti$,  grieberäDorf,  gubu>ig$t>orf,  Sohra,  9kunborf  (Weber), 
«Säbndjen,  Spree,  $rebu$,  Senzig  mit  bei  ^aibc  (alle  DtU 
fchaften  für  ein  Dorf  gercdjnet,  meldte  allein  . 90  statin  zu 
fteüen  hatten),  Sera)a,  Jtönigflbain,  Jtunneräborf,  ^iebftein, 
3obelf  tfiffa,  Sdjönberg,  £albeuborf,  Langenau,  «£>ermöborf, 
Sd)ii&enhain. 

Der  Vtu$fd)uß  in  Sauden,  foroie  bie  einzelnen  Stäbte 
ftanfcen  in  ber  ganzen  $c\t  im  lebhafteren  &riefroed)fe(j  nid)t 
bloä  unter  ftd),  fonbern  aud)  mit  ben  fd)lefifa)en  nnb  böhmi- 
fd)en  9anbftänben.  Die  Sajlejter,  intfbefonbere  bie  aue  ben  gut 
ftentbnmern  Schroeibnift  unb  3auer,  weigerten  ftcf>  auf  bad 
(*ntfa)iebenfte,  bem  Äönige  ,£)ilfc  zh  leiften.  Unterm  23.  sDfär$ 
erhielten  bie  Staube  ber  £)berlauji$  ein  Schreiben  ber  bor)mi- 
fd)en  Stäube,  ihrem  Sd)u(^  unb  Xru&bünbuiH  vom  13.  ge^ 
bruar  1547  beizutreten,  uno  ihnen  in  biefen  gafyrlidjfeiten  bin- 
berlid)e  «öilfe  nid)t  zu  verfageu.  9(nftatt  nun,  wozu  il)r  Eib 
jie  vcrpfltd)tete,  von  biefem  Sd)ritte  ber  Böhmen  bem  Äöuiae 
.Äunbe  §tt  geben,  unterließen  biee*  bie  Stänbe;  nod)  mehr,  ftc 
(durften  Abfctniftcu  an  bie  nieberlauftytfcheii  unb  f$(eji(d)eii 
Stänbe,  mit  ber  $itte  um  Xntftori,  was  jie  tyixin  *bun 
geDäcf)ten?  Die  9ucberlaujt&er  fdjirftcu  roieberum  ein  Schreiben 
i>ed  Jiurfitrfteu  3ohcum  griebrirt),  jid)  bei  ber  ^la)tvolliiel)ung 
&eö  Jiaifetä  gegen  il)ii  nid)t  511  beteiligen,  an  bie  Stäube  bei 
.Dberlaufty. 

Jn^wifa^en  hatte  jicf>  ber  Stanb  ber  Dinge  auf  bem 
Jfriegefdjauplafjc  in  Saufen  wefentlia)  geänbert.  "Sei  ber  An- 
näherung be£  Äaiferd  verließ  ber  unfluge  3ohann  griebria), 
welcher  erft  am  2.  9Jtärz  bei  9ioa)li$  fiegrcitt)  gewefeu  war, 
ba$  zur  3$ertbeibigung  günftige  Erzgebirge,  eine  tycfttien,  weld>c 
für  ihn  um  fo  widriger  war,  alö  er  mit  bem  aufgeregten 
Böhmen  nur  auf  biefe  3Beifc  in  ^erbinbung  bleiben  fonnte. 
(*r  &og  ftd)  an  bie  Elbe,  baö  meifjnifche  (Gebiet  verlaffenb. 
Da  nun  Äönig  gerbinanb  unb  ^perjog  s)3foriö  &.  Sadjfen  ftcf) 
mit  bem  Äaifcr  vereinigt  fyattm,  bem  Jiurfürfien  nacr/zt>gcn 


•)  «Reumann  a.  a.  V.  @.  43. 

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326 


unb  alle  $age  eine  (£ntfd)cibung$fd)lad)t  in  8bt*jtd)t  ftanb, 
orurfto  ber  Jionig  unterm  23.  8pril  au$  rem  gelblagec  bei 
*Ragwi$  an  bie  eberlauftfeer .  Stänbe  ben  2Bunfd)  au$,  tl>r 
Kontingent  nodj  \mi  Senate  länger  im  Selbe  ui  (äffen 
9tod)  vor  biefer  gfufferberwtg  fyatten  bie  <5täotc  ben  $aupt; 
mann  \\\  $au$en  gefragt,  ivao  er  mit  ben  $anbftänben  \m 
ihnen  gebädjtc,  ob  man  meht  lieber  bad  gujwolf  abziehen  unD 
bieä  @e.  9Äaj.  meloen  (äffen  folle?  'Der  Hauptmann  unt>  Die 
Sanbftänbc  antworteten  barauf:  ,,©ie  wollten  beefjalb  t>td>t  erft 
(abreiben )  fte  gebähten  iljren  Leitern  auf  einen  Wo  neu  nod) 
€>olb  $u  fdjirfen,  nadjfyer  nidjt  mer>r.  3fa  6teuergeli>  wäre 
weg;  wollte  naajfjer  no*  3emanb  umfonjt  bienen,  fo  möge 
er  e0  tljuen." 

Leiber  folgten  bie  Stäbtc  f)ier  nicfjt  bem  5kifpiel  ber  *Rit- 
terfdjaft,  weldje  wabrfef/einltd)  bei  biefer  Antwort  fa)on  ßunbe 
oon  ber  €5d)lad)t  bei  9feür)lberg  fjatte,  unb  biefe  9iad)rid)t'mir 
ben  6täbten  be$f)alb  oerfdjwieg,  um  fte  inö  SBcrberben  jh 
ftürjen. 

©enug;  bie  (Stäbtc  liefen  ifjrcm  gufwolf  ben  <Solb  au** 
jaulen,  worauf  ftd)  ba*  gufwolf  jerftreute  unb  wiber  ben 
Söunfcf)  be*  ÄönigS  baö  £eer  verlieg.  211$  bie  6täMc  ba$ 
€  abreiben  beä  ÄöniqS  befamen,  von  bem  fte  bebauten,  „e$ 
fei  ifmen  oon  ber  Ättterfdjaft  au  fpat  mitgeteilt  Worten/' 
brad)ten  fte  in  aller  Ctle  4000  (Hülben  jufaminen,  um  anberetf 
gHjh>olf  AU  werben,  fct>tcften  and)  mehrere  Sagen  mit 
t>iant  in  ba$  Vager  beö  itonigS  bei  Dre^ben.  (56  würbe  jebodj 
nia>W  angenommen  unb  bie  SBagen  famen  am  2.  3uni  mit 
tr>rcr  Labung  jurütf. 

Die  etdbtc  Nörten  hierauf  *u  tyrem  6a)rerfen,  wie  ber 
Jtönig  gerbinanb  gegen  bic  anfrürjrerifajen  33öl)inen  r>erful)r. 
©leide)  beim  Eintritte  in  93bf>men  mit  feinem  ftegreid)cn  £eere 
erlieg  er  ein  €d)reiben  an  bie  bof>mifd)cn  ©täube  unter  bem 
3.  3uni  1547,  welaje*  in  ben  €ea)öftäbten  allgemeine 
ftürjung  erregte.  Unterm  10.  3uli  fdjrieb  ber  9tatt)  $u  ®cr* 
Kfc,  fürdjtenb  bie  ©täbte  motten  ade  in'6  *8erberben  geratfjen, 
nad)  3ittau  an  ben  Statt),  mit  ber  Sitte  il)m  $u  utelben,  waä 
an  ben  ©erüd)ten  über  ben  »ufftaub  in  $rag  fei. 

33on  bemfelben  $agc  batirt  ein  53rief  ber  görlifcer  9(bacorb- 
neten  in  *ßrag,  ^etruS  6a)woffteim  unb  ©enoaüud  @erlad> 

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327 


(Damaligen  SpnDtfMä),  an  Den  Stall)  &u  Öörlifc,  mxin  Die  pra* 
ger  ßreigniffe  vom  5.  6.  unD  7.  3uli  gefdjilDert  werben. 

<Sm  9.  Vluguft  1547  erhielten  hierauf  Die  StäDtc  eine 
5$orlaDung,  in  s$rag  am  1.  September  (ßgiDi)  1547  vor  Dem 
Jlonige  $u  erfdjeinen  unD  vwar:  33ürgermeifiter,  JHttfyter,  $Ratf)> 
manner  in  Herfen  nebft  Vlbgeorbneten  am*  Dem  ^anDwerfer- 
ftanoe,  mit  Dem  33efel)le,  neben  Der  ^oUmadjt  von  Der  ganzen 
StaDt  nnD  ©craeinDc,  aud)  alle  Privilegien  unD  greirjeitöbriefc 
iu ii  ;ii bringen.  Die  görlifcer  UJollmadjt  tarne  vom  26.  Vluguft, 
unD  unter  Der  auf  und  gefommenen  2lbfd)rift  flehen  Die  üBorte: 
„fluf  riefe  s2>ollmad)t  l)at  man  am  Jtreuac  geftauDeu  unD  ift 
Die  StaDt  0>örli(j  wader  punirt  worDeu;"  am  Sd)luffe  Der 
Safc:  „s}*iel  lüJorte  geben  viel  Antwort  unD  Urfad)  l)icnad)  $u 
fragen,  bi$  mau  vom  Xeufel  jur  ^futter  fommer." 

3Äit  fdjwercm  $etyeu  reiften  Die  Bbgeorbneten,  auö  allen 
6ed)$ftaDten  81  ofyne  Die  StaDtDiencr,  ab;  fte  wurDen  in  Daö 
o|tentlid)c  .ttirdjengebet  eingetroffen  uuD  famen  Xinötagd,  Den 
30.  Vluguft,  in  s}*rag  an,  wofelbft  fte  in  Der  s<HltftaDt,  im  Waft* 
bofe  $um  tfödjer,  bei  äaepar  6ternaDe,  einfetten.  —  $ou 
Ojörlifc  gingen  f)in:  M.  jdfob  Rödler,  33ürgermeifter;  Rran$ 
£d>neiDer;  jor).  (fommerftabt,  ©fab.;  ^ieron.  Cappeler;  «öanö 

t ermann;  M.  *ßetr.  Sforlcr;  George  Mber;  Seit.  M.  ^etr. 
djwoffbeiiu;  tforen*  ^illebranDt,  gleifdjer  im  föatlje;  £an$ 
geuerbud);  Seidel  Breuer,  föotbgerber  im  9iatl)e;  TOd).  €d)mieD; 
(%org  SKeiDer;  M.  Servai.  (Merlad),  et?nDifud;  M.  ^aul 
Jtretfdjmer,  StaDtfd)reiber;  grans  ginDener,  <Rid)ter.  2ln6  Den 
gerben:  Litton  leicfymann,  lucbmadjer;  £aufl  *ßoge(,  s£äder; 
»lafmd  Venire,  edjujter,  Elidel  £illebranD,  gleifd)er;  unD 
SigmunD  peifcnet,  Krämer. 

SklD  nad)  Der  Ünfunfi  begaben  ftd)  Die  9lbgeorbneten  jutn 
SanDvoigt  Der  £)berlauft§,  3Diöla  $erfa  v.  D.  Duba,  gut»  baut^ 
uer  flmtetyauptmauu  Dr.  Ulrid)  v.  Woftifc,  unD  anDercn  9tatf)en 
beä  äöuigS,  ftellten  il)re  Unfd)ulD  Dar,  unD  baten  um 
wcnDung  beim  Könige,  wa$  gefrtmm  l)interbrad)t  wurDe  unD 
tf>u  nod)  mel)r  erzürnte,  Denn  er  meinte  eö  ginge  Darauf  l)er* 
vor,  Die  6täDte  Dädjten:  „er  wäre  im  Staube  Ungered)tigfeiren 
auszuüben."  Dr.  Ulrid)  v.  9ioftifc,  Der  ftd)  al$  größter  geiub 
Der  6ed)öftäDte '  bewies ,  rietf)  Ujnen/jeDe  $ertf>eiDiguug  &u 
(äffen  unD  ftd)  Dem  Äonige  auf  ®naDe  unD  UngnaDe  in  Der 
öffentlichen  Mubienj  *u  ergeben,  Deren  2lbweuDuug  fte  geraDc 


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328 


am  meiftcn  wünföten.  Dr.  Ulridj  v.  ftoftifc,  weCd)cr  neben 
fdmmtlidjen  Ütitterfdjaft,  von  ben  *Berf)anblungen  bet  oberlau; 
ftfter  ©tänbe  wdfjrenb  beä  fömalfalbifdjen  Kriege«,  ebenfoviel 
wie  bie  ©täbte  wußte,  unb  fxa)  eine«  gleiten  $erratr)6  fc^uU 
big  aemadjt  tyatte,  mußte  natürlich  wünfcfyen,  baß  fämmtüdje 
©trettfragen  nnerörtert  blieben,  ba  fonft  bie  ©d)ulb  ber  Otitter; 
fc^aft  nicfyt  verborgen  geblieben  wäre.  Selber  gingen  bie  ©täbte 
auf  biefen  tyeimturfiföen  «Ratr>  ein.  9htr  bie  ©dritter  überga- 
ben am  31.  Stuguft  eine  ^ertl)eibigungSfd)rift*),  welche  wafjr* 
fd>etnltd>  gar  nidjt  in  bie  £änbe  be$  JfönigS  gefommen,  jeben* 
fall«  von  ifym  ungelefen  geblieben  ift;  benn  fte  f)ätte  bei  if)m 
3weifel  an  ber  ©efinnung  ber  töitterfdjaft  erwetfen  muffen. 

sJcacr;  einer  allgemeinen  Einleitung  von  £reu*@elöbuiffen 
gel)t  ber  föatl)  *u  ®örlifc  auf  bie  verriebenen  fünfte  über, 
wef^e  in  ber  fönigl.  2(nflagefd}rift  gegen  if)n  anhängig  gemalt 
werben  waren. 

„©egen  ben  Vorwurf  M  tfönig«,  bie  ©täbte  l)ätten  fid) 
geweigert,  il)m  bie  aufgelegte  «ftriegöfteuer,  12  vom  üaufenb 
entridjten,  wirb  geantwortet.  911$  ber  fönigl.  Jtommiffar  auf 
bem  Sanbtage  in  kauften  Vl>n  ben  ©tänben  bie  (Steuer  ringe* 
forbert,  gärten  biefelben  ©e.  s3)iaj.  erfuhr,  er  möge  biefe  (Steuer 
nid)t  ergeben,  fonbern  itjnen  geftatten  bavon  bie  aufzubringende 
Jtiicgämannföaft  $u  befolben.  Die  Antwort  fyabe  babin  ge^ 
lautet:  ©e.  ÜWaj.  wolle  mit  Empfangnahme  berfelben  warten 
bt$  bie  Lüftungen  ber  ©täube  beenbet  feien.  9Benn  biefe  gut 
von  Statten  gingen,  würbe  er  nod)  einen  Ent|d>luß  barüber 
fallen.  2>a  nun  bie  Lüftung  gefcfyetyen  unb  fein  weiterer  93e* 
fef)l  ©r.  9Haj.  erfolgt  fei,  fo  l)abe  man  geglaubt  ©e.  9taj. 
fjabe  bie  Steuer  aufgegeben,  and)  muffe  ber  Hmtöfyauptmann 
au  33nbifftn  bezeugen,  baß  ftd)  ©örlifc,  ba  einige  Xaufenb  auf* 
zubringen  gewefen  feien,  nidjt  gefreut  frjabe  ber  ©tabt  Dörfer 
unb  @uter  p  verpfänben.  SBenn  in  ber  Anflöge  ftefje,  bie 
©tabt  fjabe  ©r.  9Äaj.  batf  ©teuergelb  veruntreuen  wollen,  fo 
wolle  ber  Jtönig  folgen  mißgönnigen  SMngebungen  fein  £>f)r  leiten. 

Huf  bie  «nfdjulbigung:  bie  ©täbte  Ratten,  um  bei  ber 
3af)lung  be$  Siergelbcd  billiger  wegaufommen  unb  bem  Könige 
biefe  ©teuer  jh  verringern,  ein  größere«  ©djeffelmaaß  ange 
nommen,  fagt  bie  ©tabt,  bie«  feien  ^erläumbungen.  Die 


')  9lfumann  a.  a,  £>.,  6.  94—109. 


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329 

(gräote  unb  ©örlifc  hätten  fcii  100  3<u)rtfi  ftd)  beö  großen 
<5(^effcl^,  it>ic  er  9Bau$en  gebrättcblid)  gewefen,  bedient ,  ba- 
mit  in  ben  ©edtöftäbten  ein  unb  baffelbe  sJÖiaa£  im  Vetfcfyr 
fei  Hnb  alle  ctäbte  biefelbc  ^aft  g(eid)tnäßig  trügen.  3n  neuerer 
3eit  fei  feütedwegd  ein  gröfieretf  <Sd)effelmaa(j  eingeführt  worben. 

Vluf  ben  Vorwurf,  bafi  fie  nad)  Äönigä  33efcl>t  nidjt  gen 
Dobrtlugf,  (sonnenwaloe  unb  ginfterwalbc  mit  ihren  Wann* 
fd>aften  gelegen  feien,  f  tonten  fte  nur  anfahrten:  ba|j  cined 
XfjeilS  ber  Umftanb,  bie  Weiter  foflteu  vom  gußvolfe  getrennt 
werben,  anberen  Xl)eil0  (Gerüchte,  ber  2le%f)ter  Johann  ftriet>- 
rid)  beabsichtige  in  bie  Oberlauilft  einzufallen,  weld)e  nad)  ?lb 
Aua,  tfyree*  Kontingente  fd)ti$(oet  gewefen  wäre,  fie  bewogen 
hätten,  bie  sJKannfd)afteu  bei  ftd)  ju  behalten.  Der  ^Imtöbaupt- 
mann  \u  93au$en  habe  fdwn  bamald  biefe  (tyrüube  <Sr.  sXfiQi 
angegeben,  wobei  ftd)  «£>Öd)ftbiefelben  beruhigt  t)ätten.  s2i*enn 
hierbei  irgeno  eine  <5d)ulb  obwalte,  müjfe  biefelbe  aud)  bie 
£anbfd)aft  treffen,  beren  Weiter  ebenfalls  nid)t  auc^aertdt  feien. 
(Snbltd)  fei  e$  wiber  bie  Privilegien  beä  9Narfgraftbumd  Dber- 
lauftfc,  außerhalb  ber  (Hrenjen  beffelben  ju  festen. 

2ßenn  ftcf>  <5e.  9Jraj.  barüber  befdjwere,  baft  fo  wenig 
£ned)te  gefommen  unb  unter  ihnen  teilte  gewefen  feien,  welche 
erflärt,  fte  würben  gegen  Scfyann  §riebria>  nid)t  Rieben ,  aud) 
ftd)  mit  Weben  gegen  <Se.  9taj.  unb  beren  Diener  vergangen 
hätten,  l)ätte  ©örlifc  ben  ihm  juftebenben  Vlmbeil  (170)  mit 
aller  ^otfjburft  verfeben  abgefd)idt.  Daä  betragen  ber  Änedjte 
habe  bie  €tabt  febr  befümmert  unb  wären  bamalä  bie  8d)ul* 
eigen  beftraft  worben;  flnbere  hätten  ftd)  freilid)  burd)  bie 
glud)t  ber  (Strafe  entzogen. 

Daß  fie  bie  Äned)te  nad)  ben  *wei  Monaten  entlaffen 
unb  bae  (Schreiben  6r.  ITJajeftät  vom  23.  Slpril  nid)t  berüd- 
fuhtigt  hätten,  liege  an  ber  verzögerten  Uebergabe  beä  fonigl. 
<5d)reiben$,  weld)ec*  ihnen  erft,  nad)bem  ber  (Solb  fd)on  aufl* 
gezahlt  gewefen,  jugefommen  wäre.  Die  Weiterungen  beä 
^lmtel)auptmannö  unb  baä  <Öener;men  ber  Witterfdjaft  in 
99aufcen  hätten  fte  jur  (Sntlaffung  ihrer  5Rannfd)aft  bewogen. 
SÜ  fte  baä  ©abreiben  €r.  s))?aj.  erhalten,  wäre  fofort  bie 
folbung  für  ein  neueä  gtöhnlein  itned)te  $ufammengebrad)t 
unb  aua)  ber  görlifcer  Wntheil  ohne  6äumen  entrichtet  worben. 

Die  33efe$ung  bed  Sd)loffe$  in  kauften  fei  ntcfjt  von  ben 
©täbten  vorgenommen  worben,  weil  man  gemeint  habe,  eö  fei 


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fdjablich,  bie  anbeut  <Sed>dfiät»tc  ganj  ohne  Sd)H$  &u  laffrn, 
namentlich  habe  baä  bei  göiltfter  Miat(>  für  augemeffen  eiad)- 
tet  mir  ^6f)a(d  bie  halteten,  £  härme  unb  gcjtungewcrfe  in 
reit  beftcu  ^ertbeibigungeuiftaup  fefcen  (äffen. 

3Senu  rui  r  Hirten,  iuäbefon rei  i  (Moilifc  iiad>i|cfai)t  würbe, 
fic  hatten  mit  i'euten,  weldje  „3ohanu  griebridj'ä  8elbfleid)cn 
führten,"  im  s}$erfehr  geftanbeu,  wüfite  ber  Math  hievou  nidjto. 
(Einmal  fei  ein  reitenber  Sotc  beä  Äurfürften  mit  einem  an 
bie  Stäube  betf  Warfgrafthumä  Hm  teuren  Briefe  gcfomuien; 
man  hätte  ihn  aber  gleich  von  (Morlifc  nad)  Mannen  ent|enbet. 
3m  Uebrigcn  fönne  et*  wo  1)1  vorgefommen  fein,  baß  eine  per- 
fon  vom  «ö^re  beö  ,finrfürften  um  bie  Stabt  bei  Hin  ober  )Uj 
fällig  burdjgcritten  wäre;  beut  *Hatl)e  fei  bavou  nidHc*  genieß 
bet  worben. 

Der  :K,nh  wiffe  bavon  nid)t£,  ba£  man  an  bie  Käufer 
ber  föuiglid)  (Gefilmten  (Balgen  gemalt  hätte.  £i>enn  il)m  ct- 
wa^  Derartige^  befannt  gewefen,  wäre  fold)  unleiblidjetf  Qic- 
bahren  beftraft  worben.  Daö  man  „Sd)anblieber  gefuugen 
uuD  Schmähungen  auf  ben  &önig  auegeftofjen  habe,"  fei  lebet 
rnebt  An  läugnen.  Der  Watl)  hätte  bie£  aber  m1 1 bieten  \mt> 
baä  Verbot  öffentlich  antrafen  laffen;  aud)  ben  V-Bua)verfäufern, 
welche  Schmählieber  gehabt,  ben  SBerfanf  unterfaßt;  ent>lid) 
habe  ber  präbifant  M.  Johann  pe&ftein,  ber  bffentlid)  von  ber 
H-.n,el  über  ben  Jtönig  unb  ben  Jtatfcr  Äarl  gelärmt  habe, 
ben  Befehl  erhalten,  nicht  mcl)i  bie  äaujel  ^u  hefteten  unb 
fei  entlaffen  worben. 

Die  provianMufuhr  fei  regelmäßig  unb  tabcüoö  erfolgt 
Dafj  Sr.  *JWaj.  Schreiben  über  riefen  punft  fo  fpät  nad) 
kauften  gefommen,  liege  nicht  in  ber  Sdjulb  ber  Statt  (Sortis 

Dem  r nophriu6  äiubifd)  habe  man  bei  feiner  $Bcrbung 
um  ^nea>te  allen  U$orfd>ub  gctfyan.  Daß  in  Öiörlifc  äinbifd) 
nicht  viel  Jtucdjtc  hätte  werben  fönneu,  liege  cinetfthciltf  bar- 
an,  weil  JUnbifd)  nur  furje  Mit  in  ber  Stabt  geblieben,  an« 
bererfcitS,  weil  fa>on  vor  feiner  ftnfunft  viele  ^ued)te  fidj  nad) 
Dredben  begeben  hätten.  3n  be$  >Katf)e$  (Gewalt  ftel)e  cö 
überhaupt  nicht,  freie  lebige  ÖJefellcn  mit  ©ewalt  aufzuhalten. 

Die  ganfcgäter  feien  ftet*  von  ber  Stabt  richtig  verftcuevt 
worben.  Daß  man  um  feine  Selefynung  naa^gefua)t,  liege  in 
ber  Stabt  Privilegien,  wonach  ber  fönigl,  Äidjter  unb  bic 
Schöffen  in  <&orli&  bie*  jte^t  gehabt  hätten.    Die  früheren 


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331 


&ontge  von  Söhnten  härten  ber  Stabt  ©brli$  unb  Den  ubri* 
gen  Sed)$jräDten  biefeö  Privilegium  erteilt,  wegen  il)ier  Ü'r)ä> 
tigfeit  für  bie  Sicherung  bed  ttanbfriebenä  unD  bamit  fie  im 
Staube  waren,  bei  betreff enben  Umftänben  fd>Uuni^ft  bitter 
bei  $anbeäbefchabiger  an  fid)  $u  bringen.  Denfelben  ©runb 
habe  bie  (*rtbeiUmg  bee  $Öeid)bilb*9ied)tcS  gehabt.  Diefe  Sanb- 
guter  allein  fyätjeit  e$  ber  Stabt  möglich  geuiad)t,  fteifige  flu 
siep  *u  fielien,  wie  mehrfad)  gefd)ef)en.  slßeim  bie  Stabt  bie 
(Einnahmen  au$  ben  i'anbgütern  nid)t  befäpc,  wäre  eö  ihr 
nid)t  möglich,  mit  fo  grojjem  @ifer  unb  vielfachen  Unfoften 
bie  Strafen  fid>er  m  erhalten.  Darum  wolle  ihnen  ber 
mg  biefe  Privilegien  unverfürftt  bewahren,  ba  bie  Stäbtc  burd) 
fie  *um  Sdjrecfen  alle*  unnüfcen  SRaubgeftnbel*  geworben 
vodren. 

Die  $Bilbbahn  in  ber  £aibe,  an  welker  lepteren  ber 
Stabt,  ber  Pohlen,  betf  ^oljicd  je.  wegen,  viel  gelegen  fei, 
wäre  für  Se.  sJRaj.  immer  im  Stanbe  gehalten  werben. 
2Öenn  gefagt  würbe,  fie  hätten  wtllfitr(id),  alö  wäre  ber  9tath 
fcanoeäherr,  erblofeä  ($ut  an  ftd)  genommen,  fei  ihnen  barüber 
md}t0  befannt,  ebenfo  wären  bie  angeblid)  verfd)leuberten  Mix* 
d)enfd)äpe  färnrntlid)  vorhanben,  wie  ba$  nad)  Befehl  aufge- 
uommene  Juventarium  nadjweife.  lieber  bie  geiftlicben  £el)cn 
unb  si$erwenbung  ber  (Smfunfte  gälten  fte  fd)eu  läugft  Sr 
sÄaj.  befehle  erwartet.  $3a$  bavon  verwenbet,  fei  nur  $u 
guten  3^«^"*  für  bie  Jrira)en  nnb  ^erbefferung  ber  Sd)ulen 
benupt  werben. 

Sie  bäten  ba^er  Se.  Sttaj.  um  gnäbige  Bewahrung  ir>rcr 
Privilegien,  wcld)e  flu  feinem  anbern  3wede,  ald  für  bie 
©repe  ber  Stabt,  weldje  ben  ©lan$  bed  Streue*  Sr.  9Jcaj. 
vermehre,  beftänben." 

3ßie  fdjon  angegeben,  fd)(ugen  bie  Stäbte,  auf  ¥litratf)fit 
ityrer  geinbe,  ber  ^ttterfa)aft,  ben  $ed)t$weg  nid)t  ein,  fonbern 
ergaben  fid)  auf  ©nabe  unb  Ungnabe.  Die  Strafe  ber  Störte 
hätte  nicht  fdjwcrer  fein  tonnen,  wenn  ihre  Sdjulb  int  sißcge 
ber  Untersuchung  an  bad  l*ir^t  gefommen  wäre. 

Der  5.  September  war  ber  gefiirdjtete  $ag  be*  ©erichtö, 
an  welkem  ihnen  nod)  bie  oberiaufiper  SRitterfchafr,  ftd)  auf 
©nabe  unb  Ungnabe  $u  ergeben,  wieberholte ;  ein  $eweiö,  wie 
fehr  bie  9fttterfd)aft  bad  33efa>reiten  beä  Dtecf)t$weged  freute. 

Hie  bie  Slbgeorbneten  ber  Stäbte,  vorgeführt  burd)  ben 


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332 


©efretär,  StyftyffgM  Die&,  vor  ben  .tönig  famen,  fanben  fie 
bei  ihm  feinen  <5ohn,  (frrsfyerjog  fterbinanb,  ben  53tfchof  Jo- 
hann v.  niniiiu,  ben  5Mfdwf  von  93reölau,  ^althafar  v.  sJhom; 
nifc  unb  viele  £d?lcfter,  Söhnten  unb  £aujt$er  vom  Vloel. 
33eim  Eintritt  nafym  Dr.  granj  OJörift,  'Öürgermeifter  \\i 
kaufen,  ba$  Sort,  nnb  bat  im  Kamen  ber  übrigen  <5täbte, 
wegen  ber  in  ber  fönigl.  Üßorlabiing  aufgehellten  Scfcfynttn? 
gungen,  bemütbigft  um  sl$er*eir)ung ,  wenn  fte  fict>  unbewußt, 
au$  <Schwad)l)eit  ober  Unverftanb  gegen  ben  $önig  vergangen 
härten,  inbem  er  ;n^lu^  (Srftfferftcg  fterbinanb  nnb  bie  anwe- 
fenben  föniglicben  Käthe  erfu.1)te,  ein  gutetf  &*ort  für  bie 
(Stäbte  einzulegen.  Kad)  biefer  ^Surebe  fielen  alle  &bgeorbneteu 
auf  bie  Jinie,  wo  fie  liegen  blieben  wär)renb  ber  gangen  faft 
breiftünbtgen  93eratl)ung  beö  töönigtf  in  einem  KebeiMimmer. 
2ll$  ber  i'aubvoigt  fyiMa  ^erfa  v.  b.  Duba  baran  erinnerte, 
baß  ber  SHutforucf:  „Uebergabc  auf  ßtnabc  unb  Ungnabe" 
nidbt  gebraudjt  worbeu  fei,  bat  Dr.  ®öri$  bieä  beut  Könige 
noct)  \\i  hinterbringen.  5ki  ber  Kürffunft  beö  Äöuigä  erflärte 
ber  $3ifd>of  von  Keiffe,  3afob  v.  ^romnifc,  im  Kamen  bee 
Aönigtf:  Der  Ä'öntg  wolle  bie  (Bräbtc  in  Betracht  bei  bemü- 
thigeu  Unterwerfung  ihrer  Htyeortmeten  unb  tu  Setractjt  ber 
fiir  fte  eingelegten  gürbitten  gu  ©nabc  unb  Ungnabc  anneh- 
men, obwohl  er  gefeinten  gewefen,  bie  ©adje  burd)  Auflage 
unb  53ertr)eibigung  ben  Kedjtäweg  gehen  tu  lajfen  —  ben  er 
ihnen  auet)  je&t  nod)  offen  laffe.  —  (St  befehle  ben  flbgeoro> 
neten,  biö  au  feinem  93efd>eibe  im  3tmnter  $u  bleiben. 

Die  <Btäbte  vermieteten  nedmtatö  auf  eine  s^ertheibigung 
unb  baten,  ber  Jiöntg  wolle  fte  babei  gndbigft  verbleiben  laf- 
fett,  worauf  jid)  ber  Jtönig  mit  feinen  Kätfyen  entfernte. 

Kacr)  Verlauf  einer  r)alben  etunbe  fer)rte  ber  6d)lof?- 
hauptmann  5Bolf  v.  Keut)att£*  (ober  Keufdjlej*  ?)  wieber  juvuef 
unb  führte  bie  flbgeorbneten  von  93aufcen,  ©örlijj  unb  Zittau 
in  bie  £arnifct)fammer;  bie  ber  übrigen  ,6täbte  in  ber  Köni- 
gin Aletberfammer,  in  ®ew«t)ifam,  wo  fte  ftreng  bewatit 
würben.  Kur  fünf  «bgeorbnetc,  barunter  graitj}  i'inbeuer  au$ 
©örlifc,  erhielten  ein  erträglicheres  @efängni$. 


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333 


&m  7.  September  eröffneten  bie  itommiffarien  be$  Königs 
©eorg  £$fd)epfe,  ®eorg  v.  l'uraun,  Vicefanjler  in  Vöbmen, 
Dr.  Ulridj  v.  XofHt,  $lmt6l)auptmann  ju  Vaufjen  nno  v.  l'ogau 
2lmtäl)auptmann  $u  £ctyweiDni&  unD  Jauer,  Den  (Stäbten  t>te 
6trafartifel  mit  ber  SBemerfung,  l>a0  alle  Verl)anblungeu  vom 
Könige  verboten  unb  mir  mit:  „3a"  ober:  „s)tein"  ju  ant- 
worten fei.        wurDe  vom  Könige  verlangt: 

1)  Ueberlieferung  alter  Privilegien,  DrDnungen,  ©afrim- 
gen  fowof)l  t>ed  iHatf)$,  altf  Der  3ünfte; 

2)  Ablieferung  alle*  ©eföüfreä,  pulver,  Munition  unb 
3ubet)ör; 

3)  liebergabe  aller  6tabt*,  £ef)it*  mit  Sanbgüter  mit  bei 
\    (Erwartung,  waä  Davon  freiwillig  werbe  $urürf gegeben  werben; 

.4)  Verpflichtung  ein  ewigeö  93iergelD,  von  jeDent  jii  ver 
brauenoen  <sdjeffel  görlifrer  sJttaaße$,  eiimi  weisen  @rofd»en, 
ftH  geben; 

5)  AuSantwortung  aller  ilir^enfleinoDien  unD  Darauf  be 
jügitdjeu  UrfunDeit  unb  jur  ©träfe  Dafür,  baß  Die  6täbte 
Äirdjengut  veräußert  unb  *um  gemeinen  Wu&en  verweubet 
bätten,  ein  8trafgelD  von  100,000  Neidjogulben  ü  60  tfreujer. 

6)  SBeftrafung  ber  Urljeber  unD  9iäDelefül)rer  fei  nod)  be- 
fonberö  vorbel)alren. 

$iefe  Strafartifel  unb  Deren  Vollaug  mußten  bie  ©tfbfe 
gdujlid)  ruiniren.  2)ic  niebergebrürften  Abgeoroneten  baten 
um  Die  (Srlaubniß  einer  befonberen  Skfprcdjuug.  Alle  Vor- 
ftellungcu  Dagegen  halfen  jeDod)  ni$t&  5)er  Jtonig  blieb  uu 
erbittlict^.  ©eine  !Rätl)e,  von  Denen  Dr.  Ulrich  v.  Stoftifc,  Der 
beim  :Ked)t0gange  am  meifteu  fompromittirt  gewefen  wäre,  fo- 
wie  Der  fönigl.  £ofrid)ter  ju  Vaufcen  unD  Wbau:  Wirfei 
v.  sJ)te$rab,  tebriftopf)  Burggraf  ju  'Dohna,  ©tanbeö^err  auf 
äönigöbrürf  unb  Der  baufcner  Äanjler  Oieorg  gritfehe  fid)  am 
böewilligfteu  benahmen,  wußten  Die  6täDte  Dem  Könige  immer 
aehäfftger  *h  macheu,  unb  ließen  eä  au  «£>ol)n,  Drohungen, 
ja  felbft  NJWißbauDluiigen  nicht  fehlen. 

Um  Die  baufcner  unD  jtttauer  Abgeorbneten  willfährig  ju 
machen,  fdjleppte  man  fte  in  eine  Art  von  tfloafe,  wo  fte  vor 
üblem  ©erudje  faum  ju  att)men  vermochten.  —  Daher  mußten 
Die  ©tabte  enblid)  unterfdjreiben ,  obwohl  unter  auberen  ber 
^ürgermeijiter  von  ®örli$  unb  Der  von  Vaufcen  fußfällig  um 
Abwenbung,  Der  nad)  Verluft  Der  Dörfer  unD  Privilegien  faß 

i 

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33  i 


unerf<f)winglid>ett  ©elbftrafe,  gebeten  Ratten.  9?ur  baä  crreiaV 
ten  fie  naa)  vielem  bitten,  baß  ba$  6trafgelb  in  gwei  Xer= 
minen,  bie  erfte  £älfte  nad)  3  3ftocr)en,  bie  jweite  nadj  jwri 
Senaten  gestylt  werben  folle.  60  unterjeidjneten  bemt  dm 
9.  6eptember  bie  unglütflidjen  Äbgeorbneten  baä  3$ernia)rungct- 
urteil  ^rer  <£eimatl)$orte  HHb  nodj  benfelben  $«g  reifte»  von 
jeber  €tabt  $wei  ber  entladenen  befangenen  naety  £aiife,  um 
bie  «olljiehnng  bed  Urteil*  emwleiteit.  9fad>  börlifc  reifte: 
granj  ©djueiber  uub  Widjael  €d)mibt. 

€a>n  am  12.  September  fameii  bie  Ungfürfdboten 
nad)  OHorlie  verfünWgteii  bie  etrafarrifcl.  Die  fünfte, 
inSbefonbere  bie  Surtmadjer,  Ijatten  noa)  m*(^r  vergeffen,  rote 
ber  9tatfy  mit  iljren  benotjen  beim  gufrufyr  von  1527  verfaß 
reu  war;  baß  iljnen  jefct  mit  einem  Silage  i()re  3unuug$* 
Privilegien  abgefprochen  waren,  Weigerte  baljev  bie  Aufregung  un- 
gemein. Wan  |0)ob  alfeä  Unglürf  lebiglia)  auf  ben  Natt),  nnb 
bie  3ufMnbe  nnirben  beäfjalb  fcl>r  fdnvierig,  weil  gerabe  bie 
gewiegteften  nnb  erfahrenden  au$  bem  9tatr)e  nnb  ber 
ineinbe  \\\  präg  int  Äerfer  faßen.  (Sä  wäre  beinahe  $u  neuem 
9lufftaiibe  gefommen,  wenn  uidjt  bie  gurdjt  vor  bem  nedj  ge* 
rüfteten  Könige  nnb  einem  Äommanbo  teuftet  11  i fd>er  Leiter 
bte  Wenge  wrücfgefjalten  Ijätte.  Söäfyrenb  nun  bie  befangenen 
in  Prag  nidjt  blo$  bura)  bie  Reiben  be$  tferferfl,  fonbern 
fonbertf  bnrd)  ben  Kummer  über  baö  ©d>tcffal  ifjrer  ©täbte 
fdjwer  litten,  fo  baß  in  ©örlift  baä  berüd>t  verbreitet  war, 
ber  s3ürgermeijrer  Möhler  fei  im  Oefängniflc  geworben,  Ijatte 
grauj  €d>neiber  nnb  Widjael  ©djmieb  große  stfotf)  in  ber 
bemeinbe  wegen  Aufbringung  be6  ®örli&  betreffenben  *n* 
t\)<i\*  beö  6trafgelbe$  von  40,000  Bulben.  <8iele  weigerten 
ftd>,  überhaupt  etwatf  beizutragen.  Darunter  gehörten  gerabe 
bie  3*erm5genbtfen,  wie  3oäa>im  grenzet,  peter  grenjel,  Stai* 
par  $ernr,  3afob  @mmeria),  ,£>einrid>  Sdjeußlid).  Die  beiben 
unglücflidjen  tfommiffiarien,  weldje  einen  ununterbroer/euen 
SBriefwed>fel  mit  ben  befangenen  in  Prag  unterhielten*),  mu^ 
ten  von  £au$  ju  $an$,  von  Dorf  $n  Dorf  )ier>eit  unb  über- 
all Ijinfdjreiben,  biß  fie  enblicfy  ba£  @elb  $ufammen  bwdjten. 


•)  ©.  a.  a.  £.  XXIX.  <B.  109.  XXXI.  8.  113.  XXXIII.  <3.  MG. 
XXXIV  ©.  117.  XXXVI.  @.  120.  XXXIX.  <S.  124.  XL  @.  12«. 
XLI.  6.  128. 

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335 


(*e>  »erben  ©laubiger  au6  S3öbmen,  6ad)fen,  Stießen,  ja 
felbj*  in  Der  €tabt  $ofen  auf^efü^rt,  bie  *u  bem  €trajgelbe 
beä  UüMualto  Stammen  lieben.  Die  Shifieguug  gegen  ben 
Kath  Münte  nod)  lange  fort.  üXan  fa^tc  mimlid)  rem  sJtatl)e 
nad),  er  tyabe  Die  £tiftungdfavttalieu  unb  bie  früheren  tyfm* 
einnahmen  verfd)leubert,  fonft  fönnte  er  ja  baä  ©elb  von  bort 
nehmen,  weldjed  ©erüdjt  befonberä  in  Vlufnabme  fam,  al* 
man  ftd>  genötigt  fal),  eine  «Steuer  von  5  ^ro$ent  ui  erbeben. 
s)Jic^t  minber  wie  im  3.  1527  gab  eo  wieber  Drobfrriefe, 
€d)mäb*ettcl  unb  aufrül>rerifd>c  2Naneraufd)(äge.  Hui  31.  £)f 
tober  (Stllerbeiliaen  Äbenb)  fauD  man  in  ber  grülje  folgenben 
3ettel  an  bei  flcatböwaage  angetragen: 

㨟nftiggeliebte  sperren!  &$ir  follen  Sdjafcgelo  geben  unb 
fyaben'ö  nietyt,  vom  iumbert  fünf  6djorf.  Storni  il>r  e$  nidjt 
felbft  geben,  ba  ed  (lud}  aufgelegt  ijit,  wa$  gebt  eä  uuii  an? 
3d)  benfe  3l)i*  wollt  gern  einen  iuifrufyr  in  ber  8tat>t  madjeu 
unb  wirb  e$  audj  faum  anberä  werben.  £ört  jefct  mit  (£p 
mafymtngen  auf.  ®ebt  etf  felbft,  ba  eö  liudj  auferlegt  ift. 
siöie  fommt  ed  benn,  baf*  anbere  6täbte  $$orratb,  3fyr  aber 
nidjtö  l>abt*?  3fyr  feib  böfe  ^auäljalter  für  bie  (*5emeinbe  ber 
(Stabt  ©örlifc.  3d?  glaube  3fyr  ^abt  e*  felbft  ver$ef)rt,  veref* 
fen,  vertrunfen,  verfpielt  unb  (£urc  Äinberbarauf  gelegt.  Wögt 
wobl  «£>erreu  bleiben,  baß  nur  Silbern,  bie  arme  ÖJemeinbe, 
muffen  arm  bleiben.  3*ber  bat  etwas  für  fit},  teiner  l)at  beu 
Stfeinfeller ;  ber  Anbere  baö  fd)led)te  €alj,  waä  nidjt  von  Jpalle 
ift;  ber  Dritte  (Sifcn  u.  f.  f.,  bamit  3eglid?er  etwaö  für  fid) 
wegfd)lcv»e.  £>  du  arme  ftrmuti),  wie  läßt  bu  rieh  bebrüden, 
al*  wüpteft  bu  gar  ntd)td,  wie  3a  unb  Wein,  ©ich  bid)  riub 
vor,  benn  bu  f annfit  auefy  Rubeln.  Somit  fei  Qtott  befohlen. 
(Sd  ift  nodj  $$iele$  i)ier  nidjt  gefagt,  waä  gefagt  werben  fönnte." 

Diefe  namentlidj  von  jwei  bürgern  Wartin  Sd>mieb  unb 
Xb»»na«  tfober  genährte  Unruhe  bauerte  fort,  bid  Äönig  ger* 
binanb  auf  vielfadjeä  Drängen  beö  9fatl)e$  von  #ug6burg  aue 
unter  beut  14.  Dezember  1547  ein  Schreiben  an  bie  ganje  (&v 
meinbe  ber  Stabt  ©örlijj  erließ,  bem  iWatl>e  in  9Uem,  waö 
nidjt  gegen  be$  Äöntgö  befehle  fei,  QJeljorfain  $u  leijlen.  Die 
bort  ernft  auSgefprodjenen  Ermahnungen  befdjwidjtigten  enb< 
lnl>  bie  03emütl)er. 

Die  Äuefübrung  ber  föniglicfyen  6trafartifel  lief  nidjt 
lange  auf  ftd)  warten.   Die  foniglidjen  Jtommlffarien,  weld)e 


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330 


am  13.  September  in  *l$rag  abgereift  waren,  unb  nadj  benen 
fid)  ber  Natt)  |M  tfauban  unter'm  17.  September  in  ©örli$ 
erfunbigte,  famen  Dienftagä,  ben  20.  September,  $lbenb$  8 
Uhr,  in  ©orlifc  an  unb  nahmen  Duartier  in  bem  Sßirtbö 


ber  Stynbifu*  Servatius  (Verlad)  unb  ftranj  tsdjnetber  nebft 
nod)  einigen  anbern  Sleltefien,  unb  e$  warb  lur  ^uäfütyrung 
gefdjritten. 

(£$  nahmen  bemtiacfy  bie  äommifiarieit  (Sfyrtjtopl)  $urg* 
graf  von  Dotyna,  Dr.  fcubwig  Sdtraber,  ber  Hauptmann 
SRiÄad  ».  Äünd>e»berg  (sJWut)er?)  unb  ber  £ofrid>tcr  Wtfel 
».  5xe&rab  bie  ^Barfciivorratl>c  ber  Stabt  ©ddifc  in  Empfang 
unb  [durften  fie  nad)  kauften.  (£$  waren  bieä:  2  fel)r  große 
Äanenen,  48  Stütf  fleinereS  @ef<bä(,  200  Doppelbaf en ,  200 
ganje  £afen,  200  Zentner  Pulver,  800  lange  Spieße,  400 
ipeüebarben,  $aritifct)e  für  100  Warnt  5u  floß  unb  300 
Staim  gu  S«P.  —  ^iefe  offizielle  ^lünbcruug  erftrerfte  ftd> 
aud?  auf  bie  goltcrwerfjeuge,  in  öegwg  auf  weldje  ber  tauf* 
ner '  HmWbauptmaim  Dr.  Ulrid)  «oftifc,  bem  binterbradjt 
fein  tollte,  cfl  fei  nod)  nid)t  «lle<3  ausgeliefert,  nod)  am 
15.  sD?ai  1548  einen  fpifrigen  ©rief  an  ben  Natt)  311  ©örlifc 
fdjrieb. 

Dann  würbe  iu  ben  Dorffcfyaften  fibergegangen  unb  al$ 
touigl.  tfommiffar,  bem  bie  Verwaltung,  (£inuef)ung  ber  lan* 
be$bervlid>en  Steuern  u.  f.  w.  übertragen  war,  Äaäpar  t>on 
hoffte  auf  Äotbenburg  eingefefct.  (*r  fdjeint  l>auptfdcf>(i<t>  in 
feinen  ©eutel  gewtrtbfd)aftet  unb  überhaupt  eine  t)öd)ft  unor< 
bentlid)e  Verwaltung  geführt  ftu  baben.  diu  Eeifpiel  bietet  ba* 
Dorf  ^eiitfg.  Dort  ließ  er  feljr  viel  $ol\  fdjlagen  unb  t>er 
laufen,  m  beißt  in  einem  »eridjt  vom  3.  1583,  bie  St* 
bererwerbuug  beä  Dorfes  ^enjig  l)abe  man  in  einem  33erid>te 
au  ben  Äönig  fd)on  im  3.  1553  bal)in  motwirt,  baß  bie  pen^ 


gang  ju  befürchten,  ber  ftäbtifdjen  £>berauf|idjt  nid)t  (Anger 
entbehren  fönne. 

Von  ben  Jfirdjenfleinobien  würbe  nur  baS  SkaHdjbarftc 
—  baf3  Silber  —  fortgeführt -v  baS  Uebrige  »erftegelt.  Vei 
ber  Stufnafyme  bei  Jttrd)cnfleinobien  in  ein  amtlidjeS  9iegifter, 
am  30.  November  1544,  waren  wjeidjnet  worben:  310 
Warf  =  2540  Sdjotf;  einigen  Vericbten  aufotge  betrug  baö 


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337 


©ewity  M  weggebrachten  ©Uber*  au$  ©örlifc  5—7  Sentner. 
Die  jurürfgelaffcnen  Äleinobten  fc^ä^tc  man  an  Söerth  auf 
5—60Ü  ©Hlben. 

Der  Jfonig  blieb  unbeugfam,  obgleich  ihm  nicht  verborgen 
fein  tonnte,  frajj  auf  biefe  2Öeife  Die  ©table  $u  ©runbe  gehen 
mußten.  Die  verrätherffche  *Ritterfd)aft  befam  jur  ^Belohnung  , 
für  ihr  treueä  Verhalten  mehrere  ben  ©tdbten  geraubte  Sanb* 
guter  gefc^enft.  2Benn  nicht  (Srjfyerjog  gerbinanb,  welker  bie 
ilnjichteu  ber  wcilanb  luremburgifdjeu  gürten  über  ben  28erth 
gewerbreidjer  ©tdbte  für  ben  ganbee%rrn  feilte,  fortwäfjrenb 
feinen  Stoter  nm  Skenbigung  bc$  graufamen  ©ebabrenS  gegen 
bie  ©ecbflftdlte  angegangen  wäre,  bürfte  fchwerlid),  noch  fo 
rafch,  als  bie$  gefchahf  eine  SBerbcjferung  be$  unerträglichen 
Drucfeä  eingetreten  (ein.  * 

9?ach  brei  unb  $wan*ig  Sagen  barter  ©efangenfcfcaft 
würbe  ben  eingeferferten  $(bgeorbneten  burd)  (£hn?fogon  Diefc 
angemelbet,  ber  Äöuig  gebenfe  ben  ©tdbten  einige  il>rer  <ßrt*  ' 
Plegien  auriief,  fowie  eine  (Shrenerfläruitg  ju  geben. 

Diefe  Urfunbc  würbe  unter$eichnet  am  1.  Dftober  1547. 
Doch  warb  baä  ©nabengefchenf  nid)t  umfonft  erteilt.  Die 
beutegierigen  födttje  beä  ÄbnigS  erpreßten  von  ben  au$gefoge< 
nen  (Starten  nod)  bebeutenbe  Summen.  Der  oberfite  £an$ler, 
Burggraf  4peinrid)  von  SKeipen,  verlangte  uic^t  weniger  als 
5200  ©olbgulben  unb  außerbem  10  *pro$ent  biefer  Summe 
für  bie  tfanjlei.  (Srf*  als  biefe*  ©elb  jur  ©teile  gefdmfft  unb 
50,000  ©Hlbeu,  bie  £dlfte  be*  ©trafgelbes,  von  ben  ©tdbten 
in  *ßrag  abgeliefert  war,  würben  bie  uncjlücf liefen  ©efange* 
nen,  abgehärmt,  im  ©djmufce  \)M  verfommen  unb  franf, 
auö  ben  abfeheulichen  üerfern  nach  £aufe  cntlajfen.  ©ie 
mußten  beim  Abgänge,  bem  ©chlofhauptmann  v.  9?euf)au$, 
noch  2%  Xbaler  für  ben  ÜJiann,  alfo  gegen  200  Zfyrttt  ®\p 
gebühren  befahlen.  • 

Die  ©tabt  ©örlifc,  welche  noch  befonbere  Summen  auf 
5Beftechung  ber  föniglidjcn  *Rätl>e  gewenbet  ju  haben  fcheint, 
erhielt  75  Briefe  unb  Privilegien,  freilich  alle  untergeorbneten, 
einige  nur  gefdn'chtlichen  Gerthe*,  jurücf.  Die  wichtiaften 
ber  jurüefgegebenen  waren:  bie  ©trajjcngerechtigfcit,  ber  30II, 
bie  ©tabtwaage,  3ahrmdrfte,  ber  SBaibijanbel,  fludbauäfchnitt, 
©aljmarft,  ©einfetter,  bie  Bierbrauerei,  bie  SBerfaffung,  ba$ 
$ed)t  bed  DlatheS,  ©ehorfam  von  ber  ©emeinbe  ju  verlangen, 

$ct<f?id;t<  *cn  QttU|.  22 

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338 


rnblicf)  SBavven  unb  Siegel,  atferbingö  ^rivflegien,  me(cf>e  für 
Den  bürgerlichen  gleiß  unb  bic  gute  3«<h*  *n  ber  €tabt  von 
großer  Sßichtigfeit  waren,  aber  in  feinem  SBerbältniffe  $u  ben 
endogenen  Diesten  flanben. 

3)ie  €ouveränitätärechte  fielen  färnratlid)  weg.  2>aö 
!JRätt$r«$t,  bie  freie  9cath$fär,  bie  £)bergeria)te  mit  bem  alten 
<5aa)|enrea)r,  —  bafür  mürbe  im  3-  1548$u  *ßrag  eine  9lppeüa; 
tionöfammcr  hergeßettt  — ,  bie  3«nfte  in  ihrem  frühem  SBe 
fen  tonnten  nicht  mehr  errichtet  roeroen;  enblia)  würben  fämnit 
ltd)e  (Hilter  ber  kärger  in  föniglid)e  VcIkh  verwanbelt  uno 
beftimmt,  Daß  nur  bie  innerhalb  ber  glurjäitue  gelegenen  Saiuv 
guter  in  Der  Stabt  ^Wttleibenheit  fte^en  follten. 

Die  genommenen  ^anbgüter  mußte  bie  Stabt  allmälig 
burO)  Äauf  wieber  an  fid)  bringen.  $)ie  föniglidpen  $äthe 
unb  «ftomiufffaritn  bereiften  bie  Oberlaufs  viele  3ö^te  nach 
bem  $önfa(le  von  1547  unb  mußten  babei  bie  ($täbte  §um 
5$ortheile  ihrer  eigenen  ©elobeutel  vortrefflich  auäjufaugen. 

Wm  metfteu  lag  ber  Stabt  OUnli  o  an  bem  großen  ®ute 
sj?enjig,  *u  welkem  bie  auSgebehnte  «£>aibc  mit  vielen  £)rt 
fdjaften  gehört.  sXad)  vielfältigen  ilnterhanblungen  gelang  eö 
ibrf  am  1.  9J?ai  1553,  Üßengig  fammt  ben  baju  gehörigen 
!X)orffchaften  „vfanbmei|e"  um  55,000  ©ulben,  gegen  einjährige 
Sluffänbtgung  weitend  be$  Jfönigä,  au  jicb  ui  bringen.  5)od) 
verfprad)  tytxbn  ber  Äonig,  faüö  er  ba$  @ut  roieber  auöiöfeu 
]o Ute,  um  ed  anberwett  ui  verpfänben  ober  ju  verlaufen,  ber 
<5tabt  ba$  ^orvfänbungS-,  event.  ä$orfaitfdred}t  \\\  gehalten. 
Die  (Stabt  borgte  $u  oiefem  üaufe  von  gabian  v.  £ $önaid}, 
Hauptmann  gu  (&agan:  1(3,000  Iblr.,  für  welche  (Summe  bie 
<§täbte  @(ogau  unb  $au(en,  fowie  ber  reiche  Bürger  3oad}im 
grenze!  auf  Jtönigelmin  bei  Gförltfc  Sürgfchaft  leisteten.  !Äm 
.20.  3ult  1556  überließ  enblich  ber  Jtonig  ber  (Stabt  cac  (Miu 
^en^ig  um  weitere  35,000  (Bulben  „erblich,,;  unb  im  folgen 
ben  3a^re  1558  entfagte  er  fogar  feinem  Sagbrechte  auf  ber 
£aibe. 

9lm  18.  2)egember  1558  würben  ber  3Hirger  ©iiter  auä 
bem  i'ebenäverhältmß  wieber  in  freies  Eigentum  umgefchrie* 
ben,  unb  mit  bem  11.  Sluguft  1561  hörte  aua)  ba6  läftige 
9tecbnung$legen  auf. 

S)ie  Einrichtung  ber  vom  Könige  revibirten  Statuten, 
welche  mit  bitterem  Sdjmerae  von  ben*  alten  Käthen  angenom- 


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339 


m eii  würben,  erfolgte  im  3»li  fce*  3a$te6  1548.  Sine  sBe 
fdjreibung  ber  @infül)rung$feierlid)f  eilen  in  ©örlifr  ift  nidjt 
»orbanben.  Dod)  bürften  biefelben  in  ©örlifc  wenig  aubeTä 
gewefen  fein,  alö  in  Den  übrigen  Sed)dftäbten.  2Öenn  wir 
analogifa)  jurüdgefyen  auf  bie  Beitreibung  ber  ($tnfür)rung 
in  Bausen,  V  ob  au  unb  «tarnen)*),  fo  wirb,  wie  bort,  ber  gange 
NKatto  unb  bie  GJemeiube  auf  bao  ^atbtuim?  gerufen  worbeu 
fein,  naa)  bem  (Antreffen  ber  fonigl.  itoramiffarien.  Dort 
munte  ber  alte  rKath  bie  Sdjlüffcl,  $etfd)afte,  ^kecjtfter,  Stobt- 
büa>er  u.  f.  w,  überantworten,  hierauf  hielt  ($iner  ber  stom- 
nttffaricn  einen  Vortrag,  nad>  teilen  Seenbignng  ber  neue  Dom 
Könige  auäerlefene  9tati)  sorgelefen,  unb  befleu  3Ritglieber, 
3eber  einzeln,  oereibet  würben.  Dann  würben  bie  neuen 
Statuten  wrgelefen,  unb  utr  &ira)e  gebogen,  wofdbfit  mau 
bad:  „§trr  ®ott,  Did)  loben  wir",  fang.  (£in  $efteffeu 
fdpeint  ben  Xag  überall  befd)loffen  vi  haben.  Der  Bürger 
meiner  M.  3afob  Rödler  mußte  bainalä  aud  bem  Rinthe  fd)et- 
ben;  feine  Stelle  warb  oon  ben  itommtjfarieu  burd)  ben  füg- 
famereu  unb  am  «Jjpofe  beliebteren  gram  Sdpieiber  erfe$t. 

Daä  Mcrtu  ber  freien  Wathsfnr  erhielt  bie  Stabt  am 
20.  3nni  1559  jururf,  unb  bie  geria)tlid)e  8bl)ängigfett  von 
*(kag  horte  mit  bem  12.  äÄär$  1562  auf. 

Die  Solgen  be$  föniglia)en  (Bewaltftreidjed  lafteten,  wie 
auf  allen  Secbdftäbten,  auch  fefjr  fd)Wer  auf  Ohm  Ü13  unb  foun 
ten  nur  mit  großer  Sorgfalt  unb  vielen  Dp  fem  ailmätig  »er- 
um utt  werben.  Die  au^erorbeut(id)en  Soften  unb  SBerlufte, 
weiche  burd)  ben  Tonfall  erwudjfen,  belubeu  bie  Stabt  mit 
erbrüdenber  Sd)ulbenlaft,  welcher  fte  erlegen  fein  würbe,  wenn 
md)t  ber  gütige  W ad)folger  gerbinanbd  I.,  jfaifer  s3Jcarirailian  Ii., 
ber  Stabt  ©örlifc  freunblid)  betgeftanben  unb  namentlur)  aua) 
burd)  Slbgabenerlajfe  ber  gebriitfteu  Commune  §ilfe  ge^ 
fommen  wäre.  > 


•)  6.  «eine  »eitrige  rtc.  6.  134  ff.  $it  «^reiben  ftn*  funmt« 
Ufr  an  ben  alten  ©urgermeifler  M.  3afob  mtUx  errietet,  «uö  Sauden 
fdjmbt  ta  ©tabtföreibfr  Scbann  GHotoifc,  (ig.  134),  anö  Äomenj: 
WOim  Vbt&tx  ('S.  137)  unt>  au*  8öbau:  £ieronnmu*  Äncll.  (®.  13»). 


22* 

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340 


ämette*  Äapttel. 

'Daä  görlifcer  granjiöfanerflofler  biä  jur  9fuf(6fung 

beö  flonvente*.  1563*). 

tvt?  ift  bte  auf  bie  neuere  M\i  bie  9tad)rid)t  am  iflofter* 
qeftubl  bei  ehemaligen  graiMi<3fanerfird)e  $11  ®örli$**),  baä  So- 
fter fei  im  3al)re  1234  burd>  einen  SRarfgraf  oou  Söranbeu- 
burg  gegründet,  alö  feftftel)enb  angenommen  Worten.  CErft 
Kuller  unb  nad)  ihm  3ct>ciü  in  feiner  ©efd)icfyte  Dei  A'auüpen 
Ijaben  3roeifel***)  Dagegen  erhoben,  weld)e  f)ier  naiver  in  (§r 
wägung  gebogen  werben  muffen. 

£ie  ereile  am  Üloftergeftiicjl  lautet  in  wörtlicher  lieber* 
tragung:  „3m  3afyre  beä  ^erru  1234  würbe  ber  görlifcev  grau-  ' 
jiäfanerfoiwent  begritnbet  burd)  ben  SWarfgraf  ui  $ranbenburg 
unb  van  im,  vor  ber  Stabt.  Unb  bie  Gelinge  genannt  SÖir- 
fing  haben  ben  trübem  ilu  (£igentt)um  jur  Manuelle  uberge 
ben."  Iie  barauf  folgenbe  Stelle  giebt  an,  bie  Älofteifirdje 
fei  am  21.  $fnguft  1245  burd)  SMfdjof  Jtonrab  i\  9)ki|jen  311 
(Styren  Üttariä  uub  befl  heiligen  Sranjtöfuä  geweit)t  worben. 

Tie  ®runbe,  welche  rcfyel$  gegen  bie  9ttd)tigfeit  obiger 
Eingabe  an  fuhrt ,  finb:  1)  fei  bamald  bie  Vanrin  nodj  nidu,  wie 
urfiuiblid)  teftftebe,  unter  bem  5Narfgrafen  0011  Brandenburg 
gewefen;  2)  ba  biefe  Angabe  erweiöltd)  irrig,  fei  auf  bie  ün 
gäbe  ber  2Beit)e  im  3af)re  1245,  aud)  niduo  ju  geben. 

?(Uerbingd  ift  ridjtig,  baß  erft  burd)  bie  ^aheuarbnna, 
£)tto'£  UI.  von  33ranbeuburg  mit  ber  ^iuiu-ihu  93eatrir  v. 
Lohmen  im  3at)re  1244,  ba  ber  Schwiegervater  üttoe,  Sto- 
nig  *ßremi$l  JDtofar  I.  v.  Lohmen,  bie  auebebungene  Mitgäbe 
von  10,000  sJÄarf  \\\  jaulen  außer  Staube  war,  im  sSege 
ber  Skrpfänbung  an  ben  $ttarfgrafeu  0.  Sranbcnburg  fam; 


•)  Duellen :  Xobtcnbud)  ber  gt'tlijer  ftranjiflfanermöncfye  uub  3a$r- 
büdjer  ber  $ran$i0faner  (am  .ftlofttfgefiüfyl)  tu  OJürlifc,  abqcrrucft  in  fern 
N.  8.  r.  Jus.  t.  I.  <5.  265—350.    Dberl.  Ürfunben  in  beglaubigten  %b 
fünften  auf  ber  Sibl.  ber  C$efeUfd).  ber  Üüifrenfdjaften  in  teUaii* 
9iotijen  in  ben  £tabünid>ern.    ^ilfemittei:  ÄnauUje'a  Sammlungen  u. 
feine  C^ef*.  bed  Gtorlifcer  Ütymnafiume ;  Ställe*'*  Äeformatienagefd}. ; 
^efdjecftf  $ret0f^rift  a.  a.  O.   vgl.  Umgangasettel  jur  t>.  JTreifaüigfeif. 
a.  a.  D.  p  3H. 
""•)  a.  a.  O.  fe.  356.  »gl.  Füller  a.  a,  £>.  6.  33. 


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341 


baß  mithin  obige  Angabe  am  Äloftergefruhl,  bie  fdjon  1234: 
„einen  ^Rarfgrafcn  Sranbeuburg  unb  Sauftfc"  fennt,  unrich- 
tig ift.  Die  3ttfd>rift  am  äloftergeftühl  rührt  *on  Sfleifter 
Ortulphu*  l)cr#  unb  ift  im  3abre  1484  unb  J485  gefa)ni&t 
worben,  alfo  über  jweihunbert  3ahrc  nad)  ber  ©rünbung. 
Dorf)  braucht  wegen  biefeS  3rrthum$  im  Kanten  bat*  3afyr  felbft 
inrht  unrichtig  \\\  fein.  war  uuW  unumgänglich  nothwen; 
big,  baß  sJHarfgraf  Dtto,  al«  Älofterfitifter,  fcanbedfyerr  fein 
mußte.  ($6  fommen  Seifptele  Bor,  baß  frembe  ^anbeö^erren 
im  fludlanbe  Beiträge  ;ti  ,tlöftern  mir  Jürchenftiftunaen  ga< 
ben,  unb  gerabe  von  bem  fei  ben  9Äarfgrafen  ift  ein  nuinhau 
ger  Beitrag  in  nod)  t>iel  fernerer  ©egenb,  in  ?iefianb*),  be* 
fannt.  Daß  man  gerabe  im  15.  Safyrfyunbert  eö  nid)t  fo 
genau  mit  ben  Xiteln  ber  Vergangenheit  nahm,  unb  anacfyro-  , 
nijitifa)  ben  Surften  einen  fpäteren  Xitel  vor  ber  betreffenben 
3eit  beilegte,  fehen  wir  auö  bem  8.  88.  b.  3B.  abgebrueften 
6d)bffennrtel  t>om  3abre  1499.  Dort  nennen  bie  Schöffen 
ben  im  3-  1346  gefallenen  Jtönig  Johann  v.  Lohmen  fdjon 
„^erjog  von  ©örltfr,"  wäfjrenb  bod)  bie  Errichtung  b.e$  £er* 
fogthumä  erft  breißig  3«l)tt  nach  bem  Xobc  biefeä  $önig$, 
im  3-  1376  erfolgte.  (Sollen  wir  auö  biefer  Verwechfelung 
auf  bie  Unrichtigfeit  ber  übrigen  Angaben  jeneä  merfwürtigen 
Dokumentes  fdjließcn,  weldjeä  in  ^weifellofem  Originale  vor 
und  liegt?  Ungeachtet  jencä  thatfächlichen  änrtfyumeV  im  Xitel, 
wirb  bie  ®laubwürbigfeit  beä  Schöffenfpruchö  burd)  llrfunben 
betätigt.  2ßa$  tytx  auf  baä  Schöffenurtel  belogen  wirb, 
fann  aud)  für  jene  JUoftergeftütjl  9tad)richt  gelten.  Die  Huf* 
finbung  ber  ©tiftungöurfunbe  be$  görl.  Älofterä,  welche  wal)i- 
fdjeinlid)  im  baufcner  Domarchittc  liegen  mag,  ton  nie  bie  alleinige 
(Sntfcfceibung  herbeiführen.  Daher  halle«  wir  an  ber  Angabe 
be$  itloftergeftüblä  feft;  benn  fte  würbe  ftcherlitt)  im  3-  1484, 
auf®ruub  be$  Xobtenbuchetf  eittgefd^nt^t,  weld)ce*  bie  Sßeih-Sln* 
gäbe  nod)  Deutlicher  enthält  **)  feine  Verglcichung  ber  Driginal- 
hanbfehrift  beweiji,  baß  bie  Schriftjüge,  welche  bic  Angabe 


•)  Riede),  cod.  dipl.  Brandenburg.    2.  £auW*f>.  I-        ©.  20. 
Tit  SWarfgrafen  3oljann  u.  £tto  v.  ©ranbenbnta,  fd}cnfrn  bem  Abfei 
Tunamünbe  in  Sieflanb  30  £nfcn  Sanbe*  in  Xramyifc  unb  ebeiifoviel  in 
SCcaclin,  am  6.  3anuar  1238. 
")  a.  a.  £>.  @.  300. 


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342 


bringen,  in  ba$  (Snbe  beS  14.  3ar)rfnmfcert$,  alfo  t>tcl  oor 

Drtulpfjnä,  fallen. 

S)ad  Softer  ftanb  nad)  ber  Stiftung  aitßer^atb  ber 
©tabt,  beten  Ringmauern  er(*  im  %  1255  bis  an  beit 
fumpftgen  ©runb,  wo  jefct  ber  $cmianipla|  ftef>t r  erweitert 
würben. 

5)a#  $f)or,  irc(d>c0  naa)  bem  Jtlofter  führte,  würbe: 
Sriibertfyor  genannt,  wie  aud)  bie  „Srübergafte"  nadj  ben 
granjiSfanerbrübern  tfyreu  tarnen  erhalten  fyat. 

Qtye  jur  @efa)ia)te  ber  Jfciojterbriiber  felbjt  übergegangen 
wirb,  [teilen  wir  bie  9cad)rtd)ten  über  ben  Sau  unb  bie  Säum 
licfyfeit  beä  merfwürbigen  ©ebäubeä  nebft  Der  ßird)e  ^ufammen. 

Sei  ber  Segrimbung  war  weber  ba$  Softer,  nod)  bie 
Mhty,  welche  ui  (Sfjren  2Rariä  unb  ©t.  granciGci  geweiht 
würbe,  fo  grofj  wie  je$t.  ftnfangä  beftanb  e$  aud  $wei  im 
(Heoiert  aufgeführten  ©ebäuben,  umgeben  t»on  einer  an  ber 
$)corgenfeüe  bei  ber  Mixtyt  beginnenben  SWauer,  welctye  fid) 
bann  gegen  StHtag  mit  einem  bebeeften  ©ange  wenbete, 
unb  am  Dbermarfte  enbtgte,  wofelbfit  burd)  ein  Xbor  ber 
§auptemgang  in  ben  äonoent  war.  Si$  )um  3afyre  1255 
geborte  baju  von  bem  jetzigen  Obermarfte  ein  gro£e$  S tuet 
l'anb,  weldjeä  oon  ben  ÜJtoncben  junt  (Gartenbau  eingerichtet 
war,  mit  (Erweiterung  ber  (Statt  jebca)  wegfiel.  Die  erftc 
größere  Seränberung  ber  SaulicMeiten  erfolgte  im  3.  1371. 

21.  s3ttär*  1371  würbe  im  Softer  bie  Malier  be$ 
alten  Sfyorcö  um  Jen  hoben  biliar  eingeritten,  unb  am  15.  $)?ai 
ber  ©nmbftem  gelegt;  am  9.  8uguft  würbe  baä  neue  Refef- 
torium,  bedgleidjeu  baö  @aftt)au0  nebft  bem  ^embnlum  unt 
beren  Umgebung  gewölbt.  Tie  .Uucbe  ging  anfangt  nur  bis 
an  ben  jefcigeit  Sogen,  bamalä  würbe  [tc  verlängert  burd) 
ba$  jefcige  (»fjor  unb  batf  Elitär,  unb  bie  jtanonifat$;©tüt)lc 
angebracht,  in  benen  bie  Wöncbe  wäfyrenb  ber  fanomftyen 
©tunben  ftanben. 

Seim  Sau  befl  .ftloftcrS  $og  man  an  ber  Stargenfrite 
ba$  ©ebäube  bis  an  bie  fttrctye,  errichtete  jwei  Xreppen,  eine 
beim  Mtav  in  baö  obere  Xabulat,  unb  eine  SBenbeltreppe  auf 
ben  Äirdjboben ;  an  ber  9Ättternaa)tfeite  warb  ein  <£ang  vom 
Stabttlat  auf  bie  (imporfirdje  gebaut.  $)iefe  X^ure  nebp  bem 
genfler  bei  ber  Drget  ftnb  oermauert  worbeu,  al£  in  bem 
anftojjenben  @emaa)  bie  Sibliotfyef  hergefteHt  warb,  ©egen 

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343 


ÜNbenb  würbe  bie  große  Stüdjt  unb  baneben  ber  jefcigc  £örfaal 
ber  1.  Älaffe  nebfi  ben  Mben  6torfweifen  angebaut  HÜ 
bte  Barbarafapelle,  im  3-  1385  gebaut  warb,  vcrbanb  man 
biefeS  ©ebdube  mit  bem  Jtlofier,  fo  bafi  ber  dunere  Älofterfjof 
bie  ©eftalt,  wie  gegenwärtig,  erhielt.  3>ie  jefcige  sJteftorwol)- 
nnng  war  urfprünglid)  baö  ©afiljauS,  au  weldjed  nad)  unb 
nad)  bie  ©ebdube  gebaut  würben,  welche  ben  inneren  Jtlofter^ 
hof  biä  nabe  au  ben  ÜWarfiall  einfd)loffen.   3»  biefen  innern 

tof  würbe  ba$  Salomonöwaffer  im  3-  1489  geleitet.*)  $ie 
Deüeute  fdjenften  bem  Älofter  £ol},  steine,  Jtalf  unb 
ließen  burd)  uuentgelblid)e  gurren  bad  Baumaterial  t>eibct- 
fürtreu.  Biete  9totijen  über  bieje  Bauten  ftnb  nod)  vorljanben. 

1376  errid)tete  Ulman  r.  ©erSborf  ein  flltar  im  El)ore 
nad)  Mitternacht  unb  ftattete  eö  mit  35  SKarl  au$;  aua)  warb 
bamaie  ba$  «Uar  im  Umgange  errietet;  1381  würbe  ber 
(£l)cr  sollftdnbig  umgeberft;  1382  würbe  bie  Drgel  im  <£f)orc 
gebaut  unb  bie  t»ter  ©laSfenfter  im  Efyore  angebracht;  1383 
würbe  baS  ÜJcarienbilbnit*  gefertigt;  aus  bem  3af)re  1450  ba- 
tiren  bie  ©ewblbe  ber  JUofierfirdje;  1476  traten  bie  Brüber 
ben  ÜJ?öncf)tl)urm  an  bie  €tabt  ab,  wofür  ir)nen  bie  €tabt 
über  bem  Marftalle  ein  Sefret  bautt.  3n  biejem  3al)re  wur* 
ben  nod)  serfcrjiebene  Reparaturen  an  ber  Aitdp  unb  bem 
Afaßet  vorgenommen.  1508  warb  auf  ber  Älofterfird)c  bie 
©ibelmauer  naa>  bem  reia>enbad)er  Ztyoxt  neu  gebaut. 

Wad)  ttolienbetem  ^weiten  Bau  war  folgenbe  Einrichtung 
im  älojter.  6obalb  man  burd)  ben  Eingang  (vestibulum)  in 
bae  untere  6torfwerf  trat,  führten  jwd  Scnbelgängc  in  ben 
Äreu^gajig.  Dort  war  jur  redeten  £anb,  im  £örfaale  ber 
1.  älaue,  ber  epeifefaal  (refectoriuui),  r$eld)er  fpdter  nad) 
ber  2.  klaffe  verlegt  würbe,  währenb  man  bac3  große  3im'nct 
in  einen  Betfaal  (oratorium)  verwanbette.  8u0  jener  3cit 
batirt  ba*  Jtruaiju  über  bem  Eingange  jur  s4$rima.  9ceben 
bem  oratorium  ift  bie  ehemalige  tfüd)*  (iety  ein  £olaf)au$.) 
Sieben  bem  8petfefaale  befanb  ftd)  bie  Babeftubc  (vaporarium, 
baineum),  je&t  6d)ulaimmer  ber  4.  klaffe,    ©el)t  man  im 


•)  N.  S.  r.  Lus.  II.       6  fcergtidjen  mit  einer  Urfunbe  bed  Drben* 
muiifrer«  Siibtoig.  d.  d.  18.  ^eeember  1490,  in  welker  getobt  fcirb,  baf; 
bie*  fflnffer  mir  *um  Äedjen  unb  Xrinfen ,  nid)t  Jttti  Saften  «nb  ©aben 
gebtfttid^t  »erben  foUc.  , 


344 


®ange  weiter,  fo  trifft  man  red)t$  auf  'eine  böipvne  Xreppe, 
w>eld>e  in  baä  jweite  Stocfwerf  füf>rt.  Dort  mar,  wenn  man 
bie  linfö  abgebenben  «Stufen  erfitieg,  ber  Jtranfenfaal  ber 
Mönche,  unb  ba$  anftojjenbe  ©emact)  (bi$  $um  3.  1837 
Öutnta)  £ol«iraum  für  biefen  «Saal.  3n  bem  2.  -Stocf  war 
ba$  Xabulat  (ber  lange  lid)te  ©ang  über  bat*  ganje  Äloftcr 
von  Wittag  gegen  Mitternacht);  man  fam  ju  bemfelben  nicht 
bloä  burcf)  jene  fcfyoti  erwähnte  fchmak  treppe,  wenn  man 
ben  ©ang  jur  fechten  betrat,  fonbern  auef)  aue*  bem 
Jtreujgange  vermittelt!  ber  fleinernen,  unmittelbar  bei  ber 
Äücfye  im  untern  Storfwerfe  beginnenben  treppe.  Huf  ba£ 
Xabulat  münbeten  bie  lt)üren  fämmtlicher  Mondwellen. 
93om  üabulat  auä  ging  früher  ein  verbetfter  ©ang  über  ben 
Jtloftergarten  unb  bie  üNonnengajfe  nad)  bem  Marftalle  btö 
jur  Stabtmauer.  Der  ®ang  würbe  im  3-  1752  gänzlich  ab- 
gebrochen unb  bie  Mauer  gefchloffen. 

gromme  *ßerfonen  glaubten  feiiger  al$  anbere  |H  wer- 
ben, wenn  fie  jich  im  Äofter  begraben  liepen.  9tach  bem 
Xobtenbud)e  waren  in  ber  tflofterfirdje  beftattet:  1476,  Michael 
Man;  1482,  Simon  tfalpfel;  1485,  «Ricolefd);  1496,  Hie- 
ronymus Molitor;  1499,  3obann,  ein  ehemaliger  Stabtfchrei* 
ber;  1506,  gren^el  £evne  a«6  &bd]  1521,  föulo  v.  @er$* 
borf.   3nnerl)alb  ber  Äloftermauern  war  ber  Mönche  Kirchhof. 

Die  görlifcer  Mottle  geborten  bem  Drben  befl  h-  gran- 
ÜäfuS  von  Sfjijt  an  unb  jwar  ber  JUaflc  ber  fogenannten 
Minnerbrüber  ober  Minortten.  Sic  mußten  fich  burch  8ct* 
teln  ernähren.  3t>re  JileiDuug  war  fef)r  einfad).  Sie  trugen 
auf  bem  blopeu  l'cibc  eine  lange  Jtulte  von  groben  braunem 
Xuche,  uebft  einer  .Etappe,  weldje  nach  Umfiänbcn  über  ben 
Äopf  gebogen  werben  fonnte.  lieber  ben  Dtorf  banben  fte  einen 
birfen  fnotigen  S trief.  Strümpfe  burften  fte  nicht  anlegen,, 
auch  feine  l'eoerfdjuhe,  fonbern  nur  Holzpantoffeln  tragen. 

Die  geiftlicheu  ^anblungen  biefer  Mönche  waren  verfdne* 
bener  8rt.  Bin«  £auptbcfchäftigung  war  bie  Beobachtung  ber 
fteben  ©ejeiten  ober  fanonifcheu  Stuubeu,  worunter  täglich 
fieben  Betftunben  verftehen  ftnb.  Die  erftc  begann  nach 
Mitternad)t  unb  fühlte  ben  9tameu:  Mette  (niatutina);  bie 
zweite  vor  Sonnenaufgang  (prima);  bie  britte  ntrj  nach  Sott* 
nenaufgang  (tertia);  bie  vierte  folgte  gleich  auf  bie  britte  unter 
ber  Bezeichnung  sexta;  bie  jur  Mittagfyeit  abgehaltene  fünfte 


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3(5 


^tnnpe:  nona;  Die  fed)füc  roarD  jur  i&eSpeneü,  9?acbmirtagS 
gefeiert,  Dafyer  vespertina;  Die  ftebeute  fd)lo|i  Den  lag,  unter 
Dem  9(uSDrucf :  couiplotorium. 

3n  tiefen  fanonifenen  StunDen  wurDcu  mit  $lbroed)felung, 
je  nad)  Der  StunDe,  (Hebele  ntib  ©efänae  angeftunmt.  Die 
freite  unD  fef>r  wefentlid)e  Xbätigfeit  Der  9J?önd>e  beruhte  auf 
tan  ÜWeffelefen  an  Den  9  Altären  Der  ^ird)e.  Die  Altäre 
waren:  tjaS  t£)oa)altar  .Mint  tyeil.  RranjiSfuS,  DaS  SUtar  Der 
b.  Drei  Jtönige,  Des  b-  ^Bartholomäus  unD  (MeobocuS,  DaS  811* 
tar  DeS  b.  SttfctatiS,  DaS  Hltar  *ur  b.  Dreieinigfeit,  DaS  Eli- 
tär Der  b.  Katharina,  DaS  Vlltai  DeS  b.  30tyaitite6,  Untere 
fünf  ftanDen  an  Den  fünf  Pfeilern  Der  (£mporfird)e ;  DaS  HU 
tar  DeS  I).  ftabian,  DaS  Kftat  DeS  b-  ÄreuH'S,  Der  b-  ß&ri- 
jttne  unD  9lDell)eiD,  enDlid)  DaS  Elitär  DeS  b  Antonius.  — 
2ln  Dtefen  Altären  wurDen  Die  verfdnebeucn  3abreSgeDäd)lniffe 
begangen,  unD  an  mehreren  brannten  ftiftungSmä|iig  fogenannte 
ewige  glammen*).  —  Den  gorlifcer  gran$isfanern  ftanD  aud) 
DaS  9ied)t  Der  'JUreDtgt  unD  $eid)te  §11,  nur  Durften  jie  SBeiDeS 
nid)t  ju  einer  Stunbe  mit  Der  ^arodjlalgeiü  lidrfeit  vornehmen, 
um  ibnen  feinen  $fb6rud>  m  tbuu.  3m  s$eid)tcl)öreu  fdjeinen  ftc 
fielen  Einfluß  auf  Die  ©emütber  entroicfelt  511  tyaben,  wie  man 
auS  *at)lreid>cn  6d)enfungen  fd>lief*en  fann.  (*S  fd>etnt  am 
^roerfmäfiigften,  f)ier  Diefe  <Sa)enfungen  eiti^uflecbten.  Die 
*8ermäcbtniffe,  weld)e  Durd>  Die  ^rofuratoren  unD  geiftlid)en 
jreunDe  im  tarnen  DeS  JtlofiterS  (f.  unten)  übernommen  n>ur- 
Den,  befitanDen  tbeilS  in  (ShunDbeftfc,  trotte  in  baarem  ©elDe, 
tbei(S  in  Äela>en  unD  <&ewänDern,  tbeilS  in  Stiftungen  über 
regelmäßige  Lieferung  t>on  Lebensmitteln. 

Söetm  3abrc  1364  wirb  eines  4)ofeS  gebadjt,  roeldjen 
(*lfe  <5a)miDt  Den  Wonnen  3afob  unD  3obanneS  gegen  einen 
3inS  *on  8  OTavf  übergab**).  3m  3-  1 433  vermalte  £anS 
'Jtroföe  feinen  Salb  bei  Wdrtenberg  Dem  Softer,  mit  allen 
ftea)teu,  Dagegen  unter  Der  ^eDtngung,  Dag  DaS  Älofter  alle 
auf  Dem  SöalDc  rubenDen  ftäDtifcfyen  Abgaben  unD  ^erpflid)* 
tuKgen  |ii  leiften  habe.  3m  3.  1438  ging  Der  3BalD  wirf* 
lid>  an  DaS  Älofter  über.  3«  bemji  ben  3al)re  befaimten 
£anö,  £einje  unD  sJtitfef,  (fcebrüber  »on  Abberg,  Dap  fte  Dtefen 


•)  Actor.  J\m)  lib.  f.  10b 
Über  voeationum  fol.  20  b. 


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346 


SBalb  lefntfrei  gemalt  Ratten.  —  3m  %  1433  erhielt  ba« 
jUofiei  nod)  ein  ähnliche  ©efd)enf,  burd)  llebenveifung  eineä 
^Icfcrd,  gelegen  t>or  bem  reia)enbad)er  Xfyore,  Seiten^  ber  Ox- 
tep  XifaSermtne*),  freiließ  unter  gleicher  ®ebina,ung,  wie  ben 
sBalt>  ui  &a)tenberg,  auf  gortleiftung  bed  ftäbtifdjen  ©efcfyof* 
fed.  (Snblid)  ^at  ben  W6nd>en  bei  (Sörlifc  nod)  ein  SMonverf 
gefjört,  tveldjea  jiveimal  erwähnt  wirb,  in  ben  3al)rcu  ;1 451 
unb  1456**). 

3m  Xobtenbudje  bei  gianjiöfaner  (abgebrurft  im  I.  $anbe 
ber  sJteuen  Scriptorcs  rerum  Iusnt.)  finben  ftd)  namentlich 
be|üglid)  ber  ^weiten,  brüten  unb  vierten  JUajfe  mehrere  ©e= 
fdjenfe  unb  Stiftungen,  fämmtlid)  unter  ber  33ebinguug,  bafür 
3at)re^gebäa>tni|fe  abgalten.  i)ie  erfte  fltifeeidjnung  untere 
nahm  im  %  1361  ber  bamalige  ÖJuarbian,  ^cifolatic*  von 
^eruharbeöoorrh,  rme  er  felbft  angibt,  auf  päbfilidjen  Stefeljl, 
bamit  bte  nadjfommenben  Wönd)e  wüßten,  »vaä  |le  }ti  leifteu 
rotten  unb  fein  2Bobltt)dter  be$  Älofterd  in  s3krge(fenl)eit  ge* 
ratfye.  Selber  finb  in  feinem  slkrjeid)niß  nia)t  alle  Daten  au- 
gegeben. 

Sola)c  ©elbftiftungen  grünbeten:  ärfftan  v.  ©erfjart^ 
borf  (8  Warf);  flgatfja  *  sffielfon>  (25  @r.);  £einria)  Stein; 
ruefer  (1  Warf),  (SfrrijMna,  £o$pital|d)roefter  (5  Warf);  Slbal* 
rieib  im  J&o^ital  (5  Warf;;  ©erbrubid  Jtolbin  (5  Warf); 
Wfolaitd  Sdjul*  Langenau,  ©unjelin  (V2  Warf);  £ein- 
rid>  Wejferfdjmibt  (10  Warf);  (Slifabetf)  £elle,  Äonrab  (Sr* 
milreid),  $rieftcr  (2  Warf);  Jtat^arina  (4  Warf);  tfunje  5Bi 
finberg  (9  Warf);  2Öaltf)er  v.  2Üelfon>  (3  Warf);  ßlifabetl) 
von  iHotinburg  (7  Warf);  3Wta  SBiber  (4  Warf);  «fflara 
Meinet  (4  Warf);  $eter  Stolpe,  (Slge  Weiitl)arb  (10  Warf) 
uitD  Jtonrab  Sroorn  (4  Warf).  Naa?  bem  3al>re  1361  ftefjen 
großenteils  bie  3a^re  ber  Stiftung  babei.  (**  legirten: 
1360,  Stiele  von  Warfer*borf  5  Warf;  1392, 9citfa)e  Sd)ön; 
born  3  Warf;  1395,  Mfolau*  von  ©üben  5  Warf;  1403, 
.Katharina  tteidjenbad)  3  Warf;  1418,  ^eter  #eper,  graben* 
tatet  be*  Äloftert,  bemfelben  alle  feine  ©üter;  1451,  ^aul 
i'tbtg  eine  unbeftimmte  Summe  unb  in  bemfelben  3al)re 
ter  ffieife  in  Sauban  20  Warf  (10  au  ©etränf,  5  *u  fleinen 

•]  über  rosignationum  (U32)  f.  9  b. 
••]  Uber  resignaUonum  I.  f.  9.  11.  f.  Mb. 


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:H7 


Sebttrfniffen  ber  Woncfye,  5  jum  Bau  bed  jRefeftorium$) ; 
1471,  ^etttrid)  t».  9$et>nn>i$  10  gieren  unb  'tbeoberidj  eine 
unbejtimmte  «Summe;  1474,  3ol)anne$  2>euftmann  ein  guteä 
Mmofen;  1475  Hnton  (Sdjmibt  20  Warf;  1476  Wia>el  Wan 
40  Warf;  1478,  Wargaretya  Söeibner  4  Warf;  1480,  am 
20.  9io*embev,  >J<eter  Weije  200  Warf;  1482,  (Simon äalpfel 
eine  nidjt  bestimmte  (Summe;  1484,  Wifelaitf  Woliteriä  and 
Wof>ol*  12  Warf;  1485,  Scifolefa);  i486,  tfatyarina  »fltabe* 
ftotf*,  1487,  Wargaretfja  ^3ortfd>  mit  intern  Wanne;  1490, 
üfyomafl  son  33ubifjtn;  1496,  ^ieron^mu^  Wotitori*,  fämmt* 
lia>  nidft  be|etcf>nete  (Summen;  1498,  Barbara  gidjtenci  300 
(*Mbgulben;  1500,  Wargarettya  5Befber  30  gieren;  1502,  3o- 
cuff  Seltener  eine  unbeftimmre  Summe;  1503,  9nbrea6  Stob* 
xott)  55  Warf;  1506,  grenjel  Jpeine  »on  $ot>(l  4  Warf; 
1508,  (George  (Sdntlje  eine  unbejtimmte  (Summe,  3ol)anned 
.Hemelifc  30  Warf,  Wicfjael  SÖeibner  50  Warf;  1511,  £an$ 
■SBelet  80  Warf;  1517,  Waraaretf>a*<Seiffart  20  Warf;  1518, 
Wartin  gttber,  Pfarrer  in  ©örlifc,  20  Warf;  1519,  §an* 
(Sa>wem<fe;  1522,  War*  £ilfct)er  unb  1538,  $taul  3one  un- 
befannte  «Summen.  s)fta)t  befannt  jinb-bie  3afyrc  ber  (Sd^en* 
funken  (Seiten*  beä  WattbiaS,  Pfarrer*  in  (Seiferdbcrf,  ÄHncf 
Wetje  mit  10  Warf,  Wfelaud  «ftretfdjmar  mit  7  Warf  unb 
oe$  ^frünbeirinfjaberd  £adpar  (£ia|born. 

Den  beftimmten  3wetf  eine6  3a f>re^ ^eb a cl^ tntffed  foradjen 
aH$:  1342,  $8altf)er:  1346,  3ofyanne*  ti.  (Herf)arbtäborf  mit 
10  Warf,  ©ermannt  ßarpentariuS  mit  5  Warf,  *ßeter  ÖJretj* 
benberg  mit  7  Warf,  (Slifabetl)  Wetye  mit  7  Warf,  griebrid) 
£eren$  mit  6  Warf,  Xwpfjil  t>.  3<>bel  mit  4  Warf;  1347, 
Wfelau*;  1348,  ©erbrub  mit  12  Warf;  1370,  3ol>ann 
<&d)ui\  mit  2  (Serageneit;  1372,  ,£>etiiria)  <Sa)äfer  unb  4J>ein* 
rid)  99är,  3cber  mit  6  Warf  unb  Rottmar  in  Wotyä  mit  3 
(Seragenen;  1377,  Waye  <Sd)en;telin  mit  12  Warf;  1378, 
30fann  Ulmann  mit  4  Warf;  1379,  Wiefel  Sange  mit  10 
Warf;  1380,  3utta  Sibiftein  mit  18  Warf;  1386,  &nna  grie* 
beräberf  unb  &att)arina  Wurer  mit  10  Warf;  1387,  (Ueorg 
^Bolf;  1425,  Wargarettya  <Sa)netber  20  Gtolbgulben;  1438, 
Clara  Settel  47  Warf;  1441,  3<>f>aiin  Wditer  von  $ier)fa; 
J451,  WfoL  Äö^erer  10  Warf;  1475,  Simon  Jtretfdjmar, 
ferner  Sttfolau*  6treit  mit  65  Warf;  1479,  Wfolau*  (Stell* 
madjer,  1488,  3«fob  3«ngmcfel;  1491,  >4$cter  SBalbe  mit 


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348 


160  Warf;  1499,  Spanne*,  alter  €taNf<breiber;  1503,  ^ane^ 
Di tt mann  mit  20  gieren;  1507,  Wargaretfja  Sctiffart  60 
Warf;  1510,  Katharina  Sanbreiter  100  Warf,  §an*  $itt* 
mann  60  (Seragenen;  1516,  Hirtel  SdjeM  t>on  3<>bel  13 
©Ölsalben;  1518,  (Merbrub  Sdjorling  mit  15  Warf;  1521, 
Dtulo  ®erl)arb$borf;  an  iiubefamtten  lagen:  $llma  Ufa 
maä  12  Warf  unb  eine  Seragene;  ^»ilbegunb  3ener  u.  s$eter 
3>nö  mit  10  Warf  nebft  einem  wgolbeten  &etd)e. 

«Reiche  fcfyenften  aHÄerbcm:  1405,  tycttx  Sforl;  1408, 
Älara  Wartin;  1470,  Dorothea  Kofi;  1471,  Sarbara  Äa 
mein;  1476,  sJ<eter  Steffel;  1487,  ^Bcnjel  Scfyeuner;  1506, 
£an$  Jtirften;  1513,  Vnbroig  SBalbe.  ©ewänber  unb  <$t)or* 
fappen  fünften:  1403,  WfolauS  Heller;  (4M,  91ifolau$ 
Wölner;  1483,  Huguftin  von  £trfcfc*berg  nebft  50  gieren  *u 
^udjern;  J 186,  ^Barbara  £iüifd)er;  1508,  Anna  (Jilmberger 
einen  ^^lenfd)mH(f  im  3Öertf)e  t>on  20  Seragenen.  Hube* 
fannt  ift  ba$  3aljr,  in  welkem  ^eter  $)orre  ein  7  Warf 
roertfjeö  ^efeftenf  serebrte.  —  3"  äbnltd)en  3wecfen  fd)enftc 
1478  ^Bartholomaus  t>on  «Ijpirfcbbcrg  eine  'Xonne  ^ärtnge  unb 
berfelbe  1492  eine  zweite;  1491,  ^eter  Söalbe  eine  beetaleb 
d>en.  3m  3.  1504  übergab  «&anä  5öolf  bem  fRatlje  $u  @6r* 
lifc  (einen  Slntyeil  am  (%te  ^faffenborf  bei  ber  Sanbeäfrone,  * 
mit  Der  $eftimmung,  ba|i  bie  Älcfterbrüber  jäfyrlid)  2  <jifunb 
5Bad)0  unb  ben  nötbigen  Jtircfyemvetn  erhielten.  fönblid}  fin* 
ben  mir  beim  Safyre  i  372  bei  ber  (*)elbfcf)enfung  be$  Rottmar 
and  Wot>0,  and)  einen  Walter  ÜBtaijcn  au  $wet  Weffen. 

Ü)ie  @*efcf}td)te  ber  granjitf faner,  um  nun  auf  ben  allge* 
meinen  $l)eil  einzugeben,  läßt  ficf>  am  heften  au  bie  £ebene- 
*eit  ber  ®uarbianc  anfnüpfen,  wie  oben  bie  ^cfcf>td>te  ber 
fatMtfcfjen  s4$arod)ie  mit  bem  'ffiirfen  ber  Pfarrer  aerbunben 
warb. 

Der  ©uarbian  war  ber  erfre  im  gangen  Älofter,  beffeir 
Wönc^e  grctjtrntfyeitö  bie  verfebiebenen  $eamtungen  unter  ftdj 
v»ertl>ctU  Ratten.  Stuften  @)uarbiau  folgte  fein  Stellvertreter, 
ber  ^ice-Ohiarbian,  bie  Senioren,  bie  ^rebiger  (pracdicaior), 
bie  Confessores  (welche  sugletd)  neben  ber  ^rebigt  Weffe  lefeu 
burften),  ber  Dorfanger  {eantor),  ber  tfefemeifter,  ber  Pförtner 
(portatarius,  ostiarius,  janitor),  welcher  einfl  ber  wicfytigfien 
kerntet  inne  fyattc,  ber  Sacriftan  ober  Sacrifter,  tu  beffen 
SBewafyuwg  bic  ^um  Äirdjeubienfte  gehörigen  Äletbungen, 


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349 


Drnat  unb  ©erätlje,  wie  auch  aller  übrtger  Schmud  war, 
Der  9toviaenmeifter,  welkem  Der  Unten id)t  Der  noch  nicht  ge* 
weihten  ueu  eingetretenen  Mönche  oblagt  Der  Jtranfenwcuter 
(infirmiurius),  Der  $uchelmeifter  (ccllearius  ober  cellarius)  als 
xHufu  her  über  Jtüd)e  unb  Gelier. 

ÜRichtgeiftliche  ^eamtungen  bei  beut  Jtlofter  waren  bie 
fogtnannttn  .$rofuratored  (gürforger),  attd):  Svnbict  genannt. 
2Beü  bie  gran^öfanenegel  verbietet,  Oiclb  ju  nehmen  ober 
(iigentfjum  jh  bellten,  erhielten  Diefe  Älöfteravon  ben  Zapften 
Die  (Srlaubmß,  Dafi  £aien,  an  il)rer  Stelle,  (ikjtyenfc  unD 
Stiftungen  für  fte  tu  (Smpfang  nehmen  Durften.  Da  es  nun 
befchwerlid)  war,  in  jeDem  galle  außerorDeutlid)  einen  befon- 
Deren  s^rofuvator  ju  wallen,  gematteten  Die  jßäpftc  orDent* 
liehe  ^rofuratoren1,  Denen  Diefe  Obliegenheit  ein  für  allemal 
$uftanD.  Sie  mußten  vom  DrbenSgeueral,  ^rovinjial  unb 
bem  JfuftoS  gewählt  unb  burd)  Die  ^äpfte  beftätigt  werben. 
3hre  Üßfltcfy  war:  1)  von  allen  bewegltd)eu  unb  unbeweglichen 
Gütern  für  bas  Älofter,  im  Stauten  Des  sJiapftcä  unD  Der 
romifdjen  tfird)e,  SBeftfc  au  ergreifen  j  2)  von  verfauftem  QHtte 
Der  SrüDer,  DaS  ©elD  junt  Seften  DeS  Jtloftere  au  ver- 
wenben-,  3)  von  Sllmofen  ba*  ©elb  in  limpfaug  ju  nehmen, 
unD  baS  auf  teftameutSwege  fcegirte  nötigenfalls  geridjtlich 
einzutreiben.  Sold)e  ^ofowtoren  finben  ftd)  in  unteren 
StaDtbüdjern  nur  Die  wenigen:  1422:  93ernl)arD  s3t.;  1433: 
©eorg  (£ani$  unD  3ot)ann  ^le^il  ;  1449:  ^eler;  1495:  SRityl 
Sd)warn;  1512:  Simon  ^orfener;  1563:  Dnophriuö  Schnit- 
ter unD  £anS  geuer. 

3undchft  Den  ^rofuratoreu  ftanben  Die  ilonfervatoren, 
welche  vom  ^apfte  befonbere  Aufträge  erhielten.  Sie  waren 
eigentlich  päpftliche  ßommiffarien,  unb  mußte  jeDer  Prälat 
unweigerlich  eiueu  foteheu  Auftrag  annehmen,  Ser  auch  Saien 
ertl>eilt  werDen  fonnte.  Sie  übten  bie  geiftlichc  ©erichtöbarfett. 
sBom  görlifrer  tflofter  ftnb,  fo  weit  bie  vorhanbeneu  Dofu* 
mertte  reichen,  feine  tfonfervatoren  befannt. 

Die  britte  Jilaife  waren  bie  fogenanuten:  geiftlichen  greuube, 
auch:  Leiter  genannt.  Da  bie  sDtiuoriteu  fein  (9elb  anrühren 
Durften,  bennod)  aber  baS  93ebürfni|j  ^atteit,  etwas  )u  faufen, 
fo  brauchten  fte  burd)au$  weltliche  ^erfonen,  welche  ihnen  in 
folgern  galle  gefällig  waren.  3n  ber  guten  Jtlofterjett  waren 
ftets  viel  geiftliche  greunbe  bereit  unb  machten  ftd?  eine  (ihre 


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330 


barau6,  Ton  granjiäfanerbriibern  ;n  $)ienften  \\\  flehen.  (Sin 
\oid)ix  Sttann  fc^einl         Jpand  SBclab*)  gewefen  ju  fein. 

3)a$  gcrttfyer  Äfoftar,  befien  oberper  Leiter,  wie  bei  aflen 
$iinoritenflöftern,  ber  jebeömalige  gramiöfanererbenägeneral  m 
Stom  war,  geluvte  jnr  fädjfifcben  £)rbendprovin$,  nnb  jwar 
junädjft  pr  gelbberger  änftobic  (nurimontensis  custodia). 

lieber  ba$  görlifcer  Jtlefter  ünb  t»erbältmfjmä|Mg  mefyr 
9?ad)rid}ten,  alö  über  t»ie  ^aredjialgeiftlidrteit  *orl)anben,  fei- 
nedwegd  aber  in  felaVm  ©rate,  bap  fid)  eine  fortlaufenbe 
(Snhrirfelung  ber  0)cfct>icf>te  bed  Älefterd  baran  fnüpfen  lie^e. 

'Die  jweitältefte  9?ad)rid)t  über  bad  (efter  bringen  bie 
£(nnalen  unter  bem  3abre  1315,  inbem  fte  melben,  baß  baö 
erfte  *ßror>in$ial',ftapirel  in  ©örlifc  gefeiert  werben  fei.  $Öaä 
in  biefer  "Öerfammlung  wfyanbelt  würbe,  wirb  nidtt  gefagt, 
ift  aud^  and  anbereit  Quellen  nidjt  erfcfyttt. 

(%arbiau  betf  ÄlefterS  fommt  baä  erjtemal  $er: 
3obanne$  ».  eemnierfelb  (Sumiruelt),  unb  jwar  am  25.  9pxtt 
1342,  in  einem  Dofumente,  werin  er  bie  Stiftung  einer  SÄejfe 
btira)  einen  gewijfen  $Üaltl)er  befunber.  3m  3-  1347  war  er 
itftdj  (SJuarbian,  wie  aud  einem  ^weiten  93Jej?briefe,  in  weitem 
er  bie  Stiftung  einer  ÜÄeffe  für  9?ifelan$  nnb  beffen  (Katrin 
3utta  anzeigt,  fyen? ergebt**).  1348  ift  t>on  itym  ein  3nr>enfa^ 
rinm  ber  Jlleffcrbiblietljef  aufgenommen  werben. 

Wfelaud  be  Sernfyarbeöberpb  fammelte  im  3-  1361  bie 
9?amen  ber  $Befyltf)äter  beö  itleflerd  nnb  felaVr,  weldje  heften 
geftiftet  tyatttn.  3el)anne6  v>.  6cbweibni$,  war  fein  9Jad)folger. 
Unter  ifym,  welker  am  20.  December  1362  ftarb,  wnrbe  am 
19.  9Je*>ember  beffelben  3afyre$  ber  tfoiWfltt  naa)  ber  neuen 
9tegel  ber  Wiitorttert  refermtrt. 

Unterm  3afyre  1362  erfdjeint  aud)  alä  ©narbian,  Wifc- 
laud  *Heftngarten,  welker  ein  Swentarium  ber  $üd>er  bed 
JHefter'ä  entwarf. 

Die  felgenben  ©narbiane  ftt)einen  febr  leichtfertig  gelebt 
jit  fyaben,  ba  mehrere  Sfnjeidjen  ttorbanben  ftnb,  baf*  im  An- 
fang ber  fiebriger  3abte  grefje  9tetb  im  Jtfofier  berrfd^te. 


•)  Lü).  fiesignat.  »on  eMiete*.  UmgaBgajfüd  ]U  £t.  Mola* 
1783.  <5.  3. 

")  ».  «auf.  g«agaj.  1849  (XXVI  )  <B.  79.  80. 


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351 


3of>ann  t\  Hattnau,  ©*arbian,*)  bemerft  bei  einer  5Refh 
jtiftung,  er  babe  fotdje  für  biefe*  geringe  ©elb  nur  angenom- 
men, wegen  l>er  febr  brütfenben  3«toerbättniffe.  $>iefer  @uar- 
btan  wirb  nod)  beim  3afyre  1376  fjenauut.  Xodj  ift  er  nid>t 
in  tiefem  ganjen  3cttautme  (*Htarbtau  gewefen. 

3m  3.  1371  fommt  Stifdau*  glorüi  ald  Wuaitian  vor. 
Unter  ihm  hatten  fu1>  rie  llmftäiibe  bed  tflojter'ä  wieber  ge* 
beffert,  Denn  er  war  im  6tanbe  bie  »erfejjteu  Jielcfye  unb 
SBüdjer  wtefccr  ein$u(öfen.  3w  {einer  Seit  gefdjafyen  bie  fdjon 
oben  gebauten  baulichen  Umgeftaltungeit  im  iüofter;  et  würbe 
im  3.  1375  auf 6  s)ieue  mm  <§uarbia?i  gewählt,  nacfybem 
feit  bem  3af)re  1372  ^etruö  (irifdjow  mit  biefer  Surbe  \>v 
fleibet  gewefen  war,  uub  ftarb  im  3-  1377. 

3m  3.  1378  war  9ctfolau3  be  fcubavia  nur  fur$e 
Öhiarbian,  beuu  fdwn  am  7.  jDftober  1378  wirb  (9ufolau£ 
(Steinbuo,  alä  ®uarbian  genannt,  weiter  bie  uim  3abre 
1380  bad  JUofter  verwaltete.  &$on  ihm  ift  uid)tö  weiter  be- 
fannt,  al*  bie  ßinjeidntung  einiger  Neffen  in  bad  >  obtenbudv 
6ein  9Jad)folger  iü  im  3  1381  SfiMauö  v.  ^nuhberg,  ber 
bereite  im  %  1366  ©uarbian  genanut  wirb. 

<Sr  war  biä  aum  3afyre  1385  3$orftet)er  be$  Jflbfterä, 
weldjeä  unter  ihm  vielfache  33eränberungeu  in  baulicher  töc 
giebung  erfuhr,  aueb  mit  mebreren  ffiermäd)tniffeu  bebaut 
würbe.   Der  görUfcer  Konvent  mag  bei  bem  leipziger  i>Jimo 
riten*(£oncü  im  %  1381,  burdj  biefen  (#uqrbian  vertreten 
gewefen  fein,  ba  bad  iRuubfdjreiben  ber  grangtefanerbriiber 
ber  golbberger  $)iöcefe,  in  welkem  \\t  ftd)  über  bie  Üerfcbwen- 
bung  reo  bamaligen  ^ vo vuuiai'^  ber  fäd}fifd)en  Drbeneprovinj, 
93ruber  93ordjarb  x>.  9)tanäfelb  befebweren,  im  görlifcer  grau 
jiöfanertobtenbudje  verleidetet  ift,  ein  "Öeweiä  wie  fefyr  biefer 
©treit  aud)  bad  3ntereffe  ber  görlifcer  granjidfaner  in  Kufprud} 
nabm. 

$$on  ben  ÖJuavbi  anett ,  wefaV  in  ber  Seit  be$  3wiftcö 
mit  ber  ^arodjiala,eiftlid)feit, ber  oben**)  auoruh i ltd>  erjagt  ijt, 
bem  Jtlojiter  vorgeftanben  tyaben,  ift  beim  3af)re  1391  nur 


•)  3m  Xobtenbudje ;  vgl.  (Sarget»,  Annal.  I.  MI  a.  2)ort  wirb  er 
al6  3<ue#  bei  Beilegung  eine*  3toi|to  ber  jittouec  ^ranjKfaner  mit  bem 


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382 


folaud  ©teinecfe  erwähnt-  3m  3atyre  1490  ftarb  ein  £eftor: 
^eter  $$in<i>nt,  bei  beffen  tarnen  ba$  $obtenbud)  bemerft,  er 
,  fei  tu  jeuem  3wifie  #bgefenbeter  be$  JUofterä  am  römifdien 
jg>ofe  gewefen.  92ifo(aud  £tdne  de  fommt  noa)  vor  alä  @)uar? 
t>iau  im  3  1399,  bei  (Delcgenbeit  ber  <£a>enfung  eineä  ÖJe* 
mälbeä  auf  ben  £>od)altar  ber  granftidfauerfiray. 

lieber  ben  ÖHiarbian  Änbread  9ftd)tl  (1406)  iß  nichts 
9iahere$  befannt,  a(ö  einige  6d)enfungen,  unb  bie  wiercrbolte 
VtufVidmung  ber  Teftamcnic  unb  9$ermäa)tniffe,  welche  bem 
jllofter  $um  3Bol)le  ber  s3Hona)e  gewibmet  waren.  3ßie  lange 
er  bie  s2i>ürbc  eineä  Öuarbianö  befeffen  tyat,  iß  nicht  erweislich. 

Der  uächftc  Suarbian,  beffen  9?ame  auf  un$  gefommen 
ift,  gram  nüt  bem  Beinamen  6utor  (wabrfd>etnUch  »eil  er 
vor  feinem  (Eintritte  in  ben  Drben  «Schuhmacher  gewefen  war), 
lebte  mit  ber  Stabt  in  großem  Unfrieben.  3)er  <5toff ,  welcher 
bem  ÜÄatl)e  mehrere  ^iar)vger)ttte  fpäter  fo  großen  tfummer 
beretten  follte,  —  baä  3Mer  — ,  fa>eint  tyitx  ^auptgegen* 
jtanb  unb  Qkranlaffung  be$  MergerniffcS  gewefen  gu  fein, 
granj  Sutor  fa^enfte  nämlich  auf  bem  Softer  frembefl  93ier, 
wiber  beä  9catl)e$  Hillen,  unb  fanb  bei  biefem  Unternehmen 
großen  Auflauf}  in  ber  93ürgerfa)aft.  Der  9iatb  lie(j  ihm  t>ie- 
fefl  beginnen,  namentlich  im  3al)re  1417  wieberholt  unter- 
lagen. S)od}  fehrte  fta)  ber  ©uarbian  nicr)t  baran,  vielmehr 
fprad)  er  öffentlich  auä:  er  »olle  bei  ben  QJörltyern  nicht 
ftet)en,  benu  fte  wären  $öeubebüte*);  überhaupt,  ba  geringe 
£eute  von  f (einen  Stäbten,  ald  93ätfer$  unb  Jhirfchnerö  Söhne, 
bie  <5tabt  verwalteten,  ¥eute,  weldje  ©eiftlidjen  unb  2Be(t(tchen, 
*|kieftern  unb  gelehrten  3Renfa)en  gram  unb  tu  allen  Sachen 
&uwiber  feien,  unb  überbied  alle  Seelgerätbe  unb  $krmä  du 
niffe,  wo  fte  eä  immer  t>ermöd)teu,  unterfagten.  «Seiner  tlnftdjt 
nach  fönnten  bie  SBätfer  baden,  wie  fte  wollten,  unb  brauch- 
ten ftct)  babei  nicht  an  beu  SRatl)  &u  fernen;  er  würbe  in  ®ör- 
(tfy  Suarbian  bleiben,  nwd)te  ihm  ber  9tath  guufiig  ober  ab* 
günfiig  fein,  uub  ohne  beä  fRat^ed  ($rtaubni£  frembed  93ter 
rrinfen,  foviel  er  wolle. 

lieber  ben  Huägang  biefeS  3wiefpalted  ift  nichts  befannt. 
slBahrfd)einlich  mag  ber  wiberfpenftige  ©uarbian  barüber  ge- 

•)  (fin  Sdjmäfjtoort  ttr  anberen  <&td)ifiät>tt  gegen  bie  ©urli*«, 
»gl.  N.  S.  r.  L.  II.  429. 


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353 


ftorben  fein,  beim  fdjon  im  folgenben  3af)re  1418  wirb  eine« 
auberen  ©uarbian*,  93ernb;arb  SM.  gebadjt.  Sßityrenb  feinet 
Älo^erregiraented  würbe  baö  Ätofter  mit  einigen  Stiftungen 
bebaut.  6onft  ift  von  ihm  unb  bem  unterm  jafjre  1430  im 
(£ntfa)eioebudK  erwähnten  ©uarbian  gran*  <sd)nwert  feine 
s)Joti$  aufbewahrt,  ebeufowenig  über  9Wolau$  Rupert  (1433) 
unb  ©artbolomäuä  (1434).  Unter  (Rupert  erfolgte  bie  oben 
erwähnte  6d)enfung  be*  halbes  $u  tfidjtenberg. 

geit  1438  war  WfolauS  ©runer  ©uarbian.  5Bär,renb 
feiner  l'ebenfyeit,  im  3-  1442,  warb  ber  Jtonvent  abermals 
nao)  ber  $egel  ber  SRinoriten  regulirt;  von  bem  beim  3at)re 
1443  genannten  ®uarbian  tforn*)  ift  feine  weitere  9faa)ria)t 
vorbanben. 

Der  feit  bem  ^ai)xc  1449  geuannte  *ßaul  Börner  fa)eint 
im  3.  1430  in  bad  Diopter  getreten  unb  vormalö  ein  bemit- 
telter Wann  gewefeu  \u  fein,  beim  im  genannten  Jsahre  trat 
er  feinem  Schwager  Üöenael  !&*aibfa)reiber  alle  feine  (Mter 
auf  ben  Dörfern  ju  Äoäma  unb  glorenöborf  gegen  einen  3»»* 
ab,  weiter  im  3.  1433  um  3  Warf  jäfjrlia)  erb  du  warb, 
alä  ber  Math  ju  ©öilifc  $ßaibfa)reiberd  (*hiter  übernahm. 
9foa)  beim  %a\)xt  1457  befenut  ifym  $eter  ^infener  \\\  ÖHr- 
bigäborf  V«  Warf  abgefauft  ju  fyaben.**)  9tußcr  in 
einer  Urfunbe  vom  4.  December  1450,  worin  tymi  «Horner 
einer  alten  grau  ben  ©enup  if>rer  erfauften  $fräube  jidjert***), 
wirb  .Ulm  ii  alo  3eW  genannt  iu  einem  Q$er$ia)tbud)e,  am 
23.  Dftober  1453**,MI).  <*r  ftarb  im  3.  1462  unb  war  in 
bem  ganjen  3etnaume  von  1450  an  m du  mal-  ©uarbian. 

91bwed)felnb  mit  ir)m,  unb  fpclter  naa)  feinem  Xobe  wer> 
beu  bis  jum  3-  1470:  ®eorg  3ener,  3obaim  «Itenberg,  Cas- 
par <5teima>in  unb  £ubwig  v.  Wartburg,  @uarbiane  genannt. 
Unter  wela)em  biefer  ©narbiaue  bie  Wöna)6fd)ule  (studium) 
genannt,  im  3-  1458  eingeführt  würbe,  ift  md)t  \u  ermitteln. 

Der  Drbenä^rovinjial  Wattfjeu*  Döring  war  6tifter 


•)  Stoxn,  ©uatbian,  toirb  altf  3eu^c  genannt  frei  timx  Serijanb; 
i.  lib.  Hesign.  f.  408  b. 
••)  Actor.  (U32)  lib.  f,  ttl  b. 
••■)  9t.      SWagaj.  4849.  (©.  XXVI.)  @.  84. 
•*••)  Lib.  Resigii.  t.  Ii.  p.  it. 

«cfdji^tc  von  mxin.  23 

I 

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•  ■ 

334 


btefer  wohltätigen  Unflott*).  @r  melrete  am  ^ ftnqflbindtaflc 
1458  von  ©raunfdjweia,  au*  bem  Statin  \i\  @örli^,  baß  Die 
($rrtd)tuitq  eined  fote^ett  3nftitutä  im  gran^idfanerflofter  ;u 
<&6r(i$  im  legten  Drbenäfavitel  brfd)(i>ffen  Worten  fei. 
innren  bed()alb  ad)t  ober  $ehn  §ran$i6fanerbrüber  unb  jwei 
gute  Sefemeijiter  nad)  @örü$  fo  muten,  um  ber  5a)ule  ttor§i< 
neben,  lieber  bie  weitere  @inria)runa,  berfelben  ftnb  feine 
sJJad)ria)ten  vorhanben.  3öahrfd>einlid)  motten  auf  ihr  ©dju- 
ler  für  bie  llmverjitdt  vorbereitet  werben.  (£$  gereidjt  ber 
tMnftalt  nia)t  pm  geringen  Rubine,  baß  auf  il)r  ber  gelehrte 
Valentin  iroitfdjcnborf  feine  SoffeUtnutfl  genojj,  uub  biefeu 
berühmten  vsdjulmann  vor;üglid>  bie  fd)öne  «Jtlofterfcibliothef 
jur  gortfefcung  feiner  8tubieu  bewogen  haben  foll. 

ßinc  $3ibliothef  war  im  3-  1376  unter  bem  @uarbtan 
9?ifolau$  von  $irfd)berg  angelegt,  unb  fvater,  wahrfcheinlidj 
aud}  burd)  bie  wiffenfchaftlidjen  iöeftrebungen  beö  vortrefflidjen 
*4$reDigerä  ®ofd)ü$,  weiter  am  3.  September  1439  ber  tya* 
rod)ialfird)e  \u  ®6rlifc  eine  wertvolle  SMMjerfammlung  le- 
girre,  vermehrt  worbeu.  3)ie  Anlage  ber  6a)ule  Wied  von 
felbft  auf  Vermehrung  ber  Söibliothef  l)in. 

3m  3.  1475  unb  fünf  3«fyre  barauf,  1480,  würbe  ein, 
biö  auf  biefen  Xag  vorhaubeneä,  ÜKegtjier  ber  im  ^efitj  be$ 
tölofierä  befmblicfyeu  Bücher  entworfen.  Seit  biefer  3rit  fiubcn 
ftch  mehrfach  ©efdjeufe  au  Suchern  aufge^eidniet;  unterem  3. 
1480  ift  ba$  3ahve$  -  dtebädjtnijj  eined  ^rovinjiale*,  trüber 
9Jtori$,  norirt,  weil  er  bem  Älofter  jHr  Viberei  50  werthvolle 
3Mid)er  gefdjenft  ()abe;  1483  baä  tMnmvcrfarium  be£  SugufHn 
von  $irfct)berg,  cinee*  ehemaligen  &loftervräbeubar$,  bem  bie 
(£l)xt  \w  ityii  würbe,  in  ber  Sarbarafapelle  beftattet  \u  wer 
ben,  weil  er  ber  SBibliotljcf  $nm  lülfanf  von  Sutern  50  rh. 
öhilbeu,  unb  bem  Konvente  foftbaren  Sammet  |B  einem  <#e* 
waube  gefdjeuft  hatte.  Unbefannt  ift  bie  Seit,  in  welcher  oer 
Vlltarift  iafob  ®robf<t)ü&  \\i  £aud)ri$,  unb  ber  ©ruber  3afob 
Döring  gefiorben  (tub,  burd)  weldje  bie  JUofterbibliothef  mit 
Söüdjern  bereidjert  worben  war**). 


*)  <5.  t-ie  (*rläuternua,en  $um  fttanjitfanertobtenbudK.    N.  ».  r. 
lus.  I.  p.  340  f. 

••)  baa  Stloftct  im  3.  1565  an  ha»  neu  a,efliftete  (%innafium 
überging,  tarn  bie  bamald  300  93anbe,  meift  £anbf0rift«n  ttjeAlOtjifdjeu 

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35o 


Die  ftegulirung  be$  Jtlofrer«  im  3-  1462,  bei  wet<f>er 
®e(egenr>eit  ber  JDrbenSrainifter  9tifolau$  gaf^eman  bie  JUeino* 
bieu  be*  älofterd  aufjeicfynete,  fa)eint  bringenb  notrjweubig 
gewefen  }U  fein.  Die  s)Nöncr;e  mögen  früher  «Bieled  verfemt 
gehabt  ^aben.  «m  2.  »drj  1463  fagteii  bie  granjtöfauer 
in  tfattban  bie  görlifcer  WöndK  quitt  unb  (ebig  einer  Summe, 
weldje  fie  auf  eine  »erfe(te  SHonftranj  aeUc^cn  Ratten.  Die 
^ott)  fa>eiut  freiließ  a»d>  in  ber  ^ic^terfuüiiiig  eingegangener 
*Berpfii$tungen  6citen*  ber  gaien  unb  9tia>teinjal)luna  ber 
teftamentarifa)  worbneten  *)flfen  feinen  @runb  gehabt  au  baben, 
wie  man  an*  einem  £d>reibeu  be*  baufcner  Offciai*,  Äa*par 
sDtaricuain,  t>cm  24.  Wowmber  1470,  an  bie  görlifter  $f«n* 
geiftiidjfeit,  älteren  muß. 

mx  fejjren  \\\  beu  @uarbianen  }urürf.  lieber  bie  6wn> 
biane  *tteit  6artoriö  unb  grauetefue  6utorte  ijt  uidw  vi 
bewerfen.  Wefjr  über  ben  im  3.  1471  auftretenden  SBeit  Kö- 
llig. SMtyrento  feinet  geiftiiajen  £irtenamted  würben  bie  sJWi 
norüeit  ju  @orlib  vom  Sityofe  ju  Weisen  mit  bem  Banne 
bebror>t,  weit  fie  ftd)  unterfingen,  gegen  feinen  $efel>l  in  Set* 
benberg  »eid)te  *u  frören,  uub  bie  Dafür  fäUigen  Bulben  nidjt 
an  ba*  Stedum  «feigen  entridjtet  Ratten.  6ie  fa>etnen  fia> 
gefügt  ju  fyaben,  benn  ed  ftnb  feine  sJcaa)rid)ten  »orbanben, 
bap  ber  SMfdjof  jene  Sßaffe  ergriffen  rjätte,  obgleid)  er  im  3. 
1480  wegen  beffelben  Uebergriffeö  ben  «ann  in  &utifid)t  ftellte. 
Derfeibe  Quarbian  lieferte  im  3.  1475,  neben  einem  SBtx^ 
}eia>niji  ber  Siberei,  aua)  ein  folifreä  ber  bamatö  sorfranbenen 

3wf>alttf  iät)Untt  »ibliorM  $n  tiefer  <2$iie.  2a>n  im  3.  1472  war 
bie  MMiiiMhof  in  einem  befoubera  ba$u  eingerid)rrten  ®ema<be,  fpäter  aber 
in  bem  3immer,  reo  jefet  nod)  bie  Vtrmenbibliotfyef  im  .uioi'tcr  aufgcpclit 
tjt.  £)a  bort  bie  alten  Folianten  buref)  ben  $iurm  ferjr  litten,  machte  im 
3.  1767  ber  bamalige  Äonreftor  M.  GJei&ler  bem  Äatfje  ben  iöorfdjlag, 
bie  Äloflerfcibliotl^f  mit  ber  miliclndjcu  ju  vereinigen,  n>a*  and)  gefcMen 
ijt.  C^etfler  {eignete  in  meieren  *8(^uM>rogrammen  bie  <$anbfd)rifteu 
auf.  $©dj  ift  er  babei  nur  Dberflädjlid)  $u  3Öcrf<  gegangen.  befliß 
ben  jldf,  ba  mriftena  jeber  $anb  nur  naäj  bem  erften  Sßerfe  »erjetdjnet 
ijt,  getoöfynlitfc  *iel  metyr  Süerfe  in  einem  folgen  Folianten  jufammenae* 
bunbeu,  «1*  bie  «uffet^rift  mb  ber  Mataio$  ahnen  läpt,  unb  tttof.  biefe*, 
melier  im  3.  1&4Ö  bie  ffirrjeidjnung  ber  $anbfd)riften  unb  beren  Sülii- 
rung  begann,  hat  bamald  mehrere  neue  aufgefunben.  (£ine  rolljiänbige 
«Prüf  «ng  aller  war  bamal*  ni<^t  möglich,  fo  bajj  nod)  gegen  200  jn  burdV 
forfd?en  bleiben.  3u  ber  »fformation^eit  jinb  bie  «ü^er  MB  ©ofdjü* 
in  bie  Äloflerbiblio^ef  gdommen. 

23* 

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3Ö0 


Jtleinobien  beä  Älofter*.  9fitf  ©runb  biefeS  $erjeitf)niffe$  wa< 
ren  bamcilä  unter  $erwal)rung  ber  Safrififei:  10  Äeldje,  10 
ft(bcrncf  juiu  Xljeil  vergolbetc  ^aciftealia,  22  ^umeralia  mit 
jtlbernen  Stangen,  4  sierlidje  S)erfel  unb  Herfen  über  bie 
«ftetdje,  4  N3Wejjbüd)er,  ein  grojjeö  sJD?efjbud)  für  ben  ^odjaltar, 
ein  (Spiftelbud)  unb  ein  $otivale;  unter  $erwaf)ruug  be* 
^rofuratorö:  eine  große  vergoldete  Wonftranj  von  Silber,  ein 
großer  vergotteter  .Heid)  nebft  Heller  ju  Oblaten,  2  vergol- 
dete glafdjen  von  Silber,  ein  großed  unb  ein  fleineä  vergol- 
bete$  ^öcifieale,  eine  ftlberne  Xafel,  worauf  5Mut  bed  tyeiligen 
93ernl)arbinuö,  2  fleine  jtrujiftre,  bereit  etiid  vergolbet,  eine 
ftlberne  9)fonftran$,  ein  großes  vcrgolbeteö  Jtrujiftr,  2  §unte^ 
ralien  mit  fttberneu  Spangen,  bavon  eine  vergolbet,  eine  rotl)e 
Qafel  mit  einem  Jfteuj  von  perlen,  eine  desgleichen  von 
Sammet  mit  einem  äl)nlid)en  tfreujt,  2  lange  ©ewember, . 
ober  3)a(matica.  93eit  Ütönig  war  nod)  im  3-  1482  @uar- 
bian,  al6  ein  Konvent  gehalten  warb  über  ben  gefangenen 
trüber:  3ol)ann  Sdjerfftng,  bejfeu  $krgel)en  uidjt  näfyer  be- 
aeidjnet  tft.  waren  bamalä  jugegeu;  ber  ©eneral-tfuftoS 
3oljanu  Startfenberg  mit  45  9Xönd>en,  namltct)  2  ©uarbia- 
nen,  19  granjiof anerbrüoern ,  3  £iafonen,  19  Subdiafonen 
unb  2  *ßrofeffeu.  —  3m  3.  1487  würbe  ber  Äoitvent  wieber 
reformirt.  93eit  Äönig  verlief  fpäter  baö  görlifter  Jtlofter, 
wann?  ift  ungewiß  unb  ftarb  im  Konvent  311  fceipjig  am 
15.  SHdrj  1499. 

Unter  bem  feit  1490  genannten  ©uarbian  $xan$  ÜBul- 
predjt  fdjeinen  neue  Unordnungen  im  bloßer  aufgefommen  31t 
fein;  e$  fam  auä  unbefanuten  Urfadjcn  bat)in,  bafj  fogar 
einem  tfefemeifter,  93incenj  (£ifag,  bie  Stabt  verboten  würbe, 
unb  Dr.  3öl)ann  ^eimftet,  sJJfinifter  ber  fdd}ftfd}en  £)rben$^ 
provittj  ftcfy  veranlagt  fanb,  ben  Dr.  SBenebift,  2efemeifter  $11 
Sd)weibuify,  wie  für  ba$  baufoner  Älofter,  and)  für  ben  Aon* 
vent  $u  ©örlty  alä  ^tfttator  abjuorbnen.  3n  einer  är/nlidjen 
Sadje  ^aUc  ber  frühere  Orbenöminifter  ber  Barfüßer -s3)fond)e, 
Dr.  &tbwig,  bem  Dtatljc  $u  ©örlifc  auf  geäußerte  SBeforgnijfe 
wegen  SRücfgangeö  ber  ©eiftlidtfeit,  am  22.  November  1493, 
geantwortet,  er  fyoffe,  baß  fte  feinen  Srübern  bie  Webe  ntcr»t 
entjie()en  würben;  er  werbe  felbft  nad;  <*Jörli$  fommeu,  um 
ftd>  ju  überzeugen.  93eim  3.  1497  wirb  bad  gifdjermittel  ju 
©orlifc  in  ber  2Jtond)e  2}rüderfcf)aft  genannt. 


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357 


^olpredjt^  Nachfolger,  SRarfimift  £upi,  fam  im  3.  1499 
au$  unbefannten  Urfachen  burd)  ben  Offaial  \u  (Stolpen  in 
ben  33ann. 

(Sr  ift  babura)  merfwürbig,  baß  währenb  feiner  $t\t  bic 
große  Spaltung  unter  ben  granjiefanern  auöbrad)  (5$ 
TOÜnfcfyten  nämlid)  mehrere  Jtlöftcr ,  worunter  aud)  baä  gor? 
lifcer,  von  ber  golbberger  (?uftobie  loäjufommen.  3m  3.  1499 
warb  beöhalb  ein  ©eneralfonvent  ju  Norbljaufen  gehalten, 
auf  welchem  bie  Äonvente  l'eipjig,  3wtd^"^  (Hörlifc  unb 
Scbweibnife  ftd)  Dabin  verbanben,  mit  ben  anbern  granjiäfa* 
nern  alle  ©emcinidmä  abzubrechen,  inbem  fte  unter  einem  be- 
fonbereh,  nur  vom  DrbenSgencrale  abhängigen  $?ifttator  ju 
flehen  forberten.  Doch  warb  baS  niebt  zugegeben.  Der  föath 
gn  (Mörlifc,  weldwm  oblag,  bie  Mönche  $u  unterhalten,  wenn 
Die  Bettelei  ntd>t  hinreiste,  fcheint  namentlich  ben  Jnfi'if?  aud 
anbern  Älöftcrn  nicht  beaünftigt  ui  haben,  unb  wanbte  fld)  an 
ben  Jfcönig.  Diefer.  befahl,  am  22.  Dezember  1499  bem 
ftatbe,  \\\  veraulaffeu,  baß  feine  trüber  ber  fädjtifdjen  ober 
einer  anbern  ^roviiM,  außer  ber  böl)mifd)en,  in  baä  gorlifcer 
Äloftcr  aufgenommen  würben;  ja  am  25.  Oftober  1501  unter* 
fagte  Ulm i ig  3Blabiölaw  überhaupt  bie  Aufnahme  von  Inn 
fetjen  unb  fluölänbern,  weil  bad  JUofter  |n  fehr  überfüllt 
werbe.  3*ber  SBeränberung  unholb,  trat  ber  -Natt)  im  3- 
1509  ben  93eftrebungen  be$  *Dliniftcrd  ber  fächftfehen  JOrbcns; 
provinj,  baö  & (öfter  Mim  ilebergange  an  bie  93ernbarbiner 
gu  vermögen,  entgegen *).  Die  grage  wegen  ber  ^rovina 
blieb  überhaupt  eine  offene,  unb  jtöntg  $ubwig,  welcher  im 
3.  J522,  am  29.  3uni,  verlangt  hatte,  ba(3  qörli^er  Jlloftet 
folle  jta)  einem  bohmifchen  OHntßec  unterorbnen,  nahm  nod) 
in  bemfelben  3«hrc  ff  ine  Verfügung  bahiu  wieber  gurürf,  baß 
bie  grangiöfanerllöfter  ber  Oberlaufs  im  fächftfehen  sJ$rovin* 
jialverbanbe  bleiben  fönnten.  Die  Deformation  wanbte  bie 
ÄiaimofaiuT  von  biefem  Streite  ab,  ba  bie  Mönche,  fortan 
mit  NJWühe  ihr  Dafein  friftenb,  aufrieben  waren,  wenn  fte  bei 
ben  bürftiger  werbenben  Spenben  überhaupt  leben  fonuten. 

^Martin  ^upt  ftarb  im  3-  1503  $u  Sauban;  noch  im  3. 
1499  halt«  er  eine  5flemterorbnung  im  Softer  ju  ©örlifc  ein* 
gefuhrt. 


•)  $affe.  N.  Scr.  r.  lus.  1U.  p.  72  ff. 


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358 


'Der  ©uarbtan  9Äartinu$  üinetorte,  feit  bem  3-  1501» 
war  im  .Kirim  erlogen  mir  einige  3eit  (Eaeriftcr  gewefen. 
C>t  fd)eint  feine  befonbere  Achtung  bei  ben  Srübern  genoffen 
ju  luiben,  benn  fie  verwilberten  ganj  unter  feinem  ©uaroianate. 
(Sr  bulbetc  eine  sJ)cenge  orbenöwibriaer  (Schämte,  unter  an- 
beren  aud)  baä  Xragen  von  6 dünnen.  3n  feine  3**1  fätll 
bie  *ßejt  von  1508,  welche  $rl>n  ftraitjiöfaner  auf  ben  JtiraV 
f>cf  brachte,  ein  Unglücf,  weld)e$  bem  Älofter  (dum  im  15. 
3<ir>rf)unbert,  1463,  begegnet  war.  "Damals  ftarben  au  biefer 
<£eudu'  neun  $Wönche.  in  ftatfy  ;u  Oiorli^  hatte  wegen  ber 
Unorbnungen  im  M lofitct  ben  Drocnomintfter  £ubwig  «ftenningd 
um  !fft$Hft  gebeten,  unb  biefer  crflärte  fict>  tu  einem  schreiben 
vom  26.  Sept.  1509  t>aju  geneigt. 

Unter  ben  Nachfolgern  befl  s3ttartinu3  Üinctoriö,  ben 
(^uarbianen  Urban  von  Reuthen  (ftarb  1517)  unb  3Narttnnd 
(Miinrnttf  (ftarb  1523),  wuajfen  bie  Unorbnungen.  Hin  3ar)i 
vorher  fd>vtcb  ber  .Hont  im  mir  beö  £)rben6,  Aian;  Gieret,  aud 
9re$(au  an  ben  vKatt\  er  möge  nia)t  bulben,  ran  bie  Jran 
jiftfauer  Xafeln  unb  ©elbbüchfen  $um  (Stirfammein  von  sD(üiue 
trügen,  fie  Ratten  nur  bie  (5:rlaitbitt£,  33rob,  S^ifd), 
überhaupt  Lebensmittel  mir  Jtleibungeftütfe  uu  ^eibeönoth 
burft  -n  betteln. 

Um  bad  Softer  ;u  reguliren,  fa)eint  ber  Drbeutfmtmftcr 
granj  Wichet  im  3.  1520  nach  (9örli$  gefommen  *u  fein. 

Diefer  ©ciflltcf>e  würbe  aujSerorbcntlid)  ehrerbietig,  fe- 
wohl  von  ben  Hänchen,  ale  Dom  'Käthe  aufgenommen,  allein 
auch  er  fonitte  ben  Verfall  reo  Älofterä  mdu  aufhalten,  in 
welches  ber  reformatortfa)c  ©eift  einzubringen  begann.  £>a$ 
beutet  ein  Schreiben  SPetrufl  v.  93oTn'$,  bamaligen  Dtteni« 
miniftcr*  ber  fächf.  'Jlrovini ,  vom  23.  Sfpril  1523  an,  in 
weld)em  er  bem  *Kathe  $u  öwrlift  eröffnet,  er  wolle  näd}ften$ 
nach  OHnlin  fommen  unb  bic  (Zeremonien  unb  ^rebigten  im 
baflgen  Äloftcr  orbneit.  3n  bemfelben  3ahre  ftarb  ber  ©uar< 
bian  (£urrifirt$. 

Der  nachfolgenbe  ©uarbian,  3*!>anneö  @o(wifc  (gefror- 
ben  1536)  fonnte  nicht  verhinbern,  bafi  mehrere  ©rüber  tuil 
bem  Älofter  fdneben.  I  mu  wtrften  namentlich  äußere  lsin 
flüffe.  Die  Deformation  veranlagte  in  ber  beenge  eine  grojie 
©leichgülttgfeit,  bic  ©abe*  würben  immer  fa)mdler,  je  mehr 
neben  ber  $5ürgerfd)aft  ber  ütatr;  fta)  beut  £utfye ttt)*mt  juwanbte. 


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3Ö9 


Die  9Röna)e  famen  unter  bem  lefcten  (Suarbtan,  (Sfemend 
m  linge,  in  Die  größte  sJi o t  b .  Daä  befte  33ilb  hiervon  gibt  ein 
Schreiben  ber  cjörlt^er  graublauer  an  ben  itönig  gerbinanb. 
Daö  «Schreiben  ift  vom  16.  sAKat  1543  unb  lautet: 

„$$or  betn  allerburcfjlaudjtigften  tc  9cömifd)en  Röntge  ic. 
unfeirn  allergnäbigflen  <£>crrn:  befennen  wir  53ater  (Slemend, 
(*hiaiDian,  ©tevtyanuö  ^ice-ßhiarbian,  Söolfgangud  alter 
(Muarbian  unb  anbere  törüber  beä  ^eiligen  granjtefanerorbeud 
&u  05örlt^#  uad)  (Jrbietutiq  uitfeveö  anbäd)tigen  unb  bemütrngen 
©ebetä  \n  ©ott  hiermit  öffentlid).  sJcad)bem  bie  8er)re  £utf)eri 
eingefallen  unb  viel  Seute  ergriffen,  aud)  von  bem  geld  geift* 
lidjeu  sJt){önd)tbum^  unb  6tanbed  abgezogen  bat,  befonberä  bie 
£>rbcnöpcrfoncn,  weldje  alle  ihre  ®elübbe,  (£ibe  unb  ®er>or- 
fam  vergeffenb,  ben  Crben  verlaffen  unb  bie  Sßfabe  beä  3ff- 
tbumd  befebritten  f)abm,  wad  aud)  unfere  JTlofterbrüber  getfyan, 
bie  ftd)  nid)t  einmal  babei  begnügten,  fonbern  nod>  »filoftergut 
unb  ©ilberwerf  mit  ftd)  genommen  l)aben.  Dar)er  fyat  in 
SÖetradjt  foldjer  3evrüttung  bed  Jtlofterd  unb  ber  Älofterbrüber, 
ein  ehrbarer  $atl)  §n  ®örlifc,  einige  vStücfc  ber  Jtleinobtcn, 
obwohl  nicht  viele,  mit  unferem  Hillen  and  rem  Jtlofter  in 
bie  ^farrfird)e  tragen  unb  bort  verwahren  (einige  6tüde  aber 
*ur  (Styre  ©otted  unb  sJcot()burft  bed  ÖJottedbienfted  bei  und 
ftefjeu)  tuffeu,  wofür  wir  vom  :Kathe  ernähret  unb  et  halten 
werben.  Denn,  allergndbigjter  ^>err  unb  «ftöuig,  ba  wir  unb 
anbere  Orbeudperfonen  burd)  bie  verfül)icrifcr;e  &itf)crlel)re  an 
unferem  täglichen  flhnofcn  fet)r  verloren  fyaben,  müßten  wir, 
wenn  bei  Rott)  und  feine  ^ilfe  unb  <Sd)u$,  ben  wir  täglid) 
genießen,  mit  ben  JÜeinobien  eutyiefjen  foüte,  ebenfalls  fdjeiben, 
ba  wie  ed  jefct  fielet,  weber  bie  (Mcbäube  nod)  jwei  ^erfonen 
ofjne  s3eiftanb  erhalten  werben  tonnen.  Leohalb  bitten  wir 
lv n\  -Waieüat  mit  und  fo  lange  ©ebulb  tu  tragen,  bid  ber 
Ällmädjtige  feine  gemittete  d)riftlid)e  ittraje  burd)  feinen  \)ä* 
ligen  ©eift  wieber  aufrichten,  reformiren  unb  in  vorigen  Stanb 
fe&en  wirb ,  wofür  wir  treulitt)  beten  unb  bie  jum  iobe  bitten 
werben.  Daß  (£w.  ^Äajeftät  ald  ein  d)riftüd)er  frommer  .Honig 
und  fd)ü$cn  »erbe ,  fmb  wir  überzeugt  unb  werben  fterd  au 
bem  ¥lUmäd)tigen  für  6».  s3)cajeftdt  um  ein  lange*  glücffeliged 
Regiment  beten." 

Die  Unterftüfcung,  wcld)e  ber  9taÜ)  il)nen  ju  $f)eil  wer* 
ben  ließ,  Ntrug  24  ©rofa)en  wödjentüd),  womit  fte  ftd)  offen* 


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300 


bar  nur  fehl  fümmerltd)  erhalten  formten.  Mi  rem  Langel 
fam  nod)  rer  ^)ot)n  mir  Spott,  in  Uten  ftd)  rte  s2Renge  gegen 
fte  ertaubte.  I  ie  SHbnche  waren  in  ÖJörlifc  $ulefct  faum  mein 
vor  offenbaren  sD?tßfyanMnn$en  fieser. 

$)ie  nädjftc  golge  jened  Schreibend  an  ben  dortig  war 
am  30.9tovember  1544  bic  ttnfunft  fönigltcher  »tommiffarien, 
wclct)e  fowof)l  in  ber  fiaupt*  alä  in  ber  Jllofterfirche  bie  nod) 
verhaubenen  Jtirchenf  (einobien  wogen,  unb  biefelbi  i,  jeber  Jtircbc 
4  Jteldje  jum  (Gebrauche  überlajfenb,  verftegetten. 

3m  3-  1563  ftanb  e$  mit  bem  älofter  fo,  baß  nur  nod) 
ein  einher  Stomfc,  ein  Sd)uhmad)er  auä  ^Ulenburg,  Urban 
sißei0bad)f  ^axin  fümmerlid)  fein  2>afein  frifiete;  er  lie$  ftet) 
mit  bem  *Xatr>e,  au*  Älterdf<hwäd)e,  auf  Skrhanblungen  in 
s43e^ufl  auf  eine  Abtretung  ein,  Hnb  ber  Äbminiftrator  Seifen^ 
tritt  ju  Sauften  ertf>eilte  foldje  am  12.  3«U  1563  unter  ber 
Skbingung,  ba(?  baö  Softer  m  einer  Schule  umgewandelt 
werbe.  Jtatfer  gerbinanb  1.  genehmigte  biefeu  Vertrag  im 
3.  1564,  unb  ftubolpf)  IL  wieberholte  bie  lanbe$r;errlichc  (Sin* 
willigung  am  19.  3uni  1577. 

So  warb  im  3.  1565  ba$  (Mvmnaftum  im  Jttofter  ein* 
gerietet,  unb  Urban  58etjjbad),  ber  leftte  sJÄönch,  blieb  bis  ju 
feinem  im  3.  1573  erfolgten  Äbteben  barin  wohnen. 


dritte*  ftapiteL 

ScultetuS  unt>  3afob  Böhme. 

(SS  f(heint  hier  am  Drte,  bie  Sebenäbefchreibungen  jweier 
berühmten  ©örltfeer  ein*ufled)ten ,  von  benen  ber  (Srftere,  etnft 
verehrt  unb  geflieht  von  ©elehrten,  gürften  unb  äaifern,  ein 
mathematifcheä  ®enie  erfteu  9iange(5,  jefct  fafi  vergejfen  ift; 
währenb  ber  Änbcre,  ber  fdjwärmerifchc  Schuhmacher,  ju  fei* 
ner  $tit  verachtet,  verfeuert  burd)  ben  pietiftifchen  ganatiämuä 
ber  (MetültaMelt,  verfolgt  bi$  utm  ftiüen  Grabhügel,  noch  heute 
in  ber  giteraturgef<hid>te  wieberholt  genannt  wirb,  unb  für 
feine  geheimnisvollen  Schriften  viele  Anhänger  Mbit. 


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36* 


Bartholomäus  Schuir*)  (welcher  fpäter  noch  ber  SBeife 
feiner  3eitgenojfen  feinen  Samen  latinifirtc  uiu  unter  feein 
tarnen:  Scultetuö  allgemein  befannt  war),  würbe  feinem 
ter  Stattta  ecbuM,  ganbroirthf<haft  treibenden  Bürger  in  @ör* 
li$,  von  Urfula  geb.  icbler  au$  SRoty*  bei  ©örlifc  geboren, 
am  14.  9Hai  1540  9ta$td  3/4l  Uhr.  (Beinen  Unterricht  er- 
hielt Bartholomäus  auf  Der  6tabtfebule  $u  WörliO  r  welche  er 
im  3-  1559  »erlief?,  um  jich  in  Vetpitq  ter  9tecf^tdn>tffenfcf>aft 
mir  (Hefdndjtc  ;u  wibmen.  Dort  waren  für  ben  gelehrigen 
ii nc  wißbegierigen  jungen  Wann  reichliche  Duellen  ber  Äuä 
bilbung  vorbanben.  (£r  befugte  bie  juribifchen  ^orlefungen  betf 
Dr.  ?lmbrojiu$  fcobwaffer,  waubte  fid>  aber  vorjugäroeife  bei 
IVatbnnant  ui,  feiner  $ieblinq^wiffenfchaft,  bereu  Zulagen  ber 
befannte  ^Ratbemattfer  unb  3)(ed)anifer  >bmm  Rommel  faum 
entberft  hatte,  alö  er  folcbe  in  feinem  Saufe,  in  weichet  er  ben 
jungen  slHann  aufnahm,  mit  forgfältigem  Unterrichte  \u  ent- 
wirfein  ftrebte.  $cmmer$  Xob  am  5.  3uli  1 562,  veranlagte 
Scultetu6  ftd)  narf)  Wittenberg  unb  anberen  Univcrfitäten  \\i 
begeben,  bort  größere  $$ervollfommnung  unb  anbere  ^ehrmetho* 
ben  fennen  ui  lernen,  Später  fer)rte  er  nach  ?eipng  urriitf, 
hielt  bafelbft  wijfenfchaftliche  ^orlefungen  über  bie  äRatbema* 
tif  unb  r>atte  unter  anberen  beu  berühmten  $^d)o  bc  Brahe 
ä«m  3wf)örer. 

3m  3-  1570  finben  wir  ihn  wieber  in  feiner  Baterfiaot 
®örli$,  wofelbft  er  am  15.  3»ui  burch  ben  bamaligen  Äeftor 
beä  neu  geftifteten  @h?mnajuim$  M.  ttaurentiu*  ^uowig  einge- 
führt unb  mit  bem  Vortrage  ber  Slrithmetif  unb  «Sphäre  be- 
traut  würbe. 

£>iefe$  Sunt  befleibete  er  mit  bem  größten  Erfolge  unb 
innigfteu  (Sifer,  behielt  c£  auch  noch  bifl  gum  28.  Sept.  1586, 
obwohl  fd)on  feit  bem  3-  1 578  in  bae  föathSfoUeginm  gewählt. 
3m  3-  1^86  nötigten  ihn  jebod)  vielerlei  ftm&gefchäfte  unb 
Steifen  ben  Unterricht  gan*  anzugeben. 

3m  3.  1589  würbe  er  Stabtrichter,  1592  bad  erftemal 
Bürgermeifter,  weichet  5(mt  ihm  nod)  fünfmal,  nämlich  in  ben 
3ahren  1596,  1600,  1604,  1608  unb  1612  anvertraut  würbe. 
"  3n  ben  von  ihm  befleibeten  Remtern  übertraf  er  alle  (5r 


•)  ©raff,  M.  $art$olomäu*  ©cfcul*  im  SR.  £.  3Haga*in  III 
1824.  @.  455  ff.  Otto,  im  obett.  (Sdfrtftjtoler^ctifcn  III.  ©.  260  ff. 


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I 


362 

Wartungen  unl)  war  ungemein  titd)tig  in  jcbem  gewählten  Jacfrc. 
flieid)  begabt  mit  einem  £  auin  von  äenntuiffen  Der  allgemeinen 
unb  fpejietfen  £anbe$gefa)itt)tc  mir  juriftifdjen  6afcungen,  tbäitg 
bi6  $ur  Aufopferung ,  flar  unb  bcütlid)  im  münblictoen  wie  fduifi 
liefen  Serfeljr,  war  €iultetu$  au  gleidjer  3*il  ein  r>öd>ft  ge? 
wanbter  Diplomat  unb  feiner  v4>olitifer,  «n  llmflunb,  weiter 
ben  Sortbeil  feineä  ©emeinwefentf  nia)t  wenig  fötberte.  Sem 
3.  1580  bi$  1614  war  er  Vllmofeiwerwalter,  1578  Senator, 
1588  6a>6ffc,  1589  £tabtria)tei.  Weben  btefen  unb  bem  Slir* 
germeifrer  Amte  l)attc  er  bie  öaibcr>erwaltung  19  3al)ie,  bie 
Serwaltung  be6  4üeinfellerö  12  3al)re,  bie  Ueberwad)ung  be* 
töird)enwefen$  von  1574  M6  1614,  beä  6al$urbard  Den  1595 
bie  1614,  unb  war  41  3al)re  I)iuburd)  Dberauffetyer  berSiei; 
fteuereinnabme.  Sei  legerer  hat  er  130,564  €d)erf  40  ®r. 
eerred)net;  in  juribifd)er  Sejictyung  aber  überhaupt  wäfyrenb 
feinet  Gebern*  c.  3900  Älagen  unb  Sefajeibe  aufgenommen  unb 
abgewicfelt. 

Die  3<*l)l»"g  ber  ^äufer  in  ©örlifc,  ifyre  Orbnung  unt> 
Ueberwaduing  war  fein  üBerf.  Sei  ber  ^eft  von  1585*)  bc* 
wie$  er  ungemeine  Sorgfalt  unb  Xrjätigfeit,  weburd)  er  MK* 
fentlid)  gur  llnterbrürfuug  unb  Sefeitigung  biefeö  liebele  bei 
trug;  bei  bamaltf  entftaubenen  Unruhen  unter  ben  ^anbreei fern 
trat  er  mit  Energie  auf.  Die  fefte  Seftimmung  ber  Srob*  mir 
ftU'ifdjpreife  unb  äbnlidje  polt^et(id>e  Anorbmmgen;  enblia)  bic 
Drbnung  befl  unfdjä&bareu  görlifccr  WraWö  Mnb  ber  €d)u& 
biefer  Dofumcnte,  waren  ba*  SBerf  feine*  unermüblid)  fdjaf- 
fenben  ©eifie*. 

Sartbolemäu*  6cultetu$  war  zweimal  verheiratet.  Da* 
erftemal  mit  «gnefc  SinNer,  batf  jweitemal  mit  £elene 
ber,  unb  Unterlief*  au*  beibeu  lfl>en  *wei  6e^ue  unb  brei  £öd)ter. 


•)  3m  X  1585  *ä1)!tt  Öoilife  5(K)  Raufet  innerhalb  ber  »ing 
mauern,  numn  3916  SWenfdjeu  am  «eben  blieben,  in  ben  SÜorfldbten  unb 
Charten  875  Käufer  mit  5153  Werifctjcn.  3n  bei  Statt  jlarfrfn  in  230 
Käufern:  75?  $erfonen,  in  ben  ©orftäbten  in  446  mit  ber  $efl  bel>afte 
ten  Käufern  1698,  im  Wanden  al>o  2455  »tenfdjen.  —  Senfl  ftnb  in 
Gtorlifc  efcibemifcK  Krai  Hjeiten  gewefen:  1380,  1464  im  Slttgufl,  1484, 
1491,  1495  (vom  15.  Slugujt  1495  bi*  um  ^aftnadjt  1496  flarben  gegen 
3000  ^etfenen);  1521  flarben  gegen  1700  *Wenfd)en ;  1572,  1580,  1589 
(tollen  gegen  4000  $erfonen  geftorbe*  fein).  $au}'tfäd)lid)  umtbete  bie 
•U umHieit  auri)  tili  Mei^giabugen  Äriege. 


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363 


<5ein  lob  erfolgte  am  21.  3um  1614  \\i  (^orlifc,  in  einem 
Älter  von  74  3flfyten  unb  27  lagen,  deinem  33egräbnip 
fdvloffen  fid)  im  3"9C  über  900  vJ*erfonen  an,  ein  33eweid  wie 
allgemein  geadjtet  unb  veretyrt  biefer  <|elcr>vtc  ^ürgernteifter  von 
(A*orli&  war. 

3m  1592  b^mio  ftd>  £eultetu$  an  ber  Spifce  einer 
Deputation  ber  @*eiftlia>feit  unb  bed  ftatbö  von  (Hörlig  in 
kauften  jur  Befolgung  etaeö  faiferl.  Neffriptä  d.  d.  ^xa(\  ben 
15.  3 Anna r  1592,  wegen  bcö  angeblichen  Mi  i  tofalvmiomutf, 
ber  in  <$öili$  r>crrfct>eit  follte,  unb  übergab  bort  ju  feiner  s^cr- 
tb;eibiaung  bie  görlifyer  3 UmiUm nuuiq. 

war  mit  ben  6erubmtefteti  Oleleljrten  feiner  3C^  genau 
befaunt  unb  würbe  mehrmals  von  ihnen  befudjt.  <&o  von  ftn^ 
ton  ^offevin,  einem  gelehrten  3ffntten,  am  20.  3uli  1593,  mit 
bein  er  fia)  über  ben  neu  verötfentliduen  Äalenber  unterhielt; 
von  ,Hae»par  s4$eucer,  bem  gelehrten  Hr|l  in  Itailten  unb  bem 
beräumten  faiferl.  SHatbematifu*  3obanned  tfeppler.  Vefcterer 
fd>rieb  an  ihn  wegen  be0  im  Cftober  1605  erfdnenenen  Äome 
ten  einen  $ricf*),  ber  nod)  vorrjanben  ijt. 

Äeppler  befua>te  if>n  in  (Mörlifc  am  26.  Stpril  1607  unb 
hielt  fid)  bei  ihm  bid  $um  1.  9>tai  auf. 

3m  3-  1581  am  27.  3uli  würbe  ihm  von  ben  Sanbfiän- 
ben  ber  Oberlauf  ber  Auftrag,  eine  topograpbifay  $anbtafel 
teä  ^arfqraftfmmei  ju  entwerfen,  wa6  er  nad)  11  Reifen  gtüd; 
lia)  ju  etanbe  brad)te;  aMf  be$  (Sfyurfdrften  vou  <5ad)fen  S$er= 
laugen  jeicfynete  e»ne  ^fanDfarte  von  SNeißen  unb  im  3  1593 
eine  foldje  ber  Oberlaufs^.  (§ine  mo$fowüifd>e  ©efanbtfdjaft, 
wela)e  am  19.  ftuguft  1595  burd)  (%rli$  reifte,  verlangte  von 
ihm,  er  folle  einen  (Etabtplan  von  $Ro0fau  entwerfen,  boa) 
fam  btetf  Wefdjäft  wafyrfdjeinlicb  wegen  beö  im  3-  1598  er* 
felgeuben  Erlebend  be$  ruft-  tt§<w*  fteobor  L  nta)t  gu  £tanbe. 

Hm  16.  Wat  1577  fam  ber  vHaifer  Otubolpb  II.  mit  fei> 
nen  SBrübern  3)iattl)ia3  unb  sJDtarimiliau  von  *ßrtbuö  in  ©br- 
lifc  an.   5ki  ber  ©olbgrube**)  empfing  ben  tfaifer  M.  Ottmann 


•)  9lba,ebrudt  in  SRcifter*  fcnnalen  bei  ^offmann.  Script  rcr.  Ins. 
6.  71.  lat. 

••)  Sie  0>ulba,mbe,  ein  riefe*  *od»  an  ber  9let*e  unterhalb  ber  rr^en* 
&nra,er  <Strafce  wirb  *nerft  erwähnt  im  3.  1477,  «in  22.  ftebrnar  wo  tfcti 
iPniraer  an«  ttrfurt  bc*cflmad)tia,t  famen  unb  gruben,  aber  nichts  fanben; 
gorlifret  ®e»erfe  »erfüllen  fräter  eine  ©olbaber  jn  entbeden,  fanben  aber 


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S64 


nebft  bem  ü)tatf)e.  ©eün  $f)ore  ftanben  gegen  900  Wann  von 
ber  Bürgerfdjaft  in  5Bct>r  unb  SBaffen,  weld)e  vor  bem  tfaifet 
her  in  bie  6tabt  marfdjirten.  Huf  Dem  «Rarftc  ftanben  bie 
©a>ü&eu,  weldje  bret  unt>  brei  if>rc  ttevkbm  befeuerten. 
(*$  war  eine  ©äffe  formirt  von  ber  s}?ifolaifira>e  bis  pr 
»{kteräfircto  unb  von  ba  bt^  511m  Dtntljbaufe,  wo  Sc.  sl\aj. 
abftieg  unb  in  bie  tfönigöftube  ging.  Der  Äaifer  blieb  biä 
911m  20.  Wai  in  ©örliö.  (*ine  feiner  erften  gragen  war  naa) 
€cultetu£,  mit  bem  er  ftd)  bie  meifie  3eit  über  unterhielt, 
(sicherlich  war  ber  Äaffer  burch  $t)d)o  be  s£ral)e  unb  Jlepp; 
ler  auf  Seultetuö  aufnierffam  gemacht  worben. 

Der  berühmte  3efuit  (*hrifWh  (Slaviutf,  (geb.  au  Sam- 
berg 16.  3anuar  1537,  geft.  *u  ftom  6.  gebruar  J  6 1 2),  wel- 
cher ben  gregorianifa)en  Üaleuber  perft  ^erauögab,  befennt  in 
ber  Apologia  110 vi  Kalendartt  romani,  baß  er  von  Solltet 
viel  gelernt  h«bc  (ut  ab  erudito  viro  et  in  rebus  mathema- 
ticis  poritissimo,  Bartholomeo  Scullelo  aeeepi)  unb  fdjenftc 
il)m  ein  (Sremplar  biefeö  Söerfeö  von  bem  außer  biefem  (5rem- 
plar  nur  noch  jwei  nad)  Deurfa)lanb  famen,  einetf  an  ben 
äaifer  unb  baä  aubere  an  ben  9ieia>öf analer  3afob  Gnrtiuä. 
$>a$  an  beultet  gefenbete  (Sremplar  tft  nad)  ©ötttugen  in  bie 
sSibliothef  gefommen,  ba$  aber  weld)etf  an  @urtiu$  fam,  beftn; 
bet  fid)  je$t  nod)  in  ©örli&  (früher  im  $eft&  bc$  6upermten* 
beut  3antfe),  wa$  burd)  6cultct'$  Sorte:  27.  November  1589 
aliud  et  secundum  excmplar  a  domino  procaneellario  ae- 
eepi, erläutert  wirb. 

*8on  $va>o  be  93rar)e  fmb  vier  lateiuifdje  Briefe  an 
£inltetud  vorhanben.*) 

3«  bem  erften  biefer  Briefe,  vom  12.  Dftober  1581  freut 
fid)  Xtjdjo  barüber,  baß  beultet  nod)  an  ihn  behfc  unb  it>ui 
mehrere  SBüdjer  §um  ©efdjenf  aemacr/t  habe,  tabelt  aber  babei 
auf  bie  freunbfdjaftlidjfte  Sßetfc  eine  «njahl  Sehler  in  ben 
zugegangenen  Schriften. 

mt  bem  ^weiten  vom  17.  Huguft  1588  überfenbet  £va> 


nid)t«.  3m  3.  1564  an  ^ftngfien  ftna,  man  untfr  $an*  91  öl» er'«  aU 
(Sdjtdjtmetfter,  £eituna,,  ttneberum  an  ber  (Wolba.rube  ju  bauen  an,  man 
fanb  aber  mieberum  mein?  unb  toäre  bet  (*talbfdmubt  IMirntorb  Sdjolfc 
faft  burd)  tutbredjenbe  ftclfeh  erfd)laa,en  werben. 

*)  Singular.  Lusatica  XXVII.  Samml.  2etf»i.  u.  $ubiffin  1743. 
6.  178  f. 


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305 


be  vBraf)c  feine  Sdjriffrn  unb  bittet,  ifym  ben  auägefprodjenen 
label  tridjt  übel  ju  beuten,  waä  er  outi  Seultet'S  ^tiUf^wei 
gen  fd>tie#en  will.  , 

Der  britte  vom  8.  December  1590  befdjwert  fta>  über 
Scultet'ä  Ijartnärfigetf  £a)weigen;  ermuntert  tt>ti  *u  neuen 
£immel$beobad)tungen.  60  (a^en  tiefem  ©riefe  brei  in  Jtttpfer 
geftoa)enc  53ilMii(fe  bei,  mit  beren  Ueberfenbung  Xvdjo  bie 
SMtte  verbinbet,  fold>e  einem  in  CMörlifc  befinblidjen  Didier 
ju  lieben,  bamit  er  einige  lateinifd)e  Verfe  ju  Svdjo'0  Vobe 
barunrer  fe^e,  unb  erfud)t  il)u,  bann  bie  ^ortratW  nad)  Dane* 
marf  jurürfiufenben. 

Stil  bem  vierten  Briefe  fenbet  er  vieriheile  feiner  8  djrif 
ten,  bebanft  fia)  für  bie  Berfc  beä  sJJh?liuvi,  weld)er  if)n  über 
fein  Verbienft  gerühmt  fyabe,  unb  muntert  beultet  unb  feine 
Jrcunbe  am  6d)luffe  turdj  bie  sBorte:  vivite,  White,  ratete 
}u  Weiterem  l'ebenögenuffe  auf.  SMefer  le&te  'Brief  ift  au« 
Oranienburg  vom  12.  SWärj  1592. 

Uugead)tet  ber  s])?euge  feiner  ^mtägefdjafte,  gewann  Stuftet 
benuod)  x\i\t  aujjerorbentlid)  viel,  unb  $war  gut  \u  fd)reiben. 
(£r  orbnete  bie  alten  Rapiere  auf  bem  görli&er  *Natf)l)aufe  unb 
heftete  eine  ÜWenge  Briefe  unb  Rapiere  in  mehreren  äolianten 
jufammen,  woburd)  viel  2Bertl)vollee  vom  fonft  wafyrfd)eut* 
liefen  Untergange  bewatyrt  worben  ift. 

Seine  Dru(ffad)en  ftut>  gröjjtentrjeilö  matrjematifdjen,  ajhrc- 
nomifdjen  unb  geograpl)ifd)en  3nl)alttf.  ^hunbjüge  ber  Stritt)* 
metif,  53efa)reibung  von  Äometen  (frfdjeiuungen,  eine  3'1,ani 
menftellung  ber  l£vangelienterte  mit  ber  d)rift(id)eu  unb  jübi)d)en 
3eitrea)nung  (1580),  iuöbefonbere  .Haleuber,  weldje  feit  bem 
3at)re  1574  wieberljolt  aufgelegt  würben  unb  grofje  Verbreitung 
fanben. 

Mufjerbem  finb  mehrere  Sammlungen  l)iftorifd)en  3nl)altd 
in  vielen  Solianten  von  itym  auf  bem  ijiefigeu  ^Hatt)l>aufe  vor* 
iMurcu,  bie  1 1 1 1 o  mand)e  wid)tige  9tad)rid)t  bieten. 

Vier  Steile  ber  görlifcer  Knnafen  vom  3afyre  1131—1592 
werben  auf  ber  $ibliotl)ef  ber  oberlauftfcer  ®efellföaft  ber 
2ßiffenfdjaften  aufbewahrt. 

Der  £oljftorf  ju  feiner  tfarte  ber  Dberlaufifr  vom  3at)re 
1593  ift  auf  ber  Wittct'ftycn  $ibliotl)ef. 

©cultet  färieb  in  feinem  ttyatenreiajen  fieben  über  50  99dnbe. 


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366 


(Sine  fvqieHe  3$er$eidmung  feiner  6cf)rtfteit  bietet  bie  citirtc 
Vlbbaiirliiih]  von  @*nw  im  s)i  laufl$ifa)eu  v)Jtaga;ine. 

«Scultetuä  lourbe  vom  Maua  Otubolf  lt.  in  Kn  ftbtfftanb 
bed  iReidjetf  unter  bem  tarnen:  6dwl$  v.  6a)olleuftern  erhoben. 


lieber  3afob  SBö^me;  obwohl  faum  200  3flfyr  feit  feinem 
Üobe  verflogen  ftnb,  eriftiren  bie  merfwurbigften  fabeln  unb 
werben  ftetd  qtdubti)  nachgebetet.  M6\)kx  in  (Mörlifc  hat  bie- 
felben  befeitigt  in  einem  ?hiruif>c  bed  göriifyer  s2ßegweiferd 
1837.  s)io.  43  ff.,  in  weitem  blatte  audj  ba*  53ilt>  be*  tbee- 
logijirenben  S&uhmachcr*  (ich  jinbet. 

3afob  93öl)me  würbe  im  3.  1575  ;u  2(It'£eibenberg  an 
bei  böl)mifd)eu  @Jren$e,  unweit  be$  (Etäbtdjeuä  £eioeuberg, 
geboren.  Sein  SBater  iahb  befaß  bort  ein  33auergut  gwifchen 
i>em  l)errfd)aftlid)en  Vorwerfe  unb  bem  fege  nannten  <£>ain'f<hen 
Ohite  unb  war  baö  6.  Äinb  reo  alten  Vlmbrojiuo  (uad)  lauf. 
Xialeft  33rufc)  93öl)me,  weldjer  1563  frarb.  3»  8ölge  feinet 
$obe$  ging  baä  SBauerajit,  naa)  läufiger  «Sitte,  an  ben  jung- 
ften  Sohn',  SBater  betf  edjriftfteUertf  über,  (fr  löftc  au  9ftar^ 
tini  1563  um  6(X)  gödifeer  Warf  baä  tbityrittatnreity  feiner 
(Mefdjwifter  am  33auergute  ab. 

$)er  $ater  3afob  ^olmte,  war  ein  febr  angefehener  unb 
geachteter  Wann  in  feiner  ^eimatf),  1568  Äira>Mter  unb 
(nach  ben  altfeibenberger  Sdjöffenbuchern)  ®eria)te»|a)öffe ,  ge* 
hörte  alfo  nicht  jit  ben  armen  Schludern,  wie  mau  gefabelt 
l>ar.  3a^b  Söhnte  zeugte  mit  feiner  erfteu  Qtattin  Urfnla 
fünf  ßinber:  Urfula  (nachutalö  befl  Wartin  Woij*  in  (fberä* 
borf  (§hefrau);  ©eorge;  Widjael;  %atob  (nnfer  6a)ul)mad)er); 
Martin;  mit  ber  jweiten  Ebenau  aber,  (il)r  s)lame  unb  bie 
3eit  ber  $etheiratl)ung  ffi  nia)t  befannt)  noa)  brei  Jttuber: 
(flifabeth  (fpäter  »er^eirat^et  an  Wartin  Schubert  in  ©eil* 
mannSborf);  Dorothea  (Wattheä  Sbranb'ä  ;u  ©wrlf$  (&atti\\); 
Waria,  wela)e  noch  unmünbig  war  beim  Xobc  beä  Skter* 
im  3.  1619. 

Dajj  uufer  3<rfcb  fläglidjeu  Unterricht  genoffen  unb  nicht 
Ichreiben  getonnt  t>abe,  tft  wie  fo  vielem  in  si3obmc'o  geben* 
befa)reibungen,  eine  grofe  Unwahrheit.   3afob  genojj  einen 
Unterricht,  wie  er  anbern  Üinbern  t>om  Sanbe  feiten  *u  Ztyii 

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367 


würbe.  (£r  ging  nadj  6eibenberg  in  bie  6tabtfd)ule,  wefdje 
gerate  bamalä  vortrefflid)  befefct  war  burd)  3ol)aun  ¥et>er, 
&eftor,  au«  §d)miebeberg,  mt>  einen  Jtantor.  Sajon  fein 
£*ater  3afob  fonute  ^reiben  unt>  beftimmte  t(>n  von  frül>  an 
mm  £anbwerfe  unb  nia)t  &ur  Sanbwirttyfdjaft,  weöfyalb  bie 
^aa)rid)ten  vom  $Mel)weibeu  bi*  auf  bie  Sanbedfrone  ic. 
eben  —  erfunbenc  $ad)ria)ten  jinb.  $ie  £d>reibefuuf*  ift  tynt 
fonaefc  aua)  nid)t  burd)  ein  SBunber  w\  Xtyeil  geworben. 

3m  3.  1589  warb  er  *h  einem  Srfmbntadpr  in  Seiben* 
berg  in  bie  t'efyre  gegeben ;  ber  Warne  biefeö  l'ebrljerrn  ifi  nidjt 
befannt,  eben  fo  wenig  ber  ttea,  welken  3afob  33öl)me 
auf  feiner  $i$anberfa)aft  nabm,  bie  von  ü)tn  1593  angetre 
ten  würbe.  Die  sJ?aa)rid}t,  bafi  er  fd>on  1591  in  ©wlifc  9Jteifter 
geworben  fei,  ift  falfd).  2>ie$  gefd)ab  im  3-  1599  am 
24.  &pril  (nad)  bem  görlifccr  93ürgerbud)e).  Zufolge  ber  $e 
ftimmuugeu  ber  (Stt)ut)inad)er3nnung,  verljeiratbete  ftd)  3afob 
$3öl)me  uod)  innerhalb  eine«  halben  jafyreä  uad)  (Erwerbung 
m  s))kifterrett)t$,  nämlid)  am  10.  Stfai  1599,  mit  3tmgfrau 
itat^arina  tfun&fdjmaun,  bereu  $$ater  £au$  iBürger  in 
(*Jörli&  war.  v 

iix  zeugte  mit  ifyr  fedjö  Jtinber:  1)  9J?id)ael,  geb.  8.  3au. 
1602;  2)  £obia$,  geb.  M.'S'ept.  1603;  3)  (Sliao,  geb.  24.  Ofto* 
ber  1606;  4)  Sfona,  geb.  28.  Wai  1610;  5)  tytartfea,  geb. 
23.  3hm  1613;  vom  fea)$ten  tfinbe,  einem  6olnie,  3afob,  ift 
ber  ®eburtotag  nid)t  aufoufinben. 

Vlnfaiiqli.i)  arbeitete  %\tob  ^dfymc  fchr  fleißig  in  feinem 
(bewerbe  unb  fytelt  ftd)  feinen  £$er()ä Kniffen  gema^,  wie  bie 
lauf  patzen  feiner  Jtiuber  in  ben  görlifrer  &ird)enbüd)ern ,  von 
benen  Äeiner  ben  53eifa|j:  ,,.£>err"  füfyrt,  bewetfen.  (£r  nährte 
ftd)  gut,  beim  idum  im  3.  1610  war  er  im  ©tanbe  von  3$a* 
lentin  fange  ein  £au$  (Obergajfe  748),  unweit  beä  Töpfer 
berge*,  bei  bem  jejjt  abgebrochenen  duneren  9cfl£brurfentl)ore, 
um  375  sJHad  \\\  taufen,  ©obmc  zahlte  barauf  am  13.  Woo. 
1610,  200  m*xl  baar;  am  28.  gebr.  1612,  25  Warf;  am 
9.  gebr.  1613,  25.  SÄarf;  1614,  25  9Warf,  ebenfo  1616  unb 
bie  lefyte  VU  ;al)lung  erfolgte  nad)  bem  görlißer  Jtaufbudje  im 
3.  1618.  xH  ii f  bem  alten  ^olgfd)nitte  von  ÖJörlifr  auä  bem 
3al)re  1565,  ftefyt  man  bajj  baö  £auö  einen  Ijofyen  ÖJibel  von 
£ol$  l)atle.  3afob  ©öbme'ä  (Srben  vet  tauften  bajfelbe  1626 
unb  je&t  beft^t  e*  ber  iöätfetmeijter  6a)mibt.   3u  bent  £aufe 


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368 


liegt  ein  1825  auö  Berlin  gefdiirftetf  8tammbud>.  $fu$erbem 
erlangte  er  nod>  in  ber  (Stabt  bei  (Erwerbung  beä  SReifter* 
red)t6  eine  £d)uhbanf.  81$  er  bind)  bie  „Aurora"  1612  viel 
Viuffebn  erregt  fyatte,  gab  er  fein  bewerbe  gaitj  auf  unb  »er- 
faufte  bie  £d)ul)banf  an  (George  €ü|fcitbad)  um  470  s3ttarf 
baaren  (*)elbe0. 

(seitbem  er  fein  4paubwerf  aufgegeben  fyatte,  gerieth  er 
in  Dürftigfeit  unb  hat,  wie  bie  (Benbebriefe  fajliejjen  lafien*), 
von  Unterftü jungen  in  baarem  ©elbe  unb  Lebensmitteln  vor- 
nehmer unb  reicher  (Mönner,  feiner  gamilie  Dafein  gefriftet. 

3afob  33öf)m?  hatte  feilte  erjk  (sd)rift:  „9urora,  ober, 
über  bie  9tatur  unb  wie  IJlÜeö  von  Anfang  gewefen  unb  ge* 
woibcn  ift,  wie  bie  9?atur  unb  (Elemente  ereatürlid)  werben 
fevnb  unb  von  beiben  Dualitäten,  Sofern  unb  ©uten"  nur  für 
jid),  feineäwegö  für  Slnbere  niebergefd)  rieben**).  2)urd)  eiuen 
Verehrer  per  9laturpl)ilofopbie  —  man  glaubt  jfarl  v.  (Hilter 
auf  ^erd)a  bei  ®orli$  —  würbe  baö  Sud)  in  mehreren  $lb 
fd)riften  verbreitet  unb  erregte  ungemeinem  9(uffebeu,  «werfte 
ü)m  warme  greunbe  aber  and)  heftige  unb  gefährliche  $einbe, 
in  ber  9täl)e  unb  in  ber  gerne. 

6'iner  ber  heftigften  war  ber  bamalige  Primarius  ®re- 
goriud  9tid)ter.  isobalb  dichter  von  Sofyme'd  (Schrift  unb 
bem  babura)  l)ervorgebrad)fen  8uffehen  ()6rte,  erflärte  er  tfyn 
für  einen  gefäbrlid)en  <£d)wänner  unb  ruchlofen  <Seftirer,  ben 
er  alöbalb  von  ber  Äanjel  in  ber  (eibenfd)aft(id)ften  $8etfe 
angriff.  $>ieö  war  befonberö  in  einer  Htobigt,  am  28.  3uli 
1613,  ber  gaü,  wo  9fia)ter  über  bie  fa(fd)en  >Proph*ttn  P*c* 
bigte.  3fl>ei  Xage  vorder  war  ^öfnne  auf  bad  Ürathhattö 
vor  ben  iRath  geforbert  unb  über  feineu  Glauben  gefragt,  ju* 
gleid)  pm  ^tbftanbe  von  folgen  ^Treibereien  ermahnt  wür- 
ben. (£iner  G^ronif  nad)  foli  er  fogar  iu'ä  @)efängniß  gefegt, 
aber  balb  wieber  entlaffen  worben  fein.  6o  viel  ift  gewip, 
bafi  itjin  bao  *Ötanuffript  ber  1612  verfaßten  ,,8mora"  ab* 
geforbert  unb  biefed  83  Sogen  ftarfe  £eft  auf  bem  9tatl^ 
häufe  bid  jum  3.  1641  aufbewahrt  würbe.    8m  26.  9tovbr. 


•)  <£enbd>rirf<  6.  @.  22;  9.  @.  45;  21.  £\  115;  23.  <5.  140; 
37.  <©•  150;  61.  @.  248;  64.  ©.  259.  (er  mup  alfo  in  $reafcen  audj 
mit  ©elb  unterfhi^t  »orten  fein)  G6.  6.  262. 

*•)  §en*ebriffe,  <S.  3,  fc.  «u«gabe  »on  1682.  16. 


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3G9 


1641  fd>cnfte  e$  ber  SBürgermeijter  Dr.  Scipio  bem  amvefen* 
ben  fädjf.  £ofmarfd)all  ©eorg  v.  ^flug,  *>o»  weitem  baffelbe 
an  ben  Kaufmann  53everlanb  in  Slmfterbam  fam,  beffen  Arbeit 
ed  im  3-  1728  nudj  Serben  verfauften.  .SicUeictyt  ift  ed  noa) 
bort  311  finben. 

Den  30.  3u(i  1613  9faa)mittag6  mupte  $öljme  vor  ben 
Primarius  9tia)ter  in  beffen  SBotynung  femmen,  mürbe  Don 
ben  >}$räbifanten  ausgefragt  über  fein  ®laubenöbefeiintnijj  unb 
biepHtiite  mit  ifynen  fo  lange,  bi6  er  erflärt  fyabeu  foll,  et 
fci)e  feine  3rrtl)ümer  ein. 

SJöljme  fdjwieg  nun  bi$  jum  3.  1619,  pflegte  aber  fort* 
wäfjrenb  Umgang  mit  feinen  ®eiftedvenvanbten,  unb  trat  in 
'Öriefwecfyfel  mit  ilmen.  Die  Briefe  ftub  getrieben  an  £arl 
von  ^nber  auf  «eraja  unb  geopolböfyavn  (s)lr.  1.  vom  18. 
3anuar;  9fr.  2.  vom  22.  Df tober  1619;  9?r.  5.  vom  I.  De* 
jember  1619;  Dir.  6.  vom  4.  9)iai  1620;  9er.  37.  ofjne  Da* 
tum;  9tr.  54.  v.  3-  1623;  Wx.  52.  oljne  Datum,  »n  einen 
aewifien  (Srjrijtian  53ern^arb:  9tr.  4  (15.  November,  1619); 
9.  (12.  September  1620);  13.  (vom  8.  3uni  1621);  14.  (21. 
3um  1621);  21.  (29.  Dftober  1621);  24.  (28.  Hpril  1622); 
25.  (21.  3uni  1622);  26.  (3.  3ulr  1622),  29.  (8.  3uli  1621)-, 
32.  (12*  November  1622);  36.  (13.  Dejember  1622);  45.  (13. 
Df  tober  1623);  49.  (27.  Dejember  1623);  51.  (4.  iHvril  1624); 
57.  (5.  9Wai  1624);  augerbem  nodj  9tr.  27  unb  33  oljne 
Zugabe  be$  Xageä  unb  3at)vcö.  (£a#par  fiinbner  3öüner 
ju  Söeutben  9er.  12.  (vom  10.  3Rai  1621);  an  Dr.  med.  3of). 
Daniel  töofefytvifc,  praftifdjen  Slrjt  in  Striegau:  9er.  15.  (v. 
3.  3u(i  1621.)  19.  (5.  3uli  1622);  93altt>atar  5öalrt>cr  5^r.  7. 
(7.  3uni  1620);  $aul  Mtym,  »r.  8.(14.  »uguft  1620);  unb 
9tr.  11.  (18.  November  1620);  $lbrar;ara  v.  Sommerfelb  unb 
galfeuljain  auf  Söarta:  9er.  10.  (d.  d.  ©örlt$  1620);  Dr. 
(il)rifitian  eteinberg  9ir.  16.  (3.  3«li  1621);  Vlbrafjam  von 
granfenberg  9flr.  41.  (vom  20.  gebruar  1623);  3.  ®.  »on 
ea)weinid)en  9ir.  53.  (6.  «prill  624);  ©ottfrieb  greubenfjam* 
mer  9er.  42.  (27.  gebruar  1623);  unb  an  biefen  jugleia)  mit 
3ot)ann  £ufar  9er.  47.  (11.  November  1623);  Martin  9flo* 
fer  gu  ©olbberg  9er.  50.  (15.  9)(ar$  1624);  Dr.  med.  grieb* 
rief)  Traufe  tu  giegnifc  9er.  60.  (9.  9)cai  1624);  3of)ann  <Bu* 
totvdfi  9er.  35.  (13.  Dezember  t622);  ^uguft  Sippen  93er* 
Walter  ju  «jfa  9eo.  65.  unb  66  (beibe  or,ne  Datum);  enblia) 

Vtm*lU  von  0örli|. '  24 

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370 


an  Sobiatf  tfober,  Dr.  med.  in  ©örlifc  bie  widjtigften  be*üg* 
m  feiner  legten  SebeneJjeit.  Vier  9to.  61.  (vom  15.  Wai 
1624),  62  (vom  19.  Wai  1624),  63  (vom  23.  <Dtai  1624), 
64  (13.  3uni  1624)  jinfc  fämmtli*  auö  Dreoben  gefdjrieben. 
ecbließlidj  flnb  WKfi  eine  Slnjatyl  Briefe  vorl)auben  an  Unbe* 
rannte,  näntlt*  »o.  3.  17.  18.  20.  22.  28.  30.  31.  34.  38. 
39.  43.  46.  55.  58.  59.   SKebrere  bavon  finb  oljne  Saturn. 

©dt  Dem  3.  1619  erfreuen  von  «öfcme  in  rafdjer  Sei* 
infolge  Die  and)  auf  un#  gefommenen  Schriften*). 

Die  Senbbrfefe  fblb  für  3afob  Vö&me'ä  Viograpf>en  bie 
aUerroidjtigfte  Duelle,  aber  merfwürbigcrwerfe  bi$  je£t  fel)r 
wenig  bcnufct.  Sic  geben  und  einzelne  Momente  au* 
feinem  fceben,  belehren  und  über  ben  Umfang  feiner  wettläu* 
flfien  Verbindungen,  feine  Steifen  unb  gewahren  eine  flare 
törfenntnip  über  bie  9lnfd)auung  feiner  eigenen  Verljältnijfe. 
£>ie  ©riefe  jeigen  iljn  alö  einen  Wann,  ber  fid)  auö  inniger 
Ueberjcugung  für  feine  3bee  opfert,  aber  burdjauS  ni*t  bad 
praftifdjc  ßeben  ganj  außer  $ld)t  läßt,  al<3  järtlidjen  hatten 
unb  liebevollen  beforgten  Otter  feiner  Jfinbcr,  alö  tfjeilne^ 
menben  um  ba$  3i>ol>l  feiner  Verwanbten  befümmerten  greunb. 
Staut  aud)  feine  materielle  Sage  nidn  fo  fdjlimm  fein  fonnte, 
alt*  man  fid)  gewöljnlid)  benft,  war  fte  bvd)  befümmert  genug, 
wovon  er  &uweilen  Slnbeurungen  gibt.  @r  finbet  ftd)  in  bie 
Verfolgungen  feiner  $al)lreidjen  getnbe,  namentlich  in  bie  9Jad>* 
ftetlungen  feiner  görlifcer  «bgdnner  mit  ber  Ergebung  eincö 
($l)riften,  obwohl  bie  angetfyanen  Vcleibigungen  fgni  frdufenb 
unb  fc^mer^ltd)  fmb,  unb  iljn  im  $efüljl  feiner  Unfd^ulD,  wenn 
aud)  feiten,  \u  9leußerungen  bc$  geregten  Unwillens  bewegen, 
dr  tröfiet  feine  befümmerte  grau,  fudjt  fte  auf  ben  Stanbpunft 
ÄrijHi$er  Ergebung  $u  ergeben,  unb  erfennt  rid)ttg,  baß  He 
tym  angetane  odjmad)  in  ber  ^erriffeuen  3eit,  in  bem  jäm= 
merlidjen  ptyarifäifcfyen  6tolje,  ber  eigenmächtigen  Ueberbebung 
einer  fanatifdjen,  bogmatiftrenben,  volemiftrenben  ©eijtlic^feir, 
im  9letoc  liege,  unb  feine  Verfolgung  in  folgern  Umfange  ent* 
ftanben  fein  würbe,  wenn  ein  Öeleljrtcr  Vöfjmc'ä  Valjn  be* 
treten  Ijatte.  (Sr  freut  ftd)  über  bie  Sfoerfeummg',  welche  iljm 
in  ber  9Mlje  unb  weiten  gerne,  in  €d)leften,  gtttljauen,  eadj* 
fen,  «Korb*  uno  2öeft*5)cutfd)lanb  ju  Sfjeü  wirb,  ol)ne  bafc 

•)  Triften  a.  «.  O,  in  graiufcubfra'e  itbmti*föu\bun& 


I 

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371 


ftd)  irgenb  ©tot?,  irgenb  Dünfel  babei  bemerfbar  macht.  ®r 
jiebt  oollfommen  ein,  bafj  feine  geinbe  fiel)  burd)  ifyre  #eftig< 
feit  wnb  letbenfehaftliche  «ngrilfeweife  am  meiften  felbft  fdjaben, 
unb,  man  wirb  e$  bem  natürlichen  SÄanne  »ergeben,  lägt  auch 
nicht  unbeutlid)  merfen,  bafj  er  über  ihr  Siefen  lächele,  im 
£inblirf  auf  bie  ©enugthuung,  welche  i(>m  oon  ben  gebilbet* 
ften,  gelebrteften,  ihrer  3eit  vorausgeeilten  SKännern,  nament* 
lia)  am  breSbner  £ofe  au  Ztyii  wirb.  @r  ift  ein  ©thwäruter 
in  33ejug  auf  bie  göttlichen  ^Offenbarungen  ber  ©ibel,  obwohl 
lange  nicht  in  bem  Umfange  wie  einige  feiner  greunbe  gewe- 
fen  &u  fein  flehten.  (Sr  übt  mehrmals  Jfrttif  an  ben  ^eilt^eit 
$üd)ern,  erfennt  baS  oft  S&iberfprechenbe  in  Krfd)iebenen 
Stellen  unb  neigt  fta)  fjäufig,  $>anf  feinem  flüchten,  einfachen 
sJWenfcfjeHt>erfianbe,  $u  natürlichen  (irflärungen  tyn,  worin 
feine  Anhänger  fünftlid)e  unb  rmjftifcrje  £)eutuugen  unb  *ßro' 
pljejeiungen  lefen  wollen.  iSine  folche  Stelle  ift  3.  93.  im  8. 
Briefe  an  $aHl  Äaym  ©.  39:  „$aß  id)  (Sud)  aber  nicht 
eine  au6fü^rltc^e  Antwort  meinet  5kbenfenS,  wegen  @urer 
S3üd)lein  über  ben  1000jährigen  ©abbath,  auch  ber  400ja> 
rigen  3*'t  in  $ion  gebe,  welche  ihr  mit  vielen  jeugniffen  ber 
heiligen  ©ajrift  oermeint  &u  erweifen,  ift  baS  mein  Sebenfeu, 
fcafj  ia)  nicht  griinbltch  weiß,  ob  fid)  aud)  biefelben  ©prüche 
tal)in  gießen,  benn  eS  jinb  aud)  viel  Spruche  in  ber  ©d)rift, 
t>ie  fe()en,  als  wollten  fte  nicht  mel)r  als  eine  allgemeine  $luf* 
erftetjung  ber  lobten  anbeuten;  unb  ftnb  faft  h*Ue,  fonberlia) 
in  ben  üBorten  Greift*  in  ben  vier  (ivangeliften,  welche  ich 
für  bie  gewijfeften  halte/' 

Söenn  man  tiefe  Briefe,  fowie  feine  übrigen  ©Triften 
lieft  —  ein  weiteres  eingehen  auf  biefelben  ift  $er  nicht  wog* 
lid),  unb  gehört  in  eine  ausführliche  Mens befchreibung  3a* 
tob  ©öhme'S,  —  muß  man  su  ber  (£rfenntnip  fommen,  bafj 
Die  oft  bunflen  ©teilen  bei  S9ör/me  lebiglich  aus  einem  3wte* 
fpalt  feines  philofp^r>trent>en  ®eifteS,  welcher  (ich  über  bie 
bei  an  o&iefrtoiren  verfugte,  unb  feiner  umfaffenben  SMbel* 
fenntnif  h^oorgehen.  3)ie  reine  JDbjcfrivität  founte  er  aber 
nicht  erlangen,  weil  ihm  bie  Äenntniji  ber  Gilten,  mit  einem 
Sßorte  Hafjtfche  »ilbung  fehlte.  3ur  Unverftänblidjfeit  trägt 
manchmal  feine  mit  ©orliciSmen  untermifchte  ©pradje  bei. 
Um  fo  merfwürbiger  ift  eS,  baß  er  noch  fo  viel  treffenbe  HuS* 
brüefe  für  bie  ©egenfäfe  finbet,  in  weiter  »ejiehung  fei« 

24*  s 


372 


®eift  wafjrljaft  fc^opferifd)  ift.  Sfud)  lateinifd)e  Begegnungen, 
wie  ens  etc.,  verfdjmäljt  er  nic^t/  wenn  er  vermeint,  in  ber 
sJOJutterfvrad}c  nidjt  t>eutlid>  genug  gewefen  ju  fein,  entfd)Hl- 
bigt  ftd>  audj  beetyalb  mel)rmal$. 

3m  3.  1619  fdjreibt  $öl)me:  (eenbebriefe  9?r.  4.  e.  16.) 
er  fjabe  viele  SBeforgungen  wegen  ber  Xodjter  feine*  verfror* 
beneu  $ruberc3  unb  muffe  bedbalb  viel  auf«  Kaub  gerjeu;  in 
bemfelben  3af)re  machte  er  eine  pfeife  uad)  ^rag,  unb  wol>nte 
bem  Ginjuge  tföuia  griebri^'ö  v.  b.  $fal<  bei.  (ibid.  €.  17.) 
3m  folgenben  3abre  1620  war  er  ftu  2Beid)a.  1621  lag 
^ofjnte  fedjä  sBod)en  an  einem  von  $urd>utglern  gebradjteu 
anfterfenben  gieber  franf. 

3m  3.  1622  gingen  wieber  bie  Dualen  Seiten*  beö  ^ri- 
martuö  iHidjter  an,  welken  bie  Triften  „von  ber  öuße  unb 
wahren  $elaffenl)eit"  in  beu  dujjerfien  Horn  verfemt  Ratten. 
Gr  fing  ben  Streit  mit  9$öl)me  von  Beuern  an,  »rebigte  wiber 
i f>it  unb  liejj  brei  lateintfd)e  ©ebidrte  auf  Sööljmc  veröffent^ 
lid)en.  lieber  baä  erfte  fagt  ©öbrne  felbft:  „baä  *ßa$quill  f>at 
ber  allergröbfte  Xeufel  biftiret,  beim  er  fyat  feine  Alanen  ja 
gar  .;u  Map  bariimen  entbeefet,  baß  man  Har  tieftet,  baf?  er 
ein  Lügner  unb  sJWörber  ift,  uub  wirb  vielen  3)ienfd)en  jur 
SBaruung  fein,  baß  fte  werben  belfere  Wdjtung  auf  ityre  <8ee* 
im  Ijaben",  mit  beut  93eifafce,  bat*  biefeä  ^ääqutll  W  W  al- 
len ®elef)rten  bem  &atan  jugefdjrieben  werben  fei.  OSeiibe* 
briefe  »o.  50.  ®.  221.) 

Gr  bemerft  nun  (15.  9Mq  1624),  baf?  burd)  biefe  Scfymä- 
Ijungen  feine  8d)rifteu  viel  bekannter  würben,  alö  e#  fonft  ge- 
fdjeben  wäre;  3eber  fei  jejjt  begierig,  bie  verfeuerten  ^üd)er 
&u  lefen.  Da*  erfte  ift  vom  7. $tdn  1623:  Judicium  de  fana- 
ticis  sutoris  enthusinstici  scriptis;  ba#  zweite  ift  vom  6.  SXärj 
1624,  überfer/rieben :  £ulor  antichrislus;  ba$  britte  enbltd), 
vom  27.  9Wän  1624,  Ijeipt:  (senbebrief.  $)od)  ntot  bloä 
burd)  fold)e  £d)mäl)fd)riften  griff  il)n  ber  fauatifdje  *}$rimartn$ 
an;  er  wanbte  fiel)  $u  bem  bequemen  ^Wittel  verächtlicher  Seelen, 
welche  mit  ifyren  geiftigen  9Baffeu  nicfyt  ui  liegen  wiffen,  uu 
$)enuneiation,  unb  ging  mit  einer  JUage  an  ben  *Katfy.  Dinner 
bem  regte  er  in  feineu  bonnernben  Jtanjclreben  bie  GJemeinbe 
auf;  ci  miiffeu  Aufläufe  vor  23öfyme'$  «£>aufc  entftanben  unb 
überhaupt  eine  fefyr  gereifte  Stimmung  gegen  93öt)me  gewefen 
(ein,  ba  ifym  ber  görlü)er  SRagijlrat  ben  viatf)  gab,  bie  &tat>t 


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373 


auf  einige  tyit  &u  verlaffen.  SBährenb  feiner  8bWefenl)eit  in 
Dreyen  fdjeint  man  if)m  Die  genfter  eingeworfen  au  i)abeu, 
ba  feine  grau  anfragte,  ob  fte  titd>t  folle  genfterlaben  machen 
laffen,  worauf  nachftehwber  93eftheib  erfolgte:  „sINein  2Beib 
barf  feine  genfterlaben  beähalben  (äffen  machen,  wollen  fte 
biefe  einwerfen,  ba$  mögen  fte  t^uen,  fo  ftefyet  man  be$ 
henpriefterS  gvüdjte.  Sie  foll  fid)  boef)  noch  ein  wenig  ge* 
bulben;  fyat  fte  nicht  diaum  $u  ©örlifc,  fo  will  ich  fte  wofyl 
an  Ort  unb  ©teile  verfchaffen,  ba  fte  wirb  griebe  l)aben.  Sic 
bleibe  bod)  nur  &u  £aufe  unb  gehe  utc^t  ohne  ^ot^  auö,  unb 
laffe  ben  geiub  toben;  er  wirb  fte  nicht  freien!" 

Die  3)enunciation  beä  ^erm  üßrimariu*  war  am  23.  5ttärj 
1624  auf  ba$  Oiatfytyauö  gelangt;  am  26.  erfolgte  Vöhme'ä 
Vernehmung,  welche  bamit  enbete,  baß  man  ihm  rieth,  $ur  Ve* 
rul)igung  ber  ©emütr)er  einige  3^1  bie  Stabt  ju  verlaffen,  ba 
ifym  $war  ber  größte  Xt>etl  beä  iRaJhcS  gewogen  war,  eä  aber 
nicht  offen  wagte,  bem  ^rimariud  entfehieben  entgegen  $u 
treten.  3afob  Sööhme  ^atte  narf)pel)enbe  Verantwortung  auf* 
gefchrieben,  weldje  ber  Satty  jebod)  nicht  entgegennahm  (53.  - 
»rief  S.  226). 

„3afob  Vöhmeu'd*)  fdjriftlidje  Verantwortung  an  (S.  (£. 
[Rath  ju  ©örlifc,  wiber  be6  Primarii  Säfterung,  £ügen  unb 
Verfolgung  über  baä  gebruefte  Vüd)lein  von  ber  Vuße:  (Sole, 
^renvefte,  Sichtbare,  «jpocfegelahrte,  ©roßgünftige  unb  2öol)U 
weife  «Sperren!  3<h  erfc^cine  vor  meinen  Herren,  aber  jefco  alä 
ein  6l)rifi,  unb  bereit  von  meinen  ©abeu  unb  (£rfenntniß, 
welche  id)  einig  unb  allein  von  göttlicher  ©nabe,  als  ein  ©e- 
febenfe  l)abe  empfangen,  Dtedjenfchaft  ju  geben. 

2)  Von  meiner  ^erfon  weiß  id)  anberfl  nichts  ju  fagen/ 
al$  baß  id^  ein  £ai  unb  einfältiger  ^ann  bin,  unb  habe  mich 
al£  ein  Shrift  mit  ber  Siebe  meinet  i£>eilaubeei  verliebet,  unb 
er  h&*  P4  m*1  verliebet  unb  verlobet  nad)  ber  3nwenbig* 
fett  meiner  Seelen,  bavon,  fo  e$  von  mir  geforbert  würbe,  ich 
^cchenfd)aft  geben  wollte. 

3)  £(ud  folcher  ©abe  t>abe  ich  meine  (*rfenntniß  unb 
SBiffenfchaft,  unb  gar  nicht  vom  Xeufel,  wie  ich  unbillig 
läftert  werbe;  bavon  eine  ernjle  SRedjenfchaft,  fü'tm  ©erici)te 
ßhrifti  gehören  wirb.    &$ie  gefchriebeu  ftcljet,  wer  ben  f)tiL 


•)  54.  «tief.  6.  228. 


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374 


©cift  läflert,  r)at  feine  ©er^ebung  ewiqlicf»;  ba  id)  bodj  meu 
nen  $ßit>erpart  ba«  &er*li(r)e  Erbarmen  @otte6  wiinfcr)e. 

4)  Wein  erfteS  93uc^  habe  id)  in  folefter  (Jifenntnijj  nur 
für  miefy  felber  ftu  einem  wmorial  gefd^rieben,  in  Göttien, 
folc^c6  allein  bei  mir  flu  behalten,  unb  feinem  Wengen 
geigen;  foldjeS  ift  mir  aber  burd)  göttlidje  ©cfyfdung  endogen 
nni)  bem  $errn  ^rimario  gegeben  worben,  wie  ein  ehrbarer 
9tarf)  wofyl  weifr 

5)  3m  felbigen  93ud)  ift  ein  |>f>tCofo)>l>tf<^er  unb  tljeofo* 
Mifdjer  ©runb  mit  folgen  Sorten  betrieben,  wie  kfy 'bfefcl* 
ben  ju  berfeiben  3e^/  in  meiner  (Einfalt  für  mi<r)  felber  tyabe 
toerftefyen  mögen  unb  l)ab  tcf>  nid)t  gemeint,  bajj  e$  3cm anb 
anber*  lefen  füllte.  $>affelbe  33ud)  pat  mir  ber  ^err  ^Prima- 
rius ganj  mit  frembem  ÖSerftanbe,  wiber  meine  Meinung  ange- 
flogen,  unb  biefe  ganje  $eit  alfo  geläftert,  weldjeä  idj,  um 
($i)riftt  ßfyre  bitten  alfo  in  ©ebulb  gerragen  r)abe. 

6)  Hit  id)  midj  aber  vorm  sU?imfterto  gegen  ifyn  want* 
wortet,  wnb  angezeigt  meinen  ©runb,  fo  ift  mir  oom  tjpimrn 
^rimario  auferleget  worben,  mcr)t  mefyr  alfo  fd)reiben,  mU 
dft$  id)  ja  bewilliget,  ben  SBeg  ©orte*  aber,  wa$  er  mit  mir 
tpun  wollen,  fyube  bamate  nod)  nfdjt  toerffrmben.  hingegen 
r)at  mir  ber  ^err  Primarius  fammt  ben  anberen  $räbifanten 
jtugefagt,  fyinfort  auf  ber  jran^el  ^u  fd^weigen,  Weltes  aber 
nidjt  gef(r)e[)en  ift;  fonbern  fyat  mi(t/  bie  ganje  3«t  fdmtäfylid) 
geläftert,  unb  mir  öftere  $)inge  äugemejfen,  berer  i<t)  gar  tiidr>t 
fdjulbig  bin,  nnb  alfo  bie  ganje  ©tabt  läfternbe  unb  irre  ge- 
macht, baß  id)  fammt  meinem  SBeibe  unb  Jfinbern  r)abe  miif* 
fen  ein  6d)aufpiel,  (fnle  unb  9iarr  unter  ir)nen  fein.  3dj  r)abe 
ferner  ade  mein  Schreiben  unb  9teben  oon  foldjer  fwfyeit  unb 
(frfenntnfp  gättlidjer  $inge,  anf  fein  Verbot,  oiel  3aljr  bleiben 
laffen,  nnb  gefjoffet,  e$  werbe  beä  ©djmäfyen*  einmal  ein  fenbe 
fein,  weld)e$  aber  ni<r)t  gef<r)el)en,  fonbern  immerbar  ärger  ge* 
werben  ift. 

7)  Sei  biefem  r)at  e$  ber  £err  *ßrtmariuö  nidjt  bleiben 
laffen,  fonbern  Ijat  mein  9ud),  unb  SJerantwortung  in  frembe 
JDerter,  Stäbte  unb  Dörfer  weqflcliefjen,  unb  baffelbe  felber 
auögefprettget,  gan$  otyne  mein  S&iffen  unb  Millen,  ba  e$  bann 
tft  nad)gef(t)rieben,  unb  viel  mit  anbern  9ugen  angelegen  wor* 
ben,  als  er  ed  angefefyen;  baburd)  ift  es  au<r)  von  ein«  ©tabt 
jur  anbern,  ju  »ielen  ©elefyrten,  bei  Sßriefttrn  unb  2>oftoren, 


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375 


unb  fielen  abcligen  ^erfonen,  wie  bcnn  aud)  mm  .£>erjog  $u 
ber  Siegnifc,  welker  e<3  begehret,  gefommen,  aber  nur  gann 
unbewußt,  ohne  meinen  5Öillen. 

8)  Scadjmnlä  haben  ftd)  viel  gelehrte  9Ränner  von  s|uie 
Hern  r  Doftoren,  auch  abelige  unb  qräfltd>ep  uuvoM  aud)  etliche 
fürftltd)e  $erfonen,  mit  «Schreiben,  auu>  ein  £beil  in  eigner 
Reifen  mir  jugefüaet,  unb  von  meiner  Ö)abe  (hfenntniß  unb 
$cfcnntniß  ein  mehreren  gebeten.  Denen  id)  anfänglich  gefa* 
v u t  r  td)  bürfe  e$  tüd)t  ihnen,  eo  fei  mir  vom  <£>errn  *4>rimario 
verboten.  Sie  aber  haben  mir  bie  Sdjrifl  mit  ernftlidjem 
Dräuen  göttlicher  r  träfe  fürgejogen,  unb  ange^eiget,  caf?  ein 
3ebet  foll  bereit  fein,  feiner  (Mabeu  Mnb  (Glaubend,  fammt  ber 
Hoffnung  föecbenfcbaft  p  geben;  uno  baß  ©ott  würbe  ba* 
$futU>  von  mir  nehmen,  unb  bem  geben,  ber  e#  anleget;  aud) 
fcaß  man  ©Ott  met)r,  alö  s3Renfd)eu  get)ord)en  muffe,  weldjeä  id) 
betrachtet  unb  ;u  ©ott  gefielet,  wo  fo(d)ed  nidu  feinem  tarnen 
;u  (Muni  gereta)eu  folltc,  baß  er  ed  wollte  von  mir  nehmen, 
unb  habe  mid)  >m  ganj  unb  gar  in  feinen  SBillen  gegeben, 

,  mit  33eteu  \u  ihm  unb  Ziehen  £ag  uno  s)(ad)t,  bi$  mir  bie 
göttlid)e  cble  ©abe  ift  erneuert,  unb  mit  großem  rjimmlifdjen 
£icf)t  ange^ünbet  worDen. 

9)  So  habe  id)  angefangen  ben  Herren,  auf  tf)re  Sragcn 
in  göttlicher  l*rfenntniß  ju  antworten,  unb  auf  3Mtte  unb 
gcfjrcn,  etltd)c  Süd)(ein  gefd)rieben,  unter  welchen  aud)  biefed 
von  Der  Stoff**  roeld)e6  attje^t  gebrurft  werben  ift,  gewefen  iflt. 

10)  Denn  in  tiefem  93üd)lein  ift  mein  eigener  *l$roccß, 
baburd)  id)  meine  @)abe  von  ©ort  habe  erlanget,  aufgezeichnet, 
wela^eö  auf  t)ol)cr  unD  gelehrter  tfeHte  SMttc  ift  gefdjrieben 
worben,  unb  ifi  ctlid)en  fo  rief  In  tl>r  £erj  gefallen,  bap  eä 
ein  Vornehmer  von  §lt>el*)  auä  £icbe  t)dt  brurfen  laffeu. 

11)  Daß  aber  ber  Äerr  Primarius  fo  heftig  bawtbcr 
oonnert,  unb  oaffelbc  wm  geuer  verurtheilet,  aud)  meine  sJ*er* 
fon  fo  fd)mdl)(ig  ansehet,  unb  mir  bie  ganje  ©emeiue  auf 
ben  <£>al$  be&et,  auch  vorgibt,  id)  hätte  Die  gange  Stabt  ©orlifc 
fammt  bem  gürftenttjum  i'iegnifc  bamit  vergiftet,  unb  baffelbe 
audgefprenget,  uttb  baß  große  klagen  von  ben  trieft  cm  ui 
giegnty  Deswegen  über  mid)  ergingen,  auch  baß  barunt  (S. 
eh^*wr  ^ai^  fammt  ber  ©tabt  (&örli#,  in  @efaf)r  frünben. 


*)  $an«  ^igidmunb  *.  <3d>w<intd)en. 


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376 


12)  Darauf  gebe  r d>  uu  Antwort,  bar?  m d>  folcheö  mit 
richten  a(fo  verhalte,  mir  baß  mir  foldjeä  au$  böfer  Neigung, 
7i uv  von  etlichen  wenigen,  unb  vielleicht  wof)l  t>ttrct>  be$  £errn 
Primarii  eigene  gtnreijung  zugerichtet  werben;  weiln  er  vox 
merfet,  baß  meine  Unfchulo  fcüe  an  ben  Xag  fommen. 

13)  $)enn  erftlidj  ^abe  ict>  baä  Süd)letn  felber  nidu 
rinden  (äffen f  |um  anbern  tyabc  idj'ä  nicht  felber  in'ö  gürten* 
lhnn  $iegni$  eingefprengt;  fonbern  ber  Patron,  welcher  c*> 
bruefen  laffcit ,  hat  e$  feinen  a rennten  unb  Sefannten  gefd>itfct. 
3um  brüten,  weiß  ld)  baß  fein  Vorgeben  wegen  foldjer  ©efabr, 
al0  foltte  li d>  ber  «£>er}cg  ui  Siegnifc  fammt  ber  gangen  v^ue- 
fterfchaft  befchweren,  ftep  gan;  nicht  alfo  verhält,  benu  ich 
weiß  foviel,  baß  e$  ber  ^erjog  fammt  etlichen  Warben,  fowefyl 
viel  ber  ^riefter  felber  lefen,  unb  wirb  &on  »ielen  *J$räbifanten, 
fammt  etlichen  von  ben  Iwtyen  8d)ulen,  welche  trefflid)  gelehrte 
Männer  fmb,  geliebt;  auc^  wirb'*  am  Jfcurfürftl.  ^ofe  $u 
2)re$ben  unb  <£achfeu,  von  vornehmen  Herren  geliebt,  wie  benn 
aud)  bei  etlichen  ?)ieid)$fürftcn  unb  Herren  ber  9leid)c3ftäbte, 
wie  id)  foldjeä  mit  Bielen  ^Briefen  $u  beweifen  hätte. 

14)  Unb  ^alt  berewegen  gänzlich  bafür,  baß  mir  btefeä 
Sab  fei  Bern  Xeufel  unb  feinem  Dteidj  zugerichtet,  weil  er 
fteht,  baß  fein  Oteidj  baburdj  offenbaret,  unb  ber  SRenfö  jur 
Süße  unb  christlichem  2L*anbel  angewiefen  wirb. 

15)  2öeil  aber  ber  £crr  Primarius  mein  Süchlein  aum 
geuer  »erbammet,  fo  bitte  unb  begehre  ich  nach  ©ottet*  3ßil* 
len,  @.  (Ehrbarer  JKatf)  wolle  ihm  befehlen,  baß  er  mir  meine 
3rrthümer  2(rtifel6-28etfe  auö  btefem  Süchlein  aufzeichne,  unb 
mich  \\n  Antwort  fommen  laffe,  ober  jtt  einem  mimblichen 
©efpräd)  in  Seifein  etlicher  Herren  be$  9tath$.  3ft'ä  bann, 
baß  er  mir  wirb  einen  3rrtbum  beweifen,  fo  will  ich  mid) 
herzlich  gerne  weifen  lajfen,  unb  ihm  folgen:  2Bo  aber  nicht, 
weil  e$  im  $>rurf  ift,  fo  mag  er  auch  bawiber  fd)reibe?r,  fo 
ed  (£.  (§hrb.  ?Kath  gefallet:  e$  werben  febon  gelehrte  tfeutc 
fein,  welche  fid)  meiner  annehmen  unb  ihm  antworten  werben, 
ob  id}'6  gleich  tüd>r  tnate. 

16)  £e$lid)  ha*  wich  vor  ber  ganjen  ©emeine  auöge* 
fchrteen,  ich  »erachte  bte  Äirchen  unb  heiligen  Saframente,  unb 
mich  $um  ofternmal  für  einen  Äe$er,  Schwärmer  unb  £qüun* 
fen  gefcholten,  unb  mich  an  meinem  wohl  hcr9*brachten,  m»p 
barin  Pete  wohl  »erhaltenen  (Shren,  unb  guten  ehrlichen 

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377 


men  angetaftet,  aud)  fo(cf>e  Dinge,  weldje  alle  nid)t  wahr 
finb,  mir  aufgeleget  mit  gefaget,  id)  faufc  und)  fletd  voll 
93raubtewein,  aud)  anbcrn  SBdftt  unb  3Mer'<9,  Wie  ein  8d)wein, 
w<  :ld)eö  'aber  wiber  (*h>tt,  (S^re,  *Red)t  unb  alle  2Babrl)eit  mir 
äugelegct  wirb,  aufl  lauter  böfen  flffefteu,  mich  bei  ber  (Ge- 
meine verbaßt  \u  machen. 

17)  Denn  erfttid)  veralte  id)  feine  Treben,  benn  id)  gehe 
felber  funein,  viel  weniger  t>te  heiligen  Saframcnte,  beren  id) 
miä)  felber  gebrauche,  fontern  id)  befenne  beu  Xempel  3efum 
Gbriftum  in  und,  bafj  wir  Cfyriftim  in  nnferm  ^>er^en  feilten 
lehren,  nad)  ©t.  Stepbani  unb  ber  lÄpeftel  fcebre.  So  betbe 
id)  auef)  von  ben  f)eiliijen  Saframenten  flarer  gefdjrieben,  als* 
id)  auf  ber  tfanjel  von  if)m  nod)  niemals  gehöret,  wie  foldje* 
ju  erweifen  wäre. 

18)  €o  bin  id)  aud)  fein  Sefjrer  ober  *ßrebiger,  unb  pre- 
bige  ober  lehre  niebt;  fenbern  gebe  nur  föecbenfd)aft  von  mei- 
ner  ©abe  unb  (*rfenntni|i,  wie  id)  bin  baju  gefommen,  unb 
barf  fid)  meinethalben  $iemanb  einet*  ÄhtyingS  fürd)ten;  benn 
id)  gcf)c  mit  meinem  Talent  nid)t  mit  gemeinen  Seilten  um, 
fenbern  mit^oftoren,^riefternunb(vbeUeuten,  welche  gelehrt  ftnb. 

19)  ÜBitte  terowegeu  E.  (*hrcnveften  unb  ^oc^wetfcri 
[Rath,  mid)  wegen  feld)en  ebrenrübrerifc^eu  Sdjmähungen  unb 
unwahrl)aftigen  Auflag,  in  gebührlichen  £d)u(>  $u  nehmen, 
benn  mir  gcfct>tef>et  mit  feld)er  Auflage  ©ewalt  unb  Unrecht, 
unb  bin  fein  äirchen-  unb  Saframent*gäjtarer,  viel  weniger 
ein  Xrunfenbelb,  foubern  lebe  gan$  nüchtern,  mit  Beten  unb 
Webitiren  in  gettllc^cr  ©abc,  berufe  mich  aud)  auf  bie  gange 
Stabt,  unb  wein*  ich,  Mn  Storni  fein  wirb,  ber  mich  fol* 
d)cö  aeitjen  fann.  33etm  £erm  ^rimario  bürftc  man  woU 
öftere  benfelben  trunfen  Storni  ftnben;  id)  aber  femme  fafl  in 
feinet  $cenfd)en  £auö  el)nc  9cotf),  viel  weniger  in  SBier^cxu 
fer  ober  S-H3einfeller,  fenbern  lebe  än)am  unb  füll,  wie  GL  £l)r- 


3m  aKemorialbuche  be$  görlifcer  «Rath*  vom  26.  $Jcärj 
1624  lautet  bie  9?otij  über  bie  iBerhanblung  mit  3afob 
93öf)ine: 

„3afob  Söhnte  ber  6d)ufter  vnbt  verwirrte  (Snthujiaft 
ober  gantafl  fpricht,  er  l)abe  ba$  S3ud)  jum  ewigen  Seben  an- 
gefertigt, fyabt  aber  foldjeä  nicht  truefen  laffen,  fonbern  e$ 


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»78  _ 

fyabe  einer  vom  Slbel,  $an$  Sigiämunb  von  Sdjwetnflrjau*, 
e$  truefen  laffen. 

3fl  vom  9that  verwarnet  worben,  feinen  Stab  ferner  ;u 
fefcen  ober  in  (fntfrebiing  ber  ©üte  foll  fold)e<3  3brer  Gtyur* 
furftl.  (Knaben  beliebtet  werben. 

Darauf  er  fid>  erelerer,  er  wolle  elften  $age6  ficf>  weg* 
madjen." 

Der  görlifccr  föatf)  beftattv  1624  auö  folgenben  ^erren: 
I.  ©nrgermeifhrr :  2Bolfgang  Stoiberger.  II.  Consules:  gr. 
Scbwetrtg,  SBartbolom.  3afobt,  M.  (ibrift.  Staube.  III.  Sca- 
bini:  (S.  (funrab,  33.  ,£agenborn,  gr.,93e»er,  Siatb.  Scultetti^, 
3Öiganb  Voller  v.  Wollerftein,  ©eorg  ^audborf.  IV.  Scna- 
lores:  %.  görfrer,  $ob.  ©ranfcfe,  Severin  Sdjnitcer,  Sipu 
bifu*  M.Sebaftian  Jtreb*. 

Äm  9.  *)lai  reifte  3'afob  Böhme  nach  Dretfben  ab  unt> 
Ovar  über  Zittau,  wofelbft  er  vorzüglich  mit  3or)ann  s3JcVlitud 
gürftenauer,  jcbaim  ^artia  unb  sJwattl)iaö  SHenifd)  Umgang 
pflog,  aud)  von  ibnen  mit  weifegelD  untcrjtüfct  warb. 

33ei  ber  ünlunft  in  Dreäbcn  würbe  er  fcr)r  gut  aufge- 
nommen unb  war  ber  ©aft  beö  93enebift  Jpenrfelmann.  fein 
würbe  er  aufgefaßt  von  vielen  feiebf.  ^of  beamtet! ,  unter  an- 
bern  bem  Kämmerer  3oad)im  v.  Vof?,  beut  £aüö'slttarfd)aU, 
bem  Cber-Stallmeifkr,  bem  Suverintenbenten  Hegibiud  Strand), 
benen  v.  Sdjwalbadj  u.  a.  flm  erpeu  *Hfmgftfeiertage  (16.  üRaf) 
Ijatte  $encfelmann  bie  Anhänger  33öf)me'ö  ju  ©aflc  gelaben, 
wobei  viel  über  ©örlifc  gefvrodjen  unb  bie  93erwuuberung  ge^ 
äußert  warb,  bafi  ber  Diatty  einen  folgen  ^rimarttid  nidjt  $ur 
Drbnung  bringen  unb  bie  @inwobnerfd)aft  von  ©örlifc  fo 
tböriebt  fei"  Wnne,  ftcf/  ju  berartigen  (Srjeffen,  wie  vorgekommen, 
t)inrcificu  $u  laffen. 

21m  20.  Sxai  fuhren  bie  ©enannten  auf  beö  3<>ad)im 
v.  2ojj  (Sinlabnng  nad)  Sdjlofj  *|MUnip,  um  bort  mehrere  an* 
genehme  Üagc  im  traulichen  ©efvrädje  |u  verleben. 

$lm  20.  3uni  würbe  jwifeben  ©ör)me  unb  vielen  für- 
fürftl.  onftfitorialrdtr)en  ein  Kolloquium  abgebalten,  welcfyeä 
er  jur  3nfnfbenbeit  tfllcr  auf  ba6  *Rür)mlid)fte  beftanb. 

93on  Dreyen  begab  (ich  33öl)mc  nach  Sdjlejten  jum 
£errn  v.  Schweinigel!,  verfiel  aber  bort  in  ein  l)ifctge$  gieber 
rinb  würbe  auf  feinen  SÖunfd)  nad}  ©or(t(  gebracht. 

311«  er  bort  aUmälig  fdjwätyr  würbe,  reifte  t^m  H.  mia* 


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370 


'IfjeoboruS  ba$  9fbenbma^l,  nadtbem  er  mit  ihm  ein  langet 
CMcfpräct)  an^efletlt  hatte.  Um  17.  November  €>onntag$  rief 
SSöfyme  plöVlid)  feinett  6of)n  Sobiaö,  fragenb:  „ob  er  aud) 
bie  fc^dtte  3Wuftf  fyöre."  biefer  eä  verneinte,  ließ  er  bie 
Zfynxt  weiter  offnen,  unt  ben  <9efang  beffer  ju  tydren.  (ix 
fragte  wie  fpät  ed  fei?  VUö  man  ihm  an  muntere  eö  babe  uvn 
Ufyr  gefctylagen,  meinte  er:  „Da6  ift  ned)  nid>t  meine  3eit, 
nad>  bret  6tunbett  ift  meine  3^*:  O  bu  jlarfer  ©Ott  3*&fl0tl)/ 
rette  mia)  nad)  beinern  SBillen!  £)  bn  gefrett*igter  $txx  3eftt 
(Sfyriße,  erbarm  bid)  mein,  unb  nimm  mid)  in  bein  *Reid)!" 
Um  6  llhi  sAVorgeno  nafym  er  plöfcltd)  Vlbutur  von  fetner 
grau  unt>  bem  a  iure  teuren  Sofyn'e,  fegnete  fit  nnb  nad)  ben 
Sßorfen:  „9iun  fal>re  id)  f}Ht  in'ö  ^jarateiö!"  feuftte  er  nod) 
einmal,  ttm  bann  fanft  ju  entfdjlafen. 

^obme  war  flein  unb  fyager,  (jatte  eine  niebrtge  Stirn, 
etwaä  gebogene  9fafe,  grau 'blaue  klugen,  einen  bönnen  Bart 
unb  ni du  uj  ftarfe  Stimme;  war  aber  im  Umgange  angenehm 
unb  ba&er  bei  betten,  weldje  ifyn  näber  fattnten,  febr  beliebt, 
bitter  feiner  $ftiptfyrik}e,  ben  er  faf*  in  jebe$  6tammbua) 
fdjrieb,  war: 

„Sem  $tit  W  wie  (fwfgfeit 
Unb  (£wig,feit  wie  itit 
$>er  i|t  befreit 
*«Bon  allem  «Streit/' 

9lcd)  nad)  feinem  Xobe  verfolgte  tf>n  ber  Sjafi  ber  ©etft- 
liaMett  föidjter  war  *war  fdwn  vor  Böfjme  geftorben,  aber 
fein  9tadjfolger  M.  9tifolau$  !£ fyomatf  war  eben  fo  fanatffd) 
unb  mad)te  große  Sdjwierigfeiten  in  $ejug  auf  ein  et)rlid?e$ 
Söegräbnfp.  S)ie  arme  tyinterlaffettc  grau  Böfjraed  fa)rieb 
reehalb  mehrmals  an  ben  föatb. 

3n  golge  eined  jwriten  €>a)retben$  ging  ein  ernfter  Be- 
fehl an  ben  ^rtmartuö  unb  bie  ^äbtfanten,  bie  33eftattttng 
vorf<fyrift$mäßtg  voll$iel)en.  ^er  *^rtmariud  gab  fta)  für 
franf  attä;  bie  ^räbifanten  mußten  mitgeben,  wenn  fte  nidjt 
aUer  wetteten  Beförbetuttg  (Seitend  be$  Marne*  von  ©örlifc 
verluftig  geljen  wollten. 

<2)te  ^rebigt,  wcld)e  M.  (Sita*  S)ittrid)  (Sfjeoboru*)  fjtelt, 
war  ein  dufter  von  Un^art^eit;  ein  glAnjenbed  aber  trattrigeä 
3^ugniß  jeneä  ganatidmttä,  welker  ber  guten  6aa)e  be$  44ko* 
ieftanti$mu6  fo  vielen  Stäben  getfyan  f)at. 


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380 


&ber  aud)  nod)  im  ©rabe  woUte  man  ©öfyme'n  feine 
^Kiibc  gönnen.  Die  görlifcer  (#eiftlid)feit  unterlieg  nicbt  ba$ 
6a)mät)en  auf  ben  Jtanjeln.  Der  9tatl)  mußte  ftd)  tu'ö  Littel 
legen,  unb  e$  eraing  am  10.  December  1634  ein  fdjarfeS  De- 
fett  ©eilen*  beffelben  OJHemorialbud)):  „ftd)  be*  3nvef)tren* 
von  ben  ^anjeln  ferner  ;u  enthalten/'  worauf  euDltc^  ber 
öffentliche  6fanbal  befeitigt  würbe. 

„(*in  ^ropljet  gilt  nicfjtä  in  feinem  s2kterlanbe!"  Huf 
wenige  3Äenfa>en  läßt  ftd)  biefed  Sprüdjwort  fo  anwenben, 
wie  auf  3afob  ©öf)me.  Säfyrenb  er  in  ber  £eimatl)  verfolgt, 
»erbädjtigt,  gelagert  unb  auf  bie  boöljafleftc  Seife  gequält 
würbe,  fo  baß  man  nidjt  einmal  ba$  weldjeö  ifym 

greunbe  auf  feine  !Knf)eflätte  festen,  fte^eu  liep*),  fanb  er  au 
berwärtS  bie  Slnerfennung  in  grogartigem  sJ)iaage  unb  war 
mpi  berechtigt  ;u  fdjreiben  ((senbebrief  51.  <©.  223):  „Sa* 
mein  ^aterlanb  wegwirft,  baö  werben  frembe  Golfer  mit  greu- 
ben  aufgeben." 

3m  61.  ©riefe  fpridjt  er  bie  ^offnung  au<3  (<2.  217): 
„Denn  ba$  fünftige  Sefulum  wirb  md)t  3™*™,  ©eißen  unb 
6d)lagcn  fein,  fonbern  Viebe  unb  ®ebulb,  griebe  unb  greube 
in  (£rfenntni0  göttlicher  (Habe." 

Die  grage:  ifl  biefe  3eit  in  ©e$ug  auf  ben  ©lauben 
fa>n  gefommen?  muß  leiber  mit:  „Wein!"  beantwortet  werben. 

9fod>  ifl  Sefflng'd  ®letcf>ttt^  „ber  brei  töinge  in  9latyait 
bem  Seifen,"  mit  feiner  tiefftnnigen  Saf>rf)eit,  ein  frommer 
Sunfa)  geblieben.  9cod)  greifen  fia>  nia)t  blo*  bie  verfette- 
beneu  ©efenntniffe  auf  bem  ©oben  ber  Religion  auf  bie  ver 
fdjiebenartigfte  Seife  an,  fonbern  aHd)  innerhalb  ein  unb 
beffelben  ©efennmiffe*  tobt  ber  vernia>tenbe  3wift  ber  €eften, 
welker  mel)r  ald  2üle$  anbere  bie  Demoralifation  beförbert. 
Senn  biefer  3wieft>alt  nidjt  aufhört,  unb  leiber  fa)eint  wenig 
5Wu*ftd>t  baju  oorfjanben,  fo  Durfte  Weber  3afob  ©öfjme'fl 
^ropbejetung,  noa>  Sefftng'S  erhabene  3bec  eine  beglücfenbe 
Saljrl)eit  werben! 

Sir  fügen  $um  6a)lujj  biefe«  Äapiteia  3afob  ©öl)!ne'ä 
Stammbaum  bei: 


*)  3afob  SBofjme'«  2cbcn*lanf  »on  ».  ftranfenfccrg. 


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382 


.  KittttS  Stapittl 

©örlifc  wdfyrenb  ber  3e^elt        gricbrid)  von  ber 
*P f a ( 3 #  unb  ber  Jtrieg$*Unrul)en  bid  auf  bcn 

prager  gruben. 

Die  böfymifdje  Revolution  im  3.  1618  brachte  Wieberum 
bie  JDberlaufifc  unb  bie  ©tabt  ©ärlifc  in  eine  verzweifelte  Sage. 
$tn  wen  foUten  fie  ftcC>  jefct  galten,  inäbefonbere  nad)bem  bie 
SSötymen  bie  9Ü$al)l  gerbinanb'3  II.  verleugnet  unb  ben  Äur^ 
fürften  grtebrid)  von  ber  *^falj  auf  ben  Stroit  ber  *ßremiö- 
liben  erhoben  Ratten,  ein  9ted>t  ber  freien  »ftönigewa  1)1,  welefyeä 
itjnen  nad)  bötymifdjen  (9efe$e  $weife(Iod  ftuftanb.  £>er  ©tabf 
war  nod)  ba$  3al)r  1547  mit  feinen  golgen  im  Q)tbäd)tuiß ; 
oa$  3^t>r  1618  breite  eine  ebenfo  fürcfyterlidje  $3ebeutuug  ju 
erhalten.  Süie  irr|  3-  1547,  waren  auej)  1618  93erid)terftatter 
auö  ®örluj  in  s$rag;  ob  fte  aber  befonberö  bevollmächtigt 
waren,  fdjeiut  zweifelhaft.  SBenige  Xage  nadj  bem  £inabfturj 
ber  faiferlccfyen  Raffte  vom  prager  ©cfyloffe  erfuhr  ber  ÜKatlj 
ju  ©örlifr  biefeä  (£reigni|j  unb  ift  über  bie  weiteren  (freigniffe 
eine  Dteifye  von  mel)r  ober  weniger  genauen  $3ericbten  ehteä 
®e^eint'@vangelifd)en  ^ierfulbft  nodj  vorljanben. 

3)ie  ©tabt  Ijanbeltc  im  (§inverftänbniffe  mit  ben  Oberlau- 
fs er  ©tänben,  welche  befanntlid)  mit  beiben  ^arteten,  tföntg 
gerbiuanb  unb  ben  SSöfjmen  unterfyanbelten,  unb  burdj  bie  3$er- 
pfänbung  ber  £)berlaujty  au  ben  Äurfürften  3ol)anit  ®eorg 
von  ©adjfen,  wenigfienä  im  Anfange  beä  großen  Krieges, 
einen  fiebern  greunb  ftcr)  erwarben,  wenn  er  fie  and)  ntd)t, 
wie  ftd)  im  Saufe  biefer  (Srjvifylung  enveifen  wirb,  gänjlid} 
vor  ben  (Kreueln  unb  Reiben  be$  Äriegeä  bewahren  fonnte. 

3Bir  fonnen  bei  biefen  unb  ben  folgenben  .ftriegäleiben 
(eiber  nur  bie  einfache  (bronotogifd)e  5)arftelluna  ber  ©djitffale 
ber  ©tabt  ©örlifc  geben,  ofyne  und  auf  ben  3ufammenr)ang' 
mit  ben  allgemeinen  (Sreignijfen  einjulaffen,  ba  fonft  bie  vor* 
liegenbe  Aufgabe  Übertritten  würbe. 

S3et  ber  Deputation  ber  obertauftyer  ©täube,  welche  im 
3.  1619  nar^  ^rag  an  baö  bofymifcfye  Direftorium  ging,  war 
audj  (£fyrfftopl)  ©taube  ein  JRatfyäfjerr  aud  ©orlty.  ©eit  bem 
14.  5Wai  1619  fing  man  bei  ben  Xfjoren  $u  wachen  an;  ed 
famen  8  SÄann  an  jebe*  Xtyor,  weil  ber  tfurfÄrf!  von  ©a<$* 


- 


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383 


fen  in  bte  £)berlauft$  eingefallen  war.  3m  Saufe  biefeä  (Som- 
mer* gingen  viel  *jiu(t>cr-  unD  Wunitionötran*porte  an  grieb* 
rid>  von  Der  $fal*  au*  ßnglanb  burd)  unfere  ®tabt  nadj 
Böhmen. 

*nt  10  Wän  1620  9ta<$mittag*  wifätn  3  unb  4  llt>r 
fam  Jtönig  griebricb  mit  feinem  Bruber,  l>em  ^fallgrafen  3o* 
bann  Subwtg  nad)  ©örlifc,  in  einem  rott)  auftgeftylageuen 
SUagen,  begleitet  von  blau  gefleibeten  Xrabanten.  3ur  geier 
beä  teiujuge*  ftelite  man  bie  Bürger  in*  unb  aufierljalb  ber 
6tabt,  ein  gäljnleiu  ftarf  vom  erjten  ©arten  vor  bem  laubaner 
Xfjore  bid  )um  MatMaufe  auf,  unb  würben  bte  ©lotfen 
geiäutet  aud)  bie  ©efdjüfce  auf  ben  (EtaDtljöljen  gelöft. 
&or  bem  äuperften  £l)ore  ftanb  ber  >Katl).  Sil*  ber  «König 
Dorthin  fam,  jog  er  feinen  grauen  £ut  mit  Der  gelben  geber 
ab,  behielt  ilm  in  ber  ünfeu  $anD  unD  reifte  Die  iKed)t<  allen 
SRatbömitgliebern,  wäljrenD  tfyn  ber  StynDifuö  Kantend  Der 
StaDt  begrüßte.  9u  11.  War.j  ful)r  Der  tföuig  frul)  um 
11  Ul)r  in  Die  $eteröfirc$e,  ging  um  Den  .jpocfyaltar,  in  bie 
(»Jeorgenfapelle,  unb  von  bort  au*  ^itrücf  auf*  'JtatrjljauS, 
bejtieg  bann  um  12  U^r  rvieber  feinen  3üagen  unb  ful)r  nad> 
3ittau. 

Die  Belagerung  von  kauften  burd)  Den  Äurfürften  3o* 
l)anu  ©eorg  von  Saufen  veranlagte  am  9.  September  1620 
eine  Befe$ung  von  ©örlify  unD  UmgegenD,  Durd)  Gruppen  De* 
$önig*  griebrid),  unter  bem  Befehle  De*  Warfgrafen  3ol)aim 
©eorg  sen.  von  Brannenburg  ;3ägcrnfeorf.  Die  Wannfdjaften 
lagen  ber  ©egenb  nicfyt  wenig  *ur  Saft  ba  fle  auf  «kofteu  ber 
Bevölkerung  lebten.  ;Hm  16.  September  beganneu  jte  eine 
grojje,  (Sdjanje  auf  bem  *4!farrberge  (cterfberg)  anzuwerfen, 
wobei  tdglid)  einige  100  Burger  unb  (£tuwormer  Reifen  mujj* 
ten.  Der  Warfgraf  ließ  ferner  bie  Brürfe  beim  £otl)ertf)ore 
abbrechen  unD  le&tere*  fowie  ba*  ginftertrjor  unb  ^a(>Ur)or 
verrammeln,  2luf  ben  Dbermarft  würbe  *ur  fe()r  nötigen 
VlufiedHbaUuag  Der  Wilitär-Di*$iplin  ein  ©aigeu  aufgerichtet, 
Vliu  17.  (September  empfing  ber  Warfgraf  unb  bie  Stabt  ben 
ältefieu  Sofyn  Jtönig  grieDridj'*,  welker  beim  Warfgrafen 
©eorg  wohnte  'unb  am  19.  weiter  nad)  Breslau  reifte.  — 
Einquartierung  blieb  nun  ftet*  in  Der  3  tan,  unter  ben  Oberften  - 
©raf  v.  <5olm*  unb  ©raf  v.  iolimx.  &l*  ber  Warfgraf 
9lad)rid>ieu  von  ber  6d>lad>t  am  weifceu  Berge  erhalten  &atte, 


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384 


lieg  er  unverfebenfl  bei  Wadjt  Hbolpf?  v.  @er$borf,  2lmt$* 
Hauptmann  ju  $au$en,  unb  Giorrfrieb  ®lied>  v.  sSfilti$,  Stm* 
bifud  ;»  ©örlifc,  vergaffen;  fte  waren  beä  Serrat^  befcfyul' 
bigt,  würben  jebodj  fpdter  wieber  freigelajfen,  weil  ifmen  nrdjtä 
nadjgewiefen  werben  fonnte.  fim  21.  Februar  1621  verließ  ber 
9Warfgraf  @örli$.  ffienige  Sage  vorder,  am  21.  gebruar 
war  burd)  bie  Stänbe  ber  £>berlauftf>  —  ©örlifr  von  OMiedj 
v.  ^uitm  vertreten  —  ein  Q?erg(eid}  mit  bem  äurfürjten  von 
6ad)fen  abqetVhl offen,  nnniaet)  fte  |td)  ihm,  ber  im  Hainen 
gerbinanb'*  auftrat,  ergaben  unb  naebbem  jie  »tteae  für  ir>r 
1 1 oheritje^  Verhalten  auägefprodjen  hatten,  ^er^eibung  *uge- 
fiebert  erhielten.  £)ie  ^>u(bigung  bed  ^fanbfyerren ,  äurfürjtett 
von  6ad)fen,  würbe  auf  bem  £anbtage  ju  Manien;  um  13,  3uti 
1621  geleiftet. 

6eit  bem  22.  Wärj  1621  lagen  al*  $efa$ung  jweu 
Jäfynlein  furfädjftfcber  6ölbner  in  ®örlifc,  weldje  im  3uli 
burd)  anbere  erfefct  würben,  wie  überhaupt  ein  beftänbiger 
SÖedjfel  ber  Einquartierung  war. 

$>er  Äurfürft  felbffc  war  einigemal  in  ©orlife;  am  28.  3ult 
1621  würbe  er  mit  großen  (Ähren  empfangen  unb  lub  am 
30.  3u(i  ben  ?Kath  uiv  Xafel.  Er  reifte  am  1.  ftuguft  na  eh 
Im u hau.  S)en  17.  Oftober  war  er  mit  (ynhenog  Jtarl  von 
JDefterreidi  unb  belli  9ifd?ofe  von  93redlau  wieber  jurüdgefebrt. 

9m  29.  3"li  g^fdjal)  in  ©örli$  bie  £ulbigitng.  Älä 
fu\Tmülu1>c  &bgefanbte  waren  uigegen  bie  hänfener  unb  gor« 
In.'. er  Jpauptleute:  ^irolph  unb  ©igmuub  v.  ©ereborf. 

2£enn  ©örli$  in  ben  erfreu  jähren  bed  töriegeö  audj  mit 
Einquartierung  in  großer  Stenge  verfdjont  blieb,  war  bod>  ber 
3uftanb  in  ber  €tabt,  nid)t  miuber  ber  Umgegenb  ein  wahrhaft 
entfeftüc^er.  3)atf  bamalige  SBerbefvftem  brachte  eä  mit  ftd}, 
baß  rof)e$  ©ejinbel  in  JfriegSbienfte  ging.  Sefyr  oft  würben 
fold)e  6o(bner  nun  int  knien  unb  burdjjogcn  metfrend  in 
Kotten  von  40 — 50  ©tarnt  ©tabt  unb  tfanb,  auf  neue  Hn* 
Werbung  wartenb.  Diefe  £eute  mußten  umfonft  verpflegt 
werben;  fte  aßen  unb  tranfen  auf  jtoften  ber  Börger  unb 
erzwangen  ftdj,  ben  Säbel  in  ber  Sauft,  wa$  fte  wollten. 
5)afyer  in  jener  ganzen  $dt,  wo  bie  geute  Söunber  unb  JeiaVn 
am  Gimmel  fatyen,  unb  burd}  Kometen,  Seueräbrimfte,  £eu* 
fd>reaenfd)Wärme  geängfrigt  würben,  eine  ungemeine  1  Infi  eher 
^eit  auf  ben  fcanbftraßen  fyerrfdjte.   $)ie  ©ölbner  nahmen,  wo 


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385 


fie  etwad  befamen;  fie  burd^ogen  alä  organijirte  Ääuberban* 
ben  ftefylenb  unb  branbfdjafcenb  bat*  Vanb  unb  überfielen  ßeute 
in  Der  näcfyfteu  $äl)e  Der  g  l abl ,  au«?  welkem  ©runbe  bie 
Xljore  ftetä  mit  Sachen  befe&t  waren.  3)a$u  fam  nod)  feit 
bem  3at)r«  1621  .£>unger3not()  unb  enorme  ©etreibepreife,  fo 
ba^  am  11.  Slugujc  1622  ein  großer  Auflauf  eutftanb,  in 
golge  bejfen  t)ier§e^n  $erfoncn,  weldje  fid)  bei  ^lünberung 
von  Varen  beteiligt  hatten,  verhaftet  werben  mußten.  3m 
3.  1623  gab  eä  ahuliebe  Tumulte,  waä  tut  Jolge  haue,  bafj 
vom  V a u r c  feine  Lebensmittel  mehr  in  bie  6tabl  gebraut 
würben  nnb  ber  Sftatf)  ein  förmlictyed  ÜJebot  ba^u  auf V  £anb 
erließ,  and)  einen  greimarft  für  33acfwaaren  anorbnete.  1624 
nahm  bie  Unftdjerfyeit  auf  ben  r  tränen  ui;  ebenfo  1625,  unb 
ne  Neuerung  nicfyt  ab.  <5d)on  bamald  waren  bie  oberlau« 
ftfcer  c tarte  ber  Sanbftraßen  wegen  genötigt,  einige  60  Wann 
anwerben  gu  (äffen.  Seit  rem  3al)re  1627  ließen  fiel)  viel 
3ßölfe  auf  beut  iüanbc  leheu,  wo  bie  Ort  hatten  theiltvene  öbe 
(tauben  unb  Villen  flüchtete ,  um  ben  (Einquartierungen  gu  ent- 
gegen; im  3.  l^B  würbe  bei  &ol)lfurt  ein  folcfyeö  ^aubthier 
gefangen.  (£ö  i>atie  bereite  mehrere.  Heine  töinber  gefreffen 
unb  war  biö  gum  <Sd)wanje  brei  eine  halbe  (Elle  laug. 

9tad)bem  fcfyon  am  23.  2)fär$  1627  SßaUenftein,  «£>er* 
jog  yvou  griebtaub,  von  ben  görlifcer  Sdjufyma.ljeru  loOO 
v!;aar  3dmbe  begehrt,  jebod)  nur  700  ^aar  geliefert  erhalten 
hatte,  ber  am  bie  <&ta\>t  plonlid)  am  4.  3Rai  1628  brei  .Rom* 
pagnien  vom  Don  Balttyafar  be  sJJ?arabad?!)iegimeute  ju  9to£, 
in  ber  $$olf$weife  „bie  Seligmadjer"  genannt,  gnr  (Einquar* 
lierung.  JDbrift  biefer  fanbern  Sdjaar  war  fcouiö  gaborbe, 
aud)  ber  lähme  Urban "  genannt.  2)iefe  Sölbner  biteben 
22  SBocfyen  ba  unb  plagten  bie  (Ei  nwofynev  weiblid)  mit 
^efelu ii i  Kaveri  u  dum  \um  fatljolifcfyen  ÖHauben.  Ungerechnet 
bie  cdntuNbamt,  welche  biefe  rol)en  $riegefned)te  an  bem 
neiblidjen  ©efctyled)t  oerübten,  be  muhten  fie  ftd>  raffinirt  m 
äigftigen.  Sie  Ijbfirten  ben  $auewtrtl)en  in  baä  slJcittagbrob  — 
ein  Offizier  jwang  einen  Sblbner  ein  foldjeö  @Jerid)t  ju  ver* 
fd)lingen;  —  erftadjen  bie  '4ta|onen,  welche  il)nen  nicfyt  gefie* 
len,  ebne  weitere  llmftänbe  unb  Strafe  alä  Ijödjftend  einige 
iage  &rreft  $u  erleiben;  fdjoffcn  unter  bie  Bürger,  wenn  ed 
ihnen  beliebte;  ritten  in  bie  «£>äufer,  felbft  bie  Xreppen  hinauf; 
erpreßten  SÖein  unb  @elb,  wann  unb  wo  fie  ¥uft  fyatten,  furj 
vtimit  von  25  ' 

/• 

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380 


fte  fegen  bie  Surgcrfcfyaft  mit  ber  gefucbteften  ^oflbeit  fuftana? 
tifch  auä.  Diefe  fauberen  Äompagnien,  unter  benen  ec*  ©rie* 
eben,  Muffen,  Spanier,  3taliener,  granjofen,  ja  felbft  dürfen, 
außer  ben  Deutfehen,  gab,  verließen  enblicb  am  4.  Ofteber 
1628  bie  Stabt,  um  vor  Stralfunb  *u  tfeben.  Der  gludj 
ber  (Einwobnerfdwft  folgte  ihnen. 

3m  3.  1629  war  bie  Ameln  vor  ben  ücfttcnftciii'fc^cn 
Dragonern  alö  (Einquartierung  groß,  bod>  famen  feine  in  Die 
Srabt  Itttb  ber  Äurfürft  von  Sachfea  befahl,  um  bem  von«- 
beugen,  ftetö  bie  Xi)ore  $u  bewad>en.  Mc$  tfriegävolf  mußte 
beflbalb  bei  ber  Stabt  vorübergehen. 

Die  ^efebruugtfverfufhe  ber  Solbatcu  in  Sdjleften  erreg? 
teu  ben  ^ovn  be$  «Rurfürfteu  von  Saebfen,  welker  überhaupt 
mit  bem  faiferlicben  9leftiturioii$ebitt  vom  6.  9Wdr*  1629 
dußerft  unjufrieben  war,  aufä  bodjfte.  3i$dbrenb  be$  3ahre6 
1630  unterbrürfte  er  riefe  (Gefühle  nod);  aber  im  3-  1031 
würbe  am  8.  gebrnar  von  ihm  in  fcfeip^g  ein  oberfäcbftfdjer 
Jlreiöfonvent  abgehalten,  in  welchem  man  bcfdjloß  ftd)  wiber  bie 
religiöse  UkrfolgungSwutt)  in  ^ertheibigungtfjuftanb  \u  fefcen. 
(Ein  Sdjreiben  an  ben  Äaifer  unb  bie  fatbolifcben  föirfürßcn 
würbe  beöfyalb  am  18.  SRdrj  1631  crlaffen.  Obwohl  nun 
ber  Jiaifer  unterm  7.  9)tai  1631  Die  oberfädwfdjen  Staube 
unb  ben  äurfürfteu  von  Sad)feu  aun/orberte,  bie  Lüftungen 
unb  5Öerbungen  eiujufteüen,  fo  gefdjab  bie$  feineöwegä  unb 
Jlurfacbfen  WHrbe  fyinfort  al#  feinblid)e£  £aub  behanbelt. 

Um  6.  Oftober  1631  fam  bie  faifcrlid)e  9lrmcc,  weldje 
biä  bahin  in  Sdjleften  geftanben  hatte,  in  bie  Oberlaujty  unb 
häufte  fürd>terltct>.  Die  Söloner  fdjlugen  $huren,  genfter, 
Koffer,  Äfften  u\,  ja  felbft  ^Hauern  unb  Oefeu  ein 5  verwü* 
fteten,  wo  fte  fonitten,  plünberten  unb  raubten  aufbatf  fredjfite. 
Da£  ungebrofdjene  Sloxn  ftreuten  jte  ben  ^ferben  unter,  beraub- 
ten bie  jfirdvm,  fdjlngeu  unb  marterten  bie  dauern,  fd^dnbeten 
bereit  SBeiber,  iödjter  unb  SHägbe,  erpreßten  ben  legten  geller 
unb  trieben  ba£  33iel)  heerbeu weife  weg.  &m  8.  Oftober  fam 
ein  fatferlicher  ÄommiffariHä  mit  einigen  3  0 1  raren  in  bie 
Stabt  unb  fragte,  ob  ftd)  fold)e  in  ©Ate  ergeben  wolle?  morgen 
würbe  ber  ÜDiarfchaU  mit  36,000  sJ)ca  im  vor  ben  Xf)oren  ftehen; 
ließe  e#  ber  9tath  $um  Sturme  fommen,  fo  würbe  fein  $)teufd> 
verfehont  unb  fein  Stein  auf  bem  anberu  bleiben.  5Xau  gab 
eine  unbestimmte  Antwort;  ba  wirflia)  ^iele  von  ber  Bürger* 


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387 


ftfpft  bic  «bft*t  fjegten  fi*  *u  \>ertheiMqeti.  $>o*  al«  am 
10.  Oftcbcr  ber  gelbmarfcbalf  Änbolvl)  v.  Ztefenfaa)  mit  im* 
*ät>ltgen  Waffen  anmarfdjirt  fam,  überjeugte  man  fld>  bei  b*r 
e<f>wäa)e  bet  «efaeuug  von  ber  Unmöglid)feit  bie  €taW  *u 
fairen,  madjte  einen  erträglichen  «ccorb  unb  erlieft  in  alle 
^ättfa.ftatyrrictye  ßinquarfieruug  von  Offneren  unb  (Sölfenerit 
welaje,  enblotf  <e*enb,  jaft  alle  vorhandenen  Lebensmittel  »nb 
(»)etränfe  verjel^rten.  $te  «rmee  lag  5  Sage  in  unb  nm 
CWrflfc,  tmb  5Df3  am  14.  Cftober  weifer,  2(X>  WuSquetiere 
^efa&ung  *urürflatTenb.  »I«  biefe  wegen  «nnäljerung  ber 
fäa)fi|d>en  Hrmee  am  19.  Dftober  bie  6tabt  räumten,  mußte 
Ihnen  nodj  vom  Statte  ber  6olb  auf  einen  f>alben  fRonat 
be^blt  «nb  bem  Hauptmann  ein  filberner  $ed>er  gereift 
werben. 

$en  24.  trafen  bie  ©ortritwen  M  fädjjlfdjen  ©tneraf 
«rnfyeim  unter  Obrift  (Draf  v.  £olm*  ein,  unb  würben  in 
&örli&  einquartiert;  ben  26.  Dftober  Srnftetm  felbf*  mit  bem 
Hauptquartier,  welches  am  30.  tuufi  Srt)lefien  aufbratfj.  3nrürf 
blieb  nMr  ba*  edjwalbadffdje  Regiment  unter  bem  JDbrifiN 
Söadjtmeifter  4>an«  %abim  v.  ^oniefau.  $>a*  Regiment 
marfd)ivte  am  20.  November  wieber  weiter,  nadjbem  über  300 
(§olbaten  unb  fo  viel  (Sinwofjner  an  ber  <pef*  geftorben  waren, 
baß  ber  Raty  einen  befonberen  ^eftarjt  in  ber  Üßetfon  beö 
3ad)aria$  Ärtbreaö  annahm. 

$er  tfurfürft  von  Sadjfen,  weldjer  iir  biefem  Söinter  in 
Söhnten  ftegreid)  einbrach,  l>arte  unterm  5.  September  1631 
von  Xorgau  auä  befohlen,  baß  ein  Sequejler  auf  bie  ©üter 
ber  6tabt  ©orlip  gefegt  werbe. 

»efanntliej  nötigte  SBallenfrein  im  Sritfjjafjr  1632  bie- 
(Saufen,  $öl)men  urtb  ^rag  ju  räumen,  (§r  felbft  jog  vor 
Börnberg,  ließ  aber  ein  anbereS  Storp*  aus  Sfi^vftt  in 
bie  gatitfy  marfd^iren. 

Hm  11.  3u«i  fam  ber  ftelbmarfdjall  gretyerr  £auntf>al 
v.  (Sdjanmburg  vor  ßtörlifc,  wo  nur  200  ©adrfen  lagen. 
Tag*  vorder  fc^on  war  ein  Äornet  mit  einigen  Wann  über 
bie  Steife  gefegt  unb  !>atte  bie  €tabt  anfgeforbert,  ftc^  ber 
faiferlidjen  &rmee  ju  übergeben.  $iefe  gorbmmg  würbe  am 
11.,  als  fid)  ber  SSorrrab  geigte,  wieoerl)o<t,  mit  ber  S)rof)ung, 
wenn  We  Übergabe  nrajt  binnen  einer  Stunbe  erfolge,  bürfte 
We  ©tabl  mW  ^lünverung  Hnb  geuer  ntinirt,  alle*  «ebeubige 

25* 

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388 


niebergefyauen  uud  baä  Jtinb  im  SWutterleibc  utdu  »crfa)ont 
werben.  Dcofyalb  gingen  einige  iKatljemitglicber  unb  einige 
jafonen  von  ben  ^anb|tdnben  $um  General  in'd  2ager  unb  über- 
gaben  .bie  3  tan  auf  benfclben  21ccoid  wie  im  j.  1631.  (vd 
würben  Quartiere  für  bie  fyofyen  Dffijierc  befdjafft  unb  Die 
ganje  <5tabt  mit  Solbaien  gefüllt;  von  ber  fddjjTfdjen  ©arnifon 
mußten  bie  Sölbuer  bei  beu  Jiaiferliajeu  !Dienfte  nehmen,  bie 
einige  jeit  lang  verhaftet  gehaltenen  £)ffj)iere  aber  würben 
entlajfen.  xHiu  12.  brad)  baa  Hauptquartier  wieber  auf  gen 
Jitiau  unb  liejj  250  3)iaun  guofnedjte  unter  bem  Jtommanba 
beä  ßbrift  Viiiiriiivinfo  sl>arabeifer  ale  (Marnifon  umuf.  ge$* 
terer  ließ  baö  reiebenbadjer  unb  Wfolaitfyor  mit  (Srbe  ver* 
fd)ül  teu,  unb  in  beu  &aifertru$  fefyr  viel  3 leine  tragen,  um  (cd) 
barin  im  Sfotfyfall  auf  bae*  ^eu^erfte  ;n  vertfyeioigeu.  5)cn 
30.  3uni  fam  ber  ®raf  ca)afgotfd)  mit  circa  1000  SRann 
wallonifd)cn,  fpanifc^cii  unb  franko ftfa)cn  Leitern.  8ie  waren 
biö  nun  9.  3uli  in  ben  Vorftäbteu  einquartirt  unb  fügten 
beu  (Smwofyuern  unfäglid)eu  £djabcu  ju.  cd)afgotfa)  *og 
am  9.  3uli  ab,  bafür  fam  ber  greifen  Kbrifttan  v.  3low 
mit  \wei  Regimentern,  ^efctercm  modjte  erflärlia)  erfreuten, 
rat?  eine  orbentlidje  Verpflegung  ber  £ol  raten  nidjt  möglid) 
fei,  wenn  fie  in  ber  £tabt  fo  Raufen  Dürften,  wie  ed  biö  Da- 
hm  gefa)e()eu  war.   ($r  ließ  au  alle  Xborc  anklagen: 

1)  (S$  füll  fein  Offtctrer  uoa)  SolDat  von  feinem  2öirtl>e 
etwaä  forbern,  ale  einzig  unb  allein  Servitute  (mit  <£>öfliaV 
feit)  mit  bem  anbern  fotien  fic  fid)  au  bc$  fttiferf  Proviant* 
Ctuarticrmeiftcr  wenbeu. 

2)  3ollcn  aud)  bie  ®artl)c  in  beu  Vorftäbten  unb  baö 
liebe  (betreibe  auf  bem  geloe  feiue*weg$  ruiniret  werben; 

3)  Xic  93ürgcrfd)aft  bei  Ü)icu  bürgerlichen  {>anbtl)ieruiu 
gen,  iugleid)en  bie  Tawern  gelogen  werben. 

4)  £oll  fein  £olbat  weber  ju  Roß  nod)  m  gup  ofjne 
Grlaubnifl  feinet  Cffuiercrö  ftd)  betreten  lopcn. 

5)  i)ie  gifdje  in  Ieia)en  follcit  verfajouet  unb  niajt, 
wie  (miHhto,  mutjjwilligcrweife  forterbet  werben. 

2Bonad)  ftd)  alfo  ju  ridjtcn  unb  vorsufe^cn,  unb  vor  beut 
Uiiglürfc  $u  l)üttcu  wijfen  werbet. 
Saturn,  ben  J2.  3uli  1632. 

(£l)riftiami$  greiljerr  von  3low. 
2)en  21.  3uii  ging  3low  mit  s4$arabeifer  unb  ben  übri* 


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_389_ 

gen  Truppen  ab.  (*S  blieben  200  «Wann  unter  bem  Obrifi* 
iientenant  £elwig  £etffel  ^urftcf  als  Sefaftnm).  ($r  tie#  10 
Käufer  t>or  bem  grauentbore  einreißen,  Mm  bem  etwa  anfom* 
menben  geinbe  feinen  föaum  w  geftfe&ung  $n  gewähren  ltnb 
befahl  am  6.  $1  tupft  4  Deferteurfl  31t  erfebießen,  meiere  auf 
ben  grauenfirrfjlwf  begraben  würben.  Diefe  Truppe  ging  am 
7.  Hngnfl  nad)  Seriellen  ab,  bafür  fam  ^arabeifer  jurürf, 
melier  ber  Stabt  febr  große  Soften  wurfaebte  unb  in  feinem 
SkrpflegungS  Reglement  befahl,  baß  jeber  Hauptmann  mb* 
cbentlid)  9  Tblr.,  ber  Lieutenant  4,  ber  gäbririd)  3  uub  ber 
Äelbwebel  l  $Mr.  8  (Mr.  von  feinem  «RSirtbe  erhalten  folle. 
flußerbem  ließ  er  ftarf  ftyingfft,  s£äHme  umbauen,  überall 
$*erl)etfe  unb  'Jtaüifaben  anbringen  unb  platte  bie  Bürget  unb 
dauern  auf  ba$  SRutfywiUtgftc 

$m  25.  September  braa)  er  plöfclid?  mit  feinen  beuten 
auf  unb  aing  nach  Styfltttt,  wegen  5Ännäf)erung  ber  fäd>fifd)en 
Ärmee.  3U  ienet  3*t*  wntfyete  bie  ^efif  ungemein  in  OJörlifc, 
fc  baß  zuweilen  30,"  40,  ja  50  ^erfenen  an  hinein  läge  auf 
ben  OJotteSarfer  getragen  werben  mußten.  ftarben  im 
Saufe  biefe*  Sdjrerfentfjabrefl  5513  ^erfonen,  barunter  106 
Solbaten.  lieber  biefe  Summe  finb  nod)  592  }«  jatylen, 
weldje  ber  Tobtengräber  gewöfynlid?,  otyne  Wnmelbung,  frür)  auf 
bem  tfird)bofe  fanb. 

Um  4.  Oftober  1632  fam  neue  (Einquartierung,  200 
9tantt  Saufen  unter  bem  Obrift^Sieuteuant  ^riebriet)  t>.  uRafd)- 
toxi,  bie  vom  Bürger  gebeten  unb  Selb  erpreßten,  fonft  aber 
im  ©amen  9Jcannfyu<bt  gelten.  Sie  foüten  freilief)  t>or* 
fdjriftSmäßig  nid)t£  befommen,  als  eine  tfagerftatt,  $e\s,  2id)t 
unb  Sal$.  tMm  (*nbe  be*  jabreS  1632  war  ber  Obrfft^ieip 
tenant  griebria)  3öilf)elm  t>.  ^ifctfjum  tfommanbeur  in  ©ör- 
lifc,  unb  unter  Etat  ftanb  sDcattr)iaS  t>.  SBvfart.  - 

93i$tbum  ging  am  19.  3anuar  1633  ab;  an  bie  Stelle 
feiner  Schaar  famen  $wet  anbere  ^Regimenter  furfürftlid)c 
fädjf.  Truppen  \i\  fRoß  unb  guß,  weldje  bis  jum  25.  3anuar 
blieben  unb  bura)  anbere  erfefct  würben,  fo  baß  bie  (Uantifon 
ba$  ganje  3aljr  Mnburd)  wedjfelte.  Slm  4.  Oftober  ging  bie 
ganje  faa)ftfd)e  ?trmee  auS  S  Rieften  jurücf,  r)interr)er  folgten 
Kroaten,  weld)e  uberall  mit  bem  geinbe  jHfammengerietpen. 
5Sm  fdjlimmften  war  Sterbet  ber  Stanb  beS  LanbmannS,  wtU 
a>r  »on  gremtb  unb  geinb  auSgeplünbert  würbe,  33e^ 


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390 


fafcung  in  @öi (in  blieben  .300  9Jiann  erlefene  Vcutc  unter  Dem 
CbrijbSBadjtmeifter  ©eorge  Äodjau  vom  2Bi(öbruf?fd)en  Sc* 
gimente.    Sie  befestigten  Die  StaDt  aufä  Sorgfältigste. 

?tm  30.  Dftober,  Dem  (Sonntage  r  an  welkem  *J}rc- 
bigttert  ifü:  „Webet  rem  tfaifer,  ivaö  be$  ilaifcrS  i|V  fam  gegen 
Wittag  bei  faiferliche  ©eneralifftmuc*  ^aüciiftein  £erjog  von 
grieDlanD,  nebft  Dem  gelDmarfchall  3lon>  vor  Die  2. tan  gep- 
rüft, [parte  He  ab  unb  fdjirfte  einen  Xrorapeter  an  Den  JObrift- 
©adumeifter  föocjtyaH,  mit  Der  Ermahnung,  Die  StaDt  aufju- 
geben,  in  welchem  Salle  2lbuig  mit  Sarf  unb  ^aef  verheißen 
tvarb.  Lochau  erflärte,  bi*  umi  'lobe  ueh  vertheibigen  411 
trollen.  3low  tief?  nun  bie  S lüde  auf  Die  Stabt  richten,  ioltK 
ununterbrochen  befc^te^eit,  von  2  11  lu  9iadjmittagö'bic3  Iflbenbd 
6  Uhr.  3"  Itytcrcr  Stunbe  fiel  Die  Stabtmauer  am  Rätter- 
berge  ein. 

hierauf  fdjicfte  ber  Selb  »9R*ff$aN  noci)tna((3  an  Den 
Obrift-Sachtmeifter,  bie  Stabt  in  Der  öm'uc  ui  ubergeben. 
Dod)  Lochau  blieb,  obgleich  ihn  Die  £anbft«nbe  uuD  Der  rKaih 
jur  Uebergabe  vi  bewegen  fucfcteu,  ftanbhaft  nur  äußerte,  nad) 
Ablauf  reo  1.  St  11111  ico  würbe  er  ud>  erfläreu.  9c*  ad)  6  Ulu 
beorberte  Demnach  31  ow  Drei  diegitneuter  juni  Sturme,  welche, 
obgleich  Die  (Sachfeu  fid>  ftanbhaft  wehrten,  Dennoch  um  7  Hin 
fowohl  Durd)  Die  Srefdje  alt*  an  anDeren  «Stellen  über  Die 
sDianer  in  Die  Stabt  famen.  Sie  brangeu,  mit  Vierten  uuD 
beulen  Die  £>au$t()uren  auffd)fagenb,  in  Die  ßiebäube,  rlimret 
teu  Die  Schränfe  etc.,  ftacijcn  weber,  wer  ihnen  in  Den  31>eg 
fam  unD  bannen  fürchterlich.  s^d()reuD  Der  ^lunDeruug  fam 
burch  3krwahrlofung  mit  breuueuDem  Vidu  unb  Vinnen  mu 
Dem  JDbermarfte  ach  ei  au$,  unD  eo  brannten  Drei  33iert>öfe 
mit  allen  ^mieilninfcni  fammt  Dem  (Srfijaufe  nur  einigen  flei 
neu  Käufern  am  Älofilergä^chen  a&,  wobei  baö  @t>mnafium 
in  große  ®efaf)r  gerieft).  &m  llutermarfte  brannte  etn  Jtram? 
laben  au$.  9iacb  2  Stunben  ^UüuDerung  lief*  Der  gelbmar* 
iduili  3low  Vllarm  trommeln,  unD  aufrufen  iune  ui  im  Iren  ; 
Doch  wollten  Die  l'eute  nid)t  aufhören ,  biä  3tow  unb  ©eneial 
Sd)crr  felbft  h^umgingen  unb  einige  Piiuberer  eigenhänbig 
lueberaeftojien  hatten. 

SSochau,  ireldH-r  in  Den  &aifertru&  gebuchtet  U)ar,  mußte 
fuh  am  folgenbca  I  aae  ergeben  uuD  würbe  im  ^nnuqei  mit 
einem         mebcrgef^offeti.  <S«jn  Leichnam  blieb  einen  gan* 


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301 


acn  Xag  öffentlich  unbebertt  jur  €d>au  liegen.  ttut  1.,  2., 
3.  unD  4.  9io»ember  wurDen  alle  fyofyea  Generale  iu  Die  Stabt 
einquartirt ;  an  Unterem  Xa^c  ging  Der  gürft  &lbred)t  v.  ffiaU 
lenjteiit  J£>«r^oq  von  griebiauD  mit  Dem  gaujen  Kriegdvolf  Dura) 
Die  StaDt.  5>ie  gait^c  Hxuitt  braa)  nad)  Sauden  auf,  uub  nur 
300  Mann  unter  Dem  Hauptmann  ^eter  (*mrid)  blieben  alä 
$efa$ung  jurütf. 

9M  im  3.  1Ü33  war  Die  $ejt  al*  böfer  ©aft  in  Der 
Stabt.  (£t  ftarben  an  if>r  in  unD  außerhalb  Der  dauern  726 
^erfenen,  außerrem  435  Sclbaten.  gelb  jimorte  au*  SBer; 
jweiflmuj  waren  feine  feltene  (*rfd)einung. 

£*euu  fdjon  in  Den  3af>ren  1631  unD  1633  ©orlifc  Die 
SeiDen  beö  Kriege*  gefoftet,  fo  follte  Dad  ^al>r  1634  in  Diefer 
Sqicfyuitf)  Da*  bitterfte  werten.  £d>reden  unD  Kummer  war 
im  (Geleit  Der  Belagerung  von  1641,  aber  nid)t  iu  fo  auägc; 
Defynter  unD  grauenhafter  Seife  al$  bei  Den  meljrfadjeu  s4Mwu 
berungen  Deö  3ai>re$  1634.  ^Öanrfe,  fo  bavfd)  unD  grob  er 
fein  modjte,  l)ielt  wenigfteitf  auf  Manue^udjt,  wao  bei  Den 
Kaiferlidjen  faft  gar  niebt  Der  gall  war. 

£>ic  Einquartierung  wurDe  im  janiiar  1634  Durd)  fünf 
Kompagnien  unter  Surft  i'obfowifc  vermehrt  unD  Der  (Sinwol)- 
ncrfd)aft  &ur  DrücfenDen  fcaft,  Da  Jeber  alle  BeDürfuiffe  Der 
iruppen  ebne  irgenD  weld)e  Unterftüfruua  liefern  muffte,  naa) 
SBaUenftriiTa  ©ruuDfa&e:  „Mit  60,000  Mann  fouime  id)  billig 
ger  weg  alö  mit  20,000.  3ene  ehalten  fid)  felbft,  Diefe  müf< 
feu  erhalten  werben/'  Jim  gtyril  fam  Die  KunDc,  Daß  Der 
Kurfurft  von  Sadjfen  Sauden  wieDer  eingenommen,  eine  sJlaaV 
rid)t,  weldje  Den  gürften  gobfottift  ^um  eiligen  2lb$ugc  verau- 
lajjte,  nadjDein  er  binnen  4  Stunben  71MX)  Xl)lr.  von  Den 
l&nwoljnern  erpreßt  l)attc.  3>ie  fäd)f.  2ltmee  jog  nur  vorbei, 
fo  bafj  am  I.  Mai  fdjou  gobforoifc  wieDer  $efafying  nad)  ©ör* 
li$  gelegt  Ijatte,  weldje  fpätcr  wieDer  ab$og  unD  170  Mann 
£ad)fen  ^lafc  mad)te;  Denn  Die  fäd)f.  Hrmee  war  fortwd^euD 
in  Der  £>bcrlauft$  unD  weiibete  il)re  Märfdjc  mehrmals  jurüd 
nad)  Den  Stellungen  Der  faiferlidjen  2lrinee. 

Xrofcbcm  fonnte  am  12.  Mai  unvermutet  Der  faiferl. 
©cneral; Major  Samboi  mit  vier  ^Regimentern  *u  9*oß,  ttyeilS 
Kroaten,  Spaniern  unD  Italienern  vor  Der  €tabt  erfdjeinen, 
Da*  grauenr^ot  anjünDcn,  Die  ©taDtmouer  in  Der  9?äl)e  fvreu- 
gen  unD  eiligft  fturmeu,  worauf,  oijnc  Daß  Die  fäajf.  ©arnifou 


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392 


einen  <sd)uß  getfyan,  eine  neue  *piünberung  von  @örli^  vor 
fid)  ging,  unb  waö  nod)  etwa  vorfyanben  war,  geraubt  würbe. 
SBäfyrenb  ber  ^lünberung  er|"d)ieuen  Saufen  vor  ber  Statt; 
i'ambot  ließ  $u  Uferte  blafen,  unb  geriett)  3wifa)eu  ($ber*baa)  unb 
©irbigäborf  mit  ben  6aa)fen  in  ein  @efed}t,  welcfyeä  mit  fetner 
9?icberlage  enbete.  Die  6a<fyfen  brachten  82  9Rann  $obte  in 
bie  6tabt.    Sie  würben  auf  bem  9tifolaifird)l)ofe  eingefdjarrt. 

Slbenbä  waren  bie  Saufen  wieber  verfdjwunben.  £amboi 
feierte  prürf  unb  ließ  noch  bie  ganje  ÜWadn  binburd)  plünbern, 
verlieg  aber  am  13.  in  ber  grütye  wieberum  ©örlifc,  um  nad? 
Sdjleften  ;u  jieljen. 

£m  8.  3ult  (25.  3uni)  erfdnen  abermals  ber  verrätljeri' 
fa)e  Satr)fe,  weiter  am  12.  sMai  fo  fcfyleunig  ba$  gelb  ge- 
räumt hatte,  unb  wollte  nun  811  eä  von  ber  (£inwolmerfcr)aft 
erfefct  fjaben,  waS  ihm  auf  feiner  feigen  gludjt  verloren  ge* 
gangen  war.  Dod)  al$  gelbmarfcball  Vhuhiim  fein  bamaliged 
iöenefjmen  erfuhr,  würbe  aitö  biefem  Verlangen  nidjtfl,  fonbern 
biefer  Bramarbaä  vor  feiner  töompagnic  begrabirt,  tfym  ber  Degen 
jerbrodjen  unb  bie  (Stüde  ind  @cfid)t  geworfen,  fo  baß  er  mit 
6d)impf  unb  €a>anbe  weisen  mußte.  Den  9.  3uli  ging  ber 
Äurfürft  von  @ad)fen  mit  feiner  flrmee  burd)  ®örli$  nnb  t>attc 
bi$  }nm  11.  fein  Hauptquartier  bafelbft.  Sllle  Käufer  in  ber 
€tabt  unb  auf  ben  umliegenben  Dörfern  waren  angefüllt  mit 
Sölbnern,  wcld)e  verpflegt  werben  mußten.  Der  Hauptmann 
Äcclc  blieb  mit  c.  140  Wann  a(6  ©efa^nng  pirütf.  «m  12. 
December  fterfte  nod)  ein  Irupp  Kroaten  vor  bem  Weißtfyore 
einige  £äufer  in  $ranb. 

3m  3.  1635  würbe  ber  grieoe  jwifer/en  bem  Äaifer  ger* 
binanb  unb  bem  äurfürflen  von  Sadjfen  abgefd^lotlen,  unb 
biefe  freubige  Gegebenheit  am  3.  3uli  bura)  baö  Abbrennen 
ber  Stüde  unb  ein  dreimaliges  $MetoriafdHeßen  ber  ©arnifon 
au$  ben  9Jfu$fetcn  gefeiert. 


Sfimfte«  StapittL 

Dir  (Srbtyulbtgung  ber  £)bcrlaufi{>  an  ba*  ßurljauS 

6ad)fen  in  ©örlifc.  1637. 

€d)on  am  6.  3uli  1620  r)artc  ftd>  ber  tfaifer,  welcher 
bem  Ankaufe  ©adnen  6  Millionen  Xfyaler  fdjulbig  war,  ba- 


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393 

fytit  verglidjen,  Sc.  furf.  Durd)laud)t  folle  fo  lange  bie  betont 
arfgraftljümer  Ober-  unb  9tieoerlauft$  pfanoweife  beftfcen, 
biä  Der  .Uaua  riefe  (Oelber,  fammt  allen  baraufgegangenen 
Äeften  wieber  rid^tt^  *urütferftattet  fyabe.  Da  bie#  nun  ber 
jtaifer  ntd)t  im  3taure  war,  unb  bei  Umftanb,  bajj  im  3. 
1635  bie  furfürfH.  fäd)f.  Xruppen  fiegreid)  faft  gan$  (5d)lejien 
inne  hatten.  Den  hattet  utin  s}iad)geben  veranlagte,  ging  baä 
Ü)?arfa,raftt)um  im  prager  grieben  bura)  ben  fogeuannteit  Xra* 
bitiouöie^cfj  auf  ba$  .Um l)auö  <5aa)fen  über.  Die  Uebergabc 
qefdjab  fa)cn  1 635 f  bie  (Srbfyulbigung  tonnte  jebod)  vor  bem 
fotgenben  3af)re  nidjt,  unb  war  nur  in  föorlife  vergenommen 
werben,  ba  bie  I)auptj~äd)lid)fte  3tabt,  Sauden,  gar  nid)t  im 
<5tanbe  war,  im  3.  1636  fo  viele  unb  vornehme  (Mäfie  auf* 
junefjmen,  wie  ftd>  bei  bergleiajen  geierlicfefeiten  ftet$  eiiiftuftn* 
ben  pflegen. 

Hm  6.  Oftober  1637*)  9)ctttagö  1  1%  fam  ber  Ätir* 
fürft  /s  Mm  n  n  George  mit  feinem  gefammteu  »öofftaate  nad) 
@6rli$.  Der  Abel  unb  bie  anwefenben  Sanbftänbe  waren  itym 
entgegen  geritten,  ebenfo  bie  gefammte  93ürgerfd)aft.  Sic 
empfingen  ben  neuen  (Srbfjerren  auf  freiem  Selbe  mit  großer 
geierlidjfeit  unb  beim  Vorbeigehen  an  ber  fcanbeäfrone  würbe 
mit  Kanonen  gefajojfen.  Vor  feinem  (Sinjuge  war  bie  Vür* 
gerfcfyaft  wieoer  in  bie  6tabt  gerüdt  unb  l)atte  fta)  vom  rei- 
cbenbadjer  $fyore  an  biä  sunt  Otat^aufe  ju  beioen  Seiten  ber 
Strafe  in  Drfcnung  aufgestellt.  Der  Äurfurft  fam  ^um  rei- 
ajenbaajer  $bore  in  großer  tyiaüft  eingebogen.  Voran  jogen 
8  Xrompeter  unb  ein  JJpeerpaufcr;  bann  6  fd)öne  SXojfe  mit 
fa>war$en  Deden,  auf  beneu  ba$  furfäd)ftfa)e  Sappen  geftidt 
war,  Hnb  10  sJJ?aulefel  mit  ©epätf.  Der  flurfürft  flieg  unter 
brei  Victoriafalven  ber  S3ürgerfd)äft  beim  Satfjfjaiifc  ab,  wo- 
felbfl  fein  Duartier  bereitet  war. 

siRit  bem  Jlnrfürften,  bei  beffen  ($injua,e  mit  alten  ©loden 
geläutet  würbe,  famen  3oad)im  v.  6d)lemi$,  Sanbvoigt  ber 
bberlauftfc,  ber  Dber-^of-SWarfa^aU  $aube  unb  ßatmanu 
Deajant  von  Vau&en.  §e$terer  nafjm  in  ben  brei  (Siefen  fein 
Duartier. 

DonnerftagS,  ben  8.  Dftober  ritt  ber    urfürft  in  bie  $e* 


•)  £anbfd>e  Gf>ronir  (im  Seft*  b<*  €tabtrat^  ÄÖ^Ur)  III.  p.  7*0  f. 
®ro§«,  8.  SR«f»ürbigf.  I,  260  |f.   Ääuff«  IV.  260  ff. 


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394 


terdfircfye.  3l>m  feilten  $u  guf?  feine  SRätbc,  ber  &bcl  unb 
feie  9Ratri$berreu  au$  aüeit  €cd)$ftäbten.  Der  «fturfürft  ftelltc 
ftd)  auf  l>e»  (£l)or  unb  Ue0  ben  Jfconlcucbter  weiter  hinauf' 
Riehen,  Mm  ben  s^rct>tqer  beffer  fehen  au  tonnen,  prebigte 
bei  JÖbcrfyofprebigcr  Dr.  tWattfna*  .£>nc  von  «£>ocneg.  9fad) 
ber  ^rebigt  ritt  bei*  Jturfurft  jurücf  }um  föatbbaufe,  wofelbft 
bic  feierliche  ,£>ulbigung  vor  fta)  gina,. 

3n  rem  6 aale  war  ein  mit  foftbareu  Xeppicben  belebter 
Tbronbimmcl  angebraebt,  unter  welchem  ber  tfurfurß,  feine 
*Kätl)c  ;nv  Vinfen,  ^lafc  nahm.  (Hilter  von  if)nen  hielt  an  bic 
verfammelten  6tänbe  von  Bant)  uub  «tabt  eine  Siebe,  wenn 
fte  ftd)  al*  geborfame  Untertbancu  beweifeu  wollten,  würbe 
<5c.  furfürftl.  1  )urd)laud)t  fte  bei  itjren  ?)ied)ten,  Privilegien 
unb  Aicilu'itcu  in  Religion*  nur  anberen  Dingen  belaffen  uub 
febufcen,  wie  biefl  von  friibereu  äaiferri  unb  Königen  gefa)cljen 
fei.  Darauf  würbe  ber  .öulbigungöeib  vorgelefen,  uub  vom 
UM  ftefycnb,  von  ber  (^eiftlicbfeit  unb  ben  6täbteu  fniecnb 
mit  vorgeftreeften  ^wei  Ringern  naebgefproerjen. 

sJcacb  ber  Ücreibigung  trat  ber  «fturfurft  an  ein  mit  $ep* 
pidjen  behaugenefl  Renfter  auf  bie  33rübergaffe  binauS;  bort 
war  bie  $ürgerfcr;aft  verfammelt.  Deö  Äurfurfteu  ©eljeini^ 
fefretdr  berichtete  von  l)ter  au$  ber  ©ürgerfdjaft,  ba(j  bie 
(Btänbe  ben  (*rbbulbiguitg$eib  abgelegt  bannt,  ermahnte  jte, 
ihren  £ehenöeib  *u  leiften,  unb  fprad)  tl>ttett  ben  ol)iie  SiSiber* 
fpruef)  geleiteten  (fib  vor.  (£in  freubigeä  gebeboeb  fcblofi  bic  geier. 

Die  folgenben  üage  bitf  juui  J5.  £>f  tober,  beut  £agc  ber 
VI  In  ci  i  c  bc$  jturfürften,  vet  gingen  unter  ÜBert)anbluugen  aUgc- 
meiner  lauft Knobcr  Hngelegcnbeitcit,  beren  (Erläuterung  uia>t  in 
bie  €pe3ialgcfdjtcbte  vou  ®örli$  gehört. 


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Uifrtts  pud). 


Kon  »efifcttafjme  bcr  ©tabt  burd)  Mut-Sacbfcn  bi$  $um 
Ucbergange  an  bie  Ärone  Greußen  tmb  auf  bie 
«tiefte  3ett.  1636-1850. 


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< 


Die  Belagerung  ber  £tabt  ©orlifc  im  3.  1641.*) 

a  beim  Hfrjtyfaiffe  beö  ^rtifular*griebeue  jwifdjen  bem 
Jtaiff?  gerbinanb  unb  bem  Jturfürften  3ol)anu  Qteorg  von 
«Saasen,  bie  Jtrone  (Sajweben  nic^i  $u  9tatl)e  gebogen  war, 
fanbeu  jid>  bie  £a)weben  bewogen,  gegen  Jiuvfai1)fett  feinblid) 
ju  verfahren  unb  f antat  im  9Kai  1639  aud)  nad)  ber  £ba- 
laujify.  ©örlifc  würbe  von  ifynen  befefet,  bie  ©ürgerfdjaft 
entwaffnet  unb  51t  3<if)tungvon  20,000  Xl)lr.  Jtrieg$*(£onrri' 
bution  gelungen.  3m  SKärj  1640  traf  ber  JDbriftlieurenant 
3afob  lÜßaurfe  von  Zittau  in  @)örli$  ein,  übernahm  bett  übet 
bcfefyl  mir  fefcte  bie  ctart  auf  baä  forgfältigfte  in  93ertf)ei? 
bigungäjuftanb.  8ein  fefyr  fd)wad)eä  Regiment  vefvuttrte  fiel) 
in  einem  Umfreife  von  3  teilen  um  bie  ^abt  unb  eben  fo 
weit  erftredteu  ftd)  aud)  bie  £ieferunge-$(u*td)reibuiigen  von 
s3)cel)l,  (betreibe,  üBiet),  Lebensmitteln  aller  2lrt  unb  ©elb; 
ftc  mujjtett  von  ben  9iittergutdbefi$eru  unb  Dcrffdjaftcu  in  ber 
Umgegenb  unter  2lnbrol)ung  von  ©ewa  ((maßregeln  im  2Öei* 
gerungöfaUe  bejriebigt  werben.  Xäglitt)  fanben  in  ber  6tabi 
^rerrieriibuugen  unb  ^ajanjarbeit  ftatt.   s)iod)  mefyr  SMnftalten 


*)  SBei  tiefer  £arfteUung  ift  l;aupt|ad)lid>  eine  im  3.  1777  in  ®ör* 
li|  erfefrienene  (sdirift  benufct,  in  »elfter  #vti  Xagebüdjer,  einö  in  C&ßrlifc, 
tat  anrere  beim  $3elageruna,eforpö  geführt,  ntfammengefteUt  unb  neben 
einanber  gebruett  jtub.  öeifce  tvaxin  fdjou  1U4I,  in  Wmlib  unb  in 
Qretfbeu  im  Ü)ru(f  erjetyienen,  aber  feljr  feiten  geworben,  baljer  bie  neue 
$(uj*aa,e  im  3.  1777  erfolgte,  ttuf  ber  aWilidffdjen  $ibliotf>ef  etijtirt  no$ 
eine  im  3.  1641  nad)  ber  3eid)nuug  bces  fädjjifdjen  ©eneral  -  Ouartier* 
meifter-  Lieutenant  ÄKeldjior  <Bc^lomarbe  geflogene  Rupferplatte  ber  99es 
lagerung.   Die  SUpferjiidje  jinb  beigefugt  bet  »ulgabe  von  1777. 


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398 


jur  S8ertr)eibigung  würben  im  3.  1641  gemalt,  al$  Unfangl 
3uni  baö  ®erüO)l  ging,  taiferlid)C  nur  fäcfyftfcfye  $ruppen 
feien  im  xMnuuic  auf  ®örli$.  3n  l»er  Jtlofterfirdje  unb  allen 
33au(id)feiten  beo  tflofterä  lief?  tarnte  ^Diagajine  anlegen. 

3n^wifd)en  t>atte  ber  äurfürjt  von  (Eacfyfen  wirflid)  ben 
@ntfd)luß  gefaxt ,  bie  <5tat>t  um  jeben  tyxtte  in  feine  Gewalt 
;u  befommen.  I  er  ©eneral  Jelbjeugmeifter  QJolfc  befam  öefetyl, 
bie  Btabl  einzunehmen  unb  traf  am  23. *3uli  1641  mit  feiner 
Äavallerie  ein,  machte  aud)  rafdj  einen  frei(id)  uu{3lofe"n  Angriff, 
in  ioi$t  befielt  21>antfe  fämmtlid*  ^evmir  u\  gegen  600  Käu- 
fer, in  33raub  fterfen  ließ.  $)iefer  großartige  $5ranb  wüt(>ete 
bitf  gum  an  ran  3)iorgen  unb  braute  bie  innere  €tabt  in 
foldje  ®efal)r,  baß  ber  Jtommaubant  fofort  ben  93efefyt  gab, 
alle  Finnin  von  ben  lagern  $u  |d)(agen,  wobnrd)  ber 
^ürgcrfdjaft  ein  6d)a9en  von  vielen  taufenb  £f)alern  enrftanb. 
9it  btefem  $age,  beut  24.  3u(i,  fürten  alle  Xfnrrmer  auf  w 
fdjlagen.  Slbenbä  würben  bie  Bürger  auf  t\a$  Wnrhhano  ge* 
rufen  unb  ihnen  vom  ftegimeurä  Ouarrtermeifter  befolgen,  höh 
beä  heftigen  C%fd)ii$feuerö  otyne  fluflnafyme  an  bie  €djan$ar* 
beit  rii  geljen. 

Hm  25.  3wli  flin^n  bie  $aiferlid)en  frur)  um  7  Uf)t 
über  bie  Weiße,  fa)(ugtu  oberhalb  beä  <Sä)ießf)aufe$  unb  unter* 
halb  ber  MVnblen  jwei  ©riitfen,  unb  fdjlugen  auf  bem  9taben< 
berge,  ber  laubaner  €traße,  ber  Sdjanje  unb  $$iel)Wetbe  £äger 
auf.  Tie  belagerten  bagegen  matten  in  ber  9?adjt  einen 
$\ no [all,  gtinbeten  vor  bem  reidjenbadyer  Ihme  nod)  einige 
ftefyengebliebene  Käufer  an  unb  bradjten  einen  (Befangenen  mit. 

Üm  26.  3hü  würben  aud)  bie  ^ienfimäbdjen  uim  €d)an- 
$en  gezwungen.  Die  (Waffen  an  ben  Stabtmanern  mußten  mit 
^laüifaben  verrammelt  unb  mit  Junger  verfettet  werben,  um 
bie  Sfeirfung  ber  Jfonoiienfugeln  ;n  ulnvaaVn. 

golgenben  $ ageS  würbe  bie  SÖurgerfcnaft  bei  üageöanbrua) 
auf  baä  JHatbrjauä  entboten.        waren  jebodj  bie  Weißen 
;n  «£>aufe  geblieben  um  ftd)  ber  üfrigeu  8a)an*arbeit  \u  out 
^iefyen.    I  a  brad)eu  bie  ^djweben  in  bie  Käufer  uub  jwan 

Jen  bie  Bürger  jur  Arbeit;  bem  Mat^e  [teilten  fte  Xob  burd) 
telver  unb  3Mei  in  Huejid)t,  wenn  bte  $5ürgerfd>aft  nia)t 
jal)lreid)er  erfd)ieue. 

£)en  28.  3uli  bauerte  bie  Sd^angaritif  fort.  3^>«tf 
mußte  brei  ^erfonen  fallen  $  ferner  jeber  sMxty  10  $funb  iim 


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I 

399 


über  ©lei  unb  alicrhanb  ©erättye  jur  6d)aiMarbett,  wie  gdffer, 
Vierte,  93eile,  Schaufeln,  OJrabfdjcitc  liefet«,  bie  £tabt  aber 
täglid)  ad)t  gaö  $ier  auf  bie  $Bad>t  Sofien  feubeu.  Hin 
fyeftiger  Regenguß  tl>at  baö  fehiige,  um  Die  aufgebeeften  ^äufee 
$u  ruitüreu. 

Den  29.  ju(i  würben  ade  »Jtarfoiteft  in  ber  <3tobt  g*$4fjli. 

fanben  ?id)  mit  £öirtf)en,  Äinbertt  unb  <*>c?Inbe  3388  9*er* 
fönen.  Da  «Biete  jty  »erborgen  Ijatten,  ijt  je*o$  biefe  ttngabe 
ntctyt  ganj  genau. 

30.  Swli,  Dtnetag*,  traf  außerhalb  ber  6tabt  letzte* 
unb  fdjwereö  ©eföftfr,  nebft  *wei  Regimentern  fäd;flfd>ert  gti(i* 
wlfeä  ein,  welche  auf  ber  Sdjanje  hinter  bem  beil.  (%abe 
imb  über  bem  Mfolaifird^ofe  fcdger  bereit. 

Den  fctgeubeti  'Jag,  31.  3uli,  bauten  tie  ©elagerer 
jwet  Rebouteu  auf  bie  flhiböfyett  bei  unb  $cnnei3- 

borf;  jte  v>erfucl)ten  uod)  Ebenes  um  10  Ul>r  eiueii  Un- 
fall auf  bie  Drcirabenmufjle,  unb  befcr/cffcu  beu  i'fyurm  mit 
$efd)ütj.  Die  bort  voftirteit  fdjwebifd)eu  Solbaten  n>tefett  ben 
Angriff  jurürf. 

2lm  1.  ^lugufi  bcfdjotjen  bte  ©clagerer  t>on  früf)  an  ben 
ruuben  ül)urm  au  ber  ^JJiible  mit  4  Äaitoneu ;  ungeachtet  ber 
lljurm  bebeuteub  ^erfcfyoiJcn  würbe,  blieb  bodj  ber  gegen  sJKit* 
tag  begonnene  vs-turm  auf  bie  3)?ü()te,  bei  wcldjem  ein  £biift; 
$ßad)tmeijter  ber  <stürmenben  fiel,  ebenfo  erfolglos,  alö  ber 
3$erfud),  bie  Steipbrücfe  in  sSranb  ju  fterfeu.  Kebfyafte*  ©e* 
wcljrfcuer  in  ber  Wadjt  ergab,  baß  bie  &aifcrlid}cn  in  ber 
Jtatole  auf  baö  £)d)fcnt()or  einen  Singriff  vcefudjt,  aber  burd) 
bie  belagerten  mit  einem  WuflfaÜ  jurürfgeworfen  worben  wa* 
ren.  Die  £ad)fen  auf  ber  Scfyauje  warfen  folgcubeu  iaged 
eine  Batterie  auf. 

Den  3.  2luguffc  würbe  r»on  Racfymtttag  4  bid  SIbenbd  8 
\\i)x  mit  4  .Kanonen  baö  ^pottyerttyor  bcfdjoijeu,  unb  bort  ein 
Stüd  3Rauer  niebeigeworfeu.  (Sin  €  turnt  bei  ber  Dreirabeu* 
s3Nüt)le  war  wieberum  erfolglos.  Dagegen  mußten  bte  <S(fywe* 
ben  bie  $otl)ergaffe  aufgeben,  weil  einige  faifertietye  Jufante^ 
rifien,  welche  über  bte  Reiße  gefegt  waren,  burd)  baä  ger* 
fdjoffene  gärbcfyaue*)  in  bie  £ot()crgajfe  brangen  unb  burd; 


•)  ^ot^tgatTc  9tP.  ««4  b. 

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400 


tf>rc  llcbermadjt  bie  bort  yoflirten  30  Wann  (Schweben  jum 
Mütfjuge  jwangen. 

Hm  4.  Viih]ii|"t  würbe  baä  <2d)löfid}en  von  7  Ufyr  Bor- 
gens au  fo  jtorf  befdjoffen,  baj?  jum  großen  Sd)recfen  ber 
itirdjgäiiger  wäfyreub  ber  $fmtöj>rebigt  bie  Steine  aud  ben 
Pfeilern  ber  $eterdfird)e  fielen.  Sie  6ad)fen  näherten  (idj 
burd)  Saufgräben  auf  ber  <£>ä(tern)iefe  ben  geftungflwerfen  am 
grünen  (Kraben;  wäljrenb  bie  6cr)roeben  in  bie  JteUcr  brarfjen 
unb  bort  plünberten.  Statute  verlangte  gebieterifd)  ©djanj- 
gräber,  liejj  fidj  jebod;  burcb  $ürfprad)e  eiifcä  Dfjijierä  baju 
bewegen,  feinen  SBefefyl,  and)  bie  gefyrcr  unb  ®d)üler  bei  ben 
6d)an$arbciten  }U  veiwenbeu,  jurürfjuneljmen.  $)a$  ©raben 
würbe  fo  heftig  unb  ununterbrodjen  biä  in  bie  9fad)t  vom  1 1.  Üü- 
guft  fortgefefct,  ba|j  viele  $erfonen  vor  (Ermattung  bei  biefer 
Virbett  tyren  ©eift  aufgaben.  Bei  ber  Pforte  (ü&ebertfyor) 
warfen  bie  Saufen  Scfyanjen  unb  eine  Batterie  auf. 

Hm  5.  ttuguft  bauerte  bie  tfanonabe  auf  bie  ^ei^brürfe 
unb  Bicrrabenmüljle  von  frur;  4  biet  9fad)mittag$  3  Uljr  un- 
unterbrod)en  fort. 

Den  6.  Huguß  fam  ber  Jlurfurft  von  Saufen  nebft 
bem  ©eueral'gelfcmarfdjaU  «jperflog  Wtoecty  Su  ©adjfen  nadj 
©örlifo,  bejog  ein  Duartier  auf  bem  legten  ©arten  ber 
3afobögaffe  (bamalö  9?o.  844.)  unb  naljm  mit  bem  £erjoge 
nod;  an  bemfelbcn^agc  aUeBelageruug$^beiteniu2Iugenfd)ein. 

?Jm  7.  unb  b.  $nguft  mußte  jcoer  Bürger  in  ber  6tabt 
12  ^futtfe  Biet  ober  Sinn  fdjaffeu.  Die  nod)  vorfyanbenen  Bor- 
rcitbe  an  9Beiu  unb  Bier  nahm  ber  jtommanbant  in  Befdjlag 
unb  liejj  auf  mehreren  fünften  Käufer  abbredjen. 

greitagö,  ben  9.  Huguß,  forberte  9öantfc  von  ben  ©in* 
Wörnern  ^ecfyeln,  ^ed>  8äjjcr.  ^m  &  Hljr  Hbcnbd  lie£ 
er  einen  Ausfall  auf  bie  ^älter-SBicfe  verfugen,  um  bie  bort 
anfgefteUten  €djan$förbe  uub  ^allifabeu  mit  s4*cd)f ränjen  an- 
gu^ünben.  5)od)  würbe  feine  2(bftd}t  von  ben  Belagerern  bei 
Reiten  bemerft  unb  bie  8tt0fa8ettbcn  fo  mit  ©efcfyüfcfeuer  be= 
griitit,  bap  fte  jtd)  unmtuciu'ii  mußten.  SBancfe  ermahnte  bie 
feinwotynerfdjaft  uim  ©ebet;  er  fetye  nun  ein,  ber  Seinb  wolle 
bie  &tät>t  um  jeben  freies  nehmen.  3eber  ^)audbeft$er  mußte 
Sßaffer  auf  ben  ^aueboben  tragen. 

2fm  10.  ttuguft  l)ielten  bie  Belagerer  ÄricgSratfy,  besof- 
fen au*  aüen  Stüefen  bie  <Stabt  unb  warfen  jwei  ©ranateu 


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4 

40! 


hinein,  hierauf  faidte  ber  General  ©olfr  em  offene«  Schrei* 
beu  an  ben  Äommanbanten ,  „Man  follc  bie  Stabt  burch 
«ccorb  überleben,  fonft  würbe  er  ftch  berfelben  mit  ©ewalt 
bemächtigen."  Söantfe  wie«  ben  Antrag  jurücf,  erfidrenb: 
„<£r  würbe  fetner  Drbre  jufolge  ftch  auf«  Steußerfie  verthei* 
feigen."  Den  Bürgern  würben  Bretter,  tförbe,  gaffer  jc.  weg* 
genommen;  bie  Bretter  aber,  nacfybem  sJcagel  in  foldje  ge* 
fdjlagen  worben  waren,  in  ben  Söallgräben  angebracht.  Sic 
Belagerer  begannen  ?lbenb«  um  8  Ityr  eine  ^eftfgc  aber  er* 
folglofe  JTanonabe,  welche  bi«  tief  in  bie  ^ad>t  bauerte. 

Sonntag«,  ben  2.  gugujt,  fielen  nur  einzelne  Schüffe, 
aber  am  3.  würben  beu  ganjen  $ag  hinburch  bie  dauern 
unb  Zf)üxmt  bei  ber  Pforte  unb  bem  reidjenbadjer  tyoxt  ber* 
artig  besoffen,  baß  vier  Z^üxmt  aufammcnftürjteit.  £«  wa* 
ren  bort  über  300  Äugeln  verfeuert  worben.  (Sin  Xfyüxm  am 
grünen  ©raben  war  währenb  be«  €  türme«  von  bem  fchwe* 
bifc^en  Sd^urid)  v.  Soeft  verlaffen  woxt^m  unb  fiel  in  bie 
£änbe  ber  Belagerer.  Der  gahnrich  würbe  am  22.  Stuguft, 
nach  gehaltenem  Jtrieg«gericht,  in  ber  s}connengaffe  beim  Älo* 
jter  erfchoffen.  Sein  Denfftein  befinbet  ftch  noch  i«  ber  6t. 
«nnenfirche.  —  $tbenb«  würbe  unter  ber  SKti^Ic  eine  SRine 
gefprengt,  war  aber  von  feiner  befonbem  5Birfung. 

Din«tag«,  ben  4.  #uauft,  war  ba«  geuer  nicht  fo  heftig 
§lbenb«  b^abm  ftch  ber  £anbe«ältefte  &\)xiftopt>  v.  £obberg 
(auf  Berne),  ber  ^ßroviantmeifter  be«  görlifcifchen-  Sanbfreifc«, 
($hriftoph  t>.  XjfchirtthaH«,  (auf  J?ie«ling«walbe  unb  Steigen* 
berg),  unb  Dr.  ^aul  Scipio,  (Srbürgermeifter,  $um  tfurfürften, 
welcher  jebod)  bie  SöanctYfchen  Bebingungen  ablehnte.  —  @« 
ngeu  brei  Regimenter  ber  Äaiferlichen  nach  Schleften  §ur 
elagerung  von  Bunjlau  unb  ^öwenberg  ab,  bagegen  famen 
1000  branbenburgifche  Jtavalleriften  unb  balb  barauf  3000 
9Jiann  3nfanterie  vor  ber  Stabt  an.  Gin  Xhurm  am  grünen 
(Kraben  würbe  ftarf  befchojfen,  unb  jtel.  ben  Saufen  in  bie 
£anb,  welche  ihn  gegen  einen  breimaligen  (Sturm  ber  Bela* 
gerten  311  fchüfcen  wußten.  Den  Saufen  würbe  Sterbet  1  9flann 
erfchoffen  unb  17  verwunbet.  811«  bie  Schweben  bie  Baftei 
mit  ^ecrjf  rängen  in  Branb  gefteeft  tyatttn,  würbe  biefer  Xhurm 
von  ben  Sachfen  aufgegeben. 

Den  5.  Hugufi  ließ  SBancfe  unter  Xrommelfchlag  au«* 
rufen:   1)  Daß  ein  jeber  SBirth  in  feinem  £aufe  ,  fein, 
$c,'*i$tc  m  MfU|.  26 

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402 


unb  wenn  er  anberdwo  ftd>  treffen  ließe,  ert'cfiojten  wer- 
ben foöe,  2)  baß  3eber  auf  Befehl  )um  ®d>an$en  *u 
fiellen  ^abe  unb  3)  fein  ©ewefcr  jururfbeljalten  werben  fotte. 
S)it  beiben  öürgermetfiter  unb  vier  9iatl)di)erren  führte  mau 
in  ber  $ljat  ald  ©efangene  in  ben  tfaifertruft,  weil  auf  beut 
9tatl)ljaufe  einige  alte  verrojtete  ©ewetyre  gefunben  worben 
waren;  Stadpnittagö  würben  fte  wieber  auS  beut  Ärreft  ent* 
(äffen.  3>ie  Bürger  mußten  tl>re  haften  unb  Äoffer  jur  Ber* 
wenbung  auf  bie  <5d)an$en  ausliefern.  —  Abenb*  jünbeten 
bie  Belagerten  jettfeit  ber  »eißbrürfe  bie  ©djanjförbe  einer 
Batterie  an. 

Am  16.  unb  17.  Auguft  würbe  bie  Berfjeimlidjung  von 
s4>ulver  unb  Blei  bei  Sebenäftrafe  verboten;  bie  6ct>an^arbett 
aiug  an  beiben  klagen  fort;  aud)  würben  bei  biefer  ©elegen; 
l)eit  jwei  ^erfonen  von  ben  belagerten  erhoffen.  Sei  einem 
Ausfalle  ber  (Schweben  fiel  ein  Hauptmann  unb  ein  gäljn* 
iid>  ber  Belagerer. 

S)en  18.  Augufi  ließ  Sßantfe  bad  Blei  vom  ©ondMurme 
nehmen;  am  19.  fam  meljr  Artillerie  in  ben:  Magern  ber  Mau 
fertigen  an;  fte  bauten  über  ber  Steiße  eine  Batterie,  unb  jfreU* 
ten  bort  $el>n  ©tücf  ©efdjüfr  auf.  3»  ber  Stabt  würbe  jeber 
Bürger  gezwungen,  ^anbgranaten  ju  gießen,  uub  mußte  baju 
6  $funb  SOfcffmg  liefern. 

Am  20.  Auguft  würbe  ftarf  gesoffen.  3m  £«»fe  ^o.  1 . 
fdjlug  eine  ©ranate  bura)  brei  Beben  in  eine  Stube,  wofelbft 
eine  grau  ifyr  Äinb  babete;  tyatte  aber  feine  äBirfung.  $er 
Äomntanbant  fdntfte  eine  Schrift  mit  13  fünften  f^eraud, 
worauf  ifynt  folgenben  Xaged  burd)  ben  Jturfürfren  anbere 
fünfte  gefenbet  würben,  welche  SBancfe  gum  $ntfd)luffe  ber 
auäbauernbfren  Bertfyeibigung  bewogen.  Am  22.  fenbete 
SBancfe  einen  Tambour  ber  Belagerer  mit  abfprectyenben  2Bor* 
ten  in  bad  Hauptquartier  bed  Äurfurften  gurütf.  Abcitbä  ge^ 
fcfjar;  von  ben  €cfyweben  ein  Ausfall  auf  bie  am  12.  ihnen 
entrijfenen  Bafiet  „fd>webifd>e  gä&nrkr;",  bie  jeboeff  nidjt  ge* 
nomraen  werben  fonnte,  wdfyrenb  in  berfelben  ©egenb  burcr? 
bie  ©cfyuffc  ber  Belagerer  viele  ©crjaitjgräber  in  ber  ©tabt 
verwunbet  unb  getobtet  würben.  2>en  23.  Auguft  ließen  bie 
Belagerer  in  ber  9tär)e  be$  fogenannten  „$ipptW  eine  Wüte 
fpringen,  welöbe  bie  Hauptmauer  auf  einige  jwanjig  Stritte 
nieberwarf.  Söande  wie$  einen  neuen  Berfncr/  gum  »ergleid) 


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403 


ab,  unb  ließ  aa  bemfelben  Sage  beim  (Satjhaufe  ba*  ^flafter 
aufreißen  unb  einen  Kraben  Riehen. 

Den  24.  «uguft  mürbe  mit  7  Batterien  ringdum  auf 
bie  8tafct  von  fiuh  ununterbrochen  gefeuert,  außerbem  ging 
eine  9Äine  auf,  fo  baß  „hinter  ber  Wauer"  bei  ber  Pforte  bie 
Htauu  auf  6  (SUen  breit  jufammenfrürjte ;  eine  Breföe  war 
von  ben  Sachfeii  beim  #ältergrunbftücfe,  in  ber  ©egenb  ber 
vBurjcgafif,  gesoffen  roorben.  5Än  beioen  Stellen  wuroe  nun 
geftürmt  unb  war  3/4  Stunben  ununterbrodjen,  roobei  bie  Be* 
lagerer  mit  Granaten  burch  bie  Grefte  f^offen  unb  baburef;  ben 
belagerten  viel  Seute  raubten.  3eboch  erreichten  fie  ihren 
3wecf  nic^t  wegen  ber  in  ben  ©räben  angebrachten  gußan* 
geln  unt>  mit  Nägeln  befptdtcn  Fretter.  Söancfe  ^atte  fo* 
wohl  auf  bem  3ipvel,  ald  auf  bem  3übenringc  fehr  viel  Grb* 
clnftnitte  gemacht,  bie  Heller  eingefchlagen  unb  barin  »olfa* 
gruben  angelegt,  »ei  Anbruch  ber  9cacht  mußte  mann  unb 
grau  ohne  Unterfchicb  be#  Stanbed  \um  Sdjanjen  eilen. 

9m  25.,  26.  unb  27.  Hugu*  ruhten  im  ©anjen  bie 
OOaffen.  San  begrub  außerhalb  unb  innerhalb  bie  lobten. 
>8on  Schwebifdjen  waren  beim  Sturme  etwa  70  geblieben, 
barunter  ber  SRegimfnt*?Ouartiermcijtar  Bernaucr  unb  meh* 
rere  anbere.  äßanefe  unterfagte  bem  Sanbe* «getieften ,  beim 
tfurfürjren  um  ©nabe  für  bie  unglüefliche  etabt  ju  bitten. 
?lm  26.  führten  bie  £>ffaiere  mit  ihren  $fetben  Dünger  in 
alle  bie  ©äffen,  in  benen  dürfen  geworben  waren.  £ud)  riß 
man  mehrere  Käufer  nieber,  um  «polj  ;u  ^allifaben  unb  jum 
lochen  §u  haben.  3eber  Bürger  mußte  6  Bretter  in  feinem 
^>aufe  losreißen  lanen,  am  folgenbeu  noch  9  ©tücf,  begleichen 
7  $funb  Blei,  2  $fnnb  9Hewng,  Becheln,  »(che,  glacr,*. 
£ine  aufgehenbe  5)?ine  in  ber  £orhergaffc  harte  nicht  bie  be* 
abfertigte  2öirfung. 

&m  28.  5Äuguft  mußte  wieber  gefd>anu  werben,  unb  weil 
angebiid)  \\vci  Biertelöuteifter  nicht  eifrig  genug  babet  fid) 
geigten,  würben  fte  jämmerlich  burchgeprügelr,  ja  diner,  (ihr. 
6d)öne,  foüte  erfeboffen  werben;  boch  fchenfte  ihm  ÜBarnfc  auf 
ttieleä  Bitten  neben  einem  gewijfen  ^Daniel  (£berl>arb  ba$ 
ben.  Um  8  Uhr  würbe  ber  $fortentl)urin  besoffen,  burd)lö* 
chert  unb  bie  babet  ftehenbe  Bafiei  jufammengefrürjt.  12  Uhr 
Stacht*  machten  bie  (Schweben  wieber  einen  BuäfaU  auf  bie 
von  ben  Belagerern  eroberte  Bajki  am  grünen  ©iahen,  »er* 

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404 


motten  aber  mdMo  unb  verloren  babei  *wet  Wann.  Die  $bv 
lagerer  befefrigten  biefe  33atta  bureb  einen  !h>aU  nach  ber 
Stabt  au  unb  burdj  $aliifaben,  um  gegen  fernere  Ausfälle  ge^ 
beeft  ;u  fein. 

8m  Sonntage  (29.  Sfagujt)  würbe  abermals  ftarf  (je* 
fchoffen;  bie  Bürger  mufften  wieber  Fretter  unb  Reifing  ge- 
ben; 2Banrfe  liefi  auch  wt  er  er  holt  nach  Bier  unb  tyca)  tu  aVn, 
bei  weichet  (Gelegenheit  bie  Schweben  einige  Rainer  plünderten. 

Hm  30.  Sngttft  jündeteu  bie  8  d) weben  eme  fäd>?lfd)c 
9teboute  an;  auch  fielen  fte  am  t.  September  wieberum  and. 
3m  Saget  (amen  30  Secb^pänner  mit  Munition,  auch  f<hwc 
red  ©efchüfc  an.   3n  ber  3  tar t  mußte  überall  SÖafier  auf  bie 
Böben  getragen  werben,  weil  SBancfe  viele  Bränbe  befürdjtetc. 

3n  ben  erjten  Xageu  beä  September,  ben  2.  unb  3.,  fie- 
len bie  2  d)wet>eu  nu  er  er  holt  auo  unb  untrere n  mehrere  Sßerfe 
ber  Belagerer  an,  welche  fortwäbrenb  burdj  fchwereö  Belage* 
rungögefcfmfc  ftd)  verftärften.  Xie  Bürgerfcbaft  mußte  von 
Beuern  Bretter,  Berte  k.  liefern.  Berfuche  Seitend  ber  Bela^ 
gerer,  bie  9?eipbrüde  am  u  umreit,  mißlangen,  SBande,  roel- 
eher  am  4.  unb  5.  September  einige  £äufcr  uieberreijjen  liefi, 
fanb  bei  tiefer  (Gelegenheit  einige  Linien. 

£m  6.  September  fing  bie  Brüde  an  )u  brennen;  tb' 
wohl  bie  belagerten  folche  löfd>en  founten,  unterbrach  btefcd 
l?'reigntH  roch  bie  Berbinbung  mit  ber  1 i eirabcnnnthie.  2öäl) 
renb  be$  Branbe$  würbe  fortwäbrenb  ftarf  gefeuert  unb  Born* 
ben  von  125  *ßfunb  in  bie  Stabt  geworfen,  beren  3Birfung 
burdj  ^luelöfchc«  ber  3ünber  vereitelt  warb.  Da  3  an  eini- 
gen Drteu  aufaehenbc  geuer  würbe  bei  Jeiteit  unterbriidt. 

Stm  9.  September  fielen  bie  Schweben  mit  200  3Wanu 
beim  .Uaifertrune  auö,  mußten  aber  mit  Berlujit  mehrerer 
lobten  unb  Berwunbeteu  jia)  auf  rao  Befeftigung^werf  ju* 
rucfueheii.    lie  Belagerer  hingegen  griffen  ben  Ihurui  unb 
bie     et  raren  niii  hie,  welche  fchou  feit  bem  6.  September  hff" 
rig  befd)offen  worben  waren,  an  unb  ftürmten  a  hermal*  ver- 
geblich gegen  bie  bort  pojttrteti  12  ÜDcann,  welche  burch  .Hahn 
verbinbung  vom  bieöfeitigen  9ieipufer  von  ungefchwächten  fn 
feben  SDtannfcbaften  abgelöft  würben.    (Gegen  5  Uhr  gemattete 
3Üande  bem  gieriger  ^hrtüoph  Vuhmer  unb  bem  ÜReftor  I  a 
vib  Rechner,  in6  (urfurftlidje  Vager  ut  uehen  unb  um  SdjO' 
nung  ber  Stabt  ui  bitten.    $odj  mußten  fte  ihm  ju  gleicher 


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405 


3eit  einen  föeverö  barüber  aufteilen,  baß  fte  mcfu  in  feinem 
Auftrage  fönten.  Der  Anrfürji  behielt  fte  bi6  jum  folgenben 
läge  im  Hauptquartier.  Sie  festen  of)tte  3ufabentngen 
wieber  fyeim.  ©anefe  nafjm  am  8.  September  bei  ©efeaen* 
f>cit  einer  *Revtfion  ber  Käufer  nadj  Lebensmitteln  unb  3Ru* 
nitien  ein  $er$eicfyniß  aller  9<crrätye  auf  unb  befahl  jebem 
5öirtf),  au6  feinem  $aufc.  4  halfen  \u  Riefen,  unter  &nbro* 
feung,  bie  Käufer  im  ©eiacrungafalle  ganj  abbrechen  su  laffett. 

Arn  10.  Sept.  gefefoaben  *wei  Huefälle,  wobei  Starteten* 
3äune  unb  Scfcanjförbe  angejtecft  würben  unv  verbrannten. 
Statt  einer  Batterie  bei  ber  SBafferpfortc  würbe  bie  SBierraben* 
sXflü\)U  faß  gan$  $erfd)offen.  Die  folgenben  Sage  fdjwtegen 
bie  ©efer/üfte.  Dod)  gab  SBancfe,  von  ber  geängftigten  gm* 
wofjnerfcfyaft  jHm  Äapituliren  gebrannt,  noefy  nidjt  nadj;  er  re* 
quirirte  vielmehr  Mafien,  Fretter,  föetßig  unb  Scfyanj 'Arbeiter. 
Der  tfurfürffc  ließ  fein  Hauptquartier  v erfdjanjt,  weil  bei  einem 
HnifaUc  ber  Schweben  jwei  Sdjtlbwacfyen  gan$  in  ber  9läf)e 
beö  äurfür|len  aufgebeben  werben  waren. 

Den  13.  unb  14.  würben  jwet  Stürme  int  9ceiß$wtnger 
unb  im  9tieoeren* Pforten *3wn8e*  beft^offen  unb  genommen; 
lefctereu  mußten  bie  Belagerer  folgenben  Xage*  wteber  verlaf* 
fen,  ba  er  von  ben  Schweben  in  93ranb  gefterft  war.  3n  ©er 
9iacr;t  vom  14.  \\m  15.  fahr  ein  93ote  be<3  ©eneral  Stat)l* 
rjautfd)  über  bie  Ü^auer  unb  melbete,  ber  ®enera(  nähere  ftdj 
ber  Stabt,  welche  9cacf>rid)t  ben  Äommanbanten  am  16.  m 
ber  9feu|erung  veranlagte,  e*  fei  an  ilebergabe  gar  nicr)t  mefjr 
51t  benfen. 

s^lm  16.,  17.  unb  18.  September  bauertc  ba«  Stießen 
faft  unauflgefefct  fort,  golgenben  Sage«  fielen  4  glüfjenbe 
kugeln  in  bie  Stabt,  aud)  würbe  ber  Jtatfertru^i  ftarf  hv 
fdjoffen;  beibeö  ofme  befonbere  SBirfung.  Den  20.  ließ  SBancfc 
ber  «Bürgerfcbaft  ben  vierten  Sbeil  be$  betreibe«  wegnehmen. 

9lm  21.  würbe  ber  ^ulvertburm  ftarf  befdjoffen  unb  nach 
310  Schaffen  nebft  bem  ®ange  fo  ruinirt,  baß  e$  fetyien,  al$ 
fönne  ein  Sturm  von  (Erfolg  fein.  Die  Schweben  fdjlugen 
biefen  Angriff  ab.  Sie  festen  bie  ©aftei  in  Sranb.  Hm  20. 
unb  23.  September  würben  einige  «Belagerer  bei  HuSfdüen  ge* 
fangen  unb  eine  s:Wine  am  grünen  ©raben  von  SBancfe  mit 
©affer  aufgefüllt. 

Obgleich  ben  24.  bie  ©efdjüfce  fliegen,  würbe  beftänbig 


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4or> 


tit  €d?amarbeit  betrieben.  SBanrfc  forbtrtt  »on  ben  Scfyuf)* 
magern  500  ^aar  6d}ubt,  von  ben  Aurfcbnent  9J?ü$en  uno 
9$tlje,  fcon  ben  $ud}mad)ern  Xu*  jn  Dorfen  für  bit  (solta- 
fcn,  unb  lief?  gtgen  60  Shirf  Surf)  wegnehmen,  «benb*  fiel 
«int  gtuerhigel  fit  ber  sJ?ät)e  von  ©*rli$  nieber,  bie  auf  ttt» 
tft'n,  rote  t$  fdjeint,  einen  bemüttytgenben  (frinbrnef  maa)te, 
benn  er  $eigtt  jta)  feitbem  geneigter  I«  Unttrbanblnngen. 

2lm  2g.  unb  27.  würbe  ber  tfaifertrnfe  unb  reia)enbad)er 
Xfjnrm,  jebod)  ofjne  (Srfolg  befdwffen.  Ungead^tet  ber  äom* 
manbant  einen  Xambour  mit  ber  <£rflärung,  er  wollt  fapttu 
ttrtn,  r;inau$gefd)irft  fyatte,  befahl  er  ben  27.  einen  $luöfall 
1  miä  bem  reidjenbaa>er  Ztyoxe,  welker  bewirfte,  baß  17  9Kann 
ber  Sefa&ung  einer  föeboute  bei  ber  grauenfirdje  tfyeile  nie; 
bergebauen,  tbeilä  ut  befangenen  gemacht  würben. 

8m  28.  unb  29.  würben  burd)  ben  fdjweoifdjen  SXajor 
53ö(f  unb  Hauptmann  SÖtülIer  bie  Unterfyanblungen  angefnüpft, 
unb  fttrförftli^er  6tit6  bura)  btn  Sftajor  o.  $i|d)offebtim 
unb  Hauptmann  galfenberg  geführt.  (Snblii)  am  30.  :ging 
ber  Änrfürft,  ben  bie  <£tabt  erbarmte,  auf  SBanrfe'ö  Skbin- 
gungen  ein  unb  würbe  in  bem  33rumttuf}aufe  eineä  ©artend 
vor  btr  Pforte  naajftebenber  $lceorb  abgtfdjlofftn:*) 

„Accord'<3*^uncta 
fo  jwtfa)en  btr  föömifa)  'Jtatyftrf.  SJcajeftät  beftaltten  Genera- 
liiaet  unb  (Sbur^giirttl.  DurcM.  ju  (Sadjftn  an  einem,  unb  bann 
mit  ber  Jfömgl.  vDfajeftät  unb  (£ron  <Sd>webcn  über  Dero 
fyocfyftel.  Exccll.  be$  J^errn  General*9ttrf(tyaU0  Johann  Ban- 
ners Seib Regiment  Dragoner  beftalltcn  Dbrift  Lieutenant 
unb  dommenbanten  in  (9orli$  anbemtfyeil* , 
wegen  Utbergabt  btr  8tabt  Öörlifc  abgehandelt  unb  be* 

fdjloffen  worben." 

1)  ($d  foll  bem  oon  Dero  Äönigt.  sH?ajeftät  unb  ber  ßron 
Sdjweben  über  beö  f)i><$fdl§Ctl  §mn  Genera  l-gelb^Warfcball, 
3ofyann  9$annierä  KxceHeni  £tib  Regiment  Dragoner  bereu- 
tem JDbriften*  Lieutenant  unb  Gommendanten  in  @Jörli$,  fammt 
allen  fyofytn  unb  niebrigen  Äriegd-Oflicieren,  wie  bit  immer 
!Ramen  fyaben  mögen,  gemeinen  «Solbaten  unb  ganzen  Bttgi- 
mtnt  Dragoner  ut  iHoü  unb  \n  au  fr-  wie  and)  aubtm  btr 
fjocbtöblidjtn  (£ron  <E<bweben,  unb  tnrweber  ;u  Dero  Äöntgl. 


•)  €.  öftrer'*  lauftyifdK  »ifrftonrbigfciien  <2.  271  f. 

I 


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407 


Sdjwebifdjen  <£>aufe  ober  ju  Dero  Staßfjanftfdjen  Ärmee  ge* 
Rödgen  itriegd  *33ebienten ,  ob  foldje  gleid)  Htcf^t  specificirel, 
ein  3eber  mit  gebräud)lid)em  £)ber-  unb  Untergewefjr,  alt 
$ifbfcn,  Söhren,  3tfuöqtteten,  unb  mit  $uber  gefülltem  «ßan* 
telier  ober  Patron  *£afd)e,  brennenben  Junten,  aufgefiridjenen 
ASfym9  «äugeln  im  9Äunbe,  fliegenben  Stanbarten,  offenen 
$ccr*$<uNtcitf  Drommeten,  Drommel*  unb  Riffen*  Sd)t0 
unb  wie  ein  3eber  ftcfy  ui  gut;  felber  ruften  mag,  fammt  afler 
Bagage,  Satf  unb  $<uf,  £ro&  unb  Slnfjang  ein  freier  «bgug 
serftattet  werben. 

2)  Soß  aud)  bem  $erm  DoritVLieutenant,  $errn  Major 
unb  fernen  Capitainen,  wie  aud)  allen  anbern  OfHcierern  alle 
ihre  angefyorige  Diener,  SBciD  unb  «ffinber,  9icit-  unb  fjanb* 
^ferbe,  Bagage  *20ägen  unb  alle  anbere  i^nen  angepörige 

,  Sadjcn,  fte  fe^nb  beniemet  ober  nid)t,  frei  unb  fidjer  passiret 
werben. 

3)  Soßen  bie  ^bjie^enbe  mit  genugfamer  Convoy  otyne 
SBevfdtfag  einige*  anfcerd  OfficiererS  ober  Stüter*,  fo  nidjt 

biefer  Convoy  gehörig,  unb  of)ne  einigen  Umfdjweiff  &tt 
t>ero  Staßbanfifdjen  Armee  convoyret  werben. 

4)  Soll  aud)  benen  ^iefjenben,  auo  welchem  £f)or  ifjnen 
aufyujiefyen,  nad)  welkem  2Beg  iljnen  ju  marchiren,  unb  ifynen 
De*  Staats  ftd)  einzuquartieren  belieben  wirb,  frei?  gelaffen 
werben. 

5)  Soß  aud)  feiner  Weber  »on  «Hörn,  tfaiferl.  SWajefr. 
norf>  Gtyurfürfll.  Durd)laud)t  ju  Saufen,  no*  Sfynr'StaUf 
renburgifdjen  Zoldem  ju  benen  au^iebenben  Sdjwebifdjen 
ftd)  na^en,  no(ty  Utfort  au  wedjfeln,  viel  weniger  einige  Prae- 
tension  an  einem  nnb  anbern  gu  fudjen,  nod)  jemanbS  auö 
ihren  $rouppen  gewaltfamer  ober  practicirlidjer  2£eifc  weg; 
junefjmen,  nod)  auf  bem  sJHarfd),  feine  anbere  weber  Deuter, 
Dragoner  nod)  anbere  Xrouppen,  ald  bie  Convoy,  ftd)  gu 
ibneu  }u  nafyen  geftattet  werben. 

6)  3m  Vlfyug  fofl  aud)  weber  an  einem  nod)  anberen 
feine  einige  Practension  nod)  Exaction,  unter  wa$  Practext 
e$  aud)  fein  modrte,  feineö  2ßege$  gefud)t  werben. 

7)  Soß  benen  8b$tef)enben,  von  dato  an,  4  Sage  3eit 
getanen  werben. 

8)  Soß  aud)  fein  einiger  weber  »on  tyto  Rfattf*.  Äeoferl. 
«iajeftät  nod)  tyvo  6t)urfurftl.  Durdjl.  ju  Saufen,  nod) 


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408 


<$r;ur'8ranbenburgtfd)er  ©ebienter,  hoher  ober  niebriger  Kriege* 
Officierer,  »iel  weniger  gemeiner  Deuter,  Dragoner  ober  ©ol* 
bat  bet>orab  bie  ©chroebif<he  Garnison,  mit  allen  Angehörigen, 
abmarfchiret,  fia)  in  bie  ©tabt  %t)ox  noa)  ©raben  ju  nahen, 
FeineSwegeS  unterließen. 

9)  ©oll  fein  einiger,  er  fjabe  entweber  3hrer  9töm.  Stet)* 
ferl.  SRajefiät  ober  3^rer  6^urfürflL  Durd)laud>t  *u  ©adjfen, 
ober  S^ur-33ranbenburg  vorhin  gebienet,  ober  etwaä  entweber 

!>egen  3I)r.  jRöm.  Jte^ferl.  9Raje|l  (Hjurfürftl.  Durajl.  $u  ©aa> 
en  ober  (£hur'93ranbcnbura  delinquirt,  ober  aud  Dero  Dien* 
ften  getreten,  ob  foldje  fchon  aua)  2anbe$*  iTinber  unb  im 
sMm.  SReia)  gefeffen,  eS  mochte  gefefoehen  tonnen,  unter  wa* 
Praetext  e$  fetjn  wollen,  auä  benen  audgebenben  Xrouppen 
genommen,  noa)  weber  gu  Dero  JtetferL  ffiajeft.  ShiirfurfU. 
Durd)L  *u  ©achfen,  ober  S^ur^ranbenburg  Dienten  genö* 
thiget,  ingleidjen  follen  aua)  alle  begangene  delicta  cassiret 
unb  aufgehoben  fein. 

10)  Da  aua)  einer,  er  fcp,  wer  er  wolle,  *on  benen 
auSjiehenben  ©chwebifcfjen  Xrouppen  gutwillig  unb  »orfefclich 
abzutreten  unb  ftcb  entweber  in  3f>r.  9töm.  JfKrpferl.  sJXajefi. 
3&r.  (Sburfürjtl.  Dur<hl.  *u  ©adjfen,  ober  Gt)ur*©ranbenfrur; 
gifa)en  Dienften  *u  begeben  fta)  unterftefjen  würbe,  follen  bie 
aue^ierjenben  Oflicierer,  fo  wohl  mit  3f>r.  9löm.  tfeijferl.  3Ra- 
jeftät  befiaUten  Generalität,  al$  bind)  nnfere  GhurfürfHia)en 
Durchlaua)tigfeit  gu  ©arfjfen  bewillig  *  unb  3iilaffmtß  fold?e 
nieber  ju  fa>iejfen  9Äaa>t  l)aben. 

11)  Da  ft<h  auch  etliche  unb  entweber  gu  bero  fönigl. 
©a)webifa>en  Aaupt*  ober  ©tall^annfa>en  Armee,  wie  auch 
gu  bem  au$nebenben  Regiment  geborige  brande  unb  Set* 
wunbete  allste  in  ©örlifr  beffnben,  unb  nicht  mit  fortgebracht 
werten  tonnten,  follen  fte  fo  lange,  bid  foldje  resiiluirct,  all* 
^ier  in  ®örlifc  gelaffen,  verpfleget  unb  naefo  erlangter  ©efurio* 
beit  nächft  ßrtbcilung  eineö  fiebern  $ajjc0  *u  ber  ©tallljan* 
fifa)cn  Armee  frei  passiret  werben. 

12)  ÜRögen  fta>  auch  wohl  bie  *u  bero  tfönigl.  ©a)we* 
bifdjen  £aupt-  ober  bero  ©tatthanftfeben  Armee,  wie  auch  gu 
bem  aufyierjenben  «Regiment  gehörige  £)ber*  unb  llitter*Ofticierer, 
gemeinen  Acuter,  Dragoner  unb  ©olbaten  ju  ftoti  unb  gut*, 
aud)  wer  fta)  fonfien  bei  beut  au^iel)enben  Regiment  aufge- 
halten, unb  mit  au$marfd)ivcf,  mit  genugfamen  Proviant,  Mu- 


409 

nition  unb  Fourage  verfemen,  aud)  fo  viel  93ier,  al$  auf  ben 
Marquetendor  SBdgen  mit  jtd)  gefüljret  werben  fann,  fretj  aufj- 
gepafjtret  vnb  gelaffen  werben. 

13)  Sollen  aud)  bie,  nno  entweber  Jf)r.  Kxcell.  Jgierm 
Genend- Major  StaÜfyanfen,  ober  anbere  Der  f)od)löbl.  (£ron 
<öd)wet>en  r)ohe^  unt>  niebern  Stanbeö  $riege$*93ebtenten  an- 
gehörige  unb  allbier  in  ©örlifc  vorfyanbene  @ad)en;  wie  bie 
ofyn  einige  Specificirung  beftnblid)  fetjn,  fret>  jidjer  uu$-  unb 
fort  passiret  werben. 

14)  Soll  fein  einiger  Bagage-'äBaaen  nod)  anbere  Bagage 
beftdjtiget  nod)  ge}>lünt>ert,  viel  weniger  ^emanb,  eä  fet>  3Rami« 
ober  3Öeibe$  *  *Berfoncn,  von  beuen  ^ferben  ober  3$agen  hinunter 
gejtoffen,  nod)  nid)t$  fjinweg  genommen  werben,  ba  fold)e$ 
über  Sßerboffen  fjefdjefjen,  foll  fo(d>cd  alles  bHrd)  3br.  ftöm. 
Äewferl.  9Äaj.  benallte  Generalität,  wie  aud)  bHrd)  unfere  <Sr)nr> 
furfH.  Durd)l.  \h  Sadjfen  4pülffe  unb  53cfe(>Itd>  in  integrum 
wieber  restituiret,  Werben. 

15)  Sollen  aud)  alle  unb  entweber  \\\  ber  Stallfjanftfdjeu 
Armee  ober  ut  bem  au#uel)enben  Regiment  gehörige  (befangene, 
jeoweber  nad)  feiner  Charge,  gegen  einanber  auSgewecbfelt 
werben. 

16)  Sollen  aud)  alle  (ßferbe,  fte  r)aben  vor  biefem,  weme 
gewollet,  gehöret,  feine$weg$  angeft>rod)en  nod)  abgenommen, 
fonbern  frei)  fidler  abgefolget  unb  mitgelaffen  weroen.  S)a 
aud)  in  biefen  vorgefe&ten  fünften  etwas  omittiret,  vergeben 
uno  md)t  speeifieiret,  nod)  genau  in"  £d)t  genommen  worben, 
foll  feineSwegfl  gerinnen  scrupuliret,  nod)  einiger  tftnfprticf) 
getban,  fontrern  alled  fo  wohl,  alä  wenn  e£  plenarie,  expressc 
uno  in  specie  exprimiret  Hitb  speeifieiret  worben,  allerfeit£ 
passiret  unb  gelaffen  wetten.  2öeun  bann  ber  (9egentf)eil 
gewiffer  3u^erH^^  u,,b  fobalb  biefe  Accords^unfte,  fowol)l 
von  3f)r.  \R6m.  jtetyferi.  sJWajeft.  Generalität,  ober  aber  in 
frerer  9tal)men,  von  uuferer  G>l)urfurftl.  $)nrd)l.  ui  Sadjfen, 
genungfam  mit  $anb  unb  Siegel  eorroboriret  uub  betätiget, 
nad)  alter  Xeutfdjen  Dexterität,  Xreu  unb  ©lauben,  unver* 
bräd)lid)  gehalten  weiten,  wie  aud)  gehalten  werben  follen; 
al$  wirb  unferer  ßburfürftl.  1mrd)l.  ju  SadSfen  von  bem 
&d)imtt)tfibtn  Äerrn  DbrifcLieutenant  ba$  grauen*Xf)or,  bi6 
an  bie  Sfcing  Ütfauer  \\\  befe^en  eingerdumet,  feine  Munition 

vergraben,  ba$  vorfjanbene  Proviant  unferer  dl)urfurftl. 


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410 


Durdtf.  ju  (Saufen  beftatttem  Proviant ^  Weifler  unverfälfdn 
eingeliefert,  unb  alfo  in  allem  eine  alte  tentfdje  ef)rlicbe  5Äuf- 
ridjtigfeit  getroffen  werben.  Sßeil  feine  Stanbarten>  Cornet  ned) 
gähnen  vorbanben,  foll  bad  ui  $tfd)off$werba  bekommene  3l>r. 
««rfftrfH.  $ur$(.  fyinterlaffen,  and)  ber  S3of)m.  vom  «bH 
mit  benett  8cbwebifcben,  famntt  allen  feinen  Angehörigen  frei) 
attäpassiret,  unb  bie  in  (^erlifc  verbleibenbc  Exulanten  frety 
ftdjer  gebulbet  unb  unperturbiret  verbleiben. 

Daß  nun  allberührte  Accords  sJJuticta  mit  ihren  Clausuleii, 
reAtem  ^erfitattD  unb  sA>to)nung  ttad),  unverbnu1)lidjen,  fteif, 
fefte  unb  nad)  alter  teurfdjer  Dexteritdt,  Xrett  Mitb  ©lauben 
gehalten  werben  follen;  haben  unfer  (SburfürfM.  Durthl.  \u 
(Saufen,  unb  im  tarnen  3br.  9töm.  Äavferl.  sJRajefldt  be* 
ftallter  Generalität,  eine*  Xljeilä,  wie  aud)  ber  6(fywebrf<i)e 
Obrifte-Lieutenant,  im  Rantftt  ber  ^odUöbltdjen  dron  <Sd)»e; 
ben,  anber  Xfyeilä,  $wei  gleidjlautenbe  Exemplaria  unterf^rie^ 
ben  unb  mit  angebogenen jnjtegrln  confirmiret  unb  befrdffttget." 

Signatuin  ©örli$  ben  2%o  September  1641. 
Aanujj  ©eorg,  ßfnu'gurjt. 
gran&  SUbredjt  «£>er$og  ni  6acr;fen  !c. 
M.  Maxiin.  greiberr  von  unb  ai  ber  (Holfc. 

Xm  t .  Oflober  verfauften  bie  6olbaten  xt)t  ©etreibe  unb 
bunbert  Surfer  würben  beorbert,  bafl  reidjenbadjer  Xljor  ui 
räumen,  bamit  bie  Solbaten  bort  ihren  tbjag  galten  fonn* 
ten.  golgenben  Xaae$  begab  ftd)  eine  Deputation  von  ganb 
unb  Stäbten  *um  flttrfürften  wegen  be$  fdmellen  &bf$tttfic4 
ihm  Dattf  abjuftatten. 

Den  3.  Dftober  würbe  ©encralmarfd»  gefdjlagen.  Um 
8  Ufyr  befefcte  ba6  fäcbftfdje  tfricgävolf  ba*  reichenbadber  Xf>or, 
unb  jmtfdKtt  10  unb  12  Uhr  jog  SBanrfe  mit  9ttajor  3faaf 
«od,  £auptm.  Drewer,  3)Mbe/3Mler,  9io*wi&,  £äujfei, 
blande  aud  ©örli$. 

2Bäf)renb  be$  «biugö  fiel  von  einem  Schweben  ein  6(hn£. 
Die  faiferltcfyen  unb  fäd)ftfd>en  6olbäten  ftfrqren  über  bie 
(schweben  her  unb  trofcbem  baß  ihre  ©enerale  9Ref)rere  äugen- 
Midlich  erfdnepen  nnb  hängen  liepen,  Jam  SBantfe*)  faum 
mit  150  Schweben  bavon. 


•)  SHancfe  wa,afi  biefeö  treutofe  Überfallen  niemals  unb  febwur  in 
ferner  tnnetflen  $eele  iRadje  ju  nehmen  am  Änrfurflen  3»>&ann  @eorg  nah 


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411 


5(m  6.  ©f  tober  würbe  in  ber  *($eter$ttr<tK  ein  Danffefl 
über  He  <$rlofung  von  ben  <£d)wet>en  abgehalten,  bei  l>em  r>er 
Äurfürft  unb  bie  übrigen  Generale  zugegen  waren  nur  ber 
&ofprebiger  M.  (£f)riftopf)  £aurenHu6  au6  $)re*ben  eine  $)anf* 
$rebigt  frjielt,  welche  im  Drnrf  Hiajt  weniger  al*  9  Sogen 
ftarf  war. 

8m  10.  iDftober  würbe  ba$  fäctmfcfye  Regiment  2lrnr)eim 
in  ber  Stabt  einquartiert  unb  am  13.  brauen  bie  1  rupfen 
au*  ben  Wägern  nad)  ^ajleften  auf,  wäfyrcnb  ber  Jturfürft  ftd) 
nadj  'Dreäben  ^urürfbegab. 

^Bär^retiD  t>er  Belagerung  fmb  ohö  fdjwerem  @tefd)üfc 
anf  bie  6tabt  5538  6$uffc  gefallen,  40  ©ranaten  unD  bom- 
ben geworfen  unb  11  Stiften  gegraben  Worten. 

Sie  flarf  Sande  befeftigt  fyatte,  geljt  aud  golgenbem 
f)en>or.  ^ie  Tljorc  waren  alle  oerfdwittet  unb  mit  ^aüifaben 
verfemt.  $(m  9tei$tt)or,  gegen  ba6  £>d)fentt)or,  war  alleä  t>er- 
paüifabirt,  nur  ber  ttorbere  föngang  jur  Babeftube  freigelaufen *, 
nad}  ber  ^otf^ergaffe  war  ber  3H9an4  verfperrt  unb  nur  bmä) 
ein  6a)iebe-s^fört(t)en  ber  5Beg>  nad)  ber  iWiifyle  gangbar. 
3n  ber  »fiotfyergaffe  bei  ber  $ofy*9Rufy(c  war  ein  ©raben  mit 
gbiftugö'drücfe.  Die  Steißgaffe  war  ferpallifabirt  biä  an  ben 
(**ang,  ebenfo  ber  Jtträberg  bis  jum  Sfathrjaufe.  $on  bort 
fajt  (im  bie  ganje  ©taot  —  bei  ber  tfrifdjelgaffe  weniger  — 
war  bie  innere  6tabtmauer  mit  >J)a(lifalen  aufgefüttert  unb 
mit  riefen  (Gräben,  frer  Witten  wegen,  verfemen,  an  baten 
«Rationen  jwifctycn  Sollwerfen  ftanben.   Äuf  allen  ^interrjäu- 


feiner  Emilie.  3m  3.  1647  »äbrenb  eine*  ©•ffllfHKfomfcH  mit  Jturfadjfen 
befdflefi  et  baö  fd>»a<t>  befc^te  $re*ben  mit  feinen  Dragonern  $u  überfallen 
nitt»  bie  fnrfurftlidje  Familie  fammt  bem  9(bmtnijrrator  von  .SWagbebuva,  fit 
ermorben.  @ein  Slnfdjlaa,  »nrbe  burch  ben  CbrijMieutenant  Sruneil  bem 
General  ©anner  »erraten,  unb  »HJande,  ber  fdjon  im  Süalbe  von  Iba* 
ranb,  2  SWeilen  von  5>re«ben,  ftanb  nnb  in  ber  fdflenben  Dlartjt  bie  Ueber* 
rnmpeluna  £>re«bene  an«füljren  »oUte,  verhaftet,  um  vor  ba*  fdjwebifdje 
£riea,#a,enct>t  gebellt  ;u  werben.  £iefee  that  am  ü8.  November  1647  im 
Hauptquartier  Clbenborf  folqenben  Sprud>:  „bap  ilmt  Standen  ;ru  fefbjh 
serbienter  Strafe,  anbetn  aber  *um  abfrbeulidjen  (Krempel,  fein  treulofe« 
Her»  au*  bem  fceibe  qefanitten,  um  ba«  äRaul  qefd)faa,en,  bann  ber  fceib 
lebenbia,  in  vier  Steile  ^erbauen,  unb  anf  vier  $fäf>le  an  »in  <Sden  ber 
siBett  Reffet  »erben  foUe."  $0$  ifl  biefer  Spxnd)  niemnl«  auagefübrt 
»orten,  »eil  Uv  ftriebe  u/tb  mit  ihm  eine  Kmnefttf  eintrat.  <5,  ^Jecte, 
»efdjreib.  ^reeben  ö.  fol.  1680.  <S.  509  ff. 


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412 


fern  unb  95öben  jtanben  gäjfcr  mit  Steinen;  überbieä  waren 
Sdjiefjfdjarten  in  ben  Käufern  angebracht.  3»  ben  $orber- 
Käufern  waren  gro§e  £Botf$grubcn  bid  tief  in  ben  Heller, 
worüber  man  nur  auf  formalem  93rette  ger)en  fonnte.  tyaiiu 
faben  waren  in  ber  ©tabt,  auper  beim  9iei£tl)ore,  otogen  am 
3ippel,  bei*  bem  2Bebertf)or  (Pforte)  über  bie  $ajfe,  »om 
grauentr)or  bif$  an  bie  9i*oimenaaffe,  am  ISnbe  ber  Steingaffe 
beim  Dbermarfte,  bem  Dbermarft  von  ber  einen  Seite  bid  and 
wei£e  -Roß,  bie  breite  (Baffe  am  3übenringe,  beim  Brunnen 
an  oer  ^leifd^crqaffe,  in  ber  ^übengaffe,  von  ber  tfir<r)mauer 
bis  jur  *|3eter$gaffe,  von  ber  alten  Sa)ule  bie3  §utn  ÜRentljaufe.*) 


®efd)icf)te  ber  ei>angelifcr)en  s^arcd)ie  feit  ber  föe* 

forma  Hon. 

.ftirdjenorbnun  g.    Scbwenffelbianer.    Stx  wptccalvi- 
niämu*.   ßr»angelif  d)*u  ngari  fer/e  Emigranten. 

<JJieti$mu$.**) 

lieber  bie  evanadifdjc  ©eiftlidjfeit  in  (työrlifc  ftnb  eine 
große  sJWenge  Sdjriften  unb  Slufjeidjnungen  wt)anben,  weld>e 


#)  Km  30.  <$ertember  1841  nmrbe  ein  (£rinneruna*fett  an  bie  Sc- 
freiuna,  ber  Stabt  *en  ben  iSctttoeben  abfeiert,  unb  Slbenbtf  bnrdj  einen 
©all  bea,ana,en.  3n  bem  ©arten  ber  3ecietät  ift  in  einer  ©rotte  nafy 
fleljenbe  3njfä)rift  eingemauert : 

Die  Stadt  Görlitz  seit  1639  von  schwedischen  Truppen  besetzt, 
welche  der  Obristlieutenant  Waneke  befehligte,  wurde  vom  13.  Juli 
1641  an.  durch  den  kaiserl.  General- Feldzeugmeister  \.  und  zur 
Golz  belagert;  den  Accord  zur  llebergabc  aberschlossen  der  Chur- 
fUrst  v.  Sachsen  Johann  Georg  I.,  Herzog  Franz  Albrecht  von  Saeh- 
sen-Lauenburg  und  beiderseits  Commandirende  in  diesem  Brunnen- 
hause am  30.  September  1641. 

Zur  Erinnerung  errichtet  den  30.  September  1841. 

*•)  Ouellen:  Diermann'«  «ßrieiierfrrjaft  ber  £berlaun>.  a^uüer^ 
JRefürmationöqefducrjte.  rtunaYö  fceben oqefd).  ber  gört.  @rtftltcbFeit.  3>te 
Umgana^ettei  ;n  ben  tterfduebenen  .Hirzen.  Änauttyi  o  ÜWfpt.  auf  ber 
$ibliot()e?  ber  cberl.  ©efellferjaft  ber  3LMt7enfcf)aften  uub  vielfache  <£©nwe: 
lute  unter  ber  SHubrif:  Lnsatica  in  berfelben  «iblietM.  auf  Ätrd^en. 
9(a,enben,  ©eijilidje  ir.  br^nglid).  ©roffer'*  oberl.  Werfn?ürbia,fetten  unb 
£i>ffmann'6  Scriptoies  rer.  lus.  lieber  bie  fmuptfäcfjlidjttcn  fünfte  fdgt 
unten  bie  fpeuelte  »ngabe  ber  benufcten  £ilfemittel. 


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413 


meifreutr)eil$  biograpljifdje  unb  literaufd)  l)iftorifcr/e  Beiträge 
*ur  ®efd)id)te  bcrfelben  bringen.  £>ie  twllftänbige  93enu$ung 
öiefer  lederen  würbe  ben  s4$lan  Borliegenben  2Öerfe$  bei  Sei* 
tau  Übertritten,  bae  wtrflicr;  (>iftortfd>  sD<erfwürbige  aber  un* 
ter  ber  Jülle  jener  ^coti^en  oerfiecft,  minbeftenö  bureb  biefelbe 
fel)r  serbunfelt  werben,  £)eöl)alb  bleibt  tyier  nur  übrig,  in 
bcrfelbeu  SBeife,  wie  bei  ber  fatfyolifdjeu  ©eiftlidjfeit,  bei  ben* 
jenigen  ©eiftlidjen  länger  $u  »erweilen,  weldje  mit  ber  gemli  - 
c^eit  öntwicfelung  reo  r)tejtgen  Äird  enlcbene*  uoqugäweife  in 
Skrbiubung  fielen,  unb  ^auptrepräfemanten  ber  »erfei/tebenen 
fiutluiuMi  jRidjtungen  waren,  bie,  gleichwie  ber  ^roteüantio 
muä  in  5)eurfd)(anb  überhaupt,  aud)  in  unferer  Stabt  baä 
jtirct)en(eben  ^eitweife  in  große  Bewegung  gebracht  fyaben. 

@ä  ift  oben  gezeigt  worben,  wie,  nad)  ber  ÜRücffeljr  be$ 
$farrer£  Rotbart,  baä  fatfyolifcfyc  Gefeit  in  ©örlifc  immer 
meljr  Ohuhd  unb  33oben  einbüßte,  wie  mit  Eingang  ber  vA\\i 
fen  unb  SBigilien  bie  große  Sdjaar  ber  Jlapläne  unb  Sütari* 
jxen  il>r  $rob  verloren,  unb  ba^er  tfyeiiweife  autfwanberteu, 
tbeilweife  $um  Vutbenlutnte  übertraten,  um  anberweitig  in  geift- 
Itcben  Stellungen  serforgt  ut  werben,  liefe  Umwanbeluiig 
ging,  nad)  ben  harten  2 djlagen,  wcldu*  ber  SReformatiouäeifer 
M.  iKetbarfd  unb  M.  3^bler'ö  gegen  baö  morfdj  geworbene 
fatbolifetye  Gefeit,  geführt  hatten,  nur  allmälig  oor  nd);  man 
ließ  in  ben  Jürgen  nod)  bie  9cebenaltäre  ftetyen,  weldje  bin 
fort  mehr  alo  §(tterti)ümerfammlung  betrachtet  würben,  unb  3.  33. 
in  ber  St.  ^eterdf irdje  erft  im  3al)re  1 69 1  bei  betn  großen 
Öranbe  nebft  einer  Üftengc  ©rabbenfmäler  unb  3nfd)riftenta* 
fein*)  x\i  OUuiiDe  gegangen  ftnb.  Die  it^efeitt(td>ftett  fatboli* 
fdjen  gefte,  Srofynleicbnam,  bie  sjJcarienfefte  u.  a.,  anfäuglid) 
bitrd)  ^rebicjten  gefeiert,  jtnb  nur  nach  unb  naefy  eingegangen, 
mehrere  berfelben  erft  unter  ber  preuß.  Regierung. 

$)ic  6t*  *Jtetcr*  unb  $aul-Äird)e  blieb,  wa3  jle  in  ben 
legten  Säten  reo  JlatbolMtömuö  gewefeu  war,  ^art>€^talftrct>c. 
Än  ifyr  prebigten  ber  '4$riinariu$  —  biefer  s3(amc  fam  an  bie 


•)  3n  ber  «ötbliotbef  ber  oberl.  ©efellfdj.  ber  Sßiffenfdjaften,  fte^t 
unter  Lusal.  III.  23.  eiii  tfonvolut  »ou  vertriebenen  $änben,  mit  bem 
Eitel:  3nfd}riften  $u  GJörlifc;  ee  enthalt  unter  auberen  befonbers  viele  3n* 
fdrriften  au«  ber  $eterefird)e  vor  bem  3)ranbe  von  1691.  3m  91.  £. 
♦Waaajin  follen  bie  &au»tfÄd)lidHien  berfelben  mitgeteilt  werben. 


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Stelle  be*  Pfarrer *  ober  $leban  *  Xitel*  -,  unb  bie  ftrife 
fanten,  welche  erft  gegen  (fnfee  be*  16.  3a^unburtö  bie  $e* 
Seityiunq:  Diafon,  flrdjibiafon,  annahmen,  tfe$tere  beforf|Un 
neben  Dem  GJotteöbtenfte  .in  Der  $arod>ialfira)e,  bie  Stif* 
tuugöprebigten  an  ber  6t  ©eorgeufapelle,  ber  grauenfird>e, 
ben  £o$pitalfapeüen  <um  Ijeil.  0)eift  unb  *u  St.  3afob.  Sie 
bort  iioa>  gehaltenen  Stiftung$prebtgten  fommeu  int  3Utbangc 
bei  ber  Spe&ialgef'd)id)te  jener  Jrira>en  unb  «Kapellen  gur  (Sr* 
wäfynung. 

Hin  regelmäßiger  ®orte$bienft  *)  würbe  erjt  naa)  bem 
breijMgiäljrigen  Kriege  in  ber  ehemaligen  gramidfanerfirebe, 
feit  bem  6.  9Mf|  1715  bura>  9tatl)*feefret ,  Jtira>e  sur  ^eti. 
Dreifaltigfeit,  im  gewöhnlichen  geben :  £)berfira)e  genannt,  ein- 
gerietet.  (Sin  £auptgvunb  biefer  Skranftaltung  lag  barin, 
m  bie  *petcrtffira)e  für  bie  wadjfenbe  ^eiwlferuitg  ber  Stabt, 
;n  beren  Vermehrung  f)auptfäd)lia>  bie  au*  Böhmen  in  uub 
naa)  bem  breipigjäbrigen  Kriege  burd)  bie  3efuiten  vertriebe* 
nett  proteftantifdjen  (Sinwanberer  beirrngen,  ju  beengt  würbe. 
9*ad)feem  ba$  Softer  an  ben  9tatr>  übergeben  werben  war,  be* 
fcfjlojj  berfelbe,  im  3.  1568,  alle  Mittwoche  bie  ^räbifauten 
in  ber  $reifaltigfeit$fird)e  prebigen  ui  laffen.  Die  er#e  evan- 
gelifdje  ^rebfgt  in  biefer  Äirdje  warb  batyer  am  28.  3anuar 
1568  bura)  M.  3ofyann  Sirtfenbatn  unb  jwar  über  ben  ertfen 
<fta(m  gehalten.  911*  int  3.  1632  ber  gröpte  $f>eil  beä  gor- 
lifcer  fcanbabete  wegen  ber  Äricgeuotb  in  feie  Stabt  geflüchtet 
war,  gab  ber  Äatfj  *wei  8anbgeiftlicr>cit  bie  Srfaata$,  wd^ 
deutlich  zweimal,  Montag*  uub  9)cittwod>e  in  ber  £ira)e  »u 
prebigen.  Die,  wetyrenb  ber  Belagerung  im  %  1641  in  bte 
^eteröfirchc  verlegten  ^ittwod)öpreDigJen  würben  na*  Sbiftt* 
bimg  ber  Belagerung  unb  erfolgter  Säuberung  in  ber  Drei' 
faltigfeitefirdje  wieber  fortgefe*t  unb  fett  1643,  in  golge  be* 
Branbe*  ber  9Jifolaifira)e,  aua)  l'eia)enprcbigten  barin  abge- 
halten. 3m  3.  1672  würbe  ber  orbentliche  Sonntag*^ 
teöbienft,  wie  folcfyer  bi$  jefct  noa)  beftetyt,  eingerichtet  unb  burd) 
Üfanbibaten  beö  s4$rebigtamte$,  aud)  wofyl  Stubenten  ber  %tyt>* 
logte  beforgt.  3m  3.  1713  legirte  bie  grau  SKoftne  Seifert, 
geb.  Oftin,  eine  Summe,  wela)e  e*  mögliO)  maa>te,  einen  be- 

*)  .KnautlK,  lufuu\  Waduidjt  twn  bem  $rtbigtr  ÄoUegio  \ui  1ftü. 
$reifattigf<it  in  Öorlifr,  4.  173b.  gefcr.  bti  Äid)t«t  m  titörtifc. 

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I 


415 


fonberen  ©rijWrten  unter  bem  Xitel:  DrbtnariuS,  für  bie 
l)reifaitigfeit*fird)e  anguftcUen.  $er  unten  \u>$  befonber*  $u 
erwäfjneube  M.  sJXeld>ior  6d)äfer  war  ber  erfte  Drbinariud. 
:*öä()renb  bte  junt  3af>re  1713  bie  Jtanbibateu  be*  ^rebtgt* 
amtß  fotDo^l  *ßor-  als  9tad)mittag3  geprebigt  Ratten  unb  jwar 
an  allen  @onn*  unb  geiertagen,  würben  itynen  fett  1713  nur 
bie  9cad)tnittag$prebigten  über  bie  <£pifle(n  wftattet.  $ie 
Stiftung  beä  Bürger  m  ei  fterä  9ticiud  im  3!  1725  verbefferte 
Den  <Üe§att  beä  Drbinartuä  unb  bie  Öhatiftfationea  ber  pre- 
bigenben  Jlanbibaten.  3)er  lefcte  Drbiuartu*  war  ber  ie$t 
nocfy  alä  *ßrebiger  f>ierfetbfi  wirfetibe  3-  «£>aupt.  WHit 
füljrung  ber  neuen  Äirdjenorbnung  vom  15.  gebruar  1848 
f>örte  biefeö  Drbinariat  gang  auf,  inbem  feit  biefer  Seit  alle 
Ijiejige  ®eiftlid)e  abwedjfelub  bem  ©otteobienfte  ber  ^Dreifältig- 
feitöfir(f;e  jid)  unterbieten.' 

9Rü  bem  ©otteöbienfte  ber  6t.  tCmtfttftafet*)  vergalt  e$ 
fid>  äftnlid).  £anö  grcnjei,  Bürger  ju  ©orlifc,  hatte  für  6 
?Mtariften  Stiftungen  audgefefct  unb  mit  großer  ÜJfüfye  v>om 
'Käthe  bie  ßrlaubnijj  auögewirft,  biefe  ®eiftlid)en  in  einem 
von  if)m  eingerid)teten  *ßrebigerl)aufe  bei  ber  Änncnfircfye  unter< 
jubriugen  **).  mit  bem  3a()re  1525  tyorten  bie  Neffen  aud) 
in  biefer  Äird)e  auf  unb  blieb  biefelbe,  bi£  auf  wenige  einzelne 
gäüe,  über  ein  3a()r^imbert  unbenutzt.  3m  3-  1692  traf  ber 
\Kari\  ba  wegen  ber  Jiatedjiömuäletyre  in  ber  ^eteräfirdjc  bie 
bort  üblichen  9)?ontag$;  unb  3)iu$tagö^rebtgteu  eingingen, 
bie  (finricfytung,  alle  $>in$tage  in  ber  6t.  $nnenfird)e  pven 
gen  ui  (äffen,  roeld/e  ^rebtgten  vier  äanbibaten  ber  Geologie 
ober  6tubenten  abwed)felnb  gegen  eine  Remuneration  beforg* 
ten.  Tic  (Sinweibungeprebigt  hielt  ber  bamalige  Primarius 
getter  am  4.  November  1692.  $od>  im  3.  1738  würben 
biefe  'ißrebigten  vom  Dtndtag  auf  Donnerstag  verlegt,  unb 
gingen  mit  M«  Okvlacb  (aufgenommen  am  10.  Miiguft  1741) 
gämlu'h  ein.  9iad)  bem  jiebcnjäfyrigen  Äriege  fudjte  man  bie 
^rebigten  wieber  in  Slufnafyme  ju  bringen  unb  befttmmte  für 


•)  ÄnauHje,  Äurje  9la*rid)ten  von  beut  ^rebiaerAftotteflio  ju  <St. 

Hnna  unb  berfelben  Äirdje  in  ©örlifr.    ©orlifc,  1740,  gebnirft  bei  9tid>ter. 

8.       4.    ©ibl.  b.  oberl.  ©efellfd).  ber  L.  IV.  151.  mit  @rdän* 
jungen  vom  früheren  €>uperintenbent  jaiufc. 
•♦)  £affe,  Wat^annalen  II.  f.  117  ff. 


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416 


ben  ©otteäbienft  in  bcr  ©t.  8lnnenftrd)e  jwei  Jtanbtbaten. 
Später  löfte  au*  Diefe  (^inrtc^titnq  fi*  auf,  fo  ba£  bic  tfirche 
bid  auf  bic  neuejle  3eit  um  ©otteSDicnftc  nid)t  mehr  benufct, 
fäfularifut  unb  fpdter  benDcutfd);Jt  atholifen  übergeben  werben  ift. 

3um  ©otteabienfte  in  ber  $arod)ialfird>e  ^urütffchrenb, 
fdjeint  e$  f)ier  notl)wenbig,  eine  Ucberftcht  üfrer  bac3  Vlgenben- 
wefeu  unb  bie  ,f  irdjengebräuche  feit  ber  Deformation  ju  geben*). 

Wach  KfcMpfffeng  ber  Fati)oüf*en  Zeremonien  nahm  fid? 
ber  Datl)  ber  fachlichen  (Einrichtungen  in  fflörlifc  an,  unb  futye 
foltyc  fo  viel  al6  möglich  *u  reguliren. 

Den  erfteu  ^eweiö  bavou  liefern  bie  oou  tfaifer  v))tarimi' 
Üan  Ii.  im  X  15Ü5  betätigten  Stabtfratuten.  Dort  t>rt#t  c* 
in  $e*ug  «»f  *>a*  äirdjenwefen: 

„Hm  Sonnlage  unb  an  ben  lagen,  bie  man  no1>  $ur 
3eit  feiert  unb  jwi«  prebigt,  folt  Wtrntanb  Jtaufinanndföai 
treiben,  unb  fonberlicb  foll  lein  ©etreibe,  äßoUe,  £ols,  aud) 
Dergleichen  vor  ber  Wad)mittag$prebtat  hereingeführt,  abgclaren, 
gewogen,  nod)  verfauft  werben,  »ber  nach  gehaltener  9Äit- 
tageprebigt,  ob  e*  bie  9toth  erforbert,  foll  ce  gefchehen  mit 
titanji  unb  Grlaubuijj  beö  ftath*  unb  m  üBürgetmeifterö. 
«öegiebt  ftch'*  aber,  bap  ein  foldjer  geiertag  auf  einen  Don* 
nerötag  gefiele,  au  welchem  man  allljier  Söochcnmarft  $u  halten 
pfleget:  fo  foll  boch  Wemanb*  faufen  ober  vcvfaufen,  e3  fei 
beim,  baß  bie  göttlichen  Remter  in  ber  Jtirchc  ganj  auä  fmb; 
unb  an  bemfeiben  Sage  foll  nicht  mehr  benn  eine  prebigt  ge* 
fchehen.  Damit  aber  ein  Hermann  eine  Mjfeufchaft  fyabt 
um  bie  geiertage,  follen  bic  uad>be(chricbeneu  läge  gefeiert 
werben,  baran  fid)  ein  3eber  habe  \u  ^aUen :  &tle  Sonntage 
burch'e  3ahr,  ber  Weujahrätag,  ber  heiligen  brei  Könige  $ag, 
^auli  ^efehrung,  Unfer  L  grau  *id)tme|j,  St.  Wattlnä  «pojtel, 
U.  S.  grau  ^crfünbtgung,  ber  Oftertag  unb  bie  jwei  folgen* 
ben  £age,  s$tylippi  uno  3afobi  Xpojtrfn,  ber  Sag  Himmel- 
fahrt ßhvifti,  ber  wahre  Md)nam6tag,  St.  3ol)aune*  be* 
XäufcrS,  unb  $au(i  Slpofteln,  ber  Sag  $efud)ung  Stfariä, 
ber  *ßfingfttag  unb  bie  nächfieu  jwei  Sage  banacr/,  St.  3afobi 
Sag  bee  «poftcld,  ber  lag  Himmelfahrt  SWariä,  St.  ©artho- 
lomäUSag,  IL  t  grau  Geburt,  St.  3Watthiä  be*  »poftel^ 


#)  Sirtmann'a  $riftffrföaft.  3.  125  jf.  Stnmtfa,  Mspte.  III. 
p.  499.  (Historia  juris  episc.  et  jurisdiclionia  ia  Lua.  sup.) 


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I 


417 

6t.  9Rid)aeli6  Sag,  SHlerheiligentag,  St.  Simon  unb  3ubd* 
tag,  U.  grau  (Smpfananip,  8t.  Xhoniätag  bec  Vi  ihm  t  cid, 
Da  (Jbrifrtag  fammt  Den  folgenten  jwei  Xagen." 

3)emnaa>  würben,  au|?er  Den  Sonntagen)  feit  bem  3.  1565 
nod)  acr/tunbawanjig  geiertage  begangen.' 

1573  würbe  Die  2üraofcnfammlung  mit  ben  Jtlingebeutetit 
eingeführt,  jebod)  am  2Beil)uad)tötage  1584  wieber  beseitigt. 
3m  3.  1617  erftyien  im  3)rurf:  „(S.  (S.  Diatt)*  ber  Stäb* 
©örlifc  neuoerfapte  &irct)enorDnuug  wegen  itirchenftelten  unb 
©eftüblen,  wie  e$  bamit  in'ö  künftige  \u  galten."  1679: 
„(£.  (£.  9tath$  ^erneuerte  $BiUfür  unD  DrDnung  uon  Verlob- 
mffen,  ^)oa>jeiten,  Äinbtaufcn,  Begräbniffen  unb  Xraa)t  ber 
Jtleibung."  Mm  2)reieinigfeitöfefte  1683  würbe  ber  alte  ßte* 
braud)  reo  ÄbjmgenS  lateinifcr)er  &o  liehen  beim  b.  2tbeubmal)l 
aufgehoben,  unb  bie  Äolleften  nur  auf  bie  brei  gefte:  Oftem, 
*j}jtngften  unb  28ethnaa>ten  angefetjt;  1689  an  2ßeihnaa)ten 
aucr)  baö  oor  bem  i>.  ^benbmal)l  bi#  Dahin  ma)t  befeitigte 
Jntltnqetu  am  Altäre.  Hm  20.  3uni  1683  fanb  baö  erftemal 
am  äa^rmarft- Sonntage  bie  s3)ttttagöprebigt  ftatt  unb  mupte 
Jtauf  unb  SBerfauf  bemnaa)  eingeteilt  werben. x  1691  warb 
verorbnet,  ba§  baä  h-  Stbenbma^f  greitagä  begangen  werbe, 
ebenfo  ben  20.  3uli  ron  ber  Jcanjel  abgefünbigt,  bie  falben 
geiertagc  würben  fünfttg  nur  mit  einer  s^rebigt  begangen 
werben  unb  bie  9)cittagäprebigt  gan$  wegbleiben.  Unterm  22. 
3(prü  1679  fefcte  ber  SHath  bura)  ein  Defret  feft,  baß  alle 
Montage,  anjiatt  Der  gewöhnlichen  s4keDigteu  für  bie  ©emeinoe 
Jtatedjiömuäeramina,  mit  3u9runbelegung  Deö  lutherifdjen  ita 
tecfjtemuS  in  ber  ^eteröfirerje  abgehalten,  Sonntags  aber  Don 
Der  Äanjel  abgefünbigt  werben  folle,  weld)e  ©äffen  fid)  Dort 
ein$ufinben  hatten.  2>aä  Dramen  hielten  Die  brei  £)iafonen 
itebft  bem  ^ebituuö  ju  gleicher  3e^  auf  verfebiebenen  ^Uäfceu 
ab;  im  3.  1714  wurDe  bieS  jebod)  bahin  geänbert,  baß  bic 
brei  ©eiftlidjen  nebft  bem  JDrbinarius  aüe  Montage  in  ber 
ireifalrigfeitäfird)e  bie  Äatednfation  oerrichteten,  unb  jebeöinal 
Di*  Bewohner  eines  Stabtoiertelä  ftd)  bort  serfammelten.  Wit 
Der  neuen  (Einweihung  ber  St.  ©eoraenfapeüe  (2.  2)ecember 
1737)  warb  bie  Verlegung  ber  ^atea)ifation  in  Diefe  Capelle 
befa)loffen,  unb  ein  eigener  &atecr)et  in  ber  $trfon  beö  M.  ©c^- 
fer  angeftellt,  weiter  biä  *um  3al)vc  1763,  neben  Söeforgung 
De*  DibinariatS,  biefed  «ml  beibehielt.  —  $eu  27.  gebruar 

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418 


1729  würben  auf  8efcfcl  M  <Ratf>eä  bic  tafeln  mit  ben 
Siebcrnummcrn  jum  crftenmale  in  bcr  Äiicbe  au6gel)ängt. 
1731  warb  bic  Slrmcumptlegungö^ffafie  errietet  unb  fett  bcm 
5.  6onntagc  nad)  bcm  XJvcteinigfettdf cftc ,  in  bcr  ^cterdftrct)« 
wätyrenb  ber  Ämtf*  Hnb  Stfittagd^rcbtgt  fünf  Älingebeutel, 
fpätet  aber  fünf  ©ü^fen  in  ber  6tabt,  herumgetragen.  Xie 
foniglichc  Jtommiffton,  welche  bebuf$  Xmfbn  ber  ^tabtver- 
waltung  am  i.  3uli  1733  von  Dreyen  anfam*),  ret>tt>irtc 
auch  baä  Jtirchenwcfen ,  unb  fe&te  eine  auä  §wei  Satbtnutgtic 
bern  unb  einem  Slftuar  befteheube  Deputation  ein,  beren  Skr* 
waltung  unb  Sfufwht  bie  Jtircfyen,  Äapcllen  unb  ,£>otfpitäler, 
fowie  bie  im  3-  1716  geftiftete  ^ricfterfäaftiH  6<hulwittwen* 
unb  2Baifcn*£ajfe  nebft  ttlmofeii'&affe  überwiesen  würben. 

1764  fam  bie  (£infüf)rung  ber  Äinberfoufirmation  nad) 
cvangclifchcr  Sßeifc  ;u  §tant>e.  Vorher  waren  bie  Jtatedm* 
menen  fämmtlich  einzeln  von  beu  GJeiftlifhcn  unterrichtet  unb 
cingcfegnet  worben.  (Sine  ^tiftuitg  ber  am  8.  9Kärä  1762 
verdorbenen  grau  Stima  >Kofma  ^«ö^born  geb.  grölid)  mit 
1000  Xl)lr.  für  bic  6t.  ©corgenfapcUe:  „aur  SBerbefferung  oer 
Äatecfjifation  nnb  23eförberung  bc£  actus  confirraatioms"  gab 
bie  93eranlaffung  jur  öffentlichen  geicr  biefer  bebeutungdvoücn 
firchlichcn  £anbiung.  Die*  fino  bie  ttudjtigftcn  9iortjen  über  ba* 
Jftrdjenwefen  in  ©örlifc  bid  auf  bie  neuefte  3*&,  unb  brauet 
nur  uoc^  ^ingugefügt  jh  werben,  ba|j  eine  8genbe  bie  *ßre< 
bigttertc  angab.  6old)e  fam  auger  ©rauch  im  3.  1830,  burcb 
(Sinfübrung  ber  allgemeinen  prcupifcbeit  2lgenbe. 

Da*  3a^r  1848  foüte  für  ba*  Jtirchenwefen  in  ©örlifr 
burdj  fffttftyfiitg  einer  neuen  Äirdjen*  unb  33egrdbni^orbnung, 
woburch  manche  llebclftänbc  befeitigt  würben,  fetjr  wichtig 
werben.  Da  über  bem  für  bie  wachfeube  Begeiferung  ber 
Stabe  längft  ungenügeubeu  9?ifolatfird)t)ofc  ein  neuer  griefch*f 
auf  ben  früheren  ^farräefern  eingerichtet  würbe,  war  auch 
eine  neue  gricbbofäorbnung**)  nötl)ig. 

Die  SBorbetncrfungen  ber  Jtirchenorbmmg,  welche  mit  bau 


•)  @.  oben  ©.  57  b.  ©. 

••)  Äirdjenorbnung  für  bie  ewang.  $arod)ie  ber  Stabt  ©orlifc,  d.  ü. 
ben  1.  $ecember  1847  et  conf.  ben  15.  ftebniar  184«  nebjt  ftriebljof*; 
'    Crbnung,  d.  d.  ben  29.  9to»ember  et  conf.  ben  6.  $mmber  1S4«. 
gebr.  bei  ©.  $etn$e  u.  C.  22.  <S.  l>o$  4. 


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419 


15.  gebruar  1848  tn'3  ?eben  trat,  beftimmt:  bie  ettangelifd^e 
*J$arod>ie  ber  ©tal>t  ©örlifc  unb  be$  eingeplanten  Dorfeä  Ober? 
unb  s)tfeber*9Äot}ö  bübet  imr  eine  Jiircfygemeinbe,  beren  $aupt« 
unb  ^farrfirc^e  Die  <£t.  $eter*  unb  ^aulfirdje  ift.  8n  liefet 
Ütrcfee  finb  fünf  ©eiftlidje,  ein  Primarius  an  ber  (Spifce,  an? 
geseilt,  roeldje  aüe  geiftltdjcn  ,£>anblungen  fmvofyl  in  ber 
N4*farrfird)e,  aft  ben  übrigen  ftäbtifcfyen  Äirdjen  Hnb  Capellen 
beforgen.  Die  ©eiftlictyen  erhalten  il>re  feftftefyenbe  93efolbung 
auä  ber  <£tabt^aupt-<ftaffe.  Der  ^ajtor  ^rimariue*  l>at  ben 
Söorjfy  im  geiftltdjen  Kollegium  (et>ang.  >t  ivdu-n  9Äini ftevi tun) 
unb  ift  beftänbiger  Stellvertreter  beä  magiftratHalifcfyen  Geröll 
mädjtigten,  ber  jweite  *Jkebiger  nrieberum  beftänbiger  Stell^er* 
treter  beö  Primarius.  &ufjer  tiefen  fünf  ©eiftlictyen  ftnb  an 
ber  £aupt*  unb  ^farrfird)e  angeftellt:  ein  €>rgai#,  ein  Kan- 
tor, ein  Dorfanger  (*ßräcentor),  ein  2febituu$,  jwei  SBälgentre* 
ter  imb  bie  erforberlidjen  lauter,  Käufer  unb  Käuferinnen.  3"t 
9udfü()rnng  ber  Jlirdjenmuftfen  ift  ein  >>mi  mental  *9Jtufifd)or 
unb  ber  vereinigte  ©pmnaftal  ?Sangerd)or  beftellt.  &n  ber 
Jtircfye  jur  fyeil.  Dreifaltigfeit  ift  ein  Drganift,  ein  *ßräcentor, 
ein  ©lorfner  unb  ein  SMlgerreter  befolbet.  (Sin  auö  Sefyrem 
unb  €><&ülern  ber  $Bolf$fd)ulen  jufammengefejjter  (5bor  ijt  gur 
$u0fnt)rung  ber  liturgifcfyen  ©efänge  beftimmt.  Mn  ber  93e- 
grdbni^firtpe  ju  St.  Wtfolat  unb  Jtatfyarina  ift  ber  £auptlel)= 
rer  ber  sJttfolaifd)Hle,  an  ber  ^odpitalfir^e  $ur  lieben  grauen 
ber  £auptlefjrer  ber  grauenfdjule,  an  ber  £o$pitalfird>e  jum 
tyeil.  ©eijit  ber  Jpauptlefyrer  ber  9teijjfd)ule  $um  ©lötfner  v>er? 
orbnet.  Da$  ^Tatronarrecfyt  ftefyt  beut  3)tagifrrate  allein  $u, 
unb  er  übt  Daffelbc  naef)  ben  befkfyenben  £anbeggefe$eu,  ben 
aü*erf>od)ft  betätigten  S3eftimmungen  unb  ber  örtlichen  Dbfer* 
van?.  Der  1.  Xfyeil:  Drbnung  be6  ©ettedbienfiteö,  bringt  bie 
93ejtimmungen  fowofyl  für  bie  $farrfird)e,  ale  bie  übrigen  $ir- 
djen  unb  Capellen,  unb  $roar  über:  ©eläute,  Äanjcl?  unb  %i* 
tarbefteibung  nebft  ©ebraud)  ber  vasa  sacra,  Anfang  be$ 
©otteSbienftcö,  Siturgie  unb  ittrcfyengefang,  Aufgebote  unb  91b* 
fünbigungen;  mit  beut  llnterfdjiebe  gegen  früher,  baß  nad}  be* 
enbigter  $rebigt  ein  Drgelfptel'^rälubium  Denen,  treibe  bie 
2lbtunbiguugen  ntcftt  Ijören  wollen,  &it  gcwäfjrt,  bie  Jtirdje 
§n  verladen,  gemer  über  bie  93eidjtfjanblung  unb  .Uommu 
nion,  *Paffton£^rebigten,  Jtated}i6mu$'S4toWtcn  unb  Jtatedji- 
farionen,  fyalbe  geiertage,  SBodjengottedbienft,  (£iufegnuug  ber 

27* 

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I 


420 


gBocftnerinnen,  SfufffeUung  ber  Herfen  an  beu  JUrittbüren. 
6ie  werben  ftatt  Dcö  aufgehobenen  JUiiigcbetitelS  aufgehellt. 
Die  betonteren  Seftimmungen  feften  genau  bie  Wmttoerrity 
tungen  unb  ©efänge  fowohl  an  ben  £onn-  unb  geft',  alä  an 
beu  übrigen  geier*  unb  2öod)cntageu  feft.  Die  ©efchäftSorb* 
nung  für  bie  ©eiftlichen  firirt  ihre  :Xhätigfeit  auf  baö  ©e- 
nauefte.  Die  Gebühren  für  ben  öffentlichen  äonfirmanbeit« 
Unterricht  fliegen  jur  ftäbrifchen  .Haffe,  $on  jebem  €d)üler 
beö  @r/mnaftum$  unb  ber  höhern  Surgerfctyule  werben  2  Xblr., 
t>on  jebem  (scr/üler  ber  Solfeföult  1  Xhlr.  entrichtet.  Der 
zweite,  brüte,  oierte  unb  fünfte  SßrcMger  futb  9tet>iforen  ber 
USolWuhulen. 

Die  Sauforbnung  regulirt  baö  Saufwefen  in  brei  Jtlai'; 
ien,  z»  freier  SBatK,  weldje  eine  breimalige,  zweimalige, 
ober  einmalige  Danffagung  bebingen.  (Sin  Saufen  1.  Jtlaffe 
foftet  im  fangen  4  Xf)lr.,  ein  foldjeä  ^weiter  klaffe  t  Shlr. 
15  @gr.  unb  britter  klaffe  25  6ar.  9iad)  ber  Xauftanb* 
hing  wirb  in  einem  aufgehellten  ©eefen  ein  Opfer  für  bie 
Firmen  gefammelt.  S3ei  $au*taufen  fommt  ber  C%bührenfa& 
*  ber  erften  klaffe  zur  Wnweubung  unb  flnb  bann  außerbem  nod) 
3  Sl)lr.  an  bie  @tabi<$auptfaf|e  ju  entrichten;  tax^t  ftatt  be* 
9Böd)iier$  ber  93eid)tiHitet,  an  biefen  noch  1  Z\)ix.  Die  er* 
forberlichcu  ©efrellunaen  »errichtet  bie  Käuferin.  (Sinfegnung 
einer  SBödmerin  au  einer  anbent  3eit,  al$  greitagS  um  9  Uhr 
in  ber  Jtirdje  ober  zu  «£>aufe,  foftet  15  6gr.  mehr. 

(Sbenfo  beruht  bie  Srauorbnung  auf  bem  Jtlaffenfyfiem, 
welches  bie  Slu^behnung  beö  @eläute$  unb  aller  (Zeremonien 
bebingt.  (Sä  zahlt  bie  erfte  «Klaffe  für  eine  Xrauung  30  Xhhr., 
bie  zweite  15  Stfr.,  bie  britte  6  2,l)lr.,  bie  inerte  3  ^f>lr. 
15  (5gr.  ^Brautleute,  welche,  ber  Stetigen  *ßarocr;ie  angebo- 
rene, fid)  außerhalb  trauen  laffen,  ^a^lett  bie  Soften  einer  ber 
erften  brei  klaffen  nach  freier  s]ßai)i.  gür  £au$rrauungen, 
welche  40  Sl)lr.  foften,  fommen  bie  gormen  ber  erften  Jriajfe 
Zur  $lnwenbung. 

Die  93egräbuij?orbnung,  ein  wichtiger  goTtfchritt  gegeu  beu 
früheren  burch  £>bfen>anz  unerträglichen  tfuruä,  bietet  fünf 
klaffen,  bereu  (e$te  nur  burch  ein  2(rmuth$Zeugni$  tun  Il- 
ten geftattet  wirb.  33egräbniffc  ber  erjien  klaffe  foften  neben 
ben  zufälligen  ftudgaben,  welche  im  Manzen  unbebeutenb  finb: 
40  14)lr.,  ber  gweiteu  20  Zi)ix.,  ber  briiten  8  Xi)lx.f  ber  vier* 

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42! 


ten  3  3Wr.,  ber  fünften  1  $f>lr.  7  <£gr.  6  *ßf.  gut  9ttcf>t- 
($i>angelif$e  ifi  eint  befonbere  ^egrdbnitir  ©ebüfjrentare  ent* 
werfen.  Die  neue  8n*bl)of$orbnung  gibt  ba$  SBeitere  über 
t>ie  Schließung  be$  8rauen^£ird)l)cfe$,  bie  Segräbnifjfirdje  unb 
beren  Anlagen,  beit  neuen  $ifolai-ifrrd)l)of,  bie  £krorbnungen 
über  bie  eimeinen  Äbtbeilungen  (für  geilen  (£rwacfyfener  unb 
über  ein  3afyr  alter  $erfonenf  fceidjen  tobtgeborener  ober  im 
erften  3af)re  verdorbener  Äinber,  gamiliengrabftätten  unb  (5pi* 
tapbien,  gemauerte  Prüfte  unb  (Gräber,  hieben  au$  ber  fönigL 
Srrafanftalt),  ©röpe  ber  ©räber,  S?nn  nnb  Sfudfctymücfung 
fcerfelben,  Familiengräber  unb  (*pttapf)ien ,  gemauerte  ©rufte 
unb  ©räber,  ©rabregifter,  griebfyofäauffefyer,  QSerweifung  bed 
s43risatDerfebre$  $en  ber  Xo&tenwaljlftatt. 

Die  ©eiftlidjen  fyaben  jtäbtifctye  ^farrgebäube  inne  unb 
$war  bie  £äufer  308.,  309.  an  ber  $eter6fird>e,  £ain* 
wulb  9to.  329.  unb  Wo.  330,  enblidj  Ober^angcngaffe  Wo.  192. 


9cadj  bem  ^bfebtebe  be$  Pfarrer*  JRotbart  üon  .©orlifc 
wedtfeften  bie  Pfarrer  /tum  Schaben  be$  .ft'rctycntoefen*  febi 
rafdj.  Der  an  föotbarfö  Stelle  berufene  ffiolfgang  Sd)t>ftel*) 
(Sutfeliuä)  verlief  im  3-  1535  ©örlifc,  weil  man  if)n  wegen 
feines  langen  Söarted  Ijöfyute,  WHrbe  jebod)  fdjon  im  3-  In45 
wieber  $urürf berufen  unb  ift  1553  in  ©örlifc  gefrorben.  2Beil 
er  nef}  t>erbeiratfyet  fyatte,  machte  man  iljm  nod)  1545  Sdjwie* 
tigf  eilen.  Sin  Sdwftel'S  Stelle  würbe  1535  ber  au$  ber  91  e* 
formationSepoctye  befannte  M.  .$cnebtft  ftifdjer,  *on  Sagan  in 
Sdjleften  jurücf berufen ,  mußte  jebodj  abermals  bie  Stabt  x>tx= 
lajfen,  alä  er  im  3.  1538  eine  Sattlerätodjter  geef)lid)t  fyatte. 
Der  $ad)folger  Sifdjer'ä,  3ofyann  Littel,  ein  ehemaliger  Wendj, 
fdneb  im  fclgenben  3al)re  1539  wegen  9Xi^ettiafeiten  mit 
rem  föatfye.  Der  Primarius  ^emtfyarb  Steinberg,  früher  *ßrc- 
feiger  ju  Rothenburg  i.  Oberl.,  fam  im  December  1539  nad) 
©örlifr  unb  würbe  bei  feinem  1545  eintretenben  Xobc  bureb 
M.  $ifd>er,  wie  fdjen  erwähnt,  erfe&t.  3n  %\\tyxyt  $t\t  fällt 
bie  entlaffung  eine«  ^räbifanten,  M,  ^c&frein,  im  3.  1547, 


•)  2>afjtu  iji  bie  ungenaue  Angabe  @.  293.  ju  berichtigen. 

■ 

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422 


weil  er  öffentlid)  von  ber  ^anjel  ©(&mär;rfben  auf  £atfcr 
Maxi  V.  unb  Äönig  fterbinanb  *.  Soljmen  gewagt  f)aM*). 
M.  Dttomar  (Spplin,  ein  ©djwabe  von  ©eburt,  ^attc  faum 
M.  gifd)er'$  ©teile  eingenommen,  ald  ihn  am  16.  Dccember 
1554  ber  tfanbooigt  3&i$lan>  ©erfa  von  ber  Duba  abfefcte, 
Weil  er  t>err)eiratf»et  war.  (*r  ftarb  ju  tfonigSberg,  ald  #of> 
prebiaer  be$  £eraog$  Vllbredjt  von  ^reHpen.  £>er  (Srfafcmann 
be*  Stangen,  M.  Äaflpar  '-IBtrtywetn,  inftallirt  im  3.  1555, 
wirfte  nur  bis  gum  3.  1561  in  (Hörlty,  uub  erhielt  ben 
M.  Samuel  3aud>  au$  gretftaW  in  ©cr/lefien  jum  9fad>folger, 
3aud>  blieb  aud)  mct>t  länger  al$  ber  Vorige:  nad)  greiberg 
tn  ©a<fyfen  berufen,  tyiclt  er  fdjon  am  3.  gebruar  1566  feine 
Hbjugflprefcigt. 

5n  feine  geiftlidje  SBirffamfeit  unb  bie  feiner  9ta4fo(grr 
fallen  bie  Skrfyanblungen  wegen  be$  tftt?ptocalmni$mud,  n*l* 
d)et  angeblid)  tn  ®örli$  rjerrfcfyenb  fein  follte**). 

2>ie  lutljerifd)e  **ebre  war  faum  in  $>eutfd)lanb  gefiebert, 
als  ftdj  titncrf>afb  ber  neuen  tfirdK  Spaltungen  über  Dogmen 
erbeben,  unb  bie  bartnärfigften,  leibenfdjaftlidjften  (Erörterungen 
tyeild  auf  ber  Äanjel,  tl)eilö  in  ©dniften  veranlagten,  eine 
©teile  aud  £afe'$***)  Äird?engefd)id)te  wirb  ben  beften  Ein- 
gang xxix  Erörterung  unb  Erläuterung  biefer  $anbel,  weld>c 
auf  bie  JDbcrlauftfc,'  iuflbefonbere  auf  ©örlifc,  (£tnwirfungcn 
äußerten,  abgeben. 

,,sJDtelaudjtl)on,  entfdjieben  gegen  einen  3Mmb  mit  3wingli, 
aber  überzeugt,  baj?  Weber  bie  lutl)erif(f)e,  nod>  bie  cataintfetye 
$benbmaf)ldlct)re,  bie  aud)  auf  Luther  einen  t>erföf)uenben  Ein- 
bruef  gemacht  hatte,  bem  d)riftlid)en  ©laubeu  unb  ^eben  wtber- 
fpredje,  wollte  beice  innerhalb  Der  Äircbe  gewähren  lajfen. 
i)a()er  ald  bie  ©treitigfeiten  beäljalb  im  jnnern  Qeutfcrilanbd 
aufä  b^ftigfte  entbrannten,  vermieb  er  eine  beftimmte  (Frflä- 
rung,  nur  als  33ren&  bie  £cf)re  oon  ber  Slllgegenwart  b*d 
SeibeS  GF-f>riftt  jum  würtembergifdjen  Äircfyengefefc  erhob  (1559), 
mißbilligte  sJDfeland)thon,  baß  foldje  neuerfouneue  Wormeln  £u 


*)  6.  bie  ttttflefu^rte»  ^Beitrage  jur  ©cfä.  U6  fdjtnalfalb.  Antat«. 
<S.  103.  ver^I.  mit  *5.  330.  b.  ©. 

••)  Änautf»«,  Mspte.  tom.  VIII.  Hist.  Schism.  p.  öö  ff. 

•••)  Dr.  Stazl  £aff,  Äirdjengcf^i^tc.  5.  tUfL  feei^ig  1844.  8.  @. 
394  f. 


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423 


©laubenSgefefcen  gemadjt  würben.  9lber  feine  fyinterlaffene 
Sdjule  fafy  baä  alleinige  £eil  im  (£alvintömu$,  fte  war 
gleid)  mädrtige  ,£>of»arteif  ihr  £aupt,  Der  gelehrte  2lrjt  *ßeucer, 
im  gerjeimften  watfje  be$  äurfurjten.  (id  galt  nid)t  blo$ 
einem  bogmatifajen  3wiefpalt,  fonbern  ber  gangen  firajliaVpo* 
lirifdjen  Stellung,  £er  äurförß  $luguft  fyatte  feinen  Glau- 
ben auf  ?utr)er'ö  Meinungen  gefe&t,  wenn  er  fte  and)  nid)t 
gerate  fannte.  Ü)af)er  btc  Htyiltppiften  für  nötfn'g  gelten,  ge^ 
gen  aüe  Änflagen  ifyrer  ©egner  ben  Sdjein  lutfyerifa)er  9Red)t- 
gläubigfeit  ui  bewahren.  «Sie  bewogen  ben  $urfürften,  einer 
(Sammlung  von  Sa)riften  ÜttelandjtfJon'S  gefefclia)e$  8nfel)en 
$u  erteilen  Hnb  bie  jenatfa>eit  (Eiferer,  5Biganb  unb  £efjf)uftu$, 
a(6  er  burd)  eine  vormunbfdjaftlid)e  Verwaltung  il)rer  meid) 
tig  würbe,  au$  bem  Flinte  unb  fcanbe  $u  vertreiben  (1570). 
^terbura)  füfyn  ober  bura)  if)r  @tewijfen  gebrungen,  fpradjen 
bie  \|^bi(ippifiett  in  einer  namenlofen,  bod)  unverfennbaren 
Sdjrift,  bie  Verwerflidjfeit  ber  (ut^erifc^en  ^benbmafylälefyre 
au6.  Verbannung  unb  Werfer  war  ifjr  Volm,  ber  Xfjeologen 
wie  ifyrer  ©öuncr  am  «£>ofe.  3n  allen  fäctyjtfcfyeii  Jlirdjeu 
WHrbe  für  bie  Ausrottung  ber  calvinifdjen  Äe&erei  gebetet,  eine 
Denrmünje  feierte  ben  Sieg  @f)rifti  über  ben  Xeufel  unb  bie 
Vernunft." 

X)er  ^auptgrunb,  weöfjalb  ©örlifj  in  ben  jRuf  be6  rjeim^ 
lidjen-  SafotmdmHd  gefommen  ift,  fdjeint  in  ber  milben  Bf* 
l)anblnng  ber  tttyct  ju  liegen,  weldje  faft  fdmmtlid)  Sd)ülcr 
be$  Wlipp  9J?eland)tf)on,  vom  görlifcer  töatlje  nid)t,  wie  t>te<5 
in  Sauden  gefdjaf),  oertrieben,  im  ©egentfjcile  jur  Spaltung 
bevorwortet  würben.  3n  @*örliö  l)ielt  man  fefyr  viel  vou  *ßl)t-- 
lipp  sJD?elana)tfjon;  er  würbe  ftetö  in  Äird)en-  unb  Sdjul^n- 
gelegensten  um  feinen  gefd;ä$ten  Seiratf)  angegangen. 
ungefähr  im  3-  1^30  bie  Umgestaltung  ber  Stabtfdnile  ge= 
fd)ar;,  liejj  ber  görlifcer  iRatl)  Öel)ver  au$  Sittenberg  unter 
3)?eland)tl)on0  Vermittelung  berufen.  Unter  btefen  war  M.  ©eorg 
Dttmann  (auch  ilttmann)  ber  Vorneljmfte,  erhielt  1544  bai* 
Sd)ulr*ftorat  unb  ria)tete  bei  ©rünbung  beä  @)mnnaftum6,  au 
weldjer  $tit  er  aua>  im  ?)iatbc  faß,  $llleö  nadj  93telana)tl)on'ö 
$ßeife  ein,  wählte  jum  Sa)ulgebraua)e  sJDielana)tf)on'$  Sa)rif 
ten  unb  forrefponbirte  biä  )n  feinem  im  3-  1590  erfolgten 
Xobe  fef>r  viel  mit  bem  berühmten  *)3cucer  unb  anberen  Stxw* 
tocalviniften. 


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42  i 


M.  3auct)  würbe  in  Jreiberg  be$  ,ärt>i>tocah>ini$mu$  be- 
fcbulbigt,  unb  ba  er  crfi  ron  (Hörlifc  bortfyin  gefommen  war, 
taufte  ber  föuf  auf,  ganj  Gtörlifc  fei  beim(id)  eafoinifd) 
ftnnt.  £>bwof)l  nun  M.'  3and)  am  9.  3uni  1578  in  einer 
au$für)rlid)en  (Befjrift  feine  acht'  futrjeriferjen  S(nfi(f)ten  beton- 
bete,  entging  ev  ber  &bfe$ung  nidH. 

3n  ©örlifc  felbft  blieb  ba$  SBerhältnip  unter  3«udM 
Wadnolqer,  ©altyafar  Dittrid)  (feit  1565)  nad)  wie  vor.  $ie 
©eiftlidjfeit  inSgefammt,  bie  lVt)rer  be$  t%mnaftum$  unb  ber 
ffiatb  waren  melanduljonifd)  gejinnt.  <5ie  waren  rollfornmcne 
^fnlippifien,  in  ber  fluten  38eifc,  ibr  ganjeä  2eben  l)inburd) 
niemals  ju  (fünften  beä  (£altMni$mH$  erwaö  ju  äußern.  53al- 
tbafar  Dittrid)  würbe  buret)  Änbänger  Äaöpar  <5d}wenffelb'*, 
welche  in  feiner  ©emeinbe  auftauchten,  in  eine  große  (Erregung 
gebradtf. 

(sebafhan  <8d)üfce*)  auf  £eopolb$f)awt  unb  ^enner^borf 
war  fd)on  Hn bänger  ber  Hnßctyttn  «Scfywenffelbd  wäfyrenb  ber 
Ätrd)enveränberung  in  ©crlif).    6r  r)ielt  feine  Äinber  ;u  äbn: 
liefern  frommen  (spinne  au  unb  richtete  eine  regelmäßige  J^auö- 
anbacfjt  bei  fid)  ein.    <5eine  Üödjter  t»ert)eiratr)cte  er  nur  an 
@Meid>gefinnre.    5>a  er  aber  feineöwegfl  ben  äußeren  (Dottel- 
bieuft  mnad>läfftgtc,  bie  ^rebigt  befud)te,  bie  Jtinber  taufen 
ließ  unb  bafl  t).  *)lbenbmabl  genof?,  fam  er  nict)t  in  ben  53er- 
baebt  eiltet  6ectirer$.    3m  3.  1544,  al£  ein  6d)ur)maayr, 
ffirauj  Deibel  autf  @orli$,  t>on  ihm  jum  Pfarrer  in  £eopoli)f 
bami  eingefe^t  warb,  unb  man  jta)  über  €>d)ü&e'$  3bee  wun 
berte,  einem  ungelernten  sA>faune  ein  fold)e$  Vlmt  anjurer 
trauen,  begannen  tnSbcfonbcre  bie  Pfarrer  von  SBiebertäufn 
wefen  \\\  munfeln,  verloren  aber  über  bem  fctymalfalbifcben 
Kriege  unb  ben  nacbfolgenben  (£reigiuffen  bie  6d)ü$e'febe  Ja 
mtlie  ganj  aufl  ben  2(ugen.    9LU  nun  ber  föeligionöfriebc  im 
3.  1555  abgefdjloffen  war,  unb  bie  £eute  mer)r  ben  äußeren 
(%tteäbicnft  wal)rju nehmen  begannen,  ale*  ju  ber  $titt  wo  ba$ 
?utr)ertl)um  felbft  fortbauernb  in  ©efar)r  ftanb,  fiel  ber  @eift 
lid)feit  be$  görlifcer  $\Seid)bübeä  (sebaftian  £a)ti$e  mit  feinen 
Jtinbem  unb  Unfein,  ber  ,&otrmann'fd)en  unb  (Snber'fa^en  %a 
milie  wieber  um  fo  mct)r  auf,  ba  folcr/e  jefct  im  6t)nftent^Hme 
weniger  bie  äußere,  als  *ic  innere  @otteöt>erel)rung  wafyrnafjmen. 


•)  Änautlje  a.  a.  0.  tom.  VIII. 


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■ 


<Sie  gingen  *war  noch  in  bie  *Prebigten,  ließen  audj  ihre  Jtin- 
ber  taufen,  aber  ba$  l)eil.  StbeubmaM  genoffen  fie  nicht  mehr, 
lebtglich  aufl  Dem  ©runbe,  „weil  ber  große  Äaufe  in  unbe- 
f ebnem  ^eq.unb  (Binn  ba£  Zeitige  sD?abl  bejuche,  ftc  batjer 
or)ne  Verlegung  ihred  ©ewiffena  feine  @emeinfd>aft  mit  jenem 
haben  fönnteV'  Dieö  vermerften  bie  *ßrebiger  febr  übel,  unb 
fca  ©djwenffelb  mit  jenen  görlifcer  S^niHicn  eine  Anficht  r)cgte, 
nannten  bie  ©eiftlicr)en  unb  ber  große  J^aufe  nach  ihnen,  bie 
(scbüfce'fdjen^offmannYeben  unb C^nberfa)en Familien :  ^djwenf- 
felbianer.  £ie  mußten  beflbalb  viele  Hälterungen  erbulben, 
trugen  foldje  aber  mit  äci^t  chriftlieber  (Ergebenheit  unb  innerer 
(Seelenruhe,  um  fo  mehr,  al<3  ihnen  ^iemanb,  außer  ihren 
angefeindeten  religiöfen  &nfia)ten,  irgenb  etwa*  336fed  !iad); 
fagen  fonnte.  Die  *Prebiger  verfeuerten  fie  namentlich  wegen 
ber  9ita^ttbeilnat)me  am  fttfcfye  be$  £errn,  von  ben  &an;e(n; 
bamald  übliche  Kolloquien  unterblieben.  Die  Slnfeinbung  ber 
<5chwcnf  felbianer  überfchritt  bie*  jum  3-  1560  nicht  bie  ©ren- 
ken r)omiletifa^er  *ßolemtf. 

3n  biefem  jähre  ftarb  grau  Urfula  £offmann,  geb. 
<£dnifce,  (&Qttin  ^offmann'ä  auf  «£enner6borf.  (Bie  r)atte  ftd) 
mit  ihren  anbern  93lut#verwanbten  feit  mehreren  Jahren  beä 
9lbenDmabl$*©cnuffeö  enthalten,  baber  if)r  bie  ^rabifanten  ein 
ehrliche^  Begräbniß  verweigerten.  Der  sJ}rimariit$  ©irtbwein 
mit  feinen  geiftlichen  Kollegen  verboten  überbieS  einftimmig 
bem  (Sdjulmeifter  unb  feinen  Kollegen  bie  Begleitung  ber 
£eict)e,  inbem  ftc  hinzufügten,  wenn  bie  Sefjrer  ungeborfam 
waren,  müßte  man  fie  auch  für  verfappte  <5et)wenffeitianci 
halten.  9(13  ber  9tath  bie  Befcrjlüffe  ber  ©eiftlidjen  erfuhr,  wurDc 
fofort  eine  (5u)ung  anberaumt,  unb  bem  ©löcfner,  welker 
fd)on  einen  *l*ulä  geläutet  hatte,  bie  Jortfejjung  beä  Hauten^ 
biä  auf  3ßeitere6  unterfagt.  Da#  (£rgcbniß  ber  6tyung  war 
nachftebenbeä:  ber  föatt)  fanbte  ben  ©tabtfdjrctber  mit  bei 
Bitte  pim  Primarius,  in  biefer  6ad)e  befa)eiben  aufzutreten, 
unb  ber  £eid)e  ba$  ©eleit  nicht  ju  verfagen.  (Sr  fönne  ja 
mdu  behaupten,  baß  bie  Verblichene  überhaupt  uid)t  an  bad 
(Evangelium  geglaubt  tyabe:  ^ier  fönne  ba$  .£>er$  nicht  urthei- 
len,  fonbern  ber  alleinige  ^erjenSfuabiger,  ©Ott  im  £immel; 
ber  9*ath  werbe  beefjalb  beim  tfatfer  in  Ungnabe  fallen,  ba 
<5e.  9flaj.  verbeißen  habe,  in  feinem  9Reid)e  Sebermann  bei  fei* 
nem  ©lauben  ju  fetten;  gelänge  bie  Slbftcht  be$  ^rimariuä, 


> 


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426 

i 

fo  würDe  mau  jagen,  ber  (Glaube  wäre  erzwungen,  ntdjt  frei; 
Die  ^3ent>tcfe(iuif|ettr  in  weldje  bie  ©tabtgemeinbe  Dnrd)  biefe 
Sadje  geraden  fönne,  liefert  tut  gar  ntdu  überfein. 

Dbgleid)  nun  Der  Primarius  Der  erften  $3otfd>aft  De6 
9Ratbe$  fein  ÖJeljör  fajenfte,  vielmehr  antwortete  Die  SBeritorbenc 
fei  eine  $$eräd)terin  Der  fyodjwürDigen  caframente,  Da  fte  otjnc 
(9enu$  beö  fyeiligcn  ÄbenbmaljlS  unb  ohne  5  hei  Inahme  an  Der 
$eid)te  beiDnifd?  uerfdneben  fei,  fönne  fte  ntdu  alö  (s~hnmn 
begraben  werben  unb  er  mit  feinen  Jtollegen  ein  geift(id)e$ 
©eleit  nietet  gewähren:  gab  er  einer  ^weiten  $ufforberung  be# 
%Katheo  nad),  unb  feine  (Einwilligung  nt  geiftlicfyer  Begleitung 
ber  2eta>e.  6eine>  Seidjenprebigt  begann  in  fctjrojfem  3ÖiDer* 
fprud^e  mit  feiner  bem  rKarhc  gegenüber  übernommenen  ÜBer* 
binblia)feit,  nur  eine  attgemein  gefaxte  $3arnung^rebiat  über 
Den  6a)wenffelDiani$mu$  ju  galten,  mit  Den  Korten: 
„Daß  wir  Diefer  $erfoii,  fo  verdorben,  Da»3  (Geleit  gegeben 
ha  heu ,  ift  ntct>t  in  Der  Meinung  gefd)ehen,  mit  innerer  (Siegen; 
wart  ju  bezeugen,  bafj  Dicfe  $etfon  al$  rechte  0>"  huütn  \>erftor- 
ben  fei,  fonDern  Darum,  um  3er  er  manu  aujufaaen  unD  au 
warnen,  wie  wir  fyinfort  feine  ^erfon,  wela)e  Die  hodmnu- 
Digen  caframente  veraltet  unD  fta>  anDeren  Triften  gegen- 
über  überleben  will,  ein  ©rabetfgeleit  gewähren  werben;"  ein 
(Eingang,  welker  ntdu  wenig  (Gemurmel  unter  Der  Stetige 
erregte,  huD  Dem  alten  ^offmann  bitteren  Sdjmerj  öerurfadjte.*) 
'Da  Don  ben  geifMicben  Kollegen,  M.  8nDrea6  äRifenud  bei 
ber  Söeftattung  gefehlt  batte,  fünbigte  ifrnt  ber  föatl)  Die  (Stelle. 
Die  JtünDigung  hatte  DaS  einmütige  Slbbanfungdgefuct}  Dee 
gefammten  9)Jiuifterium$  &ur  Solge.  Dal)er  blieb  bem  9iatr?e 
um  weiteren  Aufruhr  in  Der  aufgewiegelten  (tyemeinDe  \\\  t>er* 
hm cu,  nur  übrig  fein  Defret  gegen  ben  M.  ättifenuö  )itrücf£ii 
nehmen.  $ux  ^^K*  ber  Damaligen  (*inwof)ner  Darf  l)ier  nidjt 
überfein  werben,  Dajj  bie  SBerftäuDigereu  ben  alten  ,£>offmann**) 
unb  feinen  Wnbang  innigft  beDauerten  Hnb  r>o\l  Unwillens  über 


•)  3n  ben  ®eorfl  Ädöler'fdK«  glein>5ftHgen  g*rü>er  3afcrKKt>ern  ift 
Ziffer  SBorfaH  cr^äfylt. 

••)  £offmann  lief  feiner  Öattin  folgenbe  ©rabfdjrift  feften:  $>ic 
tugenbfame  grau  Urfula  £an«  -froffmann,  i|l  in  (Ifyriflo  entfdflafeii,  ben 
14.  Oft.  anno  Christi  1560.  $ie  Sdjriftgelefyrten  »erbammten  G^frtfrnm 
jut  fetten  nnb  lobe.  SWarc.  14.  Staaken  foridjt  $abib:  «Selig  i*  ber 
SRenfdj,  bem  ©Ott  bie  @ünbe  niety  juredjnet. 


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427 

bad  ©enefymen  ber  ©cifitlidjen  waren.  3)ic  angefdjulbigten 
£cf)wenffelber  würben  vor  ben  föatfy  geforbert  unb  bort  er- 
mahnt, fta)  fernerhin  nicht  mefyr  von  ber  <*)emeinbc  abwfonbern, 
ba  ihnen  fonft  ber  9(ufetiti>a(t  in  ber  £tabt  verboten  werben 
muffe.  (Einige  berfelben  nahmen  feit  ber  3C^  wieber  Xheil 
am  heil.  &benbmar/le,  nur  bic  ^offmann'fche  unb  Sctnlfcc'fcrjc 
ftamilie  blieb  ihrer  Anficht  treu  unb  ber  3iatl>  füllte  jich  trofc- 
bem  nicht  bewogen,  ben  alten  «£)offmann  bem  Kollegium  ber 
iRathäverwa  übten  $u  entfremben  Hnb  ihn  aufyufd)  ließen. 

1567  ftarb  <5ebajtian  <Sa)ü$e,  ein  Sofm  be$  alten  <5e* 
bafHan  3a)ü&e.  £)a  er  vor  feinem  Xofec  baä  ^benbrnahl 
genoß,  aua)  in  ber  &ira?e  für  ftd)  bitten  ließ,  machte  bie  ®eift* 
lid^eit  feine  Sctywierigfeiten  beim  Seictjenfonbuft,  wofyl  aber 
war  bie$  beim  93eqräbniß  bee*  alten  ftxani  .froffmann,  ber 
einige  $Bcd}en  vor  6d)ü$e  ftarb,  gefchetyen.  $er  >ßrtmariu$ 
M.  Salthafar  Dietrich  verweigerte  ba$  Geleit,  ba  ^ojfmann 
ofyne  ?U>enbmal)le»genuß  verfchieben  fei.  (*in  größerer  Sfanbal 
warb  baburri)  vermieben,  baß  ber  gorlifcer  ^iräbifant  Äaepar 
^Jfafcfyfe,  ein  persönlicher  ftreunb  beö  Verdorbenen,  mit  ben 
^fartern  au$  *£>enneröborf  unb  £eopolb$l)ain  ber  93eerbigung 
in  ber  Jrauenfirdje  beiwohnten*). 

9tach  ^offmann^  ©ejiattung  ließ  ber  $atf)  bie  ihm  vom 
geiftlidum  ^innitaunn  alS'beä  6a)wenffelbiani^mud  verbäd)* 
tigten  c.  breißig  ^erfonen  vor  fich  f orbern,  unb  beutete  ihnen 
an,  fie  mußten  bie  6tabt  verlaffen,  fallä  jte  nicht  $u  ben  %hä* 
bifanten  gingen,  ihnen  ihre  (*Maubenonretfcl  mitteilten  unb 
firf)  belehren  ließen.  $)ie$  gefdjab.  Die  Reiften  ließen  ftd} 
juredjrweifen ;  felbft  ein  gelehrter  33ier  ^Bürger,  sJ9Jid)ael  ^er- 
mann, welcher  ben  ^räbifanten  fer)r  fchwierige  fragen  tt eilte. 
6ie  Ralfen  ftcf>  bawiber  mit  Safterreben,  nannten  bie  93efennrnijfe 
wiebertäuferifche  Änftchteu,  fchoben  bie  (5d)ulb  auf  bie  9Jcenge 
berariiget  Stocher,  welche  sDRidjael  ^ermann  beft&e,  unb  waren 


•)  Um  ben  $enffiein  fleht:  „Anno  Domini  1567  d.  6.  April  ifl  in 
©ott  feiig  entfctjldfen ,  ber  (fyreufefie  unb  namhafte  £err  £an«  ^ofmann, 
3Ratb<*freunb  aW)ier  bem  ®ott  genabe."  9tuf  bem  Steine:  „Paulus  ad 
Cohn t Ii  IV.  Cap.  Mictoti't  mein  für  bie  3<it  bi§  ba§  ber  ptxt  Fommen 
irur.  »eldjer  Quct)  au'a  £id)t  bringen  wirb,  toae  in  ber  ftinfierniji  »et* 
borgen  ift;  er  wirb  bie  SRatfjfAläge  bed  £er$end  offenbaren,  unb  bnnn 
wirb  einem  3egli<t)en  von  ®ott  tob  wiberfatyren !"  Hufierbem  würbe  eine 
latetnifdje  3nfd)rift  mit  ^offmann'ö  ganzem  Xitel  in  bie  2üanb  gemauert. 


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4  28 


befriebigt  a(6  ber  Hngefeinbetc  jidj  jum  ©cnuffc  be$  ^cüi^en 
$lbenbmal)l$  bequemte. 

2fuä  tfurdu  vor  Sfergernifs  nabm  ber  alte  Sebaftian 
Sdjufce  vor  feinem  am  4  3uli  1569  eintretenben  &>be  ba$ 
ljeil.  Mbenbmar)l. 

$en  legten  iHnftop  erregte  beä' Senator  ^cbann  Soffmann 
am  13.  3uli  1575  verstorbener  Sohn  @teorg,  weil  er  fld) 
regelmäßig  beä  $tbenbmaf)l$  enthalten  hatte.  CDte  ^räbtfanren 
nannten  ilm  au$  biefem  @runbe  einen  Und>riften  nnb  verweis 
gerten  batf  93egräbniß  auf  bem  gemeinfamen  Äird)hofe.  Sie 
verlangten,  baß  ihm  nia)t  geläutet  werben  folle,  waä  ber  JRath 
mit  ben  Korten  abfrtMuq:  bie  @Uorfen  wären  (Sigentbum  ber 
®orli$er  uub  nia)t  ber  Pfaffen,  man  würbe  ntd)t  8Ücä  gener)* 
inigen,  wa$  ir)nen  beliebe.  (Sä  ging  bei  ber  $eftattung  be$ 
@)eorg  ^effmann  jwar  fein  3Ritglieb  be£  geift(ia)en  SRüüfte* 
riumS,  bagegen  ber  gefammte  *Ratb  unb  bie  Stüter  mit  ben 
Seffern  &u  ©rabe,  welrbed  bem  (fntfa)(afenen  neben  feinen 
Altern  gegeben  würbe.  s3Rid)ael  (£nber  auf  Sera)a,  Sa)wager 
bed  Vorigen  unb  $ater  be6  fväter  gcabelten,  fa)on  oben  bei 
3afob  ^öhme'fl  $cben$befa)reibung  genannten  Jlarl  v.  C?nber, 
würbe  wegen  btcfeö  gauattemud  ber  ^räbifanteu  bei  &aifer 
^arimilian  II.  f lagbar,  unb  fugte  ber  93ef*werbe  ein  3«tfl' 
niß  ber  Sefyrer  beä  görli^er  ©wmnafmmä  bei,  worin  jte  bem 
jungen  £offmann  teftirten,  er  b<*be  feinen  Jtatea)iömu$  voll* 
ftänbig  inne  gehabt  unb  fei  ftet$  ein  ftiller,  fleißiger  unb  from- 
mer 2Renfa)  gewefen.  3n  Solg*  biefer  Älage  eriiep  t^er  Jtaifer 
an  bie  görlifcer  ^räbifanten  ein  fct>arfe6  Schreiben,  mxin  fte 
vor  ähnlichem  Unfuge  mit  ber  irohung  gewarnt  würben,  er 
werbe  im  2ßieberbolungöfallc  ernftlid)  gegen  bie  Sa)ulbtgen 
ein$ufd)  reiten  wijfen. 

$rimariu$  SBalthafar  Dittria),  ber  fia)  bei  biefen  @ele* 
genr)eiten  fo  altgläubig  unb  bartnäefig  in  feinen  Anflehten 
erwieS,  war  übrigens  fonft  ein  SBobltbäter  ber  Firmen  unb 
baher  fet^r  beliebt  in  ber  Stabt,  weäfyalb  ihn  bei  feinem  33e> 
gräbniffe  am  3.  September  1595  gegen  20ÜÜ  ^erfonen  jur 
>Ruheftätte  geleiteten.  2>a6  Verfahren  gegen  bie  Sctjwenffel* 
bianer  fdutyte  tf>n  nia)t  vor  ^Infeinbungeu  anberer  ganatifer. 
3n  ben  legten  3abren  feine*  bebend,  taud)ten  mit  großer  Se- 
ftimmtheit  wieber  bie  ®erüd)te  auf,  ganj  ®örli&  fei  bem 
•$tn?vtofalvini$mu0  ergeben. 


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429 


3uttäd)ft  würbe  biefe  93efd)ulbiguug  auf  bie  ^efyrer  M 
©tymnafhintö  gefdjleubert,  unb  ber  Hefter  SuboMcuä  \>on  beu 
wittenberger  ganatifern:  ,£>unniu$  unb  ©alomon  ©eßner  wegen 
mehrerer  Schriften*)  für  einen  (Sabiniflen  erflärt.  2Äau  benun- 
cirte  ba*  ©tjnmajtum  am  faiferl.  £ofe.  5)iefer  mad)te  bie 
©ad)e  anhängig  unb  erlief  am  15.  Januar  1592  an  ben 
Sanbeöljauptmaun  unb  Defan  gu  93au$en  $efetye,  ben  ßal* 
»internus  m  ber  £>berlauftj>  $u  befettigeii.**)  $ie  beiben  93e* 
l)örben  citirten  bemnddjft  einige  ^erfouen  auö  bem  föatfye,  bem 
getftlicfyen  9Niiiijlerio  unb  bem  ©tymuajium  nad)  Saufeen.  <S$ 
gingen  au  biefer  Unterrebung  nad)  kauften:  ber  Sürgermeifter 
fcartfyol.  6cultetu*  unb  Dr.  3of)ann  2Belß  »om  ftattye, 
M.  (Sita*  S)ittrtcfc  (würbe  1595  Primarius  unb  ftarb  wie  befjaup* 
tet  wirb  im  %  1600  an  ©ift)  unb  ©regor  Siebter  Ramend 
ber  ©eiftlid)feit,  enblid)  M.  Martin  WW\x*  leiten*  be*  ©ym* 
nafiumd.  Wl$  fic  vor  ben  Äommiffarien  erfdnenen,  warb 
i^neti  &unäd)ft  folgenbeä  Dleffript  au  ben  fcaub&oigt  £an$ 
v.  (sdjweimfe  gerietet,  »orgelefen: 

„Dtubolpbuö  ber  anDere  k.  SBotylgeborner,  Sieber,  ©etreuer, 
SBir  fügen  Dir  gnäbigj*  $u  wiffen,  baß  Und  glaubwürbig  93e* ' 
vic^t  fürbradjt,  wie  baß  in  Unferem  Starfgraftyum  £)ber^auftfe 
mefyrer  JDrten,  wie  auf  bem  Sanbe,  alfo  aud)  in  ©täbten,  fon* 
oerlicfy  aber  in  Unferer  ©tabt  ©örlife  unb  betym  ©djulen  ba* 
felbfleit,  bie  verfüf>rcrtfc^c  fd)äblid)e  ©ect  ber  (Safoimften  ein- 
wuqeln,  fonbern  aber  ifeiger  3eit  il)rer  t>ie(,  fo  ftdj  au$  ®tei- 
ßen  unb  6ad)fen  begeben  unb  wanbent  muffen,  Unterfcfyleif 
unb  Hufentfjalt  fud)en  folfcii. 

2Benn  wir  beim  gar  nid)t  gemeinet  ftnb  biefe  ärgerliche 
unb  fd)äblid>e  6ect  in  Unfern  Sanben  eiufommen  ju  (äffen; 
Sllfo  i\t  Wermit  Unfer  enblicber  Sefefjl,  baß  2)u  äiabalb  mit 
unb  bety  neben  ben  würbigen  Unfern  anbädrtigen  (ieben  getreuen 
©regoru  Seifentritt,  ftbniimfhratorn  unb  £>ombedjant  ju  $u- 
bifftn,  al$  Mbnunijhratorn  in  spiritualibus  allen  gleiß  ntd)t 
allein  *u  ©örlife  in  ber  Särgerföaft  unb  <5djulen,  fonbern 
aud?  au  anberu  Orten  ba  bergleid)en  ^erfonen  falben  2kr* 


*)  Doctrina  et  certamina  synoüi  Ephcsianae.  4 5S3.  4.  Synopsis 
doctrinae  de  filio  dei.  458V.  V.  Doclrinae  scliolae  Melanchthoniauae. 
1589.  4.  ttjaren  bie  anae^rijfenen  <8d)rift*n. 

••)  ©iefe  SRadjrieäjten  fint»  au*  ®tu\M*$  3af>rbüdjern  entlehnt. 


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430 


muthung,  gan$  in  ber  (stille  eine  fleifjige  Jfrinbfdjaft  auftelleft 
unb  f>aiieft  r  bann  aud)  biefelben  Verführer  unb  (Seetirer  als 
an  Unfer  ium  abfebaffef^,  unb  mit  Verwahrung  Unfer  ernpen 
(straffe  abweifeft.  Da  fte  fia)  aber  nidjt  würben  auf 
Deine  Vermalniung  abweifen  unb  warnen  (affin,  Uni  hernad} 
foldjeö  mit  ausführlicher  Speeification  ber  ^erfonen,  nur  ihrer 
ilnfunft,  unb  fcnberlicfy  berjentgen,  fo  tr>nen  Unferfcbleif  geben, 
and)  wie  unb  burdi  waö  SHttei  foldie  irrige  unb  \>erführerifa)fc 
6ecte  unb  berfelbcn  guaetfyaue  ^eute  au$  Unfern  Rauben  ge^ 
brad?t  unb  toavon  gefiebert  fein  moduen,  gehorfamlia)  beriebteft 
in  maffen  Söir  bem  gebadeten  $bumbbed)ant  \\\  Vubijnn  ald 
llnferm  Administratori  in  spiritualibus  in  Ober-  unb  lieber? 
Vau  üb  enblia)en  ^3efct>l  getrau,  hierauf  gute  $fd)tung  zugeben, 
bergleidjeu  vagirenbe  fectifdje  $rät>tfanten  mit  Deiner  $ülfe 
abjufdjaffen ,  ober  ba  eä  nid)t  fein  wollte,  für  Did)  felbften, 
Und  bie  Gelegenheit  ;u  ferner  Unfern  ftefolntion  in  Gebor- 
fam  n\  beridjten,  wollen  3Ütr  Dir  ju  9tad)rid)tung  gndbigft 
nid)t  bergen.  gefd)iehet  an  bem  Unfer  gndbigfter  unb  enb- 
lidjer  ÜBille.  Gegeben,  föntgl.  6d)lo|j,  $rag,  ben  15.  3an. 
5lnno  92,  Unferer  iReid)e,  beä  rem.  im  17.,  beä  bungar.  im 
20.,  unb  beö  bohmifa)en  audj  im  17.  %at)x." 

$Rubolpl).  Ad  mandatum  S.  Caes.  Majest. 

proprium  @ebalb  «£>ingolb. 
Adamus  de  ,nova  domo  S.  R. 
Bohemiac  Cancellarius. 

Da  bie  Äommijfarien  ben  görlifcer  Deputirteu  noa)  weitere 
Vorhaltungen  matten,  gaben  fte  etnmüthig  *ur  Antwort:  fte 
lehrten  nia)t$  anbereä,  alä  waö  bie  augsburgifche  Äonfeffbn, 
ber  große  unb  fleine  ÄatednSmuö,  be*gleia)en  bie  6d)riften 
Philipp  sD(elanchthon$  enthielten.  6ie  beriefen  fta)  auf  bie 
ganje  Gemcinbe,  bafj  in  ben  fira)lid)en  Zeremonien  nia)t  bie 
geringfte  Äenberung  wrgeno  turnen  wäre  unb  foldje  noa),  wie 
früher,  beftdnben. 

s3Ran  entbannc  baä  2ßajfer  bei  ber  üaufe;  serwenbe  bie 
Sborttttef,  9Ü?ef?gewäuber,  Gafeln  u.  a.  Vefleibung  bei  ben 
heiligen  Äenttern;  finge  bie  lieber  lateinifa);  fyaitt  SJforgen* 
anbauten  unb  Vespern,  unb  t)abe  au$  ben  Äira)en  nid)t$  ent- 
fernt, fo  bajj  noa)  alle  Altäre,  Silber  unb  3nf<hriften  t>orf)an* 
^feien.   3«  ber  €a)ule  trüge  man  naa)  ben  vorgelegten 

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431 


$udjern  sor,  welche  über  bie  t»erf<^iebcnctt  Unterricf)t<$ftunben 
unb  Den  ganjen  £ehrplan  Auffchlufj  gäben. 

2Äan  berief  ftd)  Dabei  auf  viele  vornehme  £erren,  Aertfe, 
3uri|*ien,  am  faiferlichen  unb  anbereu  $öfen,  auf  ben  ADel 
unb  bie  bürgerlichen  ganbeä-Seamten  ber  JDberlaufty,  bereu 
ÄinDer  bie  görlifcer  (S^ide  befugten.  ©ic  erf  Ickten  fämmtlich 
bei  Der  lutherifcheu,  t>on  ihnen  au$  innerer  Ueberaeugung  er* 
tonnten  ^ler/re,  bleiben,  unb  bie  9tatl)$mitglieDer,  im  tarnen  beö 
görlifrer  *Rathe<3,  ftctö  Dad  Mitten;  unb  ©dmlwefen  in  biefem 
Seifte  überwachen  ju  wollen,  fo  Dajj  wetxr  in  3)oftrin  noch 
üt  Zeremonien  irgenD  welche  AenDerung  eintreten  bürfe.  SctyliefM 
lieh  baten  fte  bie  tforamiffarien  inftänDigft,  bie  ©taDt  bei  faif. 
SXajeftcit  *u  entfchulDigen  unb  wtDer  falfche  Angeber  $u  fchüfcen. 
Die  itommiffarien  beenbeten  Daä  ®efpräch  mit  ber  Jtunb- 
machung,  fte  würben  ©r.  WajejWt  unterthcinigfteu  Bericht  u* 
ftatten  uut>  äfften,  Der  tfaifer  würDe  Der  ©taDt  wieDer  gnäDig 
gewogen  werDen;  ermahnten  aber  Dabei  Die  AnwefeuDeu  nod) 
ernftlich,  in  Jtirdje  unD  ©djule,  an  Der  gefyre  unD  Den  (Sere* 
monien  nichts  willfürlich  \w  änbern,  namentlich  auch  mit  Den 
(Saloinißen  feinen  2krfchr  ju  haben  unD  feiner  tytx\on  biefe* 
öefenntniffeö  Den  Aufenthalt  in  Der  Stabt  *u  erlauben. 

9iach  glüeflicher  S3eenDigung  Diefer  Untersuchung  hatte 
®örli$  eine  3eü  lang  9tuhe.  3*hn  3at)re  Darauf  aber  brad) 
Der  ©türm,  in  Der  ^rimariatdpertoDe  Deö  Martin  3RoUer  (geb. 
1547,  ald  *ßrimariu$  ju  ©örltfc  aufgenommen  am  30.  3ult 
1600,  gefiorben  Den  2.  «Dcärj  1606),  mit  gröfferer  £eftigfeit 
ald  oormald,  aud.  m  jum  3a^re  1602  waren  bie  ©örlifcer 
noch  nicht  in  5>rucf  fünften  als  (£aloiniften  oerbächtigt  worDen, 
in  Diefem  3ahre  jeDoch  erfldrte  Dr.  Salomen  ©efner  in  2Bit* 
tenberg,  Durch  eine  ©chrift  De#  $rimariu*  Voller*)  geregt, 
Järche  unb  ©d)ule  in  ©örlifr "öffentlich  für  caloinifrif*. 

3n  ber  S)ebifation  Dec5  angefeinDcten  ülßerfe*  führt  9Jcol< 
ler  an,  wie  Der  »erftorbene  -fteftor  SubooicuS  ihn  gu  folgen 
literartfehert  %xbdm\  aufgemuntert  habe,  wie  Derartige  ©chrif* 
ten  vielfach  in  ©chleften  erfchienen  feien,  unD  fagt  am  ©chluffe, 
er  habe  nicht  für  vorwiege  tflüglmge,  foubern  allein  für  glau* 
bige  ©emüther  getrieben. 


*)  Die  2rt)nft  \\\  betitelt:  Praxis  evangeliorum.  t LO i  S.,  unb 
Um  ^erjog  3w^im  ».  fciejjnifc  unb  93twfl  gewinnet. 


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432 


&aum  hatte  Dr.  @ej?uer  bad  99u<h  in  bie  ^anb  befom* 
men,  ald  er  öffentlich,  r«ou  ber  tfanjel  unb  im  *ßrofefforen* 
Kollegium  bie  bort  'auägefpr  Odetten,  angeblid?  caloinifdjen 
($(aubendfa$un$en  auf  buö  heftigfte  angriff,  9)ioÜer'n  alä  Ab- 
trünnigen unb  Apoftaten  bejeidjnenb.  ^toller  erfuhr  bur<h  bie 
in  Wittenberg  jtubirenben  ©örlifcer  bic  Angriffe  fcf>r  balb,  unb 
fiteste,  ba  ihm  gemelbet  würbe,  Dr.  (Deiner  arbeite  an  einer 
Überlegung  feiner  Sdjrift,  weiterem  Sfanbal  oorjubeugen, 
unb  bie  Stabt  uiajt  abermals  am  faiferlia^eu  £cfe  in  üblen 
^Kuf  ju  bringen,  Dr.  ©ejjuer  brieflid)  jum  Sa)weigen  ju  t»er- 
anlajfen.  (£r  erbot  jtdj  in  biefem  ©riefe  auf  $rit>atwege  mit 
Dr.  ©epner  über  bie  von  ihm  alö  calmnifa)  erad)teten  Stellen 
ju  vert)anbeln,  aud)  babei  feine  @Haubendfä$e  genau  unb  ofc 
fett  barjulegen.  Dr.  (Hejjner  wartete  fed)$  $Boa)cn  auf  biefe 
(Erläuterung,  ba  aber  nidjttf  bei  il)m  einging,  fua)te  er  SRol* 
ler'n  *u  ber  öffentlichen  (Srflärung  ju  bewegen,  er  fei  ädjt  Ih* 
therifd)  gefmnt. 

Voller  beantwortete  biefen,  ihm  bura)  einen  (Srprcffen 
naa)  ÖJörlifc  gebrauten  ©rief  Dr.  ©epner'ä,  am  28.  Auguft 

1601,  mit  einer  weitläufigen,  lateinifd)  gefdjriebenen  Audeüt« 
anberfefcung,  an  beren  S<hluffe  er  erflärte:  fein  anbereä  ©e 
fenntnip  &u  ^aben,  al$  bie  augdburgifebe  jfrmfeffion  unb  bie 
aug$burgifd)e  Apologie  nebft  ben  fa)malfalbifa)en  Artifeln  unb 
beiben  Äated)i$men  tfuther'ä. 

$)emungead)tet  bctxat  Dr.  Oefmer  ben  3öeg  ber  £>effent* 
lidjfeit  bura)  eine  polemifaje  ÖJegenfdjrift,  we(a)e  fta)  über  bie 
cah>inifd}e  Jtefcerei  im  Allgemeinen,  im  ©efonbern  aber  über 
ben  in  (i)örli&  fdjon  feit  bem  föeftor  8ubot)ieu$  eingeführten, 
je$t  bura)  Voller  befestigten  eah>inifa)en  Unglauben  t>erbrei* 
tete.  $)a$  93ua)  erlebte  jwei  Auflagen  unb  ifl  betitelt:  „(£f)rifc 
lia)e  unb  treuherzige  Tarnung  an  bie  löblidjen  Stäube,  Stäbre 
unb  ©emeinben  in  ©djleften,  bafj  fie  fta)  für  einreißenden  ßah 
mnifchen  unb  Sacramentifdjen  3rrt()ümern  mit  allem  $Met$ 
unb  djrittlidjem  Gifer  ^üten  unb  oorfehen  wollen.  Wittenberg, 

1602.  8." 

Die  <Sd)rift*)  befteht  auö  fteben  Kapiteln  unb  befdjuloigi 
bie  görlifcer  Schule  uno  tfiraje  offcnlunbig  be*  GalmniSmu*. 


•)  Äna»tf>e,  a.  a.  0.  gibt  p.  78  f.  einen  toeitidu^cn  9lu^u$ 
fcarau«. 


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433 


yaä>  forgfdltiger  $eratf)ung  mit  ben  Diathömitaliebern  lie£ 
Woller  eine  (Srwieberung  brucfen,  unter  ber  Auffdjrift:  ,,, Apo- 
logie einiger  Sehr*  unb  $rojb  Stüde,  fo  von  Dr.  Salomon 
Gesnero  in  t>er  Praxi  evangeliorura  angefeinbet.  *8on  9Rar* 
tin  SRoücr'n.  ©örlifc,  1602.  4.  6y2  Sogen. " 

2)ie  Angelegenheit  erregte  bamal*  fo  viel  Särm,  baf 
auf  biefe  €d)rift  näher  einzugehen  ift. 

Auf  bie  Sorte:  1.  Gor.  11.:  „3fi  Semanb  unter  (Surf), 
ber  $Hft  ju  janfen  hat,  ber  wijfe,  ba£  wir  foldje  Seife  nicht 
fjaben,  bie  ©emeinbc  ©otte$  auch  nid)t",  folgt  bie  Sibmung 
an  alle  gottfeligeu  unb  anbäctyigen  3"t?^er  ;u  ©örlifc,  auch 
feine  gewefenen  Jftrdjfchäflein  an  ©prottau,  fyofjen  unb  niebern 
ctanbe*.  3«  ber  Sibmung  jcigt  nun  Voller  an,  bag  feine 
^rari*  vor  einem  3al)re  im  Drude  erfreuen,  unb  er  in  fol* 
d)er,  in  fjdctyfter  (Knfalt  bie  (Evangelien,  wie  fte  von  ihm  feit 
3afjren  von  ber  tfanjel  aufgelegt,  ju  Belehrung,  ürofl  unb 
ßrmahmmg  in  alter  augujKmfcfcr  uno  bernharbinifcher  Seife 
erläutert,  aud)  bemerft  habe,  wie  fein  Buch  anbäc^tigen  £er* 
jen  lieb  mit)  Werth,  unb  bafyer  täglich  im  ©ebraudje  fei. 
Dr.  Salomon  ©ejiner  l)abe  nun  biefe  ©djrift  als  calvinifd) 
unb  nidjtlutfyerifd)  in  feiner  chriftlichen  „SBarnung"  verbäd)* 
tigt,  weö^alb  Voller  mit  ©enebmigung  bc$  9tathe$,  biefe 
Verantwortung  in  ben  S)rutf  gegeben  h&te,  feineöwegS  aber 
in  ber  Abftd)t,  einen  geberfrieg  anzufangen,  bal)er  er  feierlid) 
ein  für  allemal  erfldre,  auf  auSgebeljnte  ^olemif  nid)t  ringe- 
ben  ju  wollen.  6eine  ©d?rift,  unb  feine  tfanjelvorträge,  wie 
bie  ganje  ©emeinbe  bezeugen  würbe,  beruhten  lebiglich  auf 
ber  Bibel,  ber  augSburgifdjen  tfonfeffton  unb  Apologie,  ben 
beiben  tfatechiämen,  ben  fymbolifd)en  Büchern,  ben  Üirdjen* 
Datern,  eublich  Suther'*  unb  9J?eland>tf)on'ö  Serfen. 

$)ie  auä  vier  Bänben  befteljenbe  Praxis  evangelioruin 
fei  von  Dr.  ©efmer  nur  im  2.  unb  3.  X^eile  angefod)ten 
toorben,  unb  jwar  bie  ^rebigten  von  ber  Himmelfahrt  (ShrfjH 
unb  bem  ^eiligen  Abenbmable.  Demnach  fjanbelt  Voller  über 
beioe.  lieber  bie  Himmelfahrt  fagt  er:  „Unb  glaube,  wet§ 
unb  befenne,  habe  aud)  gefd)rieben  unb  fd)reibc  nod)  unb  fajje 
mit  ber  h*Mfl*n  ©djrift,  baß  ber  6tuf)l  unb  Ztyvon,  baretn 
fid)  ^hriftuö  bur(h  feine  Himmelfahrt  gefegt,  hie  fei  unb  heifte 
bie  rechte  £anb  ©otteä,  ob  fte  wohl  fein  leiblidjer,  räumlicher 
JDrt,  fonbern  bie  allmächtige,  unbefchriebene  9J?ajejiät  unb 

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434 


£>errli(fyfeit  ©otteS  felbft  ift,  bie  £immel  uub*(5rbe  erfuOet 
fo  foqet  bod>  bic  ©d)rift  flärlid),  baß  ftd>  (Sbriftud  jur  9tecb 
tcn  ©otte$  gefefct  f>abc  im  Gimmel,  ja  im  äimmel  unb  nicbt 
auf  l£rbcn,  aud)  nidjt  allenthalben,  r>iel  weniger  in  bei*  Rol- 
len. (Spl).  1.  „Öott  bat  ihn  gefefct  ju  feiner  $ed>ten  im 
Gimmel"  u.  a.  Wd>t*  befto  weniger,  obwobl  ftd)  Gl)riftu* 
broben  im  $immel  jiir  ^Kecbten  ©otteS  gefefcet,  fo  ift^  er  vcab* 
rer  ©ort  imb  9)tenfd)  bod)  taglicb  aüentl>albcit  bei  feiner  ©e- 
meinbe,  fdulfret,  regieret  unb  fegnet,  erbält  audj  ;fetbe  wiber 
alle  £öllenpforten  unb  nwfmet  in  aller  ©laubigen  £er$en." 
Voller  belegt  bied  mit  ghiftfpräcfyen  ber  93ibcl,  mit  ©teilen 
au*  Sutljert*  unb  Welancbtbcir*  ©(briften. 

3cine  Sertfyctotgung  in  93qug  auf  baS  ^eilige  §tbenb- 
mal)l  ift  tynlid):  „<Sr  bleibe  in  cbrijtlid>cr  Einfalt  bei  ber 
redeten  einzig  wahren  (Sinfe&uug  unb  ©enuß  be*  roabren,  wt* 
fentlidjen  ScibeS  feineö  £erm  3efu  (Fbrifti,  unb  ftimme  über* 
ein  mit  bem  ©afce:  Die  Gegenwart  glaube  idj,  bie  Art  unb 
SBeife  überfefoe  id)  (praesentiam  credo,  modum  ianoro\ 
äBenn  Dr.  ©eßner  fage:  @S  fei  rool)l  in  Hebt  ju  nehmen, 
baß  Meiern  Voller  ba6  (Sffen  unb  Srfofen  be$  «etbeö  unb 
»lutc«  dt)xifti  im  Slbenbmable  nid)t*  fei,  beim  mit  ©ebanfen 
bie  ^mmlifcften  Dinge  »erfteben  unb  glauben,  fönne  er  ba£ 
feinem  28iberfad)cr  uid>t  einräumen.  Vielmehr  behaupte  er: 
Dein  beiügeö  «benbmal)(  ift  mir  ein  tyeiligeö  ©aframent, 
b.  i.  ein  foleb  ©ebeimniß,  ba  i(b  \xotit  mit  meinen  äußerlid>en 
©innen  bic  äußerlidjen  Dinge  fct>cr  fdjmerfe  unb  empftnbc,  al$ 
Dein  93rob  unb  Deinen  tfelcb,  aber  gleidwotyl  babei  unb  ba* 
burdj  bie  bimmliföcn  Dinge  verfiele,  glaube,  empfabe  unb 
genieße.  Da  ©eßner  Se&tereS  tvegCaffe#  ftel)e  er  in  SHber' 
fprueb  mit  bem  ©afce  Suguftin't:  Die*  nennen  bie  iörüber 
beöbalb  ©afrumente,  roeil  in  ibnen  ein  anberc*  gefetycn,  ein 
anbere*  begriffen  wirb.  (Ista  fralrcs  ideo  dicunlur  saera- 
menta.  quod  in  iis  aliud  videtur,  aliud  intolligitur.)  Daß 
aber  SKofler  auf  Den  „©tauben"  bringe,  fei  billig,  roeil  ce  fid* 
bier  ntd>t  um  unwürbigen,  fonbern  wiirbigen  ©enuß  banbelc. 
©eßler'n  gefalle  *ia)t,  baß  Woller  bie  ©ubftan*  be*  wabren 
2eibe6  unb  SBlute*  @b"fti  mit  feinem  «Berbicnft  unb  ffioty* 
tbaten  jufammenfaffe.  Dieä  fei  wegen  ber  (frinfefcuugäworte 
gefdjeben:  (Sjfet,  ba«  ift  mein  2eib,  ber  für  Sb$  .gegeben 
wirb;  irinfet,  bae  ift  mein  33lut  k.    ©o  ftcf>e  eö  audj  im 

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435 

— — — — « 


$ated>i$mu$,  welcher  erft  bic  ©ubfianj  bc$  SeibeS  unk  3)(u< 
ted  bcfyanbelnb,  gleid)  barauf  bic  Sßofjltljaten  bringe.  £Benn 
er  auebtürflid)  be£  ©roobrccfycnö  gebadet,  l>abe  er  biefem  SBor* 
würfe  Dr.  ©efmcr'ö  nur  mit  ber  Xljatfacfye  ju  begegnen,  baf 
bie  3Öicbcrtäufer  aud)  tiefen  Sraud)  übten ,  unb  fei  feine  Sc* 
merfung  Tarnung  für  Stafette  gewefen,  baö  Srobbredjen  \n 
unterlagen,  weil  Janf  barautf  eittfprtejjen  fönne.  3n  @örü$ 
aber  fei  bie  Tarnung  unnötig,  fca  man  bort  batf  Srob  niclu 
bredje.  £a|j  ©c|mer  ÜWoller'u  für  einen  eefrirer  unb  ver* 
fdjlagencu  (Salviniftcu  au6f4)reie,  mage  ifym  (*Jott,  ber  geregte 
?Kid)tcr  über  Ällc,  vergeben;  feine  vorliegende  (hflärung  werbe 
fyoffentlid)  bic  2lbg6nner  vom  tekgentfyeile  überzeugen." 

Dr.  Salomen  ©ejmcr  beruhigte  ftd)  feineöwegä  bei 
ben  (Erläuterungen  sJJcoller'$,  fonbcni  erfudjte  einige  cvangelifaV 
tl?eoiogifd)e  gafultäten  um  iijx  ®utad)ten  über  ^(oller'ö  vor* 
gelegte  6d)riften. 

3)ic  gafultät  $u  Seipjifl  gab  i()r  ©utad)ten  am  15.  3ult, 
bie  Dtoftotfer  am  16.  Juli,  bie  3enenftfd)e  unterm  25.  3uli, 
Die  üübinger  am  30.  3uli  1602. 

Wk  $lutffprüd>c,  nid)t  minber  ba£  ©abreiben  ber  gaful- 
tat  ju  granffurt  a.  b.  ßber,  erflärten  ben  Marlin  Voller  für 
einen  bnmliaVn  (Salviniften: 

„(Sljrwürbiger,  (*l)rcnvcftcr ,  2ld)tbarer,  £od)gelar)rier,  in* 
fonberö  günftiger  £err  unb  greuub.  £>em  £crrn  ftub  unfere 
freuublidjen  $>ieufte  nad)  Vermögen  juvorau  bereit,  unb  fön* 
neu  Dem  £errn  woi)lmeiniglid)en  nidjt  vergalten,  wie  baß  wir 
auf  beö  4perrn  Segelten  unb  Sitten,  bie  in  bed  £errn  Sar* 
nuugebüa)lein  an  bie  €d)leftcr  jc.,  dirigiret,  au$  ber  Praxi 
Kvangeliorum  £crrn  Martin  kollert,  ber  Äirdjen  ju  ©örlifc 
ministri  primarii  angebogene  £>crtcr  mit  allem  9$leifj  gelefen 
unb  mit  ber  barauf  von  Gollern  verfertigten  Apologia  eonfe- 
riret  unb  ponderiret,  vnb  enblidjen  auö  fold)er  Collation  fo 
viel  befunben,  baß  fid)  bemelter  £crr  Ilartinus  MouVrus,  be$ 
Calviiiismi  l)albeu,  vngcadjtet,  waö  er  in  feiner  Apologia 
fdjcinlict)  fürwenbet,  nidjt  genugfam  entbrod)en.  €onbcrn,  baß 
er  ja  vermeinet,  bafj  er  bic  Saltoinijtyen  3fttl)ümer  in  feiner 
Praxi  Kvangeliorum  nid)t  verfterfet  tyabe,  unb  waf)if)aftig  ber 
augeburgifdjen  (Konfession,  berfelben  Apologiat»  unb  beiben 
Cateebismis  LuMicri  (wie  er  fdjreibet)  mit  <£>aub,  £erjen 
unb  mmti  jugetfjan  ift,  fid)  beutlicber  unb  flarer  auf  alle 

28* 


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436 


unb  jebe  von  ber  Herfen  (£brijti  unb  feinen  heiligen  $ad)t- 
mahl  erregte  ftretrige  ilnuift  für  ber  ganzen  (Triften  I  eit  \a  er* 
flären  unb  alfo  nicht  allein  mit  guten  lurba neben  ©orten, 
fonbern  auch  fid)  mit  auebrüeflichen  \u  unfern  lutberifcben 
Kirchen*  93  efenntnifj,  oaferne  er  nicht  für  einen  f}eimlid}en  mir 
wrfchlagenen  Sabiniften  will  gehalten  fein,  au0  allen  Set' 
badjt  ui  entbredjen  fdnilbig  ift.  Solches  wir  bem  $errn, 
trddu'm  wir,  fampt  feinen  Herren  Collegis  angenehme  Dienjie 
ui  leijten  willig,  freunblich  nicht  bergen  fönnen.  befehlen 
hiermit  und  fämptiiehen  göttlicher  ®nabe  unb  SlÜmacbt,  mit 
angehängter  bienftlia)er  Sitte:  ber  £erre  wolle  bed  *Bcr|ugeö 
halber  fein  SWipfaUen  tragen,  fonbern  unö  bewegen  freunD- 
(ich  entfa)ulciaet  nehmen. 

Datum,  granffurt  a.  b.  £).,  ben  1.  SeptembriS  Anno  1602. 

2)e$  vherm  bienffwittige 
Decanus,  Senior  unb  anbere  Doctores  ber 
theologifchen  gafultät  c afelbfi." 

9?acbbem  bei  Dr.  Salomen  ötefjner  bie  erften  vier 
fu(tätd'(£rf(ärungeu  eingegangen  waren,  verfaßte  er  gegen 
Martin  Voller  eine  neue  Srreitfcbrift:  ,,Salom.  Gesneri  Bo- 
leslav.  Sil.  S.  Theol.  DocL  ^rofejforie  ju  Wittenberg  grünt 
liehe  unb  ausführliche  SBiberlegung  ber  nichtigen  unb  aanj 
calmnifchen  Apologiae  Marl.  Molleri,  bed  ttornembften  ^reti- 
ger$  gu  onnim,  nebenft  eingeführten  djriftlichen  unb  wolkige-' 
grünbeten  Censuren,  etlicher  in  reinen  roolbejteUten,  roeitbe 
rümbten  Universitaeten,  tehrwürbiger  Theolopifcher  Facultae- 
ten,  allen  frommen  (Mnmcn  in  8ct>leftcii  unb  Sauäuifc,  auch 
anberöwo,  feinen  lieben  *!anbeeleuten  unb  guten  greunben  w 
dniüliduT  Warnung,  £ebr  unb  Ermahnung  geftellt  uub  |r 
fammengebracht.   Wittenberg,  1602.  8."    19  Sogen. 

Voller  fchtmeg  flüglich,  volifommen  im  Stnwjtänbnitic 
mit  bem  jRathe,  bem  bura)  SÄoller'S  Slpologie  hinlänglich 
nüge  gefdjehen  war.  Ueberoietf  fyüttt  Voller  noch  be« 
Xobe  bie  greube,  mehrere  Auflagen  feiner  r»erfe$erten  33üa)er 
$u  erleben,  $a  Dr.  Salomou  ÖJepner  im  3.  16Ö-I  ?u  2ßit 
tenberg  flarb  unb  Martin  Voller  ben  2.  sDfär$  1606  ba* 
3eitliche  fegnete,  aud)  fonft  ^Wicmanb  ben  Streit  Don  Beuern 
anregte,  würbe  Diefer  literarifdje  Ärieg  ohne  weitere  golgen 
beigelegt. 

9TO  bem  üobe  be6  Dfeftor  SOtyliuS,  welcher  nicht  minDer 


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437 


wie  Voller,  be*  f>eimlia)en  (SalvintömuS  befajulbigt  warb,  fyör* 
ten  alle  ©erüa)tc  über  ÄrvvtocalvimömHC*  auf. 

Voller'*  ©teile  al«  ^rimariue*  natym  ber  M.  ©regoriu$ 
ftidjter  ei«.  $r  war  ju  ©örlifc  am  1.  gebruar  (alten 
Äalenber*)  1560  geboren,  fam  im  3-  1567  ju  ©re*lau  auf 
bie  ©djule  unb  würbe,  im  3.  1584  von  ber  llniverfttät 
granffurt  a.  b.  £).  jHrücfgefcfjrb,  «freilege  am  ©vmnaftum, 
1587  alt3  Pfarrer  naa)  föaufcfya  berufen.  Seit  1590  war  er 
DiafonuS  in  ©örlifc.  ©ei  »id)ter'$  (Sinfüljrung  fltUte  ber 
9*atf>  an  ibn  ba$  Verlangen:  füqere  ^rebigten  gtt  galten,  bie 
gürbitten  \u  mäßigen  unb  beutlia)er  *u  reben.  (Sr  war  eilt 
gelehrter  SRann,  voller  geiftlia)eu  Stoljeö  unb  £odjmutlje$, 
unb  würbe  wabr|"a)einlid)  gar  iucf>t  fo  befannt  worben  fein, 
wenn  er  nia)t  ber  beftiflfte  (Gegner  3afob  ©ö^me'd  gewefen 
wäre,  wie  oben*)  erörtert  ift.  (§r  fiarb  einige  Monate  vor 
3afob  Sofjme,  unb  fein  Wadjfolger,  $rimarfu*  tötfolau*  Xtjo* 
ma*  (ftarb  ben  15.  SMr*  1636),  wirftc  in  9lia)ter'6  ©eifie 
unt>  Nidder*  gcifllicfyer  Uebertyebung  fort. 

lieber  bie  folgenben  Primarien:  M.  (£lta$  Dittrid)  (feit 
bem  29.  Mär»  1637  ^rimariu*,  geft.  22.  $ecember  1642), 
*nbrea*  Dellwig  (geftorben  4.  3ult  1644),  <Sf)rifto*f>  %i$U 
utx,  einen  flüchtigen  Umlauten  auä  53öl)men  (geft.  1653),  ©ott* 
barb  Dellwig  (geft.  1662),  Davio  $ea)ner,  ben  berühmten 
©djulmann  (geft.  1669),  (SliaS  Meiria)  (nur  vom  26.  SMvril 
bi*  6.  Cftober  1669,  au  welchem  Xage  ifjn  auf  ber  Jtanjel 
ber  ©cfylag  rührte,  Primarius),  ift  nia)t6  93efonbere$  ju  fagen. 

sJKeiriay$  ©tdle  erfefcte  M.  Michael  getter,  geb.  18.  Oft. 
1623  ui  SßeUereborf  bei  Sarau,  wofelbft  fein  Sater  ©eift* 
lia)er  war.  Der  Ärieg  raubte  tfjm  all  bafl  Seinige,  fo  bafj 
er  in  feinen  Stubienjafyren  ein  l)öa)ft  bebrängteä  unb  bewegtet 
geben  $u  fuhren  gezwungen  war.  1646  fonnte  er  ftdj,  naa> 
Dem  er  bei  bem  Pfarrer  ju  Sinbftäbt  ald  3nformator  van 
reffen  Jfcinbern,  einiget  $urtcf  gelegt,  bie  Univerfttät  Wittenberg 
beiiefyen.  1649  »wang  ityn  bte  -jiotb,  ©Ittenberg  ju  verlaffen 
unb  bte  Jtinber  eines  früheren  ©önnerS,  ©eneralfuperintenbcnt 
Strabl  in  Stenbal  $u  unterrichten.  Sluf  einer  Steife  nadf 
Sdjletten,  würbe  ifym  bie  (Jonreftor = Stelle  &u  ©orau  angetra* 
gen,  unb  von  tym  am  2.  3hü  1650  belogen.   3m  Sevt. 


•)  s.  368  ff. 


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438 


i 

♦ 

1663  berief  ihn  Die  ettangelifcbc  ftemetnbe  ju  (sagan  al* 
^rebiger.  »ei  bei-  auf  Hnften  t>e€t  Vlbt  gabricit  (iu  €agan 
betriebenen  ©egenrefermatien  CKciomtltirung)  im  Sagan'föen, 
wtirbe  aua?  Setter  vertrieben  unb  mupte  am  20.  s3Jcär*  1668 
mit  feiner  gamilic  ba*  gür|fentl)um  6agan  meiben.  <8en 
Sora«  au*,  fjielt  er  anf  Sunfd?  ber  eeangelifdjen  <Baganer 
in  bem  nfcbcrlauft^ifcbeit  OHenjerte  3efd)fenberf  ^rebfgten,  bi* 
er  jwei  tfinlabungeu  *u  geiftlidjen  Remtern,  nad)  grauftaH 
nnb  ©erlifc  befam.  (5r  realste  ledere  £tabt  unb  hielt  am 
6.  Deeember  1669  feine  fln$ug*prebigt.  3n  (fterlifc  wirft«  ei 
unangefedjteu  bi*  an  feinen  Xebeötag,  ben  28.  X>eeembet 
1694.  Seine  3  driften,  meiften*  $ttMgtatf  fiub  bei  Xietmann*) 

Da*  herbe  (5rulanteufd>i(ffa(,  veeldje*  ihn  in  ©agan  traf, 
nutzte  fein  bleiben  unb  »ofylreeUeube  <*Ufmnung  gegen  anbete 
ÄÄnner  feine*  GHatiben*,  reelle  ba*  8006  ber  ^erbauntma 
gleichfalls  fdjwer  prüfte,  [ehr  rc^c  erhalten.  3m  3-  1673**) 
würben  Martin  teblabni,  früher  ^rebiger  ju  6t.  3ebann  t>em 
SSerge,  3.  ®eorg  öraffiuö,  einft  *ßaftor  sl>iimariu*  'gu  Stxan 
nifc,  3efyanne*  cinapiu*  ber  Xrendjiner  ©emeinbe  $ajtot 
Primarius,  3el).  Äbam  ^efffteter,  i*rebiger  tu  £cr;emni&, 
3ch-  griebria)  Reff,  ©rebiger  \\\  OHafkrtja»  bei  tfiemuitv 
3ct)aun  Sani  ^afiter  in  $olefd)au,  t'ubreig  tfueiu*  ^rebiger 
an  ber  frcmntyer  tfirdje,  vl<aul  yiatl),  epang.  ©eiftlid)cr  }u 
§a\\ntföa\) ,  Waxtin  l'eeutyarb  Werer,  ^after  in  äumfcbha», 
Johann  6imenibe*  Hefter  ber  £a)ule  in  ber  fönigl.  greiftabt 
9$ri$neban,  3oh.  tfetfdjan  @emefter  ber  Sdnile  in  ber  fönigl. 
greiftabt  Weber,  enblid)  3ol)anu  Neudjel,  Lehrer  an  ber  (Bdjule 
au  93erg,  fchnmtlid)  au*  Ungarn  fiudjtig,  ba  fte  in  Schlefien 
wegen  3efniten  ilmtrieben  feine  3"ffuc^tdftätte  finben  feunten, 


•)  «Priefterfrfwt,  €.  204  ff. 

••)  $ie  felgenben  9tact)rid)ten  -frob  ber  hortete  eine*  $udje*  (ohne 
3aftre$$al)l)  entnommen,  beffen  Xitel  tautet :  [nventarlim  lemplorum. 
continens  res  eas,  quac  in  tcmplis  et  extra  ea  sunt,  cum  dedica- 
tione  corum  et  enraeniis  in  lianu  formara  ex  variis  antoribus  col- 
lertum,  ac  approbatione  et  perinissu  maximac  reuerendae.  facultatis  « 
tbeologicae  in  eeleberrinia  academ.  Lipsiensi  editum  atque  acces- 
sionibus  secunda  ediüone  ^auctuni  Geonzio  Chladoi,  ecclesiae  Haus- 
xvaldcnsis  pa. störe.  —  Sumptibus  auctoris  exeudebat,  (Jorlicii  vidut 
Zipperiana.  Die  iöorrebe  if)  vom  4.  ftebruar  1679.  2>a6  Südjleiu  fdbfl 
enthält  619  @.  IG.  ' 

• 

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131) 


in  ©örlifc  fefyr  freunbltdj  aufgenommen  unb  längere  3«*  burct) 
llnterftüfcung  ber  gfcmeinbe  erwarten.  3n*bcfonbere  war  man 
Dem  ©eorg  6l)a(bm,  welcher  oft  preDigte,  an<^  an  ber  Sd)ule 
Unterricht  gab,  geneigt,  unb  nafym  il)n  fvgar  in  ben  föatl)  auf. 
£te  übrigen  ungarifd)en  (frulanteu  führten  ein  Privatleben,*) 
würben  erhalten  burdj  JUrdjenfollecten,  6a)ulumgänge,  ©e^ 
fc^eufe  an  Lebensmitteln,  £o($  unb  Äleibung*ftürfen,  bi*  ftc 
naa)  unb  naa?  Remter  befamen.  Waa?  ftebenjäl)ria.em  Aufent- 
halte ßhlabnf*  in  ©örlty  würbe  er  al*  ©eiftltctyer  an  bie 
evangelifcfye  Jtirdje  51t  £au*walbe  berufen.  Auf  feinen  SBunfcf/ 
»teilte  i\)m  Der  görlifcer  sMtb  ein  3«i|}i"S  welche*  in 
Der  ^orreDe  De*  bejcidjneten '  8d)riftchen*  abgebrueft  ifl,  unb 
wegen  ber  Seltenheit  jene*  93na)e*  r>ier  folgt. 

„SBir  ^ürgermeifter  unb  ?Katr>  ber  <stabt  ©örltfc,  ent- 
bieten allen  unb  jeben,  wep  (*f)ren,  Sürben,  Sßefen*  ober 
6tanDe*  bie  feinb  unfre  ganfc  willige  3)ienfite,  freunblicf/en 
©rup  unD  alle*  &uM  $uvor:  hiermit  öffentlich  vor  9Ränmg« 
lid)  befennenbe:  bat*  Un*  ber  (S^ffiürbiae  unb  2Bo^©claf)rtc 
£err  (ire^orius  Ghludni,  K\ul  au*  Ungarn  mit  erfreutem 
Gtemütrje  $u  vernehmen  gegeben:  wa*  geftalt  ber  getreue  unb 
gutige  ©ott  biefe  verflogene  Xage  au  fein  bitterMdjwere*  fteben^ 
jährige*  Exilium  gebadjt:  unb  Dura)  ben  fytysl&ol)U®tbot)x* 
nen  Gerrit,  £errn  Wtcoln,  be*  £eil.  Mom.  iReid)*  KSblen 
Saliner*  unb  grev^errn,von  ©erjfoorff,  £errn  aujf  93arutl), 
£enner*Dorff,  Sreitnig,  Partei  ,uub  £au*walDa,  (5l)urfürftl. 
iuraU  $u  Saufen  l)od>anfel)nlid)  würrflid)  ©efjeimteu  jRatl) 
unb  Cammer  £erreu  k.,  bei  Dero  (Sfyrifilicfyen  ©emeinbe  $11 
£au*walDa  411  einem  prebiger  orbcntlio)  berufeu  (äffen:  w>eld>c 
Condiiion  (£1  elften*  anzutreten  vorhaben*:  bannenl)ero  Un* 
mnb  beglaubte*  3eugitij;  feine*  alliier  geführten  geben*  unD 
©anbei*  bittlid)  angelanget  Sitann  bann  3ßtr,  unb  jebermann 
bew  Un*  mit  ©runb  ber  2Bal)rbcit  fagen,  unb  bezeugen  !ann; 
bajj  wofylermelbter  £err  Chladni,  benebenft  feinem  SBeibe, 
Äiubern  unD  GJcfmbe,  bie  faxt  über  feine*  jiebeniäf)rigen  (Srilit 
unb  Aufeutbalt*  bi\)  unfer  Stabt  ein  bermaffeh  (*K>tt*furcr;tige*, 


*)  Invontarium  templorum,  «2.  451  ff.    3n  jener  3eit  foanberten 
oiirfj  bie  tBftjrünbtr  ber  Familie  bea  »erworbenen  £berbiir^ermei^cr  $e 
miani  (Demyanit  autf  Ungarn  ein  unb  liefen  ftd)  \n  gitycrfwtrba  uicber. 
Eberl.  &d>riftfteUerlertftm  s.  v. 


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ÜO 


GbrifHidje*,  ?riebfame*  unb  fritfe*  eingesogene*  Sehen;  aud) 
in  ffiorten,  SBerrfen  Mnb  ©eberben  einen  ganfc  erbaren,  unb 
niemanben  in  geringfien  ärgerlichen  SBanbcl  geführet*,  unt> 
nun  »on  fn'ei'  mit  freunblia)cr  Dantffagung,  dox  genojfene 
2Bol)fthaten,  in  £iebe  unb  greunbfdjaft  abgefdneben  ift:  Alo 
haben  wir  3hm  ba*  gebetene  Testimonium  erteilen  $u  laffen, 
umb  fo  viel  mehr  Urfach  gehabt:  jumafylen  ($r  auch  ol)iie  bi# 
aller  Seförberung,  (ihren  unb  ©unft  wof)lwürbig.  Gelanget 
bernnaa)  an  alle  unb  jebe  nach  Stanbe*  unb  (Shrcn-GJcbühr 
unfer  bienfNiche*  unb  freunblidje*  Eitlen.  Sie  wollen  3hnen 
gebauten  £errn  Chladni,  fammt  allen  feinen  Angehörigen, 
unb  folct/c*  feine*  (£l)riftlid)en  unb  erbaren  28of)h>err;altenä 
willen,  $um  betten  laffen  befohlen  fetjn ;  allen  förberlidjen  unb 
geneigten  SBtllcn  erweifeir,  unb  biefer  wahren  Jfunbfchafft  im 
iöertf  fruchtbarlia)  genießen  laffen.  Da*  feinb  wir  t>mb  einen 
jeben  nad)  (Srfoberung  feine*  Stanbe*  ju  verbienen  gefliejfen. 
3u  Urfunbt  haben  wir  unfer  (Gemeiner  Stabt  gröffere*  3nfie- 
gel  hierauf  bruden  laffen/'  So  gefabelt  ©orlifc,  ben  Donata-' 
tag  3ulü  Anno  1680. 

An  $etter'*  Stelle  tarn  am  28.  gebruar  1695  M.  Ghriftopb 
Se^ffert  au*  Snllenborf  bei  gneblanb,  feit  bem  3af)re  166Ö 
Dtafonu*  \\\  ©örlifo.  Seifert  befleibete  biefe*  Amt  nur  wenige 
3af)rc  unb  ftarb  ben  20.  3uni  1702  an  Eruftfrämpfen.  (fr 
machte  ftd4,  wbient  burd)  99egrünMing  eine*  Unioerfttät*ftipcn^ 
bium*,  welche*  feine  (Ünttin  mit  2(X)  %tyv.  vermehrte  unb 
wirb  unten  noa)  erwähnt  werben.  Sein  Nachfolger,  M.  @ctt- 
frieb  ^retfd)mar  (geb.  1654  gu  3Mfa)of*werber) ,  |iarb  fdjon 
am  17.  Sttat  1711  unb  warb  burd)  ben  am  20.  April  1667  *n 
Berlin  geborenen,  *ulefct  in  Sorau  wirfenben  M.  3oh-  Samuel 
Saurentin*  erfefct,  weldjer  am  28.  Auguft  1725  ftarb. 

Saft  ju  gleicher  mit  M.  £aurenttu*,  fam  M.  *Wel* 
chior  Schäfer  alö  erfter  £)rbinariu*  nach  ©örlifc. 

M.  Sdjäfer  war  ben  28.  Oftober  1682  31t  Taliban  gebo* 
ren,  unb  Sohn  be*  bortigen  SBürgermeifter*  Melchior  Schäfer. 
Den  ®runb  ju  feiner  ©elehrfamfeit  legte  er  auf  bem  laubaner 
i^ceum,  unb  be$og  im  3.  1703  bie  Uniserfttät  Seidig,  wo 
Dleartu*,  ^röleu*,  Seligmann,  $tpping  unb  ©untrer  ihn  in 
bie  pf)t(ofopr)tfd>en  unb  theologifdjen  Stubien  einführten.  Durch 
Dr.  (Günther  würbe  Schäfer  mit  ben  Schriften  Spener'*  be 
fannt,  welche  ihm  fo-  besagten,  baf*  er  »ällig  ber  6penerY«h«n 


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441 


6d)ule  jid)  atifd)(oß.  &m  5.  SRai  174)6  premovirte  er  flu 
Mjtyfgi  wurDc  1709  Pfarrer  }8  ^ol^fird)  unb  fnupfte  ein 
enged  Jreunbfiljaftöbanb  mit  M.  6djwebler  in  91ieberwiefa. 
93eibe  ^aben  befonberfl  viel  Sittfa  unter  i^rcu  (^emeinben  ju 
verbreiten  gewußt.  3m  3.  1711  erhielt  er  eine  (§inlabung 
ba#  eben  in  0örli$  neugeftiftete  Drbinariat  anzunehmen  unb 
hielt  am  2.  gebruar  1712  feine  fln$ug$prebigt  an  ber  Rio- 
fterfirctye.  M.  Sdjäfer*)  mar  faum  einige  3flfyre  in  Öör- 
li$,  al$  3dnfereicn  auöbradjen,  in.benen  befouberä  ber  @cf)ul* 
reftor  (Treffer,  ^atf>ör)crr  0.  SB.  (Scf>uCted,  ein  v£d)ulfoUege 
grätig  ÜHüller,  unb  ber  ^rimartuö,  neben  bem  M.  £d)ön,  feine 
(Megner  waren. 

Denn  Sdjäfer  war  ein  eifriger,  ftrenger  ^rebiger  feines 
OHaubenS,  ein  -ütfenfd)  voll  6tol$e$  unb  geiftlidjcu  Uebermu* 
tbed  unb  banb  ftcf>  bemnad)  auefy  nidtt  an  feinen,  bem  Dtatfje 
am  12.  3anuar  1712  auflgeftellten  Otet>evd :  „Die  reine  l'efyre 
@)otte$  \n  prebigen,  bie  (HeifMtcften  bei  Äranffjeiten  $u  vertre- 
ten, nid)td  ol)ne  beä  *Hatl)e$  ^orwiffen  änbern  unb  etnjH- 
führen,  ftd)  alle$  Diflputirenfl  unb  aller  3nveetiven  \\\  cnt^al- 
ten,  mit  feinen  Kollegen  in  £iebe  unb  (£inigfeit  ju  leben,  unb 
ftd)  bee  9iatf)$  ßriitncrnngen  unb  gütliche  Skrmittelung  ober 
redbtlictyen  Änfprüdjen  gemäß  ju  galten." 

$\cx  lag  nun  nunäcfyß  ntd^t  bie  6d)ulb  an  M.  <Sd)äfer. 
(£d  war  ihm  au^er  ben  *Prebigten  au  ber  £)berfird)e  aud)  bie 
<Seelferge  am  (stymttafhnst  Übermiefen  werben,  wa$  großen 
Unwillen  bei  feinen  Kollegen  erregte,  au$  @iferfud)t,  bie  £>ber; 
ftrd>e  fönnc  eine  zweite  U*arod)ialfird)e  werben.  Sie  weigerten 
jid)  ihm  \i\  affiftiren,  wenn  nicht  bafl  (tyvmnajtum  auferbem 
in  ber  ^eteröfirdje  411m  &benbmaf)l  ginge.  Da  nun  bie  Schule 
febr  ftarf  befefct  war,  bauertc  bie  bamalä  allein  gebräntt)lia)c 
s4$rivatbeid>te  of)ne  flfftftcnj  *wei  volle  'läge,  ben  11.  unb  12. 
3uli.  "Sei  VluStheilung  beä  fyeil.  2lbenbmal)lcö  erhielt  6d)äfa 
vom  Diafonuä  Keumaitti  Seiftanb.  Die  0ciftlid)cn  an  ber 
^eter6fird)e  proteftirten  gegen  bie  Sorflettling  6d>äfer'<3,  weil 
er  nid)l  al$  Diafonufl  berufen  fei;  ftc  wollten  ihm  bie  2lbfün* 
bigungen  nid)t  geftatteit.  Dicfeö  beleibigenbc  2Befen  reifte 
Schäfern  au  (£rwieberungen.   3n  £öbau  gab  eö  eine  Lotterie, 


•)  Änautljf,  Mspto.  t.  II.  f.  20 W>  IT.  3>ieimamt  a.  a.  C.  273  ff. 
©örl.  Söegtteif.  1838.       102  ff. 


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442 


mit  £oofen,  auf  welche  Dctnfen  flefcfyrieben  waren.  1713  fam 
ein  £00$  mit  ber  Vluffchrift:  „Memenlo  saluiis,  gübau  hat, 
waä  ©örlifc  wünfeht,  einen  treuen  tfatedjeten,"  in  l'bbau  junt 
SBorfcfjein,  unb  bad  ©erüd)t  verbreitete,  M.  £d)äfer  fei  $kr* 
faffer  biefer  X)ct>ifc.  Die  übrigen  ©eiftlidmt  vertagten  ihn 
beider  beim  töatfye,  nnb  verwahrte  ftd)  £d)äfer  in  einem  lan- 
gen Memorial  t]ea,en  bie  Vinfd)ulbi<)uua,.  Ilm  27.  juni  1713 
würbe  tym  vom  *Ratbc  unterfaßt,  feine  üßrebtgten  auf  brei 
6tunbert  lange  Sermone  aufyubehneu.  Dagegen  erlaubte  ber 
*Rath*M.  Schäfern  am  2ö.  September  1713,  Juni  Sieker  feinet 
Kollegen ,  ben  (Hlötfner  l'ef)in$  in  ber  £)berfird)e  ^u  trauen. 
V(ud)  erhielt  er  bie  ISrlaubnijj,  täglidje,  um  3  Uhr  v)?ad)mtt= 
tagS  beginnenbc,  33etftunben  su  halten,  8  m  16.  November 
1714  hielt  M.  Sdjäfer  bie  erfte  Vlbenbfiunbe. 

8d)äfcr  gab  burd)  feine  ,£artnärfigfeit  ftd)  eine  befonbere 
Jlirchgcmeinbe  ju  bilben,  fortwäljreub  sl*eranlaffung  ju  «frän- 
beln,  wcldje  mit  ber  grölen  '©itterfeit  öffeutlid)  von  ber  &an$cl 
befprodjen  würben.  i<rtmariu3  gaureutiuä,  iüd)t  minber  hoch- 
fabrenb  al$  M.  £d)äfer,  er$äl)lte  am  6.  December  1716  in 
ber  tyebigt:  ba|j  feine  Kollegen,  M.  8d)on  unb  M.  8d)äfer 
frembeö  ^ier  ein^cfül)tl,  ftd)  betrunfeu  unb  in  btefem  3uftanbc 
auf  ber  (Baffe  gelegen  l>ätteu,  weldje  Jnfuiuationeu  M.  Sd)äfer 
mit  ähnlichen  Sd)mcihreben  auf  ben  s4$rimariu$  beantwortete. 

6eit  beut  3af)re  1716  trat  H.  €d)äfer  offener  auf.  3m 
ftebruar  begann  er  mit  feinen  8nl)ängeru  (Souventifel  tfßri* 
vatanbadjtäftunben)  $u  gölten.  Detfljalb  verflagt,  erhielt  er 
nur  bie  (*rlaubnifj,  eine  täglidje  tfatedjie  mutflehre  unb  jwar 
in  ber  &ird)e  cüi^tivtditeu.  Dieö  gefdjal)  $war,  aber  bie  heim- 
liehen  3ufflntmenfüufte  unterblieben  aud)  nid)t.  3m  3-  1722 
faufte  (%af  3"MCtiborf,  Stifter  ber  ^eniiljutrjergemeiube,  53er- 
theläborf  unb  trat  mit  £d)äfer  in  $krbinbung.  *ül$  bie  ntähs 
rifcfjen  s£rüber  aitfgewanbert  waren  unb  nad)  ©örlifc  famen, 
narjm  fte  €d)äfer  bei  ftd)  auf,  hielt  mit  ihnen  s£etftuubeu 
unb  wietf  ue  nad)  S3ertf)elöborf.  Die  mäl)rifd)en  s$riiber  woll- 
ten  im  iKituö  von  ben  proteftantifd)en  ®emcmben  abweiden; 

man  ging  baranf  ein,  unb  bie  3il>ctöf)emc'n^cn^  fom^  auc*) 
bie  @kuü$er,  rid)teteu  ftd)  banad).  Schäfer  war  SJiitglieb  be£ 
neugebübeten  Jtouftftoriumd  für  bie  s$rübergemeiuben  unb 
i\roar  ndd)ft  bem  ©rafen  3t»U'itborf  batf  tljätiafte.  3l)iten 
biente  Sdjäfer^  nachmaliger  Sd)wiegerfol)it,  Swarctye,  alö 


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443 


^ucbbdnbler,  bei  Verbreitung  ber  Schriften.  Seit  biefer  trat 
M.  Schäfer  tu  ©örlifc  bemittelter  auf  unb  beä  'Jlrtmartuö  *ßit* 
Mqteu  liefen  t>te  (Kreuel  ber  6 ct)äf erfreu  tfotwentifel  wurden 
im  3-  1721  yon  28  görlifcer  (*inwobnem  mit  Dem  fcf)riftlU 
eben  Antrage  an  ben  Statt)  beantwortet,  fic  wollten  eine  eigene 
(Memeinbe  bilben. 

(5in  ähnlicher  fftttr«^  Schäfer'*  ging  an  ba*  geiftlicbe 
3Rimfterium  nur  Qegutadmmg ,  würbe  von  tiefem  beantwortet 
unb  mit  fämmtlidjcn  Elften  an  bie  rhcologtfd)c  gafultät  nad) 
Veip^ig  gefenbet.  Xa*  (Mcfnd)  ber  28  (Anwohner  würbe  ab* 
gewiei'en.  Tie  Antworten  ber  gafultät  unb  reä  ebenfalls  *u 
Watl)e  gezogenen  Äonfifteriumfl  ju  Treiben  erflärten  ba*  @on 
ventifelwefen  für  unutläffig;  jened  Schreiben  auö  3)re$ben  gab 
bem  Diafonu*  M.  Sd)ön,  welcher  einige  gefdmtatflofe ,  foge- 
nannte  ^äminelbruber  ^efänge  im  <$cfangbucbe  umänbern  unr- 
verbeffern  wollte,  ben  Seftyeto,  baß  bie*  nicht  erlaubt,  wohl 
aber  geftattet  fei,  an  Stelle  jencö  Vicbetf  ein  weniger  floefcl- 
reiebe«  fingen  \n  laffen. 

M.  Sd)äfcr  beabftd)tigtc  1725  ein  Saifcubauä  *u  errich- 
ten, verfprad)  jebod)  bei  (Gelegenheit  feines  SÖürgereioetf  bem 
Ratbe,  weber  bie*  <£>aue*,  nod)  eine  projeftirte  Armenfd)ule 
ol)ne  be$  Rathen  Einwilligung  gu  begrünben.  Am  IB.  3uni 
1725  gab  er  wicberbolt  eine  Rechtfertigung  feiner  ^rivatcon^ 
ventifeln,  unb  befetywerte  fid)  über  bie  San.jmufifeit  in  ben 
®aftf)äufern,  welche  bie  Duelle  ber  größten  ftnnüct)cn  Xit6« 
fd)weifungcn  feien,  aud)  barüber,  baß  bie  Einwohner  ber  Stabt 
wäl)renb  be£  (Gottetfbicnftctf  in  SMerbäufcr  gingen.  Alö  ibn 
ber  Rath  aufforberfe,  fold)e  gälte  anzuführen,  vermodjte  er 
bicc3  jwar  nid)t,  ließ  ftch  jebod)  nicht  abhalten,  von  ber  jrangcl 
über  beö  Ratl)e$  Unglauben  ju  bonnern  unb  ftd)  tu  *|3erfönltd); 
feiten  *u  ergehen. 

Am  6.  Auauft  1725  ging  ein  f6niglict)e$  Reffript  ein, 
welche^  bei  50  ftyx.  Strafe  unb  Amt$' Suepenfton  bie  (Sou- 
ventifel  unterfagte. 

M.  (Schäfer,  babnrd)  fctncöwegö  gefebrerft,  nahm  im  (#e* 
gentheil  biefeä  Rcffrtpt  mit  großem  Unwillen  auf  unb  erlaubte 
ftd)  von  ber  .Ransel  bie  jtymäbUcftfttit  Aeußerungcn  über 
ben  Äönig'Äurfürften  unb  beffen  donftftorium,  fo  baß  ihm  ber 
Rath  am  28.  Auguft  einen  neuen  S5erwd6  Jufenben  mußte: 
„ftd)  feiner  bebeufltdjen  Expressiones  pt  enthalten."  Uner* 


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444 


fäöpfltcf)  im  Dualen  be$  föatheä  uiit)  getfllic^cn  Winiftcrinm* 
bradbte  er  balb  neuen  3^nfftcff  t>itr<^  feine  SBefrrebungen  gitm 
93orfd>etn,  baä  im  3. 1725  in  erftcr  Auflage  crfdjiencne  ^errn- 
huther  ®efangbud)  in  frei  Dreifalrigfeitäfirdjc  einzuführen. 
£ie$  fanb  ber  föatf)  wegen  ber  bort  abgebrutften  $römm(er* 
lieber  —  obgleid)  biefe  Auögabe  nidu  fo  fd)limm  wie  bie  von 
1737j*)  ijit  —  fefyr  bebenf Itd),  unb  unterfaßte  if)in  burd)  De^ 
fret  vom  27.  Dftober  1725  bie  (Einführung,  babei  ben  s^n- 
vatgebraud)  geftattenb. "  Am- 17.  November  reifte  M.  (£d)äfer 
au$  (9örli$,  ofjnc  um  Urlaub  na<ty|ufu<tyeftf  er  war  noa)  am 
I.  Oftober  1726  nidjt  gurücfgefet>rt ,  weil  ba  ber  SRatf)  feine 
ftrau  aufforberte,  für  eine  genügenbe  Vertretung  31t  forgen. 
'üWit  bem  von  <8d)äfer  aufteilten  «ftanbibaten,  einem  @rg'$te* 
ttften,  fonnte  ber  JRatt)  nid)t  auäfommen.  tiefer  junge  sUlaim 
begann  nämlid)  wieber  Abenbanbadjtcn  einzurichten ,  weldje 
foglcid)  vom  *Hatr)e  unterfagt  würben.  9?ad)  faft  einjähriger 
Abwefcnfycit  feierte  M.  6djäfer  im  November  1726  junief  unb 
bradjte  eine  ijroßc  Stenge  ^ercnrjutbifd)er  ©efangbüdjer  unb 
fogenannter  (Sberflborfer  Bibeln  mit.  Der  ©vmnajtalreftor 
(Stößer  entberftc  6d)äfer'$  Abjtcbten  balb,  geigte  ftc  bem  föatbe 
au,  unb  biefer  erließ  am  16.  November  1 726  ein  3)efret: 
„baß  bei  50  Xl)lr.  Strafe  91iemanb  (£remplarc  ber  SBibel  ver- 
laufen,  aud)  fein  93ud)binbcr  bei  10  Xf)lr.  (Strafe  eine  fold)e 
einbinben  folle."  33ei  bni  93ud)binbern  würben  allein  circa  300 
C^remplare  eoufuMirt.  Xem  (trafen  3iiW,lborf,  ber  in  einem 
Briefe  vom  4.  SkMembcr  1726  vom  *Ratf)c  bie  Auflieferung 
ber  Bibeln  unb  confi^irten  ®efangbücr/er  forbertc,  warb  ba* 
®efud)  abgefd)lagen.  Am  21.  5Wai  1727  warb  von  Dreyen 
ber  Vertrieb  ber  Bibeln  unter  ber  33ebingung  geftattet,  baß 
eine  Söarnung  »or  baä  $ud)  gefegt  werbe. 


•)  flofjler,  treldjer  a.  o.  £.  im  adrt  SBearoeifer  teeitläufta,  über 

biefe  ©Irren  u.  bie  £errnljutfKr  a^ljanbelt  tjat,  etttrt  batin  au*  bem  &t- 

fangbuetje  von  1737  einige  Stellen,  welche  ben  größten  3ßaf>nfmn  ent- 
halten.  8i«  99eifriel  folge  fyier:  Sieb  91o.  2217  (ober  2278.): 

„So  immer  feittoatt*  ftfyielerlidj  vor  fciebedfieber  frfnitterltd) 

fo  feitenbeimwef)  füblerlid},  ffiie'a  Äinb  ooll  (Meifteä 

fo  lammoberjgruur  puuMucrim  lid),  fo  leidjnamoluft  an$ieberlid), 

fo  lammofdjtteipfvurberiedjerlid),  fo  tounbennafj  aue7fcriif>erli<!), 


@o  3efu<<fd)»eiptropftjafti9lid),        auf  !Wenfd>fol>nö$eid>en  güterlidj  ie. 


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445 


Unterteilen  flieg  bie  Erbitterung  gegen  M.  Schäfer  im 
93olfe  unb  artete  In  Reffen  au*.  Diefe  Angriffe  auf  bie  Äir* 
chenorbnung  —  benn  ein  geiftiger  tfern  lag  in  (Schäfer* 
gormfragen  nidjt  —  brauten  ba*  33olf  in  grope  Aufregung, 
unb  frembe  Elemente,  eiuwanbernbe  <Schwenffelber,  beförderten 
Die  herrfchenbe  (Währung. 

Schäfer  tobte  heftiger  alä  je  von  ber  Jlanjel  über  bie  be* 
ftebenben  äirchengebräuche,  unb  fe&te  tro^  aller  Verbote  bie 
(Eonventifel  fort,  welche  bauptfäd)lich  auö  bem  Örunbe  bei  ben 
ganatifern  vielen  Slnflang  fanben,  weil  ftc  verboten  waren. 
@*  fam  *u  jewaltfamen  Hu$brüd)en.  JMm  4.  3uli  1726 
versammelten  Wh  $u  ber  Seit,  wo  ein  folct/er  (Sonventifel  ftatt* 
finben  follte,  $lbenb£,  gegen  tanfenb  sJD^enfcr»en  vor  M.  <S4ft< 
fer'ä  £aufe.  Sie  fonnteu  glütflicherwcife  burch  gütliche  (Sin* 
fpradje  §um  9eachhaufegel)en  bewegt  werben.  8m  7.  9tovbr. 
1726  wiberfprach  (Schäfern,  alö  er  eben  fer>r  l)eftig  auf  ber 
£anjel  prebigte,  eine  Suchmacherfrau,  kantend  SRafrin,  öffent* 
lieh  in  ber  Äirdje.  Sie  reichte  am  17.  beftelben  Monate 
beim  Äafye  ihre  Skrtheibigung  ein.  Da  am  14.  3uli  1727 
ein  gewaltiger  Auflauf  wegen  einer  $lbenbanbacht  entjianbeu 
war,  würben  folc^e  auf$  ÜNeue  unterfagt.  Daffelbe  gefchah 
am  23.  (September  1727  gegen  bie  burd)  ben  töanbibaten 
Sdjüfce  im  (September  1727  auf  "ber  Sanbedfrene  veranftal^ 
teten  ßonventifel.  —  Die  fortwährenbe  Aufregung  in  ber 
(Stabt,  welche  burd)  Schäfer'ö  ungebehrbigefl  unb  leibenfchaft* 
lidjed  28efeu  genarrt  warb,  fonnte  bem  Dreobner  (£onftftorium 
nid)t  gleichgültig  fein. 

(fr  würbe  am  18.  ftuguft  1727  vor  ba$  Dberconfifto? 
rium  nad)  S) reiben  gefordert,  um  ftd)  bort  )it  erfldren  theilä 
über  bie  von  ihm  gebrauchten  anftöfjigen  ^nöbrürfe  vom  $ehr* 
amte  unb  ^eiligen  (Saframente ,  theite  über  bie  auä  feinen 
v4$rivatconventifeln  entftaubenen  Unorbnungen.  Da$  £>bercon* 
ftftorium  jwang  ihn,  nach  feiner  4peimfel)r  von  ber  Äanjel, 
nac^  einem  ihm  vorgefdjricbeneu  gormnlare,  über  feine  bisher 
gebrausten  (Streit^udbrütfe  eine  (vrflärung  abzugeben.  Hud) 
unterzeichnete  er  in  Dreäbeu  einen  iHeverö:  „ba£  er  feine  ^re* 
bigten  orbentlid)  eoncipiren,  ba$  verführte  $$olf  wieber  herbei 
unb  auf  ben  2Beg  ber  reinen  £ehre  bringen,  unb  ftd>  aller  an- 
ftöfjigen  unb  bebenflicheu  Diebendarten,  aud?  ber  (Sdjmähungeu 
auf  baä  ^rebigeramt  enthalten  wolle/'    3n  golge  ber  bre*- 

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446 


bener  Vernehmung  mußte  (Schäfer  im  Dftober  1727  ben  vor-- 
gefdjriebenen  SÖiberruf*)  im  93eifein  beä  &mtel)auptmanneö 
unb  beä  tfanbcdältejten  von  ber  Ransel  ablefen,  aud)  wegen 
ber  53elelbigung  um  5krjeil)uug  bitten.  Die  ©vmuafiaften 
(6tubeuten)  waren  nuiu  rann  erwähnt  unb  befdjwerten  jtdj 
beebalb  am  17.  Dft.  1727  beim  JKatfje,  inbem  ftc  auf  be= 
fonbere  5)eprecution  antrugen. 

Dod)  erfolgte  biefe  nid)t;  im  ©egentljeil  fing  <Sd>äfer 
feine  <Sd)mät)prebigteu  fofort  wieber  au  unb  erhielt  besbalb 
bereitö  am  16.  November  1727  ben  erften  ©erweis.  Slußer^ 
beut  hatte  er  aud)  vom  Volfe  »iel  ,ut  leiben,  wuvoen 
<5d)anblieber  auf  ihn  fomponirt,  ^^öquille**)  »erbreitet,  fpott- 
weife  &benbä  vor  feinem  «jpaufe  gefungen,  ihm  bie  genjter  ein* 
geworfen. 

S)cr  ?Hatr>  ließ  burd)  bie  ©eiftlidjen  nu*  £Kul)e  ermahnen. 
Stllmälig  wurbo  6d)äfer  ftiller  unb  ba  bie  (Sonventifel  md)t 
mer)r  auffällig,  fonbern  rul)ig  irr  ben  Käufern  'gehalten  wür- 
ben, gewöhnte  fta)  bie  sJ)?engc  allmälig  baran  unb  bie  $(ufre^ 
guug  legte  ftd). 

Slud)  mit  $att)olifen  gerietb  £d)äfer  in  einen  geberfrieg. 
Ü)er  3cfuit  faver  Regent,  fdjrieb  wiber  M.  Sd)äfer  unb  bie 
£crrnf)utl)er  eine  neun  33ogen  ftarfe  glugfdjrift: 

,,UnjKirtfyeiifd)e  9fad)rid)t  von  ber  in  ber  kaufte  überfyanb 
nefjmenben,  unb  fyierauä  in  bie  benadjbartcn  £änber,  infouber* 
heit  in  6d)leftcn  cinreißeubeu  neuen  Sectc  ber  fogenanuten 
<E>d)äferianer  unb  3»V^nborfiaiter,  berfelben  £er)re,  jfatedjiämo, 
neu  iiberfefjten  unb  «aufgelegten  33ibel,  wie  aud)  Jiird)enorbnuug 
in  ^errnl)utl),  nebfl  @)egeuberid)t,  baß  foldje  Sefyrcn  bem 
SÖorte  (#oüeö  wiberftrebeu,  au$  allerfyanb  verworfenen  (Sectcn 
verabfaffet,  ber  augöburgifdjen  (Sonfeffion  entgegenlaufend 
Breslau  1729."  2)er  3efuit  madjt  bem  M.  8d)äfer  $um  3$or* 
würfe  baß  er  batf  (Evangelium  uiemalö  orbentlict)  erflare,  bie 
lutr)erifd)eu  ^rebiger  auf  baö  ©röbrlte  läftere,  behaupte,  man 
fönue  in  allen  9tirligionen  feiig  werben,  bie  2Baffertaufe  für 


•)  9(bgebnicft  in  ben  Acta  histor.  occl.  tom.  III.  p,  40G. 

würben  vom  Mail)*  ronftatrt:  1)  <8tn  mtraulid)e*  ÖJefpräd) 
jnnfVfjen  Ludovico  nnb  Lamperlo;  2)  JUtet  ^riefrn'c* ,  be<8  ungetreuen 
unb  n>iebertäufferifd)en  SWietbhngd  ju  @brlifc,  M.  6cf)äjfer'tJ  irrige  <Safce; 
3)        betrübte  $)eutfd)lanb. 


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447 


mitritt  balte,  bie  (Srlofunq  l>er  Serbantnttctt  auS  ber  £ötte 
anerfeune. 

'  2)ie  £errnl)uter  beantworteten  baS  ^(ttqbfatt  mit  fol^enber 
<5d)rift:  „jeuflnip  ber  2Baf)rl)eit  ber  (Gemeine  \n  $errnt)Mtl), 
^errn  M.  s3Weldj.  £d>äfer$,  Past,  ad  s.  s.  Trin.  ju  <**örli$,  wet)I. 
$tn.  (£f)riftopl)  Sd)webler'$  Past.  et  Insp.  ju  Weberwiefa, 
wie  auch  £errn  3ol>.  Hnbrea*  föotben'd  Hast,  gu  $3ertbolbe* 
Dorf,  wiber  £rn.  <p.  äarl  Dfecjent,  S.  .1.  Miss.  Wacbridjt  von 
einer  in  ^aujty  unb  <sd)leften  einreiben  follenben  neuen  8ecte, 
auf  vielfältig  s£ecjel)ren  |um  Drucf  befördert  von  M.  Gbrift. 
Gottfrieb  Wardjen.  8.  £errnbutb.  1730.  14  SBofl." 

$)ic  $$orrebe  bring?  einen  Huffaft  über  bad  ,£>errnbutber' 
roefen  überhaupt,  bae)  folqenbe  ein  (schreiben  6d)äfer'ö  über 
feine  Knfufytn  unb  ber  <sd>luf?  einen  $rief  £d>wct>ler'$.  Qu- 
fed  53ud)  bewofl  ben  3efuiten  *u  einer  nodi  gröberen  8d)rift: 
„^bfertiflunit  ber  vom  Gerrit  ®raf  von  3imcnberf  auf  £errn* 
^Htt)  unb  £errn  M.  SWelcfyior  6d)äfer,  ^aft.  *u  Görlifc,  beraub 
^ebenen  wafyrlofen  3ettgntf|t.  —  8.  Skeälau  1731."  3)a 
(5d>äfer  in  feiner  &>iberlei)uitfl  au*  bie  Schrift:  „Glimpfliche 
©ebanfen  von  ber  fcrjeinbetliijen  33oebeit,  von  einem  Gar  Be< 
fannten  Sd>lefier"  1728,*)  berührt  l)atte,  erfdjien  von  bemfel* 
ben  SBerfaffer  ein  3at)r  vor  JHeijent'S  9(bfertiiiiiiui  eine:  „58ofyU 
mevnenbe  (ihrinneninß  an  ^errtt  H.  Wcld>tor  fediäfern,  betreffenb 
baö  fogenannte  ^errnbutbifebe  3e"Hnit*  ber  2t$ai)rl)eit,  verfem 
ticket  von  bent  (iar  Befannten  Scblefier.  1730.  5  93o<j.  8." 
$>iefe  Schriften  bejtcttifjen  im  Drutf,  baf  M.  8d)äfer  ein  bebeu* 
tenber  Schwärmer  unb  grömmlcr  war,  beöljalb  aud)  von  3i"r 
*enborf  tu  $wei  Herfen**)  befunden  würbe.  M.  <Sd>äfer  ftarb 
am  9.  3tt(i  1738. 


•)  Unter  biefer  (5hiffcr  fdjrteb  M.  Schäfer'*  fteinb,  ber  görlifcer  9tatft<< 
bar  CM.  ©erntjarb  r  Imlteö. 

•*)        Unfer  geliebter  2ct>äfer  toar 

QJalb  ml  Wefjeim,  balr  ojfcnfrar, 
3»ötf  aWal  auf  bem  SBea,  fid)  anfutraffen, 
Hb«  er  fennte  e*  nid)t  meljr  fdjaffen. 
Erbarm  bid)  unfer. 

Tu  aber,  Untrer,  fdjlaf  feliaUrfj; 
fflit  $u'«  i>erfyrod)en,  fö  teilte  $idj, 
Still  afe  €unber  in«  ÜJieer  ber  (Mnabe 
Unb  in  £amme*  «Blut  fd)tt>imme  im  ®abe 
3m  Clement. 


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U8 


(£$  ift  bei  ©elegenheit  ber  Schäfer'fdjen  Streitigfeiten 
erwähnt  worben  Daß  r tc  religiofen  (Elemente  ber  Unruhe  noch 
burd)  Schwenffelbianer  vermehrt  morgen  feien. 

3»  Den  fdjlefifcheu  Surften t f)ä ni ern  Schweibnifc  unb  3auer 
hatten  ftch  feit  bem  (Snbe  beä  16.  3ahrhunbert$  viele  Sdjweuf 
felbianer*)  hetmifä)  gemalt,  welche  im  3.  1726  nad)  mehr- 
jährigen ^erbanblungen  unb  93eläftigungen  Seitens  ber  Uifer- 
luli cn  Regierung,  ;m  2ln$wanberung  auS  Schleften  gelungen 
würben.   9cad)  ihrer  Vertreibung  wanbteu  fte  fid)  an  M.  £rf>a 
ferS  greuub,  (Styrift.  Sd>webler,  Pfarrer  ju  lieber -SBiefa.  auf 
feines  greunbe^  Söitte  ging  M.  Schäfer  an  ben  9tatf)  ju  ©örlifc. 
S)er  fltatb  gemattete  ihnen:  „auf  furje  fyit"  einen  $bifentf>ato 
ui  ©örliö  uub  4pennerSborf,  machte  aber  am  23.  gebruar 
1726  einen  93erid)t  an  ben  j£Önig*Äurfürft  nad)  5)re$ben, 
ftellte  bariu  bie  betrübten  SBerhältniffe  ber  teilte  bar,  unb 
bewies,  was  fie  bem  Üanbe  burd)  8lachS>,  ©am*  unb  Sein- 
wanbhanbel,  ben  fte  befonberS  betrieben,  nüfcen  föunten,  auch 
bajj  Hoffnung  »orfjanben  fei,  jle  ber  reinen  iHtherifchen  £et)re 
ju  gewinnen.   Mm  2.  ÜWai  1726  erteilte  ber  SDftnifter  t>on 
©ereborf  9catf)rid)t  über  bie  9nfid)ten  beS  ©eheimenratbS  in 
biefer  Sache.   (*S  fei  eine  münbliche  halbamtliche  Üntmä 
bahin  be)d)loffen  worben,  man  wolle  il)re  8(nwefenl)eit  ignoriren, 
jebod)  nur  unter  ber  SBebingung,  baß  fte  ihren  ©otteSbienft 
nicht  öffentlich  ausübten,  feine  Käufer  ober  unbewegliche  ©üter 
erwerben  unb  alle  ^orftchtSmajjregeln  angewenbet  würben,  bie 
£eute  forgfältig  |H  überwachen  unb  feine  Unorbnungen  burch  jie 
entftehen  \\\  laffen.  Sie  festen  nach  gefchefjener  Sfufforberung  be* 
9tatl)eS,  il)r  ©laubenSbefenutnifj  auf,  weldjeS  ausführlich  bet 
änauthe  ju  lefen  ift. 

(£S  war  bamalS  in  religiöfen  fingen  ein  merfwürbiger  ©eiß 
unter  baS  gemeine  SBolf  gefommen.  (£in  33äcferfned)t,  (5lja6 
Saumgart,  brachte  neue  Vdne  aus  ber  ftrembe  mit,  bisputirte 
über  bie  9tothwenbiafeit  ber  Seichte  mit  bem  M.  Sdjön,  unb 
serweigene  beim  $atheftehen  am  29.  3uni  1727,  auf  bie 
Jrage:  entfagft  bu  ic.  baS  3a!  fo  h^rtnäefig,  ba6  feine  Stelle 
burch  ben  ©löcfner  vertreten  werben  mußte.  Stuct)  er  gewann 
einen  Anhang.   S)aher  gab  M.  Sä)ön  baS  mit  ihm  abgeht- 


•)  .*nautljf,  Mspte.  tom.  VIII.  Hist.  Schismalica.  mit  *ortrff|Iid}cn 
tjanbfdjtiftlidfni  dr^anjungen  beö  verftoriwmi  €tU)«intenb.  3anrfe. 


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449 


teue  ©efprdd}  im  Drutf  fyerauä  unter  bem  Xitel:  „"Die  fdjnobe 
$erad)tung  göttlicher  ®nabenmittel :  Stebft  einem  Viere,  ber 
fia>  felbft  entbetfenbe  Ouäfer'®eijt  ber  öfterer." 

Da  l>ie  (Sdjwenffelber  befonberä  burdj  M.  (5d}ön  unb 
M.  ©etiler  von  ber  &an*el  angegriffen  würben,  fud)ten  fte  einen 
anberen  xHufeiitlmlroovi  \i\  erlangen  unb  fd)rieben  rc^t>alb,  burd) 
s33ermittelung  bee  Scabinud  $äntfd)  Kaufmann  \\\  ÖJörlifc,  an 
t}oüänbifd>e  iEBiebertäufer.  Jnnvifdjen  aerietfytn  ÜJtand)e  von 
tfynen,  weldK  wegen  ber  £Rebeu  in  ber  $eter$fird)e  niäjt  mebv 
|um  ÖJotteöbienfte  gingen,  in  ein  wüfted  Veben,  fo  bafi  vielerlei 
Reibungen  unb  Aergerniß  enrftanben.  Da  and)  ©raf  ^imen 
borf  biefe  £eute  an  tief}  in  *iel)en  fud)te,  erregten  fie  Auffegen 
bei  vtuue  unb  eö  fam  Befehl,  fie  follten  auä  bem  Sanbe  gelten. 
Die  Reiften  entfc^loffen  ftd)  ba*u,  wanberten  im  3a^re  1740 
nad)  Amerifa  au$  unb  liefen  ftd?  im  Diftrift  ^ennftlvanim 
nieber. 

lieber  ben  <sd)äfer'fd)en  3^!^M]^iteu  ftarb  M.  $aurentiu6 
am  28.  Auguft  1725  unb  fein  Vinn  ging  an  (£.  ©.  geller 
auä  tfinberobe  bei  <§orau  (geb.  9.  gebruar  1663,  fett  1699 
Diafonu*  unb  1716  Ara)ibiafonutf  in  ©örlifc)  am  21.  3Rat 
1726  über.  (5r  fiarb  fajon  am  6.  9Äai  1729  unb  würbe 
burd)  3.  ©.  Steumann  (geb.  15.  April  1670  $u  ®örli$,  1699 
Diafonuö,  1726  au  Stelle  bc$  vorigen  Ard^ibiafonuö)  erfefet, 
ber  aiub  fd)on  am  11.  April  1734  fiarb.  (Sein  Amt$naa> 
feiger  war:  M.  3ol).  Dan.  ©eieler  (geb.  30.  April  1680  <ui 
Altenburg,  1726  Subbiafonuö,  1729  Diafonu*,  1731  Ard)ü 
biafonud)  im  Satyr*  1734.  (£r  verwaltete  bieö  Amt  fegend- 
reid)  biß  in  bad  3afyr  1760  unb  ftarb  am  7.  gebruar  1760 
in  bem  l)ol)en  Alter  von  79  3-  9  Monaten  8  Sagen.  9Äattl>. 
gr.  töunjel  (geb.  ju  Augsburg  8.  3»K  1707,  1744  6ubbia* 
fonuS,  1758  Ardjibiafonuä),  fam  1760  an  ©eiSler'ö  (stelle. 
(Sr  madjte  fta)  wdfyrenb  feiner  Amtszeit  verbient  bura)  Crrria)- 
tung  einer  Armenfdmle,  weldje  im  3-  1755  mit  bem  Sßaifen- 
tjaufe  verbunben  warb.  @r  jlarb  am  21.  Sept.  1774  unb 
würbe  il)m  von  bem  folgenben  Primarius  M.  6dwhe,  bie 
£eid)enprebigt  am  ©rabe  gehalten. 

M.  3ol).  ©ottfr.  ©a)ulje  war  geb.  am  11.  3an.  1717 
ui  SÖBuftrau  in  ber  *l$riegni&,  würbe  1740  Pfarrer  in  ^unjen- 
borf  bei  Sorau,  1746  Subbiafonuä  §n  ©örlifc,  1755  DiafonuS, 
1760  Ard)ibiafonuö,  1774  $"mariuö  unb  itaxb  am  5.  April 

öefätdjte  »pn  OWtU|.  29 

I 

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1791  cite  3"be(M*ebiger.  (£in  93erid)t  beffelben  an  bcn  Ober* 
^räftbial^räjibenten  93aron  £>obentfnil  \n  2>re3beu,  belehrt 
un$,  baß  6dml$e'ö  3C^  femeflwegä  ber  burd)  M.  @d)äfcr 
unb  bie  ^errnfyutfyei*  geftreute  Saamen  vertilgt,  vielmehr  immer 
nod)  eine  berrnl)utt)ifa>  gefmnte  Sefte  in  (^orlifc  gewefen  ift. 
$>aö  Sdjreibeu  ift  am  17.  (September  1777  abgefenbet  worbeu*). 
3)ie  Primarien  bifl  auf  bie  jetjige  3*i*  ptb:  3-  ®.  SHofio 
(geb.  20.  £ft.  1726  ju  Ktdpern,  1760  eubbiafeuud,  1774 
l)iafomi$,  1789  iHrcfyibiafonuä,  1791  Raffer  Primarius  ref. 
1803,  geft.  1805);  IL  SB.  ®.  ^ermann,  (geb.  17.  3»üi  1750 
pt  93if$of6rt>erba,  1785  iSubbiafcnuö,  1789  £)iafonu3,  1791 
$trd)ibiafouuö,  1803  ^riittariu*,  reftgu.  1820,  geft.  1829);  M. 
3©b.  Gf>.  3anfe  (geb.  3.  9Kän  1757  ju  @6rli&,  1789  €ub; 
biafonu*,  1791  £>iafonu$,  1803  #rd>ibiafi>nu$,  1818  (Super- 
intenbent,  1820  ^aftor  »Primarius,  geft.  1834);  Dr.th.  6t).  2ß. 
■SOiößlcr  (geb.  24.  3«».  1784  $u  Xeunftäbt  in  $f)ürtngen,  1820 
JDrbinariuS  an  ber  £reifaltigfeit6fird)e,  1832  £iafenHä,  1834 
$afror  *ßrimartut\  «nb  6uperintenbent,  refign.  1848);  £.  9i. 

Bürger  (geb.  26.  SKärj  1802  *u  3Mu*faM,  feit  1833  6ub< 
biafonu6  tu  ©orlifc,  1835  $5iafouu$,  1847  $lrd>ibiafonud, 
1848  ^aftcr  $rimartud  unb  F.  £uperintenbent). 

Unter  ifyrer  $lmt6ful)rung  finb  für  bafl  fyieftge  ^irdjm* 
mefen  wenig  befonbere  (£reignift'e  ju  melben,  eö  müpte  beim 
feit  bem  3.  1848  bie  Stiftung  einer  £lt*£utberanergemcinbe 
fein.  5>te  (£infuf)rung  ber  neuen  Äira>enorbnung  gefajal)  unter 
bem  gegenwärtigen  £errn  ^rimarin^  Bürger.  -  i 


©ritte«  Kapitel. 

3>ie  alte  ed)ule  in  ©6rlifr.   ©efcf?id)te  beö  <*h>mna< 

fiumö  feit  1565**). 

Ü)er  Urfprung  ber  aörlifcer  <sd)u(e  ift  bunfel,  gleicfjwic 
ber  beö  tfird)emr>efen$.   %>oü)  barf  nicht  bezweifelt  werben,  baß 


•)  «bgfbrucft  im  g&tt  ^egtreift-r  1838.  $,  114,  146,  162. 
•*)  Da*  Gymnasium  Aupustum '  tu  ©örlifc.   Subelfdjr.  v.  (S^riff. 
tfmiutbe.    ©örlifc  1765.  105.  <S.  4.   «8aum«üer,  fRtUox,  <&«tmn(.  ttx 


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451 


mit  Stallenbung  ber  .Undum  auch  eine  3  d>ulc  errietet  würbe. 
Der  fatl)clifd)e  ©ottedbienft  fonnte  nicht  würbig  begangen  wer- 
ten ohne  Jtnabeu,  treidle  bie  lateinifd>en  ©efdnge  anßtmmten 
unter  Kettung  eineä  Sacriftef  ö.  2)amit  folche  Jltnber  l)eran? 
gebilbet  würben,  war  eine  <Sd>iüc  ndtfn'g 

CDicfe  innereu  ®rünbe  bered)tigen  üollfommen  \n  beut 
Schinne?  bQp  minbejteuö  (fnbe  beä  12.  ober  $nfaug  be$  13. 
,\ahrhuiiDerte  fa)on  in  OHnlm  eine  folche  (Schule,  bezeichnender 
gefagt,  ?lbrichtung$anjialt  für  bie  hicMia>cn  Zeremonien  K-üan 
ben  l)abe. 

Dajj  ber  Unterricht  noch  im  14.  3ahrh«nbert  bad  Vin- 
lernen  lateinifcr/er  <&efänge,  baä  VI  Ma  ren  beä  %\ata  Softer, 
vi vc  sAVaria  unb  ßrebo,  r)ochftend  einige  ftufangdgriinbe  im 
schreiben  nicht  wirb  überfchritten  haben ,  fann  au«  ber  Vinci 
fcnnung  gefchloffen  »erben,  welche  ein  ^ebenebefdjreibcr  itaifer 
fcubwig  beä  Söaier'ä  ben  «ffenntiiitten  biefe*  dürften  ui  Ihnl 
werben  läßt*).  Icv  unbefanute  Editor  fjebi  bort  heroor  rat; 
gubwig  getauft,  conftrmirt,  *»ou  allen  beut  d>rtftlid)en  stauben 
zugehörigen  (Eaframenten  jtetmrmß  gehabt,  ÜReben  hätte  halten 
fönneu,  ba$  (Etymbolum,  ^ater  Softer  unb  &oe  9J?aria  gewußt 
habe.  §ugt  man  hier  noch  etwas  GJefang Unterricht  (umu,  fo 
roirb  man  i>ollftänbig  ben  fcehrumfang  ber  alten  görlifcer 
(Schule  haben. 

Später  gegen  (£nbe  be£  14.  3ahr^utlDer^  ma3  &er  Ito- 
terricht  etwaä  beffer  geworben  fein,  nachbem  baä  baufcner  (Sol* 
legiatfitift  errid)tet  war. 

5)och  würbe  ba  auch  nidjtä  vorgetragen ,  ald  irgenb  ein 
(sdjulbud)**)  einet*  Drbenä  unb  bie  lateinifche  ©rammattf  be$ 


bei  ®eleaenfyeit  ber  3ubelfeirr  1765  erschienenen  ©Triften,  ©orl.  1765. 
4.  123.  ©.  paginirt,  mehrere  nicftl  Vaginirt.  Calendarium  Seholasücuni 
barinnen  bad,  n>ae  bet?  beut  @nmnafto  vafftret,  \v  finben,  anfaejeiebnet 
»on  Gfyr.  Gabriel  ftuncfe.  dl>ronif  nnter  ben  ©djulfollegen.  '<a;d)lie§t 
mit  bem  Xobe  ©rofter's,  Mspt.  »ibl.  b.  Cberl.  ©ef.  ber  3B.  ffi.  Lus.  III. 
334.  Clin  &u*jug  barau*  unter  bem  Titel:  Syllabus  Docentium  in 
(ivnmasio  Gorlicensi,  Mspt.  be$  *?rtjulfoUrgen  Siotfye  bid  $nm  3.  1756. 
Cberl.  0IH.  Lus.  III.  123.   $ie  Programme  beö  dtypinaftum*. 

•)  Vita  Ludovici  quarti  impeiatori.s,  p.  460.  (Boehmer,  fontes 
rer.  Germ  I.  4843). 

*•)  .ftnantfoe:  #on  benen  Scfyulbndjern,  welche  in  benen  obertau* 
ft$ifd)en  Spulen  vox  ber  «Reformation  Sutten  gebraust  «orten,  ©ort. 
1759. 

29* 

r 

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452 


Alexander  Gallus  unb  vielleid)t  nod)  ber  Donat.  Da  bie 
VchrbiHl)cr  uur  ge|d)riebeu ,  unb  eben  reöljalb  fetyr  foftfpielig 
waren,  »erben  fdjwerlid)  viel  $üd)er  »erlauben  gewefen  fein. 
Die  (SrrtdjtHitg  ber  itlofterfdjnle*)  l)at  ftd)erlid)  anregenb  auf 
t»en  Scholasticus,  Scfyulmeiftei:,  Canlor,  wie  bie  Stabtbüdjer 
ben  2efyrer  ber  Stabtfd>ule  nennen,  gewirft.  Später,  (£nbe 
beä  15.  Safyrfyunbert'ä,  fommt  bcr  $lu$brutf:  Keclor  schöbe 
vor.  Die  grndjte  bee  UnterridjtS  werben  freilief)  bei  ben  9Be* 
nigften  grof*  gewefen  [ein,  weil  g.  33.  bie  lateinifdje  (Sprache 
von  vornherein  lateinifd),  alfo  otyne  bem  ßeruenbeu  ein  33e- 
wußtfein  beä  @elel)rteu  $u  verfdjaffen,  vorgetragen  würbe. 

2Bie  wenig  «ftütber  glichen  au  Sorgfamfeit  unb  £ern-(£ifer 
oem  naa)maligeu  berühmten  Xrogeborftue!  Deben  t>er  ($ram- 
matif  würben  fogenannte:  Modi  signilicandi  i.  e.  SBörterbüdjer, 
total  gebraut.  9Jud)  Debcn  Ijielt  man  in  ben  Sdjulen.  3n 
ber  ^oefte  war  im  Allgemeinen  übiid):  Sulpitius:  über  bie 
Duantität  ber  Svlbeu;  beim  3al)re  1463  wirb  ein  Martin 
«^ein^in  von  ifurfau  erwähnt,  welker  für  bie  görlifcer  Scbulc 
ein  N$rofobicbud)  abfaßte.  Junt  llnterrtcbt  in  ber  Sogif  benutze 
mau  Petrus  llispanus  über  bie  Dialeftif,  erflärte  Üju  aber 
fyödjft  läd>erlid)  uub  wie  «£>affe**)  faßt,  „fonberbar  bunfel 
unb  unverftänblid) ! u  \>>on  Oer  ban^ner  Schule  weiß  man, 
baß  ßato'ä  ^Dtfrtc^a  bort  in  ber  Sittenlehre  erflärt  würben. 
sJMit  ber  Deligionälefyre  war  e3  biö  &ur  Deformation  fefyr 
fd)led)t  bcitclit,  ba  bie  $3ibel  nicfyt  gelefen  werben  burfte. 
3)Jan  lernte  bort  nur  4)vmnen  unb  Sequenzen,  fwdjjitcne  bie 
Ifvangelien  au£  ber  mlgata  ober  lateinifdjen  von  v4iapftd 
wegen  gematteten  ^Jibelüberfe^ung.  ©efangunteridjt  war  jeren 
faüd  baä  33eftc  vom  ganzen  Scfyulwefen,  weil  fortwäfyrenb 
ber  ©ottcSbienft  bie  Unterftüjjnug  beö  SdjulmeiftcrS  uub  ber 
Sd)üler  in  Anfprud)  nafyiu.  3m  15.  3afyrf)unbert  wirb  audj 
ber  Sdjreibefuuft  in  ber  Sdmle  gebadjt. 

Soviel  von  bem  Untcrrid)te  bie*  auf  bie  Deformation  unt> 
bie  $um  3a^re  1530,  in  welchem  bie  Stabtfctyule  mit  SflelanaV 
rfyon'ä  Datbc  reftaurirt  würbe. 

9(3  Sdjulmeifter  fommen  vor  in  ben  Stabtbüdjeru: 
1378—1404.  M.  ^eterj  M.  üöaltljafar,  reftgnirt  1420;  Johann 


*)  ecite  353. 

*)  3n  «tum  Mspt:  Uefrer  Die  ^riejhrunfeit. 


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453 


(9cijhitetfter  1428;  M.  Thomas  2angbam5  1428;  Vnbread 
^fibner  auä  Dürnberg,  1439;  M.  Wartin  ^>üfetier  1448*); 
M.  Siaftmttltbtt*;  M.  .ftieronvmuc*  6tottlinq;  *ßeier  (Sfdjenloer, 
feit  1455  3tot<tr  in  $re*lan;  M.  3ob.  Sranenburg  1462, 
(1469  Stabrfcbreiber,  1478  $ürgermeiftev,  fkrb  5.  getaut 
1491);  M.  Johann  ffiefenftata  1465;  M.  3ob.  6d)iebel,  wg 
1471  ab;  M.  3Narfu*  Düring  £efretär  be*  9ff$of*  Dicrrtd) 
v.  beißen;  ^etrn*  genial*  1473;  M.  Job.  Martini  1477; 
M.  %ktx\i$  6d)orrmaim,  \o<\  1498  ab;  M.  (Bigmmtb,  Lwg 
1502  ab;  M.  S&olfgang  £d)tnt>ler  von  (Ellenbogen,  1502; 
M.  9J?artin  von  s3ttihveica;  Dr.  3oj>ener  von  gtriegau,  ftarb 
1508;  M.  Wartin  £ein(je  1509;  M.  XhomaS  Spieä  von  3Beit>a 
1513;  M.  8d)inbler  (fubito;  M.  Hnbreatf  *$übner;  M.  2lnorca$ 
Büttner  au*  @)örli$;  Dr.  $ran$  «ftenberger;  M.  $Bolfaang 
£oefe  von  Ole^er,  1520,  reftgnirte  1522;  M.  2(lerant>er  feufr 
ptnian,  von  welchem  Safenttn  Xrojenrorf,  neben  rem  Unter- 
richte,  welcher  il)m  in  rer  Älofterfcbule  \n  Xbeil  würbe,  litt- 
teroetfuitgen  empfing;  ftf.  Knton  $<m(tu6  von  $reälau  1523; 
Valentin  ©Iber. 

Manche  von  riefen  Lehrern  fiwb  gleichzeitig  unb  fyier  nur 
in  ber  yReifye  genannt,  in  welcher  jte  bie  erfte  (Stelle  inne  hat; 
ten.  Xenn  mit  ber  feit  beut  15.  3cibrbunberte  wachfenceu 
Sdjülcnabl,  mußte  aud>  bie  3aM  per  l'ebrer  vermehrt  werben, 
weld>c  urfprünglid)  beim  ^aroebuö  freien  lifd)  befamen  unt> 
für  ein  (Meringed  l>ic  Webenbienfte  in  Den  ftintycn  atö  CHtkf* 
ner,  Drganifien,  (5afriftane  :c.  verrt  ritten  matten.  6eit  bem 
(fnoe  be$  16.  3abrb.  fdjeineu  t>nr<t)fd>ntttltd>  mit  rem  *Reftor 
(Magister)  fecl)(S  Vebrer  (bacealaurei)  gemeinfam  gewirft  au 
baben. 

3m  3.  1530  wuroe  tiefe  6d)iile  reftanrirt  im  Reifte  ber 
Deformation  unb  3fleland)tbon'$;  fie  gewann  bac*  Wnfeben  einer 
lateinifcben  gdjule  uno  fam  batjer  immer  mebr  in  Aufnahme. 
$ctru6  Rittet  war  ber  erfte  9Wtor  ber  neu  begrünbeten  2ln- 
ftalt,  weldte  bitrd)  M.  ßljriftepb  ttajtud,  einen  8trajjburaer 
(feit  1537)  febr  gehoben  warb.  Gr  überreichte  in  biefem  %ai)xc 
bem  SKathe  eine  Wbbaublung  über  bie  anjuwenbenbe  slHiba- 
gogif  (ratio  Hoctrinao  et  diseiplinae  seholastieae).  £11$  £a- 
p«4  im  3-  1540  Pfarrer  in  flrnftan  würbe,  erfegte  tyn  M. 


*)  oben,  @.  239. 


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I 


454 


Üüenu*,  ber  fdwn  vor  M.  £ajtu$  rer  <Sdnde  vorgeitanoen 
hatte,  auf  ben  9iatb  Valentin  Xrojenborftf.  Xrojenborf  er^ 
fannte  in  Ütlcnud  einen  Roheren  ©eruf  *um  ©d)ul*  alt  $xt* 
n^f  Vinitc.  1544  wart»  M.  (9corg  Dttomann  <Scbulreftor,  ging 
1547  nadj  &tp$ig,  fefyrte  aber,  wäfjrenb  Joachim  Bochmann 
and  OKuim  eine  $cit  lang  feine  Stelle  inne  gehabt  hatte, 
wieber  in  bietf  Wim  jurürf,  Hitb  verwaltete  e$  bis  $um  3ai>re 
1560  mit  <Segen. 

3m  3-  1560  wart»  er  in  ben  Watb  gelegen,  nnb  war 
fedjömal  93ürgermeifter  biä  31t  feinem  Xooe,  Den  24.  9?ovem- 
ber  1590. 

M.  (sebaftian  *Hööfer  aufl  3ßunftebel,  war  ber  lefcte  9tef- 
tor  ber  alten  £dwle  unb  führte  biefelbe  1565  in  oaä  Softer  ein. 

Die  6tabtfd>ule*)  hatte  *uerft  ihren  $fa(  in  bem  fo^c- 
nannten  iRentfjaufe  bei  ber  ^eteröfirdje.  3m  3-  1 544  warb  i>ic 
<Sd)ule  von  bort  verlegt  in  ba£  neugebaute  J^aud  (jeftt  a.  t>. 
sl*etentfird)e  309),  weSljalb  tiefet  J^autf  ben  Hainen:  neue 
<£dmle  befam,  wäbrenb  batf  9tcntl)au$  ben  Hainen:  alte  <Scbulf 
lange  -Jet!  nod)  beibehielt. 

3ur  ($titric^tuitq  Oed  neuen  @)Mnnaitum$  im  jtlofter  waren 
große  Vorbereitungen  nötrjig.  mußte  ^unäcr)ft  bie  Säfu- 
iaiifation  beä  Atlofterä  bewirft  werben,  bereu  fdwn  oben**) 
gebadet  ift. 

3m  3uli  1563  fanote  ber  Demant  3<>hann  Seifentritt  jwei 
Männer:  Urban  SMban  uub  OTelc^tor  Sßiebemann  $ur  lieber  * 
gäbe  be$  Jtlofter$  an  bie  (Etabt.  $)a$  vom  9cotar  Stellge 
SBieoeinann  barüber  aufgenommene  ^rotofolf  ift  gebrueft***) 
vorbanben.  SofyaM  Veifcntrttt  gab  d.  d.  93ut>ifftn  12.  3uli 
1563  feine  ©enefyntigung  unb  ber  äatfer  feine  Konfirmation 
burd)  folgenoen  93rief: 

„2ötr  Jerbinanb  von  ©otteä  ©naben  k.  befennen  äffend 
lid)  mit  biefem  ©riefe  unb  ttmn  funb  allermänniglidi,  baß 


•)  Weben  biefet  StabtfdjnU  bejlanben  vielfad}  SBinfelanjialten.  1541 
Viebigten  bie  Pfarrer  a,ea,en  bie  Ijeimlidjen  <8d)ulen.  <5ö  >var  bamalö  eine 
foldje  bei  bem  Caecal  aureufl  $8ramf|e,  bei  4porfener  unb  bem  (Wöcfner  <u 
umerer  lieben  ftranen.  9lud)  werben  genannt  de  S0infelle$ret:  «Pacta- 
laureu«  ©regor  Ifgel,  Dr.  »egulus  unb  ein  geimffer  Hermann  $aulu*. 
aWemeriolbud?  be*  gurlifrer  SRathfl  cf.  @örl.  Sßeato.  1838.  ©.  620. 
••)  360. 

•••)  Änauttye  Gymnasium  etc.  a.  a.  £>.  6.  2J. 


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_455 

Uit*  Die  (Srfamen,  Unferc  lieben  getreuen,  N.  ©ürgermeifter 
BtttO  Diatbmänuer  Unfern  £tat)t  @örli&,  in  Untertljänigfeit  \n 
evfeune«  aeben,  wie,  Da|j  bei  tynen  in  Der  £taDt  ein  alt  ge- 
bauteä  Jtlofter,  Darinnen  etwa  eine  s43rüDcrfd^aft  6t.  granetöei; 
£)rbeud  geweft,  vorbanDen  wäre,  welcfyeä  aber  nunmefjro  vor; 
langft,  auö  Langel  geiftlidjer  ^erfoneu  unD  aller  anDeren 
notrjweuDigen  Uiuerl)altuug,  unb  Derfelbige  ©otteäbienft  aud) 
mit  allen  anDeren  Zeremonien  unD  ®ebräud)en  von  vielen 
3«r)ren  tjer  gän$lid>  abfommen,  unD  fyätte  aud)  gemelDet  Silo* 
fter  an  Der  Sadjung  unD  aitberen  (*JebauDen  (wofern'fie  nid)t 
mit  jäbrlidjer  DaneidjHitg  Die  ^erfebung  getl)aii),  merflidjen 
6d)aDeu  erleiDen  unD  enDlid)  eingerjeu  muffen.  UnD  Diemeil 
Denuod)  in  gemelDten  fllofter  nur  eine  einige  ^erfon,  Urban 
*ißeijibad)  genannt,  im  Seien,  weldjer  eineä  verlebten  Wterö 
unD  etliche  viel  3at)r  bei  unD  }u  Derfelbeu  Sebetage  von  Der 
otaDt  mit  jäljrUdjer  ^reviftou  verfebeu  unD  unterbaltcu,  Des- 
wegen fie  Un£  in  lluterttyäuigfcit  augclauget  unD  gebeten,  Daji 
sH$ir  berül)rt  $arfüßer4Uofier  i()tten  au  einer  ^artifular*8d)u; 
len  §u  lluterweifuug  Der  3ugeuD  unD  (Sraiebuug  gefdjirfter 
l'eute,  fammt  einem  fleinen  Da$u  gehörigen  s-ffialDlein*),  aud) 
Der  Jlird)en-3ier  unb  iWejigewanD  unD  anDern  autf  ÜmaDen 
allergnaDigit  $u  vergönnen,  unD  ju  bewilligen  gerieten,  Dafr 
sMv  Demuad)  augefel)eu,  fold)  il)re  Demütige  aicmlidje  Sitte, 
aud)  Die  angenehmen  getreuen  X teufte,  fo  fte  unb  il)rc  Sor* 
fabreu  Und  unD  Unfern  Sorfaljven  Den  Königen  *u  Söfyeim, 
beftenö  il)re$  Senriogend  in  Untertrjänigfeit  geleiftct  unD  be* 
wiefen  iirtD  binfüro  nid)t  weniger  }u  ttatt  fid)  uittertl)ciitt^lict> 
erbieten,  aud)  wol)l  tl)Hii  mögen  unD  follen:  aud)  in  Setrad)* 
tung,  weil  geinelDtcr  DrDen^SruDer  freiwillig  bebad)t  werben, 
Dafl  obberübrte  Älofter  fammt  Dem  ^älDleiu,  mit  3"^ff"»ß 
Deö  ebrwürDigeu  £errn  3ol>anu  geifentrittd,  (Seuioriö  unD 
£ed)aut$  ju  Ötibifttn,  Ded  $ifd)oftr)um$  ju  Whi$cn  General; 
dommiffarii  unD  alt  De*  £rDiuarii  abzutreten  unb  einjuräU' 
men,  vermöge  De$  rjicvüber  verfertigten  3nftrumenten  unD  ermelD- 
teu  Ded)ant$  Darauf  erfolgten  Konfirmation,  welche  fte  unä  ort- 
ginaliter  vorbradjt  unD  Darum  mit  wor)lbeDad)tem  9)Jutbe, 
guten  3tatb  unD  recr/tem  Riffen  ©emelDten  von  ©orlij  gnä- 
biglid)  gegönuet,  erlaubet,  augelaffcn  unD  bewilliget:  gönnen, 


•)  £er  Salb  von  gidjtciiberjj,  f.  oben  3.  34ö. 


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456 


erlauben,  julaffen  unb  bewilligen  tynen  nun  auc^  Sentit  von 
böfymifdjer  Wadjt  ^Wlfcmmeitbeit,  wiffentlid),  in  tfraft  t»iefed 
S3rtefeö,  l>ap  fie  berührt  BarfütJer-itlofter  *u  s<Hufrta)tung  einet 
^arrifular^djule  einnehmen  unb  gufammt  bem  3Bälblein  unr> 
jtirdjen^r  "ü&en  follcn  unt>  mögen,  t>on  mänmglid)  unge 
fnnfcert,  bod)  Un*  unb  Unfer  Jtrcn  Bommen,  unb  fcnfl  man* 

niglid)  an  feinen  jHed)ten  unvorgriffen ,  getreulid) 

unb  ofme  gkfdfyfte.  mt  llrfunb  biefeö  Briefe  wfiegelt  mit 
Unferm  faiferlid)  anbangenbem  Stiegel.  @efd)ebeu  in  Unferer 
€tabt  Söien,  ben  5.  Xag  beä  SWwtaW  gebruarii,  nad)  Gbriftt 
Unferö  lieben  j&crrn  unb  (Eeligmadjer*  (ftebHrt  im  1564.  Un< 
ferer  *Retd}e  be*  römifcf)cn  im  34.  unb  ber  anbern  aller  im 
38.  3ar,re." 

9la$bem  no*  einige  3n>eifel,  inöbefonbere  wegen  bet 
£irfd)bergfd)en  4>eringaftiftungen*)  befeitigt  werben  waren, 
erfd)ienen  oie  betwllmädrtigten  faiferlid>en  emmtffarien :  2anb- 
veigt  ©ruf  3oad)im  v.  fertlirf,  Se^frieb  v.  ^romnifc  auf 
<£orau,  sBill>elm  ».  €d)önaid)  unb  jwei  $fönd)e  aue  Sagan, 
unb  übergaben  am  24.  3ult  1564  bem  9tatl>c  ba*  Jtlofter  alc 
erblid)e*  33eft$tl)um. 

Da  bat?  Softer  fein-  baufällig  war,  muj?te  erft  gebaut 
unb  orbentlidn*  Älaffenjimmer  fyeraeftellt  werben.  3unäaMt 
richtete  man  fünf  ein:  im  früheren  Mefecterium,  im  Balneum, 
im  3immer  an  ber  Ireppe  naa>  bem  9ttarfta((  ju,  in  Der 
Jfranfenftube  unb  Biblwtljef.  eine  Ukranberung  tiefer  3immer 
tfl  vielfach,  je  nad)  bem  Bebürfnifi,  eingetreten,  würbe  und  bier 
aber  ju  weit  führen,  unb  gehört  in  bie  6pejialgefa>id)te  be* 
(*h)mnafiumd,  weld)e  jur  brcibunbertjäbrigen  Jubelfeier  im  3. 
1865  ju  bearbeiten  ift. 

Der  föatb  gab  |td)  wäbrenb  biefer  Bauten  gro£e  9)cübe, 
wftänbige  unb  berühmte  l'efjrer  nad»  ©örlifr  \\\  Rieben. 
3oad)im  (£amerariu$  jit  Seidig  unb  3ol)ann  6turm  <tu  (Stras- 
burg gaben  f>ter  bie  beften  fKatbfdjläge  unb  empfahlen  bie 
Sfairtytitng  ber  latetnifdjen  6d)Hlc  nad)  melana>tt)onf*em  , 
©ttfreme. 

3oacfrim  GamerariuS  fdjlug  bem  ?)?atbe  \u  föeftoren 
M.  <J3eter  «incen*  unb  M.  Sorenj  gubomeu*,  bitytx  Sßrofefforcn 
in  Wittenberg,  \>or:  fie  gingen  auf  beSfalljtge  Anträge  be* 


•)  <S.  348.  Jtnait^e  a.  a.  D.  <B.  26. 


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457 


ÜKutbeä  ein.  Nebelt  tf>iien  blieb  bei  vorige  öauptlebrer  >T  ©eorg 
SHö^ler,  feiner  ©eorg  ftlorfcbufc  au$  $Bre$lau,  Johann  SÖiberuö 
unb  (Stepban  Jpoblfelb  im  tfef)rerfolle  ginnt. 

ftreitaqä,  ben  22.  3mu  1565,  wart»  bic  <5d>ule  eröffnet. 

Vormittags  tytit  Dei  Primarius  M.  3aud)  Die  orbentlicbe 
JreitagSprcbtgt  über  ben  <SprHd):  (Eirad)  51,  31.  ff.  „sJWad)et 
(Sucb  bcr  Jw  nrir,  tf>r  Unerfahrenen  unb  fommt  ju  mir  in  bie 
<Scbule,  unb  wad  eueb  fehlet ^  bao  fönnt  t f>r  bier  (einen,  benn 
tbr  feib  gewiß  febi  burftig."  9cad)  biefem  ©otteäbienft  verfam* 
mclten  fid>  bie  bisherigen  Alumnen  ber  alten  <5d)Hle  in  if)rem 
©ebäube,  unb  nogen  !>teraitf ,  geleitet  von  tt>ren  l'ebrern,  unter 
bem  ©eläut  aller  ©lorfeu  burd)  bic  *ßetei6gaffc,  ben  ^äringd- 
marft,  bie  SBiitbergaffc,  ben  Dbermarft  in  bie  Strebe  unb  ba(3 
Jtlofter.  Söäbrcnb  be$  3uge$  würbe  i'utber'tf  llcberfefcung  be$ 
66.  '4?fa(m'ä,  febann  ein  lateinifdjer  «öbmnuä:  Coeperit  faustis 
etc.  im  fappbifcben  Verömaape,  angeftimmt.  3iu  iunern  Je  ren^ 
gange  empfingen  ber  *Ratb,  bei  neue  iHeftor  3Mneentiu$,  viele 
©elebrte  aufl  bei  6tab*  mit)  ©lieber  bei  ^ürgerfdjaft  ben  3ug, 
unb  geleiteten  tt>u  in  baö  je*3ige  Sefunba.  £ier  WHrbe  ber 
,!&vmuuä  von  ber  beil.  'Drcicinigfeit,  unb  baöt'Jfomm  ^eiliger 
©eift!  gefunden.  sJRacb  SBeenDigung  bei  lieber  betiat  im  ta- 
rnen be$  *Ratbe$  bei  <8>tmbthiö  M.  Ottomann  bae  Äatbeber 
unb  pioflamiite  in  einer  lateinifdjcn  iRcbe  bie  (Eröffnung  ber 
neuen  Sdmlc,  beren  Leitung  bem  S-Btiicentiu^  übergebenb.  2>ie* 
fer  erwieberte  be$  \5vmfcifu$  5ßorte,  legte  fein  ©laubenäbefcnnt 
ntf  ab  unb  verfprad)  Xreu  unb  gleiß  in  feinem  kirnte  an  ber 
ibm  anvertrauten  3ugeno  ;u  beweifen.  $rimaritt$  3aucr)  f<t)loj? 
bie  Jetei  mit  einem  (lebete,  bic  beilige  Dieieinigfeit  anflel)enb, 
ftc  möge  biefe  Schule  in  fegenSreicbe  Dbbut  nehmen ,  unb  ^et)- 
rer  unb  Serncnbc  in  ibren  mbeiten  reicblicb  fegnen.  (Sin:  „£err 
©ott  bieb  loben  wir",  feterlicf/  untei  iiompeten*  unb  $aufcn> 
Hang  vorgetragen,  beenbete  biefen  erften  €>cbuU2lffu$  be$  gor- 
üfcer  ©vmnaftumfl. 

Wenigen  6d)u(eu  iffc  baä  ©lud  \n  Xi)ei(  geworben,  mit 
fo  vortrefflichen  £ebrern,  inflbefonbere  JÄeftoren,  verforgt  wer- 
ben wie  bem  görlifcer  ©tymnaftum.  2Bemt  eine  <&d>u(e  in  93lütbe 
fommen  foll,  muffen  ^war  alle  &fyrfyräfte  gleidjmäfjig  ftrb  burd}* 
bringen  unb  einauber  in  bie  «£)änbc  arbeiten,  bie$  fanu  aber 
nui  bei  Sali  fein,  wenn  fotlegialifd)ei  ©eift  jundebf*  vom  iRtV 
toi  bei  6cr/ulc  eingefübit  wirb. 

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US 


M.  *l$eini$  $*ineenttu*  (geb.  tu  t*re*tau  Den  I.SRai  I.V20) 
war  ein  feld)er  3Rann,  unD  mit  einem  reiben  Öeifie  im 
Sinne  Ter  Otiten  begabt.  (*r  richtete  qicid>  vom  Anfange  an 
bie  Sdmle  in  einer  folgen  $Beife  ein,  bap  fic  n<t>  tat)lreid>e 
Bonner  im  3't'  unb  9udlanbe  erwarb.  vl*incentiu0  veröffent; 
Itd>te  im  j.  IÖ66  feine  pa^^oi)hd?^n  ®runDfä&e  unD  gab 
Scbutgefe$e  im  Allgemeinen  felgenren  3nr)alte: 

1)  Sollen  bie  Scholaren  in  äir&e  huD  Sefyule  fleißig  Die 
Behren  Der  Religion  erlernen  unb  in  ungefyeudxlter  ©et' 
tedfurdu  Durd)  bie  Xljat  betreffen. 

2)  jefcer  feil  fta>,  fo  oft  e$  Dae  eigene  ®ewijKn  erbeifdjt, 
De6  beil.  &benDmabl£  betreuen. 

3)  flüed  (afterbafte  £eben  in  <ä£Bort  nnb  £t)at  ifi  bei  Strafe 
be$  ÄanerS  ober  Der  Delegation,  je  nad)  iBeri)äUnip  unD 
Sllter  verboten. 

4)  3eDer  fyat  ftd)  gegen  Ottern  unD  £ebrer  vertrauensvoll, 
gebot  (am,  befebeiben  nnb  Danfbar  ut  erweifen. 

5)  Sittfamfeit,  (frfyrerbietung  unD  C5(>rbarfcit  ift  jebem  Staube 
41t  sollen. 

6)  Xic  ftumelDung  \m  Sd?ule  geflieht  beim  ?)Mtor,  unb 
bie  Aufnahme  r>urct>  £auDfä)lag,  mit  welü)em  ^ngleicb 
(^eborfam  Den  Sebulgefe^en  verbeißen  wirb. 

7)  3roift  nnD  Xfyätliajfetten  Der  Saunier  unter  einaiiDer  ttuD 
verboten. 

8)  tfbenfo  aller  £ärm  unb  Xumult  außerhalb  Dee  JÜofterä. 

9)  Tie  Sd)olaren  tollen  jtrt):  fdjamfyaft,  feHfd),  mapig  im 
Weben,  0)et)en,  Umgang,  bei  allen  {>auDlungen  benehmen. 

10)  3eber  foll  ftd)  Der  firengjren  Satjrbaftigfeit  befleißigen. 

1 1)  Xie  Sct)üler  follen  mit  einanber  nur  lateinifa)  (in  Den  oberen 
JUaffen)  reben,  aua)  auf  Der  ^nberen,  Sleip  unD  Sitten 
Sldit  haben.  3)ic  £ef)rer  werben  jweimal  wodfentlid)  3"* 
fammenfunfte  galten,  um  Sinnigen  entgegenzunehmen  nnb 
Die  Strafbaren  naa)  $ert)äUniß  mit  Aufgabe  lateiuifdjer 
(5)ebäd)tntfiübungen  belegen. 

12)  fcieberliay  .&ernmftreid)er  werben  nid>t  gelitten. 

3)ie  (SintretenDen  wuroen  in  ein  Album  scholasticum  ein- 
getragen.   Slbgeljenbe  erhielten  güt>rung^eugniffe. 

Der  Scbulplan  beö  3at)re$  1566  beweift,  bap  meiften* 
latent.  Sa)riftftellcr  getrieben  würben,  ober  wenigfteu*  Den 
£auptrang  einnahmen.   (Sr  weift  naa)  in  ber: 

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iö9 


t.  JUajfe :  Dialeftif,  töbetorif,  «irqil,  qried>ifd)e  Wrammattf, 
O'icero  von  ben  Pflichten,  (Mcero'tf  9teben,  ein  ober  *wci 
$üd>er  von  ferner'*  3Iia$,  eine  Mftct»e  be$  Jfocrate*, 
Prüfung  von  sRcfaitd)$0ltt  S  cfjriften,  grieebifche  State 
Äefe.  ein  (foangelium,  Stilübungen,  Hritbmetif,  Sphäre, 
Wuftf;  in  ber 

2.  JHaffe:  tftmnologie,  Seren},  (Heere'*  «Briefe,  Sirgtl'* 
^>irtcn^^icl>te  mit  befonberer  ^euicfftdjtigung  ber  $ro; 
jobie,  ÄVoral*  unb  Stilnbuugen  mit  bererften  klaffe;  in  ber 

3.  klaffe:  (Stpmologie,  Cicero*  f Innere  ©riefe,  Sittenlehre, 
DidUcrfprüche,  befonbere  Nieral-  unb  Stilübung;  in  bei 

4.  Jtlaffe:  (Stvmolocjie,  flefop'3  gabeln,  Hebung  in  $tffd)rei» 
bungen  mit  »Stil  bec3  gemeinen  £eben6,  i>?oralfprüd)c, 
fatecbetifdje  Hebungen,  (Stil;  in  ber 

5.  JHaffe:  Tie  tfapitei  betf  tfatecbtömutf  in  beutfd/er  Sprache, 
¥cfeübungen,  Scbreibübunqen  nur  ^Orthographie. 
Sonntag  v>cr  ber  ^reM\jt  fameit  bie  Schüler  in  ber 

Scfnile  \\i  einem  gemeinfamen  ^Äorqenqebete  jufammen  unb 
gingen  bann  mit  ben  Vehrern  in  bie  Jtirche,  Wachmittags  aber 
würben  gemeiufame  qeiftlicfce  tfrbauunqflftuubeu  abgehalten, 
an  ben  vier  hoben  geften  öffentliche  ttebeafte. 

tiefer  Vebrplan  tft  im  (Hangen  in  bem  elften  3al)rt}nn 
bert  ber  görli&er  Schule,  mit  wenigen  bie  Vebrgegenftänbe  vep 
mebrenben  Slbänberungen,  beibehalten  woroeu,  and)  al$  eine  ' 
6.  JHaffe  hin^ufam.-  SRaffmilian  II  genehmigte  auf  per- 
fonlicf/eu  Antrag  befl  föeftorcj,  ber  görltyer  Schule,  am  24.  $fog. 
1567,  jährlich  oveihunbert  Sdwcf  vom  $iergelbe.  Die  9tad>* 
folger  tfaifer  Warimilian'ö  f>aben  ftetd  biefe  Summe  geneh- 
migt unb  ift  felbige  aua)  in  furfächfifcljer  3eit  bewilligt  gewefen. 

Hin  Rebell  würbe  im  3.  lf>67  angeftellt;  er  hatte  bie 
Sertaner  im  £efen  unb  Schreiben  \\i  unterrichten;  1566  war 
ein  $ücherlabcn  an  bie  M\ra)c  gebaut  werben,  $om  Jahre 
1569  fdjreibt  ftd)  bie  (*inrid)tung  beä  Käuten*  auf  bem  sJWöna)ö* 
thurme,  um  ben  Sdjülern  bie  Annäherung  ber  Schulzeit  }U 
melben.  Tte  dauern  um  ben  vorberen  ßlofterhof  nebft 
ber  ehemaligen  Rebell wohnung  (im  3.  1848  abgebrochen)  liep 
ber  iRath  im  3-  1567  bauen,  aua)  bie  Statuen  be*  Jtaffet 
sJOcarimilian  II.  unb  feiner  trüber,  ber  (fr^her^öge  gerbinanb 
unb  Äarl  würben. bamalö  auf  baö  jefct  a,leid)falle  abgebrochene 
Älofterthor  gefteüt.    Die  Sa)ule  war  m  forrwährenbem  3wä 


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460 


nehmen  unter  Den  folgenDen  Gefroren:  M.  3oad)im  ^elfter 
(geb.  *u  (Hörlifc  I.  Sot).  1532,  feit  Dem  3-  1581  Gefror,  re= 
ftgnirte  1584,  ftarb  Den  10.  $ebr.  1587  $u  Bremen);  Lau- 
rentius £uDovicu8  (geb.  9.  $lug.  1536  ju  €iebeneid)en  bei 
$öwenberg,  ftreunD  uuD  Anhänger  9)?eland)thoir$,  1565  an 
Die  görl.  £d)ule,  1586  töeftor,  geft.  15.  flpril  1594)  unD 
Martin  2Ri)liu0  (geb.  5.  Wo*.  154*2  *u  ®orli$,  1568  (elfter 
College  am  (Hvmiuaftum ,  1594  Weftor,  ftarb  Den  22.  3uli 
161 1).  Alle  Drei  finD  alä  C*5eler>rte  auönehmenb,  Seffern  uuD 
Vettern*  Durd>  ftbfaffung  laujtfter  Wnnalen  berühmt. 

LuDovicutf  tl)eilte  nad)  Xro$enDorf$  Vorgang  Die  (Sd)üler 
für  Die  Hebungen  in  fect>€t  klaffen,  jeDc  in  Drei  $ribu&  Die 
etfte  Tribut  begriff  Die  alteren  uuD  geübteren,  Die  Dritte  Die 
neueingetreteneu  unD  Darum  ungeübteren,  Die  zweite  Die  mitt- 
leren <5d)üler.  Die  Üribuö  hatten  ihre  (Furien,  unD  Diefe 
wieDer  ihre  Decurieu,  Deren  3eDer  ein  £d)üler  al$  Äuffeher 
(decurio)  vorftanb.  Die  gan;e  (Ed)ule  war  aufierDem  in 
(Gruppen  von  je  bunDert  ((Sentnrien)  getheilt;  jeDe  wählte  au$ 
ftd)  jwei  Äan&fDaten  für  Den  cd>ul-£enat.  Die  Üribuö  jeber 
klaffe  wählten  für  fiel)  einen  Sßrätor  fut  Gelegenheit  unD 
Hebungen;  Die  Decurieu  jwei  Senforen.  Durd)  Diefe  verfdjie- 
Denen  Remter  Der  6d)üler  unter  fidj  wurDe  ein  ^wertmäßiger 
Wetteifer  im  etuDircn  erzeugt. 

Dufi  Vubovkutf  unD  v))tyliu$  befonDerfl  Deä  &n>ptocator 
ntätmtf  befcrjulDigt  würben,  ift  fd)ou  erwähnt*). 

2ÖährenD  Der  s^eft  Deö  jähret  1584/85  blieb  Die  €dwle 
vom  3.  September  bi$  pim  10.  ftebruar  22  3Sod)en  gefchlof- 
fen.  Unter  sJtöriliu$,  im  3-  1600  fam  Der  (nun  feit  Öinfüh* 
rung  Der  itird)cnorbnung  von  1848  aufgehobene)  Gratia)  Der 
fpäter  mobiftjirten  LctdKmbeglettung  burd)  odniler  gegen  ©elD- 
Remuneration  auf.  Der  frühere  löürgermeifter  .£>an$  ©liecf) 
t>.  sJ!)?ilti$  lief  fid>  von  Den  fämmtlidjeii  £d)ülem  Deö  @h>m* 
najiumö  \\i  @rabe  geleiten. 

Dr.  «fiaöpar  Dornaviufl,  (geb.  $u  3&xtö),  15.  3an.  1568), 
Nachfolger  Detf  $fyliu6,  blieb  nur  bitf  jum  3.  1615**)  Dieftoi 


•)  oben  £.  429-431. 

*•)  Slu«  einer  @ina.abe  erfiefjt  man,  bafc  jn  feiner  3eü  burrfjfdjmit; 
lid)  »tertetiäfyrlirf)  öon  Cremten  2  Xl)lr.,  von  (*inf)einü|d)en  I  Xfylr.  ©ctjitl- 
gelb  <ie$af)lt  n?arb.  fSi  wirb  ein  Unterfdjieb  gemad)t  $nM|"djen :  JÄedjner, 
<£d>reiber,  «efer.  et  Calenrt.  Scholast.  Görlic.  sub  a/l613. 


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» 


unb  ging  an  mehrere  fürftlidje  ^>ofe.-  (£r  unD  feiu  Wacfjfolger 
M.  (sliaö  (£üd>ler  (geb.  1567  §m  ©djöuberg,  feit  1593  Öuur* 
lud  am  Gtymnaftum,  4.  ftuquft  1615  ÜKcftcr,  ge|*t.  10.  2tug. 
1632)  hatten  Den  ©a)iner},  Die  ©d)ule  febr  in  Beifall  $u  fe* 
bcii;  nid)t,  uh'U  jie  itjrefl  Vi m reo  unvoürDig  geroefen  mären, 
jn  Diefer  Segieljuug  fiuD  feine  £tnfdmlDigungen  gegen  fte 
vor  Im  ii  riii;  vielmehr  lag  Die  sl*ermiuberuug  Der  ©djule  tl)eil$ 
in  Der  %k\t  von  1613  unD  Den  fpatern  «ttriegöunruben ,  ttyeilä 
in  Der  1611  erfolgten  Begrünbuug  betf  l%mnaftumd  |m  ©o* 
bieälavo  Durd)  Den  Surften  v.  üfofeuberg  in  $3öf)men.  ©eit 
Diefer  $tit  voanDten  ftd)  Die  meifteu  fdjleüfdjen,  bdr>mifci;eti  unD 
polnifa>en  SlDeligen  nacb  jener  neuen  ^flanjftätte  Der  Riffen* 
fdjaften,  mitist  mit  großen  ©tipenbien  unD  ©etyenfungen  Do- 
rnt war.  (£ö  trat  ein  längerer  ©djlufi  Der  ©djule  vom 
22.  ©ept.  1632  bi$  in  Den  $tai  1633  ein;  unD  faHm  war 
Dad  Stymnajuim  unter  einem  M.  3ol).  JJuDovicuä  voieDer  er* 
öffnet,  alö  Diefer  Wann  an  Der  %kjt  jlarb,  unD  bie  fortwar^ 
renben  JCriegärjäubel  einen  fortgefefcten  Uuterridjt  rnbinberteu. 
Die  ©crjulftunben  Nörten  fomit  abermals  auf  uuD  fouuten  erft 
im  3-  1637  roieDer  regelmäßig  eröffnet  roerDen. 

$er  8.  SKeftor  war  M.  Waxtin  Weiler,  ®o$n  befl  mefyr* 
facb  erwärmten  Primarius  gleiten  sJcamenc*.  Woller  (geb.  ,$u 
©protrau  13.  Wai  1594),  würbe  am  23.  Wai  1633  Meftor 
unD  verfaf)  Dieö  2lmt,  unterftityt  von  M.  DaviD  $<ecr;ner  al$ 
9ceben'*Jteftot,  biä  jum  3al)re  1649.  93ei  Der  £ulDigung  beö 
Jturfürfren  von  ©ad)fen  im  3.  1637  überreichte  Woller  jtvei 
lateinifebe  ©eDidjte,  Durd)  roelcbe  Der  Äurfürft  ju  mehreren 

(AJunftbejeugungcn  gegen  Die  ©ebule  bewogen  roarD. 

> 

M.  Woller  erlebte  Die  greube,  ba#  in  golge  ber  Belagerung 
von  1641  immer  uoa)  färglid)  Daftebenoe  dfymnajium  wieber 
aufblül)en  *u  fel)en,  niebt  lange.  (£r  l?ielt  im  X  1646  baö 
feit  1618  unterbliebene  ©regoriuöfeft  ba*  erftemal  wieber  ab 
unb  ftarb  im  3-  1649. 

©ein  gleidjjeitiger  ©tellvertrcter  M.  Davit*  3kd)ner  (geb. 
|U  greiftabt  13.  Wäq  1594,  1636:  2.  Ketof)  füljrte  nun 
Daö  Ämt,  als  trefflidjer  ©djulmanu  in  Der  alten  SBeiff,  bei 
roactyfenbem  3"l*™me  von  ©djolaren  fort.  Weben  Den  ttrfot* 
gen  feiner  praftifdjen  $elel)rfamfeit  verbeffertc  er  aua)  Die  etwa* 
gefuufene  ©d)ulDiö}iptin.   Sie  ©tuubeu  mupten  pünftlia)  an- 


4 

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462 

 t 


fangen*);  bafyer  mürbe  ba*  abgefommeue  grüf)  häuten  vom 
JUoftertburme,  nact)Dem  bte  (scrjulglocfe  umgegoffen  war,  unb 
$war  eine  l>albc  £tunbe  vor  ber  Schulzeit,  wieber  eiugerid)tet, 
nnb  Die  (Schüler  genötigt,  balb  nad)  bem  (Beklage  ^um  hie- 
bet im  Areu^anqc  $u  erfebeinen.  SRach  biefer  gemeinsamen 
$lnbad}t  fuetyten  bie  £cholaren  ihre  klaffen.  Öbgleid)  M.  Ved^ 
ner  fd)oit  feit  rem  3a^re  1649  ^tafonwe  an  ber  *ßeterdfird)e 
geworben  war,  fährte  er  bod)  baä  SReftoramt  neben  ber  geift* 
ltd>en  Veamtung  mit  (fifer  fort,  felbft  noch  1662,  feit  eintritt 
beä  'JMmartatö.  $>ie  Saft  beö  Älterd  bewog  ibu  im  3al)re 
1666  ba$  (Scfyulamt  aufzugeben,  tu  beffen  verftänbiger  güh* 
rung  er  fid)  ben  Tanten  ciueä  großen  £d)u(mann3  erworben 
hatte.   M.  Vedjner  jtavb  am  15.  Februar  1669. 

Vechner'ä  Nachfolger  im  Neftorate,  ber  wegen  großer  ©e* 
lehrfamfeit  feiner  $eit  bochberühmte  M.  (thriftian  guuefe  (geb. 
24.  Sept.  1626  $u  greiberg)  war  faum  beu  19.  November 
1666  eingeführt  worbeti,  alö  er  ben  bieder  feit  Vincenriuä 
beibehaltenen  tfehrplan  wesentlich  veränberte.  (Sine  ^Durchficht 
bejfelben  jeigt  eine  Vervielfältigung  ber  $ebrgegenftänbe  unb 
bie  gänjfidje  Verwerfung  ber  l>alb  -  fd)otaftifct>en  ü()emata  be$ 
Vineentiuä  uub  feiner  Nachfolger.  M.  gunefe  bringt  auah^ 
tifcr?e  Sogif  (au  8teÜe  ber  Dialeftif),  ein  Sehrbuch  ber  $Ro* 
ral*,  Stechtet  unb  9Jaturpbilofopf)ie,  ®efcbichte,  ©eometrie,  praf* 
tifer/eä  Rechnen  (waö  bie  ba(;iu  gänjlid)  gefehlt  ju  haDei1 
fcheiut)  alö  neue  Uuterrid)tegegenfiänbe.  (£r  vervielfältigte  bie 
Seftüre  ber  römifdjen  uub  griedjifcheu  Tutoren  in  allen  klaffen 
unb  richtete  eine  fechte  unb  fiebentc  «ft'lajfe  alä  Vorbereitung 
ein**).  $ie  ^Imputationen  würben  beibehalten,  griechifd)c 
Stilübuugen  hinzugefügt.  30conatlid)  ließ  er  mehrmals  befla 
miren.  Vor  bem  (Eintritt  ber  gerien  jebeS  Vierteljahre^  warb 
ein  öffentlicher  9febeaftu#  begangen.  Wtt  bem  3.  1666  be- 
gann er  bie  9(nbad>t0ftunbe  (exercilium  pielatis)  mit  ben 
übrigen  Scholaren  ber  unteren  iUaffen,   juuächft  in  bem 


•)  ffnnrfe,  a.  o.  C.  »1.  29. 
'••)  Kuf  ben  ®Hnfd>  ber  Shtraerfdjaft ,  toeldje  für  i&re  äinbrr  tov 
\u$iwti\~t  im  beurfd)  8efen  unb  treibe«,  fowi*  im  Hennen  Unterridjt 
haben  wollte,  »urbe  im  3-  1608  9ltranber  itegel  bei  biefer  £crta  ange* 
fteUt;  bie  fiebente  klaffe,  roclctye  beim  ftnfange  J2  arme  Jfinber  jaulte,  er- 
hielt iljren  Unterricht  in  bemfelben  3immer.  $iefe  (finridjtung  beraub 
bt*  jum  3a^rr  1740. 


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i63 


Jpörfaale  t>ev  |iecttfti#  fpäter  aber  in  ber  3d)ulftube  ber 
4.  klaffe.  Die  tfoüegen  hielten  biefe  Stunbc  abwed)felnb.  — 
3m  3-  1670  melDete  ber  ?Keftor  bem  Wache,  baß  bie  ¥anb? 
geittlid>en  best  (%mnajtaften  bae  *l$rebigcu  gematteten,  u  oburd) 
Se$tcrc  übermüthig  unb  ftoh  würben.  Der  ^alt)  erlieg  fonad) 
ein  Defret,  weld)eö  biefcö  Unwefen  ben  iu  ftabtifd^er  ©eric^td- 
barfeit  beftnblid)en  Pfarrern  unterfagte. 

3u  Sunde' e»  fyit  war  e$  93raud>,  ba(j  auf  ben  t>6t>ern 
Stuten  bura)  Sdjülcr  bramatifa)e  (Stüde  aufgeführt  würben*). 
iSx  feierte  am  27.  2lpril  J667  ben  (ifregcriuöaftW  mit  gro- 
ßem ©lan^e;  etf  würbe  öffentlich  btöputirt,  beflamirt  unb  baä 
erfle  bramatifdje  6türf  von  Schülern  vorgetragen. 

Die  neue  Sdjulorbnung  vom  3-  1688  gab  ber  <Sd)ule 
einen  allgemeineren  (Fljarafter,  iubem  man  batf  Selb  ber  2Bif^ 
fenfdjaften  erweiterte  unb  bie  llnterrid)t$gegeuftänbe  mel)r  bem 
prafrtfcr?eii  £eben  anfd)tniegte. 

3n  ben  lefcten  3abren  be$  Hefter  Sunde  nahm  ber  8d>ul 
befud)  etwaö  ab,  eineötheilä  wegen  ber  großen  Jeueröbrunft 
von  1691,  weldje  einen  bebeutenben  Ujeil  ber  bieftgen  @in= 
wohner  au  ben  9$ertelftab  brad)te,  fo  bajj  fte  an  ben  Sdjo* 
laren,  nicht  mehr  wie  früher,  3Bohlthatigfeit  üben  fonnten, 
anberntrjeilä  wegen  be$  boäbaft  aufgesprengten  @Jerüd)te$: 
baä  görlifcer  ©vmuafium  fei  unter  Leitung  frömmelnder  unb 
pietiftifcher  Lehrer.  Vnt  25.  Sbtguft  1693  30g  bei  Vanbeö* 
hauptmanu  wegen  letzterer  Behauptung  Wadn*icbten  vom  Wathe 
ein,  weld>er  in  einem  Berichte,  d.  d.  23.  3anuar  1694,  ben 
Meftor  volljtänbig  von  tiefen  2lnfd)ult>igungen  ju  befreien 
wußte. 

Die  auffällige  Vlbnabiue  ber  ©polaren  bewog  ben  Watt) 
im  3.  1692  einen  Schultag  abzuhalten.  Da  äußerte  man, 
bie  Urfacheu  wären  theilö  muerlidje,  thei(:>  äu|jerlict)e.  (£ö 
fdjeine  gar  fein  gleit?  mehr  bei  ben  Schülern  vorhanben,  auch 
fein  ffieg,  jte  in  (Sutern  ober  Böfem  $u  beffern,  auöftubig 
gemacht  werben  }H  tonnen.  Sie  blieben  wod)enlang  auö  ben 
oberen  fowoljl  alö  unteren  klaffen  weg,  unb  trieben  jtcb,  ohne  et* 
waä  $a  thun,  in  Bierhäufern  unb  anberen  £)rten  ber  2tu$fa)wei* 
fung  herum,  ba  weber  bie  (Altern,  noer)  bie  fonfHgen  ^auewirthe 
ber  Sdmler  mit  (Energie  auf  Orbnung  r>ieken.   Ueberbieö  fei 


♦)  U<bcr  fddje  Stüde  vgl.  Qftrf.  B«f».  1834.  (5.  696.  1837  6. 166. 


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464 


Die  $afyi  texer,  welaje  im  Jtlofrer  unter  Sfufficf^t  bed  Oteftor'S 
ivor)nteuf  feJ>r  gering,  mib  Daher  Durd)  Dort  gurge$ogeue  Schola- 
ren fein  Einfluß  auf  Die  Schlechteren  außerhalb  aueutüben. 
Xa  nach  Dem  $ranDe  von  1691  Dad  £äutege(D  vom  !)iathc 
verweigert  warD,  fam  Dad  geiftlicbe  Winifterium  um  fofortige 
3at)(ung  Deffelben  wieDer  ein,  inDem  Durch  Deren  Verweigerung 
Die  Sa^ullehrer  beDeutenDen  Abbruch  an  ihrem  (iinfommen 
hätten,  Den  fte  nia>t  $u  erfeften  wüjjten. 

Hefter  M.  gunrfc  verfajieb  Den  19.  3uli  1693  in  einem 
Hlter  von  69  3«t)ren. 

$öie  Die  früheren  fteftoreu  sDccifter  unD  Sötyliu*  fta>  um 
Die  laujiftifche  ©efcrjidjte  verDient  gemacht  fyatten,  gefdjaf)  Die* 
aua>  von  gunrfc'ö  }(*ad)folger,  M.  Samuel  ©rojfer.  Gr  mar 
geboren  Den  18.  gebruar  1666  *u  Wmvtfd)  im  gürftenttjume 
£>el$  unD  rourDe  1695  au*  Dem  jHefkuate  jh  ^Ulenburg  naa> 
©orlift  berufen.  Siegen  feiner  ©eleljrfamfeit  fudjte  man 
ihn  für  mehrere  Uuiverfitäten  &u  gewinnen;  er  lehnte  aber  alle 
Anträge  ab.  3m  3-  1712  ernannte  il>n  Die  berliner  ÄfaDemie 
Der  3BijKufd)aften  ju  tyrem  sJDiitglieDe.  Seine  Schriften  finben 
fta)  bei  Änautfye  unD  im  gaufifter  Sdmftftellcrlericon  auäfütjr* 
lid>  verzeichnet.  Dort  finD  überhaupt  Die  fdjriftfteUerifdjen  (£r* 
aeugniffe  aller  göt  lifter  iReftoren  genau  notirt.  Gr  fiarb  am 
24.  3»mi  1736  in  einem  JÄlrcr  von  72  3-  4  3M.  2  unD 
feine*  Sdjulamted  im  45.  3al)ve. 

©roffer  war  ein  höcbjr  verftänDiger  s$äDagog,  welker 
ftetd  bemüht  war,  feineu  3öa,lma,flt  Durch  VerbinDung  Detf  9tüft- 
lidjen  mit  Dem  Ängenefjmen  Den  Unterricht  anijehenD  unD  fef- 
felnD  511  machen.  Ü)en  20.  3uli  ging  ber  Oleftor  mit  Dem 
aanjeit  (£oetuc3  fcholajrkuö,  Den  Lehrern  unD  Deren  gamilie 
Sunt  erftenmale  jum  t).  Stbenbmatjle,  unD  ift  Diefe  (Einrichtung 
bis  auf  Die  neuefte  3^1  geblieben,  mit  Der  SHobiftfatiou,  Daf 
feit  Den  leftten  3ahrjehnteu  nicht  mehr  viermal  jährlich,  fonbern 
nur  zweimal  junt  £ifcr/e  Deä  $exxn  gegangen  wirD.  S)ie 
Schule  wud)$  unter  ihm  von  Beuern  unD  würbe  reichlich  mit 
Stiftungen  unb  StivenDien  begabt.  S)er  Otath  Vfrbcfferte  bie 
SefolDungen  Der  ^er>ver.  Daä  9leformation$fefx  wurDe  am 
31.  Oft.  1717,  Da*  aweiljuubertjährige  (Srinnerungöfejt  Der 
auaäburgifdjen  Äonfeffton  am  25.  3«nt  unb  folgenDe  Sage 
1730  00m  ©vmnaftum  gefeiert.   3m  3.  1726  befam  Da* 


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465 


©vmnafuim  bie  miiWty  Sibliothef,  über  welche  9<%re* 
im  $tnr;ange. 

Sfo  ©roffer'S  Stelle  trat  ein  Slbfömmling  *J3Ef>.  Striata^ 
thon'*,  M.  griebvich  (SfrifHaii  ©aumrifier  (neb.  17.  3uli  1709 
ju  ©rotjförncrn  bei  ©otha);  er  übernahm  ben  5.  3um  1736 
fein  Amt,  unb  befleibete  e$  tum  2öor)Ie  ber  £djule  neun  uub 
»ierjia  %atyt  3m  3.  1780  feierte  er  fein  Sofrorjubüdum 
unb  ftarb  ben  8.  Cftober  1785. 

M.  Baumeiftcr  hielt  tmf  CDt^tvitn  f  wußte  fid>  aber  bic 
Siebe  ber  ©cfyitler  burd)  freunblichen  (Srnft  unb  innige  Zfytii* 
nähme  an  ihrem  5Bor)(e  jtt  feffeln,  ohne  l)äufig  ^u  Strafen 
feine  ^ufiudu  nehmen  ju  muffen.  (5r  liebte  befonberä  bie  9Jcc* 
thobe,  uhmui6  ftdj  bie  Z  cftüler  gegenfeitig  belehren  unb  ge- 
wönnen lernen,  Selbftfritif  ui  üben,  alfo  felbft|tänbiger  baju* 
fte^en.  (£in  wöchentlich  jufamntentretenber  Sehrerfoiwcnt  über* 
wachte  bie  6chulbi$uplin.  Ccffentliche  ftebeübungcn  würben 
r)duftg,  aud>  an  fyiftorifd}  merfwürbigei;  lagen  begangen.  So 
am  3.  £>fc.  1741  baä  erfie  GrinnerungSfeft  an  bie  aHfger)o* 
bene  Belagerung  ber  Stabr  von  1641,  am  31.  3anuar  1746 
ein  3)anffef1  wegen  bed  breäbner  griebenä,  am  30.  £)ft.  unb 
2.  November  1755  eine  ©ebdctjtuißfeier  an  ben  9tdigion$frie* 
ben  \n  Augsburg.  2>ef  (tebenjährige  itrieg,  namentlich  bad 
3a^r  1757  wirftc  fehr  nachtheilig  auf  bic  Schule,  inbem  bie 
oberen  Staffen  am  29.  Stuguft  1757  ju  einem  preufjifchcn  Sa* 
jaretr;  hergegeben  »erben  mupten. 

2lm  3^  Dezember  1757  würbe  ein  $ri*at*£anfaftu0  ge^ 
halten,  ebenfo  am  21.  Ȋrj  1768  ein  griebeitfaftuS.  S)ad 
jweihunbertjährige  3ubelfeft  beä  ©»mnaftumö  würbe  am  25. 
uub  26.  3uni  1765  ^öd)ft  feierlid)  begangen  unb  eine  große 
Wenge  Schriften*)  oei  biefer  ®elegenl)eu  ebirt.  5lud)  bie 
ßnauthefet/e  ©efehicr/te  ttftyten  bamatö. 

3u  befonberen  Einrichtungen  be$  'Jieftor  ©aumeifter  tfl 
•  eine,  jwcimal  wöchentlich  Bonner  jtagä  unb  SonuabenbS,  abge* 
haltene  ©tngftunbe  (Collegium  musicum)  feit  1743  unb  bie 


•)  3m  ©eüfr  be<  Stabtratb,  .Kühler  Jfterfelbjl  ifi  ein  ftarfer  ©anb, 
in  toeldjem  aKe  Subelföriften  bei  <&tU$ent)tit  biefer  geier  jufammejtges 
bunben  jinb. 

äJefd)td>te  van  «eili*  30 


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*  4GG 


Segrünbung  ber  Hrmenbtbliotrjef*)  1751  \n  bemerfen.  Seine 
äal)lreid)en  Schriften  ftnb  im  Dtto'fd)en  €d)riftfteUer-  £erifw 
uerjeicfcnet. 

SCn  feine  ©teile  fam  3o^  Sriebr.  9?eumann  (geb.  8.  Sept. 
1737  $u  ,£>eiber$borf),  ein  3ögliug  *>cö  Vorigen.  3m  3. 
1767  war  er  erfter  ©djulfollege,  1769  (Eonreftor  unb  1785 
9faftor.  @r  jkrb  am  23.  November  1802  nid)*  miuber  w 
bient  unb  betrauert  wie  fein  Vorgänger**).  ©owobl  unier 
i l)iu  alö  feinem  9fa(fcf  olger  M.  i>bn\t\ au  V(iu)uft  8djwar*e 
(geb.  23.  Dft.  1755  *u  @ro$enr)aiu),  (iomcfior  feit  1785, 
war  ba$  ©tjmnafwm  fefjr  befugt  unb  in  Slufnabme.  Jtaum 
fieben  3afyre  hatte  er  ber  ©djule  vorgeftanben,  alä  ihn  am 
12.  gebruar  1809  ber  $ob  ereilte. 

©eit  ©djwarje'ä  Xobe  hat  ba$  @fymnaftum  mit  bem 
wed)felnbften  ©efdjirf  iut  ber  Oberleitung  bed  geaenwärtig 
nod)  rüjiig  wirfenben  J^erm  föeftor  ^rofepfor  Dr.  thttra  ju 
erfreuen  gehabt.  Unter  ifym  fanb  1817  Der  erjte  Abiturienten* 
Dramen  jtatt. 

Die  traurigen  ^rieg^ja^re  1813  unb  1814  wirften  fo 
jlorehb  auf  beu  Unterricht,  baß  berfelbe  eine  icit  lang  gan$ 
eingeteilt  werben  mHpte.  ©pdter  gewann  ba$  (%mnamnn  in 
fteigenber  *ßrogrefjion ,  bte  ftd)  9)iitte  ber  breißiger  3al)re  bie 
©d^ülerjabl  ber  oberen  klaffen  \n  ttcrminbcrn  anfing.  3)er 
®runb  fjiertn  liegt  jeboef)  allein  in  ber  neueren  3*^$^^ 
wonad)  ftd)  weniger  junge  sJDMnner  ben  Unit>erfttätöfiubieu 
wibmen  alo  früher  unb  erfrretft  fut  auf  alle  (Sfyntnaften.  3Htt 
ber  (Srrid)tung  ber  böfycren  93ürgerfdjule,  im  3-  1837,  trat 
eine  wefcntlidje  Slenberung  ein,  inbem  bie  bid  bafn'n  beftanbene 
fünfte  blatte  einging,  Unterprima  in  ©efunba,  ©efunba  in 
Xertia,  üertia  in  Dnarta  serwanbelt  wurfce.  Die  ©cfniler* 
jafyl  würbe  bebeutenb  fdjwädjer,  weil  nur  biejenigen  Knaben 
auf  bem  ©pmaftum  blieben,  weldje  fid>  ben  ©tubien  wibmen 
wollten,  wäfyrenb  bie  übrigen  \u  ber  rjör/em  53urgerfc^ule  über* 
traten.     ©eit  einigen  3ar>ren  if*  Der  (Soetu*  fdjolafticuS 

• 

•)  M.  @ei§ler,  furje  *Wa<^nd)t  »*n  ber  görltfctfd>eu  «rmenbibliotnef, 
1766.  Dr.  «Rödler,  ^repramm  lum  @er«borf  fd>en  «ftu«  1837.  Sie 
fji  unter  U€  £efeteren  Rettung  bejonber«  burd)  beutfdje  e^rtfrfieUer  »er.- 
ntetyrt  n?  orten. 

••)  JDenffarif*  auf  tyn  »om  »eftor  <£r^»arje  in  ber  91.  S.  Wtonav 

farift.  1802.  II.  H.  387  ff. 


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467  ■ 

wieber  im  Steigen  begriffen  unb  jefct  drea  130  @d}ü(cr  auf 
tiefer  eljrwürbigen  ^flatuftäite  ber  2öijfcnfdjaften. 

ffiäfyrenb  int  erften  3af>rfyunbert  ber  ©cfcule  bur^fänittlicfc 
fieben  Setjrer  an  ber  »njtalt  bcfcfräftigt  waren,  biefe  3«W  ffd> 
aber  je  nadj  bem  8requenj*$erj)ältiufi  in  ben  folgenben  Seittn 
btd  auf  10  fieberte,  ober  tterminberte,  ftnb  gegenwärtig  fedjS 
orbentlidje  Sefjrer  mit  bem  Sieftor  angeftelü,  neben  ilmen  be« 
forgt  mit  ber  fyöfyern  $ürgerfd)ute  gemeinfam  ber  fiäbrt'fdj* 
9ttujifbtreftor  ben  ©efang,  ein  fyitytitiAttytT  ba$  3**$""* 
unb  ein  Sefyrer  ber  työfjern  Xfltyerfdjule  b<n  <5<fyreibunterri<f)t. 

9Rit  ber  Umgeftaltuug  ber  @d>ule  im  3. 1837  Nörten  bie 
früheren  Xitel  eine*  erften,  aweiten,  britten  Jtollegen  auf,  unb 
trat  ber  Xitel:  JDbcrlefcrer  ein,  ben  gegenwartig  alle  orbentli* 
d>en  Selker  fuhren.  Die  Würbe  eine*  Gonreftor*  blieb  aud) 
nad)  ber  Umgeftaltung,  aber  bie  eine*  Subreftor*  erlofd)  mit 
bem  Xobe  be*  legten  Subreftor*  Sttauermann  im  3.  1838. 

Der  gegenwärtige  Sieftor:  &ar(  ©ottlieb  Otiten,  würbe 
geboren  ben  21.  Januar  1778  ju  Wittenberg,  wofelbft  fein 
&ater  Sßrofejfor  orbfnariu*  an  baftger  Unwerfität  war.  (Sr 
genofi  ben  $rh>arunterrid>t  feine*  gelehrten  Söater*  bi*  )um 
ilbganae  auf  bie  Untoerfttät  unb  würbe  im  3.  1799  Wagifter 
ber  freien  fünfte  unb  Doftor  ber  *pi)üofop&ie,  1800  Magister 
legeos  in  Wittenberg,  aud)  SBaccalaureu*  ber  Xfyeologie, 
1802  Witglieb  ber  lateinifaen  ©efellföaft  ju  3<na,  18U3 
(Jonreftor  unb  Se^rer  ber  3Ratf>ematif  §u  ©örli$,  1804  WU- 
alieb  ber  oberlauft &i!*en  Oefeüföaft  ber  Wijfenfdjaften,  1809 
sMtox.  ©eine  jal)lreicr)en  Programme  jtnb  bi*  sum  3a^re 
1820  in  6d>u(je'S  (Supplement  jum  oberlaiifi^ifct)en  (Sdjrift* 
fteller^ericon  »erjeic^net.  Der  17.  Kpril  unb  17.  JDft.  1849, 
fowie  ber  30.  Sanuar  unb  11.  gebruar  1850  waren  für  it)n 
50jäl)rige  3ubeltage,  welche  er  febod)  nur  im  füllen  gamiliett* 
freife  beging.  *m  17.  «pril  1799  beftanb  er  nämlty  in 
Dredben  bie  Prüfung  al*  tfanbtbat  be*  $rebigtamt$,  am  17. 
Cftober  1799  promomrte  er  *u  Wittenberg,  am  30.  3atiuar 
1800  warb  er  Magister  legens  unb  am  21.  gebruar  1800 
Slbjunfr  ber  plnlofopf>.  gafultät.  Die  Unberfität  £alle*Wit* 
-  tenberg  überragte  i^n  am  17.  Dft.  1849  bur*  Uebetfenbung 
be*  <5!)renbiplomS ,  ba*  $ro*in*ial>©c^follegium  am  14.  San. 
1850  burd>  Ueberfenbung  eine*  Seglücfwüaföunga<©djreiben$ 

30* 


468 


imb  Se.  5Waj.  ber  Jtönig,  weldjer  il>n  fdjon  früher  mit  Um 
*ßrofeffortitel  beehrt  hatte,  in  ncuejter  ^eit  burd)  Verleihung 
fe$  rotten  9(bleroibeuä  4.  Jtlaffe.  Wöge  ber  fyod)t>erei>nc 
9Jtann  nod)  lange  fegenöreid)  wirfeu. 


Vierte«  «mittel. 

Der  Oefang  in  ©brlifc  t>on  ber  älteften  bttf  auf  bie 
neuefte  $tit.   ©orlifcer  ©efangbü* er*). 

Der  ©efang  hat  fowcl)l  in  älterer  al$  neuerer  3eit  eine 
fo  widrige  9toÜc  gefpielt,  bap  eine  3ufammenftellung  über  baö 
Öefangwefen  nia)t  überflüfftg  erfechten  bürfte. 

Da  über  9Solf6lieber  unb  *Bolf«gefänge  ntytä  »orhanben 
ift,  fanu  als  ber  äfteftc  ftefang  nur  ber  tfirdjengefang  ange* 
nommen  werben.  Da  nun  bie  fatholifd)e  Äirc^e  bei  ber  gülle 
ü;rer  (£eremomen  ohne  (Stefano,  nid)t  beftehen  fonute,  wirb  aud)  in 
Wrlifc  ber  ©efang  fo  alt  wie  bie  Einführung  bc$  ($l)riften* 
tyjtmö,  bie  Segnmbiuig  ber  älteften  &trd>e,  bie  (Sntftefyung  ber 
fatholifd)en  jßarocfyte  fein.  Der  Jlirdjengefang  war  in  ber 
Dberlaufu)  ftd)erlid>  nia)t  t>erfd)iebeu  \>on  bem  tfirdjengefange, 
wie  ihn  baä  fatholifcfye  ©efenntnig  in  ber  ganjen  Sßelt  übte;. 
eS  fönntc  bafjer  einfach  auf  biefen  »erwtefen  werben.  Dod) 
'wollen  wir,  um  unfern  liefern  einen  beffern  begriff  ju  geben, 
über  biefe  ®efang  Zeremoniell"  ber  fatlwlifdjen  itircfye  auf  bad 
©ebiet  ber  Kr$u$en  Sllterthum^wiffe'nfd>aft  übergehenb,  hier 
@inige$  beibringen. 

(SS  ftnb  ju  betrauten:  bie  Sänger,  bie  (Stefang^eit,  ber 
©efangäort,  bie  ©efangd*3ßeifen,  bie  ©efangbüdjer. 

Die  Sänger  founten  fein:  tfyeitt  Drbenä^erfoncn,  tfyeilö 
*Priefter,  theild  nid)tgeweil)te  *ßerfoueu. 

Der  (Mefang  ber  £)rbene**jkrfonen  betraf  meiftcuo  bie 
canonifdjen  ©tunbeu,  weldje  bei  ben  granjiäfanennöndjen  an< 
geführt  fiub**). 


")  Äuautbe:  @ffd}td}t*mdf;tge  9tad)rid)t  von  bentu  ©ffängm,  <5*e- 
fangdjeüen  unb  Ctrtern,  toic  auä)  von  ben  fiieber  -Diestern  bei  ben  9to 
mifdV'£aH>olifd)en  alö   ßvangelifd)  8utljerif<h«n.    Mspta.  I.  Historico- 
Ecclesiastica,  f?ier  arüftcntyeil*  im  9tud$uqe  »iebrrgcgfben. 
•*)  <S.  obfn  <S.  344. 


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Die  $riejter  Rotten  t>erfd)iebenemal  &u  ftnaen,  namentlid) 
bei  Neffen  (wenn  fic  befonberd  fcterltd>  fein  fouten),  bei  $RtU 
ten  unb  UJeepern. 

Die  ntcf>t  geweiften  tfirdjenfänger  waren  ber  cangmei* 
fter  (cantor),  r>on  bem  bie  §dntler  Unterweifung  im  ©efange 
empfingen.  3n  ©örlifc  war  t>erfetbc  jugletd>  ©d)ulmeifta •, 
bid  bie  SctyulauftaU  fc  audgebefmt  war,  baj?  ein  (Sin^elner 
ntdjt  mefyr  bie  9fmt6verrtd}tungen  allein  beforgen  tonnte.  Die-- 
fer  gall  trat  (£nbe  bed  t4.  3afyrhunbert$  ein.  3m  3.  1390 
ftiftete  ^anfl  #o  II  manu,  Bürger  $u  ©örlifc,  in  ber  <St.  *ße- 
ter6fira)c  eine  tag(id)e  v3)?effe,  burdj  ben  (Santor  unb  Drei  Scfyü- 
ler,  ewig  au  fingen.  2lu$  biefer  Stiftung  geht  fyeroor,  baß 
fa)on  ein  Kantor  eingelegt  war.  Der  (^efang  in  ber  fatfyoli; 
fdjen  Äircbe  hatte  feto*  befttmmte  3eit.  ©efungenc  Reffen 
fanben  gewöhnlich  SWorgen*  neun  Ufjr  ftatt.  Die  3eit  ber 
canenifdjeu  €tnnben  ift  eben  erläutert,  flufkrbem  gab  e6  noch 
Stiftungen  ber  fogenannten  fteben  ©e^eiten  vom  Reiben  3efu 
(Shrifri.  3n  ©örlifc  würbe  eine  berartige  €tiftHng  am  19.  Hug. 
1465  bura)  Sodann  $ereitf)  von  3uterbogf,  alten  6tabtfa)rei^ 
ber,  errietet,  unb  von  Dietrid),  SBifchof  ju  9Xeipeu,  am  26. 
SÄfaj  1466*)  bejtatigt.  (Sinec  »Jtafnon**  ©eftift*  ber  3ung 
frau  «Maria  wirb  in  ©örlifr  nicht  gebaut.  Slnbere  ©efdnge 
waren:  bie  tenebrac.  greitagev  früh  um  9  Mr>r ;  bad  Salve 
iKbenb*.  slWan  läutete  babei  ein  ©lörflein,  weldjeä  6al»e* 
©loefe  genannt  warb.  Die  3eit  führte  ben  tarnen:  Salve* 
3eit,  ober:  „um  Salre."  Die  SBigüien  würben  fowofjl  ben  £ag 


*)  SBeibe  ©riefe  im  oberl.  Urfunbenverjeid)ni§.  9taf}ere  SBefhm-' 
mungen  utib  Slermefyrungrn  be*  ßJefhfttf  f.  Actor.  (1432,  üb.  p.  77. 
p.  78.  p.  79.  p.  80.  p.  79  b.  lib.  Hesig.  II.  136  b.  (£er  (Srlöö  eine« 
£aufe*  in  beT  Äreb*gaffe);  ben  24.  3nni  1468:  «ine  9$>iofe  auf  ben  @u- 
tern  ju  &una,  t$tma\€  ber  Ägne«  Sungeffagerinne  gehörig:  Actor. 
(4 \3&).  lib.  p.  86.  86b.  p.  89.  p.  91b.  p.  93.  p.  95.  p.  96.  p.  96b. 
p.  98.  p.  99.  p.  100b.;  3in*fauf  beö  görlt^cr  9tatt)ea  vom  8.  SJiat  1476, 
(Urfunbenverj.);  Actor.  (1432)  lib.  p.  10t.  p.  107b.  p.  108b.  p.  U3b. 
p.  114b.  p.  118b.  p.  130.  p.  130b.  p.  131b.  p.  134b. ;  «Ibrefy  V. 
€djreiber*borf  3in6fauf  »om  20.  3uni  t495,  Original-Urrnnbe  im  Sbeflfc 
be*  §raltfratfy  Stbhitt  in  t&.  Unter  bem  Warnen  be*  „neuen  <*Jeftift<$" 
tm'rb  baffelbe  erfeaqnt  im  ttrfuubenverjeidjnif  am  6.  *Ro»ember  1498.  (5* 
finb  an  ben  citirten  8teUen  nicht  blo*  (Sdjcnrtinaen ,  fonbern  namentlich 
3  in  6  ö  £rfäu  fe  erwähnt.  (Sie  getf&ren  aber  auefe  hierher,  »eil  folcfie  eine 
Heberet  über  ben  3Jermögen*§ufianb  biefer  retdjen  Stiftung  geben. 


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470 


vor  ben  geften,  ai&  aua>  für  bic  Xobten*)  gefungen.  Da£ 
Rorate  coeli  de  super  etc.  war  in  ber  8bvent6$eit  frühmor- 
gens gebräudjlidv    Die  ftnftern  Wetten  fangen  bie  ^Jriefter 
.  bei  XageSaubrud). 

©efang*£)erter  waren  meiftcnö  bic  itird)en  unb  itapeUen, 
ober  bei  *ßrojefjtonen  bie  <5traßen.  3n  ©örlifc  fangen  bie 
©dntler  vor  ben  Xfjureit  ^mnen  von  ber  $tit  (hymnos  de 
tempore),  nm  SÄlmofen  $u  fammeln**). 

5}ei  ben  Steffen  ftanben  bie  Finger  vor  bem  Altäre. 
Die  <Priefter,  welaje  bie  £oren  fangen,  befanben  fia)  an  bem 
*ßlafc  &wif(t)en  $lltar  unb  tfirdjenfdjiff,  bad  (£r>er  aenannt,  tn 
Stützen,  bafjer  Gt)orgeftür;l  (in  stallis).  Die  Won$e  hatten 
ä  Imitate  *piä$e,  welche  nod)  fjeute  in  ber  Dreifalrigfeitaftrcfce 
$u  fet)en  ftnb.  Die  nirfu  geweiften  <Sänger  ftanben  bama(6, 
roie  je$t,  auf  bem  ©inge*(£f)or,  einer  (Smporfircr)e.  Dort  wa* 
ren  bie  cantores,  praecentores,  succentores  unb  bie  <5cr)üler, 
(£r)orfd)üler  (choral^s).  flutt)  bie  8rüberfa)aften  begingen 
bort  ir)re  VluMdn;  bie  ÖJefangbüdjer  lagen  vor  tbnen  auf  bc 
reitftefyenben  pulten  (pulpitum!.  Wan  nannte  ba$:  „$ci  bem 
2kd>e  ftefjen." 

Die  ©efangSweifen  waren  in  ben  bifd)bflia)  meißmfa>en 
Wiffalcn  (Weßbüdjern)  aufgefdjrieben  unb  burd)  $oten  ffariri. 
gür  jeben  geiertag  waren  bie  betreffcnben  ©efänge  anbeut 
net  unb  mußte  überaß  vorfdjriftGmäßig  vorgetragen  werben. 
Der  (Santor  leitete  bie  ©efänge. 

Daß  aud)  befonberä  fünftlidjer  ©efang  beliebt  würbe, 
ftefjr*  man  au$  bem  Swtftt  bed  *Pfarrerd  mit  bem  fJcatfje***). 

©efangbüd)er  aud  bcr  fatfyolifdjen  3t\t  ftnb  in  ©örlifl 
nia)t  mefyr  vorr»anben,  vielmehr  alle  beim  Skanbe  ber  ^eterS- 
fira)e  von  1691  $u  ©runbe  geaangen. 

Die  fJteformationöperiobe  braute  eine  große  SBeränberung 
in  ©egug  auf  bte  Wenge  ber  ®efänae,  aber  feineäwegä,  wie 
man  glauben  follte,  aud)  fofortiae  «Äecnbigung  be*  ©efangrt 
in  lateinifajer  £praa)e.  Wtt  ^bfajaffung  ber  fatr>oltfc^en  de* 
remonieu  in  ©örltfc  burrfj  Pfarrer  «Rotbort  im  3. 1525,  mußte 
autt)  ein  groß  übeil  ©efang  weisen.    Da«  Salve  regina 


••)  g.  286.  297. 

*•)  Jpoffe,  Xtactat  uon  ben  $ricftfritnfen. 
•"•)  6.  243.  u.  244. 


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471 


hörte  in  Görltfc  1525,  Der  $afjton*gcfang  be$  SBereü^  fcfcen 
«cfttftö  in  ber  6t.  ®eorgenfapelfe  1526  auf,  ber  (ateimfc^e 
©«fang  im  iafyxc  1691  nad)  bem  SBranbe,  wegen  beä  ($t)or- 
büdjer-SBerlufteS.  53eim  ttbcnbmaM  würben  bie  (Sinfejungö- 
worte  gleid)faüö  lange  nad)  ber  ^Reformation  lateintfd)  gefun* 
gen  unb  bem  Pfarrer  Rotbart  1525  ber  9krfud),  beutfer)  jn  , 
fingen,  unterfagt.  £er  faiferlidje  SBefehl  im  3.  1528,  in  ben 
Jtircfcengebräucben  ^Ucd  wie  früher  $u  (äffen  #  r>erfd)ärfte  bie6 
©ebot  be$  föathed  nodj.  9m  1.  <Rkih»aa)t$feiertage  1542 
erlaubte  ber  JHatf),  bie  (*iufe$ungdworte  beutfd)  $n  fingen,  je* 
bod)  nur  unter  ber  93ebingung,  ba£  ber  £)rganift  wäljrenb  beä 
Gefange*  fpielen  muffe.  3o^aiut  Hrnolb,  ber  augleid)  Saft** 
fyerr  war,  würbe,  weil  er  am  3?eujat)rdtage  1543  bie  (Sin* 
fefcungäworte  ohne  £>rgelbegleüung  beutfd}  gefungen  ^atte,  beä- 
halb  au$  bem  föatfje  geftefjeu.  9<ad)  M.  $afjr6  lobe  ging 
jebod)  baä  Crgelfpiel  bei  biefer  Gelegenheit  ein. 

(£in  ^anplgruub,  neben  ben  ftrengcu  föniglidjen  Geboten, 
nidjte  in  ben  Gefanabüdjeru  ju  dnbem,  war  ber  SRanad  an 
bentfdjen  Siebern.  Xie  lieber  ^urr>er'd  waren  nid)t  jahlreid) 
genug  unb  aud)  nur  im  ^rivatgebraucfye;  unb  fpäler  trug  baä 
Gefdjrei  wegen  beä .  ÄniptocalvintemuS  siel  ^itr  93ewaf)rung 
M  lateimfdjen  Oefanged  bei.  £>ie  6tabt  wäre  be$  Jtrtypto* 
uii in  in  6  in  iic  für  überführt  gehalten  werben,  wenn  man  beutfehe 
(Defänge  eingeführt  bätte.  $)a$  Verbot,  nidjtö  an  ben  Jtit* 
d>engebiäudfen  \\\  änbern,  wnrbe  beim  (Eintritte  bco  furfäd)ftfd)en 
^Regiments  wieberholt. 

9tad)  bem  93ranbc  ber  $cieidfifd)c  würben,  wie  fd)on 
angegeben,  beutfdje  Gefänge  eingeführt.  DieS  gefdjaf)  baä 
erficmal  bei  (Einweihung  ber  reftaurirten  JtiraV,  im  3-  1696. 
^Reiften*  waren  bie  bentfdjeu  lieber  al$  Anhang  »on  Gebet* 
büdjern  uorhanben.  M.  Saud)  führte  nad)  bem  SReligionSfrte* 
ben  &u  2lugdburg  (1555)  aUmälig  mehr  beütfaje  Gelange  ein, 
ttnb  brauste  namentlid)  bei  ben  von  ihm  eröffneten  biblifdjen 
Seftionen  beutfdje  Sieber.  SBom  Ha\)xt  1566  an  würben  in 
ben  Xürfenprebigten  t>on  3^tt  ju  &\t  beutfdje  Sieber  gefungen. 
Seit  1573  famen  in  Görlifc  aud)  Äird)enmuftfen  mit  3ttftru- 
mentalbegleituug  auf;  würben  jebod)  im  Anfange  nur  fpärlid) 
angewendet.  3nt  17.  3ahrhun^^  würben  bie  gebrutften  Ge- 
fangbüdjer  bräua)lid)er,  auch  aab  e$  oiel  fliegenbe  Sieber,  auf 
einzelnen  Sogen.    3n  ©drlift  jetchnete  ftd)  ber  Primarius 


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I 


472 


M.  Wtaxtin  Dotter  a($  gctftltd>er  Dieter  au«.  2>ie  crflcn 
beutfd)en  auf  s4]e|t-  unb  iürfengefafyr  bezüglichen  (8)  £ieber 
brudfte  in  ©örlifc  gritfcfje  unb  RffUtttaW. 

3nt  3  1611  erfaßten  aus  töbambaw'ä  treffe  bad  erfie 
®efangbud)  ber  JDberlauitfc  unter  l)cm  Xitel:  „Harmonia  Ec- 
rlesiae  et  Scholao  Goiiicensis,  b.  i.  t£ut|d}e  unb  (ateintfcfye 
©efänge,  bie  nad)  ber  Liturgie  in  Jtircfye  unb  Säule  gefunden 
werben" ,  e$  pnb  vierftimmige  OTcfotieit  mit  -Koten  Dabei.  4>ic 
neue  Sfufhge  vom  3afjre  16J3.  8.,  würbe  ©runDlage  Detf 
grojkn  23reöfauer  ©efangbucrjeS.  DaS  s$ud)  unter  Dem  Xitel  : 
,,®efangbud),  Darinnen  700  geiftlidje  2ieDer,  Jahnen ,  Hymni 
unb  ©efeinge,  welche  burdj'ä  ganje  %al)x  über  in  ber  dmftlt- 
djen  Jtirdje  genügen  werben,  cum  notis  rausicis.ki  1624.  8., 
ift  alä  ©ruublage  ber  [päteren  görlifcer  ©efangbüd)er  an;  im 
fyen  unb  von  (Efyriftopl)  33uc$wälDer,  SoÜegen  Der  blutsauer 
Sdjnle,  ^ufammeugefteUt.  SBudjwälDfr  orDnete  Die  Vierer  in: 
1)  lieber  beä  $ated)ic$mi;  2)  ^falmen  unD  ©efänge  für  aller- 
lei  ftotty  ber  (Sl)riftenr)eit;  3)  borgen  *  nuD  &benbgefäitge : 
4)  Xifd}*©efänge  unD  5)  SBegräbnifjlieDer,  Älage  unD  Xroft^ 
gefänge,  vom  Xobe  unb  Sterben,  #uferfter/ung,  jüngftem  @t- 
ridjt  unb  ewigem  Seben. 

(5in  anDcre*  SieDerbuct)  Drucfte  Der  görlifeer  Drurfer  im 
3.  1663:  „Martini  Jani:  ^farrerö  ju  dcferäDorff  bei  Sagau, 
Passionale  melicum,  D.  i.  ^ueerlefene  S3etrad)tungen  bed  aller- 
fe6mer$lid)ften  £eiDen$  unb  XoDeä  3-  ß-  cum  notis  musfcis. 
©örlie  1663.  12." 

Sin  3afyr  barauf  eiferten:  „$)aS  ©örlijifct/e  (Defangbudj," 
gebrueft  von  3acob  3ipvern.  1664.  8. 

(Mf  3af>r*  (pater  gab  M.  gettcr,  *Prtmariu0,  mit  einer 
Söorrebe,  ein  SBud),  betitelt:  „1>ie  93etr)*,  gevDenä*  unb  Ster^ 
ben3*tfunft,"  12.  fyerauä.  2>er  9cacr)trag  bietet:  „ein  fd)öne$ 
©efangbücf/lein  aud  Den  Schriften  Dr.  9».  £utr)eri,  anberer 
gotte$fürcr)tiger  Geologen  unb  frommer  Banner ftu  (Srwedfung 
frommer  d)riftltct>ev  &nbad)t,  mit  gleiß  in  Diefeä  gormat  ge* 
bradjt  unD  Der  ©et^-,  2er>Den6*  unD  Sterbeuäfunft  angehängt. 
©örlt$  mit  3Wcr'ö  Schriften  1675." 

*tt  M.  sJWcldjior  Sdiäfer  feine  ßatecr)i$mu^($ramina  be* 
gann,  führte  er  in  Der  3>mfaltigfeit*ftrcr;e  $aul  ©erwarb»« 
©efangbud)-  ein,  unb  machte  Da$u  einen  $far;ang  von  6  33ogen. 

3n  biefer  3eit  ber  grömmelei  erfdjien  e$  bem  «Hatr>e  fet>r 


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473 

*  -       ■  — 

bringeub  n ctb\<\ ,  einen  feflen  Anhalt  für  bie  ©emeinbe  in  einem 
guten  ©efangbuebe  \u  haben  unb  betraute  baher  mit  tiefer  Ar - 
'  beit  einen  rant  öligen  $rebigtamt4*,£anbibaren,  3camen6  äWarl 
Ghr.  Garthe  (geft.  ald  Pfarrer  ju  Jtamen),  ben  28,  9iot)br. 
173H.)  9cacbrem  bad  ^ttanuffrivt  ber  leidiger  tt)eelegifchen 
AafuUat  jur  Prüfung  übergeben  werben  war,  erfdjien  bied 
neue  (Sefangbud)  1729.  8.  im  Berlage  beä  gör(t(er  ffiaiftn* 
häufe*,  unter  bem  Xitel:  „ba*  vermehrte  görltfyer  ©efangbud), 
wie  felche*  }u  görberuug  oeä  .$evl$  bei  bem  öffentlichen  @Jot- 
te6btenfte  unb  befenberer  ^audanba^t  gebraucht  werben  fann." 
Der  9$anb  umfaßte  15  Xitel. 

Die  zweite  Auflage  warb  von  (Uottfrieb  ©cbfer,  üßajfor 
;ii  ^eiMig,  (gejt.  gu  ©örlifc  ale*  OrbiuariuS,  27.  9tov.  1764), 
beforgt.    ($r  braute  mehrere  neue  lieber  hinein,  ließ  einige 
veraltete  au$,  unb  gab  ben  Abtbeilungen  bejeicr)nenbere  lieber 
febriften.   Die  britte  Auflage  fam  im  3.  J  753  herauf. 

Die  vierte  Auflage  erfdjicn  1740;  bie  fünfte  (1748)  Ijattc 
frhon  einen  vom  Ard)ibiafonu$  *Rütr>el  verfaßten  Anhang,  wel- 
d>er  hnubert  erlefene  lieber  brachte.  1753  erfolgte  bie  fechfte 
Auflage  u.  f.  f. 

Au$  bem  achtzehnten  3a^hnnberte  ftnb  noch  anbere  in 
©örlifc  gebrudtc  $ieberbücr)er  ;u  merfen: 

„M.  ©ottfrieb  ©evfer'fl  fleine«  ^ambaebifebed  ©efangbuch 
nach  Einrichtung  be*  görlifcer  ©efangbud)*.  ©örlifc."  1742. 
18  $og.  8. 

„3weihunbert  auderlefene,  tf)«l*  alte,  theil*  neue  lieber 
ftunt  .fmuö-  unb  ^rivatgebraud)  mit  einigen  furjen  (Srläute; 
rungen  verfemen."  ©orli*.  12.  1744.  2.  Aufl.  1745.  3. 
Auflage.  1747. 

„Äleine  Sammlung  auöerlefener  neuer  lieber,  barinnen 
vornehmlich  von  ber  alle  Sünbe  unb  Unfeligfeit  Überwiegenben 
©nabe  unb  2öabrr)ett  in  bem  blutigen  bebend  *  unb  Seioen^ 
©er)orfam  3*fn  <Sf?rifti  nacbbrüctlid)  gezeigt  wirb,  r>eitdbecjtert= 
gen  «Seelen,  fonberlid)  unter  ben  Armen  iura  ^rivatgebraud) 
mitgetheilet."  Seivjig  u.  ©örli*  bei  6.  9tid)tern,  lang  12. 
1745,  mit  einer  ©orrebe  M.  3oh-  @ottl.  Jttamfcbe'e.  11  Sog. 

„Söeibe  für  Cammer  unb  Schafe,  ober  Sammlung  geifi; 
reicher  Sieber  unb  $erfe.  ©örlifc  1752."  12. 

3n  ben  legten  jwanjiger  ia^ren  be$  neunzehnten  3ahr* 
hunbert*  würbe  eine -neue  Umarbeitung  be$  görlifcer  @efang= 


* 

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474 


bud}$  befa)loffen,  unb  bind)  ben  ftrdnbiafonuft  Johann  ©ort* 
bclf  9ieumann  in  SCn^rtff  genommen.  Tett  fiarb  berfelbe  liber 
Der  Arbeit  nur  foldje  übernahm  in  unterem  rinne  a(6  ber 
Vorige  ber  Dr.  theol.,  fpätere  (Superintenbent  unb  $rtmariu« 
SHöfuer.  £>a$  ©efangbua)  erfdjien  im  3.  1836,  unter  bem 
Ittel:  „©efangbud)  min  firct>ltd>cn  ®cbraucr)e  iunädjft  für  bie 
(Start  ©öi hu._  9?ebft  einer  Sammlung  einiger  lebete  für  bie 
öffentliche  unb  r)äu6licr>e  5Mnbacr)t.  SMift  1836.  3m  *Ber* 
latjc  be*  2öaifenr)aufe*.  ©ebrurft  bei  ©.  ^einje  u.  ($omp." 
ÜDte  Pieper  ftnb  unter  26  !Rubrifen  gebraut  unb  baä  ©anje 
437  8.  jtarf.  Seiber  ift  ein  großer  Stjeit  ber  alten  lieber 
im  SBudje  fer)r  mobernffirt,  au$  »tele  Jtraftlieber  barin  au*ge 
laffen. 

Um  bie  oeiftlidje  TOuftf  bat  ftd>  in  neuerer  3eit  in  @or* 
lifc  befonbere  Ukrbienjte  erworben:  3or)amt  «uguft  S3lüt>er*)r 
geftorben  ben  25.  9»ai  1839  ale  fönigl.  aÄuftfbirefter  unb 
Äantor  an  ber  €t.  <Peterdfirtr)e.  (Sr  würbe  geborett  am 
25.  Oft.  1785  ;n  tteubietenborf  bei  ©ottja.  $lüt>er  ftubirte 
feit  1806  auf  ber  Untoerfüdt  ©Ittenberg  Ideologie,  wanbte 
ftd)  aber  fpäter  gan^  ber  Wuftf  $u  unb  lebte  unter  Gl).  $r>. 
SÖeinlig'ö  Anleitung  feit  1809  ju  Dreäben  aüein  feiner  Äunfr. 
1813  ging  er  naa?  $iedft>  unb  würbe  1814  al*  Kantor  na* 
ftörlt*  berufen,  wo  fc^ou  feit  1812  ber  berühmte  JOrganift 
6<bneiber  wirfte.  ©eibe  Banner,,  ooll  autf<jejcia)neten  £a- 
lenteS  unb  warmer  Siebe  für  ir)re  Äunjt  bejeelt,  nia)t  eifer* 
füdjrig  auf  einanber,  vielmehr  innig  befreunbet,  bilbeten  einen 
©efangserein,  welcher  tüchtige  6änger  unb  Sängerinnen  fa)uf. 
(SS  würbe  unter  SSlüfjer'a  Leitung  ®rof?artige$  geleiftet  in  «uf- 
für)rung  von  firajlidjen  iDtufifen  unb  Oratorien.  2ßir  r)eben  . 
noeb  baö  im  3abre  1835  in  ber  5$eter$fira)e  begangene  gro&e 
lauter  SJcujtffeft  bervor**).  331ür>cr  f)at  ftd)  burd>  £eraH$* 
gäbe  feine«  <£t>oralbud>e$  (1825)  große  Skrbienfte  um  ben 
&ird)engefang  erworben.  (S*  untersten  t^n  hierbei  bie  <*>e 
fangbüajer,  welche  fty  in  ber  ©ibliotftef  ber  6t.  $eter«fird)e 
befanben.  Leiber  ftnb  biefe  ©efangbüdfyer  au$  llnfenntnifj  ber 
wahren  (Sigentrjümertn  nad)  Slür)er$  $obe  nad)  Statten  ser= 
fauft  worben. 


•)  W.  e.  2»<iaaiin  1839.  ©.  88. 
••)'».«.  aWflgajm  1835.  <S.  116  ifl  ein  att<fiU)rli<ber  »ehdjt  barAber. 


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475 


Sfudj  ber  Nachfolger  ^lüber'*,  3RuftfDireftor  Quingenberg, 
hat  fett  feiner  üttfanft  in  ®6rli$  einige  Oratorien  aufführen 
(äffen  unb  in,  wie  Einher,  al*  geiftreietjer  tfomponijl  befannt. 

Da*  feit  alten  $titm  befianbene  od^ülerchor  löfte  fid) 
D|tern  1837  auf,  unb  trat  am  1.  3uli  1837  ein  neue*  6inge; 
a)or  unter  bem  tarnen:  „bereinigtet  ©pmnaftal  *  Singed)or'' 
in'*  geben,  welche*  bura)  ftrirte  (Debet Iter  für  bie  !&Ritglieber 
(einen  $*dfeft  unb  beffen  äbjunft,  4  (Soncertiften  unb  11  $tu 
pienifren)  gefiebert  würbe  unb  ein  befonbere*  Regulativ  gebrueft 
erhielt.  Xa*  &mt  eine*  SBorfänger*  Oßräcentor*)  in  ber 
Äir*c  mürbe  feit  rem  I.  3u(i  1837  einem  anbern  Üttannc 
übertragen.  9ud)  bie  öffentlichen  tfeichenbegleitungen,  bie  #od)* 
|rit«  unb  Seichenjmgen  burften  feit  biefem  &age  nur  in  ben 
6tunben  außerhalb  be*  (Schulunterricht*  flatthaben.  Sflle  biefe 
^-Berdnbemn^en  gingen  üom  Sürgermeifter  Tun  um  au*. 

3öa*  ben  weltlichen  ©efang  in  ©örlifc  anbetrifft,  finb 
barüber  nur  wenige  gfnbeutungen  vorhanben.  3n  ber  $e\t 
ber  $3ierfef)be  mit  Zittau  waren  einige  ($pottlieber  gang  unb 
gäbe,  beren  3Re(obteti  jebod)  nicht  auf  und  gefommen  ftnb. 
$ajfe  fprtcht  in  feinen  *Rath*annalen  mehrfad)  r>on  Spottoer 
fen  unb  böfmifchen  ©efängen,  welche  in  ber  «Reformation*- 
periobe  über  ben  *Rath  im  Umlaufe  waren. 

2>ie*  wieberholte  ftd>  vor  bem  $önfall,  wie  bie  «ntwort 
auf  äöntg  gerbinanb'*  2lnfiagefcr)rift  ergibt.  Damal*  mufcte 
ber  «Rath  ba*  Verbot  foldjer  Schanblieber  öffentlich  au*rufen 
laffen*).  Sonft  ftnbet  fta>  über  folcr?en  ©efang  nicht*  öefon* 
bere*  aufgeführt. 

($*  beftehen  gegenwartig  mehrere  s4$rioatgefang&emne, 
unter  Lehrern,  jungen  £anbwerrern  unb  Äaufleuten  in  ber  Stabt. 

$a*  Amt  eine*  ©tabtmuftf u* ,  welche*  au*  fehr  alter 
3ett  flammt,  begeht  noch-  (fr  begeht  eine  beftimmte  Summe 
für  bie  tfirdjenmuftfen,  bie  im  Sommerhalbjahr  täglich  t>om 
<Rath*thurme  ftattftnbenbe  OTuftf  unb  feine  SRitwtrfung  bei 
fefllichen  Gelegenheiten.  $er  Warne  in  alter  3eit  war:  bei 
^tabt  *  Pfeifer. 


•)  «Beitrage  ic.  <S.  103. 


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476 

  / 

fünfte«  MapittL 

(5*efd}id)te  Der  $ud)brurferei  in  ©örltfc*). 

(Ecr)on  fett  Dem  3f.  1530  fdjeint  J>tcr  ein  ©udjbrutfer  ge- 
wefeif  fem,  ber  fleine  €:a)riften,  glugblätter,  fcieberbogert, 
f  leine  6a)ulbüa>er  ic  brutfte,  tüte  $aa)rid)ten  in  Den  (Btabt 
budjern  filieren  laffen.  Seit  1534  beftanb  eine  ^apittntufjlc. 
(Sie  lag  an  ber  9?eijfe,  bei  ber  jefcigen  Obermüblc  unb  wirb 
nod)  1556  ermähnt.  $)a*  *ß<ip*crjet(^en  tfl  ein  Sdjtlb,  in 
meinem  jicfy  ein  G  (Goerlitz)  beftnbet.  (**  fdjeinen  bemnatf) 
2Drucffac^ett  mit  jenem  Reuten  ^örit^er  Drude  ;u  fein.  1513 
wirb  im  Ü)cemortalbua)e  ein  93tia)brutfer  erwähnt,  aber  rhitf 
Angabe  feine*  Tanten*.  (§r  war  ^ugfetcb  93ud)l)änbler  unt> 
trug  rar  auf  an,  ber  ÜRatf)  möge  Anbeten  rat?  ^anbetn  mit 
Drutffdmften,  aufgenommen  auf  äirmfen  »erbieten. 

9kd)  (Sinriajtung  be*  dtymnaftum*  würbe  eine  gröpere  • 
$ud)brttderei  notfjwenbig.  Der  Damalige  ©tabt^rnrnfu* 
Dr.  griebricr)  grttfd)  batte  einen  trüber  «mbroftutf  (geb. 
1523  $u  Ofdjafc,  ge|t.  5.  $ec.  1593)  weiter  in  Wittenberg 
bei-  £an*  Suft  bie  Suajoruderei  erlernt,  in  ^Safel^  weiter  ge- 
arbeitet unb  jule&t  bei  Sobann  töfyambaw  in  Seidig  befa)a> 
tigt  gewefen  war.  flmbroftu*  würbe  nun  nad>  GJörli*  geru 
fett,  wo  er  1565  ba*  Surgerredjt  erhielt,  unb  eine  Borjuglidje 
•Drurferei  einrichtete ,  für  bie  man  tfjm  bie  alte  Sajide  ein*  . 
räumte,  weldje  bamalö  leer  ftanb.  Seine  Oettern  bejoger 
au*  Seidig,  benn  fein  sJiad)folger  unb  Sdjwager  Sodann 
9tyambaw  errid>tetc  erft  nad)  tym  eine  Sdjrtftgieperei ;  ba* 
Papier  natjm  er  tbeil*  au*  ®örlifr,  tfjeil*  au*  3ittau,  wo 
bamal*  3ona*  ^loam  sJkpiermüller  war,  tr)eil*  au*  grteblanb, 
wo  ber  greifen:  w  ÜRäbcr,  auf  gritfa)e'*  «Borfajlag,  eine  «JJa* 
piermül^e  eingeriditet  fyatte. 

6ein  erftee  Drutfwerf  war  ein  lutbetifd)cr  Äatea)i*mu* 
tu  8.  1565,  fobattn  1566  bie  Disciplina  et  doctrina  Petri 
Vincenlii,  be*  erften  föeftor*  am  Gtomnajutm,  weldjer  uer* 
fa)iebene  Schulbücher  folgten. 


*)  Knauthe,  Annal.  typograph.  Lusat.  sup.  c.  II.  3ufcclfdjrift 
ton  1740.  Äötjltr,  ©efd>.  ber  SBudfbnitferet  in  ©örli*.  1840  (3ubelfd>r.) 
e.  n  ff. 


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477 


3m  3-  1573  mußte  er  bie  alte  Schule  (baä  frühere  Diente 
je$t  3eugt)auä  an  ber  v45eteröfirc^c)  verlaffen  unb  jog  tu 
fein  eigeneä  «£>aud  auf  ber  Särfergaffe  nabe  beim  $runneu, 
alfo  in  bie  (Uegenb  beö  jefcigen  *Sd)ulgebäube*  am  Sifd^marft. 

ittmbroftHÖ  ivitid)  biente  jebod)  ntd)t  blöd  ber  Sdjule  alö 
beren  SRitglieb  er  förmlid)  angefeben  würbe,  wie  bie  2Borte 
bed  Gefror  sDh>liu3  iit  feinen  Slnnalen  T.moritur  hujus  scholae 
non  postremura  et  ornamcntuni  et  incrementuin,"  nacfr/ 
gritfdje'd  lobe  beweifen,  fonbern  namendtcb  audj  ber  Jtirdje, 
burd}  Vertretung  ber  ^atfquiUe  womit  bie  xHuhaiu-jer  ber  ver* 
fdnebenen  djriftlidjen  S3ef enntnijfe ,  (Salviniften,  Jtatfyolifen  unb 
Sutfyeraner  Damals  ftd)  auf  bie  fdt)mär;lia>tte  5Beife  angriffen. 

Die  Säfterungen  unb  anftöpigcu  Oteoenäarten ,  welaV 
beu  Unn>iUen  aller  Verjtäubigen  erregten,  ha  treu  aber  fdjon 
Damals  eine  vom  Sanbvoigtc  ausgeübte  Ueberwadjung  voran 
lagt,  bie  Jfcaifer  gerbtnanb  I.  unterm  9.  $)ecbr.  1560,  bem 
föatfye  übertrug,  um  ben  Verlauf  unb  baö  Verbreiten  von  fcfydnb* 
linken  Silbern  unb  aufrüfyrerifdjen  Sraftatelu  )u  verfnnbern 
unb  fireng  gu  beftrafen.  ftmbroftuä  Srtrfcfy,  obwohl  verwarnt, 
unterließ  aber  ntcfu  vielerlei  $lnftÖ£iged  *u  bruefen,  worauf 
if)n  ber  ?Kath  1567  in'd  (^efängnif;  fterfte,  auö  bem  er  erffc 
bHrd)  be$  Demanten  Seifentritt  ui  Jaunen  Vermittelung  ont 
laffen  würbe.  3)od)  begann  er  fein  llnwefen  von  Beuern,  wad 
bem  :Kar!n'  viel  (Sdjrefberei  unb  ^lergernip  machte,  ba  00  audj 
HU  be$  Jtaiferä  Dl)reu  fam,  baß  baä  X)rutfcn  nod)  in  alter 
Seife  fortginge,  weSbalb  Seifentritt  mefyrmalo  ^iaajfrage  l)iclt. 

$)er  Oiatl)  r)atte  mit  bem  Auftrage,  bie  Genfur  au  üben, 
große  €a>ierigfeiten  übernommen.  Der  ^erfwürbigfeh  wegen 
teilen  wir  l)ier  ein  (£enfurgefud>  wegeu  eines  Carmen  M 
Pfarrer«  3aeobu$  eeverinud  ju  Griebel  vom  3.  1583  mit: 

„}cad)bem  id>  von  bem  Urbaren  uub  vorfidjtigeu  $(mbro' 
fiuö,  Vudjbruefern  alliier,  bem  id)  ein  Carmen  de  Ins  tau  rn- 
tione  sacrosaneti  Evangelii  \u  bruefen  überantwortet,  verftän* 
biget,  bap  er  nicfjt  olme  SBiüen  unb  3ulaffHitg  (5.  £erreu 
(Sürgermeifterö)  bruefen  bürfte,  bitte  itt)  gan*  untertt)änigft, 
fie  wollen  bied  (Saroten  günfttglier;  überlefen  uub  jum  3)rurf 
beförbern.  $>a|j  icr;  ber  (Salviniften  barin  gebenfe,  glaube  id>, 
eä  werbe  ben  Gkleljrten  meljr  frommlid)  unb  et)rlia>  als  fcf;äb* 
lid)  fein,  Sintemal  id>  von  £erru  SMafw  verftanben,  als  wäh- 
ren iljrer  jween  von  ber  £d>ulen  unb  jween  von  ber  $rie* 


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i78 


fterfchaft  atlbtcv  unter  bie  (Ealvmiften  gebogen,  bamit  ftch  g(etd>, 
ivo  tue*  Carmen,  tac  $um  Xbeii  wir  er  bie  ($alviniften  laurrt, 
allhie  gebrneft,  werbe  von  ber  gefaßten  Su«pition  erlebiget  u.f.tp." 
Äuf  ba«  SWanuffrtyt  fchrieb  ber  (Seufor:  „3ch  für  meine  *ßer* 
fon  wei«  feine  Urfacb,  warumb  e«  nic^t  foüte  jjebrueft  werben." 

3n  anbern  JÄrtifelu  machte  ftch  Ämbrojtu«  gritfeh  vor* 
tbeilban  berühmt.  6r  begann  im  3.  1567  ben  Äalea* 
ber  reo  M.  Sartfwlomäu«  Seultet*t«,  welcher  großen  öei* 
fall  fanb  unb  [ehr  gefacht  war.  Der  Drucf  warb  vollendet 
am  29.  November  1567.  Der  $itel  ift:  Sümanach  uiü> 
Schretbfalenber  be«  3ahre«  nach  ber  geburt  6t)rifti  M.  D.  LXVIH. 
bura>  M.  Sartholomäum  Seultetum,  ber  sÄathemarifchen  fünfte 
befonberer  liebhabet  3u  ©örlifr  brueft«  JMmbroftu«  grirfa>. 

Diefer  Äalenber  würbe  mehrmaf«  fortgebt  uub  machte 
flmbroftu«  grttfrf)  \u  einem  bemittelten  Sftanne. 

De«  gormfa)netber«  ©eorg  Scharfenberg  bebiente  jic$ 
gritfeh  für  föanb-  unb  Xertver$ierungen,  «nfang«buchftaben  k. 
3ener  verfertigte  auch  ben  großen  ~£oljfa)nitt  „bie  Stabt  ©ör* 
Ufr  im  3.  1566."  3um  tfalcnber  fO)nitt  bie  giguren  3ofeph 
s3Jcc$fer,  m$  wirb  ein  gormfa)neiber  au«  granffurt,  Ramend 
s^eter  geller  erwähnt  ©er  bie  Stöcfe  ui  ben  gritfcb'ftyn 
Sanbfartcn  fchnitt,-ift  ungewiß.  3m  3.  1569  fam  eine  tfarte 
vom  Sanbe  beißen,  ber  «ngabe  nach  auf  33eftellung  be«  £ur- 
fürft  Huguft  von  Sachfen,  heran« \  1593  von  ber  £>berlauft$. 

gritf*  bruefte  fet>r  viele  S3üa>cr.  Die  Angabe  in  Dtfo'« 
Scbriftfieüer^erifon  enthalt  bei  Settern  noch  niebt  aUe  Drucf* 
fachen  von  9(mbrofm«  griifcb. 

3m  3-  1595  verfauften  bie  (£rben  von  griffet)  bie  Drucferei 
nebft  bem  53ua)hanbel  um  915  Bulben  an  #an«  9*h<"nbaw 
au«  Seidig. 

SRbambaw  ober  *Kambau  führte  ba«  ©efchäft  im  ©eifte 
feine«  Vorgänger«  fort;  errichtete  eine  Schriftgießerei  unbver- 
anlaßte  bie  Anlage  ber  ^apiermüble  in  3Äov«  (im  %  1609). 
sJJcit  feinem  Sobe  im  %  1634  fam  ba«  ©efchäft  in'«  Stocfen, 
ber  gaftor  Hermann  wirtschaftete  fo  Iteberlfch,  baß  1642  bie 
Stabt  bie  Verwaltung  übernahm.  Seit  ber  3«*  führen  bie 
Bücher  bie  Sorte:  Typis  Senatoriis.  Äu  £ermanu'«  Stelle 
fam  (^hriftoph  3W>«  SBtojtocf,  welcher  im  %  1663  bie 
Drucferei  fäujlicb  an  ftd>  brachte,  aber  fa)on  1677  ftarb.  (Sr 
brachte  neuen  »uffchwung  in  bie  JDffijfo.  üx  hatte  brei  Söhne, 


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479 


von  bcnen  3afob  Kipper  bie  Trurfcrci  1736  an  Siegmunb 
(Sbrenfrieb  Butter  oerfaufte,  welker  fut>  im  %  1735  mit 
griebrich  gief  elfterer  vereinigte,  ber  fie  1750  a(6  C> i^enthu 
mec  übernahm.  3Jon  ihm  ging  jte  auf  feinen  vSchwiegerfofm 
unb  (Kompagnon  %  ffl.  Unger  über,  welcher  1809  üarb.  2$or 
feinem  lobe  faufte  fie  $Bitye(m  giebler,  fpäter  Wottbolr  <£ei  me, 
jefcige  girma :  ©ottbolb  ^dnje  u.  (Somp.,  welche  im  3,  1821 
bie  evftc  §teinbwcferei  bienelbft  errichteten  unb  im  3.  1841 
mit  tiefem  ©efdjäft  ben  siMutbanrel,  ber  al*  alte«  sKecH  auf 
ihm  ruht,  oerbanben. 

Da$  ©efchäft,  welches  £)ber*2angengane  9co.  185.  ein 
gerietet  ut,  bat  in  neuefter  3**1  f»  an  Umfang  gewonnen, 
baß  1849  eine  2.  6cf>neUvreffe  aufgeteilt  werben  mußte. 

(Sine  jweite  Drucferei  errichtete  3  @).  Bnrgharbt  im  3. 
1789,  welche  1808  au  JCarl  ©ottlteb  ccbivaib  überging  unb 
1818  an  3o^ann  Drewer  verlauft  rourbe.  (rie  begeht  Ober* 
marft  %o.  134. 

(Sine  briete  richtete  griebrüh  Söilhelmd  im  3. 1840,  Borf* 
gaffe  $o.  526.,  ein. 

(Sine  vierte  <£.  g.  Nämifcb,  gifchmarfl  »o.  61  b. 

(Sine  fünfte  enblich  Julius  Nobler  im  3-  1850,  mit  einer 
ScbneUpreffe,  >Heter6gaffe  9co.  320.   .  . 


®e cfjftc^  «apttrl. 

Die  Schweben  in  ber  2auft&.    Jtarl  XII.  in  ©örltfc. 

ffiä^renb  ber  ÄegierangSjeit  Jturfürft  griebrieb  Huguft'd 
(auch  ber  Starre  genannt),  weiter  rro$  alleö  2öiberftreben$ 
Oer  oberlaufteer  Stänbe,  ba$  3nftttut  ber  ttcrijc  einführte,  bie 
fomit  au^  in  ©örlifr  erhoben  würbe,  wüßten  wir  nicht*  SBe* 
fonbere*  ju  bemerfen,  al*  bie  Hnwefenheit  be$  Schwebenfonig* 
Äarl'd  XII.  in  unfern  @tabt. 

Äurfurft  griebrich  «uguft  war  befamttlich  auch  äönig 
von  $oleu  unb  harte  al*  folcher  im  norbifdjen  Jfciege  mit 
bem  rufSfchen  (gjar,  ^er  bem  ©ro^en,  ein  93üubni#  gegen 
JTarl  X1L  gefcblojfen.  Jtarl  Xll.  war  fortwährenb  ftegreidj 
unb  befchlofr  im  3-  1706  von  griebrich  «ugnfc  bem  er  wegen 


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480 




feiner  $reulojtgfeit  ben  poltiifd)en  Zkxon  abfprad)  unb  an  befreit 
Stelle  aue  bei*  Witte  ber  ^oleit  eiuen  netten  König  wählen  lief?, 
in  beä  Äurfürften  (Jrbftaaten,  Sacfyfen,  ben  grieben  ju  er- 
zwingen. 9tad)  ber  Sd)lad)t  bei  graujrabt,  in  weld  n  über 
7000  Warnt  ber  furfürft(id?en  I nippen  auf  bem  ^la^e  Hu- 
ben, ftanb  bem  Könige  o.  Schweben  bie  Dberlaujtfc  offen. 
Dajj  <8  tieften  beutfdjeä  Weirt^gcbiet  war  unb  er  in  feinem 
Duntmarfd^e  burd)  biefefl  Sanb  ben  föeidjäfrieben  bratfy,  be- 
flimmerte  i^it  bei  ber  Sdjwddje  be$  Dteidjeö  fetnecJwegS. 

3)ie  vom  König -Kurfürften  fctUeiuuqü  angeorbnete  SRe* 
frutirung,  ut  welker  bie  Oberlaufs  100  Warnt  bewilligte, 
veranlagte  übrigene  feine  Xruppenaufftellungj,  f>tnfänglicb,  um 
Karl  MI.  SBiberftanb  ju  lernen. 

Hm  6.  September  1706,  9tad}mtrtag0  um  3  Uljr,  famen 
plöfclid)  50 — 70  fa)webifd)e  «gmfarat  t>ou  $ffd>wt$  fyer  über 
bte  SBeinberge  an  r vi o  grauenttyor.  tu l o  ber  3Öad)poften  ihnen 
ba$  Iber  aufzumachen  zögerte,  fefete  ihm  (£iner  bad  Üßiftal 
auf  bie  93ruft;  bie  ftnberu  fprengteü  ba$  Ztyox  mit  ©ewalt, 
ritten  über  bie  Steingaffe  auf  ben  Dbermarft  unb  oon  ba 
burd>  ba«  retdjenbacher  Xljov  wieber  fnnattä,  inbem  fte  mit 
ipeid^uben  fdd)fifc^eit  Dragonern  auf  ber  Verfolgung  bei  Max* 
feräborf  ein  Sdiaimü&et  beftanben.  8n  bemfelben  Xage  nahm 
.König  Karl  XII.  fein  Hauptquartier  in  Schönberg.  2>cn  9., 
10.  unb  Ii.  September  bauerte  ber  fdjwebifche  3)nrc^)Ug  burdj 
®örli$  fort;  bte  Schweben  führten  neben  langen  SBagenretyen 
auch  oiel  ÜRtnboief)  unb  Scfcaafe  bei  ftd).  Den  12.  Sep* 
tember  l)aite  Staniälaw  &6qic6fy,  ber  neue  König  oon  *ßo* 
len,  fein  Hauptquartier  auf  bem  Henneröborfer  Schlöffe  unb 
nutzte  bie  Stabt  an  riefem,  wie  am  folgenden  Xage  oerfchie* 
beuc  guber  SBier  unb  SBcin  für  feine  2)canuf<haft,  welche  in 
£enner*borf,  Seopolb$i)ai>n  unb  £ubWig6borf  einquartiert  war, 
liefern. 

@ämmt(t$e  Schwebet!  marfötrten  in  ben  meißner,  frei* 
beraer  unb  leipziger  Kreiä.  2>och  famen  oon  3«t  ju  $tit 
wcujrenb  bec3  Aufenthalte  Karl'd  XII.  in  Saufen  einjelnc  Kom- 
pagnien burd)  ©ödifc,  wenn  fte  in  ber  Dberlauftfc  unb  Sd?le* 
•  fte«  refrutiren  wollten,  ober  refrutirt  hatten. 

Slm  6.  Januar  1707  würbe  ber  abgefdjloffene  griebe 
jwifchen  bem  Röntge  oon  Schweben  unb  griebrich  öuguft  oon 
Sadjfen  in  ©örlifr  auögeblafen. 


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481 


s£efan utlich  räumte  Maxi  XII.  nicht  c()er  Sadjfen,  alä 
bi$  ber  Üaifer  üd>  verpflichtet  baue,  bie  Ucbergriffe  gegen  bie 
^rotejtanten  in  Schielten  befeittgen  $u  laffen  unb  biefeä  ÜBer* 
fpredjen  in  ber  Slltranftäbtcr  Convention  vom  t.  «September 
(21.  2(ug.  alten  Stilä)  vertragemäßig  erfüllt  war. 

hierauf  erfolgte  ber  Stüctmarfch  ber  fchwebifdjen  Inippen 
bura)  Die  £>berlauft&  uaa)  Schleften  unb  ^olen. 

Vlm  t2.  September  fam  ber  dortig  von  Selchenbach,  wo* 
felbft  er  Nachtquartier  gemalt  hatte,  nad)  @br(i$,  ritt  in 
vollem  ©alopp  bto  utv  $eter$fird)e,  flieg  bort  ab  unb  nahm 
*  bie  M\xd}t  in  Begleitung  be$  Slbmimfti  a t ord  von  £olfiein  unb 
33ifcr)of$  von  i'ubetf,  beo  $rin)en  von  Söürtemberg ,  ©eneral 
Jcreufc  unb  jeljn  anoerer  Herren  in  9lugenfd)etn.  (Fr  ging 
aud)  auf  baä  Drgeldjor ;  jog  felbft  au  ber  Orgel  mehrere  !Ke= 
gifter,  erlaubte  ftd)  bei  Gelegenheit  beö  Sungfernbaffeä  einen 
allerf)öd)fiten  2öi$  ui  machen,  uub  war  bort,  fowie  auch  bei 
SBeftdjtigung  ber  großen  ©lodfe  fel)r  Icutfelig.  $116  er  an  bie 
(i)locfe  anfcijlagen  (äffen  wollte,  äußerte  ber  Hebttuuo  fehr  ge* 
fa)idt:  er  beforge  bamit  einen  Auflauf.  $>och  meinte  Jfarl  XU.j 
„ber  Auflauf  fei  bereite  gefdiehen,"  ließ  beu  Jllöppel  anfd)la* 
gen  unb  äußerte  fein  2Öol)lgefalien  über  ben  fdjöneu  Ion.  — 


l)ann  ftieg  ber  ßönig  wieber  vor  ber  J?ira)e  \n  Sterbe,  unb 
bie  ÜKenge  Neugieriger  ferjeub,  hielt  er  eine  SBeilc,  mit  bem 
3urufe:  „it)n  ja  recht  genau  $u  befehen!" 

3$on  ber  ^eteräfirebe  ritten  bie  «£>erren  jum  ^eiligen  ©rabe, 
befal)en  baffelbe,  aber  nur  oberflächlich,  unb  ber  ilonig  ließ, 
wie  fchon  in  ber  ^eterdfirche  gefer/ehen  war,  bem  Sttjm  ein 
Slnbenfen  reichen. 

hierauf  ritt  ber  .Röntg  mit  feinem  (befolge  um  bie  €>tabt, 
bunt  bae  grauenthor,  bie  Nonneng  an,  e,  Schwargegafle  in  bie 
33rübergaffe  unb  bie  Neißgaffe  hinab  nach  ßauban  ui.  @h< 
noch  ber  Jtönig  mit  ber  Suite  bie  Neißbrütfe  pafftrte,  war  bie 
Leibgarbe  be$  Könige  unb  feine  Bagage  ihm  bie  «ftahle  hjnab 
vorangejogen. 

d&iefcr  einjährige  SBefucf;  ber  Schweben  in  S ach fen  fofiete 
aua)  ber  S tan  ©örlifc  viel,  ba  jte  ut  ben  Kontributionen 
unb  Lieferungen  ihr  gut  XheÜ  ju  jahlen  t>atte. 


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482 


Siebente*  MapiUU 

Durd)märfdje  unb  SJelajtungen  wäbrenb  ber  fcblefi* 

fdun  Kriege.    1742.  1745*). 

21$är;renb  beä  erften  fd)te|lf<hen  Jfriegeö  war  itut  £ achten 
im  SBünbnifte  mit  griebrid)  II.  9luä  bem  ftelb$uge  ift  nichts 
bffonberee  für  ©örli$  |m  bemerfen.  Der  Jftiegöfdjaupiafc  war 
toefentlid)  Schlejieu  uub  ^36l>meu,  nur  am  11.  &pril  1742 
famen  1500  Sftann  Einquartierung ,  auf  Den  Äierfwf  15  Wann. 
Wm  13.  3uU  war  wieber  ein  {Regiment  Greußen  einquartiert, 
weld)e  Safttag  in  ©6rü0  Ratten,  mir  6peife  uub  1 1 auf  ver* 
pflegt  werben  mußten,  unb  Xagä  barauf  über  Rothenburg  ben 
?Kii(fmarfd)  in  bie  ^peimatl)  antraten. 

■cd) on  im  3.  1744  t>atte  bei  tfurfürft  von  Sacfrfen  jtdj  mit 
ber  Äaifrrin  SWaria  ^  ^erejla  von  Ceftcrreicfy  gegen  ßnebrich  II. 
verbünbet.  3m  6pätl)erbft  1745  feilte  auch  unfere  ©egenb 
bie  Aiud>tc  biefeä  Sünomfteö  genießen.  Damals  brang  be- 
fanntlicr;  bte  preufnfd>e  Vlrmee  in  jwei  Kolonnen  in  .Uun'adMcn 
ein,  ald  ^rinj  Jtarl  von  Lothringen  mit  ben  oflerrei^ifc^cn 
Truppen  eine  Dfverfton  nad)  £  (tieften  burch  bie  \\~\\\n\\  ver- 
fugte. 9(m  21.  November  1745  erfchienen  feitwärtd  (#örlifc 
bte  Defterrcicher.  $rifty  Jtarl  von  Lothringen  hatte  ba6  Haupt- 
quartier bei  (schönberg.  Die  Slvantgarbe  ftanb  bei  ftatbolifcrr 
Äenneräborf  (£eimer$borf  bei  Lauban).  griebrict)  II.  war  iu 
dümärfctyen  augerüeft  uub  führte  bie  Kolonne,  welche  über 
Naumburg  am  DHeip  nach  ©achfen  $og.  (£r  ftiejj  am  28.  sJcV 
vember  bei  $eunerebovf  auf  ben  überrafd)ten  geinb  unb  fddug  ihn. 
UÄan  hörte  bie  Äauonabe  tu  ®örli$.  3n  golge  biefeä  ^iegeä 
ging  bie  faiferlichc  ftrmee  nach  höhnten  jurücf;  bte  ^reu^en 
bagegeu  plünberten  am.  24.  November  in  ben  Dörfern  jenfeit 
ber  Seifte  unb  ein  ZMi  ber  grata  fam  am  25.  November 
in  ®örli$  an.  Der  !)fath  gmg  ihm  entgegen  unb  übergab 
bie  StaMWföffet  auf  ber  töabengafte.  Die  70  9»ann  ftarfe 
f4chftfd)e  GJarmfou  unter  Kapitän  v.  üRoftty  würbe  $u  Offan* 
genen  gemalt. 

Hn  bemfelben  Tage  famen  nach  uub  nac$  nodj  fünf  iRe< 


•)  *Me  baö  voviat  unb  f»>Uienbe  Äavitel  «ad)  mehreren  aleidweitiaen 
^aubftriffUcftfii  (tynnifrit  im  «Beftye  be*  Stabtrartj  Äö&ler. 

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483 


gimenter  an,  unb  mußten  mehrere  Sage  lang  in  unb  um  ber 
Stabt  einquartiert  unb  beföftigt  werben. 

Hm  29.  November  fam  König  griebrid}  fef6ft  nad)  ber 
Stabt  unb  blieb  fünf  Xage  bafelbfi.  $>er  <Btat>t  würben 
100,000  (Bulben  Branbfdjafcung  auferlegt,  unb  ber  ©ürgerfd^aft 
fämmtlidje  Gewehre  abgenommen  unb  in  bie  <st.  $lnnenfirdje 
aebracbt.  3m  befolge  beö  Königs  war  ber  *ßrin$  v.  Sßreufjen, 
qjrinj  gerbinanb  v.  Bevern  unb  anbere  (Generale.  $lm  4.  $>e* 
-  eember  ging  König  griet>rid>  nacfy  £>re$ben  ab.  • 

$116  ber  gurft  von  Änf)alt<S)effau  bie  <5d)lad)t  von  Kef* 
feldborf  gewoitneu  fyatte  unb  in  golge  beffen  ber  griebe  §tt 
D reiben  abgefdjloffen  war,  marfdjirte  ein  Sfoeil  ber  föniglidjen 
glrmee  unter  ©eneraüieutenant  ®raf  v.  ®efjler  bnrd)  bie  JDber* 
laujty  nadj  <5d)lejten  jurütf.  S3ei  biefer  Gelegenheit  befam 
müf  unfere  ©tabt  in  ben  erjlen  klagen  be$  3anuar  1746  viel 
Einquartierung,  welche  fid)  tibrigenö  iu  ber  Stabt  tabelloS 
benahm,  wäfyrenb  baö  betragen  ber  in  ber  Umgegenb  ftatio- 
ntrten  Kavallerie  in  gleidjjeitigen  93eridjten  nidjt  befonberS 
gelobt  wirb. 


«c&tc*  ®ap\UL 

©cfyirffale  ber  ©tabt  wäfyvenb  be$  fiebenjäfyrigen 

Kricgcö*). 

&m  26.  Sluguft  1756  erhielten  bie  in  ©örlifc  ftefyenben 
fäcfyftföc  n  Kompagnien  vom  Königin  Regiment  plöfclicfy  SRarfd)* 
orbre  unb  rütften  ben  29.  Sfuguji  früp  y26  Ufjr  au$.  $)e$ 
9?ad)t6  um  2  Ufyr  blies  ein  *ßoftillon  vor  bem  laubaner  $f)ore. 
ü)ie  (Stabtfolbaten  waren  ber  IMnjicfyt,  e$  fomme  eine  (Srtra* 
po#,  faben  aber  beim  Xfyor*£)effnen  $u  ifyrem  (Sdjreden,  bajj 
preujj.  ^ufaren  Oßuttfamm er  Regiment)  ba  feien,  weldje  fk 
überwältigten  unb  in  bie  <£tabt  fprengten,  nad)  bem  ©eftanbe 

• 

— ■  . 

— »   

• 

•)  SlnfjeT  allgemein  befannten  Hilfsmitteln:  jtr-ci  banh'cfmftl.  Ctyro* 
nifen  aus  jener  3eit.  (fin  I^ebud)  aue  bem  üebenjäbri^cn  Kriege,  Se^ 
vierte  eines  (StorÜfcere  (abgefcrutft  im  florlifcer  Oikgweifer,  1837.  1638.J 
^erfwüttiahiten  von  1757.  Sauban,  bei  3.  %  Söirt^e«  1763.  126  S.  4. 

,   ,  ,  Digitized  by  Google 


484 


ber  föniglid>en  unb  Stabt^affen  fragenb.  £>er  SRatt)  mußte 
#rob  mib  Branntwein  fäaffen  unb  wäljrenb  injwjfajen  bie 
(Stabtfolbaten  in  9(rreft  gebradrt  würben,  befeftten  bie  £ufaren 
alle  Sinne.  6t  begannen  je$t  ftarfe  '2)urdmiärtd)e.  &>äl)renb 
nad)  £enner$borf  unb  £eopolbet)a»n  ba$  ed>inettau'fd)c 
raffter^ei).  fam,  rücfte  am  30.  Sluguft  in  ®öxli$  ba* 
$ranbetftfd)e  güfilifr*8at.  ein,  weiße*  4  Kanonen,  24  $on* 
tonö  unb  gegen  40'  $acfwagen  bei  fid)  hatte,  2.  Septem* 
ber  gingen  bie  9)iaimfd>aftcn  weiter.  Die  6tabt  mußte  700 
<5rutf  $ferbe  biö  kauften  liefern;  bie  guten  würben  behalten, 
bie  fcblecfyten  jebod)  $urütfa.efa)irft. 

3m  Decentber  war  bie  Einquartierung  am  ftdrfften. 
wedelten:  ba$  gorfabifdje  Regiment,  fväter  baö  ^rin^Darm* 
ftäbtifdje  unb  baö  v.  Stafteirföe.  So»  26.  2)ecember  an 
würben  auf  ber  9ceißbrütfe  jebe  Siacr/t  48  £ölaer  in  Der  «Witte, 
unb  bidrt  am  $l)ore  18  abgeworfen.  Dae  £äu$d>en  auf  bem 
(*Jange  fytnter  ber  >l*etcr0fira>e  brad)  man  ab,  unb  brad)te  eine 
Kanone  bortfyiu  um  bie  9?eißbriide  bamit  $u  beftreidjeu.  Äuf 
ber  9feißbriirfe  unb  am  $l)ore  ftanbeh  täglid)  10  £d>ilbwaa)eu. 
3n  ber  Umgegenb  ftreifteu  $anburen  unb  Kroaten.  $>en  27. 
December  rücfte  baä  alte  ^urtembergifd)e  gufilier*  Regiment, 
fpäter  ein  Bataillon  vom  tyvi\\\  grah*'8raunfd)weig'fd>en  in 
bie  8tabt,  wäfyrenb  baö  v.  ^Iitftell  auf  Dftrifc  marfdprte. 

Anfang  3anuar  1757  refrutirteu  bie  '^rcu^eit  ftarf; 
Riemanb,  wer  tauglid)  war,  verheiratet  ober  nid)t,  würbe 
verfa)ont;  mau  t)olte  bie  Veute  fogar  bei  9?ad)t  au$  ben  9Bet* 
ten.  2lm  3.  3anuar  fam  baö  2.  Bataillon  vom  ~s4>rinj  grau* 
SSraunfdjweig'fdjen  Dtegimente  an,  fo  baß  2  vollftänbige  Re- 
gimenter 3nfanterie,  außer  vielen  «gmfaren  von  allen  garben, 
in  ©örlifc  ftanben.  (General  v.  Wnfiell  war  Jtommanbant. 
S)ie  Bühlen  mußten  beftänbig  für  bie  6olbateu  mahlen  uut> 
burften  feine  Stellungen  von  ber  Söürgerfdjaft  annehmen. 
!t>ie  golge  bavon  war  große  $  Neuerung,  im  7.  3anuar 
machte  ber  (Generalmajor  v.  Wnftell  bem  Ruthe  befannt,  wie 
e$  gut  ^Untertreibung  ber  Defertion  prcußifd)er  üruppen  bic 
Rotfywenbigfeit  erforbere,  baß  fowofyl  bie  görlifcer  93ürgerfd)aft 
auf  alle  $erbäd)tigen  9(a)t  tyabe,  unb  fogleid)  Sdijeige  maa)e, 
al$  aud)  ben  fyerumliegenben  £>orffd)afteu ,  bie  Sturmglocfc 
an$u$kl)en  befohlen  werbe,  fobalb  eine  Defertion  befannt  würbe; 
enblia)  baß  Riemanb  bann  ofyne  s4Jaß  burdj  bie  6tabt  bürfe. 


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485 


(Sin  Dorf  habt  e$  bann  bem  anbcrn  311  bintfrbrtngen,  gelt) 
unb  3Balb  aueuifttcben  unb  bcn  Deferteur  in  bie  näctyfte  ©ar- 
nifou  $u  Hefern,  wofür  ben  (finbringern  10  Xl>lr.  für  ben 
Wann  gejabU  werben  würbe;  folltebieö  aber  3*manb  unterlagen 
ober  ber  Defertion  gar  $*orfd)ub  leiten,  fo  würbe  ein  Solarer 
mit  fyarter  \'eibe$*,  nad)  Umftäriben  tfebenflflrafe  belegt  werben. 

Den  16.  Januar  würben  2  <£d)litten  mit  leid)t  ©leffhrten 
von  £irfd)felbe  f>tr  eingebraa)t.  Denfelben  lag  fam  ber 
^rin§  v.  SBevern,  am  28.  Haimar  griebria>  II.  an.  Der  König 
gtna  nadj  6djlejien,  fam  von  bort  am  1.  gebruar  jurütf  nnb 
logirte  beibemale  im  (Strapfyiu'fdjen  t^awfe. 

Den  19.  gcbruar  fam  ba$  tyx\n\  Datmjföbt'fcfye  Regi- 
ment wieber  in  bie  (Stabt  ;urütf,  wäfyrenb  baä  &lt*3Bürtem* 
berg.  Regiment  nad)  6a)leften  aufbrad).  9(m  21.  gebruar 
folgte  bie  Kavallerie  in  ber  Umgegenb  nad).  >J$ürabepla& 
war  in  btefer  *>er  ^äringSmarft,  bie  9$örfe  bie  3Bo1?mtng 
bed  Kommanbanten.  ■  Dort  fanben  täglid)  &u$f?ebungen  unb 
£u$loofuugen  ftatt."  Um  23.  gebrnar  lüfte  ba*  in  @iörlifc 
liegenbe  Darmfiäbf fd>c  Bataillon  bafl  offrtyer  Kommanbo  ab; 
ben  $benb  vorder  famen  18  ©eigen  mit  Skrwunbeten  von 
bort  an,  benn  bei  £>fh:i$  waren  täglidj  Sdjarmü&el  mit  ber  % 
f.  f.  3nfantcrte.  Den  25.  gebruar  marfcfyirte  bad  in  ©örlifc 
ftefyenbe  ^Bataillon  Darmftabt  wieber  ab;  nnb  am  28.  ber 
}at)lreid)fte  Xfyeil  be$  33raunfd)wetg'fd)en  güjtlier* Regiments 
mit  10  3wölfpfünbern  nad)  ©ernffabt.  SBom  s3raunfdpeigfd)eu 
Rcgimente  blieben  nur  4M  3Nanu.  2lbenb$  famen  fämmtlia)e 
SBagagewagen  wrüdgefafyren;  cbenfo  am  27.  gebruar  bie  99a* 
gnge  befl  äatte'föen  Küraffier-  Regiments,  Kranfe  unb  3$er* 
wnnbete  würben  in  ber  Söörfc  untergebradjt. 

Den  1.  SRärj  famen  100  Sagen  mit  £afer  unb  Korn 
für  bad  görli&er  Waga^ln  von  l'auban  fyer,  eine  golge  bavon 
baji  ba*  jenfettige  Reipufer  ganj  geräumt  warb.  Den  3.  Wärj 
rächen  bie  400  Wann  vom  Sramiföweig  Regiment  bem  ©an- 
«ten  nad>  unb  e$  famen  von  £aubau  4  ©renabierfompagnieu, 
2  von  $lt*$Ltärtemberg  unb  2  vom  Darmftäbt.  Regtmente  in 
Gtarnifon.  ^om  8.  üWarj  an  würben  bie  Xfjore  angehalten.  Die 
antjerorbentlidjeu  &orfid)tö  maßreg  ein  Nörten  erft  am  20.  9Äär$ 
auf.  Die' verriebenen  Stellungen  be$  9$evern'fd)en  Storp*  in 
ber  Umgegenb,  veränberten  aud)  bie  @inqitartierung*verl)ältniffe 
in  ©örlifc;  bauptfädMidj  bikbtn  Refruten  ba,  we(d»e  au** 


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486 


bauernb  emciven  mußten.  Das  $c\igajin  warb  burcfy  ein  in 
jjrteblanb  erbeutetet  vergrößert. 

5; eu  21.  Wüv\  ging  ba$  am  19.  von  Oftrift  angefommene 
Braunfa)weig'fcr/e  Bataillon  wieber  nad)  Bernfiabt  ab;  ebenfo 
bat  in  $eopolb$r>avn  geftanbenc  Sföiirtembergifdje  Dragoner- 
^Regiment,  mit  weldjem  be$  Hkinjen  v.  Bevern  ©eittarjlin  ncbpt 
6a)wefter  anfam,  welche  am  23.  sJRärj  wieberum  bie  <Stabt 
verliefen.  Die  <5tabt  wuroe  immer  nod)  feljr  forgfältig  bewacht 
Hnb  bie  6cr)lagbauine  an  beu  Sporen  angehalten.  Den  23. 
unb  24.  fam  bad  laubaner  sJKagajm,  jebeSmal  300  Sagen 
in  bie  ©tabt.  Die  3tnfuf)r  aefdjar;  am  26.,  27.  imb  28.  in 
erstem  SJtaaße.  Den  30.  $*ärj  gingen  2  ßöfabrond  grüne 
#ufaren  vom  Regiment  $uttfammer  burct)  bie  ©tabt;  ebenfo 
am  29.  eiugerutfte  ©reuabiere.  Ueberfyaupt  würben  nun  alle 
Gruppen  auS  ber  ©egenb  von  ©örlifc  weiter  na*  iittaxi  ver* 
legt,  ein  vorbanbeneö  Pulvermagazin  au$  ber  Stabt  entfernt 
unb  Änftattf«  $ur  Slbfufyr  betf  großen  ©etreibe=9)caga$in$  nad) 
Sauden  getroffen.  Waaj  Abgang  be$  @etreibe*9Jcaga$in$  am 
18.  flpril  trat  bis  auf  einige  Durcnmchfcf/e  ber  bei  $iraa  ge* 
fangenen  6ad)fen,  voüfommene  Stille  ein. 

2lm  17.  TOai  würbe  bie  Ceiaje  m  ©en>ral*gelbmarf*aß 
©raf  6d)weriu  naa)  ©örlifc  gebracht  unb  blieb  bie  jum 
20.  <Wa(  im  weißen  Stoffe  ftef>en.  lieber  bie  (Sreigniffe  in 
Böbmen  famen  fwdjft  unanverläfftge  9tadjricr)ten.  SDtetyrmalS 
mußte  alte  Seiuewanb  unb  am  3.  Sunt  Brob  naa)  bem  preuß. 
Säger  geliefert  werben. 

Kalbern  einige  Monate  Wube  ger)err|d>t  rjatte,  rürften 

unvermutet  am  4.  3uli  fciele  rjHnbert  !Öfunirion6*  unb  Ba- 

gagewagen  von  vreußifd>en  Bataillonen,  welche  1321  ©emeine, 

30  Dffeiere,  3  Gapitänä,  1  £>brift  au  Jtranfen  unb  Benvun^ 

beten  bei  ftcf)  führten,  gebedt  von  5  Bataillonen,  unter  Stern- 

manbo  beä  ©eneral  v.  föebeittifa)  in  ©örlift  ein.    I  Bataillon 

beö  ^Regiments  ^ebentifa>  fam  in  bie  ctabt,  1  Bataillon 

sIJcarfgraf  Reinritt),  1  Bataillon  Äalfreut^,  1  Bataiüon  SDiöl* 

lenborf,  1  Bataillon  Würfel  unb  baä  $ufarenregimcnt  SBerner 

eampirten  auf  ber  Bief)weibe  unb  in  ben  6tabtgarteit  Datf 

©rjmnaftum  mit  anbern  öffentlichen  ©ebäuben,  unb  bie  vier 

(Sictjen  würben  ßajaretr;.   Hm  13.  3uli  famen  noct)  met)r 

Berwunbete.   SRan  fd?affte  fola)e  am  21.  3uli  unter  Bebedung 
nad>  Sauften. 

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487 


flm  23.  3m(i  erfdjten  ein  Jtommanbo  t>on  300  dftenet* 
dw'd)en  Dragonern  unb  £ufaren  vor  ber  ctabt,  n>ela)e  nad) 
33efprea)ung  mit  Dem  $ürgermeifrer  9tie<fy  litt)  in  Die  $teippor-  • 
ftabt  efnauartierteu;  am  25.  3uli  wieber  400  Wann  unb  800 
^ann  Kroaten  Hnb  SBaradbiner.  Severe  mußten  nad>  furjer 
(Smquartierung  in  Den  Käufern,  auf  Dem  ^rlafter  bipouafiren. 

Die  £)efterreid)er  beftanDen  foriwäcjrenb  6a>armu&el  mit 
Der  prettf.  «rmee  bei  Sauften  unD  n>urben  t>on  3eit  ju  3eit 
einzelne  befangene  unD  Sagagewagen  nad)  GJörlifc  eingebradjt. 
3n  Der  6tabt  lagen  meiften*  üöJaradbiner  al*  $efafrungA  Dod> 
wedelte  Diefelbe  fel>r,  Da  Der  «König  griebriü)  balD  Den  geinb  junid* 
brängte,  balb  iiirürfgebrängt  würbe  mib  Die  ^iviufe(eien  unter  Den 
(etilen  Xruppen  unabläfjig  fortgingen.  Den  £>eftcrrcict>erii  muß- 
ten ftarfe  Lieferungen  gemadrt  werben;  allein  am  JO.  Huguftpon 
Den  $ewot)nernber  <5tabt  ©örli&80,000  Nationen  £cuunb£afer. 

Den  14.  rücften  Die  (Sroaten,  Saraobiuer,  Dragoner 
unD  £ufaren  eiligft  gum  Sfjore  fjinau*  über  Die  9teijjbrürfe; 
flbenb«  wurDe  Die  ÜReipbrüde  abgebedt,  Da*  grauentf)or  ge- 
soffen, Die  3lufoiet)brürfe  aufgewogen,  Das  odUupgatter  Ijermi* 
tergelaffen  unb  innen  ftarfe  halfen  gebogen. 

£eit  Dem  17.  fluguft  jeigten  fid>  wieber  febr  erfd)öpftc 
unD  ermübete  ^reufien.  önbe  be$  Donata  würbe  ein  preu- 
#tfd>ed  Sajaretl)  naa)  Der  6tabt  gelegt,  unter  Deficit  Jtraufen 
Die  rotl)e  ftut)r  $u  grafftren  begann.  Äönig  gricDrid)  marfdnrte 
mit  fiuem  lljeile  Der  Xruppen  Der  ?Kcia>äarmce  unD  Den  grau- 
jofen  entgegen,  nur  (General  SBimerfelD  blieb  mit  einem 
ebaa>tung4forpd  Der  f.  f.  ärmee  gegenüber  ftet)en  unb  nal)m 
eine  Dreiedförmige  Stellung  awifdjen  £erfner'S  ^orwerf  vor 
SeopoIb*t)apn  bis  uad)  sJÄopö  fyin;  wäfyrcnD  ^rinj  oon  ©eoern 
®orlifr  unD  UmgegenD  mit  Der  SanDedfrone  inne  l)atte. 

9m  7.  September  gegen  11  Ut)r  Vormittag*  iiejj  Der 
llmftanb,  Dap  Die  (SrDe  Pom  geuer  Deä  ©efdjüfje*  unD  &kiiv 
gewefcrfeuere  $u  beben  begann,  ein  bebeutenDeS  <$efcd»t  gan* 
in  Der  9tälje  vermuten.  Unfer  Referent  war  bei  Den  erfreu 
ftatfeu  £a)üffen  auf  Den  grauenttjurm  geftiegon  unb  entbertte, 
ba0  bie  Slffaire  bei  Stfop**)  fei.   Grft  nad)  2  llftr  legte  fta) 


*)  dttn  batt  Hadder  gebrurfte*  Flugblatt:  Umftanblidje  (Radfrify 
»0«  bem  mutagen  unb  tapferen  «ngtif  jc.  8  ®.  ijfc,  augev  beit  angea,«; 
benen  O-ueUen  fjwt  mit  btnufet  twrben. 


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488 


bei*  Jeuern;  gleid^ettig  ging  eine  geuerdbrunft  in  5Äov$  auf, 
woburd)  bie  Sd)enfe  unb  ^tret  Sauertycfe  in  flfd)e  gelegt  würben. 

SBir  wollen  auf  biefefl  @)efed}t  etwad  näfyer  eingeben. 
üRad)bem  bie  f.  f.  Ärmee  beit  6.  Septembrr  von  Bernflabt  in 
baS  neue  £ager  bei  Schönau  eingerüeft,  unb  fomit  ber  preu 
fjifdjeu  bei  <*Jörlt&  genähert  war,  begab  fufy  ^er^cg  Jtarl 
2otr)ringen  über  bie  9cei(|e  auf  töefognoScirung  um  ui  feben, 
wie  ber  «poljberg  bei  ttotyt  am  heften  in  öfimeidMfcbe  ©t- 
walt  gebraut  werben  fönne.  3n  JH*}*  biefer  Befictyrigung 
TiiavulMitc  baö  9cabaftifd)e  töorpä  MbenbS  von  Schernberg  in 
ber  SRicfyrung  auf  beriefe önbrunn  unb  auf  ^ermöborf,  bie 
■Referve  bagegeu  von  ©roßRabmerifc  nad)  Jfcuna. 

&m  7.  September,  borgend  jeitlg,  formirte  ber  %ttb* 
marfchal(«$ieuteiiant  $er$og  von  Aremberg  mit  ben  fämmtti? 
cf)en  ©renabier*$ompagnien  ber  föeferve  bie  erfte  Kolonne,  be* 
ren  Detfung  gelb*Warfcfjall*$ieutenant  Warqtii*  be  Alerid  im 
dürfen  war;  bie  zweite,  ©raf  (Sjtertyafv ;  bie  britte  ©raf 
v.  ffiieb.  Die  Dedung  biefer  3nfanterieförper  Ratten  bie  bei» 
ben  f.  f.  Dragoner  Regimenter  Saufen  *  ©otba  unb  Wobenu, 
nebft  fädjftfcfyen  (SbevaurlegerS.  Da  SBinterfelb  bie  Bewegungen 
für  ben  SBerfiid)  einer  gouragiruug  bielt,  Ratten  fte  voUfoin- 
men  ^tit,  tfd)  in  ber  ©egenb  von  £erm$borf  $u  formiren, 
unb  Famen  gegen  11  Ubr  bid  an  ben  ftu«  beä  ,£>ol$berge$. 
(Sä  begann  eine  »ftanonabe,  wdfyrenb'  bie  Bebetfung  be$  gut 
verfdjanjten  Berge*  (2  Bat.  @reuabiere,  2  Bat.  güftliere, 
1  föeg.  Äufaren)  alajrmirt  warb.  Die  ©renabier*£ompagnien 
unter  güfyrung  be$  ©rafen  v.  58ürben,  ^re^farf  unb  Surften 
v.  Stollberg  brangen  $nr  redeten  unb  linfen  Seite  unter  beut 
©ranatenfeuer  unauff)a(tfam  auf  ben  Berg,  unb  brachten  bie 
vier  Bataillone  naefy  audbaiternbem  jweijrttnbigen  SÖiberfianbe 
gegen  bie  Uebermacbt  \\\m  deichen,  Verfolgten  foldje  auch  bid  an 
bie  preufHfdje  $guptfteltung  $wifd)en  2eopolb$f)at?n  unb  ©örlifc. 

Die  ©renabiere  brangen  in  ba$  preujjifdje  Jjpufarenlager 
ein.  Dort  würben  fte  burdj  bie  Greußen,  welche  injwifdjen 
ft<f)  vermittelt  ber  Dtegimenter  v.  £re$fow  unb  Wanteuffel 
verftarft  Ratten,  wieber  vertrieben  unb  fo  glüeflid}  verfolgt,  bafi 
bie  %h eitlen  ben  Berg  wieber  genommen  fyätten,  fyätte  mdn 
ber  £erjog  v.  Aremberg  injwifdjen  frifdje  üruppen  anrüefen 
lajfen.  Die  Defterreidjer  Ratten  1559  Wann  Xobte,  Berwun* 
bete  unb  Bermipte,  bie  Greußen  ungefähr  biefelbe  Vlujahl. 


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489 


Die  prenpiföen  SMeffirten  famen  fdjaarenwetfe  über  bie 
unterhalb  be$  (Sd^iepfyaufeS  gefc^tageite  S3rücfc  in  bie  (gtabt. 
Die  auf  bem  99erge  geftanbenen  Bataillone  rurften  gleichfalls 
nad)  ©örli$  Mb  Rauben  fet>r  abgemattet  auf  bem  Obermarfte 
bei  ber  Dreifaltfgfeitdfircfye.  Hin  ^Regiment  £at>aHerie,  eben- 
falls fefyr  gelittet,  broouafirte  auf  bem  3übenringe.  Daö 
Getümmel  wäforenb  biefer  &\t  in  ber  (Stabt  war  grofj ;  bafl 
große  Sager  biejfeitä  ber  $eiffe  war  abgebrochen,  bie  93efa$ung 
auägerütft  unb  ber  Ueberreft  beö  ©interfelb'fdjen  ^corpS  ftanb 
am  Äbenbe  be*  7.  oor  bem  alten  JBager  in  ©eftalt  eineö 
^albmonbeö. 

,,3d)  falj*)  ben  ©encral  t>.  ©interfelb  auf  einem  93rette, 
ba6  10  preuthfcfye  (Solbaten  auf  ben  3fctne(n  trugen,  Ijafb  tobt 
herein  unb  in  be$  ©ürtlerS  fiifötx  £auö  am  9teid)enbad)er 
Xfyore  bringen,  wo  er  fyeutc  früt>,  am  8.  September,  um  7  Ufyr 
in  ber  untern  <5tube  geftorben  ift.  3Öeil  idj  in  gebautem 
$aufe  befannt  bin,  würbe  ia)  ber  baoorftebenten  $l*ad>e  im 
oeaduet  fyineingelajfen;  er  würbe  erft  in  ben  unb  fobann 
in  gebadete  8tube  getragen;  bie  üöleffur  war  von  einer  §lin* 
tenhigel,  bie  unter  ber  regten  Sd)u(ter  in  ben  dürfen  gegan- 
gen, unb  in  ber  ©ruft  fterfen  geblieben,  wie  mqu  an  bem  (m 
mifol;  fo  ia)  felbft  in  ^dnben  gehabt,  beutlia)  feljen  fönnen. 

£1$  er  herein  getragen  würbe,  jHcfte  er  fein  ©lieb,  lag 
ganj  vor  tobt,  unb  war  batf  ©eftdjt  mit  einem  rotfj*  unb 
weißfrreiftgten  <5d)mtpftHd}e  äugebeeft;  ein  Hein  Jcommanbo 
3Äger  begleitete  ifyn,  unb  einer  bat>on  trug  feinen  jQ\\t  unb 
Degen  oor  tfym  r)er.  Wan  bebauert  mit  aroper  (Sonfternation 
ungemein  ben  3>b  bicfeS  ©enerald,  ber  pcule  tflbenb,  nad) 
oem  er  in  $wei  in  einanber  fiefyenbe  haften  gelegt  ift,  abge* 
fi"if>rt  wirb»*)." 

$n  btefem  Sage  würben  bie  preufjifdjen  Sager  gänjltd) 
veränbert;  baä  vormals  2Binterfelb'fd)e,  jenfeit  ber  Steife,  war 
nunmehr  baä  grope,  ba$  bieffeirige  ba$  fleine  geworben, 
war  eine  beftänbige  Bewegung  unter  beiben  ÄorpG,  oon  benen 


•)  Äriegatagefrud),  ©egw.  1837.  B.  710.  fflerte  eineö  Augenzeugen 
an  feinen  $reunb. 

••)  Ttm  ©eneral  3Dinterf«lb  ifl  «in  einfacher  Steiu,  mit  ber  9luf- 
fdjrift;  „Hier  OeJ  Winterfeld,  7.  £ept.  1757"  frei  SWo»^  aefefct  werben. 
Öinrn  SSriefroe^fel  mit  $riebri<$  bem  ©rojjen  über  ein  fofcffc*  3)enfmal 
f.  &btl  Söegto.  1838.  <S.  706. 


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*90 


ba6  jenfeittge  im  ©ierecf,  ba*  bieäfeitige  im  ^>a(bt>terecf  gela- 
gert war.  Den  9.  (September  founte  mau  Deutlich  bemalen, 
baß  ;um  Bbmanct)  geruftet  würbe,  ^etm  (Balgen  würbe  eine 
©rüde  über  bie  9teipc  gefchlaaen,  unb  vermittelet  berfelbeit  bie 
SBerounbeten  in  mehr  als  1000  2£agen  fortgeführt.  9lad) 
mittagS  leerten  bie  Greußen  aü*e  ®  arten  um  bie  Stabt  voll 
ftänbig  au<5.  Wac^tS  um  12  Uhr  brachen  bie  nod)  in  (Mörli^ 
beftnblichen  $wei  ©renabier*  Bataillone  auf.  Sie  erpreßten 
mehrfach  ©elb  von  beuten,  bei  melden  Deserteure  verftecft  ge- 
wefen  waren. 

Slra  10.  September  früh  5  Uhr  befefcten  gegen  1000 
Kroaten  bie  ^öhen  über  ber  Stabt  mit  ©efchü{jen  uub  feuerten 
auf  bie  gen  Langenau  abrücfenben  ^reupen;  fie  beunruhigten 
oeren  Strajug  fortwährend  9loch  felbigen  Xag  fam  ^rinj 
Karl  Lothringen,  auf  einem  Schimmel  in  4?ufaren4lnifonn 
nach  ber  Stabt.  $i$  §um  26.  September  ging  nun  nicht* 
Sefonbered  vor,  auper  bap  eine  $Rengc  öfterreic^ticber  Sit* 
wunbeter  alle  öffentlichen  ©ebäube,  babei  wieberum  ®vm; 
naftum  imb  Saifenhauä  in  9nfpruch  nahmen.  9m  30.  Sept. 
be^og  ein  Korpä  von  18,000  sJ)?ann  ein  Sager  £wif<hen  £en* 
neräborf,  fceopolcebavu,  ^ermeborf  unb  ^Dcove,  alfo  jenfeit 
ber  Weipe. 

ÜHitte  November  brachte  man  bie  Sajareth*  aud  (Morlifc 
in  bad  93öhmifche.  Der  dhunb  geigte  jtd)  balb.  9m  21.  fe&te 
bie  ^acf>rtc^tf  König  griebrich  ftehe  bei  ©ifdjofawerba,  bie 
Stabt  in  Sdjrecfen.  9m  23.  November  famen  preup.  grüne 
^ufaren,  fpäter  noch  mehr  Kavallerie  imb  König  griebrich  in 
bie  Stabt.  Sie  würbe  mit  viel  (Einquartierung  belegt  unb 
bauerten  bie  Durd>märfd)e  $wei  'läge  lang.  s#ieh  unb  ^or* 
räthe  würben  weggenommen.  Die  Stabt  imune  bem  Könige 
12,000  Ztyx.  baar,  4036  Ztyx.  an  grie*  unb  Such,  950  2blr. 
für  ©efcheufe,  1625  Xhlr.  p  33rob  biö  $Hm  25.  November 
liefern,  hiermit  hörten  bie  s4.Ua<fereien  ber  Stabt  im  3.  175?  auf. 

3m  «nfauge  be*  Kriegäjahre*  1758  ift  für  ©örlift  nidjte 
$efonbere$  $u  bemerfen,  nur  bap  am  (Sube  jeben  Donata  ein 
Detachement  preup.  £ufaren  erfaien,  um  bie  Kaffen  mit  fort- 
junehmen.  Da  ihnen  im  Wdrj  eine  9btbeüung  ^erreich ifcher 
#uj"aren  juvoraefommen  war,  fanbeit  fie  uitr/t$  in  ben  Kaffen. 

9m  22.  9prü  1758  würben  brei  (Stffabrou*  grüne  $u- 
fareu  in  ©örlifc  eiitquarttevt  j  ben  24.  9prü  bad  »rebow'fdK 


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491 


3tifanteric*Regiment,  bem  brci  Regimenter  Jfürafjiere  auf  bem 
sJRarfd)e  nacr)  DreöDen  folgten.  (£$  mußten  für  fte  10,000 
©tücf  (SommiSbrob  geliefert  werben. 

$Md  ;um  21u<jii|t  mar  eS  oöliia  ftttf e  in  ber  ©egetiD,  auo 
genommen,  bat*  nd)  oon  3*ü  3ei*  öfxerreid)ifd)e  «£>ufaren 
fetjen  liefen.  V(m  14.  Sluguft  tarn  Der  SBefetyl  be$  geheimen 
•  Jtrteg$ratf)$  o.  ©Dönberg,  für  jebe  £ufe  Sanb  %  ©djeffel 
Stoxn,  %  ©Reffet  £afer  unb  1  Str.  £eu  bereit  3U  galten, 
um  foldje  in  ein  ofkrreid)ifd)c$  Sager  bei  3ittau  liefern  &u 
tonnen. 

?lnt  18.  Sluguft  erfd)ien  ©eneval  SaScty  in  ber  ©tabt  unb 
ritt  gum  Reiptljor  fmtauä,  um  ein  Sager  abfteefen  \u  (äffen; 
folgenben  Xagö  fam  ein  öfterreicfyifcrjeö  Referee  *Jtorp6,  mar? 
fd)irte  beim  reid)enbad)er  £t)ore  vorbei  unD  lagerte  ftdj  *on 
(£unner$borf  bte  an  bie  Reijje  bei  SubwigöDorf.  Ü)aö  Max* 
fairen  bauerte  in  r er  Racbt  unb  am  20.  $luguft  fort.  "Am 
20.  fyatte  ®encral*gelb*s}Warf(r)aU  ©raf  Daun  in  ®örli$  fein 
auptquartier  unb  wohnte  beim  Hauptmann  ^e^ben  in  Der 
eifcgaffe.  Das  Säger  ging  oom  neiligen  ©vabe  über  (§ber$= 
bad),  Jtunnerdborf,  biä  ÄlingewalDe.  Ringö  um  Die  ©tabt, 
in  welcher  gegen  1000  Cffijierc  lagen,  fampirten  bie  öfterr. 
Xruppen,  weld>e  gute  9)?aun$Aucr;t  gelten  unb  an  allen  3el 
bem,  loo  Oiemüfe  ftaub,  ©d)ilDwad)en  jum  ©dmfce  placirten. 
2tuf  Der  ißiefjweibe  fyatte  man  .bie  Söatföfen  aufgestellt,  ©emüfc, 
3ufoft  unb  Sßeiu  waren  in  ^ülle  unb  gülle  ba:  nur  bad 
A  leiht  war  theuer.  Die  ©tellung  blieb  biä  uim  26.  Äuguft. 
Die  iruppeit  waren  wie  nadjftefyenb  eingeteilt: 

Sager  ber  jtaifert.  Jtönigl.  ,£>  auptarmee  unter  Jtom- 
manbo  beö  ©eneral*gelb*9J?arfd)all*,  ©rafen 
*.  Daun  bei  ©örlifc,  am  21.  Huguft  1758. 

(*rftc$  treffen. 

3nfanteric  Regiment:  ©r.  sJWaj.  beä  &aifer$,  ^ilDburgfyaufen, 
Saubon,  «ftönigöerf,  Seopolb  UJalfv»  Glerid,  Hl  ^ßolfenbüttel, 
Browne,  93areutb,  Xeutfdjmeifter,  ©etilen,  ©tabrenberg,  ($oh 
lorebo,  ßoüowratr;,  sJDfoltf,  ©adjfen^Öottja,  Sal)mue\  (fr^er* 

jog  tfarl.    18  Regimenter. 

3wette$  Xreffen. 
Infanterie * Regiment ;   .Hart   Sotljungeu,  ©alDerf,  Seopolb 
Dann,  äbeul,  Slnblaw,  X^ierbeim,  3ofepfy  Gjta$af9#.  $<ttr)9amt 


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492 


gorgatfcb,  ^uebla,  Wercv,  guforefe,  SfMiiS  ©olfenHittcf, 

£arrad).    14  Regimenter, 
dritte*  treffen. 
Referve*£orp$.  3nfanterie*Reg. :  £einrid>  Daun,  beCT  ?iane, 
lellperlv,   *|ta(favactiu ,  gtteani,  Durlad),   ©ieb,  SRaiiM, 
Söürjbitrg,  Rif  olau6  (* (terfyafv,  Aremberg,  £arfd),  $Baben*$abeu, 
9Ba((i^,  Reuperg.    16  Regimenter. 
3n  €umma  38  Regimenter  Infanterie. 
Die  Artillerie  jranb  vor  bem  grauentr/orc ,  bie  Kavallerie 
jenfeit  ber  Reife. 

3n  biefem  tfager  würben  36  gebenft,  6  erfdjofffen,  unb 
5  neugeborene  Kincer  aufgefunden,  von  benen  3  am  2eben 
blieben. 

Die  öfterr.  Armee  $og  fta)  am  26.  Anguß  wieber  fort, 
marfdjirtc  naa)  Dreyen,  unb  von  bort  wteber  in  bie  £ber* 
läufig  wofelbft  König  griebrid)  bie  Stellung  bei  ^oeftfird) 
eingenommen'  fyatte  unb  auf  einem  hödjft  gcfär)rlid)en  Jerrafn 
bem  gelbmarfdjall  Daun  gegenüber  flehen  blieb. 

Am  7.  September  tauten  circa  KM)  Wann  Kroaten  unter 
bem  ÜRajer  93ablowöfv,  weldje  al$  vorläufige  ©arnifon  ftehen 
blieben,  golgenben  Sagä  crfcfytcnen-  4  Regimenter  pufferen 
unb  Kroaten,  bivouafirteu  in  ber  laubaner  $orftabt,  pafftrten 
am  9.  bie  6tabt,  unb  marfcfyirten  am  10.  in  ber  Ridjtnng 
auf  Stolpen  ab.  gortwäfyrenb  gingen  Lieferungen  au  Kebenft* 
mittein  unb  ©etreioc  aue  <Sd}(e|teu  $ur  Öfterreid)ifd)en  Armee. 

Am  8.  £>ftober  brang  beim  (Morteebicnfte  wäbrenb  ,ber 
Urebigt  ba6  ©eriidjt  in  bie  Kirdje,  König  grieoritt)  fei  mit  . 
feinen  Xruppen  im  Anjuge,  wa6  allgemeine  ©eftürjung  er- 
zeugte, ©eneral  s$er;la  poftirte  fiefy  mit  1000— löOO  üftann 
auf  bie  Sanbeöfrone  unb  verlaugte  von  ber  Stabt  tagitd} 
100,000  Portionen  unb  Rationen,  wovon  jebod)  nid)tä  gelie- 
fert würbe,  ba.  er  am  Abeitbe  von  bort  ictyon  wieber  abgc 
gangen  war.  gaft  ftünblid)  hörte  mau  ($cfd}u$  unb  Klein? 
©ewefyrfeuer  in  ber  gerne.  Die  Tljore  würben  forgfältig  ju* 
gehalten. 

Am  25.  Oftober  paeften  bie  «IG  ©efaftnng  baliegenben 
Kroaten  in  ©örlifc,  auf  bie  Radmdjt,  bafi  fid)  König  grieb* 
ridj  bei  Ullcrflborf  unb  3änfenborf  befinbe,  ein,  unb  verliefen 
eilfgf*  bie  Stabt.  Abenb*  fagte  man,  bie  ganje  öfterr.  Armee 
*dme,  ba  12  (Söfabronä  öfterr.  Kavallerie  ftd>  gegen  9  ityr 

» 

*  - 

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9 

493 


bei  Der  3iegelfdjeune  lagerten ;  boeb  am  26.  waren  fic  fa)on 

wieber  fort  unb  bei  (yberöbad)  preufj.  £ufareu  tu  fernen.  (5$ 
fam  bort  m  einem  ©efedjt,  in  gol^e  beffen  bie  Öefterreicfyer 
bi$  $ur  Sanbeäfrone  fuh  jurücfjiefyen  mupteu.  ©cgeu  2  Ul)r 
erfaßten  ber  .uont^  • )  unb  mit  ihm  15  Bataillone,  welche 
in  ber  Stabt  untergebracht  werben  mußten;  bie  übrigen  bi* 
vouafirten  bei  ©irbigoborf  auf  ben  gelbem,  griebria)  II. 
wohnte  erft  in  ber  Statt  bei  einer  grau  Brcfymer,  am  anbern 
Xage  im  ÖJarteugrunbftücfe  be$  iReftor  Bamucijter  beim  fjeil. 
©rabe.  3n  ber  <&tM  mußten  25,000  Xtytx.  baar  unb  au* 
Berbern  Lebensmittel  unb  Leinewanb  ju  Seiten  geliefert  wer* 
ben,  fo  bap  fein  bieömaliger  93ejud}  gegen  100,000  Xfyalcr 
foftete.  £>ie  ttrmie,  oerfolgt  von  ben  £)e]terreidjeru,  ging  naa) 
einigen  Hauen  nach  <Sdjle|ten.  £e$tere  trafen  v^ut alten,  bei 
sMo»is  ^aejajaujungen  auswerfen,  würben  aber  hierin  unter 
broctKu.  Denn  am  16.  Bevern  bei  erfdjien  ber  Äönig  wieber 
auä  cihUiien  unb  giug  am  17.  nad}  Inven.  Den  19. 9Rov. 
fam  $rinj  £einrid)  von  Greußen  unb  9)iarfgraf  itarl  an;  fic 
hielten  Dlajttag  unb  mußten  von  ber  halb  auogefogeneu  8tabt 
Lebensmittel  geliefert  erhalten.  Wim  blieb  eö  biö  auf  einige 
Streifpatrouiüen  öfterreidjifdjer  unb  preupifd>cr  ^ufaren,  rufyig, 
ebenfo  Anfang  bei*  3a^red  1759.  (Srft  im  3uli  bildeten  ftd) 
wieber  eutfefteibenbe  Greigitijje.  Die  Daun'fdje  9lnuee  fam 
in  bie  Jüberlaufty  unb  Ijatte  bei  ®er(aa>3i)eim  eine  Stellung, 
wol)iu  viel  SRebl  geliefert  werben  mußte,  ttnt  10.  3uli  wa- 
ren circa  120  SRann  Kroaten  in  ©orlifc  im  Quartier;  fte  la- 
gen auf  bem  Saljfyaufe,  gingen  fdjou  am  21.  wieber  fort, 
unb  würben  burd)  ein  Bataillon  vom  Laubon'fdjen  ÜForpd  er* 
fe&t,  weldjeö  $um  großen  Xljeil  folgeubeu  Xagö  bie  Stabt 
pafftrte  unb  bei  tt>r  in  ber  9iäbe  bivouatirte.  Dura)märfd)e 
waren  alle  Hage.  Der  Satl;  mußte  viel  SBrob  baefen  lajjen, 
um  eä  iu  bad  öjterr.  Lager  ju  fa)icfen.  Die  (Srnbte  würbe 
fei)r  babura)  geftört,  baß  täglia>  oiel  2Öagen  unb  $ftenfd)en  re* . 
quirirt  würben.  Km  29.  3uli  gingen  vom  Jlorp*  beö  ©ene* 
ral  Laubon  viele  93agage-  unb  äraufcicSBagen  bura)  ©örlifc. 

Den  6.  Sluguft  famen  fea)ä  gelbbarfeieien  vom  Daun'* 
fa)en  Äorpä,  baö  immer  nod>  bei  Lauban  ftaub.,  Sie  würben 


')  tyettact)  m  9töbenbetf,  C^tMdnctjtcfaUnteL  jnetttet) 'e  ©*.  I. 
358.  ju  cTgäu^cm. 


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494 


auf  bem  Scr/iefjplafce,  bei  ber  ©ogelftange  Junb  bem  SRabemarfte 
(Demianiplafc)  aufgefteUt. 

3>rei  Xage  barauf,  ben  9.  Augufr,  rücfte  bü$  9ttacquierifche 
Jforpd,  gegen  10,000  Wann  von  Sauften  l)er  in  ®örlift  ein, 
unb  lagerte  fich  auf  ben  gelbem  twiftttii  bcm  heiligen  ®rabe 
unb  ber  3ttftt(fcheune:  $>en  ganzen  %aa  unb  [olgenbe  fuhren 
mit  «§>afer  belabenc  Söierfpänner  Auf  Söhnten  burch  bie  (Statt, 
j|um  Sfceithenbacher  $t)cre  hinoufl  unb  unterbrachen  bie  ^affage 
für  gujjgänger.  £>er  ©eneral  logirte  im  SÄajor  «fietybefchen 
4paufe;  er  war  ein  fcr)r  freunblict)er  unb  gefälliger  mann  unb 
ttjat  alle$  um  ben  Einwohnern  Erleichterungen  \u  verfd^affen. 

Am  14.  Auguft  würbe  ein  Danffeft  im  Sager  beä  ©e- 
neral'S  SOJacquierc  wegen  ber  6cf)lad)t  bei  Äunneröborf  abge- 
halten. $>er  SKatt)  würbe  aufgeforbert,  bie  Sürgerfchaft  mit 
tiefem  glücflidjen  (Sreigniffc  mannt  ju  machen,  unb  jur  geier? 
lidifeit  juge$ogen.  Er  liefj  vor  einem  $eitt  ÜOteffe  leien;  $wei 
9Jhtftfchcne  warteten  babei  auf.  £)en  15.  würben  28  Jtano* 
nen  auf  ben  Obermuhlbergen  aufgeführt;  bie  gefammte  3nfan* 
terie  in  einer  langen  gronte  hinter  ber  ^ifclaifirche  auf  ben 
4pöl)en  aufgehellt,  unb  breimal  ^iftoria  gcfchojfen.  Den  18. 
marfdbirte  ber  ©eneral  fchleunigft  nach  S>re$ben  ab. 

gn  ben  folgenbeu  ictgen  würben  fel)r  viel  preujjifchc  ®e* 
fangene  auö  ber  <Sd)lad)t  bei  Jtunueröborf  über  .©örlift  nach 
Böhmen  geführt. 

Den  29.  erfct)ien  ein  Korps  von  20,000  Wann  3nfan- 
terie,  Kavallerie  unb  fdjwerer  Artillerie  au$  tfauban  unb  Um? 
gegenb,  weldje  ftttiftyen  Klingewaloe  unb  £ubwig$borf  bivonafm 
ten,  aber  fct)on  am  30.  Auguft  nach  9!ÄH$fau  aufbrachen.  Auf 
ber  Siehweibe  war  ein  gropeS  boi)mifeheö  $afer-'9ftaga$in  auf- 
gefteüt.    E$  ging  fpäter  ber  Armee  nach. 

*ßrinj  Heinrich  f)attt  bie  ihm  gegenüberjtehenben  Oefter? 
reicher  jurücfgetriebeu -unb  burch  fünftiidje  9)iärfche  gefdufc^t, 
babei  in  grieblaub  ein  9Raga*m  ruinirt.  AI«  er  im  (Septem* 
ber  auf  ©örlift  marfchtrte,  nahmen  bie  iDefterreictjer  auf  ber 
Sdjanje,  in  ber  Dichtung  nad)  Eberäbaci),  Klingewalbe  unb 
£ubwtg$borf  eine  Stellung,  blieben  ieboct),  währeub  $rinj 
Heinrich  fein  Säger  bei  Schernberg  t>attc,  nur  fnrje  3ett  bort 
ftehen  unt>  brachten  alle  üttagajine  fchleunigft  jiach  Sauften. 
Am  11.  September  früh  5  Uhr  famen  bie  erften  preu* 
Alchen  £ufaren  jum  grauenthore  hinein ;  nach  unb  na<h  folgte 


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495 


3ufaitttrfe,  fo  jablretcb,  baß  ber  ^Sauöroirtl)  68  Warnt  Kinquar* 
tierung  jur  Seföfitigung  befam.  $)a$  bauerte  bi$  jHm  23.  ©ept 
au  weitem  läge  t>te  ?(nnal)erung  ber  £>aun'fd)en  9(rmce  bte 
^reußcn  $um  flbmarfaj  »craniale,  ^ie  führten  bic  €tabt* 
fdjlüffel  unb  bie  beibett  Sürgermcifter  33elimaim  uitb  Dtiedj 
gleia)fall$  mit.  91m  24.  s)lad)mittagö  famm  £e$tm  junirf. 
Wm  25.  trauert  bie  &ai fertigen  nacf;  kauften  auf. 

9?ad)bcm  einige  2ßod)cn  lang  bic  8tabt  jticfyt  mehr  beun- 
ruhigt worben  war,  famen  ganj  unenvartet  am  28.  £cceui> 
ber  1759  von  gauban  150  Wann  pieußifdje  #ufaren,  nebfl 
100  Wann  3nfanterie  unb  einer  Äauone.  Der  tfommanbeur 
forberte  alle  föiügl.  Jtaffen,  alle  vorrätigen  Sudje  unb 
40,000  Iljlr.  Kontribution,  (Srftcre  würben  tym  cinaeljdn* 
bigt;  bie  $ua)e  follten  ber  Angabe  ber  Bürger  nad),  afie  auf 
ber  ÜJceffe  fein,  boa)  fanb  er  uod)  fo  viel,  baß  ber  2öertf)  be$ 
9öeggenommcnen  gegen  1000  £l)lr.  betrug.  9Jad)inittag$  4  Ufyr 
tbaren  erft  5000  Üt)lr.  beifammen,  wc$fialb  mau  große  gunfyt 
vor  ^tlünberung  Ijegte.  Der  9Äajor  nahm  jwei  angefefyene 
Bürger,  bie  ftatfydrjerrn  SRanifd)  unb  Dr.  gröljlid)  mit  nad) 
&mban,  brofycnb,  wenn  am  29.  nid)t  baö  übrige  ©elb, 
35,000  Üfylr.  in  Sauban  fei,  werbe  er  mit  mefyr  Gsrcfutiona- 
truppen  fommcu  unb  bic  (5tabt  pltinbern.  (*r  ließ  ftdj  bc* 
l'djwidjtigeu  als  man  il)m  am  folgenbeu  Xage  nod)  10,000  Xfylr. 
außerbem  für  1000  Xljlr.  Zud)  fenbetc,  unb  bie  Uumögliajfeit 
wrftellte  mefyr  ju  jahlen. 

Den  14.  Januar  1760  bejog  baä  game  Sdjmettau'fdje 
Äorpö,  gegen  6000  Wann,  Duartiere  in  (Modifr.  Die  6tabt 
mußte  mehrmals  $u  neuen  .Kontributionen  unb  2luöfd)reibun* 
gen  beä  preuß.  ©eneral-itommanbo'ä  beitragen,  wäfyrenb  fort* 
wäljrenb  in  ber  Umgegcnb  €d)armü$el  jwifctyen  Jlaiferlidjeti 
ünb  Greußen  vorfamen.  91m  10.  Wax\  ging  ba$  ganje  $orpd, 
weldjed  julefrt  uod)  14,000  Xljlr.  erpreßt  fyatte,  nad)  gauban 
ab.  Die  öfterr.  Mrmce  riefte  wegen  gourage -  langete  nicfyt 
ein;  nur  ein  Regiment  blieb  in  ^ittan  flehen. 

2Rit  bem  3a^re  1760  frören  leiber  bie  fpejielleu  Berichte 
auf,  roeldje  ftcf;  bid  bafjrn  «ber  bie  Truppenbewegungen  bei. 
©örltfr  vorfanben. 

91ld  ber  Jtönig  burdj  bie  Dberlaufifc  nad>  Sdjlejien  $og, 
ging  ifjm  Daun  jur  Seite  uub  pafjirte  am  5.  Sluguß  1760 


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496 


Die  €>tabt  mit  einem  Xfyeil  feiner  Xnvpptn,  ber  anbete  ging 
fübweftiid)  von  ber  ©tabt  über  bic  Dörfer. 

3m  3.  1761  war  griebrid)  ber  ©rofje  auf  bem  $>urd}* 
ntarfdje  nad)  ©djleften  in  ©erlifc.  3eber  Bierfjof  fyarte  120 
3Äann  Einquartierung  unb  in  bcmfclben  SBertyältnifle  waren 
alle  Käufer  bamit  belajiet.  3>ie  ©tabt  mu£te  21,465  Sfclr. 
gonmbution,  2714  $f)lr.  an  £u$,  2696  Ztyv.  an  5)ouceur$, 
unb  1990  £f)lr.  abverlangte  Safelgelber  geben. 

Dbwofyl  im  3.  1762  ber  Ärieg$fdjaupla$  lebiglidj  in 
©Rieften  war,  r)atte  bennodj,  griebrid)*  richtigem  Softem 
aemdfi,  ftd)  anberwärt*  bie  6flf6mittel  für  gortfefcung  beS 
Äriegefl  t)erbei$ufd>afFeu,  aud)  (§6rli$  *u  leiten.  $>en  9.  6ep* 
tember  1762  fam  ber  ©eneral  v.  ©djmcttau  nad)  ©orlifc  unb 
verlangte  40,000  $l)(r.;  au$  ben  anbern  ©ed)$tiäbten  unb  beu 
JUöftam  würben  viel  ©eiffeln  feftgcr>a(tcu.  Slm  4.  Dftober 
uiarfdjirte  ©djmettau  ab  naefy  ©Rieften;  fam  jebod)  am  17. 
auf  bem  $urcr)marfd)c  nad)  9fleijjen  wieber  burdj  bie  ©tabt, 
wofelbft  neue  Erpreffungen  erfolgten.  91m  23.  Oftober  erföien 
ba$  ßorpö  beä  ©eneral  v.  %euwieb;  am  4.  November  jene* 
be$  ©eueral  v.  töamin,  weldjeä  ftd)  in  ^lünberung  f>er* 
vortrat  unb  ber  ©tabt  biö  in  ba$  neue  3af)r  1763  jur  Saft 
lag.  $)cr  §ubert$burger  griebe  entfernte  biefe  *ßlaaegeifter. 
Äönig  griebrtd?  ^afflrte  nad?  8u$wedrfelung  ber  föatiftfaiionen, 
am  12.  9)car$  ©örlifc,  ofyne  feinen  SBaaen  au  verlajfen. 

8m  21.  Wäis  1763  würbe  ba$  griebenSfeji  in  ©orlifc  • 
gefeiert 


3m  Kriege  von  1778  fyatte  ©öili$  jwar  aud>  einige 
Einquartierung,  weldje  in  ber  ©t.  $lnnenflrd)e  ein  9Äaga$m 
anlegte.  SRan  fam  aber  im  ©anjen  mit  ber  gttrcfyt  fort, 
benn  ber  griebe  von  1779  befeitigte  balb  bie  Befürchtungen 
wieberfyolter  J?rieg$leiben, 


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497 


Neunte«  mpittU 

Die  milben  Stiftungen  in  ©örlifr. 


d$  gibt  wenig  Stabtgemeinben,  we(<f)e  eine  fo  große  3al)i 
von  Stiftungen  jum  grommen  unb  gur  Uuterftü&ung  bebräng* 
ter  9)titmenfd)en  |n  »crwalten  Ijaben,  wie  ©örlijj. 

Sa)on  früher  hatte  man  ftd)  bamit  befdjäftigt,  eine  2luf- 
jeidjnuHg  berfelben  ut  bewirfen,  inäbefonbere  befmbet  ftd>  in 
Der  Sanii&er  SWonatSfcbrift  von  1797.  93b.  II.  6.  610.  3af>rg. 
1802.  931».  L  S.  326  ff.  402  ff.  ein  thtffaft  be*  ehemaligen 
Subreftorä  Xjfdjopve  am  fjieftgen  ©tymnaftum,  mit  einem 
^JÖerjeidinifi  ber  Stiftungen  für  Stubfrenbe  in  ÖJörlifc.  3n 
berfelben  2Ronat$fa)rift  Jahrgang  1793,  33b.  L  S.  93,  war 
fdjon  vor  bem  $afd)oppc'fd)en  auftaue  eine:  „9tad)ridjt  von 
ber  ^artmann'fajen  Stiftung  in  ©örlifc"  mitgeteilt  korben. 

$eueroing$  hat  ber  SRagtjtrat  in  ©orlffc  ein  s-8eraeid)niß 
ber  von  ihm  verwalteten  milbeu  Stiftungen  entwerfen  laffen, 
welcf;e$  in  großer  ©enauigfeit  unb  überfid)tlid)er  Klarheit  ben 


treffe  vertagen  f>gt. 

Die  Stiftungen  ftnb  in  jenem  angeführten  33erjeia)nip  ge* 
orbnet  in  folgenber  ©eife: 

I.  Untverfttatöftipenbien,  unb  jwar  a)  vot$ug$weife  an 
SBerwanbte  unb  attäbrücflia)  genannte  ^erfonen.  unb 
b)  an  9?id?t-95erwanbte  unb  niajt  au£brücflich  ge* 
nannte  *ßerfonen  gebundene, 
ü.  Sd^uUStipenbien.  a)  für  ba$  ©tymnajtum.  b)  für  bie 
bösere  93ürgerfd)ule;  c)  für  bie  JBolfäfdjulen. 

III.  3n  allgemeiner  UnterftüfcHng  für  SBerwanbte  unb,  be* 
ftimmte  ^erfoneu.  ' 

IV.  3«  beftimmten  3roetfen. 

V.  3ur  Unterftüfcung  für  §(rmc:  a)  bei  ber  SCrmenfaffe, 
b)  bei  ber  £o$pital*Äaffe,  c)  bei  ber  2Öaifen*fltaftalt. 

VI.  Stiftungen,  treibe  bei  bem  Sierar  ber  evangelifdjen 
Ätr$e  verwaltet  werben. 


enannten 


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498 


©efyen  wir  auf  bie  Univerjttäteftipenbien  über,  fo  fiu* 
ben  wir 

L  ba$  erjie  unb  ältere  vom  3af)r  1506,  worin  ber  au6  @*or* 
lifc  gebürtige  qßrofcjfor  Subwig  Scfyneiber  in  £cip$ig  ein  gegen- 
wärtig auf  570  iljhr.  gewadtfeno*  Kapital  audfefcte,  beffen 
3infen  buref)  ben  ÜÄagiftrat  auf  5  3abre  an  ein  görlifcer 
Stabtfinb  $u  vergeben  finb,  welche«  auf  ber  Univerfität  £eip$ig 
ftubiren  muß. 

2)  9JMd)ior  £auffe,  Stabtfiauptmann  in  Dreoben,  legirte 
am  13.  Scptbr.  1572  taufeub  ÖJulben  (jefct  auf  1551  Ztyx. 
7  8gr.  6  *ßf.  angeworfen)  für  feine  4  Sdjwefteru  unb  beren 
Äinber.  3m  galt  be$  ^(u^erbeud  ber  gamilie  fommen  bie 
3infeu  $u  gleiten  Reifen  an  Stubirenbe  ber  Geologie, 
welche  in  ©örlifc  auf  ber  Sdjuie  gewefen  ftnb. 

3)  Die  SBittwe  eine*  gorlifrer  <Bürgermcif*er$,  Urfula 
SWeljer,  befHmmte  am  23.  gebruar  1602  bie  3infcn  von 
415  2f)lr.  für  einen  frommen,  gette$fürd)tigen  unb  armen 
€tubenteu  auf  3  3afyre.  Die  greunbe  bed  (^emannä  unb 
ber  Stifterin,  mit  8u$naf)me  berieniaen,  welche  jelbft  SBermö* 
gen  befi&en,  fyaben  ben  ^orjug  vor  §rembeu. 

4)  Dfterbinötag  (18.  JHpril)  1609,  gab  ber  Dr.  med. 
etabtpDfifuö  Jtaäpar  8ct)wenffelb  205  fyix.,  beren  3infeit 
auf  bret  3a^re,  junäctyji  für  s^erwanbte,  bann  für  «Berföwä- 
geite  bee»  Stifters  gewährt  werben  follcn.  GoÜator  ifi  ber 
regierenbe  ^Bürgermeister*). 

5)  Daniel  Staube,  Dr.  unb  Diat^mitglieb  in  ©örlifc, 
1000  görl.  3)iarf  (jefct  1032  %tjk.  15  Sgr.)  auf  3  l)intcrein* 
anber  folgenbe  3al?re  für  bie  trüber  unb  Sdjweftern  beä 
Stifters,  wenn  fte  ber  reinen  evangelifdjeu  iKeligton  ange^ö- 

,     ren.    Stenn  ba$  @efd)ied>t  eingebt,  $u  gleichen  SfaUai  für 
tfinber  armer  £anbwerf er.  Die  Stiftung  ift  vom  3 1 .  Staf  1616. 

6)  SÄatt^euö  SBerger,  ©ürger  unb  £anbetemann  in  ®ör* 
Ufr,  beftimmte  am  24.  Januar  4617  bie  Stufen  *>on  1025  X^lr. 
Kapital  für  jwet  Ideologen  au$  feiner  ober  fetner  beiben 
grauen  greunbfdjaft  unb  jwar  Sollen,  weldje  ut  ben  beßen 
Hoffnungen  berechtigen,  auf  bret  3af)re.    Sin&  feine  $fyeo* 


•)  3ßo  fein  doUator  befonber*  angegeben,  fyat  bif  (Joüatnr  jtet* 
fcet  gütiger  SWagijtrat. 

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499 


logen  ober  gamüienglieber  vorfyanben,  faitit  bafl  €?tipenbium 
aud)  aubem  gafultaten  unb  9ftcr)tver*vanbten  u\  l  hni  werben.  . 

7)  «Roftna,  SBittWf  be«  ©utäbcft&er  epea)t  auf  Seopolb* 
l>avn  unb  £enner*borf,  »ermatte  am  19.  «Oiat  1639:  520£blr. 
bem  unter  ber  ©tifiertn  $lutevenvanbten  älteren  (Stubenten, 

f t  einem  anbern  frommen  (stubenteu. 

8)  3oaa)tm  v.  33erae*$errnborf,  9teid)Sljofratf)  auf  £crru* 
borf,  errichtete  am  21.  jauuar  1702  jwet  Stipenbien,  jährlia) 
pfammen  109  Hr>lr.  10  6ar.  3i»fe»/  f«r  S^ei  in  ber  <5tabi 
(Berlin  ober  beren  3Kitleibenf)eit  geborene  Stubirenbe.  C>oüa- 
tur*$ef>örbe  i\t  bie  v.  $erg*£errnborfer  @eniorat3  *(5recutoria 
SU  ©logau. 

9)  Äm  7.  3uni  1715  fefrte  ber  Sürger  3eremfa$  iBictorin 
3ad)cv  in  ©örlifc  800  Ihlv.  ;u  einem  Stipenbittm  auf  3 
3ahrc  für  arme  (Schüler  aud,  tvela)e  einige  Ja  tu  e  auf  hielt-- 
gern  ©vmnafium  jugebracfyt  haben,  ^tabtfinber  unb  au6  ber 
6tabt  gehörigen  Dörfern  ©ebürtige  Ijaben  vor  gremben  ben 
^orjua. 

10)  SWoller  v.  SWoüerftavn,  SÖürgermetfler  ju  ©örlt&, 
Ue0  am  9.  3anuar  1720:  300  Wart  <je$t  388  Zfyr.  26  6ar. 
8  $ßf.)  unfünbbar  auf  ben  93raufyof  9fo.  23  eintragen  für 
jnjei  arme  (Stubenten,  unter  Denen  feine  5Mutövenvanbten 
unb  görlifcer  Stabtfinber  ben  s-8orjug  Ijaben.  I  ic  (£oüatur 
fietjt  ben  ^envanbten,  je$t  bem  föiemermeifter  3.  g.  Limmer* 
mann  in  ©ödifc  ju. 

11)  Mag.  unb  Past.  prira.  6e*>ffert  unb  beffen  grau  9to* 
fme  in  ©örlifc,  beftiinmten  am  27.  Slpril  1727  bie  6umme 
von  1400  $r>lr.  für  ifyre  Änvenvanbten,  in  (Ermangelung  für 
anbere  in  Seipjig  jiubirenbe  ber  augeburgifcfyen  tfonfefuon  &u« 
gethane  ©drüber.  .  Xaö  <Stipenbium  beträgt  je  tu  jahrlid) 
50  3  Mr.  unb  roiib  4  Jafyrc  vom  Hefter  beö  ©vmnaftumä 
unb  jebe$maligen  *ßajtor  ^rimariuä  in  Oku  Ii lad  5.  3atyr 
vom  fönigl.  Spellhof  in  ©logau  vergeben. 

12)  ttm  I.  3uli  1737  würben  von  ©ottfrieb  ©erlaa?, 
lMu"^vätov  in  ©örlifc  1040  3l)lr.  auägefefet  'ju  einem  <5u* 
penbium  auf  brei  3afyre.  SBenvanbte  geben  vor;  fie  muffen 
aber  evangelifa)  fein  unb  roenigftenö  jtvei  3al)ve  ba$  görlifrer 
©tymnaftum  befudjt  fyaben. 

13)  Die  Wajt'faje  (Stiftung  für  Stubirenbe  (fommt  in 
ber  brüten  »bt^eilung  noa)  vor). 

32* 

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;>oo 


14)  1032  %tyiv.  15  Sgr.  würben  t>on  ber  »erw.  giau 
*prebiger  Sophie  (£lifa&etl)  4pille  geb.  Wanin'uö  $u  ©örlifc  *u 
einem  llmverjitätäftipenbtum  für  arme  Stubirenbe,  welcbe  3 
3ab)r  minbeften$  ba$  fnefige  ©»mnajium  bcfucftt  baben  unb 
et>angelifdjen  ©laubenö  |mb,  am  6.  December  1754  befttmmt. 
SBerwanbte  gefeit  babei  t>or.    Die  Sdjüler  muffen  t>ater-  ober 


lastico  am  Sterbetage  ber  Stifterin  eine  9tebe  &u  ifyrem  ©e* 
bädjtnifj,  and)  beim  Abgänge  öffentlid)  eine  &bfdn'eb$rebe  galten. 

15)  Die  »erw.  Jrau  l'ouife  t>.  ©eräborf,  geb.  ».  $odV 
berg,  legirte  am  26.  SWärj  1774:  4100  Xfylr.  vier  Bürger* 
lidjen  auf  brei  3a^re  hinter  einanber,  $wei  »on  fjieftgem,  jwei 
son  fäd)fi|d)en  ©^mnajten.  (öftere  mü)Ten  jäf>r(tcb  eine  ©e< 
bÄcfytnijjrebe  galten  unb  befemmen  bann,  wenn  jte  fla)  auf 
ber  Scbule  gut  geführt  fyaben,  aud)  baä  Stipenbium  auf  brei 
Uni&erjttätöjafyre.  Dedljalb  gehören  hierbei  2100  üfylr.  unter 
bie  ©tymnaftalftiftungen.  Die  sJ?aa>foinmcn  beö  Senator  §x\v 
beliuä  f)aben  ben  93orjug. 

16)  Slm  13.  Januar  1786  beftimmte  Dr.  jur.  unb  §v>\\ 
bifu*  (Srbmann  ©ottlieb  «ftartmanu  in  ©örlifc,  bie  3»nf™  *™ 
1290  £f>lr.  18  Sgv.  9  $f.  Sour.  $n  einem  Untotrjitöttfti* 
penbium  auf  3  3af)re  für  ein  görlifrer  Stabtfinb,  in  (Srman* 
gelung  für  einen  Stubirenben  au«  ben  gorlifrer  SXitleibenfyettS* 
bdrfern.   Diefc  Stiftung  gehört  $Hr  großen  Stiftung  9Jo.  38. 

17)  3ol)ann  ©eorg  &>cr;mann,  Kaufmann  unb  Schöffe  üt 
©örlty,  »ermatte  1025  Sfjlr.  auf  brei  3a()rc  für  einen  Stu- 
birenben, weldjer  wenigften*  2  Jatyre  aHf  f)ieftgem  ©&mna* 
jtum  gewefen  unb  evangelifdjeu  (Glauben*  ift.  SkrwanbTe 
baben  ben  Sorjug,  nacr)  Umftänben  entfdjeibet  baö  £oo$.  Die 
Stiftung  ift  vorn  28.  Januar  1794. 

18)  2800  £l)lr.  bestimmte  am  I9.^ril  1 798  tfarl  ©ort* 
lob  Stmbroftuö  ®olf,  Slbuofat  in  ©örlifc,  jh  2  Sttycnbien 
auf  furfäct)ftfd>en  4poa)fd)ulen ,  für  Söt)ne  r)ieftger  ^btfofaten, 
bann  »on  s£iertel$l)auptleuteu,  banu  ber  &inbfaffen,  auf  jwei 
3al)re.  Die  keltern  ber  Unii>ertltätS*Stfpcnbiaten  Dürfen  nid>t 
in  einem  ftäbtifd>cn  ober  föniglidjen  Ämte  geftanben  labert. 
(£oü*atoren  finb  bie  jwei  QJorftefter  ber  Vanbfaffen  unb  ber  äl- 
tefte  Sftwofat  unter  ber  8ufficf)t  beö  WagiftratS. 

19)  3o()ann  ©ottlob  Neubauer,  Sdjneibermeifter  unb 
bürgerlicher  Deputirter  in  ©örlty,  bestimmte  am  3.  gebruar 


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501 


1817:  1035- l&lr.  (urfprünglid)  1000  £f)lr.  Gono.*©efo)  auf 
3  3flfyre  jwet  93ürger$föt)nen,  bie  jtd)  auf  hieftgem  ©nmnaftum 
au$ge$eia)nct.   93ei  Mehreren  aufweitet  ba$  £ooä.  $)ie  3$er*' 
aebung  au  anbere  fleißige  Sdjüler  ftebt  beim  "üRagiftrate,  falte 
feine  &üracr$föfyne  portyanbrn  ttnb. 

20)  i>ie  t>ero.  grau  ^rofeffor  SÖeiSfe  geb.  ^artmann  in 
£etpjig  legirte  am  20.  3uli  unb  16.  Sept.  1837  $u  einem 
Stipcnbium  auf  bie  Uitfoerfttdt  £eip$ig  an  geborene  preußifdje 
Cberlaufifcer,  unb  überhaupt  preujnfdn'  Staatsangehörige 
2000  Xfylr.  ©eborenc  ©örlifcer  unb  foMe,  meldje  bie  Sdjule 
bi$  jum  Abgänge  befugten,  haben  ben  ^oriug.  Der  s3Äagi* 
ftrat  fann  nad)  feinem  Srmeffen  baä  Stipenbium  aua)  unter 
3wei  feilen.  Siub  feine  Stubirenbe  üorfjanben,  wirb  Dnö 
Stipenbium  in  $n>ei  föaten  für  bie  lauer  ber  Skcanj  an 
Gtymnaftaften  bei  I.  unb  2.  Älaffc  »erteilt,  wobei  geborene 
©örlifcer  ebenfalls  ben  33orjug  tyaben. 

21)  Xen  26.  9(ooember  1837  »ermad)te  Johann  3^fob 
Säittler,  Bürger  unb  Stabtwertel*-- Hauptmann  tu  ©örlifc, 
1025  Xfylr.  su  einem  Stipenbium  auf  3  3af>re  für  einen  av 
inen  Stubirenben,  oornebmlid)  aufl  be$  Stifter*  ftamtfte  mv 
tertiärer  ober  mütterlicher  Seite. 

II.  Sdjulftipeubieu. 

22)  Xer  fchon  genannte  SRattyeu*  töerger  fefcte  am 
5.  Huguft  1587:  100  Ztyx.  and  an  6  arme  unb  bürftige 
©tjmnaftaften,  fo  fleißig  ftubiren,  am  Jafobitage  jebeä  3abm\ 
£>aö  ©elb  vergibt  J>er  Hefter  beö  Gtymnafutma. 

23)  greiljerr  t>.  Styloerftein-^ilnirfau  auf  Bndjwalbe  fe&te 
ben  27.  üWat  1715:  2562  Xblr.  l5Sgr.  für  brei  eoangelifdje 
auf  bem  görlifcer  Qtymnafio  ftubirenbc  Schüler  uuo  jroar  für 
einen  geborenen  ©örli^cr ,  einen  Saganer  unb  einen  Sprot* 
tauer,  auf  3  3«f)re  bintereinanber  auö.  SBeun  mehrere  be- 
rechtigte porfyanben  ftnb,  wirb  gelooft.  *Äm  17.  Äpril  jebed  . 
3>af)re$  folfcn  bie  Perzipienten  öffentlich  eine  fleine  SRebe  &um 
2lnbenfen  bc$  Stifters  halten.  (Jollatur^e^örbe  bilbet  ber 
$tagiftrat  für  ba$  görlifcer;  bad  evang.  JUrd)enfo(legium  in 
Sagau  aber  für  ba$  faganer  unb  fprottauer  Stipenbium. 

24)  Da«  fa>n  oben  erwähnte  ».  ©erSborffdje  Schul- 
fitpeubium.   &ußerbein  hat  bie  Stifterin  ben  jährlichen 
an^eil  r>0n  20  Xtyx.  <£om>.*@elb.  (je&t  21  X\)it.)  eirotf  für 


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502 


$efjrerger)alt  33erbefferungen  be ftimmten  Jtapitald  von  4000  Tblr. 
gu  ©aSulprämteti  au^gefefct,  oon  benen  $n>ei  ©rfmfern  ber  1. 
klaffe  ä  7  Xfjir.  10  (ögr.  6  *ßf.,  einem  ber  gmeiten  6  3tyr. 
9  ©gr.  gu  53 ücberu  verabreicht  »erben,  2Bir  galten  bie  frü* 
fyere  33enu(ung  btefed  ©elbefl  $u  geprägten  5)  enf  münden, 
frelcfye  ©djüler  aller  jtlaffen,  feierüd)  vor  bem  3Ragijrrat6« 
CSoltegio  verreibt  erhielten,  für  päbagogtfd)  jroetfmdfHger,  in- 
fofern  afo  bet  (Sfjrgeij  bitra)  bie  Ärt  ber  Ueberrticfyung  md>r 
angeregt  würbe. 

25)  Den  16.  9?ot>.  1777  befttmmte  ber  bereit«  genannte 
3.  ®.  2oa)mann  836  $f)tr.  20  ©gr.  für  adjt  arme  fletfjtge 
(Schüler,  einem  3eben  monatlich  10  (5gr.  unb  außerbem  jafji - 
lid)  5!/a  ©gr.  bnra)  ben  Dieftor  be$  Gfymnaftum*  ju  ver* 
rtjetlen. 

26)  £artmann'fd)e  ©tipenSium  für  ®tytnnaftaflen. 
oom  13.  3anuar  1786  beträgt  jäfjrlid)  für  jeben  ©dmler 
25  Ztyx.  24  ©gr.  3  $f. 

27)  Dcrfelbe  Sondier  fefcte  51  Xfylr.  18  ©gr.  9  $f. 
für  ein  arme«  ©a)ulmäba)en  unb  eben  fo  viel  für  einen  ar- 
men ©dnilfnaben  in  einer  r)tcftacit  uiebrigen  $Bolfäfa)ule  au6, 
u>eld)e  <Summe,  n>ie  bei  9Jo.  26.,  auSgelooft  n>erben  muß. 

28)  ©ottlieb  #oolf  JUien,  DiafonuS  in  ©örltfc,  beftimmte 
nott)  bei  feinen  fcebjeiten,  am  21.  sJWat  1819:  oon  200  Xfylr. 
bie  3infen  mit  8  ifylrn.  an  gwei  bedürftige  unb  fletptae  vom 
?tteftor  ju  rodfylenbe  Primaner,  jebem  nionatHcf)  10  ©gr. 
2  üfylr.  fallen  311m  Slnfauf  beutfdjer  s2Rufterfd)riften  für  bie 
tr(le  klaffe  vermenbet  werben. 

29)  Derfelbe  legirre  am  20.  3ult  1827  unb  3.  Kpril 
1828:  110  Xfjlr.  $u  ©djulprämieu  für  bie  beften  6a)üler  unb 
©djülerinnen  ber  ©tabt*8rmen*©a)ule  beßetyenb  in  etngebun« 
b$nen  guten  bei  Gelegenheit  bei  Oßerprüfung  gu  oertrjeileuben 
Sutern. 

30)  M.  (£fyr.  ©ottlieb  3or)n,  $rof.  in  ©a)ulpforte,  am 
30.  JOftober  1829  :  300  $f)lr.,  bei  4  $ro$.  3infen,  für  bret 
©djüler  auf  3  %af)xe,  jebem  raonatlidj  10  ©gr.  9trme  ©<tyü« 
ler  au«  ©eibenberg,  feinem  ©eburtöorte,  t;aben%ben  Qtargug. 

31)  3or).  ©am.  (Sifler,  $ubri(främer  in  ©örlifc,  am 
16.  ©cpt.  1835,  jdl;rli<&  40  Xljlr.  an  einen  Primaner  beS 
©^mnajwmd. 


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Ö03 


32)  Derfelbe  jdbrltd»  40  Xfylr.  für  einen  Schüler  unb 
40  Zfyit.  für  eine  (Ecr)ü(eriu  ber  fyör)eren  33ürgerfd)ule. 

33)  <8oh  t>er  Stabt  @Jörli&  würben  am  15.  £>ftober  1840 
uim  ftnbenfen  an  bie  X^ronbefteigung  Jlötug  grieDria)  2BiU 
Mm  IV.  bie  3*«K"*  fctd  Stiftung  *£apital$  (prüfend)  *2Bü* 
()dm$*  Stiftung  genannt)  ju  2  Sd)ulftipenbien  für  „bie  bchere 
$uraerfa>ule''  beftimmt.  Die  (Sottatur  hat  ber  Ü)tagijrrat  unb 
bie  6tabtverorbneten*$erfammlung. 

34)  griebria)  tfiebegott  s4$rätor,  emerit.  erfter  £berler/rer 
ber  $ürgerfa)ule  git  tfbbau,  fe&te  im  3unt  1848  ut  Unter> 
ftufcung  armer,  aber  augleid)  frommer  unb  fittlidjer  tfinber  auf 
Der  t)öi>erit  Surgerftule  ju  ©örlifc,  im  SCUer  von  8— 14  3afyren, 
2650  Xf)lr.  au*,  Änaben  unb  #?ät>d>eii  in  gleidjer  «njar;l, 
mental*  in  baarem  @elbe,  fonbern  SßeifjnadUcn  al$  s4kätor'fd)c 
Spenbc  in  JUeioungSftürfen,  unb  Oftern  alfl  ^rätor'fdje  Sa>uU 
prämie  in  Sdjulbebürfniffeu  }u  erteilen. 

III.  3"  allgemeiner  llnterftüfcung  für  sBerwaubtc  unb 

beftimmte  ^erfonen. 

35)  Slnna  $erger  geb.  £elbreid>  beftimmte  am  22.  «Wai 
1618:  133  $l)lr.  10  Sgr.  (ie$t  140  £r/lr.)  für  ben  jebeSma* 
ftgeit  Äantor  bei  ber  evangelifdjen  £aüptfird)c  pro  inspectione 
et  labore  be$  $e*perfingenö. 

36)  Dr.  ©ottlob  Benjamin  Wd)t,  ^rdtor  in  ©örlifr,  be* 
ftimmte  am  ll.2tuguft  (15.  Sept.)  1739:  400  (jefct  420  Xr;lr.) 
git  einem  Legate  für  bie  armen  greunbe  feiner  gamilie  von 
väierlid)er  unb  mütterlia)er  Seite,  befonbertf  Derer,  weld)e  ju* 
gleid)  als  mütterlidje  Ukrroanbte  vom  ^rimariue  (£liad  dei- 
ner) abftammen,  jebem  auf  $wei  Mfyxe,  ben  £anbwerfeiu 
jum  fernen  unb  l'oäfagen,  ben  Stubireuben  *ur  Univerfttät, 
Den  *ßerfonen  wtibiidjen  ©efdjledjtä  gm  ^utfftattung;  im  Waw 
gel  von  »Hervoaiibren  ben  Äiubern  bee  Pfarrers  ju  2efa)wifc. 
«uperbem  am  felben  läge  200  Sr)lr.  Gonv.*®elb  (burd)  $e^ 
leirmng$*$$acan$en,  jefct  biö  auf  2500  Hfjlr.  angewad>fen), 
wovon  bie  3»"K»  «i  flrn*c  ^erroanbte  ber  Gfyefrau  be$  Sttf* 
ter*;  nameutlid)  a)  beö  $ürgermeifter$  v.  sJÖ2oü*erftein ;  b)  be* 
Stabtrio)ter$  XobiaS  ®ran$,  c)  ber  verefjel.  gewefeuen  Xjfcrja; 
fa)el,  geb.  v.  ^oüer  ftein  verreibt  werben.  Sino  folaje  nia)t 
Vorlauben,  follen  bie  3iufen  gefammelt,  unb  bem  jebeemal 
9iäd)ften  ein  SR eljrere*  gegeben  werben. 


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504 


37)  Den  16.  9cov.  1773,  würben  500  Xfjlr.  <5onv.*®elb.  - 
(jefct  520,£l)lr.)  von  (Ebrift.  Wupper,  SBefifcer  De*  Dorfe« 
Dber*Deutfcbofftg  audgefefct,  mit  Der  Sefitmmwig,  bafi  4/5  ber 
3infeu  an  t>cn  £auptlcf)rer  ber  8W0*8olfcfd)itle,  unter  ber 
9ßerpflid)tung,  brei  ©djHlfinbern  unentgelblid)  Unterrity  au  er* 
teilen  unb  an  be*  «Stifter^  SobeStage  ba$  Sieb:  feinen  bat 
@ott  verlaffen" ,  mit  ber  klaffe  \\\  fingen,  %  aber  .an  ben 
geijilid)en  3nfpeftor  ber  ©dnile  für  5kauffta)tigung,  verteilt 
werben  feilen. 

38)  Die  fiartmann'fdje  ©tiftung  betrug  urfprüngltcf) 
20,000  £t)lr.  Sonv.*<S)elb  (jefct  20,650  %f)ix.)  ($a  ehalten 
and  ben  3infen:  a)  165  %\flx.  6  ©gr.  vier  arme  Sßitttnen 
Obermänner,  bie  jnr  ©elbfterfyaltung  gu  f&wadj  jmbä41  $()lr. 
9  ©gr.;  b)  165  £f)lr.  6  ©gr.  vier  arme  r)ier  wofynenbe 
SBittwen;  c)  51  %x)ix.  18  ©gr.  9  $f.  ein  fhtbirenbe*  ©tabt* 
finb,  wobei  aud),  im  galle  ©dritter  md)t  vorfjanbe«  finb,  bie 
Dörfer  partiripiren ;  d)  «Bon  103  Xf)lr.  7  ©gr.  6  <ßf.  jweiarme 
verlobte  Jungfrauen,  wenn  ftc  in  ben  ©tanb  ber  (£be  treten,  jebc 
bie  «£>älfte;  e)  fünf  arme  bieftge  2öatfcn  auf  bem  ©mnnafium, 
ober  -ein  £anbwerföbeflijfener,  fo  lange  fte  lernen,  &ufammen 
129  Xl)lr.  1  ©gr.  8  «Pf.,  ä  jäf)rlid)  25Xl)lr.  24  ©gr.  4$f ; 
0  82  $r)lr.  18  ©gr.  jwei  arme  fn'ejtge  Bürger;  g)  51  Sfylr. 
18  ©gr.  9  *Pf.  ein  armer  3ungltng  ober  Jtnabe  auf  ber  3Bai* 

,  fen--  ober  §limcn*©d}ule;  h)  51  $t)(r.  18  ©gr.  9  Bf  ein  ar- 
mes 9tfäbd)en  ebenbafelbft;  i)  25  Xfylr.  24  ©gr.  4  *ßf.  bie 
&rmen*$erpflegung6fajfe  jur  $ertl)cilung  unter  bie  ^ebürfri* 
gen.  93erwanbte  bed  ©tifterä  fyaben  ben  Starjug.  3u  jeber 
feenefijien^tefle  wirb  gelooft  unb  ifi  ein  3tbfommen  ber  $oo* 
fenben  frreng  verboten.  Die  3afyfang  von  a.  b.  d.  f.  g.  h. 
erfolgt  furj  vor  bem  beil.  2\$eil)nad}t3abenbe. 

39)  «m  22.  Mprtt  1802  fe&tc  bie  vertv.  <5va  ffioftna 
©ommer  geb.  ©dmeiber  in  ©örlifc  1081  Ifylr.  15  ©gr.  tan 
au£,  bafj  bie  3iuf*u  am  ©terbetage  ber  Stifterin  (19.  &pril) 
an  brei  arme  ,£anbwerf$wittwen ,  jeboa)  niemals  mefyr  al€ 
einmal  verteilt  werben  follen. 

40)  3>ol)anne  (Sfyarlottc  #äfmer,  geb.  $zxb\§  in  ®örlifc, 
am  16.  gebruar  1816:  400  Xfylr.,  oeren  Sinfen  vier  arme 
SBittwen  jär)rlia>  jum  9leujafyr$gefct)enfe  erhalten.  SÖerwanbte 
gelten  vor. 

41)  Jtarl  ©ortfrieb  Jinfter,  ^egociant  in  ©örlifc,  am  ' 


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505 

-*  


14.  gebruar  1821:  200  Xf>lr.,  bewn  3mfen  bte  (5nfelfinber 
beö  Stifter*,  fo  viel  it)rer  jur  $t\t  fetned  Xobeä  am  geben, 
$ur  9fieberlajjung  ober  HuSftattung  befommen.  Xreten  fold)e 
gälte  nuin  ein,  fo  flicpt  raö  (Mb  in  bte  &rmenfaffe. 

42)  Hm  16.  (September  1835  oermadjte  3ot>ann  Sa* 
muel  (Sifler,  ^ubrifcfrämer  in  ©örlifc,  ben  s>)faajftrat  unter 
Jtonfurrena  mit  bem  Unioerfalerben ,  Äürfdjnermeifkr  Johann 
Nitguft  $öf)me  al« .  (Soliaturbebörbe  etnfefrenb,  25,075  Xljlr. 
n)  Eon  15,600  Xtynt.  ftnb  bie  3"*fcn,  jätjrli«  26.  £f)lr.  pro 
*ßerfon  an  25  #audarme  in  wöa)entl.  Baten  oon  15  Sgr. 
jtt  seriellen;  b)  »on  2000  Xf>lr.  werben  bie  3tnfen  am 
Sterbetage  bed  Stifter*  (13.  £)ftbr.)  jebedmal  an  10  $erfo^ 
nen  mit  1  Xfjlr.  unb  an  45  $erfonen  mit  20  Sgr.  gcjaf)lt 
(nur  an  würbige  £au$arme,  bie  fo  t>iel  wie  mögltd)  na)  fort- 
Reifen  fud)en);  c)  oon  7350  Xi)lr.  werben  am  Sterbetage 
bte  3infen  mit  je  40  Xblr.  an  jwei  alte  Bürger,  jwei  alte 
Söürgerfrauen,  einen  Primaner  (bed  ©mnnajtHmd),  einen  Stt)ul 
fnaben  unb  ein  Scbulmäbdjen  (ber  t)öbern  ©ürgerfcfyule)  au* 
gejault,  ©er  leer  audgefyt  beim  bedfaüftgen  doofen  unter 
dreien  erfrält  1  Xtyx.  Sd)tner$cndgelb;  d)  von  125  Xt)lr. 
werben  bte  3»nfen  mit  2  £l)lr.  an  betbe  flrmenoögte,  mit 
1  ZUx.  an  bie  töatbebiener,  mit  3  Xl)lr.  an  bie  oolljtebenben 
Deputaten  gejault.  Die  Eerwanbten  be3  Stifter«  ftnb  oor- 
jHgäweife  beredjttgt. 

43)  Hm  7.  Äpril  1840  grünbete  bet  frühere  Kammern 
Äafjtrer  $ertel  in  ©örlifc,  fpdter  9ftttergut0bejt&er  in  Daubifc 
bie  ^ertel^eumann*3w^)etfc^e  Stiftung  mit  einem  auö  bem  93er* 
tauft  be$  Dttttergutä  Daubifc  erfolgten  betrage  oon  41,000  Xfjlr., 
beren  $infcn  wäfyrenb  ber  2ebenfyeit  feiner  SÖBittwe  an  biefe 
nod)  auswählt  werben.    Die  9Beftimmung.cn  betreffen  hanpr 
fädjlicf)  Serwanbte  unb  ©efannte  bed  Stifter*  unb  ftnb  meb; 
rere  $ami(fen*Sripenbicn  eingerichtet,  beren  fpe^teCle  (frfnjelfjei 
ten  in  ber  SRagtfitratö  rdmft  angegeben  ftnb.    3Öenn  |ld) 
feine  Eerwanbte,  bie  wenfgftcnä  im  10.  $krwanbtfd)aft6grabe 
ftel)en,  melben,  foÜ  bura)  3C^U»3CU  breier  Sänber,  ba6 
gamilienredjt  für  erlofdjcn  erflärt  unb  ber  SriftungSfonbä  für 
allgemeine  mtlbe  3wecfe  naa)  ben  SBefajlüjfeu  fceS  görlifcer 
ftatfjä  oerwenbet  werben. 

44)  Den  7.  December  1842  t>ermad>te  ber  ©etfh  unb 
Sämifa)gerber:  3mmanuel  Gottlob  tflof  20,000  Xfylr.  $et)uf$ 


DigitizecTby 


MC 


faruntuno,   emer  tlnftalt  für  Aufbewahrung  armer  Äinoer. 
Die  3w|cn  oon  l%4  finb  je$t  nad)  ber  Rinning  ber  @etji* 
lief  feit  ,ra  mc  befonbere  SefrimmMUgen  enthielten,  ;m  ,mni  tuten 
Jtajfe  red  eoanqelifd)en  Aireben *AoUegit  gebogen  wcrbeit. 

IV.  3«  beftimmten  3werfen. 

45)  Älbtnue  r  erfrier,  Neuner  von  &(ina.ewaibe,  guDirta*- 
borf  unb  Deutfd)omg  fegte  am  29.  Sugujt  1704  eine  md)t 
abforbtrbare  »ente  oon  20  Vit  (15  Xf>lr.  24  Sgr.  9 

für  bie  ©ruft  bee  ©obiuä,  fein  gamilten  (irhtu^rabmp,  an-? 
Die  «Rente  in  jefct  uten  auf  2497  Xhli  15  Sgr.  gewartfen. 

46)  Die  fd)on  oben  9to.  13.  genannte  grau  r>.  ©ereoorf 
4200  Ibir.  \u  ©e^alW^erbejteru ngen  ber  ©vmnaftaUebrer; 
von  500  Xfclr.  3infen  m  Remuneration  ber  Beamten;  weiäe 
bie  Verwaltung  ttyrer  Stiftungen  beforgen. 

47)  Diefelbe  2öobltbäteritt  3000  Ztyt  gonoent.  ©elb 
gu  einer  grauen*immer*S<r?ule,  welajer  gonb*  jefct  burd)  3wi 
läenräunte  in  welker  wegen  Langel*  an  Ibeilnebmern  Ne 
Sdjule  ruljie,  feit  bem  26.  «Ran  1779  auf  10,800  Sblr.  an* 
gelaufen  ift.  Gegenwärtig  ift  trieber  ein  foleber  «Rufaounft 
eingetreten  unb  foll  ntebt  er)er  wieber  eine  (fröffuung  ber  Hn 
ftalt  erfolgen,  ald  bte  oer  bermaHge  Jtapitalbetrag  verbot* 
pelt  ift. 

48)  Hm  30.  November  1787,  beftimmte  ber  Stabtrityer 
Vi  mittat  VI  linear  £einrid)  Serdje  10,390  Xfclr.  gu  bem  Snyc&t, 
bog  a)  von  6234  £f>lr.  bie  3»lKn  Diejenigen,  welche  eine 
im  3.  1787  bereit«  leere  fteuerbare  Stelle  in  ber  Stabt  ober 
wfd)loffenen  iöorftabt  aufbauen,  b)  bic  Sinfcn  von  4156  Il)lr. 
für  jwei  Äünftler  ober  ^rofefftoniften ,  weiaje  ald  HuSlänber 
H(b  an  fyieftaem  Orte  nieberlaffen  unb  ein  ©runbfhtd  erwerben, 
jeood)  nur  einmal  erhalten  tollen.  x\it  deiner  vortyanben,  fo 
fallen  bie  3**tf*n  an  bie  Hrmen- Verpflegung 'Jtaffe. 

49)  Hm  1.  SRat  1790  würbe  von  einem  bamatö  llnbe- 
fa nn  teu,  (ber  ftd)  fpäter  alä  ber  8ürgermeifter  Samuel  S/jfyr 
in  ©örlifc  au6wietf)  eine  jefct  4800  Xl)lr.  betragenbe  Stiftung 
gemacht,  wovon  500  Slr>lr.  $u  Petitionen  für  ®^mnaftal»?c^rer 
unb  fyieftge  prebiger  Sßittwen,  ber  Dieft  ju  Söebürfniffen  ber 
biefigen  evangelifdjen  Stabtfd)ulen  nadj  (Srmeffen  be6  sJ)<aa> 
ftrat*  benimmt  finb. 

50)  Der  ©ürgermeifter  unb  SvnbifuS  3*>&ann  ©ottlob 

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507 


3obel  in  ©örlty  fefcte  am  15.  gebruar  1813,  unter  (£oÜatur 
beä  slRagiftratd  unb  ber  Bürger -Deputation  (©tabtverorbneten) 
2056  %i)lx.  22  (Sgr.  6  *ßf.  an4,  bajj  bie  jährlichen  3infen 
jur  (Errichtung  unb  Segung  von  SBranbgibeln,  fobann  ui  3ie* 
gelbäcbern,  vornehmlich  in  ber  verfchloffenen  iStabt  unb  nachher 
in  ben  SBorftäbten  verwenbet  würben. 

51)  5Äm  30.  «pril  1827  beftimmte  ber  Bürger  ©amuel 
©ottbelf  gorfler  in  ©örlifc  1000  Xtyx.  a)  jur  Remuneration 
be$  Xobtengräberfl  mit  2  $f)lr.  für  $eaufjtchtigung  fetner  ga* 
miliengruft,  b)  uir  Unterhaltung  ber  festeren,  c)  ber  ÜRejt  fott 
ui  Änfdjaffung  von  lltenjtlien  für  ba$  ftäbtifche  ÄranfenhauS 
benufct  »erben. 

52;  2)er  Rentier  @f)rifttan  grtebrtch  v.  (Schrirfel  veranlagte 
am  20.  3uli  1835  :  5000  £hlr.,  wovon  bie  3infcn  jur  einfügen 
SBegrünbung  einer  9lnncn^efd)äftigungd*}Mnftalt,  vorläufig  jur 
(*rjtebung  verwahrloster  Äinber  verwenbet  werben  follen. 

53)  2ßir  ^aben  fa)on  oben  bie  griebridi  SGHilhelmä  (Stif- 
tung genannt,  .hier  ift  nod)  anzugeben,  bafj  ber  Komm crjien - 
ratt)  @ever$  500  SEBfir.  Hhb  ber  SBürgermeifter  ^Demiani 
100  l^lr.  i«  i*nen  5000  hinzufügten.  */l0  per  3infen  fom* 
inen  gu  jwei  (SchHlftipenbien  für  (Schüler  ber  1.  unb  2.  klaffe 
ber  höheren  93ürgerfchule;  3/io  $ur  Unterftüfcung  früherer  <Sd)ü- 
(er  jener  Hnfkill  auä  ©örlifc,  welche  fitt)  bem  höheren  ®e- 
werbeftanbe  wibmen;  3/,0  ju  wöchentlichen  mit  (grperimenten 
verbunbenen  Vorträgen  für  r>te|lge  ©ewerbetreibenbe. 

54)  5)er  (£ommer$tenratb,  (Stabtratf)  ©eorg  Stubolpf) 
©everö  »ermatte  in  feinem  Seftamente,  welrteä  unterm 
7.  December  1849  in  feinem  auf  bie  Stabt  bezüglichen  Ztyüt 
publirirt  würbe:  1)  @in  Kapital  von  1000  Ztyv.,  beffen 
3infen  biejenigen  beiben  Lehrer  an  ben  hingen  wer  Wcitfr 
faulen  jährlich  jur  Belohnung,  erhalten  follen,  welche  fta>  nach 
bem  3eugniffe  ber  (Schul*  3n|peftion  bae  3ahr  fnnburd>  burd) 
forgfamen  Mnb  ^wertmäßigen  Unterricht  ber  ihnen  anvertrauten 
3ugenb  befonber*  ausgezeichnet  haben;  2)  ein  Kapital  von 
2000  $hlr.  bem  tyۆ$tn  Xua)machermittel,  wovon  bie  3infen 
an  vier  ber  h«f*bebürftigften  hieftgen  Xuchmachermeifter,  nad) 
ber  (Stimmenmehrheit  ber  «elteften  unb  be*  ateefchuffe* 
be*  Xuchmachermittelö ,  alljährlich  ausgezahlt  werben  follen; 

3)  ber  biefigen  Jtirche   6t  $ciri  unb  ^auli  500  Xhlr.; 

4)  ein  JTapttal  von  1000  Ztyx.  ber  ^teflgen  «rmenanflalt; 


* 


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508 


5)  ein  itapital  fron  1000  Zbix.  bem  f^teftgc»  2Baifenbaufe; 

6)  ein  Äapital  von  1000  Ztyx.,  voir  beffen  $in\tn  jäljrlid) 
Die  Slufnabmefoften  unb  notrjwenbigen  ^ebürfniffe  von  vier 
armen  tyeftgen  £efyrünaen  ju  bcftrciten  fmb,  welaje  fia)  na<b 
bem  3*"9nijj  Ifaw  Wf*  burd)  gleig  unb  fittlidje*  33etrag«it 
auszeichnen;  7)  ein  Kapital  von  2000  Xl)lr.  ber  <Stäbt  ®ör* 
im ,  von  welkem  Kapital  Die  3infen  alljafnlicfc  $ur  &älfte,  im 
58inter,  |i  45>oMvertbeilung  unb  )ur  anbern  £älfre  ber  Suppem 
ober  ©petfetjertheilung^'^nftalt  fiir  bie  Ernten  überwtefen 
werben  folleir,  8)  ein  Kapital  von  500  3$fc.  ber  ßleinfinber* 
<8ewaf)r^luftalt;  9)  ein  Kapital  von  500  Ztyx.  ber  «nftult 
*ur  SBejferung  fmiia>  *verwat>rlofter  ^inber  f)ierfe(b|t.  Da 
nun  bie  fclgenben  (Stiftungen  aua)  unmittelbar  ©örlifcern  ju 
©ute  fommen  foüen,  fügen  wir  hierbei  bie  (Stiftungen  an  bie 
3rren*2lnftalt  in  $lagwi$  1000  Xfjlr.,  ba*  SBlinben*  unb 

.  $aubftummen*3nftüut  in  93re*(au  a  1000  Xtyx.,  wovon  bie 
3infen  vonugflweife  für  berartige  Unglütflidje  aud  Ijiejtger 
Stabt  benimmt  fiub,  fo  fommen  12,500  Ztyx  Legate  t>erau$. 

55)  Die  (£rben  t>e<5  Vorigen,  funbirten  jum  2Inbenfen 
an  ifyren  verdorbenen  SBater  unb  an  if>rc  am  19.  3uni  1849 
verstorbene  WHtter,  $rau  Mariane  Henriette  ©evertf  geb. 
Debefinb,  ein  Kapital  von  500  Ztyx.,  befjen  Sinfen  jur  $älftc 
am  Xobedtage  ber  Sefcteren  (19.  3uni),  jur  ^älfte  am  Xobed- 
tage  be6  (öfteren  (29.  November)  au  je  10  #rme,  befonberä 
franfe  2(rme  verteilt  werben  foüen. 

V.  iux  lluterftü&ung  für  $lrme. 

1)  bei  bei  Slrmenfaffc. 

56)  Dr.  3uliu$  (5rnft  Sd)olj  von  (SdjoÜenftern  legirte 
am  22.  3uli  1728:  a)  1050  %X)ix.  unablöäbar  auf  ben  Skau- 
l)of  9to.  138.  Hmrjelnb,  beren  3*nfen  am  £fl8c  3uKh6  in  bem 
gebauten  «£>aufe  unter  400  SHrme  ä  mit  3  ifraifergrofdjen  ver^ 
theilt  werben,  wobei  ber  ©eiftlidje  für  bie  ftbrunbigung  I  Ztyx., 
ber  9Tebituu0  unb  ^irdjenbiener  ä  15  Sgr.;  bie  Jflrmenvögte 
ä  1%  8gr.  erhalten;  b)8!2  %\)\x.  Lö  <sgr.  auf  ben  33ierr>cf 
9to.  198.  Die  3infen  werben  an  300  $trme  ä  3  Äaifer* 
grofdjen  am  Xage  ßrnejii  verteilt. 

57)  38  $Mr.  26  ©gr.  8  *Pf.  befttmmte  am  7.  December 
1730  ber  Bürger  unb  $ud)maa)er  SÄatthcud  Sdjulj  in  ©örlifc 
Aur  SBertfyeilung  ber  Sm\tn  an  Äranfe  im  ,Äranfenf>aufe. 


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509 


58)  'Um  1.  9Rai  1754  *erma*te  Sofjann  Gbriflopf)  Sdjmibt 
Bürger  unb  91rmenbeputirter  in  ®örli$  1000  Iblr.,  bereu 
3infen  au  arme  Bürger  unb  38ittwen  f>teftger  Stabt  am 
23.  M«anft;  von  10  Sgr.  bi$  f>oa)ften$  1  $t)lr.  wrtfyeilt 
werben  foüen. 

59)  Die  viel  erwähnte  mitbl^AUgc  grau  ©erdborf 
beftimmte  t»ou  1000  Xblr.  bie  ^in^n  ijur  Bertfyeüung  am 
3£eibnad)t$abenbe  an  2lrme,  mit  ber  (Srwäfynung,  bag  bieS 
|itm  ^Jnbenfen  an  ihren  rerftorbenen  ©emäbl,  nad)  Abfindung 
M  Siebet.  „Sei  Sob  unt>  @br  bem  Ijödjften  ©ott"  gef*el)en 
foUe. 

60)  Den  14.  9Kai  1808  beftimmte  3ol).  Gfjrift.  ».  Triton 
geb.  Deitmer  bie  3»»K»  300  $blr.  }ur  Bertfyeilung  im. 
aßinter  an  bebürftige  £au$arme. 

61)  Der  oben  erwähnte  (s)fo.  19.)  Neubauer  legirte 
a)  2475  Xl)lr.,  unb  awar  To,  baß  1)  t?on  831  ,H)lr.  7  Sgr.  6  *pf. 
Kapital  Die3iufennaa>  abgehaltener  ©ebäa)tnifjprebigtmit  20  Sgr 
an  20,  mit  15  Sgr.  an  20,  mit  10  Sgr.  an  14  unb  mit  7»/2  Sgr. 
an  17  arme  $erfonen  unb  20  Sgr.  au  bie  beiben  Firmen- 
&ögte  gegeben  werben  follen,  2)  von  821  $l)lr.  26  Sgr.  3  $f. 
bie  3>»fen  an  4  arme  Bürgerwittwen  ober  Banner,  wobei 
8  ^erfonen  loofen,  3)  *>on  821  Xr>lr.  26  Sgr.  3  «Pf.  bie 
3infen  an  vier  arme  SÖittwen  fcou  gleidjmätuger  »efd)affenl)eit 
fommeu  follen;  unb  b)  413  £l)lr.  10  Sgr.  alö  jweiteä  Kapital, 
bereu  $ui\en  ber  jebeömaligc  sJDkgiftrat$  -  Dirigent  für  feine 
Bemühung  um  bie  2(u$für;rung  crl)älti 

62)  Den  21.  Januar  f82(>  befKmmre  bie  wrw.  Sttajorin 
Baum  geb.  Scfyneioer  bie  ^älfte  ber  3»M'm  etneä  Kapitals 
t>ou  1000  Xijix.  }ur  *Bertf)etlung  an  ?lrme  fyiefiger  Stabt  an 
ifjrem  Sterbetage  (12.  3anuar),  bie  anfcere  £älfte  am  Sterbe* 
tage  tyre*  ÜHanneö,  ben  23.  December. 

63)  Der  ©et).  £>b.  «Regierungdratfj  St.  ©.  «efnnauer  in 
Berlin  Die  3infen  ron  100  Xtylr.  jur  Sfiifna^nte  franfer  Dtenft* 
boten  in'S  biefige  äranfenl)au$. 

2)  bti  t>rr  Jpooi'italfafu\ 

•  64)  Den  21.  3an.  1617  legirte  9Wattf)ia$  »erger  50  2f)lr. 
16  Sgr.  8  jf.,  bereu  3infen  <*m  3afobi  an  bie  £od* 
pitaliten  }U  St.  3afob  verteilt  werben  foüen. 


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510 


65)  Den  9.  gebruar  1621.  Gteorg  Gmmericr;:  256  %tyv. 
7  Sgr.  6  *Pf.,  an  bie  $o$vitaliten  \u  St.  Safob. 

66)  Den  25.  «pril  1682.  3gnafc  Dotter:  19  X^lr. 
13  Sgr.  4  *J$f.,  wovon  bie  Hinfcn  am  grünen  Donneretage 
im  St.  3<tfob$ *4po3pita(  verthcilt  werben. 

67)  Den24.Decembetl689.  SlubreaS  Sommer:  10ü£l>lr. 
an  bie  ^oäpitaliten  jw  St.  3afob. 

68)  Den  4.  3<muar  1710.  Cfyrijtiaii  dotier  v.  9»oüer= 
fteiu:  144  Ihlr.  20  Sgr.,  bereit  ßtnfen  an  bie  6oSpita(iten 
ber  4  ftäbtifd)en  £o$pitäler  verteilt  werben  pr  #ira>metj$eit. 

69)  ».  S^rverftein  unb  ^ilnirfau  am  27.  TOävs  1715: 
1033  Xtyz.  10  Sgr.  an  ba$  grauen*£o*pttai. 

70)  Den  1.  3uli  1737  von  ©ottfrieb  ©eila«  50  2$(r., 
beren  3»M^  am  •  gebruar  an  bie  £o$pitaliten  im  neuen 
£aufe  verteilt  werben.  Unbefannt  ftnb  bie  StiftungStage  ber 
folgenben: 

71)  100  X^(r.  von  ©.  ^H.  9teumann,  an  bie  £o*pita* 
liten  aUer  4  Äoöpitäler. 

72)  25  Xt)lr.  vom  ^Bürgermeister  Scrjön  in  ®örli$,  für 
baö  £o*pital  jum  neuen  äaufe. 

73)  100  Xtyr.  von  3ol).  3af.*  2id)tner  au  bie  £o6pita* 
liten  ju  et.  3afob. 

74)  15  Xtyx.  16  Sgr.  8  $f.  von  %  ©.  görfter,  an  bie/ 
feiben. 

75)  145  I^r.  25  Sgr.  vom  Eürgermetffcr  »üttner  an 
bie  et.  3afob'*  £o*pita(iten. 

3)  bei  brr  ffiaifenanjialt, 

76)  «Born  3.  1802,  finb  bie  folgenben:  4  Xr,lr.  jär,r(ia)er 
3iu$  von  ber  verw.  Sommer  *ur  UJertfyeUnng  am  19.  8pril, 
bem  Sterbetage  ber  etifterin. 

77)  5  Xtyt.  vou  ©er>lcr  jur  <Bertl)eüung  am  Sterbetage 
m  Stifter*,  7.  3uU. 

78)  4  Xfylr.  von  Demifd),  $ur  SÄotyfer  Äirdjmct*. 

79)  2  $r;lr.  von  görjter,  jur  SBertljeüung  im  November 
am  Jcird)weil)feftc  ber  2öai|"enanfta(t. 

80)  4  Xtylr.  von  ber  verw.  sJXür;Ie,  ju  verteilen  am 
26.  November,  bem  Sterbetage  ber  Stifterin. 

81)  4  £l)lr.  von  2ott)mann,  ber  SBaifenmutrer  für  Unter* 
•v.  ria)t  im  9MI)en.  . 


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641 

82)  20  X^lr.  15  €gr.  9  $f.  von  9teubaHer,  jur  2lu3- 
jtaüuua  jweier  ©aifen. 

83)  2  Xfclr.  18  @gr.  2  $f.  von  Sodann,  jur 
*a(>lung  an  Den  Sefyrer  1  ül)(r.  10  <3gr.  8  *ßf.,  ber  28aifeu* 
umtter  7  (£gr.  6  üßf.,  ben  jUnbern  jur  sIRal)l$eit  1  JXfjlr.  am 
Jtin$weil?fefte  ber  SlnfiaU.   Unbefatuit  fuiD  bie  folgenbeu: 

84)  2  Xrjlr.  15  <Sgr.,voit  mehreren  Unbefannten,  ju  einem 
Spaziergange  ber  äßaifeo. 

85)  5  Xfylr.  von  Unbefannten  }u  einer  Stapelt  am 
(Karfreitage. 

» 

VI.  Stiftungen,  vt»c(d>e  bei  beut  Äerar  ber  evange* 
filmen  Stirpe  verwaltet  werben. 

86)  3nt  3.  1746  vermadjte  ber  $ürgerraeijier  griebrid? 
Abraham  Siciu*  in  ©orlifr  375  2f>lr.  w  Remuneration  ber 
$Kbigtamt*fanbibattn  an  bem  großen  *Hrebiger*<SoHegio,  je$t 

•  naefc  <5<fcfoß  beffelben  jur  Stemuueration  ber  bie  rjieftgen  evan* 
gelitten  ©eiftlidjen  vertretenben  Äanbibaten,  fo  baß  3eber  ber* 
telben,  fo  weit  bie  3mfen  aufreihen,  für  eine  Üßrebigt  1  Xtyr., 
vefp.  1  Ztyx.  10  @gr.  erhalt.  3u  bemfelben  3werfe  werben 
bie  folgenbeu,  für  bad  Heine  ^ürebiger Kollegium  bem  «erar 
ber  6t.  «nnenfir^e  vermalten  «Summen  verwenbet,  nämltct?: 

87)  50£r>lr.  von  ©eorge  6d>ön,  $ürgermeifler  in  ©orlifc. 

88)  50  £l)lr.  von  Dr.  3of>ann  £raugott  ©eljler.' 

89)  100  Styr.  von  grau  2>orotf)ea  Glifabety  6$ol$ 
v.  Scfyollerftern.   (Sublid)  vermalte: 

90)  am  20.  DU.  1767  Dr.  Daniel  Mied)  «ürgermeijhr 
ju  ®orlifc  1542  Xtyt.  15  6gr.,  jum  heften  unvermöaenber 
i&iitwen  ber  an  fyefigen  evangelifcfjeu  &ird?en  angebellten 
(ik'ijtficfyen,  wenn  fie  l>ier  wohnen  unb  nietet  über  4000  Xljlr. 
im  Vermögen  bejlfcen. 

(Stellen  wir  nun  gutn  Sdjluffe  bie  Summen  biefer  Stif* 
ttmgäfapitale  —  abgeregnet  ba$  SBaifentyaHd  unb  bie  juer  nid?t 
eingeführten  größeren  «gwdpitalffiftungeu  —  stammen,  wie  fie 
gegenwärtig  ver&ifiji  werben,  inbem  bei  mehreren  bie  urfprüng* 
lid>e  Stiftungdfumme  burd)  bie  Zulage  ber  3wfen  jtet)  ver* 
Doppelt  unb  no$  bei  weitem  mtfyr  vergrößert  hat  ($.  93.  beim 
Sepfrieb'fdjeu  Legate),  finben  wir,  baß  in  <$)örU(  je$t 

219,103  Wv.  3  *Pf. 
6riftungegelber  verwaltet  werben. 


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512 


93ei  3Hfammenftellung  ber  einzelnen  Soften  ftnbeit  fid): 
I.  unb  II.  für  ba$  ©tjmnaftum  unb  bie  f)iefigen  (Beulen 
überhaupt:  41024  *r,lr.  12  ©gr.  11  $f.#  »o»on.2121  5XI>Ir. 

7  6gr.  6  $f.  auf  ba*  XVI.,  3197  Xljlr.  auf  ba*  XV1L, 
28,376  Jtfclr.  5  6gr.  5  $pf.  auf  ba*  XVIII.  unb  7330  Ztyx. 
auf  ba$  XIX.  3atyrr;unbert  fominen. 

III.  3«  allgemeiner  Untcrftüfcung  für  $krwanbte  unb  be* 
fiimmte  ^erfonen:  109,948  $f)lr.  15  6gr.,  nämliaj:  140  XWr. 
im  XVII.,  21,590  S^lr.  im  XVIII.,  87,756  Xr,lr.  15  Sgr. 
im  XIX.  3al)rl)unbert. 

IV.  3"  beftimmten  3wetfen  (wobei  and)  nod)  fürSefyrer): 
56,344  $f)lr.  7  €gr.  6  $f.,  wofcon  auf  ba$  XVHI.  Safjrfjun* 
bert:  32,687  Styr.  15  £gr.  unb  auf  Da*  XIX.  3ar>rl>unbert : 
23,656  Ztyx.  22  8gr.  6  $Pf.  fommen. 

V.  3«  Unterftüfcung  für  Arme,  ftnbeu  wir  bei  ber  $rmen* 
Äaffe:  8089  £l)lr.  21  6gr.  8  BL  ju  weiter  Summe  im 
XVÜL:  3901  Xl>lr.  11  8gr.  8  ff.,  im  XIX.- 3a Wunbert : 
4188  Xtyx.  10  €gr.  beigefteuert  würben. 

Xie  .gjoäpitaliten  befommen  außer  ihrem  Unterhalt  in 
biefen  Slnftalten  son  einem  Jtäpital  &ou  2040  £l)lr.  18  ©gr. 

8  $f.  bie  ^itiicir,  unb  baS  2tiaifenr)au6  hat  ^ur  Skrrbetlung 
baar  49  Xfylr.  18  ©gr.  11  Üßf.  gür  bie  £o$pitäler  gibt  e$ 
au$  bem  XIX.  3af)rl)unbert  feine  Stiftung,  ba  fie  foldjc  bei 
bem  großen  Sanbbeftfc  (4  Dörfer  ber  ^poöpitäler)  nid)t  bebür* 
fen ;  e$  finb  bafjer  aud)  für  fie  nur  aud  beut  XVII.  3af)rl)un* 
bert  426  £f)lr.  6  S$r.  6  $f.,  enblia)  au$  bem  XVHI.  1614  Xijlr. 
1 1  <2>gr.  8  $f.  legirt  roorben. 

Leiber  reidjen  bie  ^infen  auä  einem  Xfyeil  ber  befonberä 
für  Slrme  beftimmten  goubö  ntct>t  l)iu;  fonbern  bie  Ärmen* 
Unterftüfcung  nimmt  alle  3ar>re  mit  ber  $rh>atmilbtf)faigfeit 
in.  (S$  beltefeu  ftd)  im  3.  1848  bie  (ginhafymen  auf  5494  $f)lr. . 
3  (Sgr.  4  *ßf.;  bie  Aufgabe  jebod)  1)  für  bie  allgemeine 
Armenpflege,  2)  für  befonbere  SBebürfniffe  ber  Armen,  3)  für 
ba6  Stabtfranfenfjauä,  4)  SBetfyeilungen  auö  <Stifungen;  5)  für 
bie  3roang$arbeit$-  Mnb  &rmenbefd)4frigung$anftalt,  6)  für  bie 
Älein-Äinberberoatyranftalt,  7)  ben  iBerroaltungöaufroanb,  8)  3n$- 

? einein,  auf  19^574  itylr.  1  €>gr.  fo  baß  bie  dämmeret  nod) 
4,079*  Ztyx.  27  <Sgr.  8  <ßf.  jufd)tc^en  mußte. 


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513 


2>ie  Irfrten  3a^rc  t>cr  ©tabt  unter  bem  fäa)fifd)en  9*e* 
gimente  bi*  Mim  $efreiung$friege  1810—1813*). 

* 

8m  2.  gebruar  1810  fc^rte  ba$  Bataillon  bed  fäa)ftfa)en 
Regimentes  Wtefemeufdjcl,  welajeä  unter  cem  £>briftlieutenant 
t>.  3<föty  im  gelbjuge  t>on  1809  über  ein  3a(>r  auö  fetner 
©amtton  ©örüfc  abroefenb  geroefen  bar,  fyterfycr  jurürf  unb 
rourbe  mit  großem  ^ornpe  empfangen.  £>er  ©tabtfyauptmamt 
©fahin  3^ne  unb  ber  ©tabt^ojutant  Kaufmann  Maurer 
begaben  fra)  ben  £ag  vor  bem  dinmarfa)e  naa)  Sftofrty,  in 
bad  lefctc  ©tanbquartier  beö  Bataillonö  um  bie  Xruppen  am 
anbem  borgen  ui  geleiten.  3m  tarnen  ber  Saubjiänbe  be* 
roillfommnetc  fte  in  Dtcta^enbad)  bei-  sJ9Jajor  unb  Öaubfommiffär 
i?.  «öerjberg  unb  in  £oftenborf,  wofelbft  bei  ber  SBniefe  jn?ifa>en 
uroet  (£rlen  eine  Crl)renpforte  mit  bem  SRamenSjuge  bed  Jtönigö 
griefend)  $(ugtift  errietet  war,  überrafd)te  bie  Gruppen  ber 
©fabin  Dr.  ©töljer  mit  einer  (Sinlabung  $u  einem  grüf)ftücf. 
Unter  rem  $ljore  bed  ^ofcö  war  ein  £riumpf)bogen  auf  2 
Säulen  errietet,  mit  ber  3nfa)rift:  „bem  Skrbteuße  feine 
fronen!''  unb  auf  bem  ©a)lujjfteine  lad  man  baö  SBort: 
„Söagram." 

s)Jad)  eingenommenem  grüfyjriirfe  marfd)irte  baä  Bataillon 
ab  burd}.  eine  anbere  Grfjrenpforte  mit  ber  ftuffdjrift:  p«3ie^ct 
ein  in  grieben!"  QSiele  Honoratioren  unb  Bürger  ohö  ©örlifc 
waren  bem  Bataillon  oor  ba$  $f)or  entgegen  geritten.  Slm 
duneren  :Xl)ore  (tauben  bie  ©tabtfoloaten  tn  $arabe.  (Sbren* 
pforten  waren  an  mehreren  ©teilen  angebrad)t;  bei  ber  einen 
empfing  fte  ba$  burgerlidje  Sägerforpä  mit  feiner  gafyne;  bei 
ber  anberen  am  inneren  reidjenbaajer  Zijoxc,  mit  ber  Hufftyrift: 
„Unferen  tapferen  Kriegern  4?od)acr;tung  unb  f)eralta)c$  2Öill* 
•fommen,"  franb  bie  Bürgergarbe  mit  ber  erften  ©tabtfafyne 
unb  ber  gafme  ber  ©djüfcengilbe.  Stbenbö  gab  ber  SERagiftrat 
ben  Offizieren ,  Unteroffizieren  unb  ben  mit  Oer  Sftebaille  befo- 
rirten  ©olbaten  ein  SDfaijl  im  ©aale  ber  greimaurerloge,  wobei 
aujjer  bem  Wagiftrat,  ben  ftäbtifd)en  unb  lanbftänbifdjen  Beam* 


•)  Duetten;  $ft  ©orlifret  Stitjei^er  von  1810  —  1813,  nnb  nutyw« 
$anbfd}riftlid)<  Stjromfrn. 

öcidmtte  ven  WrU*.  33 

DigitizecTßy 


514 


ten,  bte  btcnftttjucnben  StabtoffWere  eingelabew  waren.  3m 
Saale  fying  ein  SÄebaillon  mit  t>cn  Korten;  ,,©ott  fehlte  ben 
Äönig,  ta6  SBaterlanb  unb  feine  braven  Jtrieger;"  gegenüber 
eine  'jtd)  bewegenbe  Sonne,  in  bereu  Glitte;  „3BiUfommen, 
feltcne  ©afte!"  3n  beu  Strahlen  Mcfer  Sonne  befanden  ftdj 
gu>ei  SOtyrtenfränjc  mit  Jiricgflinftgnieu.  —  Den  folgenden 
Sag  waren  toicfelben  *ßerfonen,  von  Den  äRitattcbern  ber 
ÜRcjfource,  ju  einem  Balle  eingeladen,  jn  Dem  Wtttelfenfter 
bed  Saalee  bilbetc  eine  junge  Rappel  uub  ©d>c  eine  (S'tyrcit* 
pforte,  in  bereu  Zentrum  eine  Säule  mit  föriegäarmatur  unb 
einem  9Jtebatllon:  „^Bagram"  ftd)  befanb.  Hut  Hufen  genfter: 
„SSBillfommcn  in  unterer  sJ0?ittc,  Wjx  tapferen!"  unb  im  rechten 
genfier:  „$er$lidjer  &rof)ftnn  unb  grcimbfebaft  wartet  (hteV!" 
Vlm  britten  Xage  gab  bie  Bürgergarbc  unb  geuermanntdjaft 
ber  Stabt  bem  Bataillon  einen  Ball  auf  bem  JMemert'fä)en 
(jefct  Soeietätdfaale),  wobei  bte  frohe  SÖieberfefyr  ber  Sruppen 
bura)  Öebidjte  befungen  würbe  uub  allgemeine  Jreubc  ba$ 
geft  belebte. 

81m  5.  9Wärj,  bem  iVamenötage  beä  ÄonigS,  würbe  auf 
bem  JKatbdtfyurme  baä:  ,,«£crr  @lott  bfd)  loben  wir"  geblafen 
nnb  am  $lbeubc  bem  Bataillon  Wefemeufd)el  im  Saale  beä 
blauen  <£>ed)t$  ein  Ball  gegeben,  woju  bie  tfeute  tfyre  SSBeiber 
unb  Jtiuber  bringen  foiuiteu.  Wegen  fed>*  lU)r  famen  einige 
ftäbtffdje  Beamte  unb  bie  Offiziere  beö  Bataillon*  bortbin, 
welche,  naa)  einigen  Xoaftcn,  ben  Ball  eröffneten  unb  eine 
3eit  lang  fta)  babei  beteiligten. 

&ue>  biefem  3afyre  ifl  nicf)te>  befonbereä  weiter  $u  berichten 
alö  ba$  ein  lebhafter  iHeifeocrfcbr  burd)  nnfere  Stabt  ging 
unb  am  5.  3uli  ba6  an  bie  Stelle  be$  Bataillon*  9Mefenteu* 
fa)el  eingeritrfte  2.  Bataillon  be*  3nfanterie-9fcgimentd :  9ßritr$ 
Slnton  ben  Sa^vcötag  ber  Sd)larf>t  bei  Sßagram  auf  beut 
Sa)ieftyau$faa(e  beging.  r 


3m  3.  1HU   famen  am  17.  #or*mber  430  3Ran« 
po(ttifd>e  jtaoallerie  \>om  8.  lllanenregtmente  in  @örli$  an,  weldje 
am  18.  uaa)  Söbau  auSrürften.  ~  Der  8u$brud)  beä  ruffifty* 
fratuöfifdjen  Äriegeö  im  3.  1812  braute  eine  SWengc  3Durd^ 
«larfdje  uub  $ura)reifen  franpjifötr  txnppen  unb  Gknerälf. 


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515 


9lm  30.  SBärj  nahmen  f>ier  Nachtquartier  ber  bairifche 
Generalmajor  v.  93rei|Mng  unb  1  (Mabron  beö  2.  (Sheveaur* 
legere  Regiments,  von  £cbau  fommehb;  am  31.  ^Didra  ber 
SBrigabier,  Generalmajor  $mcentt  unb  bae3  3  bairifebe  Linien* 
regiment  ^rinj  ßarl  v.  33atern;  am  2.  Slprü  General  (Serarb 
nebft  bem  6.  unb  25.  berittenen  franj.  Sägerforpö,  aufjerbem 
bie  f.  f.  fran$cftfcf>eu  Generals  iabonci  unb  be  £orgc;  am 
3.  Slpril  General  5)eUend*©oHcrcüe*Noiifiel  nebft  breifranjö* 
ftf<hen  $Hnien*3nfanterie*Negimentern  unb  2  (Mabrond  (Shevamr* 
legerä;  am  6.  iMpril  General  Goubart  Jfommanbant  ber  ita* 
üenifd)en  8rmee;  am  7.  Slpril  ber  Dbrijt  v.  &ietf)  vom 
fdchjifcben  Generalftabc;  am  8.  $lprtl  Aönig  3erome  von 
2öejtpf)aleu  nebft  Gefolge,  am  15.  Äprtl  £erjog  (£ugen  von 
SBürtemberg;  am  5.  3Rai  $wu|t  ^erjog  von  Dan^ig;  am 
7.  s3Jc\ü  ber  bairifche  General- 3ablmetjter  »tugHvie  außer  Hm* 
}äf)ligen  franjöftfchen  Äurierca  voa  unb  nach  ber  2lrmee,  bie 
ftcf>  beftänbig  freuten.  Um  13.  -üfai  übernachteten  bte  fvan* 
jöjtfchen  Generale  (Surial  unb  ifi>id>cl  Inerfelbft. 

$m  28.  $Hat  Der  tytini  von  fingen;  am  29.  9Wat  ber 
fächftfebe  Generalmajor  von  Gerdborf,  ber  fdcf>ttfcf^e  Jtammer* 
r)crr  SÖaron  v.  ^riefen,  ginamrath  v.  (Schernberg  unb  $err 
v.  «£aag.  6ie  begleiteten  ben  Gaffer  Napoleon  bte  an  bte 
f^lefifcl)e  Grenze. 

Nachmittags  um  y42  llr>r  fam  ber  Äaifer  Napoleon  an 
unb  verweilte  fo  lange,  bi$  bie  ^ferbe  gewedjjelt  waren,  bann 
fuhr  er  wieber  ab  nad)  Glogau.  3)er  s)J?agiftrat  begrüßte  it)n 
am  2Bagen.  (Sin  Äommanbo  fraitgcfifc^c  Garbe  unb  ein  Jlom* 
manbo  fächfifche  ^Dragoner  waren  nebft  ber  Söurgergarbc  unb 
bem  9Bürger*3ägerforp$  in  s^arabe  aufgehellt. 

$tm  31.  Wlai  ging  sJftarfd)all  3$iftor  «jperjog  v.  Saffano 
§ur  Ifanee  unb  übernachtete  fytv.  31  m  18.  -3um  pafurten 
jwei  (MabronS  von  $rin§  3of)ann  ^Dragoner  von  gittern 
nach  Rothenburg  gehenb  bie  £tabt;  ben  25.  3um  ber  Söatail* 
lon$ct)ef  (Salmiac  mit  550  2Rann  franjöftfdjer  3nfanterie;  ben 
30.  3uni  Dbrijt  @evelinge  mit  1600  SRann  3taltenern  al« 
Begleitung  eines  SBagentrandportö  von  c.  100  <5tücf;  ben  7. 
September  ber  franjöftfche  General  S3aron  Gobart.  Sllc3  bie 
Nachrichten  von  bem  unglücflichen  9(u6falle  bee  rufftfehen  gelb* 
juge$  nach  Görlty  famen,  würbe  am  26.  Nov.  1812  felgenber  s 
Aufruf  erlaffen: 

33* 

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■ 


516 


„Öttte  für  bic  in  bem  je(ugen  9e(b)iige  fdjwer  Dcrwunbcten 
fd<^ftfd>en  Sonaten  unb  bic  2öittwcn  «üb  Staffen  ber 

Gebliebenen. 

(Sä  bat  bie  ^iejige  Sreimaurcr^oge  in  SöerbtabHng 
mit  ben  gicichgejtnnten  vaterlänbifdien  t'ogeu  unter  ihren 
Sttitglicbcvu  eine  Sammlung  für  bie  in  bem  je$igeit  gelange 
fd?wer  blefftrten  färi>üfa)eu  ^olbaicn  unb  für  bie  pintcrlaffeuen 
SEBittweu  unb  SBaifeh  ber  (Gebliebenen  veranftaltet.  Sie  wirb 
mit  SBerguügen  von  jebem  Gutbenfcnben,  er  fei  wer  er  wolle, 
Gclbbeiträge  biefem  Berufe  annehmen,  nnb  fürchtet  nid)*> 
ba(i  e$  bei  3KenfdKnfrcunbeu  unb  Patrioten  einer  näheren 
Shifforberung  nöthig  habe.  Die  £errcn  £)briftlieutcuant  v>.  Äiefe- 
weiter,  ^ürgermeifter  Sol)r,  Stabthauptmann  (£onrab  unb  Sc 
nator  <&äuufe,  werben  im  Tanten  ber  £ogc  fotbauc  Beiträge 
annehmen,  woju  aud)  (£nbe$beuanntcr  erbötig  ift.  Ü>ie  ganje. 
föunahme  wirb  fobanu,  t?on  fämmtlicbeu  Segen  jufammen,  fp 
T>ert()ci(t  werben,  bap  bic  fa>wer  Mefjtrten  Solbaten  ein  !Drittbei(, 
bie  SÖitrwen  unb  Stßaifen  ber  Gebliebenen  jwei  2)rittl)eüe  erhal* 
ten  follen.  &ud>  wirb  bie  $eredmung  unb  bic  SBcrwenbuug 
cfcntlia)  befannt  fjemadu  werben,  fo  wie  wir  aua>  ntebt  an- 
flehen  werben,  bieten  flattern  eine  nähere  ftngeigc  t>on  beu 
bei  un*  cingebenbeu  milben  Gaben  \n  liefern. 

Äarl  Gottlob  ».  Hnton." 

$fai  13.  'December  fam  ber  sJWarfd;all  «öerjog  \>.  SBincenja 
unb  ber  5Jcarfa)aU  Sefcbsre  von  ber  flrmee  bura)  Görli$;  ben 
14.  December  2Rarfd>aU  £uroc  nebjt  Suite;  ben  18.  ber 
franjöfifdje  General  Graf  $((bt>. 

3)ie$  ift  im  $fügemciueu  bafl,  Wae  djronifalifd)  au6  ben 
Sohren  1810—1812  anzuführen  ijt.  s)J?affcnbaft  wirb  freiließ 
ber  Stoff  für  bic  fofgcnbe  ^tii,  wo  bic  grope  Äeerfrra§e  aud 
Sa)lefien  nad)  Sadjfen,  um  wela)e  )ld)  bie  ©tabt  einft  fo 
bemüht  hatte/  Gelegenheit  gab,  viel  gu  feljeit  aber  aud)  nod} 
me^r  311  leiben. 

•  J 


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517 


eifle*  StapittL 

®örli$  vom  Anfange  t>c$  3aljr**  1813,  btä  jum 
(*nbc  be6  Saffenftillftanbce,  15.  Aug.  1813*). 

2>a£  neue  3al;r  brachte,  mit  ren  umirtfclncubcn  Trum- 
mein  bc$  faiferlidjen  $ecrcö  oae  ^aretbfteber  alä  fcfylimmen 
©aft  nadj  @ör(ty.  (Sä  ftarbcu  vom  28.  gebruar  ki*  b.  SDMrj 
28  -|*erfonen;  vom  7—13.  3Hära:  67  $erfotteit;  vom  14.  bi6 
21.  SJcärj:  51  "4>trf0RCtti  vom  22.  9Mr|  bi*  1.  Slpril:  34 
^erfoneu;  in  ber  7.  'Bocbc  vom  l.  flpril  ab  trat  wieber  bie 
gewöhnliche  £tcrblichfcit  circa  11—14  ^erfoneu  ein.  Stait 
bezeichnete  bic  angeftetften  ^äufei  mit  weißen  Äreujen.  3n 
bkfer  ^ervenficbencit  erf*ien  folgenbe  93efanntmad>ung: 

„3e  mcl)r  t>aö  bura)  bie  gürforge  6.  (£.  ftatb*  befte^enbe 
(9efunbl)eit6bureaH  in  feiner  Äenntni)*  von  ben  (*)cfunbf)eit$* 
unb  l)äu$tirf>en  s«8or^dItni|Ten  ber  $ewotmer  unfercr  <Stabt, 
vorfebrettet,  je  melir  Ku  e$  Gelegenheit,  ftcfy  ;u  überzeugen, 
bap  ber  Wotbftanb  aua)  in  Würfucbt  auf  förderliche*  Wol)U 
behüben  bereit  um  ficf>  greifenber  unb  eingewurzelter  ift,  al* 
ed  tem  @in$eluen  befannt  fein  fann.  (*$  rann  hier  uoer)  jur 
3eit  weniger  von  ber  3<#  JUanfen,  ooer  ber  $ebenflich* 
feit  ber  flraufbeit  felbft  bie  9tebe  fein,  aber  baß  ber  3uftanb 
einzelner  gamiiten  nnb  ^erfonen  einen  hoben  ©rab  von  £>ilfö* 
loftgfeit  im  3nnern  erlaugt  fyai,  fann  unb  barf  nicht  verfdjwie* 
gen  werben.  <Bo  ernftlicb  (*.  G.  ftatf)  bemüht  ift,  aüd?  biefem 
llebcl  entgegen  ju  wirfen,  fo  liegt  bod)  wob)l  febou  in  ben 
3eitumftanbeu  tic  Unmöglidjfeit,  allein  bad  aufführen,  wa$ 
nur  in  glüdlicber  ^erbiubung  mit  ben  ($De(gefumten  im  $u 
blifo  erreidjt  werten  fann.  (Mewijj  gibt  eö  in  alten  6tanben 
unferer  Stabt  eoelmütbige  *Perfoneu  geimg,  bie  von  obiger 
üffial)rl)eit  crariffen  unb  in  gefühlvoller  (£rfenntnijj  be«  von 
Saufenben  ihrer  bebauern$wertr)eu  9)(itbrüber  noefe  Hnange* 
fodjtcnen  $efkhcn$  böslichen  Wirf*  unb  baimhafter  @e* 


*)  Duetten  für  riefe«  unb  baö  foUjenbe  .Havitd  «ujet  einigen  ante- 
ren  <Sf>ronifen  Äarl  ©ottlieb  fcnton'«,  !8ud?$änbler  in  GJDrlifc,  Ärieg*-- 
tetgebuet?,  2  *Bbe.  in  4.;  a)  vom  6.  äWiüv;  fcie  30.  Sept.  1813;  b)  com 
1.  Oftober  1813  h\6  30.  Sflärj  1814.  im  Srfjranfe  be*  martiftraiualifchm 
€efffou*$immere,  unb  ber  gürlt^er  SÄiijeiger  »on  1813-1816. 


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518 

•  ■    ■  ■  ■  —     ■  ■  ■ 

funb^ett,  gern  ein  Srfyerflein  ju  Sftinberung  ber  9^otf>  beiju* 
trafen,  fiaS  gebrungen  fühlen.  (&$  fann  jebod)  nidjt  fehlen, 
taj?  airct)  bet  btftt  3öiüe  beS  (Einzelnen  in  crfprteglic^cr  $e* 
tfyeiligung  tcr  4pilfdbebürftigen  bei  weitem  nidjt  fo  glücf(id) 
ober  jirerfmdtjig  fein  fann,  al$  e$  eine  Deputation  uno  na* 
mentlid)  bem  Uftebenben  ®efnnb()eitdbnrean  bei  beffen  näherer 
Äenntnif  fcee  3cotbftant>e$  int  (Sinjclnen  möglich  ift.  er? 
gebet  baher  an  bie  refp.  geet)rteften  SBeroofjner  unb  SBeroofmc 
rinnen  uuferer  Stabt  bie  ergebende  unb  attiemenbfte  ©irte, 
3^re  beliebigen  mifeftt  Beiträge  bem  auf  bem  Cbermarfte  in 
bem  Braufjofe  9fo.  21.  iäglicty  von  9—12  unb  tum  2— 5  Ufer 
»trfammelten  ©efunbfjeitfbureau  aufteilen  ju  Iaffcn  unb  bcr 
gcmiffeH^aftefleit  unb  möglidjft  $n>ecfmä|jigften  Hnrocnbuiia  ber 
eingeben  £ülfdmittel  \u  (Srleidjterung  m  beftefjeuben  $otr>* 
ftanbed,  fc  wie  fcer  banfbarfteu  Sättigung,  aud)  be#  fleinfteu 
6<f>erfUin«,  überjeugt  ju  fein.  Dag  übrigenö  unter  93orbe; 
rougt  (5.  (5.  9tatr>ö  von  ben  eingegangenen  (JMbern  9iccben< 
fd^aft  unb  Danf  abgemattet  »erben  roirb,  wirb  baS  geehrte 
Uublifum  fönte  3weifel  vertrauenb  hoffen,  ©örlifc,  ben 
16.  Stftri  1813." 


$a*  Aufgeben  bei  23etcf;fel*  unb  DDcr^inte  Seitend  bed 
Äaifer  Napoleon  führte  $u  iNütfinärfdjen  unt>  9iürfreifcn  von 
Gruppen  Hnb  Öenerdten,  wela)e  (Srftere,  wie  fd^ott  gefagt,  baä 
SRcroenfteber  mitbradjten  unb  überall  bie  ßajaretbe  füllten.  2)ie 
Sajarettje  famen  von  £rt  $u  Ort,  je  naefy  bem  Staube  ber 
rufftfcfyeu  9lrmee,  roejtlicb.  $tud>  fyier  warb  ein  Sa^aretfj  an- 
gelegt.  8m  27.  3an.  f am  ber  Dbriftlieutenant  girf,  3  9Jhv 
jor$,  8  Äapitdnö,  7  Lieutenants  unb  31  3Äann  vorn  bairi* 
fa>en  Ärnteeforpd;  am  29.  ber  f.  f.  franj.  »ubitenr  ßadjetet; 
am  31.  ber  franj.  General  ©ebel  nebft  ftbjutauten  von  ber 
Ärmer,  am  4.  gebruar  ein  frauj.  JDbrift;  am  7.  ©rafv.  LiaV 
nowflfy,  ein  fran^.  JDbrift  auf  ber  Dteife  nad?  Drcöben;  am 
11.  gebruar  ber  bair.  X>wi|tond-  ©eneral  i\  2Brebe;  am  14. 
ein  franj.  (General  von  ber  Armee,  mehrere  fyunbert  9Jtann 
bair.  Gruppen,  weldje  fyiev  föaffrag  Ratten..  Lefcterc  legten 
ein  bairtfdjeä  Sajaretb  im\ftleinertfa)eu  ©arten,  ben  betben 
^^^dufern  unb  tini^tn  ^lioatrootynungen  an. 


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519 


Die  Ivuppenmärfctye  Dauerten  fort.  9fnr  17.  gebruar 
fam  Der  bair.  ©eneral  v.  tarnet!) ;  am  19.  Der  poln.  General 
9Jemimeroefty  \  ben  20.  ber  fädjf.  Hauptmann  v.  Eitting  mit 
einem  Söagcn  ^Xranflport  auö  Seriellen;  ben  21.  gebruar  ber 
podüfe^e  General  Oiraf jDr)in>teten>^fy>; l>en  22.  Dermin,  ©eneral 
SPafilicroSfy  nebft  Mutanten  nnl>  bem  franj.  (General  fter* 
riere;  Den  23.  Der  pcln.  $rigabe; General  v.  @rabien$fy, 
Cbrift  Lieutenant  v.  $c>wctfy  unb  3«n^#  fran$oftfd)e  <5Jen* 
tarnten  unb  brei  Abteilungen  »olnifdje  Kavallerie;  ben  26. 
Sebruar  mehrere  polti.  unb  franj.  £>ffi}iere  unb  2ruppen*$fb; 
Teilungen,  ben  27.  jtranfett'Xrantyortt,  welche  fofort  weiter 
gingen!  Diefc  Wücfgängc  würben  Anfang*  s)J?är$  immer  fcfyleu* 
niger  mtb  brilngenter,  bi$  einefl  iageö  alle  ßa$aretr)c  fort 
waren  unb  eine  stille  von  furjer  Dauer  in  ber  Slabt  eintrat. 

»ilm  6.  SWarj  33ormittag$  erschienen  bie  erfkn  Kofacfeu 
vom  Jiortoe  be£  Cbrift  drenoef.  Sie  fvrengten  bi*  auf  Den 
Cbermarft,  hielten  eine  3c^laii9  auf  ber  33ritbergaf|"e  unD  beut 
Untermarfte,  ritten  bann  juriief  unb  ftcllteu  flcf>  auf  ber  9lei|M 
bnirfe  unb  beim  blauen  ^ec^te  auf.  Dei  £)brift  nafym  CUiar* 
tier  tu  ber  9ieifh>crftabt  beim  2Beipgcrber  ^e$olb.  ?lm  7.  9Mär$ 
quartierte  (Id>  ber  Cbrift,  welcher  alle  ©riefe  erbruefy,  beim 
Sdjmibt  JKubolvb  am  ?Keid)eubacfyer  Xfyore,  Die  Äofacfen  in 
ben  £ed>t  unb  ein  s^ifct  ruf|ifct)er  Dragoner  im  ©aftbof  $uv 
Sonne  ein.  Arn  8.  2Mdrj  legte  ©renbel  ©efchlag'auf  bie  Waf- 
fen unb  jeigte  Dem  Mnbedältcfien  ftarfe  Durcfymärfd)c  an,  um  $or* 
rätlje  jn  beforgen.  Die  Solbatcn  würben  in  ber  ftrengften  ?Jlann^ 
glicht  gehalten.  2lm  11.  sJlJcar$  ging  ber  Obrift  uart>  ©aufcen  ab 

Hm  18.  s)Mr$  ging  ein  Regiment  äofaefen  burd)  bie 
Stabt.    Seit  bem  12.  fam  bie  leidiger  %h>\t  febr  lmorbentlich 

fcm  19.  SHärj  ging  Vormittage  12  Hin*  eine  (*$fabron 
vreufj.  blaHe  $ufarcn  (Damals  Dcegimeut  ©ranbenburg)  naef) 
Oieiebenbad). 

'$lm  29.  SWävj  Ijatte  Die  StaDt  folgenbe  Einquartierung: 
ben  ruff.  (General  v.  'Binjingerobc,  beägl.  s4>rina  v.  $8ürtem 
berg  unD  nod). 7 Generale,  18  Obriften  unb  Stabe sJCffaiere, 
40  6ubaltern42fftftiere,  350  sJÖ?ann  Kavallerie  mit  circa  500 
gerben,  J  S3at.  Infanterie,  grub  von  9—12  Ul)r  bauerte 
ber  Durdjmarfd)  ber  Kavallerie,  Artillerie  unb  iWunittonofar- 
ren;  Nachmittage  fam  unsctyligc  Infanterie.  91m  21.  $lbenb$ 
war  ©all  auf  ber  Scfiburce  mit  ruff.  SJcuftf. 


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520 

•  *   

$en  22.  marfdjirte  fämmtltdje  SJcannfdjaft  weiter.  ©6 
pafftrten  von  9  llfyr  ab  84  @efd)üfce  mit  *|3utver*  unb  SÄu* 
nitiondwagen  unb  fc^öncr  sDJuftf  bie  Stabt;  um  11  ltr)r  ein 
Regiment  3nfanrerie  mit  flingenbem  Spiele. 

Den  26.  (wäbrenb  beä  24.  unb  25.  ging  ein  £r;eil  beS  Üorp* 
von  93liid)er,  welcher  am  25.  fein  Duartier  in  £ef(t}wi&  fyatte 
feihvartS  vorbei)  famea  2  Regimenter  preupifdje  Dragoner  mit 
©efduift  bind)  bic  ©tobt;  am  27.  Stftn  fvüt>  um  9  Ufyt  eine 
9lb;f)eilung  ruft.  3äger,  <un  28.  9ÄÄrj  Ü$ormittag$  ein  preujj. 
Jturaffier  *  Regiment;  am  30.  ein  preup.  Ulanen* Regiment, 
bann  ein  Bataillon  Infanterie,  rettenbe  3lrtiflerie,  gegen  12  Ufer 
ein  Reg.  3nfanterte  mit  flingenbem  Spiel;  am  31.  SRärg 
einige  f)uutevt  Üftann  ruff.  Reconvaleäcenten. 

Anfang  Slpril  würben  bie  s4$roflamationen  beö  Jtönigä 
».  ^reupcu:  ,,%n  fein  *8olf"  vom  17.  «SJidrs  1813,  be*  ©e- 
neralä  3Müd)er:  „2lu  feine  Xruppen,  Sunjtau  23.  sIIMr$"  unb 
von  bemfelbeu  $age  „an  bie  @acr)fen",  „be4  preufj.  Äriegö* 
beeret  an  bie  Deutzen  jenfeitä  ber  (Slbe"  unb  ber  Aufruf 
„Sin  bie  Deutt\ben  vom  ruff.  gelomarfdjall  Autufom  d.  d. 
tfalifd)  13/2.v  s3)car$  1813"  öffentlid)  aitgefd)lagen  unb  überall 
forgfältig  verbreitet.  Der  Ratr;  jogerte  eine  2Betle  mit  ber 
Veröffentlichung,  würbe  aber  burd)  bie  ©ewalt  bei  Umftäntc 
gezwungen. 

*Rit  Anfang  Slpril  .fielen  bie  fädjf.  Äaffenbidet«;  man 
nafjm  fte  am  1.  b.  SR.  nur  ju  22  ©r.  53ei  ber  auSgefdmc* 
beneu  Kontribution  von  700,000  $b(r.  für  bie  £ber*  unb  Wie* 
berlauftfl  follte  ©örli&  allein  70,000  $r/lr.  jaMen. 

»in  3.  SIprtl-jogcii  ruff.  Infanterie,  fpater  Jtofacfen  unb 
Aalmürfen  mit  ©efang  burd?  ©orlifc. 

2lm  4.  Slpril  pafurte  einiges  ©efdjüfc  uno  einzelne  mii* 
tärS  bie  ©tabt.  Den  folgeuben  Xag  traf  ber  ©encral  6t. 
trieft  mit  feinem  ©tabe  ein.  8u  biefem  Xage  jogen  burd) 
bie  Stabt:  früh  um  8  Ut>r  ein  Regiment  ruff.  JlavaUerie  j 
um  2  lll)i  Radjmittagö  ein  Regiment  3«fanterie;  4im  4  Uftr 
ein  Jftofatfenregiment  uebft  reiteuber  2trtitlerk*,  um  5  Uf)i  ein 
Aofacfen^^ulf.  <S*  blieb  nur  ein  Bataillon  3nfanterie  ba. 
Stuf  be$  ©eueralS  2Bunfd>  WHrbe  am  5.  2lbenb$  ein  S3aK  auf 
bem  Reffourcenfaale  abgebalten.  Hut  8.  JÄpril  würbe  bed 
©rafen  v.  Sßittgenftein  ^roflamatton  d.  d.  „©eljig,  30.  «Warj 
1813"  befaunt  gemadjt.    Die  Shijfityrung  ber  Steffen  in 


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521 


©örlifr  unb  Umgegenb  War  6et  €t.  ^riefFS  Storp*  fe^r  tabefad* 
wert!)  unb  bie  größten  Stofcbcften  bei  ©emeinen  unb  Cffaieren 
an  ber  Tageflorbnung.  2Öäf)renb  ber  aufentl)alt$jeit  biefe* 
tferp*  waren  alle  «benbe  93älle  unb  bic  geute  famen  nie 
an$  bem  *Raufd?e  herauf.  ©iffenfcbaftlian-r  8inn  freien  bei 
bem  ©eneral  nidjt  31t  berrfd>en,  ba  er  feine  £aubfaiten  befaß 
unb  ft(t)  aua)  um  foldje  nia>t  befitmmerte.  ~%m  12.  #pril, 
wo  ftüt>  eine  ©Sfabron  Ulanen  unb  1  Bataillon  3nfanterie 
burd)tnarfa)irte,  fam  plö$lid>  fttarftyortte,  fo  baß  ber  ©eneral 
et.'  trieft  9<ad)mittag*  um  4  ityr  bie  £tabt  mit  fämmtlidien 
Truppen  verlief  wäljrenb  aud)  in  ber  Umgegenb  ba*  aanje 
Storp*  fta)      Bewegung  fefrte. 

Um  5  Ufjr  erfdjien  ber  ©eneral  SHilorabowitfa)  mit  vier 
anbereu  ©enerälen  uub  um  6  ttyr  ein  Ulanen  *<Rcgiment. 
flbenbd  entftanb  eine  geucrabrunf* ,  bei  ber  bie  unter  sÄilora* 
bowitfdj'd  Befehl  bejfer  bi^iplimrten  Truppen  fel?r  büfreiefve 
£anb  leiteten. 

Den  13.  Slpril  ging  ba«  Dura>maifd)iren  fo  unauägefefet, 
baß  unfere  ©eriefeterftatter  nidjt  mefyr  bie  $Renge  fcbä&en  unb 
bie  Truppengattungen  notiren  fonnten.  3nfantetie,  Kavallerie, 
»iele  Äojaden,  Jtirgjfen  Hub  Äalmürfcn,  mit  Jtameelen  unb 
Train.  3n  ber  9faa)t,  nautentlid)  am  14.  9(pril  oon  1  llfyr 
an  brennte  ba$  ^flafter  unter  bem  Gaffeln  ber  ©efdjüfee  unb 
Uöagenjüge.  Nacfymittagö  bradtfe  bie  löbauer  sBürgergarbe  40 
gefangene  granjofen  tianSportirt,  weldje  jebod)  auf  bem  Trans- 
port nad>  Taliban  ber  görlifcer  Gteforte  enifprangeu. 

Den  18.  Slpril  begann  bie  Zulage  eineö  großen  sJftaga; 
jinö  auf  bem  3$oigt$f)ofe;  biefen  Tag  war  tte  ^eterä*  unb 
9lifolaigaffc  fortwäfyrenb  mit  ©etreioewagen  befe$t;  jKdume 
$u  -einem  ruf|lfa)en  ^ajaretb  mußten  befdjafft  werben. 

Den  19.  war  beö  DurdwarfdurcnS  fein  @nbe.  Die 
rufftfdjen  ©arben  pafftrten  tfycilweife  bie  €>tabt.  SBiele  $of* 
eqnipagen  Deuteten  bie  nahe  Durdjreife  «fcaifer  2(leranber$  an. 

Hill  20.  Äpril  9tad)mittagö  tterfammelte  jidj  bie  Bürger- 
garbe  frül)  um  9  Ubr  beim  $5iertel6meifter  (£onrab,  unb  baä 
Jäger^orpö  bei  ber  mit  bem  rufftfa^en  2Bappen  gefaymüdten 
(f  fyrenpforte  am  Neißtljore.  93on  frür)  an  marfdjirten  Xrnppen 
aller  ©attungen  buret);  bie  ©traßen  würben  oon  Neugierigen 
belebt.  Um  3  Uhr  fam  enblitfy  nad)  langem  Marren  Äaifer 
2(leranber  bura)  baö  laubaner  Tfjor  geritten/ würbe  mit  ©laden* 


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522 


qeläute  unb  Sebebod)  empfangen  unb  begab  ftd)  naa}  bera 
Obermarfte.  Gr  flieg  vor  Dem  jefcigen  #auptfteueramte  (Damals 
bem  £aufe  bed  SanDeeälteften  v.  Saffig)  vom  Uferte  unD 
nahm  au*  einem  greife  weifigefleiDeter  äRättfteii  burd)  grau 
Mein  Senjranje  v.  Jtiefewetter  ein  ®ebicf)t  entgegen.  Xann 
fct>ritt  Der  Jtaifer,  begleitet  reu  Den  Seljörben,  burd)  baä  von 
Der  SBürgergarbe  gebildete  6palier,  ging  in  baS  £au$,  jeigte 
fid)  leutfelig  auf  Dem  Salfon  unb  fpraa)  feinen  SDaitf  für  ben 
Empfang  au$.  9kd)bem  er  eiligft  einige  Xaffeu  ^ouiüeu 
getrnnfen,  beftieg  er  wieber  ba$  ^fab  unb  ritt  fett  £)bermarft 
langfam  hinauf,  am  reicfjenbacber  Xbore  Durd)  eine  mit  ber 
3nfcbrtft:  „eegen  begleite  bie  Ibateu  Dee  ßHorreiaVn  uno 
fetner  »fteere"  verferjene  t£rjrenpforte  ubeua|d)t.  2)ie  berittene 
$Bürgerfd?aft  begleitete  ihn  ungefähr  bis  jur  üJtoucr,  bort  baufte 
er  für  weitere  Begleitung  uno*  begab  ftcb  in  fein  Hauptquar- 
tier: SRengcfttorf. 

Um  22.  Slpril  um  8  llljr  früh  ritten  mehrere  Regimenter 
Jtürafftere  Durd)  Die  otabt;  fpäter  £ufaren  unb  Ulanen,  Denen 
ein  Xratnjug  folgte,  weld)er  Den  gangen  Xaa,  bauet  te. 

#m  23.  fam  ber  Jtouig  gvieDrid)  Wilhelm  HI.  Durd>  tue 
(Stabt;  er  würbe  in  ähnlicher  $tkife  empfangen,  wie  Äaifcr 
.  JÄleranber,  war  aber  fefyr  geftört  uub  abgefpauut,  oa^er  nta?t 
fo  jugänglid}  al$  &atfer  flleranber.  gräHleiu  ßonjtanje  v:  Äie* 
fewetter  überreid)te  il>m  wäfyrenD  De*  Umfpanueu*  ein  ©cr>id)t. 

1)er  jUittgf  fd)rocr  bewegt  von  Den  6orgeu  Der  «Jett, 
fanb  jtd)  von  Der  neugierigen  iWeitge  um  fo  mefyr  belä 
ftiat,  al6  folito  mit  Der  größten  3 m D vi tt ^ l i d> f e i t  Den  $Öagen 
belagerte  unD  roviel  Slumen  hineinwarf,  Daß  er  faum  eine 
laffe  QbofolaDe  ungeftört  trinfen  fonnte  unb  beärjalb  naa) 
bem  itferDewedjfel  fdjleunigfi  fortjufahreit  befahl.  , 

£>en  24.  Hpril  pafftrte  Der  rujftfcfye  Qkoßfürft  ßonftantin, 
weiter  in  «£>enner*Dorf  franf  gelegen  tyatte,  in  aller  «Stille 
bie  Stabt;  balb  uad>  tfjm  fam  ber  preufrifebe  £taatöminifter 
v.  «£>arDenberg.  s)(aa>mittaa$  marfdjirte  Kavallerie  unD  3«- 
fanterie  Dura>  bie  etabt.  &d  blieben  von  legerer  1200  sJJ?ann 
im  Duartier  unD  feierten  am  26.  $(pril  unter  großem  v\ubcl 
Da*  rufftfdje  Dfterfeft.  £)en  28.*3(pril  ^iw^m  viel  töeeouva 
ledeeuten  ww  ttrmee,  ebenfo  preufhfdK  freiwillige  3üger. 

Den  3.  Mai  erweiterte  man  bad  £ajaretb,fo  baß  für  12003Ä. 
geft^aft  werben  mußte.   Sin  biefera  iage  fameu  aua)  Die 


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523 


.ftaufleutc  unverrictyteter  @acr)e  auö  8eip§ig  JHtücf,  W  feine 
TOeffe  abgehalten  werten  fdnne.  Wach  fo  bewegter  3eit  waren 
am  4.  Wai  rufftfd)c  iRecenvale^centen  unb  preußifa)e  fcanbwehr, 
weldje  auf  bem  Dbermatfte  erercierten,  ba$  einige  SDHtitfc 
in  ber  ©tabt.  9iachmittag$  um  5  Ufer  erfaßten  ein  großer 
$ulf  Jtofarfeu.  ®4on  an  biefem  Xage  würben  Die  erfien 
9tachricf)ten  von  ber  €a)lacr)t  bei  Süfcen  befaimt. 

$ie  folgenben  Sage  brauten  neue  @erücf)te  über  Die 
6d)lacht  bei  2ü$cn,  welche  bie  Ginwobnerfchaft  von  ©örlifc 
nid)t  wenia,  beunruhigen  mußten,  ba  fte  bei  ber  $ücffehr  ber 
granjofen  für  ihren  Empfang  be$  üaiferd  ?(leranber  uub  tfönigö 
griebrich  Sßilhelm  III.  3üchtiguncj  fürchteten. 

3)en  5.  $Jai  erfchieneu  ?Recom?aleäcenten  unb  ein  fiarfer 
äofacfeupulf ,  aber  auch  von  ®au(jen  her  tfranfe  für'S  gataretf}. 
$(m  6.  ÜRai  ging  ein  jtarfrt  Regiment  Muffen  bura>.  (Degen 
150  Stalin  frau$öftfd)e  (befangene  braute  mau  von  kauften. 
5(m  7.  blieb  ein  Bataillon  Greußen  al$  ©arnifon  in  ber 
Stabr.  Um  folgenben  Sage  ritt  eine  gitwhl  SSafcbfuen,  Wittag«* 
ein  Äofacfenpulf  Durch  ©örlit)  unb  viele  S&ageu  mit  Muffen 
pafftrten  bie  6tabt,  aua)  fam  ber  ^BcfetSl  ein  $weited  Kareth 
anzulegen,  wo$u  jeber  ^auöwirtl)  binnen  jwei  Sagen  l  Stroh* 
faef,  1  £embe,  1  Stattlich,  1  StroI)fifien ,  1  Sttüne,  t  *JJaar 
Strümpfe,  etwaä  alte  Setnwanb  tiefern  follte.  5)ex  ÜBefehl 
tafttt  war  faum  in  ba*  SBürgerfdjaft  befannt  geworben,  alö 
fchon  SBagen  auf  23ageu  mit  ruffifd>en  SOerwunbeten  von 
Skufceu  anfamen.  9J?an  mußte  ba$  ©vmuafmm  unb  atie 
(ga)ulftuben,  Dergleichen  bie  Wifolaifirche  ju  ihrer  Unterbrin* 
gung  verwenbeu,  ba  ber  befohlene  $au  von  93aratfen  beim 
(Scfyießbaufe  nict)t  fo  fc^nell  bewerf ftelligt  werben  fonute,  alö 
baö  53ebürfniß  erheifchte.  $en  9.  3Äai  glia)  bie  ganje  Stabt 
einem  üßferbeftatte,  überall  ftanben  l^ore  unb  Sagen  mit 
neuangefommenen  Muffen,  welche  in  ber  JHofterfirdje  unb  allen 
großen  (Sdjenfftuben  nur  mit  9toth  untergebracht  werben  fonnten. 

Slm  10.  sJHai  ftanb  am  Storgett  ber  Dbermarft  wiebemm 
voll  von  Sroß*  unb  Jtranfcn^SBagen.  ^ufjtfche  3nfanterie  tmb 
Ulanen  belogen  ein  SBivouaf  beim  reichenbadjer  Xhore;  babei 
freuten  jich  bie  wiberfpredjenbften  ©erüchte.  1>ie  game  Wacht 
vom  10.  jum  11.  slRai  bauerte  ber  ?Hücfgang  von  SBagage; 
unb  Sroßwageit  d^uffifc^e  ^Dragoner  unb  Ulanen  brachten 
600  franj.  befangene,  unb  geleiteten  foldje  naa)  Sauban.  Äm 

i 

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524 


1 1 .  ÜÄai  gingen  bie  3"g*  mit  SBerwunbeteu  burdj  bie  Stabf 
faft  ununterbrodun;  aud)  würben  Slnflalten  getroffen,  bie  gor- 
lifcer  Sajaretfr  afyubrecfrn  unb  nadj  bem  Älofter  £eubuS  ?u 
fuhren.  500  9ftann  raff.  Ulanen  famen  9cacr)mittag$  von 
£ubwig$borf  in  bie  Stabt;  3*ber  f>attc  mehrere  33unb  «£>eu 
hinter  feinem  Sattel  aufgebunben;  ba$  war  auf  bem  lubwig£>- 
borfer  £ofe  genommen  roorben.  Sic  bivouaquirten  vor  ber 
Statt.  $im  Vlbente  frrte  man  Jtanoncnbonner  in  ber  *Kid) 
tung  von  Bauten,  golgenbeu  XagÖ  bauerte  ber  SÖagen- 
föüdjug  vom  frühen  borgen  au.  3n  ®örli|3  unb  ber  Um-  • 
gegeub  nabmeu  bie  ftreifeuben  »Hofacfen  *ßferbei  roo  feiere  311 
faffen  waren.  2lm  sMbenbe  beä  12.  SRai  gingen  raff,  Hammen 
^uriicf;  e$  erregte  baö  ©erücfr,  Äaifer  SSleranber  werbe  uäd?- 
ftenä  bie  Stabt  pafnren,  bie  größte  ^eftürjung,  welche  burd? 
ben  53efcf>l,  Sacfe  für  baä  WagaAtn  liefern  uub  bie  (irc? 
fution  burd)  Jtofaden,  fowie  bie  $8egnabme  alle**  gufrwcrf* 
Seitens  patrouiüircnber  ruff.  Ulanen  vermehrt  würbe. 

Xen  13.  $cai  fam  viel  jurütfgebenbeä  gufrwcrf  unb  ber 
93efefyl,  bap  jebed  $au$  eine  Herfen  511m  CSinfacfen  befl  @e- 
ti Circo  in  baä  SDJagajin  \\\  Hellen  habe.  3Rau  fd)lug  an  bie- 
fem  Xagc  mehrere  93rücfen  über  bie  9cett*e,  augeblich  für  bie 
9ceferve-Wrinee  beö  Sardai  be  Xollv.  S6  trafen  bie  ÜHimfter 
Stein  Hitb  von  Jjparbcnberg  ein  «nb  belegten  alle  öffentlidjcn 
Waffen  m't  SBcfchlag.  5>cn  14.  9ftai  paffirte  ein  Regiment 
ruff.  3nfanterie  bie  Stabt;  fpäter  famen  100>  leiefr  Sleffirtc, 
welche  in  ber  Cberfirdu'  untergebracht  würben;  ber  9iücf$ug 
von  guhrwerf  unb  Sruppen  ging  fort.  —  9$alb  ging  baä  SOW« 
litär  vorwärts,  halb  rücfwärtfl.  $)en  16.  maßten  bie  Dörfer 
ununterbrodjen  für  bie  preuß.  Slrmce  .HommiSbrob  baden. 
iJeu  17.  unb  18.  hörte  mau  beftanbig  ^aneumbonner.  $a* 
r)er  war  bie  Stabt  fortwährenb  in  ber  größten  Spannung 
uub  93eängftiguug.  golgenben  Xageö  banerte  bie  ^erwirruna 
fort,  Jnfanteric,  :Irainwageu,  Leiter  bimhcinanbcr  unb  baju 
eine  ÜÖtenge  Sttarobeurtf,  welche  von  ben  Äofacfen  in  *Reit>e 
unb  ©lieb  getrieben  unb  auf  [Reichenbad)  $ugefür)rt  würben. 
5Mm  20.  hörte  man  heftigen  Jtanoneubonner,  91benb$  vermehrte 
folcfrr  ftch  fo,  baß  ber  S3oben  gitterte  unb  bie  genfler  flirrten. 
$)aö  ©efchüfcfeuer  begann  am  21.  SKai  fchon  früt>  um  5  Uhr 
von  Beuern,  gmfftyeil  6  nub  7  Uhr  vereinzelter,  unb  bauerte 
nach  7  Ufr  mit  verftärfter  ^eftigfett  fort. 


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525 


9lm  Radjmütagc  reä  21.  führte  mau  über  1000  gefan* 
gene  granjofen  burd>  bie  Start  narf>  £d)lejien,  (Kn  tiefem 
läge  erbitterten  bi6  $(benbä  um  7  Upr  lie  genfter  »ou  bem 
brptyntnttn  üanonenbonner ;  ra  fold>er  um  7  Ut)r  aufhörte, 
vermeinte  man,  bie  $lngelegenl)eitcu  (Muten  gut;  bod)  bewie* 
ba$  ©etöfe  be$  beftdnbtg  $urütfgel;euben  gutyrwerf*  in  ber 
^Rac^t  jum  22.  Wai  balb  bad  ©egenrfyeil.  #it  biefem  Wor- 
ten unb  Radjmirtag  raffelte  riet  ruffifd^ee  <#efd}üj  \uvnd  unb 
«nirbe  $wifd)en  £enner6borf  unb  Wovtf  aufgepflanzt.  Regi- 
menter folgten  auf  Regimenter,  meiftene  mit  fUugenbem  Spiele; 
ade  ©äffen  waren  befefct  von  Wilitäv,  :&agen  unb  ÜBiebfyeer* 
,  ben.  3n  ber  Rad>t  mußte  jebee  £auö  einen  Warnt  jum  9J?a* 
aa$in  beforgen.  !X)affelbe  mußte  mit  ber  größten  ScfyueÜig? 
feit  gefaeft  unb  auf  He  reguirirten  $Bagen  gelaben  werben, 
weldje  in  enblofer  Reibe  bie  Statt  in  ber  Ri^tung  auf  Sub* 
wigtfborf  unb  «§>enncr0borf  oerließen. 

Xen  23.  SWat  borte  man  fdwn  in  teu  erfreu  Worgen* 
ftHnbeu  $orpoftenfd)üjfe,  unterbrochen  von  einzelnen  Jtanonen* 
fernlägen.  Rad)bem  aHf  bem  anbern  Ufer  ber,  Reiße  iwd  ka< 
nonen  aufgeteilt  waren,  würbe  gegen  9  Ufer  von  ben  Ruffen  bie 
mit  Strol)  unbs^ed)  umwitfelteRetßbrürte  angejünbet.  Ridjt  lange 
barauf  famen  bie  erfren  Sad)fen  unter  £8olfer*borf  unb  ©e* 
nerat  £efftng  in  bie  Statt  gefpreugt  unb  naljmeu  einige  jurücf* 
gebliebene  rujf.  JDffijiere  gefangen.  Wan  l)örte  fdjarf  fano- 
nireu,  alö  gegen  11  Uhr  franko |lfd)e  Kavallerie  einbog,  ben 
£)bermarft  befcfcte,  unb  beu  mit  einem  alten  Bauerfyute  be* 
fleibeten  um  V212  Übt  über  berf  Warft  reitenben  Jtaijer  Ra* 
poleon  mit  enttyuftaftifcfyem  «£>ocfy  empfing.  Ü)er  Jtaifer  ritt  an 
ber  falutirenben  gront  bie  Sörübergaftc  unb  Reißgaffe  hinunter 
im  @elette  eines  fäd)ftfcr)cn  $)ragonerö  glemming,  welker  bie 
Reißfufyrten  fannte.  (£r  fyielt  am  Reißtfyore,  unbefümmert  um 
bie  von  ben  gegenüberfrefyenben  Ruffen  gefenbeten  Äugeln, 
unb  ritt  bann  langfam  bie  tfafyle  fjinauf,  bei  Sc^ricfeU'd  ($ar* 
ten  vorbei,  bi$  ahui  Sdjießljaufe;  bort  jeigre  ihm  glemming 
bie  guljrt.  93ou  ber  ebenfalls  bemolirten  Refervebrücfe  au$ 
fefrjrte  er  nad)  ber  Stabt  jurüd,  begab  jid)  in  ba$  Roftty'föe 
£aud  auf  bem  Dbermarfrc  unb  empfing  bort  bie  ©eiftlidtfett, 
bie  lanbftänbifcr/en  Deputirten,  fowie  ben  Wagiffrar. 


Rad>  12  Ul)r  brängten  ftdj  Regimenter  an  Regimenter, 
balb  sum  Reictyeubadjer*,  balb  jum  Rifolattfyorc  tyinein;  be$ 


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526 


XrommelnS  uttb  ber  SWttftf  war  fein  (Fnbe.  Unter  be$  üai* 
ferä  9lugcn  mußte  beim  Scfyicpbaufe  eine  Sefyiffbrüdc  tibcr 
t>te  9?ei£e  gefcfylagcn  werben.  ^Ibenbtf  war  auf  SBefcbl  &cd 
Ratbö  bie  3taM,  jebodj  febr  fcr)wacc),  beleuchtet. 

$>en  folgenben  £ag  hörte  man  bauernb  Älcingcwebrfeuer. 
£cn  25.  sJDJai,  Wittag*  \V!2  Ufyr  ritt  Der  tfatfer,  umgeben 
reu  fetner  Generalität,  fort,  l)inter  ibm  jogen  blc  ©arbeit  unb 
eine  Stenge  Regimenter,  welche  beim  reichen  bad)  er  Xfyore 
gleid)fam  aud  ber  (Srbe  quellen  fd)tenen.  &aum  war  bie 
igtabt  t>on  ben  granjofen  Verlanen,  als  circa  500  sJWann  SBa* 
benfer  itnb  £effenbarmft  äbter  fclct)e  befefcten.  Die  gratuofen 
fdjnitten  überall  baö  grüne  «Kern  mm  Üßfcrbefuttcr  ab,  wa$  bie 
golge  hatte,  baß  uiMfdien  ©örlifc  uub  Suujlau  in  ben  folgen« 
ben  lagen  über  3000  <flferbc  gefallen  ftnb.  —  Hm  26.  9)Jat 
mußten  alle  9Jcannfd)aftcn  in  ©örlifc  fcbleunigf*  jur  irtrmee 
aufbrechen.  2)en  folgenben  lag  fyörte  man  in  ber  9ttd>|ung 
auf  ©irbig&borf  fcbie(ieti.  Die  grattJjofen  l)atten  bort  *ßlänfe* 
leten  mit  Jlofacfen  uub  ruft,  Sägern,  welche  nod)  in  ber  ©e* 
genb  berumfdjwärottett. 

$>en  27.  9)fai  begann  ber  Neubau  ber  Reifibrihfe.  9lm 
29.  Sttai  fanten  früfy  Sadjfcn,  9cad}mirtag6  ein  italiemfc$rä 
Regiment;  beibe  Xruppentfyeilc  marfcfyirtcn  nach  jwcißünbiger 
Raft  weiter  nad)  @d?leften.  3)en  1.  3uni  ftanb  ber  Dbcr* 
marft  twller  2Bageu  mit  franjöftfcfyen  SBerwunbeten  son  $ic£* 
ni$  unb  £aftnau  f>er ;  |k  blieben  in  ©örlifc,  wäfyrcnb  baä  fru* 
fyere  franjofifdje  Sawretf)  naefy  93au$cn  pruefging.  Tenteiben 
%ac\  würben  um  bie  <&tabt  auf  allen  ^öfycn  Kanonen  aufge- 
führt; jwei  fratt$ö|'tfd)e  3nfanteric;Rcgimcnter  bwouaftrten  auf 
ber  sJ3icf)weibe.  2)en  3.  3uni  würbe  ber  Sßaffcnftiüftanb  be* 
fannt;  XagS  barauf  alarmirte  ba$  ©erüdjt:  „bie  Jtofacfen 
ftänben  bei  Dölbau/'  bie  gange  etabt.  2lm  5.  Sunt  traf  ber 
aJcarfcbaU  ^erjog  t>.  Saffauo  ein.  s3Xef)rere  Regimenter  Äa* 
valleric,  (Srgänjuug  für  »erftyebene  SÖaffcngattungen ,  wöbet 
and)  ^amclucfen,  etwa«  3nfanterie  unb  SKunittonamagen  jo* 
gen  burd>  ©örli$.  5lm  6.  3um  würbe  ber  ©eneral  Sa  $rwere, 
welker  bei  ^arferäborf  neben  bem  WaxfäaU  Duroc*)  in 
unmittelbarer  «äl)e  be3  Jtaiferö  erhoffen  war,  feierlitt)ft  beerbet  ' 


•)  £eht  einfadjea  Deitfmal  ift  ein  ©rtenftfem  an  ber  Sttarffr$borf<t 
f«  (1%  et.  w«  ©i>tli^)  mit  frtn  $öort#n:  Duroc.  f  4*43. 


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527 


Den  8.  3tmi  traf  uittev  bem  Donner  beö  ©efcf>M^eö  unb 
bem  Tanten  ber  ©locfen  Jtaifev  Wapoleou  wieber  ein.  Um 
9  Uhr  mufjte  bie  ©ürgergart*  jufammeiifommen.  <Ste  jog 
Mm  Y212  Uhr  auf  bem  Obermarfte  auf  imb  itelite  ftch  in  eine 
ftetye  mit  bem  anwefenben  WUttvir,  welche*  in  *Parabe  auf* 
marfd)irte. 

Da$  Weisser  war  griin  befortrt  unb  ein  fetjr  fchön  von 
SBlamen  gefertigte*,  mit  einem  Sorbeevfram  umfctyfangcite*  N 
bafelbft  angebracht.  Den  (^fngaiti)  be*  \\  9?ofttfc'fcben  «ftaufe* 
hatte  man  mit  <$Hir(anben  betränkt  mit)  raiüber  am  &alfon 
bie  3itfdjrift;  Vivat,  Vivat!  semper  Vival  N.  befeftigt.  Sllö 
rer  tfaifer  bei  bem  Saufe  anfam,  frreuteu  eine  2ln$at)l  weip* 
gehefteter  sJD9äbc^en  SHumen,  unb  überreichten  ihm  auf  Sei* 
benbruef  folgenbe  3c^en:  Napoleonti  Yictori  Pollenli  Potenti 
Invicto  S.  —  Civitas  (lorlicensis  a.  d.  VIII.  Jun.  MDCCCXM. 
Der  Äaifer  empfing  alle,  welche  ihm  bic  Aufwartung  mach* 
ten,  (ehr  gnäbig,  trat  einen  Augenblicf  auf  ben  $3aIfon,  van 
welchem  aud  er  bie  Anwefenben  mit  bem  ^erfpeftive  mußerte 
unb  jog  fich  tu  fein  Üabinet  juruef,  um  $u  arbeiten.  Abenbä 
ivar  bie  (5tabt  erleuchtet,  am  briUantcftcu  ber  bem  faiferlichen 
Sogid  gegenüber  angebrachte  £)beli*f  mit  bem  N.,  t>a$  Salj* 
hau*,  ba*  Wathfyau*  unb  bie  S&o'rfe  (Preisgericht.)  s-9tit  bem* 
felben  $age  begannen  franjoßfehe  *Rücfmarfct>e.  Um  l>alb  6 
U^r  fam  viel  Kavallerie,  fpäter  Infanterie;  in  ber  3tabt  blie* 
ben  gegen  6000  SKamt. 

Anbern  Xag*  gegen  1 1  Übt  reifte  ber  töaifer  ab.  €>chon 
um  7  Übt  war  @)eneralmarfch  gefetjlagen  Horben,  welcher  bie 
(Barben  *um  Abmarfch  jufammenrief.  "  sXur  ein  Bataillon  blieb 
in  ber  6tabt. 

3n  ben  folgenben  Xagen  gefdjah  nicht*  *on  SBebeutung. 
3u  bem  Sager,  weichet  wähtenb  betf  Sßaffenftiflftanbe*  bei 
<$ör(i$,  jwifeben  ben  Dörfern  Seopolb*h^nr<£Krm*borf,  Wot>* 
unb  Schönbrunu  aufaefchlagen  würbe,  famen  ÜWunition*wagen, 
Truppen  ic.  (Sin  Ühctl  ber  granjofen,  welche  am  8.  3uni  in 
©orlift  gewefen,  lagen  im  fötvouaf  auf  bem  SRifolaifirchfwfc 
unb  häuften  bort  wie  bie  $knba(en.  Sie  verbrannten  bie 
Jtreuje,  öffneten  ©räber  unb  Särae,  flauen  etwaige  ^oftbar* 
feiten,  inbem'  fie  bie  Ringer  abfehnitfen,  an  benen  goltene 
Eilige  waren,  (öften  ben  frifchen  Seichen  bie  Äöpfe  ab,  fteeften 
folty  auf  bie  Sajonette  unb  trieben  ähnliche  Kreuel.  Die 

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528 


töudmärfctye  bewerten  fort  &m  18.  3uni  würbe  eine  „93er* 
orbnung  für  beu  Unterhalt  ber  fvanj6ftfd)en  unb  aUiincn 
Xruppen,  unb  bie  9$ewirtl>ung  ber  £>ffi$iere  von  allen  ®raben, 
»  welche  in  Sacfyfen  bei  ben  (£inwof)nern  einquartiert  ftnb,  vom 
,   15.  3um  1813  an  gültig,"  befannt  gemalt. 

©äfyrenb  bed  ^BaffeufttUftanbed  l;atte  ber  &ommanbeur 
über  bie  Triften  in  ber  Umgegeub  von  (^crlifc,  (General 
iKtMMiicr,  fein  Hauptquartier  in  ber  3  tan.  (fr  gab  am 20.  3um 
ben  Dfftjieren  einen  9$all  in  ber  Diejfource.  5>cr  ©eneral 
!)atte  in  biefer  Seit  feine  ©emafylin  bei  jtd);  ftc  fam  am  29. 
3uni  an.  2lm  1.,  2.,  5.,  7.,  9.,  10.,  11.,  12.,  13.,  15.,  17., 
21.,  23.  25  (jwei  franj.  Sttarine^egimenter),  26.,  28.,  29. 3uli, 
2.  ftuguft  gingen  franjöfifa)e  Gruppen  alier  SÖaffengattungen 
bura)  bie  Stabt,  fydM  inö  ^ager  bei  3Xot>0,  tfyeitö  naü) 
<5d)lejicn.  / 

2lm  3.  Äuauft  würbe  ba$  sJcameu$feft  be$  Äönigd  von 
v5ad)fen  feftlid)  begangen,  grill)  blieä  man  auf  bem  töatfjä* 
t()urme  baö  üebeum.  $>a6  franj.  Sager,  in  welkem  ber  2>ia* 
fonud  Älien  and  ©örlifc  bie  geftrebe  i)ielt*),  war  gläujenb  be* 
lenktet  unb  von  vielen. (Sinwofynem  ber  «etabt  befugt.  S)ie 
geierlicfyfeit  fdjloji  mit  einem  Salle. 

£>en  folgenden  Xag  fam  wieber  viel  SWilitär  unb  am 
5.  Hüguß  begannen  bie  Gruppen  bei  ber  «Stabt  93erfa)anjun» 
gen  aufjuwerfen:  bie  £a$aretbe  würben  fortgefdjafft  nad)  93auj>en  *, 
traniöftfdje  £ufaren  unb  ©arfren  jeigteu  ftdj. 

2lm  3.  8uguft  erföien  folgenbe  Sefanntmadmng : 

„Allen  fyefigen  (Sinwofynern  wirb  hiermit  bei  fünf  Zfya* 
lern  unb  naa)  Sefmben  ©erangui$ftrafe  unterfagt,  von  ©ol* 
baten  unb  anbem  baju  gehörigen  *ßerfonen  Srob,  Sieifa), 
Söier,  SBranntewein,  £id)te,  £ola,  gourage  unb  anbere  SSerpfJe- 
gungä*©egenftänbe  an  fidj  ui  faufen. 

©örlfy,  am  3.  «uguft  1813. 

£>er  Äatl)  atlba." 
Der  10.  Muguft  würbe  fowofjl  im  Sager,  ald  in  ber 
©tabt  feicrlia)  begangen.  (5$  war  befohlen,  an  biefem  Sage, 
mit  welajem  ber  Söaffenftiüftanb  ablief,  Stapoleonö  ©eburtätag 
feftlia)  ju  begeben,  ba  vorau*ftO)tlia)  ben  15.  wegen  ber  JWegö- 
Operationen  feine  sJDföglta)feit  baju  vorljanben  fein  würbe. 


•)  ®&rt.  SEDedW«ifer  1838.   <&.  778. 


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529 


3n  ber  *ßeter6fir<r;e  würbe  naa)  ber  ^rebigt  be$  M.  3ancfc, 
in  ©egenwart  ber  franj.  «Militär*  unb  (Eivilperfonen  bad  31c* 
beum  gefungen.  Die  £ffi$iere  vom  fraftjöfif^en  ©eneralftabe 
vereinigten  |lc^  mit  benen  bei  fäcf)ftfd)eit  ©arbe  31t  gufj  um 
2  llf)r  Scaajmittagö  $u  einem  Diner  im  Saale  ber  jKejfource; 
bie  Solbaten  würben  auf  bem  Dbermarft  an  langen  Xafelu 
bewirket.  Die  Solbaten  fangen,  brachten  s.Bivatd  bei  Ircm- 
melfd)all  auö  unb  fd>offett  ityrc  ©ewefyre  tu  bie  8uft  ab. 
Hbenbö  mar  bie  £tabt  $um  Iben  illuminirtj  baä  Salband 
unb  DUtfybauS  am  gcfdjmatfvolljten.  SWm  9tatl)$tf)urm  war 
ein  N.  unb  am  Saljfyaufc  ein  E.  (empereur)  in  ©rillantfeuer 
angebracht. 

3m  2ager  be$  9lrmeeforp$  bei  9Hot)0  war  mefjr  £e* 
ben.  Dort  würbe  ein  glänjenbed  geuerwerf  abgebrannt,  ju 
welkem  ber  ©eneral  Sanier  fer)r  viele  ©inlabungen  r)atte  er* 
gefyen  laffen.  Der  «bbrua)  beö  Sagerd  bei  NDcoty$  begann  am 
13.  JÄuguft. 


Smblftti  ®ap\UL 

SBoml5.  8ug.  1813  bi6  jur  (Srbfyulbigung  au  ^reu^en. 

SÖir  l)aben  fa)on  gefefjen,  bap  nod)  vor  33eenfcigung  beö 
2öaffenftilljtanbe6  bie  Truppenbewegungen  ber  fran$6|ifa)en  ■ 
Slrmee  wieber  begannen.  ÜWit  bem  »blauf  beffelben  Ijatte  ber 
gan$e  ifrieg  eine  anbere  2Benbung  bekommen.  Der  Wittel; 
punft  ber  Operationen  Napoleon«  würbe  Dreäben,  welaVd  un* 
gemein  befegftit  unb  verpallifabirt  worben  war.  Der  Jtronprtn3 
von  <5a)weben  fommanbirte  eine  Ännee  von  (Sa)weben,  wobei 
ein  preufj.  »rmeeforpä  unter  Sulow.  ©egen  tyn  follte  War- 
fcf>aü  9?et>  operiren.  Uitgefäljr  biä  an  bie  Üafcbaa)  ftanD  bie 
Slrmee  be$  Warfdjall  SWafbonalb,  ber  bebeutenb  verftärften 
combinirten  ruffifdjen  unb  preu(jifcf)eu  &rmec  unter  Döingen* 
fxein  unb  93lüa)er  gegenüber;  in  Sööfymen  waren  120,000 
JDefterreia)er  gufammengejogeu  worben,  gegen  welaK  ber  Stai- 
fer  einen  Sfyeil  feinet  ^eere^  unb  bie  Öarben  in  Dreäben 
verwenben  mußte.  Qx  wufjte  nia)t,  wofyin  er  fta)  mit  ben 
tferntruppen  juerjt  wenben  follte,  jumal  feine  9(aa)ricfyten  über 

Q*efd?idftt  wn  «etil*.  34 

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530 


ben  £)peratiou$plan  ber  SSerbünbeten  nnt)  bie  öfterr.  SBewe* 
gungen  fefyr  unjuverlämg  waren.  Daher  feine  mannigfachen 
$Rärfd)e  bis  \nx  (5d>ladU  bei  Dvedbcn;  baber  audj  feine  jwet* 
maiige  $(uwcfeubcit  in  (Mörli(  unb  bic  vielfad>cn  Iruppeube; 
wegungen  in  mit  um  (9örli&,  bereu  3  ufa  muten  bang  natürlich 
bamalä  in  ber  (Stabt  9iiemanb  buntfdjaueu  fonnte. 

3Bir  gefyen  nun  wieber  $uv  duonologifcfyen  ^nfjäfylung 
ber  Scbitffale  unferer  Sfabt  in  jener  3eit  über,  unb  tonnen 
fn'er  nur  baä,  waö  bie  £tabt  betrifft,  erwähnen,  ba  tyier  feine 
jcYicg$gefd>id)te  jeuee  benfwürbigen  gelbjngeS,  fonbern  nur  bie 
(frlebmfje  ber  <5tabt  aufjHjeidjnen  finb.  Der  universale  (Etanb* 
punft  ift  auö  jeber  (*r$äf)lung  beö  gelbjugcd  von  J813  jn  ge* 
Winnen;  ber  lofale  gebt  unä  hier  allein  an. 

Den  12.  0n0.  forberte  ber  Jtaifer  für  bie  3lrmee  10,000 
(Senrtter  9Äcr;l  uno  20,000  (Str.  Strorj ,  wovon  auf  ©örltfc 
nnb  bie  9)iitleibenbeit  940  Steffel  1 1  ^tetjett  tforn  Hnb  261 
6a)ocf  35  ©ebunb  €rrol)  Famen,  Stixtfytn  unb  mtlbe  6tif< 
Hingen  würben  hierbei  nidjt  verfdwnt.  9Man  begann  in  bie 
Stabtmauern  6d)ie|lfd)artcn  ju  brechen.  Mm  13.  Vluguft  mar* 
ftyfrtc  ba$  7.  Strmceforp*  nad>  Vurfau  ab  j  Truppen  unb  2öa- 
genjüijc#  gingen  unuutcrbrod)en.  Den  14.  ?luguft  famen  meb^ 
rere  franjöftfdjc  Illauen  uub  tfüraftlerfdjwabronen ;  ben  15. 
gegen  10,000  Wann  junger  ©arbc,  welche  bad  nod)  nidjt 
ganj  abgebrodjene  l\iger  bei  ättotyS  belogen.  6eit  bem  13. 
ijarte  SMirgcrgarbe  au$  @örli$  bat*  l'ager  bewadmt  müffeit 

(Sine  Stenge  Sagen  mit  frangojifc&en  ^erwunbeten  am* 
£d)lefien  beberften  ben  SRarfi  unb  bie  anfto(*enben  Waffen. 
9Ran  vermauerte  am  15.  bie  Pforte  uit^  arbeitete  an  $efefii* 
gung  be$  &affertai(ed,  jweifelloS  in  ber  SBefürdjtung  einet* 
.  UeberfatfeS  auö  Böhmen.  €tarfe  Truppenbewegungen  fanben 
am  15.,  16.  unb  17.  Slugnft  feitwärtf  CHoili^  ftatt.  3« 
ber  9fad)t  vom  15.  gutn  16.  waren  gegen  50  ©encralc  über 
Stadjt  ba.  Die  franj,  Truppen  benahmen  ftcfy  in"  ber  6tabt 
unb  Umgegenb  wie  im  eroberten  tfanbe;  tu  vielen  $fafl$4n* 
fern  uub  Dominien  mußten  bie  Familien  fliegen;  in  ßubwigS* 
borf  führten  bie  $ran$ofen  ben  gamilten  Sdjmibt  unb  3aäV 
mann  alieö  5Jiel)  fort.  $£>a$  fie  iticf>t  fortbringen  tonnten, 
fa)lugen  fte,  wie  au$  Dörfern  gemelbet  wirb,  tobt.  D™  17. 
jjtngen  mehrere  Regimenter  mit  flingenbem  «Spiel  bura)  bie 
äußere  «Borftabt  in  ber  9cid>tung  naa>  3ütau;  Stacfcnuttagö 


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531 


■ 

3  Ur)r  ritten  brei  tfürafrier;  Regimenter  burd),  um  5  Ur)r  fa< 
men  franjötlfche  SERarinefelbaten,  Hm  8  llijx  ein  9ce>jiment  3n* 
fanterie.   £ie  fd) lugen  alte  t>ie  (Strafe  nad)  SdUeuen  ein. 

Den  18.  Sdiguft  J)ervfcr)te  bie  größte  Verwirrung.  SJüeö 
fam  uno  ging  bunt  bind)  eiuanber.  Mehrere  2Öagen$üge  mit  ' 
Sd)ijf$briufen,  mancher  2Bagen  mit  10—12  *ßferben  befpannt, 
fuhren  jwm  reid)enbacher  X(?cre  hinauf.  (Hegen  2  Uhr  fam 
ein  3nfanterie*&egiment  auö  (scblefien  ^ururf,  balb  barauf 
tfaifergarbe,  weld)e  ben  ganzen  Cbermarft  bebecfte  unb  bie 
9lad)t,  (gegen  9000  9)fann)  in  ber  Stabt  büeb,  fo  bafj  man 
auf  ber  Straße  fanm  geljen  founte,  ohne  über  6e(baten  ju 
.  fallen.  Um  4  Uhr  fam  ber  Jlaifcr  unb  ritt  über  ben  £)ber* 
marft,  bie  9tei$gane  hinunter;  um  l>a(b  7  Uhr  fefyrtc  er  wie» 
ber  jurürf,  empfiug  ben  JRatf)  unb  trottete  ifm  mit  beu  2öorten: 
„Verlieren  Sie  nidjt  ben  Jtovfr  eä  wirb  SlÜeä  gut  geben!" 
über  Diatt},  weldjer  an  biejem  Sage  befaunt  machte,  baß  ber 
jum  23.  Öluguft  augefe&te  3ahrmdrft  nid)t  abgehalten  werben 
fdnne,  ^atte  Der  ftiiwefenbcit  beä  ^aiferd  wegen  eine  3Ünmi* 
nation  befolgen. 

2(m  19.  befamen  bie  üruppen  balb  SD?arfd)orbre,  balb 
würbe  fie  fturücfgcnommen;  ber  Jtaifer  hielt  ftd)  theilweife  in 
ber  StaDt,  tbeüwcife  außerhalb  berfelben  auf.  si)Jarfd)aü*  (Sau* 
laincourt  fam  von  v#rag  an.  Der  Äaifcr  war  am  20.  $fug. 
nad)  JDftrifc  unb  3»ttau  geritten,  erfdjien  aber  plc&ud)  um  2 
Uijr  r>ou  ^iitan  Voteber.  9$ereitö  um<  fyalb  1  lU)r  war  ©e* 
neralmarfd)  gefdjlagen  unb  ber  «bmarfdj  begonnen  »erben, 
auefa  «Seiten*  ber  aud  Sdjleftcn  jurücfgefommenen  SUWitär* 
maffen. 

.  Napoleon  betrat  ben  $alfon  befl  »ofW^fcben  £aufe3, 
ftampfte  mit  ben  güßen  unb  war  fur/tlid)  l)od)ft  jornig  bar* 
über,  ba(j  nidjt  baS  gauje  Militär  ferjon  fort  fei.  £>jfenbar 
^atte  ber  Jfrufer  böchft  unangenehme  9fad)rid)ten  befommen*), 
benn  er  war  aufeerorbcntlich  unruhig  unb  geftörr. 

Um  4  Ul)r  fefcte  er  fid)  mit  bem  Äöiu'g  w  Neapel  in 
feinen  SBagen  unb  fuhr  eiligft  ob.  Äaum  war  er  fort,  ald 
ber  2Birr»arr  ber  3)urd>marfd)e  bnrd)  Sturmläuten  vermehrt 
würbe,  benn  c$  war  gener  au$gebrod?en,  welcr/ed  7  £äufer 


•)  @«  war  n>af>rfd}einlid>  bic  Äelbung  eingegangen,  ba§  bie  öflerr. 
«rmee  auf  bem  aJlarftye  na<h  Drcebe»  fei. 

34* 

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532 


verehrte».  Diefer  SBranb  war  um  fo  gefährlicher  für  bie 
Stabt,  als  überall  gaiue  Reiben  *ßulverwagen  ftanbeu.  Sie 
fonnten  glürtlidwweife  ju  rechter  Seit  befeitigt  werben. 

Radjmittagä  fam  bie  Öarbc  ju  ^ferbe  unb  bic  Schiffs* 
brüefen  von  gaubati  wieber  jurücf,  2000  Slefftrte  würben  au* 
cjefagt  uub  bie  Anlage  von  Sajarct^cii  befohlen. 

Den  20.,  21.,  22.  Knauf!  war  biefelbe  Unruhe  fort« 
bauemb  unb  ter  Jtaifcr  Napoleon  immer  in  ber  Rahe;  feine 
Knftutft  würbe  von  geü  $u  3cit  angefagt.  93alo  follte  er  au£ 
Sauban,  balb  and  Sunjlau,  balb  and  £irfcfyberg,  balo  au6 
Sauden  fommen. 

Den  23.  Racfcmittag*  famen  bie  (Sliteu  unb  ©arberegi* 
menter  aud  Schleftcu  jurücf  unb  marf^trten  auf  S3au$en,  wie 
man  fagte,  in  llilmärfcben ,  weil  ber  geinb  Dreyen  fid?  nä* 
bere.  Um  fyalb  5  Uf)r  fam  ber  ftaifer  ju  Sagen  au$  Sdjle* 
fien  $urücf,  umgeben  von  glänjenber  Suite.  Regimenter  auf 
Regimenter,  Artillerie  unb  Kavallerie,  enblofe  3Runttien6tra? 
genjüge  gingen  £ag  unb  Rächt  l)inburd).  (Srft  um  tyaib  11 
Ul)r  fuhr  Rapoleon  nach  Dreöbeu  ab  unb  ift  feit  jenem  Xagc 
niemals  mef)r  in  ©örlifc  gewefen. 

Den  24.  Ataufl  bauertc  bad  Durchfahren  unb  Durch- 
marfer/iren  ununterbrochen  fort.  Rod)  am  Abenbe  famen  10 
Regimenter  Saiern,  ©ttrtemberger,  Stampfen,  welche,  burdj  bie 
2Bagen$üge  beengt,  alle  Strafen  verftopfteu.  Wndf  in  ber 
Rächt  unb  am  25.  früh  war  ununterbrochene  ^ajfagc.  Die 
Solbaten  brachten  viel  Riubvieh  unb  Schaafe  in  bie  Stabt 
getrieben,  uub  verfauften  ba$  geftoblcne  ©u*  $u  Spottpreifen. 
an  biefem  Sage  melbete  ber  Kommanbant  ben  £au$beftfcern 
in  ben  SBorftäbten,  fie  möchten  ihre  link™  frerfchlojfeu  halten, 
„weil  alle  Mugenblicfe  ein  preufiifcheS  Streifforpä  fommen 
tonnte;  innerhalb  24  Stunben  würben  bie  ^reujjen  ba  fein." 
(Sr  mupte  alfo  fchon  von  ber  Schlacht  an  ber  ita&bach  wiffen. 

Um  halb  5  Ul>r  Radjmittagä  fam  ber  SXarfcfcall  Rev 
unb  fuhr  um  10  Uhr  JMbcnoS  ab.  Sdjon  vor  feiner  Äbreifc 
hatten  mehrere  Regimenter  Kavallerie  bie  Stabt  paffirt. 

2lm  26.  Sfuguft  erhob  ftch  in  ber  Rad)t  plö^lich  ein  gro* 
fier  Varm;  e$  würbe  (^eueratmarfch  gefchlagen  unb  bie  grau- 
jofen  marfdnrten  $um  reid)enbad)er  %f)OXt  hinaus.  Salb  fam 
neues  SRKitdt  auS  Schlcfien  uub  ein  Söageniug  mit  Seicht- 
verwunbeten.    Radjmittagö  ftaub  wieber  ber  Wtaxtt  voll  33er- 


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333 

rvunbeter.    grill)  um  V44  Xlfjx  f)orte  man  auf  Dre*ben 
fanontren. 

Den  27.  Kttjtttff,  9tad>mirtagfl  um  3  Uf)r,  (amen  230 
Stanu  gefangene  v|*reupen,  fpäter  sD?unitien$n>agen.  —  Den 
folgenben  $ag  waren  bte  (BcfytfFbritcfen  über  bie  9Jeifie  ver* 
fifyvuuben;  baö  über  9?ad)t  gefommene  grofjc  ®ebirg£tvajfer 
(>atte  uc  tveggerijfen.  (*ine  9?aa)rid>t  von  33erluften  beä  s3)?af* 
bonalb'fd*cn  jterpä  würbe  gegen  Hbenb  befannt. 

Den  29.  ftuguft  fam  i»tc  Betätigung  burefy  vertvunbete 
fran^öfifdje  Dffiiiere,  voeldje  fagten,  baß  in  <£<t)fcfien  SlUed 
verloren  unb  Mc  9(rmee  auf  bei  SRetirabe  fei.  * 

3u  ber  Sfadjt  vom  29.  $um  30.  hörte  man  beftänbigen. 
Mrm  auf  ben  ^trajjen;  e$  magre  fid)  9fiemanb  au$  ben 
Käufern,  aud)  nicfyt  vor  bie  €tabt.  1100  s3)?ann  Reffen  nid* 
ten  in  biefclbe. 

9m  30.  9(uguft  fyörte  man  in  ber  föidjtHiig  von  2Balbau 
ftarf  fanoniren ;  bie  (^arnifon  brad)  um  fyalb  1 1  Ur)r  nad) 
DreSben  auf;  framöftfäe  Artillerie  paffirte  bie  Unter*  unb 
Dberfaljlc  nad>  bei  baufcner  ©trafie.  ?lbenb6  fam  ein  großer 
3«g  mit  ©efdjüfc  $urütf. 

Den  1.  September*).  „s)(un  l)aben  mir  bie  fc^one  (Sr* 
fahiung,  bie  mirfliebe  fltetirabe  ber  granjofen  aud  ^chleften! 
Unb  weldje  SRetirabe?  Da  mar  bie  rufftferje  ntd)td  bagegen. 
Da$  get)t  $Ule3  milb  burdjeinanber  unb  im  ginge.  Die  Äa* 
vallerie,  Kanonen  unb  SBagen.  £o  mioerlegt  ftd)  alfo  bie 
Behauptung  eine$  feigen  unb  muttylofen  Deinen,  ber  gefterit 
fagen  moüte,  'iflafbonalb  t)abe  bie  Muffen  unb  Greußen  bei 
Sunjtau  gefcblagen,  Durch  ben  2fugenfd>ein.  —  Wafoonalb  ift 
in  Seelenangft  and)  angefommen  unb  iogirt  bei  s)?ofti$.  Den 
(£inwot)neru  ift  angefagt  werben,  gegen  12  Ur)r  ©eroölbe  unb 
Spüren  gut  gn  verfehlteren ;  bie  9iet|jbrürfe  wirb  von  ben  gran* 
jofen  wieber  abgebrannt.  —  Das  Durd)marfd>iren  unb  9teti^ 
rtreit  von  Kavallerie,  3nfanterie,  Kanonen,  $ulver*  unb  53a* 
gagemagen  t)at  aua)  9cacf)mittag$  um  2  llljr  noa?  nid)t  auf* 
gehört.  3u  meinen  jwei  Offizieren  befam  id>  nod)  1  Obrift* 
Lieutenant,  J  Mutanten  nnb  mehrere  Oriente  tn'ä  Ouartier. 
Die  beiDen  älteren  Offnere  gingen  9?ad>mittag$  ob,  berCbrift 


•)  SBir  lafien  hier  ben  59itd>f>anbler  Hntim  felbft  ftneAen,  ba  feine 
dqahluiig  bieff*  Hnrfjug«  ein  fäft  lebenbige*  *8ilb  gibt.  B.  I  f.  m. 

«<- 

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534 


lieutenant  in  Der  9?ad>t  um  2  Uf)r.  Tie  granjofen  fyabett  in 
Den  $$orftäDteu  mit  *l*(ünDern  iuit>  9Rißbanb(ung  Der  Wen- 
fdjen  ungeheuer  cjeimrtbfd>aftct ;  freiließ,  Wotx)  tarnt  fein  ®e* 
bot  unD  ftc  fommen  n>ie  Die  ausgehungerten  2ßölfe.  3«  Den 
SBorftäDten  feil  gar  nityt  mefyr  vorbauDen  fein.  $Äan  fagte, 
t)ic  granwfen  ftänbeu  in  bcr  (9egenD  Der  Sd)an3e  unD  beim 
fcager  in  völliger  Sd>lad)torDuung;  id)  habe  von  Jtonrab'3 
Sommcrbaufe  au«  wol)l  fel)r  viel  Militär,  aber  Mt*  in  uxi- 
orDentlia>en  Raufen  gefefjen.  2; er  ÄemmanDaiit  f)at  t>a^  neue 
99aul>ol$  bei  Der  Strißbntcftj  was  giim  Aufbau  Der  abgebrannt 
ten  ^äufer  beftimmt  war,  wollen  wegbringen  (äffen,  Damit  Die 
(Hüffen  nid)t  fegleid)  eine  neue  $nitfe  bauen  tonnten.  £>b  ee 
getanen  ift,  weiß  id)  niebt.  §fuc^  fyat  er  Die  2>rei*  unb  *8ier~ 
ratenmüljle  wollen  abbrennen  laffen,  weil  e^  nur  Spi&buben* 
9teftcr  wären;  fic  ftnb  jeborf)  Wegen  Der  sJ)iel)borrätl)e  erhalten 
werben. 

$>a$  S>ura)marfcbiren  unb  (Durchreiten  ging  Slbenbö  naefy 
7  Ufyr  nod)  immer  fort.  ÄbenW  faf)  id)  hinten  ^inaud  bei 
mir  auf  Den  $ohen  »icl  2tfad)tfeuer;  eö  entftanb  eine  lang 
anhaltenDc  ,£>elligfeit  am  Gimmel  über  Die  sJfifolatfwbe,  vtx= 
mutr/lid)  ein  geuer  in  älingcwalDe.  9ced)  2lbcnD$  um  JO  Uhr 
liep  Der  äommanDant  Die  Skürfe  au)üubeu,  wn  Der  jeboef} 
einige  3od)e  ftel)en  blieben." 

8m  2.  September  um  8  Uhr  erfa)tenen  Die  erfteu  tfe* 
faden,  gegen  12  Uhr  preujjifd)e  unD  rufftfebe  *finienrrnppe»t  uuD 
brad)ten  balD  wieDer  CrDnung  jurücf,  obfdjon  freilid)  noch  am 
9cad)tnittage  De6  2.  Die  preupiftyen  unD  rufftfebett  Gruppen  bei 
mehreren  äaufleuten:  «Kögel,  6tat)r/ «gmbner,  (Sifler,  plünberten. 

2lm  3.  September  fam  Der  93efel)l  93hid)erö,  StaDt  unD 
£anb  ©drltfc  foUe  300,00  >  Zl)ix.  (Kontribution  aufbrinaen. 
Srn  5.  September  wuroe  auf  Dem  [Rathhaufe  Darüber  beraten. 
2luf  Die  StaDt  unD  SHitlribenhcit  famen  89,750  $l>(r.,  auf  Die 
Statt  allein  53,394  Xtyx.,  auf  Die  sJ)citleiDenl)eit  35,656  $t)lr. 
—  9lm  o+  September  horte  man  wieDer  in  Der  9?ähe  fano- 
niren  unD  fal)  Die  ^rennen  bei  Jtönigätyain  auf  Dem  Kurfjugc 
begriffen,  ©egen  7  Uhr  Dröhnten  Die  genfrer  unD  Xfyüren 
von  Dem  heftigen  JtanonenDoiuter.  ÖJegen  halb  7  Utyr  waren 
fd)on  wieDer  grangofen  in  Der  StaDt ;  Dafl  ^eloton*  unD  Jflein* 
©ewehrfeuer,  fowie  einzelne  ßanonenföüffe  ^örte  man  bis 
gegen  H  UI;r  9iaa)tä. 


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535 


ttm  ^Jorgen  M  6.  Sept.  lag  ber  gau^e  si)iarft  vol(  • 
graujofen.  $>er  ,Honig  von  Neapel  war  augetommeu  mit)  lo* 
girte  bei  Noftifc.  Da»?  .Kleingewebrfeuer  erhallte  bcfrdnbia.. 
X)ie  Muffen  unb  Greußen  f^aitDeu  auf  ben  £öl)eii  ber  Seif* 
tu>rftat>t  unb  Soften  über  beu  glun;  Die  äanoneufugeln  roll* 
teil  nteljrfad)  in  ber  gfttye  ber  ^etenMird)e  auf  rem  ^flaftcr. 
s)ttaii  fprad>  bavon,  Napoleon  fei  bereit  in '  Neidjenbad)  gewe* 
fen,  aber  wieoer  uad)  5)reet>eu  jurürf.  ttm  9.  September  ver*  * 
tottUHbe«  plöfclid)  bie  granjofen  wieber;  um  10  Ul)r  ging 
3Rarfa>aU  iWafoonalb  mit  Jtavallcrie  ab.  Nacbmütagd,  um 
2  \\\)x  waren  wieber  Xiofarfeu  ba  uno  um  5  Uhr  bie  Stabt 
von  Neuem  Durd)  Die  Muffen  befe&t. 

Seit  bem  10.  September  bauerten  nun  tu  Durdjmärfdjc 
von  ruffifdien  äorp$;  bie  ©Inajer'fdjc  sJNad>t  ging  feitwärtä. 
£>ie  rtiffifd)en  Truppen  beuabmen  ftd>  je$t  fetyr  fd>Icct>t  unb 
ftat)leu  wie  bie  Naben. 

sJNit  ber  Nütffeljr  ber  ^eibüubeten-  in  Die  Stac t  fam  aua) 
t>ie  ©Wü)er  febe  (Kontribution  wieoer  juni  3Borftt)rin.  CDic  Hup 
biingnua  beo  ©elre*  madue  viel  Noth.  ^eber  nutzte  von  fei- 
nem Vermögen  5  ^rojent ;  Jlaufmannebiener  5  Tbaler,  Jtauf*  . 
leute  3000,  2300  IJjlr.  u.  f.  w.,  S)ieuftboten  vom  X(;aler  ihre* 
A'ofyne  3  (%ofd>eu  geben.  flm  12.  Septembrr  verbot  ber  ruf- 
fifdje  Äommanbaut  Dae  Senutagä*  Geläut,  $ur  Strafe  be$- 
fyalb,  weil  bei  Napoleon  d  ^Jnfunfi  gelautet  worben  war. 

3n  ber  Umgebung  ber  Staot  war  natürlid)  bei  Dem  3?or- 
unb  Nürfwärterutfen  ber  verfdjiebenen  3.iuppenabtf)eilnngen 
Mieles  verwüftet,  von  Vcicfycn  uuo  iMaä  verpeftet.  Sine  $n* 
beutung  gibt  folgende  $3cfauutmad)ung : 

w4)a  bcrmalen  annod)  au  ben  Vaubftraßen  unb  in  beu 
dußerften  ^orftdoten  mehr  crepirte  Uferte  liegen,  alö  ber  Ga* 
viller  in  furzet  ;}eit  31t  verfdjarren  im  Staube  ift,  fo  wiro 
einem  3eben,  rer  ein  fold)ee  <?(atf  3  (Sllen  tief,  von  beute  an 
veri'djaat  $u  haben,  ourd)  bie  ^affenmeifter  befdjeinigt,  12  ®r. 
jur  Belohnung  hiermit  jugefid>ert." 

©orlifr,  beu  20.  September  1813. 

Der  Natl)  alliier." 

2)öfj  e$  au  Starter  (Jiuguartierung  nid>t  fehlte,  fanit  man 
ttd)  wel;(  benfen;  befonberö  am  17.  September  waren  alle  ' 
«£>aufer  fo  gefüllt,  baß  auf  mand)e$  10— KM)  iDtann  famen. 

3n  ber  9iad)t  vom  18.  jum  19.  September  famen  Mo* 

•  >- 

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536 


fatfen,  treibe  mit  ben  Spießen  an  bie  £äufer  bonnerten,  um 
Duartter  ju  erhalten.  SRetyrere  £au$tl)üren  würben  erbrechen, 
mambe  mitben  $ferben  eingeritten,  wie  3. in  ber  ©üttnergajfe. 

£>ad  9iequmren  ging  fort.  2lm  21.  September  fam  ber 
$efebf,  binnen  3  Sagen  follte  ber  görli&er  und  baufcner  Jtrei« 
für  300,0(10  Iblr.  $u<$  fdjaffen. 

21m  23.  September  ftanb  an  ben  Straßenerfen  ein  Sttauer* 
anfdjlag  mit  $ad)rid)teii  über  bie  Sd)lftd>ten  bei  Äulm  und 
Kottendorf.  UeberfjaHpt  wurden  von  ben  SBcrbünbetcn  $erict)re 
ber  8rt  häufig  veröffentlich. 

(Snbc  September  würbe-  jtarf  rerrutirt.  ©ernur  irgendwie 
eine  2öaffe  führen  tonnte,  mußte  ererciren  unb  jur  Armee. 
Sin  preuß.  Hauptmann  SÖinjtg  bielt  ftcb  fett  bem  2.  Sept. 
in  ©erlifc  auf,  um  ein.  Jtcrpd  freiwillige  fädmfdje  3^ger  aus 
ber  £>bcrlaujt$  juiammenjubringen.  £iefe  2öerbun#en  garten 
guten  Erfolg;  fdjou  am  18.  Df tober  waren  beibe  Kompagnien 
circa  500  Sflann  ftarf,  unb  Ratten  ft<b  großenteils  felbft 
equipirt. 

Um  23.  Dftober  würben  bie  Erfolge  ber  6<r;lacr)t  von 
Seipjig  in  ©örlifc  befannt.  £o.d)  waren  fd)on  »orber  mer)r* 
fadje  ©erüebte  bariiber  in  Umlauf.  5Mm  27.  Cftober  rürfte  dad 
bier  geftanbene  3.  Sanbwebrbat.  Sdrfejifd).  5.  Regiments  aus. 

Um  2.  November  würbe  in  ©örlifc,  wie  in  aanj  Sad>; 
fen,  ba$.  befohlene  geft  wegen  befl  ($in)uge$  oer  ?oerbünbeten 
in  Seipjig  uad)  ber  gewonnenen  Sd)lad)t  gefeiert,  grub  um 
8  Ufer  verhindere  ein  £)etad)cment  äavaUerie  mit  Irompeten 
ben  Safttag;  alle  ©lorfen  ber  Stabt  ertönten  unb  SRuftf  er* 
fdjallte  vom  ^Xr^urme.  Um  10  Ufyr  verfaminelten  jid)  bie  tu 
©örlifc  gamifonirenben  faif.  ruff.  Xruppen  in  $arabe  auf  bem 
Warfte  unb  ba$  (Snbe  beS  XcbcumS  würbe  burd)  mehrere 
Salven  unb  ben  oftern  *Ruf:  «^Hrrab!  bejeic^net.  Slbenbft 
far)  man  eine  r>errltd>e  Illumination.  „  5)em  £aufe  beä  Siom* 
manbirenben  gegenüber:  (£in  üempel  beä  ätubmetf;  im  gron* 
tidpice  erfdjien  das  Äuge  de$  8lttmäd)tigen ,  bie  Siege  feiner 
aefegneten  Binder  überblitfend;  im  ©runde  deä  Tempels  er- 
blitfte  mau  ein  ©emälde  in  ber  £ör)e  bie  9tnfangäbucb« 
ftaben  ber  vier  $erbünbeten,  umgeben  mit  einer  Lorbeer  *  und 
Sternenfrone,  alä  3*1^™  beS  unterblieben  Sieged  bei  Seip* 
S*g,  in  der  iiefe  aber  drei  ?ldler  unb  einen  Sowen,  ftegetib 
über  der  lerndif^en  Solange,    #n  den  Seiten  deS-Xempelä 


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537 


faf)  man  jwet  Altäre  -mit  ÜRofengutrlanben  unb  jn>ei  ^tyrami* 
den  mit  den  Sinnbildern  deä  Siege*,  der  Jfcraft  unb  ber  $3er* 
einigung.  SBiele  Jftenfeuer  brannten  um  ben  Xempel,  unb  bie 
üempel  unb  ^tyramiben  unb  ÖJuirlanben  t>on  bunten  Rampen 
machten  eine  herrliche  Sötrfung.  $)ad  ganje  «§>au$  be$  ©ene* 
ral-Äommanbanten  war  vortrefflich  erleuchtet  unb  ber  9tanten0* 
jug  tfaifer  Süeranber'd  brannte  in  einem  geuermeerc.  Die 
38ot)nungen  ber  grau  Gräfin  von  Vainjeftm  unb  aller  !)^en 
ftuffen  unb  ^reitpen,  bie  äommiffariate-,  bie  Sajarethe  unb 
bie  28achen  waren  febr  fd)dn  illnminirt.  tÄucf)  bie  (§inwob* 
ner  bezeugten  überall  ibre  greube.  Dad  *Ratl)bau$,  bie  Stürme, 
|lrar)lten  von  bünten  fcampen.  Stu  ber  gronte  beä  (Maßhof* 
jum  braunen  .jpirfeb  befanden  ftd>  drei  in  der  ($röße  eined 
hoben  genjterä  transparente  ©emälbe,  welche  durch  die,  auf 
beiden  Seiten  befindlichen  tüuminirten  genfter  eine  vortreffliche 
(Sinfafjnng  gewannen.  Ueber  dem  mittleren  ©emälde  befanden 
(ich  die  faiferlid)  rufftfeben  und  öfterreid)ifd)eit,  die  föiiiglicb 
preufhfeben  und  fehwebifeben  SBappeu,  jede«  in  feinem  gelde 
gehörig  beleudjtct.  Unter  denfelbeu  reichten  ftd)  fedjä  aud 
Söolfen  fommende  Sinne  fed>3  verfcblungene  £ände,  um  da- 
durch $ugleid>  die  Sbeilnabme  und  Sluöbauer  im  Kriege, 
weldje  (&nglaud  unb  Spanien  gegen  granfreirf)  bewiefen,  an* 
jugeben,  unb  unter  biefen  lad  man  folgende  2i$orte: 

In  i IIa  concordia  salus  fimnaniae. 
b.  f>.:  Äuf  ibrer  (Smmütbigfeit  ruht  Drutf^lanb«  £eil. 

lieber  dem  rechter  £und  befindlichen  Reinalde  las  man 
die  in  lapidar  *  Schrift  erleuchteten  sii>orte:  (iermania  reflo- 
rcscens,  oder  datf  „erftaudene  1>eutfchland",  unter  diefem 
febwebte  über  ber  überflöge  bie  grfedeuügöttin,  in  der  linfen 
£and  einen  *J$atat$weig,  in  der  regten  ein  güllborn,  ba$  fte 
auöfdjüttete,  halt«1*-  ^luf  der  Dberfläcbe  war  rechte)  ein 
See,  auf  dem  mehrere  Schiffe  mit  vollen  Segeln  fuhren,  linfS 
eine  £anbfchaft,  worauf  ein  Slcferämann  aefernb  fleh  Kfgte. 
$)aä  linfer  $and  angebradjte  ©einälde  enthielt  die  Ueberfcbrift: 
D.  Will,  et  XIX.  Octobris  MDCCCXIH. 

Hydra  evtineta,  aetas  aurea  diluit. 
Unter  biefen  fah  man  auf  ber  linfen  Seite  ein  getöbteteä  Un- 
geheuer,  beffen  2>racbenfWgel,  Schwanj  unb  übrige  ©eftalt, 
(£ntfe$en  erregte.    Jn  ber  Glitte  ftand  eine  naefte  flarfe  manu* 
liehe  gigur,  auf  eine  Äeule,  womit  fte  da<3  Ungeheuer  in  den 


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538  - 

 i  

Sötten  bruefte ,  ßcflü^t.  Stuf  ber  redeten  Seite  fa()  man  eine 
aufgeteilte  Sonne,  oben  fdjwarje,  fmfrre  SÖclfen,  autf  benen 
fed)d  $Mi$e  fdjläugelnb  baä  Ungeheuer  serfdjmetterten. 

$lu|ier  per  burd)  Den  beim  br.  w  Stöger  .einquartierten 
ruff.  Wajor  i\  Jtotyl  angeorbueten  $Meud)tuug  bed  <£>aufed 
mit  200  Rampen  batte  Dr.  o.  Stöger  an  jwei  genftern  feineö 
Jpaufed  folgenbe  Srantfparcntä  anbringen  faffen :  3m  erjteu 
glänzten  unter  einem  flamraenben  günferf  bie  Wamcn^üge : 
A.  F.  I.  F.  W.  Felicitas  teraporum.  2)a*  <&an$e  umgab  ein 
©eroinbe  oon  Lorbeerblättern.  3n  bem  gmriten  waren  unter 
einer  flaminenben  Sonne  folgenbe  Lüerte  Älopftorf'ö  au$  'ber 
£>be:  V(n  bie  Ärieger:  „Des  Kriegers  Grösse?  Ja,  wenn  er 
für  Freiheit  kämpft  —  — ;  so  ist  der  Held  edler  Mann, 
verdienet  Unsterblichkeit."  $tuo)  tiefe  3nförtft  war  mit 
Lorbeer  befranst. 

3n  ber  $riibergajfe  fyatte  ber  Dr.  Vogelfang  brei  geufier 
feiner  2ßotuiung  transparent  erleucbtet,  worin  man  laö:  Franz, 

Wilhelm,  Alexander  —  Heilte  Drev,  —  hu  riefst!  

und  Deutschlands  Fessel  sprang  entzwei,  lieber  ber  erften 
Strophe  befanben  ftch  brei  rereinigte  römifdie  gaoreS  mit 
Seilen,  weld>c  ein  gorberrfram)  umfa>lang  —  ba$  Swmbol 
ber  innigften  Bereinigung.  —  lieber:  Du  riefst!  fpraa)  ftd) 
ba$  $<\<btn  ber  ÜKad)t  bura?  Siepter,  Scbwerbt  unb  eine 
brennence  gartet,  baä  3eid)en  beö  Jliie^eö,  unter  u>e(d)er  ein 
(SiaVnlaubfranj  angebradrt  war,  autf;  unb  über:  Und  Deutsch- 
lands Fessel  sprang  entzwei!  —  jeigte  ftd)  ein  auf  einer 
Stange  befestigter,  mit  (*idjentaüb  behängter  greifyeitfhut;  um 
bie  Stange  eine  verbrochene  Äette,  altf  ^eierjen  ber  Krbrodje* 
nen  Xmannei  nnb  ber  wicbcrfefyrenben  greibeit.  —  Stuf  ber 
$oft  fat)  man  au  einem  genfter  ben  ^amen^ng .  #lerauber'ö 
mit  jber  äaiferfreue  unb  Unterfdjrift: 

Zu  unserm  Glück  erschienest  Du,  . 
ITeil  ruft  Dir  jeder  Sachse  zu! 

81m  SBogeFfcbett  93raubofe  in  ber  ^vübergaffe  war  ber 
9(amen^ug  beö  ttaiferö  von  föuf;taub  mit  ru|Ttfd)cr  3iu"a)rift 
eileudjtef. 

Sei  bem  Kaufmann  (Sonrab  auf  bem  Untermarfte  fal) 
man  einen  l'orbeerfranj  mit  ben  Korten:  Der»  'tapfern  Krie- 
gern! 9ln  einem  genfter  beim  Kaufmann  iKöber  la$  man: 
Es  lebe  Alexander,  Kaiser  von  Aussland! 


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539 

   i 

Slbenbä  nm  8  Uf)r  gab  bei  (General  -^}Jajor  93erbiajeff 
unb  baä  ruft.  Dffijkrforpö  SBaU  mit  9lbenbc|Teii  in  tcm  «£>aufe 
ber  dieffcurce.  IDie  (Gegenwart  beä  9ioctö  aue»  ber  Umgegenb, 
ber  $chörbcu  uiib  vieler  angefchcncit  Bürger  vermehrte  beu 
(SHanj  be$  ftefteö.  Mein  tanuc  bis  yun  frühen  borgen. 
3übel*  unb  Srenbetifdjüjfe  bauerteu  bie  gau^e  Wad)t  binburd).' 
—  91  tu  5.  November  würbe  bcr  bamalige  ?)ieDafteur  bc$  gor- 
lifcer  Sluieiger*,  ©chirad»,  verhaftet,  weit  er  von  beni  gefte  am 
2.  eine  ^dnlDernng  gegeben  hatte.  „(£r  feile  nur  befohlenes 
aufnehmen  itab  feine  eigenen  albernen  (*)ebaufcn  ftir  jtd)  be- 
halten/' fagte  ihm,  nadjbem  er  einige  (stunben  gefeffen  tydttc, 
ber  nette  <&eneral*l%uvrrneitr,  Surft  IKepnin  «üb  lieft  ben  über 
biefc  91  rt  von  Sreiljeit  betroffenen  wieber  gehen. 

©raf  föevfad)  würbe  befinittv  al*  General- Laubcä^Hem- 
mtffar  ber  Cbcr--  ilub  ^iiecerlauity  angezeigt  nnb  ttal)m  feinen 
3BohnjiQ  in  kauften.  £>erfelbe  lieg  in  feörliij  einen  ©eneral- 
Karbon  für  alle  befertivten  fäctyftfchen  '5el&atett,  wenn  tte  bi$ 
Klint  1.  gebruar  1814  freiwillig  ju  il>ren  gähnen  jurürffehrten, 
unb  einen  Aufruf  De3  fteorgauifatord  bcr  fäd)f.  Mrmee,  ©ene* 
ral  v.  Xhiclemann  an  bie  verfprengten  fdebf.  Gruppen,  fia)  $u 
melben,  atrbett  Strapenerfen  begannt  macheu. 

3m  November  hud  December  graffme  wieber  baö  9*ery 
vettfieber  in  ©örlifc,  boa)  nicht  in  fo  hebern  ®rabe,  ivie  im 
grfihjahr.  v.  üRegtabt,  SHajer  v.  ftöber  unb  Dr.  v.  etöljer 
würben  ut  Äommiffarien  ernannt,  nm  in  banden  bie  Canb* 
iveljv  für  bie  Oberlaufs  $u  orgamjtren. 

Wit  bem  l.  3>ejembcr  lbJ3  ging  ber  bid  bahin  Imr  gc* 
ftanbene  äommatibam  v.  Worbberg  ab;  er  fprad)  im  2lnjeiger 
feinen  5>anf  für  bie  beweife  ber  Haftung  imb  Webe,  welche 
ihm  in  ©örlifc  ju  Xheil  geworben  feien,  au$.  Anfang*  bie* 
fed  äfcmatft  würben  bie  9lMnei(hnungcn  jur  fcanbmeht  mit 
großer  ($tle  vorgenommen. 

3n  $örli&  beftanb  ber  Lanbe$*bewaffnitng^$lu$fd)ufj  au$ 
bem  Hauptmann  v.  S3ofe,  Lieutenant  v.  Jttefewctter,  Senator 
Riegel,  efabtnufl  ©eitler.  £>cr  9catb  von  <#örli(>  forberte 
ju  llnterjtüfcung  ber  2öehrleutc  auf. 

2öie  anberwärt*  riefen  aua)  tn  ©örlifc  biefe  Aufrufe 
großen  (Snthuftaämu*  h*n>or,  fo  baf  .  namhafte  Beiträge  an 
baarem  ©elbe,  3uwelen,  Silber  *  unb  ©olbgegenftäuben, 
Xua),  Sclnewanb,  Söaffeti  jc.  eingingen,  bie  und  ber  Ülaum 


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.540 


r)tnbert,  !)ier  aufzählen.  Sie  ftnb  verzeichnet  im  görlifcer 
iMnjeiger  1813.,  Ro.  51.  vom  23.  2)eccmber.  1814.  Ro.  2. 
vom  13.  3anuar,  Ro.  5.  vom  3.  gebruar,  Ro.  12.  vom 
24.  «Rärj,  Ro.  14  vom  7.  Hpril. 

3n  ben  Giften  beö  £anbeä*6ewaffnung$*1Mreftoriumö  *u 
Sauften  ftnb  als  freiwillig  in  bie  Satibwegf  (Sintreteube  auä 
©örli§  genannt:  Dr.  (Styriftian  ?(ug.  v.  Stöljer,  £einrid> 
v.  Roftifc  Drjwiedi,  ganbedältefler  im  gürftentl)um  ©örlifc  auf 
lUtaftborf;  Äuguft  griebrid)  griebemann,  Schönfärber;  3of)ann 
ftuguft  gerfcinanb  £or$fd)an$f»,  3«dwe nmei  jter  j  ttutowta  (£mil 
Brauer;  gerbinanb  griebrieft  Scbmibt,  ©pmtwftait;  6$rifHatt 
Snbtvitj  93enab,  3ol)ann  Jfcarl  fluguft  ©lauer,  "3of>ann  ©ort* 
frieb  £orter,  ©uftav  «Hflttfl  Reuiwann,  ©tymnaftaften  $n 
©örlifc;  (gmamtel  Jt  5.  Möllmann,  Dcfouom;  ©ottlob  «119. 
Stieme,  £anblung6biener;  griebtid}  (Sonrab,  Sucrjmacfcer; 
tfarl  2BM).  ©ujtav  Sa>olj,  $anblung$biener;  (Srnft  ©ehlcr, 
©limuaftaft;  Maxi  ©ottlob  Sebmann,  Seiler;  tfarl  griebrid) 
Rödler,  $ätfer  unb  Kuller;  3o()ann  griebri«  Jtabe,  Stkmy>U 
ner  auö  ©örlty. 

3n  ben  legten  Sagen  biefeä  benfwürbigen  3af)re$  Ratten 
mehrere  preaf.  2anbwet)r*  Regimenter  auf  bem  2)urd)marfdje 
Safttag  iu  ber  Stabt.  £ie  $anbwcr;rau£f)ebung  (welche  in 
Rieäfy,  Rothenburg  u.  a.  £>.  wegen  Ungefd)irflid)feit  ber  bort- 
en gefenbeten  Jtommijfare  mit  Tumulten  begleitet  war),  ging 
iu  ©falty  ol)ne  Störung  vor  (t*. 


2(m  3.  3anuar  1814  marfdjirten  3000  Hüffen  bHrd>, 
von  benen  1500  Racrjiauartier  unb  Rafttag  in  ©örlifc  Ratten; 
fte  waren  bie  Slvantgarbe  von  größeren  Xrupvenabttjeiluncjen, 
weldje  nad>  bem  Rheine  weitergingen.  Anfang  3«nuar  wurbe 
baä  Stabt^iommanbo  geäubert; 

,/Daß  auf  ©efebl  be$  iQmn  ®eneral,'©ouverneur$  von 
Sacbfen,  Sr.  $>urd)laud)t  befl  gftrften  Repnin,  ber  9*uff. 
Jtaiferl.   Stab^Äapitaiu  vom  15.  3figer-' Regimen  re,  ^err 
t>.  £anow$fv,  tum  s}Ma&-Jtommanbanten  alliier  ernannt  wer 
ben,  wirb  Jbiermit  311  3ebermannd  SÖiffenfdjaft  befannt  gemacht. 

©örlifc,  am  11.  3anuar  1814. 

3>er  Ra^  aühier." 


5lm  18.  3ariuar  fanb  bie  feiertiaie  SSeeibung  ber  neu* 
fcruürtcn  Sanbwefyr  ftatt. 

grüt)  um  6  Ut)r  würbe  Dteveille  gefcfylagen,  um  7  Ufyr 
mit  allen  ©lorfen  geläutet,  unb  um  8  Ul)r  oerfammelte  fic^ 
bie  ^üraergarbe  beim  SßiertelSmeiftcr  (Sonrab.  $on  bort  auö 
jog  bie  33ürgergarbe  jum  üDJajor  v.  6tcljcr ,  fpäter  jum  ruff. 
Jtommanbunten  auf  ben  Dbennarft  unb  brad)te  ifmen  bie 
£onneur£;  fdjliejjlidj  nar)m  bie  3ttannfdjaft  vor  ber  SRefiburce, 
wofelbfi  ber  9tatl)  uub  bie  Honoratioren  verfammelt  waren, 
$la$.  Um  10  Uljr  begann  von  bort  and  unter  QHotfenläu* 
ten,  fetcrlid)er  ÜDtujif  unb  &anonenfd)ü|Teii  ber  3u0  nad)  ber 
^eterSfirdje.  3"erf*  93ürgergarbe,  SKagiftrat,  ©eiftlidjfeit 
unb  ©efjörben,  bie  vcrfcfiicfytenbe  £anbwer)r,  baä  bürgerliche 
3äger*J£orp6. 

$)ic  erftc  9Rebe  in  ber  &ird)e  fyielt  M.  3anrfe*),  vor  bem 
2ütaie,  an  weldjem  ftd)  bie  S3ebörben  auf  (Etüden  nieberge* 
laffen  Ratten;  beim  ©ebet  fielen  bie  Sanbwebrmänncr  auf  bie 
Äniee  uuo  flehten  ©ort  um  33eijranb  für  biefefl  mistige  SBerf 
an.  Süäbann  erinnerte  Dr.  v.  Stdljer,  alä  *9*itglieb  beä  6en* 
rraU?lu^fa)uffed,  auf  vorgängiae$  (SrfHcfyeit  von  (Seiten  beö 
$ifcrift&#u$fd)ut7e£,  in  einer  fräfrigen  Diebe  bie  £anbwet)r  an 
bie  SBidjtigfeit  iljreö  33erufe$,  worauf  ber  £anbeäfommijfariuä 
v.  33ebr  bie  (Sibcäformel  vorlag,  unb  bie  (sdjwörenben  unter 
5luft)ebung  zweier  ginger  Söort  für  2ßort  naajfagen  lieg.  9(m 
Sdjluffe  bcö  ©ottedbieuftc*  würben  wieberum  Stationen  gelöft, 
ein  Sieb  gefungen  unb  ber  3"9  berfclben  £)rbnung  jurütf* 
geleitet  auf  ben  Obermarfr  vor  ben  -Sifc  be$  8u?f<r>uffc$  ber  , 
¥anbe$bcwaffnung. 

Hbenbö  war  ein  grope$  gejt  in  bcr  föcffourcc.  2ln  bem* 
felben  lacje  »afftrte  bie  erjte  Kolonne  ber  in  ber  geflung 
Xorgau  frtegägefangenen  graujofen,  befteljenb  and  1700  3Wann 
30  Jüffijieren  unb  2  ©enerälen  bie  <stabt  unb  ging  erft  am 
folgenben  Sage  weiter. 

3m  3.  1814  würbe  $ur  Belohnung  für  bie  3kmül)ang 
ber  Patrioten  um  bie  ganbwefyrauöfyebung  befannt  gemalt, 
t>a$  l)ierju  ein  einfadje*  grüne*  lucfyfrcu}  erwät)lt  worben  fei 


*)  9t*be  bei  ber  feierlichen  Bereitung  ber  fcanbtoefyrmänner  auä  bein 
orlifcer,  laubaner  unb  fr ibenoerger  Jtrrtfc,  ben  18.  3«nuar  1814.  <5>drU$, 
.  £<mje.   23.  €. 


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542 


unb  unter  anberem  bie  Herren  v.  Söofe,  v.  Äiefewetter,  Seua* 
tor  <Sd>legel,  Sfabinuä  ®eißler,  Utotfat  ^iUt,  Slbvofat  53Dc^ 
miant  (nadjmaliger  bürgermeifter),  9leumann  in  ©orlifc  bamit 
beforirt;  fpäter  unterm  6.  gebruar  1814  ber  ($enrrat'$lH$fd>uf? 
in  allen  feinen  Witglieberu. 

3n  ©orlifc  war  @nbe  Januar  unb  Anfang  gebruar  wieber 
viel  (Stnquartierungölaft;  bie  franwjtfdjen  befangenen  von 
Xorgau  wollte  anberwärtä  9ciemanb  nehmen,  Daher  blieben 
fte  eine  3eit  lang  in  unfern  Stabt.  Wan  febiefte  fte  and 
gura)t  vor  Dem  9cerveufieber  überaU  fort.  SlußerDem  gab  e$ 
(Barnifon  uno  eine  Wenge  £)fftjiere  unD  Sonaten,  9?ad>Migler 
verfcbieDener  ^Regimenter,  bie  fid)  m Affig  fyerumtrieben,  allerlei 
Unfug  übten  unb  t>tc  brücfenbe  Saft  Der  «Stabt  vermehrten. 
Unterm  17.  gebruar  befahl  £err  v.  £>aiu>Wöfy  tiefen  Wenfa?en 
fofort  Die  €tabt  ju  verlaften. 

(Siue  erft  freiwillige  Sammlung  für  burdj  Den  Jirteg 
Beeinträchtigte  würbe  balD  von  oben  l)er  ©efehl.  3ebe  *|tar- 
fon  bid  vom  14.  3aljre  ab  mußte  minbeftenö  auf  6  Wonate 
8  gr. -Beitrag  jaulen,  Altern  für  Die  ÄinDer.  (Snbe  biefeö 
Wonat*  gingen  fädjfifdjc  (befangene,  au6  iftußlanb  entlatTen, 
bura)  ®örlt$  in  ityre  $eiutatb.  2)en  8.  «Diarj  gingen  vreußifdje 
Ulanen  bura)  bie  Statt;  Den  9.  ein  Regiment  rufftfdje  ©arbc, 
von  Dem  ber  Stab  unb  jwei  Jlomvagnieen  l)ier  blieben;  t>en 
12.  SDMra  preußifebe  3äger  unb  tfaubwebr;  Den  19.  War*  eine 
Wenge  Äofacfen;  Den  23.  unb  24.  War*  febr  viel  vreußifebe 
Xruppen,  Deö  früheren  glogauer  Belagerungöforpä.  —  SHc 
2luc3f)ebungen  jur  ^anbroehc  Dauerten  auch  im  Wär$  fort. 

$Im  30.  Wärj  rourDe  DaS  Jnftitut  Der  Bürgergarbe  ge* 
orbnet  unb  feftgeftellt.  9ltle  jungen  Bürger  (von  1809  an) 
mußten  beitreten.  ®eria)t6vrofuratoreu  würben  angewiesen  jebem 
jungen  Burger  fagen,  Daß  er  nid?t  djer  $um'($tDe  pßtfaf* 
fen  roerben  würDe,  alö  bitf  eö  in  ber  vorfd)rift3mäßigen  Uni* 
form  gefdjer)en  föilne.  2öer  nicht  felbft  2)ienfte  tljun  wollte, 
mußte  einen  Wann  für  fia)  ftelleu  unb  foglcfd)  bejahen.  3Die 
Dffijiere  befamen  wegen  ihrer  mehrfachen  Dienftlciftungen  bte 
ftuelöfung  nacr)  wie  vor  fort.  <8d)on  vom  1.  Slpril  au  muß* 
ten  von  if)r  bie  Sachen  belogen  werben,  ba  außer  bem  .Hont 
manbanten  unb  einigen  wenigen  Äofacfen,  alle  Muffen  fort* 
marfd)irten. 

8lm  7.  Slpril  famen  500  Wann  Greußen  inä  Duarrier: 


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5i3 

fte  gingen  am  8.  &pril  weiter,  um  aiwem  1200  Wanu  Sßiafc 
ju  machen,  von  t>enen  300  Wann  in  ber  «Stabt  blieben;  t>ert 
11.  marfajirten  ebenfalls  1200  Wann  mit  Wuftf  burd». 

$ln  tiefem  £age  würbe  in  $örlty  i>ic  9tadnid>t  vom  (Sin* 
juge  in  $ari$  befanut  unb  unter  sXrommel|d)(ag  mit  33oÜcrf"cr>aU 
öffentlich  funb  getfyan. 

Den  18.  *)(prit  beging  man  feftlid)  ben  Ginjug  in  $arid; 
ber  Äommanbant  gab  ein  grütyftürf,  in  ber  ^eter$firdje  würbe 
ba$  iebeum  gefunden  unb  Wbenbä  war  3u*uniinatioii. 

sJ>ou  3^tt  8»  5*tt  marfd)irten  uod)  .iruppcu  Ärmee 
burd)  @örlty;  fo  am  10.  Wai,  18.  Wai,  20.  Wai,  23.  Wai, 
25.  Waf.  X)en  31.  Wai  fam  ruffifdje  ftrtiUeric  auf  bem  *Riid*  " 
marfdje,  36  ©efcfyüee  mit  c.  1500  Wann  unb  1900  ^ferben; 
ebenfo  Muffen  am  I.  3uni,  2.  3unf,  5.  3uui,  7.  3uni  (über 
3600  Wann  unb  gegen  3000  Uferte),  10.  3uni,  11.  3uni, 
18.  3uni,  21.  3uni,  23.  biö  29.  3uui,  1.  3u(i,  4.  3uli,  6.  3uli, 
7.  3ii(i,-10.  3u(i,  12.  3uü  (batf  Hauptquartier  beö  ©rofjjürften 
jionftantiu),  13.  3uli,  14.  3uli,  21.  3u!i.  ?(m  22.  3uli  war 
ber  @hrof»fürft  9Wolaua  Cic^t^e  ^aifev)  furje  $cit  fyier.  2lm 
23.  3uli  pafftrten  Jtofacfen  bic  Stabt. 

2>en  24.  3uli  fam  ber  mfiifdje  ©eneralfrtbmarfdjall  ®raf 
<8arclai  be  Zcll\>  an  unb  bielt  t)ier  SRaftrag,  mit  i(mi  c.  500 
£)fft$iere.  (*r  würbe  mit  einer  ^araoe  ber  93ürgergarbe 
empfangen  unb  $(benb$  ibm  $u  (Styreu  bie  (stabt  iUuminirt. 
©ein  Quartier  war  beim  Senator  53auer. 

«m  26.  3uli  futyr  ber  getomarfdjall  auö  ©ör(i&.  S)ie 
(Stiiquartierungen  mit»  ^>urd)marfd)e  gingen  fort  fcom  26.  bid 
29.  3hü,  3.  iKHguft,  12.,  13.,  15.,  26.  *Hauji.  3n  ber  ßwi* 
f^enjeit  unb  fpäter  fameu  auö  OtujManb  frühere  franpftfcfye 
©efangene;  aud)  bradjte  man  faft  täglid)  ruffifaje  Warobewrö 
unb  3)eferteur$  ein. 

*8on  (Snglanb  oh*  waren  1925  2l)(r.  4  gr.  für  ben  gor* 
li|er  Ärete  Untcrftüfcnngägelber  gefommen.  $ie  SBertfyeüung 
begann  nadj  bem  19.  giiguft.  <Sd  gab  über  900  tylfdbebürftige 
Unmünbige. 

3n  ben  einzelnen  Sagen  be$  September*  ging  nod)  bit 
rufftfcfye  93efafrung  von  5)re$ben  burd)  ©örlifc. 

£ie  Wilbtfjatigfeit  war  trofc  ber  bebrängten  3eitumftänbe 
bamald  fel>r  grop,  bafyer  hnntc  folgenbeä  befannt  gemalt 
werben: 


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544 


„Da  wir  burd>  fyty  Verfügung  in  ben  <Stanb  gcfe&t 
roorben  ftnb,  ^5 m If 6 b et> ü rf rt gen  be*  m&  angewiefenen  Dtftriftd 
einige  ©elbvorjdmffe  $u  Änfdjaffung  von  Viel)  unb  6aamen? 
(fcetraice  unjinäbar  bitf  Dftcrn,  aud)  allenfalls  in  bringenbert 
gaüen  bis  Wid>aeU  cber  SWartini  1815  jufommen  jn  laneir, 
fo  wirb  biefeo*  hiermit  benen  funt>  getrau,  weldje  ftd)  in  Um* 
ftättben  beftnben,  bie  eine  tolcfye  llnterftü&ung  jnr  5&ieberr;er- 
fteUnng  ber  burd)  ben  ärieg  jcrnitteten  ai>iitf>fd>aft  notljig 
machen.  Selbige  fyabeu  ftd)  mit  einem  3eu<jniffe  il)rer  £>rtS* 
obrigfett,  in  welchem  biefe  ü>rc  £ülf$bj£ürftigfeit,  fowie  ba£ 
fte  jnr  tu  befiimmcnben  3eit  jurürfjafjlen  nnb  biefe$  nod)  ge* 
rtcfytltd>  befennen  werben,  anzeiget,  §n  verfemen,  unb  an  einen 
oon  Un$  ebebatoigft  ju  wenben,  unb  $u  erwarten,  ob  etwa* 
unb  wie  siel  jebem  ju  feinem  Berufe  ju  Xfyeil  werben  tonne. 

©örlifc,  am  26.  (September  1814. 

£er  3)iftriftö^ülfö^u^fd)u^  ju  ©örlift. 

o.  gel)rentf)eil  =  @ruvpenberg.   t>.  Simon,   gitfer.  £oHer. 

3ur  Erinnerung  an  bie  Völferfd)lad)t  bei  £eipjig  waren 
dm  18.  unb  19.  DU.  w>ei  fyalbe  geiertage,  unb  bafyer  Vor* 
mittags  &ird)e  fowte  t'äbcn  gefdjloffen. 

$lm  10.  November  ging  bie  Verwaltung  Saufend  von 
,ben  rufftfcfyen  Vefyorbcn  an  preu^ifc^e  über,  ein  Ereiauijj,  wel* 
djeö  burd)  ein  6 d) reiben  beS  £errn  E.  M.  ©.  o.  Jtiefewetter 
d.  d.  Vaufcen  14.  November  ber  Oberlaufs  befannt  gemalt 
würbe.  3«  biefer  fyit  bewegten  ©erüdjte,  ganj  «Sadjfen  follc 
preußifd)  werben,  bie  ©emittier  ber  ©örlifcer  uictyt  wenig. 

&m  22.  fam  ber  9fceft  ber  5)reSbener  33e(a$ung,  2  Olegi* 
menter  Muffen  auf  bem  Durcr/marfcrje  in  bie  llmgegenD  von 
©örltift  in  EantonuementS^Duartiere. 

&en  27.  November  gab  ber  bisherige  rufftfcf)e  Jtomman* 
bant  von  ©örlifo  iv  $)anow$fy  baä  Äommanbo  ab,  unb  reifte 
am  3.  $ecember  fort,  Er  war  allgemein  geachtet,  weil  er 
fid)  auf  feinem  fcr)wierigen  Soften  immer  ber  93ürgerfd>aft  am 
genommen  unb  *u  beren  Erleichterung  alles  getljan  hatte,  waS 
in  feinen  Wittein  ftanb.  Er  r)atte  jtd)  hier  verheiratet  unb 
nahm  in  einem  fe(>r  herzlichen  Schreiben,  ?lbfd)ieb  von  ber  Ein* 
wofmerfchaft  ber  Stabt. 

$nton  (fol.  169)  fagt  über  ifyn  unterm  4.  $>ecember  noch 
folgenbeS: 

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I 


Ü45 


„£eute  reifte  unfer  braver  Äommanbant  v.  $>anowdfy 
hier  ab.  $>ie  Bürgergarbe  fyatte  ftd)  auf  bem  SWarfte  förmlid) 
aufgeteilt  nur  braute  ihm  ein  lautet  SBivat.  Der  ganje  £>ber* 
marft  ftanb  voll  SÄenfdjeu.  Um  jefyn  W)r  ging  cd  fort 
$>cr  6tiftäverwefer  'v.  Sefjrcntljeil  uno  fein  £ol>n,  ber  Sanbcfl* 
dltefte  v.  ©ereborf,  ber  p.  6tabtl)auvtmann  £äunfe  unb  bie 
meiften  Sürgeroffijiere,  wobei  aud)  id)  war,  fo  wie  p>  ÜDtidjael 
<5d)mibt  begleiteten  tfyn  biö  £id)tenberg,  wo  wir  il)m  nod)  &n 
(Srjrcn  ein  flcinee  grüljftürf  gaben.  (Sr  war  tief  gerührt  imb 
nafjm  mit  vielen  Ifyränen  Hbfcfyieb.  (£r  war  ein  ebler  unb 
braver  9Hann,  bei  mit  ffiillcit  bie  haften  ber  £töbt  nie  er* 
fdjwerte." 

5Wöd)te  jebem  Jlrieger  ein  foldjetf  $>enfmal  gefegt  werben, 
wie  in  biefen  ©orten  &nton'$  ber  nie  afynen  fonnte,  ba(j  fte 
je  über  feineä  3tntmerä  JRaum  fommen  tonnten,  al$  er  obige 
3eileti  uieberfdjrieb!  60  viel  über  biefen  Shunt,  ber  für  uii* 
fere  Stabt  in  jener  bewegten  Äriegöjeit  eine  Ijodjft  wichtige 
^erfon  war. 


Die  erften  Monate  ted  für  ©örlifc  unb  bie  £)ber*£auji& 
fo  widrigen  3afyre6  1815  vergingen,  ofyne  baß  fonft  etwaä 
Bemerfenewertrjeä  vorgefallen  wäre,  mit  2lutfiial)me  ber  auf- 
regenben  Spannung  über  bae  <#efa)irf  ber  Dbcrlaufib  unb  bei 
©tabt  ©örlifc.  £)b  preujjifd),  ob  fäcfyftfd)?  ob  in  s^eubinbung 
mit  Den  anbern  6ctt)$ttäbten,  ob  mit  einzelnen?  baö  war  bie 
üaaeäfragc,  baä  ifofungäwort  aller  ©efprädje,  ber  ©runb  ber 
Hoffnungen  ober  33cfüraitungen.  3m  Allgemeinen  wünfdjtc 
3eber  bei  Sadjfen  unb  wenn  bieö  uid)t  wäre,  wenigfteuö  mit 
ben  übrigen  (Secfcflftäbten  vereinigt  $u  bleiben.  . 

3(m  borgen  be$  3.  SXära  1815  reiften  ber  fcanbcäältcfte 
v.  @er$borf  unb  ber  £err  v.  gef)rcntl)eil  nad)  5öien  um  im 
9iamen  ber  Vanbftänbe  bei  JDberlaujty  ben  tfongreß  anjugetyeu 
bie  ßberlaufij  bei  Sadjfcu  ju  laffen.  —  Die  am  13.  War* 
1815  audj  in  ®örli$  eingelaufene  Nad)rid)t«  Napoleon  l>abc 
bie  3nfel  ©Iba  vcrlaffcn,  waubte  alle  5Mirfe  nad)  granfreid}. 
Der  Deutfd^Jtatriottemu*  war  etwatf  verraufd?t;  s#iele  fyojftcn 
Napoleon  würbe  wieber  ju  Wadu  gelangen  unb  bie  q*t* 
ftücfelung  ©adjfcn«  tnnbern. 

VtmMt  »cn  «crlt|.  --35 

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54G 


(Snbe  SXon  begannen  bie  BunfcmärfaK  von  Greußen  Hub 
ntjnfcben  Truppen,  meldte  bid  in  brn  3«m  hinein  bauerteu! 

Äitte  3»ni  würbe  e*  *ur  ©ewifrbeit,  bap  ©örlifr  preußtfcf> 
»erben  würbe,  $er  !.  3um  braute  bie  »olle  Bcftärt^uitg, 
tur*  bic  befannren  ^rcflamationert 

S)iefe  <ßroflamarionen,  welken  ba*  SeftfreratrifungS^a* 
tenl  sorangerjt,  unb  bic  &uäfufjruna$orbre,  d.  d.  £>re$ben, 
28.  9Xat  1815,  nachfolgt,  würben  mit  Sa)merj  aufgenommen, 
ber  viele  $ßf߀  iunbura)  rege  blieb,  bei  ben  älteren  beuten 
niemals,  erf*  mit  ber  neueren  Generation,  in  bem  Sewufitfein 
einem  großen  Staate  anzugehören,  erlofdjen  ijt. 

Äm  6.  3uni  wnrbe  befannt,  baß' ber  2anbeöältejre  v.  Äie* 
fewetter  jum  dr)ef  be*  3ufri$wefen6  bejtimmt  unb  von  ir>m 
'üppeüation  an  bad  dtauvernement  ui  SWerfeburg  gtt  bringen 
fei.  Sanbeäaliejrer  v.  Sfoftty  unb  $iirgermeifrer  ©or)r  erziel* 
ten  bie  (£entraifteuerfaa)en.  9Hajor  t».  9töber,  Jfriegdratr) 
\).  ©töljer  unb  ©fabinud  ©öfcfoff  bie  Sorge  für  bie  gaubed- 
bewaffnung. 

Ä(3  Muco  mer)r  georbnet  worben,  äuberten  fta)  jebodj 
aucr)  biefe  Beftimmungen  i  heil  weife  unb  ©örfifc  mit  ber  preuß. 
JDberlauftfr  warb  feit  181t  bem  !Regierung$bejirfe  Siegnifc  ju- 
gewiefen. 


Seier  ber  (£rbbu(btgung  in  ®6rlife  beim  Uebergaugc 
an  bie  preujj.  Ärone.   3.  Bugujt  1815*) 

3)ie  £ufoigung$feier  würbe  8onutag$,  ben  30.  3«li,  von 
ber  Jtamcl  folgenbermafjen  verfünbtgt: 

„9?aa)bem  burd)  ben,  gwifdjeu  3r)ren  üftajeftäten  ben  Mb' 
nigen  t>ou  Saa)fen  unb  Greußen  in  $ßien  abgefajloffciien  unb 


•)  SRaterialien  finb:  £ie  $MtMgttii6*pretiat  *?on  Slrcr/ibiafonu* 
M.  3anrff.  25.  ©.  8.  ®orl.  1815.  frier  ber  (Frb^ulbifluna,  @r.  Äönigl. 
9Waf.  ».  $reuien,  griebridj  3BtU)tlm  III.,  am  3.  9tug.  1815  in  ber  CtaH 
@5rlifr,  31.  @.  8.  @örl.  1815.  3^ann  2>faa£,  prtvattf.  GMeljrter: 
^ffdjrcibwng  ber  prachtvollen  (Srleudjtuno,  ber  @tabt  (Sortis  ben  3.  Huij. 
K815.    @örltfc  1815.  32  8.    (Uorl.  »njei^er  1815.-  Wo.  32.  ».  10.  »ug- 


Dretjc^itte*  ftatritel. 


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I  ■* 

Darauf  publtrirten  Wtxtxaq  ein  Sfyeil  be$  Königreich  6ac$fen 
an  £e.  SBajeftät,  ben  König  von  $rtu$cn,  abgetreten,  aucfy 
von  6r.  2Rajeftät,  beut  Könige  von  6ad>feu,  bie  in  folgern 
Xt)ei*e  wotynenben  UntertfjanetL  ifyrer  bidtyerigen  $flicr;t  gegen 
'  biefelben  entbunbeu  werben  finb;  fo  ift  nunmefyro  jn  ber,  ©r. 
Königl.  2Rajefiät  von  Greußen,  nnferem  aUergnäbiafren  £errn 
$u  teijtenben  feierlichen  ^ulfcigung,  näd)fHiiuftiger  Xonnerftag, 
alä'  ber  britte  gfaguft  biefeä  3abreä,  .anberaumet  unb  fcü  biefe 
fyöcftft  wichtige  ^anblnng  and)  mit  einer  in  biefer  Kirclje  ju 
fyaltenben  «foulbigungöprebigt  frül)  um  8  Ufjr  gefeiert  werben. 
(Sure  ctyrifthdje  Siebe  wirb  bofyer  ermahnt ,  ftd)  $u  biefer  $Prc# 
'bigt  fleißig  unb  mtt  gebüfyrenber  $Jnbad}t  einjuftnbeu,  unb  ©ort 
von  bergen  anzurufen,  bafi  er  biefe  £ulbigung  jur  fegenövoll* 
jlen  &erbinbung  jwifcfyen  ber  l)öcr)ften  ^anDe^r)cirfd)aft  unb 
ifjreu  Untertanen  unb  jur  allgemeinen  ^ufriebenr^eit  unb 
3Bef)lfal)rt  gebeten  lajfen  woUe.  X>ci*  £err  alter  Herren  tl)ue 
e$  unb  (äffe  und  mit  greubeu  vor  feiu  $(ngeftd)t  fommen 
unb  feiner  fortbauernbeu  ©üte  uub  Liebe  neu  verftdjert  wer* 
ben,  um  unferä  £eilanbeö,  3efu  (St)rifti  9Bi((en,  &men !" 

8m  2.  &uguft,  $(benbd  um  8  Ufyr,  warb  jnr  8lnfuubi< 
gung  be$  geftec*  eine  r)a(bc  6tunbe  mit  allen  <$Hecfen  geläu* 
tet,  unb  einige  Lagen  mit  Kauonenfcfylägen  gegeben. 

Wut  3.  Wuguft  warb  von  5  Uf)r  an  wieber  eine  fyalbc 
(Stunbe  mit  alten  ©locfcn  geläutet  unb  vom  £Ratf>$t()urine  bad 
.   Lieb:  „2Öie  fdjön  leuchtet  ber  borgen ptevu"  geblafen. 

Um  7  Ufyr  verfammclte  fict)  ber  SRatl),  ba$  £>ffqierforpä 
be*  2.  weftprcufMfctyen  LanDwetyr-SRegimeutä,  weldjed  bamalä 
ju  ©örlifc  in  ©arnifon  ftanb,  bie  eiugelabenen  Deputirtcn  ber 
Lanbjtänbe,  bie  preujjifdjen  unb  fädjüfdjen  Beamten,  bie  ©ar* 
nifon,  angeführt  von  ben  Lieutenant*  v.  $ombrowär>,  Öcifi 
unb  SBittfe,  fowie  bie  Kompagnien  ber  Sürgeraarbe  mit  ifyreu 
gähnen  unb  3Ruftf,  beim  9*atl)l)aufe.  Um  8  Uf>r  bewegte  fid> 
ber  3"Ö'  vor«n  SWagiftrat  in  fdjwarjer  Kleibung  unb  jwa* 
fo,  baß  neben  einem  9ttagifirar$mttgliebe  immer  einer  ber  Df* 
feiere  OJÄajor  unb  Kommanbaut  v.  Stitwth),.  Hauptmann 
v.  ättunf,  £>ber*Lieutenant  unb  (Stappen-Koinmanbant  s:iRifd)fe, 
Lieutenant  unb  SlbjHtant  SBittfc,  Lieutenant  unb  diec^ntingd« 
füfyrer  Saugen,  Sieutcnant  v.  6cfymubc,  Bataillone  ^r^t 
Dr.  Kaufmann)  unb  Lanbfitdnbe  in  Uniform  ging,  bad  Söür* 
germilitdr  nebft  ben  görftern  ber  görli&er  £aibe  julefct,  unter 

35* 

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5i8 


©locfengeläute,  uad)  ber  ^etcröfirdjc.  QU  ©arnifon  foiqte 
in  Harabe. 

(Der  ©otteöbienft  würbe  in  folgenber  9Bei|"e  abgehalten: 
1)  (Daö  Sieb:  „©ott  fei  unö  guäbig  unb  barmljerjrg." 
2)  „Jfyrie,  ©ott  Bater  in  tewigfeit."  3)  „Allein  ©ott  in  Der 
$ty'  fattfyr."  4^)  Collecte,  p.  6  t>cr  alten  8genbc:  „<$6  fegne 
und  ©ott,  unfer  ©ott"  n.  „©ort,  ber  tu  Gimmel  unb  (£rbe"  ?c., 
wobei  ber  12.  ^falm  verlefen  würbe.  5)  ,/3Jfeiu  9(uge  fiet)!, 
o  ©Ott,  $u  'Dir."  6)  3>ic  Stelle  1.  $etri  2,  v.  17.  würbe 
Beriefen.  7)  $aö  ¥ieb:  „©ott,  (Deiner  Stärfe  frene  fiaV' 
8)  £er  ©lanbe.  9)  (Die  ^rebigt.  3n  iffi  entwitfelte  ber 
*Rebner,  $lrd)ibtafoiui$  M.  3ol)anu  (£r)rtftian  %ande  auc<  bem 
<Xert  1.  %ktxi  2,  8.  17:  „Xrjut  (Sl)re  3et><rmann.  £abt 
bie  ©ruber  lieb,  gurrtet  ©ott.  (Styret  ben  Jconigl"  bie 
jDpfer  ehied  treuen  SBolfeä  am  ,&ulbiguug$tage  feinecJ  neuen 
Jtonigd,  unb  vorneljmlia)  ben  ©ebanfen,  fic  beftänbeu  in: 
Religion,  bewiefen  burdj  <£l)rfurd)t  gegen  ben  Äönig,  begleitet 
von  l*iebe  unb  5ßcrtr)fd)äfcHug  unferer  SÖriiber.  (Die  vortreff* 
lid>e  9tebc  fdjlojj  mit  ben  SBorten: 

„9luu  biefe  Opfer  gegen  ben  Äoitig  fiub  ee,  meine  3h- 
fyörer,  bie  wir  r)eut  auf  ben  Stltar  bed  BaterlaubeS  legen: 
„gurdjt  bem  tjodjften  93er)errfd)er,  (§l)re  bem  ,ftönia,e,  ^iebe  min 
fern  üörübern,  ^lajtung  allen  Mitbürgern;  ftnb  wir  niajt  alle 
ju  ifyrer  (Darbringung  einverfitanben?  Wt  3«^ei*fid>t  unb  ©e 
rul)ignng  wollen  wir  bie  neue  ^Regierung  als  bie  imfrige  niv 
erfennen  unb  ftnb  c$  von  it)reu  fo  oft  unb  feierlidj  aue- 
aeforod)eneu  ©runbfäfcen  berechtigt,  bafi  fic  nur  ba6  ©ute  unb 
&ed)te  wollen,  ba£  unfer  2Öol)lftanb  it)r  ein  £eiligtl)um,  bie 
(£rf)bf)ung  bejfelben  ein  ©egenftanb  ber  gürforge  fein  werte. 
(5inb  nur  einmal  bie  noa)  offenfteljenben  Äriegeöpforten  ge* 
fdjloffen,  fel)ret  nur  bie  erfefynte  Wutje  in  unfer«  $aitfer  Hnb 
gluren  jurürt  —  unb  baium  bitten  wir  täglio)  — ,  fo  wirb 
aHd)  bie  Bereinigung  mit  einem  mädjtigeu  Staate  und  einen 
bauerf)aften  gruben,  unb  mit  il)m  bie  fo  nötige  @rl)olung 
von  langwierigen  Reiben,  unb  Teilung  ber  gefdjlageneu  3Bun* 
ben  gewäfn-en,  unb  uufere  Berfaffung  glütflia)  von  innen  burdj 
eine  väterlidje  Regierung,  von  außen  bura)  bie  Berbinbung 
mit  allen  beutfdjen  9Wad)ten  wirb  (Ufj  wieber  ergeben  unt 
blähen.  Xbun  wir  nur  ba£  Unfrige,  finb  ©laube  unb  du- 
**nb,  Religion  unb  Sitten  und  l)eilig,  bann  werben  wir  aua) 


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549 


au*  ber  fegnenben  £anb  ©otteS  fernere  $ewcife  feiner  OTacf^t 
nur  ($nat>e  empfangen;  »erleugnen  wir  aud)  unter  ber  neuen 
Regierung  nid)t  ben  un6  nie  abgefprodjenen  (£l)arafter  ber 
bänglidjfeit  an  bcn  Regenten,  unb  vergelten  wir  il)m  feinen 
6d)u(j  unb  Sorge  mit  ©efjorfam  unb  ireue,  fo  fiebert  biefe 
woljltbätige  5l>cct)feln>irfimg  tynt  greube  unb  föufjm,  unt>  bem 
aanjen  Sanbe  feinen  5t?ol;lftant>  unb  (Wurf.  £ejl  bann  bem 
prfteu,  bem  ein  fold)  SSolf  l)ulbigt,  unb  mit  Vicbe  unb  $er 
trauen  entgegen  fommt!  £eil  bem  $olfe,  ba*  ein  feiger  93a* 
ter  empfängt,  beffen  £cr*  bac*  ebelfte,  beffen  SBiüe  ber  reiufte, 
beifen  Jtraft  bie  entfdjloffenfre  ift,  baö  sorbanbene  ®ute  weit)* 
lid)  ju  beförberu,  bie  Mängel  fttyonenb  $u  entfernen,  unb  ba* 
burd)  fein  QHütf  ju  grünbeu.  Unb  biefe  &$ünfd)e,  biefe  £off; 
nungen,  traft  fann  fte  befräftigen,  al*  ein  (Debet!  (*Jewip  r)at 
e*  ber  Jtönig  fyeut  aud)  für  feine  Golfer  jum  Xfyroue  beö 
£öd}ften  gebradjt,  auet;  ba6  uufrige  fteige  empor,  gefproeben 
_  sou  meinen  Üippen,  begleitet  t>on  urtfer  aller  ^erjen! 

£err  aller  Herren,  unb  Jtonig  aller  Jtotuge,  bu  t)aft  bie 
Regierung  «ufert  £anbefl  in  bie  J^anb  eine$  gürten  gelegt, 
beffen  Wladjt  eben  fo  fräftig,  al$  fein  £erj  geneigt  ijt,  bie  non 
bir  empfangene  (Gewalt  «ir  ^erl)errlid>ung  beiuer  (5brc,  unb 
jur  s£eföiberuiig  beä  (McmeinwotylS  ui  gebrauten.  3n  feiner 
(5:rl)altung  unb  fortbauemben  38oblfar)rt  erblirfen  wir  bie  un- 
[rige;  bar  mit/  flehen  wir:  2ob  unb  Sdjmucf  wolleft  bu  auf 
irm  legen,  unb  il)n  erfreuen  mit  ben  greuben  bcine$  9(ntli$e$. 
sJ9iad)e  feine  Seele  ftarf  burd)  beine  gurd)t,  feine  9legteruna 
berrlid)  ouret)  beinen  Seiftanb,  feinen  tarnen  groß  burd)  baä 
Öhite,  ba$  er  burd)  bidi  fdjafft,  fein  SBolf  glüeflid}  burdj  feine 
woljltfyätige  4perrfd)aft.  i*a(j  (Mnabe  unb  Aeil  ifyn  begleiten; 
fuüpfe  an  feineu  heutigen  iljm  fcbroülen  Seoenötag  eine  lange 
üHeir)e  glürflieber  unb  inniger;  laß  feiner  3ar)re  viel  werben, 
feiner  ebeln  Üljaten  noerj  mehrere,  unb  feiner  Segnungen  mefyr 
att  fie  alle.  Dein  Sdjilb  bebeefe  tf>n  aud)  jefct  im  beißen 
Jtam£fe  für  unfere  2Öol)lfar)rt  unb  bringe  ir)n,  längft  mit  fcor* 
beern  be$  Siegel  gefront,  balo,  ad)  balb!  mit  bem  £>el*weige 
beä  griebend  gefd)mürft,  ui  unä,  unb  mit  ir)m  bie  fd)öne  $tit 
äiuürf.  ($rf)alte  und  fein  fäterlidje*  §erj,  il)m  unfern  fiiib- 
lieben  Sinn,  ber  ihn  et/rt,  tfym  aelwrdjt  unb  vertraut.  Deine 
»pulb  t>erf>errlic^e  fid)  an  jebem  IWitgliebe  feinet  f)of)en  6err* 
fdjerbaufe*.    Vajj  tyn,  ber  gern  fromme  Diener  tyctf,  fer)en 


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550 


nad>  teil  3 reuen  im  Sanbe,  bafj  fte  bei  tym  wohnen;  feine 
Ukrrrauten,  bie  ratl>eitb  mtb  fyelfenb  bie  (Corden  ber  «Regierung 
unb  bie  £tye  bed  Äamvfed  mit  ifmt  feilen,  erfülle  mit  beinern 
<&eijfe,  unb  (aft  bie  grudjt  ifyrer  Sfuftrengungeh  im  S$u£e 
beiner  ßirdjc,  im  ©ange  ber  ®ered)tigfeit,  im  (*Jebeif)en  ber 
ftefdrifte,  im  glor  ber  Siffcnfdjafteu  unb  bed  £anbeld,  im 
Ölücf  bed  ^anbef  fidjtbar  werben.  Deine  (Mnabe  werbe  jeben 
borgen  über  ade  Untertbaneu  in  äffen  Stäuben  neu,  bamtt 
in  unferen  0) renken  («crcdjtigf  eit  unb  ftriebe  fitt)  begegnen,  iu 
unfern  SWauern  (Hüte  unb  Irene  ftd)  füffeu,  unb  ed  und  jur 
täcjlidjen  froren  (*rfaf)rung  werbe:  ber  tfönig  freuet  fi<$  in 
betuer  Äraft  unb  wir  mit  tfynr,' ftinen!" 

hierauf  fam  10)  bad  Sieb:  „£err  ©Ott  bid)  leben  wir!" 
wdfyrenb  beffen  )Mmmt(id)e  ©lotfen  ertönten,  ,&aneuenfd>(äge  unb 
ßleingewefjrfeuer  criajallte;  11)  bi<  tfollefte:  „@ott  gib  $rteb' 
in  beinern  ic."  unb  12)  bad  Sdjlnfjlicb:  „i^r^alf  und  *£>en 
bei  beinern  ffiort"  womit  bie  firrt)lid)c  Setcr  beenbet  war.  3tyr 
hatten  beigewohnt  bie  tfefyrer  am  @)umnaftum  mit  fammtfid)en 
Teglingen,  wie  aua)  fämmtlicr)e  Scbrer  ber  4  v«8olfdfd)ulen  mit 
ben  S<fyulfnaben  unb  SWAbdjen  im  Sonntagdfleibe  unb  bie 
tfefyrer  am  Sßaifenljaufe  mit  fämmtlidjen  2Bai|cnfinbem. 


SBor  ber  treppe  bed  Sal^baufed  nadj  ber  S3rüber(trafe 
jn,  war  am  2.  Stuguft  ein  Xemvcl  errietet  werben,  worin 
auf 'einem  mit  $(umen  ?©ewinben  verwerten  Altäre  bie  von 
ben  (Uebrübern  $ßid)mauu  in  Berlin  verfertigte  93üfle  bed  £6* 
nigd  von  Greußen  aufgehellt  war.   Die  vorbere  (Seite  biefed 
flltard  cittr)ielt  bie  3nfa)rift:  Fridericus  -Wilhelmus  Hl.,  auf 
ber  redjteu  Liebe  gründet  auf  ber  linfen  Seite  des  Volkes 
Treue.    Oben  war  ber  Vlbler,  in  einem  Sange  einen  Halmen- 
,&weig,  im  anbern  einen  Surbeerfranj  rjaltcnb  angetrabt,  unb  iu 
ber  Witte  bed  (Mebälfeö  nvifdjen  jwei  Sorbccrfrdiiäen  ber  Safc . 
Dem  edlen  Könige  von  Preussen 
Ehrfurcht,  Liehe,  (iehorsnm,  Treue 
Die^  SUidt  (Jörlilz. 

9fuf  i>ier  Stufen  gelangte  man  ju  vier  Säulen,  weldjc 
bad  $aupt;  (Mcbälfe  trugen,  ^m  Sd)lu(?fteine  bed  portale 
war  ber  reifdjlungene  Wamcnduig  in  SMumen  augebradjt  unb 

* 


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I 


551 


barüber  ein  Sorbeerfranj.  Huf  ber  Spifce  be$  gionton*  befanb 
fid)  t>ie  aufgefyenbe  Sonne  mit  bei  Äröne  in  bei  Wik.  Sdjon 
von  frnl)  7  llf>r  an,  war  ba$  3äger-Äorpe  ber  33ürgergarbe  mit 
iljrer  SRafU  unb  galnic  alö  (SfyrenwaaV  bei  biefera  Xempel  — 
ber  fpäter  auf  bic  tyremenabe  fam  —  aufgeteilt  werben. 
Die  gatjue  enthielt  auf  ber  einen  Seite  ben  preu£ifd)en  Hbler, 
auf  ber  anberen  unter  bem  fd)ü$enben  5Huge  ber  $3orfebung  bie 
Sdjrift:  Gott  segne  den  Küuig,  das  Vaterland  und  unsre 
Sladt. 

Der  ©arnifon$*£ommaiibant  2Rajor  v.  3elew*fy  r/atte 
gegen  I  Ufjr  vor  bem  Xempel  feine  Xruppen  in  jwei  Sinien 
beu  Dbermarft  tjinab  in  %laxat>c  aufgefteUt.  Um  2  llljr  erfyob 
ftdj  ber  3«g  aller  *Berfammelten  vom  ÜKatMaufe  auf  ben  Ober- 
marft.  Die  ©ürgergarbe  nebft  ber  Sd)ü$enfar)ne  fa)lo|i  ben* 
felben  uub  auf  bem  ÜJfarfte  batf  länalidje  SBiererf,  in  ba$  fta) 
fämmtliaje  (Stupelabene  nebjl  ben  fcffijieren  begaben.  Der 
$aum  bi*  in  bie©ajfen  hinein  war  buref;  üaufenbe  von  3«-' 
fdjauern  gefüllt. 

hinter  bem  Xempel  war  baä  Singe*(Sf)or  unb  bie  g  tan 
OTuflf  aufgestellt  um  baä    nfaugft'  unb  8 d)lufjlieb  gu  begleiten. 

9tad>  39eenbia,ung  beö  erften  Siebes  trat  ber  gejfrebner, 
Stabtridjter  Dr.  («strapljinuS,  vor  bem  Altäre  auf  bie  Stufe 
beä  XempelS  unb  fpraa)  einige  5Borte  von  bem  3wetfe  biefer 
geierlidrfeit.  Unter  anberem  jagte  er:  „Da  fyeute  bie  Depu* 
tuten  beö  an  beji  tfönig  abgetretenen  £erjogtr)umd  Saufen 
uiv  feierlia^en  «öuloigung  in  SJterfeburg  verfammelt  finb,  fo 
begeben  and)  wir  jcjft  bie  ftmbolifay  AulbigHngflfeier.  Söir 
bürfen  nid)t  glauben,  baji  wir  bei  biefer  SRegierungflveranberuug 
verlieren  werben*,  e6  ift  vielmehr  fdjon  ein  großer  *$ortr)eil, 
baß  wir  mit  einem  großen,  einem  mäd)tigen  Staate  verbunben 
werben,  jumal  wir  einen  Regenten  befommen,  ber  mit  SÜeiö* 
l>eit  unb  ©eredjtigfeit  fein  33elf  regiert  unb  gewifj  alleö  waä 
tu  feinen  JCräfteu  ftel)t,  ba$H  beitragen  wirb,  feine  neuen  Un* 
tcrtljanen  ju  beilüden.  Sdjlietiltd)  wün[a)e  id),  baß  ©Ott 
unfern  Jtönig  bei  feinen  fd)weren  föegentenpfltdjteii  unterftüfcen, 
il)il  bei  bem  Äampfe  für  bie  geredete  Sadje  vor  allen  ©efar); 
reu  behüten,  uub  ihn  balb  mit  Sieg  gefrönt  unb  mit  ber 
^alme  bcö  golbeneu  griebenä  gefdjmütft,  wieber  in  feine 
Staaten  juiüdbringen  möge! 

3»m  3ciii)eu  unferer  angelobten  Xreue,  ©efyorfamö  unb 


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663 


*8erel)rung  ertöne  anjefct  emmütf)ig:  (£d  lebe  r)ocb  ber  aUer* 
burd)laud)tia,fte,  grefjmächrigfte  Surft  unb  £err,  griebrid) 
beim  ber  Dritte,  Äönig  von  Greußen,  ^er^og  ui  Saufen  unb 
ÜSRarfgraf  ber  £aufh)en,  imfer  allergnäbigfter  ganbeäfyerr! 

llnb  abermals  lebe  bod)  unfer  aUerverefyrtefter  l'anbeövater, 
griebrid)  tfßilfyclm  ber  ^Dritte,  nebft  allen  foniaUdjen  $nn&en 
unb  $riugeffinneii! 

llnb  normale*  lebe  S>od>  tynufmi  unb  unfer  jiegreid)cr 
Äönig  unb  £err,  Sricbrtc^ '  ^i[r)chn  ber  Xritte,  mit  feinem 
gangen  ftegetrteutyaufe  unb  tavfern  Speere!" 

hierbei  fiel  bie  Wujif  ein,  bie  ÖJarnifon  gab  Salven  unb 
alle  »mvefeuben  ftimmten  bureb  9tuf  unb  ,£>utfcbu>enfen  bei. 

Um  4  llljr  ivar  Xafel  mir  150  ©ebetfen  auf  bem  Stall)* 
fyaufe,  an  welcher  ber  ÜDJagiftrat,  bie  Offiziere,  bie  £anbe#* 
unb  Stabtbepiitirtcn  3  l)eil  nahmen. 

(Sine  gleite  groblidjfeit  ^cvrfcf>te  im  Äleinert'fdjeu  CMarte«* 
faalc,  wojelbft  |atyreid)e  (*kfellfa)afteu  augefebener  Bürger 
fveiften.  Sei  beireu  gefteffeu  würben  für  bie  venvunbeteu 
vaterlänbifdjen  jtrieger  reid)lid>e  (Sammlungen  veranftaltet. 

Xaö  vom  SRagißratc  für  ba*  qefammte  bier  garnifonirenbe 
Militär  vom  gelbwebel  abwärt*  vorbereitete  sD?ar>l  belebte  niebt 
minber  ber  beiterfte  grobfiun.  - 

Vln  bem  Salle  auf  bem  Neffonrcen*(£aalc  fowet)!,  al$ 
auf  bem  im  Jtleinerffa>eu  OJarteufnale  von  bem  Wa^iftratt  ver* 
anfialteten  greiballe,  nabmen  bie  gebilbetfteu  <£inwot)ncr  ber 
etabt  Hntbeil.  gm  bie  übrigen  (finwotyner  fanben  auf  vier 
©a|il)of«  *  (Sälen  Salle  6tatt,  weldje  bi*  jum  Xageäanbrucf) 
bauerten.  3n  biefer  3eit  blieb  gleichfalls  ber  Semmel  auf  bem 
Cbermarftc  von  Sürgerwadte  befefcr. 

?lbenb$  veranftaireten  bie  £d)üler  ber  Ijöfyeren  Jttaffcn  be* 
Ctamnäitt'nrf  einen  Slufjug  mit  garfein  $u  bem  pracbtvoU 
erleurfUeten  Tempel,  ftc  braebten  bem  Könige  ein  ^oa>  unb 
fangen,  bie  garfein  vor  bem  Tempel  auf  einen  Raufen  werfenb 
bae<  l'ieb:  (iamlt\*wms  igitur. 

yibenbe  waren  alle  'öffentlichen  Gfcbäufee,  ber  9iaty6tyürm 
unb  bie  ganje  &uit)t  bte  jum  frühen  borgen  auf  baö  praebt- 
vollfte  erlemljtet.  ^oa)auflobernbe  geuer  brannten  auf  beu 
vier  böcbften  9(nl)öben  um  bie  6tabt. 

3ufd)rifteu  waren  angebracht  auf  bem  ^oftamte;  auf  bem 
Cbermarfte  an  ber  föenomee  (ba*  $a\i*  bee  Kaufmann 


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553 


(£.  5t.  Starfe),  beim  Senator  Staube  (bae  5Äuguftin,fd)e  §aud), 
beim  ttatibtöMtffteit  t>.  Woftii  (ba*  je$ia,e  4?auptfteueramt),  beim 
Stiftcserroefer  gcfyrentfyeil  (im  jefct  Sdjmeljerfayn  £aufe), 
beim  $ierbitra,er  *pietfrf>mann;  in  ber  9connena,affe  beim  Ütfa> 
termftr.  ©ötl)üd),  auf  Dem  sJ)carftalle  beim  WarftaÜ  -  <ßäd)ter 
Naumann,  beim  'JuTürfcuuiadHT  9teumann;  93rübcra,affe  beim 
bamal.  ?lf t im v  (ie$ia,en  vsiitnu ath  $iilc),  beim  2  i1hi hnuntcvmfü . 
Satyr  sen.,  beim  Kaufmann  Temmler  sen.,  beim  ©iirgcrmfrr. 
Satyr,  fluf  Dem  Untermarfte  war  bie  93eleua)cuua,  m$t  minber 
'  fctyim,  auf  fcem  föattydfeller,  beim  gleifdjer  Scufdnier,  beim 
Stabr^oUeinnetymer  SptfaV,  in  ber'$Bebera,affc  beim  Stabttyaup'* 
mann  9$anfier  £äunfe,  beim  Sajueibermfir.  Dreßler;  in  btr 
tfrifdjelaaffe  beim  Drea)$ler  $Äönd),  beim  Sctyneibermjir.  (jefct 
Kaufmann)  Oertel;  in  ber  9leift]a|7e  auf  ber  alten  s#oft  (^auö 
ber  ©efellfcty.  ber  Söffi.),  bei  bem  ^ewatjfuuna,$auäfd)u|Te;  beim 
.taufmann  Maurer,  beim  33ärfermftr.  SÖSeife,  beim  $ua)binber 
^nibner,  beim  Sdmeiber  9labifd>,  beim  (£tyirurt]  Sange,  auf 
ber  Sttutyle  am  ^Reipttyore,  KränjelaafTc  beim  Sdmeiber  2öeife; 
auf  bem  #anbwerfe  beim  Xuctymaajer  Äabclbaa);  auf  bem 
tyimeru  £antwerfe  beim  (Sommerjienratty  Malier  unb  bem  Kauf- 
mann (Mrötye,  beim  £ud)fctyeerer  £>tto.  Klient  minber  am 
£amroalt>e  beim  «rctyibiafcnuS  M.  3anrfc;  auf  bem  $toiatötyöfe 
unb  bem  ganbftcuertyaufe;  ^cterd^affc  beim  Stabtriajter  Dr. 
StraptyinmJ,  beim  Jtrieaflratty  Stöger,  beim  lifd)ler  hinter 
beim  »bt>ofat  Dittridr,  »HofengafTc  beim  HmtSfefretär  $au* 
metjter;  JOberlaiißenaaffc  beim  Sfabmufl  3<*tyne,  beim  ^uaV 
bruefer  £eintf.  Der  Klcinert'fctye  Charten,  war  c\iti<bfall* 
practyrsoll  erleuajtet  unb  mehrere  ftimreiajc  3nfctyriften  an« 
gebraut. 


©ottleb  Vubwig  Demiani  unb  bic  3CM  ftinti 

^envaUuna. 

Die  Bettixiftttitg  ber  StaM  feit  ben  Ärlegdjatyren  tyat  bi« 
auf  iiufere  Xa^e  mehrere  (futwitfelunt^periorcu  erlebt.  De* 
miatii  war  Äu^eiiieuqc  aller  unb  bettytfilitjt  bei  allen  sJ0?apre 


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554 


geht r  welche  in  einem  3«fra»m*  aon  über  breißig  3ahrcn, 
jum  9Bol)le  ber  Äommun,  jur  2lu6behnung  ihre$  ÜBerfehrt, 
jur  J£cbnng  ihrer  SBcbcutfamfcit  ergriffen  würben.  £>arum 
läßt  na)  an  feine  ^erfon,  an  bie  €cbilberung  feinet  bebend 
unb  3öirfen$,  am  3wecfmäßigfren  bie  ©efctmfye  ber  6tabt  ttt 
biefer  bebeutungtoolleu  ^eripbe  fmtyfcn. 

©ottlob  Stobwig  Demtant*),  war  geboren  |u  X  reiben, 
ben  22.  Hprih  1786.  (sein  Urgroßvater,  ©roßsater  unb 
diäter  waren  2fr$te,  Severe  beit>e  bod)  angefefjen  am  fäa>* 
fifa)en  £ofe.  (sein  *Bater  Dr.  med.  unb  öffentlicher  £ch* 
rer  ber  Pathologie  unb  Ztymyk  bei  bem  mebiiinifaVchi- 
rurgifd)en,  Kollegium  ju  ü)re$ben,  gab  bem  <5obue  eine 
fer)r  forgfältige  (Srjiehung  unb  ließ  bie  vortrefflichen  Sin* 
lagen  beffelben  jeing  entwirf  ein.  5>er  (5ifer,  mit  welchem  ber 
Änabe  ftd)  ben  £ebrgegenftänbcn  wibmete,  griff  feinen  äötyer 
fo  an,  baß  er  fchon  im  frühen  3ngenbalter  bie  Äarlebaber 
Duellen  beiluden  mußte.  €eine  ©vmnajialbilbung  genoß  er 
in  ©örlifc,  wofelbft  ber  Änabe  beim  SMafoüttt  grenfel  in  $cn» 
fion  war;  fpäter  aber  fam  er  auf  eine  fäd>|lfd)e  Jürftenfchule 
£>en  juriftifchen  <5tubieu  wibmete  ftd>  ber  fleißige  3üngling 
auf  ber  Univerjttät  Wittenberg.  (Sr  würbe  9ibuofat  unb  trat 
ju  ©außen  in  bie  9ceit)e  ber  £>beramt*abt>ofaten  ein;  von 


*)  Sein«  £eben$befd)reibnng  im  9leu.  Sauf.  SWagaj.  1846.  ftacfyridjt. 
€.  222.  eein  Stammbaum  naefy  bem  Oberl.  2 c^riftfleUrc *  Scttfon  ift 
wie  felgt: 

Hnbrea*  $emiani  (Demyani) 
and  Ungarn  eingenninbert,  f nentig  wegen  beö  etang.  ©lauben*, 
im  17.  3aljrf>.,  altf  Kantor  ju  ^cft'cttftoetta  geworben  (?). 

tt^riTHan^GtottloC 
geb.  (?)  |N  -fcotterömerba,  Sieentiat  ber  äNebijin,  *>raft.  Hrjt 
*u  äHuefau,  im  ««fange  be*  18.  %at)xi).  f  (?)• 

geb.  3.  ÜMat  172?  )Q  Sttuefau,  jlubirte  jti  Säuselt  u.  Heilig. 
1718  Dr.  med.  u.  praft.  Slrjt  ju  'Baumen,  fpäter  furf.  fadjf. 
Srttarjl  u.  -öofratfj,  ÜHirglieb  tot*  SamtätöfoUegti  *u  2)reö- 

beu  t'  12.  ftebr.  1788. 

Otyritiian  Qkntlob, 
geb.  ja  Sauften,  15.  gebr.  1752.  t  ju  £retfben  23.  T<c.  1806. 

(*>i>ttlob  VuMrui  $)emiani, 
geb.  22.  Styril  1786,  |  5.  Mi  184«  J«  $reöben. 


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555 


5kuf)en  folqte  er  bem  an  ihn  ergangenen  ehrenvollen  fltHfe 
a(d  Senator  in  ba6  görlifeer  föatMfollegium,  unb  befleibetc 
biefeä  Mmt  vom  1.  3uli  1814  bi*  junt  1.  3uni  1820.  Hn  le$- 
tcrem  Xage  würbe  er  ber  erfte  Kämmerer,  &Hfolge  ber  in'ö  ¥eben 
getretenen  Interim.  (Stabtverwalrung*).  31  lä  klammerer  war  ihm 
vonugäweifc  Die  $lufjtd>t  nnb  Verwaltung  ber  großen  görlifcer 
^atoc  übertragen,  weldje  ihm  (Melegeuheit  gab,<ft<h  barin  altf 
ftorftmann  unb  £>efonom  im  böseren  (Sinne  bee  ffiorteö  anö? 
•jujeidjuen.  (*r  verfchntähte  feine  Gelegenheit  unb  freute  feine 
^JKthe,  fiel)  bie  genaueren  (Erfahrungen  über  ben  ganzen  @*»e* 
fajäftflverfehr  unb  betrieb  ber  \>ielfad)en  öfouomifdKn  -ßweige 
berfelbett  \\\  verfdiaffen.  (*r  fannte  bie  ^auptquelle  ber  borti- 
gett  ftäotifd>en  (fimiabmeit ,  fcafl  £ol$wefen,  fo  genau  rote  bie 
gorftleure  felbft,  unb  fein  tiefbltcfenber  (Meift  war  fortwährettb 
bemüht  eine  Stenge  Uebeffttinbe  ber  früheren  Verwaltung  jn 
rieben.  *5Ät&  gcfd)af)  aud)  im  tfaufe  feiner  Vcamtttng.  (£r  ließ, 
um  eine  binlänglidje  Ueberftdjt  ber  ^oljnu^uugen  ;u  gewtn- 
nen,  wgleia)  ald  gabrwege  anwenbbare  5Öalblinien  fcblagen, 
unb  eine  genaue  gorftvermefjung  veranftalten.  (Später  begann 
mau  bie  ftorftgeredjtfamc  ber  ^aibebörfer  abpilöfen,  um  nad) 
bereit  2lblöfung  im  Staube  \\\  fein,  burd)  beffete  Pflege  ttub 
<Sid)eruug  beo  ^oljwudjfeo,  einen  höheren  ($mag  aud  bem- 
felben  \\\  erzielen  unb  ba$  Sßalbeigenthum  vorteilhaft  ttu  ver^ 
wertfjett.  Die  Veenbigung  biefer  Manipulation,  wela)e  große 
Leihen  von  ^roieffen  mit  ben  Vetheiligten  herbeigeführt  hat, 
erlebte  Denttani  nia)t.  3m  ©egentbeile  bauert  bie  flblöfung, 
weld>e  vor*,ug$weife  vom  Vürgermeifter  gifrrjer  betrieben  wirb, 
nod)  fort;  unb  eben  biefer  Umftanb  verbietet  eö  Mehrere* 
barüber  ju  fagen. 

'  .    Die  iuterintiftifche  Verwaltung*  ber  6tabt  ^örlifc  fanb 
mit  bem  <Sd)luffe  be*  3ahrc$  1832  il)r  (Snbe,  wie  oben  am 
gegeben  ift**).    $ä  würbe  bie  6täbteoibnung  von  1808  ein 
geführt  unb  Demiani  bttreh  ba<3  Vertrauen  fetner  Mitbürger 
}lim  Vürgermeifter  berufen. 

3ur  fefilid)en  (Smfüf)rung  biefer  etäbteorbnuug***)  unb 


•)  OUbett«  barüber,  oben  3.  33.  ff. 
eben  37. 


•*•)  @5rl.  1«33.  <S.  II.    2>i<f«J  «Matt  in  feinen  3al>raänani 

bi<  1839  ine!.,  bei  ®i>rl.  «nv  feit  1842,  nnb  bü  mit  bem  3«l)rc  »833 


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556 


feierlichen  jnjtaffarion  beä  neugewä  feiten  WagiftratcG,  war  fcftpit 
am  3.  Januar  1833  ber  JDber*4$r<ifibent  &  Berdel  in  ©orlie 
eingetroffen.  3u  feinem  (fmpfange  l\itte  man  ben  @)aftf}ef 
\\\m  braunen  $irfa),  wofelbft  ber  Dber-^räfibent  feine  $Öol) 
nung  nafym,  mit  einer  ßfyrenpfortc  gcfdjmürft,  unb  Die  93uigcr~' 
garte  anrieft  eilt.  Wagiftrat  mir  (Stabrocrorbnete  geleiteten  ben 
gefeierten  (%ft  in  bie  für  ifyn  ausgewählten  ©emädjei  ;  flbcnbä 
war  bie  statt  w  Uferen  beffelbcn  erlcudjtet  unb  würbe  tl)m 
ein  Wuftf(tanbd)en  bei  garfclfd>ein  gebradjt.  Wut  4.  Januar 
bereiteten  mit  $agc$anbru$  ernfte  QHorfcnflänge  unb  (£f)oral- 
mufft  vorn  Sturme  bie  ©eiuutber  |HT  geier  biefc*  benfwiir- 
bigen  Xaqefl  vor.  (iin  geller,  Häver  SKnttrtag  verfajöncrtc 
bie  gcjtlidjfcit,  welche  na*  9  Ufer  Vormittag*  ben  weitereu 
gortgang  nahm,  intern  ftd)  bie  ©ürgergarbe  mit  ifyren  gähnen 
unb  3auitfa>arenmufft  vor  Dem  NatMaufe  verfammcltc  unb  ein 
6valicr  *om  Natljbaufc  bi*  an  bie  Sfeür  bed  C«aftf)cfe$  jiwi 
braunen  £irfd>  bilbete.  3n  leererem  (*kbäube  hatten  ftd)  in* 
jwifeben  bie  Militär Vanbftänbifdjen*  unb  dtoil Beamte«, 
ber  alte  unb  uchc  Wagiftrat,  bie  etabtverorbneten  unb  Mt 
vräfentanten  eingefunden,  unb  waren  von  bert  auf  ba$  WaH>* 
hau*  gegangen.  Um  K)  Ufer  begab  ftd)  ber  Ober^^Täftbent 
v.  Werdet,  von  einer  Deputation  unter  Mnf&fynuifl  ber  War* 
fdjälle  eingelaben,  burd)  bie  «datiere  ber  93ürgergarbe  auf  ba* 
ftatf)l)au$,  au*  welkem  ©cbäube  ftd)  ber  3ug,  unter  Geläute 
aller  OHörfen,  fortritt  von  *D?nftfe»,  umgeben  von  einer  $af)h 
lofen  Wenge  Wcufd)cn,  nach  ber  ^etcröfirdje  erhob.  Der 
Dber-^raftbent,  geführt  von  bem  greifen  emeritirten  ^Bürger* 
meifter  6ol)r  unb  bem  neuen  ©ürgermeiftcr  Gemiaut,  eröffnete 
ben  jablreicf/en  3*tg>  biernädjft  folgte  ber  Regierung*  * Jtom* 
mijfar  Regier ungöratf)  ©ringmutb  au*  2tegni$,  bann  bie  alten 
unb  neuen  Wagifiratualen,  geführt  ^um  $l)eil  von  <5tabtver- 
orbneten,  $um  :Tr>ett  von  Saften.  3n  ber  ^cter«»fircr?c  nahm 
ber  Dber-^rafibent  mit  bem  WegicrungSrattyc  am  Altäre  ^la$; 
reeferd  fapcu  bie  Witgliebcr  bc$  alten  unb  neuen  Wagiftrat*, 
ber  €tabtverorbneten'33erfammluug  unb  ber  alten  iRepräfcu* 
tauten,  linfö  bie  jat)lreia)eu  (&äftc.  (5in  (%fang:  ,,s2Bünf<f>t 
@>lü(f  bcr  Statt,  barin  ihr  lebt!"  eröffnete  ben  ©otteöbienft,  , 


fcfgowune  anttlidjc  StaM*<5f»roiuf  $rtoäf?ren  ba*  Sliatmal  \u  fciffrm 
Mapittl 


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wehten  &a Itter  93(ür)er  mit  einer  von  ihm  telbit  fompouirten 
unb  gut  aufgefüllten  Kantate  gu  vci  luu  i  luhcn  bemüht  war. 
5)te  ?Kebe  beä  £>iafonud  M.  9)töpler  hau  reite  über  ba$  Ibenia ; 
•  „Ütott  um ll  bafj  alten  Wen  cn  geholfen  werbe."  9iad)  been* 
beter  gctteöbienftlid)er  geier  ging  ber  3ug  mit  flingenbem 
Spiele  unb  fliegenben  Jahnen  auf  baä  iKatt>l)auö  jurürf,  wo 
im  neu  Deformen,  mit  Sr.  9Raj.  Sriebrid)  Wilhelm 'o  III. 
(MfMffc  gegierten  <5effione$immer,  ber  Dber  ^rdfibettt ».  s3Äertfel 
in  einer  inl)alt$f(f)wereu  iKebe  bie  ßinfübrung  ber  Stäbteorb* 
nun 9  buro)  l*ntlajfuug  bee  bie  beugen  uitD  (Sinfefcung  bee  neu 
gewählten  Waajjtrate  vollenbete.  Diegierungöratr;  (Sriugmutf) 
vereibete  ben  neuen  Wagiflrar,  wela)er  nunmehr  aue :  bem 
93ürgermeiftet  £  enttarn,  6l?nbifud  gifd)er,  Naurath  2&eilll)olD, 
Kämmerer  3immermanu,  ^olijeiratl)  'äofyler,  ben  Watboherren : 
Stauer*  9$auernftein,  lemmler,  5>iejjler,  ^rüfer,  Änotfye, 
Saiifie,  $obel,  Sdmlje  bejhinb.  $aa)  biefem  (£infe$iing0  *9lfte 
begleitete  Der  3"9  ben  £)ber*  $räjibenteii  nari)  bem  ÖJaftfyofe 
unii  £trfd)  jurüit  ^aebnuttaeje  um  jwei  Uhr  trat  ^>err 
v.  Wentel,  i)efüf>rl  von  bem  neuen  IMs  ig  er  in  elfter  unb  neuen 
6tabtoerorbneten*5$orftel)er,  unter  Xrompetcn*  unb  $aufenfa)aU 
in  bie  Witte  ber  im  SReffourcenfaale  verfammelten  @äfie  unb 
beteiligte  fld>  an  bem  Dort  $ugerüfteten  praa)tv>ol(en  Wahle, 
brachte  auef)  in  entfpred)enber  9Öeife  bie  Xoafte  auf  <5e.  Waj. 
ben  vUonti]  unb  bie  Stabt  ©örlifc  aue.  (Sin  allgemeiner  93ür* 
gerball  im  ^einc'fcfyen  (je$t  ©ocietätö  -  ^aalc)  fdjlop  biefen 
benfwürbigen  Xag,  beffen  fünfjährige  9tad?feier  am  5.  Januar 
1838  begangen  würbe. 

3n  feiner  neuen  umfaffenben  Stellung  entwicfelte  nun 
Demiani  in  innigem  (fim>erftänbiüffe  mit  Den  Kollegen,  unter* 
ftufct  buid)  feinen  fajarfeu  juriftifdjen  »Jtarfltanb,  glänjenb  feine 
feltenen  Xalente  für  bie  Verwaltung.  ©djoii  als  junger  2lb* 
sofat  beim  <^er>.  (Soncil  in  Dreebeu  fyatte  er  an  ber  völligen 
Sefettigimg  beö  morgen  fäd)ftfd)eu  ©erid)tdwcfenö,  namentlid) 
jener  fäcQrrHctycu  ^iad^atjmuinj  beo  römifd>en  <Rea)t*,  ber  foge* 
nannten:  Responsa  prüden  t  u  m ,  ber  fubtilen,  oft  bijarren 
Diftinctionen  in  ben  »ielgelobten  juribifd)en  Sajriften  ber  $omr 
mel/  $erger,  tfetofer,  Strvrf  u.  a.,  mitgearbeitet.  Datier  fanb 
er  fta)  rafaj  unb  leidet  in  bao  weniger  verwicfelte  preujnföe 
SanbredM  unb  burajbrang  bie  gormen  beffelben  mit  um  fo  rei*  , 
ferem  Urteile,  ale  tyn  bie  (Srfafjruug  beö  täglichen  fceben*, 


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358 


ber  SBcrfffyr  in  bcn  büraerlid)en  SBerhältuiffen  fortwahrenb  m 
Änwenbuug,  oft  ju  felbftflattbigec  Äuölegung  ber  ©efefce  no- 
tl)igte.  Ueberbied  gab  e$  faft  feine  (Stelle  auf  rem  fo  mäa> 
tig  um  Pleuren  (Gebiete  ber  $üiflenfchaftcn ,  weldjen  S)emiam 
gang  fremb  gewefeu  »Are.  3Die  vcrwirfelte  Verwaltung  ber 
6tabtr  bie  vielen  gäcfyev,  beren  9Jeaufjid)tiguug  ihm  oblag, 
bereu  Ucberblitf  ihm  fa)led)terbingö  notbwenbig  war,  fpornten 
il>rt  ununterbrod)cn  jur  Selbft*  Belehrung  in  ben  verfdjiebenm 
3wctgen  ber  Defonomie,  bcö  gorftwefenä,  ber  3nbuftrie,  ber 
9(aturgefdn(hte,  bei  $hvftt  an.  (Sr  war  ein  Wann  für  baö 
tfeben  unb  gab  baljer  nid)t  viel  auf  alte  Pergamente  unb 
fumente,  wenn  bereu  augenblitfliajer  9(Hfcen  niajt  tu  bie  Äugen 
fiel.  Salb  uad>  bem  Antritte  fernem  neuen  Ämteö  orbnete  er 
beöbalb  eine  6id)tung  ber  tfanjlei  von  SRafulatur  an;  bie 
merfwürbigjten  alten  Äftenftürfe  fonnteu  bei  biefer  Gelegenheit 
bura)  einen  Jcenner  gerettet  werben,  bie  übrigen  würben  in  ber 
>Katf)ofanjlei  aufbewahrt,  wo  fie,  wie  oben*)  augegeben,  ver* 
zeichnet  fuib.  Sei  biefer  Arbeit  unb  limftelluug  bürfen  bie 
Öetbtenfte  bed  würoigen  Dtegiftrator*  Gkeulid)  nicht  vergeben 
werben.  @r  l)at  mit  f  grofjer  «Sorgfalt  in  ben  vertriebenen 
ftftenftäcfen  bie  betreffenben  Dofumcnte  unb  jwar  jiemlid;  rief)* 
fuj  verzeichnet.  3u  einer  genauen  9tegiftratur  vom  Anfange  be« 
16.  3a^h"»bertd  hinauf  in  frühere  3ett  gehört  freilich  genaue 
vtienntnijj  ber  2)iplomatif  unb  mehr  &\t  jut  Prüfung  unb 
Aorfajung,  al*  biefem  vielbefchäftigten  Beamten  vergönnt  ift. 
Sticht  weniger  wie  ba$  Äan^eiwefeu  rcgultrte  £>emiani  baö 
Je  äffen wefen. 

5)ie  fa)on  feit  beut  MW  1820  eingetretene  einfachere 
ttajfcnvcrwaltung  würbe  von  ihm  nod)  mel)r  Concentrin  unb 
überfid)tlid)er  eingerichtet.  $a*  Äriuenwefeu  war  bie  jum  3. 
1835  in  befonberer  äaffen^erwaltung  geführt  worbeu.  2>a< 
mal*  vereinigte  er  fa>on  biefc  &afjc  mit  ber  allgemeinen  Jtaffe, 
weldje  1836  in  eine  6tabt^auvt>  Jlaffe  umgewanbelt  wiivbe. 
Sßic  bie  Äird)euFa(fc  im  Dftobcr  1835  ju  elfterer  gcfdjlagcn 
worbeu  war,  -gefdjah  biefl  aud)  1836  mit  ber  bis  bai)in  befon* 
oertf  geführten  6tabt*6teuer',ftaffe.  Die  SKcguliruug  betf  (De* 
fdjoffed  unb  »Servifcö  gefajal)  auf  feine  Anregung,  unb  bei 


•)  @.  29.  tfmndj  finbet  ftd>  mc^t  barin,  al*  bie  9c<a,tfrarur  i  «n 
ijabm  tf>eil»«tfe  entwarfen  loffen. 


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559 


oben*)  mitgeteilte  Sfafyug  au*  bem  ^romemoria  über  bie 
(Sutfitefyung  biefer  (Steuern  ift  n>efentitd>  burd)  feine  Bemerfun* 
gen  unb  &anogloffen  fo  überftd)tlid)  uiib  flar  geworben ,  wie 
eine  $$ergletd)uug  beö  cinrten  £lftenftürfe$  beweift. 

Der  von  bem  ^olijeiratl)  Stbtyn  vcianftalteten  neuen 
fltegulirung  bed  ^olijetwefenä  gab  er  )mKt\  Beifall  unb  unter* 
ftüfcte  bejfen  Slnorbnungcn  burd)  perfdnlidje  plö$lid)e  9tevifionen, 
in  9e£tig  auf  wela>e  wäljrenb  feiner  s3]erwaltungfyeit  über* 
fyaupt  fem  Beamter  ßdtjtx  war.  Die  Wacfytbewadntng  in  ben 
s^orftdDten  beftanb  biä  jum  3a()ie  1836  auf  bew  alten  gufje, 
wonad)  jeber  öürger  unb  <5d)itfcverwanbter  ben  Söadjbienft 
perfonlid)  nad)  ber  Äeit>e  ableisten,  ober  einen  Stellvertreter 
bellen  mußte.  9fair  bie  innere  <Stabt  würbe  burd)  befolbete 
9taa)twätt)ter  bewacht.  3enc  alte,  unvoUfommeite  ISinridjtung 
würbe  vom  s)ftär$  1836  ab  abgestellt,  fo  bafi  bic  $a\)i  fämmt« 
[id)a  9fadjrwäa)ter  von  ba  an  23  betrug.  Dagegen  fyorte  ber 
Soften  reo  muftfalifdjen  Xl)ürmer$  auf  bein  ?)iatlKMbmme, 
weiter  bie  Stunben  mit  einem  Xrompetenjignale  abrief,  auf. 
Die  3Bajf^rpHmpe  auf  bem  gifdjmarfte,  unweit  ber  Sdjemfyof* 
Brauerei,  würbe  mit  einer  geuerfpri&e  verfefyeu,  um  im  gaiie 
ber  (Defafyr  fofort  beuufrt  werben  $u  tonnen.  3»*  &d)ufUU 
lung  ber  (£iäbafyn  würben  im  hinter  1836  utm  erftenmale 
brei  Sifa^er  befolbet,  weldje  bie  (Stöbatyu  $u  begrenzen,  im 
ftcfyern  Staube  \u  halten,  unb  ju  beaufjtcfytigen  haben,  3u 
gleidj  würbe  verboten,  anberwäitö  alö  auf  ber  von  Denfclben 
abgefterfterf  93af)n  ba$  (£iä  jn  betreten.  Stuf  ben  öffentlidjen 
Strafen  unb  fEfdfreu  ber  Stabt  würben  mehrere  Serbeifeiun' 
aen  eingeführt,  iblit  bem  1.  Stpril  1834  burfte  ber  Bürger- 
peig  Seitens  ber  ^anbeltreibenbeu-  nidjt  mef)r  burd)  Vorbaue, 
um  ffiaaren  aHftutyängen,  beengt  unb  verfperrt  werben.  3tt 
bemfelben  3af)re  würben  in  bei  innern  Stabt  fchnmtlidje  von 
ben  Dädjern  auf  bie  Straße  Innauöragenbe  iJlinufdjnäbel  ($u$* 
guprinnen),  beren  nodj  eine  große  vorfyaubcn  war,  abge- 
fd?afft.  (Sine  Umpflafteruug  warb  vorgenommen  unb  ftatt  red 
Ijügelartigeu  ^flafterö  bei  ber  alten  Warfüdje  (je&igcm  ^olijei- 
bureau)  eine  ft eineine  treppe  ju  tiefem  ^aufe  gebaut,  baä 
^flafter  bagegen  geebnet.  Die  bi$.  baljin  beftanbenen  fyöljcr* 
nen  93erfaHföbuben  an  jtäbtifdjeu  ©ebäuoeu,  bem  Sanbgeridjte, 


•)     43  ff. 


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560 


ber  $Baage,  rem  fXatbhaufe,  rer  luiTalrigfritSnnfce,  bem  Bai: 
Ijaufe  würben  fett  1834  nad?  nnr  nad?  befeitigt.  Die  ctrapenbe- 
Icudmmg  warb  gevettert;  eine  vrojefmtc  ($aebeleu$tung  Kn  bie 
I  -p.i  nodj  indn  in'$  ¥eben  treten  fönnen.  Die  hölzernen  ob- 
ren, wela)e  reit  ©ajferbeoarf  ber  «ctabt  iiifuhnii ,  würben 
allmälig  bureb  gupeiferue  erfror;  Xrrftotr'*  von  @ranitplattra 
angelegt  unb  eine  $8afferiettung  im  3-  1B45  neben  ber  $rücfe 
naa>  ver  Steipvorftabt  geführt. 

SflRil  Verlegung  bed  £auvtjteueramte*  *>vö  sJteidjenbadj 
nadj  ©örlüj  in  golge  bee  im  3.  1835  in'e  Seben  getretenen 
3oÜvereind,  wud}6  ber  Serfe^r  bejtänbig,  inflbefonbere  wurbc 
allmälig  (Portio  einer  ber  bebeutenbfiten  <9etreibemärfte  ber 
•^ionariiie.  Die  fidj  ftetö  mefyrenbe  ai  concm  ber  Satyr*  nnb 
$Bod?enmdrfte  bura)  Käufer  nnb  SBerfäufer  bewirfte  bie  forg- 
faltige  Äegulirung  ber  auf  bae  SÄarftwefen  beuigiuK:i  $e- 
ftimmunaen.  93en  großer  2Bi<btigfeit  für  bie  Stabt  war  bei 
ben  vielfachen  Umgeftaltungen  ber  Verwaltung  folgenbee  &t- 
fdjenf  £r.  -äXaj.  reo  »Könige.  8eil  1821  waren  bie  Eaube 
mien,  weldjc  vor  Uebergabe  ber  (£ivi(gerid?tdbarfeit  an  ben 
Staat,  bei  SÖeftbveranbeningen  in  ber  <Stabt  unb  ben  trat hfdjen 
Dörfern  erhoben  waren,  vom  gtäfud  in  ^nfprad?  genommen. 
I  urd)  einen  (furfa^eib  ber  ^tntfterten  wnrbe  gwar  verflattet, 
bie  ?aubemien  feit  bem  1.  Januar  1834  wieber  für  bie  ua rm\Ku 
.Haffen  ui  ergeben,  allein  l)inftd)tlidj  ber  rütfjtänbigen  ber 
£tabt  ein  (gtnfprud}  ntdjt  jugeftanoen.  6dwn  unterm  24.  &u- 
guft  1833  war  bceljalb  bem  Könige  griebrid)  2ßill>elm  III. 
eine  SntmebiatvorfteUuna,  überreizt  worben.  3n  beren  golge 
befahl  ber  Äönig  bie  4>erau$$al)lung  ber  rürfftänbigen  Sau- 
btfmien,  wela)e  1835  erfolgte.  Die  ganje  £umme  betruq 
17,443  Iblr.  10  8gr.,  wovon  1435  Ztyx.  16  8gr.  1  $f 
ber  Jtämmereifaffe,  772  £f)lr.  28  6gr.  6  $f.  ber  förajenfatTe 
unb  2318  Ztyt.  25  8gr.  5  «Pf.  ber  £oepit«lfaffe  infamen. 
9Kan  wenbete  obige«  ©elb  in  ben  <£d}ulverbefterungcu  an. 

Da*  6djulwcfen  lag  Demiani  vorjugeweife  am  bergen. 
Daher  würbe  für  bie  Verbejferung ,  inöbefonbere  ber  5$olf$* 
fa>ulen  tmabläfjtg  gearbeitet.  €cfwn  im  3.  1833  würbe  ein 
vom  sJ3ürgcrmeifter  aufgearbeiteter  ^lan  iur  llmgcfialtung  beä 
SJoltefdjulwefens  ben  €tabtvcrorbneten  vorgelegt,  $ie  1833 
erteilte  man  ben  Elementar  ^Interridn  in  ben  fogenannten 
^iertelfa)ulen  unb  einer  flrmenfdjulc.   Der  neue  ^lan  richtete 

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561 


ftd)  auf  eine  sBermefyruug  Der  3fo(föfd}u(eii,  bie  Xreununa  beä 

UiUerrtdjtä  für  bie«  Xötytcx  auö  bem  gebilbcteii  $3ürger|tanbe 
von  Dem  ber  Äuabcn  unb  bie  C^nid>tuttg  einer  l)öl)eren  ^ür- 
gcrfdjule.  Bei  fcer  93ercitwfÜfgfeit  ber  3tabrverorbneteu  in 
^Bewilligung  ber  nötigen  Littel  fam  fd)on  im  3al>rc  1833 
ein  K)eil  t>e$  s|Uane^  *ur  Sbidfüfyrung,  nämlidj  bie  (*rrid)tung 
einer  befonbern  sD(abd)enfdnile  für  bie  gebildeten  Stäube,  wclcfye 
einftweilen  unb  bi$  $ur  9uefüt}rung  ehted  neuen  6djulgcbäu* 
bed,  in  bem  Jjpaufe  9te.  255.  eingerid)tet  Hiib  unter  einen  £aupt* 
letyrer,  ^u>et  %JRebenlef)rcr  nebft  einer  Severin  gebellt  würbe. 

£a$  Programm  über  triefe  üttftoft  würbe  am  4.  gep* 
tember  1833  ausgegeben  unb  fd)on  am  21.  Dftober  ej.  gefdjal) 
bie  Eröffnung*)  berfelben,  im  Seifein  fämmtüdjer  fceljrer  unb 
in  Gegenwart  ber  bürgcrfcbafrti^eu  s3tfitglicber  Inefiger  Sduil* 
beputation,  burd)  ben  ©c^ukänfpeftor  M.  (Sinteniä.  9rad)bem 
ftd>  bie  brei  Älaffcn  ber  Sdjülcrinnen  (bamale  circa  80)  mit 
ben  i^ebrern  in  bem  größeren  Jtl  äffen  jimmer  «erfammeit  tyat* 
ten,  begaben  ftd)  ber  <5d)u(*3ufpeftor  unb  bie  Deputirren  eben 
bafjin  unb  würben  mit  einem  unter  Begleitung  einefl  gorte* 
piano'3  gefungcueu  Viebc  empfangen.  $)ie  barauf  folgenbc 
Nebe  beä  Sdjul'Snfpeftorö  enrwicfelte  befonberä  ben  GJebanfen : 
„Sßelcbed  ift  ba$  I>dcf>fte  3iel  mcnfctyiidjer  $Büufd)e,  unb  wie 
fann  man  foldjeä  einzig  unb  allein  erretten?"  unb  fcrjlot*  mit 
ben  SÖoretu:  „Unb  fo  fei  benn  biefe  8(^ulanftalt  geweitet  ^nr 
Efyre  ©otte$,  be0  Sktere,  unb  beä  Sobnc$,  unb  beä  heiligen 
©eiftedr  jum  «£>eil  ber  3ugcnb,  *ur  greube  ber  (Aitern  unb  *um 
biet  ben  ten  £egen  für  und  unb  unfere  Stabt.  3a,  ber  ©egen 
GJotteä  begleite  fte ;  er  begleite  und  Wie  jefct  unb  immerbar. 
Minen!"  Ein  (Ecfylufjgci'ang  beenbete  bie  fyerjlidje  geier. 
Xiefe  Mnitalt  nahm,  feit  rein  baö  gorlißer  Scfyulwefen  mit  Ein- 
tritt be$  X  tief  toi  vU  au  manu  im  3.  1836  regulirt  warben  war, 
einen  immer  fteigeuben  Muffd)wung.  Eö  würbe  für  fte  ein  bc- 
fonbered  (Uebäube,  unb  jwar  auf  bem  gifd>marfte  erridttet. 
Um  einen  gehörigen  N)iaum  ui  haben,  ohne  ben  tyia%  felbft  ju 
febr  ju  verengen,  brad)  man  im  NAHan  1836  bad  bort  befint  -■ 
licfye  alte  fyöljerne  6d)ufyf)au$  ab.    2Öegcn  Einfprud)*  t>on 


•)  ©örUjwr  aöegweifer  1833.  9lo.  -85.  <S.  673  ff.    Dort  iji  bie 
tfitU  U*  M.  ©inteni«  solljtänrifl  abgebrueft. 

Offerte  ton  «ßrli*.  3(J 

* 

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562 


anwolmenben  *prit>atperfonen  fonnte  bie  ©runbjteinfegung  erjt 
am  19.  September  1836  vor  flcf>  gehen. 

9iad)  SMenbung  biefeä  geräumigen,  fd)önen  ©ebäHDcd 
fanb  bie  (Einweihung  beffelben  «Mittwoche,  ben  26 .  September 
1838*)  jktt. 

$)a$  neben  bem  Naturalien  -  (Eabinet  befinblichc  größte 
3immer  war  feftlich  gefchmücft  werben  uub  nahm  bie  ftdbtiftcn 
93ehörben,  bie  Lehrer  unb  Schülerinnen,  viele  Altern  ber  tty 
teren  unb  anbere  Sdjulfreunbe  aHf.  (Sine  große  Änjahl  fn*? 
figer  (Einwohner  bagegen,  welche  bem  gefk  ihre  Sheilnabme 
wibmen  wollten,  fanben  in  bem  3tmmer  nicht  Sßlafc.  (Ein 
©efang  ber  Üttäbchen  eröffnete  ben  HU,  worauf  ber  Bürger- 
meiner  Demiant  ba$  tfatheber  befheg,  in  einer  gebanfenrei- 
djen  unb  gemütvollen  Siebe  bie  verbefferten  SSilbungdanftoltcn 
für  ba$  weibliche  ©efcblecht  alt*  eine  bringenbe  gorberung  ber 
3eit  Wlberte  unb  bad  ju  Sefriebfgung  biefer  gorberung  von 
ber  Srabt  erbaute  4>auö  an  bie  Schule  überwies,  Die  bar- 
auf  etntretenbe  *ßaufe  füllte  abermaliger  ©efang,  an  befjen 
Schluß  ber  Superintenbent  nunmehr  Dr.  th.  SWößler,  ben 
ftcbncrftuhl  einnahm,  ftd)  über  ben  Safr,  baß  auch  bem  wetb* 
liefen  ©efdjledjte  9Biffenfchaft  unb  Äenntniß  nöt^tg  fei,  ver- 
breitete unb  bann  bie  religiöfe  SBeife  beä  neuen  ©ebäubeä 
votljog.  SXit  auflgefprochenem  Danf  gegen  ©egrimber,  93eför* 
berer  unb  Erbauer  be*  neuen,  ©ebäube*  fdjloß  Stbuloircftor 
*ßrofeffor  Naumann  biefen  Äft,  tubem  er  ungleich  in  furzet 
ftnbeutung  eine  ©efchichte  bed  ©ilbungägangeS  beö  weiblichen 
©efchlcchtd  unb  feiner  $3eförberungdmitte(  entwirfelte.  Nach* 
mittag*  verfammelten  ftd)  bie  Mütter  mit  ben  Schülerinnen, 
Lef;rer  unb  Lehrerinnen  im  ©arten  ber  Societät,  wo  heitert 
Spiele  ben  Ätnbern  eine  gemetnfame  (Srfjö&lichfeit  gewährten. 
Seit  bem  (Eingänge  be$  ».  ©erdborffchen  SXäbcheniufititured**) 
r)at  bie  Schule  beftänbig  an  3ög(ingen  angenommen  unb  ftno 
ba^er  auch  mehr  Lehrer  unb  Lehrerinnen  angejreöt  worben. 
Die  (Errichtung  einer  befonbern  Selefta  für  SHäbchen,  welche 
ber  erfien  Jtlaffe  entwarfen  jtnb,  benen  jeboch  bie  (Eltern  wei* 
tere  ©ilbung,  tndbefonbere  im  (Snglifchen  unb  granjöftfchen  au 


*)  CD&rl.  »f^te.  1838.  ©.  635  ff. 

•)  @.  <5<it<  506.  *Rc.  47.  im  3a^f4  1846  euigeflenr. 


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563 


vjebcn  wünfdjen,  ift  angeregt,  aber  r  von  Den  3tabtt>erovbneteti 

nod)  nicht  befcblojfen. 

Kn  fcen  ©olf$fd)ulen  würben  im  3.  1835  alle  6t$< 
ter  firirt,  eine  befpnberc  Sdjnlfajfe  erriefttet  unb  Sd}ul*£on< 
troll  *^üd)er  eingeführt,  wefa)e  Jebem  (schulfiube  beim  Eintritt 
in  bie  €c^ule  gegeben  werben,  um  barin  bie  Slufnahme,  bie 
(Entrichtung  beä  Sdjulgelbeä,  bie  Senfuren  u.  }u  vermerfen. 
3n  neuefter  3<tit  finb  and)  bie  (behalte  ber  2$olf$fd>u  Hehrer 
etwae  erhöht  werben. 

VSit  fifcon  angegeben*)  erfuhr  baä  ©vmnaftum  im  3- 
1837  mit  (£inrid)tuug  bei  höheren  33nraerfd)ule  eine  wefent* 
lic^e  SBeränberung.  9)?it  biefer  Umgestaltung,  welche  am 
4.  JDftober  1837  in  Jtraft  trat,  würben  aud)  neue  unterm 
23.  S>ejember  1836  vom  ^roviitiial^djul^ollegium  beftötiate 
6d)ulgefefce  eingeführt.  Xie  bort  aufgeftellteu  Gebühren  für 
baö  ©vmnafium  fmb:  1)  bei  ber  Aufnahme:  2  üfylr.  5  ©gr. 
2)  Sd/ulgelb:  in  ber  IV.  Alane  jährlid)  8  Xtyv.;  in  ber  II!.: 
12  Xtyr.f  in 'ber  II.  unb  I.  Jflaffe:  16  S$lr.  3)  «Beim  Hb* 
gange  für  ein  £d)ulieugnijj:  20  Sgr.,  ein  ^biturienten^eugnif 
1  Sljlr.,  jur  53ibliotl)ef  20  Sgr. 

^roaramme  werben  jährlid)  vier  ausgegeben :  $um  ®re* 
goriu^Mrtuä  Anfang  3tf"nar;  *um  Dfter-tfraineu,  bie  So)hI* 
nachritten  enthaltenb;  jum  (StylverfTein'fcheu  flftufl  (nach 
^ftngften);  *um  vereinigten  v.  Ger$borf'fd>en  unb  ®ehler'fd)en 
Hftuö  ((Sube  November  ober  Anfang  £>e$ember).  $er  £iuYfd)e 
®ebdd?tniötag  wirb  3)?id)aelitf  bei  Gelegenheit  ber  (Senfurauö* 
theilung  für  ba$  erfte  ©chulhalbjahr,  refp.  Vierteljahr  (bie 
unteren  jtlaffen  erhalten  viertel jährl.  Ceitfirccn)  nur  vor  bem 
Coetus  seholasticus  unb  Curator  scholac  begangen. 

$)er  6chul  =  S)ireftor  ber  neuen  93ürgerfdnile,  griebrid) 
SBU^rlm  Naumann,  gebürtig  aud  ©orau,  vorher  ^rofeffov  an 
ber  fönigl.  Dfttterafabemie  pt  l'iegnifc,  würbe  am  15.  $pril 
1837  voi  verfammeltem  3Ragtftrate  unb  ©tabtverorbneten  im 
magiftratualifchen  (Sefftonöjimmer  feieilid)  bHrd)  ben  ^Bürger- 
metfter  Ü)emiani  eingefe$t.  $a$  neue  3nftüut  würbe  burch 
eine  ©efanntmadjung,  vom  1.  3nli  1837  batirt,  ber  Ztytii* 


•)  <©.  466  ff. 


36* 


564 

nähme  be$  $uMifum6  empfohlen*).  3m  Anhange  ift  ber 
(£a)ulplan  gegeben. 

S)er  ^lan  fclbft  fprid>t  fid)  uad)  bei  ffltiniftcrial  ^erorb* 
«trog  vom  8.  ÜRärj  1832  arid,  über : 

A.  ©iffenfehaften.  , 

1)  iHeligtonSlehre,  von  VII.  bid  L  SBecfung  be*  religiös 
fen  unb  ftttlichen  (Befühl*,  Jtenntnij;  ber  l)ei(.  Schrift,  d>riftli- 
cheu  (Stauben**  unb  Sittenlehre  uut>  £auptmomeiite  ber  fMe^ 
ligion$gefd)id)te. 

2)  SRatfcematif.  a.  ©eometrie,  von  V— I.  (Elemente  biö 
*u  ben  Aegetftynitten.  b.  $raftif$e0  Steinen  von  VII— III.: 
Hebung  in  allen  9ied)uungdarten  be$  bürgerlichen  Sebent;  in 
11.  unb  L  faufmäunifcheä  Keinen,  c.  Mnthmetif,  von  VI— I. 
sJ3on  ben  (Elementen  bid  ju  ben  fubifchen  (Gleichungen. 

3)  Raturrciffenfdjaften.  a.  s)caturbefd)reibüng  von  IV—!.: 
bnrd)  Hnfd^auting  erworbene  ftemttniß  ber  älaffiftfation  ber 
SfaturprobHfte,  genauere  9efanntf$afl  mit  ben  biet  9(aturrei' 
djen  unb  il)rer  9enu(ung  für  bie  öebürfnijfe  beä  bürgerlichen 
£ebentf.  b.  (Fl)emie,  in  II.  unb  I.:  Ü)ie  allgemeinen  Vetren 
ber  anorganifaVu  unb  organifd)en  Hernie,  burd)  Grperimente 
erläutert,  mit  fteten  ^inbeutungeti  auf  £anbel  unb  (bewerbe, 
c.  *ßhi>ftf,  von  III— -I. 

4)  (Hefdjtchte,  von  V — I.i  eine  fiebere  cfyronoloaifd)  <  ge* 
naue  UeberfidH  be$  ganjen  hiftorifdjen  (Hebtet*  unb  (Siitfccftt  in 
ben  n>eltbiftorifd)en  3ufammenhang  ber  Gegebenheiten,  kennt- 
niß  ber  ©ruubentroidelungeu  beä  polirifchen,  Hrd)lid)eu,  aefel- 
ligeu,  roiffenfdjaftlichen  unb  fünjtlerifchen  tfebenä  ber  weltnifio* 
rifdjen  Golfer,  befonber*  ber  neuereu  $c\t. 

5)  ©eographie,  VI — I.  Genaue  Jtenntnip  ber  (5le- 
ntente  ber  matheniattfehen,  pl)\rfiföm  unb  politifdjen  ©cogra- 
phie,  foivie  Statiftif  ber  europäifa>n  Sauber. 

t      B.  Sprachen. 

1)  $eutfch,  von  VII — L:  ©rammarifd)e  Sicherheit,  flarer 
rool)lgeorbncter  ©ebanfenvortrag,  foivol)l  in  fd>rift(td>er  wie 
münblidjer  ^arftellung,  alö  aud)  Jtenntnijj  ber  hiftorifdjen 


•)  ©efanntmacfyung,  He  (Fröjfiwitfl  einer  }tytni  SBitraerfdjule  $u 
©örlifc  betreffen*. 

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bbb 


Gntwicfelung  unb  ©efd)idtte  ber  neuern  beiitfd^ett  Literatur, 
Bilbung  l>e^  ©ef(*>macfd  uno  Urtf>cüd  an  ben  beften  Puffern. 

2)  granaöftfd},  von  V— I. :  ßenutiiiti  Der  ©rammatif,  (9e- 
wanbbeit  im  Ucberfefteit,  ftefrigfeit  im  Schreiben  unb  (Spredjett, 
unb  ^efannrfdjaft  mit  Den  wia>ttgfiteii  (Srfdjeinungen  ber  Literatur. 

3)  ?atctm'fc^r  twn  IV— I.:  Äenntnifj  ber  (y(ementaN©ram' 
matif,  fowotyl  bei  gormenlefyre,  altf  ber  Styntar  unb  Sidjer* 
beit  in  ber  flnwenbung  berfelben,  "ferner  gertigfeit  im  lieber-  , 
fefcen  be$  (£äfar  ober  (Surliuä  unb  leicbtei  Stellen  bed  Dt>ib. 

4)  Gnglifd),  in  II.  unb  I.:  &funtuiß  ber  (ftrammattf, 
Qkrjtanbuijj  ber  letzteren  €d)riftfteller  unb  einige  ©ewanbfyeit 
im  (Betreiben. 

C.  itunftfertigfeiten. 
t)  3^^"e»;  wn  VI — I.    a.  allgemeine**  $€\d)t\en.  b.Wv 
a>iteftomfa)e$  unb  c.  6itHation$*  unb  *pian^3c^nen  Öftere 
beibe  ^öerufd^eftion); 

2)  tfalligrapfnc  i?on  VII  —UI. 

3)  ©efang  t>on  VII— I. 

Daö  6d)ulgelb  betragt  wertel)äfyr(td)  in  I.  unb  II.  4  £f)Ir., 
in  Hl.  unb  IV.  3  ZtyU. ,  in  beu  untem  Staffen  2  $fylr. ;  an 
(£infd)reibe*©ebüt)rcn  wirb  1  Xf)lr.  $ur  3krmef)ruiig  beö  Set/r- 
apparaid,  unb  al$  Beitrag  jur  99ib(iotf)ef  1  l^Ir.  bejaht. 

©leid)  bei  9$egriinbung  ber  Änftalt  erljielt  biefelbe  eine 
wertvolle  s)?atnralienfammlung,  weldje  -bie  <Etabt  aud  bem 
vJtad)lap  bc£  JHegierungSratfyO  9tolbed)en  jh  l'iegnifc  im  3. 
1837  gefauft  fyatte,  ju  tl>rer  S^enufcHng.  $)iefe$  Naturalien* 
tfabiuet,  weld)e$  im  refften  Slügel  bed  4.  «Stotfed  bed  5Räb* 
d)enfd>ulgeba"ubed  gegenwärtig  aufgeteilt  ift,  enthielt  beim 
Äaufe  im  3.  1837:  80  6äuget()iere,  1186  $$ögcl  unb  jwar 
404  SluMänber,  250  (Sier,  70  Mmpl)ibien,  30  gifte,  4163 
3nfeften,  barunter  516  fcltene  audlanbifd^c  Sdjmetterlinge,  1200 
@ona)Vlien,  4(KK)  ^flanjen,  eine  Jp^ljerfammlung  unb  1700 
Sümmern  Mineralien,  unb  ift  feit  biefer  3eit  ourd)  @efa>enf 
unb  Stauf  beftänbig  vermehrt,  beägleidjen  eine  SÖibliotrjef,  ein 
pr)9fifälifa)e$  Jtabinet  unb  siWobeU'Jiammer  angelegt  worben. 

9Iu  biefer  2(nftalt  würben  juerft,  aufier  bem  l)ireftor,  7 
Vertier  anjejteUtj  mit  ber  wactyfenben  3»n«f)mc  *>er  &$viltt 
aber  unb  &itoung  ber  6efunba  unb  tyrtma  mufjte  bie  $a\)i 
ber  orbentlidjen  |owol)l  alä  ber  £ilfdlcf)rer  vermehrt  werben. 
Die  gegenwärtigen  bringt  ber  2lnr)ang. 


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im 


$)er  vierte  Of  tober  1837  war  jur  Eröffnung  ber  neuen 
©d)ule  beftimmi.  fltemerungä*  Gommiffar  erfcf)ien  am 

3.  Öftober  Der  6dnil*  unb  Jtonft|torialratb  bitter  k.  Ratten- 
ficht.  Slm  gefttage*)  felbft  verfallt  meltcn  fiel)  bie  SWitg lieber 
l>ed  ^HagMtratä,  ber  £d)ulbeputatioit,  Die  £tabtt^rorbneten, 
bie  @tymnajtal*  unb  $ürgerfct)ul4*efyrcr  nebfi  ben  eingelabeitcn 
©äften,  ben  NJ3orfter>crn  ber  söcl)örben  u.  f.  n>.  in  bem  ßloftcrgc* 
bäube,  unb  nacf)bem  ber  ?Kegicruugö'(£ommiffariu$,  geführt  burd) 
ben  Bürger  meifter  Demianl  unb  ben  Direftor  ber  neuen  ftuftalt, 
^rofeffrr  Jtaumann,  erfdjienen  war,  begab  fid)  ber  3ug  ber  &u 
wefenben  in  ben  ^ur  geierlicfrfeit  gefdjmütften  <£>örfaal  ber  1. 
klaffe  be$  tfhniwajiumd.  £ier  waren  bie  £d)üler  ber  neuen 
Bürger fcfjule  (circa  150)  unb  eine  beträd)tlid)e  Änjabl  ftreunbe 
beä  s£d)ulwefenö,  (Altern  ic.  jablreid)  wrfammelt,  (Sin  Ökfaug, 
auägefüfyrtburd)  baö  (^>muafial'OängerdH>r,  leitete  ben  feierlichen 
SRebeaft  ^wertmäßig  ein.  3unärt)ft  beftieg  ber  33ürgermetftcr 
Xemiant  ben  9tebnerfhtl)l,  begrüßte  bie  $krfammelten  unb  ent= 
wicfelte  in  einer  tiefgefühlten  ?Rcbe  ben  (Stanbpunft,  welchen 
bie  neue  ftnjtalt  einnehmen  follc  «nb  mit  ($ottetf  ^ülfe  aud) 
werbe,  wobei  ber  beftefycnben  alteren  3ct)wefter,  be$  Oh?mna^ 
ftumfl,  unb  ir)re$  fegenflreidjeu  StSirfcnä  banfbar  unb  aufmim- 
ternb  gebadjt  unb  bie  9cotl)roeubigfeit  neben  ber  eigentlichen 
gelehrten  6d)ule  eine  Ivette  allgemeine  Sübungö^itftalt  &u 
beftfren,  auf  ba*  llebcrjeugeubfte  bargefkllt  würbe.  Den  Ha* 
ren  unb  tiefen  Korten  über  ©runb  unb  3iel  ber  neuen 
Schöpfung,  Seitens  be*  Cannes,  bem  biefe  Mnftalt  t(>rc  l^nt- 
ftefyung  $umeift  »erbauf!,  folgte  bie  gemütvolle  unb  erljebenbe 
*Rebe  be*  ^egierungd^ommiffariuö,  welker  bie  (Srörfnung  ber 
r)dl)erett  SBürgcrfdnile  feierlid)  auefprad)  unb'  foldje  bem  3>i- 
reftor  traft  fjotycn  Auftrags  $ur  Leitung  übergab.  §116  brittcr 
Jeftrebner  trat  nun  ber  Direftcr  auf,  unb  fpradj  feinen  iniri 
gen  Danf  ben  SBegritnbern  unb  s£efd)üfrcrn  ber  feiner  Keitum} 
übergebenen  6d)ule  auä,  mit  einer  frcunblidjen  3ufpracftc  unb 
Aufmunterung  au  bie  mitarbeiteubeu  Sefjrer  bei  biefem  ikhcii 
SÖerfc,  Sorte  väterlicher  l'iebc  unb  ernfter  (*rmar;mmg  au  bie 
*erfammclten  6dnilcr  bamit  verfnüpfenb.  Sin  ©ebet  fctjlofi 
biefe  weir)enbe  geier  unb  übergab  ba*  ilebrigc~®ott,  ald  bem 


•)  ®bxl  mt^tiftx  1837  Ole.  41,  p.  641.    et  3a^ij.  brff.  581. 
1838.    Ho.  39,  p.  609.    S^ronif  ber  leeren  *Bür9crf^ule  gu  ©6rli$. 

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56? 


treuen  Aert  jebeö  guten  menfcr/licf)en  Xl)un*.    ©efang  fcf/lo£ 

jDie  grjfjnwig, 

Wittag«  bewirtete  ber  Sttagifrrat  ben  föeaterung«*6om* 
mtffartu«,  Die  übrigen  eingeladenen  ©Äffe  unb  fämmtlicfje  tferj- 
rer  beiber  Sdjulanftalten,  fowie  bie  ^auptlel)rer  bcr  Stritt* 
faulen  mit  einem  einfachen  sDlafjle. 

Tie  Hitfiall  felbft  würbe  guerft  in  ben  Baumen,  welche 
auf  baö  ehemalige  labulat  im  itlofiergebäubc  auömünben, 
eingerüstet,  ift  aber  feit  bem  3abre  1847,  bifl  $ur  Vollenbung 
beö  für  fte  prejeftirteu  €d)ulgebäube$  in  ein  für  bie  SRtttel* 
ftufe  bejiimmted  neue«  im  3.  1846  in  ber  bberlangengaffe 
erbaute«  QJebäubc  verlegt  werben. 

SDtcfe  QÄittelftufe  befielt  au6  ben  beffern  €d)ülern  ber 
93olf$fa)ulcn,  unb  wirb  fpätcr  unter  bem  Tanten:  53ürgerfct)ule 
in  baö  ©ebäube  verlegt  werben,  in  welchem  jefct  bie  fyerjerc 
33ürgerfd)ule  promfprifer)  untergebracht  ift. 

gür  bie  ©efuubbeit  ber  Sdjüler  färnrntlidjer  ©dmlcn, 
fergte  bie  (Srridjtuug  einer  ftäbtifdjen  (Schwimm  -  unb  $abc* 
aitjtalt  in  ber  9läl)e  ber  Dbermüfylc,  weld)e  einige  %atyxt  buret) 
einen  Ratteren,  fpäter  burd)  Dberjägcr  bcö  5.  3ägerbataiÜond 
geleitet  würbe. 

Ter  sJWinifter  ber  geifHidjcn  Angelegenheiten  legte  am  9. 
(September  1842  ber  93ürgcrfd)utc  ba$  ^räbifat  „f)ör)ere"  ju 
unb  ermäßigte  felbigc  jur  Abhaltung  von  Abiturienten  ^rü- 
fungen. 

3nbem  wir  nun  ba$  (sdjulwefcn  eerlaffeu,  gcfyen  wir  gn 
einer  auberen  Üfyätigfeit  Temianrö  über.  (5d  ift  bie«  feine 
33emürmug,  ber  <Stabt  Qlörlty  einen  guten  Jplafc  im  norbbeut- 
fd)en  (5ifciibal)nne$  311  fiebern.  Tiefe  Verbanbluugen  erftreeften 
ftd)  nid)t  allein  auf  bie  niebcrfdjlef.-märfifdje  unb  fädjf.-fdjlef. 
(Sifenbaljn,  bereu  $>ollcnbuug  bie*  ©örlifc  il)in,  bem  tfyätigften 
Seförberer  biefer  kleine,  leiber  nidtjt  ju  erleben  vergönnt  war, 
fenbern  aud)  ber  93al)u  nad)  töeicr/enbcrg.  Aua)  fyier  gilt  ba$ 
.bei  Gelegenheit  ber  Abtöfung$fad)e  (*rwär)nte. 

Ta$  ftäbtifebe  Jtranfenfyaitf  i^crbanft  feinen  Semüljungcn 
nid)t  miuber  bie  (Sntftefyung,  wie  ber  neue  Jtirdjfjof,  bie  (*r* 
riebtung  einer  öanbwerferfdjule  unb  Jtleiiifinber*99ewal)ran* 
ftalt  (f.  ben  Anfang).  Tie  ^aiilidjfeiten  ber  (Btabt  fjaben 
ftcf)  unter  feiner  Verwaltung  wefentlict)  verbeffert  unb  t)erfcr)ö- 
nert.    Tie  Erweiterung  be$  graueutfyortf,  bie  Anlage  beö 


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568 


neuen  3Bebertl)ore$,  bie  XrottotrS,  bie  föenovtrung  ber  Srauen> 
firetye  mit)  bed  &ird)fyof$  im  1838,  t>orjügIid>  aber  bic 

Umgeftaltung  ber  fallen  £*ier)weibe  in  einen  lebensvollen,  frt~ 
fcf>en  *Jlarf  ftub  bie  fldUbaren  €  puren  feiner  Sßirffamfeit. 

(§inen  £iebling6wunfd\  völligen  Abtrag  ber  alten  Jeßling** 
werfe,  follte  er  nid)t  in  ber  ^uöfüfyruna  erleben.  (Beine  an- 
fjerorbentlidjen  93emübungeu  in  biefem  fünfte  waren  ftetä  er- 
folglos. 

33ifl  auf  eine  ^Angelegenheit  finb  in  3)etnlani'4  Seit 
SBürgermeiftcr,  feine  Unruhen  ober  Unorbnungen  fn  ber  (Etabt 
aewefen.  3m  ^flfyrc  1830  al6  bie  l'anbwetyr  beö  bieftgeu 
"Öataillonö  6.  ^Regiments  mobil  gemadn,  unb  plöfclia)  fämmt- 
ltd>e  sDfaunfd)aften  auf  einmal  nad)  (Mörlifc  berufen  würben, 
ob)ue  baß  bei  bamaligc  Bataillons -Äommanbeur  bereu  SBer- 
pfleguna  gehörig  vorbereitet  gefyabt  fyatte,  verübten  bie  hungrigen 
Seute  Üreeffe  auf  ber  sl<iei)weibc  nnb  fpätcr,  ba  ber  gröpte 
$r)eil  obbadjloS  war,  in  ber  (stabt.  Die  oben  angebogene 
Unorbnung  war  anbereu  UrfprungS. 

Hm  20.,  21.  u.  22.  3»U  1837*)  fanben  Sumnlfe  hier- 
felbft  Patt,  bereit  inbireftc  $kranlaffung  in  beut  vom  Wagiftrate 
gefaxten  platte  $u  fud)en  ift,  auf  bem  grauenfirdjljofe  ein 
?eid)en^anö  ju  bauen,  weju  burd)  freiwillige  Beiträge  fdwn 
1626  Irjlr.  eingcfammelt  waren.  Um  ju  bem  (Sebäube  ben 
erforbcrlia)en  ^la$  \\i  gewinnen,  war  ee  nött>ig  einige  Gräber 
Au  verlegen.  s3tad)  eingeholtem  ÜJutacr/ten  bes  jWnigl.  Jlreid- 
*P^?fifaW  mupte  biefe  (%ab  Verlegung  beS  9caa)t$  gefd>eben. 
Obgleid)  babei  feit  bem  16.  3ult  mit  allem  erforberlidjen  Hn- 
ftaubc  verfahren  unb  bae  ganjc  (Hefcfyäft  unter  flufftcfyt  oe$ 
$atl)$r)errn  Prüfer  ausgeführt  warb,  fo  entftanben  bod?,  mit 
nnglaublia)er  cduiclle,  empörenbe  (Merüdjte.  s))Jan  fprengte 
an*,  e$  würben  bie  Seiten  gemiHbanbclt,  bie  6ärge  gerfet^ia^ 
gen  u.  f.  w.  Tie  Kacfy  vor  bem  20.  3uli  Ratten  €d>aaren 
von  <Öceufd)en  bie  irdjhofmaucr  erfttegen  (beim  bie  Ibcre 
waren  verf^loffai)  unb  e$  jeigte  ftd)  ber  2ßille,  bie  fernere 
®rabverlegung  gewaltfam  ju  binberu.  Befdjränfte  Urtbcile, 
felbft  von  gebilbeteren  ^erfonen,  benen  bie  gefefclidjen  9$or; 
fdjriften  in  felcben  Sailen  völlig  unbefannt  waren,  erbieten  bte 
©emütrjer,  namentlid)  ber  Söeiber  immer  mer;r.    $11*  bafjer 

•)  Qbtl  5Üf9iP.  1837.  Die.  30.  i>.  465. 


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569 


am  20.  3u(i  #benb$  bie  Arbeit  wieber  beginnen  feilte, 
fammelte  fia)  ein  Jr>aufe  müßigen  $olf$  vor  bem  tfirdjbofe, 
erzwang  ben  (Eingang  burd)  (*rbrca)en  ber  ,ftircbl)oftl)ore  nnb 
verjagte  bic  Arbeiter.  4piernftd)ß  würben  bem,  ber  Mivtijt  - 
gegenüber  wofynenben  WatlNtycrrn  Prüfer  bie  genfter  mit  Stein- 
würfen  bemolirt.  Durd)  3"fvra(^c  JtrfltfHtc  W  SRenge. 
Da  aua)  am  flbenbe  beä  21.  Juli  bie  (Erreffe  ftd)  wieberfyolt 
fyatten,  inSbcfonbcre  bie  Saftet  be$  9tatf)$fjerm  Prüfer  aber- 
malä  eingeworfen  würben,  fo  bat*  er  für  feine  Herfen  fürd)-- 
tcut»f  auf  einige  Xage  verreibe,  würben  am  22.  ernfte  s)Jlafc 
regeln  ergriffen,  bie  ^olijeibeamten  curd)  (Henäbannen  verftärft, 
Die  33nrgergarbe  jufammenbernfen  unt>  ba$  fonigl.  Militär  reqni- 
rirt,  weld}eö  auf  ber  alten  ^romenabe  Stellung  nafjm.  «£>ier- 
bnra}  fdjrecfte  man  bie  Xumultnanten  $on  weiteren  Srceffen. 
(£$  erfdjien  über  biefe  Vorgänge  folgcube^: 

„Die  vielen,  jnm  Xbcil  bat  (Gefühl  enjpörenben  ©ernste 
über  eaä  3tarfat)ren,  wela)e$  bei  ber  tyeljeren  Ortä  genehmigten 
(Einridjtnng  beä  93aupla$e$  für  ba$  auf  ben  grauen  »jCtafripf 
beftimmt  gewefene  ^eicfyenfyanö  ftattgefunben  l)aben,  legt  und 
bie  sl*flid)t  auf,  nach  Inhalt  ber  s.yert)anblnngen  nnb  angeftell- 
ten  Unterfu  dringen  ftolgenbe6  $ur  allgemeinen  Äenntni^  *u 
bringen.  s)cad)  (Ermittelung  ber  jn  wIegenben  ©räber  nnD 
nadj  iljrer  33e$eid)utmg  33el)ufc5  ber  93erid)tigung  ber  Wrabe- 
regifter  nnb  Vlnfdjaulidjmadning  beö  93a «plane*,  fmb  alle  fid> 
inelDenben  ^Beteiligten  gebort,  wftäheigt,  nid)t  weniger  ifyre 
billigen,  mit  bem  $m<fc  nnb  ben  gefcijlidjen  SBerfdjriften  i>er* 
traglidjen  5l$ünfd)e  beaebtet  werben.  Die  9fudftif>ritng  begann 
Den  16.  b.  9tt&,  nnb  $war  nad)  ber,  auf  ÖJrunb  allgemein 
fanitätepoti^cilidjcr  ©efefce  ertheiltcn  ftitwetfung,  bed  Wad)tä 
bei  serfcbloffenen  Späten  mit  $(anirnng  alter  verfallener  ©rä-- 
ber.  ($rfl  in  ben  folgenben  sJcad}ten  warb,  fo  weit  e$  bie 
^©itiernng  geftattete,  bie  fdjen  am  $(benbe  bed  20.  b.  sJRt$. 
unterbrochene  Slufgrabung  neuerer  ©räber  iinternommen,  in 
beren  Verlauf  überhaupt  nidjt  mefyr  alä  neun  ©räber  eröffnet 
werben  finb,  in  benen  ftd)  mir  ein  am  Decfel  befdnlbigtcr 
Sarg  Dörfanb,  fo  bap  alle  SMdjen  nubefdjäbigt  in  mieröffneten 
Sargen,  in  bie  für  fic  angelegten  neuen  Araber  gebracht  wer* 
ben  tonnten.  93ei  allen  tiefen  Arbeiten  ftnb  bie  von  ber  vor- 
gelegen Beerbe  erteilten  Seftimmungen,  fowie  Sorgfamfeit 
unb  flnjknb  beobadjtet-unb  biefi  babnrd)  bewirft  werben,  baj* 


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570 


bei  9iatl)6f)m,  £err  Prüfer,  in  golge  bed  ihm  erteilten,  von 
ihm  uuentgeltlid^  übernommenen  mir  gewiffenhaft  audgefühi; 
ten  Auftraget,  mit  banfbar  anjuerfeunenber  Eingabe  für  amt- 
liche 33cförl>eriiug  allgemeiner  ^weefe,  bie  Dberaufftdjt  führte 
unt)  ein  ald  achtbar  mir  juvcrläfftg  befannter  f)iefiger  Bürger 
bie  Sbtäführung  mit  Dem  ihm  untergeorbneteu  ^erfonal,  befte- 
beut)  and  vier  @M)ülfen  mir  einem  <£>aublanger,  leitete.  (£d 
gehet  Imcviiuo  fa}on  hervor,  unb  ift  burety  bie  angefüllte  Unter* 
fud;ung  nod)  beftimmter  nachgewiefeu  worben,  baß  feine  Be- 
rührung bei  deichen,  nod)  weniger  eine  unauftanbige  ober  rol)e 
33el)anbltmg  berfelben  ftattgefnnben  habe,  mir  baß  eine  foldjc 
burd)  bie  in  Bcreitfdjaft  gehaltenen  (^erätl)fa)aften,  bie  aus-- 
fdjlieplid)  in  Spaten,  Sd)a iifeln  .nlib  tfrbharfeu  beftanben  fa- 
belt, auf  feine  Stteife  bcab|id)tigt  worben  fei. 

Waa)  riefer  wahrheitdgemdpeu  l)ierburd;  amtlid)  beglau- 
bigten Darftelluug  mag  bad  ^nblifunt  bie  tf)r  entgegengehen^ 
ben  ©erudjte,  ald  unverantwortliche,  veräcbtlidK  i'ügen  aufe- 
f)en,  unb,  inbent  wir  uud  vorbehalten,  ihre  ßrfmber  unb  Ver- 
breiter &u  ermitteln,  mit  und  bebauern,  pay  ftd)  einzelne  l*in-- 
wohuer  verleiten  ließen,  vom  gefefclichen  SBege  abzuweichen, 
ber  ftd)erer  unb  auf  eine  mit  bei  iSijvc  MÄ  bem  guten  $ufe 
bei  Stabt  verträglidicrc  Sßeife  juim  $kk  geführt  hd0CI1  würbe. 

Öörlifr,  ben  25.  3ttli  1837. 

Det  sBagi|lrat." 
Von  ber  Unorbnung  am  20.  3ult  fyatte  fcic  innere  6tah 
fclbft  uidjt  eher  äunbc  befommen,  ald  ben  folgenben  borgen; 
ben  21.  jebod)  flog  ein  4paufe,  meiften*  Vc^rlCiigc  unb  anbete 
Knaben,  mit  Okfang  über  ben  JObermarft.  ttm  22.  war 
«de*  ruhig. 

3wei  (Sreianiffe  von  Sidjtigfeit  für  ^iefige  8tabt,  welche 
in  Demtaui'ö  Verwaltung  fallen,  muffen  hier  nod)  erwähnt 
werben. 

greitag,  ben  25.  (September  J835*),  fam  3e.  9»aj.  Kö- 
llig griebrid)  Mifytim  Hl.  bad  erßental  uad)  ©örlie,  feitbem 
biefe  €tabt  bem  vieupifcheu  Staate  einverleibt  werben  war. 
Daher  würben  Seitend  ber  ftäbtifdjen  Horben  flcm$  befon« 
bere  ISrnpfangd;  Vorbereitungen  getroffen.     £er  &  eilig  traf 


")  ©drl.  ®eq*cifer  1835.  9to.  39.  <S.  615.  616.    Eort  ftnb  aud) 
bie  9lbbilOttiidcn  ber  b«fatiefecn<n  (itjr  entfalten. 


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571 


unter  Dem  ^ocfyrufen  Der  verfaminelten  SHeuge  t>ier  ein.  Se. 
sMa\.  tru<|  l>ier  mir  einen  einfachen  Manen  SolDatcntotf  mit 
rotbem  fragen  \\\\t>  eine  blaue  Xudwtüfje  mit  rotbem  Streifen. 
Xaö  ©efolge  er.  SJtaj.  beftaub  auä  beut  ©cneraU&bjutanten 
v.  S&ifcleben,  bem  ©eb-  Jtabtnet^Sefretär  SNütter,  bem  ©eb. 
Jtrteg^ratb  l'ater,  beut  «öofratb  Briefe,  Dem  ©eiiera(*Stab6ar&t 
3Öiebel,  einem  ^ifepoftmeifter  unD  mehreren  ©el).  Kämmerern. 
Das  ©efolge  Der  grau  gürftin  von  Biegnty,  weldje  Se.  sJÖtaj. 
begleitete,  beftanD  au$  Dem  ^ofmarfdjall  v.  3)caffoW,  -Obrift 
v.  i'inbbeim,  Den  Jtammerbameit  v.  Ojreu  unD  v.  D.  ©ol}. 
s^or  Dem  ©aftfjofe  $tim  brauneu  Jptrfd),  wo  Die  erfte  Sdnu 
fcenabtbeilung  (fpäter  5.  ^ägerbat.)  in  ^arube  aufgefteüt  war, 
flieg  Se.  vJD?aj.  ab,  würbe  Dort  von  Den  SKUitftr*  unD  (£ivil* 
beworben,  Den  Deputationen  Der  £anbftänbe  be$  ÜRarfaraf« 
thHtuö  JDberlauftfc  preut?.  tfoty.,  Der  ©eiftlidjfeit  unD  Sdjule, 
feierlid)  empfangen,  unD  fprad)  jid)  fef>r  woblwollenb  unD 
freunDlid)  au*.  *  Die  aatue  Stabf  war  feftlid)  erleuchtet  unD 
gefebmürft,  am  jenfeitigen  (*nbe  Der  Weinbrücfe  wölbte  flcfy  eine, 
'  tfrjrenpforte  von  Xatmenr  eifern,  mit  Denen  Die  S3rüefe  felbft 
auf  beiDcn  Seiten  eingefaßt  war,  über  Dem  $f)orc  wel)teu 
Drei  weipe  gabnen,  Deren  mittelfte  Den  preujüfcbeit  flDler,  Die 
auDeru  beiDen  Dao  lauft&er  unD  Da$  görlifcer  StaDtwappeh  je* 
ben  liefen.    üBicfe  Käufer  waren  mit  SMumeiigtmlanbeu,  Ärän* 
*eit  unD  Vaubgcwinben  gegiert,  unD  vor  Dein  C^afttjofe  jui^i 
braunen  £irfcb,  wofelbft  Der  Äönig  fein  s3iad)tauartier  uabm,  ftellte 
iirt  ein  von  mooöumwunDeuen  Säulen  getragener  £albcir; 
cu9  Dar,  au  welkem  Blumen  unD  Orangenbäume  praugteu. 
Äuf  bem  Dbermarfte  vor  Dem  cal^anfe  glänze  bem  ¥Uige 
$ivifa)eu  $wei  mit  grünem  $eiö  umfleiDeten  Dbelitffeu,  auf 
melden  unD  an  weldjen  geuer  unD  Vampen  brannten,  Der 
fonigl.  OcameneMug  nnD  Die  fonigl.  Jtroue  entgegen,    (fti  vie- 
len öffentlichen  unD  ^rtvatbäufern  fab  man  transparente  iiu 
fdjriften,  wie  Denn  unter  anbern  Daä  £au*  Der  Dberlaufi^ei 
©efellfcbaft  Der  SBiffenfrbafteu,  Die  einfadje  3nfd)rift:  Fautori 
cl  Proteclori  Musarum  Boni^nissinio,  jeigte,  Der  vielen  übri- 

St,  mebr  oDer  weniger  puffert  gea>äf)lten,  nidjt  ju  gebenfeu. 
Dem  Saale  beö  ^effourcengebäubeö  fyattm  Die  Sanbflänbe 
Der  Oberlaufs  einen  s3all  veranftaltet,  ben  bie  grau  gürftin 
v.  £iegni|>  mit  ir>rer  ©egenwart  beehrte.  Huf  beu  Straßen 
unb  s4.Uä^en  ber  Stabt  wogte  eine  uii^a^lige  $icnfd)enmenge. 


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im 


9Bi$  fpät  in  bie  9?ad?t  hinein  tonte  Jubel  unb  greube,  aber 
gemäpitjt  unb  in  (Stijranfen  gehalten,  burd>  ben  Sftunfd)  t>e$ 
alten  4>errn,  ^n  "^t  ,m  ^d>taf*  iu  ftwen.  Um  -Worten 
bed  barauf  folgenben  Xaged  ful>r  6e.  3Äaj.  in  pie  sHtter$; 
firdje,  von  bort  jum  fjeil.  CHrabc.unb  fobann  weiter  nadj  Icp- 
li$,  begleitet  von  ber  grau  gürftin  von  fcieanifc*). 

Dad  jweite**)  war  ein  ©efud)  <Sr.  $taj.  be$  regieren- 
ben  Aöniaft  (*nbe  Sttai  1844.  91m  31.  «Rai  flbenbe  II  Hin 
traf  ber  $önig  von  töottbufl  and  nnb  nad)  längerem  ^erwet 
len  in  3Ru$fau,  in  (Mörlty  ein,  begleitet  vom  General  v.  9kn- 
mann,  gliigelariutanten  ©raf  v.  giurfenftein  nnb  (fteneraU 
ftabflarjt  Dr.  (tyrimm.  $*on  Berlin  war  ber  Cber^Hice  @ere= 
monienmeifter  93aron  v.  vEtillfrieb,  von  SBreälau  tcr  Ober- 
sJraftbent  Dr.  v.  Berdel,  von  ^tegnt^  ber  föeaierungö  *  *l$räfU 
bent  ©raf  $u  <StolIberg  eingetroffen.-  Dergürjt  ^ücf(er*$Rud; 
fan,  welcber  ben  Äonig  in  feinem  frönen  *ßarfe  bewirket 
fyatte,  war  bemfelben  über  92ie0ft)  vorausgeeilt.  Der  ^m« 
pfang  gefdyaf),  naa)  bem  ^EBtinfcbc  £r.  sJDiaj. ,  vor  bem  (Maft= 
l)ofe  jum  #irfd>,  wofelbft  bem  Jlönige  fein  Quartier  bereitet 
war.  'Dic'Scäbt  war  feftlid)  erleuchtete  baö  (*ingang$tl)or 
mit  einer  t£f)renpforte  nnb  ber  gktjtyof  $um  £>irfd)  mit  einem 
,£>albu'rfel  von  grünen  nnb  mit  Blumen  gefcfjmüdfen  Fäulen 
gegiert.  s3iaa)  bem  Empfange  liep  fid>  ber  Äönig  bic  verfang 
melten  ©eljtlier/en,  Militär-  nnb  tfivilbeamteu  vorteilen,  bie- 
felben  auf  ben  folgenben  Sag  ju  einem  £iner  einlaben,  nafym 
and}  bie  ©nlabung  ber  6tabt  jum  $efua)  ber  Sanbetfrone, 
fowie  ber  <Stanbe  uub  etabt  \n  einem  Salle  ebenfalls  auf  ben 
ndcbften  lag  an.  Wad>bem  ber  tfonig  am  folgenben  Sage, 
6onnabenb  ben  1.  3nni,  bie  fyietlge  ©arnffon,  5.  3äger-- 
Abteilung,  tnfpidrt  unb  ftcfy  auf  ben  (£reruerpla|>  ui  gujj  be* 


•)  3ur  (Srinnenuia,  an  bie  9(ntoefen(jeit  ©r.  3Raj.  »utbe  eine  Denf- 
mün^e  geprägt,  amjefertiat  vom  SRunjratfy  £oi>«  in  Berlin.    Sie  enthält 
auf  ber  #aui>tfeite  bae  *43rujibilb  be*  .Kiwia,«  mit  ber  Umfrijiift :  Friede- 
rico  Wilholnio  III.  Rr^ri  l'russiae,  Manhioni  Brandenbtirfzonsi ,  Duri 
(■orlirmsi.    9litf  ber  .tfefyrfrirc  baa  €tatttvavvtn,  auf  n»eld>ec«  firt)  .ftttbele, 
in  ber  Jfrant  ben  tterbeerfran;,  fhifct,  mit  ber  Umt'crjrift:  Au?  instar 
I)om.(ui)    Brand,  enhnr^ensi)   Erepta    1310.    Felicias. (im«'/  llcstilnta 
1815.    Advcnlmn  Salntat  (iorlicia  d.  VII.  Kai.  Nov.  I83ö.    Reibet  ift 
ftatt  (Mlir.  eben  erwähnte«!*  Nov.  au*  iöerfeben  arträat  werben. 
")  ©Sri.  «nj.  1844.  9lc.  23.  £.  *35.r 


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573 


geben  hatte,  würbe  nad)  ber  &mbe$frone  gefahren.  Huf  bem 
(  ifeerge,  welker  bei  bem  fdjöneu  SBettet  bie  günftigfte  3(u6jid)t 
an  tiefem  £age  gewährte,  waren  ^dtt  jur  Aufnahme  8r. 
sJDcaj.  errid)tet  worben;  auf  bem  Pavillon  wehte  baö  Banner 
ber  £ labt  ÖJörlifc.  grül)  um  9  Hin  (am  ber  «Hontg  am  guße 
bed  $)erged  an  unb  erftieg  benfelben,  ohne  von  ben  bereit  ge* 
()altenen  Xragfefteln  (Mebraud)  ju  mad>en.  Unter  9öUer|d)üf* 
fen  unb  ÜJJuftfflaug  empfingen  bie  ftäbiifdjcu  93el)Örbeu  ben 
Üöuig  auf  ber  platte  be*  Sergej  nad)  alter  Sitte  mit  einem 
(Shrenpefale,  aud  weldjent  8e.  9)1  aj.  auf  ba*  Ütto&l  ber  6tabt 
tranf,  fobaun  aber,  ohne  aue$urul)eu#  ben  gebadjteu  Pavillon 
betrat,  um  bie  IMueftdjt  ut  genießen.  .£>ter  unterhielt  fid)  £e. 
9Waj.  mit  bem  ©ürgermeifter  Xemiani  über  bie  s}$erbältuiffe 
ber  Stabt,  weldje  fid)  im  (Mrunbe,  von  ben  Strahlen  ber 
Sonne  übergoffen,  malerifd)  präfentirte,  namentlia)  über  bie 
Sevölferuug * berfelben  in  bei  Skigangeuheit  unb  (Gegenwart, 
©ei  ber  Zugabe  ber  ceelenjahl  bemerftc  bei  «Köuig,  baß  ber 
Stabt  bie  9ted)te  einer  großen  Stabt  guftänbeu  unb  eruaunte 
auf  bie  ^ulbreidjfte  Sföeife  ben  ©ürgermeifter  Temiaut  jum 
Dberbürgermeifter.  $ont  Pavillon  in  bem  3elt  angelangt, 
würben  bie  fcfyöiißeii  gernftdjten,  m$&efonbere  beä  jRiefengebtr* 

Setet,  in  $lugcufd)eiu  genommen,  unb  ju  bem  grül)ftürfe  gürft 
fötfler'IMuöfau,  Dr.  x\  Bierde!,  ©raf  gu  Stolberg,  Xemiaui 
unb  Stabtverorbnetei^orftel)er  Sd>mibt  befohlen.  9tit  *e$te; 
rem  unterhielt  fid)  Sr.  s)J*aj.  angelegentlid)  über  bie  gewerbli* 
d)en  unb  £anbele^$krhältnit7e  ber  Stabt  unb  nahm  bei  biefer 
Gelegenheit  (frcmplare  ber  ^orty'd^itwrVfdjeii  £orijonte,  fo- 
wie  einer  futjen  (il>rorüf  bei  Vanbeefrone  in  Empfang,  hier- 
auf verließ  ber  .König,  abermals  flu  guß,  ben  5krg,  unb  be- 
gab  fid)  nad)  ber  Stabt,  befidjtigte  t>a\e[b\t  bie  grauen-,  Hn« 
nen*  unb  £reifaltigfeit$fird)e,  einen  X$ei(  ber  Stabtmauern, 
bae  Älofter  unb  baä  heilige  ©rab' —  wofelbft  fid)  Se.  9Rat. 
tu  ba*  grembenbud)  eintrieb  — ,  unb  befugte  von  ba  bie 
jtönigehainer  Serge,  wo  in  ber  9Jäl)e  bee  ,£>od)fteiueö  ^ofrath 
v.  £einifc  al*  ©runbbeftfcer  ben  Empfang  vorbereitet  Ijatte. 
9iad)  fiirjer  Dtaft  in  einem  ba$u  aufgehellten  Seite,  würbe  fcer 
£od)fteiu  beftiegeu  unb  bie  9(uefict)t  auf  bie  umliegeube  freunb* 
Ud)e  £anbfd)aft  genoffen.  Ü)ie  ©örmar'fdje  Kiebertafel  ftimmte 
in£Wifd)en  mehrere  lieber  im  sJ)?ännerd)ore  an,  wad  in  biefer 
Umgebung*  einen  wirffamen  (Smbrurf  madjte.    Se.  SJfajeftät 


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574 


lief?  ftd)  Den  Dirigenten,  Drganift  ©örmar,  vorteilen,  danfte 
mit  freundlichen  ©orten  und  gab  bie  Zufriedenheit  damit,  baß 
aud)  in  ©örli&  eine  Siebertafel  errichtet  worden  fei,  *u  etfen* 
nen  9?ad)  der  Ötäcffunft  fanb  int  ©afthofe  ptu  Jg>trfd>  toad 
Diner  ftatt,  wonäd>ft  ber  Jiönig  bie  Ifrinladung  ber  Stadt  bie 
Cbermühlberge  ttoct>  Hbenbä  in  fei)en,  annahm.  Um  81/« 
Ubr  begann  ber  Vall  im  föeffourcenfaale,  welchen  Se.  s3Xaj. 
eröffnete  unb  bann  um  Ufjr  bie  Dbermuhlberge  befucftte, 
welche  von,  einer  jafyllofen  Menfchenmeuge  beberft  waren.  Die 
$arfanlagen  und  $IÜeen,  weldje  von  dem  *Horttfuö  au#  nach 
der  ^blje  führen,  waren  mit  JHenfeuern  beleuchtet,  der  $or- 
tifuä  felbft,  fowie  die  ©artenl)äufer,  weldje  die  Promenaden 
begrenzen,  prahlten  von  bunten  Sanipen.  Huf  ber  4pc)t)e  ber 
Dbermiif)lbrrge  war  ein  großem  3^t  erbaut,  in  welchem  Se. 
Stöaj.  jebcch  nur  fur^e  3elt  verweilte,  vielmehr  von  ber  platte 
au6  bie  im  vollften  s)J?onblid)te  erhellte  ©egeub  deä  romanti- 
fd?en  9?eiptbaleö  mit  dem  glujfe  und  ben  folchen  begrenjenben 
Vergen  behaute.  tMnf  allen  bergen  Hm  her  brannten  greH- 
dcnfeuer  und  von  der  SandjHnge  bei  der  2ßeiulad)e  wurde  ein 
fletneä  geuerwerf  abgebrannt,  weld>c$  bie  33e|}immung  hone, 
durch  Seud)tfuge(n  n.  f.  w.  die  nädjtlia)  bctmmernbe  ©egenb 
mit  Schlaglichtern  ju  erhellen.  Von  l>iev  begab  fta)  ber  &ö* 
nia  nach  bem  93alle  juriirf,  welcher  bie  nach  Mitternacht  fort- 
gelegt würbe.  Sonntag^,  den  2.  3«nl  wohnte  Se.  9Waj.  dem 
©otteäbienfk  in  der  ^etfrtfirdje  bei,  ließ  (ich  nadj  ber  *Küd- 
fehr  in'fl  Cuartter  mehrere  ftnwefenbe  vorteilen,  und  nahm 
fobann  ein  grühfturf  ein,  an  welchem  über  30  ^etfonett 
rfahmen.  $lm  Scbluffe  beffelben  ergriff  ber  Äonig  bafl  ©lad 
unb  fprad>  laut  feine  jufrtebenheit  mit  ber  Aufnahme  tu  ber 
Vauut?  fowohl,  ald  auch  in  ©ör(i$  befonberö,  auä,  mit  beut 
Veifafce:  „Sagen  Sie  dieä  jedem  SaHffyer  wieber,  ber  3hncn 
begegnet!"  Die  Antwort  hierauf  gab  ber  Cberpräftdent 
Dr.  v.  SWerdel,  woran  ber  gürft  ^iicfler*  Wufttai  nod)  ein 
£och  bem  Ädnige  anfnftpfte.  Mit  ben  SBorten:  „3"nt  brit* 
ten  unb  legten  Filiale  Dauf!"  würbe  baß  Mahl  aufgehoben, 
um  12  Uhr  aber  bie  Dfütfreifc  über  Sorau  unb  ©üben,  nacb 
Äerlin  angetreten. 

Die$  bürften  bie  wefentlichften  (Jretgniffe  währenb  ber 
Verwaltung  Demtauf*  fein.  Demiant,  noa)  wenige  3at)re  vor 
feinem  $obe  durch  bte  Verleihung  be$  rothen  ^Idlerorbencj  3.  XL 


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575 


mit  ber  6d)leife  geehrt,  wie  ifm  im  3.  1839  t>tc  Eberl,  ©e* 
fellfdjaft  ber  2B$ß.  jum  8$renmitaliebe  ernannt  Ijatte,  würbe 
fdjou  im  £erbfte  1845  feljr  unwobl  unb  f räufelte  ben  Söinter 
fyinburd)  beftäubig.  Durdj  raftlofed  Arbeiten  unb  ein  fcfymer^ 
I)afte6  4pämorrl)oiballeiben  gefa)wäd)t,  fiicbte  er  in  ben  fdjönen 
grfifjlingätageu  von  1846  vergeblid)  (vrtyolung  nnb  Kräftigung 
in  ben  labern  von  $evli&.  &on  bort  auö  Dreöben  befucfyeub, 
würbe  er  vom  9cervenfteber  ergriffen  hud  verfdjteb  nad)  weni< 
gen  Sagen  am  5.  3u(t  1846  in  feinem  (Geburtsorte.  Seine 
irbifdjen  lleberrefte  geleitete  eine  Deputation  beä  fyiefigen  SRa* 
giftratä  uad)  ©örlifc  unb  feine  SBeife&mtg  fanb  am  8.  3nH 
1846  fratt*).  3m  %  1847  ijt  bei  (*inweil)ung  be*  neuen 
griebtyofd  feine  8eid)e  in  bie  bort  erbaute  erfte  ©ruft  $ur  le$* 
ten  *Kul)e  gebrad)t  worben.  (£in  einfadjer  Stein  bejeidjnet  ben 
griebf)of$befud)ern  bie  v2obe$wal)( ftatt  beä  9taiinr0,  ber  in  weni- 
gen 3al)ren  Unglaublidjeei  für  unfere  <Stabt  geleiftet,unb  eine  grofje 
giUle  von  prafttfdjen  unb  ^wertmäßigen  planen  fyinterlaffeu  l)at. 
Darum  ijt  mit  9ted)t  riitjuftimmen  in  nad>folgenben  Wad^ruf: 

„©eftern  Vormittag  entfcfyltef  nach  einem  mel)rwöd)entli< 
d)en  fdmterjfyafteu  9fervenleiben ,  in  Dreöben  unfer  IjodjgeaaV 
teter  $txx  Ober^Bürgermeifter  ©ottlob  gubwtg  Demiani,  bit- 
ter beä  rotten  $lt>lerorbenä  3.  Jtlajfe  mit  ber  (Sd)leife,  im  $11* 
ter  von  60  3fll)ren,  flu  einem  beffern  Seben.  58ir,  unb  mit 
und  alle  33iirger,  atte  ©enoffeu  unferer  Stabr,  weldje  mit  Siebe 
unb  SBofylwollen  bereu  @ntwirfelung  gefolgt  jfttb,  betrauern 
biefen  unerfefcbaren  SBerluft  um  fo  tiefer,  um  fo  fdjmerjlidjer, 
ald  er  und  ju  einer  3eft  nberrafdjte,  in  welker  bie  umfang* 
reichen,  widjtigften  (kommunal *3ntereffen  nod)  lange  feiner 
9)ieijtarf<f}aft  beburft  hätten.  Da$,  wa$  er  btdfyer  in  ber  un- 
ermüblidjjten  SfHäbauer  gefdjaffen  uud  gewirft,  fid)ert  il)m 
ebenfo  ba0  Änerfenntniß  unb  ben  HngetljeiUeften  Danf  ber  w 
genwart,  alä  bad  fegnenbe  9(nbenfen  unferer  fväteften  (Snfel. 

©6rli$,  ben  6.  3uli  1846. 

Der  Magiftrat  unb  bie  Stabtverorbneten*9krfammlung.'' 


*)  <&ti\\t  «Bmbiflund  itf  aefdjüwrt:  ®ört.  *n$.  1846,  91o.  28, 
<S.  343.  $i<  Primaner  beö  ©tjmuafiumd  t>«üft<uUid)ten  cbcut»afel6ft, 
<£.  347,  eine  lateinif^fawtnfae  Ct>e  al*  9lad)ruf. 


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I 


576 


9teu'&ct)rünbung  einer  f atl)olifd>eit  '4Jarod)ie.  1835. 

Wadjbem  im  Saufe  ber  Reformation  ©orlifc  ganj  evan= 
gelifd)  geworben  war,  l)ielt  Itobulbfamfeit  btc  fati>i>ltfc^ett 
©laubeiuJgenofteii  von  ber  Weberiaffung  in  ber  £tabt  ab. 
s)?äd)  tfebergabe  ber  Dberfaujtö  an  iturfadjfen  würbe  im  $ra- 
bitionoreeefie  (vom  30.  Sttai  1635,  vollen  «y14  *lpiil  1636) 
beftimmt,  bap  ber  3»ftanb/  in  weldjem  na)  bamalö.bie  Dieli- 
gione[ad)eu  befanben,  gan^lid)  uuveräubert  (in  statu  quo)  blei^ 
ben  folle.  £ieo  würbe  fo  jtreng  auögefüljrt,  baß  man  an 
ben  £)rten,  wo  in  Dem  angenommenen  9?ormaljaf)re  (1624)  . 
feine  ftatfeoUfen  vorljanbeu  waren,  benfelben  and)  bad  Stecht 
ber  Wiebalaffuug  für  alle  3eiten  verfagte. 

(Sbcnfo  verfuhren  bie  ftatfpUfen,  wovon  £)ftri$  ein  leben* 
bigee*  $ki|piei  in  unferer  9fäl)e  war.  £o  fonberbar  biefe 
Söjaßregel  erftyeinr,  tyatfe  fte  bod)  bie  golge,  paß  ^rrciti^fciteii 
jwifcfyeii  ilatljolifen  nnb  (£vangelifd)en ,  felbft  bann,  alö  ber 
(ntl)erifd)e  £anbeol)err,  äurfürft  von  8ad)feu,  fatljolifd)  würbe, 
vermieben  worben  finb.  3»  ©orlifc  Ratten  fid)  fjiernad)  nie* 
male  Äatfyolifen  l)äuslid>  niebergelaffen  —  wenige  befonberc 
flnänalnnen  abgered)net  — ,  unb  namentlich  verweigerte  man 
jebem  üat()olifen  baä  ©ürgerredjt  211$  bie  «Stabt  vreußifd) 
geworben  war,  1815,  würben  bie  golden  be#  XrabitionSrecef* 
fee*  völlig  aufgehoben,  unb  von  ba  meiste  fta),aud)  bie  3aM 
ber  fatl)olifd)en  ©laubenögenojfeu  jb -baß  wir  im  3-  1820 
fd)ou  107  berfelben  fyier  finden.  6ie  hielten  ftd>  an  bie  näajfte 
fatholifdje  JÜrd)e  in  3aueruitf ,  lebten  in  größter  (£inigfeit  mit 
ben  @vangelifd)en  unb  ließen  in  ber  Regel  ii)re  Jituber  in  i\c 
figen  evangelifd)en  Schulen  uuterrid)ten.  cd)  an  1821,  alo 
bie  3aW  °er  itatfyolifen  cirea  140  betrug,  reidjten  jwei  fatl)o* 
lifd)e  Bürger,  ÜBeißgerbermeifter  Vogler  unb  ÜDlaurerm  elfter 
Remfd)  eine  Bittfdjrift  bei  ber  föuiglidjen  Regierung  w  Sieg- 
ni$  ein,  worin  jie  um  @rrid)tung  einer  fatfyolifdjen  Äirdje  unb 
6d)itlc  baten.  £>a  feine  Antwort  erfolgte,'  wieberl)olfen  fte 
ba«  (#efud)  am  11.  gebruar  1823,  worauf  fte  von  ber  Re- 
gierung an  ben  SRagfjhat  gewiefen  würben,  welchem  bie  9te* 
gierung  if)rer  SeitS  au'ö  ^>erj  legte,  ben  Jt\ttf)olifen  eine 
evangelifa^e  Äirdje  jum  2Wtgebraud)e  ju  überlaffen. 


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^auvtfädjlicrj  betrieb  i'e$t  ber  Pfarrer  ©eibler  ;u  Ser* 
tbclöDorf  bei  Vanban  bie  £adu*  unb  mit  ihm  ber  Aurn Luf cb of 
Sdjimondfv  .$u  Srefllatt.  5)enn  burd)  eine  päpftitc^e  Stille 
vom  16.  3uli  1821  war  bie  Oberlaufi^  ber  bifdjöflidjen 
Diöceä  ^reelau  utgeredjnet  werbe«. 

(£in  erneutes  Sittgefud)  würbe  von  ben  genannten  beiben 
Sürgem  am  20.  Dftober  1826  eiugereid)t,  jefct  aber  beim 
s3Äagtfrrafe  nnb  jte  ftellten  ihren  Antrat)  barauf,  ein  ^rivatlofal 
anfaufen  unb  barin  eine  Jlira)e  unb  Sdjule  eturtd>tcit  311  bur- 
fen.  Diefe  Sitten  bewirkten,  baji  Äönig  griebrid)  Sßilfyelm  III. 
burd)  töabinctöorbre  vom  24.  September  1828  bie  (£iurid)tung 
einer  farr)t>lifd>en  Jfavelle  für  bie  Alten  unb  Srf)wad>en  erlaubte, 
a^ierju  würbe  von  ben  Jtatljolifen  ein  Vofal  in  ber  Jttiföel* 
gajfe,  $u  beut  $anfc  ©ebergaffe  fto.  44.  gehörig,  gemietet, 
imb  ber  ©otteebienft,  weldjen  ber  Kaplan  von  jauernirf  be* 
forate,  am  27.  Deeetnber  1829  bort  eröffnet.  Salb  trat  bie 
geeignete  (Gelegenheit  ein,  für  bie  fird>lid)eu  Sebürfuijfe  ber 
fatf)olifd>en  ©emeinbe  in  (Mörlifc  vollftänbig  ju  formen.  3>ec 
Sau  ber  Strafanstalt  würbe  im  3-  1830  auf  Staatffoßett 
ausgeführt.  Wadj  ben  für  alle  vreup.  Auffalten  ber  Art  be*, 
ftcfycnbeit  Sorfdjrifteti  muß  in  jeber  berfelben  bafür  Sorge  ge- 
tragen  werben,  ba£  bie  barin  betinirteu  Sträflinge  rcgclmäßu 
gen  ©otteöbienft  abwarten  unb  ftd)  ;u  jeber  ^dt  beS  geiftli* 
ct)en  3"fp™d)e  erfreuen  fönuen.  2)a  wenig  Äatl)olifen 
in  ber  Auftalt  waren,  um  einen  befonbern  ^>auSgeiftlid>en 
beöbalb  an$ujtellen,  fonntc  l>icr  auf  ben  (Mruiibfafc  jurüef  ge* 
gangen  werben,  in  foldjem  galle  bie  Seelforgc  beut  DrtSgeift* 
[idfin  gegen  eine  Sergütigung  511  überlaffcn. '  Diefeä  Sebürf* 
nif  bot  ein  fidjere*  Littel  bar,  bie  Abl)äugigftit  ber  fatfjoli* 
fd)en  @emeinbc  in  Öörlifc  von  3fluernitf  $u  befeitigen  unb  ba* 
burd),  bafr  ber  für  bie  Auftalt  notlnvenbige  £au$geiftlid)c  jum 
*ßarocr)u$  ber  DrtSgemeinbe  mannt  würbe,  für  bie  ledere 
einen  georbneten  ^arod)ialtuftaub  bervoqurufen,  uttb  bem  ©eift* 
lta>en  vollftdnbige  s4*arod)ialgered)tfaiite  jujuwenbeu.  $ie  31t 
biefem  Sefjufe  gemalten  Anträge  bewirfteu  nun  nacfjftefjenbe 
äabütetdorbre : 

„3*  bin  unter  ben  nad)  3r)rem  Sendete  vom  22.  b.  9». 
obwaltenben  Umjtäuben,  bamit  einverftanben,  bafj  ed  am  jweef* 
mäfjigften  fein  wirb,  bem  Sebürfniß  ber  Strafanftalt  für  ben 
fadjolifdjen  (Sultu*  unb  Unterricht  burd)  Aufteilung  eineö  eige* 

Vt\<!hWt  »on  «öcU|.  37 

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578 

neu  .s>au " m\l t '1  i ubcit  a  hu  helfen,  wetöem  zuglcidj  Da;  fatholiutc 
©otteöbienft  für  bie  (üuwobner  ber  3tart  *u  übertraget!  nur 
beöbalb  von  ber  qetftltcf>eu  Dberbebbrbe  bte  ftafultäten  eines 
wirflidjen  ^farrcrö  beizulegen  Hub,  Der  in  ©örli&  feinen  be- 
ftänbigen  SBobnfifc  ^at  uub  mit  ber  *Pfarrjtclie  in  ^anernief 
in  gar  feiner  $$erbinbung  ftebt.  tiefer  Einrichtung  evtbetie 
3a)  um  fo  mefyr  sJ0ieine  Genehmigung,  alä  bie  ftebtifjm  betf 
Älojierä  sA\\iiientbal  ;uv  93efolrung  ber  neuen  Stelle,  auo  bem 
3(erar  ber  Äirdje  in  3anernicf,  alä  Patronin  berfelbeu  bereite 
ifyre  3  uftimmung  gegeben  bat,  uub  auf  foldje  Viw  bie  £  traf* 
anfialt  zu  ®orli$  mit  bem  erforberlia)eu  (Meiftlia)en  verfeben 
werben  fault" 

Berlin,  19.  Juni  1832. 

(gez.)  ftriebrid)  Söilbelm. 
An  bie_  6taatöminifter 
Ärei'berr  v.  Vlltenftem  n.  Freiherr  v.  33renn. 

Die  Ausführung  biefeö  ty[an§  würbe  ^unda^ft  burd)  drin-  . 
fprud)  ber  zur  Jauern  irfer  tatb.  ^ird>e  gehörigen, "  gro^cntbeilö 
evangelifdien  ^evölferung  gewintert,  uub  fonnte  erft  bewerf 
fteüigt  werben,  alö  bem  "JJlane  ber  Regierung,  bie  Patronin 
von  3auernirf,  bae  Äloftcr  9Harientbal,  babin  zu  bewegen,  zur 
^egrüubung  einer  evaugeltfayn  ^arod)ie  für  jene  (£mgepfarr- 
ten  auö  bem  3üuernirfer  &ird)envermögeu  beizutragen,  vom 
ülofter  SHarientbal  beigetreten  warb.  s3iad)  3ablung  eined  Äa^ 
pitalö  von  20,000  £l)lrn.  zu  iÖegrüubung  be6  ^irct>fpiclo 
ämmerwifc  erflärten  bie  einmal*  zur  *l$arod}ie  3iuernicf.  gc^ 
börigen  @vangclifd?eu  alleJbre  Anfvrüdje  auf  baä  3auernider 
Äircbenbermögen  erlofdjen,  fo  bap  bie  Aebtiffin  nuumebr  über 
bejfcn  Skrweubung  für  bie  zu  begrüubenbe  s^aroa)ie  in  <$örlib 
freier  biäpouireu  fonnte.  Daber  würben  nun  im  November 
1834  burd)  ben  Negiemngäratb  v.  ^inrfelbev  leiten*  ber  fö- 
niglicbcu  Regierung  weitere  Skrbanblungen  über  bie  neue  ^a- 
rodne  mit  bem  görlifcer  DWagiftrate,  welker  bei  biefer  Gelegen- 
beit  erft  itenntnin*  von  obiger  Äabinetäorbre  erlu'elt,  angefnüpft. 
Am  16.  3anuar  1835  würbe  burd)  Regierung*  ;Neffrivt  bie 
fatyolifdjc  ^aroa)ie  für  errietet  erfldrt  unb  in  bem  ^roflama 
bie  Äabinetöorbre  vom  19.  3uui  1832  publtjirt  Der  Kaplan 
(*tiüer  (geb.  1804  unb  zum  ^riefter  orbiuirt  1829)  aus  3au«r< 

{tief  würbe  bierfelbft  1835  erfter  Pfarrer,  unb  na^m  ©örlifr  zu 
einem  ©obufi&e.    9»it  feinem  Amtsantritte  würbe  bie  feil 


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570 


tem  19.  Mai  1828  befteljenbe  fatbolifdje  ^rivatfdjule,  am 
2.  April  1835  jur  öffentlicben  fatf)oli|d)eu  £d)ule  erhoben  unb 
erflärt. 

£>a  bie  Jtapeüe  §lu  befc^ränft  an  töaum  ift,  bemühen 
lief)  bie  bieftgeu  Äatfyolifen  barmn,  eine  ber  fjieftgeu  nic^e  reget- 
mäfMg  in  Anfprud)  genommenen  Jtirdjen  }uc  Abhaltung  ihre* 
GtottedbicnM  $u  erlangen,  ©eil  jeboety  bie  9Nttbenu$üng  bet 
Jraucnfircbe  bei  ben  bectyalb  im  3.- 1834  gepflogenen  Unter* 
l>anblungen  abgelehnt  wovben  war,  wanbteu  ftd)  bic  ©liefe  ber 
Qemeinbe  anf  bic  ®t.  Annenfirdje.  (£3  würbe  if>r  aHdj  *n 
Erlangung  berfelbeu  Hoffnung  gemacht,  unb  würbe  ftc  folcfye 
gern  angenommen  haben,  wenn  nidjt  bie  Seftynaj^me  bed 
s3öaifenbaufe$  *ugleid)  Seiten«  ber  otabt  alä  ©ebiugung  ge* 
Hellt  worben  wäre.  Die  nähern  ©ebingungen  geben  and 
einem  ^effripte  be$  MtuifterS  ber  geiftlicbeu  Angelegenheiten 
an  ben  bamaligen  Aoininiftrator  beo  ©ieUbumö  ©reolau,  $Beib* 
bifcfyof  Vfatnffcrf  vom  12.  3nui  1844  hervor,  nämlid):  „baf* 
ber  Stabt  bnreb  (Erweiterung  ber  Xhorpaffage  unb  Abbrud) 
eined  £beil$  ber  Inncrii  8tabtmauer  mehr  ftaum  ju  einem 
nenen  @djulgebäube,  we$n  biö  je(jt  batf  Siniifenbauc*  benufct 
werbe  befebafft,  unb  wegen  ber  ^Wel)rfo|len-fnr  bie  bann  nö* 
tbig  werbenben  Neubauten  eine  (£ntfd)äbigmig*fumme  von 
60,000  $hlrn.  gewahrt  werbe."  Der  äRimjta.  rietb  in  bie* 
fem  SÄeffripte  felbft,  ba  ftd)  alle  ©emübungeu  ber  Jtatbolifen, 
eine  ber  cvangelifd)en  ,Rird)en  nun  (Mottc^ienftc  eingeräumt 
\n  erhalten,  vergeblid)  r)eraii'>rteUteu ,  ba  auf  baä  Autragen  ber 
Stabt  in  betreff  jeuer  60,000  Xf)lr.  wegen  Jg>öt>c  ber  gorbe* 
mng  nicht  eingegangen  werben  tonnt,  ebne  baö  $Batfenban6 
bte  tfirebe  aber  nuM  abgetreten  werbe,  eine  neue  iiira^e  $u  bauen. 

£>icä  war  benn  and)  Anficht  ber  geiftlicf)cn  Oberen  unb 
QJemeinbe.  @$  würbe  ber  93au  einer  Mixtbc  bcfbtitft)  befchfof* 
fen  unb  bie  nötigen  Littel  burd)  ben  (Ertrag  einer  am  12. 
November  1847  für  <5<hlejten  auegefd)riebeuen  Äollefte  ergänzt. 
2>er  Äircbenbau  felbft  wirb  noch  im  3-  1850  begonnen  werben. 
93aupla$  fft  ein  ©artengrunbftütf  an  ber  $ßebertborftrafje, 
&wif*en  ber  Oberfable  unb  bem  Sefniftenwege. 


37* 

— 

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580 


©ertönte*  ®*p\M. 

DieStabt  von  Demi ani1*  lobe  bi*  auf  unfere  X  age*). 

3m  4pinblicf  auf  t>te  wenigen  3af)re,  weldje  &ii  fdjilbern 
ftnb ,  auf  bie  $äbe  ber  Gegebenheiten,  bie  mitl)aube(nben 
$erfonen,  fann  hier  im  3ntereffe  ber  Uuparteilidjfeit  nid)t  ber 
(9ebanfe  vorliegen,  eine  vollftänbige  DarfteUung  biefee  aud> 
für  unfere  £tabt  infyaltfdjweren  3*toa»nic*  $u  geben. 
fann  tml)er  nur  ber  si>ollftänbigfeit  wegen  eine  gebrängte,  fo 
objeftiv  alä  möglid)  gehaltene  lleberftd)t  ber  ßufcänbe  unb  (*r- 
eignijfe  vorgelegt  weroen. 

5) er  iob  tec*  £^>erbürgernieiftertf  Demiaui  bradjte  für  bie 
Verwaltung  ein  Interregnum  von  einem  3al)re,  wäfyreub  bef? 
fen  ©tynbifutf  fiifd>er  bie  Sü$ci  beö  <Stabtl)au$l)alte$  führte. 
Die  lange  (Edjwanfung  batüber,  wann  ein  Definitivuni  in 
$kjug  auf  bie  oberfte  Leitung  ber  ctabt  eintreten  werbe, 
Würbe  buret)  einen  unterm  29.  $Xär*  1847  erlaffeneu  «fiabinetä- 
befel)l  ©r/SRaj.  be*  icönigä  bafyiu  erlebigt,  bap  Oer  von  ben 
StaDtverorbneten  jur  SBafyf  unter  Drei  ÄanbiOaten  vorgefdjla* 
gene  ©ürgermeifter  3od)manu  gu  ^iegnifc  Mim  £>berbürger? 
meifter  ernannt  würbe.  Diefer  ,Jtabinet$befel)l  enthielt  au  fei- 
ner Spifce  bie  (vrfyebung  ber  ctaDt  ®öxii$  in  bie  föeifye  ber 
grofjen  6täDte  unb  beftimmte,  bat?  ber  ältefie  ber  fogeuannteu 
gelehrten  (anf  ber  Univerfttat  gebilDeten)  9ttagiftratämitglieber 
—  l)ier  evnoifud  gifdier  —  ben  litel  „$ürgermeifter,"  bie 
übrigen  „etaoträtlje"  führen  follten.  91m  8.  3uni  1847  l)irtt 
nun  Dberbürgermeifter  3od>mann  in  tforjlfurtl),  —  bem  erfreu 
auf  ftäbtifd)em  (Gebiete  gelegenen  Dorfe  —  von  einer  gemifdj* 
ten  Deputation  bee  SOiagiftratö  unb  ber  6tabtverorbneteu  tyer^ 
lid)  empfangen,  feinen  (Stnjiuj  in  ÜJorlifc.  »uf  bem  bamal* 
nod)  befteljenbeu  Jnterimobafjnbofe  §u  $enner$borf  —  bie  nie^ 
berfd)le|lfd)  •  märfifd)c  3weigbal)n  von  ^or>lfuvtl>  nad)  ©orlifc 
war  im  £erbfte  1846  biö  an  ben  genannten  £)rt  bem  33c 
triebe  übergeben  worOen  ~  begrüben  viele  SBürgcr  ben  8u* 
fommenben,  weitem  bann  nod)  flbenbö  in  feiner  Sßobnung  bad 
©ymnaftal;6ängerd)or  unb  bie  Bürger  Capelle  €erenaben 

•)  £ier  ffnb  *oqua*n>eife  Duetten:  bie  Solange  be*  «ort.  S(nicu 
der*  1846-1850.    2>a*  91.  2.  SWagaj.  in  f.  ^roSif. 

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581 


brachten.  Tic  (Sitifiibiima  des  neuen  OberbürgermeifterS  durch 
den  !)iea,ierHna$rath  von  Meltau  au$  Viegnifc,  am  '22.  3uni,  1 
be$eid)net  tuglcirt)  Den  faftifctyen  Eintritt  von  OJerlifc  in  die 
Mtcibe  Der  großen  Stätte,  jedenfalls  ein  denfwürdige*  Greig- 
niß.  ^u  dem  feierlieben  ^oftamatienö  VHlc  waren  auch  die 
Ortflrirtner  der  vielen  gerlityer  Dorffdjaften  citirt  werten.  tÄuf 
dem  mit  heftend,  Jträn^en  und  Sahnen  versierten  großen  Saale 
deä  ftathbattfeft,  wofelbft  Die  Siebter  mit  allen  ftätttfeben  9ebör> 
den  und  Beamten  verfammelt  waren,  begrüßten  begliche  ©orte 
res  Stadtverordneten  *  ^orftetierä  Reit.  Sdjmidt,  den  neuen 
Dberburgermcifter,  bevor  er  den  $Mirgereid  leiftete.  hierauf 
leitete  der  Wegieriutg^ommiffar  die  ^tapflicbtung  de*  Ober* 
burgermeifterfl  auf  feinen  flmtöetd  mit  einer  gediegenen  Wede 
ein,  in  welcher  er  befonder*  daö  ,£od>  widrige  diefer  Momente 
für  die  Stadtfommun  fyeivorbob,  und  A.ugleidj  die  durd)  de$  Äö- 
nigö  tWajeftat  vollzogene  ©eftatiaung$-Urfunde  uebft  der  Stc* 
gierungS 's£eftallung  übergab.  X>er  £)bcrbiu\]ermeifter  fnüpfte 
hieran  ergreifende  ©orte  über  die  Bedeutung  feineä  neuen 
$mted,  und  wie  er  e$  im  (Meborfam  gegen  .Honig  und  ?Ke- 
gierung,  in  l*t)tfurd)t  vor  den  ©efefcen  und  treu  feinen  ge*  • 
fd)worenen  (£iden  nad)  allen  feinen  Gräften  w  führen  gedenfe, 
wonäd)ft  Stadtverordueten^orfteber  gerd.  Sdmtidt  die  3ntro 
duetionfl-^erfyaudlung  mit  einer  XHnfvradje  fd>loß.  9Jcittag3  um 
11  Uhr  war  auf  dem  Obermarfte  Parade  der  'iöürgergarde, 
um  3  lll>r  ein  Diner  im  föeffourcenfaale,  EbeudS  au  mehre- 
ren Crten  von  der  Stadt  veranftaltete  Xan^nuftf  und  9att 
der  $ürgergarde  im  fltyein  £ofe.  600  kirnte  wurden  auf 
Soften  der  Stadt  gefpeift.  Das  ©vmnaftum  überreid)te  feinem 
neuen  Kurator  ein  lateintfd>e$  (Samten  in  Difticben*).  — 
#uf  dem  ikreinigten  Landtage  ju  Berlin  war  die  Stadt  durd) 
den  ;)uftMratl)  und  «andfvndifus  Sattig,  fowie  den  föatl)äf)errn 
Seilermftr.  Prüfer  vertreten.  Durd)  jenen  Landtag  erhielten 
aud)  53efenu(n-  de$  3udeutl)um$  3utritt  $um  SBürgerredjte  von 

*)  Tie  £ctii\itipn  lautet:  Viro  Jurium  ConsuJtissinio  av  Doctis- 
simo  Aenothro  Jochmann.  Urb»  Consuli  Superiori  H  tiymnasii  Cu- 
ratori  Aiii|ilis*imo .  AV/uif»  ordittis  rcrjii  de  arptila  rubra  iertiae  ctassis 
cum  lemnisen,  mtinrra  sua  fHiciter  auspicanti  famla  rptwpie  pie  ap- 
precalur,  Koctor  et  'Kollegium  inajzistronmi  Gymnaiil  (»orlicensis.  — 
A  d.  X.  Calendas  Jui.  anni'post  Christ,  not.  MDCCGXLY1L  3m  gört.  9tn-- 
$ria,<r  vom  fclgenbnt  %a$e  erfdjicn  eint  beutfrf)*  Uebcrtraa,uii8  be*  CJebidjtö. 

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06r(t$,  nac^bein  llc  über  4(H)  3abre  bavon  audgefcfjlofffu  ge* 
voefcn*).  T>ie  3irii'£abtaer4*Orbre  von  18 17  fteUte  e6  Den 
StaM&etorbneten ,  aitljctm,  ihre  Südlingen  öffentlich  ju  i)al« 
teil.  Tie  görlifcer  £taDtverorDuereu  faßten  Den  betreffenDen  SBe* 
fdjlitp  am  t.  September  1847.  £a  lief}  aber  Der  Umbau  De* 
neu  erworbenen  «£>aufeö,  Untermarft  9fo.  261;,  in  bejfen  inne* 
rem  üt)et(e  mau  Den  3i$ung6faal  (>erfteütef  bi$  in  ben  Som 
mer  1848  fyiiuog,  founte  Die  erfte  öffentliche  Sifcung  erff  am 
25.  Stapft  IH  48  abgehalten  unb  Durch  eine  Die  2öid)tigfeit 
biefeö  Sreicjnijfce  tu  feiner  93euehung  auf  baä  ©emetnbelebcn 
beleudjtenbe  anfpreduMibe  iWebe  Deä  Oberbürgermeister  3o*mann 
eröffnet  werben. 

9m  8.  Hupft  1847  fam  Die  erfte  fächftfehe  Sofomotive 
auf  hieftßem  $abubofe  an,  ein  Üreignip,  weichet*  eine  ^eitere 
3ufammenfunft  im  ?KI)einifd)en  £ofe  veranlagte;  ferner  rourDe 
am  25.  Stapft  |nm  erftenmale  Der  grojje  ^iaDuft  befahren, 
fo  Dag  Die  (Iröffuung  Der  fäd>f.  fd)lef.  (§ifenbar/n  uuD  Der  nie* 
Derfchleftfdjcn  Zweigbahn  in  iljrer  ganzen  £änge  biä  ©örlü) 
am  1.  September  1847  erfolgen  fonnte. 

&a*  ereignisreiche  3al)r  1848  brachte  mit  Dem  l.gebruar 
Die  mehrfad)  gebaute  neue  tfirräenorbnung**),  unterm  6.  ÜHärj 
ba$  neue  SSauftatut***).  Die  ^eftimmungen  Deffelben  betreffen 
Die  fübiveftlid)e  gtorftabt  unD  jumr  fen  tBe^irf  von  Der  bauener 
6trape  bie  an  Die  Obermühl  berge,  vom  Bahnhof  bic3  auf  Den 
Sahmhof  unD  Da*  sBeberthor.  Tiefe*  ^reffft  lef>nt  tieft  tyfttJ 
an  beftebenDe  ^erfebreroege  an,  tljeilä  jeidMiet  ee  neue  vor. 
Tre  $aupt|trapen  unter  elfteren  werben:  Die  6alomon*gaffe 
biö  an  Den  Irennungtfpunft  bei  Der  fletnen  bieänifcer  6tra$e 
unD  Die  lefctere  bi*  an  Die  ^aftnftofeftraHe,  Die  3afob$gafie, 
Die  Jtohlgane,  Die  commergaffe.  gür  fie  ftnb  32  gu|j  galjr* 
breite  unb  12  gufj  Xrettoire  qngefefct,  rrähreuD  Die  9teben* 
jhapeu:  Äroelögaffe,  änftgaffe,  aXühlweg,  £al)le  unD  ttfym* 
gaffe  auf  20  gnp  galjrbreite  unb  12  gnp  Xiottoir*  beftimnit 
ftnb.  Nad)  Dem  ^eDüifniffc  neu  anjulegenbe  (Straften  follen 
unb  jwar  als  £auptftrajjeu  mit  gleichen  ^ebinaurtgeu  wie 
oben;  1)  Die  3öebertl)orftra»e  (vollenDet),  2)  eine  Strafe  vom 


31*.  141  ff. 
••)  <S.  412  f. 
,-#)  20. 


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583 


3)emiampla$e  burd)  9fo.  445/446.  in  füDfi*er  iHid^tunf)^  mu 
terfym  in  $wei  $lrmc  geteilt,  bereit  einer  auf  bie  Äubgaffe, 
ber  andere  auf  ben  bereinigungSpuuft  ber  Äufygajfe  mit  ber 
ßrocltf  gaffe  auömünbctj  3)  voll  ber  Salomontf  gaffe  na<fy 
3afobdijaffe  buta)  sJ?o.  817.  (vollenbet);  4)  Die  &af)nf}ofSfrrape 
(vollenbet);  5)  eine  Straße  von  ber  3ah>bögaffe  nad)  ber 
Jiofjlgaffe  tängö  befl  neuen  3Rarfte$;  6)  eine  Stvape  von  ber 
Jtor>lqaffe  bei  $o.  823,  utr  SommiTgaffe  sJ?e.  81/,  gelten. 
3u  Sieben  ftrapen  ftnb  auScrfebeu:  J)  eine  Straße  vom  Ka^nu 
bofe  in  ber  ftidrtuug  vom  SMarftalle  Ine»  &um  Sd)ü$euwege, 
ivo  berfelbe  mit  bem  $)hil)lwege  uifammenfällt;  von  ber^roel^ 
gaffe  naa)  ber  Salomonägaffe  burd)  sJto.  855.  b79. ;  3)  eine 
iterlangerung  ber  33 a r> n l> c f ö ?t r a 0 c  nad)  ber  ^cbnuiane;  4)  eine 
Straße  von  ber  Jtofilgaffe  Wo,  826.  btö  $ur  Sommergaffe 
9Jo.  813.;  5)  eine  Straße  von  letztgenannter  nad)  ber  ßetym* 
gaffe;  6)  eine  Straße  von  ber  Sommergaffe  9to.  827b.  bis 
auf  bie  ^lomeuabe.  53ei  beu  über  bie  £ol)lgaffe  fytuauö  lic* 
geuben  Strafen  ift  nur  ein  ;}aun  nl  ber  Straßenfludjt,  aber 
tiidK  ber  ^au  ber  «£>dufer,  wie  bei  beu  übrigen,  an  bie  Straße 
erforberlia).  Die  Käufer  fönuen  bort  beliebig  in  bell  (harten 
Ijintingefe&t  werben. 

3&emt  fd)ou  bie  ^?aa)ria)ten  von  ber  neuejten  parifer  die* 
volution  eine  gewiffe  Spannung  in  bie  (Memiittyer  ber  (Sin- 
wofynerfdjaft  gebracht  Ratten,  war  eö  natürlich,  baß  bie  am 
19.  -ättärj  auf  ben  glügeln  betf  Xampfetf  eingetroffene  Äunbc 
von  ben  Vorgängen  in  Berlin  eine  bebeutettfce  Aufregung  r)ier? 
feibft  tyctvorbvingeu  mußte,  weldje  fonft  mit  beut  nun  gu  bc- 
rut>reut>cii  (Sreigniß  feinen  3"fammcn^al1^  l)attc- 

2)ie  Xbcuerung  be$  Mnterö  1847  ju  1848  unb  ba$ 
Mißtrauen  Seitens  ber  $)Jenge  gegen  bie  sJteblid)feit  ber  93dtfer 
fyatten  fdioir  wodienlang  ba$  @3eriid)t  im  ^ublifum  erhalten, 
man  roerbe  bie  SBärfer  ju  jüduigen  wiffen.  $lm  2lbcnbc  be$ 
19.  fam  biefer  SßCatt  |nr  2luöfül)iuug.  (Sin  erft  in  ber  Dam- 
merung  an  beu  Straßenerfeu,  ber  Beruhigung  wegen  veröffent- 
lidjteö  magiftratHalifa)e3  ^lafat:  „Se.  sÄaj.  ber  Jlontcj  Ijaben 
bie  (finberufung  beä  bereinigten  £anbtag$  befdjlcuuigt,  s^reß* 
frecf>ett  bewilligt  unb  eine  (Sonftitutieu  verbeißen erregte  viel 
Äufjc^it.  33alb  naa)l)er  fal)  man  ^eute  über  ben  Dbermarft 
unb  bie  S3ntberaaffc  l)inablaufeu  unter  bem  Stuft:  „^reßfrei- 
rjeit!  ^epfrei^ett!  $iö  jeft  ftnb  wir  gepreßt  worben,  nun  woU 


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38  i 


len^  wir  treffen  !"  Diefee  s3Jfttwerjtänbn!ti  würbe  ron  mehreren 
hieben  benu$t;  jte  begannen  an  mehreren  Stellen  bie  fcäben 
ber  33ärfer  $u  bemeliren,  unb  vergrößert  burd>  ©leid)gejtnnte 
mit  Neugierige  fcbwcll  bie  2  vtaav  ber  (£rcebenten  balb  ;u  be- 
ttiiflutcn  Raufen  an,  weldu  ungehindert  von  ber  Bürger = 
fdjaft,  bie  ita)  vielmehr  über  bad  ben  Bädern  wgefüate  sDtip- 
gefd)id  freute,  bie  gegen  9  Ubr  ungefähr  17  $ätf  erlaben  be- 
meinten  unb  blünberten,  nebenbei  aber  and)  anbere  @egenftänbe 
alv  33adwcrf  ttablen,  wie  bie  Unterfudumg  ergab.  Xa  bie 
alarmirte  93ürgergarbe  nur  äuperjt  fpärlid)  unb  langfam  er 
fdjten,  eine  ^Miicbtwgejtenbeit,  welche  bureb  bae  3**1^  tog,*1* 
ber  Vllarmtremmein  vBeitenö  ber  Xumultuanten  nur  eintaerma 
t?en  entfdjulfcigt  werben  fann,  würbe  in  bef  neunten  v^tunbc 
bae  fünfte  ^ägerbataillon  requirirt.  &ud)  ba  verfudjte  man 
an  einer  3 teile  ben  y-un  nuten  am  Olafen  ui  binbern,  bod> 
genügte  fdjon  ber  Sllarm  bed  sJ)?ilitäre,  bie  Müßiggänger  nach 
^aute  ;u  füljren.  (9egen  1 1  Ufyr  war  bie  »Äu^e  in  ber  8tabt 
wieber  fyergeftellt.  Xie  am  anbern  bergen  jtct>tbare  3erjtiM 
rung  bed  ^igentfyumS  friedlicher  Bürger,  ber  33anbalidmu$, 
mit  welchem  bie  eingebrungenen  Räuber  mit  Herten  unb  Zv\r> 
Warfen  geufterfreu$e  f?erauegebrod)en ,  Xbüren  eingefcfylaaen, 
£5efen  unb  9)föbel  zertrümmert  halten,  ber  bebeutenbe  Um- 
fang bed  geftoblenen  QJutcey  brachten  unter  bie  am  19.  nod) 
fo  tr)eilnar)mlofc  $ürgerfd}aft  bie  Regungen  von  cebaam  unb 
&ngft.  ?i$ou  £a}aam,  weil  ein  geringem  energifebeä  liinfajrei 
enr  $u  welchem  einzelne  ©ruppen  von  bürgern  unb  (5inwoI)> 
nern  mebrfeitig  aufgeferbert  werben  waren,  ben  bie  öfjre  bei 
€tabt  beflerfenben  3faubal  jweifelloä  unterbrütft  fyätre;  von 
&ngft,  weil  fie  für  il>r  (Figentfyum  ernfte  SBeforgnijj  ;n  Regelt 
begannen,  l'efcterer  Ümftanb  bewirfte,  bap  bem  im  fcaufe  beö 
20.  sJRäx\  gebiloeten  6d>u$verciu  fta>  beinahe  ^ebermanu  an- 
fd?lop.  Der  am  2Q.  November  1847  au*  2Ätiglie*eru  ber 
verfdjiebenften  8 täube  utfammengetretene  Sunt«  Hnb  Dtettungö- 
verein,  weldjer  bem  äRagtjfrat  in  93cjug  auf  ba«  geuerlöf*= 
wefen  fa)on  früher  feine  Xienfte  angeboten  unb  aua),  barin 
(Mewäfjrung  gefuubett  biaüe,  bewaffnete  fiel)  unb  trat  vbetn 
Souveräne  bei.  Xiefcr  8dm$wcin  blieb  jebod)  nidn  länge 
in  feiner  ffoitjtjtata  bettelten;  mit  bem  ?Huf Ijbren  einer  umnit* 
telbaren  ©efaljr  \vnxt>tn  bie  2öadjen  immer  fdpäeter  befugt, 
enbfia>  nur  ein  .Kern  bei  fräftigeren  unb  jüngeren  Bürger 


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585 

fturürfblieb.  Diefe  bilden  befonbeve  Äorp*  Ritter  bem  tarnen : 
Bürgerwefyr.  tfefctere  bcftanb  im  Vluguft  1848:  a)  and  ben 
$wei  Äompagnien  Der  ^ürgergarbe,  b)  einer  brüten  ifcompagnie 
(ohne  £elm  unb  $ürgergarbenwaffemotf),  welaV  jwar  ftct> 
gleid)mäpig,  aber  rein  bnrgerlid)  'foftüinirte  unb  frfnvaqe 
wttytn  trug,  c)  ein  Äorpä  £a)arffd)ü$en  (mit  ben  (Srer&tcr* 
büd)fen  be$  bieftgen  ;$ägerbataillon$,  fpäter  mit  eigenen  Spifc- 
htgelbücbfen  unb  £irfd)fängern  bewaffnet),  d)  ein  MctyQ  Xur- 
nci ,  gleid)mätiig  in  Xnmergrau  mit  grauen  Ai lehnten  bef leibet, 
unb  ©äbeln  bewaffnet,  511  bereu  flnfdjaffung  irjnen  von  ber  Stabt 
ein  3«(*«P  100  Iblrn.  bewilligt  war,  eublid?  0)  30 
9tam  berittene  SMirgerweljr.  SllleS  in  «Kein  motten  1000 
v3)fanu  35ürgerwer?r  bewaffnet  fein. 

flue  beut  Sdjuövcrein  verfHdjten  mehrere  Beamte  einen 
allgemeinen  ^ürgerverein  ju  bilben,  beffen  £aupt$werf  $el«l); 
rHiig  über  bie  politifd)en  grageu  ber  ©egenwart  fein  feilte, 
tiefer  iyout  warb  jebea)  burd)  einige  £d)reier  vereitelt, 
weld)e  mit  Anregung  partifularer,  in  it)rem  befdjränften  ©c* 
fiebtäf reife  lic^euber,  meift  lofale  unb  perfonlidje  Skrr/ältniffc 
berüfjrenber  fragen  ben  wißbegierigen  Bürger  jenen  mit 
jebem  läge  tumultuarifd>er  werbenben  ^erfammlungen  ent- 
frembeten'.  Der  vom  Z aale  be*  braunen  $irfd)  nad)  bem 
Soeietätsfaale  verlegte  herein  würbe  bafjer  immer  fdjwädjer 
befuajt,  unb  braute  eine  vollige  Spaltung  in  per  ©emeinbe 
hervor  burd)  bie  Anregung  beö  si$erfua)$,  gegen  bie  iKürffef)r  beä 
grinsen  von  ^reujicn  &u  proteftiren,  unb  burO)  ein  9Rißtranen$' 
votum  gegen  Die  t)ie|tgen  Stabtvererbneten.  (irft  genannter 
auf  SBiterfprud)  aufgegebene  3$erfua)  unb  eine  tflbrejfe  an  bie 
^Bürger  Berlind,  berreffenb  ben  93erenb$'fa)eit  Antrag  wegen  &&* 
erfennung  ber  Revolution,  vollenbeten  bie  Spaltung.  Die 
ledere  Hbreffe  veranlagte  eine  ©egenfunbgebHng  ber  anbereu 
Partei,  unterm  18.  3unt  1848.  Diefe  Partei  eonjtituirte 
ftdi  ju  einem  Veteranen -herein,,  im  December  baneben  $u 
einem  herein  für  gefefclidje  gretyeit  Hub  Drbnung.  Die  Partei 
im  33ürgcrvcrein,  wcld>e  fia)  vorjugSweife  mit  ftdbtifa)en  3«' 
terefjen  befdjäftigte,  fd)ieb  au$  bem  53ürgervcrein  au$,  unb  trat 
unter  bem  ganten:  „Deurfdjer  herein"  jufammen.  Der  93ür* 
gerverein  eonftttuirte  fiel)  am  29.  3nli  neu,  bat,  gleid)  wie  bie 
übrigen  Vereine  mehrere  treffen,  nameutlid)  aud)  in  ber  SRo* 
vemberftifte  verfaßt  unb  fidj  haa).  feiner  Umgeftaltung  meljr 


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mit  allgemeinen  pofitifcbeu  ^ntereffen  befdjäftigt!  (5r  ift  erft  in 
ber  Waipeitofcc  1849  etii^c^angcn.  (5in  vierter  herein  trat 
unter  Dem  Kamen:  „'Jtolftifcbcr  herein"  im  fluguft  J848 
fammen,  voruiglid)  um  bie  Sageäfragen  wiffenfd>aftü<$  ui  be* 
hanteln.  Ted)  brachten  fic  sJcouemberereignine  uub  nod)  mehr 
bie  ^anuarwablcn  1849  eine  (Spaltung  in  benfelben.  Ter 
übrig  gebliebene  l^eii  feiner  SKitgliebcr  trat  im  -April  1849 
bem  Kirgmereiue  bei.  3o  viel  über  bie  Vereine,  beren  fpc< 
gießt  Pantfterifttf  au*  oben  erwähnten  @rünbeu  jefct  ned> 
nidjt  gegeben  werben  fanit. 

Xie  Äufforberting  ber  breftlatter  etabtbebörben,  gegen  bie 
(Einberufung  beä  ^weiten  bereinigten  Vanbragö  ui  proteftireu, 
bewegen  bie  bieftgeu  £tabtbef)örben  am  27.  äR&rg  Sr.  2)Jaj. 
eine  itbreffe  überreichen  laffen,  worin  gebeten  würbe:  „baä 
SBaWgefrfr  fiir  tie  Vertretung  be$  Volfee  eorerft  im  verfaf* 
fungöiuäfiigen  2öege  burd)  beu  Vereinigten  fcanbtag  beraten, 
baffelbe  aber  nur  proeifortfd)  gelten  $u  laffen,  biö  bie  auf 
(Mruub  reffen  anberweit  imD  fd)leunigft  ein$uberufenbc  Volfä* 
Vertretung  ein  bepnitivetf  ^al)lgefe(j  uigleid)  mit  ben  übrigen 
Verfafümgtfgefefcen  beraten  habe."  3>er  5Jlufd)lufj  ber  etabt 
an  ben  »,  s£üloW'£ummerewfd)en  Verein  |u  Berlin  würbe 
im  September  aufgegeben,  al*  bie  tiefer  liegcnbeit  t}(b|lditen 
jener  ^Ibelö^euniou  in  ein  helleres  £ia)t  traten.  Von  politi- 
fd>en  Jtunbgebungen  ber  33er)örben  ftub  nod)  eine  Äercffe  ber 
<Stabteerorbueteu  an  bie  9tatieual*Verfammlung  vom  12.  9?o* 
vember  1848  itttc  eine  ^treffe  beo  ättagiftrato  an  £e.  *Raj. 
beu  Jtönig,  vom  18.  Wevcmbcr  1848  anjumerfeu.  8f(0  aucf> 
in  biefiger  6tabt  wegen  beo  bma)  bie  Wational^Verfammluna, 
auägefprochenen  3teucrverweigerung3*Öefd)luffeö  grope  tflufre* 
gung  herrfdue,  fudjte  ber  SNagiftrat,  bem  ju  Cfyren  gefemmen 
war,  Dap  (Betreue  mehrerer  ^erfonen  eine  gewaltfame  53e- 
fdjlagnahme  ber  fertigt  Äaffen  beabftdnigt  werbe,  $u  befürd) 
tenben  Üumulten  baburd)  vorzubeugen,  ba£  mehrere  fenigl. 
Äaffen  im  (iinvcrftänbniffe  mit  bereu  Verftänben  auf  bem 
9iatl)r)aufc  geborgen  würben,  um  bort  burd)  bie  33ürgerwel>r 
bewaa)t  w  werben.  9cad)  wenigen  lagen  würben  bie  fenigl. 
Äaffen  ohne  irgenb  eine  Störung  wietrer  abgeholt. 

S3ei  ben  jßahlen  für  bie  preujj.  National 'Verfammlung 
würbe  3ufti$rath  Utted)  unb  nadjbem  biefer  fein  3)canbat  nie* 
bergelegt,  im  3uni  6tabrtatt)  Höt)ler,  uim  (Stellvertreter: 


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587 

*_   


3ufti$vatf)  €  artig,  für  tie  teutfche  National  ^erfammlung  nad) 
granffurt  a.  R.  aber,  bei  welcher  Statt  mit  l'antf  reift  (työrliö 
vereint  wählten,  Dr.  med.  Sdmieber  au^  (*)örli$  jhih  Slbgeorb* 
»eleu,  ^aftor  Xrabert  in  Staufs«  jum  Stellvertreter  ernannt. 

3wei  großartige  93räute  in  ter  l)iefigen  föniglidjeu  Straf* 
anftalt  fonnten  glnrtticbcrwcit'c  ohne  weiteren  £d?at)eit  für  feie 
Statt  gelöfd>t  werten.  (*ft  fdjeint  angemeffen,  hier  etwa*  nä* 
fyer  auf  tiefe  geuerftbrünftc  einutgefjen. 

Um  28.  Mai,  $iadU0  1%  Uhr,  ertönten  plöfcltd)  Die 
Signale  teö  geuertärm*  mit  $ugleid>  eiwerfte  tie  9cad)rid)t, 
ter  *3rant  fei  in  ter  (Mal.  Strafanftalt,  tie  allerbegrünbet; 
ften  ^eforguiffe,  tap  mit  #nfaa)ung  tiefet  geuerft  ^u^leic^  ein 
gewaltfamer  Üuftbrud)  ter  «Sträflinge  beabfufytigt  wäre.  Da-- 
|Jer  eilten  auf  tiefe  Sd)redeuofunte  alle  33ürgerwehr- Jtorpft 
neben  ter  rner  jurürfgebliebenen  1 .  Kompagnie  5.  ^ägerbat. 
unt  einer  fombinirten  Kompagnie  teä  I.  S3at.  (Qiörlift)  ti. 
2antwefyr  Regiments  —  tie  2.  ijägcrfompagnie  imt>  t>ie  übri* 
gen  2autwebrmaimfd)aften  waren  in  ter  ^roviuj  tyo)tn  — , 
auf  ihre  Sammelpläfce  unt  nmftellteu  in  s-BerbinDung  mit  je- 
nen Gruppen  taft  gau$e  C^ebäute;  uigleid)  traten  tie  Sd}u£* 
mannfa)aften  an  teu  Xfyoren  uut  ihren  iÖejirfen  an,  unnüfce 
3uläufer  absperren.  (*$  brannte  im  ©aale  ted  nörtlidjen 
glügelö  bod)  unter  tem  Dadje;  in  furjer  $e\t  waren  alle 
2)aaSräume  in  ein  geuermeer  verwantelt,  ta  taft  geuer  bort 
3üntftcff  an  $ol?vorratb  unt  anterem  Material  fanb.  tiefer 
glügel,  weldjer  oben  Sd)laf-  unt  unten  VlrbeitSfäle  enthält, 
uut  im  lfrtgeja>t?  überwölbt,  ietoa>  mit  fteiuerneu  Xreppcn 
verfehen  ift,  war  turd>  S3rantgibel  unt  dauern  von  teu  an* 
ftonenten  beiten  glügel»  beft  im  Wedjierfe  gebauten  «§ofeft  ge* 
fdjieteu.  $eint  borgen  flu  gel  war  tie  OJefatyr  am  größten, 
tenn  hier  befanteu  üd)  jwet  Xburen  mit  £ol$umfcr?rot  unt 
ohne  (£ifeublea>  in  ter  53rantmauer;  ferner  waren  mehrere 
halfen  ter  Tielung  unt  te$  Sparnverfcö  turd>  tie  ©rant* 
mauer  gelegt,  fo  tap  hier,  nad)tem  tie  Otffmingen  fdynell  t>er^ 
mauert  Worten  waren,  plöhlitt)  taft  geuer  turd)  jene  $ol$* 
verbinbung  in  teu  gegen  borgen  befinblid)en  glügel  geleitet 
wart  unt  tort  an  vielen  Stellen  tbeilft  ausbrach,  tfyeilft  auft- 
Wbredjen  trotte.  .  SÖurte  fyier  taft  geuer  übermächtig,  fo 
fonnte  baft  Santfyauft  geuer  fangen  unt  audj  tie  fdjöue  $e* 
terftfrra)e  in  Me  t)öa)j*e  ®efaf)r  fommen.    $>urd>  tie  bewun* 


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588 


bern$würbtgfte  VdioMun  bei  löfchenben  Maurer,  3im|>erieale# 
Sdjornfteinfeger  mib  ber  *Kettiiit(|6maniiftf)afttit  be$  Turnier* 
ein*  gelang  e$,  ba$  Setter  )tim  Sieben  bringen,  wobei  ein 
Ibeil  bei  Sträflinge  böchjt  ;wecf  mäßig  verweubet  werben 
fonnte.  Die  übrigen  ^üdjtlinae  wurbeu  in  ben  3cl'cl1  ttütec 
ben  ©ewölben  festgehalten,  oebon  am  29.  iWai  fprad)  ber 
AVagifirat  Den  ^nlfebringern,  am  10.  i\imi  bie  fonigl.  !Hegierumi 
ui  i'iegnifc  ihren  £>anf  au*.  —  Xcr  zweite,  am  6.  9Jot»br. 
1848,  Äbenbä  7  Uhr  audbrcd>enbe  &ranb  machte  rwar  gleich- 
falls grofie  ttnftrcngungeii  erforberltcb,  fonnte  aber  letd>ter  ge- 
lofcbt  werben,  ba  bie  tnjroiföett  überall  gebauten  3$ranbgiebel 
ber  Verbreitung  bed  abermals  im  cftlid^en  Xt>etle  wütheiiben 
fteuerS  bei!  beften  SBiberftanb  entgegeufefcten  unb  feine  Störung 
ber  l*ö|"4)eubcn  eintrat,  inbem  bie  >3ürgerwel)r  in  ber  Stabt  bie 
lirhaltuug  ber  Drbnung  auf  ba*  ÖMänjenbfte  bewerffteUtgte. 

flujjer  bei  biefen  $ränben  hatte  bie  $ürgerwehr  aua> 
einigemal  Gelegenheit,  |la>  bei  lumulten  bewähren. 

3m  Sommer  1848  war  ba*  *Beri?ältniH  berfelben  noch 
ber  *lrt,  bat*  bie  iwei  Äompaguieu  uniformirter  8ürgergarbe 
unter  bem  tfommanbo  beä  Seilermeifter  Prüfer,  bie  übrigen 
ÄorpS  aber  Dura)  freie  SBafyl  unter  bem  be*  ^catrrermeifter 
äiettfer  jtauben,  welcher  im  Allgemeinen  alä  Oberführer  galt 
unb  )ui)  befonber*  Hm  bie  Dritte  Jtompagnie,  furjweg:  9&r« 
geiwehr  genannt,  burd)  liberale  AudrüftHUg  ärmerer  Camera 
ben  fyödjft  anerfennenewerthe  ^erbienfte  erworben  bat.  im 
Wosember  würbe  bic  93ürgergarbe  aufgelöft  unb  ald  1.  nnb 
2.  Kompagnie  ber  $ürgerwei)r  eingereiht,  autt)  ein  Bürger- 
wehrgerid)t  für  alle  Abtheilungen  eingerichtet,  weichet  jeb*cfo 
nur  wenige  Sifcungen  hielt,  unb  ba  ihm  weitere  gefe$lid?e 
Viuftorität  bei  ber  ftetä  prot>iforifa)en  s49rlbung  ber  hingen 
^ürgerwebr  nicht  $ur  Seite  jtanb,  im  3.  1849  frühzeitig  einging, 

Die  oben  erwähnten  lumulte  waren  am  20.  Mai  ein 
Auflauf  auf  bem  Deinianiplafce,  in  golge  einer  aua>  hier 
nachgeäfften  fogcnannteu  tfafcenmufif.  (Sine  Abteilung  Sur- 
ner  bewirfte  bie  3crftreuung  ty*  l'ärmenben.  &l$  bei  (£in* 
fleibung  ber  Vaubwehr  am  17.  Oftober  gegen  Wittag  ein 
3ufammenlauf  auf  bem  SDbermarfte  eutftaiib,  würbe  aua)  bie 
vBürgerwehr  alarmirt,  fonnte  aber  ohne  CSinfcbreiten  entladen 
werben,  fta  1.  November  jeboeb  mußte  bie  gefammte  $üc* 
gerwehr  jur  lluterbiürfung  eine*  Auflauf*  serwenbet  werben. 


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589 


cito ii  am  Tage  ging  baä  ©erüdjt,  ee  fotte  bem  <8ete* 
raneii*93ereiue,  welker  im  ©aftljofe  $um  3rrau$  btefen  Slbenb 
einen  Appell  halrcn  wollte,  eine  JU&eumuftf  gebraut  werben, 
ein  llmftanb,  welcher  ben  Oberführer  tfiepler  t>a$u  betrog,  bie 
sJJiannfcf)aften  ber  «(pauptwadje  \n  verboppelu,  mit  $(benb9,  alö 
ftd)  eine  ungewöhnliche  fcebenbigfeit  ber  Juanen  geigte,  bie 
reitenbe  93nrgerwebr  palrouüliren  \u  (äffen.  T>ie  in  ber  Näfye 
bed  (Straußes  verfammelteu  bieten  ©tuppeu  burd)  3Hfrrom 
Neugieriger  fortwäbrenb  vermehrt,  Drängten,  fea  feine  <5iftHng 
beö  Veteranen-Vereine  ftattfanb,  auf  t>eu  mittleren  Qcmiani« 
plafc  unb  lärmten  vor  bem  «^aufe  be$  $Hagenbaitert  £über$  sen. 
Iu'kt  rebete  bie  Tumultuanten  mit  erregten  Korten  an, 
ite  begannen  nad)  feinem  «£>aufe  mit  3 teilten  \u  werfen  unb 
Wangen  bie  anfcinmenben  ^ürgerwebr-^atrcuillen,  weld)e  in 
bem  bieten  ®ewül)le  allen  $alt  verloren ,  inäbefenbere  aua) 
t>ie  berittene  35ürgerwel)i  buro)  unauägefefctc  6teiimuirfe  jur 
Umfebr.  8htf  biefe  «ftuube  ließ  ber  Oberführer  8larm  fctyla* 
gen.  5)er  Turnverein,  weld>er  juerft  am  -  ^al>lreid)ften  auf  bem 
Samntelplafce  war,  wurte  auf  t>en  Qemianiplafy  fommanbirt. 
2)ie  3Äenfd>enmenge  (circa  800  ^erfoueu)  liefi  rie  60  Kranit 
Turner  bura)pafiheu,  fd)lojj  fte  aber  bann  ein  unb  begann  auf 
bie  beim  2üDerä'fd)cn  «£>aufe  ^tuf^efleUrcit  ununterbrochen  mit 
©teilten  ju  werfen,  fc  baß  mehrere  Turner  bewußtlos  |H  55o* 
Den  jhirftten  unb  tu  baö  ^uberd'fa)e  ,£>auö  getragen  werben 
mußtet!.  3)a  bie  Sdtffcrberungcn  beä  Turncrführerd  an  bie 
sJ)fenge,  fta>  naa)  $aufe  511  begeben,  frud)tloö  waren,  baö 
eteinwerfen  aber  fortgefefct  würbe,  fontmanoirte  er  gum  IMn* 
grifft  mit  ben  6äbe(u,  welcher  zweimal  wieberr;o(t  warb  unb 
ben  s4>la$  auf  c.  80  8djritt  im  Gevierte  oon  -äNenfdjen  fäa* 
berte.  3Dod)  würben  bie  60  sJ9<antu  ficti  tiicf>t  haben  galten 
tonnen,  ohne  jur  6d)ttßwaffe  \n  greifen,  wenn  ntdjt  injwü 
faxn  redjtö  unb  Itufd  &ürgerwet)r  angerürft  wäre,  fc  -baß  bie 
Tumultuanten  auf  brei  6eiten  ine  ©cDränge  gerieten.  Nad) 
mehreren  Angriffen  ber  53ürgerwel)r  würben  bie  Tumultuauten 
in  ber  Dichtung  beö  äußeren  grauentbon?,  beo  9ial)mhof$,  ber 
oberen  Üahle,  ber  6teinga(fe  verfprengt.  in  ber  ©rübergaffe, 
Scr;war$egaffenerfe,  tnufjte  ein  Trupp  tfärmenber  nochmals  mit 
©ewalt  jerfrreut  werben,  unb  erft  9taa)t$  gegen  12  Uhr  f ehrte 
voüftänbige  Nu^e  in  bie  ©tabt  jurücf,  iu  weldjer  jur  Vor|ia)t 
bac*  ^arrouilliren  bi$  gegen  2  Uhr  ferrgefefrt  würbe.  £>ie 


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590 


Jpilfc  ber  $ant>it>cf>v  unb  2.  3äger*Äompagme,  un*(d>c  auf  Dein 
Cbermarfte  uttC»  bei  ber  ^etefSftraSe  aufgeteilt  waren,  brauste 
nic^t  in  ttufprud)  genommen  $u  werben. 

Seit  biefer  3<it  btd  tu  beu  ÜXonat  ;}lprü  1849  Kit  bie 
N^m  qcnvcln  regelmäßig  taglid)  iljre  £anptwad)e  am  Unter* 
marfte  belogen,  im  $pril  legten  bie  fämmtlicben  äorp*  bic 
von  ber  Stabt  empfangenen  Waffen  freiwillig  ab,  ba  alle  ©e* 
fud)c  um  befinitioe  (£onfiituirung  ber  ^ürgerwebr,  welAe  ftd) 
niebt  länger  mef)r  auf  bem  C%unbfafce  ber  ftreiwtlligfeit  hal- 
ten ließ,  tdjeiterten. 

21  m  27—29.  Sluguft  würbe  oon  ber  ©ürgerwebr  ein 
fefyr  r>eitere$  geft  —  bte  angenebutfte  (Erinnerung  fyiejiger 
5iabt  au*  beut  jaljre  1848  —  begangen,  jm  welcbem  bie 
tfommunalaarbett  and  Zittau,  fcJobau,  &au$eu,  bie  ©ürger 
wefyr  auö  töeid)enbad>  £V. ,  ¥aubau,  Sdjöuberg,  «eibenbera, 
uub  SHarfliffa  eingelabeu  wareu  unb  auefy  fameu.  (£in  gro; 
jje$  Surufdjanfeft  idmmtlidjer  biejiger  lurner  unb  iwt* 
nertttneti  gab  bem  @*anjen  mefyr  $(bwed>felung  unb  ben  (§ba* 
rafter  eineä  ^olfefefted.  $or  bem  »8d)tcfil)aufe  waren  eine 
große  Wenge  $titi  unb  Stuben  aufgebaut,  welaSc  $(benb6  int 
fO)önflen  Vampeuglaiue  mahlten  unb  bei  bei  terraffenförmigen 
£age  riefen  ^la$eä  ein  wa bv hart  ma(erifd>e£  5Mlb  gewährten, 
(^efang,  Söajferpartfyien ,  fteuerwerfe,  (Fencertc,  »erfdnecene 
^olfdbelutttgungen,  altf  4patynfd)lagen,  6  tan  anif  lottern,  %wn* 
fpiele  k.  roedjfelten  \ux  (Erweiterung  ber  ^atifenbe  von  jw*-' 
tbeilnentnern  ab.  £ae  am  27.  ^.Htttaqö  mit  einer  großen 
^ürgerwe^rpaeabe  auf  bem  Cbermarfte  begonnene  geft  enbete 
am  ^(benbe  bed  29.  mit  einem  großen  ^atfeljuge.  Xer  <$eift 
ber  (Einigfeit  unb  ^rüberlidrteit  leitete  bie  $al)lreid)en  v£f)eilneb~ 
mer  unb  fein  3wiefpalt  trübt  .bie  (rriuiternnq  an  jene  wun^ 
berbaren  £agc*). 

Der  9)iagiftrat  butte  feit  bem  3abr^fd)tuffe  1846  $ur 
Rettung  bed  Inrnwcfenö  einen  Högling  (5udeu$  ui  Berlin, 
90tori&  93öttcber,  alä  Surnlefjrer  angeftellt.    Diefer  betrieb  alle 


*)  3it  Um  ©eilte  tts  ftefte*  iit  Pa*  (frtraKatt  ^um  gört.  Stnteia," 
»cm  31.  Äug.  1848:  Da*  a*erbruPevuna,aKtt  Per  ?auft*tr  in  «örlifc,  gf- 
f  einrieben,  oon  Pem  necü  @renu>lare  in  Pet  ®ud)fyanPl.  von  @cttb.  ieia^t 
u.  (Sc.  fyicrfelbtl  ;u  ImI'imi  fi np.  Die  CFilr ,  mit  Pei  Pie  $efd)reiPuna  aS- 
gefa^t  unP  ßffefct  narrten  muffe,  tvirb  einige  ftlucbtigfeiten  im  Stil  entfdml- 
Pig«n.  (£*a,än$unge*  ftuben  jld)  in  ben  „@drl.  Snjtänben",  vcm  ©<tf.  >.  I84Ö. 


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Soctattaitgeft  mit  großem  (iifer  Hnb  fault*  in  ben  SÖinter* 
monaten  1846  311  1847  eruier  Der  Ijofjern  $ürgerfd)ule  unb 
beä  (&himitaftumd  ju  Vorturnern  ein.  3m  sD?ai  1847  war  ber 
fdjöue  Xuruplafc,  »tieften  bie  ©tabt  bei*  3ngenfcwK  im  ®ar* 
ten  be$  3afoböl)o$pital$  einsendetet  Ijatte,  fo  weit  rjergeftellt, 
t>ap  befien  Eröffnung  am  4.  sJWai  1847  erfolgen  fonute.  $>ie 
nnermüblicfte  (Sorgfalt,  wcldbe  ber  neue  iurnlefyrer  feiner 
Schöpfung  juwanbte,  bewirfte  eine  fteigenbe  Xfyeilnafyme  an 
beu  Hebungen  felbft  nnb  baä  ebengebadne  große  lurnfeft  im 
X  1848  gab  rem  3ntererfe  fowol)l  ber  (Altern  ald  6d)üler  ^ 
einen  newen  $luffd)wung.  (Sin  Xurufeft  beging  noefy  am  15. 
3uli  1849  ber  inrn-  nnb  $ettung$-siterein,  weitem  ber  9Äa* 
giftrat  bie  9)fitbenut$ung  beo  ^la^eö  auf  bie  liberalfte  $l>eife 
gemattet  fyat,  bei  Gelegenheit  feiner  gal)ueuweil)e.  Tie  Vater 
ber  ©tabt  Ijaben  burd)  beu  £ku  einer  im  ^erbfte  1848  voll* 
eubeten  praftifeben  Xnruljalle  and)  für  ben  Sali  geforgt,  bap 
bie  Witterung  im  Sommer  baä  Xurnen  in  ber  freien  9fatur 
hemmen  follte.  9Bi6  ber  im  neuen  (sduilgebäube  projeftirte  ' 
^Üinter-Xuru^aal  vollenbet  ift,  wirb  im  SSBinter  in  ber  fteit- 
bahn  be$  ©aftfyofS  &um  weißen  Mlop  geturnt. 

Das  Ver^ältnip  ber  @inwof)nerfd)aft  sum  Militär  blieb 
im  3.  1848  ungetrübt  unb  gab  ftd>  mehrmals  bei  5Rürffef)r 
von  Iruppenabttjeilungeu  au$  bem  ©ropl)er$ogtf)ume  ^ofen 
burd)  r>erjli^en  Empfang  al$  ein  fcl>r  evfreulidjed  funb.  3m 
November  *1848  würbe  bie  ©arnifon  turd)  baä  1.  9$at.  8. 
*?anbwer;r*  Regiment*  (granffurt)  verjtärft.  .  Da$  Bataillon 
war  wegen  vieler  UebuugSmärfdjc  im  görlifcer,  rotl>euburger 
uiib  fw^er^werbaer  streife  nur  jeirroeife  voUftänbig  in  ©öV 
lt$.  3m  Vorfrüf)liuge  1849  würbe  ein  3J>eil  ber  ÜDJauufdjaf* 
ten  wieber  entlaffeu.  £er  Äuäbrud)  ber  $tufftänbe  in  i)xtfc 
ben,  ber  ^fal*  unb  SBabcn,  unb  ber  Untftanb,  baf*  ein  Xfyeil 
ber  bortl)in  beftimmten  ^ilitärfrafte  unfere  Stabt  im  9)tonat 
sJP?ai  unb  3wni  paffute,  bradjte  ein  rjöcfyft  bewegtes  lieben  in 
biefelbe.  ;£a3  5.  3ägerbataillon,  feit  jwantfg  3af)ren  fyier- 
felbft  in  ©arntfou,  rürfte  nad)  Nabelt  autf,  ebenfo  bie  bier 
ftcbcnbcit  Sanbwefjrmänner  8.  Regiment?.  $(n($erbem  mar« 
fd>trteit  burd)  ©örlifc  in  ber  genannten  $eit  bad  20.  3nfan* 
terie^iKegtmeut ,  baö  12.  £anbwef)i«  Regiment,  ba$  wriegener 
£aiibwet)r>  (35.  SRefcwe*)  Bataillon,  baö  ©arbe-ßaubwe^r^a- 
taillon  Stift/  bad  7  3nfanterie*  Regiment,  ba$  4  Jturaffter* 


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59* 


Regiment ,  eine  öpfüubige  reitenbe  unb  eine  beflqleidjeu  aw\i 
batterie.  $>ae  2.  Bataillon  6.  ganbweln*Regiment*  blieb  jh* 
le$t  in  ber  £tabt  alö  (*Jarmfon  jurürf,  eö  würbe  im  ^erbfte 
1849  bid  auf  200  üttanit  entlaffen,  ju  benen  ne-ct)  200  ÜHann 
vom  fcöwenberger  5*at.  beff.  Regiment*  ftiepeu.  Da  bae  7. 
3äger'9$ataillon,  welrfjeä  l)ierl)er  in  ©arnifon  foinmen  foll, 
auä  feiner  jeftigen  Station  Hamburg  nod>  nid>t  eingetroffen 
ift,  bie  sDianttfd)aften  reo  combinirten  Bataillon*  aber  bie  auf  je 
HM)  Wann  ctttlaffcn  würben,  trat  bafür  im  tfuibjabr  1850 
eine  bi$  auf  120  infl.  Stammmaunfdjaft  entlaffene  Jtompagnie 
fceö  ©arbe*2anbwebr*  Bataillon*  ©örlifc  ein.  Tie  Cammer 
t>e*  7.  3äger*$ataiUoti6  war  im  J£>erbft  1849  eingetroffen. 

£ie  neue  3uftij'Drganifation  hat  für  ben  görlifcer  Jhei* 
mit  bem  1.  flpril  1849  in'e  £eben.  Ter  Bewirf  be*  in  ein 
&rei*gerid)t  umgewaubelten  fgl.  £aub'  unb  3  tabtgeria)t*  gu 
©örlio  umfaßte  nunmehr  n)  ben  8cgM  be*  bisherigen  Stanb* 
unb  £tabtgeridtf*,  b)  fämmtlidje  ^atrimonialgerid)te  be$  gär- 
iger Greife*,  c)  ba*  ehemalige  ^Wtrtmoiiialgeridu  Jlunneio- 
t>orf,  (I)  bie  bieder  bem  fgl.  £ber4'anbe*=©erid)te  $u  ©logau 
unterworfenen  ^erfonen  unb  Rittergüter.  $ie  ($rrid)tung 
eine*  (gcfywurgeiidjt*  bierfelbft  für  bie  Greife  Rothenburg, 
©örlifc  unb  Stauban  würbe  genehmigt  in  golges  ber  (Srftdruitg 
ber  görlifcer  £tabtverorbneten  vom  2.  gebrueu*  «4849,  bafi  jic 
\\\  ben  Slfftfen  tf>rcn  €i$ung*faal  einräumen  wollten.  2)tc 
erfte  öffentlidje  Sffcuug.  in  (straffadjeu  fanb,  ba  ber  fner-m  be* 
ftimmte  Saal  im  mmmeljriaen  Ärei*gerid)t*  *  ©ebäube  nod) 
nidjt  f>ergefitellt  war,  am  9.  WM  1849  im  Stabtverorbneten* 
gofale  ftatt;  bie  erfte  Sifcuna  bb*  £d)Wurgerid)t*,  buraj  eine 
bie  2Bid)tigfeit  be*  neuen  «erfahrend  beleuajtenbe  Rebe  bed 
Direftor*  Äontg  am  8.  3«U  1849.  Die  zweite  Sifcung  beö 
Schwurgerid^t*  vom  8.  £)ftober  ab,  braute  am  12.  unb  13. 
bie  erfte  politifa^e  ^er^anblung,  ben  Apodjverratljeprojejj  ber 
Wuöfauer  Slngeflagten. 

$>ie  Slrbeitfloftgfeit  be*  3al>re*  1848  nötigte  bie  6tabt, 
33efd)äftigung  ber  tRal)rung*lofen  ju  forgen,  e*  würben 
al*  verfdjiebene  bauten  unternommen,  bereu  oben  gebad)t 
if**).  3u  ben  bort  erwähnten  Arbeiten  fam  nod>  im  3.  1848 
ein  neue*  $olf*fd)ulgebäube  am  Rifolaifird^ofe,   2>er  ©ruub 


•)  <s.  20. 


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593 


taju  würbe  am  29.  3«m  1848  gelegt;  e*  fam  nod)  im 
öerbfte  beffelben  3af)re*  1848  unter  Dad)  unb  formte  im 
^>erbfte  1849  eingeweiht  werben.  $>er  Umbau  be*  Äaifer* 
trufce*  warb  gleidjfall*  1848  nad)  einem  von  be*  Äonia* 
SRajejWt  entworfenen  $(aite  begonnen  unb  1850  in  ber  SBetfe 
beenbet,  bat)  bie  fcfycit  im  3a$rc  1847  abgebrodjene  £aupt* 
wad)e  auf  bem  Dbermarfte,  in  ber  nad)  biefem  $(a$e  geriet 
teten  gront  be*  reftaHrirten  (*Jebäut>e*  eingebaut  würbe.  Der 
inneren  (^Weiterung  Der  Stabt  ftetjt  feit  ber  im  gebruar  1850 
Seiten*  ber  aWttiftcrten  erteilten  (Genehmigung  jum  gdnj* 
lifen  %bbn\ä)  ber  Stabtmauern  unb  SCwefüllung  ber  aüeji 
2Öalfgräben  fein  £mt>ernijj  mehr  im  SBcgc.  (Sin  von  ben 
Stabtverorbneten  unterm  28.  September  1849  genehmigte* 
^adftofögebäube  an  ber  $abnbofftra£e  gebt  in  biefem  3ak)re 
ber  <äßoUenbung  entgegen. 

Seit  mehreren  Jahren  wur>e  ber  Langel  eine*  Xi?eater* 
fefjr  briirfenb  fhr)lbar.  Da«  vom  ludjfabrifanten  ©ladjmaun  in 
ber  Weifcjaffe  So.  349.  I)ierfelbft  bergeftellte  würbe  nad)  bem  Un* 
gtürfe  betm33ianbcteoJlarl*rHber  Xheater*  jHm  (Gebrauche  un< 
terfagt,  ba  e*  fo  enge  unb  mangelhafte  3n<jäu*)e  hatte,  ba(j  bei 
«uebrud)  von  geuer  ein  grofie*  llnglürf  \u  befurd)ten  war. 
9^ac^  tyarttn  dampfen  befdjloffeu  tie  biefigeu  Stabtverorbneten 
am  1.  9t4r*  1850  ba*  urfpuinglid)  auf  Hftien  mit  jtäbti* 
fcher  3iutfgarantie  beredmete  ©ebäube  auf  Stabtfofien  jii 
bauen,  ba*  tfiefHer'fchc  ^rojeft  \u  wählen,  tinfc  bem  £rn. 
Äiefiier  beu  $au  §u  ubertragen,  weiter  feitoein  ruftig  in  $n* 
griff  genommen  ift.  (Sine  ftäbtifebe  $fanHrih*HnfiaU  trat  im 
3.  1849  in'*  geben ;  ein  bamit  p  verbinbenbe*  Sparfaffen* 
Jnftitut  bürfte  nod)  in  biefem  3ahre  verwirflidu  werben.  (Sine 
«erbefferung  be*  geuerlöfdnvefen*  bradjtc  im  sJJc\Uj  1850  bie 
am  11.  3anuar  1850  von  Den  Stabtverorbneteu  genehmigte 
geuer^öfd)'Orbnung. 

(Snblid)  ift  311  erwägen,  bap  am  I.  Januar  1850  bie 
Stabt  ©örlifc  beut  Sanbrathe  a.  D.  von  Oerjeu,  weaen  feiner 
mannigfad)eu  $ercienfte,  weldje  fUb  berfelbe  um  ®örli$  er* 
worden  hatte,  ben  (Sfyrenbür^erbncf  überreifen  ließ,  inbem  fk 
bamit  jum  erften  üWale  von  biefem  ihr  jwftehenben  *Red)te  ®e* 
bxaud)  machte,  unb  baj*  bie  au*fd)eibenben  (Etabträthe  Temmler 
unb  ahorer  ben  ehrenvoüen  Xitel :  Stabtäiteffc  erhielten. 


©cWd?tC  NR  Wtlt*.    .  38 


594 


Silbung  einer  a) r i ftf ar^ o ( tfc^ett  ©emeinbe.  1845. 

9io*  unter  DemianiM  Stowaüuna  fällt  bie  Bilbung  einer 
cfyriftfatfjolifdjeu  ©emeinbe  bierfelbft.  9ta$fcem  in  ber  $wei-- 
tett  Strfammlung  vom  30.  Statu  bie  2Öal)l.  be*  SBorftanbe* 
nnb  ber  Slelteften  vorgenommen  war,  trat  biefelbe  am  (tyar* 
freitage  (31.  ffltärj)  1845  jiifammen.  Den  11.  Slpril  tyielt  bic 
©emeinbe  in  ber  tyr  baju  gewahrten  Dreifaltigfcttofircbe  ibreu 
erften  ©otteSbienft  ab.  3Äer>r  ald  4000  $erfonen  Ratten  fia) 
in  ben  efjrwürbigen  Räumen  biefer  tfirAe  verfammelt;  bie 
©emeinbe  felbft  fap  im  Ureäbvterium ,  fo  bap  fte  von  ben 
übrigen  üfyeünefymenben  auf  eine  entfpred)enbe  Seife  gefajic 
ben  war.  Der  s-8orfranb  uaf)m,  nadjbem  er  ben  $u  biefer 
geier  eingetroffenen  Sorjanne*  Dtonge  biö  an  bie  Stufen  be$ 
•  Stttarä  geleitet  Ijatte,  ber  ©emeinbe  ba$  ©laubeitfbefcnnrnft 
welajee  mit  einem  einftimmigen  3a!  befeftigt  würbe,  ab, 
unb  alöbaun  begann  ber  ©otte$bienft  Der  Muftfbireftcr 
älingenberg  mit  bem  ©9mnaftal'<Eängerct;ore  führte  bie  jRe* 
fponjorien  auä,  bie  befouberö  gebrurften  lieber  würben  ge* 
meinfa)aftltd)  mit  2lnbacr;t  gefungen.  Monge  fn'elt  bie  *ßre* 
bigt  über  bie  Sluferftcbung  im  ©eifte  unb  legte  in  berfelben 
baä  wal)re  3Befen  ber  neuen  tfirdje  mit  überjeugenber  Älar- 
f>ett  bar.  Da*  ^eilige  Slbenbmafyl,  unter  beiberlei  ©eftalt, 
feierte  ber  größte  Zfytii  ber  ©emeinbe,  worauf  gwei  Jtinber  gc* 
tauft  würben.  Die  (Stattete  erftarfte  balb  bura)  iwtvitt  ber 
©emrinben  auö  £eibeuberg,  Meiden  barf>  *.  f.  w.,  fo  weit, 
baß  ba6  Oebärfnifj  bringeub  gefüblt  warb,  einen  eigenen 
Seelforger  ju  beft^tn.  Slufänglia)  Ijatte  man  bie  iÄbftdjt,  ge* 
meinfdjaftlid)  mit  Sauban,  X'öwenberg,  ©reifenberg  unb  £äbn 
einen  folgen  anstellen,  weil  bie  Jträfte  ber  einzelnen  ©e* 
meinben  mdu  jur  befonbern  Aufteilung  eines  ©eijtlictyen  an 
jebem  £>rte  l)inreid)ten.  Da  bewilligte*  bie  f)ie|tge  Stabrver* 
orbneten*93erfammlung,  vorläufig  auf  10  3a^re,  tfjren  c^nft^ 
fat()olifd)en  Mitbürgern  einen  3ufd)uß  von  400  Stylrn.,  tim 
lidj  gefdjal)  eö  in  Taliban  unb  aubern  ©emeinben.  ^tn 
£auptfummer  war  inbejj  ber  Mangel  einer  #ird)e.  d$  war 
befdjloffen  worben,  ben  dl)riftfatt)oli|a>eu  jur  Aueübung  beä 
©otteebienfte*  bie  Jtapelle  jum  &eiL  ©eifi  ui  verftatten.  #ad> 

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595 


fyöfjerer  Änorbnung  würbe  jebod)  verboten,  ben  fatfjottfdjeit 
Difftbenten,  ehe  jte  bie  ?lnerfennnng  beä  Staats  erhalten  l>a* 
ben  würben,  evangelifd)e  Jlirdjen  ftum  SDNtgebraud)  ju  über« 
laffen.  Die  neue  ©emeinbe  f>te(t  injwifdjen  %en  ©otteS* 
bienft  im  Sdjulfaale  ter  flödjterfdjule,  weldjer  aber  weber  ge* 
räumig  genug,  nod)  paffenb  baju  war.  Dod)  würbe  aud) 
rjier  Sari)  gefdjaffr.  Die  Wnnenfapelie  war  vor  wenigen 
3af)ren  $u  3w<fc"  bietiger  $olf$fcr;uleu  fäfularifirt  unt>  aud 
ber  $a\)l  ber  Jlird)en  geftridjen  woroen.  Diefeä  nun  weit* 
licfye  ©ebäube,  ber  &tät>t  alä  freie*  (Sigentfyum  juftefyenb, 
würbe  ben  (£r)riftfatf)olifd)eu  sum  9J?itgebraud)-  eingeräumt. 
Die  $(e(teften  ber  ©emeinbe  wägten  beu  äanbibaten  i>c$  *ßre* . 
bigtamtd  Jeimann  görfter  aud  ©örijfeiffen  bei  Söwenberg, 
unb  feine  Drbination  würbe  am  10.  Aug  int  J845  burd>  3o* 
f)anne6  Hollge  Donogen,  weldjer  auf  feiner  großen  iReife  von 
jtönigdberg  über  ©erlin,  <£>alberftabt,  Seipjig,  am  9.  SCuguft 
l)ierfelbft  anfam.  Die  Räume  ber  8fniteitrar$e ,  eine$  Denf- 
male  bürgerlidjen  ©emeinfinuö,  ftra()Uen  in  erneutem  ©lanje; 
bie  feit  3ar;rrjunberteu  »erblinbeten  genfter  wareu  gereinigt, 
bie  dauern  reo  «Rird)enfcf;iffe8  gefäubert,  unb  tfanjel  unb  &ttar, 
etnfad),  aber  würbig,  &um  Xtyeil  mit  ©efdjenfen  audgeftattet 
worben.  &uä  t>er  Wäfje  unb  gerne  waren  ©äfie  vornan« 
benj  bie  ©emeinben  $u  Dreyen  unb  ¥auban  Raiten  Depu* 
tirte  gefanbt.  So,  t?on  einer  großen  sJWenge  von  Xfyeünefy« 
mern  umringt,  feierte  bie  neue  ©emeinbe  bie  (Stnfüfyrung  ifyreä 
erfien  Seelforgerö.  Die  Drbination  vollzog  Sofyanned  töonge, 
wobei  ifytu  ^rebiger  33ätt;ig  unb  ber  würbige  $ater  bed  neuen 
Seelforgerä,  »jjlrebtger  görfter  eine  ©öriffeiffen,  affiftirten.  lief 
ergreifenb  war  bie  Änrebe  t>ee  9$aterd  an  feinen  @ofm  unb 
imtjergeßlid)  bleibt  biefe  ganjc  ^anblung,  bie  ohne  *ßruuf  unb 
$omp,  ohne  äußeren  (Miau;  unb  £errlid)feit,  bennoef)  fein 
2(uge  trorfen  ließ.  Xaf  bie  Drbination  folgte  fobann  ber 
©ottedbienft  unb  bie  9(utrittdprebigt  ^ermann  görfter'e  über 
bie  (£arbinaltugeuben  beä  (griffen:  ©laube,  Hoffnung  unb 
Siebe.  9iad)  bem  ©ottedbienfte  unb  gefpenbeteu  fjeiligen  «toenb*  - 
mahle  würben  jwei  töinber  getauft,  ©ei  einem  berfelben  war 
3or)anned  Ofoiige  £auf&euge;  aud)  wohnte  er  nadjber  in  ber 
{vangelifd)en  ^auptfira)e  einem  laufen  alä  3*"9*  bei.  Die 
©emeinbe  bat  feit  biejer  Seit  *>l)ne  Änfto(j  beftanben  unb  i(l 
fottwäfjrenb  geworfen.   Sie  verbanb  fta>  nadj  %  107—114. 

38* 

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5Ö6 


ber  Verfaffnngfl  Urfunbe  ber  chriftfatbolifchen  ©emeinben, 
jut  SBefpredjung  unb  Oerath ii uii  gemeinsamer  Angelegen* 
leiten,  §ur  görberun^  be*  ftrct)Üc^en  Sebent  in  ben  ©emeinben 
unb  jur  (Schlichtung  *on  ÜNijjheUigfeiten,  welche  bie  ©emeinbe* 
Sßorftclnbe  nicht  beizulegen  vermöchten,  mit  ben  ©ememben: 
Sauban,  ^owenberg  unb  griebeberg  a.  £1.  ju  einem  JfreiSvep 
eine.  Äm  19.  Dftober  1845  fanb  bie  betreffenbe  SBahl  ftatt, 
unb  $war  würben:  Äan&lei*S)ireftor  5)ittrich  in  ©örli$,  3nfri$- 
fommif}arlu$  Sulla  in  $auban,  unb  ber  bamalige  (Stabt* 
richtet  tyndtx  in  griebeberg  in  benfelben  gewägt. 


%^t^nU6  Sapittl. 

©efebietyte  ber  Snnungen,  ber  3nbujtrie  unb  be$ 

£anbel*  in  ©örlifr. 

• 

3nbujfrie  unb  £anbel,  eng  verbunbene  ©efchwifter,  ftnb 
bie  eigentlichen  ©runblagen  alle*  bürgerlichen  SIBohlftanbed  ; 
3nbuftrie  unb  $anbel  haben  fm  SDnttelafter  jene  großen 
(Stäbteverbinbungen  gefchaffen,  vor  benen  Surften  gitterten  unb 
Jtönigreidje  ftch  beugen  mußten;  ber  auä  beiber  Strebfamfett 
erfpriejjenbe  föeicf/thHm  hat  batf  93ewu|*tfein  ber  $raft  erzeugt, 
bie  Littel  jur  Scförberung  beä  Schönen  unb  (Erhabenen,  ber 
fünfte  unb  SBijfenfchaften  gefpenbet  unb  ijl  baburch  jugleich 
ein  mächtiger  Jeebel  freigenber  Kultur  unb  wachfenber  £uma- 
nitett  gewefen.  ü)ie  neuere  Seit  hat  unfere  Stabt,  autf  ber 
SRittelmäfngfeit,  in  welche  fte  Durch  bie  golgen  be$  Tonfall* 
vom  3ar)rc  1547  unb  ber  vielfachen  fchweren  JfriegSlaften  in 
inbuftrieller  Ziehung  he™b  gefcntcfX  war,  ja  einem  regeren 
inbufrriellen  unb  eommerciellen  geben  wieber  Crwecft,  unb  e$ 
bärfte  biefelbe,  wenn  nicht  alle  Stnjeichen  täufer/eu,  vermöge 
ihrer  gunftigen  Sage  alö  £anbel$pfa$,  einer  bebeutungSvoÜen 
3u!unft  entgegen,  gehen.  Daher  fchien  e*  anaemejfen,  biefcä 
2ßerf  —  ein  ber  ©e<jenwart  gewibmeteS  Denfmal  jur  (fata* 
nerung  au  ben  53ürger|tnn  unb  bie  $hat*n  unferer  Vorfahren  — 
mit  einer  Sfijje  über  heimifa)e  3nbuftrie  unb  heimifer/en  §an* 
bei  $u  fct/liefien,  alö  ber  beiben  gaftoren,  welche  hierin  zugleich 
ben  SRücfblicf  auf  bie  Vergangenheit  unb  bie  £infchau  auf  bie 
3ufunft  vermitteln. 

i 

I 

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Die  Materie  biefed  Äa^itclö  ift  jebod)  fo  umfajfenb,  bajj 
eine  tn'6  Spejteüfte  gebenbe  Bearbeitung  reift  Iben  allein  einen 
SRaum  forbern  würbe,  wie  er  nur  betn  ganzen  2Öerfe  mge* 
meffen  war;  barum  muffen  wir  und,  wie  fdjon  in  einigen 
anbern  gdllen  gefdjeljen,  auf  bie  allgemeine  (Sntwicfelung  ber 
fyauptfäcfyltctyften  ©runbjüge  bed  gegebenen  <Stoffed  befdjräti* 
fen.  Um  nun  biefen  $md  ui  er  reut  en,  f<r)etnt  eö  am  paf 
fenbften:  bie  ^erbältniffe  ber  Innungen  ;um  ftdbtifa)en  Sur* 
geitbum  unb  bereit  Sebeutung  innerhalb  beffelben  im  HÜge* 
meinen  $u  betrachten,  bann  mit  ben  Innungen  im  SBefonberen 
for  mt  fahre  n,  enbücb  mit  ber  %n  unb  Sffieife  ui  fd)licjjen,  wie 
fte  i^rc  ©ewerbe>(Sr$eugntffe  burd)  $ anbei  t>enr>ertr)ctcnf  wo* 
bei  jttgleid)  bie  äußeren  ©eförberungämittel  beffelben  in  Gr- 
wdgung  ju  bringen  fmb. 

3n  ben  Umfangen  unferer  8tabtgefa)td)ten  fpielen  bie 

tanbwerfer  nur  m>$  eine  untergeorbnete  ?Kolle;  bie  eifernen 
eiteu  beä  gaufhedjtd  brängten  Diejenigen  in  ben  SBorber- 
grunb,  wela)e  vom  Vaubeeherrn  unmittelbar  jm  SBertfyeibtgung 
be$  8anbe$,  ber  laube$berrlict>en  ©eredjtfame  berufen  waren. 
Dem  6tanbe  ber  9iittennä$iaat  mußten  bie  £anbwerfer  um 
fo  mel)r  bienftbar  fein,  ald  ifyre  grope  Vereinzelung  inmitten 
larjlreidjer  ärieger,  jeben  ffiiberftanb  an  fta)  ver&inberte,  felbft 
wenn  tyr  $iltimg*jufhinb  ifmen  ifyre  gebrüefte  unb  bemütfcige 
Stellung  |iini  SBewufjtfem  gebraut  f)ätte.  3öie  überaß  im 
beginnenoen  Stäbteleben ,  wirb  bafyer  aud)  ber  görlifrer  £anb* 
werfeiftanb  tu  ber  erfien  s4kriobe  bi$  1150  nur  tnfofern  ge* 
uannt  werben  fönnen,  al*  er  bem  föitterftanbe  biente,  ald  in 
ber  53urg  be$  «Botgted  für  ba$  fcanb  ©örfifc  tanbwerfer  feg* 
baft  waren,  bie  bringenben  SÖebürfuiffe  ber  $efafcung  brefe* 
Sollwerte«  *n  befriebiaen.  Sie  unterfajieben  fta)  allein  ba* 
burd)  »on  ben  Jhiegöfi tieften  beä  Voigtei,  baf?  fte  nia>t  leib* 
eigen  waren,  unb  führten  ben  Wanten:  Surgfaffen.  3^rc  3a^l 
wud?S  tfjeilö  in  ftd),  tf>eil$  bura)  (Sinwanberuug  von  aufier* 
fyalb  beftdnbig  unb  verengte  allmälig  ben  Diaum  ber  jur  33er* 
tfjeibigung  beftimmten  93urg  fo,  ba|j  ber  fonigl.  Votyt  genö* 
tr>tat  war,  ifynen  ÜBaitpläfre  außerhalb  ber  $urgfreil?eit  anju* 
wetfen  *). 

Sßd^renb  nun  bie  Vermefyruug  ber  ^anbwetfer  etned 


•)  m.  12. 


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598 


®ewerbe$  fdjon  burd)  baG  Bant)  gleicher  3)ttereffen  eine  Än- 
naheruna,  berfelben  unter  fid)  erzeugte,  $wang  reu  Voigt  bie 
mit  (Erweiterung  ber  9Burg  nötrjig  werbenbe  Vermehrung  bei 
Venheibigung6mittel  ju  Venufcung  ber  ^anbwerfer  Gräfte. 
Der  Voigt  mußte  auä  ber  gulle  ber  Vurginfaffen  %JDfännei 
haben,  reuen  er  bie  Vertl)eibigung6pHnfte  anweifen,  burd)  be- 
reu Vermittelung  er  bie  .^aitbwerfer  wer)rr)aft  machen  founte; 
—  bie  $anbwerfer  ihrerfeite  mußten  fid)  —  nad>  uralten 
bcutfdjen  ®ewor)nr)eiten  — ,  über  biefe  9JNttel$perfonen  ver; 
fiänbigen.  sJ?tcfu*3  lag  näher,  al$  baß  biefe  Vcrfxänbigung  uu-- 
ter  Denen  vor  fid)  ging,  welche  burd)  gemeinfame  £r)ärigfeit 
ut  gemeinfame ii  93efpred)ungen,  3ufammenrunften,  aum  eje- 
meinfamen  $ed)tn  veranlaßt  würben. 

<5o  entftanben  fyierfelbft  itdbm,  aud)  Innungen  (Eini- 
gungen), $anbwerfe  (©ewerfe),  Littel  (weil  ihre  3ntereffen 
einen  SÖcittelounft  Ratten),  ©üben  genannt. 

*Dcan  bürfte  wenig  in  ber  3e^  irren,  wenn  mau  fid)  bie 
Vegrünbung  ber  erften  ^djen  in  ©örlifc  fdwn  in  ber  dritte 
beä  12.  3atyrr;unbert$ ,  bei  ber  erften  (Srweiteruna  ber  $urg 
gur  ©tobt,  c.  1150  bewirft,  benft.  Die  junädtft  au*  ber 
Sfflaxt  einwanbernben  vlämifdjen  SöcUenwebcr  werben  bte  93tl* 
bung  von  £anbwerfer<Vereinigungen  in  völligem  dinverfiänb* 
niffe  mit  bem  fönigl.  Veigte  befd)leunigt  haben.  3n  ben  Rfe* 
berlanben,  ihrem  Stamm-Vaterlanbe,  waren  ja  fdjon  früher  3n* 
nungen  bräud)lid).  @ö  lajfen  ftd)  l)ier  freilief)  nur  burd)  fpra<h* 
lid)e  ©rünbe  gefhi&te  ftypotirftn  aufhellen,  ba  Dofumcnte  über 
biefe  Verhältnijfe  ber  alten  3eit  mty  vorhanben  fmb,  unb 
auch  bie  früheren  3nnuug$4lrttfel,  wenn  beren  9tieberfd>rift 
überhaupt  über  bie -Witte  be*  15.  3abrh.  hinaufgegangen  ift, 
beim  $6nfaUe  von  1547  abhanben  famen,  inbem  bte  abgelie- 
ferten -3edjftatuten  nidjt  mel)r  jurüefgegeben  wurben. 

2Öie  mit  junehmenbem  SßadjSthume  unb  Vergrößerung 
ber  etabt,  fowie  8u*bi(bung  ber  ftäbtifdjen  ©ewohnheiteu  unb 
©afcungen,  inSbefenbere  mit  ber  Verleihung  be$  Wagbeburger 
9ted)tf  bie  Vebeutung  be$  fönigl.  Voigte*  fdjwanb,  ift  fd)on 
gefefcilbert  werben*;. 

Vei  ber  2te$bilbung  unfern  ©tabtverfaffung  fleUten  ftd) 
balb  ehemalige  fönigl.  ©eamte  unb  bitter,  inSbefonbere  aud) 


*)  6.  23-26.  ©.  84. 


599 


©rmwbeftfcer  in  umltegenben  JOrtfcbaften  an  bte  ®pi$e  Der 
aUmälig  wwidelter  werbenben  Verwaltung ;  fte  fonnten  an* 
fänglid),  mrgetynbert  son  ben  mit  ifjrer  dgencn  GonftitMirung 
befdjäftigten  $anbwerfen,  triefe  gormen  galten  unD  in  im* 
mcr  fteigenber  Sluäbermung  ausbeuten.  6ie  nannten  fta)  ©e= 
fd)lea>ter,  aua)  ißürger  an  ficb,  unb  nahmen  bte  von  ben  8an- 
be6f)erren  erworbenen  ^rimlegien  eigenmächtig  in  93efd)lag,  bfe 
$anb  werter,  ben  ifmen  unterworfenen  vXfjeil  ber  SBesolferung, 
Dorn  ©enutJe  jener  $$orrecr)te  willfurlid)  auäfdjliejjenb.  $er 
au«  ben  ©efd) (ecfyern,  wela)e  (Snbc  beä  13.  3ar)rfyunbert$  bte 
größeren  itaiiffeiite  in  ihn  Glitte  aufnahmen,  unb  bte  $um 
jähre  1400  (eDiglid)  aud  ihnen  gewählte  unb  ergänzte  Rath, 
fyielt  mit  eiferner  Strenge  bie  $anbwerfer  nieber,  als  jte  fort- 
wäbrenD  permetyrt  unb  enger  serbruDert,  feit  bem  Anfange  befl 
14.  3at)rbunberr$  jum  SBewnjjtfein  iljrer  Äraft  erwägt,  flör* 
mifd)  ©eredMigfett  für  fid)  unb  billige  ©letdjbetfjeiligung  an  ben 
©eredjtfamen  Der  ©emeinDe  forderten.  3öir  r)aben  oben*) 
Dtefe  Verbal  mijfe,  foroeit  Die  »orfyanbenen  Duetten  reiben,  au$- 
einanbergefefct.  'Dergleichen  finb  bort  bie  allgemeinen  ©run^ 
fd$e  ber  3nuung0|"tatuten  in  33ejug  auf  bte  (Stellung  ber  (be- 
werfe ut  ben  OUm'cM crtu ein  unb  Dem  rHathc  angegeben  worben. 


Durd)  ben  ©ruf  beö  «&erjogö  Spanne«  von  ©örlifc,  auf 
©runo  beffen  ber  Watt}  Die  3nnung$-$lelteften  nad)  ©utbünfen 
anliefen  unD  wetDen  fonnte**).  Da  manage  ^anbwerfe  fefyr 
frbwad)  an  3a^  ber  SWeffier  waren,  vereinigten  fiefy  oft  mel)* 
rere  (bewerfe  $u  einer  3nnung,  wobei  feiue6wegö  allein  bie 
9(ermltd)fett  ber  Arbeit  ben  lÄudfdjlag  gab.  Died  warb  geän* 
bert,  wenn  eine  ober  bie  anbere  ber  combinirteu  3nnungen  ftd) 
vermehrte,  fo  bafl  jte  felbftjtänbig  auftreten  unb  au6  jta)  al- 
lein bte  bittet  jur  ©ejtreitung  ber  (aufenben  3nnungS*©e* 
fc^äfte  fdjöpfeu  fonnte.  (§d  war  2(üe$  in  Den  3nnungen  ge* 
regelt.  Die  ^anbwerfö-^elteftcn  führten  neben  bem  iKatifa- 
GommijTar,  weiter  feit  langer  3eit  ben  3nnungö -Jlomunteu 
.beiwohnte,  ben  Vorft$.  3n  tr)tcr  £)bf>ut  war  bie  gäbe  mit 
ben  vom  9iatr;e  unb  fcanbeSfyerren  beftättateu  3nnungd-2trtifeln 
,  unb  foldun  papieren,  welche  Da*  3»terefi"e  ber  3nnung  betra* 


•)  @.  114.  115. 
•)  ©.  oben  <S.  119. 


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600 


fen,  t  9.  ^rojeßaf ten,  ebenfo  bte  3nnung«*Jtletnobien  (filberne 
$ecr/er,  ä&tllfommen,  Sahnen). 

60  fmb  attd)  gälte  »orrjanben,  baß  #aubwerfer  in  üä- 
neren  Crtföaften  au$  Der  Umgegenb  von  ©örli$  bic  Innung«« 
arttfel  hieftger  ©ewerfe  annahmen*). 

$ie  Statuten  ber  görlifcer  3nnungen**)  lauten  bi*  auf 
wenige  ba6  betreffenbe  $anbn>erf  fpejieü  berityrenbe  $eflim 
mungen  siemüc^  aleid);  fte  fmb  sielfad>  geräubert,  abge; 
f<fw>äcr}t  unb  ben  3eitumftänben  angepaßt  worben.  8ie  ent- 
halten bte  «Hegeln  über  bte  Aufnahme  unb jjafjl  ber  Lehrlinge, 
bte  ©efellencreirung,  bad  9Keifiei  werben,  9Kei|ierftü(f  unb  ba* 
bei  ju  beoba^tenbe  ©ebräudje,  bie  }u  leiftenben  Abgaben 

würbe  mit  großer  »Strenge  auf  tabello*  jittlicfyen  9iuf  ber 
heißer,  auf  ehrlidje  Slbfunft  berfelben  gehalten  —  baher,  nt* 
ben  anberen  Umftänben,  aud?  bie  SBebiugung  ber  Merheim - 
tljung  binnen  3ahredfrifl  in  äni^tn  Ärttfeln  an  ben  Eintritt 
in  bie  3nnung  gefitüpft  war.  £>ie  Söittwen  \?on  flReijtern  er* 
hielten  Unterftüjuna  au$  ben  3nuungdf äffen,  welche  bei  neun 
&err/eirathung  aufborte.  Die  hinter  von  Acutem  hatten 
beim  Eintritte  in  bic  ehemalige  jmiung  ihrcö  $Bater6  (iilndv 
ternngen  in  $9e$ug  auf  i'ef^rgelb  unb  $o$fpredjung ;  aud?  für 
bie  hinterlaffenen  2öd)ter  würbe  einigermaßen  geforgt  I  n 
SteiftfC  burfte  nur  auf  ber  Verberge  ÖJefellen  für  feine  Arbeit 
auffucr)en  unb  auf  ber  Straße  oou  ihn  angefprod)ene  ©efefle n 
waren  mdu  verpflichtet,  bei  bem  Öturebenben  $u  arbeiten.  ®e 
mußte  jährlich  mehrmals  bem  föatfje  buret)  ben  Coev  Melteften 
■Rechnung  über  ben  3nf)alt  ber  8abe  gelegt  werben.  Die  3?ei 
trage  würben  aud)  uu  Uuterfhifcung  bei  ©egräbnijfen  beruifct, 
unb  ift  bie  jefct  noch  beftetyenbe  Xud)ma(her^egrdbnißfaffe  ein 
Ueberreft  folgen  SBraudjeä.  2Öie  bamit  bie  auf  bie  Deforma- 
tion aud)  geiftlidje  93rüberfd)af ten  verbunben  waren*  ift  oben 
gezeigt***). 


•)  $>te  ©djönberger  (Sdjufytnadjer  baten  ftd)  im  3af)te  1580  bie 
9(rtiW  *er  görhfcer  Sriintymadjerinnung  an«.  @.  Dberl.  UrfunbenBeq. 
II.  228. 

••)  3m  9tatf)**®effiontgimmer  Ijicrfelbft  ftnb  »ier  fiarfe  Duartbanbe. 
bie  toir  mit  SWagifirat«  ;3nnunaa;$(rtifet  (M.  1.  A.)  I)infi>rt  bqeidjnen 
»erben,  roetc^e  circa  feit  ber  SRitte  be*  16.  3a^rlj.  fämmtli^e  Statuten 
f^teftaer  Innungen,  alte  9lbänbernna,en  berfelben  k.  enthalten. 
m.  262  f. 


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601 


<g*  gab  ana>  für  bte  ©efellen  betonbere  Hrrtfel,  wela>e 
md)t  weniger,  wie  bie  ^elfter ^rtifel,  eine  6eftättgung  be* 
jRatl>cd  notbwenbig  hatten.  8(16  $ro*e  folge  hier  ber  (Jrtraft 
auä  einem  folgen  3nnung0jtatut*).  gitr  bie  wanbernben 
©efellen  war  crfle  SBeftimmung  bei  oer  flnfunft  fogleta>  auf 
bie  Verberge  ;n  gefjn  unb  bort  auf  3ufp™dK  CDingung  eine« 
SHeifterd)  $u  warten.  £atte  ber  ©efelle  noeb  nia)t  in  ©orlty 
gearbeitet,  bann  mufcte  er  fogleia)  bei  beginn  ber  Arbeit  einen 
Beitrag  in  bie  ©efellen  >l'abe  geben.  <*in  ©efelle,  wela>er 
Montag  ober  eine»  anbern  %aa  in  ber  2BoAe  bie  Arbeit  ein- 
teilte (blau  maa»  foüte  $wolf  2Bo*en  lang  feine  «rbeit  in 
©orlifc  befommen;  ©efellen,  weld)e  au6  einer  nid)t  künftigen 
3ea>e  flammten,  überhaupt  nidjt  2)a$  beim  $erbergtoater 
(£erberg*wirtl^)  eingenommene  (Sffen  mufite  immer  reblid)  bc* 
*af)lt  werben,  ebenfo  alte  vieren  $age  ein  beftimmter  93et- 
trag  in  bie  ©efellen  *£abe.  ©enti  ber  £erbergtoater  $tcr 
fdjenfte,  fonnten  bie  ©efellen  jedjen,  ja  ed  famen  gälle  mx, 
bafj  ber  3Ratb  fte  baju  jwana,  um  3encm  IBcrbienfl  jujuwen- 
beir,  war  fein  93ierabenb,  (o  Ratten  bie  ©cfeüen  mit  tfjrem 
gttfyrer,  bem  2lltgefeÜen,  bte  Verberge  »erlaffen.  tfam  e* 
bei  3ed)^benben  vor,  bap  jtd)  ein  ©efelle  im  $runf  über* 
nahm,  unb  baö  ©enoffenc  wieber  von  ft<6  geben  mußte,  bann 
erfolgte  gegen  ifyn  bie  (Strafe  ber  ^errurjung  um  ein  Söocfyen* 
lohn,  lalle  Ouartale  nuure  bei  ©elcgenbeit  bed  fogenannten 
„$abetage*",  —  an  welaym  fi<fc  bte  ©efellen  baben  unb 
grünblid)  reinigen  foHtcn  —  ein  9)caf)l  gehalten;  fyierju  Ratten 
bte  ©efeüen  jeboef)  ben  sonmgefyenben  Xag  boppelt  fleißig  ,u 
arbeiten.  ©djmäfyworte  unb  Z fjätlidrf eiten  auf  ber  Verberge 
mnfjten  mit  ©elbjafylung  in  bie  ©efellen*£abe  gebüpt  werben. 
AUe  Ouartale  wählten  bie  SÄeift<r,  auf  Antrag  ber  ©efellen, 
au6  beren  Witte  einen  Bit  •  ©efellen.  s3ei  biejer  ©elegenfyeit 
würbe  bie  ©efellen*  gäbe  unb  beren  Snljalt  rembirt.  —  3n 
einigen  ©efellen  >  Ärtifeln  ftnben  ftd)  anbei  weite  merfwürbige 
33eftimmungen.  ©o  flefyt  in  ber  $uf  -  unb  »Senfenfdjmiebe* 
®efellen*£)rbnung  oon  1560:**)  (Sin  Sefyrjunge,  ber  auswärt* 
gelernt  unb  ein  frember  ©efelle,  ber  nicht  naa)  ©ewofynfjeit 


•)  3ed)fctief  ber  8^u^maö)er*@ff<IUu  <«  ®i>rlifc  vom  3a(>re  1540. 
&i>ti.  m^tiitx  1837.  p.  454—457.  cf.  gorl.  «neiget  1844.  p.  309. 
••)  ©ort.  Slnj.  1844,  <S.  209. 


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601 


be$  Äanbwerfd  einen  tarnen  ((gpifcnamen,  Seinamen)  hat, 
feil  fteh  unter  ben  ©efellen  brei  Rathen  erleben  unb  vom  $lt* 
aefeüen  mü  einem  tarnen  fernen  laffen.  Unterbetj  foHen  bie  ©e* 
feüen  bei  Strafe  von  2  ©refcnen  ruhig  flehen,  gür  biefe  tarnen* 
Verleihung  mup  ein  ©o(t)enIo^n  ?um  Seften  gegeben  werben 

Da  bie  f>anbwerfe  Den  alten  (Stabtgebräuchen  nach  bie 
Verrichtung  Batten,  je  nach  ber  Sebeutung  eine*  ©ewerfed, 
bewaffnete  ju  ftellen,  fc  forberten  bie  Weiter  tf>rc  ©efellen 
auf,  bie*  gegen  33efo(oung  au$  ber  jnnunadfa^e  ;u  tbv.v. 
(^vöbnlicb*)  fanben  ftd)  eine  Wenge  freiwilliger  Jtnechte  $u 
folgen  >3 terra bv teit.  vBeim  9hi6tuge  gab  e$  beftimntte  ^norb^ 
nungen  tn  ber  Reihenfolge,  welche  ft<h  im  6ad)fenfpieae(  be- 
ftnben,  unb  ba  in  @ör(i(  beutfa)e£  rKeclM  galt,  auch  t)ier  $wet- 
feüoö  in  Änwenbung  gewefen  fmb.  3n  ber  Cberlauftfc  gingen 
bie  gfeifdjer**)  voran.  Speziell  über  ©örlifc  ift  feine  mi 
bat  Drbnuug  aufgufutben.  3Bahrfchetnlich  jcgen  hier  aud) 
bei  friegerifchen  (Gelegenheiten  ote  Xucbmadjet  vorn,  wie  aue 
,£>affe'$  Bericht  über  Äönia.  gerbtnanb'6  Sefua)  'in  ©örlifc  ju 
entnehmen  ift.  Tantal«  gingen  bie  hauvtiachliaVten  Sünjtt  in 
folg  cur  er  £)rbnung:  Xuchmacher,  gleifcher,  (Berber  (Röthgen 
ber),  v5d>miebe,  Säcfer,  Schneiber,  Xifchler***).  sunt  3 
1845  beftanben  ^terfrlbfk  56  Innungen t)r  tn  ihrem  ©e  = 
werbe  wefeittlid)  geftärft  bura)  ba$  &ecbt  ber  Sannmeile. 
9fa<fy  Einführung  ber  ©ewerbefrei heit  im  3-  1815  etablirten 
firf)  eine  Wenge  nicht*ninftiger  Weifter  in  allen  (bewerben,  ein 
ilmfitanb,  welcher  auch  einige  ^oeferung  in  bie  Innungen 
brachte.  Da6  ©efe$  vom  9.  gebruar  1849  t)at  wieber  eine 
ben  Innungen  günstigere  SÖenbung  gebracht  unb  fmb  gegen- 
wärtig biefelben  völlig  in  ber  SReconjtrufrion  begriffen.  Hm  t. 
gebruar  1850  würbe  ber  erjte  ©ewerberath  eonftftuirt. 

Um  nun  auf  bie  einzelnen  Innungen  naher  einzugeben, 
wirb  eine  «Sonberung  nothweubig,  nämlich  in  Innungen  mit 
33anfgerechtigfeiten  unb  3nnungen  ohne  $anfgcrechttgfeiten. 
Die  acht  gefchenften  $anbwerfett),  (welche  gSerfaffer  bief.  ver- 

•)  <S.  oben  S.  115. 
•#)  ©ort.  «njrigec  1844,  8.  216. 
•••)  Seite  304. 
t)  ©eite  82. 

tt)  8  gefdjenften  J&atibtoerfe  neuer  Ärttfel.  M.  I  A.  tom.  ID. 
p.  90  b,  vom  %at)xt  1694. 


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603 

gebltcf)  $u  erfragen  bemüht  war),  haben  ihren  tarnen  mit  ba* 
son,  bafj  fre  Den  ©efellen  auf  ber  ffianberfchaft  ein  $t$x%t\t)t 
®efcr)enf  verabreichen,  unb  fmb  außer  biefem  fünfte  in  fetner 
SBejiehung  von  ben  anbeut  (bewerfen  unterfchieben. 

3n  $ejug  auf  toie  ^nnunaen  mit  $anfgerechttafeiten 
braucht  l)ier  nur  an  ba6  angefnupft  $n  werben,  read  bereite 
über  bie  gleifcher,  $äcfer,  Schuhmacher,  ^fefferfücrjler ,  ©ar* 
bieie,  Jträmer,  gefaat  werben  ift. 

1)  greiser,  3f?r  $anfwefen  tft  oben  erläutert*)  9Rit 
bemfelben  ftanb  eine  bte  fe^t  noch  nicr/t  erwähnte  Einrichtung, 
welche  jeboch  feinedwegö  ubergangen  werben  barf  —  ber  Jtut> 
telhof**)  — ,  in  enger  Skrbinbung.  (S*  war  bie«  nämlich  ber 
allgemeine  Schlachthof  ber  gleifcher  f^terfefbft  r  unb  errietet, 
bamit  burd)  bat*  Huffiellen  unb  Schlachten  be«  «Biehe*  bie  in* 
nerc  Stabt  nicht  mit  üblem  ©emch  unt>  llnfauberfeit  beläftigt 
werbe.  (Da  tamalä  bie  £äufer  grofjentheil*  von  §oU,  bie 
Strafen  ungepflaftert,  bie  fe&igen  untertrbifchen  Slbjugefanäle 
noch  nicht  errichtet  waren,  leuchtet  Die  ffiofjlthat  $eä  StntttU 
hofe*  al6  «Retniichfeit6;3nfiitut  ein.  'Der  Jtnttelr)of  lag  r>or 
ber  £otherbrücfe,  bei  bem  £trfchwfnfel  (bei  Warne  ftammt  ba* 
her,  weil  bort  bie  in  ben  (stabtgräben  befinblichen  £irfche  ge* 
füttert  würben)  unb  ben  $unb6bergen  (bie  ©egenb  bei  ber 
SBaftei  am  3uchthaue$winaer,  wo  bie  3agbr)unbe  gehalten 
würben),  unb  war  fdjon  1299  auf  ber  gegenwärtigen  Stelle 
»orfjanben.  8le  Sefaer  im  3-  1310***)  wirb  (limut  von 
9?euedf)ofen  genannt,  ber  ihn  pfanbweife  an  ©üntr)er  t>on 
fcr>of$wcrber-um  34  Schorf  ©rofeher  überliep.  Später  löfte 
(Simut  ben  Äuttclr/of  wieber  ein  uub  trat  ihn  an  Sorcnj  Xraut* 
wein  ab.    tiefer  verfaufte  ihn  erblich  an  3Ratrhia$  in  ber 

tothergaffe  im  %  1331  f).  3<ber  gleifcher,  welcher  fein 
ich  im  .Hurtelhofe  aufteilte  ober  nhlactncn  wollte,  mußte  an 
fänglich  einen  3tn<3  geben,  bi6  bie  3nmtng  *>cu  3"1^  *m  ®<*ni 
;en  jahlte,  worauf  äiittelhoforbnungeu  entftanben.  3m  16. 
3ahrr)unDert  gehörte  t»er  8t.  $rter6fir<hc  bie  (im  na  bitte  vom 
Äuttelhofe.   «Kann  biee  ^ermächtnifr,  welche«  ber  äirche  ne- 


•)  @.  75. 

i#)  ©ört.  SCnjeig«  1843.  *323-3*5. 

'•)  €tabtbudj  (vph  1305)  ad  a. 

t)  <Stabtbud>  {von  idOö)  ad  a. 


604 

i 

i 

feenbei  bie  gßerbinbltcftfeit  auflegte,  ben  tfuttelhcf  im  <Stant>e 
$u  galten,  legirt,  fönnen  wir  nicht  anaeben,  fluf  beui 
Jtuttelbcfe  f)tttö  eine  ©locfc,  we(d>e  wahrta)einli<h  fru!>  unb 
flbenb«  gelautet  warb.  1589  befferte  man  fte  au«.  1590 
würbe  auf  Soften-  ber  Ätrche  riel  am  Äuttelhofe  gemauert. 
i)\t  Äfnhe  muß  fta)  foäter  ber  93erbinblichfeit  entlebigt  haben; 
benn  1673  baute  bie  g(etfchermnung,  nur  wenig  oom  töathe 
unterfrüfct,  ben  Äuttefyof  ganj  neu  auf.  'Deshalb  würbe  eine 
Drbnung  wegen  be«  Jfcuttelhofe«  im  3.  1674*)  entworfen. 
3n  ihr  wirb  benimmt,  baf  1)  ba«  Sandten,  Stachen  unb 
©cttläftern  Seiten«  ber  ^Reifte  unb  ©efelten  auf  bem  Jtut* 
telr)ofc  gan$  unterbleiben  foUe;  2)  bafc  fein  3Äeifter  ober 
jlned)t  Q3tc^  irgenbwo  anber«  fcMaa)ten  bürfe,  al«  auf  bem 
Jtuttclbofe,  bie  fletnen  üi&ti  unb  93öcfe  aufgenommen;  3)  pa| 
man  fein  ocf>(ad>tr>ier)  in  ober  burdj  bie  (Stabt  führen,  ober 
barin  aufteilen  bürfe,  bie«  folle  nur  im  &uttelbofe  gefchefKn» 
4)  Regeln,  ba«  Schlachten  betreffenb;  5)  ein  heißer  ober 
Äned)t,  welcher  auf  bem  ÄUttei^ofe  gefa)(aa)tet  fyabe,  fette  bei 
Strafe  oon  V*  (5d)ocf,  beoor  er  in  bie  <5tabt  gehe,  fidy  fäu* 
bern,  reinigen,  aua)  bie  Jtleioer  jugefuöoft  galten.  3)cr  9luf* 
feher  be«  «ftaufe«  ^iej  ber  Auttler  ober  jtüttler;  er  würbe  oon 
ber  Sletfa^erinnung  gewählt,  mu&te  Jebodj  Dom  Statte  beftädat 
werben.  3hnt  lag  ob,  ein  *J3ferb  unb  einen  Sagen  ju  ^al^ 
ten,  um  ba«  fleinere  ©chlachcoieh  oom  Sanbe  ^erbeiju^olen. 
1691  brannte  ber  tfuttelfyof  ab;  ber  Statt)  legte  jwar  ben 
gletfchern  bie  9$erbinblid)fett  be«  Zubaue«  auf,  aber  wähvenb 
ber  fpäter  gan$  emgefchla feiten  $erhanbtungcn  barüber  blieb  ber 
Jlutrelhof  längere  $eit  wüft  liegen,  unb  bie  gleifdier  gewöhn- 
ten ftcb  baran,  in  ifyren  ^aufern  ju  fd)lad}ten.  9htr  ber  jähr* 
Itdje  (irtym«  au  bie  6t.  ^teterdfir^e  mit  4  Xr)lr.  16  ®r. 
4  $f.  erinnerte  oie  Innung  nod)  an  ben  @d)Iaa)tfeof.  .3» 
3at)re  J8Ö5  oerfaufte  bie  3itttuug  biefe  wufte  Stelle  an  einen 
*4)rioatmann  unb  ber  ÄutteKjof  tft  feitbem  gdnjlid)  au«  ber  3*W 
ber  öffentlichen  @ebäube  oerfchwunben.  33on  ben  gleifdjeru 
ftnb  äenbcrungen  ber  3»nuiigäftatutcn  nod)  erhalten  au«  ben 
Sauren:  1Ö65,  1618,  1635,  1645,  1671,  1793**). 


*)  fileifd}ljaueT*£)rbnunfl  toegen  U*  &utttU)of<*-  1674.  M.  I-  A.  1. 349b. 
••)  ©.  M.  I.  A.  (bie  @teUen  ftnb  cietrt  nad)  ber  (ReU)e  oben  ange? 
fü^rter  3o^r«) :  ll.p.l,l.p.  109.,  I.p.  49Ö.,  I.  p.  353.,  I.  p.  34  7-,  IV.p.55 

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605 


Hu*  bemfelben  3af>re,  in  welkem  bie  Äuttettwforbnung 
abfltfa#t  würbe,  ift  quo)  ei«  >8ergleid>  ber  gleifdjer  mit  bem 
®arfoa)*)  ju  erwähnen.  @ine$  ©arfcd)*  ober  weuigfitenS  be* 
Orteä  feiner  Sirffamfcit  wirb  fäon  beim  3al)re  1320**)  ge* 
badtf.  S)er  ©arfoa>  war  ba  um  bei  befonberen  Gelegenheiten 
mit  feineren  unb  befferen  Sprfftn  aufwarten  ju  tonnen,  ale 
gewöf)nlia)  üblich  waren.  3n  jener  £>iDiumg  von  1674  rjeifjt 
e$,  baß  baran  aud)  ber  ©arbrätcr  unb  feine  Jfriedjte  gebun* 
beu  fein  follten.  $eiin  3a^re  1320  ijt  von  ber  „93ratefammer," 
1365***)  von  ber  „$rootfammer"  bie  «ebe.  Seit  1370  war 
eine  fjöljerne  93ube  auf  ber  SBaage  aufgeteilt,  baljer:  „b* 
garbube;"  1381  wirb  ein  $au*  „bie  <*Kubube"  aenannt;  1405 
würben  an  biefem  £aufebie  Xreppen  $tb<iut.  1595  verfaufte  ber 
9tatl)  bie  ©arrua)e  am  flRinge  an  sJDiattl).  $ätatfj  welker  ba$  ®e* 
bäube  (Uutermarft  *Ho.  261.)  einriß  uub  aufbaute.  1843  würbe 
bie  untere  ©arfüdjc  reuovirt  unb  bie  ^>iittetqebaube  gebaut. 

Xie  gleifdjer  Ratten  vielfache  $anbe(,  (Singriffe  in  ifyre 
(Srduftvredne  betreffenb  unb  nod)  in  beu  legten  Jahren  vor 
(iiiinibniiui  ber  ©ewerbefrei  t)eit  fdjwebte  ein  ^.mou'h  gegen  einen 
Surfrfabrifanten ,  ber  in  ^weiter  3nftanj  gegen  fte  auftrieben 
würbe.  3nt  3.  1482  f>  waren  fte  mit  beu  Öerbern  unb  §$uf)* 
magern  flreitig,  weil  fte  ir)rc  gelle  nad)  aujierljalb  unb  mein 
jenen  görlifcer  (bewerfen  verfauften.  Ü)er  Diatl)  entfdjieb,  ba$ 
bie  $lfif$cr  bie  gelle  unb  ^dute  nur  ben  ^ieft^ert  (Berbern 
unb  <Sd)Hl)mad)ern  verfaufen  follten.  Anfang  1850  waren 
27  gleifd)ermeijter  in  ber  £tabt. 

2)  lieber  bie  93ätfcr  Innung  haben  wir  niajtä  befonberetf 
mitiutfyeilen.  <Btatute  ftnb  von  ihr  vorfyanben  au6  ben  jaiv 
ren:  1568,  1575,  1614,  1618,  1683.  $>i«  tyre  Sanfgeredj* 
tigfeit  betreffenben  9Jotijen  |tnb  weitläufig  oben  gegeben  ff). 
@ube  1849  waren  rjierfelbjt  etablirt:  34  $3äcfer,  7  ^Httobätfer 
unb  J?üa}ler.   2>ajfelbe  ijt  ber  gall  mit  ben  hänfen: 


•)  «erleid»  ber  ftleifd)f>aner  mit  bem  <3>arfiHt>.  1674.  U.  J.  A.  I  35 Ib. 
"»)  Stabtbud)  (von  1305  üb)  ad  a. 
**•)  lib.  Acticat.  ad  ann.  efrenfo  bei  1370.  1381.  1405. 
t)  Üb.  Resig.  III.  ad  ann. 

tt)  Ueber  bie  »anf8erfd)tiflfeit  fiel>e  oben  ®.  73-75.  3>ie  Gtatu* 
ten  in:  M.  J.  A.:  tom.il.  p.  51.;  II.  p.  145.;  I.  p.  29b.,  I.  p.  162b.; 
bie  ilmeit  jua,ennefenen  $fefferfüd)Iet  (eben  Seite  80)  f.  ft)te  3nmmo,*;9(T* 
tifet:  M.  J.  A.  III.  250.  com  3<^r«  1683. 


606 

3)  ber  Schuhmacher,  für  welche,  rote  fc^on  gejeigt>  noch 
ba*  «Recht  befonberä  im  Bannmeilen  ^rwilegium  auflgefpro- 
d)en  war,  bap  höchftenä  Schuhflicfer  auf  ben  baju  gehörigen 
Ddrfern  ftch  uieberlaffeit  burften.  $a(j  bie  görlifrer  Schuh- 
macher, wie  von  beu  6d)ul>inad)er*3miiiitgcn  ber  Heilten  Stäbre 
befannt  ift*),  befonberä  in  aller  3«!  bie  !wärfte  bergen  r)ätrcn# 
ijt  ntc^t  befannt;  bie  4i  3Neijier  hatten  in  ©brlifc  unb  ber 
Bannmeile  einen  l)iniäug(i^en  Sirfungefrete,  fo  bap  fte  jene 
3Rarftbefud»e  ntdjt  nöfh'fl  hatten.  3n  fpäterer  Stil  haben  fte 
natürlich  bad  l\Varttrcct)t  auch  benu&t  unb  brausen  bied  gro- 
(jentheilä  ^eutc  nod>,  bie  überhaupt  bie  meifieu  3nnitngc», 
waä  hier  ein  für  allemal  gefagt  fei.  Sdnthmadm-  JDrbnungen 
unb  Slrtifel  ftnb  befannt  au?  ben  3al)ren:  1574,  1635,  1783, 
1788**).  3m  14.  3ahrl)unbert  muffen  bie  Schuhmacher  mit 
ben  ©erbern  einen  «Streit  gehabt  ^aben;  es  würbe  eutfdHeben*^**), 
ba£  ©erber  unb  Schufter  bie  Seile  iitdu  in  ihren  Käufern, 
fonbern  auf  bein  Wavfte,  nicht  in  beu  ©äffen,  fonbern  auf  ber 
„\Biherung"  faufen  feilen,  tiefer  (Snrfcbeib  würbe  1489  von 
Beuern  publiun,  bagegen  1516  beu  2  dumm i  gefiattet,  bie 
gelle  in  ihren  Käufern  ;u  faufen.  3hr  3wi|l  mit  beu  aIci 
fchern  iji  eben  erft  erwähnt.  3m  3-  1^36  erregten  bie  SchH' 
ftergefeüeu  in  ©örli(>  einen  3anf,  wegen  eineä  ©efetlen  von 
Seibenberg,  welcher  hier  angenommen  worben  war,,  unb  ben 
fte  nicht  für  redjt  künftig  hielten  unb  baher  entfernen  wollten. 
Da  bie  SWeifter  (ich  bee  ©efellen  annahmen:  „fo  hat  gefolget, 
bafi  bie  fchuefned)te  bei)  tmnd  alle  aufgeftanbeu  fetyn  vnb  bin  . 
weggegangen,  welche  bettn  ein  9lath  bamitte  weiter  tmrabtö 
mühe  vnb  Unfoft  vorhiit,  wieberumb  hereinbracht "t).  9cod>  in 
bentfelben  3ahre  legten  ber  9tatf)  unb  ber  v.  Biberftein,  al$ 
@rbherr  auf  Seibenberg,  biefen  iwtft  burch  einen  Vergleich 
bei.   ©in  3wift  be$  ©ewerf*  mit  ben  ftotbgerbern  WHrbe  am 


*)  $ef«f>ecf,  $reie»f<hrift,  ©efdjitye  ber  3nbnfirie  unb  be*  £anbeU 
in  ber  Cberlaufifr,  im  «rc^be  ber  oberl.  ©efeltfd).  ber  90®.  unb  für  ein« 
ber  nadjüf  ii  $efte  be$  9leuen  8auf.  äRagajinö  nun  Ih urf  benimmt.  <S.  204. 

••)  Ueber  bir  Saufe  ber  ^ambmaduu  f.  ©.  80  b.  ffi.,  über  jene 
SBejhimnuna,  im  Privilegium  ber  ^Bannmeile  ebenb.  «S.  82;  bie  anaqoa/ 
neu  JDrbnungen  unb  5 tarnten:  M.  I.  A.  totn.  It.  430b.,  looi.  I.  IH. 
tom.  III.  402. 

•••)  <Stabtbu<h  (von  1305). 
t)  Wie*  3ed)bu(^  fol.  13. 


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607 


26.  «pril  1615  »om  «Hat^e  beigelegt*).  GuDe  1849  gab  e* 
f>ierfelb|t  114  6rf>ul)niad>ermeifier  mit  172  Gtefnilfen.  - 

4)  £>ie  3nnuitgen  Der  2Bur&*  unb  6eiDenfrämer,  fowie 
Der  Spifr*  unD  ^uDrifcfrämcr  fmD  in  $e*ug  auf  ifjre  93anf* 

geredjtigfeiten  gleicfy  Den  vorigen  fc^ou  erwähnt**).  @d  ift 
ier  nur  ju  bemerfen,  bajj  Die  Dort  aeDachte  «ngabe,  ald  feien 
Die  Slrtifel  verbrannt,  unrichtig  ijt,  melmeljr  'jtnfc  Diefelben  noefy 
in  Der  Sabe  Diefer  jefct  Durd)  Die  Einführung  Der  ©ewerbefrei* 
heit  im  3. 1845  aufgelöften  Innung  ttollftänbig  DortyauDen.  €ie 
galten  feit  Der  Trennung  in  9Biirg*  unD'  ceiDcnfrämer  iuid 
(5pi$*  unD  ^uDrifcfrämer  forrwäfjrenD  initereinanDer  3wijt, 
welker  namentlich  Dur*  Die  93cftimmuiigeu  De*  (SUenweifen* 
unD  De*  unter  Dem  $fiutbr  Zerraufend  in  ifyren  hunberterlei 
üBaaren^rtifetn  veranlagt  wurDc.  (Sine  £arfteÜHitg  Diefer 
£änDel,'weld)e  eine  ganje  föeifje  von  ttftcnjhKfeit  auf  Der  fpc* 
fegen  $atf}6fan)(ei  füllen,  würDe  ut  weit  führen  unD  au*  we* 
gen  Der  oft  geringfügigen  Dbjefte  De*  Streite*  von  wenig  3n* 
terejfe  für  Diefe  ©efdjictjte  fein,  etatute  uub  *Bcrgleicf;e  Der 
felben  finDeu  jtcfy  in  Der  met)rgeDachten  Sammlung***)  bei  Den 
3al)ren:  1593,  1615,  1641,  1657,  1667  (wegen  «uöbredwg 
von  Uten),  1671  (wegen  Derfelben  cadje),  1785,  1826. 
Dben  ift  einer  93eftätigung  Der  Statuten  Dur*  Äaifer  Sttat* 
t^ia6  im  3-  1611  gebaut  f). 

5)  2)ie  33aDer Innung  ljut  auper  Dom,  watf  über  ifyre 
33anfgere*tigfcitenff)  JU  fagen  war,  wenig  l)i|*orifcl)e  ^otijen 
auftuweifen.  Die  magrftratualifcl)e  Sammlung  entljätt  nur 
jwei:  „$albier*£>rbnungen  vom  3af>re  1603  unD  16l2"ttt). 


•)  tfäujfer,  ©rfd).  b.  Cberlauf.  IV.  p.  140. 
■•)  <B.  77  ff.  tf.  $efaerf'*  ^rciöfdjrift  a.  a.  D.  p.  2Ö8,  i39,  260.  s 
.«aujfer,  Cberl.  ©efd>.  II.  407. 

•••)  M.  f.  A.  tom.  II.  p.  310,  I.  p.  54b.,  I.  p.  I72b.,  L  p.  219, 
L  p.  349.,  I.  p.  324b.,  UL,  p.  364b.,  379b.,  IV.  p.  76,  IV.  p.  48b. 
Tay  tue  iKeitjenfolge  ber  Zitate  »erfd)ieben  ift,  liegt  im  (fintragrn  in  t i e 
maajjtrarualifdje  Sammlung,  weldjed  nidjt  r^clmäpig  nad}  ben  fahren 
erfolgte. 

t)  £berl.  Urfnnbeit*er$eid}n»j?  tom.  II.  p.  273.    Der  ©.  77  oben 
gegebene  Datum  W  Die  ©ejtätigung  be*  $rfot(tgiiim*  überhaupt.  3n  bei 
Jier  angegebenen  (SteUe  würbe  d.  d.  $re«lau,  24.  <&tpt  1611  bie  Drä- 
nung ber  Gramer  betätigt, 
ft)         79,  80, 

Ut)  M.  L  A.  tom.  II.  378b.,  tom.  I  p.  18b. 

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608 


$a*  in  fanitäW^olijeilicbrr  fynfxfy  MflKftMfie  Ginföreiten 
bat  bie  (selbftcntwirfelung  ber  ©aber  In  ibren  Snnungöser- 
bältaiffen  immer  unterbrochen  unb  flc  metjr  mit)  mefyr  Den 
allgemeinen  mebijinifcbeu  i'anbe$gefefcen  unterorbnen  mfiffen. 
ÜDaä  3al)r  1845  braute  ben  ©anfgcrecbtfamen  fyiefiger  In- 
nung benfelben  9fcip,  wie  ben  übrigen  ©anfbereebtigten  bieder 
6tabt  unb  ift  über  eine  t»efnHnftgemä|je  Slblöfuug,  cbenfowe- 
mg  wie  in  ©qug  auf  bie  übrigen  MbemJgenoffen  ber  ©aber 
biä  jefct  etwa«  feftgefefct.  ßiner  t>on  i^nen  trotte  ben  tarnen: 
„§tabt*©aber."  6ie  leiben  vor  einigen  jabren  bie  in  ibrer 
fcabe  befinblißeu  Dofumcnte,  grotkntbeüö  .fef>r  untergeorbneten 
SBertbeä,  unter  fiel;  »erteilt,  ©arbicre  uub  Gbirurgen  fmb 
ieet  9  tyerfclbt». 

£>ierber  geboren  ferner  : 

6)  S)ie  ©rauer,  ©raubereebtigten*).  fcefcterc  bitbeten  feine 
eigentliche  Innung ,  liefen  fra)  Dielmebr  bureb  einen  ober  einige 
©rauer  von  ^rofeffton  bie  ibnen  juftänbigen  ©iere  brauen. 
£ie  ©raubürger  führten  aueb  in  @örli|j  ben  Tanten :  ©rofjbnrger, 
unb  hatten  vor  ben  antern,  tao  nur  noch  bem  Watbe  *ufom 
menbe  ^räbifat:  „<£>err"  in  Snfprucb  |U  nebmen.  lieber  bie  t>er  * 
febiebenen  gebrauten  ©ierforten  ijt  oben  sJln*ftnut  gegeben**), 
ebenfowie  baß  batf  ^rirn'lcgium  ber  ©raubürger  viele  ©treifig- 
feiten  innctbalb  ber  ©emrinbe  bewirfte***).  X>er  ©ierjwang  ber 
©annmeile  fubUc  niebt  weniger  3®Wgfeittii  mit  beren  ©c 
wobnern  bei  l  ei,  be.v  fpenelle  Xaifteilinu]  einen  ganzen  ©anb 
füllen  tonnte.  2)a$  ©terbofwefen  veranlagte  bäujige  föesijion 
ber  beöfallfigen  ©ewobubfiten  unb  Statuten.  Qrine  1673  ent- 
worfene ©rauorbnung  für  ©örlifc  mufite  febon  1698  veränbert 
werben,  grüber  würben  vielfache  Ucberfcbreituuaen  unb  Um* 
gebungen  ber  föatböfa&uugen  bemerft.   ftm  16.  gebruar  1541 


•)  C  oben  <S.  65—68,  üb«  bie  ©credjtigfeiten,  SBraubofe  unb  bie 
<Bier«©ann*3Weiie.  SßttQl  über  ba*  ®an;e  ©reff.  Sauf.  SRerftoürbi  Reiten. 
V.  cao.  VII..  p.  27  ff.,  ^efebeef«  ^reUfarift  a.  a.  £).  p.  51  ff.  StäuU 
fer'«  Eberl.  @eTd».  II.  p.  234  ff.  284.  III.  135.  275  ff.  373.  IV.  135. 
401.  520.  '29.  689. 
••)  <c.  314—316. 

•••)  ...  oben  <£.  119.  120.  296.  $änbel  ber  Stöbt  mit  bem  Pfarrer, 
Ut  $iere«  weflen:  €.  242—251.;  mit  3ittau.  €.  225  ff.  Glroff.  a.  a.  D. 
<&.  29)  mit  bem  ®uarbian  2\\tcx  b.  *B.  3.  352.  ©ört.  SBegw.  1837. 
p.  25.  ein  Streit  mit  bem  Pfarrer  ju  Seftyoifr  au«?  bem  3.  1*13. 


v 


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609 


liep  ber  jKatb  au  bem  Kathbaufc  bei  ber  9ßad*e  ein  lange* 
eifenuv  3Raap  aufhängen,  nrie  lang  bae  BrÄu;  uut  Darrbolj, 
aud)  ein  fur&eft  eifernee  ^umi;,  wie  lang  bae  93rennfyolj  fein 
Dürfe.  Xagö  barauf,  am  17.  gebruar,  »Hebe  burd)  ben  Nüttel 
auf  ©efebl  bes  jRatljed  auegerufen:  „(Sin  etyrbater  *Ratf)  läßt 
aufrufen tt  gebietet  unb  befiehlt,  baß  ein  x\ebermauu,  ber  ba 
©etreibc  $u  s)J?arfte  bringt  nnb  mfaufen  »tll,  ber  foll  baf? 
(elbige  gewähren  unten  unb  eben,  ofyne  einigen  betrug  unb 
Sortyfii.  Unb  roer'e  im  Sd>effel  gemejfeu  roili  Ijabcn,  bem 
foü'6  ber  ^erfäufer  .bai innen  aud)  meffeu  unb  ridjtig  gcroa^ 
ren.  5öer  aber  baö  betreibe  vom  Silagen  bei  einzelnen  Scbef- 
fein  »erfauft,  ber  nwg'ö  aud)  beim  Viertel  wobt  auemeffeu 
oljne  ©efäbrbe.  £c  aber  einem  ein  ganzer  Sagen  verfauft 
wirb,  ber  folfe  rem  Käufer  bei  ganzen  Scheffeln  auänicffen 
unb  reetytöfräftig  gewähren  bei  bee?Katf)e$  Strafe.  —  Unb 
nad)bem  aud)  ein  (*.  Watb  sermerft  f>at,  ban  mit  bem  «freite, 
fo  jum  SÜtarftc  geführt  wirb,  *M  betrug  unb  Geilheit,  bem 
gemeinen  Vlimiüh  uir  Sefdnoerung  eingefallen  ift,  fonberlid) 
mit  ber  l'ange  bco  «£K>l$eo,  bemfelbigeu  aber  juvcrgtifomnicn, 
l)at  eintKatfj  gefeftt  unb  verei Diict,  unb  tic  Waape  unb  hinge 
einee  efclidjen  .£olt.etf  an  baet  töatbbaue  bei  ber  9&a$c  Rän- 
gen Jaffen  unb  befiehlt,  bap  ein  tnlid>er,  ber  ba  $rAit()olg  ober 
i)arrl)o(j  $u  Siarfte  bringt,  ober  tferfaufeu  will,  ber  foll  r?a* 
ben  bie  Vänge  beö  längten  eiferneu  Stabes  an  ber  3Bad>e 
l)ängenbe;  item,  ber  ba  $reiml)ol*  ,iu  s)Jlarfte  unb  töaufc 
bringt,  ber  foll  Ijaben  bie  IMnge  t>e*  anbeut  unb  für;ern  eifer* 
nen  Stabee  an  ber  9fiad)e  l)ängeube,  bei  luuluft  beö  «£>eüeö 
unb  be$  ftatfjee  Strafe"*).  Xie  Trauer  in  ©örlifc  baben  fid) 
in  neuerer  3eit  in  ^nnnngebejiehungeu  an  bie  breelauer 
Trauer  angefdUoffen.  5öir  Rieben  ju  biefer  flbtbeiluug  nod) 
eine  ©efellfdjaft,  bereu  Statuten  in  bie  magiftratualndjc  Samm« 
lung  aufgenommen  finb. 

7)  Die  Sd)üfrengilbe**)  Diefelbe  fann  in  21  Mtycn  ihr 
50Öjär)rigefl  3u6iMum  feiern,  beim  üjrer  roirb  fct>oti  beim  3afyre 
1377  in  gleidjjeitigen  Stabtbüd>ern  gebadu.  Sie  entftanb 
urfprünglid)  tu  bem  ^roerfe,  bie  Bürger  im  Stießen  *u  üben 


*)  ®örl.  SJtjVtorif«,  3al»vg.  t838,  p.  50«.  00« 
••)  3nr  ©efetji^te  ber  €d)üfctnflife<  in  ÖJbrli^.    ©ort.  2öffl\i\  1837. 
(ftuff.  oon  £&l)ler)  p.  74?  *ergl.  ©örl.  ©fg».  1833.  p.  337. 

©efaüttc  ren  ©erlifc.  39 


610 

,  - 


bamit  fic  bie  Statt  in  jtrifgägefabr  oertfyeibigen  fönnten.  3Bie 
nothu  l iiot^  t>tcfc  Hebungen  waren,  baoon  tyaben  Die  (^Übe- 
rlingen ber  friegerifcr;en  Serba  Ituiffc,  in  welche  bie  6rabr  jum 
€>d)u$  il>rcr  Steift,  $ur  Slbwefyr  fce$  geinbeä  oon  ü)reu  dauern 
unb  l'anbgütern  nur  w\  oft  gebrängt  würbe,  unfereu  Sefer  mefyrfadj 
überzeugt.  war  uatürlid),  bajj  bamald  ber  föatf)  flef)  be- 
eiferte,  bie  ©übe  auf  alle  möglidje  SÖctfc  ;u  fördern.  @$ 
waren  jxet$  bie  angefefyenften  Mitbürger  SWitglieber  ber  ©übe, 
unb  finb  e$  auet)  geblieben,  feitbem  ber  ernfte  ber  ge- 
genwärtigen  heuern  Ssebeutung  biefer  Vereine  gewieften  ift.  Salb 
würben  auf  Seranlaffung  beä  ?Xatfte$  offentlidje  ^ne^cn  ab* 
gehalten  unb  für  Selofynung  ber  befreit  €>cftü$en  and  ber  Stabt- 
raffe  greife  auögefefct.  6d)pn  im  15.  3a()rbunbert,  unb  *war 
gu  Anfang  beffelbeu  würben  fyier  ^fmgftfdjiefien  gefeiert. 
$)ie  görlifler  ©d)ü$enaüre  bcjtanb  ganj  in  $oxm  einer  3»»M 
ober  ©enotTcnfdjaft.  X)ie  tScftüfeeubrüoer  wählten  Öleltefte  ju 
iftrem  Sorftanbe  in  weitem  jwei  Seijifcer  beä  DlatfteS  fapen. 
1  ie  ©übe  hielt  eine  Vabe  gleicft  ben  übrigen  Innungen  unb 
führte  ein  Sud)  über  bie  mcrfwürbigfteu  ßreigniffc  ber  Srnber- 
fa)aft.  £iert>on  finb  noeft  einige  Sänbe  mit  frönen  Silberu, 
©emälben,  k.  verfemen,  erftalten,  bereu  ältefter  im  3.  1593 
begonnen,  ftaeftrieftten  bi*  jum  3al)re  1519  abwärt*  mitteilt. 
5)ie  ©übe  tftcüte  tieft  feit  beut  JMuffommen  ber  Sa)iepgewebre 
in  $Wet  Abteilungen:  8rmbruftf<ftü&en  unb  Sogenfa)ü$en, 
welche  aber  auf  Anerbnung  beä  >Katf)cö  im  3  1605  fuft  wieber 
»ereinigen  muffen.  2Öaftrfa)einlicr;  waren  bureft  biefe  8pal* 
tung  ^arteiungeu  unb  3änfcreien  entjtanbeu.  $tm  4.  2)ec. 
1615  betätigte  ber  Diatft  bie  »erbefferten  6cftü&enartifel.  3m 
3-  1530  befdjlojfen  bie  Scftuften  für  Den  zeitweiligen  äonig 
ein  Jtlcinob  (golbene  tfette)  maefteu  ju  lauen,  welcfte*  im  3- 
1532  jum  erften  äRale  getragen  würbe.  3eber  6a>"$cnfönig 
mußte  ein  ©lieb  baran  madjeu  lajfen.  (£beufo  legten  bie  Sücft* 
fenfcftüfcen  im  %  1534  für  fid>  $u  einer  fitbernen  tfette  jüfam* 
nten,  welche  22  Sotl)  fdjwer  war  unb  15  ÜRarf  mit  Arbeite 
foftn  foftete.  3m  3.  1550  bewilligte  ber  föatft  bie  Anlage 
zweier  Äegelpläne  (Sahnen),  beren  feinnaftme  in  bie  Scftüfcen* 
raffe  floß;  fpäter  erhielt  ber  jebeämalige  flenig  buref)  ben  föatft 
auf  ein  3aftr  Befreiung  vom  ©efdjofh  ©acfttgelbe  unb  beni 
Xfyorftüter*©elbe.  ©fit  1550  Fonnten  beim  £a)ie£en  jwei 
»aflelbänfe  CBürfeffifcbe)  aufgehellt  werben,    «(*  ein  fctfttftt* 

■ 


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> 


.  611 

rc6  3<id}tn  ldt>Ud>er  ©efinnung  ftefjt  im  Wemorialbu<fye  beim 
jarjre  1671  *eqeicr;net,  bafi  tic  €d)üöenältefren  jum  ftatye 
gefommen  feien  mit  Dem  Antrage:  ba$  seither  (Sonntags  ge* 
bräud)lidie  @ebiepen  na*  bei*  $reDigt  auf  ben  Wonrag  ser* 
legen  ui  (äffen*)  Die  ttorfyanbenen  (5(t)u$en-'$lrrifcl  ger)en  nicht 
weit  jurfuf.  Sie  ftnt>  aue  Den  3a()ren:  1714,  1725,  1738, 
1743,  1768,  1770,  1772,  1829**). 

Da  bie  am  14.  Wär$  1848  bar  ©tabt  (^örlifc  burd)  . 
3r)re  Wajeftät  bie  Äönigin  (£lifabetl)  «  ^reufieu  gefdjenftc 
Stabtfabne  meifteuö  bei  Sdjüfceufeften  gezeigt  wirD,  fann 
folebe  am  heften  l)ier  bejebrieben  werben     Die  ftafyne,  ein 
Weifterwerf  ber  Stitffunft,  ifr  aufgeführt  Duid>  reu  fönigl.  . 
^ofjtitfer  *Röl>richt  in  Berlin    8ic  enthält  auf  Der  «öauptfette 
Den  fönigl.  s)tamen$bud)ftaben  K  (($(ifabett))  in  3ilber  auf 
retbem  Örunbe  mit  go(t)euem  Gahmen,  au  jefeer  3eite  einen 
(£iaSeu$weig,  in  jeber  Öde  ein  $>ayJvenfd)ilD,  ba$  fönigl.  *l?reuj*.  - 
rweimal  unb  Da*  fönigl.  $airifri)e  zweimal.    Die  ^anierfeire 
bringt  in  Der  Wirre  Da*  volle  3tabtwaweu  i»  @k>lb  mtb 
Silber  uud  Die  färben  in  6eiDe  nebft  3 reinen    3n  jeDer  (£rfe 
ein  2Öawenfd)tlD ,  nämlid)  zweimal  ben  weisen  göwen  im 
rotben  unb  ben  fd)war$en  Dop^elabler  im  weißen  gelbe.  Die 
Spifce  enthält  bie  ^abrefyabl  1848. 

Da$  alte  Sd)ie#bautf,  „aire  3MfaN"  genannt,  war  an- 
fänglid)  in  Dem  3wingcr  beim  Jrauentbore,  wo  notf)  je$t  Da$ 
fogettaunte  3n^,ljJ<l'JSd)i1$enbau^  fleht,  weldjes  Dem  3d)itfcen* 
buetje  jufolge  1587  erbaut  würbe.  Diefe  3fcl(tart  wirb  in  Den 
ftatr)drea)miugen  fetyon  beim  ^atyre  1377  genannt.  biefer 
3*it  flammten  aud)  mehrere  im  3ar)re  1837  abgebrod>ene  ®e*  . 
mäuer  beim  ehemaligen  ftraueurbore.  —  <Seir  Dem  Jafyre  1 496 
wirb  eine  $$ogelftange  erwähnt  unb  jwar  auf  Dem  93erge  bei 
Den  Sfeinbni^cu***).    Jiu       1552  würbe  fie  burd)  Jöaiiei 

• 

-)  ®örl.  Wea,tt>.  1837.  p.  II. 

••)  M..I.  A.  tom.  III.  10V.  toiu.  III.  «74.  irll.  III.  ilitiij.  III.  iUOk, 
III.  423  b 

*"*)  ^algenbe,  fotoie.  einige  anbere  91ctijeu  üiib  einem  $aubfd)rtftltd)cn 
ÜBucrje  be*  ehemaligen  ^Bürgermeifler  Keumanu  (\e$t  im  SBeftfye  bee  4?rn. 
Jammer  hierfelbfi)  entnommen.  9t  ffaben  ftffy  bie  merfwurtia/ten  fläbtifd?en 
OJebäube,  ©äffen  k.  ver^eicfjnvt  mit  *Bemerfuna,en,  h>te  foldje  bie  mehrqe; 
bauten  alten  <Stabtburner,  ba*  SRtmortolburf)' unb  anbere  hanbfdjriftiidie 
Duellen  ergeben. 

39* 

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612 


Seibt  auf  ber  $$iehweibe  in  ber  SRäfye  ber  ehemaligen  (Scheu* 
nen  von  ^cU-crbaui.  1558—  1500  würbe  baö  babei  befiublicbe 
,£>auä  gemauert,  unb  über  bem  (nbgefchofi  ein  (Stotfwerf  von  8 
Senftern  gront  ^wifchen  bem  6.  unb  7,  über  bev  £au$tbüre 
tburmartig  errietet.  1580  würbe  ein  £tutf  ber  5$iehweibe 
alä  €>cr)ü$engarten  mit  fpifceu  pfählen  Hmjännt.  1588  würbe 
bie  neue  SBogelftange  aHfgeridjtet,  .welche  jebod)  fci)on  1624 
qäitg(icr>  eingriffen  unb  J630  burd}  eine  neue  mit  gemauertem 
Umfcfcrot  erfefct,  baneben  auch  baä  ^>aud  auSgebeffert  vmirbe. 
3m  3-  1649  würbe  eine  neue  $$ogel|tange  bergefteüt  auf  ber 
s^auerj  1671  bie  SRauer,  in  welche  ba$  £olj  *u  fielen  fam, 
bis  aHf  c.  30  (£llen  ^#l)e  gemauert.  1714  würbe  eine  neue 
©tange  aufgefegt  unb  feit  ber  ^cit  mit  gelegenen  9Ror)ren  nad) 
bem  U$ogel  gefdwffen.  1835  brach  mau  bie  s$ogelftange  ganj 
ab.  —  lieber  ba*  vSd)iepl)au5  an  ber  ^ceiße  berichtet  ber  Hn< 
hang. 

SBon  ben  nicht  *banf*  berechtigten  Innungen  gebort  hier  bie 
wid)tigfte  unb  jablreichfte  in  $örli$  au  bie  <5pi&e: 

1)  Die  ludjmadjer.  X>iefed  Littel  war  feit  ben  älreften 
3citeu  ba$  erfte  in  unfern  €tabt.  (S*  wirb  hier  nothwcnbtg 
für  biefe  9$ef>auptuug,  weld)e  bis  je&t-oh»*  näheren  Stoveio  von 
uns  ()ingeftellt  worben  ift,  äeweife  $u  liefern,  inäbefenbere  bafür 
baß  bie  Xucbmacherei  511  ©örli$  burd)  vlämifche  (Sinwanberer 
eingeführt  würbe.  £d)on*)  im  J.  1154  fefrte  ber  »ifdjof  $u 
SMeipen  bad  Dorf  Döhren  für  flanbrifd)e  (£inwauberer  auö; 
warum  follte  er  nicht  foldje  aud?.  nach  bem  ju  feinem  Sprcn* 
gel  gehörigen  ©örlifc  gewiefen  haben?  sprachliche  ©rünbe 
bringen  biefen  (Schluß  faft  bifl  jur  (Svibeni.  finben  fid)  in 
ben  älteften  görli&er  8tabtbüd>eru  2(u$brürfe,  welche  ber  fonft 
brchid>lichen  (Sprache  gan$  fremb  unb  alhuieberbeutfdjen  Ur* 
fprungS  ftnb.  3n  ben  alten  2led>tung$büd>ern  ftnbet  ftch  regeU 
mäßig  ber  SluSbrurf:  wegelogefi,  altnb.  =  am  9Bege  auflauern ; 
orlouge  (orloug  altnb.  oorloghe)  =  2(ufrur)r,  Tumult;  geezoge 
(altnb.  auch  ghetuygde)  =.  Aufruhr,  Auflauf;  meteborger 
(altnb.  aud)  niedborgher)  —  Mitbürger.    211*  weitere  93e 


*)  9öer  hat  ba*  Xuct)mact)era.ehH,rbe  in  ber  «Statt  dtöriifc  begrünbet? 
uff.  ».  Äotjler)  ®örl.  Seghuif.  1837.  Ueber  bie  att  --nieberbeurfdjett 
arte  »ergl.  ba«  bort  citirte:  ComeJii  Kiliani  Dktionarium  leutonicum- 
inum.  Traj.  Bat.  1777.  2  ©be. 


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613 


weife  tonnen  Dienen  bie  nod)  üblichen  tecbnifcbcn  Wu^brütfe  ber 
hieben  üudmiactyer  fiiv  tf>r  ©ewerbe,  welche  nieberlänbifchen 
Hrfprungd,  in  ben  $ieberlaitben  felbft  aber  längft  außer  ©praaV 
»Kbraiteb  jtub.  Solche  Wuäbrücfe  ftno :  Die  5Berfte  (altnb.  werpte) 
~~  &tt\t,  welche  fe$t  in  ben  Weberlanben:  scheerdraad  fyeißt; 
bie  2abe  (altnb.  laedrv  weucrslaede)  ie$t  in  bcn  s$ieberlanben 
außer  Skanct) ;  bev  lempcl  (aünb.  tempel,  timpel);  bie  Spule 
(altnb.  spuck*)  jety  In  •Jiieberlanb:  spocl;  Soppen  (altnb.  nopen) 
=  (eife  berühren;  bie  Stiefel  ober  $Befe(fpH(e  (altnb  weuel); 
Dränier  (altnb.  drom,  drompaeren  ober  drum)  u.  v.  a. 

sltite  bereite  mehrfad)  angegeben,  vermehrten  ficr>  biefe  (£in* 
wanbertfr  bebeutenb,  unb  würben,  bem  •föatbe  gegenüber,  al* 
gübrer  ber  ^aubwerferbewegung  eine  sDcaa)t.  £>ie  erfien  Uuru* 
ben  btefer  Ärt  tauchten  unter  iuehmacher^tamen  auf  im  Anfange 
bed  14.  3äfyrt).  «nb  ber  llmßanb,  baß  bei  biefem  ©ewanbfd)mtt> 
Streite,  ein  jtauftyau*,  ein  1ud)hflu$  erwähnt  wirb,  beweijl 
hinlänglich  bie  fd)on  bamalä  große  SBebeHtung  be$  (bewerte**)- 
3)rau  ging  überhaupt  in  jener  früheren  3*u  Mit  ^em  ®nin&* 
fa|e  au*,  baß  ber  Jabrtcirenbe  ftdi  nid)t  mit  bem  Zerraufe  ju 
befchäfttgeit  habe,  vielleicht  um  ber  ^ernad)läffigung  feined 
©ewerbetf  vorzubeugen,  inbem  SEBarten  auf  Käufer  leidjt  mm 
Müßiggänge  verlocft. 

lieber  ben  (*Jewanbfa)nitt  fyatte  ftd>  im  3-  i486  wieber 
viel  ctreit  erhoben.    X>a  erging  beim  ein  9efd)(uß  beä  töa* 
tljefl,  welcher  ben  Schnitt  von  gewidmetem  görlifeer  üueh  frei 
gab,  ben  wir  feiner  Mcifwüvbigfeit  wegen  hier  jnittl)eileu**). 


•)  oben,  £.  116. 

•*)  9Up  tenn  ber  9tatf>  vcrmalp  etm  fafluiia,  vnb  flebotty  von  bep 
a,ett*anbtfnibt  a,emad)t  vitc  befloffen  bab,  ba<*  benue  mannigfelbtgf  mig^e; 
braucht  gehörten  ijr,  ÜhW  ber  Warf)  mit  SPortriUen  t>er  (?(biften  vnnb  ge* 
fditvcren  (Gfefdmvrnen),  ba*  fich  furber  bty  *8üra.er  Itidjmedjer  isneiber 
vinib  allerlen  ^anbttrmjf  3n  bem  GJroantfnit  aifo  *n  hiiiect}  folaet  fal* 
beim  foüenn.  Stile  93ura,er  mögen  alterte*  getvanbt,  fremb  aber  aityft  jeu 
C$orliq  gemalt,  tr>r>  bad  fei,  fttetbeu,  gebort)  füllen  bie  Bürger  ftftn  frembe 
tjetuauM  viitcv  fünft*  grofeben  fneiben,  bbweile  ber  gulben  vor  1  (Üctyod 
gerechnet  ivirb.  (Mörlifcer  Tud)  mögen  fty  ttebod»  nad)  fernen  lourben 
(Gerthe)  fneiten  »nnb  oorfaufen;  fuUen  vnnb  mögenn  bft  ludjmedjer 
f)ewanbt  bao  allt>ie  c^u  Wcrli$  ^enmdjt  \\t  fcnnb  fein  frembbed  fneiben 
vnnb  ben  ber  (£((en  rifmeffen  vnnb-  nach  roirben  »erfenffe«,  ^Bunber  bn 
tSneibcr  unb  allerlen  ^anbttrer^f  ftttten  vnnb  mögen  auch  alterten  gewalibt 
t>aS  aib\)  qu  ö*orlici  gemäße  i?t,  tnnb  fuft  fenn  fremde!  fneiben,  alfe, 
ba$  f»  bad  fürbap  offenbarltrt)  t?nnb  nirfjt  tt)«n,  vnnb  itlidjö  naeh  fenneu 


6U 


3d)on  baiua($  war  e$  üblicr),  bajj  bie  Xudje  von  einzelnen 
reiferen  Seilten ,  aua)  ivehl  ait$  beut  jKatfye  aufgefauft  unr 
verrjanbelt  würben.  3n  bem  melgebacfyten  iöterftrette  mit  bem 
fatr).  Pfarrer  bennfcten  bie  @)eiftlicr)en  Diefe  Xfjatfacrje,  um  ba$ 
^o(f  gegen  teil  )Ha\ty  aufzuregen,  bodj  war  ber  Skrfucr)  ofme 
2öirfung,  ba  Die  be$r)alb  r>or  ben  Oiatf)  gelabencn  fleltefien 
beö  £anbmerf$  erfldrten:  bap  bad  «jpanbwerf  bavow  nur  $$or 
ibeil,  feiueSwegd  irgenb  weUbcu  3a)aben  t>ätte*). 

Die  im  15.  unb  Iti.  ^ahrfyunbert  fctyon  burd)  ihre  Jciii 
f>cit  berühmten  görlifcer  £Hd)e  würben  fef>r  weit  verführt 
unb  würben  in  tiefer  3*i*  vorjugöweife  abgefegt  nad>  $oCen, 
JDfipreujjen,  Ungarn  unb  ber  lurfei.  Ate  ^aHptmarfttoläfcc 
für  görlifccr  Xudjwaare  fommeu  wieberrjclt  in  $etrad)t  bie 
£täbte  'Hofen,  Sreefau  unb  SX  ruf  au,  lefctere  £tabt  für  Den 
Orient,  hieben  bet  9iotl)wenbigfeit  einer  Xud>haüe,  tereu 
f$on  gebaefot  ift,  (äffen  bie  auö  bem  13.  3af)rrmnfcert  verbrei- 
teten oagen  arjnen,  wie  grofi  ber  *nffd}wung  biefe*  (bewerfe* 
fdjou  bamatö  gewefen  ift.  Dod)  sermogeu  wir  ben  bei  ©rof 
fer**)  angebogenen  Angaben  nidjt  el)er  (Glauben  $u  tdjenfen, 
a(*  bi*  eine  (kinn^t  in  bie  Briefe  möglid)  geworben  ift.  Da- 


wurden  fueiben  vnnb  verfenjfen ,  vnnb  ba*  fuldje  ©orlitfd»  Xudj,  bn  bn 
99ura,er,  lurtmedjer,  ©neiber  vnub  anber  £anbtrcera.f  fneiben  r  falten  ge- 
*eid)net  unb  nid)t  »na,e|eid)net  fneiben.  Sü)  fal  von  $uraer,  Üudjmedjcr. 
vSneibcr  *nnb  allerlei)  £anbt»era,f  bip  »f  be«  Diäte*  tt>ofa,efaUeu ,  ge^al- 
benn  werben. 

Actum  in  cur.  (lorl.  sabato  nadi  5Wattl)ie  ci^^of^cli  (25.  gebruar) 
in  bem  lxxwj  3arc. 

lih.  Rosien.  III.  in  bei  Natfoofanzlci  ad  a. 
*)  N.  Script»  ror.  Lusat.  II.  itü.  W,. 

"*)  Siauf.  äfeerFwüibigfeiten  V.  rap.  II,  p.  30.  £ort  ift  ei»  SBrief 
Äaifer  Äubolvb**  I..  d.  d.  (frfurt,  15.  $Iai  1274,  abgebrueft,  Worin  tet- 
Äaifer  ben  görli&er  Iud)mad»ern  feine  befonbere  Glnabe  verfyridjt,  an^eb; 
lid>,  roeil  ihm  bie  Sud)ntad)er  bei  einer  ^nrd^reife  bnrd)  ®örlÜ3  $elb  ge- 
liebelt batti-n;  eine  {weite  92aduid}t  auf  p.  31  ebenbaf.  um ll  wijfen,  ran 
im  &idttntm  2t.  fallen  in  ber  «diweij  ein  üßeneju  für  görlifcer  -iuefe 
madier  begehe.  ttta  (Mroffer  ^ubolr^'e  I.  ^rief,  ben  er  ttörtlidj  mitteilt, 
aefuitben,  flibt  er  nid)t  au.  (fö  follen  auf  bieftaem  -^auMveif^haufe  *tx 
udMiiiid'n  .\muutM,  nad)  VIuoh^o  mehrerer  Wnün,  alte  ^cfumente  vor: 
I^anben  fein,  n?eld>e  nid)t  von  Ümeu  entziffert  werben  fonnen.  (9ine  9luf- 
geid)uung  unb  Crbnuna,  biefer  iia^iere,  ut  weld)er  iöerfaifer  biefeö  frei; 
BiSki%  unb  unenta,elblid>,  le&iglid)  im  Ontereffe  biefer  ©efdjidjte,  fid>  erbot,  i^, 
ungeadjtet  mehrmaliger  «nerbietunijon,  bid  t^eute  teibet  nodj  mdft  gemat- 
tet worbc«. 


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615 


mit  Mc  (Ihre  oe$  (bewerfe*  atifvrcbt  erhalten  werbe,  unb  Die 
görlifrn  XuaVr  immer  folibe  unD  prcidn>ürDu)  feien,  war  ehe; 
mal&  von  Den  Slelteften  Die  (£inrid>tung  getroffen  Würben,  alle 
verfertigten  &itd)er  im  ,£anDwerf0haufe  ;u  prüfen  unb  nach* 
Dem  bie$  qeftbehen,  eine  late  anf  Diefelben  in  heften,  waö 
mit  Sleueichen  gefchabl  1)iefe  $)urd)jtd>t  nannte  man:  $Rer* 
fen,  Die  ^Reiftet,  welche  fold)e  bewerf  jitell  igten :  Werfer,  ein 
Warne,  nnter  welchem  auet)  Dad  £>anDwerf  im  Olanjen  mit 
Dem  Vlnc^M Utk  Werfer  Innung  (ober  SRätfer* Innung?  weil 
Die  Vlamläuber  $uitäch?t  au£  Der  Warf  einwanDerten)  begrif 
fen  warb.  Arbeit  Dieter  (Einrichtung  überwachte  Der  $ath  vor^ 
Utgdweife  Die  üuehmadjer,  eiferfücbtig  auf  Die  ßfyft  Der  gor  * 
li$er  Xuchfabrifation,  welche  einem  großen  Ztyik  Der  (Sin- 
wobnerfchaft  Wahrung  unb  ©oblftaub  verfdjaffte.  (§r  fn'elt 
Den  Tuchmacher  *  Weiteren  eingegangene  Wachrichten  vor,  bafi 
Die  görli&er  Tuche  an  ^relewürbigfeit  verloren  hätten.  3m 
3.  1511  fain  gegen  Cjtern  Dem  JKatbc  Chren,  Dag  auf 
verfloffencm  tfaftnachtäiiiarfte  \n  Sreölau  Die  ^olen  ftch  über 
Da*  görlifcer  Sud)  befchwert  unD  gefagt  Ratten:  feit  einiger 
Jett  fei  Daffelbe  ui  für*,  gu  grob  unD  von  fefjr  geringer  garbe, 
H2öahrnef)mungcn ,  welche  Die  ungarifcheu  Äaufleute  veranlag 
ten,  viele  Sailen  mit  görlifcer  von  Der  dürfen  nidn  angenont; 
ntenem  Xudje,  $urücfjufenüeu.  $>ieö  ^dtte  Die  golge  gehabt,  bag 
gorlifcer  Tudje  welche  früher  10,  11,  ja  15  ^rojent  mehr 
al$  Die  Der  anDeru  Sechäftäbte  unD  Die  fa)lc|tfd)en  luchtorobufte 
gegolten,  auf  Diefem  gaftnachtennarfte  im  greife  unter  ba*  ge^ 
ringfte  lauftmfehe  Tud),  ba$  von  Welkenbach,  gefallen  feien. 
Der  Wath  berief  bamatö  bie  Äelteften  vor  fid),  machte  ilmen 
Vorhaltungen  über  ihre  Wachläfftgfett,  unb  eö  würben,  weil 
mit  Diefer"  Angelegenheit  im  Wäth*geftübl  Der  >4teteröfird)e 
gefunbene  anonvme  Briefe  in  Verbinbung  ftanbert,  meh- 
rere biefer  verbotenen  ^aubljiug  verbächiige  Xuchmadjer,  na- 
ineutlid)  Valentin  (^ruuDcl,  (Sonrab  fcange  unD  $W*niid)el 
in  Ilrnrnt^efangniffe  geführt,  fpäter  jeDoa),  a(6  Die  Unterfu* 
d>uug  fein  weitere*  Wefultat  ergab,  wieber  freigelaffeu*).  (*$ 
famen  freilich  trofc  ber  Aelteften  Vlufjtdjt  Uureblfchfeiten  vor. 
3m  3.  1543  würbe  Karin  Sten&el  au$  Der  ©tabt  ge* 
wiefen ,   weH   er  viele  3Mei$eid)en,   womit  ba$  £anbwerf 


)  N.  Script,  rer.  Lusat.  Ul.  p.  Uli. 


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616 


bte  iHtfje  bejcidjncte,  entwertet,  unb  unter  Xu*ma<hev  ver*. 
lauft  baue*). 

wn  Swiftigfeiten  Der  Xudjmacber  ift  eine  mit  ben  $rau 
eignem  in  bemerfen.     Die  Xudjmäd)er  hatten  fett  längerer 
Seit  $um  £d)aDeir  Der  SMerbof  berechtigten  5öter  fitr  ifjren  93e 
Darf  gebraut,    Hm  22.  Januar  1567  Raffte  Der  ätatb  biefe 
ein  Privilegium-  bcciuträdjttgeuDe  citte  wieDer  ab,  verwartete 
Dagegen,  Dap  Die  Cberalteften  Deä  Jr>auDwerr*  gefd}of;fret  t'etn 
tollten,    «n  biefen  ftacfrfap  war  Die  SkDinguug  gefnupft,  üc 
feilten  Dem  ftatbc  Dafür  mit  jäbrltd}  12  ®r.  au*  Der  *abc 
;u  .ftülfe  fomuien.**).    Um  30.  Januar  1616' eittfdpct  Dei 
>Ratt)  einen  Streit  Der  Xuebmad)er  unD  Xud)fd)eerer ,  welcher 
auf  Dem  llmjtanbe  beruht  fyatte,  bap  gefriere  Den  Xucbmarf>erii 
nicht  geftatteu  wollten,  fremDe  Xudjfctyeerer  bei  Der  Xudjberei 
tung  au  verwenben***).    1708  erregten  Die  Xudjfnappeu  einen 
großen  ttnfjtanb,  b.  I).  fie  verliefen  in  SKaife  Die  Stabr,  wut; 
Den  aber  wieber  $ur  rWucffchv  veranlagt,    ©ie  Den  21.  £c* 
tember  1726  ein  jwiefpalt  $wifd)en  Den  Xudjmacbern  in  ®öx- 
li$  unb  gianffurt  a.  D.  £>.  entfd)ieben  würbe,  ebenfo  fonnte 
am  19.  s2)iärj  1732  eine  Jming  unter  ben  Xudjmacfyeru  unD 
Xud)fd>eerern  bureb   ein   lanbe^berrlidje«   fteffript  beigelegt 
werben  f). 

$>a$  gcrlt&er  Xud)mad)erge  werbe  bat,  wenn  aud>  nad) 
ber  6mnft  Der  uiet>r  ober  weniger  unruhigen  $tiun,  ftärfer 
oDer  fdjwäd)er,  ben  erften  Slang  in  Der  Stabt  behauptet,  9n 
Drangfal  reidje  perioben  waren  für  ba$  Xudjmadjermittel  Die 
^ufttenfriege  unb  Die  Unruhen  unter  tföntg  ©eorge  pobiebrat 
mit  Der  langDaueruben  Unftcberbeit  Der  «trafen,  welche  Die 
Xudjfabrifatiou  in  *  Steden  brachte.  Die  im  16.  jat^nn- 
bert  $um  ^orfdjein  fommcnDe  ÜttüiMvcrwirrung  braute  ben 
görlifcer  Xurtmachern  vielen  8d>aben,  inebefoubere  wegen  ber 
polutfcbert  ©rofeben,  welche  ihnen  auf  Den  Xuebmdrften  in 
(schienen  unb  polen  für  voll  gestylt,  in  Der  £berlaufi$  ba* 
gegen  nur-t.u  nirbrigerent  Äurfe  angenommen  würben  ff).  Jm 


*)  (^örlipet  ^i'flwdict  IHi8,  |>.  tioO  (nad)  bem  9Wemorialbu(t». 
**)  9Ncinorialbud)  ad  h. 

Äanffer,  Cbcrl.  ®<td)id?t<  IV.  141. 
v)  $«fc  $0bmfnte  im  iKatfj*ard}h><. 

tt)  \.  Script,  rer.  Ins.  Kl.  p.'OHÄ,       t.  3L«<rf  oben  p.  271 .  *72. 


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617 


bretttfgjribrt.qen  tfrie«ie  litt  ba$  v§anbwerf  mit  ben  übrigen,  im 
ftebeujäbrigen  t?ej$ua,$wdfc  burd)  aufgefegte  ludjliefernmjen. 

lieber  t»te  Stärfe  ber  3miHtt4  ftnb  tun  im  Mannen  roe< 
nia,e,  unb  —  ba  batf  ftatifttfdie  (Clement  bi$  jeftt  febr  tu  bei 
Oberlauf^  smtad)lafftgt  werten  iff  —  nuf  atmäbeutb  rtd»< 
tt^c  Angaben  ;ti  matten.  Kenn  and»  cie  meifteu  ber  uad>- 
ftebenben  vereinzelten  9tütt$en  auf  amt(id>en  ober  U>enfaftett6  »im 
fMffyen  Verfemen,  beueu  in  bie  amtlichen  ftfteii  Cftnftif>t  gemattet 
war,  ausgegangenen  'PaoffentliVbutigeti  beruben,  fo  fommen 
tiefe  bem  gewcbnlMen  Vaufe  bei  Dinge  uad*  ber  $i*abrbeit  nur 
nabe,  ftnb  jebod)  feiten  «3 a 1 1 ^  PcttfMttbtg.  Denn  and)  bei  1111$ 
fibabet  Der  SÖabrbeit  foldjer  Angaben  tie  Scfcrgnffj  ber  (**e^ 
werbtreibenbeu,  beu  'Öebor&eu  einen  ffaven  $Mirf  in  ben  Um-, 
fang  ihrer  (*>efd)äfte  \u  gejtatten,  inbem  fie  r>ot>erc  Sefteue- 
rung  befürchten.  $m  X  1538  gab  eö  über  200  Tudnnadjer 
in  ©örlifc;  ob  4paffe*),  wie  ju  vermurben,  barunter  aUcin 
^eiftei  mftanbett  bat,  ift  ntct)t  $u  beftimmen.  9?ad)  ben 
Angaben  in  Sdjnmann'ö  l'erifon**)  waren  in  (^erlift  im 
3.  1700:  500  ludMuacbermeifter  unb  100  ©efellen;  1788 
waren  300  Xud)mad>erm eitler,  weldje  5597  6rütf  lud) 
verfertigten,  unb  ein  58ollmaga$in  jur  Verfügung  Ratten,  auä 
weld)em  ben  armen  ^eiftew  nad)  Umftauben  sBoUe  vorge^ 
ftrerft  WHrbe***);  1804:  369  Weifter,  von  benen  246  für  ftcf) 
arbeiteten;  1816  über  300  Reifler,  weidu*  über  1500  Spin* 
ner  befdjilfttgteu.  J>»t  neuerer  3eit  ift  burd?  bie  sJHafd)inen-' 
fpinnerei  bie  uid)t  unbebeutenbe  ber  Heinereu  sÄeifter  in 
2U>f)ättgigfeit  von  (*n*gro$  lHd)gefd?äften  gefemmen;  eine  gol^c 
bavon,  bap  bie  3)feifter  nid)t  frül>er  ibre  (Melbmittel  in  engeren 
Affoeiationen  verbuuben  fyaben.  Sc  fall  gegenwärtig  ein  niebt 
geringer  U r)ctl  nur  and  ber  $attt)  tu  ben  'tWunb  arbeiten. 
^)ievuad)  ift  aud>  bie  3ÄM  btx  ^elfter  mit  beut  AuHcbwunge 
beä  gabrifwefeuä,  im  ^erbältniffe  jur  immer  fteigenben  Be- 
geiferung ber  Stabt  genommen,  febr  gefallen.  (&xo$  iffr  ber 
Unterfdjteb  feit  bem  M\yc  1816  ;u  bat  fclgeitben  Angaben: 
im  3.  1831  waren:  50,  *L832:  90,   1^33:  90,  1834:  90, 


")  obnt  302. 
*)  III.  219  f. 

")  %Ufyt<T$  «auf.  »JRüiMlofrfjrift  1791.  p.  49. 


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618 


3<if)l  ber  gabrifeu  überhaupt  nur  1  betrug,  waren  1836  Deren 
ftwclf).  guf  bie  6ot)e  Der  gafcrifatiem  lütt  Die  Okone  Der 
flndfubr  rjatte  tote  Werminberung  Der  Stifter  feinen  Slnfltif. 
3m  iahxc  1837  gingen  in  ben  ju  ©crlifc  beftublid)en  gabri; 
fen  1770  Rinteln,  tu  ber  in  i*ubwigöborf  gleichfalls  gorüfcer 
ftabrifanten  gehörigen  gabrif  überbied  660  6vinDeln.  -  >« 
3abre  1838  waren  jtber  158  £tüble  i>on  130  felbftftänbigen 
Iu(t)mad)ermetftein  im  CManae.  X>ie  3al)l  »»«  »bnen  g«' 
webten  Iud>e  warb  auf  7094  Stütf  -anheben.  3öüÜ|>inn 
fabrifen  waren  im  3-  1B38:  fteben  mit  Ö704  evinbeht,  fl^ 
pretur  fluftalteiMebn  mit  37  föaub-  unb  47  £d>eermafd}ineir) 
@>egm  l*nbe  beö  Jatyre*  1849  gingen  fteben  ^olleitgarnfviu 
ncreieu  mit  5380  rteiufvinbelu,  fünf  Davon  burd)  Dampf  dCi 
trieben;  für  cie  Iud)maa)er  fiub  I72  3tül)le  im  ®ange, 
weld>e  97  ^etfteru  gebäre»  j  Xucfyfärbereien  waren  fünf; 
Balfmüfylen  fed>*.  Appretur*,  ^rep  unb  6d)eer  Vtnftalteu 
gibt  eä  neun  mit  86  j)taubmafd)inen,  47  (£\>linbern,  17  ^urft- 
mafcfjiuen,  aHcb  18  ^reffen.  Den  amtlichen  Angaben  uad> 
würben  in  Umgenannten  ^titftaltctt  468  Arbeiter,  in  Der  Ttiat 
aber,  wie  uiri  merjrfeitig  verftdjert  werben ,  bei  weitem  mei>r 
befdjäftigt. 

Xie  mit  Xucfyfabrifation  be  fcfoaftigten  ^anbwerfer  tljeile» 
fid)  in  lucbmadjer,  Xucfybcretter  uub  £ud)fd)eerer,  weldje  ityre 
befonbem  Wrtifel  haben.  "Bei  beut  neueu  ^uffcrjwunge,  wd- 
d)en  baä  3unungewefeu  feit  einem  3abre  \\i  nehmen  beginnt, 
fyaben  ftd)  am  29.  Xejember  1849  Iud)fd)cerer  unb  Xudjbc- 
reiter  gu  einer  Jitmiiig  verbnnbeu*").. 


*)  ©&ri  3tfea,>r*eifer  »838,  p.  404  jf. 
•*)  «ort,  SHeauu-ifer  1839,  |>.  140. 

••*)  $ie  ItifbmadKrgefellen  feierten  am  8.  Cftbr.  1849  batf  ftefi  einet 
neuen  ftabnenroeibe.  £i*  ftaljne  ift  t?i>n  h?eiper  (Seipe.  tlnf  Per  $aurf- 
feite  befindet  ftd)  Pae  von  $tt>ei  Soweit  ^ebattene  Wappen  Per  jtinuna^  pu 
3nft«jnien  ($roei  a,efieu$te  3lli>llb«>a,ei\,  in  per  2Mitte  jroei  gefreute  i»?ebe- 
frtjütjen,  an  jeter  5 fite  eine  Waubfarbe,  wie  fie  bei  Per  frübereu  ^ant- 
rauberei  erforberlicb  waren,  uub  unten  $roei  gefreute  SUalFbämmer),  nacti 
ber  Naturfarbe  in  blauem  #elbc.  Ueber  beut  £d}ilbe  eine  ftürfteitftt>ne 
mit  ber  Umfcbrift:  „Die  3)ruPerfd)aft  Per  £ud)fnabpen  in  ©öriifc!"  Unter 
bem  ÄcbilPe  ein  grüner  ($id}en^veta, ,  unter  »eldiem  bie  3afire$$abl  1849 
»lebt-  Sluf  ber  kjjanierfeite  ein  ülbernee  fctjräa*^  £reu$,  u£er  »eldjem  bic 
£er$0a,afrone  von  ^Bur^nnP,  mit  einem  Purd)  Pie  Ärone  getiefften  3at?fen 
«nb  Pauiber  Pie  3öorte:  „Dee  Seif«  £ru*,  Pce  dürften '  <©d)U* !"  Unter 


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t>19 


Die  fyiefigen  Xud)mad)er  Ivetten  in  Sejug  auf  Die  vor; 
fjanDenen  3nnung$artifel  Dad  l'oo$  aller  3nnungen  f>ierfelt>ft. 
i)ie  alten  ivurDetv  $ur  sl*onfall$perioDe  in  *prag  jttrutf  behalten 
'Xudjmadjer-flrtifel  finD  in  Der  magiftratualifd)eu  Sammlung 
vom  3afyre  1557  Hirt)  1 592 ,  ferner  ein  $*ergleid)  $tvifd)en 
ifynen  unD  Den  Iu(r)fd>eereru  vom  3-  I H 1 6,  ein  $krgleid)  mit  . 
Den  Tuchbereitern  vom  ^abre  1625,  nnl)  eine  DrDnuitg  wegen 
Der  ©efellen  vorhauDen;  noch  im  3.  1666  haben  Die  Ina) 
(leerer  unD  lurt)bereitei  gemeinfame  ftrttfel,  feit  1675  trat 
eine  Spaltung  in  $voet  Innungen  ein;  von  Den  lud) bereitem 
erfctyeiut  noch  eine  (Mefelleu*  Drbnung  vom  ^abxt  1680,  von 
Den  Tttchfdjeerern  aber  eine  Umarbeitung  ihrer  fcrtifel  au£ 
.Dem  i^ar>re  1711*).  3nt  %  1831  erfolgte  bei  Der  Xucr)mad)er- 
&egräbnif??&afie  Die  Aufhebung  Der  3a(ne$fonvente**).  Unter 
Den  Dt  et  Innungen,  welche  (Xudjmacber  unD  J^leifdjer  Die  erften) 
fteltefte  feit  Dem  Jahre  1 400  in  Den  ?Ratb  febitften,  waren: 

2)  Die  (Berber,  unD  war  Die  9lott)gerf>er.  N^on  leiteten, 
welche  ibrer^eit  eine  grofie  93eDeutnng  gehabt  unD  aua)  fehr 
jafjlreid)  fyierfelbt?  vertreten  geivefen  fein  muffen,'  jtnD  nur  jvoei 
Elften üu efe  in  oft  erwähnter  Sammlung,  nämlich  3nming6ar* 
tifel  vom  3al)re  1611  unD  ein  3$erg(eid>  mit  Den  8d)ut)mad)ern 
auä  Dem  3abre  1615.  Sluper  ifjnen  ftnD  Die  $öeipgerber  511 
merfen.  3fyre  Ärtifel  finD  auö  Den  3äl)wi  I  1 ,  1576,  1584, 
1611.  >43om  Jahre  1576  aud>  eine  s2ÖeipgerbergefeUen*OrDnting. 
Jm  3.  1670  fommen  Aei(«  unD  6ämifa)gerber*%ilrtifel  vor***), 
©erber  gab  ea  <£nDe  1849  überhaupt  Ijierfelbft:  1 7  >!)teijter. 
3m  3-  c-  1790  verarbeiteten  fte  jährlich  ungefähr  12,000  rolje 
gelle  aller  Art. 

3)  Die  Sd>neiDer'3nnHiig  f>at  eine  grojie  ÜWengc  mel)r 
oDer  weniger  abgeänDerter  Staruten,  aber  fonft  befonDere  9tad)* 


bftn  &veu\(  *ßalmen}tt>eüje,  tteliije  bie  3ahr«e^ilU  1535  beforiren.  3n  brn 
Ifrfen  «rabeöfen,  an  ber  unterm  (Scte  ber  Warne  ber  ^tirferin:  Ämatie 
filtert,  cf.  Oteue*  *auf.  SOtaftaj.  1849.  p.  5«0.  lieber  bie  *ö<beutuu$ 
ber  bürg.  Ärene  für  bie  beutfiinrn  Xiidjuiadjer  überhaupt,  (ftörl.  Sfi?eflh\ 
1834.  p.  744. 

•)  M.  J.  A.  III.   160,  II    312b.,  I.  56b.  I.  131,  I.  198:  I.  213. 
(q,emeinfamer  «rtifel);  III.  t,  III.  4t,  III.  It,  U|.'H3. 
••)  M.  J.  A.  tom.  IV.  p.  80  b. 

•••)  M.  J.  A.  tom.  II.  V28b.  tom.  I.  31».;  tom.  II.  8V.  II.  t$2. 
II.  213 h.,  II.  |f?b.,  II.  f 6i ;  tom.  I.  p.  185.    Ueber  bie  uatutifciie  Vi  11 
gäbe  toegen  be«  fceber*.  f.  $eftye<f*  «auf.  ÜHonatifar.  1792.  p.  42. 


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620 


nd)teu  ntd>t  auftnweifcn ,  auper  Da£  Die  ®efetten  im  3-  1475 
mit  Den  $iauji#fanermönd)en  in  eine  a,eiftlid>e  ^3ritDerfd>aft 
traten  unD  rem  fd)(auen  (MuarDiau  tycix  «Röntg  junt  fleißigen 
33efud>e  Der  Elitäre  Der  5ran$tflfauerfird)e,  gegen  (Srroartuna, 
rer  Säittoenvergeftuiig  aufgefordert  würben*).  £ie  ,\nmma  itt 
Der  $aritr  Der  Sadie  nad)  fict>erltd>  eine  Der  alteften  in  ®örli$. 
£)ie  cdmeiDer  mußten  in  Der  »Ranft  eben  fo  erfabren  fein,  n>ie 
je$t,  Da,  wie  jefjt,  Die  (Göttin  *Wobe  iu  allen  3cttaltern 
if)ren  Sintbert  am  Selrreajmenl  <\tljabt  bat.  3>ie  Xradjtert  HS 
14.  15.  Iii.  3rtt)rl)unDertt  mit  Den  reidj  gefmften^&oUet*  uuD 
Sdmmfen,  Die  Dotter  Deä  17.  3abrl).  nnD  Die  frait$öftfd>e 
Äleibniti)  be*  18.  3a^rt).  erforderten  ijrofje  ®efdntf  liebfeit  uno 
©auberteit.  greilid)  würbe  Da«  $anbmerf  oft  fdnoer  betroffen 
burcr)  Die  Jtteiberornutiujeu  Seltene  Der  über  Die  slkrfd>roenDimg 
in  äteiDcnt  befolgten  StaDträtbc**).  1494  ronrDe  eine  foldje 
äleiDerorDuumj  publtjirt.  @)eora.  (Sntmerid)  Der  Surgermeifter 
*  lieg,  alc*  er  feine  grau  unD  lödjter  mit  breiteren  Sorten  roiDer 
Die  JUeiDer  ^iüfür,  iu  Die  ,*ird)e  fommeu  lab,  folctye  burd)  Den 
£&ürfte#et  öjfenütd?  auSioeifeu***).  Sie  im  Jabve  1607  public 
Atvic  JDrDuuna,  von  ^erlöbniffen,  $od}|ettf«  tc  enthielt  aud? 
eine  RleiberorDnuitg  uitb  rourDe  mebrmaffl,  in  Den  jabren 
1670,  1679  roicDerboltt).  5)ie  auf  und  gefommeneii  flrtifel 
ftttb  aus;  Den  fahren:  1534,  1550,  1564,  1569,  159h,  1601, 
1604,  1609,  1614,  1681,  1792;  eine  aldjeuietne  Sifenciter- 
Drbuuua,  für  Die  £ed)£ftdbte  wurde  im  VV  1576  befannt  a,e- 
ma^tft).  Hm  16.  #pril  1850  feierten  Dao  £d)neiderl)audvoerf 
tyierfelbft  ein  Dreibuudertjätyrigee  3ubelfeft.  SdjneiDermciftcr 
gab  cd  Anfang  1850:  118  mit  122  ©efjulfen  unD  Clingen. 

4)  Xie  6d)inieDe,  ein  $anbmerf,  welcfye*  um  vorigen 
an  Älter  fdjwerlid}  uaa)fte()eu  Durfte,  verfallen  tu  mehrere  3n* 
nungeit.  Die  ^uf-  unD  2Üaffenfd)mieDe,  aud>  SdjmieDc  über; 
Ijaupt,  ftnD  wetfello*  Die  älteftc  Der  Dcrfdjiebeuen  $lbftufungen 
biefe*  (bewerte*.    l£d  eriftirt  eine  ^)uffa)mieDe^£rDnung  vom 

•)  9leuc*  Sauf.  a)taqa$.  jatjrg.  1849.  |>.  82.  83. 
20.  oben.  ®.  313.  314. 
***)  Hofftnann,  Script,  rcr.  Lumit.  I.  2.  |>.  «21.  9tnm.  d. 

t)  aDteiftcr,  bei  •ftopiann,  Script.  I.  2.  p.  73.  I.  ©palte.  QctgL 
fjfttrir*  $reiöf(t)rift  a.  a.  C  p.  202.  203. 
w.       tt)  M.  J.  A.  toni.  II.  fi.  V V8..  I.  308,  II.  61,  II.  362b.  I.  Oöl. 
388,  IL  4*3,  I.  33  b.  III.  V5,  IV.  38,  tom.  L  p.  3<Wb. 


621 

3<ifyrc  1574,  ferner  Sdimiebe-Slrtifel  von  1584  unb  1598. 
3m  3.  1580  waren  £uf-  Waffen  -  unb  cenfeufcfymiebe  vereint, 
im  3-  1593  bagegen  wirb  fdjon  eine  €eufeitfd)imebe*Drbnung 
allein  erwähnt.  $om  ^abxc  1684  batirr  eine  $«f*  unb  Söaf* 
fenfd>miebegefeUen-  Drbnung.  -DcMferfctymiebe  Crbnungeu  erfd)ei* 
nen  bei  ben  Sauren  1563  unb  1596;  eine  SKigelfdjmieb'JDrb- 
nung  1673  unb  1810*).  2)ie  Jfupferfdjmiebe  in  ber  ganzen 
£au!M>  erhielten  burct)  tfatfer  ftubolpb  II.  im  3.  1584  eine 
jDrbnung,  weldje  1654  unb  1691  erneuert  warb**).  3  m  3. 
1594  war  eine  Umberfung  ber  ©t.  ^elerMtrdje  nottyweubig. 
M.  33artl>olo in äu$  ScftlteM,  welcher  >tivd>eupatrou  war,  be* 
fprad)  ftd»  bamalä  mit  bem  Jtupferfcbmiebemeifter  (Saäpar 
#euerjtetu,  unb  biefer  rielb  ibm  Äupfer  ;um  Dadje  ber  $ird>e 
^u  verweilten,  ba  biefe  $(rt  bie  jwerfmäfrigfte  fei.  Da$  Dadi 
auf  ber  SRittagefeite  warb  taljer  aufgeboten,  bie  ftarfen  $3(ed)e 
mußten  in  ber  $i$c  burdj  ben  »Jammer  gelten,  bamit  ftc 
gleidje  <Stärfe  befämen  unb  würben  nacftfyer  mit  ioppelfaljen 
auf  bie  neue  gorm  aufgelegt.  £ie$  gefdnil)  nao)  einem  dufter 
wie  ber  ^upferfdjmibt  fold>e$  an  einem  bretflauer  Xfyurme 
fyatte  anwenben  febcn***).  (Snbe  1849  waren  bierfelbft:  17 
ö)rob[d?miebe,  5  Äupferfdjmiebe,  unb  bei  ben  Sdjltfftern  unb 
9$t!djfenmad>erit  mitgcredjuet:  51  3irfcl-,  Jeng-  unb  Sagel* 
l'dMuiere.      ,  - 

5)  <Sd>werbtfeger ,  bie  ^Öaffeuaufertiger  neben  ben  SÖaf- 
fen*  u.  Senfeitfa)mieben  gab  e«  jebenfall*  fdwn  feljr  frftb  tytx* 
fctoft.  lieber  biefe*  £anbwerf  ift  nidjts  befaunt,  alcf  bie  bei* 
ben  Drbnungen  von  1574  unb  1615f). 

6)  Maurer -3»uuug.  Ueber  biefelbe  ift  im  ^«gemeinen 
wenig  befaunt,  nur  aH$  ben  baulid)eu  Uebeaeften,  bem  ^fojier, 
ben  verfdjiebenen  töirdjen,  Parteien,  ^tabtmaueru  muß  man 
fdjliejjen,  baß  ^auptgrunbfafc  fcliber  SBviu  war,  baber  <nicf> 
wenig  3iegel  »«t>,  meinen*  bei  und  unfdnver  3U  befdjaffeube 
Shudifreine,  angewenbet  würben.  3nt  £äufcrbau  war  ein  eigener 
®efd)inacf.    Stuf  £elle  ber  Treppen  würbe  verbäünitnnäfjig 


*)  M  J.  A.  toin.  II.  @.  tll.  II.  ?Oib.  II.  :i6l.  II.  481,  III.  66b., 
IL  356,  |.  337,  IV.  69. 

**}  $ffdje<f*  $tti*f($rift  a.  a.  C  p.  86. 
***)  mxl  SüegiDetfer  1838.  p.  465.  466. 
f)  M.  J.  A.  tom.  II.  p.  436.  I.  p.  BSb. 

* 

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6*2 


"wenig  gegeben;  bie  Stuben  legte  man  fe()r  groß  unb  geräumig 
an,  Da  baö  §01$  ja  fein  billig  war,  tic  ^auöflur  ebenfalls 
febr  weitläufig,  watf  feine  93equemlid)feit  hatte,  unnal  nutt 
zahlreiche  gamilien  bamald  in  einem  ȣ>aufe  weinten,  wie  in  Oer 
(Gegenwart,  5Äuj?erorbentliched  aefdjab  tu  bei*  Anlage  von 
Keilern;  wir  finben  hier  ^raufyöfe,  weld>e  *wei  (Etagen  Heller, 
ein  formltc^ed  mitci irtifd>cö  ©cbaube,  tief  in  Reifen  ge- 
hauen bejtfcen.  Sfuf  Dem  Äbermarft  ift  bie  ^itf^e^e  flpo- 
tljefe  barin  merfwürbig  unb  nod)  mehrere  anbete  ©ebäube,  in 
Oer  s^eterogaffe  Oer  Trailhof  9io.  320.,  in  ber  $eijjgaffe  bad 
§interhau*  au  Wo.  321.  teiner  3iegelfcbeune  wirb  fefoon  1358 
gebaut.  Die  Sage  gebt  foldje  l)abe  bei  ben  Oiabeläuben  ge- 
ftanben.  Tic  gegenwärtige  liegt  außerhalb  ber  Stabt  fettwärt* 
Oer  Strafe  nad)  £ubwig*borf.  $on  ber  3nmmg  ftnb  nur 
<wei  Hrtifel  fcorhanbeu,  ber  erfte  oon  1585,  bie  3eit  be6  jrori* 
ten  ift  unbefannt*).  Gilbe  1849  waren  Heben  Waurermeijter 
^ierfelbft.  3u  ben  Waurermeiftern  gehörten  and)  Die  Stein* 
meften  unO  BilOhaiier.  81$  ein  oorjüglicber  StWaun  in  biefem 
gaa>eroirb  Weiftet  £>rtulpbu*  u.  a.,  am  Qrnbe  bcet  15.  3<^rhnn* 
DertO  genannt.  2Bir  haben  oon  foldjen  Arbeiten  nod)  Ueberrefte :  . 
Daß  au$  mehreren  Striefen  beftebenbc  ©üb  vor  bem  ehemaligen 
grauentbore,  welcheo  jefct,  jur  fünftigen  SBieberauffieüung  be* 
ftimmt,  aufbewahrt  wirb,  begleichen  bie  f leinen  53ilber  am 
ehemaligen  Jilofterthore,  ba$  im  3-  1488  am  9tath$tburinc 
angebrachte  .Stoppen  beo  tönige  SRatthiaö" Verzierungen  .ber 
öhebel  mehrerer  £äufer,  am  grontiSpice  beä  £aufe$  Ätijj* 
gaffe  9(0.  343,  an  ber  St.  &nnetifird)c ,  baä  Söappen  am 
Preisgericht  unb  innerhalb  beffelben,  bie  Dtofwbütten  auf  bem 
Dbcrmarft  unb  bei  ben  Dramen  *c. 

7)  3tmmcrhaucr  Innung.  93ei  ben  pielen  ^ol^bauten 
muf  ir)re  ©ebeutung  von  früh  an  groß  gewefen  fein.  2Örr 
finben  über  fte  folgente  ^rtifel  oorhauDen:  1569,  J579,  1663, 
1712,  1720  unb  eine  Crbnung  wegen  ber  Sfehrfnecbte  oon 
1688***).    (*$  gab  ($nbe  1819  fünf  3immermeifter  bierfelbft. 


*)  M.  J.  A.tom  II.'p  217b.  3unft;9(rtiM  bfr  SWaurer  unt  Stfin* 
fefcer.  III.  U4.  (?). 

**]  N.  Script,  rer.  Luttt.  II.  p.  4 
***)  M.  J.  A.  II.  G4..  II.  469,  I.  93,  III.  «31.  III.  1Ö7.  III  89. 


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623 

♦  

— ~   # 

•     Sfcti  21.  Wai  1849  feierten  bie  ©efetten  ein  mit  öffentlichem 
ftufwae  oerbunbeneS  geft. 

8)  Die  Xifeblerinnung,  bereit  ftepräfeittAtiten  (8),  bei  bem 
feierlid>en  (Empfange  Äönig  gerbtnanb'*  I.  im  3al>re  1538 
genannt  finb,  muß  biefem  llmftanbe  nad)  mit  511  beit  einflufj' 
retten  gejäfylt  werben.  <Sie  fyat  jtd>  and}  fyicr  ftete  mit 
ber  3e^  fortgefyenb  vervoUfcmmttet  unb  in  netterer  $tit  Tic- 
belmagagine  angelegt.  3tn  3-  1575  ftnben  Ymr  befonbere 
$ifet)ler*Hrtifel,  ebenfo  1597,  1618,  1788;  feit  bem  3.  1589 
waren  bie  Äattbelgieper  (welche  Trinffviittie«  fertigten)  mit  tl)* 
nen  in  ber  3nnung;  &OU  itwen  jrttb  au»>  bem  3at)re  1586  be? 
fenbere  3nttungdartifel,  feit  1590  eine  ^eiorbnung  über  ba$ 
3Raa£  ttorr)anben;  bie  £>red^eler - 3nnung  war  mit  biefen  bei* 
ben  bi$  \\v\\  %\\)xc  1611  terbtmben.  Tantals  erfolgte  eine 
(Eonbernng,  fo  oajj  bie  1>red)öler  für  fW)  befteljen  blieben. 
93on  ifmeu  ift  nod)  eine  Orbnung  au$  bem  9tor)re  1605  auf* 
bewahrt  •).  3nt  3-  1849  waren  67  lifdjler  mit  1 19  @e!>fiifeit 
unb  IT  T>recfy<Mer,  fowie  3  l)ierber  getunige  edjirmfabrifanten 
in  ®örli$.   $u$  Jfanbelgie^er  tft  3inngteßer  geworben. 

9)  SBagner*  unb  ®teümad)er  l)atten  in  früherer  $tit  ifyt 
©ewerbe  feinedwegö  fo  weit  in  9(ttff(t)wung  gebracht,  ale»  utt- 
fere  SÖagenfabrifauten.  3n  ber  altereu  3e^  würbe  befanntlict) 
äußern  wenig  gefahren,  beim  auf  Steifen  ritten  bie  grauen  fo 
gHt  wie  bie  •iWäuner.  (£rft  (£nbe  bc*  17.  unb  im  18.  3arn* 
tyuttberte  fameu  bie  8Ba§eri  jum  Reifen  in  $rauct).  $lrttfel 
biefer  3nnung  ftnb  nnr  auö  ben  3ar)rert  1572  trttb  1705  t)ier- 
felbjt  oortyanben**).  (Snbe  1849  waren  7  9taoemact)er  unb  ein 
Geigenbauer  f>terfelbft  etaWlrt 

10)  Die  Leineweber  Innung  war  $war  aud)  in  ©örlifc 
oertreten,  aber  nur  fefjr  fcfywactj  im  tierrjaltaifl  51t  anberen 
eed)ö(täbten  htfbefonbere  3ittau  unb  Huban.  2edfe**f)  be* 
(jaultet  e*  fei  00h  OJörtifc  unter  bem  Wanten:  Garlicks  eine 


*)  M.  J.  A.  tom.  II.  p.  Iii,  II.  2701).,  II.  :W9.  I.  112.  III.  290b.; 
II.  270b.;  II.  227b.,  II.  281b.,  II.  V26,  II.  VOOb.  $ei  ben  Sauren  16*9 
unb  1664  faminen  befonbere  Statuten  einer  Uuterabttmlung  ber  $red}*ler, 
ber  tfammmaerjer,  vor.  (M.  J.  A.  I.  13G.  I.  223.)  (*nbe  1849  toaren  6 
JCammmadjer  bierfelbft  etablirr.  $ie  ^antoffelmartjer  fann  man  mit  hierher 
$ar/len.  £erer  waren  Stnfana,  1850:  3  in  ©iMrlifc. 
**)  M.  J.  A.  lom.  II.  p.  40V.  III.  92. 
.  ***)  8eefe*  «Äeife  442.  vgl.  Wd?ecf  a.  a.  O.  p.  289.  290. 


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684 

Sorte  Srinewanb  uaa)  Surinam  gefeubet  woiben;  ebenfo  foll 
ein  *!einewanbr)ant>el  nad>  (iuglanb,  Spanien  ic.  beftanben 
haben.  9frtifc(  von  ityucii  unb  ben  ß^^'^ni  unb  vorbauten 
auö  Den  3al>ren:  1587,  1589,  1591,  1601,  1612,  1615, 
161?')'  weiften  ^üduier  unb  i'rineirebetmeiftcr  treiben 
jeftf  ^anbe(  mit  fä<fcfi fetten  tfabrifaten. 

11)  !X>ie  Aürfdfiiev.  Xic  Arbeiten  tiefer  junuug  würben 
früher  arofjentbeilo  bunti  bie  Sctyneibet  verfertigt.  3)iefe  fyat* 
ten  viel  mit  ^tnferiiguug  von  ^el^en  $u  ttyun,  ba  reia)e  unb 
gefdjmarfvolle  s4n*Uc  ein  beforibever  sJl)fobe*iHuifel  bei  unfereu 
U3orfal)ren  waren.  Jtürfdnier'Slrtifcl  \u\t>  vorfyauben  aud  ben 
3afyren  1578,  1603  unb  1782,  eine  ©efellen  -  Orbnung  aue 
bem  ia^xe  1787  ).  (*nbe  1849  gab  ed  13  $üifa)nermeijtfr, 
welche  j^itijleici)  and)  ^nt\en  fabriciren. 

12)  $ie  Harber  3 mt uiiq  fyat  *u  allen  £<*nb  in 
«jpanb  mit  ber  £ua)mad>crei  bierfelbft  beftanben  unb  i^re  SBu-- 
atteber  gut  gendbrt.  !sfi*al)renb  früher  Sdjwar*--  unb  Sdjon* 
farber  allein  erittirten  *  ),  ftnb  foldje  in  neuerer  $tit  burdj 
Seibenfärber  ergänzt  werben,  gärber  aller  Ä«  waren  (Jnbe 
1849:  12  t)ierfelbft. 

13)  Die  gifd)er Innung.  9)eftel)t  fdjon  feit  fe^r  alter 
3eit.  Jtfyren  Statuten  naa)  muji  jeber  Stnworjner  ber  $eü|c, 
weidjer  einen  Äalju  galten  tpill,  Weifter  werben,  eine  @igenfd)aft# 
bie  Übrigend  buidjaue  feine  ^rarid  im  eigentlichen  gifrtfange 
vorau$fefct.  Die  gegenwärtige  gifa)erei  in  ber  vJ?eijje  unmittel- 
bar in  ber  9iät>c  vou  Öörlifr  ift  unbebeutenb.  tfrüfyert)  wirb 
befonberd  Die  ihkinlarte  al*  ein  Ort  gerühmt,  wo  viel  gifebe 
ftd>  aufhielten.  £ie  ©einlache  oberhalb  beä  Weijjviabuft*  befind 
lta>  hangt  unmittelbar  mit  ber  s}ceijje  jufammen  unb  erhält 
von  biefer  immer  neuen  3«wad)$  «"  Gaffer.  Sie  er(txecft 
ftd)  gegen  Sübweft  gerabe  bem  Sauf  be*  2Öaffcrä  entgegen 
unb  weil  ber  glup  bort  eiue  Krümmung  mattet,  burd)  bie  er 
fta)  in  $wei  Slrme  tfjeilt  unb  eine  3nfel  bilbet,  fo  wirb  ju 
Anfang  bei  Vacfce  la§  von  bem  entgegeugefefcten  Ufer  abpral- 


M.  J   A.  toi».  II.  ?ft7l).,  II.  279,  II.  29« b.  II.  364  b..  I.  17, 
I.  50,  I.  100,  II.  157.  *<tf\  (ftorl.  mt$to.  1838.  p.  405. 

**)  M.  J.  A.  tum.  Ii.  p.  467.  II.  373b.,  III.  341,  III.  395. 

3^r<  Ärtifd  jlttt  von  1616.  M.  J.  A.  tom.  I.  p.  t>8b. 
t)  »eue  «auf.  SNenat*fd>r.  4795.  I.  ©airt.  p,  80.  cf.  $ffa«f, 
?reUfd>rift  vi.  a.  C.  p.  44. 


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625 

lenbe  Söaffer  hineingetrieben.  Die  $Renge  bed  ©afferd  ber 
Vvidu1  t)dngl  alfo  unmittelbar  von  ber  3Renge  ree  ;Äcißwaffer$ 
ab;  wie  e$  im  Alu  mV  fteigt  mir  fällt,  fo  fd>n>tUt  unb  tritt  cd 
in  ber  £adje  ;uiücf.  3h  Umfang  beträgt  an  breite  balb  80, 
.  balb  100,  unb  ihre  Sänge  gegen  600  Schritte.  3n  ben  neun- 
ziger 3al)reti  beä  vorigen  3al)rl)unt>erts  fanb  man  bort  folgende 
$i|d)e:  1)  bic  SMev  ober  ^raffen  {Cyprnfus  Brama;,  2)  Hlant 
ober  ©ötyc  :C\prinus  Joses  ;  3)  bic  s4Jlöfce  (Cyprin.  Krylhroph- 
ihalmus);  4)  bae  *Rotl>aüge  Cypr.  nitilus  ;  5)  ber  Ufelev 
Cypr.  alburnus );  (\y  ^>ecl)t  Eso\  Indus,;  7)  $arfd}  perca 
tluviatilisj ;  8)  Äaulbarfd)  perca  ceruuaj;  9)  bic  iWalrautoe 
gadus  Iota;  unb  10)  ben  $la(  (muraena  anguilla)  —  IHrtifet 
ber  3unung  ftnb  in  ber  magiftratualifdn'u  Sammlung  vom 
3at)re  1572  unb  1788  vort)anben*).  2lm  5.  December  1845 
feierte  bie  3nnuna  ein  3wbelfeft  ihrcö  9Öeftel)ene  **) 

14)  ©lafer  Innung.  Heber  bad  Hlter  biefer  3nnung  ftnb 
feine  ftacfrtyten  aufzubringen.  9ef*nW  funftreidje  *ßrobufte 
it)ree  ©ewerbee  fmb  auö  älterer  3eit  nid)t  mer)r  vorfjanben 
feitbem  im  3-1691  beim  $ranbe  ber  et.  $eter0fird)e  beten 
efycmate  fdjon  gemalte  genjker  gefprungen  waren.  9tur  einige 
wenige  bunte  Scheiben  ftnb  bei  ben  l)of)cn  Senflern  ber  fdjönen  ' 
jtircfje  noct;  ui  fefjen.  3u  ber  ©egenwart  fyabcu  mehrere 
©lafcr  gKafptnbdtugeu.  flrtifel  fielje  in  oer  magiftratualifcf;en 
Sammlung  au*  ben  3af>ren  1594  unb  1H70***).  (Fubc  1849 
eriftirten  rjicrfelbft  9  ©lafer. 

15)  Xöpfcr  Innung.  Xiefc*  ©ewerbe  wirb  and)  bei  und 
fer>r  alt  fein.  s3J?au  wie*  it)m  einen  Ort  vor  ber  Stabt  an, 
bamit  fold)c  wegen  ber  Xbvferbräube  vor  geuerögefafyr  jicfyer 
fei  unb  fo  entftanD  ber  Sfudbrucf*:  Sövferberg  in  ber  9fcipvor* 
fiabt.  3n  neuerer  Seit  rjabcu  fte  (idf  befonberä  t)ier  mit  Ofen* 
fabrtfatton  unb  Ofenfeftcn  befdjäftigt.  3m  vorigen  3at)rl)unbert 
war  eine  3C»  lflllfl  ^  HuSfufjr  von  üfjonvfeifcn  rnefiger 
Xö>ferf).  Die  Statuten  in  ber  sJHagiftrat$* Sammlung  unt> 
aud  ben  3at)ren  1595,  1614,  1656ft).  ©egettwärtig  ftnb  13 
üöpfer  in  fyiejtger  Stabt  ctablirt. 

')  M.  J.  A.  loa.  II.  n.  too.  Hl.  p.  M4.  . 

**)  <&öxl  «meie«  1845.  p.  611. 
•••)  II.  J.  A.  tom.  II.  338.  I.  277. 

t)  $efd)ecf'6  SWonatöfdjrift  von  1792  p.  48. 
tt)  M.  J.  A.  tom.  II.  3N>,  I,  36b.,  I.  90a.,  I.  198.  $eföecT*  %tx; 

«efaid?!«  ven  «ürli|.  4()  , 

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626 

16)  ©öttdier  3nnung.  »ud)  f)ier  gibt  e$  mehrere  Tanten, 
je  naa>  bem  llnterfdjiebc  ber  Arbeit,  in  ©rop*  unb  tflein* 
$inber  (naa)  ber  ©ebeutung  ber  gefertigten  gdjfcr),  baraud 
entftanb  aua?  ber  Sluöbrurf  $übner,  Büttner.  Die  6tatHten 
berfelben  vom  3a^re  1493*),  finb  bie  älteften  3nnung$ftatutcn 
fyiefiger  3ea)en,  welche  überhaupt  auf  und  gefommeu  fmb. 
3n  ber  oft  erwähnten  (Sammlung  ftnb  if>re  «rtffei  aud  ben 
3af>ren:  1579,  1584,  1596,  1624,  1727~).  -  Eon  irrten  if* 
Mi  bemerfen,  ba§  im  3.  1484  bie  ©efeüen  beö  #anbwerf* 
einen  Slufjtanb  erregten,  b.  von  ®ärli&  nad>  3ittau  fort* 
Sogen,  weit  ein  ©efelle,  Martin  tfeffborf,  früher  ein  ÜBiertel* 
3al)r  bei  einem  datier  al$  <Sa)äfer  gebtent  unb  baburdj  ba$ 
Jjanbwerf  entwiirbigt  fyaben  fottte.  $>ie  SReifler  liefen  fyäter 
naa),  ba|j  bie  audgefprengten  ®erud)te  falfa)  feien  •••)  $ötta)er 
waren  (Snbe  1849:  17  &eijler  tyierfelbft. 

17)  2>ie  Seifenfteber,  aud}  S!itt)tmad)er,  giajtjiefyer  ge* 
nannt,  fyatten  indbefoubere  in  ben  3*iten  beä  Jtatf)olici$mu4 
vielerlei  Sidjte  uub  Äerjen  für  bie  *ßro$effionen  unb  gefie  \u 
liefern.  (£$  wirb  von  Ofierferjen  in  ©örlifc  unb  3ittaa  ge* 
fproajen,  weld)e  15  (fllen  fyoa)  unb  mannfljtarf  warenf).  $r* 
tifel  biefer  3nnuna  ftnb  und  befannt  au*  ben  3abren:  1672, 
1696,  1728ft). 

18)  dfotfygiefjer  unb  ©elbgiefjer.  lieber  biefe  3nnHngen, 
ift  in  ber  genannten  (Sammlung  nur  ein  (Statut  vom  3afyrV  ' 
1618fft).  3ebenfall*  gelten  ftd)  bie  ©lodengießer  )«  biefer 
3nnung,  we(d)e  neben  bem  Uraguß  von  (Dioden  unb  ät)itlid)er 
Arbeit  aua)  ben  ©ujj  ber  großen  33üd)fen  ober  Kanonen  ui 
beforgen  (jarte.  SBon  @Hocfengiefiem  flnben  fldj  einige  Wrt 
men  vor*t).    3ol)anne*  Suca*  tarnen  tragen:  bie  fleine 


muthumi  ber  Xdpferbera  Ijabe  »on  bort  flefunbenen  Urnen  feinen  Urfarung, 
fc^eint  ettoa*  aefudjt.   fe.  ^efef^eef  a.  a.  0.  p.  80. 

*)  ®.  oben  e.  115.  @ie  befmben  ftd)  in  $olae  eine«  äRafulatar» 
oerfaufe«  anf  bem  »at^baufe  im  »efffre  be«  Stabtra$  Äoljler  ijierfelbfr. 

••)  M.  J.  A.  tom.  L  478b.,  II.  HO,  II.  278,  II.  358, 1.127, 1.4  24b., 
III.  499b. 

*•*)  Lib.  Hesign.  III.  ad  a. 
ti  SWnller'a  oberL  JReformationflgefcf}.  257.   $eue#  2<raf.  SWaflajiti, 
1842,  (S.  301. 

It)  M.  J.  A.  tom.  I.  32*.  III,  201. 
fit)  M.  J.  A.  tom.  I.  p.  408. 
•t)  ®brtt>.  fflegto.  1833.  p.  794.  795. 


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©lotfe  in  3fluernirf,  DeutfaVCfftg  (vor  1848),  WarferSborf, 
©aufüg  unb  bie  f (enteren  in  'Xengerdborf  int  15.  3ar)ri)un* 
bert,  fctyeint  ein  ©örlifeer  getvefen  (n  fein.  —  Abraham  Sie* 
vert  in  ©orlifc  gop  167«  bie  gro£e  ©lorte  in  ftricberSborf, 
1681  bie  brei  ©Wen  in  Äreba,'  1687  bic  mittlere  in  Ärifdja, 
imb  1689  bie^  brei  (Dioden  in  Sdwnberg.  ©eorg  Sievert  in 
®örli|j  verfertigte  1711  bie  mittlere  OMorfe  in  fc'iffa;  Senja* 
min  Börner,  qop  1720  bie  mittlere  nnb  1738  bie  Keine 
©lotfe  in  UUerSborf,  1731  \m\  (Worten  für  Warf lijfa,  1732 
ju>ei  für  Wefferäoorf  unb  1733  brei  (Dioden  für  93ert$borf  auf 
bem  (£igen.  3of>ann  ©ottlob  Siebert  in  ®brli$,  goß  1768  eine 
(*Motfe  für  3änffiibnrf  nnb  1772  bic  mittlere  in  £efd}ivi$. 
,   Gegenwärtig  ift  ein  CHlotfengieper  bterfelbff. 

19)  Die  ®olbfd)miebe  hatten  alö  Seibcnögefäfyrten  ber 
Sdjnetber  viel  Sdjaben  burd)  bie  von  3e*t  auftau* 
djenben  äfetber*  unb  $uru$crbitungeit.  lieber  fte  ftnb  Sfrtifel 
vorfyanben  vom  3al)re  1567,  15*4,  1610  ).  ©egfmvärtig 
ftnb  fed)3  ©olP-  unb  Silberarbeiter  bierfelbfi  etablirt. 

20)  Tie  93eutlei  getreu  tl)iem  bewerbe  nad)  411  ben 
altc\ten  3uuuugen.  3&re  JOrDiimig  vom  3af>re  1570  ftabeu 
jie  nod)  mit  ben  Krämern  gemein.  Die  jweite,  in  jene  viel* 
erwähnte  Sammlung  eingetragene, -ift  vom  3-  1592 '%  Sie 
führen  jefrt  meift  ben  Warnen:  £anbfd>uf)mad)er.  Deren  waren 
1849:  6. 

21)  Die  tfammfe&er.  3l)re  3unmtg*artifel  flub  vom 
3af)re  1792'*  ).  Dort  ift  befonber*  aud>  von  ber  «nferti« 
gung  beS  ÜHejfierfrurfd  bie  töebe. 

22)  Die  ^ofamentir$unft  ijl  <vjt  neueren  UrfurungS,  bic 
beöfaUftgen  Arbeiten  matten  früher  aud>  bie  ©cutler.  <£$  ift 
nur  eine  v4Sofamentir*Drbuung  unb  iWrtifcl  in  ber  Sammlnng 
vorfjanbenr). 

„23)  Die  33arettmaa)er  (f.  bie  jtürfcfyner)  fyatten  ftd)  mit 


1683  &rtifel  ber  ißarctt,  2BoUc;,  $anb|d)uf)<  unb  Strumpf* 


•)  M.  J.  A.  lom.  II.  28.  *7.,  II.  tiOb.,  II.  4*1  b. 
••)  M.  J.  A.  tom.  II.  7*.  II.  298. 
M.  J.  A.  tom.  III.  p.  m. 


tom.  III.  p.  77. 


40* 


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OZf* 


ffritfer  SReifter  fowol)l  al6  ©efetten*).  Die  6trwmpfftri<feT 
würben  Crnbe  be$  18.  3afyrl)unbert6  burd)  bad  auffommcnbc 
(bewerbe  ber  Strumpfwirfer  t>erbr4ngt**). 

24>  Die  $nopfmad)er  famcit  erft  im  17.  unb  18.  ^abx- 
fyunbert  auf.  5$on  ilmen  ift  ein  3nnung$fratut  aud  bem  3. 
1753  t>orf)anben***).  5Hü  teu  (Gürtlern  eingeregnet  waren 
(Snbe  1849:  5  etablirt. 

25)  Die  ©firtler  waren  im  3-  1591  in  einer  Drbnung 
mit  ^utmacfyern,  Sattlern,  ©eitern  unb  ftiemern,  weil  jebe* 
Jpanbwerf  für  fta)  git  fä)waa)  war,  um  bie  3nnung$foften  *u 
erzwingen.  (£ine  ©ürtler*(I)efeUen*£>rbm!ng  twm  3.  1565 
ift  bad  ältefte  ber  in  ber  ^agiftratd*  Sammlung  Aber  bie 
Wirtler  aufbewahrten  Dofumente.  9(u$erbem  ftnb  nod)  jwei 
Drbnungen  vom  %  1566  uub  3.  1590  ttorfyanbenf). 

26)  Die  Äutmaa)er  famen  im  3.  1568  allein  in  einer 
Crbnung  t>or,  fic  werben  aujjerbem  mit  Seilern,  Sattlern  uub 
Ziemern  in  ben  Sauren  1571  unb  1579  genannt  ü).  $ut- 
maajer  waren  (Snbe  1849  fyierfelbft  6  twrfyanben. 

27)  (Sattler.  23on  tynen  ift  und  nur  eine  Drbnung  aiie 
bem  3a^re  1602  befanntftf).  Sie  traben  tljeilweife  gleite 
Arbeit  mit  ben  XAjtynern  unb  mit  ben: 

28)  Ziemern,  lieber  fie  entölt  bie  genannte  (Sammlung 
aus  bem  3af)re  1572  eine  «norbnung  über  baS  Steffterfrüif  *f). 
(Sattler  unb  $äfa)ncr  eingeregnet,  waren  (£nbe  1849  :  34 
heißer  in  ©orlifc  ctablirt. 

29)  Seiler  waren  jebenfaöd  fa>n  fefjr  frü$  in  eine  3n* 
nung  conftituirt.  Und  ftnb  nur  befannt  «rtifel  btefeä  $an^ 
werft  au6  ben  3af)ren  1567,  1609  unb  1621  **f).  (Seiler* 
meiner  ftnb  Anfang  1850:  19  etablirt  gewefen. 

30)  Jtrempel*Se$er*  unb  Gartetf<f)cn ^ad?er Hrtifel  fora* 
men  beim  3af>re  1680  *or***i).   3^r  Scame  ift  gan*  in 


•)  M.  J.  A.  tom.  III.  p.  48.  100.  III.  p.  255. 
••)  $efd)<cf,  $rci«fd}rift  a.  a.  C  p.  SOG. 
•••)  M.  J.  A.  tom.  III.  275. 
t)  M.  J.  A.  tom.  II.  p.  10.  II.  p.  «0.  II.  p.  281b.  II.  290. 
tt)  M.  J.  A.  tom.  II.  p.  ÖS.  II.  p.  90.  U.  p.  477. 
Itt)  M.  J.  A.  tom.  II.  p.  368b. 
#t)  M.  J.  A.  tom.  II.  p.,97. 

n  M.  J.  A.  tom.  II.  p.  497.  11.  ^p.  421b.  I.  p.  87b. 
t)  M.  J  A.  tom.  II.  p.  36. 


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629 


ber  SBürftenbinber  aufgegangen,  Deren  (Snbe  1849:  wer  t>or* 
hanben  waren. 

31)  Gabler,  Senfer  (Senfler,  Sinfler)  unb  Sftingmadjet 
werben  bauernb  in  einer  Innung  aufgeführt  unb  von  ihnen 
flnb  «rtifel  au*  ben  3at)ren  158CV  1606,  1743*)  in  ber  aJcV 
gifrrat6fammlung  &er$eia)net.  Die  neuere  Seit  mit  tr)ren  all» 
gemeinen  ®ewerbegefe$en  r)at  biefe  Unterfdjiebe  ferjr  t>erwtfd)t. 
Die  Gabler,  beren  fteben  fia)  (Snbe  1849  fner  befanben,  »er- 
btnben  mit  trjrem  ©efdjäft  meiftenä  Jturjwaarenrjanbel  unb 
haben  taufenberiet  ^rtifel,  bie  theilwetfe  früher  ben  Spifc-  unb 
$ubri$främem  auefdjliefjlid)  infamen. 

32)  Die  €ct)Ioffer  waren  mit  Sporen,  Süchten-,  Übt* 
unb  3Öinbmaa)ern  in  einer  3nnung  unb  fommen  ir)re  Slrtifel 
im  3-  1636  mit  ben  genannten  in  SBerbinbung  t>or.  ©c^lof- 
fer^lrtifel  allein  fmt>  und  au$  bem  3ar)re  1732  befannt**). 
S<hloffer  gab  e«3  (Snbe  1849:  51,  wobei  auch  bie  3trfel*  unb 
3eugfd)miebe,  unb-  $üd)fenmacr;er  geregnet  fmb.  Die  Uhr- 
macher fmb  merfwürbigerweife  immer  mit  biefem  sJttittel  in 
Eerbinbung  gewefeu.  (S$  waren  (Snbe  1849:  7  Uhrmact)er 
in  ®orlifr  etablirt.  $eim  3a^re  1636  waren  aua)  bie  £uf* 
fctjmiebe  in  ber  Schlojfer*3nnung. 

33)  Die  generefjfebrer,  geuermauerfer)rer,  Sdjornfteinfeger, 
befamen  in  neueren  3eiten  al*  poliseificrje  3nnung  tftmet, 
unb  jwar  ftnb  bereu  in  unferer  Sammlung  rom  3af)re  1751 
unb  1783***).  Sie  haben  neben  Maurern  unb  3immer*euten 
bei  auöbredjenber  geuer*gefat)r  bie  gefärn*lf(r)ften  Soften  unb 
bi6  in  bie  neuefte  ßeit  tr)reit  alten  9*uf)tn  großer  gutftatier 
unb  Uuerfcrjrocfenhett,  in  ben  gefährlichen  Momenten  be- 
wahrt. Gegenwärtig  ift  ber  ftäbttfcr)e  unb  ganbbejirf  *>on 
©örlifc  vier  SKeiftern  jum  3nftanbr)alten  ber  geuereffen  bura) 
Sefeitiguna  beS  gefabrbringenben  ftuffed  überwiefen. 

34)  Die  Schteferbecferf),  Daajbecfer,  jefct  auch  3iegel* 
beefer  wegen  be3  t>on  ihnen  ttorjugaweife  benufcten  Detf*S0la* 
terialS  genannt,  fommen  fetton  frühzeitig  vor.    3nt  15*  3at)r* 

-  hnnberte  betfte  man  meiften*  bie  £f)ürme  mit  Sdnefer,  j.  93. 


•)  M.  J.  A.  tom.  11.  p.  487.  U.  p.  4091).  Ul.  p.  218. 
")  M.  J.  A.  tom.  1.  451.  IL  449b.  III.  247. 
")  M.  J.  A.  Ul.  238.  III.  329  b. 
t)  ©örl.  2öegt»etfer  1838.  p.  46Ö. 


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630 


1423  ben  ftrauentrmrm  *)•    Die  Sa)ieferfteiue  würben  an* 
ber  gerne  gefeit  unb  mit  Nägeln  schiefern«)  le,  befeftigr. 

35)  Die  3»"ft  ber  ^Perurfenmaijer  war  für  iinfere  Vor- 
eltern eine  fer)r  widrige,  wie  aud)  feilte  bie  grtfeure,  freili* 
nidjt  mefyr  M  junftigt  s2Heijtcr,  fonbern  alä  M$aarfimftler" 
unentbefyrlid)  ftno.  Bernden  ^J?ad)er*9frtifel  würben  in  ben 
3af)rcn  1751  unb  1752  entworfen*").  (*nbe  1849  waren 
vier  grifeure  luerfelbft. 

36)  Sttinaj  unb  SLUin ;  Sd)leifer-2lrtifel  finb  erft  Mm 
3abre  1730"*)  vorbanben. 

37)  93ud)binber;flrtifel  bietet  bie  (Sammlung  au$  bem 
3abre  16031).  (Snbc  1849  waren  15  5Bud?binbcrmeifter  in 
©örlifr  etablirt. 

Da*  ©ewerbe  ber  lapejierer  ift,  wie  ber  Stoff,  weld>em 
.  fie  ifyren  tarnen  verbanfen,  erft  neueren  llrfprungd ;  bei  bem 
mebrfad}  genannten  3ar)re6fd)luffe  1849  befanben  ~  ftdj  8  Ja*  • 
pejiere  fjierfelbft.  Die  Korbflechterei,  welche  jefrt  in  ©örlifc 
burd)  10  SReifter  mit  inefyr  ober  weniger  jtunfi  betrieben  wirb, 
war  in  alteren  Seiten  al$  bewerbe  unbefannr.  ^nftreiefter 
unb  Sadirer  ftnb  11  vorbanben,  ferner  4  3N|trumenteubatier, 
unter  benen  ftd)  Dtieffer  burd)  muftfalifa)e  ßenntmffc  befonber* 
audjetdjnet,  unb  bret  (Steinfd)iteiber.  Der  Gartenbau  wirb 
feit  einigen  fahren  in  33e*,ug  auf  Qkmufebau  von  tyiefujeu 
<Stabtgärtnern  mit  Erfolg  betrieben  unb  bie  vier  äuuftqärtner 
fyierfelbft  ftekn  in  Umurfjt  unb  Senium  neu  feinem  uRannc 
iljred  ©ewerbeS  nad).  ^aulbeeraupflan^ungen  jur  Beförbe^ 
rang  ber  ceibenfabrifation  ftnb  r)ierfelbft  mehrmals,  aber  ist* 
mer  ohne  (Erfolg  angelegt  worbeu.  Der  S&grünbung  einer 
litfyqgrapbifcfycn  Üuftalt  bura)  ©ottfyolb  >>nujc  unb  (£omp.  int 
3afn*e  1821  ift  oben  fdjon  gebaut.  Spater  etablirte  ftd)  ber 
früher  in  ^>irfd)berg  anfäfjige  (£.  *Sacr)fe;  er  war  befonber* 
burd)  aenaue  unb  forgfältige  Aufnahme  von  jacftmüe'd  unb 
bergl.  fyervorragenb.  £>ad)fe  wanberte  nad)  Vlmerifa  au$  nur 
maa)te  bem  früher  von  ©.  ^einje  u.  (£.  befa>äftigten  gran§ 


*)  9tathar<(t)iuiHaen  ad  ann.  * 
**)  M.  J.  A.  III.  347  b 
*♦*)  M.  J.  A.  III.  p.  2141) 
t)  M.  J.  A.  U.  383  b. 


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631 


ffieingrirtner  Der  namentlich  aud)  im  95untbrutf  bereite 

vorzügliche  Rieben  feiner  ©efdjicfltchfeit  gegeben  bar 

ooviel  über  Die  bewerbe  in  l)iejiger  Stabt.  bleibt 
nur  noch  übrig,  ben  Dritten  3  bct(  ber  von  und  geseilten  graben 
£u  beantworten,  in  weldjer  33e$iehung  ®örli$  am  £anbet  |tcf) 
beteiligt  n nD  wie  tu  @taverb«  unD  ,£anbeltreibefiben  Die  ge* 
botenen  33crr)aUnt|fe  gu  ihrem  ÜWu&en,  ;nv  Hebung  M  93er- 
fef>rö  ausbeuten  verftanben. 

ffienn  von  £anbel$verhältni|Ten  Die  Kebe  tft,  fann  eigene 
lia),  alä  in  ©örli$  befonberd  fworragenb,  nur  t>om  Xuchhanbel 
gefprodjen  werben.  Daß  Derfelbe  im  15.  unb  16.  3ahrhwubert  be* 
fonDerS  Die  jHtct)tung  nact/  ^reupen,  *ßolen,  Ungarn  unb  DerXürfei 
gehabt  habe,  tft  fcr)on  bei  Den  $ud)maa)ern  bemerft  worDen. 
Diefe  KufttüM  ift  in  bei  $hat  nod)  ^eute  Die  bauptfächlicr/fte; 
Die  lürfei,  ©riedjenlauD  unb  Jtletnaften  werben  von  ^ieftgen 
Käufern  mit  Iua>  verfemen.  Der  £anDel  nacb  $olen  jeDoct) 
Ijat  gann  aufgebort  feit  Der  ruffifdjen  ©renjfperre  unb  feitDem 
Die  ruffiföe  $olitif  Durch  enorme,  aber  mit  ßrfolg  gefrönte 
Opfer  große  £ucr)fabrifen  im  Königreiche  $o(en  begrünbet  t)at. 
Die  Verlobung  eine«  großen  Sfyeüö  Der  l^ieftgen  Tuchballen 
erfolgt  über  SBien  auf  Der  Donau  unb  über  Iriefx  auf  Dem 
abriatifa)en  Stteere.  (Sin  große*  ^uct)acfcr)äft  hat  feine  »u^ 
fuhr  nach  Dem  lombarbifch*venetianifchen  Königreiche,  theiU 
über  Xrieft,  tytilt  über  8afe(. 

(Sin  groger  Zfyeil  Der  von  ^ier  auä  verfahrenen  Xua>e 
wirb  allerbingd  nicht  r>tcr  gewebt,  wohl  aber  apprettrt 
uitD  überhaupt  in  Den  Diefen  t>erfa>ieDencn  £anDel$rtchtungeit 
entfpredjenDen  3uftanD  verfemt.  Dura)  $wei  im  (fnlftetjen  be- 
griffene neue  Xuchfabrifen  in  sJ!Nov3  unb  Sefchwifc  fcürfte  einfit 
eine  bebeutenbe  Erhöhung  Der  ftudfuhr  bewirft  werben. 

Von  großer  Vebeutung  für  Die  ©tabtbauptfaffe  tft  Der 
.jpoljhanbel  mit  Den  ^robnften  Der  großen  görlifcer  £aibe.  Q* 
nnDet  eine  ziemliche  tÄuGfubr  von  £ol$  naa)  6aa)fen  fiatt, 
wela)e  feit  «nlage  be$  £enner*borfer  £ol$hofa  im  Steigen 
begriffen  ift. 

greilicf)  nur  Xranfttofyanbel  ,  Dod)  für  Die  Stabt  von 
großem  91u$en,  ift  Der  ©etreibefyanDel,  weldjer  feit  Dem 
2(bfd)lujfe  Deö  3»Üoerein«  mit  Sachfen  unfere  ©etreiDe* 
märfte  febr  belebt  unb  eine  immer  fteigenbe  Vermehrung 
De«  Verfeme  erzeugt  \)at   D>ie  3uf«^r  geflieht  au«  Dem 


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63* 


graten  !  heile  tcr  rrenthühen  Cbertairuft  unb  auf  Weber - 
3aMeüen;  rie  breite  bemmmen  üd>  gewchnlid*  nad*  tetrbun*- 
lauer  greifen,  unb  rie  görli&er  geben  für  fcebau  unb  Sauften, 
wohin  son  hier  auf  rie  meine  Abfuhr  iftr  bij  9corm  an. 
€ädmf($c  unt  ;u  mannen  Reiten  aud)  böbmifa^e  (betreibe; 
Mnrler  nnt  bie  ^au^tfäufer  auf  Mengen  ©od»enmarften. 
£ier  fd>einr  e*  am  Crte,  etwas  sen  bem  ($etreibemaafre  ;u 
erwähnen. 

$Benn  unt  unter  welchen  Umftänben  in  @ödift  ein  eigene^ 
OJetreibemaati  *)  entftant,  in  nicht  ;u  ermitteln,  ilrftmben  laffen 
fä>(ieSen,  tap  bie  rlämtfeben  .Seloniften  and)  ibr  eigene*  fleter- 
maap  mitbrachten,  benn  e$  ift  von  rlämifeben  £nfen  bie  *Rete, 
eben  fo  gut  wie  ron  fränftfehen  unb  flasifcben.  Der  ©runt » 
faft  ber  alten  »KecbtSbücber:  „tferfdjiebene  önfen  geben  rer^ 
fdnebene*  3Raa§",  t.  h  nach  rem  *(dermaape  rietet  nch  ba$ 
(Hetreibemaap,  bürftc  ;u  ber  Hnnafune  Innleiten,  ta*  alte  gcV 
lifter  ^fciap  Ijabe  feinen  llrfpruua,  ben  erjten  «njteblern  ;u 
banfen.  Der  „3c^effel"  nutet  ud*  febon  im  Stfagbeburger 
£c*öfFenrecbt  von  1303  als  Einheit  free  WaaM  Äatfcr 
flarl  IV.,  um  ben  Waapverfcbietenheiten  ein  $\ti  $u  feften,  he* 
faf>l  ter  3tabt  Sauften  im  3.  1372:  „ba$  ©erreibemaafc  wie 
e$  t?or  alten  3eiten  gewefen,  feile  burd)  bie  $aty*männer  mit  * 
itjremGibc  befräftigt  unt  benimmt,  temnäcbft  aber  ter3d>eftel 
in  einen  8tcin  genauen  werben,  bamit  er  affo  bleibe."  Diefe 
Ukrorbnung  mujj  uuferer  Statt  $ur  $ad)admina,  in  Hbfarift 
aefdn'rft  werben  feirf,  benu  halt  tarauf  flirten  wir  aua>  ein 
fteinern  (5d>effelmaap  auf  bem  Cbermarfte.  Da  biefe  allen 
SWaajse  tie  gorm  *>on  Sauffteinen  l>aben,  fmb  fte  fdjen  oft  mit 
leiten  »erwecfjfelt  Worten.  3n  ber  $ertrieibtgung$fcfyrift  Pom 
3al)re  1547  behaupten  bie  ©örli&er,  fte  hätten  ftd)  beö  bauftner 
.  6d)effeie  febon  feit  KK)  Saferen  bebient.*)  Unter  ber  furfurft- 
lief)  fäd)ftfd)en  »Regierung  nafjm  man  ftct>  bie  3Rühe,  überatt 
gleichförmige*  Waag  einzuführen.  Hm  18.  9tobembe  1715 
würbe  Dem  Oberamte  ein  sJD?anbat  wegen  Einführung  be$ 
Dre$bner  SWaajjeö  unb  ©ebinbe*  t>eröffentlia>tf  unb  fett  tiefet 
Sät  ^at  baö  alte  görlifter  sJWaaß  im  offentlid)en  ^erfe^re  feine 
refyli<$e  Geltung  verloren.         entftanb  im  ©ebraudj  beö 

♦ 

•)  ©örl.  »it2.  Tu^.  1845,  p.  20. 
••)  6.  Pbcn  i.  328,  329. 


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633 


tdghdjen  £eben$  i>er  Untei*f<^ieb:  „neu*breabner  SRaafj  unb  alt- 
görlifcer  3Raa$."  Um  t>tc  föebuftion  be*  alten  auf  neue«  9Raafj 
Dit  erleichtern,  lief?  bat*  furfädjftfcf;e  ©eneral'Äcete*£ottegium 
alle  beftefjenben  sIRaape  im  ganjen  £anbe  aufnehmen  unb  ben 
3uhalt  uad)  bem  bre*bner  sÄaa)je'  fcftfteüen.  $ie  €$rift  er* 
febien  werft  im  3-  1719  unter  bem  Xitel:  Univerfal'CHetretbe; 
^aap^ergletcbung  k.,  würbe  1720  wieberfrjolt  unb  1730  für 
(Dörlifc  unb  kauften  neu  aufgelegt  9Äit  bem  16.  Uftai  1816 
.  borte  burdj  (Sinfüfyrung  ber  preupffcfyen  9Raa£*  unb  Q)ewtcf)t6< 
Crbnung  ba«  breäbner  3Raa$  auf.  1>fe  ^erorbnung  vom  3. 
Dezember  1827  beftimmt  amtlid),  baß  14  breäbner  <8djeffel 
=  27  preuflifd)en  feien.  $lu«  ber  Univerfal*<$etreibemaafj*$Ber* 
gleicfiung  geht  fyervor,  baß  64-<Ecbeffel  alt*görlifcer  9Waaß  == 
55  (Scheffel  breflbuer  waren.  Diefe«  ,a(t*gcrli$er  ^aap  galt 
auch  für  <5eibenberg  unb  (Sdjdnberg  unb  war  außerbem  in 
trjüringifcb  (Eaalfelb  im  ©ebraud).  —  SBerfcbieben  war  ba« 
alte  gvrli&er  3"t$ntaa|i.  hiervon  waren  256  <Sd)efel  =  223 
orefcbner,  ober  1  Steffel  =  3  Viertel  I  9J?e$e  3s/4  SRäßdjen 
breflbner. 

9?tcf»t  unbebeutenb  ift  fnerfelbft  bie  von  mehreren  Üabaf«* 
fpinnern  betriebene  Xabafverarbeitung.  <Seit  einem  Safyrjerjut 
werben  biefe  $robufte,  fyauptfädjlid)  Zigarren,  von  rn'er  au« 
weit  unb  breit  verfenoet. 

Die  Bierbrauerei  r)at  in  neuerer  Seit,  feitbem  bie  Säger- 
biere  aufgefommeu  jinb,  nief/t  met)r  bie  Bebeutung  al«  in 
früheren  3af)rr;unberteu,  wo  foldje  burcr;  bad  Monopol  gc* 
fd)ü&t  war. 

lieber  bte  ehemalige  $*beutuug  ber  SBaibnieberlage  unb 
be$  6al$marftc«  iß  föon  oben  gefjanbelt  *): 

Der  9*afd)*Aanbel  mit  3*ug  unb  <Seibenwaaren ,  weldjer 
früher  vorjugflweife  nad>  (Sacfefeu  betrieben  würbe,  tf*  burcr; 
ben  3ottverein«*!Hbfcr;lufj  gdnjlitr)  vernietet  worben. 

$>ap  ber  gewerbliche  Skrfetjr  überhaupt  feit  bem  3^ 
vereine  ntc^t  gefallen,  fonbern  gelegen  ift,  ergibt  feit  jener 
3eit  bie  3af)l  ber  £anbwerf «mcifier,  welche  l)ier  tt>r  $rob 
unb  Unterfommen  finoen,  unb  welche  ftd)  feit  ber  «uftyebung 
ber  Monopole  im  3-  1845  bebeutenb  geweigert  fjat,  wie 

*)  @.  oben  @.  59,  60. 

i 

>  ♦  w 

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634 


überhaupt  bie  Begeiferung  feit  30  ^afjveit  beinahe  um  M 
Doppelte  gewagten  ift*). 

3ur  SBerinefjrung  fe*  ^erfefyrtf  trug  bie  Anlage  ber 
Q^auffeen  nad)  Breslau  unb  Treben,  nad)  £eibenberg  : um 
9lnfd)lu$  an  bie  bdf>mifd)e  (5r>auffec  nad)  $räg,  unb  nad) 
Sütau  nid)t  wenig  bei.  Der  QMenbung  nafje  $  eine  6f}auffce 
über  Sfieäfy,  9ftu$fau,  Spremberg  nad)  .Hott hie.  Die  S$oU> 
enbung  ber  meberfdjleftfaV  märfifdjen  unb  fäd)ftfd)  *  fcf>left|ct;eri 
Gifenbafm  unb  ber  Umfianb,  bag  beibe  Bafjrien  f>ier  ent>en, 
war  von  md)f  geringer  SÖebeutung. 

SRit  biefer  jteigenben  Besölferung  tfi  au(fy  eine  Jtonfunenj 
in  bem  .§anbe(  eingetreten,  weiter  lange  $tit  nur  tur*  eine 
einige  Äanblung  tvertreten  war  —  wir  meinen  ben  Budjrjanbcl. 

Die  erfle  2Öud)t)anblung  l)ierfelb(i  würbe  am  29.  9Rär§ 
1629  burd)  JtaSpar  &ic$*)  au*  ßetpjig  begrüttbet,  naa>bem 
fd>cn  früher  bie  Bud)brurfer  flmbrofiu$  griffe^  unb  >Rr)ainbaw 
auf  Jtolportattondwege  eine  SHenge  6d)riften  in  SMift  unb 
Umgegeub  vertrieben  batten.    lieber  ben  SBudjlaben  mugte 
im  3.  1656  ein  neuer  *Re*er«  aitägeftellt  werben.    DoO)  tritt 
fett  ber  3eit  ein  ganzer  ÜKRanaeC  an  «ften  unb  Staajricbten 
in  biefer  58ejief)itng  ein.   Cb  Jtlop  «fftnber  gehabt  unb  ob  er 
ober  feine  tftnber  ba$  ©efdjäft  aufgegeben  t)aben,  ift  niebt  ju 
ermitteln.    3m  3-  I  <30  ftnben  wir  M.  Ot&rifl.  Oottfr.  3)2ar*e 
all  SBud)f)dnbler  in  ©örlif;  er  blieb  biö  sunt  3atyre  lt63 
bafelbft,  überließ  einem  gewiffen  $erm*borf  bie  Bud^anblung 
unb  ging  bann  nad)  £errnt)utr),  wcfelbft  im  3-  1768  fein 
leb  erfolgte.    3m  3-  1793  übernahm  (5l)r.  ®cUf>elf  tfnton 
aud  #alle,  s3Witglieb  ber  oberlaujtyer  (ScfeUföaft  ber  Söiffen* 
frtaften,  bie  SRarayfdje  $ud>t)anblung.   Diefeö  ®efd)äft  fauftc 
ber  Sua)f)dnbler  <£r)r.  ©ottlteb  3obel  im  %  1820,  unb  von 

•)  SBir  fugen  f>ter,  fotofit  eine  lle&erftty  au*  wenigen  9totij*n  I>er-- 
geftettt  toerben  tonnte,  foldje  bei:  löbs  toaren  gegen  11,000  (ttntooRncc; 
158d  nörf>  ber  $<|t:  6614;  1641:  c.  5000;  1791:  7665;  1792:  7627; 
1794:  7868;  179%:  8275;  1800  :  9000  ofcne  äWMtär;  1814:  Qp48; 
1816:  8921  ;  1817:  9524;  1820:  10,486;  1822:  10,413;  1824:  10,52t ; 
1825:  10,575;  1826:  10,492;  1827:  10,742;  1830:  11,116;  1831 : 
12,031;  1834:  12,787;  1837:  14,169;  1838:  14,900:  1841:  14,6  1  8; 
1843:  15,662:  1846:  17,455;  1849:  18,897.  üRan  ffefjt,  ba§  »on  182Ö 
—  1850  bte  #e»ölfentng  um  8411  $erfonen,  fafl  um  bie  Hälfte  ber  $$t- 
»ölferung  »on  1820  getoadjfen  ijt. 
s~J»)  »udjtaben*;&ecef.    1629.   M.  J.  A.  p.  I.  141. 


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635 


ifym  gingbiefelbe  $ud)feanblung  am  7.  3ult  1830  burd)  Stauf 
an  tcn  3?ucr*bänbler  Sfeftttl  <Sd)mtbt  üfcer,  welcher  bem  ®e; 
frfjäfte  nur  biö  jum  3afre  1834  wrfianb.  Um  2.  Wai  1832 
fam  ber  33ua>f)änbler  (Sbuarb  ßttylt  au$  3ittau  um  Anlage 
einer  neuen  v$ua)f)anbiung  am  Tiengen  tyltyc  ein;  er  erfnelt 
am  25.  JDftober  1832  bie  (Soneeftlon  Mtt  ber  fönialidjen  5Re- 
gierung  ju  tfieanifc.  (Jb.  «§etyn  übergab  im  3-  184*3  bte  giity- 
iung  feinet  r/iejtgeu  (tyefatäftd  feinem  Ü)efd}äft6fül)rer  Dito. 
Rüningen  mib  oerfaufte  cad  ganje  ©efdjäft  im  3.  1847  an 
Den  $Bud>r;änb(er  (5.  ferner  au$  Breslau.  Derfelbe  erf>teft 
am  22.  3uli  1847  bie  ßonceffton  uut>  füf>vt  baä  ©efdjäft 
unter  ber  girma  „«gKtyn'fdje  SSud^anbluna,  ((S.  ferner) "  nod) 
r)cute  fori,  gaft  gleichzeitig  mit  (5b.  «£>e?n,  ndmlicfy  am  2.  SRo- 
wmber  1832,  erhielt  SBucblJänbler  $enfce  (girma:  ®rufon)  au$ 
s3re$lau  bie  ßoncefjton  jur  Slnlage  einer  33ua)r)attMuug.  (*r 
betraute  mit  güfynmg  berfeiben  feinen  93ud)balter-  ©.  «Röfyler. 
8efcterer  erhielt  am  17.  s)M\h  1834  bie  Crlaubnip  jur  feibft- 
jianbigen  llebernabme  bei  $ud)l)anbluna  unter  eigener,  girma, 
roeldje  nod)  beute  beftebt.  (Sine  neue  93ud)I)anbIung  etablirte 
am  7.  Hpxil  1836  ber  $ud)f)änbier  9aumeifler,  beffen  @efd)äft 
jeboefj  nad>  Jurjer  $>auer  lieber  einging.  'Die  vierte  hierorts 
beftefyenbe  $uebrjanblHitg  ijt  bie  *on  Äug.  .fioblifc.  3t)m  würbe 
am  27.  tfugutt  1839  bie  (Srlaubnfp  $ur  Anlage  einer  Seif); 
bibliot&ef  erteilt,  eine*  Jnfrüutä,  roeld>e*  glcid)faU6  mit  ber 
£et?n'fd>en  s3uc^l)aub(ung  serfnüpft  ift. 

Die  burefj  fönigl.  flabinetforbre  oom  19.  Wooember  1849 
genehmigte  uitb  im  grü^ja^re  1850  unter  bem  erften  $räft*  - 
beuten  tfaufmanu  gerbiuanb  ©djmibt  l)ierfelb(i  fonftitutrte 
,§anbeläfammer  für  ©örlifc  unb  beu  a.orli$er  £ret*,  will) 
boffent(id)  ba*  irrige  tr?uu ,  um  jur  «öerfanerumj,  be$  SKaugeh 
haften,  $ur  Söeforbcrung  beffen,  wa*  bem  fjiefigen  33crfcr)rc 
it>ar)rr>aft  dlott)  rf)ut,  willig  if)re  #anb  ju  reiben. 


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Beilagen. 


i. 


■ 

^Ber)etc^iitp  ber  ©urgermeifler 

9libted)t  Kpei.  1206.  1297 
HJejolbu*  \?.  Seifenbad)  1298. 


Verwirf)  bee  Galen  1305.  1314. 
OWelaud  r>.  .Könia,«l>ain  1306.  130!». 
$ffj,  SBern^er'«  Seljn.  1308.  1321. 
1326. 

Hermann  9Bifer  1320. 
4?ermann  (frmeridj  1321. 
jofjann  SUufdjcn  1325. 
iWarttn  *.  SNabebera,  1326. 
^ri^  (Scjfl  1328. 

Xtfo  ^tfdjer  (Piscalor)  1331.  1335. 

1337.  1339. 
$tUx      JRafcebera,  1332. 
©iinfcel  (Günther)  ».  0?if(f)cfOw<rbrt 

1338. 

lUttx  v.  .Hi'iuqohai»  1344. 
3of>ann  (tfcel  1350. 
jllmann  v.  ftabtbera,  1351. 
3of>annc<*  «Schreiber  1353. 
BeiUi  v.  »ieta  1357. 
Ii*  V.  £**id>enbad)  1360. 
Sotjann  u.  Äeidjenbactj  1375. 
3«?ljann  @rmil«icf>  1376. 
$etrue  Stuffi  1383. 
Wirfäfe  Vift  an  ber  (tcfc  1385.  1389. 
Wttfd)f<  (Munzel  1386.  1388.  1390. 

1391.  1401.  1407.  1422. 
3«^ann  geller  1387. 
Tineen)  (Sfcel  1392.  1400.  t  1401. 
M.  pernio  Mctbc  1398. 
Wiefel  edjerenfdjmibt  1399.  1404. 

1409. 

Wifolaue  Qtanürcicb   1402.  1413. 
1419. 

3afob  3*lcife  1403.  1410. 
»ern^arb  (Sanift  1405.  1408.  1415. 
1418. 

»artfjolomäu*  (Sbernarb  1406. 1421. 
«ttifol.  SWaren  Uli. 


§einrid»  «eumann  1412. 
Scifol.  *Bai*fdjreibet  1414. 
mihi.  ȟbede  1416. 
fltfel.  ©eiber  1417.  1420. 
($a*t>ar  getan  1423.  - 
Wiflau«  SRarienam  1424.  1427 
Ermann  edjuUie  1425. 
'2Oen^lau0  von  ber  3lau  1426. 
f  motte  tfanifc  1428.  1431.  14» 

14f§<  1444 
Veter  ISunfce  1429.  1434. 
tyanl  Ninfenaieger  1430. 
aWatttyiae  ©eijjeler  1432. 
Vaürenriittf  Brnolbi  1433. 
Veier  Ijfdjtrmie  1435.  1439.  1443. 

1451.  1454. 
3afe*b  (Entmann  1437. 
(Wreaor  Selige  14  38.  1446.  1450. 

1455.   1459.   146  3.  1467.  1471. 
Sotenne*  We*<(  1441.  1445. 
&eütri(tt  ber  ?lpoif)efer  1442. 
Urban  ömmrid)  1448,  1452.  1456. 

1460.  1464. 
(Einrieb  ©o*ttmt  14  49.  1453.1458. 
1462.  1466.  1470.  1473.  147?. 
UM.  1484. 
»nbrea«  (Sani*  1457.  1461.  1465. 
SRiful.  tteutoirtft  1468. 
Soljann  «ereii$  (»on  3nterboaM 
1469. 

3^ann  üBiberjiein  147  2. 1475. 1497. 
M.  3o^anne«  ftrauenbura,  1474. 
1478. 

~3of>anneö  S^neib«  1476.  1480. 

$etru*  üöalbato  1482. 
'  ©eorae  (tmroritt)  1483.  1488.  1494. 
1498.  1503. 

Wfol.  «rüffener  1485. 

3of>ann  Äodjel  1486.  1492. 

3o$ann  ȟtrner  1488.  1490. 


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637 


Urban  (Sdjelner  1489. 
Üttid)el£cbtt>arfcel491.  1496.  1500. 

1504.  1507.  1517. 
Dlifolauo  aWonbenfd>em  1493. 
©ernb^irbin    3W  elfter    1495.  1499. 

.    1503.  1506.  1508. 
/  Valentin  ©djneiber   1497.  1501. 

1505.  1510.  1514. 

0tat()ia*  »ofenberg,  1509.  1512. 

1516,  1520. 
Simon  -öocfciifr  1511.  1513. 
fcranj  2rtmntor  1515.  1518.  1523. 

1528.  1531.  1537.  1540.  1545. 

1548. 

$eter  Sble  1519.  1524.  1527.  4530. 

4533.  4534. 
^ohannfö  »rnolb  1522.  1526. 
©eorg  »ööler  1525.  1529.  4532. 

I6$6. 

M  Johanne«  Jpap  1535.  4539.  4543. 
Ga^ar  (Stefcel  4538.  4542. 
3of>ann  Jtoraerftabt   4540.  4544. 
4548. 

M.  3afob  »öOler  4546  4647. 
fcranj  fcinb  euer  4549.  4557.  4561. 
Hidtol  <Sd)inieb  4551.  4552.  4553. 
4558. 

«Baientin  §a§  4554.  4Ö55.  4559. 
3oad|im  «S^mieb  4556.  4560.  4564. 
$<tct  Scorler  4562.  4566. 
SJalmri*  «irtet  4563.  45G7.  4571. 

4575.  4579.  4583. 
£no»l>riii0  Sdjnitter  4565.  4570. 
M.  ©eora,  Uttmann   1569.  4573. 

4577.  4584.  4585.  4589.  , 
©lia*  9Räl$rr   4572.  4576.  4580. 

4584.  4588.  4591. 
3*t<utn  ©lud  4574.  4578.  4582. 

4586. 

Öeorae  Sfyniefc  4587.  4590. 
M.  25artljolomäu*  ©cultetua  (eig. 
.  4592.  4596.  4600.  460  V. 

1608.  4642. 
©ebaftian  £offmann  4593.,  4597. 

4601. 

Slleranber  Sd^niiter  4594.  4698. 

Dr.  3of>ann  Bttf  4595. 

äMeldjtoi   ©teinbcrg   4599.  4603. 

4607.  4614. 
2>a»ib  9*amler  4602. 


3 oha nn  ©lürf  1605.  4609.  4613. 
lobia*  ed>nitter  1606.  1607.  (t). 
Sartftdlanäutf  3afobi  1610.  1614. 

1618.  1622.  1626.  1630.  1631. 
©eorge  £ilbreid)  1615. 
Dr.  ifcaoic  -ludtfer  1626.  1621. 
Sodann  tfmmuty  1617.  1620. 
£einrid)  bitter  1619. 
5riebrid>  3d>»etttg    1623.  1627. 

1631. 

2Üolf^ai«d  Stolbergtc  1624.  1628. 
1632. 

Sttiqanb  Voller  1625.  1629.  1635. 
«ran$  görftcr  1633.  1636.  1640. 
1644. 

M.  Gbriftopf)  Staube  1634.  1638. 
Dr.  $aul  Scipio  1637. 
«artfjolomäue  ©e^ler  1639.  1642. 

1643.  1647.  1650.  1654.  1658. 

1662.  1666.  1670. 
Valentin  ©öfid)  1642.  1645.  , 
CM  coro,  (Obermann  1646. 4649. 1653. 

1657.  1660. 
Saniel  Nieter  1648.  1651.  1655. 
ftriebrid)  fcerber  1652.  1656.  1660. 

4664. 

>  im  n  u  ©enbt  1659.  1663. 
(Slia*  £ietrid>  1665.  1669.  1673. 
1676. 

ßarl  fcörfter  1667.  4671.  4674. 
iSörift.  SHoller  4668.  1672. 
©ortfrtei'   Weltmann   4675.  4679. 
4683. 

(ffjrenfrieb  £ea,enidu  4677. 
Johann  flieelmg  1678.  1682.  1686. 

1690.  4693.  1697.  1701.  1705. 
«nbreao  Sommer  1680.  1684. 1688. 
dtial  Oiid)ter  1681.  1685.  1689. 

46Ö2.  4696. 
SMidjael  Steinbad?  4687. 1694. 1694. 

1698.  4  702. 
Dr.  (Saevar  »Beffer  1695. 
©regor  Völler  1699. 
Lic.  ghrift.  9£iebemann  1700. 
Lic.  9tbraf?am  Jriebr.  92ictue  4703. 

4707.  1741.  1743.  4716.  1718. 

1722. 

Samuel  Änorr  o.  SRofenrotb,  1704. 
1708.  1712.  1714.  1715.  1717, 
1719. 


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638 


1  %  €<f>ön  1706.  1710. 

3.  98.  ®t\fitx  1709.  1730. 

Dr.  3.  %  ©ünujer  1720. 

Dr.  t.%ifh'an.  Büttner  1721.  1723. 

1724.  1726.  1727.  1731. 
Äram  <§trapf}mu0  1725. 
Umritt,  £aa,ebern  1728. 
3.  (5.  9leumann  1729.  1733. 
(ybreufrieb  Schäfer  1732. 
Dr.  3.  $>.       Nied)  1738.  1740. 

1742.  1744.   1746.  1748.  1750. 

1752.  1754.  175C.  1700.  1703. 
Dr.  3.  2LV  Dehler    1739.  1741. 

1743  —  45.   1747.    1749.  1751. 

1753.  1755.  1758. 

3.       »eUmaitn  1759.  1761. 


Dr.      ®.  »etfie  1765.  1767.  1769. 

1771.  1773.  1775.  1777. 

3.  ©.  *Diebrad>  1766.  1768.  1770. 

1772.  1774.  1776.  1778. 

0.  £artmann  1779.  emerit. 
1797. 

($.  Q>.  iCönici  1797.  |  1802. 

2.  «.  €ebr  1801.  einer  1833. 

S.'t.  Otcuniditn  1806.  J-  1831. 
©ottlob  ?ubtrig  £emiani,  Setiatet 

1.  3uH  1814.  .«ämmerrr  1820. 

^ii^ermrifter  1833.  Oberbnraet; 

meitfer  1845.  f  1846. 
3cd;mamt,  Cber&ür$ermftr.  fett  1847. 
*Büra,ermeitfer:  ftifener  1847. 


Christianus  Sculteuis  iu  (Mrtrli* 
1264. 

Hcnricus  judex  <\  (Stab  trister) 
1294. 

©ottfrieb   ber  SRidjter,   1305  im 

Stabtbudje. 
$«olb,  balb  nachher  £einrirti  ber 
Hilter  u.  f.  Unterridjier  äifrib 
ebenb. 

^einrieb  dtidtft  ber  9t.  unb  @enrab 

ber  vlidfttx,  <§tabtburfj. 
maxtin  um  1306. 

§txx  «Äifolauö  Hilter  (milos)  t>ßn 
9it Urtiere,  jud.  hered.  Gorlie. 
1308  bis  1322  »o  fein  SRmt  über- 
aina  an  feinen  <Sotyn  Ryiiiundus 
de  Neueshove  von  ^er^oa,  £<*n-' 
ridj  v.  3aner  unterm  3.  .  Äuril 
1322  bomit  belehnt. 
Cito  ber  Otidjter  1323—1325 ;  efreitf* 
Hermann  ber  9iid)ter. 
«Martin  u.  Otto  fommen  1326,  lefr* 

ttttx  1328  im  <Stabtbutbe  Vor. 
Laurentius   Tarnowa  (£rbrid}ter 
-  ^      132a  u.  1329. 

V  $tinrid>  Steinrfirf  1330,  fommt  b.e 
1339  unb  1340  fetbft  bi*  1346 


neben  Heynricus  de  Lybenslein 
por. 

Tyzko  Rosingarlen  1335. 

Ctte  SWartini  1337.  » 

Caneus  Unterrichtet  1339. 

Albertus  j.  1343. 

£eitmd)  $raa,er  1343. 

£ein$e  9teud>tincf  1342,  Ijcift  1346 

llnterrid)ter.    hiermit  brietjt  fric 

Sfteifoe  ab,  bi<J  1371  nurber  ein 

Sdidjtrv  auftaucht. 
Laurentius  THiditer  1392. 
oohannrd  be  (Säle  1393. 
Anselm  Sei^t  139fc,  n>af?rfd)ftnltct) 

ber  ßanbuoigt  auf  Steinau,  fcfyeiut 

bamaU  von  feinem  alten  Steckte 

al*  SanbvoUjt  gfebrauet)  gemacht 

\n  l)aben. 
$atii  $orer  1397,  aud)  *od>  UOO. 
fJiifla*  au«  ber  3Nnn}e,  and}  ftyon 

1396,  1404. 
Nicolaus  Martini  1406. 
J&an«  Nabebera,  1407.  1410. 
$an6  *.  Sifemfe  1408,  mfafaHn* 

1U$  ein  nnb  berfelbt  mit  brm 

Söbrigen. 
Pranziscus  Nydick  1408. 


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639 


Nicko!  Bartith  4440.  ml. 
£an*  »oner  1146,  4422  (ber  alte 
»irfjter). 

Matthias  Hocker  £einfce  *.  Salja 

4422.  4426. 
£an«  v.  &»ber*UMg  4421. 
3cf>.  gpiegelberg  4V34.  4133.  1444 

—  4448. 
Xefco  Äeftenblatt  4434. 
Wif ot  .HiMMuMatt  4434. 
£etnfe<  Sleiff«  4438. 
HifolAnt  J&nrfdrrl  mo. 
3afeb  fronen  4  448.  4  450. 
©eorge  edjultttf  4  452. 
deinndj  Steife  4455.  ' 
,  ©eerge  €rreb<l  4556. 


3^.  Wanemun  4  457. 

9tifol  Weheürifd»  4462.  4466.4167 

(cntbanvtet). 
Gieotai  $cnb  1467,  bod)  in  bemfelben 

Sapre  abgefegt. 
£>einrid)  (*fdjenloer  4477. 
^einrid)  ftranfe  4501. 
£ann*  i5d>mibt. 
ücuiyc  (vfdjentoer  4505. 
ttntmtiit*  <?fd)enloer  4509. 
Talent,  £irf<bmann  454  1. 
$aul  €djneiber  4547.  . 
$onatn*  £rug  4533. 
ftranj  rNnbner. 

•§finrid)^jluger45ö5.  *8erft>alter  ber 
f&nigt.  ©eridjte.  Ohr  war  bfr  le^te. 


33er^eic^ni$  ber  esana,.  ®eiftlid)en  mit  9(u$naf)ine 
Der  Primarien  feit  ber  Deformation. 

SBattfafar  Eittrirfj,  aeb.  4612,  4653 

2>iaf.,  4662  Strdjtb.  t  «676. 
Safob  *Sd)dn,  geb.  4634,  4676  $iaf. 
t  4695. 

(5f>.  gr.  OKctuS,  geb.  4624,  4662. 

$iaf.,  4676  «rdjib.  f  4703. 
M.  3mmanuel  Ve  Innann,  g«b.  4645, 

4695  3>iaf.  f  4698. 
M.  £avib  Xbnni,  geb.  4648,  4698. 

!Diaf.  —  1699. 
M.  3ereima*  Ctto,  geb.  4610,  4695 

Strdjib.  +  4  716. 
M.  3ol>.  Slbam  6d)ön,  geb.  4675. 

4746  £iaf.,  4729  «rdjib.  f  4730. 
M.  £a».  £einr.  JNeebifc,  geb.  4685, 

4734  £iaf.  f  4716. 
M.  ©iegmunb  fteblirf),  geb.  4676, 
4730  Tial  «735  »rdjib.  f  4780. 
Ii.  3of?.  Gkml.  Äromfdj,  geb.  4704, 
4740  Subb.  geji:  *u  9iaufd)a  4763. 
£.  ©.  J&ebluf,  geb.  4718,  feit  4  778 

3ubb.  v  4785. 
<S.  St.  ftrenfd  M.  geb.  4772,  <Sub* 
biafon.  4800,  ging  ab  nad)  $xt€> 
ben  4802. 


Bf,  Sebafttan  Jammer  (c.  4525)  $iaf. 
3o*>.  SRariena,  Diaf. 
«nbreaö  (?berf)arb  (4538)  SUdjib. 
M).  <Stre«ntann  (4538)  SCrdjib. 
Slnbrea*  (ScbityS,  $>iaf.  f  4557. 
Valentin  (Sciarb  $iaf.  |  4557. 
$terontomnd  N.,  5>iaf.  (na$m  4510 

f.  »bfdjieb). 
3ol)ann  .perjog,  Diaf.  feit  1544. 

M.  3o$.  Verein,  $iaf-  15V7  CHtI- 
Ucnat  Pfeifer,  4519  $iaf.  4656  jog 
er  fort. 

Bl.  >hann  iöivcfonhann.  4568  «r- 

djibiaf.  t  4581  (In  «Brealau). 
Bf.  Gatftar  *Wa«fe,  geft.  4572.  Sirrin  d. 
M.  tfnbrea«  SWöfenua,  3trd)ib.  f  4590. 
Slaftud  3enber  4574  Diaf.  t  4591. 
3of>ann  .fcadjelberg,  4594  $iaf.,4606 

«rd)ib.  f  4643. 
©regeriu*  (Sidjter,  geb.  4562,  feit 

4595  $iaf.  f  4644. 
$eter  ©djön,  4611  Strchib.  f  *648. 
mid).  fticenu«,  4606  $>taf.  t  <649. 
©regoriu*  9lid)ter  jun.  geb.  4598, 

4624  2>iaf.  f  4633. 


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640 


«raun,  3.  ®.,  aeb.  4163,  feit  4802 
Subbiaf.,  im  3- 4808  nadj  @pl>re, 
toofelbj*  ct  f.  guverintenb.  »urbe, 
f  4839. 

®ottl.  91b.  Jtlien,  4803  £ub*.,  4808 

!£iaf.,  4820  »rctybiar.  f  *«*8. 
3ofr.  ®ottl>.  «Reumann,  geb.  1777, 

1809  Subbiaf.,  4820  $iaf.,  1828 

Slrdjib.  f  4834. 
S intern^  M.  3ofy.  ©ottfr.  Xb.  fleb. 

4  772,  4820  <Subb.,  1834  9Crd>ib. 
4847. 

«f.  $einri$,  geb.  1800,  feit  1830 

@ubb.  f  4832. 
3.  Seov.  4?ain>t,  geb.  4  797,  im  *ßre* 

bia,tamtr  angefüllt  feit  4826,  feit 

1832  SDiafon.  u.  £rb.  1848  «r> 

djibiaf. 


3.  GL  6eracfeU,  aeb.  4805,  feil 
483o  «Subbtaf.  4848  $irf. 

®4uriif>t.  feit  4848  $iaf.  )e*i  4. 
$ rebiger. 

3of>.  (Srntf,  Äo*mebl,  geb.  1815,  feit 
4848  ^ubbiaf.  jefct  5.  $rebiger. 

?Ü0  Crbinarii  finb  aufzuführen: 

M  3Nel$.  Schäfer  (ob.  ®.  440- 
447). 

M.  ©ottfr.  @e$fer,  aeb.  4699,  4  73Ö 

£iaf.  feit  4740  JDrbin.  f  4757. 
3ob-  ©ottfr.  Sternberg,  geb.  4732, 

feit  4767  £iaf.  u.  Orbin.  i  4824. 
Änotbe,  feit  484  4  —  4820  JDrbin. 

bann  Pfarrer  in  9tieba  u.  f.  @n* 

periutenbent. 
»JWopler  (S  450.) 


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%  n  5  a  n  g» 


fPtgurtfirr  fcurd)  (ßdrlty  unb  Kmgfg?tri>. 

h 

I.  ÄirdKit  unb  Äapcllem 

1.  3>ie  @t.  $eter*  unb  ^aHl^ir^e»). 

^tc  3ett  ber  erfkn  Segrünbung  biefeö  ^ra^twerfe*  mit* 
telalterlicrjer  S3aufunft  ift  unbefannt,  unb  ba*  3.  966,  weldjed 
man  in  Gtyronifen  angegeben  finbet,  entbehrt  jeben  ©runbetf. 
6ie  WHrbe  auf  bemfelben  gelfenr/üael  errietet,  auf  welchem 
im  3.  1131  eobie$(arc  bie  $Hrg  Öörlie  baute  unb  früher  ein 
ijeiliger  £aiu  war,  wofyer  nocfy  je&t  ber  Lanier  £ainwatb. 

3m  3-  1225  würbe  bie  alte  Äirdjc  umgebaut  unb  am 
19.  9)tai  OHfingjxmontag)  burd)  Bruno  III.  Bifcfjof  s.  «Weißen 
eingeweiht.  (*$  würbe  im  14.  3af)tfyunberte  merjrmal*  an  ifyt 
gebaut,  bafyer  bewilligte  Ufuarbu*  unb  anbere  tfarbinäle  im 
3.  1317  ber  Jtird>e  einen  Hblaß.  3m  3.  1340  fdjlug  ber 
3Mifr  in  bie  £)rgel;  fte  verbrannte  nnb  bie  neue  Orgel  warb 
über  bie  boppelte  £alle  gefegt.  3m  3-  1423  legte  man  ben 
©runbftein  jur  fd)on  längft  projeftirteu  —  im  3-  1412  ftnben 
ftd)  in  ben  6tabtbü<f)ern  bereit«  Legate  baju  —  Erweiterung  . 


•)  (5$,  ©.  $uncf<,  ©efrijmbuna  bfr  <&t.  $<terrfwf>e  122.  <S.  4. 
J£i<  <St.  Meters  unb  $au(0fird)e  $u  &orli£  in  ardjiteftonifcfjeti  3eid)nun; 
gen  auf  Stein,  tycraudaegeben  vom  SNagiftrate  ju  <&ör(i$  (»crf. ».  Äöljlcr) 
^ebrurft  bei  ©ottt).  4?ftnj<  u.  (Somp.  1842.  Ijodj  ftolio. 

(#ef*i<&t<  von  ©6rU|j.  41 

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642 


ber  Mixdft.  Xic  alte  Mixdt)c  beftanb  nur  au$  bem  £äm]l)aufe 
mit  ben  beiben  Stürmen  unb  awei  <Reif)en  Pfeilern.  $od> 
ftörten  bie  ^ufttenfriege  unb  bie  unruhigen  untw  Äöni^ 

Itobiebrab  ben  93au,  weiter  erft  fett  bem  3  1457  mit  (*nen 
gie  betrieben  unb  1497  vollcnbet  würbe.  1453  unb  1457  traf 
wieberum  ber  SMifc  bie  Jtird)e,  unb  jwar  beibemal  ben  fleinen 
Xburm,  welker  hierauf  umgebaut  unb  mit  3ft0*Ut  geberft  würbe, 
wäfyrenb  er  feit  1379  mit  Jtupferbled)  geberft  gewefen  war. 
Km  12.  3uli  1472  würben  auf  ber  ^ierjweibc  bie  erfte  gvofje 
©lorfe:  Sufanna  genannt  unb  ba$  Sa)lie|j*©lörflein  gesoffen. 
1474  erneuerte  man  bie  Drgel  mit  einem  Jtoftenaufwanbe  von 
4000  gl.  unb  trug  nod)  1495  ben  älteften  Pfeiler  ab,  itaty 
bem  er  burif)  ben  Umbau  uberflüffuj  geworben  war.  Die  ©eifye 
im  3.  1457  (burd)  $a$par  v.  Sdjönberg,  $ifd)of  &u  Weifien), 
unb  bie  SBoüenbung  im  3.  1497  verewigt  eine  (fdjetnbar  au$ 
bem  17.  3afyrf).)  ftammenbe  3nfd)rift  Um  vom  ^auptporiaU. 
Da  1516  bie  Salve*©lorfe  entjweifprang,  würbe  buraS  Herten 
unb  9nbred  billiger  im  (Kraben  beim  grauenttyurme  eine  165 
(Zentner  wiegenbe  ©lorfe  gegoffen,  unb  babei  viele  fa>lea>tc 
görlifcer  Pfennige  eingefdjmoljen.    Die  ©lorfe,  welche  1517 
burd)  ben  Pfarrer  Wartin  gaben  Warta  getauft  warb,  tnng 
anfänglid)  in  einem  neben  ber  Äirdje  befinblid^en  ©lotfenfyaufc, 
unb  würbe  1531  auf  ben  $l)urm  gebogen,  von  weldjem  an* 
fte  am  2lnt>rea$abent>e  1531  nun  erftenmale  ifyre  volle  Stimme 
ertönen  ließ.  1532  trug  man  bie  fyolje  Spifce  auf  bem  Xfyurmc 
gegen  Wittag  ab  unb  berfte  biefen  mit  3ifücfa-        27.  Wai 
1536  fdjlug  ber  2Mi$,  oljne  weiteren  Sct)abtn  |u  bereiten,  in 
bad  fyeil.  ('eidmamtfaltar.    1547  würbe  bie  ^alle  auf  bae 
SanbfyauS  $u  gebaut;  in  bemfelben  3al)re  warf  ber  $Bint>  bas 
Dad)  auf  ber  neuen  £f)urm|pi$e  herab.  1559  fam  bad  «$pod> 
altar  ber  Knnenftr$c  nad)  St.  *(*eter.    1561  nafym  $Wartiu 
Ruffel  bie  üfyurmfnöpfe  ab,  von  benen  am  21.  3uli  ber  cjTöpte, 
am  20.  Sluguft  bie  anoern  aufgewogen  würben.   Die  in  bem 
felben  Safyre  burd)  Weifter  ^eonljarb  granrfe  mit  einem  Soften 
attfwanbe  von  218  Sdjotf  18  3fr.  5y2  *ßf.  reparirte  £rcj*c 
£>rgel,  unterwarf  fcfyon  1578  Älbrerfjt  von  ^rag  einer  neuen 
SBerbefferuttg.    Äm  29.  9Äui  1566  voüenbete  man  bie  tt  einer 
nen  Stufen  be*  Sauffteinefl.    1567  baute  man  an  ber  ÄaUe 
vor  ber  (SfyonXreppe.    9lm  17.  Hpril  würbe  ein  93iert€l|tun 
benjeiger  bei  ber  Drefe-^ammer  anjjebradjt;  1571  jwei  $f(tar 

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643 

 V 


taftin  aiiä  ber  St.  Bmtenßrcftc  an  ber  ffianb  naaj  bem  Sanb* 
baufe  ml  1574  befeftigtc  man  ben  el)emalä  im  ^rätorium  be8 
Äail)l)aufed  anfgefyangenen  großen  meffmgenen  geudjter  bcm 
$rebigtftul)le  gegenüber,  oon  weldjer  Stelle  er  am  30.  3uni 

1599  l)erabftünte.  1589  erhielt  Die  tfirdje  burd)  bie  (Srben 
M  Otitterä  griebrid)  Spät!)  einen  ^weiten  meffhifjnen  i'eudjter, 

1600  burd?  ben  9tatl)äfreunb  Seroatiuä  einen  brttteu,  von  bc 
neu  bev  eine  bcm  SdJiHer^Gtyor  gegenüber,  ber  aubere  beim 
Pore  an  ber  «£>aupttlnire  *t$la$  erhielten.    iHm  29.  $(ugnft 
1595  würbe  ber  fyerabgenommene  Jhiopf  bed  ©lorfentfmrmeS 
n>ieber  aufgewogen.   3)en  5.  September  1597  jerfprang  bie 
alte  ©lotfe:  Sufanna.   £>ie  auö  bereu  (5tncfen  unb  and  frei- 
willigen 9)?etall*®a ben  neugegoffene  114  (£tr.  3  St.  16  4$f. 
fdjwere  ©lorfe  fam  am  28.  viuguft  1598  unter  ben  üblid>en 
geierlid>feiten  wieber  auf  ben  $l)urm.  1615  crr)öf)te  man  baä  * 
$atl)ägeftüf)l  nnb  befeitigte  niedreres  Sd)ni$werf  baran.  1617 
würbe  Oer  Sattfjtetn  mit  einem  eifemen  bitter  umgeben.  1656 
ließ  ber  Ämtäfeeretair  tflbcrri  neben  ber  (£l)or*$reppe  unterm 
©ewölbe  beä  jteinernen  (£l)ore$  auf  eigene  Jtoften  ein  fyöfjerned 
(£fwr  mit  16  ©ejtüfylen  bauen;  1657  würbe  baneben  ein  jwei- 
ter  ©ang  mit  Stühlen  unb  1667  ba$  Sd)ülerd)or  neu  gebaut. 
Seit  bcm  3afyre  1679  begann  mau  ba#  3tege(pflafter  burd) 
fteinerne  platten  ju  erfejjen.   Von  1682  — 1688  baute  ber 
fädjf.  $oforgelbauer  £omitiuö  eine  neue  Orgel,  welche  am 
5.  September  1688  eingeweiht  würbe;  bie  93ilbbauerarbett 
baran  oerfertigte  ©eorg  ^ermann.    1690  oerfat)  man  bad 
9fatl)$geftüf)l  mit  neuem  Sdjuifcwerf.  2)ie  neue  «ftirdje  würbe 
am  19.  ÜHärj  1691  bei  (Gelegenheit  be$  großen  33ranbeö  t>on 
ben  Stammen  ergriffen,  baä  3)ad)  oerwüftet,  bad  ©ewölbe  an 
einigen  Stellen  oon  ftäqenbeu  halfen  bura)brod)en  unb  bie 

*  inneren  Verzierungen  aller  ?(rt  oollftdnbig  oernjdjtet,  wie  aud) 
bamatö  bie  frönen  ©la&jemälbe  ber  genjler  unwieberbriuglid) 
verforen  gingen.  3)er  3Öieberau6bau  ber  ^aupttljeile  würbe 
von  1691  — 1696  §u  ©übe  geführt  unb  bie  9?euweif)c  ber 
Sthd)t  erfolgte  am  7.  sJD?ai  lederen  3al)re$.  liebet  biefe  *ße* 
riobe  nod)  einige  ^coti^en.  3m  3al)re  1692  würben  ter  Stix&it 
lieben  Jenfter  gefa^enft.  Ü)ie  brei  hinter  bem  §lltar  liefen  bie 
$Iiid)mad)er  maa)en,  bie  oier  folgenben  in  bereu  nädjften  Um* 
gebung,  je  jwei  bie  Xudjbereiter  unb  Üud)fd)eerer.  1694  fefrte 
QJeorg  £amanu  ber  3'm™wnann  ben  großen  Jtnopf  auf  ben 

41* 

■ 

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644 


.ftauprtfyurm  bcr  Jtira>.  9lm  21.  9Jcai  1695  würbe  bie  neue 
tfircf)tl)ür  cingcljoben.  1696  würbe  ber  Xaufftcin  wieber  in 
früherer  Sßcife  voüenbet.  Die  am  28.  Ü)?ai  1696  unb  5.  3uli 
1762  bie  &ird)e  treffenben  2Mifcfd)läge  richteten  feinen  befonbc* 

%ren  Scfyabcn  an.  1713  würbe  eine  neue  Safriftei'Xfjüre  ge- 
bxofytn,  1722  ba$  Stytoerftciiffdjc  Dcnfmal  aufgeridjtct.  3m 
3.  1824  nutrDe  bie  Jtirdje  im  3»ncm  übertündjt  unb  neu  auö* 
gefdjmücft,  bie  GJ)öre  unb  töänfc  weiß  angeftrtdjen  unb  bie 
Heine.  Orgel  in  bie  9Wolaifird)e  »erfefct.  9(m  erften  Dfterfeier- 
tage  1828  würbe  wieber  bcr  erfte  ©ottedbienft  barin  gehalten. 
9caa)bem  fa)on  einige  £age  früher  ber  änopf  beä  Keinen  Xfyur* 
me$  ber  ^eterefirdje  wgolbct  unb  neu  aufgefegt  worben  war, 
erfolgte  am  12.  9)Jai  1837  bie  &bttal)mc  beä  ünopfeä  auf  rem 
großen  Purine;  er  würbe  gleichfalls  verleibet  unb  am  24. 

•  5uni  1837  frül)  um  8  Ul)r  neu  aufgefegt.  —  itronlcudjter 
unb  ©locfeu  fommen  unten  jur  Grwäfynung.  1730  fajenfte 
Dattib  Siebemann  ber  Stirbt  ein  ftlbernetf  wreuj  (J22  £l)lr. 
Silberwertl))  jum  Vortragen  bei  Seicfyenbegängnijfen ;  1745 
(51)r.  Sdjäfer  unb  feine  grau  eine  ftlbeme  JDblatenfcfyadjtel. 

9tad)  oiefer  Uebcrftd)t  wollen  wir  bic  einzelnen  <ßeriobcn 
ber  Jtirdje  unb  ifyrer  Denfmälcr  furj  burdjgefyeit: 

1)  Die  23urgfapelle.   *u*  bieter  3eit  ift  nur  bie  Stxx>pU 
ober  ©ruft  nod)  vorfyanben,  welche  in  ben  geld  eingefyauen, 
65V4  gup  Sänge  unb  75%  gu(5  Sicfe  beträgt  unb  bem  ^eili- 
gen ©eorg  —  wie  man  93urgfapellen  gern  biefem  titterlid>cn 
^eiligen  weihte,  —  gewiomet  war.   Die  Anlage  ber  Jtrwptc 
fdjeint  mit  bem  33auc  ber  23urg,  alfo  naa?  1131  anpfeften. 
Doa)  biirfte  i^rc  $ollenbung,  wenigftenö  ifyrc  2öeil)e,  erft  utn^ 
iSnbe  be$  zwölften  Safjrfjunoertö  gefd)el)en  fein,  ba  ber  Dienft 
be$  ^eiligen  ©eorg  nid)t  früher  im  Slbenblanoe  befannt  wart». 
SBa^rfa)eiulia)  war  eine  aweite  Capelle  über  biefer  SBurgfa^elle 
erbaut,  fo  oafj  eine  Doppelfapelle  beftanb,  bereu  obere  bem 
^eiligen  *ßetruö  gewibmet  war.  Die  jefrige  ©eftalt  fommt  \>om 
3af>re  1461  -1465.    6ola)e  bietet  ein  breifad^  ©d)iff  mit 
äwei  9?ebengemäd)ern;  in  jebem  (sdjiffe  brei  Pfeiler.  (Sin  *ßfeü- 
ler  (ber  aweite  gegen  borgen)  t)at  unter  ben  ©urten  eine  Ü3er- 
Gerung  t>on  fXrJiergeftalten.   Die  ©ewölbe  feigen  Spifebögcrt 
unb  t)ert>orftet)enl>e  Kippen.   Die  itanjcl  unb  ber  Elitär  nmr* 
ben  im  Saufe  bcö  3al)red  1734  ff.  angelegt.    Sonf*  aab 
iwei  Brunnen  jur  2lufnar;me  be*  au$  bem  gel*  fa)wt&euben 


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645 


©affer«  bie  jefct  verbecft  (inb.  —  3ur  fatl>c(tfd>cn  3eit  waren 
folgenbe  Altäre  in  ber  ©eorgenfapelle:  a)  ba«  6t.  ©eorgen* 
«ftocfyaltar;  b)  ba«  Sereitb'fcrje  ©eftift  jum  Seiten  unfer«  £errn; 
ü)  ba«  6t.  ®ence«lau«  unb  £vpolüu«altar;  d)  ba«  6t.  #e* 
lenen-Vlltar;  e)  Da«  ^(Üer^eüifienaltar;  0  ba«  SHtar  Mariä 
£eimfud)uug;  g)  ba«  £reietnigreit«altar,  h)  ba«  6t.  Wfotauö- 
mar.  —  ©egenrbärtig  wirb  in  biefer  Capelle  nur  dm  Xage 
©eorgt  bie  ©ebfidjtrtipprebigt  jum  Mnbenfen  an  ben  verflorbe* 
nen  $aftor  Primarius  ^eumann  gehalten.  Man  fyat  von  (>ter 
au«  brei  SBege  nadj  ber  oberen  Stirpe.  Huf  ber  Morgenfeite 
vermittelt  einer  boppelten  6dmecfentreppe,  auf  ber  ^ad^tfeite 
auf  einer  SÖinbetreppe,  enblia)  burdj  bie  Drefefammer. 

2)  Die  *ßeter«firaV  feit  1225.  ?lud)  bamal«  führte  fte 
nur  ben  tarnen:  Capelle,  niebt  Äirdje.  Grft  im  14.  Satyr* 
nunbert  fam  Oer  fRame:  j?ird)e  }tt  6t.  *ßeter  unb  $aul,  auf. 
6ie  beftanb  tvafjrfdjeinlid)  au«  bem  jefcigen  Sangfyaufe,  ben  brei 
^auptfäjtffen,  ben  beiben  Xfyürmen  mit  bem  viereefigen  Zhuxm* 
fyaufe,  bem  Anbaue  ber  6acriftei  unb  jwei  Setzen  pfeffern  in 
ber  Mitte.  $on  ben  Stürmen  ift  ber  gegen  Mitternacht  in 
bem  oberen  Xtyäk  neu  unb  aroar  au«  bem  18.  3ar;rf;unbert, 
ber  gegen  Mittag  aber  alt  unb  nur  bie  $aube  nebft  bem  6imfc 
flammen  au«  ber  ^ertobe  von  1691.  Die  genfter  an  bemfel< 
ben,  bie  6äulen  au  ben  iSden  unb  bie  (Giebel  fyaben  bie  gor* 
Uten  ber  Uebergaug«periobe,  9tunbbogen  unb  Jtapitäle  mttx 
6pifcbögen.  Der  ©iebel,  jefct  jum  $f)eil  burcr)  ba«  ©locfen* 
r)au«  verbecft,  trägt  nod)'alte  föunbbogenftetfung.  9fud)  an 
ben  Gcfen  be«  linfen  £f)urme«  ftnb  noep  9tefte  alter  6äulen. 
SÖeibe  Xfyürme  liefen  oben  in  acf)t  ©icbeln  au«,  auf  benen 
f)or)e  Jtreuje  jtanben,  in  ber  Mitte  ein  mittelrjofye«  Dadj  mit 
einem  größeren  Jtreuje.  &m  reinften  r)at  ftd)  ba«  portal  an 
ber  $auptfeite  erhalten,  «§>ier  geigt  fta)  bie  Türöffnung  im 
»tunbbogen,  bie  6äulen  an  ben  feanben  im  6tile  ber  alt* 
fädjftfcfjen  portale,  barüber  bie  S3ögen  unb  tfefylen  im  entfte* 
r)cnben  6pifcbogen  mit  bty&aniinffctyem  3^rwer^f  Kbocf;  tr/eil- 
rveife  burd)  neue  (Sinfäfce  ergänzt  unb  ba«  Dad)  in  fpifcer 
©iebelform.  STn  ber  £auptfrontfeite,  redjt«  vom  portale  ftnb 
jwei  6imfe  mit  alter  SBerjierung  übrig;  bie  anbere  6eite  ift 
entblößt  unb  fteüt  ftd)  leer  unb  fafjl  bar.  Diefe  6eite  l)at  im 
SBranbe  1691  mefir  gelitten  al«  bie  anbere.  Der  (5t)or  be« 
^auptfa)iffe«  fft  neuer  unb  im  innern  von  ber  aften  ^raa)t 


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6i6 


viel  verloren  gegangen.  Der  glügel  be£  früheren  Jlreujeä,  gegen 
Wittag  fyat  nod)  altes  3tcingfftmfc  unb  einen  verwitterten 
£öwen,  ber  utr  Regenrinne  Diente.  Die  Untermaltem  bed 
Htmrmeö  fmb  an*  biefer  ^eriobe,  and)  wofyl  bie  beiben  v3Rtt- 
lelrciljeu  ber  Pfeiler,  ba  bie  neuen  Pfeiler  nacb  bem  $)fuffer 
ber  alten  (jemacfyt  ftnb. 

3)  Die  Aiixdjc  feit  1423.    Sämmtltd>e  ,£aupttl)ctle  be$ 
Gkbäubcä  feljen  nur  nod)  Ijeute.   Die  in  biefeni  3eitraumc 
aefdKljene  $eränberuug  betrifft  nur  ben  Einbau  ber  beibeu  8lv 
leiten,  bie  Anlage  beä  neuen  @tyorefl,  jwei  neue  ^fei(erreü)cn 
unb  bie  genftcr.    Die  jejjige  Jiirdje  ift  int  Innern  218V.2  gup 
lang,  119 1 2  gun  breit  unb  unter  beut  Sd;eüe(  be$  ©ewölbed 
76%  8u(j  tyodj.   Die  J5öt>e  ber  Pfeiler  btö  ut  beu  Sogen« 
Anfängen  beträgt  58  gu(i.         ?lbfeiten  finb  föt$er;  -bie  mit- 
tägliche  Mbfettc  länger  ol$  bie  nad)  sJ!)Jitternad)t  l)in  gelegene. 
Der  (£l)or  ift  funffeüfg  gefdUoffen,  bie  Kbfeiten  breifeitig,  bie 
(Gewölbe  jebod)  ftettf  von  fecr/tf  Pfeilern  jm  Spifcbogen  ^jetra* 
gen;  nur  am  Sd>lu|fe  ber  äußeren  £d>iffe  gegen  ?lbenb  |tel>cn 
bie  Dtippeu  auf  &ragfteiueu,  mit  slVeufd)euföpfeu  verliert*,  fonft 
verlaufen  fte  fal)l  in  bie  Pfeiler  ober  ü&äubc.    Die  Pfeiler 
ftnb  ftarf  unb  babei  fd>lanf;  in  ben  3orfelu  adjtfeitig,  in  ben 
Sdjäfteu  u'erlid)  abgefeilt  unb  farnifirt.  —  genfter  gibt  ed  38. 
Der  im  3.  1695  erbaute  Sfflar  mad)t  feinen  fd)önen  (Sinbrucf. 
Die  £auffapelle  wirb  burd)  ein  befoubeiet  fdjöuetf  genfter  erhellt. 
Durd)  3t^'lid;fcit  unb  woblerfyaltene  Kleinarbeit  aeidjnet  fiel) 
bie  iSdc  ber  Ä6cnb*  unb  Wittagleite  ans.   Die  anftoHcnfcc 
Terhalle  ift  aue  rem  lü.  ^al)ibunbert;  bie  lljüren  gegen 
Wittag  unb  bie  gegen  Wittemadjt  auö  ben  Saucen  1543  imD 
1553.    Daä  frühere  äupferbad)  würbe  1509  unb  fclgenbe 
3al>re  buret;  StfrcT*  9lblaßveifa»f  Ijergeftellt,  1691  aber  ver^ 
nier/tet.   s3cad)  bem  Traube  von  1691  würbe  baS  gegenwär* 
tige  —  auö  446  (Stn.  86  ^fb.  Tupfer  beftebenb  —  am  12.  Dftbr. 
1712  vollcnbet.    m  foftetc  18,000  ll)lr.    3«  ben  fahren 
1763—1778  bedte  mau  baä  Dad)  um.    33eim  Söranbe  *>cm 
1691  verbrannten  aud)  alle  Altäre,  weldje  au«  ber  fatrjolifcfyeii 
3«t  nod?  unverfebrt  in  ber  Jtfrty  baftauben.  Diefe  Altäre  waren 
ef)emal6:  t)  baö  £od;altar,  beut  ijcii  %ktcr  unb  s^aul  geweift, 
mit  §wei  Stiftungen}  2)  ba*  Slltar  in  choro  monialium  bei 
bem  X^unue,  beffen  erfte  Stiftung:  ber  Waria  Wagbalena 
unb  r>eil.  £ebwig,  bie  zweite:  bem  tjeil.  93aitl)olonläua,  gern- 


647 


retttiud,  3fytUwut  unb  3afobu$  gewibmet  war;  3)  ba6  6t.  3o* 
farine*  (Svang.  8ltar  bei  Der  Xfytr  jur  6t.  @eorgen*Äapellc; 
4)  bafl  8ltar  6t.  3otyannf*  (Langel.,  junt  tytü.  Jlreua  unb 
Der  f?ril.  £elena  bei  ber  6afriftei;  5)  ba*  Bltar  ber  fjeiL 
3mtgfrau;  6)  bad  6t.  Sinnenaltar  bei  ber  flehten  Sture;  7) 
ba*  mittlere  Slltar  mit  $wei  6tiftuugen,  bereit  erffc:  ber 
ßmpfängnijj  SRariä  tmb  ber  t*il.  %nna,  bie  jweite:  ber  teil 
Sfona,  Soa^im,  3ofept,  s3arttolomäu$  unb  Bnbrea«  gewetzt; 
8)  baö  Elitär  ber  vier  Sefyrer  (quatuor  doctorum);  9)  ba$ 
6t.  Wfolaiaftar;  10)  ba$  93?arienaltar  ber  tframertmtung; 
II)  baä  6t.  3Bolfgang'$  unb  £elenenaltar;  12)  ba*  bem 
teil.  $ßolfgang  gegemtberfietenbe  Hltar  (ex  opposito  S.  Wolf- 
gangi);  13)  bo*  $eter*  unb  $anl*?lltar  mit  jwei  6tifhmgen: 
a)  bem  tyeil.  $eter  unb  $aul;  1>)  ber  teil.  Jungfrau  Äatta* 
rina;  14)  baÄ  6t.  Jtattarinenaltar  (secundum  sub  eiborio, 
9io.  13  war:  primum  sub  eiborio);  15)  ba$  Sütar  beim 
X^urme,  mit  jwei  ©eftifteij:  a)  jur  $>ornenfrone  be$  ^eilan^ 
beö  unb  beu  fünf  3H»*gfrauen,  b)  $u  Marien *  ^erfünbtgung ; 
16)  ba$  Sütar  im  Söinfel  bei  ber  Ömporfircte,  mit  jwet  ®e< 
ftiften,:  a)  jur .  untbeilbaren  t)dl.  S)reieinigfeit,  b)  p  @treti 
bed  teil.  Jfreujeö,  Söartfyofomcu  unb  Saureutit;  17)  ba$  $((tar 
ber  3«ngfrau  Sttaria  jtnb  3afobt,  auaj  ber  tyil  ^reieinigfefr,  . 
SRariä  SJfagbalenä  unb  9(nbrea6  gewibmet;  18)  3)a*  »Itar 
unter  bem  fleinen  Drgelajore  geweift  a)  ber  Jtronung  unfereS 
4^errn  (coronationis  Domini)  unb  b)  ben  vier  2etrern;  19)  baö 
Delberg^ltar  unter  bem  großen  £>rgeld)ore,  aud)  bem  teil. 
UJnbread  unb  allen  lieben  (Ingeln  bebicirt;  20)  bad  günf*3H»ta/ 
frauen^lltar  ber  Jtanjel  gegenüber;  21)  baö  &ltar  ber  fyetl. 
3wölfboten  (Slpoftel),  Appolonia  unb  ber  10,000  bitter  unter 
ber  Jtanjel;  22)  ba$  ben^eiliaen:  99arttolomäu$,  Laurentius, 
4?ierontytnu0,  Barbara,  Don^ea,  üßanfratiuä  geweifte  Sfltar 
(in  angulo);  23)  ba<3  Slltar  jum  Vietnam  unferS  ^errn  unb 
jum  teil.  «£>typolit,  auaj  practorii  weil  e£  früher  in  ber  9^att)* 
rjauöfapelle  ftanb;  24)  baä  Elitär  beö  teil.  Laurentius,  (§ra$* 
mu6,  ber  1 1,000  3»ingfrauen,  3>orotteä  unb  pm  r)ci(.  Jtreuae; 
25)  Elitär  Jacobi  uiajoris  et  minoris  unb  Secnrjarbi;  26)  baS 
6t.  ÜHarfuä*  biliar  auf  bem  6d>ülera)or;  27)  ba*  Elitär  ber 
(Smpfängnifj,  ^tuter  bem  6a)ülera)or;  28)  ba$  s$eter*,  ^aul^ 
unb  2lnbreaö  Elitär  ^tnter  ber  großen  %r)üxe>  29)  baä  6t.  ^e* 
terSaltar  bei  ber  Zfyüxt  unter  ber  alten  ©ibliottef;  30)  ba* 


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,  648 

  » 


Hltar,  welches  früher  unter  ber  Tonnen  6r)or  bei  bem  Safra* 
ment;©ebaufe  ftanb,  fpäter:  SRarien  £eimfua)ung,  Wlippi, 
3afobt,  «Rifolai,  Startini,  eriten  (ScjKft*,  unb  $ur  (Ihre:  3o* 
hanni*  be$  XäuferS,  *ßeter,  *t*aul  unb  tfatr/arinä  aweiten  ©e 
füfrt;  31)  bad  qtyiliwi*  unb  3afobt*  biliar;  32)  ba*  SRarien; 
9Jcagbalcnen -Ältar;  33)  batf  ,ftanbwerfer*8ltar  (mechani- 
corum),  34)  ba$  Ältar  $u  (^r)ren  ^Äariä  Himmelfahrt;  35)  ba$ 
<St.  £ebwig$-Hltar;  36)  baä  «Itar  bed  r)eil.  #ieronpmu$  unb 
*ltancrattu$. 

4)  Die  3ett  feit  1691.  Der  SBranb  t^at  ber  Jtittfye  im 
SWeujjeren  viel  gefd)abet.  SBon  früherem  Scr/tnucf  finb  nur  nod) 
*Refte  an  einteilten  Stellen,  Die  Slbfeiten,  fonfl  mit  burefr- 
broct)enen  (Strebepfeilern  am  tfanghaufe  gehalten,  ftnb  jefct  mit 
einem  3*eöe^ac^c  »erfe^en.  9?eben  allen  Altären  tt>urben  aud) 
fämmtliche  3nfa)riften  an  Pfeilern  unb  2Öänben  ber  Stxxdbt 
beim  Traube  t>erborben.  Die  gegenwärtige  £)rgel  sollenbete  im 
3.  1703  ber  faiferlidje  Jrwforgelmacher  (SugeniuS  ßadparint. 
Die  93aufojrcn  betrugen  naa>  biör/eriger  Annahme  25,000  Xfylr., 
wovon  (Sadparttü  7000  Xfjlr.  unb  freie  (Station  erhielt.  Xram- 
peli  aud  Eitorf  im  $oigtlanbe  führte  1796  eine  Reparatur 
au6*).  (Seit  bem  ift  nod)  mehrmals  in  neuerer  3eif  an.  ber 
JDrgel  reparirt  worbeu.  Die  fdjöu  gefcrjni&ten  93cid)tfiüblc 
würben  1594  aufgehellt.  Die  Äanjel  ift  von  1793.  3m  3. 
1703  ferjenfte  ber  (Senator  £rautuer  einen  frönen  ja  9Hinu 
berg  gegojfenen  mefftngnen  Kronleuchter,  welcher  bem  Ältar  am 
nää>ftea  hängt;  1710  t»erer)rte  Senator  (Srrapr)ittH$  ben  in  btx 
sJJfitte  r)dngenben;  ein  Dritter  fcfjr  jierlia)  gearbeiteter  fam 
fpäter  Ijinjm  unb  würbe  beim  £)rgeld)or  aufgehängt. 

@H6cfen  ftnb  fccC>d  auf  ber  ^trd>c : 
a)  Die  große  ©locfe  war  beim  93ranbe  t>erborbcn,  bar)er  liet* 
man  fte  am  2.  Sfuguft  1695  bura)  bie  brei  eingefd}(agenen  <&t* 
wölbe  hinunter  unb  fer/lug  fte  auf  bem  Sanbhaufe  in  S tuf 
Fen.  Dort  erfolgte  in  einem  baju  hergerichteten  (yiepbaitfe  am 
3.  Hugufr  1696  ber  Ghifr,  unb  am  26.  £>f  tober  1696  würbe 
fte  heraufgezogen  bureb  obiae  jerfetylagene  ©ewölbe.  SBetferH* 
ger  ift  3ohatm  ^annibal  $rorfe.  Die  ©locfe  wiegt  217  ®tr. 
2  St.  18  $f.,  ber  flloppel  6  (Str.  2  St.  51/*  $f.    *luf  ber 


•)  Nähere*  ü&er  bie  Crael  f.  i.  «Nifelat,  JhtrftefaftC  «efdjreib 
ber  großen  Orgel.  1797.  16.  <©.  4. 


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649 


einen  ©ettc  ift  <&t.  *ßeter  unb  $aul'6  3Bübniß,  auf  ber  anbern 
tag  Siabtwappen.    Um  ben  oberen  Ärei*  ftef)t: 

Conss.  Michaele  Steinbach.   Johanne  Riesling,  et  EUa  Richter. 
Ignl  rVpta  laCet  CaMpana  haeC  qVlngVe  per  annos: 
SeXto,  LaVs  Christo!  sVrglt  at  hoCCe  noVa. 

Um  ben  unteren  Umfrettf: 
D.  0.  M.  S.  Campana  haec  AEDJS  hujus  PETRO  PAUL1NAE 
maxinia  ,  An.  M.  D.  XVI  fusa,  qostqvam  M.  DC.X€I.  d.  19- 
Mart.  ferali  incendi6  labern  fecerat,  An.  M.DC.XCVI.  d.  3. 
-  Aug.  Joh.  Kislingi,  Göns,  et  Tempil  CuraJ.  auspicio  ab  in- 
tegro  restaurata  est,  opera  /.  H.  Brorsü. 

b)  $>ie  jweite  ©locfe,  aucf>  ©eMSlode  genannt,  ift  ben  24. 
3anuar  1697  geaoffen  unb  wiegt  120  (£tr.  10  ®ie  würbe 
am  18.  Stprtt  1697  auf  bemfelben  SBege  wie  bie  große  aufye- 
jogen  unb  junäcfyft  bem  Sanbfjaufe  aufgehängt.  3n  ber  9Jhtte 
ift  ba$  €tabt*$öappen.    Oben  Ijerum  ftef>t : 

Elias  Richter.    Micfiael  Steinbach.'  Johann  Kisling. 
JgnJs  ego  saeVa  rabJe  VJtJata  resVrgo 
KJsLJngJ  CVris,  et.  VVIDeMann«,  tVJs. 

Unten  ftefyt: 

Fusa  haec  Campana  M.D.XCVM.  sed  An.  M.DC.XCI  d.  XIX. 
Mart.  eodem ,  f|vo  rneterae  funcslo  incendio  labefactatac, 
Aedis  hujus  Petro  -  Paulinae  Curatonim  Johannis  Kislitigii, 
Cons.  et  L.  Christiani  Widcmanni,  Scabini ,  auspiciis.  Anno 
M.  DC.XCVIU  Mens.  Jan.  restaurala  «est,  opera  Joach. 

I/annibalis  Brorsü. 

c)  £>ie  britte  würbe  mit  ber  fünften  unb  fechten  an  einem 
Xage,  ben  31.  $(uguft  1691  geaoffen  unb  vom  Damaligen 
DiafonuS  (Seifert  ber  tfiraje  verehrt.    ($ie  ift  22  (£tr.  3  ©t. 

4JJf.  fdjwer,  auf  ber  einen  <5eite  ift  ein  (Srudfir,  unter 
welchem  ftefyt: 

©£)£X  gelobte«  $ranb-  unb  S>anff*£>pffer 
ben  19.  Mart.  1691. 
auf  ber  anberen  <Seite  bie  Söilbniffe  bei  Vlpöftel  tyttex  u.  *ßaul: 
„3Bie  id)  meine  Sippen  aufgetban,  unb  mein  9Runb  gerebet 
t)at  in  meiner  $otf).  SljSfalm  68.  ».  13.  14." 

d)  3)te  vierte  fcr)enftc  bie  3unft  bei  Suajmaajer  im  3a*)re 
1616.  6ie  wiegt  12V4  Gtr.  32  $f.  Unter  bem  Defjre  fol* 
getibe  Umfa)rift  mit  großen  lateinifdjen  ©ua)ftaben: 


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650 

Ao.  J6K>.  gegossen  von  Mictuiel  Weinhold  aus  Dresden.  Ao. 
1 737.  der  Harmonie  wegen  umgegossen  von  Benjamin 

Körnern  aus  -Görlitz. 

Stuf  ber  einen  £eite  ber  @Hocfe  fteljt  ba$  $ud}tnad)er-2öappen 
mit  bereu  Söerfyeugen;  auf  ber  anbeut: 

Dein  dre\ einigen  Gott  zu  Ehren  hat  Anno  4716  die  löbl. 
Zunft  der  Tuchmacher  allhier  in  Görlitz  auf  ihre  Kosten 
diese  Glocke  lassen  giessen,  und  in  diese  Kirche  wohl- 
meinend verehret,  und  sind  zu  der  Zeit  Ehesten  gewesen: 
Martin  Tuschner  MT.  George  Sch  wider  G.  Daniel  Meiss- 
ner WP.  Gottfried  Clrich  G.  Gottfried  Seibt.  Andreas  M- 
tenberger.  David  Wicdetnann.  Johann  Firte.  Christian 
Schmid.     Johann  Schneider.     Christian  Hoffmann,  Johann 

Fried.  A7///'. 

e)  Die  fünfte,  6  (Str.  5  $f.  febwer,  würbe  ber  Äirtfye  t?on 
ber  e^ü&engefeUfdjaft  gefaVnft.   Oben  jfefjt: 

Dnrd)  baii  geuer  bin  3d>  gefloffen, 
9lbra()am  6ievert  tu  ©örlifc  l)at  mt<r)  gegeben; 
in  ber  9)?irte: 

1691  ben  19.  Martii 
911*  biefc  Stixty  unb  ©Drte$*£piel 
..    Durcf;  geur  in  föaucr)  unb  91|<f>  verfiel. 

Den  31.  Aug. 
£at  btefe  ©leef  ber  €d}üfcen  £anb 
Dem  £(5rni  geftifftet  nad)  bem  $ranb. 

0  Da$  ScMuß'GUöcfttycn,  2  (Str.  fetywer,  fdjenfte  (Sita* 
(Dölbner,  &auf*  unb  ^panbeßfjerr  tu  ©orltfc.  6te  fyat  fol- 
genbe  ttirffcfyrift: 

Da  DEVS,  ut  qvoties  resonans  Campana  tonabit, 
Officium  faciat  tunc  qvoque  qvisqve  suum.  J69f. 
5HUert!)ümer  unb  Äunftwerfe  ftnb  nur  no(f;  wenig  in  ber 
Äirdje,  ba  bic  SBranbe  $Ht>iel  jerftort  rjaben.  (5in  SWarienbilb 
au$  £tein,  auf  einem  Pfeiler  an  ber  SBanb  gegen  sJJtitterua<r;t 
ift  im  Traube  unt>erfef)rt  geblieben.  3wet  tydljerne  Sötlbfäu* 
len,  <&t.  $eter  unb  $aul,  in  ber  £allc  geaen  <Euben,  ftnb 
vom  3.  1430.  Die  6äule  au$  rotyem  Marmor  ebenba- 
felbft  ift,  wa^rfefteftsttd}  ein  atcfl  ber  älteftcn  Jtirdje,  hier* 
fyer  serfefct. 

3n  ber  Safrifiei,  welche,  nad)  bem  6tabtwap^eu  an  ber 


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65  t 


CDecfc  $u  fdjließen,  wafyrfcfjeinlid)  nad)  1433  umgebaut  ifif, 
werben  nod>  metyrei*  fe|r  alte  ^eßgewänber  mit  foftbarer 
Stieferei  au3  bem  14.  3äf)rf)unbert,  ein  prachtvoller  &e(<$  aus 
fcerfeften  3eit  unb  einige  anberc  ebenfalls  alte  unb  fdjöne 
Jlirdjengeiättyc  verwahrt. 

l*ine  Meifje  ^ortrattd  Bon  @*eiftlicben  ber  ^eterSfircbe 
Rängen  in  ber  Safriftei,  babei  auef;  jwri  Silber  t>on  ^nti>er 
nnb  $ttelanrfKfyon ,  bodi  leftfere  nur  jtepieen,  feineäwegd  (Sra- 
nad)'fd)e  Delgemälbe,  wie  lauge  3«t  ben  gremben  gefagt  würbe. 

Außer  ber  (%tte$bienftaeit  wirb  bie  Äiwbe  ftetä  bereitwillig 
gezeigt  «om  Slebituuö  Sibmer,  tfrebSgaffe  9h.  303. 

2.    Sie  tfirdje  ju  ®t  9tifolai  unb  St.  tfatrjarina 

liegt  auf  beut  «£>ügel,  weldjer  burd)  ba$  91iebert>iertel  Pen  ber 
innern  Stabt  getrennt  ift,  unb  foU  ber  Sage  nad)  bie  ältefte 
,Rircr;e  fein.  Die  s8el)auptung,  bie  jiircfye  habe  fd>on  geftanben, 
el)e  nod)  bie  Stabt  erbaut  gewefen  fei,  watf  man  au#  einer  mit 
ber  3<ii)te^a(>l  1041  bezeichneten  ©lode,  bereu  ehemalige 
(Sriftenj  aber  fetyr  zweifelhaft  ift,  folgern  wollte,  ift  nidjt  er* 
weielid).  Ü>cmungead)tet  muß  angenommen  werben,  baß  bie 
JUrd)e'  bie  ältefte  ift,  Da  fie  bis  auf  bie  ?Wefoimation  faft  au$= 
fd)ließlid)  ald  s4*arod)ialfird)e  galt  unb  erft  feit  ber  9RtUc  beä 
15.  3üf)tl)uuberttf  biefer  Muflbrutf  neben  ber  9lifolaifird)e  and) 
für  bie  St.  Oktertfirdjfe  auffam.  3uvcr^VHjK  Dcacfyricrjten  über 
c>ic  Jlirdje  ftnb.  folgenbe.  3"i  3-  1317  erhielt  fie  Ablaßbriefe 
um  ©elt>  $u  il)rcr  s3krbefferung.  1372  erteilte  9$ifd)of  s3ii- 
folauö  r>.  beißen  3"bulgenjbriefe  \\\  bemfelben  3^c^c>  1 426 
würbe  wieberum  an  ber  «Sirtfye  gearbeitet,  bod)  blieb  wegen 
t>er  »ftufttengefabren  ber  Jtircbenbau  liegen,  unb  obgleich)  am 
15.  v)liü  1452  mit  großem  ^ompe  ber  (#runbftem  aelegt  wart), 
trat  wieber  in  ben  pobiebrabifdjeu  ,ftrtcg$l)äubeln  ein  63  3afyre 
rmuernber  Stillftanb  im  Sailen  ein.  2Da  t>ermogenbe  Bürger 
—  »jpanö  grenu'l  ftatyltc  lOOSonnabenbe  tyrntereinanber  jebe$* 
mal  15  9)?arf  $ura  $3au  —  ftd}  ber  Äirdje  annahmen,  würbe 
ber  5ku  feit  1515  energifcfyer  betrieben.  sJÖtan  faßte  ben  93e* 
fdjluß,  folcfje  größer  &n  bauen  unb  rürfte  weiter  am  99erge 
hinauf,  wo  bort  bie  lefcte  *Keil)e  Pfeiler  ftefyt.  9Wan  riß-  lue 
alten  dauern  nieber,  führte  fie  fjörjer  Innauf  unb  wfaf)  fold)e 
ring«*  mit  ftarfeu  Strebepfeilern.    3nr  föeformatioufyeitaltcr 


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652 


blieb  ber  innere  Ausbau  wieber  bis  $um  ^ahxt  1543  liegen; 
ba  man  baS  Dadi  für  jn  fyed)  bielt,  würbe  eS  bamalS  ab* 
genommen  unb  burd)  ein  verlorenes  erfefct.  1582  (teilte  man 
ein  neueS  Dad)  ber,  weißte  bie  ^ird?e  auS,  fd)loß  bie  Dede 
mit  Brettern  unb  fefcte  neues  ©las  in  bie  genfter.  $eim 
53ranbe  vom  26.  $(ugufl  1642  brannte  bie  »firdje  bis  auf  bie 
dauern  unb  Pfeiler,  welche  jerfprangen,  nieber.  Der  1647 
begonnene  SBieberauSbau  würbe  1717  burd)  einen  neuen  SBranb 
vermeinet.  1718  begann  man  wieber  ut  bauen,  bradjte  DaS 
Webau  re  1720  unter  Dad),  trug  bie  gerfprungenen  Pfeiler  ab 
unb  erfe&te  fte  burd)  filetnerne.  genfter,  X^üren,  Äanjel,  6b©r, 
SUtarbeden  u.  f.  w.  würben  burd)  tterfdjiebene  Bürger  unb 
©ewerfe  ber  Rixctjt  gefa)enftr  weldje  überhaupt  burd)  eine 
•ftoüeftc  bie  Littel  ju  tfyrer  ^ollenbung  erhalten  mußte.  1786 
Würbe  baS  Xtnkmcben  auf  baS  Dad)  gefefct. 

Diefe  t)ielfad)en  Umbaue  ^aben  bie  Äirdje  fo  veränbert, 
baß  if>re  funffrfttge  33auart  beinahe  als  ber  einjige  *Reft  ber 
frühem  Mixdjt  anjufeben  ijt.    Die  $ird)e  \\t  84  feilen  lang 
unb  42  Collen  breit,  innen  gau;  gleich  unb  glatt,  f)at  ein  brei 
fadjeS,  gleid)  r)ob)eS  Sd)iff,  welcbeS  mit  einer  graben  gefdjmatf* 
loS  bemalten  ©retterbede  belegt  ift,  bie  an  jeber  Seite  auf 
fed)S  fd)lanfen  adrtetfigen  ^fctlern  ruht.   DaS  ©ewölbe  lag 
einft  viel  beber,  wie  man  auS  ben  außen  gan|  beuttid)  juge 
mauerten  viel  l)ör)eren  genftern  feben  famt.   Die  17  genfter 
finb  in  ber  9Hitte  burd)  einen  oben  ftd)  fpafteuben  linfS  unb 
red)tS  an  bie  ©ewänbe  aufd)lagenben  Stein  geseilt,  wobureb 
in  jwet  €>pi$bogen  geseilte  genfter  entftanben  jmb.   3n  ber 
,ftird)e  ijt  außer  einer  alten  im  3-  1842  auS  ber  St.  ^eterä- 
firdje  borten  t>erfe$ten  Orgel  md)tS  merfwürbigeS,  benn  ^Itar, 
&ait$d  unb  ©eftubl  ftnb  fämmtltd)  auS  bein  18,  3ti^rr)unl>crt 
unb  in  beffen  fläglidjem  ©efdjmatf  gearbeitet.  Diefe  £>rgcl  ijt 
langft  nid)t  mel)r  jum  (Spiele  braudjbar,  würbe  aber  wegen 
ifyrer  biftorifdjen  ^erfwürbigfeit  unb  weil  baS  @M)äufe  ntd}t 
nur  alte  ©emälbe,  fonbern  aud)  partes  unb  fd)öneS  $qI$>* 
fdjnifcwerf  enthält,  auf  33efd)luß  beS  JcirdjenfollegiumS  burife 
ben  £lfd)lermeifter  gortagne  bierfelbft  aud)  in  33e*ug  auf  baS 
<Sdmi&werf  ganj  gut  reparirt.  Der  Ilmfang  beS  alten  3Öerf  eS 
umfaßt  39  (SlaoeS,  im  ©äffe  fehlen  bie  tyalben  Xöne,  ber 
DiSfant  gebt  bis  jum  breimal  gefhidjenen  a.   DaS  jebenfalld 
fpäter  angebrachte  ^ebal  enthalt  23  (SlaoeS.    3m  untern 


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653 


Xfyeüe  be$  ©efjaufeS  ftel)t:  M.  Bartholomaus  Scultetus.  Anno 
1590.  2(m  ©inblabenfpunbe  jtefyt:  Ranovatum  bura)  X>at>. 
Decfer  Ao.  1624.  —  ©egett  $(benb  ift  ei»  grojjeä  genfer  in 
ber  $ird)e,  tanuucr  ein  Doppeleingaug  in  Spi&bogen  mit 
\mi  runtcn  93ogeu  barüber,  neu  aufgefüllt.  2>iefen  (lingang 
ik$  M.  gaber,  legtet  fatt)olifa)er  Pfarrer,  im  3-  1519  machen 
unb  fein  ©rabftein  mußte  im  3-  1520  t>or  ba$  portal  gelebt 
werben,  bamit  jeber  Sauberer  in  bie  itircfye  über  tyn  hinweg* 
febreiteu  müjfe.  $>a$  ganje  Denfmal  4ft  fefyenäwertr).  —  3n 
ber  fatt)olifd)en  waren  jteben  Altäre  mit  jwölf  (Stiftungen 
in  ber  sMolaifird)e,  nämlid):  n)  baä  «bodjaltar,  fvul>er  bem 
6t.  9iife(aud  allein,  fpäter  nad)  ber  (Erweiterung  and)  ber 
beil.  .Hat  hart  na  gewibmet;  b)  baö  biliar  beim  Ciborium  (3a 
framentöfyäirfcfyen),  beffen  erfteä  ©eftift  U.  2.  grau  unb  £im* 
meläfönigk  üttaria,  baö  zweite  bem  beil.  Xouat  gewidmet 
war*,  c)  Altare  a  dexteris,  mit  jwei  Stiftungen,  bie  erfte 
bem  f>ct  1.  Seifgang,  bie  zweite  bem  fycil.  @pange(ißen  3ofyanne$ 
unb  St.  Watttyiaä  bebicirt;  d:  Elitär  in  ber  Jtira)enmitte  am 
erften  Pfeiler,  audj  3nngfraueu> Sütar  genannt,  weil  baä  erfte 
©eftift  ber  fyeil.  Äatfyarina,  baö  jweite  ber  heil.  Stppoüonia 
geweift  war;  e)  ba$  fjeil.  Mvm^Utax,  funbiil  burd)  ben  Pfarrer 
3o().  t>.  l*utifc;  f)  Elitär  bei  ber  Safriftei,  mit  jm?ei  Stiftungen, 
bem  l)ci l.  ^fyilippuä  unb  ^afobiu^  foroie  ui  sI)tariä  Gimmel« 
fal)rt;;  enblia)  g)  bad  Slltar  am  anbem  Pfeiler,  betten  erfte 
Stiftung  St.  ^cter  unb  üßaul,  bie  zweite  aber  ber  fyeil.  i&orotfjea 
geweift  war. 

Gegenwärtig  wirb  bie  Üirdje  nur  für  Xrauerprebigten  be* 
nuftt.  u$or  bem  legten  53ranbe  waren  jn>ei  ©lorfen,  jebe 
c.  20  (Stn.  fcfywcr,  auf  bem  Üircrjtfjurme.  3eftt  jwei.  1)  2)ie 
große  c.  40  Zentner  fcfywere  ©lotfe  trägt  bie  $uffd)rift  am 
5tanbe:  Anno  1716  goss  mich  Michael  WeiuhoUll.  in  ber 
.Vi  ine;  Pistillo  dum  tango  vivos  voco.  mortuos  plango. 
Diese  Glocke  wurde  gegossen  anno  1716  auf  Anordnung 
//.  Joh.  Georg  Pauli,  Burgermeisters  u.  11.  D.  Balthasar 
Dietrichs  auf  Deutschossig  d.  Scabini,  beiderseits  Vorsteher 
der  Kirche  S.  Petri  und  Pauli  in  Goerlilz.  2)  $)ie  Heine 
c.  20  (£tn.  fd)were  ©locfe  ^etgt  nur'  bie  £&orte:  Gegossen  zu  . 
Goerlitz  von  Koernern,  anno  1728.  $)ad  ©eläure  wirb  ge* 
geuwärtig  neben  ben  Jtirdjenglocfen  für  bie  Äirdje  bei  93e* 
gräbniffen  aud)  vom  Sr.  *ßeter$fira)tf)urme  beftritten. 

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654 


2luf  bem  Jlird)()ofe,  welcher  juerfi  1559*),  fyäter  aber 
burd)  ein* im  3-  1842  gefaufteä  20  borgen  große*  ^Icfcrfrücf 
da  halb  bed  alten  ÄirdjfyofeÄ  erwettert  worben  ift,  finb  merf- 
würbig:  ba$  ßhab  3afof>  93öl)med,  wenn  man  naa)  berdpöfjc 
t»om  ^anptgange  au$  freist  rechter  £anb  in  ber  9?äl)e  ber 
Xobiehgräberwol)nung  gelegen.  £fm  obern  (£nbe  be$  alten 
#ircfyf)ofed  jnr  linfen  ^>anb  r>oin  großen  5öege  ift  bie  ©ruft 
beö  ($obin$  nnb  in  beren  9cal)e  auch  bie  etferne  Umzäunung, 
welche  mit  ber  (sage  vorn  sJ(\ubmluiutt  jtutammenhctngt.  Stuf 
bem  oberen  1#i7  eingeweihten  Kirchhofe*  befinbet  ftd)  ba* 
$)enfmal  be$  verstorbenen  Oberbürgermeifferä  'iJemiant,  unb 
l>art  an  ber  £trd)e  eine  im  3. 1606  bei  be$  ^rimarmd  SRoller'ä 
C%abe  gepflanjte  große  Sinbe. 

3.   £>ie  tfirdje  jur  heil.  2)reifaltigfcit**). 

Diefe  Mixty  würbe  angeblich  im  3.  1234  bureh  einen 
s3Warfgrafen  r>on  33raubenburg  jng(eid)  mit  bem  granjiefanei^ 
flofter  begrünbet  Hnb  mit  legerem  am  20.  ^ngnft  f245  bnrdj 
s-8ifd>of  &mrab  I.  von  Steißen  ju  @l)ren  bed  heil.  Sranjidfud 
unb  ber  Flavia  geweiht.  s3ei  (Erweiterung  ber  <£tabt  über 
bie  9feuftabt  U»*3  1255  fam  Softer  unbÄirdje  in  bie  dauern 
ber  <5tabt.  Die  erfte  Vange  ber  Jtircfte  ging  biä  an  ben  großen 
©ogen  unb  ihre  breite  war  bie  ber  beiben  ©ewölbe  uaa>  bem 
Warfte  *u. 

Hin  21.  9)iar$  1376  würbe  bie  Stauer  be$  alten  Gfyor'ö 
um  ben  «Hochaltar  abgebrochen  unb  am  15.  s3Wai  1371  ber 
©runbftein  jur  neuen  gelegt;  im  3.  1381  würbe  ber  (£bor 
fertig  biä  *um  Gewölbe,  beög leieren  auch  an  ber  Barbar  ata- 
pelle  gebaut,  weld)c  1385  eingeweiht  warb.  1382  Hm  eine 
Drgel  unb  vier  bunte  (fMaöfenfter  auf  ben  (£r)or.  1385  mür- 
ben bie  erfren  @horgejrühle,  1484  bie  legten  gefegt  unb  bamale 
bie  Snfcfyrtft  angebracht;  bie  golbene  9Jtarie,  beren  93efcfyrei 
bung  unten,  flammt  an$  bem  3-  1383;  bie  ©ewölbe  ber 
biö  bahi»  nur  mit  £olj  gefchlofienen  ^irc^e  au$  bem  3  1  450. 


*)  C?in  (£tü<f  SWauer  erhielt  vom  Weift  ben  Warnen  „SBiermanfr", 
»eil  bie  «Sage  aUia,,  bog  an  tiefet  Stelle  immer  bie  Pfarrer  ba«  fremde 
SBier  in  ben  $farrfyof  gefctjnwgflelt  Ratten. 

••)  Sranjiöfaner  -Xottenbu^  unb  bie  ^ian}i*faner  -  9lnna Un  im 
I. 'Banbe  ber  N.  Script,  ror.  Lus.  finb  bie  $auptquel(en  jur  $augefd>icf?tr 
bet  Äircfje,  baneben  bie  9<atf)dredjnuna,en. 


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655 

 1  1 


3n  toterem  3ar>re,  einem  3ubeljahre,  erwiefen  ficf>  bie  (Sin* 
roohner  fe^r  mifbthätig,  baljer  bie  großen  bauten  au  berÄirehe. 
1508  würbe  bic  ©iebclmauer  gegen  ba$  töcichenbacher  tyox 
*u  neu  aufgebaut.  1512  würbe  ba$  grojje  genfer  gegen  Stet* 
gen,  $wei  im  (J^ore  unb  brei  in  ber  Safriftei  gegrünbet.  1666 
würbe  bic  Mxxdic  in*  unb  auSwenbig  gereinigt  unb  mit  neuen 
genjteru  serfehen.  1691  würbe  bie  alte  Drgel  unb  b«$  bar* 
unter  befinblich*  (Sljor  eingeriffen,  unb  über  Den  (Sanonicatfiüh* 
len  ba$  Qfyox  für  bie  Seljrer  unb  Schüler  gebaut,  eben  fo 
gegen  Mitternacht  ein  @hor  für  bie  ,<Sdnger,  efnä  gegen 
Wittag  über  ber  6t.  ^öarbara^apetle,  aHd)  vier  neue  deicht* 
ftühle  unb  1692  bie  (gegen  360  £Wr.  foftenbe)  neue  Orgel 
aufgeteilt.  3m*  gebruar  1693  würbe  bie  £cr/u(*  unb  ©d)liefc 
öHocfe  umgegoffen.  1712  fam  t)tnter  baö  Mltar  ein  neued  gen* 
fax,  bei  weld>er  ©elegenheit  (eiber  auch  bie  gemalten  ®laä* 
Reiben,  wegen  ber  £eiligenbilber,  t>on  M.  (£d)äfer,  befeitigt 
würben.  1715  würbe  tiefer  53au  vollenbet  unb  in  ber  neuen 
£alle,  nadjbetn  am  6.  Mär*  1715  ein  $atf)S*Defret  ber  Äird)e 
Den  tarnen:  jur  ^eiligen  Dreifaltigfeit  verliefen  tyaUe,  über 
bie  %t)üxt  ba6  fteinerne  $ilb  ber  ireieinigfeit  geftellt.  1730 
würbe  bie  ehemaliqe  £alle  nach  bem  SOfarfte  $u  neu  aufgebaut; 
1775  bie  äußere  $tauer  ber  ©«frijiei  fehöner  aufgebaut  unb 
in  berfelben  ein  6tübchen  eingerichtet.  1777  brach  man  bie 
alten  2äben  ab  unb  legte  neue  an,  welche  im  3-  1840  gän^ 
lief)  befeitigt  würben.  2Bann  ber  $l)mm,  sJJ(*onchäthurm : 
,,9J<oneh,  vulgär:  9J?onnieh"  noct)  heute  genannt,  entftanben, 
ift  ni du  nachjuweifen.  Vlm  27.  3uni  1605  ftbluq  ber$Mi$in 
ben  %x)uxm,  olme  ja  jünben,  zertrümmerte  aber  tljeilweife  ben 
SBalfen,  auf  welchem  ba$  3od)  ber  (Glorie  ruhte.  Da  ba$  $oty 
roerf  ber  ©pifce  fer)r  befchäbigt  war,  würbe  foldie  1607  Der* 
beffert  unb  um  18  (§llen  erhöht,  ^ugleid)  ein  vergoldeter  Jtnopf 
unb  eine  gähne  barauf  gefegt,  baä  Dach  aber  mit  5Mei  geberft. 
(Sine  9?eubetfung  gefchal)  nun  1824,  bei  welcher  (Gelegenheit 
and)  ber  Xhurm  abgepufct  warb.  3ut  3.  1837  hatte  fich  bie 
Spifte  bed  fchlanfen  %t)nxmc$  fo  geneigt,  baß  ein  ^erabftur) 
berfelben  41t  befürchten  war.  (Sine  be£falltige  Unterfucf/ung  tt* 
gab,  bafj  ber  obere  %t)t\i  be$  $hurme$  im  ,£>oljwerf  fdjabhaft 
unb  bie  eiferne  €>pille  mit  .Unopf  unb  gähne  aud  ber  öefefti* 
cjung  gewichen  war.  Hm  14.  iluguft  1837  nahm  ber  <5chie* 
ferberfermeifrer  (£rner  beibe  btxcib  unb  fc&te  fte  fyäter  wiebet 

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auf.   9lun  nod)  einige  $eraerfungen  über  bie  Bauart  unb  ba* 
3nnere  ber  £ira)e. 

Da«  @bor  ber  ilirtfcc  ift  fef>r  lang,  fünffeitig  gefcbloften 
mir  in  feiner  Sänge  viel  \u  wenig  beleuchtet,  obgleich  fia)  ftc- 
ben  genffrr  vorfinben.  <8ier  biefer  genfter  waren  wie  angege- 
ben efyemal«  gemalt.   Die  Gewölbe  finb  einfach,  bie  ©urten 
fteljen  auf  äragfteinen,  bie  eine  Sßanbpfeilern  ähnliche  fleine 
gortfe&ung  tyaben.    Da«  Gf)or  wirb  bureb  eine  breite  Söant 
vorn  Scrjtff  getrennt,  in  ber  nur  ein  enger  DHra)fd>lag  im 
Spifcbogen  ift.    Da«  Sdjift  ift  einfadj  gewölbt,  bie  Stippen 
ftefyen  auf  köpfen ;  gegen  Wittag  ftnbet  für?  eine  ganj  niebrigt  1 
»bfeite,  fonft  ift  ba«  Sdjiff  nur  einfaa)  wie  in  allen  Äird>en 
be«  ©ettelorben«.    Die  tfiraje  fjält  eine  gange  von  112  (£llen, 
wovon  63  auf  ba«  Sdjiff,  32  auf  ba«  tfbor  bi«  *u  ben  Stn< 
fen  unb  17  von  ba  btd  Ijinter  ba«  $Utar  fommen.  Die  ©reite 
be«  Sdjiff«  (bie  Barbarafapelle  mit  gerechnet)  ift  30%  Sllc; 
16  genfter  finbeu  fta>  im  ©anjen  vor.  —  Die  ©eftufylc  frnt 
wunberbar  fa)ön  gefdjniot.  lieber  beiben  Seiten  ber  (£rjorjhible 
ftnbet  jtd)  eine  lange  f^warje  Sdjrift  auf  weitem  ©runbe, 
einzelne  93ua)ftaben  rotf),  eine  im  3.  1484  auf  biefe  Söetfe  ber 
Wadjwelt  aufbewahrte  ßbronif  be«  Drbcu«  unb  Äloftera  ent- 
fyaltenb,  wela)e  fta)  augenfcfyeinlid}  auf  ba«  nod)  vorbanbene 
granjiefanertobteubud)  ftüfct.  Da«  8ltar  ift  erft  au«  bem  3al>re 
-    1713.   3ur  3cit  ber  s3Äöna)e.  waren  folgenbe-  16  Sütäre  t>or« 
r>anben:   a)  ba«  £oa>altar  ju  (Sfcrcn  Waxiä  maj.  unb  beö?  r>eil. 
granjidfu«;  b)  ba«  Wltar  Der  f>etC.  brei  .Honige,  be«  \).  Bar* 
ttjolomäu«  Hub  be«  b.  ®eobocu«;  c)  ba«  Sil  sWifolau^Sfliar; 
(I)  ba«  Elitär  jur  f>.  Dreieinigfeit;  e)  ba«  Hltar  ber  r;.  Jtatrm* 
rina;  0  ba*  Slltar  be«  r;.  3ofyanne«;  *?)  ba«  Bltar  bed  Ijcil 
gabian?  h)  ba«  Ältar  bec  l).  Jfreujje«,  ber  l).  (Sfyrifhna  unb  fy. 
SlDaüjetb;  i)  ba«  Hltar  be«  f>.  Hntoniu«;  k)  ba«  «Itar  be* 
Seiajnam«  unfere«  Gerrit  im  ^reujgange;  1)  ba«  Elitär  ber 
r;.  Barbara;  m)  ba«  ©t  ^eter«*S(ltar ;  n)  ba«  St.  $eter*  unb 
sitaul^lltar;  o)  ba«  Ältar  ber  fteben  Scfymerjen  WaruS  ;  p)  ba$ 
St.  granji«cu«^ltar;  q)  ba«  St.  Bonaventura ^Slliar.  3u 
bebaueru  ift,  bap  aUe  9lltartafeln  jerftört  worben  ftnb.  *Bon 
Slltertfyümern  ijt  junäc^ft  merfwurbig:  1)  Da«  alte  «gwdjaltar, 
jefct  in  ber  Barbara-flapclle  aufgeteilt.  Da«  Bilb  ber  3Äarta 
würbe  1383  gefauft  unb  man  Ii bamal«  ein  fväter  «viebert^olt 
verjierte«  ®el)äufe  barum  maa)en.   3n  ber  ©litte  ift  SRaria 


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.657 

i  ■ 


mit  bem  Sfyrifhrtfinbe,  auf  einer  verftlberten  $Wonbfa>etbe  fte- 
fyenb,  hinter  il>r  golbenc  Strafen,  lieber  tt>rer  Reibung  fyat 
fie  ein  prädjtigeä  golbeueä  ©tantelgetvanb,  befreit  Saum  ein 
ßngel  fyält,  »äfyrenb  pei  (Engel  im  begriffe  fmb,  fie  ui  frö- 
nen. !X)a6  narfte  Gfyriftftnb  langt  mit  beut  regten  £änbdjen 
.  naa)  bem  vorwärts  bditgenbcn  Aaar  ber  ^Mutter,  wäfyrenb  eö 
mit  ber  gtnfen  eine  SHkltfugel,  UÄaria  in  ihrer  •fKedjten,  einen 
Sjetoter/  f)ält. 

Ü)a*  Sdjnifttverf  ift  vortrefflich,  bie  innere  Seite  ber  glüget* 
teuren  von  DUinüfyer'*  £anb.         oben  bie  ^ertuubiaung,  hin- 
ter ÜRarkn  ©abrief,  naa)  welkem  fte  mit  bem  jfopfe  |td>  jururf- 
neigt,  in  feiner  Äanb  ber  öotenftab ;  feittvärtö  fallt  ber  Ölirf  auf 
ba$  Stäbtajen  Wajaretfy.  föeajte  oben  fomint  ÜWaria  jur  (Slifa* 
betfj;  linf*  unten  ift  im  StaKe  bie  ©eburt  be$  ^eilanbeö,  vor  il)m 
9Raria  unb  3ofa>l)  mit  vier  (Ingeln;  auf  ber  Seite  bie  Birten 
bei  ber  öeerbc  unb  bafunter  bie  Stabt  93etblef)em.  9ted}tö 
unten  ftctyt  man  bie  ^eiligen  brei  ßöuigc,  tveld)e  vor  ber 
3Raria,  bie  ba$  (Sfyrtftuöfinb  W**  »»b  >fep^  »l  Anbetung 
verfuufen  ftefyen.    Met  ift  jumeift  vergolbet,  aucl)  verfilbert 
unb  wo  ntd)t  $(etf$  »»b  Hintergrund  erfajeint,  befonberö 
SSäume,  ©ewänber,  SBorbergrunb  mit  garben  bemalt.  2>iefer 
s'dtai  i'tebt  in  eiuem  einfaajen,  ungefdjmürften  haften.  2)  9Jeben 
biefem  JJlltare  ftefyt  ein  eigentf)ümlid)e$  93ilb  auf  garbengrunb, 
au$  bem  (5nbe  befl  15.  3al)rf)unbertö  (Sljrijhiö  a(ö  3öeltria)ter, 
vor  tfcfti  s3)laria  unb  ein  ^eiliger  fnieenb.    daneben  erfdjeint 
ber  Eingang  junt  ^tmmel  unb  \m  Jpolle  unb  jwar  red)td  ber 
(Eingang  \\\m  Seben,  welchen  Hh-ivu?  mit  bem  ^iutmeläfajlüffel 
auffcl)lie|?t;  Iinf6  ein  runber  Ityurm,  auo  weldjent  glammen 
fcfylagen  —  bie  Jg>dlle.  3)  2)ort  befinbet  ftd)  oho)  ein  fefyr  großes 
1 1 im  von  (£f)rtftu$  unb  neben  ibm  sXRaria  mit  jobanueo 
übergroß  tu  «£>ol$  gearbeitet.   4)  3m  Sdjiff  ber  töirdje  ftef)t 
auf  einer  (£rl)öl)ung  eine  vorgüglid)  gearbeitete  (trappe  von 
Stein,  früfyer  gweifclloö  ein  ftltartifd).  Da$  «öauptbilb  ift  ber 
im  Sdjoojje  AVanen  e  nibcuDe  fceidmam  ßbrifti.  £>iefe  Arbeit 
ifl  auf  23efef)l  -©eorg  dmmeridjä  von  £>llmü£er  verfertigt. 
5)  «öintev  bem  Altäre  liegt  ein  ©rabftein  auf  bem  au  lefeu: 
Anno  Dni  MCCCLXXXI  mortuus  est  Johannes  de  Duba,  (ilius 
Benissii.    $11$  im  3af)re  1565  bie  itirdje  mit  bem  Softer  an 
baö  ©vmnaftum  überging  war  eine  ©locfc  barauf,  welaje  ntefyr* 
mald:  1578,  1641  unb  1693  umgegoffen  warb.    £efctere  jog 

G»tf<6t$te  »cn  e*tU|.  42 

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G58 


man  am  2.  9»<irj  1694  auf.   Sie  ift  5V,  Str.  fäxm  mit» 
bat  folgenbe  3nfd)rift: 

sLla  tlChtero  Tobla  KVppero  MJChaeLe  sieJnbaChJo 
Iohanne  KJsLJngJo  pils  CIVKaUs  sVae  ConsJs  fVsore  slVeiUo. 
Quae  dudum  suin  fusa ,  refusa,  refundor  in  arrais 

Orbis  stal  quando  Lotus  ad  arma  vocans. 
Nun  sine  fato:    Nam  Mars  quoque  tum  da  bat  arma 

Quum  fueram  prima  rite  refusa  vice. 
Q  Deus  altitonans  Marlis  compesces  furo  res! 
Ne  quoque  Liisatos  implied  ipse  Meos! 
M. (agiler),  C.(^rifHan).   F.(umfe).  R.(efo>r). 
Um  ben  üHanb  herum: 
Zur  Ehre  GOTTES  bin  ich  gegossen  worden  durch  die 
Hand  des  Glockengiessers  Abraham  Sievertens  in  Görlitz 

A.  4  $93  den  IX.  Julius, 
hieben  "iefer  gäuteglocfe,  roeldje  im  Xfyurmc  bongt,  tft  aud» 
eine  Seiger|djeüe  in  SBerbinbung  mit  einer  Uhr  auf  bem  ± burmc 
ttddje  bur^fdjniitlid)  10  ^Minuten  t>or  ber  sJiatbtfuhr  btc  Sur 
ben  anjeig  Sie  ifl  1607  gegoffen  unb  ftef>t  auf  tyr  folgen 
bee"  (Sbrouofticrunt: 

1  ALJVs  Vt  hJC  apeX  CoeLo  GonsVrgere  VJsVs 
/Vsa  horas  D1DICJ  Vorbere  pressa  LoqVJ. 

1)  $ie  grauenftrefce  (ju  II  2.  grau  9flarta). 

tu-  tftrdu4  ni  Unferer  lieben  grau  tierbauft  ihre  (Surfte 
hang  einer  93lutfüfme.   3m  3.  1344  fyatre  griebrid)  t>.  SMber 
(bin  auf  grieblanb  flehen  görlifcer  öüraer:  $änlein  t>.  Sev 
djenbad),  Otto  Jfreferoetrer,  $entfd)d  (Seibenberg,  <£>entf*fccl 
@d)eerenfd}tmbt,  ^ermann  von  finita,  Martin  l'auban  uni 
^ermann  Vöbener  erfd)lagen  unb  würbe  uir  8üf)mma  a,e$n>an 
gen,  in  golge  beren  er  200  Schorf  ©rofdjen  $um  Sau  eine: 
Äirdjc  geben  mujjre.   93alb  barauf  (»abrfdjrinlidj  nad)  1344) 
begann  mau  btefe  £ird)e,  mm  Slnbenfen  an  bie  Seelen  bei 
(£rfa)(agenen,  fing  ju  aber  gleidj  fo  f  oftbar  an,  bafi  ictia 
©elb  nid}t  reichte  unb  nur  bind)  Diele  Stiftungen  uno  ©c 
fdjenfe  warb  cö   moglta)  bic  JiirdK  $u  ^dienten.  1 
Umfianb,  bap  im  3.  1363  fd>on  »Uariften  angeheilt*),  ew 


V)  2>er  3)i-uf|tcm  eine*  Stüartfteu  ift  nod>  erhalten  tyiat'r  betn  9.1« 
Ure.   £>ie  $iour<»  un&        ©djrtft  ftnb  in  ben  45tein  geraum  »x* 

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659 


»  • 

£ou*  jur  äBobnung  für  biefelben  benimmt  würbe,  beutet  barauf 
#n,  ba£  1363  fctwu  @otte*bienjt  gehalten  warb.  Die  $aut* 
Stynfung  befldttgte  am  17.  9ttai  1363  3of>ann  SBif^of  ja  SKefc 
pen,  1378  weihte  ber  93tfäof  3ofmnu  ».  ©enjenftefn  ui  Zeigen, 
ein  aitar;  1395  ber  2öeibbifd)ef  ben  äfrc^fpf  ber  grauenfird>e 
unb  ein  nette*  2ütar.  3m  3-  1-449  begann  ehi  Umbau  unb 
t473  würbe  ba*  Darf?  M$  auf  beu  %$mm  fertig.  Sluf  baä 
Dacfy  fani  ein  flernee  Xbürmdjen  mit  $wei  ©lüden,  e*  warb 
1480  »om  SBtifcc  getroffen  unb  brannte  fammt  bem  Dac^e 
nieber.  ftacQftem  fdwn  1477  ber  9tfdpf  einen  «blapbrief  j«r 
«ottenbuna  au«aef5tcüt  Ijatte,  würbe  bie  Äirdje  fowett  fertig, 

ahn  3-  1494  bie  wirHidje  Decfumi  erfolgen  unb  ein 
(fenjtutyl  gefefct  werben  fonnte. 

1506  würbe  eine  Orgel  gebaut.  1539  traf  ber  »litj  bad 
Stytanctyeii  unb  *erf$lug  einen  «Klar.  (Seit  1566  ftnbet  ftd> 
auf  ber  Äirdje  au  ber  worgeufette  ein  aujterfiger  Xfyurm,  auf 
bem  ©iebel  ber  JHbenbfeite  ein  Äreuj.  1609  würbe  baä  obere 
Xluirmdjen  am  Dad)<  verbeffert  unb  mit  einem  $i$erterr)a&ue 
verfemen.  1696  würbe  bic  Orgel  in  bie  ^eterefirdje  gefteü> 
unb  einiiweilen  ein  ^ofttiv  auf  ben  (£bor  gefegt,  an  bejfeu 
(Stelle  erj*  1778  eine  neue  Orgel  fam.  1735  würbe  ber$f)urm 
reparirt  mit  2Med)  tefcfyiageu  unb  biefed  grün  angeftrietyen ; 
1850  riß  ber  6turm  ein  grojjeä  &tüd  biefeä  ^8lcc^6  ab  unb 
fcfyleuberte  eä  auf  bie  Strafe.  3n  neuefter  3eit  ijl  viel  für 
bie  Jtircfye  gcfrfjeijen.  Die  Jrird)e  würbe  im  3nuern  neu  ge- 
tündjt,  ber  8ufjboben  mit  (Braiufylatten  belegt,  bie  Äanjel  Der* 
golbet  unb  bie  Öeftufyle  neu  angepriesen,  gerner  würbe  burd) 
ben  33anmeifter  SSutfow  aue  £trfd)berg  eine  neue  Orgel  gebaut, 
ein  8füpige$  SBerf,  mit  15  flingenben  (stimmen,  *u  welchen 
24  ftegtfter  unb  2  Wamiale  von  C,  Cis—  c  gehören.  Der 
fteinerne  Ältartifd}  würbe  mit  einem  äraetfir  unb  jwei  i'eud^ 
tern  von  dhijkifen  gefcfymurft  unb  inäbefonbere  aud)  bad  fdjönc 
©tetngdänber  be$  Orgeldwieö  vollftanbig  tycrgeftellt.  &m  3. 
November  1843  erfolgte  burd)  ben  Superintenbenten  Dr.  theol. 


waren  mit  fd)war$er  3Rane  angefüllt.  $ie  figur  ^eiejt  ben  ^riefte  in 
Üeben6ari?§e,  ba*  ^a«j«t  gefroren,  ritt  ^rieftertalar  befleißet  if>n  unb  bie 
auf  ber  SBruft  gefalteten  £änbe  galten  ben  tfeld).  9tect)t*  unb  linf«  beö 
.ßaupte*  ifl  ein  Ävcu;.     $ie  Umfdirift  tetat  ned}  ledbar  bie  ©orte: 

MrCCC.LXlll  OBIIT.  DN.  MARTJNUS.  MARTINJ.  ALTA- 

RJSTA.  HÜIUS.  AI  l  AiUS. 

42* 

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660 


SRöpler  im  «ufrrage  bed  ©eneralfuperintenbenten  für  Stiletten 
tie  ^einreibe  m  &ir$e.  Xte  äußere  Umgebung  berfelben  $at 
auf  bie  3 tabtfeitc  unb  nun  ^ort^etle  bed  Ijerrüdjen  portale* 
am  Xfyurme  r iud>  ein  eiferned  im  3-  1837  jwityen  ©ramt* 
faulen  angebrachtes  ®itttx,  an  Stelle  bet  verfallenen  alten 
ÜRauer,  außerorbentlid?  gewonnen. 

3n  ber  5rauenfir$€  waren  efycmalä  fünf  SUtäre  unb  urar: 
1)  ba$  £od)altar  ui  Unf.  lieben  grau  uub  «5immel*fcntgin 
SHaria  (ber  grauenbrubeTfdjaft  ger>öri^);  2)ba$  &ltar  §Hr  9ied> 
ten  beim  €f>ore:  ber  bdi.  Apollonia  unb  ®erbrub;  3)  ba* 
biliar  uir  Medneit  ber  Jburc:  ber  bcü.  £ebwig;  4)  baä  Altar 
uii  hinten  ber  Ibure:  2J?aria,  SWidjael,  >hamu\\  SÄattfyia*, 
ben  Jnnnr boten,  I  orotfyea,  Barbara,  Apollonia,  £>etuNg  ge- 
weiht; 5)  bae  Elitär  bed  bcü.  <5igi$munb  unb  93eit. 

<$S  ftnb  brei  ©lorfen  auf  ber  Äirdje.  Die  größte 
©locfe  friinte  1480  beim  93ranbe  herunter  mit  bem  Iburm 
cfyen,  würbe  1481  mit  ber  Jnfdjrift:  o  rex  gloria  veni  cum 
pace  neu  gegoffen,  aber  1716  umgegoffeu  unb  am  16.  Dfrbr. 
1716  $um  erften  Stale  geläutet.  Sie  wiegt  10  @tr.  2  et 
21/«  $f.   Die  Sluffdjriften  lauten: 

Pulsa  metaila  ctiam  resonant  praeconia  Jovae. 
A.  B.  4746.    Auspiciis  Senat.  Gorlic.  Sam.  Knorrio  de  Bo- 
senroth Consul.  et  Carole  Emerico  hujus  aedis  curatoribus. 
.  a.  4481.  Primum  fusa,  refusa  atque  aucta  opera  Michaelis 
Weinholdi  fusoris  regii  Dresdensis. 
Die  jweite,  jefct  5  (Str.  10  $f.  wiegenbe  ©locfe,  würbe 
mit  ber  großen  in  DreSben  umgegoften  unb  ben  15.  3uli  1717 
dum  erften  9ttal  geläutet.   Dben  ftefyt: 

Si  campana  sonat,  precibus  sirnul  ora  sonant. 
Providente  senatu  Gorlicensi  Sam.  Ktwrr  de  Rosenroth  et 
Carolus  Emericus  curatores  me  A.  MCCCCVC  fusam  refundi 
et  MDGGXVI.  eurauerunt  Dresdae  opera  Michaelis  Weinholdi. 

Da*  Dritte  ©lochen  wiegt  3  Gtr.  19  $f.  unb  trägt 
bie  Hufförift; 

A.  4747.  goss  mich  Michael  Weinhold.     Soli   deo  gloria 
Sam.  Knorr  de  Bosenroth  d.  Carola  Ernenne,  curatt.  atque 
luther.  Jubilaeo  secundo.  4717. 
Tic  .Hinte  ift  auö  Sanb*  unb  großem  Jtalfjtein  gebaut 
unb  fyat  untterjierte,  oben  nur  mit  einer  S3lume  tterfefyene  &txt- 
^bepfeiler.   Die  breifadj  mit  6temftäben  geseilten  genfer  ftnb 


»  < 


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661 

 » 

tyocty  unb  im  ©pifcbogen  errietet,  Bei  linigen  ftnb  nod)  dlo* 
fen  im  genfterbogen,  wa$  ftcf^erttcf^  einft  bei  alten  Der  gatt  ge* 
wefen  ift.  3m  genfier  gegen  Horben  ijt  außen  eine  alte  ©tent» 
blume.  (Segen  21benb  fyat  bie  Jtircfoe  in  ber  Witte  einen  Thurm, 
unter  bem  eine  große  unb  geraumige  Vorhalle  liegt,  über  ber 
ftd)  baä  in  englifrfjeii  tfirdjeu  fc  befannte  Sffieftfenfter  beftnbet, 
beffeu  Betrachtung  wir  aüen  Befudjem  auf  ba$  angelegentliche 
empfehlen.  Durify  bie  Xfjüren  tritt  marv  in  bie  c.  9  guß  tiefe 
Bort)alle;  bie  ©ewölbe  ftnb  jufammengefefct  unb  mit  fyervorra* 
genben  kippen.  Die  6dUußfteine  jeigen  einen  Äbler  mit  »wei 
köpfen  unb  ben  böf)mifc^en  göwen.  Die  2öänbe  ber  Äirdje 
unD  bie  <5pitbo#tn  baritber  finb  nur  einfach  mit  Stab  unb 
£tthma  verliert.  Die  Jfircbe  $eigt  ein  breifadje«  ©djfff,  beffen 
•Ööfye  3z,  i*änge  69  unb  Breite  über  32  (SUen  fyat,  an  jebet 
©ette  auf  brei  fef>r  fetylanfen  ad)tecfigen,  mit  gegliederten  güßen 
verferjenen,  fonft  ganj  glatten  Pfeilern  rufyenb.  Die  kippen  bed 
vcrfcblungenen  ©ewölbeä  finb  aüe  hervomtgenb  unb  gefyen  in  bte 
2öanb  hinein.  Da«  (Sljor  ift  einfad),  breit  wie  bct6  Wittel 
fdjijf  unb  öffnet  ftd)  gegen  borgen  auf  eine  gefällige  ffleife 
mit  feinem  breifadjen  (Schluß.  Die  Orgelempore  rufyt  auf  vier 
Bogen  unb  fiarfen  Pfeilern;  vor  bem  twittelpfeiler  ftefyt  Flavia 
mit  bem  3efu6finbe,  barunter  ein  auf  einem  fd)lanfen  adjtecfi* 
gen  ^feiler  ruhent>e$  achtecfige$  9ßeihwafferbecfeu.  §err  ?ef)rer 
8d)äfer,  dufter  berfelben,  befFen  2Bof)nung  unmittelbar  am 
Äirdjhofe  ift,  fuhrt  bie  gremben  ^erum  unb  jeigt  babei  aud) 
noch  ein  merfwürbigeS  6türf  einer  SWarienftotue. 

5.  Die  6t.  «nnenfirdK. 

3(1  ein  Denfmal  ber  grömmigfeit  eine«  reiben  Bürger« 
$u  ©örlifc,  bed  im  3-  1463  geborenen  £and  gren$el'$.  <& 
t>ert>eiratt^ete  ftd)  im  3.  1489  unb  befchloß  nach  mehreren  3ah* 
ren  finberlofer  (5^e  eine  Jtirdje  ju  bauen.  <Sr  fam  beim  föatfje 
um  einen  Bauplafc  ein,  ber  tym  enblid}  nadj  vieler  ©djwie* 
rigfeit  ntd?t  weit  von  ber  9tonnengaf[e,  unweit  be$  grauen* 
tf)urm6  unb  ber  gefhmg6werfe  eingeräumt  würbe,  8m  Sage 
ber  heiligen  Krina  (26.  3uni)  1508  würbe  ber  ©runbfhin  ge* 
legt  unb  ba6  Jtirchlein  trofc  ber  bajwifchen  faüenben  $eft  fo 
weit  voßknbet,  baß  e$  am  grrttage  vor  $tfingf*en  1512  burety 
ben  SBeibbifdjof  von  £alberftabt  eingeweiht  werben  fonnte. 
3u  ^idjaeli*  beffelben  Saferes  war  bie  Äirdje  ganj  vollenbet 


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C>6'2 


Mttb  <tu6Qe^attet  mit  Wii&n  «erütftcn,  Drgel,  3  (Dorfen  u.  f. w 
3n  $r  ftanben  brct  Stltäre  itnD  füriebe«  Elitär  ftattete  grenjel  jwet 
Hfctefter  au«,  von  Denen  3eber  jafjrli*  30  Warf  erhielt  «nb 
ein  SKeggcwanb.  €ie  waren  gewebt  Der  Butter  #otte«  SRarU, 
Der  heiligen  8nna,  un*  tyrem  ©emable,  Dem  ^eiligen  3oa*im. 
$>er  ©au  foftete  8550  Multen.   ©aumeifter  war  3tlbre*t  Srte 

S'  tjer  von  @örii*.  (*r  fut^rt«  Die  Ätrdje  tbeil«  von  ®etf 
den,  tbeil«  von  ©ruebfteinen  auf.  ©ei  einer  Sänge  von 
82*/*  Su0  (int  2id>teu)  ift  biefelbe  39  gu*  breit  nnb  vom 
Aßflafter  bi*  |um  ©ewölb«  52  gug  f)od).  5>te  £trd)e  bat  ein 
einfüge«  6<b»tf,  Der  (f  bor  ift  Dreifettig  geföloffen  unb  b<p«  3«' 
nere  wirb  t>on  a$t  geufterti  erleuchtet  2)ie  äußeren  Gefeit 
«nb  Die  ^itternatyfette  fmb  mit  €vinbelfäulen  von  unten 
herauf  verliert,  welche  Xragjteine  tragen,  auf  Denen  unter 
gotbifrfjen  Xbürmcben  £eiltgenbtlber  fte^en;  Die  9Hittag«feiten, 
nacb  Den  gefhtng«werfen  (je$t  Demiamvlafc)  $u  hat  feine  *8er 
gerungen.  Sin  Der  erften  (iefe  De«  ßbore«  ftefyt  Die  €tacue 
De«  f>etl.  Soadn'm;  auf  Der  feiten  Säule  Die  beil.  Slnna, 
SRaria  unD  Gbriftu«  tragenD ;  auf  Der  Dritten  Säule  Die  SWut* 
ter  ®otte«;  auf  Der  vierten  Der  beil.  3ofevh  mit  Dem  ©eile  unr 
über  if>m  Da*  ©ruftbilb  De«  ©aumeifter«  mit  Dem  3irfel  in 
Der  £anb.  Xn  Der  SÄitternacbtfeite  auf  Der  fünften  £äule 
Gbriftu«  al«  Sßeltrt^ter-,  auf  Der  festen  unD  ftebeuten 
$wel  ^»eiligen«  ilDer.  föeicb  verliert  würbe  Da*  portal  gegen 
$Ritternad>t,  wo  befonber«  Die  <£ingang«tbüre  febeu«wertb  fft 
%n  Der  ^beubfette,  wo  jefct  bae  &Saifenbau«  ftebt,  befanD  fidj 
ein  arofje«  genfler.  §(uf  Dem  öftli^en  iadjgiebel  jtanb  fonft 
ein  Heiner  fuvferbeberfter  $r)urm  mit  jwef  ©locfen,  welcher 
am  11.  9Äärj  1652  buvcb  Den  6tnrmwinb  bevabgefitlcu 
bert  warb;  eben  fo  jtanb  auf  Dem  Giebel  ein  &wei  Qllen  |er)e* 
eiferne«  Äreuj,  welche«  1688  herabfiel. 

$>a«  3nnere  imidu  einen  wohltätigen  öinbnttf.  Da« 
weitgefvannte,  von  feinem  Pfeiler  getragene  Gewölbe  ift  mit 
(Kurten  verjiert,  welcr)e  mti  f  tauen  uuD  mit  ftarfen  Ivagetfen, 
bte  im  (Gewölbe  bunbgeben,  umfaßt,  auf  Diefe  3öcife  baä  )öki* 
d}m  Der  weitgefvannten  (Gewölbe  verbinbern.  ,ftierbur$  m 
Die  .Ututc  eine  ard)iteftonifrf)e  9fterfwürbtgfeit.  Tic  Schluß 
fteme  Der  ©ewölbe  baben  ©djilber  mit  ©übern.  3n  Der  Witte 
bie  vier  (Svaugeliften,  über  bem@bcre  ba«  £anbele^ei<ben  §an* 
grenael'«  unD  über  Der  Orgel  Da«  De«  ©aumeifter«.  2>a«  Or* 


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663 


arider  $at  ein  fd)öned  bnrd>brocf)ened  ©dfinber  von  ©tritt. 
fan  ftydne*  Qwbaltax,  t>oit  #and  £)Hmtt>er  gefertigt,  fam  1559 
in  bie  $etcr«fird&e  unb  if*  1691  leiber  bort  verbrannt. 

©o  lange  ^renset  lebte  (bi*  1526)  würbe  ber  ©otte*bt*nft 
regelmctfHg  abgehalten,  allein  wäbrenb  ber  fteformattonSunr«* 
$en  nad>  fernem  2obe  fing  er  an  eittaufdjlafen,  bi«  fein  ©olm 
3oacbim  1531  ber  ©labt  bie  Stixty  unb  ba6  ©tiftungtoer* 
mögen  überwie«.  1539  würben  nun  bnrd>  ben  Olatir)  bte  bd; 
ben  ©locfen  vcm  Xfaxmt  genommen.  1562  fiel  ber  Xt)uxm 
$erab  unb  wart)  ttt^t  wieber  erbaut.  5>ie  Äirdje  felbft  wurbc 
ß(*  »Hfbewar;rung*ort  für  SRarftbuben  benufct  biä  We  ftadb* 
fommen  8renjel'0  aBf  Reinigung  brangen.  26.  3ult 
1627  warb  bie  tfirdje  normal*  gewetzt  $ur  twn  3eit  gu 
3eit  mit  Unterbrechungen  hielt  mau  bafelbfr  ©otte*bienfr,  feit 
1773  alle  ©onntage  £ated>ifationen.  $»rd>  bte  »on  1726  — 
1747  bewirfte  £erfrellung  be*  2Öaifen  häufe«  würbe  fte  für  bie 
Söaijenfinber,  fpäter  aud)  für  bie  ©trafgefangenen  im  anfielen* 
ben  flrbeitehaufe  benufct,  bi*  bie  ©Äcularifation  au6ge!>rod>en 
würbe.  —  Severe  machte  e*  möglid)  ber  dhriftfatboltfchen  ©e* 
meinbe,  welche  am  Karfreitage  1845  ftch  m  ©orlifc  gebilbet 
hatte,  bie  Äird>e  jum  SHitgebrauch  $u  übergeben,  fo  ba£  bie 
adriger  ©emetnbe  ber  SJcacjbeburger  bie  zweite  itt 

Greußen  war,  welche  einer  eigenen  Jttrche  ftd)  erfreute. 

8n  Srichenfteinen  ifx  nur  ber  be^  fogenannten  fdjwebifdjen 
3a^nrid>,  neben  ber  ©afrijtei,  merfwürbig *). 

6.  Die  teH.  Äreuj^apelle  unb  baö  f> c i I.  ©rab**). 

©ie  würben  im  Mitten  Viertel  bed  15.  3ahrhunbtrta  ge< 
baut,  um  ben  zahlreichen  frommen,  Denen  bie  «Wittel  jum  8* 
fuch  be*  Ml  ©rabe*  in  3erufalem  festen,  etwa«  für  ihre  xt* 
ligtöfe  *phantafie  \vl  bitten.  Erbauer  ift  ber  im  3.  1422  $u 
©örlij  geborene  unb  1507  am  21.  3anuar  hterfelbft  geworbene 
©eorg  (Smmerid),  ber,  (Siner  aud  ben  görlieei  ©<fcr)lechtern, 
Dorn  3.  1484  an  fünfmal  ba$  »ml  eine*  $ürgtimdfter*  »er* 
waltet  ^at.   3m  3.  1465  —  Emmerich  ^attc  ein  SHäbcr)en, 


*)  ?(iu'führli*i'r  f.  b.  2t.  Ännenfir**  |tt  ©orlifr  (».  Ädtjlet)  mit 
2  ©ilbetiu    ©i>rltfr.  @.  #einje  u.  domp.    1845.  16. 

*•)  €.  bie  auf  bem  l?eil.  ®rabe  ju  faofenbe  *B<f<$Teibima  beffelbtn 
mit  »bbUbrnifleti.  (».  (Jun<rtl>).    ®drli|  1823.  8. 


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I 

664 


^Benigna  $otftd,  »erfuhrt,  weigerte  ftd)  fold)e  ju  f)etrotf)en, 
unb  raupte  beflbalb  eine  SBupfatyrt  antreten,  —  machte  er  übet 
SBenebig  nur  Süeranbria  feine  erfte  *Reife  na(t»  Pennälern,  unb 
foü*,  waä  Untere  erft  bei  ber  ^weiten  föeife  behaupten,  bereite 
bamalG  einen  Wal  er  unb  Saum  eifler  mitgenommen  fyaben,  um 
eine  sJtad)  bilbung  be$  beil.  <*habe$  in  feiner  SJaterftabt  ju  be* 
werfftetligcn.   (5r  fam  glürflid)  hin  mir  würbe  am  11.  3ult 
1465  von  bem  6)uarbiau  be$  ÜÄinoritenfloftcrG  auf  bem  93erge 
6ion,  grangiäfuä  v.  ^iacejija,  ;um  bitter  be*  hcit  ©rabe* 
gefcfylaaen.    I  ao  ^eugniti  beftnbet  rieb  im  &nopf  Defl  ^u* 
ttyürmcpeiri  unb  fettete  ihm  10  Dufaten.  9iad>  ber  glütfltd)eii 
!Hücffcr>r  in  feine  ^aterftaot  im  3.  1470  fudjte  er  einen  paffen- 
ben  *JMa$  für  bie  Anlage  feiner  (Stiftung  unb  faub  ihn  nort 
weftlicb  auf  einer  xMubobc  in  ber  äufjerfren  $3orjtabt,  bie  von 
ber  211 M ah  burd)  bad  fogenannte  Äreujtbor  getrennt  ift,  roaä 
wegen  einer  fdjen  früher  bort  geftanbenen  fyöljernen  Capelle 
äum  beil.  &reuge,  Ärnutiw  benannt  werben  ift.    Dort  fduen 
tljm  baS  von  9torb  naa>  6üb  unb  von  ba  wieber  bei  ber  €itabt- 
mauer  vorbei  naa)  Often  bingefycnbe  Slüpa^en  £uni$,  ben  S9ad> 
äibron,  bie  $eter*  unb  *Paul0fird)e  ba$  föid)tfyau0  beö  % 
latus,  ber  eben  genannte  auf  einer  VI n höbe  von  6üben  gegen 
Horben  40  (sdjntt.  in  bie  Sänge  unb  20  (Stritte  in  bie  breite 
fta>  erftrerfenbe  ©arten  felbfi  ben  italvariaberg  (Sdjäbelftatte) 
nebft  ber  Umgegenb,  unb  ber  Dahinter  norbwärtö  tiegenbe  .^iV 
gel  ben  JDelberg  am  treffenbften  rann  (teilen:  unb  barum  befehle  p 
er  f>tcr  bie  Anlage  ;u  treffen.    Xei  ©ifcfyof  ju  SReiffen,  wel? 
4er  bie  (5rlaubnij?  juni  3$au     geben  hatte,  jöaerte  jeboeb  mit 
ber  ßoncefüon  unb  fo  mad)te  er  im  3.  1476  bie  jweite  *Reife 
^nad)  3erufalem,  wobei  er  feine  tyiänc  unb  3e^Hundcn  ÖCT* 
volfftänbigte  unb  verbefferte.    Um  t.  Dftober  1480  erstell  er 
burd)  ben  JDjficial  befl  Sijtyofft  3obann  V.  von  Wcipeu,  Dr. 
Warienam  in  Sauden,  bje  @v(aubnifj  jur  2(u$füfyruiig  be$  rjetl. 
©rabeev,  weld)e$  $i$e*fmeifter  £Majtud  Otötyrer  au$  ^eipjig 
gleid)  mit  einem  an  bie  Stelle  ber  früfyer  bort  befmb(ia)en  hol* 
gernen  Jtreu$fapelle  entarteten  tftrcMem,  jwifdjen  ben  Labien 
1481  —  1489  voUenbete.   3»n  3-  1504  befam  ber  9iatf)  burct> 
ben  baufcner  £)ffidal  Dr.  SBillibalb  heftig  bie  (^rlaubnifj,  baö 
biliar  bee  ,ffird)lein$  weisen  ju  laffen,  wel(fye$  ^eilige  Officium 
3ofyann  53ifa)of  von  9Barabein  aH^fü^rte. 

8m  4.  3uni  1536  traf  bei  $li$  ben  $f)urmfnopf,  ging 


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665 


burcb  ba$  Dach  unb  ©ewolbe  unb  ^erfchlug  beim  Kitare  ba6 
Silb  be$  ©efreujigten ,  n>elc^e6  er)emal$  am  ßbarfreitagc  in'* 
beilige  <$rab  gelegt  würbe.  1569  würbe  bie  .fttrcbe  gereinigt 
unb  bte  genftcr  neu  verglajt.  1578  liefi  ber  (fnfel  ®eorg  (im* 
merich'd,  3or/ann  (Smmericr),  ba$  S^Ö^^^  ber  Stirbt 
unb  bem  ©rabe  erneuern,  bie  betben  ftemernen  Ten  finaler  in 
ber  Ätrcbe  aufrichten,  bae  9Jcarienbilb  mit  garben  auftreiben 
unb  einen  neuen  Jtnopf  auf  ben  ühurm  fefcen.  1612  u.  1660 
warf  ber  5Binb  ba$  Zhürmctjen  herunter.  *9can  baute  1678  . 
ba*  £trd)trjürmd)en  wieoer  vollftanbig  au*  uno  [teilte  bie  Sta> 
pelle  neu  fyer. 

3ur  näheren  (Erläuterung  I)ier  folgenbe*.    9$on  ber  *ße* 
tertffircre,  unter  welcher  man  ficf>  bad  Mcf) rtautf  be$  Pilatus 
\\\  benfen  bat,  uiblt  man  bt6  ;n  ber  vor  Dem  ftifolaithore 
über  Per  93rücfe  linier  ^>anb  f)inau6,  an  ber  flunty,  ftehenben 
f lernen  .Kapelle  ober  fteinernen  Säule,  bie  mit:  1489  bezeichnet 
tfr,  unb  im  3-  1625  vom  s)(ifolaifirchh°fe  hierher  verfemt  würbe, 
265  bid  286  Schritte;  bi«  bahin  muffte  ßhriftuft  fein  Ärcuj 
alfein  tragen.    93on  hier  geht  man  auf  bem  Steinwege 
burch  bad  Jtiagltyor  unb  gelangt  enblich  mit  594  bid  647 
Schritten  ;u  einer  ähnlichen  Keilten  fteinernen  äapelle  :$itnäd)ß 
an  ber  $hüre  äujier  bem  ^et(.  ©rabe,  mit  einem  eifernen 
Jtteuje.    Sie  *eigt  an,  bafi  von  jenem  fünfte  bis  tyiu 
her  Simon  von  (Jmeitc  bacJ  Dem  (Srföfer  ;u  fct)wcr  gewor- 
bene Äreuj  ihm  ^abc  nachtragen  müjfcit.    SBenige  Schritte 
vorher,  and)  fchon  vor  rem  ^reujtbore,  beftnbet  ftch  auf  einer 
Änböhe  rechter  Jöanb  ein  flelneä  fteinerneö  ^äuScfjen  mit  bop* 
peltem  ©iebeloache.   6t  foü  bie  ffiobnung  bed  eroigen  3ubeu, 
2«ha$verua,  bejeichnen,  rer,  als  Gbriftuä  Dabeihabe  ausruhen 
wollen,  eö  nicht  jugegeben,  fonbern  ihn  fortaerrieben  hätte. 
Darauf  fommt  man  von  jenem  äapeltcben  mit  37  Schritten 
bergan  &u  brei  tfinbeu,  von  roelchen  Die  mittlere  ba«  Jhreuj 
Gityxifti,  bie  beiben  anbereu  bie  ber  mit  ihm  gefreujigten  TOffe* 
thdter  vorfallen  follen.         Berber,  von  Oer  $eter$ftrche  an 
aerechnet,  betrug  folglich  ber  ©eg  896  M  970  Schritte.  Wahe 
bei  ben  brei  Sinben  ftel)t  ein  Heine«  burebau*  fteinerne*,  16% 
(SUen  langet  13%  GUeit  breitet  ©ebäube,  bie  Stirbt  jUm  heil, 
tfreuje.   &k  beftebt  aue  ^wei  Stocf  werfen,  wovon  baö  ge* 
wölbte  <5rbgefd)of»,  mit  einem  Slltar  auf  oer  Oftfeite,  ba<3  <Ratb** 
Limmer  vorfallt,  in  welchem  ber  £ohepriefar  unb  bie  ©efefc* 

• 

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fuabigen  über  3*M  Gnburtbril  fpraa)cn.  3n  btm  lltort 
bejinbet  ftd)  ein  «ferner  Mafien  für  l»ic  30  Silberunge  bt« 
SBerräther«  3«ba«.  (SBon  ifmen  ftnb  beim  Äufito*  Slbgüffe  in 
feinem  3^nn  unb  Silber  }u  befommen).  <£tn  grembenbud)  liegt 
au«;  ba«  Ätttre  fjaben  Ieiber  im  3-  1813  franjöfffche  Sttaro; 
beur«  geraubt.  —  hinter  bem  Slltar  biefer  itapelte  bat  bte  von 
gehauenen  Duaberjfeinen  aufgeführte  datier  einen  von  oben 
bi«  unten  auf  ben  ©oben  gehenben  füufitüc^eit  SRiß:  er  foll  an 
ben  bei»  Xobe  3efu  gerriffenett  Vorhang  im  £empel,  jerberftene 
Reifen  unb  aufgefprungene  ©räber  erinnern.  —  9co<b  ifl  t)ier 

«egen  Mitternacht  tyn  ein  ©ewclbcben ,  in  welchem  6hrifhi6 
>  lange  bleiben  raupte,  bi«  alle«  jh  feiner  äreujigung  vorbe- 
reitet war.  ©egenwcirtig  tft  in  biefem  vergitterten  ©ewölbchen 
eine  Statue  be«  verurtheilten  Jfreilanb«  mit  einer  Dornenfrone 
auf  bem  tfopfe  bargeließt.  5Benn  man  von  biefer  unteren 
Capelle  in  ba«  obere  Stocfwerf  hinauf  fteigen  will,  fo  muß 
bte«  von  außen  auf  ber  SRorbfeite  vermittelt  einer  fteinenten 
treppe  von  17  Stufen  unb  mit  eiferner  £ef)nc  gegeben.  Der 
f leine  9iaum  bebeutet  ben  Sani,  wo  3efu6  mit  ben  3üugern 
ba«  Opferlamm  aß.  Ein  Sifa)  foll  benjenigen  bebeuten,  auf 
reellem  bie  römif^en  Solbateu  um  (^riftoS  tfleibung  wür^ 
feiten.  @«  ftnb  au*  fleineme  fflürfd  ba;  Die  früheren  ftlber* 
neu  fta^l  ein  fdjtoebtfdjer  Solbat  im  30jährigen  Jtriege.  Oben 
an  bei-  Subfette  befinbet  ftch  ba«  $ilbniß  ©eorg  Emmerich'«. 
Ein  Denfmal,  wa«  bem  Erbaiier  im  3-  1578  von  feinem  Enfel 
ßJeorg  Ammert d)  aufgerichtet  würbe,  fieht  ebenfall«  oben. 
Die«  obere  Stocfwerf  wirb  burd)  9  genfter  von  rurtben  @(a«; 
febeiben  erleuditet;  im  unteren  ftnb  nur  vier  ähnliche.  33fini 
Eintritt  ift  eine  Klmofenböchfe  an  ber  ©anb  angebracht,  bie 
früher  fehr  reifliche  Spenben  geliefert  haben  muß,  beim  im  3- 
1489  befch  werte  ftd>  ber  Pfarrer  3<>h«nne«  Gebern  bei  feinem 
benötigten  Streite  mit  ber  Stabt  barüber,  baß  ihm  ber  Diatb 
bie  bortigen  Einnahmen  vorenthalte*). 

$on  biefer  flirre  liegt  norowärt«  einiae  Stritte  entfernt 
ein  fleine«  mit  eifernein  ©itter  verwahrte«  ©ebäube,  worin 
bte  Salbung  Eh«fK  burch  ein  ©ilbwerf  vorgeflellt  wirb.  Severe« 
ift  funfrretd?  au«  einem  einigen  Stein  gearbeitet.  3ugW<h  whD 
baburdj  bie  Entfernung  von  36  Schritten  angegeben,  wieweit 


•)  f.  Script,  rer.  Lusat  N.  F.  H.  6.  216,  33.  »crgl  ©.436.  «tun. 


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ber  rem  Dreine  abgenommene  üeidmam  getragen  weiten  mu}te, 
ehe  man  ihn  vom  Stute  reinigen  fonnte.  (Stne  Urne  ftebt  im 
(Erinnerung  an  t>ie  Salbuugd  *  Specereien  ba.  —  2&eftwärt6 
34  Schritt  Wetter  ift  bad  freinerne  ©rab  felbft.  tfä  iß  mamr 
aue  r.uarertteuuMt  aufgeführt ,  beträgt  in  feinem  Umfange 
iO*  Jtlaftern,  in  Der  Sänge  10%  (SUe,  in  ber  breite  6%  (Süen, 
in  ber  Äö&e  6%  (SUen.  Oben  ftebt  in  ber  ^itte  be*  Dutfee* 
eine  auf  fcdjd  Raulen  rubenbe  mdjt  im§terlid)e  JtupDel. 

Die  eingangSthürc  ift  auf  ber  $?orgenfeite.  Didjt  an 
berfelben  liegen  Itnfö  unb  rtd)tS  jwei  große  gehauene  Steine 
ber  Sänge  nach,  worauf  bie  ©rabwätyer  gefeffen  I)aben  fallen; 
ein  Dritter  liegt  einige  Schritte  bavon  queroor  $ur  (frinnernna 
an  ben  Stein  vor  bem  ©rabe.  tÄn  ber  SEBatü)  beftnben  ftch 
bie  Siegel,  baneben  bic  Siegel  be$  <Ptlatu$  unb  beiber  #oher- 
priefter.  gerner  ftefyen  jwei  Specereigefäjic  wegen  ber  jweiten 
Salbung  (Shrifti  burd>  bie  brei  Söeiber  ba.  Da*  erfte  ift  ein 
einfaches  iBorgemacb.  Der  (Singangötfjur  gegenüber  jur  linfen 
|>anb  ift  eine  2%  (fttc  hohe  Oeffmtng,  welche  in  ba«  beilige 
©rab  felbft  hinabführt.  $*or  bemfelben  liegt  ein  Stein,  wo- 
rauf ber  (fngel  am  &uferftef)ung$morgen  faß.  Da$  ©rab  felbft 
ift  38/g  (Süeu  lang,  3%  (*llen  breit,  6>/4  dflen  f>o*.  (?$  ift 
barin  nid)t$  merfwtirbigetf ,  außer  eine  Statue  von  (Sbrtftufl, 
welche  5  guß  5V2  3oU  lang  ift.  Der  S3erg,  welcher  ftd)  jen- 
feit*  ber  £unifc  ($ad)  äibron)  ergebt,  foll  ben  Delberg  vorfiel 
len;  ber  fübwärtS  an  ihm  ftefyenbe  utmüunte  93aum,  bie  Stelle 
wo  (£J)uftu0  gebetet  bat;  eine  Steinwurfdwette  füböftlidj  weg 
ift  ein  vicretfigea  föafenplä&chen,  batf  ben  Ort  bezeichnet,  wo 
er  feine  brei  3ünger  verließ  unb  biefc  eiufc^liefen. 

Die  Stiftung  felbft  ftcfjt  je$t  unter  bem  Sd>u$e  M  ffla* 
giftratä;  e$  waren  befonbere  ©rabr)üter  (custodes)  früher  au4 
ber  (£mmcrich'fchen  gamilic  anqeftellt,  weltbe  ba6  ©rab  jeigten. 
8tud)  freute  tft  ein  jtttfto*  bafabft.  Mehrere*  ftnbet  man  ta 
ber  oben  angefahrten  Schrift. 

7.  Capelle  jum    ei (.  ©eift. 

Der  $eft$er  bee  Dorfen  fcertyolbdborf  ftiftete  ju  (£nbe 
bed  12.  über  am  Anfang  be*  13.  Sahrbunbert*  biefc  fla^llc, 
unb  jwar  ihrem  jefcigen  ^laje  gegenüber,  an  ber  Stelle  wo 


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jefct  bie  Stotterte  gabrif  tfi,  juerft  Die  Jtapelle  würbe  ber 
heil.  9Wagbalene  gewtbmet  unb  im  3-  1312  bei  ber  großen 
Ueberfcbwemmung  gän^icr)  jerftört.  (£rft  1350  würbe  bie  &trcr)e 
unb  jwar  an  jefcigem  *ßlafce  beim  ^oöfpitale  wieber  aufgebaut, 
in  $wei  3<*h«n  vollenbet  unb  bem  fyril  ®eift  geweiht.  9Jcan 
erlangte  fttr  fte  einen  Ablaßbrief ,  von  $apft  3nnocen$  VI.  wo* 
nach  3«ber  ber  an  fte  ein  Sümofen  entrichten  unb  in  ihr  7  *ßa* 
ternofler  unb  Äve^JRarta'S  beten  würbe,  bunbert  Xage  Ablaß  er* 
galten  foflte,  $u  benen  3ohamt  v.  3fenburg,  ©<fcf>of  von  beißen 
noch  40  hinzufügte.  Die  Einweihung  gefchat)  1352  unb  jwat 
burch  ben  93if<hof  fefbft:  „in  honorem  spiritus  SanctL"  *Bon 
biefer  $tit  an  fchwanb  aümälig  ber  Name :  sDcagbaleuenfapelle. 
3n  ihr  waren  fech*  Altäre  geftiftet  barunter  ein  ber  tyil  Do* 
rethea  gewibmete*  von  grau  Dtti(ie  v.  Salja  (de  Sale)  welche 
auch  h<«  ber  Kirche  begraben  lag.  Die  übrigen  waren  ba« 
Hochaltar  jum  heiligen  @eift,  bad  tfreujaltar,  ba$  St  Sttar« 
garethen- Altar,  ba6  3nugfraueu*  Altar:  6t.  Katharina  unb 
Apollinaris,  enblich  baS  Altar  (*lifabetb  unb  OTariä  Wa$U> 
lend.  Diefe  Altäre  waren  meiftenS  an  Altariftat  ber  Wfolau 
unb  (St.  ^eterSfirche,  mit  »uSnahmc  beS  ,£>ochaltar$,  vergeben. 
3m  3-  1525  würbe  bei  einem  großen  Sranbe  in  ber  Stobt, 
ber  von  ber  Neißgajfe  ausging,  auch  bie  Girrte  in  Stfd>c  ges- 
iegt unb  erf*  1653.  für  ben  evangelifcben  0?ttud  vom 
giftrat,  wieber  aufgebaut,  jeboch  arößtentheil*  nur  von  ^)oli|. 
Später  bcfdjloß  man  fte  bauerhafter  $u  errichten;  legte  1769 
am  29.  s3Jcän  ben  ®runbftein  unb  fonnte  bereit*  am  30,  No- 
vember 1772  baS  Äirchlein  einweihen.  3n  neuerer  3eit  (1841) 
würbe  fte  etwas  renovirt  unb  äußerlich  neu  t  abgepufct.  3e$t 
wirb  in  ber  Kirche  von  bem  4.  ©efftlicben  viermal  be*  3abre* 
eine  ^rebigt  mit  Kommunion  abgehalten.  Die  ^irchweit)e  fällt 
in  bie  SBocbe  nach  bem  1.  Abvent.  Außerbem  benufct  feit  bem 
30.  April  1848  bte  evanaeltfch^lutherifche  ©emeinbe  biefelbc  bei 
ihrem  ©otteSbientf  unb  bte  $ibelgefellfchaft  jtt  ihrer  jährlichen 
^auptverfammlung.  Da*  ©löcfcheu,  welches  ftch  auf  ber  Ätrcfce 
beftnbet,  war  et)emalS  auf  bem  9teichenbacher  Xhurme.  @S 
hat  2s/4  guß  im  Durchmeffcr.  (5ine  3nfcf>rift  auf  bemfelben 
ift  nicht  mehr  ju  bemerfen,  nur  auf  ber  einen  Seite  ein  vier 
3oll  langes  Sftarienbilb  unb  auf  ber  anbern  ein  .jtructftr,  von 
bem  Äreuj  unb  3»tf<h«flf  frwie  bie  Unterfchenfel  am  (SotpuS 
abgebrochen  ftnb. 


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.  669 

*  ^  ^  w 

8.  tfatfyoltfäe  Capelle. 

9ln  ber  (5rfe  bed  gifcbmarftee  unb  ber  Ärifchelgaffe,  ift  feit 
bem  27.  December  1829  eingeweiht.  (Sine  ncHe  Äirche  an 
bcr  SBeberthorffrape  für  bie  fatholifcbe  ©emeinbe  ^at  man  im 
3uli  1850  ui  bauen  begonnen. 

,  9.  Capelle  auf  ber  Sfcothenburger  Strajje. 

Smfer  £anb,  wenn  man  auä  ber  €tabt  nach  Subwigd* 
borf  geht,  fteht  eine  Heine  Capelle,  weld)e,  nach  ©cultet'd 
Angabe,  von  ©eorg  ©mmeria)  aufgerichtet  worben  ift.  Stl* 
©eorg  (Smmerid)  im  3.  1470  über  Dreeben  auö  bem  Oeüigen 
ganbe  jurürffehrte,  ('durfte  (Smmcria)  jwei  Diener  vorauö,  von 
benen  Griner,  ein  böfer  SRenfö,  ben  Mnberen,  welker  (£mmc* 
rich'ä  illeinobien  bei  jid)  führte,  ju  Reifung  berfelben  veran- 
laffcu  unb  bann  bamit  flüchten  wollte.  Da  ber  ehrliche  Sflann 
nicr)t  auf  biefen  $lan  einging,  ritt  ber  93öfewid)t  voran,  fa)nitt 
fia)  vor  bem  Xfyore  mit  feinem  Dolche  iu'ä  &c\id)tf  fo  bajj  er 
ganj  blufbeflerft  auäfah,  unb  fagte  bann  auf  bem  9tatf;r)aufe 
au6,  ber  nachfolgenbe  Jtnecht  l)abe  ©eorg  Emmerich  erfcblagen 
unb  ihn  feiner  Äleinobien  beraubt.  (5r  habe  bem  £errn  Reifen 
woüen  unb  fei  bei  biefer  Gelegenheit  $u  93oben  gefangen, 
von  3cuem  für  tobt  liegen  gelajfen  worben ;  injwifchen  habe  er 
ficb  wieber  erholt  unb  fei  bura)  Umwege  bem  s2)förber  vorge- 
kommen. 2luf  biefe  5(u$faa.e  fingen  bie  8tatftfned)tc  am  Stet* 
a)enbaa)er  Iluue  ben  unfchulbigen  Diener  unb  ba$Nfönigl. 
©eria)t  verurt heilte,  nadjbem  bie  Üleinobieu  bie  Slnflage  ui 
betätigen  fdjienen,  benfelben  }tun  lobe  bura)  ben  Strang, 
welcher  folgenbcu  £agä  vollzogen  werben  feilte,  ©eorg  6nt* 
meria)  ^rte,  von  föeichenbad)  fax  ber  ^Stal>t  näher  fommenb, 
folgenben  Xagö  ba$  <5terbcgeläute,  woraud  er  vernahm',  ^ajj 
eine  (Srefution  vor  ftch  gehe;  er  fragte  ^Bontbergehenbe  nad) 
bem  tarnen  bed  33erurtheüten  unb  (lüfte  von  bem  graufamen 
€>cr;itffale,  weld)c$  fein  Diener  ju  crbulben  im  53egri(fe  fei. 
(Sr  jHe|j  bemnach  voller  Slngft  feinem  ^ferbe  bie  [Reit? Stacheln 
in  ben  8eib,  unb  jagte  fo  eilenb  burd)  bie  £tabt,  rap  baö 
*Pferb  auf  bei  ©aigengaffe  unter  ihm  jufammenftürjte.  ©lürf* 
lidjerweife  hatte  man  ihn  noch  bei  Reiten  erfannt.  Der  %l)aU 
.beftonb  ergab  fta)  unb  ber  falfd)e  Singeber  würbe  fofort  an 
ben  iidjtm  ©algeu  gehangen,   ©mutend)  hatte  währenb  bec) 


• 


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670 


fhürmtfc^en  *Reiten$  feinen  |>etltgen  De*  $au  einer  Capelle 
gelobt,  wenn  ev  ben  UitgUiatic^eit  su  retten  im  (Stanbe  fei. 
Da  bieS  gefehah,  ließ  er  an  jener  Stelle,  wo  ba$  $ferb  unter 
it)m  tobt  gufamntenbradt,  jum  ewigen  @Jebä<htnf(j  biefer  wun- 
berbaren  Sebenärettung  jene$  tfapellchen  bauen.  —  (£ine  anberc 
Nachricht,  wonach  oie  itapelle  ald  ۟lmc  wegen  eines  sDforoed 
von  bem  Xootfchläger  ^lattheuo  ©vaf  im  3-  1545  erbaut  fei, 
iß  an  unb  für  ftety  einleucfytenb  falfch,  unb  itebt  eben  in  einer 
gewöhnlichen  ebne  Munt  jufammeitgefchriebenen  (ihrem  f.  1545 
war  (^ordn  burch  mir  ourdi  evangeiifch ,  fo  oaf*  s3tieraant>  eine 
fathcltfcbc  Capelle  t>er  r t ,  wie  bie  liier  erwähnte,  gebaut 
^aben  würbe,  unb  überbied  hatte  nach  reu  üblichen  (Meieren 
fem  Sötarber,  welken  bie  ©tobt  in  ihrer  «£>anb  hatte,  ohne 
ben  $ob  bavon  fommen  fönnen*). 


1.  Da*  9fei0ho*pital.  - 

l  £o#pital  mm  beti  (Seifte,  gewöhnlich  wegm  ber 
jage  9tetpho$pital  genannt,  ift  bie  ältefte  Stiftung  in  ®6rli$. 
cehon  §*i  einer  3***  wo  bie  <5tabt  faum  t>alb  fo  gro)j  war, 
wie  je$t,  wo  über  ber  Steiße  no(h  bao  Dorf  SBerrholbSoorf  (Äa* 
bengaffe  unb  Cbergaffe)  lag,  war  baffdbe  vorhanben.  Der 
©age  nad)  foll  ein  £err  auf  93ertholböDorf  feinen  ^Cirtcnio  beuu 
hergegeben  unb  baä  4po#pttal  geftiftet  haben.  Doch  ut  fein 
nifrortfthe*  Dofument  hierüber  ba.  Mit  mcl)r  ^ahrfcbetnltcK- 
feit  fann  man  Bürger  von  ©drli$  aio  Stifter  annehmen. 
Daß  e$  gerabe  an  Die  s3rüefe  gelegt  würbe,  gefehah  jweu 
feil eo,  um  bie  vorüberji e beuten  Ketfenben  ju  unter  ftur^eu, 
beult  bort  ging  fett  u neu bltaVr  Jeit  cie  grofje  JpanfcelS- 
ftraße  von  $olen  nach  sachten.  Die  ältefte  (Erwähnung 
gefchtebt  im  3.  1264,  wo  (£onrab  ein  6ohn  bee  *Peregrtnu$ 
(von  ®6rli$?)  bem  £pital  acht  4?nfen  tfanbe*  fünfte,  unter 

•)  ©rurfner'«  Umgnnaejettel  jum  Saljrc  1779  fyat  jene  angebliche  ©er 


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a7i 


ber  ^Regierung  SWarfgraf  £)tto'*  t>ott  SSranbenbiirg.  (Sine  be< 
beutenbere  $tu$bel)nung  ber  ©üter  erhielt  baö  <Stift  unter  ber 
?Warfgräfin  Seatrir  (Softer  tfönig  Sßenael'ö  HL  v.  $öf>men) 
von  Sranbenburg,  welche  iljren  Sttttocnft  in  ©örlifc  gehabt 
tjaben  foll,  burdj  ben  unterm  9.  s3Wat  1282  von  3ener  be* 
(tätigten  Slnfauf  jweier  $ufen  in  ©irbigdborf.  3m  3-  1301 
fcfyenften  ^einrid)  unb  SLßitdcjo  v.  Äamenft  bent  bort  „sur  tyeu 
li$en  fßtana  an  ber  öriirfe"  genannten  «£>o$pital  bie  jäl)rN<fyen 
3mfen  von  5l/a  Sftarf  in  «Rabenau  unb  einen  2Balb  bei 
tfiedlingSwalbe. 

3m  15.  3a Wunbert  gehörte  bem  #odpitale  Znitfäm* 
borf;  im  3.  1478  würbe  von  ißm  Wflaöborf  $um  größten 
Ztyik  gefauft,  fpäter  bie  bann  wteber  veräußerten  ©runbflürfe 
ber  DreirabeniuüMe,  ber  $ifd)brücfe  ic.  Diefer  Steinum  floß 
meiftenS  au$  ben  SBermädjtniffen  von  milbtfeätijjen  ©örlifcern.  — 
3>fc  SBerwalttmg  gefd)afy  jietd  unter  5(uf|t^t  bed  görlifcer 
Äatljeä  burdj  fogenamUe  ©pitalmeijkr,  beneu  Uuterverwefer 
jugefellt  waren.  8eit  1738  ging  fic  an  eine  fogenannte  De- 
putation für  bie  milben  ©eftifte  über,  wetöje  1833  aufgetöfi 
unb  beren  ©ef^äfte  mit  ber  <5tabtf)auptfaf[e  vereinigt  würben 
wie  bei  allen  £o$pitäleni  gefcfjal). 

Die  ©ebäube  fjaben  oftmalige  3}eränberungen  erlitten. 
3m  3.  1312  ftanben  fte  niebrig  am  ^eißufer  unb  würben  burd) 
grope$  SQ3affer  faft  gän$üd>.  vernietet.  Wan  rücfte  fol^e  bann 
weiter  vom  Ufer  ab  unb  baute  Ijöfyer.  Die  £uftten,  welche 
bie  6tabt  niijt  einnehmen  fonnten,  brannten  fie  im  3-  1429 
gänjli*  nieber  mit  ber  *8orftabt.  1432  waren  fte  faum  wieber 
in  bie  £öf>e  alä  ber  gluß  foJctye  abermals  wegriß,  worauf 
baö  Ufer  ertyo^t  unb  gemauert  würbe.  164!  brannte  2öanfe, 
ber  6$weben*£>brift  au6  ftrategif*en  ©runben  ber  SBerttyei* 
bigung  ber  6tabt  wegen  bie  «Borftabt  unb  ba*  £o$pital  ab. 
Seitbem  ij*  fein  Unglücf  metyr  pafftrt.  3m  3.  1769  matye 
ba*  Blter  einen  Neubau  nöt&tg,  ber  im  %  1772  voUenbet 
warb*).  —  3m  3-  1837  enblid?  erfolgte  eine  «Reparatur,  wel^e 
bem  ©ebäube  nebfi  ber  Jiirdje  bie  gegenwärtige  ©eftalt  gab. 
Sieben  bem  £o$pitale  ijt  jefct  eine  93olf$id)ule  in  ben  ®eb  iubtn. 


•)  (Sin  »üb  bc*  bomtal*  vom  3a$te  1769  btfinttt  im 
1837.  %.  13ö. 


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672 


2.  2>a*  6t  3afob*tyofpital  uub  Jtirche. 

Um  ben  Urfprung  biefcS  JpoSpitale,  welkes  anfänglich 
nur  für  eine  beftimmte  klaffe  mm  (Flenbeu  imb  Äranfcn  ent- 
fianb,  ju  erläutern,  muffen  wir  eine  allgemeine  tfbarafteriftrung 
aller  berartiger  Slnjialten  unb  ihrer  ßittftefytitg  anführen*),  ju 
mal  über  ba$  tyouy  fct>r  falfche  Stifteten  bcrrfdjenb  ge 
wefen  ftnb.  $ie  Seuche  beS  ttudfaftr*  (3Äafd,  Otffelfu^t, 
lepra,  altfranj.  maJadrerie,  w  ar)rfd)  ein  Ii  cl)  bie  fchwarjen  %lat* 
lern,  s3ttenfcf)enpocfeH)  wütl>etc  im  Mittelalter  fetwn  unter  ben 
Karolingern.  3m  12.  nur  13.  3abrhunbert  f*eint  ftc  befom 
ber$  häufig  gewefen  $u  fein,  ba  ftet/  in  vielen  franj.  unb  beut* 
fetjen  Stäbten  (Spuren  folcher  Käufer:  domus  leprosorum  ge- 
nannt, fmben.  Wit  biefer  Jtrantyeit  behaftete  Jrcmbe  wie* 
man  über  bie  ©ren^e;  lSinl)eimifcr)e  befleibete  mau  mit  grauem 
SWantel,  (Stylit  unb  Eettelfacf  unb  wie*  reu  Äranfen  in  ge- 
n>6r>nlic^  auf  vier  $fcU}teit  im  gelbe  (Ml)cv  bie  Siechen  auf  bem 
gelbe)  gebaute  £uttcben,  wo  bie  einfame  Sohnung  voar.  3n 
bie  Jtirche  warb  er  mit  gewijfen  ®ebräu(ben  abgeholt  uub  mu|te 
fcort  mit  verhülltem  @eftcbt  unter  einem  Irauergerüjte  jt$en 
unb  ba6  Requiem  anboren,  gleich  <d*  ob  er  nicht  mehr  unter 
ben  Sebenben  wäre,  »ut  feiner  grau  war  eo  geftattet  ihn  &u 
pflegen;  bann  burfte  ftc  aber  nicht  mit  auberen  9Jcenfchen  in 
33enihrut^  fommen.  Speife  unb  Iranf  würbe  ihnen  gebracht, 
aber  weit  von  ihnen  weg  gefegt.  Starb  ber  raufe,  wa$  bet 
bem  Mangel  an  Pflege  unb  bei  ben  eifernen  Naturen  jener 
3eit,  bei  benen  bie  ©lattern  gewöhnlich  ufemaÖ  juut  erleid 
ternben  offenen  Ausbruche  famen,  gewöhnlich  war,  fo  würbe 
bae  Äüttchen  mit  deiche,  Kleibern  unb  ©erätl)  verbrannt.  3m 
12.  Jahrhnnbert  begann  man  £ofpitäler  anzulegen:  domus 
leprosorum,,  boef)  immer  aufier  ber  Stabt,  im  freien  gelbe, 
©n  ähnliche*  £au*  war  ba$  St.  ^afobe^ofpttal,  beffen  Sttf- 
tungdjahr  völlig  unbefaniit  ifx,  benn  baö  angegebene  3.  1206 
ift  burch  feine  glaubhafte  Duelle  \\\  erweifen.  Seit  bem 
Anfange  be$  14.  3ah^?«»berW  aber  fentmt  etf  fd)on  als  Spi* 


•)  2>er  arme  £eiurid}  von  «fcattmann  v.  9(uc  t»urd)  ^e  ©ebrüber 
©rimnt  Ijerauagf  geben.  Berlin  1815.  224  2.  R.  8.  Slnfjana,:  Äbfaniü 
III.:  über  ben  »u«fafc.  <§.  160  ff.  Dort  ftnb  auch  bie  Stellen  angeführt, 
toeldje  bie  $errf<henben  Gebräuche  erläutern  uub  begrunben. 


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673 


tal  *>or,  unb  $n>ar  als  bem  t>ctf.  3afob  geroeifjteö  Spital. 
Stiftungen  unb  Sajenfungen  an  baffelbe  Ijeipcn  für:  ba$  do- 
mus  leprosorum,  bie  (Eicken  »f  beme  Belbe,  bie  armen  Sie* 
djen  brausen  t>ff  bemc  Qklbe.  So  erfajeint  baä  Spital  junt 
crftcn  9Kale  im  ältejten  Stabtbucbe  beim  3  1305,  metyrfaa) 
fpäter.  3m  3-  1320  betätigte  £erjog  £einria)  t>.  3aucr  bcm 
^ofpitale  einen  3Balt  bei  «frenncröborf.  Später  gehörte  ifym 
ba$  Dorf  CBrojMSitfmt,  aud  einer  SBeftätigung  bed  äo* 
nig«  3of)amt  ».  Söfmten  an«  bem  3-  1345  f>en>orgef)t.  1400 
würbe  tat*  Spital  burd)  tthnofett  neu  aufgebaut  unb  mit  einer 
Stauer  wfefjen,  aber  erfi  1431  »ollftanbig  fertig.  S)amal6 
fdjeint  aua)  bie  Mixty  gebaut  ut  fein,  beim  3.  1413*  fommt 
ein  St.  S^foböaltar  im  £ofpttale,  1434  pm  erfreu  fötale  ein 
Kaplan  vor.  1462  bebadjte  *ßeter  ^lejil  als  er  in  ben  93ern* 
fyarbiner*£)rben  ging  aud)  ba$  St.  3«fobör)ofpital.  Steigere 
Stiftungen  ber  $(gne$  giugerin  u.  a.  ftnben  ftd)  in  ben  libr. 
Resign.  1416—1540.  Am  "27.  3ult  1723  ttermadjte  l^m 
Voller  «OteUerftein  36  9Jtarf  unb  ben  3.  Ikcember  1737 
3afob  Sdjittler  100  Xljaler.  derbem  fmb  noa>  Heinere  Stif* 
tuugen  vorljanben.  1545  fameu  $wci  ÜHotfen  auf  ben  Sfyurm, 
welajer  früher  nad)  bem  gelte  fyiu  an  ber  äirdje  ftanb.  1567 
WHrbe  bie  jiirdje  mit  &ltar,  Jtanjel  unb  Käufen  mfefjen  unb 
fola)e  1605  t>erbef[ert.  1666  würbe  bie  Jlirdje  abermals  reno* 
mrt,  1732  aber  »ölltg  eingeriffen  unb  neu  aufgebaut,  bei  wel* 
djer  ®c(egenl)eit  ber  Xfyurm  wegfiel.  Gin  Umbau  beS  Spitals 
erfolgte  1776,  pgleid)  aud)  bte  Bereinigung  bcS  ^jofpitalS 
jum  State«  £aufe  mit  bemfelbeu.  —  (Gegenwärtig  beforgt  bie 
geiftlid)*K  SlmtSfyanblungen  in  ber  JUrd)c  ber  brttte  ^rebiger 
unb  ftnben  aUj<l(>rltdr)  vier  ^rebigten  mit  (Semmunion  ftatt. 
Die  tfirdjwetye  fällt  in  bie  «ffiodje  na$  3afobi. 

3.  3)aS  £o$pital  jn  U.  £.  grauen. 

Steljt  au  bem  äußeren  grauentbore,  *>er  Stirpe  gegenüber 
unb  ift  beinahe  311  gleia)er  3c,t  mit  bcm  neuen  Umbau  berfel* 
ben  entftauben.  Stifter  ift  ber  (Erbauer  beS  ^eiligen  ©rabeS 
\u  ©örlifc,  SBürgermeifter  ©eorg  (Smmcrid).  Gr  legte  e$  im 
3.  1489  unter  bem  Tanten:  hospitale  peregrinuntium  an, 
.  bamit  Pilger,  2BaUfafyrer,  anbere  reifenbe  *j$erfoneu,  arme 
Sefyrer  unb  Sdjüler  tan u  ein  9tad)tlager,  Öefjaufung  unb 
BuSwartung  bie  fte  wieber  wegretfett  fönnten,  ftnben  mortem 

Gefaxte  »on  ©crli*.  43 

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674 


(?r  verwenbete  1000  gl.  Ungar,  barauf  unb  fanftc  baju  ben 
*ßla&  von  einem  gewiffen  $roban  ober  .jpoban.   3m  3.  1490 
lief  er  aud  bem  €alomondbrunnen  SRöhrwaffer  btnlciten.  3nt 
3.  1512  würbe  e$  vom  Stathe  erweitert,  fo  bog  35  arme  £eute 
unb  halfen  barin  untergebracht  würben.    1537  würben  bie 
3tnfen  be$  <Seelhaufe$  in  ber  ,freb$gaf[e  auf  baö  6püal  an- 
gewiefen.   1641  brannte  ed  ab,  würbe  iebod)  bi6  1646  fo 
ziemlich  volijtänbig  wieber  aufgebaut.   3m  3.  1732  würbe 
e*  anSgebeflert  unb  1780  erweitert.  —  Legate  ftnb  mehrere 
an  bad  £>o$pttal  getaugt   gr.  2(nna  grenjel  geb.  Z itifin, 
Sßittwc  be$  reiben  .£>anä  grenjel  vermalte  in  ihrem  £efta 
mente  bem  <£pital  baä  3)orf  grteberöborf,  unb  ihr  6ohn 
3oachtm  grenjel  übergab  ben  ©arten  an  ber  (£cfe  ber  <2alo* 
monS  gaffe,  in  welchem  fpäter  ba$  alte  Siedjfyauä  errichte* 
würbe.   (£in  gewiffer  Büttner  vennachte  im  3- 1623,  22€d>ocf, 
wovon  bie  3*nf^n  für  baö  ©efinbe  beftimmt  finb.   £er  1691 
verdorbene  53ürgermeifter  Knbread  Sommer  vermalte  bem  $o$* 
vitale  100  Zi)ix.    'Der  33aron  €tylver  v.  Styloerftein  legirte 
in   feinem   am  6.  Wai  1720  veröffentlichten  Xefiaraente 
1000  %tyx.f  bavon  bie  Sinftn  unter  bie  armen  geute  im  6pi* 
tat  verteilt  werben  unb  biefe  bafur  alte  grei^ge  baö  Sieb: 
„SBarum  betrubft  bu  bich  mein  «$er$"  fingen  fetten.   3)cr  Bär» 
germeifler  6t)rifttau  Wolter  v.  Wollerpein  vermalte  am  27.  3ult 
1723,  50  Warf;  3of>cmn  3afob  Schief ler  am  3.  iDec.  1737, 
100  Ztyx.  —  2)er  ftath  gab  il)m  c.  3570  tylx.  «uperbem 
at  ed  Viitthct l  an  bem  VtdnnerifdKii  unb  Wicbacl  9Jeumannf<hen 
egate.   Die  (Sinnahmen  fließen  in  bie  (Srabi*£anptraffe,  aus 
ber  jeßt,  wie  bei  allen  ,£>o$pitälern,  bie  33ebürfniffe  geregelt 
unb  befriebigt  werben.  —  Die  geiftlidjen  &mr$hanblnngen  für 
.  baffelbe  wie  für  bie  graueufirche  r)at  gegenwärtig  ber  zweite 
$rebiger.   (Sä  pnbet  für  biefe  #o#pttaliten  jdt>rltd^  viermal 
©otteäbicnft  mit  Kommunion  ftatt,  an  welcher  au^er  ben  £o$' 
pitaliten  auch  anbere  alte  unb  fchwadje  *ßerfonen  Iheil  neh- 
men fönnen.    ?lm  13.  Dtecember,  wirb  bie  älofffche  @e* 
bächtnifprebigt  in  ber  £o$pitalfird)e  gehalten. 

4.  Da*  £o$pital  aum  fteuen  #aufe. 

im  Anfange  beö  16.  3al;rf)unbert6  in  5>eutfchlanb 
bie  $uftfeuche  auffam  unb  ftch  auch  in  ©örlifc  einzuteilen  be- 
gann, üefi  ber  föaih  in  ber  ©egeub  auf  Submigäborf  au  — 

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675 


wo  ber  OJalgeu  einft  ftonb  —  ein  £aud  bauen,  „granjofentjaufl" 
in  ber  gemeinen  Sprache  genannt.  JqUx  ftanb  ed  über  30  Jafyr, 
2Beil  et?  aber  ben  Sterben  befdjwerlich  fiel/  fo  weit  l)iuaueuu- 
getjen,  lief;  im  3.  1544  ber  Sttatf)  naher  auf  bie  Stabt  $u  an 
'  ber  Straße  ein  neueä  «ftauä  bauen.  Da  fpäter  bie  Se*<fye 
ita)  ui du  mehr  fo  anfteefeub  wie  früher  enrico ,  würben 
feit  1567  biefe  «ftranfeu  in  rao  Siechhaue«  gefa)afft,  unb  ba$ 
&ait$  armen  beuten  $um  Wohnort  angewiefen,  worauf  ed  ben 
Warnen  beg  bleuen  öaufctf  erhielt.  Daö  ,hauo  vcrffel  immer 
mel)r.  1776.  vereinigte  eö  baher  ber  Diatl)  mit  bem  %atob&* 
fpital  unb  bauk  ba6  9?eue  <£>an£  auf  bie  Wittaggfette  von  > 
ber  .Uirdje  au.  Stiftungen  für  bafjelbe  ftnb  feit  1567,  wo 
bie  önrgerfcfyaft  auf  Äuftorberung  beä  $rimariu6  lütrid)  eine 
Sammlung  für  ba$  Spital  machte ,  bie  ber  grau  33erger, 
welche  am  22.  SRai  1618,  500  £f)(r.  legirte,  bed  Öfirger* 
meifterä  sJHoüer  v.  SKoÜerfiein  fett  1723  mit  50  2Rarf,  be$ 
<öice*Stabtrichter$  ©erlach  mit  150  Ztyx:  am  19.  Wen).  1737; 
beä  3afob  ©emittier  mit  100  ütylr,  unterm  3.  December  1737. 
Die  .&o$pitaliten  haben  ui  gleicher  3^t  Untbcil  an  ben  9Xi<fy. 
^eumann'fc^en  unb  SaWfcfyeu  SttmdtynrffoL 

5.  2ftilitair'8a$arct$  (vormals  Stabt;Sied)r)au$). 

,  Siegt  vor  bem  grauentfyore,  an  ber  Salomonögajfe,  ber 
vttubaafu:  unb  bem  neuen  ^tranfenhaufe  gegenüber.  Heber  ba* 
alte  Sicdjrjauä  finb  nur  fehr  wenig  Worten,  in  ben  föathhaud* 
aftcn  fajt  gar  nidutf  vor  bau  reu  &ö  würbe  hn  3.  1573  erbaut, 
na d) rem  ber  Watb  von  9ÖÜfc  ein  ^auodKii  gefauft  hatte.  . 
1676  erfolgte  ein  Umbau  beffelben.  Ilnterm  17.  9Här|  1817 
evbielt  ber  -ölagifrrat  bie  Waduidu,  baß  ein  Bataillon  Iruppen 
nach  Oku- Ii  13  in  ©arnifon  foinmen  unb  beehalb  aua)  ein  lata* 
reth  eingerichtet  werben  folle.  3Wan  beabsichtigte  erft  ba$  Schieß 
baiu^  raui  }u  verroenben,  bod)  genügte  ber  $ia|  nicht.  3m 
Anfange  famen  bie  ^iilrtair- Jtranfen  raber  in  ba$  ftar  tr- 
iebe Siechfyaud,  würben  aber  von  ben  Oiiul  Traufen  getrennt 
gehalten,  wie  ber  53  er  i  du  vom  9.  3uni  1817  an  bie  Weiterung 
in  £tegni$  ergibt.  3m  3.  1818  würbe  nun  ber  2tnbau  efneä 
8lüael$  unternommen,  bamit  für  baö  Sftiliiair  mehr  Wauui 
gefcham  werben  tonne.  .  5?lm  1.  3uni  1818  war  baö  X>ad)  auf 
ben  neuen  gtügel  aufgefegt.  Der  ©au  bed  Okm je u  foftete 
3313  2#r.  22  Sgr.  6  $f.   ©i*  jum  3af>re  1831  Wieb  b<r* 

^43* 

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I 


676 


9ttllitair*fia&areth  in  bem  neu  angebauten  glügel,  in  biefem 
3atyre  jeboety  würbe  ed  in  ba#  alte  Siect)haud  »erlegt,  »eil 
bie  Wttty  ju  viel  Foftetc.  3m  3.  1844  würbe  ba$  für  109 
%t)\x.  verfaufte  alte  Sied^attf  gdnjlid)  abgebrochen  unb  bad 
3Rilitair*£ajaretf)  fam  wieberum  in  ben  1818  angebauten  glü* 
gel  ober  baö  ehemalige  2 tabtfi an fenbauo,  wo  eä  benn  nodj 
heute  f«h  befinbet,  Die  officietle  Uebergabe  erfolgte  am  31. 
3anuar  1845,  obgleich  thatfächlicr)  ba$  SÄilitair  fdjon  feit  bem 
1.  9tov.  1844  im  93efty  be$  Äranfenhaufeö  roar. 

6.  ©tdbtifcheS  JtranfenhauS. 

Siegt  mit  ber  £aupt-gront  nach  ber  Äu^gaffe,  mit  ber  Sri* 
ien*gront  nach  ber  SalomonSgajfe  $u,  bem  ©arnifon^ajaret^ 
gegenüber.  Legate  für  baffrlbe  jtnb  1)  bad  Schuljc'fch*  von 
50  9Karf  ober  38  $hlr.  21  Sgr.  4  $f.,  wovon  jdhrlich  2  Xhlr. 
10  Sgr.  3infen  gejagt  werben,  ein  unablöälicheä  Kapital  auf 
bem  Stabtgarten  9fo.  1026.  2)  baä  görjter'fche  Segat  von 
1000  Xtyx.  auf  ben  33raul)of  9to.  350.  alö  unabloSlicheS  (£a* 
pital  Iwpotfjecirt.  3)  2)a$  3d^ne'f(^e  Segat  von  10  £f>lr., 
wovon  bie  SBdrter  alljährlich  bie  $inm\  beuchen.  4)  3)ad 
93ehrncmer'fche  von  100  Ztyx.  jur  Aufnahme  franfer  $>ienftboten. 

211$  paffenben  *ßlafc  für  ba$  neue  ifranfenfjau«  fanb  man 
bad  oben  bezeichnete  ©runbfrücf  9fo.  882.  unb  bezahlte  bäfür 
4000  Zfyx.  3)a6  bort  ftehenbe  holjerne  ©ebdube  würbe  völlig 
abgetragen.    3n  bem  ©eodube  felbft  ifl  folgenbe  Qrintheilung. 

3m  erfien  Stocfwerf,  wHd)ed  6l/2  g«ß  über  bem  gujibo* 
ben  liegt,  i(l  a)  an  ber  SWorgenfette  ber  £aupteingang,  glur 
unb  treppe  in  ber  9)titte  be$  ©ebdube«,  bb)  rechte  bem  glur 
unb  ber  Xreppe  jwei  fleine  Stuben  für  ben  $au$vater  unb 
Pächter;  cec)  linf«  bem  glur  an  berfelben  Seite  bie  tfüche, 
ein  Stübcfcen  für  bie  Äöchtn  unb  ein  Speifegewölbe;  an  ber 
anberen  Seite  be$  tytx  6s/4  guß  breiten  gorribor'ö  an  ber  miu 
täglich  gelegenen  «öälfte  be$  ©ebdube«  bem  Aauptein^angc 
gegenüber  d)  bie  »ufnaljmefiube,  unb  e)  baS  4>i6penfationä* 
Simmer  be$  $lr$te$,  banebcu  0  ba*  Seicr/enbaud  28  gu£  lang 
18%  gup  tief,  gänjlich  in  $wet  buret)  ©laöwänbe  geriebenen 
£aHptabtf>etlungen,  wo  ber  <Raum  für  bie  28äcf?ter;  g)  linf* 
-  neben  bem  aufnatyntejimmer  ber  Jtüd^e  gegenüber  4  fleine  93abe* 
gimmer,  burdj  einen  SBorplafc  von  bem  (Sorribor  gefonbert, 
febeS  für  2  Söabewannen  eingerichtet;  baneben  hh)  baö  wohl' 


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677 


verwahrte  ©elafi  für  gn>ei  3rr  finnige.  Quid)  bie  ©laäthür 
f  nb  rt  ein  gut  erleuchteter  (M  a  ng  i)  ui  freit  beim  liefen  $emad)ern, 
bie  wie  t>te  in  ben  oberen  <5tocfwerfen  belegenen  ohne  ©efahr 
»on  3«9  ^CIt  «äranfen  zugänglich  ftnb. 

3m  ^weiten  Stocfwerf  beftnbet  ftd)  a)  ein  fyett  erleuchteter 
glur  mit  einem  7  gu|j  breiten  Durchgehenden  (Sorribor,  bb)  redjtä 
am  glur  unb  ber  treppe  jwei  fleine  «ftranfenjimmer  auch  für 
9tecom>ale0centen  beftimmt;  cc)  linfS  t>om  glur  |Wei  berglri* 
djen  für  JÄugenfranfe,  banetai  d)  ba$  Operationdjimmer  an 
ber  anbern  (Seite  bed  ©anged;  efghi)  fünf  größere  unb  Hei* 
nere  Äranfenjimmer  für  männliche  Jtranfe.  m\$  bem  (Jorribor 
füt)rt  eine  grofje  ©laäthür  mit  barüber  bejinblichem  fcichtfenjter 
k)  \u  ben  beimliriuMt  ©emächern  tiefet  (Stocfwerfä. 

3m  britten  Storfwerf:  a)  ber  glur  mit  (Sorribor,  red)t6 
bemfelben  bb)  bie  2Bof)nung  be$  (5l)irurgen,  cec)  bie  betyufft 
gänzlicher  8bfperrung  von  außen,  burd)  eine  ^iDtfc^en  inner lie* 
^genbe  fleine  SSBärterftube  c,  jwei  unzugängliche  3inimer  för 
männliche  unb  weibliche  ^oefenfranfe;  defgh)  fünf  «franfen* 
Zimmer  für  oben  erwähnte  «£>auptabtl)eilungen  weiblicher  $atien* 
ten.  Der  Dach  räum  ift  \u  serfchiebenen  93obenfammew,  zur 
Unterbringung  ber  Utenftlien  unb  ber  &au$beamten,  fo  wie 
&um  2Bäfchb4)ben  benufct.  Äell erräum e  unb  unter  ber  gangen 
nördlichen  (Seite  bed  ©ebäubed.  Daä  ©ebäube  ift  febr  $wecf* 
mäßig  unb  brillant  erbaut,  aUcö  mafffo  unb  fyodjfi  anfiänbig. 
Der  Sau,  welcher  im  3-  1843  begonnen  unb  unter  Dach  ge- 
bracht beffen  innere  (5tnrid)tung  aber  erft  im  «g>erbfte  1844  be- 
endet WHrbe,  fam  mit  feinem  neuen  S3runnen  gegen  30,000  %f)lx. 
jh  ftefyen. 


HI«  @  cf)  u  1  e  n . 

f.  Da«  ©tymnafium. 

3fi  in  bem  ehemaligen  gran$f$faner  Softer  am  Ober* 
marfte  feit  99egrünbuna  biefer  Schule  im  3-  1565  untergebracht 
Der  ©runb  jum  bloßer  würbe  im  3.  1234  gelegt,  unb  ba* 
8anb  baju  t>on  (Solen  ».  Söirftng  gefdjenft.  3m  3.  1245 
würbe  Älofter  unb  Kirche  eingeweiht.   Söeibe  waren  t>on  einer 


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678 


HÄouet  umgeben,  jebocb  noch  nicht  fo  grof*  wie  je$t.  Da* 
JtlofitT  war  nur  ein  Dttabrat,  unb  beftanb  au£  2  ®ebä«ben. 
$>ie  3^*  ber  SWöndje  würbe  balb  fo  bebeutenb,  baf  eine  Ott* 
Weiterung  eintreten  muffte,  welche  1371  erfolgte.  Bei  bem 
öfter  909  man  an  ber  SRorgenfeite  ba$  (Gebaute  biä  $ui 
Jtirdje  unb  fertigte  2  Treppen  unb  Xtyüxcn,  eine  in  bie  Stirbt, 
bamit  bie  Wöncbc  ohne  bem  Detter  auägefefct  |u  fein,  in  bie 
Äirchftüble  tmb  eine  anbere  SÖenbeltreppe,  bamit  fte  bequemer 
auf  ben  Jtjrcbboben  jum  Vamen  be$  ©löcfteind  fommen  fonn 
ten.  8n  ber  3Jcitternachtfeite  jog  man  ebenfalls  eine  SRauer, 
unb  f*$te  auf  biefeibe  einen  @ang  um  auf  bie  (Sraporfirche 
gut  JDrgel  gelangen  41t  tonnen,  welche  Zfyüxt  fpäter  bei  Be* 
grünbung  ber  SBtbliotbef  zugemauert  warb.  (Segen  9lbenb  legte 
man  bie  grolle  tfuctye  unb  raneben  ben  jefcigcn  lg örfaal  ber 
1.  Älaffe  nebft  ben  bariiber  bt6.an  bie  Äloftergaffe  gebenben 
beiben  <Eto<fwerfen  (wo  bie  $eftorwof>nnng  ift).  911$  man  bie 
SBarbarafapelle  baute,  verbaut»  man  auch  Im  er  bie  Älojfcrge' 
bäube  mit  ber  Äirdje  unb  machte  auö  bem  bloßer  in  bie  Ca- 
pelle einen  gewölbten  ®aug,  welchen  mau  mit  bem  £reu§gange 
im  3nnera  m  Verbinbung  febte.  3Beil  ber  3ufpru$  bou  grem* 
ben  fef)r  bebeutenb  war,  würbe  ber  mit  ber  Jtloftergaffe  parallel 
geljenbe  glügel  (je^t  mit  ber  9teftorwohnung  t>erbunben)  ange- 
baut unb  Aum  ©afrfyauä  eingerichtet,  weld)ed  burd)  ein  anbereä 
(im  3.  1837  abgebrochene*)  ©ebäube  bid  an  ben  iRlofiergarten 
eine  Verlängerung  erWelt. 

3m  unteren  6totfwerf  fommt  man  nach  jwei  2Benbung$< 
gdngen  iu  ben  ^reuggana.  Dort  ift  jur  rechten  £anb  ber 
fcörfaal  ber  1.  ©»mnaftalflaffe,  ein  siemlid)  lid)teö,  mit  einem 
Äreujgewolbe  tterfehene*  3"nmer,  welche*  fairer  ben  ^önajen 
junt  Spcifefaal,  fpäter  jeboet)  in  ber  borgen*  unb  flbenbftunbe 
*um  33etfaal  biente.   lieber  ben  tfreujgang  weg  — ■  bei  bem 

Sirojjen  Pfeiler  in  welchem  bie  Sage  einen  ÜDcönd)  eingemauert 
ein  läßt — ,  in  ber  2.  klaffe,  war  ber  6peifefaal  (Refectorium), 
wo  bie  Ü)(önrf)e  oft  gemeinfam  mit  ritterlichen  ©äften  unb  SBo&l* 
thätern  befl  tflofierS  fpeiften.  Althen  bem  ©peifefaal,  war  bie 
Babejhtbe  (Vaporarrom,  Balneum),  ba$  Heine  hohe  3immer 
— x  worin  ittf  bie  merte  klaffe  Unterricht  empfangt.  $>aö  je&igc 
Xertta  war  bie  flranfenftube,  welche  fpdter  in  ein  3immer 
JDuarta)  2  Xreppen  höh«  »erlegt  würbe,  kommen  wir  nun 
H*ben  erften  6cocf,  fo  fallt  und  ein  großer  langet  Ilster  ©ang 


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679 


*on  Wittag  gegen  Mitternacht  auf.  Da«  tj*  ba«  Sabulat, 
läng«  beweiben  Die  Mondwellen  lagen,  lieber  tiefem  (Sange 
war  früher  ein  anberer  weiter  bi«  hinter  ben  9ttarfkll  ju  et* 
nem  Xfyuxw  führte,  ber  einjl  jum  Älofier  gefjörenb  1475  t>on 
bem  Älofier  an  bie  (Stabt  jur  fiärferen  Skfeftigung  berfelben 
abgetreten  würbe.  —  $et  ber  Uebergabe  an  bie  Schule  wur* 
ben  natürlich  tnele  bauliche  93eränberungen  notfjwenbig.  6päter 
im  3.  1717  warb  bie  $eftorwohnung  faft  neu  erbaut;  im  3. 
1732,  1741,  1744  nahm  man  mancherlei  SBerbefferungen  t>or, 
1741  unter  anberen  auch  bie  Umpflafterung  be«  ßloftahofe«. 
greie  s4*Lifce  innerhalb  be«  älofter«  waren:  1)  ber  t>orbere£lo* 
fter^of  (welker  im  3-  1848  »on  ben  f leinen  6eitengebäuben. 
unb  ber  Mauer  befreit  unb  $um  Cber-Marft  gebogen  würbe); 
2)  ber  Wintere  .f  lofterfjof,  in  welchem  bie  «Rö^rbütte  $u  merlen 
iji,  *u  ber  im  3.  1490  ®eorg  (Smmrich  ba«  SBaffer  au«  bem 
©alomon«brunnen  leiten  ließ;  3)  nahe  babei  ift  ber  (Eingang 
in  ben  Äloftogarten  nach  Der  Stonnengaffe  Inn;  4)  ber  tfirch* 
hof  ber  Mönche,  welker  ben  $la$  auf  ber  Morgenfefte  von 
ben  Oebäuben  bi«  an  bie  Ringmauer  in  fed^  faßte  unb  an  bie 
äirfy  fließ  (ber  offene  Sabeplafc  beim  fegenannten  6chwib* 
bogen  unb  t>on  ba  auf  ber  9*onucngaffe  bi«  jum  Marftall,  ber 
nur  üon  ber  Äloftergaffe  au«  ju  erreichen  war);  5)  ba«  ©iefj* 
hoffen,  wo  bie  juchten  noch  btd  heute  ftnb;  6)  ba«  £>tU 
berggärtcheu,  weld)e«  feinen  ^la^  ftwiftyeu  bem  üreujgange  unb 
ber  Äirc^e  ^at.  Die  Benennung  fommt  bafjer,  weil  barin  ein 
«Itar,  auf  welkem  ba«  93i(b  Ghrifti  auf  bem  Delbergc  fnieenb 
ftanb,  ftd)  befano,  wohin  bie  Mönd)e  gingen  il)re  Slnbadjt  ab* 
p^alten  unb  ^rocefftonen  anfteUten.  —  93i«  $um  3a^re  1847 
hatte  bie  feit  1837  befhljenbe  h^ere  SBürgerfchule  ihre  &bßU 
gimmer  am  ehemaligen  Xabulat,  wä^renb  ba«  ©pmnafmm 
fortwd^renb  bie  unteren  behalten  hat.  Hm  6nbe  be«  tabula?« 
auf  bie  Jlirc^e  |u  ift  bie  8ibliotI)ef.  3»  bemfelben  etoefwerfe 
aber  in  einem  glügel  nach  bem  fleinen  Jirofierhofe  ift  bie  Hmt«* 
,  Wohnung  be«  Conrcctor's  Gymn.,  unb  bie  be«  Jtaftcllan'«. 

2.  Die  f)öJ)txt  ©ürgerfdjule. 

Diefe  im  3-  1837  begrfinbete  »nflalt  beftfct  noch  Fein 
eigene«  £au«,  welche«  föon  feit  3ah*en  projeftirt  ift  unb 
wurbe  1847  in  ein  für  bie  93ürgerfchule  OMuöwabl  ber  beffereit 
€(hület  ber  $olf«fthulen)  errichtete«  Äwetftöcfige«  ©ebäube  in 


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680 


ber  Cberlangengaffe  verlegt,  wofelbft  jebott)  feie  ad)t  ÄlafTen 
(e$  befielt  eine  Septima  a.  unb  b.)  nur  mit  9ttuf)e  utt 
tergebradjt  werben  fonntcn.  (*nbe  1849  würben  348  6<t)ület 
an  ber  Anftalt  unterridjtet. 

3.  «£>ör;ere  5Ääb(r)enf(t)ule. 

DiefeG  elegante ,  cl)ne  (*rbgeftt)cfj  brei  Stodwerfe  sär)lenbe 
©ebäube,  gereift  bem  ftifdpmarfte  ja  nidjt  geringer  3terbe 
Die  ©runfefteinlegung  $u  feemfelben  erfolgte  am  19.  (September 
1836.   Die  Sd)ul$immer  finb  im  ^weiten  unb  britten  Stod 
werfe  unb  im  (5rbgefa>fj .  3m  britten  Stodwcrf  redjtS  naa)  ber 
93ädergaffe  nt  ifl  ein  für  Sdmlfeierlicfyfeiteii  befHmmtet  föaum, 
unmittelbar  barunter  ber  3etd>nenfaal,  linfd  auf  bie  Ärifdjel 
gaffe  fnnau*  bad  9taturalienfabinet  ber  ^oberen  $ürgcrfa)Hfc 
aufgehellt.  Gnbe  1849  waren  243  Spulerinnen  in  Diefer  Anfialt. 

4.  ^Bolföfdjulen. 

Stefjen,  wie  (mit  Audnafyme  beö  ©tymnajiumd) 1  alle  tye- 
ftgen  SdjuUAnftalten  unter  bem  Diredorate  be*  ^rofeffor  Äau* 
mann.  ftnb  fteben  unb  jwar  junäa)ft  bie  vier  93ejjrf$f<r)u- 
len:  a)  bie  (St.  Annenfdjule  mit  brei  klaffen  in  fünf  Abtuet* 
hingen,  von  bencn  bie  erften  brei  im  St.  Annen*Sd)ul*®ebäufee 
am  grauentljore,  bie  beiben  legten  in  gemieteten  Malen  unter* 
rietet  werben;  b)  bie  grauenfdjule,  brei  Jtlaffen,  von  benen 
bie  aweite  in  jwei  Abteilungen.  9cur  bie  erftc  Älajfe  erhalt 
ben  Unterrirfjt  im  graHenfpulgebäube  bei  ber  iftrdje,  bie  übri* 
gen  in  ■!DMetr)räumen;  c)  bie  9ccifjfa)ule.  93on  ben  brei  klaffen 
tft  bie  erfic,  in  eine  Knaben  unb  2Ääba)enabtl;eilung  gefonbertc 
nebfi  ber  britten  klaffe  im  9cetßf)cfpitate,  bie  jweite  in  einem 
gemieteten  2ocalc  untergebracht;  d)  bie  9tifolaifa)ule.  Drei 
klaffen  mit  fünf  Abteilungen,  weldjc  ftatmtlid)  im  neuen 
Sctyulgebäufec  am  UircMunc  unterrichtet  werben.  Tiefe  vier 
Sejirfdfa)ulen  jaulen  bemnaa)  gegenwärtig  18  klaffen,  auf  je* 
ber  93ilbung$ftufe  6.  unb  fmb  in  ber  erften  feie  ©efa)lea)ter  ge- 
trennt. Die  fünfte  Spule  ift  feie  in  jwei  Abteilungen  gefon- 
berte  combinirte  SWäbdjenflaffe  ,  beren  erfte  im  9Räbd)enfd>ul- 
gebäube,  bie  zweite  in  einem  sJÄiett)lofale  Unterricht  empfangen; 
feie  fea?£te:  $Bürgerfa)ule  genannt,  be\ttf)t  auä  $wei  klaffen  im 
9ctfolaifa)ulgebäufee  unb  bie  fiebente:  klaffe  für  torperlta)  unb 
geifhg  fa)waa)e  Jtinber,  tft  ebenfalls  in  ben  Räumen  lederen 


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681 


f(t)önen  ©ebäubeS  untergebracht.  (Sin  befonberer  8er)rer  tft  für 
alle  btefe  SBolfdfchulen  alö  ©efangler)rer  befolget.  (Snbe  1849 
waren  in  fammtlictjen  et>angelifcr)en  93olf6fd^ulen  1850  JtinbeT, 
nämlich  930  Knaben  unb  920  Sfläbchen.  Die  fatyoltfcfje  «Bolf«* 
fchule  jd^lte  bei  biefem  Xerrhine  79  Äinber,  b.  r).  32  tönaben 
unb  47  9Jcäbcr/en. 

5.  ,£>anbwerferfcr)ule. 

DaG  93ebürfnijj  fnr  gebrlinge  unb  ©efellen  be£  ^anbwer* 
ferfianbeS  Gelegenheit  $ur  weiteren  &u*bilbung  $n  geben,  würbe 
um  fo  fchleunigcr  f^ierfclbft  befriebtgt,  al$  im  3ar)re  1829  beä* 
halb  eine  flufforbenmg  bei  foniql.  Regierung  \u  Steam^  an 
ben  üJcagifhrat  erging.  51m  7.  3uni  IÖ30  trat  bie  STnftait  in'« 
geben,  wirb  Unterricht  gewährt  in  ber  ÄaUigra^ht«,  JDrtho* 
grapbte  unb  fcbriftlichen  Sbiffäften,  föecf)nen,  Körper*  unb  (5o> 
p\T*$tid)ntn,  (Geometrie  (von  ben  $Öinfeln,  Dreiecfen,  IßitU 
eefen,  vom  Greife),  Stereometrie  ($ri0ma,  (5ubu$,  (Stylinber, 
*]toramibe,  Äegcl  unb  ^uget  mit  Änwenbung  auf  baä  öraf* 
tifdje  geben),  $h*)ftf  unb  SJcecbauif.  2>ie  Anftalt,  unter  Slufjt(r)t 
be$  Ü)ireetor$  ber  Roheren  $Mirgcrfcr)ulc  Urft)  r>on  fünf  ?er)rern 
mit  Unterricht  oerforgt,  i)at  ftetö  viel  Übeilnafyme  ©eiten6  ber 
93etf)eiligten  gefunben.  £>aö  Unterricr)t$lofal  ift  in  ber  6t. 
^nnenfqule. 


IV.  ®tabtifdje  unb  AötttgH$e  ©ebäube  unb 

»ererben. 

1.  ftat^aud. 

2öann  e$  erbaut  ift,  wiffen  wir  nict>t ;  boc^  bürfte  bie 
(Sntftefmng  bejfelben  jebenfallS  in  ba$  erjk  3a^rje^nt  be$ 
14.  3ar)ri}unbert3  fallen,  in  welker  bie  <5tabt  mit  bem 
SWagbeburger  9cecr)t  bewibmet  warb  unb  bie  6elb(tregierung 
ihrer  Angelegenheiten  übernehmen  tonnte.  3m  3-  1377  würbe 
ba*  ftathhauS  umgebaut.  3n  biefem  3ah*c  würben  8  ©r. 
für  eingenfter  ausgegeben  \  ^eter  9caffe  erhielt  6  «Warf  Sohn  für 
bie  (Sifenarbert,  SSetfter  üffialther  11  6chocf  (wahrfcheinlich 
für  3immerarbeit).  gür  Umbeefung  eine«  X^eil^  be$  Dache* 
erhielt  ber  ©djieferbeefer  16  9Karf.   tiefer  Umbau  fcf>etnt  fich 


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682 


meiftenä  auf  ben  Dacfybobeu  unb  ba6  ^£>a^  erfrrerft  ju  r/aben. 
@d  würben  fcchcn  Giebel  gebaut  unb  mit  (£ifen  veranfqrt,  ebenfo 
fed>et  (Srfer.  iluferbem  richtete  man  auf  beut  ftatbhaiife  ein 
Sfyürmrtyen  auf,  wela)e$  (für  9  ÜÄarf)  eine  99efleibung  mit 
brei  (Sentner  ]i\\n  unb  (32  ©dwcf)  äupferbecfung  erhielt 
1378  unb  1379  bauerte  ber  33au  fort,  in  ben  9tatfv8rea)nungen 
fmben  ftd)  Sfuägaben  für  Xreppen,  Xfyore  unb  ©itterfenfter. 
Die  (Dewidjte  jur  Ul)r  würben  1379  von  9)leifter  ^ulfier  ge* 
goffen.  3m  3.  1385  fnftcte  ber  sJcatr;  auf  bem  9iatr)t>aufc 
eine  Capelle  ut  ISfyren  be6  r)eil.  Seidmain'ö  unb  beS  fyeiltgen 
Ä^olit  unb  würben  eine  äett  lang  an  biefem  ©eftifle  n>öa>eut= 
litt)  brei  Steffen  qelefen,  bis  ed  fpäter  in  bte  6t.  ^eteräfirttye 
serfefct  »urbe.  Daä  Ufyrwerf  würbe  im  3-  1386  neu  gear* 
beitet,  ba  e$  vom  SBinbe  jerftört  worben  war;  1390  repartrfe 
^elfter  ^ulfter  bic  ©lotfe  auf  bem  Diatbfjaufe.  1419  mirfc 
bei  eiuem  3ku  im  9tatl)l)aufe  ba$  neue  ($emad),  bie  f leine 
Stube  unb  ©djulfcfammer  erwähnt;  1429  wirb  an  ber  obersten 
unb  nieberen  föatlrsjtube  gearbeitet.  De3gleia)en  werben  $au* 
ten  genannt  bei  ben  Sauren  1431,  1432,  1433,  1446,  1447, 
1451,  1453,  1455,  1472.  3m  3.  1488  würbe  ba*  ©tabt* 
wappeu  bura)  einen  bof)imfa)en  3Öerfmeifter  gefertigt  unb  bei 
bem  Eingänge  jum  föatrj häufe  angebracht.  1492  würbe  ba6 
£f)ürmcr/en  auf  bem  9lat^aufe  ^om  3Mi$e  getroffen.  Die 
3immerleute  $ogen  bie  ©pije  mit  ©eilen  t>om  Ülmrme  berab, 
weil  bad  Tupfer  auf  bem  Dadje  fdjmolj  unb  bie  ©pt$e  in 
33ranb  gerietl).  Die  ©pi&e  fiel  auf  bie  Weinfhibe.  %m  5.  3War$ 
1496  brannten  in  ber  aa)t  ©iebel,  wetfbalb  aud)  auf 

bem  !Hatr)r>aufe  ein  ©a^inbelbaa)  abgetragen  warb.  1509  fing 
man  am  gegenwärtigen  JÄat^t^urme  an  §m  bauen,  1513  fam 
bie  ©pifee  brauf;  gänjlia)  warb  er  im  3.  1516  fcollenbet. 
1525  fctylua.  ber  ©li&  auf  ba3  Xr;ürma)en  am  Dactye  — 
e$  war  bicö  baä  ältere,  ein  Dachreiter,  —  unb  aünbetc; 
baifelbe  gefd>at>  1542  in  ben  großen  Sfjurm  ofjne  weiteren 
©cfjaben.  1534  fäuberte  mau  bad  Wappen  am  $atr/l)aufe, 
1566  würbe  bie  ©djoffen*  ober  £anbel$fuibe,  welche  in  ben 
iKatr>0r>of  ^inauöge^t  üe$igc  ©tabt^auptfaffe)  unb  ber  (Srfer 
gebaut,  1569  ein  anberer  (Srfer  ber  Dtat&eiftube  gegenüber 
beim  großen  ©aale.  1576  ben  brüten  Buguft  würbe  ber  alte 
Änopf  nebft  ber  Wetterfahne  wieber  auf  ben  Xfjurm  gefeftt. 
Um  17.  December  1583  befa)lo$  ber  Xati)  bte  italtetiifc^e  ©tun. 


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# 


683 

I  - 

t 

benjäfjlung  (1 — 24)  abjufdjaffen  unb  bafür  bie  beutfdje  mit  - 
zweimal  jwölf  täglich  einatmeten.  3>en  30.  SÄai  1584  trat 
biete  <§inrid>tting  in'6  geben,  «m  24.  9Rärj  beffelben  3al)rc* 
geigte  ber  llrjrmad)er  Skftian  *#e$fa)  an,  baß  erba*  &Htoma* 
ton  jnr  falben  Sd)laguf)r  fertig  Ijabe.  (Än  ber  Ul)r  ftnbet  ftd> 
nämlid)  ein  ©eftrr;t,  beffen  9(u  genialen  mit  bem  *^enbcl  ber* 
felben  in  93erbinbung  jierjen,  unb  je  nad)  ben  <Sdjroingungen 
redjtS  ober  Hufs  ftd>  bref)en,  ein  9tted)ante*mu$  ber  nod)  beute 
;u  fer/en  ifi).  2)amalä  tft  ftcfterlia)  aud)  fa)on  bie  ,'fogenannte 
Söwenpfetfe  im  ©ange  gewefen.  tiefer  i'oroe  liegt  nod>  jefct 
in  einer  9fiefcr/e  am  9iatf)ätf)nrme  ift  aber  fd)on  feit  längerer 
3ett  ftumm.  (Sr  follte  burd>  fein  5küüen  bie  <5^rtjien{)dt  an 
bie  ^itferfte^ung  erinnern,  (£r  brüllte,  wenn  SReumonb  eintrat 
uno  bie*  fo  gräplia>,  bat*  wer  ba$  ®ebeimni§  ntd)t  farntte  fefyr 
erfcbraf,  fo  baß  grauen  ifyrc  \u  frufje  Weberfunft  auf  ba$ 
Sowenbrütten  Rieben  tonnten.  ü)ed^atb  (würbe  e$  abgeftellr. 
Dtx  9Jced)ani$mu3  gefdjal)  burcf)  3t^c|*  eiue$  5Mafebalge$, 
wie  au*  jwei  Angaben  fyerr>orgef)t.  &m  13.  Slpril  1593  »er* 
befferte  s]Äattbeö  sJJebel  auä  93öf)men  —  ein  jDrgelfefcer  —  bie 
göwenpfeife  auf  bem  9iatr)$tl)urme  mit  einer  $ofaitnc  unb  flei* 
nen  £)ctaoe,  unb  madite  baju  einen  bo  weiten  93Iafebalg;  1598, 
ben  3»  3 uli  würbe  ein  neuer  $lafeba(g  mit  4  pfeifen,  wela)e 
3  £>ctat>en  Ratten,  fyergefteUt.  Jörn  31.  3u(i  1591  würbe  bie 
©etecfytigfeit  mit  Sdjwerbt  unb  SÖaage  auf  eine  fteinerne  @äale 
an  bie  s)?atb  bauet  vevre  gefegt,  fie  wurbe  1619  neu  gemalt, 
vergeltet  unb  tjerftlbert.  Purere  bauten  finb  bei  ben  3ar)ren: 
1584,  1592,  1612,  1616,  1686,  1690,  1698,  1706,  1714  *u 
merfen.  $m  9.  3uli  1742  fcr/litft  ber  $lifc  in  ben  ftatr^au** 
finirm  uub  entjünbete  baö  «ftolawerf,  fo  baß  ber  gattje  obere 
$r/urm  (bi$  an  ba6  Gewölbe  über  ber  ill)r)  abbrannte,  fammt 
ben  ©lotfett,  3**9*™  unb  llfyren.  2)te  ©pifce  fiel  in  ben 
£of  be*  SiatrjljaufeS.  Der  Sffiädjter  in  ber  3ßaa)tfribe  wurbe 
erfdjlagen.  3)en  Neubau  nafym  mau  aläbalb  wieber  t>or.  3m 
3at>re  1846  taufte  bie  <8tabt  bie  frühere  ©arfudje,  ba$  (Set* 
fjauä  Wo.  261.  an  ber  Unter ;£angengaffe,  curcfi  beffen  ?lu6* 
bau  bie  innere  SBerbinbung  mit  bem  alten  ttatb häufe,  gegen* 
wärtig  bie  (Stabroerwaltungfcbureau'd  in  engen  3ufammenbang 
gebraut  finb.  2lm  21.  9tottember  1848  wurbe  »on  ber  ©Arger- 
wefjr  eine  feit  (Snbe  £>ftober  gebaute  «frauptwadje  neben  bem 
SSöeinfcÜer  bejogeit   ©eint  3afyre  1490  fommen  mehrere  So* 


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684 


falnamen  im  alten  9ratr)r)aufe  vor.  grüfyer  ift  von  einer  libe- 
raria  (watyrfdjeinlicr)  bie  alte  #an|lei)  bie  9fcebe.  1490  werben 
folgenbe  Zäunte  genannt  :  bie'  f leine  ©tube,  ber  Saal,  bie 
©djlofiftube  (fonfr  aud)  jtönigflfiube),  ber  ©aal  vor  ber  ©djlofc 
flube,  ber  $of,  ber  ©ang  vor  ber  alten  föatfySfrube,  ber  ©ang 
vor  ber  Diencrftube,  ber  ®ang  vor  ber  3Jcünje,  bie  SBetnftabe. 
Da$  praetorium,  weldjeö  oft  vorforamt  ift  bie  ?TKatf)Sfeftton$ftube. 

©efjen  wir  nun  ju  ben  !K&um(tcfyfeiten  be$  gegenwärtigen 
?Ratl)r)aufe0  über,  weldjeä  wir  im  ©anjen  mit  bem  ^>a«fc 
9lo.  261.  begreifen,  fo  finb  auf  bie  SBrübergaffe  ju  im  (jfrbge- 
fdjofj  mehrere  8<tben,  auf  bem  Untermarft:  ber  3ÖetnfcÜer, 
bie  ©tabtl)auptwad)e,  eine  befonbere  Xreppe  nad)  bem  ©tabt* 
verorbnetenfaat  (für  bie  3nf)6rer)  unb  ber  9tatf)$fan$lei,  mehrere 
Wben ,  in  ber  Unterlangengaffe  ber  (Singaug  mm  ^otyet'bureau. 

3m  erften  ©tod  führt  von  ber  großen  treppe  eine  Xfyür 
burd)  ben  großen  Saal  nad)  ber  ©tabtfjauptfaffe,  irjrer  £bnre 
gegenüber  in  ein  $eratr)ung6)immer  für  Deputationen,  ©ehr 
man  burd)  ben  ©aal  jurütf,  fo  ijt  lutfer  «£>anb  ber  Eingang 
jur  Diener*,  uub  Durchgang  *ur  föatfyatefnouöftHbe.  Cfal  ber 
Dienerftube  fü^rt  eineÜtyVr  nad)  bem  ©tabtvcrorbneteu-©ifcungS* 
faale.  9led)iä  vor  ber  Dienerftube  jtnb  ©emädjer  $u  Deputa- 
tionen, unmittelbar  redjtä  beim  Aufgange  ber  9Ratr)l)au$rreppe 
füf)rt  eine  ftetnerne  Xreppe  jur  sD?ilid)'fc^en  S3ibliotl)ef  unb  jura 
*Ratf)$tf)urme,  von  weldjem  eine  fer)r  fdjone  8u$fid)t  ift.  Un* 
mittelbar  über  bem  3BeinfeÜer  Hnb  ber  £auptwad)e  befinben 
ftdj  bie  älteften  Rapiere  ber  9tatl)$fanjlei,  welche  einen  ©tod 
rjöfyer  über  biefejn  Raunte,  in  $erbmbung  mit  bem  Sofale  beö 
©tabrfefretariatd  (in  welchem  wohlverwahrt  in  ©djranfen  ba$ 
Sfrc^tv  ftd)  befinbet),  unb  burd)  eine  ^oljtreppe  mit  ber  Die* 
nerftube  unb  bem  ©tabtverorbnetenfaale.  (Gegenüber  ber  Natb* 
fandet  füfyrt  eine  Xl)üre  nach  t>em  Bureau,  be$  ©tabtratf)* 
für  bie  ^oli^ei  unb  buS  *Polijeifefretariat  im  $aufe  9fro.  261. 
^luf  einem  (Sorribor  mit  bemfelben  ift  bie  Sergeanten*© tube, 
baä  *ßa(jburean,  eine  treppe  fjöljer  ba$  ©ervidamt.  3m  un< 
tern  9taume  be*  £aufe$  ^c.  261.  wor)nt  ber  Jtafteöan.  9Reh* 
rere  anbere  3intmer  unb  9ldume  bafelbft  werben  m  Depot«* 
tiondjimmern,  Weberlagen  ic.  benufct. 

2.  AäntgL  JtreiflgericH 
£at  am  Untermarfte  in  einem  ber  ©tabt  gehörigen  ©e* 


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685 

■ 


bdube  gegenwärtig  fämmtlidje  Sofalitäten  jur  Sterbe  ttxne. 
Xas  ©ebdube  ftefyt  auf  bemfelben  *ßla$e  wo  früher  ba6  alte 
Jt aufhaue  ftanb,  welches  im  3.  13Ü1  erwähnt  wirb.  Xas  ge* 
genwärtige  ©ebdube  ift  1706  gebaut  unb  feübem  unter  bem 
Tanten:  93örfe,  (Sommifftoneljauä  befannt  gewefen.  Xie  1784 
im  oberen  (Stocfwerfe  aufgehellte  ^talidnehe  ©ibliotfyef  würbe 
1824  auf  ba$  9taü)f)au$  gebracht  unb  bem  fönigl.  ganbgeridjt 
ba$  ©ebdube  eingeräumt.  Xte  nod)  ju  anberen  3weden  ver- 
wendeten [Räume  be$  ©ebäubed  würben  1849  bem  am  1.  Styril 
in'3  Beben  tretenben  neuen  Jtreiögerid)te  t>oÜ(tänbig  übergeben. 
2)er  (£  aal  für  bie  öffentlichen  (Sifcungen  ift  im  2.  ©toefe  be$ 
©ebdube*,  beim  £inaufgange  linier  ^anb. 

-    3.  6tabtwaage. 

$>iefe$  (Scffjaufl  am  Untermarfte  würbe  1453  gebaut,  wenn* 
gleicr;  fcfjon  feit  1411  bie  Sföaage  an  biefer  8  teile  gewefen  fein 
mag.  1606  warb  ber  Umbau  bed  auf  brei  Stotf  erhöhten 
©ebäubeä  ttoflenbet.  1836  würbe  ba$  ©ebdube  frifer)  abgepufct. 
9(uf?er  bem  SUctyungdamt  befinben  ftd)  in  biefem  ©ebdube  bad 
£ofal  be$  ®ewerbe*93erem$,  bejfen  93ibliotr/ef  gleidjfafifl  &ier 
aufgehellt  ift,  unb  ber  ©ewerbe^rüfung^Gommiffion.  —  2)a$ 
Gomptoir  be$  *ßädjter$  ber  Stabtwaage  Kaufmann  gifdjer  ift 
linfe  jur  ebenen  ßrbe. 

4.  $>er  SRarftall. 

X)aä  $au$:  9connengajfe  9co.  70/71  wirb  erft  in  ben 
€>tabtbüdjern  beim  3afyre  1472  erwähnt;  baö  gegenwärtige  @e* 
bdube  ift  1752  errietet,  grüner  war  aud)  ein  9ttarftalt  in 
ber  Sangengajfe.  3n  ben  älteren  $t\tcn  geborten  bie  im  vJWar- 
ftatt  gehaltenen  s$ferbe,  meiftenö  iReitpferbe,  ber  «Srabt  unb 
mußten  utm  X teufte  beä  fonigl.  ©ericr/tä  unb  ceö  Statfyeä  ftet$ 
bereit  gehalten  werben,  ©egenwärtig  tu  bad  ©ebdube  an  einen 
VohiifuttdKi  verpaßtet,  welker  zufällig  weil  er  ben  niebrig* 
ften  *|kete  bei  aufgetriebener  (toneurrenj  für  ftäbtifdje  8ul)* 
ren  fefcte,  foldje  abjuleifteu  l)at.  SÖefonbere  93orrecr)te  ftnb 
mit  bem  ©ebdube  nicfjt  i>erfiiüpft. 

5.  $a$  Sal$r)au6.  ' 

Xiefeä  ©ebdube  ftefyt  auf  bem  £)bermarfte,  würbe  im  3. 
1407  begonnen  unb  erft  1470  im  Sau  twllenbet.   Unten  ift 


ein  ftarfeä  ®ewölbe,  worin  früher  aüe  9)carfttage  Salj  W 
fauft  würbe.  9(uf  beiben  Seiten  fuhren  ft einem e  Xreppen  auf 
einen  geräumigen  (Baal,  in  bem  $wr  3a!)rmarft$$eit  fowcM  bie 
etntyetmifcfcen  a!6  fremben  Imtmadm  feil  galten,  größer  würbe 
baä  ,£>aud  audj,  wenn  ber  9iatl)  bei*  5burgerfd>aft  ein  SBergni 
gen  bereiten  wollte  tale  öffentfütyer  üanjfaal,  bcdgleidjcn  an 
Wuffüfyrung  von  Übeaterftütfen ,  1813  al6  W^avetb  benu$t. 
$fuf  bem  93oben  barüber,  ber  früher  alö  <&etrriba'(tyttrtboben 
unb  Sftagagin  angewenbet  würbe,  befanb  jid)  bte  kbi  bad  3.e*8* 
band  für  bie  gärlifcer  ganbwefyr  ^fca&aUeric  (£$fabrou  unb  bad 
^rtnuiMial  Vaiimreln  <- Bataillon ,  roeld)eei  nun  uaefc  bem  um- 
gebauten  tfatfertruft  verlegt  »erben  foll. 

6.  Da*  64te$(au«.  * 

Der  $la$  bed  Sdjiettyaufeä  an  bei*  5Äei(je,  beffen  llmcje  ■ 
bung  bei  £d)iefjfefteu  bnrdj  bie  neuetbingä  angelegten  Xerraffen 
fefyr  »erbejfert  Horben  ift,  warb  erft  tut  X  1531  burd)  ein  fycU 
uuncv  Sdnejjfyaue  aufgefüllt.  3m  14,  3atyvljunbert  war  ein 
Sdjiepfjauö  im  ^wingei  :  ^iclftait  (czelstat)  aud)  3Mibenfyaud 
(blydenbwse)  genannt.  Da$  £ol$gebäube  warb  1544  unter* 
mauert.  3n  ber  Seiagenmg  von  1641  war  baö  Sdjiepbauä 
von  ben  Belagerern  fo  zugerichtet  werben",  baß  ein  Neubau 
nöttjig  warb.  Diefer  würbe  1651  begonnen  unb  im  folgenben 
Sommer  beenbet.  Daä  1726  abgebrannte  ©ebäube  würbe 
1728  unb  1729  wieber  aufgebaut  unb  |War  fo  wie  baffelbe 
ftdj  gegenwärtig  nod)  präfentirt.  Seit  ber  3fit  fab  nnr  tat 
3nnern  einige  Reparaturen  unb  SlbänberHngen  vorgenommen 
werben.  —  Da$  im  3.  1849  al*  Sctyeföau*  außer  Betrieb 
gefegte  3wingerfd)üfcenl)auS  am  giaueutl)uvme  flammt  aud 
bem  3af>re  1587. 

7.  unb  8.  Der  ^acffyof  unb  baS  Theater. 

lieber  betbc  ©etulube  ftnb  wir  gegenwärtig,  wo  foletye  nodj 
im  Bau  begriffen,  nidjt  vermögenb  erwaä  9Mfyere$  pt  fagen. 
Der  Bau  beS  ^acfjjofgebäubeS  (weldjeö  rirca  10,000  (£tr.  tri* 
fen  fofl),  würbe  am  28.  September  1849,  unb  ber  be$  auf  800 
äpfämtt  beregneten  XfjeaterS  am  1.  SRärj  b.  3.  von  ben 
Stabtoerorbneten  befdjlojfen. 

9.  Da$  SBaifenfyauä. 
Wm  6.  September  1712  mad)te  ber  Burgermeiper  Samitel 

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I 


687 


Jfciorr  von  ftofenroth  ben  <Borfchlag  ein  Sfrmen*,  ffiatfen*  unb 
3u(^t^au^  ja  errieten.  Da  man  Htn  Littel  baju  verlegen 
war,  errichtete  man  unter  lanfce$f)errltcf;er  (Genehmigung  eine 
Lotterie,  welche  jeboch  nur  355  Xtyx.  8  6gr.  4  $f.  einbrachte, 
welker  gonbö  burch  milbe  Beiträge  vermehrt  warbe,  wenngleich 
biefe  wegen  ber  6tabtbränbe  von  1717  unb  1726  nur  fpär* 
Uch  eingingen.  9hn  23.  3uni  1727  legte  man  ben  Önmbfreitt 
:,n  bem  gegenwärtigen  an  bie  8nnenftrchc  anjtopenben  ©ebäube, 
im  «£>erbft  1728  waren  bie  vier  6tocfwerfe  in  bie  $öhe,  unb 
ben  23.  December  1728  ba$  Dacn  völlig  mit  Regeln  gebeeft. 
Daä  £aud  ift  100  gu£  lang,  45  gu§  tief  unb  bi*  jum  Dach 
56  gn£  h«*-  9?achbem  bie  nöthigen  ^erfonen  befteUt  waren, 
erfolgte  am.  31.  3anuat  1731  bie  Eröffnung  ber  «nfialt  mit 
13  Sßaifen.  Später  ftieg  bie  3al)l  auweilen  biö  auf  50  Miiu 
ber,  welche  mit  anberen  armen  Äinbern  zugleich  Untcrrt^t  ge- 
nießen. Der  2lbminiftrator  ift  zugleich  Sefjrer  au  biefer  mit 
ber  Vlnnenfcfcule  verbunbenen  Slnftalt.  Söefonbete  SBerbtenfte 
um  bie  gorberung  ber  jungen  8lnjtalt  erwarb  jt<h  ber  *ßrima* 
riuä  Stul^ef.  ©in  SCbminljtrator,  ei»  Söaifenvater  unb  eine 
2Batfenmutter  flehen  bem  3n(titut  unter  ^uffict/t  beä  $Nagtfitrat$ 
vor.  —  S3ei  biefer  Slnjialt  beftnbet  ftet;  auch  ba*  jtäbrifche  ^o* 
lijei^efdngnif. 

10.  93efferung$*2htftalt  beä  Oberlauf.  Vereine*  für 
fittlid)  verwahrlofte  JUnber. 

Diefe  Slnftalt  beftnbet  ftet)  vor  bem  laubaner  $h*>rc  Auf 
ber  fogenannten  neuen  Scrjanje.  Der  verdorbene  £anbeö*5fel* 
tefte  ber  Dbcrlaiifty  v.  Derlen  auf  (£ollm  bei  9tte$fv,  brachte 
bie  3bee  jur  ©rünbung  einer  folcr/en  im  3.  1835  auf  bem 
im  November  abgehaltenen  «ftommunadaubtage  \nx  8prad)e 
unb  fanb  fo  viel  9lnflang,  ba(j  noch  währeub  bec3  Sanbtag*  eine 
Subfcription  ba;u  erfolgte.  d$  bilbete  ich  cht  herein,  in 
beffen  Styungen  vom  5.  unb  27.  3<tn.  1836  bie  Statuten 
feftgefteüt  würben.  1  tr  Anfang  würbe  mit  7  «ftuabeu  gemacht, 
welche  bamalö  im  £aufe  ber  3jfcl)lerwfttwe  ^perrig^ut  sKci  - 
chenbach  untergebracht  würben.  3hrcm  ©efe^dft  ftanb 
ber  Zi fehler  Steffel  vor.  (Sr  führte  zugleich  mit  bem  Lehrer 
deiche  unb  bem  DiafonuS  SHarfch  bafelbft  bie  $lufftd)t.  Der 
erjte  ^ii^utupbcridu  erfolgte  am  18.  "sunt  1837.  Unter  bem 
15.  mi  1838  nahm  ©e.  JTönigl.  £oheü  ^rinj  Wilhelm 


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68B 


von  *ßreufien,  Dfyeim  Sr.  Sttaj.  be$  Jtonigö  ba$  *ßroteftorat 
über  bie  Hnftatt  an.  2)amalä  mürben  9  Knaben  bort  evhaU 
ten.  3m  3.  1841  befcfjloji  man  bie  Vinmilt  von  Welkenbach 
nad)  ©örli$  \\\  verlegen  unb  baute  auf  ber  fogenannten  neuen 
@d>an^e  vor  bem  laubaner  5^l>orc  einbaue),  weldjeS  am  2.  9Wai 
1842  in  ©egenwart  einer  aatylretdjen  'üBerfammlung  turcb  eine 
2ßeil)erebe  beä  (supertntenbenten  $rim.  Dr.  kopier  eröffnet 
würbe.  $)er  Sau  biefefl  ^aufe6,  welcher  burd)  mehrere  be* 
beutenbe  Beiträge  rrmöglidjt  würbe,  foftete  2143  Xblr.  24<Sgr. 
lö*ßf.  3"m  SSorjianbe  gehören  ber  Sanbeäältefte  ©raf  v.  £öben 
aHf  Weber^ubeldborf,  ber  <£>ofratf)  v.  £>ctmi$  auf  J?önig$r)atn, 
8anbfynbifu$  3uftijratt)  (Sättig,  üßrebiger  fjergefell  unb  2anb* 
föafMftmbifut  3uftüratl)  v.  ®tepf>am>  au  ©örlifc. 


©egenwärtig  im  neuen  fBolfdfdmlfyaufe  auf  bem  Wfolai- 
viertel.  *2)iefelbe  würbe  am  11.  November  1844  eröffnet.  1>ie 
@röffnung$rebe  fyielt  ber  £>iafonu$  ^ergefcll ,  worauf  bie  SBer* 
pflidrtung  ber  Starßefyerin  ber  Bnftalt,  ber  grau  v))jei>cr  geb. 
Stiller  buref)  beu  £)berburgermeifüer  Xemiani  erfolgte.  »  $)ie 
3fn$at)l  ber  Äinber  betrug  1844:  24.  $ux  3eil  ift  5$orftefyerin 
tiefer  nu$ltd)en  Staffelt  bie  verwittwete  grau  £)berleljrcr  ihröfjne. 
£iefe  &nftalt  l)at  fcd>  6eitenä  ber  armen  (Altern,  weldje,  auf  Sir- 
beit  gefyenb,  oft  ifyre  Jtinber  mit  grojjen  borgen  aufftdjtSloä  laffen 
muffen,  einer  ftets  ßetgenben  XtycKnaljme  $u  erfreuen  gehabt. 


(sinb  in  bem  ©arten  beö  3afob$l;»ofpital$  vor  bem  grauen* 
tt)or  errichtet.  ?lujjer  ben  3^9^ngen  beö  ©vmnafmmd  unb  ber 
fyöbereu  33ürgerfc*l)ule ,  befommen  aud)  bie  <©d>ölerinnen  ber 
9.VäMH'nfdnile  unb  s$olfdfcr)ulen ,  fowie  bie  2Baifenfinber  auf 
jenem  Sßlafce  Unterrid)t  im  turnen.  $m  6.  SDfai  1847  würbe 
ber  fdjöne  "jUaR,  auf  we(d)em  neben  ben  Surngerätfyen  am1> 
für  bie  jüngeren  <Sd)üler  Wafenpläfye  uim  spielen  fmb,  roter 
lid)  eingeweiht.  3nt  3-  1848  würbe  |um  Stirnen  bei  unfreunb* 
lidjer  Witterung  von  ber  6tabt  nach  bem  ^ofpital  mit  ber 
W  ücf  fr  out  gu  eine  2  um  balle  erbaut,  wcUfye  groji  gnma  ift  um 
{leben  Wiegen  ju  gleicher  $tit  bie  30?öglirt)feit  bed  Surnenä 
IVL  aeftarten.  Vlm  27.  ftuguft  1848,  fanb  auf  bem  *ßla$e  ein 
feiroM  Schauturnen  von  allen  Schulen,  fowie  ben  SWitgliebern 


11.  iUeinfinberbewafyranftalt. 


12.  Xurnplafc  unb  Surnljalle. 


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6#t 


bef  Zum*  unb  fXetmng$verem*  in  Ötörlifc  flott,  ju  benen  ftcf> 
viel  auswärtige  Turner  gefedt  hatten. 

.   13.  $al  <stänbehau$. 

Diefeö  Hilter  bem  9Jatnen:  ©d)lo^en,  Sanbfyaud,  Mannte 
bei  ber  Jßetetdfirdjc  312 a.  unb  btr  fönigl.  ctrafanftalt  liegenbe 
y>aiu\  in  welchem  bie  ©ifcungen  beä  Oberlauf.  Jtommunallanbta* 
ged  abschalten  werben,  gebort  raitju  ben  aUt]ten  3iebelbofen  ber 
©tabt,  unb  war  urfprüuglid)  ein  diitterjty  •  bei  ber  ©arg.  3n 
unbefannter  Seit  tarn  ba#  «ftauä  in  ben  33eity  be#  $athe$, 
welcher  abftdjtlid)  afle  ©iebeTfjäfe  auf  ber  ehemaligen  33urg* 
frei h ei t  auffanftc,  um  Gittern  ben  9ßol>nfi$  in  ber  Stabt  \u 
t>cr(etb€ti.  3m  3.  1565  verfaufte  e$  ber  9tath  bem  bitter 
3afob  v.  £aag,  nad)bem  fciefer  verfprödjeu  feineu  befonberen 
(*>ertchtdftanb  für  fidj  beanspruchen,  fonbern  nur  unter  ber 
6tabt  ®erid)t  al$"ü)m  in  ÖJörliö  juftänbia  fteljen  ;u  motten. 
3m  3-  16(19  faufte  c$  ber  jKatl)  für  1100  Xt)lr.  von  £iob 
v.  (Salsa  unb  verfaufte  e<3  im  3-  1811  an  bie  ^aubftdnbe 
ber  £>berlauftfr  um  3000  Ühlr.,  welche,  wie  oben  gefagt,  noch 
heute  im  Seftye  brefeö  mehrfach  rcftauriiten  ®ebäubc$  fmb. 

14.  $>a$  SanD'6teuer^4mt. 

Die  Surcau'ö  beffelben  befinben  fid)  im  erfteu  Storfe  btö 
gleichfalls  ben  oberlau ftyifcfycn  ©täuben  gehörigen  $aufc$  JH* 
folaigaffe  9to.  293.  3m  jweiten  ©toefe  bfefed  @ebäube#  r)at 
ber  ftmbfvnbifuö  unb  8aiftffeuer;©efretär  feine  Amtswohnung. 

v  15.  Da*  fönigl.  ,£>aupt*©teHer'$mt. 

3jt  feit  feiner  Verlegung  von  9teid)enbad)  md)  ©ör* 
lifc  im  3-  1835,  in  bem  vom  $i$fu$  erfauften  Söierlbofe 
Dbermarft  9co.  131.  Die  SkrcauS  fmb  fämmtlidj  im  Gib* 
gefchojj  be$  frönen  ©ebäubeS,  welcr)e£3  im  Kriege  von  1813 
einem  $errn  v.  9Roftt$  gehörte  unb  in  beffen  dauern  mehr* 
malS  ber  Jtatfer  Napoleon  auf  ben  vielfachen  Durchreifen  in 
©örlifc,  aud)  ber  Äaifer  Slleranber  von  9cufjlanb  weilte.  3m 
erften  ©toefe  ift  bie  Amtswohnung  beS  f.  ©teHcrrathS  unb 
im  ^weiten  bie  beS  £aupt Steuer  -AmtSrenbantcn.  —  Daö 
©ureau  beS  tfreiS*©  teuer- Amts  Ifh  ^etcrSgaffe  sJco.  278.,  bae 
Der  fönigt.  ©aljfaftorei:  ^eterSgaffc  Wo.  313.   

OeftiWe  ton  &öx\it.  44 

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690 


16.  tföntgf.  $oft<(5omptoir. 

,  Die  SÖürcau'S  beffelben  beftnben  ftd)  §ug(ctcf)  mit  ber 
*ßoftyalterei  in  einem  gemieteten  ^rtoat^aufe:  *ßeterdgaffe 
9to.  216.  Die  ^oft  war  früher  in  bem  je&t  ber  Dberl.  ©e- 
fellfcfyaft  ber  Söiffenfctyaften  gehörigen  £aufe:  9leifjgaffe  354. 

17.  Jtonfgl.  £anbratfy'Ämt. 

3f*  im  erften  @totf  be*  £aufe* :  Unterlangengaffe  9?o.  227. 
in  einem  5flietf)lofaie. 

18.  £rei*;@ericr)t$*@efängni0. 

3n  ben  ältefren  ßeiten  waren  bie  gewöhnlichen  6rabt' 
©efängntffe  Zäunte  in  ben  Stürmen  unb  fcmmt  ein  befontnee 
©efängnifi  nur  nod>  unter  bem  Sludbrucfe  groljnfefte  unb  93üt* 
telei  »or.  Diefe  befanb  fich  foweif  bie  9?a$ri<*?ten  reiben 
immer  im  £intergebäube  be*  Äaufeä  gifc^marft  9to.  63  a., 
war  jeboch  t?on  bem  befreffenben  $orberl)aufe  burdj  eine  9)?auer, 
welche  ungefähr  bie  9Kitte  be$  gegenwärtigen  £ofe6  berührte, 

Sefc^ieben.  Der  ßwgang  8wm  ©efäugnip  fanb  &war  aud)  vom 
ifdjmarfte  au$,  jebocr)  burdj  eine  famole  ©äffe  an  bem  £aufe~: 
gifömarft  9fo.  64.  ftatt.  3n  ben  Gasrechnungen  beim 
3al)re  1377  werben  captivi  ad  cippum  erwähnt,  1391  baS 
©efängnip:  ber  6tocf;  1397,  1401  uitb  1413  würbe  an  ber 
©üttelei  gebaut.  S3ei  biefem  ©efängniffe  befanb  ftch  mit  einu 
gen  wenigen  3afyren  Kuänahme,  währenb  welker  ber  Scharf* 
rtc^ter  beim  gtnfterthore  wohnte,  biö  3um~3ahre  1601  bie 
ed)arfrid)tcrei.  6eit  ber  3eit  war  bie  6djarfricf}terei  beftäit' 
big  in  ber  iRifolaivorftabt.  Die  Rüttelet  •  würbe  im  3.  1589 
»öllig  umgebaut.  3m  3.  1817  brannte  ba*  93orberhau* 
9?o.  63a.  ab,  würbe  neugebaut,  1822  vom  gtäfuS  angefauft 
unb  im  (September  1823  belogen.  93tö  jum  1.  Sfyril  1849 
führte  bad  £au$  ben  tarnen:  3nquifitoriat. 

19.  tfonigl.  ©trafanflalt  (früher  ber  «oigtdfjof). 

(Steht  hart  au  ber  *Peteräfird)e,  wo  früher  bie  59urg  ©örli& 
war.  lieber  bie  frühere  ©eftalt  unb  (Einrichtung  iß  nichts 
33efonbere$  auf  un$  gefomraen.  Die  ©ebäube  würben  1456 
burch  53ranb  jerftort  unb  blieben  ttiele  3ahre  wuft  liegen,  bi$ 
Jtaifer  SWarimilian  11.  unterm  10.  Sluguft  1567  ber  StaM  ©or* 

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691 

(ift  ben  *J5lafr  überlief  mit  ber  (Srlaubnif  bort  ein  Schutt*  unb 
93{a(^aud  anjul:gen,  jebod)  unter  ber  Sebinguncj  einen  X^etC 
be*  ©ebäubefl  gur  Bbtyaltung  be$  2anb*  unb  £ofgeridjt$  unb 
ber  ftäbtifdjen  Verfammlungen  etnsuridjren  unb  gegen  Sfcütfer* 
ftattung  ber  aufgelegten  Soften  au  bie  faiferl.  Verwaltung  ju* 
rücfjugeben.  ©o  blieb  e$  benn  bei  ber  ©tabt  bi$  im  3- 1810 
bie  ©täube  ber  Oberlaufs  bie  SBiebereinlofung  befd)loffen  um 
bort  ein  3wWauö  anzulegen. 

$a$u  beabjtdjtigte  man  audj  bie  bamalige  ©tynbifatöwol)* 
mma,  ba*  foaenamite  ©djlöjjcfyeit  ju  aiefyen,  weldjee  im  3. 
1609  ber  »ati>  *u  ©örlifr  von  £iob ©alja  für  MOOStjlr. 
getauft  fyatte. 

9Wan  vereinigte  ftd)  fpät,  ba  bie  Vauredjnungeii  tfyetlweife 
festen,  bis  auf  bie  ©umme  von  9900  JXr)lr.  Ihn  16. 3anuar 
1811  würbe  ber  Voigtdfyof  nebft  bent  3twn9er  biä  511m 
^tfotaitfyor  unb  bem  ©cfylofcben  ben  ©täuben  ber  JDberlaujty 
übergeben.  $)a$  £au$  fonnte  wegen  beä  j?riege$  nid)t  aud* 
gebaut  werben  unb  war  aud)  im  3-  1826  nod)  nid)t  fertig 
a(ö  bie  tfohigf,  Regierung  iu  Siegnifc  Slnfprucr)  barauf  machte 
l)ier  eine  fönigl.  ©trafa'ujialt  anzulegen ,  we^)alb  ber  $Ragi* 
ftrat  aufgefordert  würbe  fein  vorbel)altened  Vorfauf$red/t  in 
«£>infid)t  be$  3^ingerd  aufzugeben.  3)fc  Qonunun  tfyat  bied 
unter  fcen  $3ebinguugen,  baf  jte  von  ber  Verpflichtung,  bie 
dauern  am  Kraben  unD  3w"l9cr  l(nb  beim  Anfange  beö  Wi* 
fotaitfyord  im  ©tanbe  $11  galten,  entbunben  werbe.  2>er  Qiffud 
bejar)(te  an  bie  ©tänbe  25,000  ^f>Ir.  wofür  fte  ber  Regierung 
bad  Qkbäube  überliefen,  jebod)  ba$  ©djlöfdjen  al$  if)r  ©igen* 
tfyum  befamen,  um  von  nun  an  bort  il)re  ßanbtage*©ifcungen 
$u  galten.  5>iefer  tfauffontvaft  warb  abgefcrjloffen  gu  llegnifc 
fcen  14/  2>eceutber  1826.  Uebrigenä  entfpaun  ftcf>  nod)  ein 
©rreit  jwifcfjen  ben  ©täuben,  ber  Regierung  $u  2iegni&  unb 
ber  ©tabt,  welche  nicfyt  gutwillig  bem  Verlauf  beä  ©ebäuoeS 
beitreten  wollte*).  3)aö  ©ebäube  würbe  nun  belogen  unb  ent* 
f>alt  $aura  für  circa  700  ©träflinge.  brannte  am  28. 
Mai  1848  ber  nörblidje  Xfjeil  bi$  auf  ba$  erfte  ©torfwerf 
gänjüdj  ab.  2lm~7.  November  beffelben  3^l)red  brannte  wie* 
berum  ber  eine  glügel  ber  ©trafanftalt  am  ©djlojjdjen,  wel* 


•)  9Ufo  gang  entgegfngcftfet  ber  «nfidjt,  bafc  bamal*  bie  Aemmutic 
W  tyw  9te$te  auf  ba*  @cb»iube  torfdjtwll  begeben  t)ätU. 

44*  v 

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692 


d)tt  ©ebdube  nur  burd)  bie  f>ol>en  geuergiebel  vor  ber  3erfi6^ 
rung  bewahrt  wurbe. 

20.  $ic  9teißbrürfe. 

$ie  Srfirfe  geborte  unzweifelhaft  mit  ;u  ben  älteften  ffn* 
lagen.  $>a  bic  &rütfe  immer  von  £ol$,  niemals  von  Stein 
war,  wurbe  fie  vielmal  vom  Söaffet  völlig  weggeriffen.  5te 
fannt  finb  auä  ben  9Ratf)$red}nungen  folgenbe  3aln*e:  1315, 
1316,  1432,  1434,  1441.  bauten  Hnb  BuSbefferungen  wtjfen 
wir  au«  ben  3al)ren  1379,  1388,  1392,  1398  (in  bem  3«W 
fling  bie  93rücfe  tt>ar>rfd>etnlt<^  wegen  be$  £ßjfoßerd  weldjee  bar* 
auf  gelegt  war,  von  etnanber),  1399,  1441,  1525  (weil  fie 
beim  S$ranbe  faft  ganj  vernietet  war);  1537,  1545,  1547, 
1576,  1587,  1615,  1621  (am  18.  3nli  früf>  brad)  ba*  Wu 
teljod)  ein  unb  fiel  fammt  8  ^erfonen,  bem  £)bertf>eile,  3ftad* 
badje  nnb  einem  Diingerwagen  in  bie  9leiße),  1641,  1642, 
1659,  1662  (weil  einige  3od)e  eingefallen  waren),  1745  (weil 
am  15.  3uli  baä  Ü)ad)  vom  Sturmwinbe  abgeworfen  war), 
1746  unb  1747  <baute  man  bie  Srutfe  oljne  $)atf)),  1774 
(ganj  neu  unb  mit  Dad>).  3>en  23.  $Rai  1813  würbe  bie 
93rtitfe  von  ben  retirlrenben  Muffen  angejünbet,  aber  in  fnr$er 
3eit  burd)  bie  franjöjtfdjen  3ngenieure  wieber  fyergeftellt,  ba 
bie  3wfye  fkfyen  geblieben  waren;  beu  1.  September  1813  würbe 
auf  3Äafoonalb$  ©efefjl  von  ben  retirirenben  granjofen  bie 
Erliefe  abermals  niebergebratmt.  Seit  ber  3eit  i|t  viel  an  ifyr 
geflirft,  eine  projectirte  neue  fteinerne  53rü(fe  aber  nod)  nidjt 
in  Angriff  genommen  worben. 

21.  2)aö  jRent^aud. 

3)iefe$  am  *Peter$fird?enplan  gelegene  alte  ©ebäube,  in 
weld)em  jefct  ba$  3*ugf)<w$  beS  ®arbe*8anbwel)r*  unb  be£ 
7.  3wrbataillon8  ift,  t>at  f<fyon  viele  Söeftimmunqen  gehabt. 
3m  Stabtbudje  (von  1305)  ift  beim  3afae  1330  vom  ffiafo« 
fyaufe  mit  einer  ^ofeftatt  bie  SRebe,  b.  f).  ber  bitter  weldjem 
bie,  9htfenngen  ber  2Öaibnieberlage  jugefvrodjen  waren,  fydtt« 
foldje  in  feinem  Siebelfyofe.  (Einige  3äf)r$el)nte  barauf,  naefc* 
bem  ber  *Ratl)  ben  Siebel^of  an  fid)  gebraut,  fyatte  man  t>it 
Sdjule  bort  eingerichtet,  bauten  an  ber  Schule  werben  in 
ben  3af)ren  1376,  1377,  1387  unb  1428  (bamal*  machte 
v  man  ©djiejjfdjarten)  erwähnt.   fSon  bort  würbe  bie  Schule  in 


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 693_ 

•       •  • 


ba$  ncugebante  £auö:  an  ber  *peter#ird)e  309  verlegt,  unb 
ruep  feitbem:  alte  ©cr)ule.  2lber  aud)  le(jtereä  ©ebäube  juerft 
jum  Unterfdjiebe  t>on  jenem:  neue  Sd)u(e  genannt,  würbe  jur: 
alten  6djule,  alä  bie  €kr)ule  1565  in  bad  Jtlofter  ser* 
legt  war.  3)ar)er  bie  Verwirrung  in  53ejua  auf  biefe  ®c- 
bdube.  1578  würben  bie  (Srfer  naa)  bcr  kreiße  abgetragen 
unb  1584  ber  alte  ©iebel  bunt)  einen  neuen  erfefct. 

22.  äaifertrufc. 

2o  fyeijjt  baS  runbe  ©ebäube  auf  bem  Demianiplafce, 
weldjcfr  früher  umgeben  war  Den  einem  großen  unb  tiefen 
Kraben,  mit  ftorfen  $ebenaebäuben  neben  einem  fel)r  feften  3ir)ore 
t)erfef>en,  al6  ein  Äauptfeftungöwerf  ber  Stabt  galt  ©eine 
dauern  naa)  bem  Xo>fertr;ore  $u  ftnb  c.  7%  dllen  bi(f.  3m 
3.  1490  würbe  bie  99aftei  gebaut.  3eber  53ürger  im  Verhält* 
iiis  ju  feiner  Vefajäftiguitfl,  jeber  €tabtgärrner,  unb  bie  ^au 
ern  auö  ben  ftdbtifa)en  Dörfern  mußten  cntweber  felbft  einen 
lag  baran  arbeiten  ober  für  ihr  Welt?  einen  'Xagclöfjner  ftcdtn, 
um  ben  !©oben  ju  wlaben.  $luf  ber  ©teile,  wo  jefct  ber  $e* 
mianiplafc  ift,  gwtfd)en  ber  ©tabt,  ftanben  viele  Sa)eunen,  welche 
in  jeuer  .Vir  abgebrochen  unb  in'ä  greie  gebaut  würben,  X  ic 
©ctjeuneu  jUmbeii  in  ber  Xiefe  unb  würbe  ber  ©runb  mit  ber 
ausgegrabenen  (Srbe  aufgefüllt.  $}ei  ber  Belagerung,  im  3. 
1641  war  befonberä  biefeä  geftungSwerf  uneinnehmbar,  weö* 
r>alb  ber  fa)webifa)c  Oberft  SOBantfe  eö  höbneut:  „Äatfcrtruö" 
taufte.  3m  3.  1848  würbe  wegen  Sftafyrungdloftgfeit  vieler 
Arbeiter  bie  Umgebung  beö  Jtaifertiufted,  —  tiefe  (graben  — 
mit  bem  $obenabtrag  t>om  grünen  (Kraben  aufgefüllt  unb  ber 
53erg  t>om  9teia)enbacher*  bid  Xöpfer*$l)or  gleia)fallö  baju  t>er* 
wenbet.  latf  Ihor  fowie  fämmtlid)e  dauern  um  baffelbe 
würben  ebenfalte  abi]ebroa)en  unb  baburd)  ber  ^lafc  ungemein 
erweitert  unb  serfdjönert.  3m  3.  1850  würbe  ber  neue  93a w 
oollenbet,  bei  welkem  baö  ^buvnutcn  im  ©ebäube  um  jwei 
Stocf  erhöht  in.  Sie  fd)ou  angegeben,  ift  baä  ©ebäube  &um 
Vlrictial  be£  fönigl.  s3Hilttär6  beftimmt.  3m  erfreu  ©torfwerfe, 
ober  vielmehr  im  2fnbau  ui  ebener  (5'rbc  ift  bie  $auptwad)t 
mit  ben  bajugehörigen  s4ppattemeutd.  Der  untere  töaum  bed 
eigentlichen  ©ebäubeä  ift  gu  Söagenremifen  beftimmt.  3m  $weü 
ten  6totfwerfe  über  ber  «£>auptwaa}t  bepnben  ft<h  bie  Militär* 
Brrefi^oMe,  im'  eigentlta)en  ©ebäube  ber  2Baffenfaal,  bie 


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694 


Uniform*  unb  Sattelfatumer  ber  rjieftgen.  £atibwer)r*(£6fabrön ; 
im  britteh  ©tocfwerfe  bic  ftäume  \\\  Äammetn  für  ein  rofl* 
fiänbige*  Bataillon  3nfanterie. 


Vlupcr  bcn  bei  JUrcfyeit  unb  .Capellen,  be$g(eid)en  bem 
Sfcatfjrjaufe  erwähnten  3$ärmen  fommen  l>ier  nea)  brei  in  (3h^ 
wägung: 

1)  Der  grauentrjurm.  Diefer  Ifjurm,  mit  dauern 
t>on  3V2  ^^e  Dicfe,  gehörte  in  ältefter  3e**  5«m  €>d>lop, 
weldjeS  jta>  t>em  grauentfyore  eiuft  bi$  an  bie  alte  Bürtelei 
erflrecfte  unb  1474  mit  ©enefjmiguug  bes  tfönig  ÜOlattriiaä 
abgebrochen  würbe.  1399  würben  bie  treppen  auf  ben  $fynrm 
gebeffert;  1408  beägl.  1423  war  ber  6a)ieferbecfer  auf  bem 
Jfyurme  befdjäftigt.  1532  würbe  bie  ©lecfe  auf  ben  Iburm 
gegangen  unb  nad)  Dem  $atf>$tnurme  gu  jieben  angeorbnet. 
Sm  4.  3ult  1552  warf  ber  SBihb  ba$  Dad)  vom  graHen* 
thiivmc  fyerab.  1558  fefcte  man  eine  neue  (Epifce  auf  ben 
grauentfyurm ,  unb  ben  19.  3uli  WHrbe  bie  ©lorfe  eingegangen. 
3n  neuerer  Seit  ftnb  bie  Anbaue  an  ben  £r)urm,  welcbe  mit 
bem  Xfyore  in  ^erbinbung  ftauben,  abgebrochen  werben. 

2)  Der  Äeia)enbaa)er  üfyurm.  Diefer  fa>öne  unb  jterlidjc 
Xfyurm  wirb  beim  3afyre  1376  in  ben  6tabtbua)ern  juerft  er* 
wäfynt.  1395  würbe  abermals  an  bemfelben  gebaut.  1419 
unb  1432  würbe  er,  wie  bie  übrigen  Xfyürme  ber  ^ufttenge* 
fafyr  wegen  neu  befeftigt,  1485  würbe  ber  £I)urm  ungefähr 
wie  er  jtd}  jefct  jeigt,  erbaut.  1537  fcfjlug  ber  Blifc  an  brei 
JDrten  in  ben  *Reid)enbad)er  Ztyuxm.  1539  würbe  eine  ©locfe 
ber  &nnenfird)e  auf  ben  Sburm  gebracht;  fte  jerfprang  1544. 
3m  3.  1555  fdjlug  ber  3Mifc  in  ben  $f)urm  unb  bejcfycibigtc 
ben  2Bäa)ter,  fo  baj  er  ftarb.  9lm  7.  «Wai  unb  14.  3uli 
1582  fc^lug  ber  2Mi$  abermals  in  ben  Xfyurm;  beim  lefcteren 
(Schlage  würbe  ein  Steinmauer  getroffen.  §lm  21.  ffiai  1607 
ritflete  ber  Baumeifter  ®eorg  Jpen&fdjel  ju  ben  knöpfen  auf 
ben  (Srfern  bcö  Zfymmct,  ben  1.  3uni  würben  felbigc  wteber 
aufgefegt,  ebenfo  am  4.  9(HgHft  bie  am  18.  3uli  abgenommene 
2Betterfaf)ne  mit  bem  Jtuopfe.  1652  würbe  ber  Änopf  unb 
ba«  Daa),  weil  fte  bei  ber  Belagerung  *on  1641  SÄaben 
gelitten,  wieber  in  ©tanb  gefefct.    1700,  ben  26.  3uli  falsa 

^  »er  Blifr  in  ben  Xljurm  unb  fdjmols  ben  Äupferbraljr.  1736 


23.  Die  ll)ürme. 


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695 


würbe  ber  Xfturm  Mm  brei  (gHen  crntebrtat;  1781  bie  bau* 
fälliae  £aube  abgetragen  mib  1782  reparirt  Hm  10.  Hpril 
1836  nahm  man  bie  5  (Em.  wiegenbe  ©lotfe  vom  Xfturme-  unb 
brad)te  auf  benfelben  bie  12  (Stn.  18  *J3f.  fernere  ©locfe»)  be« 
9?eitjtrnirme$,  welker  fpäter  ganj  abgetragen  warb.  Hm 
19.  Oftober  beffelben  3a^re«  fefcte  man  ben  beffer  erhalte* 
nen  Jtnopf  ne6ft  ber  Wetterfahne  beö  ehemaligen  9*eißtf)urmeS 
auf  tiefen  1  ()unn. 

3)  Der  ftffolaitytirm.  S)a6  etabtbua)  (von  1305)  bringt 
ben  Zfyuxm  beim  3-  1343  jum  erftenmale  in  Grwäfmung; 
1405  rourbe  bie  3ugbrücfe  beim  Wfolaithore  gebeffert.  $ei 
ben  Söränben  von  1456  unb  1465  ging  ber  $hurm  ebenfall* 
großenteils  nieber.  <$r  rourbe  im  3.  1484  erft  voüftänbtg 
ui  (Snbe  gebaut.  1515  ftfclug  bae  Werter  in  bie  Xfjurmfpifce, 
fo  bajj  bie  (Spiefjbäume  unb  Sparren  gänjlicf)  gerfömettert 
würben,  weshalb  man  1516  eine  neue  €pi$e  auffegte  unb 
ben  $r;uxm  mit  Äupfer  berfte.  1539  fam  eine  ®(o(fe  au« 
ber  gnnenffrctye  auf  ben  S^urm,  welche  1585  aHf  ben  $ath$*  ' 
thurm  übertragen  warb.  Hm  17.  3unt  1586  fdjlug  ber  ©li$ 
jwifaxn  bem  3itgelbad}e  unb  Äupfer  ein,  fur>v  am  Xtyuxmc 
herab  unb  erfajlug  ben  Xagewädjter  tytttx  Sernth-  3n  bem* 
felben  3ahre  würbe  bie  Wfolaibrücfe  mit  brei  fteinernen  *ßfeü 
lern  verfemen,  welche  vier  ©ewöl6e  fristen.  Hm  12.  December 
1589  nahm  man  ben  Jtnopf  fammt  ber  6ptnbel  unb  wa3  an 
(Sifen  von  ber  Wetterfahne  übrig  war,  ab;  irrt  Wärj  1599 
fefcte  %atob  Sdmiibt  auä  Ottenburg  eine  neue  gähne  mit 
tfitopf  auf.  Hm  26.  Huguft  1642  brannte  ber  Xhurm  ab., 
3)er  Neubau  beffelben  war  erfl  im  3-  1669  vollenbet.  Hm 
16.  Huguft  beffelben  SahreS  würbe  ber  8l/2  $fb.  fdjwere  an 
einer  (Stange  von  20  y2  $fb.  (£ifen  befiiiDlidje  Jtnopf  wieber 
aufgefegt.  $>aö  tfupferbaa)  brauste  20  (£tn.  74  $fb.  Hm 
10.  $>ecember  1669  jog  man  bie  13  (£tn.  3  Stein  fchwere 
©locfe  auf  ben  Ü^unn.  1705  würbe  bie  fd>abf)afte  Sptfce 
bi6  aur  ®lotfe  abgetragen.  1717  unb  1726  brannte  ber  obere 
Xtyil  M  XhurmeS  «b  unb  würbe  fett  1727  mafftver  gebaut. 

4)  Safieien  fmb  nod)  vorhanben:  a)  im  ©rrafanftalte* 
jwtnger,  im  3.  1428  gebaut  unb  wirb  jefct  ju  einem  3tta* 


#)  $ie  3nfärift  biefer  ©toefe  lautet:  Hora  ruit.  redimite  tempus. 
fusa  Gorlicii  M.D.CCXXXVII.  per  Benjamin  Körner 


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«90 


ga^inc  benufct  Seiten*  bei  Strafanffolt-.;  fo)  im  ©rabcn  feit* 
wart*  be*  9tifolaitbore*;  1452  würbe  batan  gebaut;  c)  bte 
*ßult>erbaftei  am  grünen  (Kraben,  unweit  ber  vorigen,  iefct  ein 

tm*  imb  StrofcSWagajin,  1H42  *ott  Beuern  erbaut;  d)  bie 
aftei  am  Demiamplafre,  1477  erbaut;  e)  bie  haftet  im 
3u>wger  über  ber  UnterfaMe. 

24. Die  $r)ore. 

Deren  finb  eine  jienüidje  SWenge  t>orfcanben.  SfiBir 
wollen  bei  bereu  Betrachtung  t>cn  ber  9?ei|jbiücfe  anfange«, 
^unäc^ft  in  bie  töeijworftabt  geben,  un*  linf*  vom  lUeitubore 
wenben  nad)  bem  SftiebenMercel,  burefy  ba*  *Reid)enbacfyer*  unb 
grauen  Hertel  wieber  bi*  \un\  9(u*gaiig*punftc  jurücffefjren. 
5)ie  £l)ore  waren  Mgjkttt  fcarfe  $oü  werfe.. 

a>  $>a$  SReifjtfyor.  $öirb  juerft  1327  genannt;  e*  würbe 
1378  reparirt,  ebenfo  1390.  3m  %  1420  war  wegen  bet 
•Vuiuteu  wie  an  allen  $t)oren  aud)  fyier  eine  grope  Mette  an= 
gebracht.  1453  baute  man  bie  Umgebung  be*  If^ore*  mit 
bem  'Ibtmne  um.  1494  war  bie  datier  unter  bem  9?eißtl)ore 
fdjabfyaft  unb  warb  burd)  jwei  neue  Pfeiler  gcfhtyt.  —  5*eim 
3$ranbe  bon  1525  ging  ba*  %fyot  in  glammen  auf.  1539 
baute  man  bie  ÜHtauer  nebjl  bem  Umgange  auf  bem  I  bore. 
1778  brad)  man  Sagen  unb  ©ang  über  bem  $fyore  ab  unb 
baute  eine  38ad>tftube  für  bie  StabnolMten  baneben.  Da  im 
3.  1841  ein  großer  Vollwagen  im  Xfyore  fterfen  geblieben 
war,  warb  ba*  Dacfy  ganj  abgenommen. 

b)  £>a*  £aubaner  %fyox.  Ob  hierunter  in  ber  älteften 
3eü  ba*  Xtyor,  welche*  gegenwärtig  biefen  tarnen  füfyrt  ober 
ba*  beim  s)iei|if}oc3pttal  ieufeit  ber  $kucfe  belegene  ;u  verfielen, 
ifl  fcfcwer  ju  fagen.  1378  wirb  bie  Reparatur  ber  j$im\e  be* 
lubanifcr/en  $f>ore*  eswäljut;  1399  er$är)lt,  baß  bort  ein  38ä<&* 
ter  angefietft  fei.  1414  wirb  in  beu  -)iatf>*recr)uunßen  ein  2Bcg 
&wifcfyen  bem  lubanifdjen  Xfjore  unb  bem  Stabtgraben  genannt; 
1415  ba*  $l)orl)aH*  gen  2aaban.  3»*  3.  1848  würben  bie 
noi)  übrigen  $an8$fetfefl  be*  $()ore*  befeitigt. 

c)  $>a*  ftabcntljor.  ©irb  in  ben  ©tabtbüdjern  nicfyt  be* 
frnber*  genannt  3n  alter  j$eit  führte  bic  SRabengane  beu 
tarnen:  bie  Steingarten,  weil  bie  bortigen  $Borwerf*befifcer 
überall,  3Betnpflaui«ngen  angebracht  Ratten. 

d)  £otl)ertl)or.   gurrte  1428  beji  tarnen;:  $foc*e  beim 


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I 


Voigts  b  ofe ;  1470  Pforte  hinter  bem  <£>ofe.  3t«  breifjigiährigen 
Kriege  bei  Gelegenheit  bei  ^Belagerung  würbe  e$  fetyr  jerfchoffen. 

e)  2>aä  9liebertl)or.  3Öirb  wegen  feiner  geringen  Vebeu* 
tung  in  Ve^ug  auf  (eine  Vertr)cibigung0fäbigfett  niemals  er- 
wähnt.  Sßenn  ber  jeinb  fam  würbe  efc  regelmäßig  verladen 
ltnb  sogen  fich  bie  Einwohner  ber  it%  Vcairt  gefieeften  sJiifolai* 
vorftabt  in  bie  innere  (5tabt  aurücf. 

0  Da£  ginfterifyor.  gürjrie  ehemals  ben  tarnen:  Xobten* 
grabet  Wie  e$  j.  53. 1455  genannt  wirb.  1489  fefcte  ber 
N)iatb  einen  $öäd)ter  borten  unb  lie§  e£  Inhalten  um  ben 
Pfarrer  gu  verrjinbern,  frembeS  Vier  auf  ben  anftojjenben  *<|}farr* 
bof  au  fuhren.  3u  neuerer  3^ ifi  ta  3wgang  $u  biefem 
Xhote,  burd)  weld)e$  im  16.  3abrh.  bie  Verurteilten  (barjer 
ber  fct)male  Sugang  ber  armen  6ünber  ©apcl/en  rjeipt)  411m 
©algcu  geführt  würben. 

g)  !l)a$  9ftfolai*hor.  Da$  9?ifolaitr;or  wirb  auf  ben 
elften  blättern  beö  alten  Stabtbucheä  beim  3-  1305  genannt, 
1344  ift  vou  einer  «£>ofeftatt  unter  <£t.  Wifolauä  Sturme 
jwifcfjen  ber  9)?auer  (wabrfchcinlid)  bei  Vierr;of.  Wfolaigaffe 
9Jo.  287.)  bie  föeoe.  137^  würbe  ba$  innere  unb  dufjere  9ii- 
folaühor  (ber  Vorbau  vor  ber  Wfolaibriicfe  an  ber  £uni$) 
repartrt;  ebenfo  werben  1392, 1395,  1399  Sauten  an  beut  X&ore 
erwähnt,  au  weitem  im  3-  1399  ^aloeifeu  befejtigt  würben. 
1400  würbe  ein  neue*  Überbau*,  1428  eiueSöebre  über  bandbe 
gebaut;  1489  fe&te  ber  iKatb  einen  befouberen  üBäcf/ter  an  baö 
Xt)or,  um  ben  Vierfd>muggel  be$  Pfarrer*  in  bie  innere  Stabt 
ju  hintern.  1774  würbe  bie  jitgbräcfe  unb  baä  gallgitter 
an  ber  9Wolau6brücfe  beteiligt.  1818  würbe  ba*  »ifolait^oT 
bie  auf  baö  ben  ffieg  utd)t  fperreube  £l>ad)tf)au$  abgebrochen, 
wobura>  viel  iKaum  gewonnen,  iuSbejonbere  t)od)  belabenen 
ffiagen  bie  gabrt  erleichtert  warb. 

h)  2>a3  Jfrflifttfeor.  1378  wirb  etf  noa)  bezeichnet  alör 
äugereä  Xfjor  gegen  (Kersbach  f)\w}  in  biefem  Satyr*  fowie 
1386  unb  1388  würbe  e*  reparirt.  1489  fefcte  auch  an  bie* 
fe*  Xtyor  ber  Ncrtb  einen  Pächter  auf  frembe$  Vier  aufeupaf* 
fen.  3m  £erbf*e  1559  Ite#  bej  ftath  bie  Stauern  vor  bem 
Äreujthore  bt£  an  ben  Kraben  unb  auf  ber  anbern  <Seite  bi$ 
iunt  Veatäbmtjplafce  erbauen. 

i)  $a*  XetaVhot.  ffiar  wie  bie  äußeren  Vorftabttbote 
überhaupt  von  weuig  Vcbeutong  unb  baber  nia>t  feft,  wie  bie 


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698 


%$oxt  ber  eigentüd^ert  (Stabt.    9Jcan  baute  bie  äufjeren  X^orc 
nur  um  einen  erften  Inhalt  gegen  Strajjenräuber  unt>  gewöhn* 
ttc^e  9tttter  vom  Stegreife  ut  fyaben.    3)ah*r  fommt  biefed 
Zljox  in  ben  Stabtbüchern  nicht  vor,  eben  fo  wenig  wie 
k)  ba$  löpferthor. 

1)  3)ad  föeicbenbacher  Xfjor,  wirb  juerft  beim  3afyre  13()9 
genannt.  1379  fam  ein  ^ßaUifabeit)Ottit  um  ba$  Xl)pr;  1388 
würbe  ed  reparirt,  ebenfo  1399,  wo  baS  SBauwerf  $ufammen- 
geihlr$t  war.  1521  wurbe  ba$  Xbor  mafjiv  neugebaut  unb 
mit  bem  föunbel  in  $ertc)eibigung6yerbinbung  gebracht.  1590 
wurbe  bie  33rürfe  über  ben  (Kraben  erneuert  unb  1617  an  Stelle 
ber  böljernen  eine  fteinerne  gefe&t.  1640  ließ  SÖancfe  baä  Xhor 
zumauern;  e$  würbe  bei  ber  ^Belagerung  jebod)  fo  jerfd)ojKn, 
ba§  bie  Saufen,  na#bem  etwa«  aufgeräumt  war,  1641  burdf 
baffelbe  ihren  (£in$ug  galten  fonnten.  1706  würbe  eine  neue 
3Öad)tjhtbe  im  Xhore  gebaut,  1773  bie  3uflbrucfe  "nb  bad 
gallgitter  burd)  eine  gewölbte  fteinerne  93rücfe  erjefct,  unb  1848 
voUftänbig  mit  allen  s3efeftigungen,  foweit  ftc  mit  bem  Äaifer- 
trufce  in  5krbinbung  ftanben,  abgebrochen. 

m)  Das  grauenthor.  «£>atte  früher  ben  Tanten:  Steina 
tf)or  (man  fagt  von  einer  in  Der  9fät)e  befindlichen  Steinme^ 
hätte)  unb  fommt  unter  biefem  tarnen  1305  unb  1309  jum 
erfteumale  vor.  Seit  bem  ©au  ber  Capelle  Unferer  lieben 
grauen  (c.  1344)  begann  man  jtd}  an  ben  SfluSbntcf:  grauen* 
thor  ju  gewohnen,  obgleich  ber  $tu$brucf:  Steintfyor  auch  1399 
noch  gebraucht  wirb.  1384  mußten  bie  SRaueni  beimSchloife 
unb  grauenthore  auf  be$  «OeigteS  Befehl  gebeffert  unb  burch 
ba*  $f)or  eine  durchfahrt  gemacht  werben.  1388  wirb  ba* 
Z^orhaHd:  „vor  vnfer  vrouwen  vorfleige"  erwähnt;  1391  wirb 
bie  93rücfe:  „vor  vnftr  grauwen  üore"  gebeffert,  waS  auch 
1392  gefchah;  1398  wurbe  ein  jweite*  Xhorr)ütcr|¥ibchen  «ber 
bem  grauenfyore,  bie  Sßctnbe  an  ben  treppen  auf  ba*  Xhor 
bef leibet,  bie  ßrfer  gebaut  unb  ba$  $>ad)  reparirt.  1400  er- 
folgte ein  völliger  Umbau  be$  Xhored;  1428  wurbe  ba*  Xhor 
von  Beuern  umgebaut  jum  Schule  gegen  bie  Äuftten.  81* 
im  3.  1474  bie  (Srlaubniß  $um  Abbruch  beö  Sdjloffed  einging, 
fnüpfte  ber  Sanbvoigt  ©eorg  v.  (Stein  hieran  bie  SÖebingung, 
ba&  nadj  gesehenem  «bbrudj  jenes  £aufe$  baS  grauenthor 
mit  einer  Saftet  über  bem  äufjeren  $f)ore  unb  an  ber  S3rücfe 
3um  Schufce  ber  Stabt  befeftigt  werbe,  weiter  2Bunfd>  1477 


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699 


ausgeführt  warb.  1558  würbe  baS  ©inbewerf  unb  ber  t>er* 
betfte  runbe  (Hanoi  beim  Araueuthore  errietet;  1595  bie  bei- 
nerne Srittfe  gebaut  17()6  baute  matt  ein  neue*  2lcctfer)auS 
unb  eine  neue  SÖadjtftube.  1772  befeitigte  man  bie  3uabrürfe 
unb  überwölbte  in  93erbinbung  mit  ben  1595  errid)teteu  jteittep 
nen  Pfeilern  bie  SÖrütfe.  3m  $uguft  1838  braa)  man  jwet 
Xf)oreinaänge  nebft  ben  $togelfd)miebwerfftatten  innerhalb  beS 
ai  rau  ein  hoi  eS  weg;  im  OTdrg  1847  braa)  baS  (Gewölbe  in  ber 
haftet  burd),  weSfjalb  man  anfing  baS  Zljox  einzureißen.  3m 
3-  1848  würbe  ber  ^(bbrueä  fcllenbet. 

n)  Ü)aS  ßafyltrjor.  58irb  beim  Jatyre  1386  erwähnt  unb 
1388  erjagt,  baß  eS  reparirt  warb.  £er  Warne:  StafyU,  fommt 
von  einem  33ewofmer  welajer  in  biefer  Sßorftabtmel  ©runbbefty 
batte  unb:  (Salow  DaS  Xljox  lag  in  ber  Uuterfarjle,  ging 
1525  im  $kanbe  mit  nieber,  unb  erfyielt,  um  meleS  fefter  auf- 
gebaut,  wegen  feiner  Starte  ben  tarnen:  Od)fentr)or.  1833 
würbe  ein  ifjeil  bat>on  abgetragen.  Spuren  ba&on  ftnb  nod) 
ju  [eben. 

o)  $aS  Qßebertfyor.  güfyrte  früher  ben  Hainen:  Pforte 
unb  entftanb  aus  einer  93efejtigung  welche  im  3-  1425  ber 
£ujtten  wegen  aufgeworfen  warb.  3m  3-  1 426  brad)  man 
biefer  99efeftigung  wegen  burd)  bie  Stabtmauer.  1429  arbeiteten 
3immerleute  an  ber  SÖebr  l)infer  ber  20 eberp forte.  1470  wirb 
bie  SBeberpforte  al*  53aftci  erwähnt.  1563  legte  man  bieXudj- 
rafytnen  oor  ber  SÖebcrpforte  au  unb  befeitigte  bie  unfrudjtba* 
ren  Üfikinftöcfe,  weldje  biet  barmt  bort  gepflanzt  gewefen.  8tn 
14.  3imt  1568  würbe  bie  neue  Pforte  jwifd>en  bent  9ceijj-  unb 
grauentfyore,  )u  einem  freien  Ausgange  zum  erfteu  9ttale  ge- 
mattet. Damals  faufte  ber  Hart)  ein  Stürf  t'anbeS  ju  einem 
©aßO)en  in  ber  Stallt,  oon  bem  Xua)mad>er  granj  üffienbler, 
welchem  biefe  bis  balnn  zum  (Metteibebau  benu^tc  gelbmarf 
gehörte.  2tm  13.  9Hai  1578  fajlug  ber  $li&  orjtte  befonberen 
(§rf>aben  in  bie  «ßforten*$Jafki.  1668  baute  man  eine  neue 
$rürfe.  1769  legte  matt  ftatt  ber  f)öljernen  eine  fteinerne 
»rürfe  frei  ber  Worte  an;  1792  würbe  bie  Pforte  erweitert 
unb  abgepufct.  9m  1.  flpril  1845  begann  man  bie  Pforte 
ab&ubreayn,  wölbte  eine  Erliefe  über  ben  ©tabtgraben  unb 
baute  ein  neues  offenes  Srjor.  Die  gortfefcung  biefeS  (£in* 
gangeS,  bie  2öebertr)orftra£e  warb  in  ben  34teu  1846—1849 
ttollenbet. 


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700 

25.  SSBafferleitungen  unb  $lb$ud)te. 

SBaffer,  eines  ber  wefenttidjften  ©ebürfntffe  be*  menftij* 
licfcen  ?eben$,  tft  in  ®örli$,  5>anf  ben  &emuf)ungen  unferer 
SBoreltern  in  retd)ffc$em  3Raaße  verfyanben  unb  burd)  bie 
6ffenHi(t)en  Rohrleitungen  beinahe  in  jebeö  $aufl  ju  führen, 
gur  bic  9teinlfcr)feit  unb  gefunbe  2uft  auf  ben  öffentlichen 
2Begen  unb  «Straßen  ifr  gefer^t  bur(t)  große  untertrbifdje,  bei* 
nafye-  mann$f)od)  gemauerte  &6jüd}te,  bie  allen  6^mii$  nnb 
alle  Hnreiulicfyfeiten  au6  ber  ftocljgelegenen  6t«bt  in  bie  9?eiße 
führen.  (Sä  ftnb  S3auwerfe,  wie  fte  in  wenigen  (Stäbten  ($n* 
ropa'ö  in  fo  großer  SWenge  nnb  3werfmäßigfrü  3«  ftnben  flnb. 

$on  ben  $but(fytcn  ift  gtierft  im  3.  1397  bie  9tcbe^  wo 
e£  in  ben  *Ratf>$red)nungen  r)eißt,  büß  jn  Duaberffetnen  für 
bie  burefy  bie  Stabt  gefyenbett  $lb$tid)te  16  €>d)o<*  mtb  ju  eifer* 
nen  ©irtern  für  biejelben  21  (5d)od  öhrofcfyen  an  SRatfyte 
^olcjfdjüwer  au&jegeben  würben.  3m  %  1470  fa^eint  bieä 
allgemeiner  geworben  nt  fein.  Damals  würben  bie  ffceinernen 
^auprröfyre  für  bte  iMbjuajte  gebaut  unb  beinahe  in  jebem 
4jaufe  (Seitenfanäle  angelegt,  wofym  bie  fogeuannten  „hoffen" 
führen. 

Da6  SRöfjrwaffer  fommt  au$  verfdnebenen  Srunnen  m\b 
Seidjen,  weldje  außerhalb  ber  ©tabt  liegen. 

1)  $>ie  (Eiebenbrunuen,  ftnb  7  Duellen  in  vier  gemauer- 
ten Srunnen  vor  bem  fReidjenbadjer  $r)ore,  auf  iRaufcbwalbe 
äit  gelegen,  welche  in  einer  QSerlunbung  von  2892  (SUen  bfa 
in  ben  9töl)r$wingertrog  unb  von  bort  auö  in  bie  €tabt  geleitet 
werben.  95ei  bem  93au  ber  fäa)f.  fdjlef.  (Sifenbafyn  würbe  bie* 
fer  Damnen  im  3-  1846  abgegraben  unb  etwa$  naber  ber 
Stabt  $u  wieber  burd)  bte  ®efcüfa)aft  umgemauert.  3}ie  Brun- 
nen ftnb  bei  ber  Üf)al4leberbrü(funq  hinter  ber  reidjenbadjer 
ßfyauffae  nvifdjen  @>irbig6borf  unb  9faufd)walbe. 

2)  Daä  *ßontewaffer,  ebenfalls  auf  Siefen  vor  bem  rei* 
a>enbaa)er  £f)ore  fließt  auö  brei  Duellen  unb  gefy  27Ö2  (Silin 
weit  in  ben  gebauten  Xrog. 

3)  5)a$  ftofenwaffer,  würbe  feit  1716  au$  6  Grumte», 
beren  weiterer  r>inter  bem  ©tabtgraben  auf  raufdjwaiber  5*1* 
bem  verbeeft  liegt,  w4l)renb  bie  anberen  näfyer  im  $&alc  n*u$ 
ber  6tabt  $u  ftcr,  befmben,  bi*  an  ba*  Setätyot  4728  Wtn 
weit  geleitet. 


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70  \ 


4)  Da«  ^$eter«waffer  ober  ber  3ii3cift*Xkunnfn,  beflnbet 
ftd>  in  einem  gemauerten  Brunnen  in  $wei  CueUen,  befannt 
al«  ba«  fünfte  SÖaffer  in  ber  ganzen  £tabt.  <£«  wirb  feit 
1489  benufct  unb  in  einer  9^öf>re  burd)  ba«  beim  l>eil. 
<$rabe  (in  bejfen  9läfye  e«  entfpringt),  unter  ber  SBrficfe  auf 
ber  ©djanje  bi«  auf  ben  SWittel*  Steinweg  einerfette  unb  bie 
£unifc  anbererfeit«  burdj  ba«  9ttfolaitf)cr,  bie  Strajje  hinauf 
bi«  $ur  *l$eter«fira>e  \>on  ba  tfyeil«  bi«  anf  ben  Äirdjberg, 
tfyeil«  burdj  bir  $eter«gaffe  nad}  ber  *Rei£gajfe,  twm  JfiraV 
berge  nad)  bem  4£>ainwalbe,  ber  tfräinelgaffe  bi«  auf  ben 
gifdjmarft  geführt.  93i«  jur  *l*eter«fird)e  vom  Urfarunge  and 
betragt  bie  Settwig  1622  Glien. 

5)  Da«  neue  SBaffer  fliegt  au«  bentfelben  ©rutmen  unb 
wirb  burd)  bie  ÄHmmerau,  bie  £älter,  gleifd)ergafte  unter  ben 
gleifdjbänfen  bi«  ?uv  alten  ^oft  uub  an  bie  Stabtmauer  geführt. 

6)  Der  @alomon«brunnen  in  ber  grauen-^orftabt  in  ber 
9)fitte  bcr  Satonwn«gaffe  gelegen,  würbe  1490  nad)  bem  neu* 
gebauten  grauenf)o«pital,  von  ba  nad)  bem  Wabemarft,  bem 
Xopfbau«,  ber  #onnengaffe,  in'«  Softer  unb  naa)  ber  neue« 
93abeftube  geführt. 

7)  Da«  Jftreujwaffer  am  Jfreujtfyor  wirb  burd}  bie  $unife, 
ben  ©raben,  auf«  lieber <  Viertel  bi«  $ur  töotfyergaffe  geleitet. 

8)  Da«  50ranntweinwaffer,  vor  bem  Xetdjtfyor,  entquillt 
redjter  Jjpanb  au«  einem  wrbedten  fBnmnett,  unb  wirb  3Hr 
ftäbtifdwt  Brennerei  auf  ba«  fogenannte  üeidjgrunbfrütf  geflirrt. 

Diefe  SBafferleitungen  fönuen  nottyigenfall«  burd)  waffer 
au«  brei  $eid)en  verftirft  werben,  weld)e  ebenfall«  in  ber 
oberen  93orftabr,  jwei  bawn  bei  ber  weisen  s3Kauer  liegen. 


V.  tßtffenföaftU^e  unb  anbete  fßtvcint. 

1.  Die  oberlaufi&ifdje  ©efellfrf^aft  ber  Sßiffenfd; a f ten 

trat  im  3.  1779  unter  bem  tarnen:  einer  „*prii>atgefelt* 
fd>aft  in  ber  £auft$"  ittfamtnen,  verlegte  ifjren  <Si$  nad)  ®er* 
li|j  unb  Welt  bort  jäfyrlid)  viermal  wiffenfdjaftlidje  SBerfamm* 
lungen  <tb,  in  benen  befonber«  über  bie  (jeimifdjen  Ser^Mtrrifje 

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702 


<8orträae  unb  $efprea}ungen  ftattfanben.   3uglei<$  würbe  eine 
SBibliotyef,  eine  naturgefd)id)tlia)e  Sammlung,  eine  3Rünj>  unb 
Ultertfyümerfammlung  angelegt,  welrte  burd)  reiche  ©eföenfe 
raftt)  Wulfen.   Die  ©efellfa>aft  begann  mit  bem  3afn*e  1793 
eine  ben  3ntere|len  bei  tmterlänbifa)eu  $ro»ins  gewibmete  3«^ 
fdnift,  unter  bem  Sitel:  „SaufaifaV  $ionat*fa)rift"  rjetaue^ 
geben,  welche  eine  Ü)ienge  treffltd>er  «uffä&e  enthält  unb  er£ 
tm  3.  1808  wegen  ber  beftänbigeu  Äriegöwirren  einging. 
9?eb«n  biefer  3<W*rift  war  bie  §auptaufmerffamfeit  ber  3»ii* 
glieber  auf  ba$  Sammeln  »on  Urfunben  sur  Erläuterung  ber 
©efa>ia>te  ber  Obertauft»  gerietet,  unb  bura)  bie  Sorgfalt  be* 
Stmbifu*  3obel  ju  ©orli*  waib  e*  möglra)  im  3  -1799  bad 
erfte  £eft  eine*  Urfunben  *  Eeneidjni  jfe*  für  bie  Dberlaufifc 
fjeraufyugeben,  welche*  im  3-  1825  mit  t>em  2.  $anbe  r>or* 
läufig  abgefcfcloffen  warb.    £>ie  £auph>ermel)rung  unb  StÄt- 
funa  erhielt  bie  ©efcHjtyaft  bura?  eine  8a)enfung  ber  «Mitglieber 
t>.  ©eräborf  auf  Weffer^borf  unb  Sdjwerta  unb  M  Seua* 
tor'S  Dr.  t>.  Hittott  auf  über*9*eunborf  unb  ©roihÄraufaa, 
wela)e  nod)  bei  ifjren  t'ebjeiten  ber  ,©efeUfa)aft  befannt  madj* 
ten,  bajrnacr;  ifyrem  Sobc  alle  iljre  bebeutenben  Sammlungen 
an  93üa)ern,  3eidmungen,  alten  £aiibfdnifteu,  Mineralien, 
^(ifalif^en  Apparaten,  Lobelien,  ©emälben  jc,  ber  ©efelU 
fcf)aft  unter  ber  93ebingung  erb-  unb  eigentl)üutlid)  werben  foUien, 
bei  beren  etwaigen  Stoflöfung  fämmtlidje  ©egenfiänbe  ber 
Stabt  ©örlifr  ju  einer  öffentlichen  Sammlung  unb  allgemeiner 
SBenufcung  gufaUeu  ju  laffen.  81$  biefe*  großartige  ©efdjenf  bc* 
fannt  warb  (in  einer  ^auprserfammlung),  zeichneten  bie  ®e* 
feüfajaftemitalieber  utm  «nfauf  eine*  $aufc*  fofort  1329  5£t)lr. 
3m  3.  1803  warb  bie  ©efellfajaft  unter  tyrein  gegenwärtigen 
tarnen  burd)  ein  lanbe$f)errlid)e$  Privilegium  beftätigt  unb 
als  Korporation  anerfannt.    Die  Budjerfammlung  wucfyä  nn- 
aemeiu  burd)  ©efdjenfe  unb  i.wechnäjjige  $lufäufe;  namentlich 
l)at  bie  JHubrtf:  Sauftyifdje  Sdjriften  (Lusatica)  einen  enormen 
3uwad)$  erhalten  im  3.  1835  burd)  baS  $8ermäa}tni#  beS 
reiben  SdjafreS  biefer  Ärt,  Seitens  beS  Superintenbcnien 
'  3antfe,  eines  ber  grünblidjften  unb  flcifigften  Arbeiter  auf 
bem  ©ebietc  ber  langer,  befonberS  gorli$er  ©efd)id)te,  unb  bie 
auS  bem  sJ?ad)laffe  beS  ©el).  Dber-SRegierungSratl^  t).  Xjfctyoppe 
in  ©erlin  erfaufte  Sammlung  von  (SrubeliuS..  üBetuabc  ein 
voUftänbiger  äorribor  ift  jefrt  mit  biefer  lmerfrtopfliajen  Oueüe 


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703 


für  ben  gorfojer  flefüUt.  2)aS  aWtrglicb  $etrt  fefrte  600  Xfyx. 
Kapital  auS,  fceffen  3infen  a  Iii  abritt  uim  Honorar  einer 
*ßreiSaufgabe  benimmt  ftnb.  £ie  @cfeUf$aft  faufte  1803  - 
auf  bem  Obermarfte  ein  6auS7  red)  trug  eS  fo  fdjfedjte  3in 
fen,  baß  man  fola)eS  1804  wieber  serfaufte  unb  beim  Dr. 
t>.  Litton  baS  untere  Stocfwerf  feines  ^>aufed  (Sangengajfe 
$o.  209.)  mietete.  Später  würbe  bura)  baö  ÜWitglieb  t>.  ®erS* 
borf  baS  £auS  9to.  354  ber  ©efeüfdjaft  gefa)enft  unb  alle 
Sammlungen  in  biefeS  kn-ltdu'  ©ebäube  verlebt.  3Bie  fdjon 
gefaat,  erlahmte  bie  X^ätigfeit  ber  ©efellfdjaft  feit  bem  3ahr* 
1808,  würbe  aber  wieber  frifd)  angeregt  burä)  bie  vom  bama« 
Uaen  DiatonuS  SReumann  feit  bem  ^alnc  1822  unter  Sfltt* 
wirfung  ber  ©efetlfdjaft  herausgegebene  3eitfc^rift:  „baS  9teue 
2aufi&.  2Kagajin"  (fortgefefct  von  t832— 1834  bura)  Dr.  th.  $}e* 
feheef  in  Titian),  welche  1835  unter  beS  ^rebigei  $aupt  als 
Sefretär  Äebaftion  junt  VerlagSwerf  ber  ©efellfchaft  erhoben, 
bis  jt'iu  in  26  93änben  fortgeführt  worben  ift.  Sluper  biefer 
jährlich  erfd)einenben  Schrift  würben  unter  bem  Xitel:  Scrip- 
tores  rerum  Lusaticarum,  9ieue  Jolge.  2  33dnbe  mit  (au* 
iu3  ikIumi  ©efchichtSquellen  fyerauägegeben,  welche  in  ben  3ahr«t 
1836—1841  erfd)ienen,  feit  1850  mit  bem  neubegonnenen 
brüten  SÖanbe  wieber  in  ber  8i>rtfefoung  begriffen  finb.  lieber 
bie  reichhaltige  93ibliotl)ef  warb  int  3.  1819  bura)  ben  fa)on 
genannten  9ieumamt  ein  jwei  SBänbe  8.  ftarfer  Katalog  k-vauo  = 
gegeben,  beffen  britter  33anb  gegenwärtig  jur  Verausgabe  ror* 
bereitet  wirb.  —  £>er  Vorftanb  unb  bie  Verwaltung  befteht 
im  3.  1850  auS  folgenben  SNitglicbern : 

*ßräftbent:  SanbeS*2leltefter  @raf  tv  £öben  auf  lieber* 
ütubelSborf;  Vicepräftbent:  Stabtratl)  Möhler;  Sefretär:  $ri* 
satgelehrte  3ancfe;  93ibliotl)efar:  Oberlehrer  Zfäafäti,  9to* 
fengaffe  9?o.  254.;  Äaffirer;  Oberlehrer  £ertel;  föepräfentant 
beS  £aufeS:  Slpothefer  Stabtrath  SWitfajer. 

iRepräfentanten  Kollegium:  3Hfii&rath  Sattig,  *ßrebiger 
£ergefell>  Direftor  Naumann,  Oberlehrer  «£>ein$e,  2(potl)efer 
Stabtrath  Strmje,  Jtonreftor  Dr.  Strutte,  *ßrofeffor  Dtcftor 
Dr.  Slnton,  Oberlehrer  gecr)ner,  $aftor  «£>ird>e  in  SunnerSborf; 
Dr.  theol.  et  phil.  *J$efd)ecf  in  3ittau  Mb  ^afior  Dornicf  in 
£airtewalbe  (auswärtige  3)?itglieber). 

3nfpeftoren  ber  wijfenfchaftlichen  Sammlungen  ftnb  a)  ber 
antiquarifo)en:  Jconreftor  Dr.  Smwe  (im  ßlojter),  b)  ber  na* 


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704 

  • 


turfn'famfdjen:  Oberlehrer  geebnet  {SnibeTgaffe  9lo.  14.),  c)  ber 
p^ßfaHftyen:  Oberlehrer  £ertel  (Demianipl.  9fo.  452/453.), 
d)  bcr  ÄupferjtiaV  unb  ©ernälbe*  Sammlung:  *Prwatgelcbrte 
3awfe  ($reitegaffe  9to.  122). 

äernmifftonen  für  Verausgabe  ber  @ejeÜfd)aft£fd)riften:  a) 
be$  neuen  $auft(tfd}en  ^Dragajfnä:  ^rebi^er  ^>aupt,  fßrebiger 
^ergefeH,  Direftor  Naumann,  ^aftcr  fyxdft  $u  Äunneräborf, 
b)  ber  Scriptores  rerum  Lusaticarurn :  Stabrratf)  Nobler, 
^rwargelehrte  3«n<fe,  *Prebiger  §aupt,  f>r.  phil.  9?eumann. 

Die  93ibliothef  ber  ©efellfdjaft  ift  3)onner$tag3  *o«  1  — 
3  Uhr  geöffnet.  Wcht-Sttitglieber  erhalten  Sätfytr  gegen  €ai>et 
rinef  ©efeUf(fyaft$*9XitgJiebe&  ©Je  Sammlungen  treiben  bar<$ 
ben  Sefrrtär  unb  bie  jnfpeftoren  gegeigt. 

2.   Die  naturforfrtenbe  ©efellfdjaft  iu  ©örlifc 

würbe  ant  9)tia)aeliäfefte  1823  geftiftet  unb  bafjer  an  biefem 
ftage  immer  bie  £aupft>erfammlung  abgehalten.  Die  ©efefl-. 
f(t)aft  r)at  ihren  3  werf :  ^eförberung  ber  ^aturfunbe,  3nbnfrrie 
unb  be6  ©ewerbewefend  immer  v>or  Xugcti  gehabt  Hnb  5vlf>tt 
eine  grefe  SWenge  Witglieber.  Unter  bem  litel:  „^fb^anb? 
hingen  ber  naturforfdjenfcen  ©efettfdjaft  ju  ©crlifc"  erfahrnen 
von  3^it  W  3e^  Sammlungen  ber  @Jefeltfa^aftäfa)riften.  Die 
©efellfdjaft  r)at  eine  fehen$wertr)e  prnitfyologifdje  Sammlung, 
and)  eine  nid)t  wertfylcfe  $Ktertr)umerfammtung;  bie  $5iblictr)ef 
enthält  uameutlid)  SÖerfe  tecfyntfcfyen,  pt)wfifalifa)en  unb  n<itux? 
hiftorifdjen  3nl)a(t£,  ift  aber  wenig  umfangreich.  Ü)ie  Samm- 
lungen finb  &u  fel)en  Donnerstag  von  10 — 12  llljx  ItBcrmit* 
tagö  im  1.  Stotf  beö  £aufe*  $eter$gaffe  9?o.  277.  Die 
Vertretung  ber  ©efellfdjaft  ift  gegenwartig  folgenberm afien  )u* 
fammengejefct:  1.  *ßrdfibent:  @el).  Ob.^nftijratb  a.  D.  Stabt* 
ratr)  Starfe,  2.  ^raftbeut:  Oefonoime*3tommiffariH$  4paupt' 
mann  3^mme*,maiin ,  ©eneral^Sefretär:1  Oberlehrer  gedmer, 
33ibliotl)efar  nnb  3"fpeftor  ber  ?flterthumerfammlung:  *ßrit>at< 
gelehrte  3anrfe,  3nfpeftoren  ber  9?aturalienfammlung:  «£Mrte 
unb  XobfaS.  Oefonomie<SeTtion:  3*orftanb:  Oefonomte^ont; 
miffariuS  ?c.  3immermann,  Sefretär:  Oefonomie^ftommiffartuS 
t>.  SttÖllenborf.  3)iebi^inifcf)c  Seftien  t>er  flerjte:  Söorjtaub: 
Äreiöpr)i>fifuö  Dr.  sD?affalien,  Sefretär:  Dr.  5Metfa>.  Ze$nc* 
logifd)e  Seftion:  SBorftanb:  Mpotjhefer  Stabtratb  Stnwe,  Se- 
fretär:  Kaufmann  ©uftat>  6a)mit>t. 

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705 

»   


3.  Der  ©en>erber>eretn 

* 

würbe  burct)  ben  SEBunfd)  unb  ba$  vereinte  3ufammenw*rfen 
mehrerer  Bürger  fytefiger  ©tabt  au3  ber  Älaffe  ber  ©ewerb* 
treibenben  am  1.  9Rär$  1830  in*  geben  gerufen  unter  bem 
«orfifce  be*  ©tabtbaurarr)  2ßemr;olD,  unb  f)at  ßct*  an  9Rit- 
gliebern  jugenommen.  3m  Sßintcr  »werben  allwöchentliche 
*tbenbt>erfammlungen  gehalten,  in  benen,  unterftüfct  burch  bie 
feit  bem  Safjre  1840  begrünbete  griebrid)  *  Wilhelm*  *  (Stiftung, 
Vorträge  junt  heften  gegeben  werben,  «uperbem  bejtebi  ein 
Sefejirfel  technologifeber  ©ebriften,  eine  $ibliotbef  unb  «Wobell* 
fammlung.  $8on  3*\t  ju  $ät  »erteilt  ber  herein  Prämien 
an  3öglinge  «£>anbwerferlehrling$fdwle,  ©Triften  tedmtfdjen 
unb  öronomifchen  3nr)a(td  unb  hält  ©ewerbeaudftellungen  ab, 
r-eren  lefcte  im  3ahre  1847  ftd>  ber  regften  unb  größten  ZfaiU 
nähme  erfreute.  (Sin  Dircftor,  gegenwärtig  2tpothcfer  ©tobt* 
ratf)  SWtföer,  ein©cfretär:  Sifchlermeifter  ©oben,  ein  tfafftrer: 
©tabtratl)  2lpott)efer  ©truye,  ein  ©tbliothefar:  Äantor  SeuSler, 
welker  ftetd  im  ©ommer  Donnerstage  von  1—2  Ufjr,  im 
SBinter  ©onntagö  son  l  -3  llr)r  bie  im  2.  ©toef  M  Saage* 
gebäubeä  am  Untermarfte  bejütbliche  SMbliothef  öffnet  unb  fünf 
&orftefyer:  Appreteur  Döring,  Kaufmann  Dettel,  ©tabtbaurath 
5ßeint)olb,  ©tabtratt)  Jtötjler  unb  SBagenfabrifant  SüberS  sen. 
leiten  bie  ©efctyäfte  be$  Vereins,  ber  fid)  mit  mehreren  anberen 
in  SBerbinbung  gefegt  t)at. 

4.  Der  ©uftarj*5Äbolf*3wd8ttmtn 

trat  am  12.  ©eptember  1844  für  bie  Greife  ©örlifc,  fRofytn* 
bürg  unb  £otyer$werba  gufammen  unb  bat  ftd)  feitbem  einer 
ftetö  regen  Ztyilnatyme  ju  erfreuen  gehabt.  Der  in  ber  erfien 
©cncraiverfammlung  $um  *Bor|t$enben  gewählte  £anbe$ältefte 
©raf  v.  Söben  ijt  nod)  h*«te  ^orftanb  beS  Vereins.  Die  93e* 
fiätigung  ber  ©tMuten  erfolgte  am  30.  SMq  1845.  Die 
jährlich  gehaltene  £auptw(ammlung  finbet  nach  einer  firdj* 
liefen  geier  ftetd  im  ©aale  beö  ^anbhaufeS  bei  ber  Cetera* 
firdje  fiatt. 

5.  Der  «£>anbwerf  er*®efcllen*@efang*$8erein 

befielt  feit  bem  3ahr*  1843  unb  ift  burd}  ben  Drganift  ©ör* 
mar,  Kantor  XeuSler,  Sehrer  Äabftein  u.  31.  begrünbet.  eine 
SMbjwrigung  beffelben  ijt: 

«efd>id>«  ton  ©örli*.  45 

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706 


6.  Der  Sängcrbunb 
feit  bem  3af>re  1847. 

7.  Die  5Reffourcen*©efcllfdj>aft 

(Jin  herein  pi  gefeüigen  $ftc<ta,  weldjer  in  ber  dfrif>lf 
9to.  1088  ein  etgened  ©runbftücf  unb  £aHä  nebfi  Clauen 
anlagen  beftyt.    ®äftc  werben  buräj  9ftitglieber  be6  SBereind 
eingeführt.    3m  £efc$immer  biefefl  herein«  finbet  man  eine 
grefe  SJtcnge  3«tan9™- 

8.  Die  Societät 

@benfo  ein  gefetliger  herein,  beffen  ©runbfhttf  bem  vorigen 
gegenüber  £ar>le  9to.  1080  liegt  Die  ®efeUfa)aft  (jar  tiefen 
©arten  verpaßtet  unb  macht  nidjt  ftnfpruä)  auf  alleinige  $3e* 
nufcung  beffelben.  Donnerstag*  unb  Sonntag*  pnben  bort 
geroöVnlia)  Goncerte  jiatt. 

9.  Die  SBürgerreffource 

ift  am  29.  Januar  1807  gegrünbet  unb  beftfct  ein  ©nrabfrücf 
gangengaffe  9to.  193.  9tiä)t  ntinber  ift  bem  gefelligen  Ser* 
gnügen  genribmet: 

10.  Der  Sürgerserein, 
eine  2lb$roeigung  ber  ©ürgerreffource. 


WL  f&ibliotfythn  unb  Sammlungen. 

1.  Die  tfiraVnbibliotf)ef  ju  St  $etri  unb  $auli. 

Der  eigentliche  Urfprung  biefer  efyematö  beocutenberen 
Südjerfaramlung,  alo  fold>e  gegenwärtig  ift,  lägt  fta)  auf  bie 
Sajenfuna  beä  ^refctger  ©ofa)ufc  in  feinem  Xeftamente  tont 
3afyrc  1439  jurürffüfjren ,  naa)  welcher  er  ber  St  9ftfolat^ 
unb  St  $eterd!tra)e  feine  SDcanuffripte  vermachte.  Diefe 
Sammlung  ift  fpäter  an  bie  Scfjulbibliotfyef  unb  mit  biefer 
auf  bie  9ttiltayf(r)c  ober  9catr}l>au6btblictr)ef  gefommen.  (Sd 
'waren  natürlich  meiftenä  tr)eologifa)e  üftanuffripte.  9$üd)er, 
»elcr)e  ttjeilweife  noä)  in  ber  Jhrdje  oorfyanben  fmb,  fünften 
im  16.  3af>rt>unbert  ber  ^rebiger  M.  SBolfgang  Sa>oftcl  (Sä^ 


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707 

'   

ftdintf),  im  17.  3«fafyunbert  ber  «ReAtSgele&rte  3gnatiHö 
Voller,  nnb,  roie  ed  fdjemt,  ein  ©uc^binber,  Atomen*  3afüb 
6to$.  Xie  ©efdjcnfe  beftanben  meiftenti  auö  fettenett  Söibef- 
brurfen  unb  (Eoncorbanjeit.  3n  ber  erflcn  £älfte  bc$  18. 3*1)** 
bunbertö  fdjenfte  ber  Wbvofat  unb  rKatr>öcjcviwt>t^profurator 
(irbni.  SDcaty  einige  feltenc  3$üd?cr,  barunter  bie  feftene  9Ut$gabe 
betf  ^euen  3>ftament6  au*  bem  3«tyre  1516?  ferner  ein  93itd)* 
binber  (Ifniftian  ©cfyäfer  12  93änbe  Arroales  GoWicenses  Ijanb* 
fdmftfteh;  SWicfjael  ©unfrei  föenfte  ba«  $fafftfte  9Jibeto>erf 
mir  Tupfern.  Die  ^airptoermeljrHng  erhielt  bie  SMMiotljtf 
burd)  eine  $üd>erfamm(un$  be*  Primarius  Wcumaun  im  % 
1763.  Der  Äatccfyet  ©ierfcfyner,  ©cfyfcager  bed  Vorigen,  an 
ber  *ßcter$fird)e  ju  Stegnifc,  Cegtrte  100  £f)lr.  für  bie  Ätrdjen* 
tobliot^ef.  3efct  ifl  ftc  &iemlid>  in  SSergeffen^eit  geraten.*) 

2.  Die  fUtilidndje  »ibtio^ef. 

©eaenwärtig  ira  jroetten  ©toef  be£  *Ratf)l)auje$  aufgeftefft, 
ift  eine  Bereinigung  mehrerer  'Bi  bltotbef  en  unb  hat  ben  Jpaupt- 
ftufdjuf  burd)  einen  9Ridjt*®orltt}er:  l>cilid)  erhalten,  naefy  beffen 
tarnen  fie  im  MgeutrincR  benannt  ttirb.  Die  ©runDlage 
berfelben  bübet  bte  )&>on  im  14.  ^abrbuuberte  im  gran^iesfaner- 
flofter,  ftäter,  feit  ber  (Srridjtimg  ber  Jtlofterfc^Hlc,  im  15. 3afyr* 
fyunbert,  »efentlidj  vermehrte  3Wdnc^öbibUotr)ef.  Dies  jinb 
meißenä  £anb fünften  tbcologifcben  jnbalt*,  alte  s-ßulgatenr 
(Srflärungen  ber  heiligen  ©djrift  bnrdi  bie  JiirdKitvätcr  )C. 
3h  SBermefyrung  berfelben  ftnben  ftdj  viele  fiegate  in  ben  ©tobt* 
biidu-rn,  rtjeild  in  SBaarent,  t  bei  13  in  93üct)crtt,  bar  unter  bte 
von  Slnguftin  $ir$berg,  ©regortuä  (Snbermann  unb  ©eorg 
©cfyrcarfc  befonberö  ju  nennen  jtnb.  1565  ging  biefe  ©Motfyef 
an  ba£  ©Dmnajtum  über.  3m  3-  1615  famen  circa  500 
Söänbe  au$  bem  SRatfylat?  beä  Dr.  jur.  Daniel  ©taube  unb 
1676  be$  Surgermeifterö  Dtetrid)  fciel  Sit^er  pfytlologifdjen 
Snljalte  an  bte  $ibliotf)cf,  Itätyc  1712  burd)  ben  iKeftor 
©roffer  in  6  Älajfen:  a)  tfyeologffcfye  unb  fir^engefd^ic^tli^e, 
b)  jurifttfdje,  c)  mebijmtfdje,  d)  pfyiloftylnfdje,  e)  ^flortfdje 
unb  djronologifcfye,  f)  öermtf^te :  Philologica,  Oratoria,  Poetica, 


•)  Srutfner,  .Rurfcc  #itiodfcbe  9lad)ricf)t  üört  fcer  ÄirAfn*^i8Hur^if 
&rt>  bfr  $auj?t*£irtl>e  ju  <5.  <S.  tyttxi  unb  $auli  in  Gtötty  btim  Htrt* 

45» 

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708 


georbnet  würbe.   2)ie  SWanuffripte  waren  befonberS  in  einem 
fKepofttorium  aufgeteilt.    $>ie  ^auptvermefyrung  würbe  ber 
Sötbliotljef  buraj  ba$  Xeftament  beä  Slbvofaten  ber  gürflen* 
tljümer  6ct;weibni&  imb  3auer,  3of>.  ©ottlieb  Sflilia),  am  26. 
3«li  1727  $u  H)eü.    9taa)  einigen  ©djwierigfeiten  Seiten* 
ber  faiferlia)en  Regierung  ui  93re$lau  unb  nad)  einigen  SMefc 
ftählcn  (Seitens  ber  3efiiiten,  wela)e  namentlta)  eine  wichtige 
bie  ©egenreformation  in  Sa)leften  unb  93öf)men  fett  bem  30- 
jungen  Kriege  betreffenbc  (Sammlung  von  fyanbfdjrtftudjen 
3)ofumenten  unb  Spieren  wegnahmen,  fam  cnblid>  bte  33i- 
bliotyef  naa>  ©örlifc,  fo  baß  fie  am  30.  £>e$ember  1727  glücf* 
lid)  im  *Ratl$aufe  aufgehellt  war.    @$  erfolgte  an  btefem 
$age  eine  förmliche  (£inweil)ung$feierlia)feit,  ber  bte  (Belehrten 
ber  <5tabt  beiwohnten.   ÜJiefe  Sammlung  enthält  eine  große 
Spenge  prachtvoller  alter  l)iftortfd)«r  Sammclwerfe  unb  einen 
großen  ©d)ä$  an  ^anbfäriften,  namentlid)  ttalientfdjen;  unter 
ben  flaffifdjen  Slutoren  ift  eine  «£>anbfd)rift  be*  Sallüfi  unb 
bcS  tfufian  befonberS  berühmt.   Unter  ben  3)rucfen  erwähne 
iaj  nur:  Du  Chesne,  Script,  rer.  Francic,  VI.  33be.f  unb  22 
golianten  von  Muratori,  Script,  rer.  Halicar.,  weldje  man  ge- 
wöfjnlid)  nur  in  ben  99ibliotf)efen  ber  £aupt*  unb  9ccflbcn4* 
ftäbte  finbet.   2lucr)  gegen  500  ÜBünjen  famen  bamal*  &ut 
93ibliotf)ef,  we(d)e  burd)  mehrere  Legate  für  einzelne  gäcfcer: 
®efd)id)te,  flafftfdje  Ätiologie  k.  vermehrt  wirb  unb  je$t  circa 
9—10,000  Sänbe  fyaben  mag.    Slußer  biefen  regelmäßigen 
vom  SDcagiftrate  überwachten  ^n'fa)affungen  erhielt  bie  öibliotbef 
aucr)  mancherlei  @cfd)enfe,  tnSbefonberc  in  £anbfd>riftcn,  welche 
ber  SDcagifirat  fonft  ju  feinem  @cbraud)e  in  ber  6q"|lonöfrube 
ftel)en  t^atre.   Severe  fmb  meiften*  red)töwiffenfcr?aftlid>en  3n* 
JjaltS,  wie  j.  33.  bie  alte  #anbfa)rift  be3  Sacbfenfpiegel*  au* 
bem  14.  Satyrfninbert,  wela)e  faft  allen  £anbfa)riften  tiefe* 
9tcct)t$bud)eö  vorgewogen  wirb;  ein  paar  ^anbfdjriften  ber 
Blume  beö  9te<r?te<  (flores)  von  Scifolauö  Sßurm  u.  a.  3n 
Sejug  auf  lauftfcifdje  ©efcbtd)te  ftnb  eine  große  beenge  Samm* 
lungen  über  bie  verfd)iebenften  Materien,  inöbefonbere  Original 
fyanbfdjriften  be$  gorfa)erö  Äloß  auä  ber  Sammlung  beä  etye* 
maligen  ©ürgcrmcifterä  9lcumann,  ber  Sibliotfjef  einverleibt 
worben.   ©eber  über  bie  Drucffaa)en  noer)  über  bie  $anb* 
fünften  eriftirt  ein  gebruefter  Katalog. 

$ie  BiMiotyef  ift  bura)  ben  ÖiMiotycfar  ^rofetjbr  Dr. 


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709 


Natal  jeben  H)onner$tag  unb  Sonnabenb  von  2  bid  4  Ur)r 
Nachmittag*  geöffnet.  Sucher  werben  nur  gegen  Savet  beS 
©Vnbifuö  auggeliehen. 

3.  Sie  ®9mnafial;$lrmen*$ibliothef. 

Set  Der  SÖtenge  von  Schülern  unb  ber  großen  2lrtnuth 
ihrer  ßttern  fehlte  c$  oft  an  ben  notrnvenbigften  Schul- 
bäd)ern  beim  Unterrichte  unb  eä  trat  ber  galt  häufig  ein,  baß 
mehrere  Schüler  nur  gemeinfchaftlich  ein  33uch  benufcen  tonnten, 
tiefer  Umftanb  veranlagte  am  15.  9Jcai  1751  eine  Sekret* 
fonferenj,  welche  nod)  fünf  anberc  hervorrief  unb  in  bereit 
fechten  am  26.  3unt  1751  ber  33efchluß  gefaßt  nmrbe,  $ur 
2lnfchaffung  von  Sd)ulbüchcrn  für  arme  Schüler  einen  gonbd 
ui  begritnben.  Die  SBibltothef  roarb  burd)  eine  freiwillige 
(Sammlung  ber  Lehrer  unter  (ich  begritnbet,  fpäter  burch  ver* 
i \luebene  (Einnahmen  beim  (Sinfchreiben  in  baä  Schul*  2llbum, 
beim  Abgänge  von  ber  Schule  Mint  ?luffchlag  auf  baö  Schul« 
$eugniß  unb  bura)  freiwillige  93ücherg efdjenfe  ber  Schüler  be* 
beutenb  vermehrt,  jumal  immer  gtvifchen  2  unb  300  Schüler 
baä  ©tytnnaftum  biö  $um  3ahre  1837  befugten.  2)ie  ba* 
maligen  neuen  Schulgefcfce  regelten  aua)  ben  jur  Sibliothef 
bejttmmten  Seitrag,  3n  neuerer  >n,  feitbem  bie  billigen 
Stereotypausgaben  inäbefonbere  ber  flafjtfchen  Tutoren  auf* 
gefommeu  nur,  ging  man  von  ber  ^nfer/affung  eigentlicher 
Schulbücher  ab  unb  taufte  mehr  Kommentare  unb  gute  2lu$* 
gaben  mit  Slnmerfungen  jum  Selbjtftubiunt  ber  Schüler.  9ca* 
mentlich  h^  gegenwärtige  Stbliothefar  JDberlehrer  Dr. 
Siööler  in  bem  langjährigen  3«iraum  ber  Senvaltuna  biefe* 
Untied  eine  beinahe  vollftänbige  Sammlung  beutfajer  Älafftfer 
unb  9)cujterfchriftfteüer  forgfältia.  jufammengebracht.  Sticht  $u 
überfehen  ift  bie,  £anf  ben  tvetfen  Bemühungen  unferer  Unter- 
richtSnümfter,  burd)  jährlichen  Saufa)  eingeleitete  Sammlung 
von  Programmen  beutfeher  Schulen  unb  ©ijntnafien,  roo  fo 
manches  Xrefflid)e  fafx  unbenutzt  verborgen  ift.  föchte  eine 
3ufammenftellung  in  einem  Programme  einmal  ^ier  eine  gute 
Ueberftcht  bringen! 

4.  2)ie  Stbliothef  ber  ßberlauftfcer  ©efellfchaft  ber 

SBtffenfchaften  (f.  oben  S.  701.). 

5.  Die  Bibliothef  ber  naturforfchenben  ©efellfchaft 

(f.  oben  S.  704.). 


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710 


6.   Die  9?ib(iothef  ber  höheren  ©urgerfdjute 

ift,  wie  bie  oben  beim  ©tymnaffum  erwähnte,  bei  $egrünbuna 
ber  fyöfyeru  93urgerfdmle  in$  geben  gerufen,  unb  vontebmlta) 
für  Selker  unb  6a)üler  biefer  anjtait  befittmmt. 

7.  Die  »ibliottjef  be$  GJewerbevercin*  ([.eben 6.705.) 

8.  Da$  natttrfyiftorifaje  Äabinet  ber  fyöfjeren 

Surgerftbulc 

würbe  bei  ©elegetttyeit  ber  ©raubung  jener  StnfiaÜ  auä  bem 
Bladjlaffe  beö  Äegierungdratljeä  9coibea>en  gu  Siegnifr  vom 
flßagifrrate  erwerben  um>  bietet  eine  nia)t  unbebeutenbe  gut 
erhaltene  Sammlung  von  (Säugetieren,  Sögeln,  Ifieni,  &m- 
probten,  giften,  3«feften,  ßond^üen,  ^flanjen  unb  Mineralien. 
3n  Ufrter  33ejiel)uug  wirb  freüidj  biefe  Sammlung  bureb  bte 
audgejeidjnete  ber  £)berl.  ®efeüfa)aft  weit  übertreffen.  Da* 
Jtabinet  ift  int  vierten  Storfwcrfe  beä  ^fadjenfdjulgebäube* 
auf  bem  gifdjinarfte  aufgehellt  unb  wirb  buren  ^ermittelung 
bed  Direfou*  ber  fiebern  ©ürgerfd>ule,  ^tofeffor  itaumann 
(»angengaffe  $o.  168),  gezeigt. 


A.  £)effentlia)e  *J*arf  anlagen. 

SJJenn  man  auft  bem  2öebertf)ore  tritt  unb  bte  gerabe 
Straft  biö  jum  ^Sorttfuö  verfolgt,  fyat  man  red)t$  unb  linfS 
bie  ctvea  15  3a^r  alten  *ßurfanlagen.  Die  vom  Sabrc  1829 
bf£  1832  vom  *Jßerttfu3  au$  angelegten  vierfachen  Staumpflan- 
lun^eu,  beren  mitteile  beibe  *Hetl)en  £inben  jtnb,  fuhren  bei 
kern  2BilfjeIm$babe  an  malerifa)en  ©artenfjäufern  vorbei  unb 
(fiten  auf  bie  JDbermüfjlberge,  wo  fta)  ber  grofe  ttifenbabn* 
vtobujft  über  bie  9Wjje  am  heften  prafentirt,  unb  im  $fnter* 
grunbe  be$  angenehmen  XfyateS  bie  blauen  ^ö^enfetten  be* 
$iefenaebira,e8,  ber  £afelfta)te,  tyi  SBotylifdjen  Hammes  unb 
ber  $efafen.§äg$  be»  ^orijont  begrenzen,  iief  im  ®runbe  liegt 
bie  Dber  *  SWufjfe,  getrieben  von  ben  raffen  Selten  M 
giuffed.  $kn  bort  aud  führt  eine  SSrürfe,  unter  weldier  bie  © chie-- 
nen  naaj  bem  im  £intergrunbe  erfc^eineitben  bet^ürmten  $at)n* 


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0 


711 


rjof6empfang$gebdube  liegen,  $u  einem  T^clrn^cqc,  ber  jtmfdjen 
sJBiefen  unb  Werfern  naa>  Der  3ütauer  Strajje  Einleitet  CDiefcr 
ga  tue  weite  \m  mit  Sommer^dufern  unb  fronen  ©artenanla* 
gen  begrenze  nur  aleidjfam  üben  acte  Waum,  war  vorrnal*  bie 
»tfaveibe  für  Das  93ieh  ber$ürgerfa)aft  unb  mitfdjwadjem@rad< 
wu^fe  bebetft.  (£r  gehörte  311  bem  Dorfe  ßonrabeäborpf)  ober 
Jtunqenborpr);  fpäter  fjatte  ber  Statt)  einen  Dbftgarten  (pomoe- 
rium)  in  biefer  ©egenb.  1566  fyiefjen  bie  gelber  binter  bem 
6cr)eibenftanDe:  bcr  Herren  ©ärten.  1580  würbe  ber  ©djüfcen^ 
garten  mit  einem  3<wne  von  ber  üßiefyweibe  abgegrenzt.  1738 
legte  ber  fpdtere  93urgermetfter  SSellmann  bie  Sinbengänge  von 
ber  <5alomon6gaffe  bi$  $um  Stfn'efjfyaufe  unb  längs  be0  6a)ü$en* 
l)aufe£;  1741  bie  Sinben-StUee  am  ©a)ü()enwege  an.  1752 
würben  bie  ftnben  auf  bem  grünen  ©rtiben  unb  vom  StahU 
thore  in  ber  Unterfaßte  an  Mint  ben  Sauinfpeftor  ^etpner 

8epflan$t;  von  feinem  9(aa)folgcr  $era)e  bie  $inbenattee  in  ber 
eil.  ©rabägaffe.  £e$terer  errichtete  aua)  bie  1848  bei  $lanirung 
beä  Demianiplafceö  befeitigten  Sinbenallcen  unb  s£ttd)enbecfen, 
im  3.  1777.  1782  legte  man  ben  (früher  mit  grünen  Herfen 
bepflanzen)  ©ang  von  ber  Stallt  bis  m  ben  <5tabtfd)eunen 
an,  weiter  1847  unb  1848  verbreitert  unb  d?anfftrt  würbe, 
Tett  3.  9uguft  1816  ficllte  man  ben  bei  ber  (Srbbulbigung 
am  3.  Sluguft  1815  betrübten  bohemen  Xempel  bei  ben  oicu- 
nen  auf.  Die  Anlage  ber  Vliiee  von  biefem  Xempel,  welket 
1840  burtt)  gegenwärtigen  Muntifuo  erfefct  würbe,  ift  fa)on  m 
waßnt.  1843  würbe  ein  b*fonberer  ^arfgärtner  gur  Pflege 
ber  Anlagen  ang  efteilt  unb  tbm  1844  eine  SBoßnung  gebaut, 
von  welcher  au6  fid>  bem  flirte  eine  boebft  reijenbe  2iuöfidu 
enthüllt.  Die  fdjönjten  fbifhfyen  ber  «Stabt  ftnb  auf  ber  £ölje 
vor  3iaufa)walbe,  auf  ber  f (einen  3dwme,  auf  bem  neuen 
Äirdjbofe,  auf  ber  9totl)enburger  8 träne  in  ber  vJtabe  ber  ©olb* 
grübe,  auf  ber  hoben  cebame  jenfeit  ber  ^ceifie,  auf  bem  ©ange 
am  Vergab  bange  vor  8oren|'3  SBorwerf  (9ceifjvorftabt),  auf 
bem  ©ninbftücfe  be*  Ufjrmaajer  ^attpt  beim  Stoljntyofe. 

B.  Dem  $ub(tfum  jeitweife  geöffnete  ©arten. 

a)  Der  €ocietdt6garten,  an  ber  Sebertr)or|tr«|je,  wa 
gewobtilirl)  Sonntagd  unb  Donnerftagä  im  <§ommer  ©arten* 
(Sonderte,  b)  Der  ©arten,  Stallt  1082 ,  wofelbß  juwd* 
len  feonaerte  ftnb   c)  Der  ©arten  be$  2Bilbelm$babe$  auf  ber 


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712 


*Promenabe.  d)  Der  *Reffourcen*®arten  am  SBebertljor  if*  nur 
burefc»  (5tnfür)rung  von  ÜJcttgltebcrn  ui  betreten,  e)  Der  €>d)rif* 
felTfö*  ©arten  tn  ber  Äable,  beren  gegenwärtiger  93eft$er  an* 
ftänbigen  *ßerfonen  fer)r  gern  ben  Sefua)  beä  frönen  *ßarfed, 
welker  aipifdjen  ber  Unterfaßte  unb  bem  6d}ü$emvege  liegt, 


ITH.  2Rerfwürt>tgfetten  unb  ^Jartieeti  ber 

ttmgcgenb. 


gür  Steifenbe.  tvclcfye  ftd>  einige  merfivürbtge  Tanten  tn 
33e$ug  auf  bie  tyier  jufammentreffenben  Halmen  anfefyen  wollen, 
ftnb  ju  merfen: 

1)  Der  93af)itr)of,  für  beibe  ©efellfcfyaften,  bie  nieberfdjL* 
märfifetye  unb  fäcbfifd)  *fa)lefrfcbe  eingerichtet.  Vic^t  vor  bem 
grauentßore  an  ber  3'^"^  Qtyauffee  auf  ber  (Stelle  beä  ebe* 
maligeu  3aniiafd)'fa>en  ©runbfiücfeS,  roelajeö  ein  alter  iRitter* 
ljof  war,  in  bem  im  3-  1641  bei  ber  Belagerung  ber  (Btabt 
ber  (Sfyurfürft  von  Sacfyfen,  unb  im  jtebenjäbrigen  Kriege  auf 
einem  Durcbmarfaje  grtebrid)  ber  ©rofe  ifyr  Hauptquartier 
hatten  Die  3 tan  Faune  ba$  ©runbftütf,  welcbe$  $uUw 
bem  SDcaurerm  ei  fiter  Wepler  geborte  unb  verfa)enfte  eä  Öefyuf* 
Anlage  be$  5)at)nl)of$.  (£r  nimmt  einen  glädjenruum  von  6853 
D.  Ruthen  ein.  Da£  (£rpebitü>nögebäube  tn  in  einer  xHvt  r»on 
Jtirdjenftyl  gebaut  mit  2  Stürmen  unb  von  feinem  fiacben 
Dadjc  eine  vortreffliche  9lu$ficbt. 

2)  Der  9ceifjviabuft  crfjebt  ftd}  vom  gewöhnlichen  2Öaffer= 
fpicgel  biö  atv  s>3abnbobe  112  Auf*,  aber  140  Auf;  über  ber 
<5or/le  beä  tief  jl  gegrünbeten  SÖafferpfeilerä ,  bie  gange  be$ 
*Biabuft$  betragt  1506,5  Auf?  unb  beftet/t  au6  30  balbfretö- 
formig  überwölbten  Oeffnungen,  von  benen  bie  3  bem  linfen 
bofyen  Ufer  gunäctyft  gelegenen  71  guf?,  bie  3  barauf  folgenben 
60  guf ,  bie  5  näcbften  40  gufj  unb  bre  übrigen  19,  in  brei 
©ruppen  verteilt,  30  Juf  weit  ftnb.  Die  Breite  befl  für  ein 
Doppeigleid  eingerichteten  SBtabuftö  beträgt  27  %n$.  Drei 
Söafferpfeiler  ftnb  auf,  von  6punbroänben  umgebene  ^fatylrofte, 
12  $feiler  ftnb  auf  gewaebfenen  gelten  unb  bie  übrigen  ber 


(Sifenbatynanlagen. 


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713 


Heineren  Sögen  auf  eine  fefte  <Sanbfd)id)t  gegrünbet  $a$ 
Material  biefem  Sauwerfe  befielt  au$  fettem  ©ranit,  wel* 
d?er  m  ben  ty2  ÜReUe  entfernten  &ebjtemer  Stödten  gewonnen 
wirb.  3«  b*&  ©ejimfen  unb  ©elän&cr*3Jcauern  ifl  ^odjfircfjer 
Sanbjtein  t>erwenbet.  Die  53rüdt  fofiet  überhaupt  640,686 
Sr;lr.  26  Sgr.  3  $f.,  alfo  ber  laufenbe  guf?  428  Xfjlr.  Die 
Srücfe  ift  am  Sefien  von  ben  Dbermüfylbergen  überfein. 

3)  Der  öennertbarfer  Stabuft  ift  479  guf  lang,  36  gut? 
fyorf)  unb  bef)e|t  au*  11  r)a(bfrei£förmig  überwölbten  Deffnun* 
gen,  )>on  benen  bie  äufjerften,  welche  al$  2Begebura)faf>rten 
bienen,  32  gufj,  bie  übrigen  aber  18  gu£  Spannweite  erfyal* 
ten  fyaben.  Die  an  ben  Xfyalränbern  ftefyenben  $fetler  ftnb 
auf  feften  «Äied  gegrünbet,  bie  mittleren  nod)  mit  (Spunbwän* 
ben  umgeben,  Der  Siabuft  iß  von  feftem  weifen  Sanbftein 
erbaut,  weiter  in  ber  ©egenb  von  «£>oa>fira)  bira^t.  (Sr  foftet 
überhaupt  58,141  flfjlr.  22  6gr.  6  $f.  Der  laHfenbe  gup 
alfo  121  £f)lr.  11  Sgr.  5  $f. 

Der  Setradjtung  werty  ftnb  nod)  bie  gelfeneinfdjmtte  ber  ' 
Sar)n  bei  $enner*borf,  £eopolbdr)apn  unb  sJRot}&  welche  un* 
gemeine  Sa)wierigfeiten  gemadjt  r)aben.  (Sbenfo  auf  ber  fäa> 
|tfa)*fa)leftfcr)en  @tfenbat)n  ber  (£infcf)nitt  unb  Sau  bei  ben  fo* 
genannten  Sajrtbelteidien  hinter  ber  baufcner  (£t)auf[ee  auf  ftaufay 
walbe  su. 

2Beitere  angenehme  Spaziergänge  ftnb  nad)  9Jto)6,  jen> 
feit  ber  Wei&c,  tf>cilö  auf  Der  Seifcenberger  Gfjauffee,  tr)eü$ 
auf  einem  gußwege  über  ba$  SBetter'fcfye  Sorwerf,  nad?  ge* 
fer)el)cner  lleberfal;rt  über  bie  9feif?e  bei  ber  übermüde,  ju 
erreichen. 

Die  3nfel  am  oberen  9?ei(jfluffe  bei  beit  Dbermüfylbergen 
gelegen,  ift  feit  bem  $txb\t  1849  ein  beliebter  3krgnüguugäert. 

gerner  2efa)wi&,  1  Stunbe  »on  ber  Srabt;  Stabmeri^, 
2  Stunben  »on  ber  Stabt  (wofelbft  baä  gräuleinftift  3oaa)im* 
ftein  mit  feinem  fa)önen  ©arten),  1  Stunbe  oon  bort  ba$  in 
altertr)ümlia^em  ©efdjmarfe  reftaurirte  Sdjlojj  ^ornuifc. 

9tad>  Aenneräüorf  werben,  (aufgenommen  ben  3Rittagd* 
jug  um  2  u^r)  bei  jebem  &of)lfurter  3uge  $affagtere  mitge* 
nommen  unb  Sületd  für  $in<  unb  £Rücffabrt  (3.  Sit.  2%  Sgr., 
2.  &(.  5  Sgr.)  ausgegeben.  3n  ber  9täbe  biefeä  jDrteä  ge* 
wäfyrt  ber  Äalfjkinbrua)  unb  ber  babet  befinblidje  jieile  mit 

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714 


bem  fogenannten  Xeufelflftetne  gefrönt*  «fmgel  einen  frönen 
Umblicf  auf  bic  Umgegenb. 

33et  weitem  belobnenber  ift  bie  Sluötlcbt  von  brei  bereu 
teureren  ©ergen  unb  ©erggruppen  in  ber  ^cafye  von  ©orlifc, 
ber  SanbeSfrone,  ben  ijauermcfer  unb  Jtönigdbainer  bergen. 

Die  SanbeSfrone. 

tiefer  1303,6  par.  gufj  fyorje,  nur  eine  ©rnnbe  wejtlid) 
von  W6rln>  gelegene  33erg,  an  beffen  Anne  in  ®xop  unb^lein- 
$ie$nt$  für  ben  Chrauitfungfucbenben  ebenfo  geforgt  ift  rote  auf 
beut  33erge  burd)  bte  AieiuelTcfie  ^ejiauraiion ,  gewährt  eincä 
ber  pradjtvollften  ^anorama'ä  in  ber  ganzen  Überlauft^,  lieber 
ben  $erg  felbft  unb  alle*  wifjenäwürbige  in  $e$ua  auf  mitte* 
ralogifäe  SBcfcbaffenfjeit,  botanifdje  (£igentl)ümlia)i:eiten,  *Sh$* 
mtt  unb  @efdjid)te  gewährt  eine  f leine  Sdjrift:  „93efd)reibuna, 
ber  l'anbeäfrone  bei  ©örlifc  nebfl  ben  (sagen  unb  ber  Q)etd?id)ie 
biefe*  93erge$.  ©örlifr.  1847.  82  6.  16.  Verlag  von 
©ottbolb  ^einje  u.  (Somp.",  welche  foworjl  in  ©örltfc  ald  auf 
.  bem  öerge  p  fyaben  ift,  fjinlänglidjen  Muffölaji. 

Die  3auernirfer  $erge. 

Der  2Bcg  von  ©orlifc  nad)  3*uernid  fann  trjeilä  unmit- 
telbar auf  bem  gufnvege  über  5Me$ni&,  rbeilo  auf  bem  Satyr* 
wege  über  ©ieämtj,  am  angenefymften  aber  auf  folgenbe  Üöeife 
gewählt  werben.  üRan  gebt  burrf)  ba6  Aiauentbov  bie  x\afobo 
ttrape  fyerauä,  folat  beren  Verlängerung,  ber  3<^uer  errate, 
Luict>t  bei  ben  ©embergen  rea)t$  ab  naa)  bem  s£ie3ni$er  Ibale, 
von  ba  an  ben  gujj  ber  tfanbeöfrone  unb  bann  über  oad  boaV 
gelegene  Äunnerwifc  nad>  3<uiertücf.  Dort  fmb  jwei  $erge, 
ber  ©urg-  ober  5treut.berg  unb  ber  93ttfaV  ober  ^ofjberg. 
©ei  beiben  53ergen  fyerrfcfjt  ber  ©rantt  vor,  befonbert  auf  bem 
©urgbereje.  Der  ganj  mit  ffialb  bewacfyfene  ©ufd)berg  fyat  eben* 
faflä  faß  bid  an  bie  tfuppe  ©ranit.  (Stwa  breiig  Schritte 
vom  ®tpfel  jeigen  fic^  93afaltgefa)iebe,  unb  auf  ber  böcbften 
mit  ©ebüfd>  bewadtfenen  ituppe  ragen  f leine  vier*  unb  fünf* 
feitige  3k  faltfaulen  unter  ber  bräunlia)  grauen  Dammerbe  vor. 
Mein  weit  bavon  liegt  eine  fleine  feffelförmige  Vertiefung,  um 
wela^e  ringsumher  ©afaltfäulen.  trtuf  bem  e.  770  guf  boben 
©erae  liegt  ein  Dörfa>en,  3auemtcf  (Jawornik  =  ^bornborf) 
welches  jweifelioä  einer  ber  und  befannten  dUcfltti  Orte  ber 


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715 


Oberlaufs  unb  au*  ber  (5a<je  na*  baö  erftc  Dorf  fein  fofl 
wo  $u  flavif*er  3*^  ^ne  #tr*e  gebaut  würbe.  Der  lefcte 
rittedi*e  Seftyer  von  ^aucrmtf  war  £avtwt*  von  $)cbfen 
(Didjfa),  welker  ben  £)rt  1234  bem  neu  öfteren  Softer  $fa* 
rientfjal  verfaufte.  Seit  btefer  3«*  *f*  Sauermcf  fortwäbrenb 
beim  Älofter  geblieben.  Die  9lu$ftcbt  von  bem  mit  einem 
großen  Äreuje  gefrönten  93ergc  ift  fefyr  f*o"n.  9Nmmt  man 
bad  ^erfveftiv  jur  #anb  unb  wenbet  ft*  na*  Söejt,  fo  er* 
f*efnt  linf$  vom  4potyberge  ber  Rottmar,  re*tä  vom  ähr** 
tfyurme  ber  fanft  fattelförmige  S*o£fyube(  im  3iNauer  ©ebinje 
(ein  Sanbfteinfelfen  bei  9ceu*£artI>aH>,  linf*  über  ben  $tt* 
ter$ba*er  Änorrberg  Der  Bollberg  bei  Liemes  in  Söhnten, 
ber  3ef*fenberg  bei  Welchenberg,  wenig  linfS  bavon  ber  &um 
3fergebirge  gehörige  ©ifeleberg  ober  Mihi* berg ;  $wif*en  bem 
SRoltbcrge  unb  bem  ÄeuUgen-^erge  ber  Scrjwar^eberg,  im 
«gnntergrunbe  be*  28ittig*a(e*  auffteigenb;  wenig  re*td  über 
ber  <£eibenberger  Miwbe  bie  runbli*e  befalle  Muppt  be$ 
6emrari*0;  mittm  vor  ber  Äiefcnfovve  ber  «§o*ftein  bei 
oebreiber^au ;  etwa*  linte  fjinter  ber  £anbe$frone  ba0<5ommer* 
l>aud  auf  bem  ©eieräberge  bei  SRengeräborf ;  linf*  bavon  Siebflein 
mit  bem  £errcnl)aufe;  ovif*en  Sfebftein  unb  bem  gimaSberge, 
ein  £errenf)au$  mit  einem  Sburme  —  Daubifc;  jwif*en 
ber  £anbe$frone  unb  ^faffenborf,  ber  na*  ^Pfaffenborf  gefjörenbe 
®eu*enberg;  linfä  hinter  bem  mit  3*e9e*n  gebeerten  Jtrif*aer 
«frerrenhaufe  ba$  $ei*namer  6*lo£  mit  einigen  <S*ornfteinen. 
DaJ  fyier  oa6  ganje  (auftfjer  ©ebirge,  ber  2Boblif*e  unb  grieb* 
Idnber  Äamm  unb  ba$  fötefengebirge  in  befter  $üt$bef)nung  ui 
überfebauen  ifl,  brau*t  nicht  weiter  erwäfjnt  $u  werben. 
(Sin  33efu*  btefer  Serge,  welche  mit  gufjrwerf  in  einer  6tunbe 
von  ©örlifc  ;u  eneieben  jtnb,  wirb  9tiemanben  reuen. 

Ü>ie  ^önigSfyainer  53erge. 

2öenn  bie  fcanbeöfronc  unb  3auernicfcr  $erge  bur*  bte 
von  i^nen  au*  \u  geniefenbe  ?ludft*t  befu*en$wertfj  fut$, 
verfnüpft  ud>  an  bie  «$önig6f>ainer  93ergc  neben  biefem  no* 
ba*  antiquarif*c  3nterejfe.  $ier  wie  an  wenigen  Drten  ber 
©berlaufifc,  wirb  e$  flar,  bafj  bte  giganrif*  aufgetürmten 
getömaften  nur  ^robufte  einer  großen  (§rberf*utterung  fein, 
bafj  uc  in  einer  ber  foioffalen  Revolutionen,  wetebe  na*  natur- 
Mtortf*en  gorf*u«gen  bie  ©eftalt  be*  (Srbball*  gänj(i*  ver* 


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716 


nxmbelten,  in  ber  jemgcn  2Öeife  fytroorqtbxaüit  feien.  Die 
gelGflumpen  ftnb  nicht  allein  auf  ben  Sergen,  fondern  and) 
in  bem  über  eine  3 tunke  langen  malernd)  am  Ufer  eineä  @e* 
birgflbacheö  jerfrreuten  Dorfe  aumhh olmin,  vielfad)  ui  finben. 
Die  Jtönigäbainer  Serge  beftebeu  aud  folgender  von  Sübweft 
nach  9corbweft  fich  in  einem  ^albjirfel  hinjiebenber  Serggruppe: 
bem  Jtämpfenberge,  ^ocbjtein,  Üobtenfitein  und  Schwakenberg. 
Den  Schluß  macht  ber  Simadberg,  an  beffen  «£>ange  baä  Dorf' 
d)en  Viehteiu  liegt.  9tte  riefe  Serge  gehören  ;u  ben  fanftan* 
fteigenben,  ber  tyodtftt,  ber  ftpdMto,  liegt  1210  gujj  über  ber 
ÜJJeereöfläche.  Die  Steinart  auf  den  gröj?tentr)eüd  mit  Vaub* 
unb  WareiM;  bewact/feuen  Sergen,  ift  ein  meißer,  uns  gelb' 
1 1 et > e  fallender  grobförniger  (Kranit,  ber  ftch,  wegen  der  feften 
Sßerbmbung  n>ie  Sanbftein  verarbeiten  laßt.  Die  Seftanbtheiie 
ftnb:  grauer,  bisweilen  bräunlicher  ha  Ibtnirrfm  einher  Duar$, 
gelblicher  gelbfpatb  unb  fcbwär$licher  auch  oft  grünlicher  OHunmer. 
3uweilen  jeigen  ftch  in  biefem  (Kranit  bunfelgelbe  Sldern,  welche 
ihre  garbe  von  einem  bräunlichen  geldfpathe  erhalten,  än 
verfchiebenen  Stellen  nur  et  man  fogenannte  Sergfriftalle  unb 
Ocaucbtopafen  in  fünf-  unb  feebdfeitiger  ^rte^menfornt  mitten  im 
Kranit.  V t  n  r  bem  ^ochftein,  Xodtenftein  unb  ber  wejtltcbcn 
(Seite  de&  Sd)Walbenberge$  ftfben  von  allen  Seiten  frei  eine 
9ftengc  fenfrechter  ©ranitfelfen.  Diefe  oft.  100  gut?  im  Um» 
fange  jäf)lenben,  jwifchen  60—80  gu£  fyofytn  gelömaffen,  trtu 
halten  ohne  Vtn^uahme  Schichten  unb  Sänfe  von  vermiedener 
Dicfe,  oft  von  wenig  $cU,  oft  bid  fünf  gup  ftarf.  Die  gor* 
men  biefer  &o(offe  ftnb  bie  mannigfacr/ften,  unb  außerordentlich 
malerifd)  burch  da$  fte  verhüllende  Steinmooä  von  verfchiebe- 
nengarben,  die  au  unb  auf  ihnen  wachfenben  Sirfcn,  Suchen 
und  binden,  den  ranf enden  (SphcMr  °ie  verfchiebenften  Sperieä 
von  garrenfräutent  unb  $lngelifen,  welche  gwifchen  ben  gelä* 
Hüften  bie  ragenden  Säume  und  blühenden  Sträucher  wuchernd 
umfchlingen.  Daß  febou  mehrfach  (£inftürje  gefchahen,  betret 
fen  die  im  Grunde  liegenden  gelfentrümmer,  deren  jum  I  heil 
mit  Iii  de  unb  s]ftoo$  bebeefte  Mimten  von  Säumen  überschattet 
find.  Die  fchönfte  VinonclH  bietet  ber  echtem;  da$  antiqua* 
rtfehe  3nterefK  feffelt  mehr  ber  Xodtettftein ,  deffen  höc&ffe  gelfen 
in  einer  Gruppe  von  circa  50  ^oloffen  tiefer  8rt  in  beimrifcber 
3eit  ;u  JDpferpläfcen  und  ;m  3  obtemvahlüan  gedient  haben, 
wie   die   häufig   bort    gefundenen   Xobtenurnen  btwetfen. 


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717 


Der  gnrftenfiem  ift  mit  feiner  ©dule  im  3.  1 789  jum  Hnben* 
fen  an  f>rcrn  t>.  6chachmann  einfügen  SBefi^cr  ber  Serge 
unb  fceä  Dorfes  gegiert.  Die  Stufen  auf  bem  4pod)ftein  ftnb 
1753  angelegt  roorben.  2ö%enb  bie  malende  Sdjönheit  be$ 
einft  mit  einer  roenbifdjen  fpäter  beutfdjen  Surg  befeftigten  St* 
maöbergeS  baburch  vernichtet  warb,  bafj  feit  bem  3af)re  1843 
bie  bort  Borhanbenen  gelämaffen  abgebrodjen  unb  großenteils 
jum  Sau  beS  foloffalen  (Jifenbahnttiabufteö  sernjenbet  worben 
ftnb,  ift  bur*  ben  Slnfauf  beä  £od)ftein$  im  3-  1844  leiten* 
beS  £ofrath  »,  $ev>ni&  unb  ber  be$  Sobtenfteinö  Seitens  Sr. 
^Äajeftät  beS  JtönigS  bie  ©efahr  beS  wnichtenben  SftrijjelS 
t>on  biefen  Sergen  abgewenbet  worben.  —  Um  bie  Serge  »oll* 
fitänbig  mit  ben  merfnnirbigen  Stemmajfen  ju  beftchttgen,  ae* 
hört  ber  3«traum  «neS  XageS;  beSwegen  wirb  ftd)  ber  Se^ 
fudjer  auc^  in  Sejug  auf  Lebensunterhalt  einrichten  muffen, 
inSbefonbere  ba  im  Dorfe  aujjer  Srob,  SDfilch,  Sutter  unb 
Ääfe  nichts  ui  befommen  ift. 


IX.  Sttfhmatettno«}  für  1850. 

A.  ©arnifon. 

f.  (Stamm  bed  1.  BaiaUfont  (©örtifc)  G.  £ar.bn?eljr ;  ^Regiment*. 
Sfogalla  u.  5Mberftein,  SRajcr  unb  äommanbeur.  —  Sanbaetjr:  Ulanen; 
Stamm:  «ftommanbeur:  Lieutenant  v.  ©alomon,  fommanbirt  »om  4.  J)va-' 
goner  •  Regiment.  —  SWorife,  ^Bataillons?  9lr$t. 

2.  Stamm  be*  1.  «Bataillon*  (©öriife)  3.  Warben ?anbn?e^r < 9tegi* 
ments.  tfommanbeur:  SWajor  o.  SÄanbon?.  3ur  (stammfompagnie  fomman* 
birt:  eieutenant  ».  $urtli$  v.  Äaifer  $ran$;JRegiment.  —  ©ataillonö  $rjt: 
©c^trarj. 

3.  £aa  7.  Säger;  «Bataillon,  tfommanbeur:  SJJajor  SWeine.  —  «Ba* 
taidon^  Slr^t:  intenm.  «Worte. 

4.  ©end'barmerie,  6.  JBrigabe.   ».  «fcaedler,  aÄajor. 

B.  ©eiftltchfett  unb  höhere  Schulen. 

I.  ®eifUid>feit. 

1.  (£vangelifcf)e  ^arodfie:  ©ur^er,  i.  *#rebiger  unb  £gl.  <Su^mn? 
tenbent  —  $aupt,  2.  ^rebtger.  —  «fcergefeU,  3.  $rebiger.  —  @cf)urid)t, 
4.  $rebiger.  —  jtoamettf,  5.  «Rrebiger.  —  Älingenberg.  Äantor  unb  SWu* 
flfbireftor.  —  ©örmar,  Drganifi  ber  <St.  $eter*Hr$e.  —  Xöptrt,  Drganifl 
ber  Sreifattigfeitlfirdfe.  -  9ötnberlid>,  $racentor  ber  @t.  ^eterrtirdje.  — 
SBiebmer,  «ebituu*  ber  <St.  $eter«fird>e.  -  <£d)ubert,  ©lodner  ber  £>reu- 


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748 


faltiftfeiMirdfe.  —  $erm,  Äirtrjeubiener  ber  <St  tyderMitQt.  5k*  e*a*r 
aelifäje  Jtirdjenfolleguim :  SÖüraermeijier  Spnbtfu*  3ufHjraih  ftifätx,  Üöor* 
ffyenber.  —  bie  obengenannten  ©eifUIdjen.  JtJe^uHrte:  ftinjter.  —  Sernbt.  — 
3nnmermann.  —  ©Än$el.  —  (Salin.  —  Äraufe. 

2.  Die  ftixüft  ber  ©trafanftalt:  (sdjevfcig,  1*rebi$er,  —  Heuser,  Sa* 
tor  unb  Craamjt. 

3.  »ei  ber  fatholifäen  ©emetnbe:  €tiüer,  Pfarrer.  —  3ul  »ein- 
olb,  <2cr)u((ehrer,  verfemen  jugleid)  bie  ^eelfora/  für  bft  .Satholifen  frei 
er  f.  Sfrafonftalt.   .wirdjeitvorffet^eT:  3»feVh  Ottrborf.  —  ftranf  £ct»are. 

4.  31  n  ber  dmttfjtluU.  (Bemetabe:  Hermann  flörfter,  ©febifler.  — 
lehret  €  eiler,  Organiji.  —  <Sct)n*tber  »iefc,  ÄirdKnbiemr  ©erftanb  iinb 
Äeltcfie:  Jtan§leibireftör  Dittricb.  —  Uhrmacher  Qkqnrtfp.  —  »at^jouw 
uatiji  $hUiW.  —  €taMI>auptfaftenbudjBafter  3Hmann.  —  öflafertnfrt.  Sei 
ler.  —  ®emüftt)unbler  Ängnitin  <5(fmttbt.  — *  S^fermertier  fleftt.  —  &iri- 
rurguö  Jeimann.  —  8Saagemeijier  $öfrl.  —  (Sbiwrb  Ximmler,  —  Äa«£ 
mann  Slbolf  Traufe. 

5.  Än  ber  eoangel.  lutljer.  ©emeinbe:  ^rebiger  9t.  $ajert  tu  SJunj.- 
(au,  tu  beffen  $arod)iafbe$irfe  bie  {jiefige  ©emeinbe  geh&rt.  Serftanb  w : 
©.  Lehmann  unb  Sil^elnt  ftrifc. 

6.  3«bifdu'  ©emeinbe.  Leiter  ber  geifllidjen  8u*Ftk>n  unb  9Miawn*= 
leerer:  9iabinat$-'£anbibat  .Kampf.  —  ^rovifortfdier  iöoritanb:  Kaufmann 
^Berliner,  SWener  fceto.  ©otteäbienfi  wirb  einteilen  bie  tut  Sluafnhrmig 
be*  projeftirten  Saue«  einer  (Sönaaoae  in  einem  gemieteten  Sofale  ber 
«Wifolatgaffe  abgehalten,  ©emeinbe^ttglieber:  22;  @eelenja^l  ber  @e* 
meiiibe:  über  100. 

II.  #ö$ere  «^ulanflalten. 

1.  ©ömnaftum.  Dr.  Hntou,  ^rofeffor  Rect.  Gymn.,  —  Dr.  6tmr, 
Conrect.  Gynin.  —  Dr.  9ti>öler,  Otortetjrer.  —  Hertel,  Oberlehrer.  — 
•Kögel,  Oberlehrer.  —  Dr.  üöiebemanit,  Oberlehrer.  —  £üngenber$,  9Ru- 
fifbireftor,  ©efanglebrer.  —  .ffaberfd},  3eid)nenlehrer.  —  tBöffd)er,  Turn- 
lehrer. —  ftuljrmann,  ®nmnaftal-3tuf»5rter. 

2.  höhere  SBürgerfdjule.  Naumann,  Jt&nigl.  $roftffcr,  SMrtfter.  — 
Dr.  <S.  Xillid)  II.,  Oberlehrer.  —  Seiner,  Oberl.,  —  Ijfchafdjel,  Oberl.  — 
Dr.  8.  Xiflid}  \.§  Oberl.  —  «Öeinie,  Oberl.  —  Xhiemann,  Oberl.  —  gritfdje, 
Oberl.  —  <£d)afer,  gefirer.  —  Äraufe,  Lehrer.  —  Söifbner,  Sehrcr.  —  Älin= 
genberg,  SWufifbireftor,  ©efanglebrer.  —  Äaberfcr),  3<irt>nenlef>reT.  —  $re- 
biger  «frauM,  &eligion«lebrer.  —  *8öttd)er,  Turnlehrer. —  Öonrab,  Sdjulbienrr. 

3.  £ie  mit  ber  höheren  SBürgerföule  »erbunbene  aftäbdjenfchule: 
Äaumann,  Äonigl.  *ßrofeffor,  JDireftor.  —  Ztfdiafdjtl,  Oberl*.  —  Dr.  51. 
XiUid)  I.,  Oberl.  —  Xhiemann.  Oberl.  —  2üilt>ner,  fcebrer.  —  $inr»art, 
Lehrer.  —  Langenberg,  attuflfbireftor,  ©efangle&rer.  —  Äaberfch,  3eid>nen^ 
lehrer.  —  ?8üraer,  1.  $rcb.  u.  ©uperintenb.,  JRefigion^lehrer.  fcehrfriu* 
nen:  ©tabame  ^übler.  —  ftraulein  Äun§<.  —  Fräulein  33ro$e.  »öttd>er, 
'X  urnlchrer. 

i.  Äonigl.  ^anbrathamt.  Sanbrarh  S  v.  ^au^ifc  auf  Weugeteborf. 
—  Äreiifelretar:  Mennig,  £att»tmamt  a.  2).  —  30mer,  interimi|t  Äreif» 


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749 


2.  ÄMtia,L  Äreidgeridjt  in  ®örli*.   A)  9tu»ter*£ol(eahim:  Stute 

®eri$t*.-3>ireftor:  Mbnia;  Mx.tQtr.mfy:  *LW%,  ^aul,  m  $eüai, 
».Äamty,  $aberftrt>f>m ;  £ret*ri$rer:  ÜJjltfter.  ®ärtner,  Berf,  o.  ©focrra«!», 
^feunifltoertf)  bei  ber  (&eridjt*comimtiion  in  9tetd)enbadj. 

B)  ©taatöanmaltfdjaft.  ©taatöantoalt:  J6c|fma»n;  $oli$eiamoalt : 
J&errrumjjf. 

C)  «Subaltern Beamte,  a)  ©efretäre:  2>ittrid>  (äanjleUStreftor). — 
Sinbmar.  —  Äa&lert  —  XieSler.  —  ftlect  —  b)  Wenbauten:  Mit, 
€>alariett'-ÄQffen;9ifn&ant.  —  ©djönborn,  Devojital  'Staibant  —  ©trfdfe, 
©al.'JtaiVÄontrcllcur  unb  2 Nortel  -  ftrab.  —  c)  Aalculator:  .Hrawer. — 
d)  Botenmeifler  unb  (Pre cution^Snfpeftor :  JRi$ler.  —  e)  ,Uan^lei  3n 
foeftor:  -öornig.  —  f)  Bureau  ;®el(>ülfen:  ©tarfe.  —  ^ojfmann  (9tefeTe*b.)  — 
ganger  (äu*fult.).  —  fcrö&lid).  —  ©refdjeL  -  @tw$ba*>.  —  Sern.  — 
Bogel.  —  X&terbadj.  —  ©runer.  —  2Bel§.  —  3Bcit»ner.  Bei  ber  Qkt\ü)t*: 
Äoramifjton  in  9t<tct)enbad) :  Jj>oljbed|er  unb  SHutter.  —  g)  (Sitol  super 
numerate  unb  Slpplicanten :  ©iefdje.  —  ©d»re"iber.  —  Äafdffe. —  h)  ©e- 
fangBen^nfoeftor:  Belifc.  —  i)  Boten  unb  (Rrecutorö :  SRicrjaelia.  —  äijler. 
—  £aacf.  —  £armutf).  —  Bö^m,  —  £aafe.  —  «iebe.  —  (Sbelraann.  — 
Ohrfelö.  —  Siemen«.  —  ©09t,—  ©djtoanbadj.  (3n  SÄeüfrenbac^:  SKuller.) 
k)  fcafmfdjr  eiber:  ©Wert.  —  £ouat.  —  äRortell.  —  Älrfe.  —  (Mrüfael 
L  unb  II.  —  Üöetfe.  —  Seifert.  —  Bntfd>ar*rY  —  ^errmamn. 

D)  9ied)ta  anwalte  unb  Notare:  Jperrmann.  —  ^ctjolje.  —  ©cJ>n« 
bert.  —  Utte(fc  —  ©Übt.  —  3iUe. 

3.  ÄdnigL  «ßoft--eont^toir  in  ©dritfc.  $oftbireftor:  3^»eb6.  —  $ofr 
fefretdre:  JKlein.  —  ©djutfc.  —  §cf)»mbt.  —  MbHtx.  —  SWanitiii«.  — 
ßfmeforge.  —  JRidjter. 

4.  Mbuial  Steuer;  unb  ©aljfcertöaltung.  ©teuerratn:  ©uifdjarb.  — - 
$.*@t.*«.*8fenbant:  ©d)üfce.  —  $.*©t.* «.--Äontroleur:  Betrete.  — 
©teuer^nfpeftor:  ^übner.  —  4?.*et.-'3L?9lfflftentcn:  Süolft.  —  fcaugfaj.  — 
©enffert.  —  @aI$?$aftor:  t>.  ©acf.  — •  i^or^ontroltfuriJ :  Ätnfae.  — 
Jtieper.  —  Barufcf».  —  ©rüttner.  —  BocNfjammer.  —  Bergna  —  Be* 
rittener  Steuer--9tnffeJ|er :  ©tilleT.  —  ©teuer*Äuffefyer:  ©<ruer.  —  2*1115.  — 
Siemen*.  —  Dttinger.  —  ©toll.  —  $et>born.  —  Hamann.  —  <&$lc 
Ml  —  ©tumpe.  —  $.*©t.»«.-3>ieiier:  Bierbrauer.  —  ©ett>id>tfefccr: 
£orbler.  —  @ali.toärter:  Stifter. 

5.  Äönial.  ©trafanfialt.  A)  Cberbeamte.  $ireftor:  9to§..— -  1.3n.- 
fpeftor:  Äldbifdj.  —  2.  3nftjertor  unb  lÄenbant:  Xljimanu.  —  ©efretair: 
©e»bel.  —  (Langel.  »njralWprebiger:  ©d>op*ig.  —  .tat^ot.  «nfralt^re* 
biger:  ©tiller.  —  Äantor  unb  Sefper :  Xeutfler.  —  «urtattfurjt :  Dr.  ©lo<f*  — 
Üöunbarit:  Ärei*dnrurgu«  ©djraibt. 

B)  Unterbeamte.  £au*t>ater:  SPfönfe.  —  S&erfmetjter:  ©tuulj.  — 
C)bers2luffel)er::^leif^er.  —  9tuffe^er:  Siemen«.  —  ^icr)tner.  —  ©r^uli,— 
©$ab»t*.  —  €  türm  er.  -  ^ouetjd.  -  »amfty.  -  müet.  —  »lum* 
tben.  —  ©erdjan.  —  3oberbier.  —  Äinb.  —  ^ifefeer.  —  Äan.  —  Beer.  — 
«fcoWe.  —  Pförtner:  ©entel.  —  9lac^tiSluffeher :  &erbi»anb.  —  Pfeiffer.  — 
^ülfdauffe^er:  Äirft.  —  Bartfch.  —  3ntermift.  4«lfaauffet>er:  sie^e.  — 
aöert^. 

6.  ÄreitftCefonomie^äommifflott.      SW&Uenborf,  Oef.'Äommiffariu*. 

7.  £a«b-  unb  ffiafferbauinfreftwtt.   »tüller,  ^ieut.,  iöeaebaumeifier. 

8.  Möniqi.  Bau^^anbtüerfer^rüfunad^ÄommiHton.   Äd^ler,  «Stabt« 


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720 


rat$,  $r«ft«.  —  Hamann,  Äönia,!.  ©auinfvefcor ,  ©aura$.  —  SBeinWb, 
etabtbauTatt».  —  dWüller,  Äönigl.  aSegebaumeifter.  —  ©einfcer:  Äie#rr, 
9Waurermeijter,  —  Siffel,  Siaurermeitfer,  —  ©enbe,  3immermeifter ,  — 
©eramann,  3immermeifieT,  —  Äefler,  Srijornfteinfegennjlr.,  —  (foner, 
S  dnef erbecf  ermetfier. 

9.  Äönigl.  Ärei«^anbiverfer^rüfung«-Äomnu}Ticn.  Möhler,  Statt* 
raty,  $rafe*. 

10.  Äönigl.  $arlef>n6fafte.  JBvrjianb:  Sattig,  3uftijratb.  —  SRenbant: 
3llmann,  Stabt;£vt.?Ä.j©.  —  ©udjoalter:  Äiern^,  @rb.:£.;Ä.s©.  — 
Äanilijt:  £entfdjel,  Sbt.*£.*Ä.-Ä.  —  ©ürqerfdjaftlidje  *Bortfanb«müatie-' 
ber  ft«b:  1)  Äaufm.  «erb.  Sctynift.  2)  Äaufm.  $ave.  3)  Äaufm.  Starte. 
4)  &aufm.  (Sontt.  5)  (Sommerjientatl)  ©auer.  6)  ftabrifb.  ®eifcleT.  7)  Äfm. 
«Vüfa.  8)  Äfm.  £ecfer.   9)  Äfm.  ©ettel.    10)  9tyotl>.  Errufe. 

11.  Sdjieb*männer;3nftitut.  1.  u.  2.  ©ej.:  Sdiornjietnfegermeifier 
Heller.  —  3.  u.  4.  ©e$. :  Sebrer  (Sauer.  —  5.  u.  6.  ©ei. :  Xudjawretfur 
3X>ring.  —  7.  u.  8.  ©ej.:  Äaufm.  2ubif($.  —  9.  u.  12.  ©ej.:  £ud>ma*rr.' 
meifter  Gonrab.  —  10.  u.  11.  ©e$.:  Sudjfabrifant  »eljfelb.  —  13.  «.14. 
©e§.:  Seilermettter  unb  Stabtratb  Prüfer. 

12.  ©örlifcer  ^anbelcfammer.  $räjibent:  Kaufmann  aoit.  Edmübt 
;u  ©örlifc.  —  SWitglieber:  Äaufm.  £einr.  £«fer  be*gl.  —  $abrifb.  Q*ei|ler 
beflgl.  —  Äaufm.  Certel  bedgl.  —  ISommerjienratr)  ©auet  bf«gl.  —  Äfm. 
£aüe  ju  SXeidjenbact).  —  Äaufm.  3ä*ridj  be*gl.  —  Stellvertreter:  ®iit«- 
beüfcer  unb  Stärfefabrifant  SWeuber  in  3obel.  —  Äaufm.  3ametf  Sa>mi>t 
gu  Wörli^.  —  Äaufm.  91.  Starte  be*a,l. 

13.  ©etverberatl>  ber  Stabt  ©orlifc.  1)  £aubiverferjtanb.  SRittfitta: 
Äurftyiermeifter  Stabtälteji.  (F.  %r.  fyoxcx.  —  3immerraetfter  ($.  ©og* 
ner.  —  Sd)neibermeiöer  3.  g.  3.  9lnbre«.  —  Äuoferfdjintebmetfter  C*.  »tonis 
Jöertram.  —  SJiaurergefelle  Setymann.  —  Sd)ubma(t)ergefeUe  feinte.  — 
Xudjmadjeraefelle  £drge.  Stellvertreter:  Sdjutjmadjermirr.  3.51.  ftritfcfye.  — 
Sffymiebmeifter  3.  £elbred)t.  —  SWaurermrtr.  3.  ®.  Sind.  —  Söeber* 
mfir.  3.  3.  9töber.  —  Sd>n«bergefelle  Jpojfmami.  —  Sucfcfdjeerergefelle 
$reifct>e.  —  5leifd)er^rfcUe  2Heber.  2)  £anbel*j»anb.  Äaufm.  gerbinanb 
Schmitt.  —  Äaufm.  4?einr.  Werfer.  — -  Äaufm.  fRob.  Cettel.  —  Äaufm. 
(Subäu*.  —  Äaufm.  "9lugujiin  Scbniibt.  —  Äaufm.  3ul.  Äöa,eL  —  Äfm. 
9tb.  Äraufe.  Stellvertreter:  Äfm.  i.  S.  Sdjmtbt.  —  Äfm.  3ultu*  (*iffler.  — 
9l^et^.  91.  Struve.  —  Äaufm.  9lug.  Starfe.  —  91votr).  tt.  gWitfdjer.  — 
Äaufm.  ftranj  (Senti,  —  Äaufm.  g.  91.  Certel.  3)  ftabrifftanb.  üJJtt 
alieber:  gabrifb.  (£rnjt  ©eitler.  —  ftabrifb.  ®.  ^alberftabt.  —  §a-- 
brifb.  (Sari  Äraufe.  —  gabrifb.  20.  SDörina,.  —  ^abrifarbeiter  X.  ^irc^e.  — 
gabrifarbeiter  üö.  ^eibner.  —  ftabrifarbeiter  Xraug.  Jbomaa.  ©teUcer- 
treter:  ©agenfabrifant  3-  6.  Sübere^.  —  gabrifbeffyer  0.  ©.  ©eiöler. — 
^abrifbefi^er  jutarig  ©reölauer.  —  Guntmerjienrat^  (S.  @.  ©auer.  — 
gal>rifarbeiter  ®.  (*rner.  —  ftabrifarb.  Xrau^.  92at^e.  —  (*rnfi  Äeilanb. 
äJorfi^enber  be«  ©eu>erberat^0 :  Äürfdfuermeitfer  etabtältoita  iljorer.  — 
Stellvertreter  bereiten :  Äaufm.  91.  Äraufe.  —  Sorftfcenbe  ber  einzelnen 
Slbt^eilungen:  $ür  ben  ^anbtverferftanb :  Äürf^nermei^er  ©tabtältefter 
Xfyorer.  (Stellvertreter  Äuvfetfcl)miebemeifier  ©ertram.) —  $ür  ben  $an- 
beleflanb:  Äaufm.  9t.  Oettel.  (Stellvertreter:  Äaufm.  ^.  $e<fer.)  — 
gür  ben  gabrifftanb:  Sabrifbeftfcer  ö.  ©eieter.  (SteUvettttter :  gabrif; 
beftyer  Ü.  Ätaufe.) 


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721 


.    D.  «anbjtänbtfctye  Beworben. 

©raf  v.  £öben  auf  Diteber-Dtubfleborf,  «anbeääUejier.  —  t>.  Äiefetoetter 
auf  SBeifiig,  SanbedbejiaUter. 

Sanbfieuer  -  8lmr.   3uüi;vaih  3attia,,  Sanbfönbifu*  u.  ^'anbfteuer  5  c 
fretdr.  —  Sauritf,  fcanbjleuer-Äontrcleur.  —  UUridb,  £anbfteuer;Äaffiret.  — 
Woltorf,  2anbfieuer;Äalfulator.  —  ©te^an,  £anbfieuer-£anjUfi.  —  Ztytxs 
bad>,  Sinbfleuerbote.  —  Siiebel,  Sanbtjandbiener. 

E.  6täbttfd>e  «Beworben. 

1.  JWogijirat.  3od)mann,  JDberburgermtrr.,  —  fciföer,  Sürgermfir. 
u.  S^nbUuö,  3ufttjraty.  —  Söein^olb,  Sau*  u.  Siabrratlj.  —  Äölflcr,  (srfabt.- 
rat^  für  b.  ^olijeiveri».  —  Prüfer,  ©tabtr.  —  Srnwc,  Äfcotycf.  ©tabtr.  — 
©eijjler,  ftabrifbef.,  ©tabir.  —  4peinjef  Sud»;  u.  ©teinbrudereibef.,  <2tabrr.  — 
tyapt,  Äaufm.  ©tabtr.  —  JKidjtfteta,,  Äämmerer,  ©rabtr.  —  Itylmann, 
XVMp  u.  ©djonfarber,  ©tabtr.  —  .$i>rfcfdjandfD,  ©tabiratlj.  —  SRüUer, 
3üd)nermeifter,  ©tabtrat*>.  —  SWitfcfyer,  Styotljef.  ©tabtr.  —  Statte,  ®el). 
Db.^uflijr.  a.  3).  ©tabtr.  —  SWartintf,  Saumeifter. 

2.  ©tabtoerorbnete*).  «frerfer,  Jtaufni.  Sorflefyer.  —  .Riep kr,  SMaus 
rerm(ir.  33orti.-©telfoertr.  —  Cettel,  Äaufni.  ^rotofollf.  —  Jtraufe,  Äauf* 
mann,  *ßrotofoUf.;©tellvertr.  —  .Reiler,  ©djorajieinfegermjtr.  —  Stanbig, 
fcleifdfermjxr.  —  fcurfner,  $artif.  —  $obfd)all,  ©eifenftebermftr.  —  28en* 
»el,  ftletfdjermfir.  —  Naumann  seu.,  ©eifenjiebermfir.  —  SRemer,  Sudj-- 
oänbler.  —  SWattljeu*,  Xudjfabrtf.  —  ©äuiann,  ©djneibermfir.  —  X>ienel, 
tfleifdjermftr.,  —  Srücfner,  Xifdjlermjir.,  —  £ennig,  ©djnitttoaarenlj.,  — 
Serger,  ©olbarbeiter.  —  ^aupt,  Xutfofabrif.  —  «Oartmann,  ©emüfef>.  — 
£eine,  ©eifenjtebermjtr.  —  ©dmiibt,  ©emüfeb.  —  ftiebiger,  ^f«ff<rfuct>- 
ler.  —  2Jlüller,  Xudjfabrif.  —  ©artig,  5ufti«;ra^.  —  ©eiöler,  Srauermfhr.,  — 
©eilig,  Äaufm.  —  Seiler,  ©lafernifir.  —  hinter,  Jtaufm.  —  Trubel, 
©clHiijmadjermfir.  —  (Sonrab,  Säcfermtfr.  —  äHattner,  ©d)neibermftr.  — 
Döring,  Xud)aWreteur.  —  «fcerbig,  Äunftgdrtner.  —  fcifcfyer,  JBaumftr.  — 
vUUnfler,  Älempnerrnftr.  —  Xeuöler,  Äantor  u.  ©artenbef.  —  fcübera  «en„ 
©agenfabrif.  —  ©arbe,  ©artenbef.  —  Jtettmann  jun.,  ©djmibtmfrr.  — 
Sßierner,  ööttdjermfir.  —  Sonntag,  $Bunbar§t  u.  Sortoerföbef.  —  Xifdjen* 
borf,  Sädermfrr.  —  Änotbe,  XuAfabrif.  —  SRürfe,  Xud)fabrif.  —  JRefj- 
felb,  Xudrfabrif.  —  Xrillmid},  Xndjfabrif.  —  Riffel,  aWaurermfir.  —  ©djulj, 
Xudtfabrif.  —  filiere,  Xud)fabrif.  —  Seramaun,  Xuctyfabrif.  —  Sergmann, 
Xudjfabrif.  —  3iefdje,  ©eÜermjh.  —  Seramann  jun.,  3immerm(tr.  — 
Öfcii,  ©artenbefifter.  —  3Benbfdjufy,  ©arten6efifcer. —  (£ngel,  ©eilermfir. 
—  Sertram,  jtuvt<rfd)miebemfir. —  £elbred)t.  ©djmtebmftr.  —  Dlorbmann, 
Sdrfermfir.  —  §äaler,  ©dimiebmjxr.  —  $ater,  Xöpfermftr. 

3.  äRaajfharualifdje  Sureau;Seamte.  n)  ÄanileisSeamte:  SBemer, 
©tabtfefretär.  —  @reuli(b,  Äegijhator.  —  3«Nirnalift.  —  SBelfdj, 
9legtPratursSJffi|ient.  —  ©umha,  Äanjlifl.  —  «^auötoalb,  Sotenmeijter. — 
Soten:  Äru^l.  —  ©rop.  —  Jtolbe.  b)  ÄalfulaturiSeamte :  ^ilbebranbt, 
Äalfulator.  —  ©djulj«,  Sudjl;alter.  c)  6tabt|au^t(affen*Seamtc :  $ilbe« 
branbt,  ^au^trenbant.  —  Äre^fc^mar,  ^anptfaf(irer.  —  SucfyljaUer:  Äau^, 
©eiffert,  «anger,  ©c^ulje.  —  $entfäel,  Äaffirer^fnftent.  —  ©uralter: 


*)  Äm  1.  3*lt  1960. 
«fi<t»d,te  ten  öörlift.  ,  4ß 

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in 


3Unuran,  Sangner,  Äientfr.  —  $eriog,  £affen*99ote,  —  ^entfdjel,  (Srefu* 
tot  für  bte  (Stabt.  —  Dritter,  (frerutor  für  baö  8anb.  d)£örnig,  Defe= 
nomie*3nfr-eftor. 

4.  2Wdgiftratualifcr)e  $oli$eioernjalrung.  jDoer--93ürgermeifter  3«^- 
mann,  *Poli$ei--:X>ireftor. —  tfötyler,  ©tabrratn  für  bie  ^oliieroettoalrung. — 
Ätefiltng,  *l*oU$eü©erretär.  —  ©äf>r,  #«»ebtent  I.  —  »nton,  fcrpebient 
II.  —  &id)lcr,  JTattjlift.  —  liefert,  $olijei'3nfoerror.  —  $otijd*€t?* 
geanten:  ©djulje,  ©djrotr,  Mufifdj,  Äretfdjmar,  Söe^ner,  3«t)er.  — 
aöaU^er,  $olijeiamt«biener.  —  tfif»,  (»efangenwärttr.  —  ©ermannet : 
Üöettmann,  ftränfe  (festerer  auf  <|Jrobe.) 

5.  ©eiirfeoorfteljer.  3m  erftftt  ober  Äloftery^Bf jtrf :  ^tffn^dnblrr 
IM*.  —  5m  jtoeiten  ober  Dbermarft--©ejlrf:  ©dmttebemeifter  ®öfcr.  — 
3m  brttttn  ober  Sangifngaffen;i8e$trf :  <&nrHermeijter  ©pärtfltd).  —  3m 
vierten  ober  WFolauiBejirf :  Xndjfabrtfant  $raurmann.  —  3m  fünften 
ober  Äirdjiöejirf :  3üdjnerme{fter  SBüljne.  —  3m  festen  ober  9tetf-'4Bfs 
jirf:  Stfdjlermetfter  ©iebert.  —  3nt  flebenten  ober  Äo^53e^irf:  Töpfer* 
meifter  ©lauf.  —  3m  actjten  ober  ©vital^ejirf :  Xityfermeifler  (§tfp.  — 
3m  neunten  ober  9tcid>enba(f>er^e$trf:  ©etlermetfter  9let£.  —  3m  jefa* 
ten  ober  ©teinweg^ejirf :  Xudtfabrifant  Stotfje.—  3nt  elften  ober  £otber; 
S^ejirf:  Jtaufm.  $rang.  —  3m  jwölften  ober  Xetdj^ejirf:  $n<t)fabrifant 
,u  raufe.  —  3m  brennten  ober  Saubancr^SBejirf:  ©djmtebemetfter  £arf- 
mann.  —  3m  oierjefmten  ober  9tabengafen:55ejtrf :  ©eilermfhr.  $afcn? 
felber. 

6.  $omtmal*$oKjet*©telloertretung  mftanfcfca.  ($lan§en,  ^for/rmei-- 
ffrer,  ©telloerrreter.  —  »ellfn,  $orfc  unb  $olijei--©ecretär.  —  »orrmann, 
^olijeibtener. 

7.  ©erot«;9lmt.  SBürgermeifter,  ©unbifu*,  3ufiitrat$  ftifdjer.  — 
$ape,  ©tabtratfj.  —  ©dmteber,  erfter  »töeteur  unb  ©efretär. --  Äödler, 
jweiter  Söiltcteur.  —  ^Bürgerliche  <E>epurtrte :  SDeutfämann,  Sange,  @otf, 
Jtraufe.  —  ^römter,  üBote. 

8.  Sltdjamt.  ©tobt;  unb  Sanratb  2öeht!jolb,  $>treftor.  —  ^Bürger? 
licfye  SDejmttrte:   JDeutfdjmann,   ffritföe,   SBuft,   ftalfner.  —  ©nrfet, 

9.  $fanblei!jr9(nfialr.  Kurator:  Ätyler,  ©tabtrafy  —  »enbant  (ad 
int):  ©dmlje.  -—  99ete  (ad  int.):  Sladjmann. 

10.  $Öaifenljaue\  ©tabrratl)  ©rruoe,  3nfpefror.  —  ^bTtrini* 
ferator.  —  ©cfytdjt  jim.,  #au$oarer.  —  SÖittwe  ®etntij,  SBaifenmutter. 

11.  3»ang<arbettös«nfla!t.  ©tabrratJ)  ©rrnoe,  3nfVeftor.~  ©$i$i 
jtin.,  $audoater.  —  *8au$,  Sluffe^er. 

12.  »rntenbefc^äftigungö^nüalt.    ©deicht  sen.,  ©erffüfjrer. 

13.  $orftamt.  ©tabtraty,  Äammrrer  JRic^tfteig.  —  Gtaufcen,  ftorft- 
mefjieT.  —  $äfrler,  Dberförfler. 

14.  ©Ktbttföe  UnterrtdjtUanftalten.  I.  Sortbilbnngtf^njralten.  ^anb- 
»erferfdjule  (für  JJe^rlinge  unb  ©efeTlen):  $rof.  Naumann,  3)ireffor.  — 
^rer:  Dr.  (f.  Züiid)  II.  —  <§d)äfer.  —  Äaberfd^.  —  Söalcnttn.  — 
3)utf<f>fe.  II.  93olf«fd)ulen.  ^?rof.  Naumann,  3>treftor  fdmmtltd^eT  ©offtf- 
f*ulen.  1)  @t.  Ännenfdjure.  ?etjrer:  f.  JH.  a)  9lbmintfrrotor^trc^e  (bte 
a^äbdjen);  b)  ©unfcbera  (bte  Änaben).  —  2.         Sauer.  —   3.  Ml  : 


(.Knaben).  —  2.  Äi.:  a)  ©eiler;  b)  Äabjlem.  ~  3,  StU:  ©drftr«  jun. 


V 


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723 


3)  9iri§fd)ule.  1.  JH.:  a)  SBurger  (SJcäbdjen);  b)  Deminier  (Jtnaben). — 
2.  ft:  flöljr.  —  3.  JH.:  Horner.  4)  »Jtifelaifaule.  1.  JH.:  Würfe  (SWäb* 
($en).  —  2.  JH.:  a)  Tepert;  b)  Xeidjert.  —  3.  JH.:  a)  Jtraufe;  b)  @la* 
bofef).  5)  Gombinirte  aWäbdjenflaff*.  n)  ©raf;  b)  Dutfrfjfe.  6)  Bürgers 
frfjule.  I.  JH.:  Üfletbner.  —  2.  JH.:  <5d)abe.  7)  Älaffe  für  förperlty  unb 
getffigjfdjttjadje  JHnber:  Jeidjert.  8)  $ür  ben  ©efangunterridjt:  Ättu 
berlidj. 

15.  JHeinfinberbenniljr .- Slnüalt.  33ern>irtto.  Oberlehrer  Jtröfjne,  geb. 
'JJerf,  Sluffefycrtn.  —  ©unfdjera,  Setyrer. 

F.     e b  i  j  i  n  a  I  -   e  r  f o  n  c ». 

Dr.  Waffalien,  Jtrfittfifyftftt«.  —  Dr.  SBauernjtein ,  StafcttffrflfuJ. 
—  Hflgfc :  £ofratt>  Dr.  ©oaelfang.  —  Dr.  ©lorfe.  —  Dr. 
(Sdjmige.  —  Dr.  33ietfd).  —  Dr.  ©dfnieber.  —  Dr.  £tnf,  #oineopatlj|.  — 
^(l)nurf ,  Jtrei*;(Sf)irurgu0.  —  ©ebfyarbt,  kommunal;  unb  Ärmen^ühhinb- 
arjt.  —  2Bunbärjte  :  Sonntag.  —  Sdjul}.  —  (Horner.  —  ©eber.  — 
Snbrea*. —  9Hngf,  föntgl»  JHreWfXljterarjt. —  «fräring,  Xljierar^t  1.  JH.  — 
?tyoH)efer:  Witföer  unb  6tnive.  —  ileubner,  $)roguifi. —  £eiurirtj  b$gl. 

G.  33udj*  unb  6tetnbru(ferd*$3eftfcer. 

£ein$e  u.  £oml>.  —  $re§ler.  —  3.  Jtüljler.  —  SJtämifdj.  —  SEöiU 
^elm*.  —  ffieingärtner.  —  Xfjieme. 

H.  <Butf>r)änbWr. 

Jtöljler.  —  JtoMiji.  —  £ein;e  u.  (5omfe.  —  JRemer.  Setybibliotyefen' 
Seftfcer:   Jtoblifc.  —  Semcr.  —  Bertram. 

I.  SRebaftionett. 

5Webaftion  be*  ©&rli|jer  Sinniger«}  bet  ©drlifeei  $ama;  be«  ©dt* 
lifcer  üjntelligenjblatte«;  ber  fcauftfcer  3eitung. 

K.  33efi$cr  von  2ÖoU*Spinnfdbr(fen. 

©ebrüber  93auer.  —  drnfl  ©etiler.  —  ©ebrüber  Bergmann  unb 
Jtraufe.  —  <Salin  unb  (Somp.  —  (Sari  ©eifjler. 

L.  Xudjfcfjeer*  unb  2lppretiir$fnfralten. 

£alberjlabt.  —  Döring.  —  ©artig.  —  ßiufe  unb  SJetter.  —  SBirty.  — 
$ol)ue.  —  £)at  XudjmacfyermitteL 

M.  <2>pebiteure. 

Sinbner.  —  SWüller.  —  Jtollmann.  —  ftrauflabt. 

N.  (£ommiffio  näre  unb  Agenten. 

(Stillet.  —  (Schubert.  —  £.  Sretflauer.  —  Gubeu«.  —  ffl.  (5ltf- 
ner.  —  <t.  ©erfte.  —  £.  Werfer.  —  51.  Äranfe.  —  JR.  Cettel.  —  50. 
Cfjle.  —  9t.  Otto,  —  3.  £.  Scfjmibt.  —  (5.  3»al>r.  —  ftr.  $alnu 

0.  KotteTit'lXnttX'dtinntfymeT. 

<2üUig.  —  ttabifd)..—  (Sifftet. 

I\  ^Bereitete  &uftionö'(£oinmitfäre. 

©urtycr. 

46* 


724 


Q.  ?of)iifutfd>er  unb  3>rofc^f cnbef^er. 

Sluguirin,  Cbermarft  126.  —  »erger,  Cbermarft  124.  —  33ud>-- 
toalb,  «reitegaffe  113b.  —  ftörfter,  Cbermarft 98.  —  ©räfer,  Cbermarft 
107.  —  ©regoriu«  3.,  Celfd>lägergafTe  (»erl.  9tofeng.)  239.  —  @reao- 
rüttf  8.,  93runnenjtra§e  463.  —  item,  ^antmerf  394.  —  Jtnoblod),  3ü; 
benring  176.  —  Äutfctjc,  ftifdjmarft  57/58.  —  Seemann.  SRarjiallpadjter, 
Eonnengaffe  70/71.  —  *ucfa«,  Cbermarft  107.  —  2Wüble,  ealomon*; 
qafle  865.  —  SRüller  Vfangengaffe  171.  —  2Nöller,  Statyt  1082.  — 
Lintert,  Cbermarft  106.  —  $ufe,  DemianMafc  435.—  (Schiller,  Dlofen^ 
aajfe  255.  —  €>d)mibt,  Aiüt>marft  53.  —  Sdjmibt,  ^eterÄgaffe  313.  — 
Stocf,  fcangengaffe  166  a.  —  Xrautmann,  $cter«gaffe  321.  —  Salter. 
6anbmerf  395  b.  911*  Xarc  ift  bcn  Drofdjfenbefoern  für  bie  8u$re  rom 
Bahnhofe  in  bie  <5taM  5  ®gr.  angcfeftt,  im  übrigen  wirb  man  tüoty  tbun 
fi<f>  mit  ibnen  auf  einen  bejHmmten  $rei«  ju  »erjiänbigen. 

R.  öattr^KnftaUen. 

Sannen-  unb  Dampfbc  Unterfaßt  1090.  —  Sannenbab :  im  Sil* 
Ijelmababe.  Dort  ftnb  auch  überbetfte  aerfchloffene  3ellen  «um  93ateu  in 
ber  Steife,  ebenfo  circa  120  @d)ritt  meiter  ein  gan§  freie«  ftltifbab  (^rei« 
1  <5gr.)  bei  Silbe. —  Daa  fogcnannteftiftherbab,  orifdien  bem  Sifbeirmfr 
babe  nur  fleinen  (Srercicrplaie  jenfeit  ber  9tei^e  gelegen;  ein  freie«  33ab 
unter  9tufftd)t  ber  Stabt. —  ifeieÄnaben;6djtt)imm^nftatt,  bem  Silbeim«: 
babe  gegenüber.  —  Die  SWäb^en-Äabe^nflaU,  ein  verfdjleffeneö  tfäbtifche* 
?9ab,  gegenüber  bem  flehten  C?rercierj?la^e.  —  Unterhalb  ber  53rüife,  Sto: 
tbenburger:<§tra$e  972  b.  (ftjfler'a  Strombab  mit  ftarfem  'SeUenfdplage, 
in  grofjen  verbceften  3cllen,  wo  auch  Douche  unb  manne  ©aunenbäber 
•tu  jeber  Xagetfgeit  §u  befommen  ftnb.  $ür  Damen  finb  gang  befontcr* 
mehrere  3eRenbaber  eingerichtet ;  für  Diejenigen,  »eiche  jeufeit  ber  Olei&e 
ttom  £enner«borfer  Segc  aud  übergefahren  fein  trotten,  floht  ein  .ftabn 
bereit.  SBiUetö  ftnb  in  ©iffler'«  #aitblung,  SBrübergaffc  8. ,  fotoic  im®  an- 
böte jum  Äronbrinjen  unb  in  ber  Änftalt  gl<  haben. 

S.  ©aftfyöfc  unb  föeftaurationen. 

Äh*inifd»er  £of  (©aftgeber  3afob),  3afob*frra£e  842b.  -  $rnt§i-* 
fdher  .§of  (©ajtgeb.  ^fennigmertb),  Cbermarft  95.  —  3um  braunen  £trfd) 
((gaftgeb.  £ülfe),  Untermafft  324.—  3 irr  golbenen  Jtrone  (@aftg.  Jtnauiij), 
Cbermarft  124.—  3um  meinen  Diofc  (©afiaeb.  Araber),  Cbermarft  107.  — 
3um  golbenen  ißaum  (©aftgebertu  SNab.  xhomet),  Uutermarft  4.  —  3um 
golbenen  ©trauf  (@af)geb.  aRüjfig),  Demiattiplafc  419.  —  3ur  golbenen 
•Sonne  (©aftgeb.  ttamvelt)  deichen  bacher  Xhor  —  3ur  «Stabt  Seipjig 
(©ajtgeb.  3etfd)fe),  58aufcner'@tra§e  898c*.  —  3um  Äronprtn$en  (©aftg. 
(»iffler),  «Rifolaigraben  612.  —  3ur  «Stabt  ©retfau  (©ajigeb.'  Slltmann). 
Cbergaffe  730.  am  Saubaner  Ityox.  —  3um  blauen  £ed>t  (©afigeberin 
vtm.  Xbettrich),  Cbergatfe  716/717.  —  3um  beutfdjen  ^ofe  (©aftg.  Seins 
brig),  KabengafTe  1060.  —  3ur  ©tabt  $rag  (©afigeb.  3trobadj),  «Sei. 
benberger  6^auffee  1068.  9lettaurationen  nnb  Seinihtben:  $ape  («Stein- 
^  gaffe  93.)  —  gerben  (Cbermarft  22.)  —  SWebetf  (9lei§g.  350.)  —  Söllig 
(9cei|g.  1.)—  Subifcb  (DemiantDlafe  411/412.)  »ierfliuben,  mt  bei  ben 
»irr  juleetgenanntett  fo  au^  bei:  ^aul  (^eter«g.  276.)  —  SKullcr  (9tei^ 


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725 


gaffe  351.)  —  ©etöler  (Stetig.  348)  —  $äfe  (£anbw.  360.)  —  $ememann 
(Sangeng.  193.)  —  in  ber  iaffagierftube  Wetertg.  315.)  u.  m.  a.  O. 
3n  ber  «orfiabt :  bei  Änitter  (.Kummerau  930)  -  €anbon>  (3af obeaaffe 
843 -  $eibrid»  (im  eci>ie*t>aufe  a»  ber  »ei&e.)  -  ®4ol*  (im  mu 

U.  Slumen*  unb  äunftgärteu. 

Der  $a»e'fäe  ©arten,  am  Wüfcltvege.  —  Der  £erbia/f$e  ©arten, 
an  ber  3afob*ftra$e  in  ber  Oiabc  betf  3arob«$oavitald  unb  95ai»nf)ofe\  an 
ben  Xumvlafc  ftofcenb.  —  Der  Waurer'fty  ©arten  an  ber  Unter-£at)le.  — 
Der  äunft;  unb  $arfgärtner  ffiirtrj,  beffen  9öol»nung  in  ben  $arfanlaaen 
vor  bem  2Hebcrtf»or  ftd)  beftnbet,  hält  ebenfalls  eine  Sammlung  von  fei; 
tenen  ©elväcfifen  unb  »-Blumen. 


X.  Sagegfaleitber, 

Xäaiif^t  (tifenba^njüge:  9lad>  Dreaoen  (8öbau  (3ittaul, 
Sauden,  £ifcr)of«tverba),  «  U$r,  8%  U.,  1  U.,  5  U.  flad)  »retflau  (Äohlfurt, 
«öunjlau,  £a»nau,  ttegnifc)  6%  U.  W.,  2  U.  Witt.  9lad)  «Berlin  (Jcoty; 
furt,  ftaufcba,  £an«borf  |©logau|  (Sorau  (Wutffau),  11  U.  3».  u.  8  U. 
45  9Rin.  Kbenb*.  «Bon  Dredben  9  U.  W.,  1  U.,  4  U.  45  Win.,  8  U. 
«öon  »Bretflau  12  U.  4o  W.  Witt,,  10  U.  30  3».  «Hactjt«.  SJon  «Berlin 
7  U.  30  «Di.  5Wow.,  4  U.  Wadjm. 

Xäglidje  Soften:  a)  »bgebenbe.  9lad)  ^rag  9  U.  38  Win., 
3ittau  11  U.  30  W.,  fcauban  3  U.  «Jtadjnu,  Aremberg  (Oiie«fv,  Uiutffan) 
5  U.,  Warfitffa  (Wont.  Witt».  «Sonnab.),  5  U.,  £irfd)berg  (iauban,  ©rei- 
fenberg)  »benb«  11  Uf>r.  b)  «Jlnfommenbe.  «Bon  ^irfdjberg  4  U.  30  W. 
Worg.':  von  Aremberg  9  U.  15  Win.;  von  Warfliffa  (Wont.,  Witttv., 
©onnab.)  8  U.  30  Win.  Worg.:  von  3irtau  9  U.  30  9t.  Worg.;  von 
Sauban  11  U.  45  W.  Worg.;  von  *ßrag  1  U.  Wittag«.  «Briefe  »erben  in 
ber  <Stabt  bi*  1  2 runbe  vor  Abgang  ber  3üge  unb  Sofien,  auf  ber  Bafyn; 
Ijofa  i  ($r*ebttion  bi$  15  Win.  vor  «Abgang  be«  3ugetf  angenommen. 

Wontag:  Oeffentlidje  Sifcung  be*  Nirt)ter«  für  Bagatelle  unb  3n-- 
jurienfadjen,  von  9  Ufjr  Woraen«  ab,  £eringemarft  !Wo.  260  1  Xr.  Ijod». 

DineUag:  3m  hinter  Slbenb«  8  Uhr  «Berfammlungen  betf  ©enterbe; 
verein«  unb  Vorträge  in  ber  $riebrid)*2Öilf)elm6;©tiftung.  3n  ber  ©tabt= 
n?aage  2  Xr.  fyod). 

Witttvodj:  Ceffentlidje  ©ifcung  für  <Straffad»en ,  im  Äreidaerity, 
von  9  llr>r  Worg.  ab;  öffentliche  Si'fcung  bee  9lid»ter<5  für  «BagatelU  unb 
3njurien  Sadjen  im  angeführten  fcofale,  von  9  Uhr  Worg.  ab. 

Donnerstag:  freiet  (tintritt  in  bie  Sammlungen  ber  «Jlaturforfdi. 
©efellfdjaft,  $eter«gaffe  277,  l.XrevVe,  frülj  von  10—12  ttyr.  Die  «Bi* 
bliotljef  be«  ©etverbevereintf  ift  im  <Sommer  von  1—2  U^r  9ladjm.  im 
©aagegebäube;  bie  »ibliotbef  ber  Cberl.  ©efellf^aft  ber  ffi®.  ift  von 
1-3  1%;  bie  Wilid)'fd)e  »ibliotbef  im  »at^aufe  von  2— 4ttbr  geöffnet. 


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726 


ftreitog:  Dttfentüdfe  <3t$ung  in  SBagatett*  unb  3njuti«ifa(^f«, 
rmgtfntarft  261  »ort  9  tU>r  3Morg.  ab.    Dcff«ntlid)<  <Si$nng  »or  bnn 
Winter  übfr  *8<rflt$«i,  ftifdjmarft  63  von  9  Uf>r  äRorg.  Oeffentlid^c 
€tafct»frotbn€t«njfyun9,  im  StatHaufc  9tad}m.  von  3  U^r  ab. 

©onnabenb:  JDcffentlicfje  (Sifcung  in  $roce^faa^en,  im  flrei6gerid>t, 
frütj  von  9  ttyr  ab.  3Nilid)'föe  »ibliotytf,  im  9tat^aufe  ttadjin.  »on 
2-4  U^t. 


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I 


Sfrefltfier  über  ben  5lnfmitß. 


gj  Seite 

<^icf)amt.  1850.  .  .  .922 
St.  ?lnnenfir<$e  .  .  .061 
ftrmeube|7t>äftiguna,öan|talt,185Q  722 
&uctipn0-(5i>mmif|are  723 
s-öabr?(nüa(ten  ...  724 
9afiricn  .  .  .  .695 
$au:<§anbtt\-vi?rüfung6'(&i>mnt.  719 
k£efferunaö;9(ntlalt  für  fittlict)- 

rcrroafrlnjle  Stint  tx  .  .687 
M^irf^rjiftyfr  .  .  .722 
^ibliotbtfen  unb  «Sammlungen  706 
Blumen-  unb  jtunfigärten  .  725 
'Öranntcroeintüaffer  701 
*Bud);  unb  Stcinbrurfer  .  723 
93ud)ljänbUr  .  .723 
^öura,er;ÜReffi>uref  .  .  .  706 
'Bürger;  Sdjuljl'ejjrcr  1850  679.718 
*  :  ^iaturalien^ab.  710 
$ürger--Sereiu  .  .  .706 
ISljnftfathelifd}«  OJtmeinbt  .  718 
tfomin ifnonäre  unb  Agenten  .  723 
JJarlerjnöfaffe  .720 
©rfifaltigfeitdfirct)«  .  .  (k>4 
V$tf<nbaf?nan(aa,*u  .  712 
^tffnbal^n^of  .  .  .712 
(Ivangel.  jtird}rnmimf)mum  717 
tfelfeneinfdjntrte  .  .  .713 
^tnjtertrjor  ....  697 
ftorfiamt  .  im 

Sranjiafanerflofter       .      .  677 


ÄvauenlnM'riMl 
Arauenfircfye  . 
ftrauentfjor  . 
ftrauentburm 

(«eilt-  (l)eü.)  Stabile 
©eoraenfavelle 


Seilt 
673 
658 
698 

IM 

724 
667 
644 


©efeUfdjaft,  cberl.,  ber  flttffmft.  701 
0cweibtratfy  .  .720 
&en?erbe*eretn,  SBibl.  .  705.710 
ftrab,  beil.,  $efd>r.  .  .  663 
Gqtapffcbolf  herein 
©pmnafium,  fcefyrer 
J&anbelefammer 

«^anbnj.:(VJefeUen^©efflna^erein 
£aitbwcrfer£el)rlingöfd)uU 
JÖaupt- Steuer--  Wmt 
«&c*ner*borf 

£o|>itäler  unb  Äranfeu^äuffr 
£otr)ertr/or  .... 

3nfel  

oafobJhiM'ritiil  unb  Mix  Au-  . 
3auernir?er  5öera,e 
3i>ad>ijmicin ,  Stift 
oufifet)«  («emeinbe 
3uaenbbrunnen 
.ftaoltrjor  .... 
tfaifertrufc  .... 
Capelle,  fall; 


705 
677 
720 
705 
6M1 
880 
713 
670 
696 
713 
672 
714 
713 
718 
701 
699 
693 
669 


auf  ber  SRotfyenburgerji.  669 


728 


«Seite 

tfatgolifd>e  $aro$ie  .  718 

Äleinfinberbewafjranflalr  .  688 
.«onigdfjainer  »erge  .715 
Äranfenfjau* ,  jiäbtifd>ee  .  676 
Äreiagr riebt,  foni^lidw^  684.  719 
£rei«gerid)t*gefängmf  .  690 
.toei*'Cefonomiecommifjton  .  719 
Äreujtyor  .  .697 
Äreujtoaffer  .  .701 
fcanbratbamt  ;  .690 

Sanbfle  Ufr  am  t  .  .  689.  721 
£anb--  unb  ffiafferbau^nfyeftion  719 
Vanbe «frone  .  .714 
fcaubaner  Xhot  .  .  .696 
?efcr/h>ifcer  @Vajieraang  713 
«ofjnfutfdjer  n.  irofdjfenbeftfcer  724 
Somnifr  .713 
fcuttjeranmÖenieinbe  .  .718 
aRäbd»fnf^ule^^re,?rl)rfr680.718  6 
SNagifirat  . 
Wagitiratdbeamte 

»ittebijinal^erfonen 


aflerfroürbigfeiten  unb  ^artieen 

ber  Utngeaenb  . 
m\itf)d)<  Sibüotyef 
SJtilitärbe&örben  . 
^üitärlajaret^  . 
WlvW  . 

9caturforfd>enbe  ©efellfdf.  Ml 
SReipbrücfe  . 
9lei§fafoital  . 
Weiptfar 

Weijjviabufr  .  .712 
9leue  Gaffer  .701 
<ttttic*  $aua,  ^>ofpttal  .  .  674 
«Hiebertljor    .  .  .697 

9tifolaiftr$e  .651 
9Wolaitftor  .  .  .  .697 
OWclaitpurm       .  .  695 

Ober*ÜWüf>lberge  .  .  710.711 
VatfVf  ....  686 
^arfanlagen ,  öffentlidje  710.  7 1 1 
©r.  $eter*firdje  .  .  641.706 
$eter*»affer  .  .701 


721 
721 
685 
723 

712 
707 
717 
675 
713 
704 
692 
670 


$fanblety*9nfialr  . 
^olijeibeamte 
$ontett>affer  . 
$oficont»rcir,  föniglidje* 
^romenaben  u.  iöergnügung«* 

ort  er 
fliabeutljor 
»atMan* 
9taty«tf>urm 


9taufd>a,£om.$oli$.  (SteU&ert.  722 
Dtebaftionen  .  .      .  723 

»eiebenba^er  Iljor  .  698 

Äei*enbact)er  X^urm  .  .  694 
«entfalte  ....  692 
!>ten"üurcen;®arten  u.  ®<\t\tid).  706 
ÄefMuratuMKii  .  .  .724 
9iufenn>affer  .  .  .  .700 
ealomonöbrunnen  .  .  701 
eal)fau0  ....  685 
@al$faftt>rei  .  .719 
*Sängerbunb  .  .706 
Schiebern  ännet  .  .  .720 
(Scrwptjaue  an  ber  Steide 

£cf,ule,  fatMiftt      •  • 

6cn>t#amt   .  ,722 

©iebenbrunnen  .  700 

£ocietätegarten    .      .  .706 

Stabtverorbnete    .      .  .  721 

@tabtn>aage  .  V  685 

etabt;Unteni(rjt*anfialten  .  722 
<Stänbef>aK0  ....  689 

<5  trafen  jialt,  fönifttidp  690.719 


XeicWor 
Xenfeleftein  bei  $ennereborf 
Xbeater 

Xnore,  ©efcfjidjte  berfetben 
Jbürme,  («cfcbidjtf  berfelben 
XötfertljoV  . 
Xurnplafc  unb  XurnfaUe 

3öaifenbaue  . 

5önfTerleirungen  n.  Hbjüdjte 
^ell^inn-ftabrifen  . 
3toang*arbeit*anjialt 


Seite 
722 


711 
696 
681 
681 


697 
714 
686 
696 
694 
698 
688 
680 
686 
700 
723 
722 


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I 


729 


<grgan)»ngeit  unb  Scrit&tiguttgett. 

@.  21.  Dag  in  tat  aud  SWencfen  beruht  auf  einer  falfdjen  Wotij. 
Sorl  ni  aft  von  ben  3«ten  bed  Äöniga  3o|aun  von  Lohmen  bie  9lcbe. 
£anbv5a,te  Aber  bie  Überlauf  fommen  fdjen  viel  früher  oor. 

@.  71.  Urfunblidj  fommt  fdjon  beim  3aljre  1350  ein  Styotfjefer 
unter  best  Warnen:  Äonrab,  vor.  cf.  Oberl.  Urfunbenverjeidniij;  I.  p.  54. 

@.  345.  <J«  jinb  nity  9  SUtäre  in  ber  $ran$itfanerfird>e,  fonbern 
16  barin  aetoefen,  f.  ben  Anhang  @.  856. 

@.  367.  JDa0  3afob  SBofone'fae  £auö  toar  Wo.  789.  (nify  748.) 
unb  gehört  jefct  bem  SBätfer  Worbmann  (ni<bt  @<hmtbt)  Worbmantt  ver; 
waftrt  aud  ©ofyme'*  3eiten  nocty  ein  @la6a,eraä(be,  roa«  früher  ate  $en; 
fierfdjeibe  gebiert  bat  unb  auf  bem  <§aufe  ift  eine  Wetterfahne  von  (Sifen; 
bled>  mit  ber  ,\ahre^ahl  1613,  unter  welcher  bie  ^udjftaben  J  C.  P. 
(Ringer)  unb  eine  jweite  3af>re$$af>l  1797  ftef)en ,  bie  bei  einer  Reparatur 
hinzugefügt  jtnb. 

<S.  489.  9(nm.  *•)  ifl  \u  ergänzen,  ba*  bat*  Denfmal  SBinterfelb'« 
bei  SWott*  burdj  bie  Obertauf.  €>tänbe  gefegt  morben  fft 

8.  687.  3)er  gegenwärtige  Uiorfiaitr  be*  £bert.  ©eremö  flnb :  ®raf 
v.  Söben,  $ofratf)  v.  ^etynifc  auf  Äöniaöljain ,  Eanbfdjaftefnnbifu*  3ufiij- 
rath  v.  <Stevhan».  2anbfd)aftofvnbifu*  3ujHjratlj  (Sättig,  Kaufmann  $er; 
binanb  <Sd>mibt,  Stabtratlj  3tb.  SKüUer,  $rebiger  £ergefell. 

3.  705.  Der  jeßute  iöorjianb  be$  ©ttftav^bolfjißereina  befleht  au* 
fotgenben  Herren:  ©raf  v.  fcoten  unb  Sanbratb  v.  Derlen,  ^räftbenten. 
^rebiger  ^ergefeü  unb  Direftor  Äaumann,  @efretäre.  Äanfmann  Wöber 
sen.,  Äaffirer.   %n  biefem  JDrte  finb  nod)  einntfdmlten : 

Die  ©ibelgefeKfdmft  beftefjt  feit  bem  3atyre  1820,  gegenwärtig  mit 
nadtfetyenbem  3Jorfianbe:  ^rrath  v.  $eVnt6  auf  Äöuigatjain ,  ©uverin; 
tenbent  Sürger:  ati  ^räftbenten.  ^Irebiger  <5d}ovv»g  altf  ©eneralfefretär. 
$rebiger  £ergefeu*  unb  ©djuridjt  alö  Special  3eFvetare.  Die  jährliche 
^auvtverfammtung  finbet  in  einer  ber  Ijiejigen  Jeinsen  ftatt. 

<£ntljaltfamfeit*verem :  iöorjianb:  $rebiger  £ergefeH,  Gonreftor 
Dr.  <Stru*e;'!( »*  K, 

'0  Huii    \:'ti\<nKf,%      -   iü?««   i   x .  Min 


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I 

730 


3>  r  u  ef  f  e  h  1  t  x . 

Seite   29.  3eile  14.  von  unten  litf:   „ttotar"  ftatt:  9*ed>t«an*afc. 

59.    t      8.   *   oben   ftrcidje  ba<*  Äomma  hinter:  bö$roiföen 

<5tänbc, 


64. 

• 

s 

5. 

oben 

(tat; 

„26.  yiuflufi"  üatt  6.  «uguft. 

67 

• 

4. 

unten 

..ÜBieritoanae"   *  SBüraeritoanae. 

73 

2 

eben 

..1625"  ftatt  1635. 

95. 

15. 

9 

; 

„3nquiftt"  ftatt  3nquirent. 

95. 

t 

19. 

z 

„1303"  üatt  1305. 

154 

; 

15. 

* 

unten 

MM«  ■  M 

„1344"   *  1349. 

157 

: 

1. 

m 

„unb"  fiatt  in. 
„in"  ftatt  iu. 

164 

i 

10 

a 
^ 

oben 

W  V  M 

* 

185. 

s 

2. 

; 

s 

„Gkafenftein"  üatt  ©reifenftein. 

229. 

2. 

; 

unten 

„iPerf."  ftatt  9Jerf. 

240. 

21. 

S 

r 

..nnetnanbitf"  ÜÄtt  nentanbi^. 

246. 

0 

10. 

t 

„bemühten"  üatt  bemüt^en. 

251. 

* 

23 

: 

s 

toieber"  üatt  mtotx. 
„lvrlduT"  ftatt  toeldtem. 

'  270. 

9 

11. 

■  % 

; 

f 

280. 

'S. 

18. 

t 

! 

„bei"  üatt  in. 

340. 

* 

i. 

t  5 

„166"  ftatt  356. 

341. 

* 

s 

12. 

; 

oben 

w  V  M 

. .fernere  ©eaenb  nach"  Aaft  fernerer 
0)eaenb  tu. 

'  ♦M»M%1  • 

352. 

* 

1. 

9 

„1390"  flart  1490. 

413. 

t 

11. 

S 

„ben '*  ftatt  bet. 

426. 

t 

14. 

unten 

„feinet"  ftatt  feine. 

452. 

- 

15. 

oben 

„aebrauct)t"  ftatt  gebradjt. 

428. 

* 

3. 

f 

unten 

„üa^ren"  ftatt  ^abren. 

466. 

s 

.  5. 

t 

r 

„1838"  ftatt  1837. 

480. 

I 

14. 

s 

t 

„£e«cjtn«fy  ftatt  eeeqie*fp. 

577. 

+ 

4. 

M 

„22.  v."  ftatt  22.  b. 

580. 

6. 

t 

oben 

„©rgänjuna."  ftatt  »oüftänbigfeit. 

603. 

; 

9. 

S 

unten 

„®rof(^en"  ftatt  ®tof<f»er. 

610. 

* 

5. 

S 

oben 

„unfere"  ftatt  unfeten. 

615. 

17. 

t 

unten 

„25 en"  ftatt  Der. 

620. 

7. 

„feierte"  ftatt  feierten. 

639. 

• 

16. 

t 

oben 

-> 

9 

„1456"  ftatt  1556. 

1 


\  e$neu>reffenbrutf  oon  3uliu#  Äö^ler  in  ®orU*. 

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CMfi 


ÖTAAT6 
DlBLlOTMfcK 


I 

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I 


uchblnderel 

SCHWAB 
Mönchen 


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